Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 502 

Thomismus in der heutigen Zeit


Der Kampf gegen den Nominalismus 

 

 
 
 
 
 

 


(siehe auch Kurse Nr. 500 Summa contra Gentiles, Nr. 501 Summ Theol. und Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen und ihre Folgen. Zur Aktualität des Universalienstreites)
 

Göttlicher Einfluss, religio, latria

Die vernünftigen Geschöpfe überragen in der Würde ihres Ziels die anderen, weil allein das geistige Geschöpf durch seine Tätigkeit zu jenem letzten Ziel des Universums ("finem ultimatum universi") gelangt, nämlich Gott zu erkennen und zu lieben ("cognoscendo et amando Deum"). Wenn der Mensch im Sinne des Averroes in seinen Tätigkeiten eine Richtung nur hinsichtlich der Entsprechung mit der Art hätte, gäbe es in ihm nicht die Entscheidung tätig zu sein oder nicht tätig zu sein, "sondern er würde notwendig der natürlichen, der ganzen Art gemeinsamen Neigung folgen, wie es bei allen vernunftlosen Geschöpfen geschieht. Es ist also offensichtlich, dass die Tätigkeit des vernünftigen Geschöpfs nicht allein der Art nach, sondern auch dem Individuum nach eine Richtung hat." Die vernünftige Seele ist ja, wie gezeigt wurde, nicht allein der Art nach der Fortdauer fähig wie die übrigen Geschöpfe, sondern auch dem Individuum nach. Ein jedes gesetzesfähige Wesen empfängt ein Gesetz von demjenigen her, von dem es zum Ziel hingeführt wird. Daher heisst es bei Jeremias: "Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen." Das göttliche Gesetz ordnet den Menschen prinzipiell auf Gott hin, wie der Staatslenker zum Frieden ("rector civitatis ad pacem"). Ziel der Unterweisung ist die Liebe. Daher kommt es auch, dass man das neue Gesetz, als das vollkommenere, das "Gesetz der Liebe" nennt, das alte Gesetz aber, als das unvollkommenere, das "Gesetz der Furcht". [131] 

Was ist, wenn jemand etwas falsches glaubt? Von Gott, der die Wahrheit selbst ist, kann dem Menschen nichts Falsches zu glauben vorgelegt werden; wer daher etwas falsches glaubt, zum Beispiel Christus sei nur ein Prophet, glaubt es nicht Gott. Wer also in Bezug auf Gott irrt, kann Gott nicht lieben noch ihn als Ziel begehren. Eine falsche Ansicht im geistigen Bereich, falsche Meinungen über Gott und über das, was sich auf Gott bezieht, wie sie im Islam und bei einigen islamisierten evangelischen Theologen verbreitet sind, werden damit ausgeschlossen. Es handelt sich um den "Irrtum gewisser Leute", vor allem muslimische und einige evangelische Theologen, "die behaupten, es habe nichts mit dem Heil eines Menschen zu tun, mit welchem Glauben auch immer er Gott diene."  [132] 

Durch Erfahrung ist ersichtlich, dass die Seele durch körperliche Tätigkeiten zu einem Gedanken oder einer Empfindung angeregt wird. Daher ist offenbar, dass wir zu Recht auch gewisse körperliche Handlungen zur Erhebung unseres Geistes zu Gott nutzen. Und weil wir durch innere Tätigkeiten unmittelbar zu Gott hinstreben, darum dienen wir durch innere Tätigkeiten Gott im eigentlichen Sinne. Dieser Gottesdienst wird auch "Re-ligion (religio)" genannt: denn durch derartige Tätigkeiten bindet ("ligat") der Mensch sich gewissermassen an, um nicht von ihm loszukommen. Daher wird der Dienst - die Gott und Christus allein zustehende Verehrung - besonders bei den Griechen mit einem eigenen Namen "Gottesdienst (latria)" genannt. Dieser Dienst in der Weise des Gottesdienstes darf nur Gott und Christus erwiesen werden, nicht jedoch Dämonen. Den Dienst erweisen wir Gott, "nicht weil er selbst dessen bedarf, sondern damit in uns auch durch Sinnesdinge der wahre Glaube an Gott gefestigt werde." Entscheidend ist ein wahres inneres Opfer, "insofern der menschliche Geist sich selbst Gott darbringt." Denn "Kniebeugen, Sich-Niederwerfen und andere derartige Ehrbezeichnungen können auch Menschen erwiesen werden." Der Gottesdienst kommt den höchsten geistigen Substanzen zu; ist das nicht der Fall, sondern werden niedere geistige Substanzen angebetet, täuschen sie bei ihren Antworten und "fordern von ihren Dienern Dinge, die der Tugend zuwiderlaufen. Damit stehen sie niedriger als gute Menschen: also gebührt ihnen kein Gottesdienst."  Deshalb heisst es ja auch über die Gottlosigkeit der Heiden, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit "gefangen halten" und andere daran hindern zur Wahrheit zu gelangen, die sich zwar für weise halten, in Wirklichkeit aber Narren sind [133]: 

"Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit halten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken; so daß sie keine Entschuldigung haben. Sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepriesen als einen Gott noch ihm gedankt, sondern haben ihre Gedanken dem Nichtigen zugewandt und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere. Darum hat sie auch Gott  dahin gegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst, sie, die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lüge und haben geehrt und gedient dem Geschöpfe mehr denn dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit." (Röm 1, 18-25)
Weil es aber unrecht ist, Gottesdienst einem andern als dem ersten Prinzip der Dinge zu erweisen, "nur ein böse veranlagtes unvernünftiges Geschöpf aber zu Unrechtem anstachelt: so ist es offensichtlich, dass die Menschen zu dem genannten unrechten Gottesdienst auf Antrieb von Dämonen verlockt wurden, die sich im Verlangen nach göttlicher Ehre den Menschen an Gottes statt zur Verehrung darboten." Daher heisst es: "Alle Götter der Heiden sind Dämonenwerk" oder: "Was die Heiden opfern, opfern sie Dämonen und nicht Gott." [134] 

Neben der äußeren christlichen exoterischen Lehre wurde auch die christliche Esoterik gepflegt. Der große Apostel des Christentums, Paulus, hat seine gewaltige, flammende Rednergabe dazu benutzt, den Völkern das Christentum zu lehren; darüber hinaus hat er aber auch gleichzeitig eine esoterische Schule begründet, deren Vorsteher Dionysius Areopagita war, der in der Apostelgeschichte erwähnt und oft von den Scholastikern, insbesondere Thomas von Aquin, zitiert  wird. [135] 
 

Die Bedeutung der Scholastiker, insbesondere Thomas von Aquin, des Realismus im Gegensatz zum Nominalismus

Es gab zwei Geistesströmungen. Die eine war die der islamischen Philosophen wie Averroes, Avicenna usw. Die andere Strömung war die, die in schärfster Weise diese Strömung der "arabisierenden Philosophen" bekämpfte. Dieser Kampf wurde, wie schon oben erwähnt, in vielen Bildern zum Beispiel von Andrea di Bonaiuto, Benozzo Gozzoli festgehalten, "wo etwa Dominikanermönche oder Thomas von Aquin selber im Triumpfe dargestellt werden, im Triumpfe einer ganz anderen Anschauung, einer Anschauung, die vor allen Dingen die Individualität, das Persönliche des Menschen betont, die dahin arbeitet, dass der Mensch sich seine Gedanken als sein Eigentum aneignet, und wo diese Dominikaner dargestellt werden, wie sie die Vertreter des Arabismus mit Füßen treten." Wären die Anschauungen der islamischen Philosophen in Europa herrschend geworden, dann wäre nur ein schwaches Ich-Gefühl bei den Menschen der europäischen Zivilisation zur Entwicklung gekommen. Der Unsterblichkeitsgedanke wäre immer verschwommener geworden.  Heute ließt man die Schriften der Scholastiker und empfindet nur trockene Gedanken. Aber trocken sind ja eigentlich nur die Leser heute. Die Menschen, die sie geschrieben haben, waren nicht trocken in ihrem Gemüt. Die waren voll inneren Feuers gegenüber ihren Gedanken. Und dieses innere Feuer kam eben von dem Bestreben, diesen islamischen Einfluss abzuweisen. [136] 

Schon in der "atlantischen Zeit" wurde der Christus verehrt. Auch nach des heiligen Augustinus Ausspruch, sind schon bevor das Christentum auf der Erde begründet wurde, die Seelen gewissermaßen "Sonnenchristen" gewesen. Später konnten einige von ihnen aber nicht mehr den Blick hinaufwenden in die kosmischen Welten, "um das Wesen des Christus zu verstehen, gerade deshalb, weil sie den Christus eben nur in außerirdischen Welten kennengelernt hatten. Weil ihnen auch die irdischen Mysterien, die Sonnenorakel, von dem Christus immer als von einem Sonnenwesen gesprochen haben, konnten sie sich nicht in die Anschauung hineinfinden, dass dieser Christus, dieser außerirdische Christus ein wirkliches Erdenwesen geworden sei." [137] 

In Chartres, wo heute noch jene wunderbaren architektonischen Meisterwerke sich finden, da war vor allen Dingen ein Strahl der noch lebendigen Weisheit hingekommen, ein lebendig mysterienhaftes Christentum, das vorher in Spanien gepflegt wurde, "das noch sprach von der Helferin Christi, der Natur, das noch sprach davon, dass erst dann, wenn diese Natur den Menschen eingeführt hat in die Elemente, in die Planetenwelt, in die Sternenwelt, dass erst dann der Mensch reif wird." In der Schule von Chartres begeisterten Bernardus von Chartres (Bernardus Carnotensis), gest. um 1130, Bernardus Sylvestris (Bernhard von Tours), gest. um 1150, Johannes von Salisbury, gest. 1180 als Bischof von Chartres, Alanus ab Insulis (1128-1202) ihre Schüler. Sie entwickelten Anschauungen, in denen sie sich mit Aristoteles auseinandersetzten. Und mit einer inspirierenden Kraft verpflanzte sich das, was in der Schule von Chartres gelehrt wurde, in den Cluniacenserorden und wurde verweltlicht in dem, was der Abt der Cluniacenser, Hildebrand, der dann als Gregor VII. Papst wurde, über die Kirche verfügt hat. "Aber mit einer außerordentlichen Reinheit pflanzte sich diese Lehre in der Schule von Chartres weiter fort, und es glänzte das 12. Jahrhundert in diesen Lehren. Und insbesondere war einer da, der eigentlich alle anderen überragte, und der, ich möchte sagen, in einer ideellen Inspiration die Geheimnisse der sieben freien Künste in ihrem Zusammenhange mit dem Christentum in Chartres lehrte: Alanus von Lille." Er lehrte: Jetzt müsse eine aristotelisch gefärbte Erkenntnis eine Weile auf Erden wirken, in scharfen Begriffen und Ideen. Denn nur so könne vorbereitet werden, was in einer späteren Zeit als eine Spiritualität wiederkommen müsse. Die Strömung aus den ersten christlichen Jahrhunderten hatte die Schule von Chartres vorbereitet, was dann seine Fortpflanzung gefunden hat in der aristotelischen Verteidigung des Christentums. Dann entstand ja aus den Impulsen heraus, die wir in den Werken des Alanus ab Insulis finden (z.B. "Contra Haereticos"), so etwas wie die "Summa fidei catholicae contra gentiles" des Thomas von Aquin. "Und so entstand dann jener Zug der Zeit, den wir aus all den Bildern ersehen, wo die dominikanischen Kirchenlehrer mit Füßen treten auf Averroes, Avicenna und andere, womit die lebendige Verteidigung des spirituellen Christentums, aber zu gleicher Zeit der Übergang in das Intellektualistische gekennzeichnet ist." [138]

Was heisst eigentlich Michael-Strömung oder Michael-Zeitalter? Es gibt sieben solche Archangeloi, die die Menschheit führen, so dass sich die einzelnen Führungen durch die Archangeloi zyklisch wiederholen. Indem wir heute im Michael-Zeitalter leben, haben wir alle Veranlassung, uns des letzten Michael-Zeitalters zu erinnern. Dieses Michael-Zeitalter, das noch der Begründung des Christentums vorangegangen ist, schließt etwa ab im Altertum mit den Taten des Alexander, mit der Begründung der Philosophie des Aristoteles. Ein Michael-Zeitalter kennzeichnet sich dadurch, dass ein kosmopolitischer, ein internationaler Zug durch die Welt geht. Im Zeitalter des Gabriel begründeten sich dagegen innerhalb der europäischen Zivilisation und ihres amerikanischen Anhanges die nationalen Impulse. Das letzte Michael-Zeitalter äußerte sich darin, dass aus den Verhältnissen heraus, die sich in Griechenland gebildet haben, jene gewaltige Tendenz entstand, die zu den Alexanderzügen führte, in denen die griechische Kultur und Zivilisation in einer genialen Weise nach Asien hinein, bis nach Afrika hinüber verbreitet wurde, und zwar durch Völkerschaften, die bis dahin sich zu ganz anderem bekannten. [139]

Von der großen Schule von Chartres ist die Verwaltung der Intelligenz auf Erden quasi an einzelne Mitglieder des Dominikanerordens übergegangen. Der große Streit zwischen Nominalismus und Realismus entwickelt sich vor allem innerhalb des Dominikanerordens. Die ganze Scholastik ist ein Ringen der Menschen nach Klarheit über die hereinströmende Intelligenz. "Man sieht in dem, was Thomas von Aquino und seine Schüler, was andere Scholastiker geltend machen, die irdische Ausprägung dessen, was dazumal Michael-Strömung war. Michael-Strömung: Verwaltung der Intelligenz, der lichtvollen, der spirituellen Intelligenz... In derselben Zeit, in der die Intelligenz vom Kosmos auf die Erde sank, wuchs immer mehr und mehr die Aspiration der ahrimanischen Mächte, diese kosmische Intelligenz, indem sie irdisch wurde, dem Michael zu entreißen, sie auf der Erde allein, Michael-frei, geltend zu machen."  Auch heute muss die Intelligenz michaelisch werden. [140]

Averroes und die Seinigen, also die "mohammedanischen Nach-Aristoteliker", sagten: Intelligenz ist etwas Allgemeines. Sie sprachen nur von einer Pan-Intelligenz, nicht von einer einzelnen menschlichen Intelligenz. Das, was Averroes und die Mohammedaner sich vorstellten, und was von Thomas von Aquin ganz lebhaft bekämpft wurde, war eine Art Steinzeit-Aristotelismus. Nicht die Mohammedaner, sondern die Dominikaner haben die Evolution der Menschheit aufgenommen im Sinne der Michael-Strömung. Unter den Archangeloi Gabriel, Raphael, Zachariel, Anael, Oriphiel, Samael, ist Michael derjenige, der mit denen, die Michael-Geister sind auch unter den Menschen, auf dem Standpunkte steht: Ich bin der Verwalter der Intelligenz. Die Intelligenz muss so verwaltet werden, dass in sie nicht eintritt die Illusion, die Phantastik, das, was den Menschen nur dunkel und nebulos in die Welt hineinschauen läßt. Die Michael-Lehre zeigte sich auch in dem Scholastiker Raimundus de Sabunda, dessen Werk "Liber creaturarum sive theologiae naturalis" 1496 in Straßburg erschien. Er war der Ansicht, die Menschen müssen wieder die Möglichkeit finden, in dem "Buche der Natur" zu lesen. Und das ist der Impuls des Michael: die Menschen, nachdem die von ihm verwaltete Intelligenz unter sie gekommen ist, wieder dazu zu bringen, das große Buch der Natur wiederum aufzuschlagen, in dem "Buche der Natur" zu lesen. "Die stümperhaften, die ungenügenden, die oftmals schauderhaften Anfänge der neueren Naturwissenschaft, sie müssen umgewandelt, metamorphosiert werden durch eine spirituelle Weltanschauung in ein wirkliches Lesen in dem Buche der Natur." [141]

Die Michael-Lehre wirft auch seine Wellen hinein in die Welt der Angeloi. Dies führt bis zu einer Scheidung der Geister in der Welt der Angeloi. Ein Angeloi, der einen Menschen der Michael-Strömung begleitet, lernt tiefer sich hineinfinden in die geistigen Reiche, als er das früher konnte. Und der Angelos, der einem Menschen angehört, der ein Gegner der Michael-Strömung ist, ein Muslim zum Beispiel, "der gar nicht hinein kann, sinkt herunter. Und es zeigt sich zuerst an dem Schicksal der Angeloi, wie die große Scheidung geschieht." Aus einem einheitlichen Reich der Angeloi entsteht ein zweigeteiltes Reich der Angeloi, ein Reich der Angeloi mit einem Zug hinauf in höhere Welten und mit einem Zug hinunter in tiefere Welten. Die anderen, deren Engel abfielen, nehmen wie mit Selbstverständlichkeit die persönliche Intelligenz auf, "aber dafür wirkt sie auch automatisch in ihnen, sie wirkt auch durch die Körperlichkeit. Sie wirkt so, dass diese Menschen denken, gescheit denken, aber sie sind nicht engagiert dabei. Das war der große Streit, der lange Zeit zwischen den Dominikanern und den Franziskanern sich abspielte. Die Dominikaner konnten nicht das persönliche Intelligenzprinzip anders ausgestalten als in möglichster Treue zur Michael-Sphäre." Die Franziskaner, die Anhänger von Johannes Duns Scotus (1266-1308), wurden völlig Nominalisten. Sie sagten: Intelligenz ist überhaupt nur eine Summe von Worten oder der christliche Gott sei der gleiche wie der islamische. Die Gegner der Michael-Strömung nutzen auch gefallene Angeloi um als Schriftsteller tätig zu werden. Zum Beispiel wenn man sich ansieht, was Nietzsche in der Zeit seines Verfalles geschrieben hat in seinen Werken "Antichrist" und "Ecce homo". "Das sind zwei Werke, die Ahriman geschrieben hat - nicht Nietzsche, sondern ein ahrimanischer Geist, in Nietzsche inkorporiert", vergleichbar dem Geist, der Mohammed, einem Hauptgegner der Michael-Strömung, beeinflusst hat; es hat seine Gründe, warum Nietzsche bei Muslimen so beliebt ist. [142]

Überall, wo sich der Arabismus ausgebreitet hatte, hatte auch die griechische Philosophie eigentümliche Formen angenommen, was übrigens an islamischen Universitäten noch heute der Fall ist. So war das, "was an Aristotelismus am Hofe Harun al Raschids lebte, doch nicht das Echte, was zwischen Aristoteles und Alexander gepflegt worden ist. Es hatte Formen angenommen, die sich wenig um das Christentum kümmern wollten. Und so haben wir da drüben, glänzend gepflegt namentlich unter der Ägide Harun al Raschids und seines Ratgebers, einen Aristotelismus, ein Alexandertum, der einen dem Christentum abträglichen Pol darstellt, der eine Geistgestalt, namentlich eine Art von Pantheismus, angenommen hat, die sich mit dem Christentum niemals vereinigen wollte, durch ihre innere Essenz sich nicht mit dem Christentum vereinigen konnte... Aristoteles und Alexander verfolgten andere Wege. Ihre wirklichen Individualitäten gingen mit der christlichen Entwicklung, gingen westwärts mit der christlichen Entwicklung." [143]

Man kann sagen, in dem, was die Ritter von Artus' Tafekrunde taten, lebte dieser selbe kosmische Christus, der auch enthalten war in dem "Impetus, mit dem Alexander der Große nach Asien hinüber die griechische Kultur mit ihrem spirituellen Leben trug. Es gab sozusagen spätere Alexanderzüge, die von den Rittern vob Artus' Tafelrunde so nach Europa ausgeführt wurden wie der Alexanderzug von Mazedonien nach Asien hinüber." Unter der Mitwirkung der Michaelmacht wurden von Alexander und Aristoteles die Entschlüsse gefasst, wie in Europa das geistige Leben neue Impulse im Sinne eines "verchristlichten Alexandismus", eines "verchristlichten Aristotelismus" erhalten solle. Auch der Arabismus kleidet sich in die neuen Formen, "bleibt aber in den neuen Formen dennoch dem Wesen nach das Alte: Mohammedanismis, Arabismus." Dagegen wirkt nun der andere Pol, den nun Alexandertum und Aristotelismus für das Christentum angenommen haben. Das prägte sich aus in der Scholastik, in der Schule von Chartres, in Dante. Die Spiritualität der "Commedis" stammt von den Lehren, die Brunetto Latini seinem Schüler Dante gegeben hat.  Auf der einen Seite haben wir in Harun al Raschid, Francis Bacon "herübertragend nach Europa orientalisches Geistesleben mit einer unchristlich gewordenen aristotelischen Lehre", einem Einfluss, der sich durchaus im materialistischen Sinne bewegt. Auf der anderen Seite haben wir die mit der Michaelströmung verbunden bleibenden Individualitäten Aristoteles, Alexanders und alle, die dazugehören. [144]

Noch bevor Baco von Verulam auf der Erde erschien, wird in der Scholastik, bei den Zisterziensern, an der Fortsetzung des kosmischen Michaeldienstes gearbeitet. Wir sehen, wie in der Scholastik, in der sogenannten realistischen Schule die Geistigkeit gerettet wird. Geistige Realität wird von den realistischen Scholastikern dem zugeschrieben, was der Mensch durch seine Gedanken erfasst, geistige Realität. In der Schule werden oft Platoniker und Aristoteliker wie Gegensätze behandelt. "Das ist ja in der Wirklichkeit gar nicht so. Die Zeitepochen der Erde erfordern, dass bald im platonischen, bald im aristotelischen Sinne gesprochen werde." [145]
 

Neuscholastik, Neuthomismus

Die Scholastiker sagten sich: Die Begriffe sind die Universalia, weil sie viele einzelne Dinge umfassen. Als Kantianer oder Positivist wie Steven Hawking würde man sagen, diese Universalia seien nur etwas im Geiste des Menschen Entstandenes, was nichts mit den Dingen zu tun habe. Dieser Skeptizismus, jene Zerlegerei, welche nicht zu dem Wesen der Dinge kommen kann, aus dem Grunde, weil sie die Begriffe und Ideen nur für ein Fabrikat der Seele hält und nichts darunter vorstellt, was für die Dinge selbst eine Bedeutung heben könnte. "Und im Grunde genommen ist es die Hume-Kantsche Lehre, die auf dem Umwege durch den Phänomenalismus reiner Nominalismus geworden ist." Als die Kantsche Philosophie immer mehr die Philosophie der protestantischen Kreise in Europa wurde, machte sich in den katholischen Kreisen eine Reaktion geltend, die Neuscholastik. Man beschäftigte sich wieder mit der christlichen Philosophie, mit Aristoteles und Thomas von Aquin. Besonders rege wurde das Studium der Scholastik vom Jahre 1879 an, denn da erschien die Enzyklika "Aeterni patris" von Papst Leo XII.  Zuerst in Italien, bald in anderen Ländern der katholischen Welt folgte man diesem Ruf. Man beschloss Thomas' Werke neu herauszugeben, man begründete eine Thomas-Akademie, in Rom und anderswo bildeten sich Studienzentren, die geistigen Kräfte der Orden wandten sich auf dieses Ziel, überall erwachte ein neues Interesse an der christlichen Philosophie. [146]
 
 

Anmerkungen

[131] Ib.; Jer 31, 33; 1 Tim 1, 5 
[132] Ps 96, 5; 1 Kor 10, 20; Apg 17, 34; Steiner, R.: Das Johannes-Evangelium. GA 103, zwölf Vorträge 1908, Ib. 1909/1975; Ders.: Das Sonnenmysterium. GA 211, zwölf Vorträge 1922, Ib. 2006; Ders.: E. Betrachtungen k. Zusammenhänge. Bde 1-6, GA 235-240, 81 Vorträge 1924, Ib. 1996; Ders.: Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls. GA 165, dreizehn Vorträge 1915/16, Ib. 2006;  vgl. Anm. 130 und Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues, Nr. 512 Novalis, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Ib.
[133] Ib.
[134] Ib.
[135] Ib.
[136] Ib.
[137] Ib.; vgl. auch Kurs Nr. 564 St. Augustinus Ib.
[138] Ib; vgl. auch Kurse Nr. 533 Aristoteles, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik. Ib.
[139] Ib.
[140] Ib.
[141] Ib.;  zu falsch verstandener Naturwissenschaft und den daraus resultierenden vergifteten Lebensmittel und Arzneien vgl. auch Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 511 Joahann Gottlieb Fichte. Ib.
[142] Ib.
[143] Ib.
[144] Ib.; vgl. Kurs Nr. 562 Dante, Ib.
[145] Ib.
[146] Ib. Vgl. Kurse Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 502 Thomismus in der heutigen Zeit, Nr. 501 Thomas von Aquin: Summ Theologiae, de Malo, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, De unitate intellectus contra Averroistas. Ib.
 
 










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Letzte Bearbeitung:19.04.2018