Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Nr. 570 

Hilarius von Poitiers - Philosopher of Middle Ages 


On wrong Philosophy and how to improve

Saint Hilary of Poitiers struggled against Arianism in the 4th century. Christians today must oppose modern Arianism in the form of materialistic humanism

Hilarius von Poitiers

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 

Hilarius von Poitiers kämpfte gegen den Arianismus des 4. Jahrhunderts. Auch heute nimmt der Arianismus Formen an, die von christlichen Philosophen bekämpft werden müssen, nicht zuletzt der materialistische Humanismus, der sich in Europa breitgemacht hat und der schon bald den Islam über das Christentum stellt. [1] 

Thomas von Aquin sagt, dies wäre der Irrtum der alten Philosophen, die da sagten, alles sei wahr, je nach dem es erscheine. Ein Urteil aber über irgend welche Sache wird nicht aus dem Nebensächlichen genommen, sondern aus dem Wesentlichen. Und so geschieht es, daß Kunstwerke „wahr" genannt werden nur mit Rückficht auf unsere Vernunft; denn ein Haus wird „wahr" genannt, wenn es in seiner Form der Ähnlichkeit entspricht, welche davon in der Vernunft des Baumeisters besteht; und eine Redeweise wird als „wahr" bezeichnet, je nachdem sie der Ausdruck wirklicher Auffassung der Vernunft ist. In ähnlicher Weise sind die Dinge in der Natur „wahr", insoweit sie ähnlich sind den Formen oder Ideen in der göttlichen Vernunft; wie z. B. ein Stein „wahr" ist, wenn er die Natur in sich hat, welche ihm gemäß der vorherbestehenden Auffassung der göttlichen Vernunft zukommt. So also wird ein jedes Ding „wahr" genannt, je nachdem es Beziehung hat zu der Vernunft, von der es in seinem Sein abhängt; und somit ist die Wahrheit in erster Linie in der Vernunft," in zweiter Linie in den Dingen, insoweit diese Beziehung haben zu einer Vernunft als zu ihrem Prinzip. Demgemäß wird nun die Wahrheit in verschiedener Weise begrifflich bestimmt. Denn Augustin (de vera relig. cap. 36.) sagt: „Wahrheit ist jenes Moment, wodurch gezeigt und erklärt wird das, was Sein hat;" und Hilarius ähnlich (5. de Trin.): „Das Wahre offenbart und erklärt das Sein." Diese beiden Definitionen gehören der Wahrheit an; insoweit sie in der Vernunft ist. Der Wahrheit des Dinges aber, insoweit dieses der Vernunft gleichförmig ist, entspicht folgender Ausdruck: „Das.Wahre ist die höchste Ähnlichkeit mit dem Prinzip ohne irgend Welche Unähnlichkeit.“ (Augustin) Ähnlich definiert Anselm (dial. de Verit. cap. 12.): „Wahrheit ist Gradheit, insoweit diese von der Vernunft allein wahrnehmbar ist;" denn „gerade" ist, was mit dem Prinzip übereinstimmt. [2] 

Das Streben nach Weisheit sei unter allen Bestrebungen des Menschen das erhabenste, weil dadurch der Mensch in vorzüglicher Weise eine Ähnlichkeit mit Gott erlange, der "alles in Weisheit (omnia in sapientia)" gemacht habe. Ziel sei es, die Wahrheit, die der christliche oder katholische Glaube bekenne, darzulegen und entgegenstehende Irrtümer auszuschließen oder wie Hilarius sagt: Er sei sich bewusst, "diese Aufgabe geradezu als das wesentlichste meines Lebens Gott schuldig zu sein, dass all  meine Rede und all mein Sinn spreche von ihm." Mit den meisten Irrenden könne man vernünftig diskutieren, mit den heutigen Arianern, den materialistischen Humanisten im Sinne von Bertrand Russell oder mit den Moslems oder Mohammedanern dürfte es schwierig werden. Bei der Untersuchung der Wahrheit müssten daher die Irrtümer wie die des Islams ausgeschlossen werden. Es müsse dargelegt werden, in welcher Weise die Wahrheit mit dem Glauben der christlichen Religion übereinstimmt. ("veritas fidei Christianae religionis concordet")  [3] 

"Weil einige von ihnen, wie die Mohammedaner und die Heiden, nicht mit uns die Autorität wenigstens eines Teils der Heiligen Schrift anerkennen, durch die sie überzeugt werden könnten, wie wir gegen die Juden auf Grund des Alten Testaments disputieren können, gegen die Häretiker auf Grund des Neuen. Sie aber nehmen ja keins von beiden an." - Thomas von Aquin

"Hilarius von Poitiers, ein gewaltiger Verteidiger der Kirche" -Augustinus

Natürlich gebe es Menschen, die eine Sache mit dem Verstand schärfer durchschauen als andere, erkenne der, dessen Verstand höher sei, vieles, was der andere überhaupt nicht fassen könne, wie es ersichtlich ist bei einem türkischen Ziegenhirten oder vielen anderen, die die islamische Lehre angenommen haben, die in keiner Weise die scharfsinnigen Überlegungen der Philosophie begreifen können. "Wie also der Laie, der behauptet, das von einem Philosophen Vorgetragene sei falsch, weil er es nicht fassen kann, von höchstem Unverstand wäre, so und noch viel mehr ist der Mensch von übergroßer Torheit", wenn er das, was vom christlichen Gott her durch den Dienst der Engel offenbart wird, deshalb für falsch hält, weil es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann. Nicht alles, was über das Christentum gesagt wird, ist, obwohl es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann, sogleich als falsch zu verwerfen, wie vor allem die Mohammedaner gemeint haben. Nur wenige haben eine wirkliche Gotteserkenntnis. Einige werden abgehalten wegen ihrer ungeeigneten körperlichen Veranlagung, durch Erfordernisse der Haushaltung und können nicht so viel Zeit aufbringen, "dass sie den höchsten Gipfel menschlichen Forschens erreichen, die Gotteserkenntnis nämlich - Einige aber werden durch Faulheit gehindert. Zur Erkenntnis jener Dinge nämlich, die die Vernunft von Gott erforschen kann, muss man vieles vorher erkennen, da ja fast alles philosophische Denken auf die Gotteserkenntnis hingeordnet ist." Solche Anstrengungen nun wollen nur wenige aus Liebe zum Wissen auf sich nehmen, zu dem Gott doch ein natürliches Verlangen in den Geist der Menschen eingepflanzt habe. Erst wenn der Geist Ruhe und Halt gefunden hat, wie Aristoteles sagt, könne er begreifen und denken. "Dadurch, dass die Seele von der natürlichen Verwirrtheit aus auf festem Boden Fuß fasst, wird etwas erst besonnen und klug." Heilsam also habe die göttliche Güte Vorsorge getroffen, dass sie auch das, was die Vernunft erforschen kann, im Glauben festzuhalten gebot, damit so alle Menschen leicht, ohne Zweifel und ohne Irrtum der Gotteserkenntnis teilhaft sein könnten. Darum heißt es ja auch - heute vor allem auf die Moslems bezogen - "Wandelt nicht mehr, wie die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihrer Sinne, da sie einen durch Finsternis verdunkelten Verstand haben" und "Ich will alle deine Kinder vom Herrn belehrt sein lassen." Es gehe um die "Unterdrückung der Anmaßung" wie sie heute vor allem bei den Moslems zu finden ist und die die "Mutter des Irrtums" sei. Der Geist müsse zu etwas höherem aufgerufen werden, was über den ganzen Stand des gegenwärtigen Lebens hinausgehe. "Dies aber kommt vorzüglich der christlichen Religion zu (Et hoc praecipue Christianae religioni competit)." wie Thomas von Aquin betont. [4] 
"Ist also, mit dem Menschen verglichen, der Geist etwas Göttliches, so ist auch ein Leben im Geistigen, verglichen mit dem menschlichen Leben, etwas Göttliches." - Aristoteles

Daher sollen wir nicht solchen Dichtern folgen wie Simonides, "die uns mahnen, als Menschen uns mit menschlichen und als Sterbliche mit sterblichen Gedanken zu bescheiden, sondern, so weit wir können, uns zur Unsterblichkeit erheben und alles tun, um unser Leben nach dem einzurichten, was in uns das höchste ist." - Aristoteles

Die aber einer derartigen Wahrheit, der die menschliche Vernunft die Erfahrungsprobe nicht biete, Glauben beimessen, glauben nicht leichtfertig, als ob sie wie die Muslime "ungelehrten Fabeln folgten (indoctas fabulas secuti)." Denn diese "Geheimnisse der göttlichen Weisheit (divinae Sapientiae secreta)" wurden den Menschen durch Christus geoffenbart.  "Nicht nur eine unzählbare Schar einfältiger, sondern auch der weisesten Menschen hat sich, nachdem sie dies gesehen hatte, durch die Wirksamkeit der genannten Beweise, nicht durch Waffengewalt, nicht durch Verheißung von Genüssen getrieben und, was das Wunderbarste ist, unter der Tyrannei der Verfolger zum christlichen Glauben bekannt."  (Thomas von Aquin). Nachdem das menschliche Heil "anfangs durch den Herrn verkündet worden war, wurde es von denen, die es höörten, bei uns befestigt, wobei Gott Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mannigfache Gaben des Heiligen Geistes." [5] 
"Diese so wunderbare Bekehrung der Welt zum christlichen Glauben (mirabilis mundi conversio ad fidem Christianam) ist aber die sicherste Bestätigung für die vorausgegangenen Zeichen, so dass es nicht notwendig ist, sie fernerhin zu wiederholen, da sie in ihrer Wirkung sichtbar vor Augen stehen. " - Thomas von Aquin

“Die aber, welche die verschiedenen Richtungen des Irrtums aufgebracht haben, sind auf entgegengesetztem Wege vorgegangen, wie offenbar ist bei Mohammed, der die Völker verlockt hat durch Versprechung fleischlicher Genüsse, zu deren Verlangen die fleischliche Begierde anstachelt. Auch hat er, der fleischlichen Lust die Zügel schießen lassend, Gebote gegeben, die zu diesen Versprechungen passen und denen fleischliche Menschen leicht gehorchen. Auch Belege für die Wahrheit hat er nicht beigebracht, außer solchen, die leicht von jedem halbwegs Weisen durch natürliche Geisteskraft erkannt werden können. Ja, sogar das Wahre, das er lehrte, hat er mit vielen Fabeln und grundfalschen Lehren vermischt. Auch hat er in den Dienst der Sache keine übernatürlich gewirkten Zeichen gestellt, durch die allein der göttlichen Eingebung ein angemessenes Zeugnis gegeben wird, wo die sichtbare Tat, die nicht anders als göttlich sein kann, den auf unsichtbare Weise geisterfüllten Lehrer der Wahrheit erweist. Er hat vielmehr gesagt, er sei in der Macht der Waffen gesandt: Zeichen, die auch Räubern und Tyrannen nicht fehlen. Auch haben ihm am Anfang nicht irgendwelche in göttlichen und menschlichen Dingen geübte Weise geglaubt, sondern tierische Menschen, die in Wüsten lebten, jeder göttlichen Lehre durchaus unkundig, durch deren Menge er andere mit Waffengewalt unter sein Gesetz gezwungen hat. Auch legten für ihn keine göttlichen Weissagungen vorausgehender Propheten Zeugnis ab; alle Belege des Alten und des Neuen Testaments entstellt er vielmehr durch fabelndes Erzählen, wie dem deutlich wird, der sein Gesetz liest; deswegen überließ er auch mit listiger Berechnung die Bücher des Alten und des Neuen Testaments seinen Gefolgsleuten nicht zum Lesen, damit er durch sie nicht der Unwahrheit überführt werde. Daher ist offenbar, daß die, die seinen Ansprüchen Glauben schenken, leichtfertig glauben.” - Thomas von Aquin, Summa contra gentiles I, 6;

"Und damit man uns nicht vorwerfe, dass wir uns lästernder Schmähworte gegen dieselben bedienen, so verschweigen wir die Ursache des allgemeinen Verderbens nicht, damit sie Niemanden unbekannt bleibe. Dass es mehrere Antichristen gebe, wissen wir auch aus der Lehre des Apostels Johannes. Denn ein Jeder, welcher Christum, wie er von den Aposteln verkündet wurde, verläugnet, ist ein Antichrist. Die eigentliche Bedeutung des Namens Antichrist ist, Christo entgegen seyn. Dieses wird jetzt durch die Ansicht einer verkehrten Religion bewirkt, darauf wird jetzt unter dem Vorwande der Lehre des Evangeliums hingearbeitet, dass der Herr Jesus Christus, während man glaubt, er werde geprediget, verläugnet wird. " - Hilarius von Poitiers, De trinitate (De fide adversus Arianos)

„Maßlos ist alle Hartnäckigkeit übernommener Willenshaltungen, wo der Wille nicht der Vernunft unterworfen wird.“ - Hilarius von Poitiers, De trinitate 10 (De fide adversus Arianos)
 
 


Anmerkungen

[1] zu Arianismus, falschen Propheten, die wider den Geist lästern, zu Pharisäern, Mullahs und Großmuftis, die "zum Schein lange Gebete" murmeln und die Menschen daran hindern, den wahren Gott zu finden vgl. Kurse Nr. 500 St. Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib.
[2] Vgl. Kurse Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 564 Augustinus. Ib.
[3] Vgl. Kurse Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 500 St. Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period I: Summa contra Gentiles. Ib.
[4] Ib.; Aristoteles Met I,1; Physica VII, 3; Eph 4, 17; Jes 54, 12f;
[5] Ib. Eth X 7; 2 Petr 1, 16; Hiob 11, 6; Hebr 2, 3f
 

Kurse zu Philosophen des Mittelalters und der Renaissance: Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III: Summa Theol. I-II, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante . Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


Hilarius von Poitiers

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Letzte Bearbeitung:12.06.2018