Apicultural Review Letters
(Kritische Apikultur Briefe)

1177. Brief
11. Januar 2019


Unvorhersehbare Folgen der neuen Gentechnik in Hamburgern

Unpredictable Causes of genetically modified hamburger


Impossible Foods will der Menschheit das Essen von Fleisch abgewöhnen. Der Fleischersatz der Amerikaner soll bald auch nach Europa kommen – obwohl Gentechnik darin steckt. Die Vision ist es, der Menschheit bis zum Jahr 2035 das Essen von Tierfleisch komplett abzugewöhnen, und das Unternehmen Impossible Foods aus Kalifornien soll dazu beitragen. "Hinter Ernährung stecke nun einmal viel Technologie, sagt Brown und geht dann noch viel weiter: „Wir sind das wichtigste Technologieunternehmen auf der Erde.“ Brown sagt, sein Unternehmen wolle „die Menschheit retten“ und eine „Rakete zur Umweltapokalypse“ stoppen. "All das soll geschehen mit Fleischersatzprodukten, die unter Einsatz von Gentechnik hergestellt sind und so gut schmecken, dass Menschen dafür bereitwillig echtes Fleisch aufgeben." Das erste Produkt seines Unternehmens, ein veganer Hamburger namens „Impossible Burger“ („Unmöglicher Burger“), hat seit seiner Einführung vor zweieinhalb Jahren für reichlich Furore gesorgt. Er stand zunächst in einigen trendigen amerikanischen Restaurants auf der Speisekarte, dann in gehobenen Imbisslokalen, schließlich sogar in der Allerweltskette „White Castle“. Heute gibt es ihn in insgesamt 5000 Lokalen in ganz Amerika, und die Auslandsexpansion hat begonnen. Den fleischlosen Burger kann man mittlerweile in Hongkong und Macao finden, demnächst soll es auch in Singapur so weit sein. "Und wie Brown sagt, soll es den Fleischersatz schon in einigen Monaten auf dem amerikanischen Heimatmarkt auch in Supermärkten geben. Die in Las Vegas präsentierte neue Rezeptur für den Burger, in deren Genuss die Besucher der Pressekonferenz kommen, soll dabei helfen, den Verkauf in den Geschäften anzukurbeln. Der „Impossible Burger 2.0“, wie ihn Brown nennt, soll der ersten Variante in puncto Geschmack und Konsistenz
überlegen sein. Der Fleischersatz soll sich jetzt für alle Gerichte eignen, in denen sonst gewöhnliches Hackfleisch zum Einsatz kommt, also nicht nur für Hamburger, sondern auch für Tacos oder Lasagne. Impossible Foods wurde 2011 gegründet und hat heute 300 Mitarbeiter. Das Unternehmen betreibt in Oakland nördlich von San Francisco eine Fabrik mit einer Kapazität von bis zu einer Million Kilogramm Fleischersatz im Monat. Brown, ein früherer Biochemieprofessor an der Stanford-Universität im kalifornischen Silicon Valley, verfolgt nicht in erster Linie die Absicht, Tierleben zu retten oder Menschen zu gesünderer Ernährung zu animieren. Ihm geht es darum, der Umwelt zu helfen und den Klimawandel zu bremsen. Die Landwirtschaft zur Erzeugung von Fleisch und anderen tierischen Produkten ist nach seinen Angaben für mehr Treibhausgasemissionen und einen höheren Wasserverbrauch verantwortlich als jede andere Industrie. Brown nennt sie „unglaublich destruktiv“, und das gelte insbesondere für die Rindfleischerzeugung, weshalb die Kuh für Impossible Foods „Zielscheibe Nummer eins“ sei. Die Produktion eines „Impossible Burgers“ verursache verglichen mit gewöhnlichem Rinderhackfleisch 87 Prozent weniger Treibhausgase, und für sie werde erheblich weniger Wasser und Bodenfläche gebraucht. [1]

Wenn man nicht weiß, wie der Hamburger hergestellt wird, könnte man sich dafür begeistern, wie die Vision des Unternehmens ja auch prominente Investoren begeistert, "darunter Microsoft-Mitgründer Bill Gates und die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google." Und Brown kann sich vorstellen, neben einem Ersatz für Rinderhackfleisch künftig auch Alternativen für andere Fleischarten zu entwickeln. „Unsere Plattform kann für alle möglichen Produkte angewendet werden.“ Vegetarier und Veganer hatten schon vor Impossible Foods Optionen, aber sie sind auch nicht die wichtigste Zielgruppe. Dem Unternehmen geht es in erster Linie darum, heutige Fleischesser zum Konvertieren zu bewegen, es erhebt den Anspruch, „Hardcore-Fleischliebhaber“ zu begeistern. Deshalb war Browns Ansatz, ein Produkt zu entwickeln, das zwar kein Tierfleisch enthält, diesem aber in vielerlei Hinsicht sehr nahekommt. "Nach langer Forschungsarbeit fand er einen „magischen Inhaltsstoff“, der das möglich machen sollte, sogenanntes „Häm“. Das ist eine Substanz im Blutfarbstoff Hämoglobin,
die Blut die Fähigkeit zum Transport von Sauerstoff gibt, und nach Angaben des Unternehmens ist sie es, die Fleisch nach Fleisch schmecken lässt. Häm kommt sowohl in Tieren als auch in Pflanzen vor, und Brown suchte nach Wegen, den Stoff aus Sojapflanzen zu gewinnen. Um das im großen Stil tun zu können, ohne allzu viele Sojapflanzen zu verbrauchen, entwickelte das Unternehmen ein gentechnisches Verfahren. Ein Häm-Gen aus der Pflanze wird mit gentechnisch veränderter Hefe zusammengebracht, die dann über einen Gärprozess wächst. Am Ende lässt sich das Häm dann in größerer Menge isolieren und für die Produktion des fleischlosen Burgers einsetzen. Brown beteuert, sein Hamburger sei sicher, und auch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat keine Einwände gegen das
Herstellungsverfahren." Sicher heißt hier soviel wie komplett unsicher, da man die Folgen, wie bei allen anderen genmanipulierten Lebensmitteln, nicht abschätzen kann. [2]

Im weitaus gentechnikfeindlicheren Europa könnte Impossible Foods freilich mehr Widerstand in der Öffentlichkeit oder von Regulierungsbehörden erwarten. Brown gibt sich aber zuversichtlich und sagt es sei „keine Frage“, dass er seinen Burger mit Fleischersatz auch nach Europa bringen werde. Mit der Arbeit an regulatorischen Fragen habe das Unternehmen schon begonnen, und er hoffe, dies in 18 bis 24 Monaten erfolgreich abschließen zu können. Brown verweist darauf, dass Lebensmittel in Europa schon heute in vielen Fällen nicht völlig gentechnikfrei seien. Beispielsweise komme bei der Produktion von Käse oft Lab zum Einsatz, das aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werde. Brown setzt auch darauf, mit dem Argument der Umweltfreundlichkeit die Öffentlichkeit auf seine Seite bringen zu können. Am Geschmackserlebnis dürfte es jedenfalls nicht scheitern, zumindest wenn der Herstellungsprozess und die Nebenwirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, die auch Krebs auslösen können, ausblendet. [3]

Anmerkungen

[1] Api Review Letters 2019, 18, 1177 und FAZ 2019, Nr. 7
[2] Ib.; vgl. auch Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2019: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung
[3] Ib.
 
 



Zurück zur Übersicht Api Review Letters

Die Gesamtausgabe der Briefe erscheint in der Fachzeitschrift "Apikultur"

Folgen Sie uns in den sozialen Netzwerken:

https://www.linkedin.com/in/michaelthiele
https://www.facebook.com/Beetherapy.AcademyofSciences
https://www.facebook.com/SaveBeecolonies
https://www.facebook.com/ZentrumfuerwesensgemaesseBienenhaltung
https://www.facebook.com/CentreforEcologicalApiculture
https://www.facebook.com/NaturalApitherapyResearchCentre.AcademyofSciences
https://www.facebook.com/ApiReviewLetters.ScienceReviewLetters



Copyright: Apikultur | Api Review Letters | Zentrum für soziale Medizin und natuerliche Bienentherapie | Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung