Science Review Letters
(Kritische Wissenschaftsbriefe)

603. Brief
23. April 2015

Die Urbilder der Malerei Europas

Syrien, das Land, von dem Paulus das Christentum in die übrige Welt brachte - Isaak, Bischof von Ninive (Mossul) und die christliche Mystik - Im Türkischen Nusaybin war eines der größten theologischen Zentren des frühen Christentums

Europa hat dem Islam nichts zu verdanken, wohl aber den Christen in Ägypten, Syrien und Anatolien. In der kosmopolitischen Stadt Alexandria öffnete sich das frühe Christentum der griechischen Philosophie und entfernte sich von früheren jüdischen Traditionen. Die ältesten bekannten Ikonen - die Urbilder der Malerei Europas - wurden im Katharinenkloster auf dem Sinai gemalt, und die Mönche verwendeten dazu die Techniken der Porträtmaler von Mumien. In Ägypten entstand auch das Mönchtum. Das Mönchtum der koptischen Kirche gelangte wenig später über die syrisch-orthodoxe Kirche nach Anatolien und von dort nach Europa. Syrien beispielsweise brachte eine ganze Reihe christlicher Konfessionen und Kirchen hervor. In allen Städten und in vielen Ortschaften Syriens, oft auf exponierten Hügeln, finden sich bis heute Klöster, Kirchen, christliche Pilgerstätten, die die Geschichte Syriens und der Menschheit mitgeprägt haben. Nicht nur heute sind die Christen im ganzen nahen Osten durch islamistische Kampfverbände, die keine Skrupel haben, Kirchen, und Priester anzugreifen, bedroht. Man denke beispielsweise an die Vertreibung, Zwangsislamisierungen und den Genozid, der an den christlichen Armeniern durch die Türken verübt wurde. Hunderte armenische Städte und Dörfer, über Tausend Klöster und Kirchen, die zum Weltkulturerbe gehörten, wurden 1915 von den Türken dem Erdboden gleich gemacht. [1]

Die Christen in allen Ländern des nahen Ostens müssen nicht nur geschützt werden. Auch sämtliche Kirchen, die beispielsweise in der Türkei in Moscheen umgewandelt wurden, müssen wieder Kirchen werden, inklusive der berühmten Hagia Sophia. Die Türkei kann nur unter einer christlichen Regierung Mitglied der EU werden. Sollte die Türkei Kirchen und Ländereien nicht wieder an die Ost-Kirche zurückgeben, muß sie auch die Nato wieder verlassen. Notfalls kümmert sich Russland mit Armenien um die Re-Christianisierung der Türkei.  [2][3]

Letztlich hatten die Christen, wie in der Seeschlacht von Lepanto vor über 400 Jahren, die Osmanen (Türken) immer wieder erfolgreich zurückgedrängt. Lepanto, griechisch Nafpaktos, hieß die Festung, die den nördlichen Zugang zum Golf von Patras bewacht. Sie gab der berühmten Schlacht den Namen, bei der am 7. Oktober 1571 die Heilige Liga, bestehend aus Spanien, den Maltesern, dem Heiligen Stuhl und den italienischen Seemächten, die türkische Flotte unter Großadmiral Ali Pascha vernichtend geschlagen hatte. Befehlshaber der christlichen Streitkräfte war Don Juan de Austria, ein Sohn Karls V. aus dessen Verbindung mit einer Regensburger Bürgerstochter. Der Sieg wurde in ganz Europa mit Glockengeläut gefeiert, im Dogenpalast von Venedig wird die Schlacht auf einem riesigen Gemälde (Untergang des Morgenlandes von Vassilachi) festgehalten. Die christlichen Streitkräfte erwiesen sich als disziplinierter und stärker. Die Türken verloren an die 180 Schiffe, die Liga nur zwölf. Und sie befreite über 12.000 christliche Galeerensklaven, die für die Türken hatten rudern müssen. [7]

Verschwänden die Christen aus Syrien und Irak, so hätte das Auswirkungen auf ihre Präsens im ganzen nahen Osten. Syrien war das Land, von dem Paulus das Christentum in die ganze Welt brachte. Hier befinden sich die ältesten Kirchen der Welt; einige syrische Christen haben das Aramäische, die Sprache Jesus Christus, bis heute bewahrt. [4]

Das Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäischen Kirche erklärte bei einem interreligiösen Dialogtreffen in Wien, nun sei es die Verantwortung der islamischen Welt und nicht die einer ausländischen Macht, auf den IS eine Antwort zu finden. Die "schüchternen und hilflosen Erklärungen", in denen bisher die barbarischen Akte, die der IS im Namen des Islams gegen die Christen verübt, verurteilt wurden, reichten nicht aus. Die "unzulängliche" Reaktion der "offiziellen islamischen Gemeinschaft" sei "schockierend", sagte der Patriarch. [8]

Das Muster ist bekannt: wenn irgendwo auf der Welt mit der Begründung, Allah sei groß, Kunstwerke zerstört, "Köpfe abgeschnitten, Frauen vergewaltigt werden, wenn Selbstmörder sich und andere in Fetzen sprengen, dauert es nicht lange, bis jemand sagt, all das habe nichts mit dem Islam zu tun. Recep Tayyip Erdogan, der türkische Staatspräsident, könnte mit solchen Aussagen ein ganzes Poesiealbum füllen." Dass muslimische Verbände die Untaten verurteilen, ist eine Selbstverständlichkeit, so wie jemand "Gesundheit" sagt, wenn jemand niest. "Solange sich all die Imame und Scheichs nicht fragen, warum ihre Religion so viele Perverse hervorbringt und warum die Lehren ihres Propheten so viele Menschen gebären, die sich mordend auf ihn berufen, solange werden sich Verbrechen wie das von Paris wiederholen." Viele Perverse radikalisieren sich in Gefängnissen. Im französischen Fleury-Mérogis-Gefängnis kommen 70 % der Straftäter aus dem islamischen Kulturraum. Während der nationalen Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge verhallten aus mehreren Haftanstalten "Allah akbar"-Rufe. Neuerdings wittern Muslime eine Verschwörung gegen den Islam. "So was macht kein Muslim" und folgen Verschwörungstheoretikern wie Christoph Hörstel. Kein Wunder, dass manchen Schriftstellern dazu nur noch einfällt: Der Islam sei die "dümmste aller Religionen" (Houellebecq)
[9][10]

Das Meinungsverbot wird durchgesetzt, mit terroristischer Gewalt in freien Ländern, "mit staatlich sanktionierter Unterdrückung in islamischen." Zwei Tage nach den Attentaten in Paris wurde im saudi-arabischen Dschidda ein Blogger öffentlich ausgepeitscht. Er erhielt fünfzig Hiebe. Zu tausend Schlägen insgesamt und zehn Jahren Haft ist er verurteilt worden. Woche für Woche wird er der Tortur unterzogen. Es ist eine Folter bis zum Tode. Sein Verbrechen? Er war für die Religionsfreiheit eingetreten und hatte Beiträge gepostet, in denen er die saudische Religionspolizei wegen Übergriffen anprangerte. Die saudische Regierung, die ihn deswegen zu Tode foltern lässt, hat die Anschläge in Paris übrigens verurteilt. In islamischen Ländern wie Saudi Arabien sind Menschenrechtsverstöße an der Tagesordnung. Zum Beispiel werden von der Feuerwehr in der Regel nur männliche Bewohner gerettet, Frauen nur, wenn Sie ein Kopftuch tragen. Freitäglich werden öffentlich Menschen geköpft und ausgepeitscht. Zur Beschönigung wird oft eingewendet:"Das ist nicht jeden Freitag, das ist Blödsinn".  [11]

Im Türkischen Nusaybin war eines der größten theologischen Zentren des frühen Christentums. Einer der größten Theologen jener Zeit, Ephrem, wurde im Jahr 306 in Nisibis geboren, dem heutigen Nusaybin, in dem nichts mehr an die Bedeutung von Damals erinnert. Von Quamischli aus sieht man auch Mardin, das Zentrum der syrisch-orthodoxen Kirche in der Türkei. [4]

Dimitrios Archontonis schloss 1961 das orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Halki (Heybeliada) ab, dessen Schliessung 1971 vom türkischen Staat erzwungen wurde. Seit 1991 lautet sein Titel: Bartholomaios I., Erzbischof von Konstantinopel und Ökomenischer Patriarch. Er stehe als Erster unter Gleichen sowohl den alten Patriarchaten von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem als auch den "neuen" von Moskau, Serbien, Rumänien, Bulgarien und Georgien vor. Er sei damit der geistliche Führer von mehr als 300 Millionen orthodoxen Christen. Als Metropolit von Bursa und Abt des griechisch-orthodoxen Klosters auf der Insel Halki, vor allem aber als ein kluger Gesprächspartner ist Elpidophoros Lambriniadis einer der bekanntesten Geistlichen des Ökumenischen Patriarchs in Konstantinopel-Istanbul setzt er sich für die Rechte der Christen und Griechen sowie die Wiedereröffnung des orthodoxen Priesterseminars auf der Insel Halki ein. [5]

Dennoch sind Griechen und Christen in der Türkei einer systematischen Politik der Ausgrenzung und Entrechtung ausgesetzt. Wenn islamistische Anschläge auf Kirchen und Christen verübt werden, gehen die Schuldigen in der Regel für kurze Zeit in Untersuchungshaft, anschließend werden die Schwerverbrecher in der Nähe von griechischen und christlichen Siedlungen angesiedelt; dort dürfen sie sich frei bewegen und die Nachbarn terrorisieren. Kein Wunder, denn der Türkische Präsident Erdogan zusammen mit Davutoglu sympathisieren mit dem "Islamischen Staat", lassen Tschtschenen und andere IS-Kämpfer durch die Türkei nach Syrien reisen, lassen die Chefs von radikalen islamistischen Organisationen wie Hamas auf dem jährlichen Kongress der Regierungspartei AKP auftreten und fordern sogar eine Umwandlung der Hagia Sofia in eine Moschee. Der "Islamische Staat" hat sich die Vernichtung Israels und die Eroberung Konstantinopels zum Ziel gesetzt. In einer türkischen Zeitung sagt ein tschtschenischer IS-Offizier: "Wir möchten uns beim türkischen Volk bedanken, denn sie helfen und unterstützen uns." 70.000 Tschetschenen leben in der Türkei, es gibt eine breite Unterstützerszene. Auch in europäischen Hauptstädten gibt es Dutzende Tschtschenen, die zum harten Kern gehören und sich in Moscheen, wie der Rahman-Moschee in Berlin-Wedding radikalisieren. [6]

Bei den orthodoxen und orientalischen Christen war der Asket und Heilige Isaak von Ninive nie vergessen. In jüngster Zeit nimmt nun auch in der westlichen Christenheit das Interesse an der spirituellen Innerlichkeit des großen Bischofs der assyrischen Kirche aus dem 7. Jahrhundert zu. Das Bezeugen die zahlreichen Übersetzungen seiner Schriften. Zwei Jahre nachdem Omar, der zweite Kalif, Jerusalem erobert hatte, wurde Isaak im Jahr 640 auf einer Halbinsel im Persischen Golf geboren, die heute Katar heißt. Dort wurde 2008 nach über 1300 Jahren erstmals wieder eine Kirche gebaut. Isaak soll sich früh für eine mönchisches Leben entschieden haben und wurde Bischof der Handels- und Bildungsstadt Ninive, auf der Ostseite des Tigris gegenüber Mossul. In Ninive debattierten die Theologen Jahrhunderte über das Wesen Gottes, erörterten die Dreieinigkeit von Logos, Christus und dem Heiligen Geist. Am 10. Juni 2014 endete in Mossul ein christliches Leben von mehr als 1600 Jahren; die Dschihadisten stellten alle Minderheiten vor die Wahl der Zwangskonversion, der Vertreibung oder der Hinrichtung.  Isaak schrieb seine Texte auf Altsyrisch; sie wurden im Mar-Sabas-Kloster bei Bethlehem ins Arabische und Griechische übersetzt und so der gesamten Christenheit zugänglich. Seinen Homilien ist zu entnehmen, dass er mit den großen Denkern seiner Zeit wie Johannes Damascenus Kontakt hielt; er kannte und verehrte die Schriften von Euagrios Pontikos in Ägypten, Ephraim dem Syrer und Gregor von Niyssa. Isaak lebte auch nicht abgeschottet vom Islam, sondern lehrte in einem muslimischen Umfeld die christliche Theologie seiner Zeit. Seine Schriften beeinflussten die christliche Mystik im Abendland. [8]

Auch Ägypten war einst ein Zentrum des Frühchristentums. Jetzt will das Land an diese Tradition anknüpfen und Touristen und Pilger aus aller Welt anlocken. Die noch verbliebenen Klöster (Einst waren es über 60) sind wie das Kloster des Heiligen Pischoi Kirchenkomplex, Landwirtschaftsbetrieb und Wüstenfestung zugleich. Hier lebten seit dem vierten Jahrhundert nach Christus Eremiten und Mönche. Wie das benachbarte Boromäus-Kloster ist auch das Pischoi-Kloster durch hohe Mauern gesichert. Früher flüchteten die Mönche vor räuberischen Nomadenstämmen in ihre hohen Wohntürme, deren kleine Eingänge hoch über dem Boden lagen und nur über eine Art Zugbrücke erreichbar waren. Dank einer eigenen Wasserversorgung und großer Nahrungsvorräte konnte man so auch ausgedehnte Belagerungen überstehen. Angelegt wurden die Fluchttürme meistens zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert. Ein beruhigendes Gefühl vermitteln sie den Mönchen noch heute. Zum mönchischen Ideal gehört die vollständige Unabhängigkeit. Fast alles, was die Mönche und ihre Arbeiter zum Leben benötigen, wird hier hergestellt, nahezu jedes Handwerk betrieben. Die Klöster sind modern und archaisch zugleich. Effiziente Wirtschaftsbetriebe, Orte der Besinnung und des Glaubens, Symbole für die enormen Beharrungskräfte der Gläubigen in einer feindseligen Umgebung. [8]
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[1] Api Review Letters 2013, 12, Nr. 801 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2013, Nr. 190, p. 2
[2] Api Review Letters 2013, 12, Nr. 821 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2013, Nr. 259, p. 28
[3] Science Review Letters 2014, 13, Nr. 575
[4] Api Review Letters 2014, 13, Nr. 928 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2014, Nr. 273, p. 9
[5] Api Review Letters 2014, 13, Nr. 930 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2014, Nr. 277, p. 8; Nr. 278, p. 3; Nr 279, p. 5.;
[6] Api Review Letters 2014, 13, Nr. 931, 938 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2014, Nr. 49, p. 11; Nr. 301, p.2
[7] Api Review Letters 2015, 14, Nr. 941 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2015, Nr. 1, p. 2
[8] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 588 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2014, Nr. 299, p. R1; p.10; p.13
[9] Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2015, Nr. 2, p. 1; p.8
[10] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 6, p. 9; Nr. 10, p. 2
[11] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 12, p. 11; Nr. 15, p.3
 
 

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