Akademie der
Kunst und Philosophie | Academy of Arts and Philosophy
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Aus dem Inhalt:
1. Leben und WerkAlphonse Daudet, französischer Romancier, Dramatiker und Lyriker (1840 -1897) gilt als moderner Rabelais Frankreichs. Alphonse Daudet (13. Mai 1840 -1897) war ein französischer Schriftsteller, der sich zunächst als Lyriker, dann als Dramatiker und vor allem als Erzähler betätigte. Zu Lebzeiten mit fast seinem gesamten Schaffen erfolgreich, ist er heute noch eine feste Größe in der französischen Literaturgeschichte. Seine bekanntesten Werke sind der humoristische Roman Tartarin de Tarascon, der Sammelband Lettres de mon moulin (Briefe aus meiner Mühle) und der autobiografische Elemente enthaltende Roman Le Petit Chose: Histoire d’un enfant (Der kleine Dingsda: Geschichte eines Kindes). In Lyon besuchte Daudet das Collège-Lycée Ampère, bis ihn 1856 die finanzielle Not der Familie zwang, die Schule ohne Besuch der beiden Abschlussklassen („Philosophie“) und ohne „baccalauréat“ (Abitur) zu verlassen. Nach dem Abgang vom Lycée war Daudet von Mai bis Oktober 1857 Hilfslehrer („Maître d’études“) im Collège von Alès. Die Erfahrungen dieser Zeit verarbeitete er später in seinem ersten Roman, Le Petit Chose. Ende 1857 lebte er in Paris bei seinem drei Jahre älteren Bruder, Ernest, der als Journalist arbeitete und 1882 die Geschichte ihrer gemeinsamen Zeit in Mon frère et moi (Mein Bruder und ich) beschrieb. Im Jahr 1860 erhielt er die Stellung eines Privatsekretärs beim Herzog von Morny, einem Halbbruder Napoleons III. und einflussreichen Politiker. Morny alimentierte ihn bis zu seinem Tod 1865. Kurz nachdem er zusammen mit einem Kollegen ein erstes Theaterstück, La dernière idole (Das letzte Götzenbild), verfasst hatte, unternahm Daudet im Winter 1861/62 in Begleitung eines älteren Cousins eine dreimonatige Reise durch Algerien. Hier hoffte er sich zu kurieren. Eine völlige Genesung wurde nicht erreicht, doch sammelte er Material für spätere Werke, insbesondere für Tartarin de Tarascon. In seiner Abwesenheit wurde in Paris sein Theaterstück erfolgreich aufgeführt. Ein Jahr später folgte wieder aus gesundheitlichen Gründen ein mehrmonatiger Aufenthalt auf Korsika (Îles Sanguinaires). Auch dieser verschaffte ihm Stoffe und Themen für weitere Werke. Wiederholte Besuche in seiner südfranzösischen Heimat lieferten ihm Ideen und Anregungen insbesondere für die meist kurzen Erzählungen und Skizzen, die ab 1866 in Zeitschriften und 1869 gesammelt als Lettres de mon moulin erschienen. Entgegen dem Titel enthält der Sammelband nicht Briefe, sondern Erzählungen, geht aber von der Fiktion aus, die Texte seien in einer alten, von Daudet erworbenen provenzalischen Mühle verfasst und nach Paris geschickt worden. [1]Ab Ende 1867 im Feuilleton einer Zeitschrift und 1868 in Buchform erschien Le Petit Chose, in dem Daudet seine schwierigen Jugendjahre verarbeitete. 1872 erschienen der Roman Aventures prodigieuses de Tartarin de Tarascon (Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon) und das dreiaktige Schauspiel L’Arlésienne, eine Bearbeitung seiner gleichnamigen Erzählung, zu der Georges Bizet die Bühnenmusik schrieb. Sein Roman Fromont jeune et Risler aîné (1874) wurde von der Académie française preisgekrönt. Auch Jack (1876), die Geschichte eines unehelichen Kindes, das Opfer der Selbstsucht seiner Mutter wird, wurde ein großer Erfolg. Von nun an konzentrierte sich Daudet auf Romane und publizierte weiterhin erfolgreich Le Nabab (Der Nabob) 1878, Les Rois en exil (1879), Numa Roumestan (1881), L’Evangéliste (1883) und Sappho, ein Pariser Sittenbild (1884). Trente ans de Paris, à travers ma Vie et mes Livres (1887) enthält die Entstehungsgeschichten seiner Bücher, und in Souvenirs d’un homme de lettres (1888) breitete er seine Lebenserinnerungen aus. L’Immortel (1888) ist eine satirische Attacke gegen die Académie française, die ihn nie aufnahm. Ab 1889 schrieb Daudet wieder für das Theater. Daneben entstanden weitere Erzählungen, beispielsweise La Belle Nivernaise und die Tartarin-Fortsetzungen Tartarin sur les Alpes (1885) und Port-Tarascon. Dernières Aventures de l’illustre Tartarin (1890). Daudets Ruhm begründeten seine Romane. Seine heutige Bekanntheit beruht vor allem auf seinen Jugendwerken, den Briefen aus meiner Mühle (meist mit dem französischen Originaltitel „Lettres de mon moulin“ zitiert) und Tartarin von Tarascon. Daudet bekannte, er erfinde wenig, er schreibe alles nach der Natur. Seine Erfahrungen, sein Milieu, die Männer, mit denen er bekannt war, Personen, die eine Rolle im Pariser Leben spielten, alle wurden in seine Kunst eingearbeitet; natürlich übte er wie Cervantes Kritik am Islam und der Einfältigkeit der Mauren bzw. Moslems. Von großer Bedeutung für seine Entwicklung war die Freundschaft zu Frédéric Mistral und damit verbunden seine Hinwendung zu Stoffen seiner provenzalischen Heimat. Daudet war auch ein enger Freund von Edmond de Goncourt, Gustave Flaubert und Émile Zola. Daudets Stil gilt als realistisch-impressionistisch. Zu seinen Werken
zählen Les Amoureuses (1858), La Double Conversion (1859), Lettres
de mon moulin, Erzählungen (1866; Briefe aus meiner Mühle, 1879),
Le Petit Chose, Roman (1868; Der kleine Herr Dingsda, 1877), Aventures
prodigieuses de Tartarin de Tarascon, Roman (1872; Die wundersamen Abenteuer
des Tartarin von Tarascon, 1882), L’Arlésienne, Schauspiel (1872),
Fromont jeune et Risler aîné, Roman (1874; Fromont junior
und Risler senior, Stuttgart 1887), Contes du Lundi, Erzählsammlung
(1875; Montagsgeschichten, 1880), Jack, Roman (1876; deutsch 2023), Le
Nabab, Roman (1877; Der Nabob, Stuttgart 1888), Le Char, Opernlibretto
(1878, zusammen mit Paul Arène), Les Rois en exil, Roman (1879;
Die Könige im Exil, Stuttgart 1890), Numa Roumestan, Roman (1881;
Numa Roumestan, Stuttgart 1889), L’Évangéliste, Roman, 1883,
Sappho, Roman (1884; Sappho, Pariser Sittenbild, 1884), Tartarin sur les
Alpes (1885), La Belle Nivernaise (1886), Trente ans de Paris (1887), La
Doulou (1887–1895; Im Land der Schmerzen, Bremen 2003), Souvenirs d’un
homme de lettres (1888), L’Immortel, Roman (1888; Der Unsterbliche, Stuttgart
1888), Port-Tarascon. Dernières Aventures de l’illustre Tartarin
(1890), Rose et Ninette, Roman (Rosa und Ninette) Flammarion, 1892, La
Petite Paroisse, Roman Lemerre, 1895, Le Trésor d’Arlatan, Roman
Charpentier et Fasquelle, 1897, Les Femmes d’artistes (Künstler-Ehen.
Pariser Skizzen, Leipzig 1884), Le Soutien de famille (1898) (Die Stütze
der Familie, Stuttgart/Leipzig um 1919) [2]
2. Aventures prodigieuses de Tartarin de Tarascon / Die wunderbaren Abenteuer des Herrn Tartarin aus TarasconAlle waren gekommen aus der Stadt und der Umgebung. Die ganze Menge drängte und schob sich an Tartarins Haustür, "an die Haustür des wackeren Herrn Tartarin, der zu den Türken reiste, um Löwen zu jagen. Für Tarascon bedeutet nämlich Algerien, Afrika, Griechenland (vor der Befreiung von den Türken), Persien, die Türkei, Mesopotamien, alles das zusammen ein sehr ungewisses fast mythologisches Gebilde, das man kurzerhand «die Türken» nennt. ... Plötzlich, gegen zehn Uhr, ging eine Bewegung durch die Menge. Die Gartentür kreischte in ihren Angeln. «Er kommt! Er kommt!» Er war es. Als er auf der Schwelle erschien, wurden zwei Schreie laut: «Das ist ein Türke!» «Brillen trägt er!» Tartarin aus Tarascon hatte wirklich geglaubt, dass, wer nach Algerien reist, sich auch algerisch kostümieren muss. Er trug eine mächtige Pumphose aus weißer Leinwand, eine kleine Weste mit Metallknöpfen und einen roten, zwei Fuß breiten Gürtel um den Bauch.... eine mächtige Schechia, an der eine lange blaue Quaste baumelte, krönte das Ganze." Bewaffnet war er fast wie die heutigen Türken in den französischen und deutschen Vorstädten: Er trug zwei schwere Gewehre, auf jeder Schulter eines, "ein großes Jagdmesser stak in seinem Gürtel, auf dem Bauch hüpfte eine Patronentasche, und an der Hüfte schaukelte ein Revolver in seinem Lederfutteral."Der Express Paris-Marseille lief in den Bahnhof ein. Tartarin stieg in seinen Waggon, "kletterte in ein Abteil voll von Parisewrinnen, die zu Tode erschraken, als sie diesen seltsamen Mann mit all seinen Gewehren und Revolvern eindringen sahen." Bei der Überfahrt nach Algerien schien wie in Cervantes Don Quijote ein Überfall der Korsaren zu drohen: "Plötzlich merkte er, dass an der Reling, auf die er sich stützte, große schwarze Hände sichtbar wurden, die von außen nach dem Geländer griffen. Und fast im selben Augenblick tauchte vor ihm der kraushaarige Kopf eines Negers auf. Das Ganze war die Sache eines Augenblicks. Bevor Tartarin den Mund auftun konnte, war das Deck von einer Horde erstürmt, etwa hundert Freibeutern, schwarzen, braunen, halbnackten Kerlen, schrecklich anzuschauen. ... Zunächst blieb er wie angewurzelt stehen. Als er aber sah, wie die Banditen sich auf das Gepäck stürzten ..., kurz, als sie sich an die Plünderung des Fahrzeugs machten, erwachte in ihm der Held, er riss sein Jagdmesser aus der Scheide, schrie den Reisenden ein schmetterndes «Zu den Waffen! Zu den Waffen!» zu und stürzte sich allein voran auf die Freibeuter. «Was gibt's denn? Was haben sie denn?» fragte Kapitän Barbassou, der vom Zwischendeck heraufstieg. «Ach, da sind Sie, Kapitän! Rasch, bewaffnen Sie Ihre Leute!» «Wozu denn, du lieber Gott?» «sehen Sie denn nicht?» «Was denn?» «Da - vor Ihren Augen -, Piraten!» Fassungslos sah ihn Kapitän Barbassou an. In diesem Augenblick kam ein baumlanger Neger an ihnen vorbei, der die Hausapotheke unseres Helden trug. «Elender! Halt!» schrie der Tarasconese und stürzte mit gezücktem Dolch auf ihn los. Barbassou bekam ihn zu fassen und zog ihn an seinem Gürtel zurück. «Bleiben Sie doch ruhig, Bester! Das sind doch keine Piraten, Piraten gibt es schon lange nicht mehr. Das sind Gepäckträger!» «Gepäckträger?» «Ja, Gepäckträger, die hierherkommen, die Koffer an Land zu bringen. Tun sie also ihr Küchenmesser wieder in die Scheide» ... Tartarin setzte seinen Fuß auf diesen Hafenkai des Barbarenlandes, wo dreihundert Jahre früher ein spanischer Galeerensklave, ein gewisser Miguel Cervantes, jenen unvergleichlichen Roman, den Don Quijote, konzipierte, während der Sklavenhalter seinen Stock über ihm schwang." Oft wird in diesem Werk Bezug auf Cervantes genommen, schließlich kannte er sich bestens aus mit dem "Barbarenland" und der Denkweise der Mauren, die eine solche Verirrung darstellt und so abseits von allem liegt, was nur eine Spur vom Vernünftigen an sich hat. Die Romanfigur Tartarin enthält praktisch beide Helden des Cervantes, sowohl Don Quijote als auch Sancho Pansa. In der Anrufung des Cervantes heißt es: "O Miguel Cervantes Saavedra, wenn es wahr ist, dass an Plätzen, wo große Männer geweilt haben, etwas von ihnen lebendig bleibt bis an das Ende aller zeiten - wenn das wahr ist und ein Spuk deines Wesens an jenen Küsten des Berberlandes geblieben ist, so muss er vor Freude erzittert sein, als er Tartarin aus Tarascon ans Land steigen sah, diesen Urtypus des Südfranzosen, diese Fleischwerdung deiner beiden Helden, des Don Quijote und des Sancho Pansa, in einer Person." "Es kommt mir vor, Anselmo, du zeigest jetzt dieselbe Denkweise wie stets die Mauren, denen man den Irrweg ihrer Sekte weder mit Stellen aus der Heiligen Schrift begreiflich machen kann noch mit Gründen, die auf Vernunftschlüssen beruhen oder sich auf Glaubensartikel stützen; vielmehr muss man ihnen handgreifliche, verständliche, bündige, unzweifelhafte Beispiele beibringen nebst mathematischen Beweisen, die nicht zu leugnen sind, wie wenn man den Satz aufstellt: ›Wenn wir von zwei gleichen Größen gleiche Größen abziehen, so sind die übriggebliebenen ebenfalls gleich.‹ Und wenn sie dies in Worten nicht verstehen – und sie verstehen es wirklich nicht –, muss man sie es mit den Händen greifen lassen und es ihnen vor Augen stellen; und mit all diesem kann dennoch niemand sie von den Wahrheiten unsres heiligen Glaubens überzeugen. Dieselbe Art und Weise werde ich bei dir anwenden müssen; denn das Verlangen, das in dir entstanden, ist eine solche Verirrung und liegt so abseits von allem, was nur eine Spur vom Vernünftigen an sich hat, dass es meiner Meinung nach Zeitverschwendung wäre, dir deine Einfalt – denn ich will ihr für jetzt keinen andern Namen geben – begreiflich zu machen." - Miguel de Cervantes, Don Quijote I, 33Damit hatte er in Algerien natürlich auch zu kämpfen: mit wilden Arabern, "denen man den Irrweg ihrer Sekte weder mit Stellen aus der Heiligen Schrift begreiflich machen kann noch mit Gründen, die auf Vernunftschlüssen beruhen oder sich auf Glaubensartikel stützen". "Eine Horde Wilder, die um Beträchtliches schrecklicher aussahen als jene Korsaren auf dem Schiff, stürzten herbei und warfen sich auf den Fremdling. Hochgewachsene Araber, splitternackt unter Wolldecken, kleine Mauren in Lumpen, Neger, Tunesier ,,, sie alle schrien und jaulten durcheinander, rissen einander fast die Kleider vom Leib und zankten sich um Tartarins Gepäck. ... Von diesem Tumult betäubt, lief der arme Tartarin auf und ab, wünschte allen diesen Burschen die Pest an den Hals, fluchte, schimpfte, rannte hinter seinem Gepäck her und redete diese Barbaren - wie sollte er sich ihnen verständlich machen? - auf französisch, provenzalisch und sogar lateinisch an." In Algier waren fast keine Moslems zu sehen, sie waren schon alle nach Europa ausgewandert. "Da hatte er sich eine orientalische Stadt vorgestellt, etwas Feenhaftes, Mythologisches, eine Art Mischmasch aus Konstantinopel und Sansibar. Aber er fand sich buchstäblich in Tarascon wieder. Cafés, Restaurants, breite Straßen, Häuser mit vier Etagen, ein kleiner gepfasterter Platz ... Herren saßen herum, tranken Bier und aßen Windbeutel, Damen waren da, Dämchen ... Sehr viel Militär. Aber kein einziger Türke. ... Was haben die Leute nur immer mit ihrem Orient? dachte der große Tartarin, in Marseille gibt es ja mehr Türken als hier." In einem Araberviertel zusammengepfercht gab es natürlich schon Moslems bzw. Türken. Die "Stadt der Türken" ist allerdings, wie in Europa manche Stadtviertel, "eine rechte Mördergrube", in der man sich besser nicht verläuft: "Dunkle, überaus enge Gässchen, die schmal zwischen Zeilen geheimnisvoller Häuser dahinlaufen, deren Dächer sich fast berühren, so dass sie gewissermaßen einen Tunnel bilden. Niedrige Pforten, kleine Fensterchen, trüb, traurig, vergittert. Zur Rechten und zur Linken kleine Gewölbe, in denen wüste Türken mit rechten Gaunergesichtern, Augen, deren Weißes man zu deutlich sieht, und schimmernden Zähnen lange Pfeifen rauchen und miteinander flüstern, als ob sie irgendeine schlimme Sache ausheckten. Sagen, dass Tartarin diese schreckliche Gegend ohne Erregung durchquerte, hieße einfach Lügen. ... Von Augenblick zu Augenblick war er darauf gefasst, eine Horde Eunuchen oder Janitscharen über sich herfallen zu sehen." Die Muezzine sollen eine Art "Rausch des Glaubens" vermitteln, was sich aber immer als Irrglaube entpuppt, wobei der Muezzin mit seinem Gesang oft nur auf der Suche nach einer neuen Maurin ist, ähnlich wie Singvögel mit ihrem Gesang das Weibchen beeindrucken wollen.. "Tarascon, verhülle dein Antlitz! Dein Tartarin ist in Gefahr, einem fremden Irrglauben zu verfallen." Alte Postkutschen wurden von Frankreich nach Algerien deportiert und führten dort ein "richtiges Galeerenleben" wie eine sprechende Kutsche berichtet. Sie klagt: "Gott weiß allein, was das für Leute sind, die ich da schleppe. Eine Horde Ungläubiger, von denen niemand weiß, wo sie herkommen, und die überall ihr Ungezifer zurücklassen, Neger, Beduinen, Veteranen, Abenteurer aus allen möglichen Ländern, zerlumpte Kolonisten, die mich mit ihren Pfeifen verstänkern, und all das Pack redet ein Kauderwelsch, das Gott Vater selbst nicht versteht. Und sehen Sie nur, wie man mich behandelt! Niemals geputzt, niemals gewaschen. ... Statt meiner wohlgenährten, ruhigen Pferde von einst hat man mir Araber vorgespannt, Rösser, die den Teufel im Leib haben." Gezähmte Löwen gibt es in Algerien, allerdings "gedehmütigt, besiegt, blamiert, diesem ganzen muselmanischen Gesindel zum Gespött dienend". Dennoch ist ein solcher Löwe den Moslems hier ein heiliges Tier, es stammt aus einem sogenannten "Löwenkloster". Nicht die Mönche in den muslimischen Klöstern sind heilig, sondern die Löwen. "Ein gewisser Mohammed ben Auda hat es vor etwa dreihundert Jahren gegründet. Es ist eine wilde Abart von La Trappe, die beständig vom Brüllen der Bestien widerhalt und ungemütlich von ihren Gerüchen durchweht ist. Sonderbare Mönche ziehen die Tiere auf und zähmen sie zu Hunderten, lassen sie dann durch ganz Nordafrika ziehen, von Bettelbrüdern begleitet. Die Almosen, die so erworben werden, dienen zum Unterhalt des Klosters und seiner Moschee." Die Einfältigkeit der Moslems ist manchmal kaum zu überbieten; von den Moslems, die das Gepäck schleppten, blieb einer "sternhagelbesoffen am Straßenrand liegen, weil er zu viel Kampferspiritus getrunken hatte. Ein dritter, der das Reisealbum trug, hatte sich wohl, von den Goldbeschlägen geblendet, eingebildet, er trage die Schätze von Mekka, und so war er, was seine Beine hergaben, mitten in die Sahara davongelaufen." Die Gerichtsbarkeit im Iran und in vielen muslimisch-türkischen Ländern ist durchaus bekannt. "Eine grausame und unkontrollierte Allgewalt phantastischer Agas, die sich in das rote Bändchen ihrer Ehrenlegion schneuzen und ihren Leuten ohne jede Ursache die Bastonade verabreichen lassen. Eine gewissenlose Justiz bebrillter Kadis, widerwartiger Heuchler, die aus dem Koran und dem Zivilgesetz eine Tartüfferie machen... Ihre Rechtsansprüche verkaufen sie, wie Esau seine Erstgeburt, für ein Linsengericht oder für gezuckerten Kuskus. Kaids, versoffene Kerle und Hurenjäger, die früher bei irgendeinem General Jussuf Putzer waren, wälzen sich in Champagner, treiben es mit den Wäschermädchen aus Menorca, fressen Hammelkeulen toll und voll, während rings um ihre Zelte ganze Stämme Hungers sterben und mit den Hunden um die Abfälle von dem herrschaftlichen Mahl zanken." Tartarin aus Tarascon lernte nicht nur das Algerien der Beduinenstämme kennen, sondern auch das nicht minder schauerliche und alberne Algerien der Städte, "der Prozesse und Winkeladvokaten. Er machte Bekanntschaft mit dieser Gerichtskomödie, die im Hinterzimmer von Kaffeehäusern gespielt wird, mit der Boheme der Gerichtsunterbeamten, mit Aktenbündeln, die nach Absinth riechen, und weißen Krawatten, die mit Kaffeepunsch beklckert sind. Er lernte die Gerichtsvollzieher kennen, die Sachverwalter bei Handelsgerichten, die Polizeiagenten, alle diese Heuschrecken des Stempelpapiers, die den Kolonisten bis auf die Sohlen seiner Stiefel auffressen und nichts von ihm übriglassen, bis sie ihn abgenagt haben wie einen Maiskolben." Ein "Teufelsland" und die Geschichte mit den lausigen Muezzinen. «Welche Geschichte? Welcher Muezzin?» «Herrgott, der Muezzin da drüben, der Baja so lustig den Hof machte. Der Akbar hat die Geschichte erst unlängst veröffentlicht, und ganz Algier lacht sich darüber krumm. Es ist auch zu lustig, sich vorzustellen, wie dieser Lausekerl von Muezzin von seinem Turm herab Gebete singt und dabei vor Ihren Augen der Kleinen Liebeserklärungen macht. Im Namen Allahs hat er sie zum Rengezvous bestellt.» «Ja, gibt es in diesem Lande denn nur Schufte?» Ein Lausekerl von
Muezzin im Gegensatz zu Tartarin als Muezzin: "Als er an der Moschee vorüberkam,
fiel ihm der Muezzin ein, und er musste lachen. Plötzlich kam ihm
ein Einfall, wie er sich rächen könnte. Die Pforte stand offen.
Er trat ein, durchquerte lange mit Matten belegte Gänge, stieg eine
endlose Treppe hinauf und gelangte schließlich in eine türkische
Betkammer ... Der Muezzin saß mit seinem mächtigen Türban
auf einem Diwan, rauchte seine Pfeife von Mostaganem und hatte ein großes
Glas frischen Absinth vor sich stehen, den er andächtig rührte.
So erwartete er die Stunde, da er die Gläubigen zum Gebet rufen würde.
Als er Tartarin gewahrte, ließ er vor Schrecken die Pfeife aus dem
Mund fallen." Tartarin schnappte sich Turban und Mantel und schritt auf
die Terrasse des Minaretts hinaus und begann zu singen: «Allah il
Allah! Mohammed ist ein alter Gauner, der Orient, der Koran, das ist alles
nur Schwindel und keinen Sou wert. Türken gibt's überhaupt nicht.
Nur Gauner gibt's hier. Es lebe Tarascon!» Während Tartarin
seinen lustigen Fluch nach allen vier Richtungen schleuderte, "herabwarf
über Meer, Stadt, Ebene und Berg, antwortete die klare und ruhige
Stimme der anderen Muezzins, von Minarett zu Minarett weitergegeben." Das
neue islamische Glaubensbekenntnis: "Mohammed ist ein alter Gauner, der
Orient, der Koran, das ist alles nur Schwindel und keinen Sou wert" sollte
von nun an in Moscheen gepredigt werden; zumindest in Europa könnten
dann alle Moscheen, die das nicht predigen, geschlossen werden. [3]
3. Tartarin sur les Alpes / Tartarin in den AlpenTartarin erreicht den Gipfel: "Auf der Freitreppe war der Armbrustschütze nur noch ein dicker, untersetzter stämmiger Mann, der jetzt innehielt, um sich zu verschnaufen, den Schnee von seinen gelbtuchenen Gamaschen, eben solcher Mütze und der gestrickten, Ohren, Hinterkopf und Hals deckenden Haube schüttelte, aus welchem Kleidungsstück von dem Gesicht nur ein Paar Büschel ergrauenden Barthaars und ungeheure, wie Stereoskope gewölbte grüne Brillengläser hervorguckten. Die Hacke, der Alpenstock, ein Bergsack auf dem Rücken, ein Bündel gerollter, kreuzweis über einander gelegter Seile, eiserne Klammern und Haken am Gürtel einer englischen Joppe mit breiten Taschenklappen vervollständigten die Ausrüstung eines vollendeten Alpensteigers. Auf dem öden Gipfel des Montblanc oder des Finsteraarhorns wäre diese Erscheinung etwas sehr Natürliches gewesen; aber auf dem Rigi-Kulm, zwei Schritt von der Eisenbahn! Der Alpensteiger kam freilich nicht von der Seite der Station her und das Aussehen seiner hohen Gamaschen wies auf einen langen Marsch durch Schnee. ... Einen Augenblick betrachtete er das Hotel und dessen Nebengebäude, höchlich verwundert darüber, nahezu zweitausend Meter über dem Meeresspiegel ein so gewaltiges Bauwerk, durch Glasscheiben geschlossene Galerien, offene Säulengänge, sieben vielfenstrige Stockwerke und einen breiten Perron anzutreffen, der sich zwischen zwei Reihen auf eleganten Ständern ruhenden Pechpfannen hinzog, welche dieser Bergeshöhe fast das Aussehen des Opernplatzes in winterlicher Abenddämmerung verliehen. So verwundert er aber auch sein mochte, die Hotelbedienung war es noch mehr als er; und als er in den ungeheuren Flur vordrang, entstand ein sonderbares Gedränge vor allen Türen, die zu den Sälen führten: Herren mit Billardstöcken in der Hand, andere mit geöffneten Zeitungen, Damen mit einem Buch oder einer Handarbeit, und tief im Hintergrunde, da wo die Treppe aufsteigt, beugte es sich Kopf an Kopf über das Geländer zwischen die Ketten des Elevators. Der Mann sagte ganz laut, mit starker, tiefer Bassstimme, wie man sie nur im mittäglichen Frankreich kennt, und die wie ein Paar Klappschüsseln tönte: «Nichtswürdiges Pech! Ist das ein Wetter!...» Und im gleichen Moment blieb er stehen und nahm seine Mütze und die Brille ab. Er erstickte fast. Das blendende Licht, die vom Gas und den Oefen ausströmende Wärme im Gegensatz zu der Kälte draussen, dann der ganze prunkvolle Apparat, die hohen Räume, die aufgeputzten Portiers mit den Worten REGINA MONTIUM in goldenen Buchstaben auf ihren Admiralsmützen, die weissen Halsbinden der Kellner und das Bataillon Schweizerinnen in Nationaltracht, das auf ein Glockenzeichen herbeieilte, alles das betäubte ihn eine Sekunde lang, aber nicht länger als eine. Er fühlte, dass alle Blicke auf ihm ruhten und auf der Stelle fand er seine Fassung wieder, wie ein Schauspieler vor vollen Logen. «Der Herr befehlen?...» Es war der Oberkellner, der ihn mit kaum geöffneten Lippen anredete; ein sehr feiner Oberkellner, modernstes Jaquett, seidenhaariger Backenbart, der Kopf eines Damenschneiders. Der Alpensteiger verlangte ohne Zaudern ein Zimmer, «ein flottes, hübsches Zimmerchen wenigstens;» er stellte sich zu dem majestätischen Oberkellner wie zu einem ehemaligen Schulkameraden. Aber fast hätte er sich geärgert, als die Bernerin, steif wie ihr mit silbernen Kettchen behangener Brustlatz, und die schneeweissen Aermel nicht minder steif gestärkt, ihm mit brennender Kerze entgegentrat und die Frage an ihn richtete, ob er vielleicht des Elevators sich bedienen möchte. Der Vorschlag, ein Verbrechen zu begehen, hätte in seinem Herzen keine tiefere Entrüstung erregen können. ...Ein Hebestuhl, ein Aufzug, ihm!... ihm! Bei diesem Ausruf, bei seiner Armbewegung fing die ganze eiserne Ausrüstung des Mannes zu klirren an. Aber plötzlich wieder sanfter gestimmt, sagte er in liebenswürdigstem Tone zu der Schweizerin: «pedibus cum beinis, mein süsses Kätzchen...» und er stieg hinter ihr her die Treppe hinauf, mit seinem breiten Rücken die Leute auf seinem Wege bei Seite schiebend, während durch das ganze grosse Hotel die einzige lange Frage von Mund zu Mund in allen Sprachen der Welt sich wiederholte: «Was ist nur das für ein Wesen?»Wie alle Prachthotels von Interlaken liegt das von Herrn Meyer gehaltene Hotel Jungfrau auf dem Höheweg, der breiten Promenade mit zwei Reihen mächtiger Nussbäume, die Tartarin von fern an seinen geliebten Stadtwall von Tarascon erinnerte, nur dass die Sonne, der Staub und die Grillen hier fehlten; denn seit einer Woche, die er sich hier befand, hatte es nicht aufgehört zu regnen. "Er bewohnte ein sehr schönes Zimmer mit Balcon im ersten Stock. Und wenn er morgens vor einem kleinen Handspiegel am Fenster seine Toilette beendete, eine alte Reisegewohnheit, so war der erste Gegenstand, dem seine Augen jenseits der Wiesen, der Kleefelder und der steil ansteigenden Tannengehölze begegneten, die Jungfrau, die ihren schneeweissen Gipfel aus den Wolken erhob, und stets von einem flüchtigen Blick der verborgenen Sonne geherzt wurde. Dann entspann sich zwischen der rosig und weiss schimmernden Alpenfee und dem Alpenfreund von Tarascon ein kurzes Zwiegespräch, dem es an grossen Zügen nicht gebrach. «Tartarin, sind wir bereit?» fragte die Jungfrau strenge. «Voilà, voilà...» antwortete der Heros, und er beeilte sich, mit seinem Bart fertig zu werden. Rasch hatte er sein Kostüm für die Bergbesteigung angelegt, das er seit einigen Tagen in die Ecke geworfen hatte." Gespräch über Russland, die Tyrannei des Zaren und den aufkommenden Nilihismus bzw. Sozialismus: "Doch während die schmalen Lippen des Kranken sich zu einem ironischen Lächeln verzogen, schüttelte Sonia den Kopf. Für sie gab es keine Sonne, keine Festlichkeiten, so lange das russische Volk unter dem Tyrannen sich zu Tode röchelte. Sobald ihr Bruder genesen wäre, – in ihren feucht schimmernden Augen las man diese Hoffnung nicht, – werde nichts sie hindern dorthin zurückzukehren und für die heilige Sache zu leiden und zu sterben. «Aber, verwünschtes Loos, rief der Tarasconnese aus, wenn sie diesen Tyrannen in die Luft gesprengt haben, kommt nach ihm ein anderer.... Dann heisst es von vorn wieder anfangen.... Und die Jahre schwinden, vé! die Zeit, wo das Glück und junge Liebe uns winkt....» Seine Art, das Wort «Liebe» zu betonen, während ihm die Augen zum Kopf heraustraten, belustigte das junge Mädchen; doch sogleich wieder ernst werdend, erklärte sie, nur den Mann lieben zu können, der ihr Vaterland befreien werde. O, diesem, und wäre er auch so hässlich wie Bolibin, so bäurisch und unmanierlich wie Manilow, ihm würde sie sich bereitwillig hingeben, in «freier Liebe» mit ihm zusammenleben, so lange ihre Jugend daure und jener Mann sie wolle. «In freier Liebe», der Ausdruck, dessen die Nihilisten sich bedienen, um jene illegalen, nur durch gegenseitige Einwilligung zwischen ihnen eingegangenen Verbindungen zu bezeichnen. Und von einer solchen primitiven Ehe sprach Sonia ruhig mit ihrer jungfräulichen, schuldlosen Miene in Gegenwart des Tarasconnesen, der, obwohl ein braver Philister, ein friedliebender Staatsbürger, ganz und gar geneigt war, seine Tage an der Seite des lieblichen Mädchens, in dem eben erwähnten Verhältniss der freien Liebe zuzubringen, wenn sie nur nicht so mörderische, verabscheuungswürdige Bedingungen gestellt hätte. Während sie diese äusserst bedenklichen Fragen berührten, entfalteten sich Felder, Seen, Wälder und Berge vor ihren Blicken, und überall, an jeder Krümmung der Strasse, hinter dem durchsichtigen feuchten Schleier unerschöpflichen Regens, der den Helden auf seinen Ausflügen begleitete, erhob die Jungfrau ihren schimmernden Gipfel, als wolle sie in das Vergnügen der köstlichen Spazierfahrt eine herbe Mahnung mengen. Man kehrte zum Mittagessen zurück und setzte sich an die ungeheure Table-d'hôte. Tartarin hatte seinen Platz neben Sonia; er war nur darauf bedacht, dass Boris kein offenes Fenster im Rücken hatte; zuvorkommend, väterlich, kehrte er alle Liebenswürdigkeit des Weltmannes, alle geselligen und häuslichen Tugenden eines vortrefflichen zahmen Kaninchens hervor. Darauf nahm man den Tee bei den Russen ein in dem kleinen offenen Salon, der im Erdgeschoss auf ein Gartenplätzchen am Rande der Promenade hinausging. Dies war für Tartarin eine köstliche Stunde vertraulicher, mit leiser Stimme geführter Unterhaltung, während Boris auf einem Sopha schlummerte. Im Samowar brodelte das heisse Wasser; der Duft regengetränkter Blüthen drang durch die halbgeöffnete Tür mit dem blauen Schimmer der Glycinen, welche diese umrankten. Ein wenig mehr Sonne, ein wenig mehr Wärme, und der Traum des Tarasconnesen fand sich verwirklicht: seine kleine Russin lebte bei ihm, dort unten in seiner Heimat, und pflegte das Gärtchen mit dem Baobab. ... Manilow und Bolibin warteten fast immer bei ihren Freunden auf die eingetroffenen Nachrichten. Wegen grösserer Sparsamkeit und vorsichtshalber wohnten sie nicht im Hotel. Bolibin hatte in einer Buchdruckerei Beschäftigung gefunden, und Manilow, ein sehr geschickter Kunstschreiner, arbeitete für mehrere Werkstätten. Der Tarasconnese fühlte keine Zuneigung zu ihnen, der Eine war ihm unangenehm durch sein Gesichterschneiden, seine spöttischen Mienen; der Andere erschreckte ihn durch seine drohenden Blicke. Auch nahmen sie einen zu grossen Platz in Sonia's Herzen ein." Tartarin vertiefte sich in eine philosophische, humanitäre Discussion mit einem der zahlreichen Anwesenden, denn Bolibin und Manilow waren nicht die einzigen Besucher der Wassiliew. "Täglich erschienen neue Gesichter, junge Leute, Männer und Frauen, ihrem Aussehen nach arme Studenten, überspannte Erzieherinnen, blond und rosig, welche dabei die energische Stirn und die wilde Kindernatur Sonia's besassen. Es waren Verbannte, ausserhalb des Gesetzes stehende, einige sogar zum Tode Verurteilte, was ihnen nichts von ihrer lebensfrischen Jugend nahm. Sie lachten und schwatzten laut, und da die meisten französisch sprachen, fühlte sich Tartarin schnell behaglich unter ihnen. Sie nannten ihn «Onkel», und erkannten in seinem Wesen etwas Kindliches, Naives, das ihnen gefiel. Vielleicht ging er etwas zu weit bei der Erzählung seiner Jagdabenteuer, indem er den Aermel bis zum Ellenbogen hinaufstreifte, um auf dem behaarten Arm die Narbe zu zeigen, welche die Tatze eines Panthers da zurückgelassen, oder auch unter seinem Bart die Löcher fühlen liess, die von den Zähnen eines Löwen vom Atlasgebirge herrührten. Vielleicht war er auch gleich gar zu vertraulich mit den jungen Leuten, nahm sie um die Taille, stützte sich auf ihre Schulter, nannte sie, nachdem er fünf Minuten mit ihnen zusammen gewesen, bei ihrem Vornamen: «Hören Sie, Dimitri.... Sie kennen mich, Fedor Iwanowitsch...» Nicht gerade seit langer Zeit, jedenfalls; doch trotzdem gewann er sie durch seine Offenheit, durch sein liebenswürdiges, vertrauensvolles Wesen, durch das sichtliche Bemühen, zu gefallen. Sie lasen Briefe in seiner Gegenwart, ersannen Pläne und Losungswörter, um die Polizei irre zu führen, einen ganzen Verschwörungsapparat, der die Phantasie des Tarasconnesen ungemein beschäftigte; und obwohl seine Natur jeder Gewalttat widerstrebte, konnte er sich bisweilen nicht enthalten, ihre mörderischen Pläne mit ihnen zu besprechen. Er billigte, tadelte, gab Ratschläge, wie sie die Erfahrung eines grossen Anführers lehrte, der auf dem Kriegspfad gewandelt und gewöhnt ist an die Handhabung jeglicher Waffe, der Aug' in Auge mit den gewaltigsten Raubthieren gekämpft hat. ... Worein mischte er sich? Der Zar war doch wirklich nicht sein Zar, und all' jene Geschichten gingen ihn nichts an.... Sah er sich nicht schon an einem der nächsten Tage in's Gefängniss geschleppt, ausgeliefert, der moskowitischen Justiz überwiesen?... Boufre! und sie spassen nicht, diese Kosaken.... Und mit der schrecklichen Erfindungsgabe, welche die horizontale Lage noch erhöhte, entrollten sich in der Dunkelheit seines Hotelzimmers, wie auf einem jener auseinander zu legenden Bilderbogen, die man ihm in seiner Kindheit am Neujahrstage schenkte, die verschiedenen furchtbaren Folterqualen vor seinen Augen, denen er unterworfen wurde. Tartarin, gleich Boris, in den Kupferbergwerken arbeitend, bis zum Bauch im Wasser, den Körper zerfressen, vergiftet. Er entrinnt und versteckt sich in den schneebedeckten Wäldern, verfolgt von den Tartaren und den auf die Menschenjagd abgerichteten Hunden. Von Kälte und Hunger erschöpft, wird er von Neuem ergriffen und schliesslich zwischen zwei Galeerensträflingen gehenkt, nachdem ihn ein nach Branntwein und Tran stinkender Pope mit schmierig glänzenden Haaren umarmt und geküsst hat; ...In der Beängstigung eines jener bösen Träume hatte er den Nothschrei ausgestossen: «Zu mir, Bézuquet!...» und dem Apotheker den vertraulichen, von Angstschweiss noch feuchten Brief geschickt. Doch der sanfte Morgengruss Sonia's an seinem Fenster genügte, um ihn zu bezaubern, ihn von Neuem in die Schwäche und Unentschlossenheit zurückzurufen." Anmerkungen [1] Wissenschaftsbriefe
/ Science Review Letters 2026,
25, Nr. 1769; Alphonse Daudet: Aventures
prodigieuses de Tartarin de Tarascon, Paris 1872; Die wundersamen Abenteuer
des Tartarin von Tarascon, Hamburg 1882; Ders. Tartarin sur les Alpes,
Paris 1885 / Tartarin in den Alpen, Leipzig 1886; vgl. Kurse Nr. Nr.
696 Alphonse Daudet,Nr. 694 Honore
de Balzac, Nr. 693 Guy de Maupassant,
Nr.
665 Molière,
Nr. 622 Victor Hugo
I, Nr. 674 Victor Hugo II, Nr.
629 Voltaire I-II, Nr. 678 François
Rabelais, Nr. 563 Miguel de
Cervantes I, Nr. 645 Miguel
de Cervantes II,
Nr. 545 Sittenlehre
I-II, Akademie der Kunst und Philosophie / Académie des
sciences
Alphonse
Daudet
Allgemeine
Infos zur Akademie der Kunst und Philosophie und den Kursen
Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres, der Renaissance, des Barock, der Aufklärung, des Idealismus, der Romantik vgl. Kurse:Nr. 551 G.W.F. Hegel I, Nr. 660 G.W.F. Hegel II,Nr. 511 Johann Gottlieb Fichte I, Nr. 658 Johann Gottlieb Fichte II, Nr. 509 F.W.J. Schelling I, Nr. 510 F.W.J. Schelling II, Nr. 513 F.W.J. Schelling III, Nr. 505 Arthur Schopenhauer I-II, Nr. 663 Arthur Schopenhauer III, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 020 Johann Wolfgang von Goethe I-II, Nr. 673 Johann Wolfgang von Goethe III, Nr. 553 Friedrich Schiller I-II, Nr. 675 Friedrich Schiller III, Nr. 554 Friedrich Hölderlin I-II, Nr. 512 Novalis I, Nr. 671 Novalis II, Nr. 677 Jean Paul, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck,Nr. 631 Adelbert von Chamisso,Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 696 Alphonse Daudet, Nr. 693 Guy de Maupassant, Nr. 694 Honore de Balzac, Nr. 665 Molière, Nr. 622 Victor Hugo I, Nr. 674 Victor Hugo II, Nr. 629 Voltaire I-II, Nr. 678 François Rabelais, Nr. 679 Laurence Sterne, Nr. 621 Lord Byron I, Nr. 676 Lord Byron II, Nr. 628 Percy Bysshe Shelly, Nr. 561 Sir Walter Scott, Nr. 555 Angelus Silesius, Nr. 634 Hans Sachs, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 680 Nikos Kazantzakis, Nr. 588 Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Nr. 550 Fjodor M. Dostojewskij I-II, Nr. 506 Wladimir Sergejewitsch Solowjow, 695 Emanuel Swedenborg, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Nr. 661 Philosophie der Geschichte I, Nr. 686 Philosophie der Geschichte II, Nr. 687 Philosophie der Geschichte III, Nr. 687 Philosophie der Geschichte IV, Nr. 687 Philosophie der Geschichte V, Nr. 691 Philosophie der Geschichte VI, Nr. 691 Philosophie der Geschichte VII, Nr. 659 Wissenschaftslehre I, Nr. 666 Wissenschaftslehre II, Nr. 681 Wissenschaftslehre III, Nr. 682 Wissenschaftslehre IV, Nr. 683 Wissenschaftslehre V, Nr. 684 Wissenschaftslehre VI, Nr. 685 Wissenschaftslehre VII, Nr. 545 Sittenlehre I-II, Nr. 614 Sittenlehre III, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre I-II, Nr. 641 Staats- und Rechtslehre III, Nr. 644 Staats- und Rechtslehre IV, Nr. 655 Staats- und Rechtslehre V, Nr. 618 St. Ephraim der Syrer, Nr. 617 St. Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 627 St. Basilius der Große, Nr. 625 Theodorus Abucara, Nr. 624 Byzantinische Wissenschaft / Philosophie, Nr. 653 St. Cyprianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus,Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 654 St. Augustinus III, Nr. 579 St. Albertus Magnus, Nr. 500 St. Thomas von Aquin I, ScG, Nr. 501 St.Thomas von Aquin II, Sth I., Nr. 502 St.Thomas von Aquin III, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas von Aquin IV, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas von Aquin V, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 562 Dante Alighieri I-II, Nr. 672 Dante Alighieri III, Nr. 558 Calderón de la Barca, Nr. 648 Calderón de la Barca II, Nr. 650 Calderón de la Barca III, Nr. 651 Calderón de la Barca IV, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 637 Lope de Vega I, Nr. 638 Lope de Vega II, Nr. 642 Lope de Vega III, Nr. 643 Lope de Vega IV, Nr. 652 Juan Ruiz de Alarcón, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 552 William Shakespeare I-II, Nr. 559 Wolfram von Eschenbach, Nr. 560 Walter von der Vogelweide, Nr. 662 Gottfried von Strassburg, Akademie der Kunst und Philosophie / Académie des sciences Nr.
320 Romanische Kunst und Architektur, Nr.
350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr.
325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr.
326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr.
586 Tizian, Nr. 591 Paolo Veronese,
Nr.
597 Correggio, Nr. 670 Annibale
Carracci,
Nr. 520 Rembrandt, Nr.
598 El Greco,
Nr. 620
Giovanni Battista Tiepolo, Nr.
590 Giovanni Bellini,
Nr. 656 Andrea
Solari, Nr. 657 Bernadino Luini,
Nr.
587 Andrea Mantegna,Nr. 595 Jan van
Eyck,
Nr. 635 Rogier van der
Weyden, Nr. 640 Stefan Lochner,
Nr.
646 Michael Pacher,
Nr. 647 Peter
Paul Rubens, Nr. 649 Giotto di
Bondone,
Nr. 626 Luca Signorelli,
Nr.
610 Piero della Francesca,
Nr. 596 Perugino,
Nr.
522 Raffael (Raffaello Sanzio), Nr.
523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo
Gozzoli,
Nr. 606 Fra Angelico,
Nr.
607 Pinturicchio, Nr. 608 Domenico Ghirlandaio,
Nr.
593 Filippo Lippi,
Nr. 594 Filippino
Lippi,
Nr. 589 Albrecht Dürer,
Nr.
603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio
da Fossano detto il Bergognone, Nr. 636
Eugène Delacroix,
Nr. 639 Bartolomé
Esteban Murillo, Nr. 690
Caspar David Friedrich, Akademie der Kunst und Philosophie
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