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Kurs Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II

Poet und Philosoph der Renaissance

Orlando furioso


"Das Sprichwort sagt, die Berge bleiben stehen, / Die Menschen müssen zu einander gehen." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 23

"Der Vorzeit Frauen haben Wunderdinge
In Waffen und im Musendienst vollbracht,
Und ihrer Werke Glanz – es ist als dringe
Er hell und strahlend durch der Zeiten Nacht.
Berühmt ist Harpalice's Lanz' und Klinge,
Camilla glänzt als Führerin der Schlacht,
Corinna, Sappho sind gelehrte Frauen,
Die ewig leuchten und die Nacht nie schauen.  Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 20

"Statt zur Verbreitung unsrer heil'gen Lehre
Das Schwert zu ziehn, dort wo es Gott erlaubt,
Rennen sie in ihr eignes Fleisch die Speere (...)

Wenn ihr »die allerchristlichsten« noch heute,
Wenn heut ihr »die katholischen« noch heißt,
Wie kömmt es, dass ihr Christi Lehensleute
Ermordet und ihr Lehen an euch reißt
Und nicht Jerusalem von jener Meute
Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt,
Und dass Constantinopel und den besten
Teil dieser Welt der Türke darf verpesten?" Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 17

Sandro Botticelli, Venere e le tre Grazie offrono doni a una giovane,  Venus and the Three Graces Presenting Gifts to a Young Woman, dettaglio, 1486 circa, Parigi, Louvre

 
 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 

1. Ludovico Ariosto und sein Orlando furioso; Händels Opern "Orlando", "Ariodante", "Alcina", "Rinaldo"

Ludovico Ariosto (1474-1533) ist ein berühmter italienische Dichter der Renaissance. Sein bekanntestes Werk ist "Orlando furioso", das viele Opernkomponisten inspirierte, so zum Beispiel Händel zu Opern wie "Orlando", "Ariodante", "Alcina" und seinem "Rinaldo". Händels Kreuzritter-Oper "Rinaldo" erinnert an den Konflikt der christlichen Länder mit dem Islam. Georg Friedrich Händel brauchte 1710 handfeste Figuren, mit denen er deftigen Bühnenzauber entfalten konnte, um als Neuling das Publikum an der Themse zu beeindrucken. Das passende Personal liess er sich von dem Librettisten Giacomo Rossi aus dem Kreuzritterepos "Das befreite Jerusalem" von Torquato Tasso zusammenstellen, sowie aus Ariosts "Orlando furioso". Händels Ariosto-Opern entstanden innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren. Die Begeisterung, mit der er auf die Libretti von "Orlando", "Ariodante" und "Alcina" reagierte, spricht für ein tiefes Verständnis für den Geist dieser einflussreichen Dichtung. Ariost, Zeitgenosse von Andrea Mantegna hat im „Rasenden Roland“ die drei größten Maler seiner Epoche in einem Atemzug genannt: „Leonardo, Andrea Mantegna, Gian Bellino.“ [1]

Im ersten Canto erzählt Ariosto worum es eigentlich geht, nämlich um die Verteidigung Europas gegen den Ansturm der "Mohren Afrika's", die früher mehrheitlich islamisch waren:
 

"Die Taten, kühn' und edle, will ich singen,
Die einst geschahn, als durch die Meeresflut
Die Mohren Afrika's nach Frankreich gingen,
Dem Zorne folgend und der jungen Wut
Des Königs Agramant zu heißem Ringen:
Trojan zu rächen schwor des Königs Eid
An Kaiser Karl, dem Haupt der Christenheit.

Von Roland auch in diesem Werk erzähl' ich,
Was nie gemeldet ward in Wort und Lied,
Wie er, der weise Mann, vor Liebe schmählich
Verrückt ward und in Raserei geriet,
Wenn sie, die mich beinah wie ihn allmählich
Toll macht und mir mein bischen Geist entzieht,
So viel mir übrig lässt von diesem Geiste,
Dass ich, was ich verspreche, wirklich leiste.

Hochherz'ger Sproß aus Hercules' Geblüte,
Unsres Jahrhunderts Glanz und helle Zier,
Nehmt, Hippolyt, was euer Knecht sich mühte
Für euch zu schaffen, nehmt es an von mir.
Zum Teil bezahlen kann ich eure Güte
Mit Worten und beschriebenem Papier,
Und keiner tadle, dass zu klein die Gabe,
Denn alles geb' ich euch, soviel ich habe.

Ich sag' euch zu, dass unter andern teuern
Ruhmreichsten Helden ihr vernehmen sollt
Von jenem Roger, dessen Blut in euern
Und eurer hohen Ahnherrn Adern rollt.
Von seinem Ruhm und stolzen Abenteuern
Erzähl' ich euch, wenn ihr mich hören wollt,
Wenn euer Geist, von höh'rer Sorg' entlastet,
Bei meinen Versen hin und wieder rastet.

Graf Roland, der, verliebt in die Gefahren,
Die ihn Angelica bestehen hieß,
In Medien, Indien, unter den Tartaren
Unsterbliche Trophäen hinterließ,
War jetzt mit ihr gen Abend heimgefahren,
Und an dem Fuß der Pyrenäen stieß
Er auf das Lager, wo zu Frankreichs Zelten
Die Völker Deutschlands sich um Karl gesellten,

Um Herrn Marsil und König Agramant
Zu nötigen sich vor die Stirn zu schlagen,
Den einen, weil er tollkühn hergesandt
Aus Afrika, was Waffen konnte tragen,
Den andern, weil er Spanien angespannt,
Das schöne Frankreich in den Tod zu jagen.
Und Roland kam daher zu rechter Zeit;
Bald aber tat ihm selbst sein Kommen leid." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 1


Montaigne meinte in Anlehnung an die Paulusbriefe, wer nur deshalb ehrlich sei, weil es die Leute erfahren, und wenn sie es erfahren haben, ihn hernach desto höher schätzen werden, wer unter keiner anderen Bedingung Gutes tun wolle, als dass seine Tugend der Welt bekannt werden solle, sei eine Person, von der man sich nicht viel Dienste zu versprechen habe. Dazu Ariosto: [20][21]

"Credo che'l resto di quel verno, cose
Facesse, degne di tenerne conto;
Mà sur sin' a quel tempo si nascose,
Che non è colpa mia, s' hor' non le conto,
Perche Orlando a far l'opre virtuose
Più ch' a narrarle poi, sempre era pronto!
Ne mai fù alcun' de' suci fatti espresso,
Se non quando hebbe i testimoni appresso." - Ariosto
Ariosto und Montaigne beklagen, dass es heute mehr obrigkeitliche Personen und Gesetze gibt, als Leute oder Handlungen [19]:
"Di cittatorie piene e di libelli,
D'essamine e di carte, di procure
Hanno le mani e il seno, egan fastelli
Di chose, di consigli, et di letture,
Per cui le faculta de poverelli
Non sono mai ne le citta sicure,
Hanno dietro e dinanzi e d'ambi i lati,
Nota i Procuratori, et Advocati." - Ariosto

"Chi troppo assotiglia, si scavezza." - Francesco Petrarca


Ariosto besingt berühmte Frauen der Geschichte und glaubt: "Mich dünkt, in unsren Tagen sehen wir schon hohe Tugend schöner Frau'n erstehen, schon Stoff vielleicht für Feder und Papier, damit den Glanz auch künft'ge Jahre sehen; Dann werdet, o gehäss'ge Zungen, ihr mit eurem Lästern schmählich untergehen." [2]

Den Frauen wurde damals viel zugetraut: "Man hatte zu den Frau'n und jungen Damen sehr viel Vertraun in jener alten Zeit. Man ließ allein sie ziehn in Gottes Namen durch Berg und Thal und Länder noch so weit und nahm für voll sie, wann sie wiederkamen, und niemals gab es Argwohn oder Streit." - Nach den Ereignissen von Köln wäre das heute undenkbar. Allerdings sollte die Frau die "Emanzipation" nicht so weit treiben wie die Amazonen, dass sie "strafe das Geschlecht, das sie verriet"

 
"Ein jedes Schiff, das hier am Ufer lande
Und ankern woll' in ihrem Machtgebiet,
Verfalle flugs dem Raub' und Mord' und Brande,
Und alles sterb' an Bord ohn' Unterschied.
Dies ward geraten, dies ward angenommen
Und ward Gesetz und ist in Brauch gekommen.

»Wann in den Lüften Sturmeswehn begann,
Gleich liefen an die Bucht die Weiberhorden,
Die zorn'ge Orontea stets voran;
Denn sie war ihre Königin geworden.
Und an dem Bord verschlagner Schiffe dann
Gab's schauderhafte Feuersbrunst und Morden.
Kein Mann blieb leben, dass er diese Dinge
Den Menschen andrer Länder hinterbringe.

»So lebten sie hier einsam manches Jahr
Verfeindet mit dem männlichen Geschlechte.
Dann aber sahn sie ein, was für Gefahr
Entstünde, wenn man nicht an Wandel dächte.
Wenn keine Rede von Fortpflanzung war,
So war es bald vorbei mit ihrem Rechte;
Es mußte, statt für ewig festzustehn,
Mit ihrem unfruchtbaren Reich vergehn." - Ariosto
 

Neben Frauen geht es zum Beispiel um Pferdediebe, tapfere Ritter ("Wenn die mit uns für Karl zu Felde ziehn, dann ist kein Bleibens für die Saracenen."), berühmte Schwerter ("Desselben Tages aber hat der Sohn des Agrican das Schwert davongenommen. Bedenke selbst, was für Gefahren drohn der ganzen Christenheit und allen Frommen, seit Durindane jetzt, wie einmal schon, in die Gewalt des Heidentums gekommen!") und den nicht so freundschaftlichen Umgang mit Sarazenen, also Muslimen:
 
"Hochmütig wandte sich Rinald zum Heiden
Und rief: »Herunter, Dieb, von meinem Pferd!
Dass man mich plündre, pfleg' ich nicht zu leiden,
Und theuer wird es büßen, wer's begehrt.
Auch werd' ich dich von dieser Dame scheiden;
Denn thät' ich's nicht, wär' ich verdammenswert:
Vollkommnes Pferd und schöner Frauen Liebe,
So scheint es mir, gebüren keinem Diebe.«

Sieh da! Rinald haut mit dem Degen ein,
Dem Saracenen völlig preis sich gebend.
Der Heide hebt den Schild; der war von Bein,
Darüber Stahl, den Knochen rings umgebend.
So dick er ist, Fusberta fährt hinein,
Und widerhallt der Forst, vor Schreck erbebend.
Knochen und Stahl zerspringt wie Eis in Splitter;
Lahm sinkt der linke Arm dem Heidenritter.

Wie das erschrockene Fräulein diesen Streich,
Den fürchterlichen, sieht, da wird ihr bange;
Die schönen Wangen werden todtenbleich
Wie arme Sünder auf dem letzten Gange." - Ariosto
 
 

"Ehrenmorde" von Muslimischen Männern an Frauen galten als besonders frevelhaft, heute versuchen Gerichte zu relativieren und die Täter erhalten nur geringe Strafen [2]:
 
"Bei allen andern Tieren dieser Welt,
Ob sie nun friedlich sich des Lebens freuen,
Ob eins das andre feindlich überfällt, –
Nie wird der Mann das Weib mit Krieg bedräuen.
Der Bär streift mit der Bärin treugesellt,
Und ruhig liegt die Löwin bei dem Leuen;
Kein Leides fügt der Wolf der Wölfin zu;
Nie fürchtet vor dem Stiere sich die Kuh....

Mich dünkt, als ob er nicht nur Unrecht treibe,
Nein, frevle wider Gott und die Natur,
Wer mit den Händen sich am schönen Weibe
Vergreift, und krümmt' er ihr ein Haar auch nur.
Wer aber Gift ihr reicht, wer aus dem Leibe
Die Seele jagt mit Messer oder Schnur,
Dass der ein Mensch sei, glaub' ich ewig nicht;
Ein Teufel ist's mit menschlichem Gesicht." - Ariosto
 

Obwohl Schopenhauer den Politikern und der "Verfassung der meisten Mohammedanischen Reiche", eine "träge Vernunft" attestierte, Hölderlin sie als "Tyrannenknechte" und "Andre des rohen Volks" bezeichnete, wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern der Bock zum Gärtner gemacht. - so zum Beispiel Aydan Özoguz (SPD) zur "Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration". Sie will vor allem "fromme Muslime" nach Deutschland schleusen. Sie sagt: Was in Köln und anderen Städten geschah, hätte mit dem Islam nichts zu tun. "Wenn alle fromme Muslime gewesen wären, wäre das nicht passiert". Der Kommentar dazu wäre damals etwa so ausgefallen: "Die Mütter ziehn indes in die Moscheen, um zu dem bösen Lügnergott zu flehen" (Tasso). Der Chef des "Zentralrates der Muslime in Deutschland" liegt in den Armen der deutschen Bundeskanzlerin - und sie schwören ewige Treue. Die natürlichen Feinde der Christen, die Sarazenen oder Mohammedaner werden in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit offenen Armen empfangen, obwohl sie die Toleranz gnadenlos ausnutzen, um den mohammedanischen Irrglauben und die islamischen Unsitten in Europa weiter zu verbreiten - nicht nur in den Vororten von Paris oder Brüssel. Dies wäre damals völlig unverständlich gewesen. Von Urlaub in islamischen Ländern wird heute abgeraten, damals war es komplett unmöglich: "Weil er allein den weiten Weg durchmisst durch wilde Heidenländer fern im Morgen, wo niemand seines Lebens sicher ist." Sogar zuhause in Europa war man einem Haufen Sarazenen begegnet - was auch recht häufig geschah: "Doch vor Marseille machte sie der Horde der Heiden täglich fast das Leben schwer. Denn diese streiften jetzt mit Raub und Morde in Languedoc und der Provence umher", wusste was zu tun war: sie mussten bekämpft und vertrieben werden: [3]
 
"Er traf auf zwei Geschwader; Manilarte
Führt' ihrer eins, der greise Saracen,
Noriziens König, jetzt mit grauem Barte
Im Rat, wie einst im Feld, hochangesehn.
Der andre Haufe folgte der Standarte
Des Königs aus dem Lande Tremisen,
Den sie daheim den besten Ritter nannten;
Er hieß Alzird bei denen, die ihn kannten.

Die hatten mit dem andern Mohrenheer
Den Winter über vor Paris gelegen,
In Dörfern und in Schlössern rings umher,
Die einen näher, andre mehr entlegen.
Denn Agramant, erkennend dass nur schwer
Paris zu stürmen sei mit Lanz' und Degen,
Entschloß sich zur Belagerung zuletzt,
Nachdem er ihm vergeblich zugesetzt.

Und Mannschaft war dazu genug vorhanden;
Nicht nur die eignen Völker hatt' er hier
Und jene, die sich bei Marsil befanden,
Geschart um Spaniens königlich Panier;
In Frankreich auch warb er noch Söldnerbanden.
Denn von Paris bis Arles' Stromrevier
Beherscht' er alles Land und auch im Westen
Schon die Gascogne, bis auf wen'ge Vesten.

Jetzt, wo die flücht'gen Bäche wieder rannen
Und kaltes Eis zu lauer Flut zerschmolz,
Wo frisch zu grünen Wies' und Feld begannen
Und zart sich zu belauben Busch und Holz,
Berief der König alle seine Mannen,
Die ihm gefolgt mit siegsgewissem Stolz,
Heerschau zu halten über Volk und Waffen,
Und wo es fehlte, wollt' er Wandel schaffen.

Jetzt kamen beide Könige daher,
Alzird und Manilart, der Heerschau wegen,
Um zeitig dort zu sein, wo jedes Heer,
Gut oder schlecht, hat Rechnung abzulegen.
Roland inzwischen kam von ungefähr
Den beiden, wie ich schon gesagt, entgegen,
Nach jener suchend, wie er immer that,
Die ihn in Amors Joch gefesselt hat.

Als nun Alzird den Paladin gewahrt,
Dem keiner gleicht im Kreis der Paladine,
So stolzen Hauptes, in so mächt'ger Fahrt,
Dass neben ihm der Kriegsgott zweiter schiene,
Stutzt er erstaunt ob der gewalt'gen Art,
Des grimmen Blicks, der unheildroh'nden Miene,
Und denkt, der ist ein Held von hohem Rang,
Und hätt' ihn gern erprobt im Waffengang.

Jung war Alzird und seine Keckheit groß,
Und seine Stärke war berühmt im Heere.
Er sprengt heran und läßt die Zügel los, –
Wohl ihm, wenn er zurückgeblieben wäre!
Denn Roland wirft ihn beim Zusammenstoß
Zu Boden und durchbohrt ihn mit dem Speere.
Das Roß entflieht, als liehe Furcht ihm Flügel,
Und keiner sitzt darauf und lenkt die Zügel.

Ein Schrei erhebt sich, schauerlich und brausend,
Dass rings die Lüfte beben und die Au'n,
Als sie den Jüngling stürzen sehn und grausend
Den Blutstrom aus so breiter Wunde schau'n.
Wutschnaubend kömmt der Haufe, kommen tausend
Und stechen auf den Grafen los und hau'n,
Und dichter regnen noch, wie Sturmgewitter,
Beschwingte Bolzen auf die Zier der Ritter.

Wie borst'ge Herden in wahnsinn'ger Flucht
Lärmend über Gefild' und Halde fliegen,
Sei's weil ein Wolf aufspringend aus der Schlucht,
Sei's weil ein Bär, der vom Gebirg gestiegen,
Ein Schweinchen hat gepackt von jüngster Zucht,
Und grunzend, kreischend hört man es erliegen, –
So stürmen die Barbaren jetzt heran
Auf Roland ein und brüllen: drauf und dran! 

Lanzen und Pfeil' und Schwerter, ihrer tausend,
Fing schon sein Harnisch auf, sein Schild noch mehr;
Bald traf im Rücken eine Keul' ihn sausend,
Bald stürmten sie von vorn und bald verquer.
Er aber, nie im Herzen Furcht behausend,
Schätzt all die Waffen, all den Troß so sehr,
Wie Nachts im Stalle, wann die Hirten schlafen,
Der Wolf sich fürchtet vor zu vielen Schafen.

Nackt in der Faust blitzt der berühmte Degen,
Vor dem so viele Heiden schon erblaßt.
Wer also von der Zahl, die ihm erlegen,
Buch führen wollte, hätte seine Last.
Rot schwimmt von Blut die Heerstraß' allerwegen,
Die kaum die Menge der erschlagnen faßt;
Denn weder Tartschen noch Sturmhauben nützen,
Vor Durindanens Mordbegier zu schützen,

Noch Kleider voll Baumwolle, noch die Falten
Des Tuchs, das hundertfach den Kopf umwand.
Nicht Wehgeschrei nur fliegt, es fliegt gespalten
Auch Arm und Bein und Schädel übers Land.
In vielen, immer gräßlichen Gestalten
Durcheilt der Tod die Flur, von Gier entbrannt:
Mehr schafft in Rolands Faust, denkt er verwundert,
Die Durindan' als meiner Sicheln hundert. 

Denn Schlag auf Schlag sieht man die Hiebe zucken,
Und alles flieht vor Rolands Angesicht.
Erst kamen sie, im Wahn ihn zu verschlucken,
Weil er allein war, schnell, auf Kampf erpicht;
Jetzt wartet keiner, um sich wegzuducken,
Auf seinen Freund, Gesellschaft sucht man nicht;
Man läuft zu Fuß, man spornt sein Pferd aufs Blut,
Und keiner fragt, ist auch die Straße gut?...

Nicht eher feierte der blut'ge Degen,
Als leer war von lebendigen das Land.
Der Graf steht zweifelnd vor verschiednen Wegen,
Und doch ist ihm die Gegend wohlbekannt.
Mag er sich rechts, mag er sich links bewegen,
Die Seele bleibt vom Weg doch abgewandt;
Stets bangt ihm, dass er suche, wo die theure
Nicht sei, und er in falscher Richtung steure." - Ariosto
 

Was muslimischen Frauen blühte, wenn sie nicht von christlichen Rittern entführt wurden, war die Zwangsheirat - ähnlich wie sie unter kurdischen oder türkischen Muslimen auch heute noch praktiziert wird. Der Albtraum war es allerdings wenn Frauen von muslimischen Männern ("Kaum sieht der Heid' ihr Antlitz hold und fein") geraubt wurden: »Wenn er es hört, wie schmerzlich wird die Pein des Vaters sein!« so hörte man sie sprechen; »Wie wird des Gatten Zorn und Kummer sein und o wie fürchterlich wird er sich rächen!" oder wenn Barbaren und Sarazenen Kirchen und Klöster schänden: "Der König Ludwig muss zur Truppenschau uns einen neuen Feldhauptmann entsenden, dass er zum Ruhm der Lilien streng und rauh die Frevler strafe, die mit Räuberhänden die Mönch' und Nonnen, schwarz und weiß und grau, und Tochter, Braut und Mutter ruchlos schänden und Christi Leib hinschleudern in den Staub, wegschleppend die Monstranz mit schnödem Raub." [4][5]

Vor den Toren von Paris stehen die Mohammedaner::"zahllose Leitern führten schon die Heiden vorher aus aller Nachbarschaft heran, und Balken, Bretter, Flechtwerk auch aus Weiden, das man auf manche Art gebrauchen kann, und Schiff' und Brücken". Die Muslime dringen bereits in die Vororte: "Hatt' Agramant bereits die Fußsoldaten in die Pariser Vorstadt und ganz nah an Mauern und in Gräben vorgeschoben, um heut sein höchstes Können zu erproben." Sie wollen Paris und den christlichen Glauben zugrunde richten: "Die lügnerische Lehre Babels jagt und richtet deinen Glauben dann zu Grunde". Der Erzengel Michael kommt zu Hilfe und sieht bei dieser Gelegenheit wie es um die Christenheit bestellt ist: [6]

Die Mohammedaner wurden immer mit dem Reich der Finsterniss assoziiert, so auch hier in der Schlacht um Paris: "Sein harter Brustharnisch und Panzerkragen bestand aus eines Drachen schupp'ger Haut; den hatt' um Brust und Rücken einst getragen sein Ahnherr, – er der Babel hat gebaut und Gott aus seinem goldnen Haus zu jagen, von seinem Sternenthron, sich hat getraut; Auch ließ er Helm und Schild und einen Degen vollkommen machen dieses Zweckes wegen." Auch heute noch haben Muslime keinerlei Ehrfurcht vor christlichen Kirchen und Klöstern. In der Türkei und in der Levante wurden sie von Mohammedanern zerstört und entweiht. Zerstörung von Kulturgütern ist das Einzige worauf sich das "Heidenvolk" der Muslime versteht. Nicht nur der IS zerstört Kirchen und Klöster, alle muslimischen Herrscher von der Türkei bis Saudi Arabien schänden christliche Heiligtümer. Die Heere der Sarazenen, jeder ein "Todfeind unsrer heil'gen Lehre" bestehen hauptsächlich aus Barbaren: "Kömmt Baliverz; im ganzen Heergesind ist er der größeste Halunk von allen.... Im ganzen Heere war kein Saracene verwegner und gewaltiger als der; Ihn fürchtete die Hauptstadt an der Seine und fürchtete mit gutem Grund ihn mehr als Agramant, Marsil und alle jene, die mitgekommen waren übers Meer, und mehr als einer im gesamten Heere war er ein Todfeind unsrer heil'gen Lehre." Einmal in Paris eingedrungen ist der Sarazene grausam - aber wie Hölderlin sagt, wo Gefahr ist wächst das Rettende auch. [7]

Das geeinte Christenheer kommt Paris zu Hilfe. Ähnlich wie im Kampf um Jerusalem (Torquato Tasso), werden die Sarazenen erfolgreich aus Paris verdrängt; damit beginnt schon die Reconquista, die Rückeroberung der christlichen Gebiete in Frankreich und Spanien. [2][3][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14][15][16][17][18]

Warum kommt es immer wieder dazu, dass die Christenheit von islamischen Barbaren, Sarazenen, Hunnen etc bedrängt wird? Sind sie als eine Art "Antichrist" dazu da, den christlichen Glauben der Europäer zu stärken? "Es scheint, dass ihre Frevel damals schon Die lichte Stirn des Herrn verfinstert hatten, denn Schändung, Raub und Mord und jeden Hohn Durft' überall sich Türk' und Mohr gestatten" [8]

Wie kommt es, dass Christen gegen Christen kämpfen, "Wie kömmt es, dass ihr Christi Lehensleute ermordet und ihr Lehen an euch reißt und nicht Jerusalem von jener Meute Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt, und dass Constantinopel und den besten Teil dieser Welt der Türke darf verpesten?" Die Türken bzw. Osmanen hatten nicht nur die Pest verbreitet, sondern auch die Seelen verpestet. Auch heute darf die Türkei sich alles erlauben, das heutige Europa im Zusammenhang mit der Merkel-Administration verhängt bei türkischen Angriffskriegen keinerlei Sanktionen, sogar der Papst wertet den Islam auf. [9]

Und das, obwohl jeder "Heidenkönig" von sich meint: »Kein Mensch kann deshalb mit mir rechten; Denn dass es mein ist, weiß die ganze Welt. Besitz ergreifen kann ich nach den Rechten an jedem Orte, wo es mir gefällt." [10]

Wenn Mohammedaner in Europa heiraten wollten, mussten sie sich erst taufen lassen: "Dass er sich taufen lasse ihr zu lieb und alles, was er ihr gelobt, vollbringe, damit der Heiratsplan nach Wunsch gelinge". Ambrosius meinte, "dass nicht jede Ehe von Gott stammt; denn nicht nach Gottes Absicht gehen Christinnen mit Heiden eheliche Verbindungen ein, nachdem das Gesetz sie verbietet." Eine Option für das heutige Europa? Nach St. Ambrosius, St. Johannes Damaszenus und Petrus Venerabilis dürfen Christinnen zum Beispiel mit Muslimen nur eheliche Verbindungen eingehen, wenn der christliche Glaube angenommen wird. Das ist Voraussetzung für eine gewisse Harmonie. "Eine Harmonie ist gegeben mit der geeigneten und passenden Verbindung von Dingen, die man herstellt: eine Harmonie liegt vor, wenn Orgelpfeifen, die gehörig verbunden sind, den Wohlklang einer kunstgerechten Melodie festhalten und eine entsprechende Anordnung der Saiten den Ein- und Zusammenklang der Töne wahrt. Diese Harmonie nun fehlt bei einer Ehe, wenn ungesetzlich eine heidnische Frau einem christlichen Mann angetraut wird. Soll hier, wenn die Ehe eingegangen wird, Harmonie herrschen? Wo Harmonie, da schlingt Gott das Band; wo keine Harmonie, da ist Kampf und Streit, der nicht von Gott kommt." (St. Ambrosius) [11]

"Der Wahnsinn des Muhammad dagegen, der von den arabischen Ismaeliten seinen Ausgang nahm, hat Perser, Meder, Syrer, Armenier, Äthiopier, Inder, die übrigen Reiche des Orient und selbst Asien, den größten der drei Erdteile, fast ganz befallen; indem er diese Völker teils vom Christentum abbrachte, teils von irgendwelchen alten Götzenglauben zur Irrlehre dieses verruchten Menschen bekehrte, entzog er Christus den Boden unter den Füßen und bereitete dem Teufel eine Heimstatt. Von dort aus unterwarf Muhammad, nachdem er schon, wie gesagt, fast den ganzen Orient, nicht durch friedliche Argumente, sondern durch kriegerische Aktivitäten, in seine Gewalt gebracht hatte, auch Ägypten, Libyen und ganz Afrika dieser Gottlosen Religion, und nachdem er so zwei Erdteile unterworfen hatte, hat er jetzt durch sein Eindringen in Spanien nicht einmal den dritten, der Europa genannt wird, Christus bzw. seinen Anhängern unversehrt überlassen." - St. Petrus Venerabilis, Contra sectam Saracenorum

"Den Glauben und eure Schrift habt ihr ohne Zeugen: Denn der sie euch übergab, hat von nirgendwoher einen Beweis, noch lässt sich irgendeiner finden, der vorher über ihn Zeugnis abgelegt hätte. Er empfing die Schrift vielmehr im Schlaf... Woher kommt also eure Märchenerzählung? ... Dieser Muhammad nun hat sich, wie erwähnt, viele absurde Geschichten zusammengefaselt und jeder von ihnen einen Namen gegeben. Z.B. die Sure „Die Frau“: Darin setzt er fest, dass man sich vier reguläre Frauen nehmen darf und dazu Nebenfrauen, soviele man eben neben den vier regulären Frauen als Untergebene unter seiner Tute (Aufsicht) halten kann. Wenn man aber eine entlassen will, so kann man das nach Belieben tun, und sich eine andere nehmen."  - St. Johannes Damaszenus
 

Christen aus den Händen der Mauren zu erretten, war für gerade getaufte und zum Christentum konvertierte Mulime ein gute Methode, sich zu bewähren: "Da stellten Mitleid und der Wunsch sich ein, sie mög' ihm ihren Kummer anvertrauen. Er grüßte sie und frug mit sanfter Stimme, weshalb ihr Antlitz so in Tränen schwimme". [12]

Allah ist der "Lügengott" und Gegenspieler des Christus und der Christenheit: "Und hatt' er auch zur Zeit das Buch nicht bei sich, mit dessen Hilf' er Mond und Sonne bannt, so war der Text doch, der die Teufel fleißig und fügsam macht, ihm aus dem Kopf bekannt. rasch ließ er einen von den schwarzen Scharen .... in diesen frommen Gaul" fahren. "Und er, der niemals einen Fuß zu heben, bevor die Hand ihn antrieb, sich vermaß, sprang plötzlich durch die Luft mit mächt'gem Satze acht Ellen hoch, zwölf Ellen weit vom Platze." [13]

Der "Lügengott" der Muslime wirkte verheerend: "Sie kamen dichtgeschlossen Mann an Mann mitten ins Lager, wo die Christen lagen, und stimmten laut der Heiden Schlachtruf an »Spanien und Afrika,« um sich anzusagen." Und die Belagerung von Paris begann erneut. Der Erzengel Michael musste den Christen wieder zu Hilfe eilen [14]

Tapfere christliche Ritter kommen die "Saracenenscharen vertreiben und die Stadt Paris befrein... Wie in der Schlacht Rinald und Malagis das Saracenenheer aufs Haupt geschlagen. Wie viele man zum Styx hinunter stieß, wie viele flohn, vermag ich nicht zu sagen" 

Noch können die Sarazenen streiten: "Fünf Ritter sind es, deren jeder drängt, als erster seinen Streitfall auszufechten; ein Knäuel ist es, Streit mit Streit vermengt, das selbst die Götter nicht ins reine brächten." Wir befinden uns noch in der Zeit vor der Reconquista; die Länder in Europa müssen immer wieder gegen diese Barbaren ankämpfen: "In Zeiten, wo, gebeugt von schwerem Leid, Italien, Reich und Kirche der Barbaren Verhöhnung bitterer als je erfahren". Manche Gastwirte hatten sich auf die Sarazenen eingestellt: "Der brave Gastwirt, einer der gewandten, die je in Frankreich blühten und gediehn, (Denn als die Heiden alles niederrannten, Verstand er es den kürzren nicht zu ziehn,) hatt' als Gehilfen von den Anverwandten herbeigeholt, was ihm anstellig schien" [15]

"Von Barken und von leichten Kähnen waren
Des Stroms Gewässer voll von Rand zu Rand;
Die brachten für die Saracenenscharen
Von vielen Orten her den Proviant.
Denn alles war besetzt von den Barbaren,
Wenn von Paris man kömmt ins schöne Land
Von Aiguesmortes und gen Spanien biegt,
Die ganze Gegend, die zur Rechten liegt. 

Die Schiffer mußten dort ihr Frachtgut landen,
Und Pferd' und Wagen standen schon bereit,
Dorthin wo Schiffe keinen Weg mehr fanden,
Es fortzuschaffen unter Schutzgeleit.
Von Ost und West herangetrieben standen
Am Ufer fette Herden aufgereiht,
Und ihre Treiber hatten am Reviere
Des Stromes bei den Bauern Nachtquartiere.

Als nun der Saracen auf seiner Reise
Den Fluss erreichte, brach die Nacht herein,
Und weil ein Gastwirt ihn zufäll'ger Weise
Erblickt' und anrief, kehrt' er bei ihm ein.
Das Pferd besorgt, kam mannichfache Speise
Und Wein aus Corsika und Griechenwein.
Denn Rodomont, im übrigen ein Mohr,
Zog doch beim Trinken fränk'sche Sitte vor."  - Ariosto

Wie heute die Islamisten forderten früher die Sarazenen Lösegeld für entführte Christen. Man sah zum Beispiel eine Kriegsstandarte, "die hin und wider weht' im Morgenwinde, und hinterdrein ein großes Heergesinde. Und als sie näher rückten, jene Scharen, und kenntlich ward die Saracenentracht, erkannten sie, dass jene Heiden waren. Sie hatten die Gefangnen, wohlbewacht, auf kleine Pferde festgeschnürt wie Waaren." Der Sarazene ging meistens so vor: "War es ein Heide, den er niederstieß, so ließ er's bei dem Waffenraub bewenden, schrieb auf die Rüstung, wie der Gegner hieß, und hing sie auf an seinen Marmorwänden. Die Christen bracht' er in das Turmverlies, Ich glaub', um nach Algier sie dann zu senden." [16]

Dem Schwören der Muslime kann man nicht trauen, denn als Muslim kann man Frauen alles versprechen, "Gott und die Heil'gen" werden ja nicht gefürchtet: "Doch denkt er nicht daran den Pact zu halten; Gott und die Heil'gen fürchtet er ja nicht; Was Wortbruch angeht, hat er seines gleichen selbst nicht in Afrika's verlognen Reichen. Der Heide schwört ihr Schwüre, tausendfache, dass er sie ferner nicht beläst'gen will" [17]

"Der Saracen war nicht gewöhnt an Wein,
Denn sein Gesetz verdammt und straft den Zecher,
Und göttlich schien ihm dieser Trunk zu sein;
Manna und Nectar, meint' er, seien schwächer.
Er fand das maurische Gesetz gemein
Und goß hinunter volle Krüg' und Becher.
Der gute Wein trieb, eh sie sich's versehn,
Die Köpfe rundum, wie sich Kreisel drehn."  - Ariosto
Die Muslime werden mehr und mehr aus Europa vertrieben; nur durch hohe Steuern können sie ihren Militärhaushalt noch finanzieren:
"Aus seinem ganzen Reich verschrieb Marsil
Fußvolk und Reiterei, teils gut, teils kläglich.
In Barcelona macht' er jeden Kiel
Durch Zwang und Güte für den Krieg beweglich.
Dem Agramant war keine Müh zuviel,
Zu hoch kein Aufwand; Kriegsrat hielt er täglich.
Inzwischen drückten Steuern ohne Maß
Zu Boden fast die Städte Afrika's.

Umsonst bot Agramant dem Rodomont,
Damit er ihn an seiner Seite habe,
Die eigne Muhme, Tochter des Almont,
Und Orans schönes Reich als Morgengabe.
Den stolzen rühren hatt' er nie gekonnt;
Der blieb an seiner Brücke bei dem Grabe,
Wo schon die Sättel der in Staub gestreckten
Und Rüstungen die ganze Wand bedeckten. 

Marfisen lag es fern ihm nachzuahmen.
Sobald sie hörte von des Königs Not
Und von dem Schaden, den die Mohren nahmen,
In Flucht zerstreut, gefangen oder tot
Bis auf die wen'gen die nach Arles kamen,
Da brach sie auf, bevor man sie entbot,
Und bracht', um von dem Fall ihn aufzuraffen,
Ihm ihre Habe dar und ihre Waffen."  - Ariosto

Auch grosse Teile Afrikas sind Teils in muslimischer, Teils in christlicher Hand:
"Marocco, Fez, Hippona sah er ragen,
Algier, Buzea, Städt' in hohem Glanz,
Die Kronen vor den andren Städten tragen,
Kronen von Gold, nicht grünen Blätterkranz.
Biserta, Tunis und Capisse lagen
Auf seinem Wege längs des Meeresstrands,
Und Tripolis, Bernike, Tolomit,
Bis an den Nil, wo man gen Asien zieht.

Er sah das ganze Land vom hohen Wald
Des wilden Atlas bis zum Seegestade,
Und von Carena's Bergen flog er bald
Über Cyrene hin, und schnurgerade
Kreuzt' er die Wüste sonder Aufenthalt
Und kam an Nubiens Mark bei Albajade.
Weit hinter ihm blieb Battus' Grab, und weit
Der große Tempel Ammons, heut entweiht.

Dort traf er auf ein andres Tremisen,
Gleichfalls der Lehre Mahomeds ergeben;
Doch wollt' er auch die Aethiopen sehn,
Die andren, so jenseits des Niles leben,
Und wo Dobada und Coalle stehn,
Mußte der Greif nach Nubiens Hauptstadt schweben.
Jenseits sind Christen, diesseits Saracenen,
Und auf dem Kriegsfuß diese stets mit jenen.

Von dort geht des Senapus Kaiserreich
Bis zu des roten Meers entlegnen Enden,
An Völkern, Städten und an Golde reich.
Als Scepter trägt das Kreuz er in den Händen;
Sein Glaub' ist unsrem Glauben ziemlich gleich
Und mag von ihm das ew'ge Elend wenden.
Wenn ich nicht irre, herscht der Brauch bei ihnen,
Zur Taufe sich des Feuers zu bedienen.

Da er den Kaiser gern gesehen hätte,
Schwang sich Astolf im großen Hof vom Roß.
Nicht eben fest, doch prächtig war die Stätte,
Die Aethiopiens Herschersitz umschloß.
An jeder Brücke, jedem Thor die Kette,
Die Angeln, Riegel bis zum letzten Schloß,
Kurz jedes Werkstück, das von Eisen wir
Zu machen pflegen, war von Golde hier.

Trotz solcher Fülle köstlicher Metalle
Verliert daselbst das Gold am Werte kaum.
Auf Säulenreihn von leuchtendem Krystalle
Ruht dort der offnen Hallen weiter Raum.
Es bilden, rot, grün, blau und gelb, um alle
Zierlichen Söller einen Funkensaum,
Vertheilt in wundervollem Ebenmaß,
Rubin, Smaragd und Safir und Topas. 

Die Wänd' und Dächer und das Estrich sah
Man reich von Perlen und Juwelen prangen.
Dort wächst der Balsam; Hierosolyma
Hat gegen den nur kleinen Theil empfangen.
Der Bisam, den wir kaufen, stammt von da,
Von dort das Ambra, welches wir erlangen.
Kurz alles ist daselbst im Überfluß,
Was man bei uns so hoch bezahlen muß.

Aegyptens Sultan, so versichert man,
Ist diesem König zinsbar und verpflichtet,
Weil der den ganzen Nil ihm nehmen kann,
Wenn er den Strom nach andrer Seite richtet,
Und Kairo samt dem Reiche wär' alsdann
Mit einem Mal durch Hungersnot vernichtet.
Der Kaiser wird Senapus dort genannt,
Priester Johannes sagt das Abendland." - Ariosto
 

Heute kommen die christlichen bzw. atheistischen Politiker in die Moscheen, an "gemeinnützige" islamische Akademien und lassen sich den Koran, "jenes Buch des Heidenpfaffen" erklären und zeigen wie die Mohammedaner "zu dem bösen Lügnergott flehen". Sie meinen es sei der Gleiche wie der christliche Gott, was nicht nur einige Islamwissenschaftler sondern nach dem II vatikanischen Konzil sogar die Päpste Johannes Paul II und Franziskus behaupten! Doch selbst manche Mauren-Ritter, als sie erfuhren ihr Vater sei Christ gewesen, sagen: »Beim Christengott – denn ihn will ich bekennen und ehren, wie mein Vater ihn geehrt." Sie schämen sich für die falsche Partei gekämpft zu haben, nämlich für die Mauren gegen die Christen und dem Maurenkönig gedient zu haben: "Nie wirst du diesen Makel vom Gesicht abwaschen, dass du solche Schuld vergeben und nicht nur nicht den König umgebracht hast, nein, auch um Sold dich dienstbar ihm gemacht hast... Mir brennt das Herz und ewig wird es brennen, wenn Roger jetzt zurück zum Heere kehrt des Königs oder eines andren Mohren, es sei denn, um die Frevler zu durchbohren.« Früher wusste man zu differenzieren: [18] 
"Auf zu den Waffen! rufen Christ und Mohr,
Wie sie es dort gewohnt fast täglich waren.
Zu Pferde wer zu Fuß ist! Lanzen vor!
Zu seiner Fahne soll sich jeder scharen!
So rief in hellem kriegerischem Chor
Rings die Trompet', und während die Fanfaren
Die Reiter rufen, ruft auch überall
Das Fußvolk Cymbelklang und Paukenschall." - Ariosto
Die Taufe wurde vorbereitet: "Mit Pomp und Schimmer einen Platz bereit, Marfisa's Taufe festlich zu begehen. Die Bischöf' und die hohe Geistlichkeit, die sich aufs christliche Gesetz verstehen, Ließ Karl zusammenrufen, und von diesen ward sie im heil'gen Glauben unterwiesen. Im hohenpriesterlichen Festornate kam Erzbischof Turpin und taufte sie. Karl selbst hob aus dem Bad des Heils die Pathe mit aller schicklichen Ceremonie." Gleich darauf stürzen sie sich in den Kampf gegen die Mauren: 
"So sprengen die beherzten Kriegerinnen
Auf zwei verschiednen Straßen durchs Revier,
Und fürchterlichen Heidenmord beginnen
Der Degen dort, die goldne Lanze hier.
Kaum steuert Agramant noch dem Entrinnen
Der seinen, hält sie kaum noch beim Panier.
Vergebens fragt und späht er in die Runde,
Wo Rodomont sei; niemand bringt ihm Kunde.

Auf dessen Zuspruch war er doch dem Worte
Untreu geworden, das er feierlich
Verpfändet hatt' an dem geweihten Orte,
Und nun ließ jener plötzlich ihn im Stich.
Auch fehlt Sobrin. Sobrin ritt in die Pforte
Der Stadt zurück und nannt' unschuldig sich,
Erwartend, dass noch heut der Bruch der Schwüre
Zu Agramants furchtbarer Strafe führe.

Marsil ist gleichfalls in die Stadt geritten,
Das Herz von frommer Furcht gar sehr beschwert,
Daher denn Agramant den Sturmesschritten
Der tapfren Scharen Karls nur übel wehrt,
Der Italiener, Franken, Deutschen, Britten, –
Streitbare Männer all' und kampfbewährt,
Vertheilt die Paladin' in ihren Reihen,
Wie Edelstein' auf goldnen Stickereien, 

Und mancher Held noch mit den Paladinen,
Der tadellos wie je ein Ritter war.
Guidon, das kühne Herz, ist heut erschienen,
Die Söhne Olivers sind in der Schar.
Ich sage nichts (ich sprach ja schon von ihnen)
Von dem verwegnen jungfräulichen Paar.
Die fünfe haben Mohrenvolks erschlagen
So viel, dass man's nicht zählen kann noch sagen." - Ariosto

Kriegsverbrechen wurden immer an den Greueltaten der Türken und Tartaren gemessen [22]:
"Ward jede Freveltat verübt, und schlimmer
Als was der Türke tat und der Tartar,
Nicht auf Geheiß Venedig, das ja immer
Ein Muster der gerechten Tugend war,
Wohl aber von verruchten Händen grimmer
Soldaten, von Venedigs Mietlingsschar.
Das sag' ich nicht, weil sie die schöngepflegten
Gärten und Villen uns in Asche legten....

Unmenschlicher Sclavon, wer lehrte dich
Den Kriegsgebrauch? wo wird man Scythen finden,
Die den Gefangnen töten, wenn er sich
Entwaffnen läßt und seine Hände binden?
Ward er ermordet, weil er ritterlich
Sein Land geschirmt? die Sonne müßt' erblinden,
Grausam Jahrhundert, das uns des Thyest
Und Atreus Greuel neu erstehen läßt....

Solch Beispiel glaub' ich, wie der Bösewicht
Gab nie ein Ritter in den alten Kriegen.
Die übten Höflichkeit und Ritterpflicht
Und waren grausam nie nach ihren Siegen.
Nicht nur mishandelt Bradamante nicht
Die Gegner, welche ihrem Speer erliegen,
Sie hält das Pferd noch dem gefallnen Mann
Und hilft ihm, dass er es besteigen kann." - Ariosto

Die Zeit war reif: "Gekommen war der Tag, die Heidenbrut für Raub und Mord zur Rechenschaft zu ziehen." Die Reconqista nimmt ihren Lauf "Wenn ihr erlauben wollt, erzähl' ich jetzt, wie Karl die Mohren vor die Thüre setzt." [23]

Sogar Nordafrika wird von den Christen erobert, Bizerta im heutigen Tunesien: "Astolf und Roland, gute Christen beide, die niemals ohne Gott zum Kampfe gehn, erlassen an das ganze Heer Bescheide, man solle fasten und zum Himmel flehn und dann am dritten Tag im Waffenkleide, wann das Signal erfolge, fertig stehn, die Stadt zu stürmen". Die Mauren fliehen aus Europa, ihrem König "nachzufolgen nach den Mohrenreichen. Erst nach Arles, denn man hoffte, dort Steh' ihnen "zur Fahrt die Flotte zu Gebote. Kein Schiff lag auf dem Meer und keins im Port, und keine Mohren sah er außer tote." Der muslimische König Agramant ist verzweifelt. [24]

Auch heute stehen die muslimischen Länder in Afrika, Asien und der Levante vor der Frage, wie sie aus dem Chaos herauskommen. Mit dem Islam ist es ihnen nicht gelungen und wird auch nicht gelingen. Einzelne muslimische Ritter, die früher "Den Saracenen und der schlimmen Bande" angehört hatten, haben erkannt: "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn". Diese Ritter wollen die eroberten muslimischen Länder sogar den Afrikanern wieder zurückgegeben wenn sie den christlichen Glauben annehmen. Viele die früher "den Saracenen und der schlimmen Bande" des Islam angehört hatten, haben erkannt: "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn" (Ariosto) und sind damit weiter als einige Bischöfe und Politiker in Europa, die den islamischen "Lügnergott" (Tasso) mit dem christlichen Gott verwechseln und sogar staatlichen islamischen Unterricht anbieten. Brandimart spricht "zum Agramant, der ihm befreundet war; Denn Brandimart war vormals mit den Scharen des Agramant nach Frankreichs Strand gefahren" [25]: 

So wie heute die "Heidenkönige" davon nichts wissen wollen, so wurde Brandimart's Vorschlag "mit zorn'ger Stimme" vom Heidenkönig abgelehnt, weil er uneinsichtig war und sich nicht lossagen wollte "jener Rotte, meist ungläub'gen Hunden". Dennoch gab es immer mehr tapfere Heidenritter, denen die Lehren "Der wahren christlichen Religion" gedeutet wurden, "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn" [26]:

Eine neue Medizin ist durch das Christentum möglich - auch Muslime, die sich von Mohammed und seiner Lehre trennen um "Christus den lebend'gen zu bekennen", können daran teilhaben. Verwundete Christen werden gebracht: "Ans harte Riff und nach der heil'gen Zelle, der heil'gen Zelle, zu demselben Mann, der Roger tauft', als er dem Sturm entrann." [27]

Als sicher war, dass Afrika und die Levante von Christen regiert wurden: "Und als vor afrikanischen Gefahren Frankreich nun sicher war für alle Zeit, macht' er des Nubierkönigs Kriegerscharen zur Heimkehr in ihr Vaterland bereit auf eben jenem Weg, den sie gekommen, als er sie nach Biserta mitgenommen. Die christlichen Helden werden geehrt: [28]

"Karl hatte von Sizilien schon Bericht:
Die beiden Kön'ge todt, Sobrin gefangen,
Gefallen Brandimart; und minder nicht
Hatt' er von Rogers Taufe Kund' empfangen.
Sein Herz war froh und froh sein Angesicht;
Die Last, die fürchterliche, war vergangen,
Die schwer auf seinen Schultern lag, als würde
Er nimmer sich aufrichten von der Bürde.

Um sie zu ehren, die er dankbar pries
Als beste Stützen seiner heil'gen Krone,
Schickt' er den Adel Frankreichs aus und ließ
Von diesem sie empfangen an der Saone.
Dann kam er selbst entgegen aus Paris,
Um ihn die Könige, Fürsten und Barone,
An seiner Seite, herrlich anzuschauen,
Die Kaiserin, umringt von schönen Frauen.

Der Kaiser, strahlend jetzt vor Wohlgefallen,
Die Paladine, Ritter, Clerisei,
Die Freunde, die Verwandten, die Vasallen
Begrüßten Roland und die andren drei.
Mongran' und Claramont! hört man erschallen.
Kaum war's mit den Umarmungen vorbei,
Als Roland, Oliver, Rinald sich nahten
Und Roger führend vor den Kaiser traten 

Und ihn und seines Vaters Namen nannten,
Vater und Sohn an Kraft und Tugend gleich.
Und wahrlich, unsre Legionen kannten
Sein kühnes Herz und seines Armes Streich.
Marfisa kam indeß mit Bradamanten,
Ein edles Paar, an Schön' und Anmut reich,
Die Schwester ihre Arm' um Roger breitend,
Die andre scheu und sittsam sie begleitend.

Roger besteigt sein Roß, wie Karl begehrt,
(Denn ehrerbietig war er abgestiegen,)
Und reitet mit dem Kaiser Pferd an Pferd,
Und jede Ehre, die nach hohen Siegen
Ein Held erwarten kann, ward ihm gewährt.
Dass er sich taufen ließ, blieb nicht verschwiegen;
Denn kaum betrat der Graf das trockne Land,
So ward die Botschaft an den Hof gesandt.

Mit großem Jubel und Triumphgepränge
Zieht in die Hauptstadt das gesamte Heer,
Die lustig grünt im Schmuck der Laubgehänge.
Die Pferde gehn auf Teppichen einher.
Ein Blumenschauer regnet ins Gedränge
Über die Sieger, um die Sieger her,
Den Mädchen, schöne Frau'n mit vollen Händen
Aus Fenstern und von Söllern niedersenden. 

In allen Straßen, wo die Helden reiten,
Stehn Pforten und Trophäen zum Empfang
Mit Bildern von den Kriegsbegebenheiten
Und von Biserta's Brand und Untergang,
Auch manches Schaugerüst für Lustbarkeiten,
Für Bühnenspiel und Masken und Gesang,
Und aller Orten prangt in goldnen Lettern
Die wahre Inschrift: unsres Reichs Errettern!

Beim Schalle der Trompeten und Schalmein,
Bei Harmonieen kriegerischer Klänge,
Beim Händeklatschen, Lachen, Jubelschrein
Des Volkes, dem die Straße ward zu enge,
Zog in das Schloß der große Kaiser ein,
Woselbst er nun noch manchen Tag der Menge
Der Gäste gütlich that mit Schmaus und Tanz,
Turnier und Possenspiel und Mummenschanz." - Ariosto

Immer wieder Probleme mit Leuten, die das nicht haben: "Vernunft und Weisheit, seltne Gaben, die wen'ge nur von Gott empfangen haben" 
"An allen Gütern, die der Fleiß erreichen,
An allem, was Natur uns geben kann,
Besitzt er seinen Antheil, und so reichen,
Wie ihn kein andrer Sterblicher gewann.
An Schönheit müssen ihm die schönsten weichen,
An Kraft besiegt ihn kaum ein zweiter Mann,
An Edelmut, an wahrem Königsglanz
Gebürt wohl keinem mehr als ihm der Kranz.

Jedoch der Pöbel, der die Lorberreiser
Nach seiner Laune zu- und aberkennt,
(Und alles, bis auf eine Anzahl Weiser
Zähl' ich zu dem, was man den Pöbel nennt,
Von dem auch Päpste, Könige und Kaiser
Nicht Kron' und Scepter noch Tiara trennt,
Sondern Vernunft und Weisheit, seltne Gaben,
Die wen'ge nur von Gott empfangen haben,) 

Nun dieser Pöbel also, wollt' ich sagen,
Der nichts verehrt als nur Besitz und Geld
Und nicht nach andren Dingen pflegt zu fragen
Und ohne Reichtum nichts in Ehren hält,
Nicht höchste Schönheit, heldenmüt'ges Wagen,
Nicht Körpers Kraft, nicht größte Kunst der Welt,
Nicht Geist noch Tugend, – der ist mächt'ger eben
In diesem unsren Fall als sonst im Leben." - Ariosto
 
 

II

2. Alcina

Ludovico Ariostos (1474-1533) "Orlando furioso" inspirierte viele Opernkomponisten wie Verdi, Rossini, Francesca Caccini oder Händel zu Opern wie "Orlando", "Ariodante", "Alcina" und seinem "Rinaldo". Händels Ariosto-Opern entstanden innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren. Die Begeisterung, mit der er auf die Libretti von "Orlando", "Ariodante" und "Alcina" reagierte, spricht für ein tiefes Verständnis für den Geist dieser einflussreichen Dichtung. Die Opernhandlung von "Alcina" stammt aus dem sechsten und dem siebten Canto von Ariostos epischer Dichtung "Orlando furioso" und hält sich eng an Riccardo Broschis 1728 in Rom aufgeführte L' Isola d' Alcina. Händels "Alcina" kam 1735 am Theatre Royal, Covent Garden, heraus. Schauplatz der Handlung ist die Insel der islamischen Zauberin Alcina. Hier hat sie eine Art Harem geschaffen, um christliche Krieger zu verführen und vom Kampf abzuziehen. Roland wird während der Schlacht durch ein Zauberblendwerk dem Kampfe entrückt und erst nach der Niederlage der Christen von Brandimart befreit. Am Schlusse befindet er sich mit Brandimart in Paris, die Stadt gegen die Wut Rodomont's und der anderen saracenischen Helden verteidigend. 

Das MusikTheater an der Wien (MTAW) hat interessante Werke wiederentdeckt. Den Beginn machte ein für das Herzogtum Hannover komponiertes Werk von Agostino Steffani, „La lotta d’Ercole con Acheloo“ (1689), das auf einer Erzählung aus den „Metamorphosen“ des Ovid beruht. "Ein spritziger Einakter mit einer Mischung aus italienischen und französischen Stilelementen, die der Kosmopolit Steffani bei Jean-Baptiste Lully in Paris kennengelernt hatte. Zwei bemerkenswerte Sängerinnen, die Sopranistin Anna Prohaska und die Mezzosopranistin Sonja Runje, stachen aus dem Solistenquartett hervor, das vom Bach Consort Wien unter Rubén Dubrovsky stilsicher begleitet wurde. Musikalisch nicht minder beeindruckend gelang die erste szenische Produktion des MTAW in der Kammeroper mit dem La Folia Barockorchester unter Clemens Flick: „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ (1625), die einzige erhaltene Oper der Florentinerin Francesca Caccini, bezieht den Stoff aus Ariosts „Orlando furioso“. Das Stück erzählt, wie der Krieger Ruggiero (Krešimir Stražanac) mithilfe der Fee Melissa (Luciana Mancini) aus den Fängen der Zauberin Alcina (Sara Gouzy) befreit wird. Leider vergibt die Regisseurin Ilaria Lanzino die Chance, dieses hochinteressante Stück mit etlichen virtuos komponierten Chor- und Ensembleszenen auch szenisch schlüssig zu vermitteln. [29]

Im sechsten Canto wird erzählt wie die tapferen Ritter durch Alcina verführt und verzaubert wurden:

»Astolf ward ich zu meiner Zeit genannt,
Karls Paladin und keiner von den Feigen;
Mit Roland war ich, mit Rinald verwandt,
Den beiden, die des Ruhmes Höhn ersteigen;
Mein Erbrecht war's, den Thron von Engelland
Nach meinem Vater Otto zu besteigen;
Und manches Frauenherz hab' ich entflammt
Durch Reiz und Schönheit, – das hat mich verdammt.

»Wir kamen von den fernen Inseln her,
An die von Osten Indiens Meere branden,
Wo mit Rinald ich selbst und andre mehr
In dunklem Kerker schwere Haft bestanden
Und wo mit seiner Riesenstärke der
Von Brava uns erlöste von den Banden.
Der Weg hatt' uns den Strand entlang geführt,
Der oft die Wut des Boreas verspürt.

»Und wie der Weg uns führte und das harte
Schicksal es wollt', erreichten wir ein Land,
Ein schönes Uferland, wo Schloß und Warte
Der zaubermächtigen Alcina stand.
Wir fanden, dass sie nicht daheim verharrte;
Sie war allein für sich am Meeresrand,
Und ohne Netz und ohne Angel brachte
Sie Fisch' ans Land, soviel ihr Freude machte.

»In Eile kamen Schwärme von Delfinen,
Mit offnem Maule kam der dicke Thun;
Walrosse kamen, Robben zu Alcinen,
Statt auf der Bank in trägem Schlaf zu ruhn;
Meeraale, Butte, Barben, Lachs' erschienen,
Bemüht an Eil' ihr äußerstes zu tun;
Wal, Butzkopf, Pottfisch, Narval kam gezogen
Und hob den ries'gen Rücken aus den Wogen.

»Wir sahen einen Walfisch an der Stelle,
Den größten wohl im ganzen Ozean;
Zehn Schritt und mehr stieg aus der salz'gen Welle
Der dicke Speckhals, den wir staunend sahn.
Fest lag er da, als ob er tot sich stelle,
Und wir verfielen sämtlich in den Wahn,
Es sei ein Inselchen: so weit zu wandern
Schien's von dem einen Ende bis zum andern.

»Alcine lockt die Robben und Delfine
Mit bloßen Zauberworten, die sie spricht.
Die Fee Morgan' ist Schwester der Alcine,
Ob älter oder jünger, weiß ich nicht.
Alcina sah mich an, und meine Miene
Gefiel ihr, das verriet mir ihr Gesicht,
Und sie beschloss mit List mich zu berücken
Und zu entführen, und es sollt' ihr glücken.

»Mit heitrem Antlitz trat sie uns entgegen
Und neigte sich und grüßte hold und zart
Und sprach: Ihr Herren, ist es euch gelegen,
In meinem Haus zu rasten von der Fahrt,
So zeig' ich euch in meinen Jagdgehegen
Sämtliche Fische nach Geschlecht und Art,
Die schuppigen, die weichen und die rauhen,
Und mehr wird ihrer sein als Stern' im Blauen.

»Dann, um zu sehn, wie eine der Sirenen
Das Meer einwiegt mit süßen Melodien,
Betraten andre Dünen wir, auf denen
Sie jeden Tag um diese Zeit erschien.
Da zeigte sie den Riesenfisch uns, jenen,
Der, wie gesagt, uns eine Insel schien.
Ich, der ich immer (ach ich büßt' es teuer)
Vorwitzig war, ritt auf das Ungeheuer.

»Zwar winkte Dudo, nicht hinaufzugehen,
So auch Rinald; jedoch es nützte nicht,
Alcina ließ die beiden andern stehen
Und sprang mir nach mit lachendem Gesicht.
Der große Fisch begann durch salz'ge See'en
Zu schwimmen, wohl vertraut mit seiner Pflicht.
Da reute mich mein törichtes Gelüste,
Doch allzu fern schon war ich von der Küste.

»Rinald war, mir zu helfen, nachgeschwommen
Und wäre fast ertrunken in der Flut;
Denn ein gewalt'ger Südsturm war gekommen,
Der finster sich auf Land und Meer entlud.
Was aus ihm wurde, hab' ich nicht vernommen.
Alcina sprach mir Fassung ein und Mut,
Und bis zum nächsten Morgen hielt die Fee
Mich auf dem Fische mitten in der See." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 6


Die Ritter, die eigentlich Frankreich und Europa vor den islamischen Horden schützen sollten, vergaßen bei der islamischen Zauberin Alcina ihre Pflicht: "Die Sorg' um Frankreich, um die Welt verließen / Mich ganz und gar; ich schaute nur auf sie, / Und all mein Denken, all mein zärtlich Sinnen / Endigt' in ihr und schweifte nie von hinnen." [30]
 

»Der zarten Glieder ließ sie mich genießen;
Mir war's, als ob sie alles Glück verlieh,
Das andern nur in Tropfen pflegt zu fließen,
Bald mehr, bald minder, und in Fülle nie.
Die Sorg' um Frankreich, um die Welt verließen
Mich ganz und gar; ich schaute nur auf sie,
Und all mein Denken, all mein zärtlich Sinnen
Endigt' in ihr und schweifte nie von hinnen.

»So, oder mehr noch, liebte sie auch mich
Und kümmerte sich nicht um alles andre;
Die andern Buhlen ließ sie all' im Stich;
Denn freilich gab's vor mir schon viele andre.
Ratgeber, Freund, bei Tag und Nacht war ich;
Sie setzte mich zum Herscher über andre;
Mir glaubte sie, an mich ward stets gedacht,
Mit andern sprach sie nie bei Tag und Nacht.

»Warum, ach, rühr' ich an die alten Wunden,
Die ohne Hoffnung sind und ohn' Arznei?
Wozu gedenk' ich noch der schönen Stunden
Jetzt, wo ich schmacht' in tiefster Sklaverei?
Denn als ich glaubte, dass das Glück gefunden,
Dass größer nichts als ihre Liebe sei,
Nahm sie das Herz zurück, das sie mir schenkte,
Das ganz in neue Liebe sich versenkte." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 6


Zu spät hat er den "Flattersinn" und die kriminellen Machenschaften Alcinas erkannt, denn "Damit nun keiner ausgeh' und der Welt / Erzähle, wie sie lebt in üpp'ger Schande, / Verwandelt sie den, der nicht mehr gefällt, / In Tann' und Oelbaum, rings im schönen Lande, / In Palmbaum oder Ceder oder hält / Ihn, wie du mich hier siehst, am grünen Strande, / Oder als wildes Tier, als flüss'gen Born, / Wie es der Fee einfällt in ihrem Zorn." Nun kann er nur noch die anderen Ritter warnen, auch vor frechen Moslems, die sich herumtreiben und entlaufene Ritter wieder einfangen. Für Roger ist der Kampf gegen Moslems, der "verruchten Brut", ein leichtes Unterfangen: "Er würde leicht das blöde Volk bezwingen, / Und blind im Staube läg' es bald genug." Probleme bereiteten ihm höchstens die vielen Mädchen, die ihn zu Alcina locken sollten. [31]
 

»Zu spät erkannt' ich, dass ihr Flattersinn
Urplötzlich lieben kann und nimmer lieben.
Fort musst' ich in des dritten Monds Beginn,
Ein neuer Buhle kam, ich ward vertrieben.
Mit Hohn verjagte mich die Zauberin,
Und nichts von ihrer Huld war mein geblieben.
Und dann erfuhr ich, dass in gleichem Falle
Schon tausend sind, und unverschuldet alle.

»Damit nun keiner ausgeh' und der Welt
Erzähle, wie sie lebt in üpp'ger Schande,
Verwandelt sie den, der nicht mehr gefällt,
In Tann' und Oelbaum, rings im schönen Lande,
In Palmbaum oder Ceder oder hält
Ihn, wie du mich hier siehst, am grünen Strande,
Oder als wildes Tier, als flüss'gen Born,
Wie es der Fee einfällt in ihrem Zorn.

»Du aber, der auf ungewohnter Bahn
Dies Unheilsland besuchst mit deinem Pferde,
Damit um deinetwillen ein Galan
In Wasser oder Stein verwandelt werde, –
Herrschaft und Scepter wirst auch du empfahn
Und fröhlich sein wie keiner auf der Erde;
Doch kommen wird der Tag, wo du mit mir
Baum oder Born wirst, Felsen oder Tier.

»Ich habe gern die Auskunft dir gegeben;
Zwar, dass sie viel dir helfe, glaub' ich nicht,
Doch besser ist's, du hast von ihrem Leben
Und ihren Bräuchen einigen Bericht.
Vielleicht sind doch Verstand und Klugheit eben
So ungleich in der Welt wie das Gesicht;
Vielleicht wirst du verstehen nicht zu stranden,
Was tausend andre vor dir nicht verstanden.«

Da Roger wusste, König Otto's Sohn
Sei der geliebten Bradamante Vetter,
So schmerzt' es ihn, so der Natur zum Hohn
Ihn umgeformt zu sehn in Holz und Blätter,
Und jener, die er liebt, zu Liebe schon
Würd' er an diesem ärmsten gern zum Retter,
Wüsst' er die Mittel nur, die ihn erlösten;
Doch helfen konnt' er nicht als nur durch Trösten.

Er tat's so gut es ging und frug zugleich,
Ob denn kein Waldweg oder Felsengasse
Gerad' ihn führ' in Logistilla's Reich
Und das Alcina's ihn vermeiden lasse.
Solch einen geb' es, sprach der Baum sogleich,
Doch voll von Steinen sei's in diesem Passe,
Wenn er zur rechten Hand sich wend' und dann
Der Alpenhöhe folge, stets bergan.

Doch soll' er nur nicht hoffen, auf die Dauer
Dort unbehelligt seines Wegs zu ziehn.
Da lieg' ein frech Gesindel auf der Lauer,
Ein starker, wilder Troß, und wart' auf ihn,
Alcina halte die statt Wall und Mauer
Für solche, die aus ihrem Netz entfliehn.
Roger erklärt dem Baum sich sehr verpflichtet
Und macht sich auf, belehrt und unterrichtet (...)

Bis auf die Zähne, bis zur Brust gespalten,
Sinkt mancher um von der verruchten Brut.
Da ist kein Schild, den Degen aufzuhalten,
Kein Harnisch hemmt ihn und kein Eisenhut.
Jedoch so dicht von allen Seiten ballten
Die Haufen sich, daß er, um ihrer Wut
Zu steuern und zu wehren diesem Schwarme,
Mehr brauchen würd' als des Briareus Arme.

Fiel' ihm nur ein den Schild ans Licht zu bringen,
Den Schild, den weiland jener Zaubrer trug,
Vor dem Besinnung und Gesicht vergingen,
Den Atlas hängen ließ am Sattelbug,
Er würde leicht das blöde Volk bezwingen,
Und blind im Staube läg' es bald genug.
Und doch hätt' er's verschmäht, das möcht' ich wetten,
Um sich durch Kraft und nicht durch Trug zu retten. (...)

Der Bogenschmuck, der über diesem breiten
Portal, ein wenig vorgebauscht, sich spannt,
Ist völlig übersät mit Kostbarkeiten,
Dem seltensten Gestein aus Morgenland.
Getragen wird das Thor an den vier Seiten
Von dicken Säulen ganz aus Diamant,
Und ob es Wahrheit ist, ob bloßer Schein,
Nichts könnte lustiger und schöner sein.

Ueber die Schwell' und um die Säulen her
Tummeln sich Mädchen schalkhaft und behende,
Die man vielleicht, wenn sie ein wenig mehr
Auf Sitte achteten, noch schöner fände.
In grünen Röckchen sprangen sie einher,
Und frisches Laub umkränzte Haupt und Hände,
Und holden Grußes, der gar viel verhieß,
Führten sie Roger in das Paradies.

Den Namen kann ich wohl dem Ort ertheilen,
Wo Amor, glaub' ich, einst ins Leben sprang,
Wo in beständ'ger Lust die Tag' enteilen,
Wo nichts als Spiel und Tanz ist und Gesang.
Die graue Sorge kann dort nimmer weilen,
In keinem Herzen, weder kurz noch lang;
Kein Mangel droht, kein Abbruch des Genusses,
Stets bleibt gefüllt das Horn des Ueberflusses." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 6


Im siebten Gesang geht es um Rogers (bei Händel Ruggiero) Ankunft und sein Aufenthalt in Alcina's Zauberreich, wo er natürlich alle Warnungen vergisst; zudem beschließen Bradamante und Melissa ihn zu befreien. Melissa in der Gestalt des Atlas entzaubert Roger. [32]
 

"Aus des Palastes erstem Tore trat
Alcina selbst dem Jüngling schon entgegen.
Umringt von ihres Hofes vollem Staat,
Empfing sie ihn, wie hohe Frauen pflegen,
Und alles neigte sich vor ihm und tat
So hohe Ehren an dem tapfren Degen,
Sie konnten nicht mehr tun, wenn unter ihnen
Vom Himmel hoch Gott Vater wär' erschienen.

Dies, sag' ich war der schönste der Paläste,
Nicht weil er all' an Reichtum übertraf,
Vielmehr weil man die angenehmste, beste
Gesellschaft, die es gibt, dadrinnen traf.
Kein einz'ger unterschied sich sehr vom Reste,
Was Schönheit und was Jugendflor betraf,
Alcina nur war schöner, ohne gleichen,
Wie alle Sterne vor der Sonn' erbleichen.

Sie war so schön in vollem Jugendprangen,
Kein Meister malte solche Schönheit je,
Mit blonden Haaren, aufgeschürzten, langen,
Kein Gold kann leuchten wie das Haar der Fee.
In eins verfließen auf den zarten Wangen
Der Rosen Purpur und der Lilien Schnee.
Die heitre Stirn wie Elfenbein erglänzend
Und mit gerechtem Maß den Raum begrenzend. (...)

Ob sie nun wandle, rede, lache, singe,
In allem hat sie Schlingen ausgespannt.
Ein Wunder wär's, wenn Roger sich nicht finge,
Da er die Fee so liebenswürdig fand.
dass ihm der Myrtenbaum so böse Dinge
Von ihr erzählt hat, hält nicht lange Stand;
Denn dass zusammen mit Verrat und Ränken
Dies süße Lachen wohnt, kann er nicht denken.

Viel eher glaubt er, wenn sie diesen Britten
Verwandelt hat am Rand der Meeresflut,
So hat er nur verdiente Straf' erlitten
Für seinen Undank oder Uebermut.
Was er gehört von ihren argen Sitten,
Hält er für falsch; Astolf ward nur durch Wut,
Durch Rachsucht oder Neid dazu bewogen
Auf sie zu schmähn, und alles ist gelogen.

Die schöne Jungfrau, der sein Herz allein
Gehört hat, ist seitdem daraus verschwunden;
Alcina wäscht durch Zaubersprüch' es rein
Von allen seinen alten Liebeswunden
Und prägt ihm sich und ihre Schönheit ein
Und thront allein darin, unüberwunden;
Daher es billig sich entschuld'gen ließ,
Wenn sich der gute Roger schwach erwies.

Bei Tafel tönten Laute, Harf' und Cithern
Und andrer Instrumente holder Klang;
Von süßem Wohllaut schien die Luft zu zittern
Und von der Melodien vielstimm'gem Klang.
Auch fehlt' es nicht an einem, der von bittern
Und süßen Regungen der Liebe sang
Und mit Erfindungen und Poesieen
Heraufbeschwor anmut'ge Phantasieen.

Kein schwelgerischer Tisch in Niniveh,
Wann einer von des Ninus Enkeln praßte,
Kein üppig Mahl, das Roms Gebieter je
Bereit fand in Cleopatra's Palaste,
Glich diesem Tisch, den die verliebte Fee
Vorsetzen ließ dem ritterlichen Gaste;
Kaum glaub' ich, dass so reich die Tafel glänzt,
Wo Ganymed dem höchsten Zeus credenzt." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 7 


Roger, ganz in den Fängen Alcina's, wird schon vermisst im Kampf um das christliche Europa, überall wird nach ihm gesucht, sogar bei den verfeindeten Moslems: "Oft ritt sie mitten in das Heer der Mohren, / Jedoch von Roger kam ihr nichts zu Ohren." Eine Wahrsagerin schließlich meinte: "Sie hatt' ihn wohl auf jenem Roß erkannt, / Das nicht zu lenken war mit scharfem Zaume; / Sie sah ihn, wie er über Meer und Land / Dahinflog in dem niebetretnen Raume, / Und dann wie er mit Schmaus und Tanz und Tand / Die Zeit verlor in schwelgerischem Traume / Und nimmer dacht' an seine Lehenspflicht, / Und auch an seine Lieb' und Ehre nicht." [33]
 

"Kein Wunsch des Herzens bleibt hier unbedacht;
Denn alles bietet diese Zauberveste.
Dreimal am Tage wechseln sie die Tracht,
Für jede Art des Zeitvertreibs die beste;
Oft giebt es Schmaus, Kurzweil bei Tag und Nacht,
Tanz, Fechten, Ringen, Bäder, Bühnenfeste;
Oft liest man auch am Quell, wo Bäume ragen,
Was alte Dichter von der Liebe sagen.

Bald über luft'ge Höhn und grüne Strecken
Verfolgen sie des flücht'gen Hasen Spur;
Bald gehn sie mit dem klugen Hund und schrecken
Dumme Fasanen aus der Stoppelflur;
Bald mitten in Wacholderduft verstecken
Sie für die Drossel Leimrut' oder Schnur;
Bald stören ihre Angeln oder Netze
Den Fischen die geheimen Tummelplätze.

So lebte Roger dort in Herrlichkeit,
Indeß sich Karl und Agramant sich plagte,
Und Unrecht wär's, wenn ich von ihrem Streit
Euch nichts und nichts von Bradamanten sagte,
Die viele Tage schon in Schmerz und Leid
Um den ersehnten Freund sich härmt' und klagte,
Der vor den Augen seiner Retterin
Die Luft durchflog, sie wusste nicht wohin.

Von ihr vor allen andern geb' ich Kunde.
Vergeblich suchte sie ihn manchen Tag
In Stadt und Dorf, auf Bergen und im Grunde,
Auf sonn'gen Feldern und im schatt'gen Hag,
Und nichts erfuhr sie auf der weiten Runde
Von ihm, der fern von ihr in Banden lag.
Oft ritt sie mitten in das Heer der Mohren,
Jedoch von Roger kam ihr nichts zu Ohren. (...)

Sie hatt' ihn wohl auf jenem Roß erkannt,
Das nicht zu lenken war mit scharfem Zaume;
Sie sah ihn, wie er über Meer und Land
Dahinflog in dem niebetretnen Raume,
Und dann wie er mit Schmaus und Tanz und Tand
Die Zeit verlor in schwelgerischem Traume
Und nimmer dacht' an seine Lehenspflicht,
Und auch an seine Lieb' und Ehre nicht." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 7 


Roger soll gerettet werden aus dem Harem und "von der Stätte Weichlichen Müßiggangs ins Abendland" zurück geholt werden. Nur verkleidet konnte sie sich Alcina's Reich nähern. Melissa fand Roger schon fast verweichlicht wieder: "Die Kleidung, die er trug, war weich und fein, / Wie träge Üppigkeit den Leib umfließend / ... Gesund war nichts an ihm bis auf den Namen, / Wurmstichig, mehr als faul der ganze Rest. / So fand sie Roger, so in allen Stücken / Entfremdet seiner Art durch Zaubertücken." Mit Hilfe eines Ringes soll Alcina's Betrug aufgedeckt werden: "Noch eins verriet der Ring, dass ohne Leben / Alcina's Schönheit sei, ein Truggesicht, / Erborgt, nichts eignes dran, vom Fuß zur Schläfe; / Die Schönheit ging davon, es blieb die Hefe.".Bei Händel heisst es, kaum hat sie Ruggiero den Ring Angelicas, einer Zauberin, angesteckt, "als sich der ganze Saal in eine schreckliche Wüstenei verwandelt", wie sie nur in islamischen Ländern anzutreffen ist. Alcina hatte also ordentlich Schminke aufgetragen, was Roger oder Ruggiero jetzt erkennen konnte: "Ganz wider sein Erwarten fand er dort / Anstatt der Schönheit, die er früher kannte, / Ein häßlich Weib, wie man bis an das Ende / Der Erde keins so alt und garstig fände. / Fahl, runzlig, hager stand Alcina da, / Mit dünngesäten, ganz ergrauten Haaren; / Sie maß noch nicht sechs Spannen, und man sah, / dass alle Zähn' ihr ausgefallen waren. / Cumä's Sibylle nicht, nicht Hecuba, / Noch irgendwer kam zu so hohen Jahren, / Und nur durch Kunst, die unsre Zeit verlor, / Kam sie den Leuten jung und reizend vor." [34]
 

"Und weiter redend gab sie ihr bekannt,
Auf welche Art sie Roger von der Stätte
Weichlichen Müßiggangs ins Abendland
Heimführen woll' und lösen seine Kette.
Das Mädchen streift den Ring von ihrer Hand,
Und nicht nur diesen giebt sie gern, sie hätte
Mit Freuden auch ihr Herz, sie hätt' ihr Leben,
Um Rogern beizustehn, dahingegeben. (...)

Sie traf ihn, wie sie wollte, ganz allein
Des heitren Morgens frische Luft genießend,
An einem Bache, der vom Felsgestein
Zum Weiher rann, die schöne Flut ergießend.
Die Kleidung, die er trug, war weich und fein,
Wie träge Üppigkeit den Leib umfließend;
Alcina hatt' ihm selbst mit kund'ger Hand
Aus Seid' und Gold gewoben das Gewand.

Von seinem Hals bis auf den Busen hing
Reich funkelnd von Juwelen ein Geschmeide,
Und seine sonst mannhaften Arm' umfing
Die schönste Spange, schimmernd auf der Seide.
Ein goldner Draht, gestaltet wie ein Ring,
Durchlöchert' ihm ganz fein die Ohren beide;
Zwei Perlen hingen dran, zwei Perlen aber,
Wie Indien keine sah und kein Araber. (...)

Sein lockig Haar war feucht vom wundersamen
Arom, das man aus seltnen Blumen preßt;
Verliebt war seine Art, als hätt' er Damen
Valencia's stets bedient bei Tanz und Fest;
Gesund war nichts an ihm bis auf den Namen,
Wurmstichig, mehr als faul der ganze Rest.
So fand sie Roger, so in allen Stücken
Entfremdet seiner Art durch Zaubertücken. (...)

Sie kehrt', indes er dastand wie zerschlagen,
In die Gestalt zurück, die sie verließ;
Nicht nötig schien's die Maske noch zu tragen,
Da nun ihr Werk sich als vollbracht erwies.
Noch hab' ich nicht gesagt und muß doch sagen,
dass diese Magierin Melissa hieß,
Die Rogern jetzt mittheilte frei und offen,
Zu welchem Zwecke sie hier eingetroffen. (...)

So wie ein Kind, das Obst sich aufgespart hat
Und dann die Stelle, wo es liegt, vergißt
Und nach dem Platz, wo es den Schmaus verwahrt hat,
Zufällig wiederkömmt nach langer Frist,
Wie das erschrickt und staunt, wenn es gewahrt hat,
dass alles faul und ganz verdorben ist,
Und das was es geliebt und wert geachtet,
Nun haßt, verabscheut, wegwirft und verachtet:

So Roger, als er auf Melissa's Wort
Die Schritte wieder nach Alcinen wandte,
Mit jenem Ring, dem sichren Zauberhort
Für jeden, dessen Finger er umspannte.
Ganz wider sein Erwarten fand er dort
Anstatt der Schönheit, die er früher kannte,
Ein häßlich Weib, wie man bis an das Ende
Der Erde keins so alt und garstig fände.

Fahl, runzlig, hager stand Alcina da,
Mit dünngesäten, ganz ergrauten Haaren;
Sie maß noch nicht sechs Spannen, und man sah,
dass alle Zähn' ihr ausgefallen waren.
Cumä's Sibylle nicht, nicht Hecuba,
Noch irgendwer kam zu so hohen Jahren,
Und nur durch Kunst, die unsre Zeit verlor,
Kam sie den Leuten jung und reizend vor.

Sie machte sich durch Künste schön und jung,
Und mancher ward wie Roger so betrogen.
Schon viele Jahre war dies Spiel in Schwung,
Bis jener Ring verriet, die Karten logen.
Kein Wunder also, dass Begeisterung
Und alle Liebeswünsche rasch verflogen,
Als Roger sie in der Verfassung fand,
Wo ihre Kunst zu helfen nicht verstand.

Doch, wie Melissa ihm zur Pflicht gemacht,
Verriet er nicht, dass er den Wandel sehe,
Bis er die langversäumte Rittertracht
Sich angelegt vom Wirbel bis zur Zehe.
Er stellte sich, (sonst schöpfte sie Verdacht,)
Als woll' er prüfen, wie die Tracht ihm stehe,
Als woll' er prüfen, ob er seit den Tagen
Beleibter ward, seit er sie nicht getragen.

Und mit der scharfen Balisarde dann
(So hieß sein Schwert) umgürtet' er die Lenden,
Und auch den Wunderschild hängt' er sich an,
Der nicht allein die Augen pflegt zu blenden,
Der auch die Seele schlägt in solchen Bann,
Als ob die Lebensgeister ganz verschwänden;
Den nahm er mit der Hülle des Metalls,
Wie er ihn fand, und hängt' ihn um den Hals." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 7 

Bei Händel singt der Chor und feiert die Befreiung und Rückkehr der Ritter quasi aus islamischer Gefangenschaft, ähnlich wie die Ritterschaft im Parsifal aus dem Klingsorreich, nicht zuletzt durch die Rückholung des Speers, gerettet wurde: "Aus dem Schrecken blinder Nacht, / Wer gab uns mit dem Leben / Die Freiheit auch zurück? / ... Nach so vielen bitteren Qualen / Fühlen wir schon Trost in der Seele; / Alles Böse verwandelt sich in Gutes, / Und zum Schluss sieget die Liebe. / Glücklich ist dieser Tag, / Der uns schöne Ruhe wiedergibt, / Vergessend Verrat und Betrug / Erhebt sich schon unser Herz." [35]
 
"Dall'orror di notte ciera,
Chi ne reca colla vita
La smarrita liberta? (...)
Dopo Tante amare pene,
Già proviam conforto all'alma;
Ogni mal si cangia in bene,
Ed al fin trionfa amor.
Fortunato è questo giorno,
Che ne reca bella calma,
Dell'inganno e insidie a scorno
Già festeggia il nostro cor." Georg Friedrich Händel, Alcina III, Oper in drei Akten nach einer Episode aus Orlando furioso von Ludovico Ariosto
 

3. Alcina's Niederlage; "Anmut reinrer Sphären"; Befreiung des Morgenlandes; Heerschau zur Befreiung Europas; Nicht nur England, Irland und Schottland entsenden Truppen "zum Kampfe mit dem Muselmanne"

Roger wird gelobt, dass er "früh genug / Sich losgerissen von Alcinen, ehe / Sie ihm den Zauberkelch entgegentrug, / Dem keiner ihrer Buhlen sonst entgehe" und sich lieber dem "Anmut reinrer Sphären" zuwendet. Statt Schwelgerei wird der Geist geschult: "Sie lehrt den Geist im Fluge sich erheben". Doch die Zauberin Alcina hat das Land wie Mehltau befallen, ist quasi islamisiert worden; Nun kommt sie mit einer Streitmacht und will das Land durch Krieg vernichten: "Da plötzlich sieht er viele Schiff' in See, / Die alle nach dem Kahn ihr Steuer richten; / Mit ihnen kömmt die schwergekränkte Fee, / Und große Streitmacht folgt ihr; denn vernichten / Will sie ihr Reich und sich verderben, eh / Als auf den ihr geraubten Schatz verzichten." Es gibt aber viele, die Rogers Freiheitskampf unterstützen und die islamische Fremdherrschaft abschütteln wollen: "Der Wächter hatt' Alcina's Macht gesehn, / Der oben von dem Turm des Schlosses spähte, / Und ließ der Glocke Sturmgeläut ergehn, / Und alles lief ans Meer mit Kriegsgeräte. / Artillerie wie Hagel kracht auf den, / Der gern ein Leids dem guten Roger täte, / Und so, von wackren Helfern rings umgeben, / Rettet' er seine Freiheit und das Leben." Wie Klingsors Reich in Wagners Parsifal versinkt auch ihr Reich: "In Trümmer sank das Reich, das ohne Scham / Alcina einst der eignen Schwester nahm." [36]
 
"Der Alte lobt' ihn, dass er früh genug
Sich losgerissen von Alcinen, ehe
Sie ihm den Zauberkelch entgegentrug,
Dem keiner ihrer Buhlen sonst entgehe,
Und dass er sich zu Logistillen schlug,
Bei der man nichts als frommen Wandel sehe,
Ewige Schönheit, Anmut reinrer Sphären,
Die unser Herz nie sättigen, doch nähren.

»Die (sagt' er) nimmt, wann erst sie mit dir spricht,
Die Seel' in Staunen und in Scheu gefangen.
Betrachte besser dann ihr hehr Gesicht,
Und nie nach andrem Glück wirst du verlangen.
Die Liebe gleicht der andern Liebe nicht,
Die dich verzehrt mit Hoffen und mit Bangen;
In jener Liebe quält dich nie Begier,
Und sie zu sehn ist schon Genügen dir.

»Sie lehrt dich bessre Kunst und schönres Streben
Als Tanz, Musik und Düft' und Schwelgerei:
Sie lehrt den Geist im Fluge sich erheben,
Weit höher als der Adler und der Weih,
Und wie im Fleische schon das ew'ge Leben
Der Seligen zu schmecken möglich sei.«
So redend fuhr der Greis auf feuchtem Pfade,
Noch immer fern vom schützenden Gestade.

Da plötzlich sieht er viele Schiff' in See,
Die alle nach dem Kahn ihr Steuer richten;
Mit ihnen kömmt die schwergekränkte Fee,
Und große Streitmacht folgt ihr; denn vernichten
Will sie ihr Reich und sich verderben, eh
Als auf den ihr geraubten Schatz verzichten.
Wohl hat die Liebe teil an dem Entschluss,
Jedoch nicht minder Ingrimm und Verdruss.

Nie fühlte sie ihr Herz so schmerzlich bluten,
Seit sie geboren ward, nie solchen Groll;
Die Ruder mussten durch das Meer sich sputen,
dass schäumend über Deck die Woge schwoll.
Von lautem Lärm ertönten Land und Fluten,
Von allen Seiten her das Echo scholl.
»Roger, enthüll' den Schild, dass er dich rettet,
Sonst stirbst du oder wirst in Schmach gekettet!«

So spricht der Greis in Logistilla's Schiffe
Und fasst die Tasche selbst, indem er's spricht,
Und holt den Schild hervor mit raschem Griffe
Und zeigt das nackte ungedämpfte Licht.
Der Zauberglanz von dem metallnen Schliffe
Schlägt dergestalt den Feinden ins Gesicht,
dass blind sie niederstürzen auf der Stelle
Vom Vorderdecke hier, dort vom Castelle.

Der Wächter hatt' Alcina's Macht gesehn,
Der oben von dem Turm des Schlosses spähte,
Und ließ der Glocke Sturmgeläut ergehn,
Und alles lief ans Meer mit Kriegsgeräte.
Artillerie wie Hagel kracht auf den,
Der gern ein Leids dem guten Roger täte,
Und so, von wackren Helfern rings umgeben,
Rettet' er seine Freiheit und das Leben.

Vier Jungfrau'n hatten auf der Meeresdüne
Sich auf Befehl der guten Fee vereint,
Die weise Phronesia und die kühne
Andronica und, allem Laster feind,
Dicilla und die keusche Sophrosyne,
Die heut vor Eifer schier zu leuchten scheint.
Das Heer, dem keins gleichkömmt in Süd und Norden,
Rückt aus der Burg und nach den Meeresborden.

Unter der Burg lag im geschützten Port
Ein mächtiges Geschwader hoher Schiffe,
Kampffertig Tag und Nacht aufs erste Wort,
Beim ersten Glockenschall, beim ersten Pfiffe.
Und so begann der Kampf und blut'ger Mord
Zu Wasser und am Strand und um die Riffe;
In Trümmer sank das Reich, das ohne Scham
Alcina einst der eignen Schwester nahm.

O in wie mancher Schlacht fällt Wohl und Weh
Ganz anders aus, als man vorher sich dachte!
Den flücht'gen Buhlen fing die böse Fee
Nicht nur nicht ein, wie sie sich Hoffnung machte,
Selbst von den Schiffen, deren Zahl die See
Kaum fasste, da man sie ins Treffen brachte,
Entriss sie nichts den Flammen als ein Boot,
Auf dem sie selbst entkam mit knapper Not.

Alcina flieht; des Heeres armer Rest
Verbrennt, sinkt unter oder wird gefangen.
dass ohne Roger sie das Feld verlässt,
Betrübt sie mehr, als dass ihr Reich vergangen.
Bei Tag und Nacht seufzt sie um ihn und nässt
Mit bittren Tränen seinethalb die Wangen,
Jammernd, dass – um die Qual mit einem Schlag
Zu enden – sie zu sterben nicht vermag." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 10 


Die Schwester und alle Ritter waren froh gerettet zu sein: "Sehr dankbar zeigte sich die Fee dem Gast / Und froh so edlen Herrn bei sich zu sehen, / Und sie befahl, man soll' ihm gute Rast / Bereiten, alle Ehr' ihm zugestehen. / Astolf war schon ein Weilchen im Palast, / Und Rogern freute sehr sein Wohlergehen; / Bald kam auch die gesamte andre Schar, / Die von Melissen jüngst entzaubert war." Auch wenn nun ein großer Teil des Morgenlandes vom islamischen Terror befreit war, wollten die Ritter zurück ins Abendland: "Nachdem sie einen Tag gerastet dort, / Trat Roger mit Astolf vor jene Weise; / Denn einer wie der andre möchte fort / Ins Abendland und bat Urlaub zur Reise. / Und auch Melissa nahm für sie das Wort / Und bat die Fee in ehrerbiet'ger Weise, / Sie möge jenen helfen und sie lehren / Dahin, woher sie kamen, heimzukehren." [37]
 

"Sehr dankbar zeigte sich die Fee dem Gast
Und froh so edlen Herrn bei sich zu sehen,
Und sie befahl, man soll' ihm gute Rast
Bereiten, alle Ehr' ihm zugestehen.
Astolf war schon ein Weilchen im Palast,
Und Rogern freute sehr sein Wohlergehen;
Bald kam auch die gesamte andre Schar,
Die von Melissen jüngst entzaubert war.

Nachdem sie einen Tag gerastet dort,
Trat Roger mit Astolf vor jene Weise;
Denn einer wie der andre möchte fort
Ins Abendland und bat Urlaub zur Reise.
Und auch Melissa nahm für sie das Wort
Und bat die Fee in ehrerbiet'ger Weise,
Sie möge jenen helfen und sie lehren
Dahin, woher sie kamen, heimzukehren.

Da sprach die Fee: »Bedenken will ich's mir,
Und in zwei Tagen schaff' ich euch Genüge.«
Dann sann sie nach, was sie am besten hier
Für Roger erst, dann für Astolf verfüge.
Das beste schien ihr, wenn das Flügeltier
Erst Roger heim nach Aquitanien trüge;
Doch ließ sie erst ihm ein Gebiss bereiten,
Um seinen Flug zu zügeln und zu leiten.

Sie zeigt' ihm, was zu tun sei, wenn er wolle,
dass es empor sich schwing', und was zu tun,
Wenn es sich senken oder wenden solle,
Sich sputen oder auf den Flügeln ruhn.
Und was ein Reiter auf der ebnen Scholle
Mit seinem Pferde tut, tat Roger nun,
Bis er's bemeisterte, statt auf der Erde
Hoch in der Luft mit dem beschwingten Pferde.

Als Roger fertig war um abzufahren,
Reicht' er der edlen Fee dankbar die Hand,
(Der er in Liebe stets in spätren Jahren
Verbunden blieb,) und er verließ das Land.
Von seinem Ritt sollt ihr zuerst erfahren,
Dann wie der edle Prinz aus Engelland
Mühsamer heimgelangt', in längren Fristen,
Zum großen Karl und unter Freund' und Christen." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 10
 

Über China und das Himalaya Gebirge reist er zurück nach Europa: "Und in Europa dann die Regionen, / Wo Russen, Preußen und die Pommern wohnen. / ... Indes seitdem er das Vergnügen kannte / Die Welt sich anzusehn, die Kreuz und Quer, / Wollt' er auch Polen, Ungarn sehn und wandte / Nach Deutschland sich und Ländern, die noch mehr / Dem schauerlichen Pol benachbart liegen, / Und schließlich musst' er auch nach England fliegen." Dort begutachtet er die Truppen, die "der hochgepriesne Paladin" Rinaldo, zusammengetrommelt hat für den "Mohrenkrieg" in Spanien, der "nach England ging auf Karls Gebot, / Beistand zu suchen in der großen Not." Eine Heerschau über die englischen und schottischen Truppen also, damit Europa frei bleibt: "Die Franken atmeten schon wieder frei, / Hoffend dass jene dort die Mohren schlügen." [38]

Nicht nur England, Irland und Schottland entsenden Truppen "zum Kampfe mit dem Muselmanne", sondern auch Norwegen, Schweden, Island: "Nicht eilt zum Kampfe mit dem Muselmanne / Irland und Schottland nur und unser Land; / Norwegen, Schweden folgt dem Heeresbanne; / Von Island kommen sie, von Thule's Strand, / Von allen Ländern, die da oben liegen, / Feinden des Friedens, stets bereit zu Kriegen." Ganz nebenbei muss Roger noch den Kampf mit Seeungeheuer bestehen um Angelica zu befreien; später wird das Seeungeheuer von Roland besiegt. [39]

"Dort auf den Wiesen vor der Stadt erschien
Fußvolk und Reiterei; in schöne Scharen
Geteilt ließ sie an sich vorüberziehn
Beim Schall der Trommeln und der Kriegsfanfaren
Rinald, der hochgepriesne Paladin.
Ihr habt schon, wenn ihr euch entsinnt, erfahren,
dass er nach England ging auf Karls Gebot,
Beistand zu suchen in der großen Not.

Als Roger kam, begann der schöne Zug
Sich eben aus dem Stadttor zu entfalten.
Und einen Ritter fand er, den er frug,
(Doch ließ er erst den Greif dort unten halten,)
Und der Bescheid ihm gab, höflich genug,
dass jene, deren Fahnen ringsum wallten,
Engländer seien, Schotten und die Heere
Irlands und andrer Inseln jener Meere.

Und nach der Heerschau werde Reiterei
Und Fußvolk nach der Küste sich verfügen,
Woselbst die Flotte segelfertig sei,
Bereit die Flut des Ozeans zu pflügen.
Die Franken atmeten schon wieder frei,
Hoffend dass jene dort die Mohren schlügen.
»Indes damit du alles magst erkennen,
Will ich (so sprach er) sie dir sämtlich nennen.

»Du wirst das große Banner drüben sehn,
Das mit den Lilien führt die Pardeltiere;
Das läßt der Reichsfeldherr im Winde wehn,
Ihm folgen all die übrigen Paniere.
Sein Nam', in diesem Reich hochangesehn,
Ist Leonett, Vorbild der Cavaliere,
Siegreich, ob man im Rat, im Feld' ihn treffe,
Herzog von Lancaster, des Königs Neffe.

»Das ist das Königsbanner. Nah dabei,
Das zweite, das hinflattert nach dem Hügel,
Trägt Richard, Warwicks Graf; die Stickerei
Zeigt uns in grünem Feld drei weiße Flügel.
Der halbe Hirschkopf dort mit dem Geweih
Zeigt, Herzog Gloster führt daselbst die Zügel;
Der Herzog Clarence führt den Feuerbrand,
Und Herzog York wird an dem Baum erkannt.

»Das Banner Norfolks siehst du dort im Tale,
Darin ein Lanzenschaft, dreimal zerstückt.
Dann Kents Standarte mit dem Wetterstrahle,
Indes der Greif die Fahne Pembroke's schmückt.
Der Herzog Suffolk führt die Wag' und Schale.
Die beiden Schlangen dort, vom Joch gedrückt,
Sind Essex gräflich Wappen, und der Kranz
Im blauen Felde das Northumberlands.

»Der Graf von Arundel führt in den Falten
Des Banners eine Bark' in Sturmesnot.
Von Barclay folgt der Markgraf; weiter halten
Der Graf von March und Richmonds Aufgebot.
Barclay führt einen Berg, in weiß, gespalten,
Richmond die Palme, March ein schwimmend Boot.
Von Hampton und von Dorset zwei Barone
Erscheinen mit dem Wagen und der Krone.

»Raimund, der Graf von Devon, zieht daher,
Ein Falk im Nest geduckt auf seine Krallen.
Der Hund ist Derby's, Oxfords ist der Bär;
Schwarzgelb siehst du Winchesters Fahne wallen.
Auch der Prälat von Bath ist heut beim Heer,
Wo du das Kreuz erblickst, ein Kreuz krystallen.
Dort, der zerbrochne Stuhl in Violett
Ist Arimans, Herzogs von Somerset.

»An Lanzen und an Schützen sind zur Schau
Hier vierzigtausend Mann zu Pferd' erschienen,
Zweimal soviel (und wenn nicht ganz genau,
Doch nicht viel wen'ger,) die zu Fuße dienen.
Sieh dort drei Fahnen gelb und grün und grau,
Ein schwarz und blau gestreiftes folgt nach ihnen;
Gottfried und Heinrich, Edward und Hermant
Führen das Fußvolk in das Frankenland.

»Herzog von Buckingham ist von den vieren
Der erste, Heinrich Graf von Salisbury;
Hermant, der Alte, hat Burgh zu regieren,
Und Edward ist der Graf von Shrewsbury.
Die Leute, die dort rechts sich einquartieren,
Sind all' aus England. Jetzt gen Westen sieh:
Da stehn die Schotten, dreißigtausend Mann;
Zerbin, der Sohn des Königs, führt sie an.

»Dort zwischen zwei Einhörnern sehen wir
Den Löwen hoch ein Schwert von Silber tragen:
Das ist des Schottenkönigs Kriegspanier.
Dort steht sein Sohn Zerbin, von dem sie sagen,
So schön sei keiner unter allen hier;
Ihn schuf Natur und hat die Form zerschlagen.
Herzog von Roß ist dieser, und im Heer
Ist keiner tapfer, hold und stark wie er.

»Ein goldner Balken auf azurnem Grund
Weht von des Grafen Athol Fahnenstangen.
Von Marr der Herzog führt im Schildesrund
Den Panther, der im Eisen sich gefangen.
Sieh jetzt von Farben und von Vögeln bunt
Des tapfren Alcabrun Standarte prangen,
Der zwar nicht Herzog noch vom Grafenstande,
Doch erster ist in seinem wilden Lande.

»Der Herzog Stafford führt in seinen Fahnen
Den Vogel, der den Blick zur Sonne wagt.
Dem Grafen, der in Angus herscht, Lurcanen
Gehört der Stier, vom Doggenpaar gejagt.
Des Herzogs von Sanct Albans Unterthanen
Stehn, wo das blau und weiße Banner ragt.
Der Geier, der den grünen Wurm zerreißt,
Gehört dem Herrn, der Graf von Buchan heißt.

»In Forbes herscht der tapfre Held Armand,
Und schwarz und weiß läßt er die Fahne wehen.
Der Graf von Ferrol folgt ihm rechter Hand,
Wo wir in grünem Feld die Kerze sehen.
Jetzt sieh die Irischen am grünen Strand;
Zwei Scharen sind es, und zwei Grafen stehen,
Von Kildare und von Desmond, an der Spitze,
Herbeigeeilt vom wilden Bergessitze.

»In Kildare's Banner lodert eine Tanne,
Und Desmond führt in weiß ein rotes Band.
Nicht eilt zum Kampfe mit dem Muselmanne
Irland und Schottland nur und unser Land;
Norwegen, Schweden folgt dem Heeresbanne;
Von Island kommen sie, von Thule's Strand,
Von allen Ländern, die da oben liegen,
Feinden des Friedens, stets bereit zu Kriegen.

»An sechzehntausend mögen ihrer sein,
Aus Wäldern stammend und aus Felsenhorsten.
Behaart ist ihr Gesicht und Arm und Bein
Und Brust und Leib und Rücken wie mit Borsten.
Um ihre Fahne weiß und fleckenrein
Scheint sich ein Wald von Lanzen aufzuforsten.
Weiß hat ihr Hauptmann das Panier erkoren,
Um es zu färben in dem Blut der Mohren.«

Indes sich Roger so die stolzen Scharen,
Die hier sich rüsten Frankreich beizustehn,
Anschaut, und all die Namen zu erfahren
Bemüht ist und die Wappen durchzugehn,
Kömmt nach und nach viel Volks, den wunderbaren,
Einzigen Gaul des Ritters anzusehn,
Vor Staunen außer sich, mit offnem Munde,
Und bald umsteht ein Hauf' ihn in der Runde." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 10 
 
 

4. Roland befreit Jungfrauen aus den Händen der Korsaren; "juego de cañas"; »Chronik des Turpin«

Immer wieder muss Roland Jungfrauen befreien, die von Korsaren oder anderen Räuberbanden geraubt wurden, so auch bei Geschichte der Isabella von Galizien und des Prinzen Zerbin von Schottland. Dante lässt die Gewalttätigen, wie islamische Korsaren, in Lachen siedenden Bluts büßen. Die Centauren unter Chirons Führung bewachen diese Verdammten und treiben sie, wenn sie ans Ufer klettern, mit Pfeilschüssen in die heiße Flut zurück. Anspielungen auf die göttliche Komödie und selbst einzelne Verse aus derselben kommen wiederholt im Rasenden Roland vor wie hier in Canto 13.  Die islamischen Halunken werden von Roland mit ihrem "juego de cañas" beehrt, indem er einen Tisch auf die Halunken wirft. Das spanische, eigentlich maurische Reiterspiel des Rohrwerfens, juego de cañas, wird in Italien zu Ariosts Zeit von Gauklern öffentlich gezeigt. [40]

Die »Chronik des Turpin,« eine Sammlung fabelhafter Geschichten von Karl d. Gr. und seinen Paladinen, zitiert Ariost an verschiedenen Stellen als seine Quelle, so auch hier. Turpin selbst ist der Sage zufolge Erzbischof von Reims und zugleich einer der zwölf Paladine. [41] 

 

»Der Haufe hat mich vor dem Bösewicht
Gerettet, Herr, doch war's ein Abenteuer,
Von dem man im gemeinen Leben spricht,
Man falle aus der Pfann' ins Kohlenfeuer.
Das allerärgste freilich litt ich nicht;
Die Leute waren nicht die Ungeheuer,
Gewaltsam meine Ehre mir zu rauben.
Doch dass es Tugend war, musst du nicht glauben.

»Nein, man verwahrte mich, wie man mich fand,
Weil Jungfraun teurer sich verkaufen ließen.
Acht Monde sind's, der neunte geht ins Land,
Seit sie ins Grab die lebende verstießen.
All meine Hoffnung auf Zerbin verschwand,
Denn schon (aus ihren Reden kann ich's schließen)
Hat man für einen Kaufmann mich bestimmt,
Der mich zum Sultan mit nach Asien nimmt.«

So sprach das Fräulein in dem Grottenschlunde
Und Seufzer hemmten oft und Tränenflut
Die engelhafte Red' im schönen Munde,
Die Mitleid wecken würd' in Natternbrut.
Indes sie ihren Schmerz durch solche Kunde
Erneuert' oder auch vielleicht entlud,
Erschien wohl zwanzig Mann stark eine Rotte
Mit Spießen und Helbarden in der Grotte.

Der Vordermann, entsetzlich anzuschauen,
Hat nur ein Auge, das voll Tücke blitzt;
Ein Hieb hatt' ihm das andre blind gehauen,
Und Nas' und Backen auch ihm aufgeschlitzt.
Wie der den Ritter sieht, der bei den Frauen
Am Feuer in der Felsenhöhle sitzt,
Ruft er vergnügt: »Sieh da, ein neuer Braten
Ist ganz von selbst in meinen Topf geraten.«

Zum Grafen sprach er dann: »Mir kam noch keiner
Wie du mir kömmst, zu so gelegner Zeit.
Hast du's erraten oder gab dir einer
Von meinen Wünschen heimlichen Bescheid?
Mein Wunsch war stets ein Harnisch so wie deiner
Und solch ein hübsches dunkles Oberkleid.
Du weißt bei Gott die Stunde gut zu wählen,
Wo du die Sachen bringst, die just mir fehlen.«

Da, bitter lächelnd, sprang der Ritter auf
Und so antwortet' er dem Ungeheuer:
»Ich stelle dir die Waffen zum Verkauf,
Nur zahlst du sie beim Kaufmann nicht so teuer.«
Vom Herd' in seiner Näh riss er darauf
Den dicksten Holzscheit voller Rauch und Feuer,
Und hatt im Nu den Burschen da gehauen,
Wo seine Nase angrenzt' an die Brauen.

Er traf die Augen beid' an diesem Haupte,
Doch fuhr das linke schlimmer bei dem Hieb,
Weil er das arme Instrument ihm raubte,
Das noch allein sein Lichtzubringer blieb.
Indessen mit der bloßen Blendung glaubte
Der Scheit sich nicht befriedigt, sondern schrieb
Ihm noch den Laufpass nach den Siedelachen,
Wo Chiron die verdammten muss bewachen.

Ein großer Tisch war in dem Räuberneste,
Zwei Spannen dick, geräumig ins Geviert
Und groß genug für all die schlimmen Gäste;
Ein plumpes Tischbein trug ihn, roh poliert.
Mit der Gewandtheit, wie beim Reiterfeste
Der Spanier sein geschleudert Rohr regiert,
Warf Roland die gewalt'ge Tafel oben
Auf die Halunken, die zuhauf sich schoben.

Da brachen Rippen, brachen Arm und Bein,
Genick' und Schädel mussten da zerkrachen;
Der eine starb, der büßte Glieder ein,
Und wer noch heil blieb, eilte Kehrt zu machen. (...)

Wer unversehrt blieb oder leicht verletzt,
(Ausdrücklich schreibt Turpin, es waren sieben,)
Hatt' auf die Fersen sein Vertraun gesetzt;
Indes der Graf war an der Tür geblieben,
Und ohne Kampf sie fangend band er jetzt
Mit einem Strick die Hände diesen Dieben,
Mit einem Strick, sehr brauchbar für den Zweck,
Den er gefunden in dem Felsversteck.

Er schleppt sie hin, wo auf die Felsenwände
Ein Sperberbaum den Schatten fallen läßt.
Er stutzt die Aeste mit dem Schwert behende,
Und für die Raben gibt es nun ein Fest.
Hier braucht er Ketten nicht mit krummem Ende;
Die Welt zu reinigen von dieser Pest,
Beut ihm der Sperberbaum die eignen Zacken;
Da hängt sie Roland auf an Kinn und Nacken." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 13 
 

5. Todfeinde unsrer heil'gen Lehre; Frauenraub gehört zur Kernkompetenz der Sarazenen und Tataren

Roland und Roger kämpfen gegen die Muslime oder Sarazenen wie Fürst Rodomont von Sarza und Algier: "Und mit ihm kamen frischgeworbne Leute; / Denn als die Sonne wolkig jenem Tier / Sich nahte, des Gehörn sie grimm bedräute, / Schickt' Agramant ihn heim nach Afrika, / Und seit drei Tagen war er wieder da. / Im ganzen Heere war kein Saracene / Verwegner und gewaltiger als der; / Ihn fürchtete die Hauptstadt an der Seine / Und fürchtete mit gutem Grund ihn mehr
Als Agramant, Marsil und alle jene, / Die mitgekommen waren übers Meer, / Und mehr als einer im gesamten Heere / War er ein Todfeind unsrer heil'gen Lehre." Frauenraub gehört zur Kernkompetenz der Sarazenen und Tataren, so auch beim Tartarenkönig Mandricard, der  Doraliß, die Königstochter von Granada, entführt. [42] 
"Und auf dem Rasen sieht er Doralißen,
(Denn diesen Namen führt die junge Braut;)
Da wo die alten Eichenbäume sprießen,
Lehnt sie an einem Stamm und jammert laut.
Wie Quellen aus lebend'ger Ader fließen
Die Tränen auf des Busens weiße Haut;
Im schönen Antlitz liest man, dass sie klage
Um andrer Schicksal und ums eigne zage.

Nun wächst die Furcht noch, als sie ihn erblickt,
Bluttriefend, finstren Blicks, wild und verwegen.
Bis an die Wolken tönt ihr Schrei; sie schrickt
Zusammen, ihret- und der Leute wegen;
Denn nicht bloß Reiter waren mitgeschickt;
Sie hatt' auch Diener um sich, sie zu pflegen,
Ehrbare Greise, Mädchen auch und Frauen,
Die allerschönsten aus Granada's Gauen.

Kaum sieht der Heid' ihr Antlitz hold und fein,
Das seines gleichen nicht in Spanien findet,
Das selbst im Schmerz – wie muß es lächelnd sein! –
Ein unauflöslich Netz der Liebe windet,
Dünkt' ihm, er tret' ins Paradies hinein,
Und der Gewinn des ganzen Siegs verschwindet:
Seine Gefangne nimmt ihn selbst gefangen,
Und er begreift nicht, wie es zugegangen.

Doch gibt er ihr sich nicht so ganz zu eigen,
Dass er die Früchte seiner Müh ihr schenkt,
Ob ihre Thränen schon so deutlich zeigen,
Wie Frau'n es können, dass er schwer sie kränkt.
Ihr Jammern, hofft er, bring' er bald zum Schweigen
Durch hohe Freud', und mitzunehmen denkt
Er sie auf jeden Fall, hebt sie sofort
Auf ihr milchweißes Roß und reitet fort.

Die Weiber, Greis' und sonstiges Geleit,
Das auszog, um sie nach Paris zu holen,
Entließ er mit der größten Freundlichkeit
Und sprach: »Jetzt ist sie meiner Hut empfohlen;
Kämmrer und Amme werd' ich sein, bereit
In allem ihr zu dienen. Gott befohlen!«
Weil's nun dagegen keine Hilfe gab,
So zogen weinend sie und seufzend ab.

»Wenn er es hört, wie schmerzlich wird die Pein
Des Vaters sein!« so hörte man sie sprechen;
»Wie wird des Gatten Zorn und Kummer sein
Und o wie fürchterlich wird er sich rächen!
O träf' er jetzt in dieser Gegend ein,
Sie wieder abzujagen jenem frechen,
Eh er sie weiter schleppt in seiner Wut,
Des Königs Stordilan erlauchtes Blut!«

Zufrieden mit dem reichen Beuteteile,
Den Glück und Tapferkeit ihm eingebracht,
Hat der Tartar, so scheint's, nicht mehr die Eile
Wie früher nach dem Mann in schwarzer Tracht.
Erst ging's Galopp, jetzt hat es gute Weile.
Er überlegt schon, wo er über Nacht
An irgend einem Platz gemächlich bleibe
Und sich die mächt'ge Liebesglut vertreibe. 

Vorläufig tröstet' er mit sanftem Ton
Die Spanierin, die nicht abließ zu klagen.
Er prahlt und fabelt, wie er lange schon
Ihr gut gewesen sei von Hörensagen,
Und wie er Vaterland und Reich und Thron,
Die alle Thron' und Reiche überragen,
Verlassen habe, nicht um Frankreichs Gau'n,
Sondern, um ihre Schönheit anzuschau'n." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 14
 

6. Sarazenen vor den Toren von Paris; Der Erzengel Michael wird gesandt, die Christen zu unterstützen gegen die lügnerische Lehre der Muslime ("Die lügnerische Lehre Babels")

Der Kaiser bittet in der Kirche um Hilfe, damit nicht die lügnerische Lehre der Muslime ("Die lügnerische Lehre Babels") den christlichen Glauben zugrunde richte: "Beschirm' dies Volk, das schon so viel gewagt, / Dein Grab zu säubern von dem Schwarm der Hunde, / Und deine Kirch' und heil'gen Stellvertreter / Geschützt hat vor der Hand der Übeltäter." Der Erzengel Michael wird gesandt, die Christen zu unterstützen, auch wenn sich unter den Kirchenvertretern viele befinden, die vom Glauben abgefallen sind. [43] 
 
"Am Tage vor der Schlacht ward auf Geheiß
Des Kaisers in Paris an heil'gen Stätten
Von frommen Pfaffen, schwarz und grau und weiß,
Das Hochamt celebrirt und viele Metten.
Zur Beichte gingen Jüngling, Mann und Greis,
Um aus den Klauen Satans sich zu retten,
Und alle nahmen das geweihte Brot,
Als ging' es morgen sicher in den Tod.

Er selbst mit Paladinen und Baronen
Fürsten und Pred'gern schritt zum Dome hin,
Ein Vorbild für sein Volk, um beizuwohnen
Der heil'gen Feier mit andächt'gem Sinn.
Den Blick erhebend zu den ew'gen Thronen,
Sprach er: »O Herr, wennschon ich sündig bin,
Doch laß in deiner Gnad' um mein Verschulden
Nicht dein getreues Volk die Straf' erdulden.

»Und ist's dein Wille, muss es doch geschehn,
Weil Strafen meiner Missetat gebüren,
So lass mich wenigstens um Aufschub flehn,
Lass nicht durch deinen Feind das Werk vollführen.
Wenn durch den Heiden wir zu Grunde gehn,
Die doch den Namen deiner Freunde führen,
So wird er sagen, dass du machtlos seiest,
Weil du die deinen dem Verderben weihest.

»Und wo bisher dir einer abgesagt,
Da werden's hundert tun mit einem Munde;
Die lügnerische Lehre Babels jagt
Und richtet deinen Glauben dann zu Grunde.
Beschirm' dies Volk, das schon so viel gewagt,
Dein Grab zu säubern von dem Schwarm der Hunde,
Und deine Kirch' und heil'gen Stellvertreter
Geschützt hat vor der Hand der Übeltäter.

»Von unsrer Schuld ein Gran nur abzutragen,
Sind unsere Verdienste viel zu klein,
Und aller Hoffnung müssten wir entsagen,
Säh'n wir auf unser Leben ganz allein;
Wird aber deine Gnade angeschlagen,
Dann macht sie unsre Rechnung quitt und rein,
Und nie kann die Verzweiflung Raum gewinnen,
Wenn wir auf dein Erbarmen uns besinnen.«

So sprach der Kaiser mit erhobnen Händen
Demütig und zerknirscht am Hochaltar,
Und noch gelobt' er angemessne Spenden,
Würdig des eignen Rangs und der Gefahr.
Auch sollt' er seine Worte nicht verschwenden:
Sein Genius, der sein guter Engel war,
Nahm das Gebet und breitete die Schwingen,
Um es zu des Erlösers Ohr zu bringen.

Und mit unzähl'gen andren Seufzern kam
Ein Heer von Engeln jetzt, gen Himmel schwebend,
Und als der Chor der Heil'gen die vernahm,
Schaut' er, die mitleidvollen Blick' erhebend,
Empor zu ihm, dem ew'gen Bräutigam,
Ihm Kunde von der Sehnsucht aller gebend,
Dass jetzt Erhörung find' in Gottes Rat
Dies Flehn der Christen, das um Hilfe bat.

Und die erhabne Liebe, die noch nie
Ihr Ohr verschlossen hat dem Flehn der Frommen, –
Die milden Blick' erhebend, winkte sie
Dem Engel Michael heranzukommen
Und sprach zu ihm: »Geh nach der Picardie,
Zum Christenheer, das übers Meer geschwommen,
Und führ' es nach Paris bis an die Werke,
So dass der Feinde Heer es nimmer merke.

»Erst geh zur Schweigsamkeit; bei diesem Zuge
Soll sie, das sag' ihr, dir zur Seite stehn;
Mit allem, was du brauchst, wird diese kluge
Begleiterin aufs beste dich versehn.
Nachdem du das besorgt, musst du im Fluge
Zum Sitz und Aufenthalt der Zwietracht gehn!
Sie nehme Lunt' und Feuerstein zur Hand
Und zünd' ihr Feuer an beim Agramant,

»Und hetze dort die tapfersten der Heiden
Zu solchem Hader, solchem Zank und Zwist,
Bis ihrer etliche den Tod erleiden,
Mancher gefangen und verwundet ist
Und andre grollend aus dem Lager scheiden
Und so ihr Herr im Kampfe sie vermißt.«
So sprach er, und kein Wörtchen sprach dawider
Der heil'ge Vogel, sondern flog hernieder. 

Wohin Sankt Michael die Flügel leitet,
Da fliehn die Wolken und der Himmel lacht;
Ein goldner Kreis ist um ihn ausgebreitet,
Wie Wetterleuchten in der dunklen Nacht.
Und wie der Himmelsbote niedergleitet,
Erwägt er, wie er es am besten macht,
Die Feindin aller Reden aufzuspüren
Und seinen ersten Auftrag auszuführen.

Er überlegt, wo sie verkehr' und hause,
Bis er zuletzt zu diesem Schluss es bringt,
Man finde sie in jeder Kirch' und Klause
Der Mönche, die des Ordens Regel zwingt,
Wo man nicht reden darf, wo rings im Hause,
In dem Gemach, wo man den Psalter singt
Und wo man schläft und wo man tafelt, immer
Schweigen geschrieben steht in jedem Zimmer.

Da glaubt' er sie zu treffen, und geschwinder
Bewegt er nun sein goldnes Flügelpaar;
Dass auch der Friede dort sei und nicht minder
Die Ruh' und Nächstenliebe, deucht' ihm klar,
Jedoch dass er geurteilt wie ein Blinder,
Erkannt' er bald, als er im Kloster war.
Die Schweigsamkeit sei fern, sie sei im Stift,
So sagte man, jetzt höchstens noch als Schrift.

Auch Demut, Liebe, Ruhe, Frömmigkeit
Und Friede wollten sich nicht finden lassen;
Sie hatten hier gewohnt in alter Zeit,
Doch sie vertrieb der Geiz, der Zorn, das Prassen,
Hochmut und Faulheit, Schadenfreud' und Neid.
Der Engel konnt' erstaunt sich gar nicht fassen,
Und als er sich den wüsten Schwarm besah,
Fand er wahrhaftig auch die Zwietracht da.

Sie wollt' er suchen, nach des Ew'gen Wort,
Wann er die Schweigsamkeit gefunden hätte,
Und zum Avernus wollt' er gehn; denn dort
Sei bei Verdammten, meint' er, ihre Stätte.
Nun traf er sie an andrem Höllenort
(Wer würd' es glauben?) bei Hochamt und Mette.
Verwundert sah Sanct Michael sie hier,
Da er geglaubt, er habe weit zu ihr....

Der Engel winkt und sagt ihr den Bescheid,
Wie Gott befohlen, dass sie flugs sich rüste,
Die stärksten Mohren so in Hass und Streit
Zu hetzen, dass Verderben folgen müsste.
Dann fragt er sie: wo ist die Schweigsamkeit?
Leicht könnt' es sein, dass jene darum wüsste,
Weil sie, um ihre Feuer anzulegen,
So weit umherkömmt auf verschiednen Wegen.

Darauf versetzt die Zwietracht: »Glaub' es mir,
Dass ich sie nie gesehn in meinen Tagen;
Gehört dagegen hab' ich oft von ihr,
Und immer rühmt man sie als sehr verschlagen.
Jedoch der Trug, der unsern einer hier,
Pflegt manchmal gut mit ihr sich zu vertragen;
Der hat vielleicht sie irgendwo gesehn;«
(Sie hob den Finger auf,) »ich meine den.«

Er hatt' ein freundlich Antlitz, würd'gen Gang,
Demüt'gen Augenaufschlag, honigsüße
Bescheidne Wort', und seine Stimme klang,
Als ob Sankt Gabriel Marien grüße.
Das übrige war garstig, aber lang
Und faltig floß sein Kleid ihm auf die Füße
Und barg die Häßlichkeit, und unterm Kleide
Trug er das Messer mit der gift'gen Schneide.

Der Engel sagt' ihm, Gott hab' ihn geschickt;
Zur Schweigsamkeit möcht' er den Weg erfahren.
Da sprach der Trug: »Man hat sie nie erblickt
Als bei den Tugenden in frühern Jahren,
Bei Sanct Elias und Sanct Benedict
In den Abteien, als sie jung noch waren;
Auch gab es Schulen, wo sie viel verkehrte,
In Zeiten, da Pythagoras noch lehrte.

»Als keine Heilige und Weise mehr
Da waren, sie den rechten Pfad zu leiten,
Begann sie von der Bahn der Zucht und Ehr
Hinüber auf den schlechten Weg zu schreiten.
Erst pflog sie Nachts mit Liebenden Verkehr,
Mit Dieben dann, und trieb nur Schlechtigkeiten;
Mit dem Verrat pflegt sie viel umzugehn,
Und selbst beim Morde hab' ich sie gesehn.

»Auch sitzt sie gern mit denen, die uns heute
Die Münze fälschen, tief im Kellerloch,
Und immer wechselt sie Wohnsitz und Leute:
Du fändest schwerlich, wo sie sich verkroch.
Ich hoff' indeß, dass ich den Weg dir deute,
Wenn ich dir rat', um Mitternacht sie noch
Zu suchen, im Palast des Schlafs; ich wette,
Da triffst du sie; denn dort geht sie zu Bette.«

Obschon der Trug sich nichts aus Lügen machte,
Maß doch Sankt Michael ihm Glauben bei,
Denn alles klang wie Wahrheit. Er bedachte
Sich nicht mehr lang' und flog aus der Abtei,
Doch hemmt' er seine Flügel sanft und sachte,
Damit er nicht zu früh am Ziele sei
Und im Palast des Schlafes (dessen Lage
Ihm wohlbekannt war) dann vergebens frage." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 14
 

Die christlichen Helden, die schon mithalfen, Jerusalem zu befreien, sollen zu Hilfe eilen, denn "nach jenen zwei-Malhunderttausend oder mehr Barbaren, mehr als der Funken aus geschürter Glut, die auf Paris entluden ihre Wut": Mit Gottes Hilfe wird gegen die muslimischen Barbaren gestritten: "Da sind die Paladin' und edlen Herrn, / Herzög' und Könige mit ihren Rittern, / Pariser Bürger, Krieger aus der Fern, / Die Christi halber vor dem Tod nicht zittern." [44] 
Der Engel sagt' ins Ohr ihr leis' und sacht:
»Gott will, dass du Rinald jetzt zu den Werken
Der Stadt Paris geleitest samt der Macht,
Die mit ihm kam, den Kaiser zu verstärken.
Und tu' es ganz im stillen, sei bedacht
Dass nichts die Heiden vom Getümmel merken
Und, ehe das Gerücht sie warnt und weckt,
Im Rücken schon der Christen Sturm sie schreckt.« 

Die Schweigsamkeit antwortete nicht weiter;
Sie nickte mit dem Kopf, das schien genug.
Dann folgte sie gehorsam dem Begleiter,
Und nach der Picardie ging es im Flug.
Der Engel setzt' in Marsch die kühnen Streiter
Und kürzte so den Weg für ihren Zug,
Dass man Paris erreicht' in zwanzig Stunden,
Und keiner hatt' es wunderbar gefunden.

Die Schweigsamkeit durchwandelte das Heer,
Und tiefen Nebel ließ sie niedersinken
Vor jeder Legion und auch umher,
Doch Sonnenschein war rechts und war zur Linken.
Durch solchen dicken Nebel dränge schwer
Der Schall von den Trompeten und den Zinken.
Dann fuhr sie zu den Heiden hin und brachte
Ein Etwas mit, was blind und taub sie machte.

Indes die Christen so geschwinde nahten,
Dass man des Engels Führung deutlich sah,
Dabei so sacht, von keinem Lärm verraten,
Dass keiner draußen ahnte, was geschah,
Hatt' Agramant bereits die Fußsoldaten
In die Pariser Vorstadt und ganz nah
An Mauern und in Gräben vorgeschoben,
Um heut sein höchstes Können zu erproben....

Da sind die Paladin' und edlen Herrn,
Herzög' und Könige mit ihren Rittern,
Pariser Bürger, Krieger aus der Fern,
Die Christi halber vor dem Tod nicht zittern.
Und um den Feind zu schlagen, sähn sie gern,
Dass man die Brücken senkte vor den Gittern.
Gern sieht der Kaiser ihren hohen Mut,
Obwohl er ihnen nicht den Willen tut.

Er stellt sie hin, wo sie am meisten nützen,
Dass nirgend Eingang finde der Barbar;
Hier reicht ein Häuflein aus, den Wall zu schützen,
Und dort genügt ihm kaum die stärkste Schar.
Die einen tun den Dienst bei den Geschützen,
Den bei den Feuern nehmen andre wahr;
Karl ist bald hier bald drüben längs des Walles
Und rastet nie und hilft und bessert alles.

In weiter Ebne liegt Paris gebreitet.
Der Nabel Frankreichs, Frankreichs Herz vielmehr.
Der Fluß tritt in die Mauern ein und gleitet
Jenseits hinaus, doch bildet er vorher
Im Innern eine Insel und bereitet
Dem besten Teil der Stadt dort sichre Wehr:
Die andern zwei (denn drei sind ihrer) haben
Den Fluß im Rücken, draußen nur den Graben." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 14

 

7. Künftige Entdeckung Amerika's und des Seewegs nach Indien; Karl V, Andreas Doria 

Astolf, der ebenfalls aus den Fängen Alcina's befreit wurde, erhält für die Rückreise nach Europa zwei Genien zur Seite:  "Andronice / Und Sophrosyne sollen ihn begleiten, / Damit kein Schade treffe den Astolf, / Bis nach Arabiens oder Persiens Golf." Zudem erhielt er ein Horn, vergleichbar dem des Oberon: "Noch etwas andres hatte sie gespendet, / Dem nichts an Nützlichkeit auf Erden gleicht; / Das war ein Horn von schauderhaftem Schalle, / Und die es hörten, flohn voll Schrecken alle." Auf die Frage, ob es schon europäische Schiffe gegeben habe, die auf dem Seeweg Afrika umrundet und Indien erreicht hätten, belehrt Andronice ihn über die künftige Entdeckung Amerika's und des Seewegs nach Indien sowie über Karls des Fünften Feldherrn, Andreas Doria. [45] 

Die Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken konnte Ariost noch nicht voraussehen, dafür aber andere siegreiche Kämpfe der Christen gegen die Muslime während der Reconquista: »Ich seh' das heil'ge Kreuz, am grünen Strand / Seh' ich die kaiserlichen Banner fliegen; / Ich seh' ein Häuflein mit der einen Hand / Die Schiffe schützen, mit der andern siegen; / Ich sehe tausend fliehn vor zehn, das Land / Bis Indien zu Castiliens Füßen liegen; / Des fünften Karl Hauptleute sieht mein Geist, / Siegreich, wohin er auch sie gehen heißt."  Karl V wurde in Gent geboren (»Am linken Rheingestade«).   Drei bedeutende Feldherrn Karls V, Prospero Colonna, Fernando d'Avalos Marquis von Pescara und Alfonso d'Avalos Marquis del Vasto werden gefeiert. Über den berühmten Bezwinger der islamischen Korsaren, Andreas Doria, heisst es: »Wie er durch sie, soweit der Mensch zu Lande / Gehn kann, dem alten Reiche Zuwachs bringt, / So wird er auf dem Meer, das heiße Sande / Der Mohren und Europa's Küst' umschlingt, / Siegreich begegnen jedem Widerstande, / Sobald mit Doria ihm der Bund gelingt, / Andreas Doria, welcher einst von Räubern / Die Meere wird in eurer Zone säubern." [46] 

"Lasst sehn denn, wie Astolf die Zeit verbrachte,
Der weitverschlagne Prinz aus Engelland.
Nach all dem Wandern in der Fremd' erwachte
In ihm die Sehnsucht nach dem Heimatland,
Und wie zuvor die Fee ihm Hoffnung machte,
(Sie, die im Krieg' Alcinen überwand,)
So trug sie Sorge jetzt, aus ihrer Pflege
Ihn heimzusenden auf dem nächsten Wege.

Die stattlichste Galere, welche je
Das Meer gepflügt hat, ließ sie ihm bereiten,
Und weil sie sorgte, dass die böse Fee
Die Fahrt ihm störe, ließ sie ihn geleiten
Von einer starken Flott'; Andronice
Und Sophrosyne sollen ihn begleiten,
Damit kein Schade treffe den Astolf,
Bis nach Arabiens oder Persiens Golf. (...)

Wie so Astolf, geleitet von den Damen,
Das Meer durchschifft, fragt er Andronice,
Ob wohl aus jener Gegend, die den Namen
Vom Sonnenuntergang empfangen, je
Fahrzeuge segelnd oder rudernd kamen
In dieses östliche Revier der See,
Und ob man, ohne je Land zu berühren,
Ein indisch Schiff nach England könne führen.

»Vernimm,« antwortet jene ihm darauf,
»Das Meer umfängt die Erd' in weitem Kreise,
dass Well' in Welle fließt, und hört nicht auf,
Nicht wo es kocht, nicht wo es starrt im Eise.
Weil aber dort vor unsres Schiffes Lauf
Das Aethiopenland in solcher Weise
Gen Mittag strebt, hat mancher wohl gesagt,
Dort sei die Straße dem Neptun versagt.

»Drum ward von unsern indischen Gestaden
Kein Fahrzeug nach Europa je gesandt,
Und keins, das in Europa ward beladen,
Hat je den Weg gesucht nach unsrem Strand.
Sie kehrten um, weil sich auf ihren Pfaden
Die ungeheure Ländermasse fand;
Da sie so lang ist, dachte man sie wäre
Verbunden mit der andren Hemisphäre.

»Jedoch im fernsten West, in künft'gen Jahren
Seh' neue Argonauten ich erstehn
Und Straßen öffnen, die verborgen waren.
Die einen werden Afrika umgehn,
Die Negerküst' entlang gen Süden fahren,
Bis sie im Rücken jenes Zeichen sehn,
Von wo die Sonn' auf ihrer Jahresreise
Zu uns zurückkehrt von des Steinbocks Kreise.

»So finden sie des langen Weltteils Spitze,
Der dieses Meer wie zwei erscheinen lässt,
Und sehn die Küsten und die Inselsitze
Der Perser, Inder und den ganzen Rest.
Die andern segeln durch die schmale Ritze,
Wo Hercules das Land zerriss, gen West,
Der Sonne Lauf nachahmend, und entdecken
Dort neue Welt und neue Länderstrecken.

»Ich seh' das heil'ge Kreuz, am grünen Strand
Seh' ich die kaiserlichen Banner fliegen;
Ich seh' ein Häuflein mit der einen Hand
Die Schiffe schützen, mit der andern siegen;
Ich sehe tausend fliehn vor zehn, das Land
Bis Indien zu Castiliens Füßen liegen;
Des fünften Karl Hauptleute sieht mein Geist,
Siegreich, wohin er auch sie gehen heißt.

»Nach Gottes Rat ist sie verhüllt geblieben,
Die neue Bahn, und lange Zeit noch hält
Er so verhüllt sie, bis nach sechs, nach sieben
Jahrhunderten der Schleier endlich fällt.
Gott wird die Kunde bis zur Zeit verschieben,
Wo er zur Monarchie vereint die Welt
Dem weisesten der Kaiser gibt, dem besten,
Die seit Augustus je gethront im Westen.

»Aus Oestreichs Blut und dem von Aragon
Erwächst am linken Rheingestad' ein Knabe,
Dem gleicht an Tugenden kein Erdensohn,
Von dem ich je gehört, gelesen habe.
Asträa setzt er wieder auf den Thron,
Vielmehr er weckt sie wieder aus dem Grabe,
Und alle Tugenden, die man zugleich
Mit ihr vertrieb, führt er zurück ins Reich.

»Dafür hat Gottes Huld von Ewigkeiten
Nicht nur das Diadem ihm zugedacht
Des großen Reiches, das August vor Zeiten,
Trajan und Titus hatten, sondern Macht
Auch über alle Land' auf beiden Seiten,
Wo Sonn' und Jahr nie End' und Anfang macht;
Und unter diesem Reich soll auf der Erde
Ein einz'ger Hirte sein und eine Herde.

»Und dass mit leichtrem Gang ins Leben trete,
Was in den Sternen längst geschrieben stand,
Gibt ihm die ew'ge Vorsicht weise Räte
Und Feldherrn, unbesiegt zu See und Land.
Ferdinand Cortez seh' ich neue Städte
Cäsarn erobern mit gewalt'ger Hand
Und Königreich' im Osten, so entfernte,
dass Indien selbst nie ihre Namen lernte.

»Prosper Colonna und Pescara's Degen
Erblick' ich, und ein Jüngling folgt den zween,
Ein Vasto. Teuer kömmt einst dieser wegen
Den Lilien ihr italisch Land zu stehn.
Den dritten seh' ich sich als ersten regen,
Um Lorbern ringend, die ihm nicht entgehn,
Dem guten Rennpferd' ähnlich, das den Lauf
Zuletzt begann und allen fliegt vorauf.

»Ich seh' Alfons (so nennt sich dieser Held)
So treu, so tapfer und so kriegserfahren,
dass frühe schon, bevor er in der Welt
Das siebte Jahr erreicht nach zwanzig Jahren,
Karl an die Spitze seines Heers ihn stellt,
Und ihn bewahrend, wird er alles wahren,
Und mehr als das: den Weltkreis zu bezwingen
Wird ihm mit solchem Feldherrn leicht gelingen.

»Wie er durch sie, soweit der Mensch zu Lande
Gehn kann, dem alten Reiche Zuwachs bringt,
So wird er auf dem Meer, das heiße Sande
Der Mohren und Europa's Küst' umschlingt,
Siegreich begegnen jedem Widerstande,
Sobald mit Doria ihm der Bund gelingt,
Andreas Doria, welcher einst von Räubern
Die Meere wird in eurer Zone säubern.

»So großes tat Pompejus nicht wie der;
Der Römer auch verjagte die Korsaren,
Doch nur, weil sie zu schwach zur Gegenwehr
Wider das stärkste Reich der Erde waren.
Der Doria reinigt aber rings das Meer
Bloß mit dem eignen Geist, mit eignen Scharen,
Und zittern seh' ich, wann sein Nam' erschallt,
Die Küsten schon vom Nil bis Calpe's Spalt." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 15
 
 

8. Sankt Georg; Die Kirche im islamischen Morgenland: "Wo heut die Heiden und die Übeltäter / Gott lästern, uns zu ew'gem Schimpf und Hohn"

Über die Sporen des ritterlichen Heiligen Sankt Georg, welcher die Königstochter in Cappadocien von dem Drachen befreite, wird berichtet wie über die Kirche im islamischen Morgenland: "Wo heut die Heiden und die Übeltäter / Gott lästern, uns zu ew'gem Schimpf und Hohn. / Europa steht in Waffen, Krieg und Tod ist / An allen Ecken, nur nicht wo es Not ist." [47] 
Wogegen Samson ihm ein wunderbar
Und köstlich Schwertgehenk zum Schmuck im Streite
Und außer diesem noch ein Sporenpaar
Mit goldnen Rädern, goldnen Schnallen weihte,
Das einst, so glaubt man, jenes Ritters war,
Der von dem Lindwurm die Prinzess befreite.
Als Samson Jaffa nahm, war es mit allen
Vorräten in des Siegers Hand gefallen.

In einem Kloster frommer Ordensväter
Empfingen sie die Absolution,
Und durch die Tempel wandernd sahn sie später
Die Wunder der hochheil'gen Passion,
Wo heut die Heiden und die Übeltäter
Gott lästern, uns zu ew'gem Schimpf und Hohn.
Europa steht in Waffen, Krieg und Tod ist
An allen Ecken, nur nicht wo es Not ist." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 15
 
 

9. Europäer unter Rinaldo und Ariodante eilen Paris zu Hilfe; "Denn Schändung, Raub und Mord und jeden Hohn / Durft' überall sich Türk' und Mohr gestatten /  Jedoch des Rodomont Ingrimm und Drohn / Stellt' aller andren Heiden Wut in Schatten"

Rinaldo kommt mit den Engländern und Schotten vor Paris an und fällt den Heiden in den Rücken. Es entbrennt eine große Schlacht, an welcher schließlich das ganze Mohrenheer sich beteiligt: "Indes da drinnen solcher Mord und Brand
Gestiftet ward von dem verfluchten Mohren". Ganz Europa kämpft hier gegen die Heiden bzw. Muslime: "Kein Land ist in der ganzen Christenheit, / Des Bürgern wir nicht in Paris begegnen, / Und daraus folgt, wenn ihr die Heiden schlagt, / Dass mehr als Frankreich Dank dafür euch sagt." Sollte Paris fallen, wäre kein christliches Land mehr sicher, selbst wenn es von Meer umgeben wäre, weshalb damals wie heute Muslime zurückgedrängt werden müssen: "Und keins der Länder, wo man den als Herrn / Anbetet, der am Kreuz für uns gehangen. / Und wähnet nicht, euch sei der Heide fern, / Weil euer Reich vom Meere lieg' umfangen; / Sind sie schon vormals von Gibraltar gern / Und durch Alcides' Tor in See gegangen, / Um Raub von euren Inseln einzutreiben, / Was wird geschehn, wenn sie in Frankreich bleiben?" [48] 
 
"Nicht schützt des Priesters gottgeweihtes Amt,
Des Säuglings Unschuld nicht vor seinen Streichen;
Nicht helle Augen, Wangen weich wie Sammt
Der Frau'n und Mädchen werden ihn erweichen;
Das Alter wird geschlagen und verdammt,
Und seine Taten sind nicht minder Zeichen
Tollkühnen Muts als großer Grausamkeit;
Gleich gilt Geschlecht ihm, Alter, Stand und Kleid.

Und nicht nach Blut allein und Menschenmord
Lechzt der Barbar und Ausbund der Barbaren,
Nein, auch nach Feuer; Feuer soll sofort
In Häuser und entweihte Tempel fahren.
Nun liest man, dass fast alle Häuser dort
Zu jener Zeit aus Holz errichtet waren,
Und wohl ist's glaublich; denn noch heute stehn
Holzhäuser in Paris sechs unter zehn.

Obwohl zu brennen alles rings begann,
War seinem Hasse nicht genug geschehen.
Er späht, wo er die Händ' anklammern kann,
Und wo er rüttelt, bleibt das Haus nicht stehen.
Ihr könnt mir glauben, gnäd'ger Herr, dass man
Nie ein Geschütz vor Padua hat gesehen,
Das Mauern niederwarf wie Rodomont,
Mit jedem Ruck der Händ' es hat gekonnt.

Indes da drinnen solcher Mord und Brand
Gestiftet ward von dem verfluchten Mohren, –
Wenn draußen jetzt zum Stürmen Agramant
Geschritten wär', so war Paris verloren.
Dies aber konnt' er nicht; im Wege stand
Rinald ihm, der jetzt eintraf vor den Toren
Mit englischem und schottischem Geleit,
Geführt vom Engel und der Schweigsamkeit.

Gott wollte, während Rodomont in Stücke
Die Bürger hieb und Feuer hatt' entfacht,
Dass der von Montalban zu Hilfe rücke,
Und mit Rinald kam Englands ganze Macht.
Drei Stunden oberhalb schlug er die Brücke,
Und links im Bogen zog er mit Bedacht,
Damit ihm nicht, wenn er zum Angriff schreite,
Der Seinefluss ein Hindernis bereite.

Sechstausend Bogenschützen von den Britten
Hatt' er mit Edward schon vorausgesandt,
Dazu zweitausend Reiter, leicht beritten,
Geführt von Arimans streitbarer Hand.
Auf Straßen, die das Land schnurgrad durchschnitten,
Schickt' er sie vor, bereits vom Meeresstrand,
Um durch Sankt Dionys und Martins Pforte
Succurs zu bringen dem bedrängten Orte.

Gepäck und Fuhrwerk ließ er auch vom Meer
Dieselbe grade Straße ziehn wie jene.
Er selbst mit dem gesamten andern Heer
Kam oberhalb im Bogen an die Seine.
Dies Wasser zu durchwaten hielte schwer,
Sie führten aber Brücken mit und Kähne,
Und als der letzte Mann hinüber war,
Stellt' er in Reih und Glied die ganze Schar.

Erst aber ließ er die Baron' und Herrn
Um sich versammeln und nach allen senden;
Vom hohen Ufer dann, damit auch fern
Die letzten all' ihn sähen und verständen,
Sprach er: »Ihr werdet, edle Herren, gern
Dem Himmel danken mit erhobnen Händen,
Der euch geführt hat, um den höchsten Preis
Des Ruhms euch zu verleihn nach kurzem Schweiß.

»Zwei Fürsten werdet ihr aus Feindeskrallen
Erretten, wenn ihr diese Stadt befreit,
Erst euren König, den ihr als Vasallen
Vor Tod und Schimpf zu schützen schuldig seid,
Dann einen Kaiser, ruhmvoll unter allen,
Die je Hof hielten bis auf unsre Zeit;
Und andre Könige, Fürsten, Herrn mit ihnen,
Nebst vielen Grafen, Rittern, Paladinen.

»Drum werden die Pariser nicht allein
Als Retter einer Stadt euch hoch erheben,
Die noch viel mehr als um die eigne Pein
Um ihrer Weiber, ihrer Kinder Leben
In großer Angst sind und zum Himmel schrein,
Weil in Gefahr auch die mit ihnen schweben,
Und um die heil'gen klösterlichen Bräute,
Ob ihr Gelübde nicht zum Spott wird heute;

»Ich sage, wenn ihr diese Stadt befreit,
So wird nicht nur Paris euch dankbar segnen,
Nein, auch ringsum die Länder weit und breit.
Ich rede nicht bloß von den nahgelegnen;
Kein Land ist in der ganzen Christenheit,
Des Bürgern wir nicht in Paris begegnen,
Und daraus folgt, wenn ihr die Heiden schlagt,
Dass mehr als Frankreich Dank dafür euch sagt.

»Die Alten gaben dem schon eine Krone,
Der einen Bürger rettet' aus Gefahr;
Was wird man euch erst weihn zum würd'gen Lohne,
Den Rettern einer ungezählten Schar!
Blieb' aber dieser heil'ge Feldzug ohne
Erfolg durch Neid, durch Feigheit, dann fürwahr
Glaubt mir, dass nach dem Sturze jener Zinnen
Auch Deutschland, auch Italien kaum entrinnen,

»Und keins der Länder, wo man den als Herrn
Anbetet, der am Kreuz für uns gehangen.
Und wähnet nicht, euch sei der Heide fern,
Weil euer Reich vom Meere lieg' umfangen;
Sind sie schon vormals von Gibraltar gern
Und durch Alcides' Tor in See gegangen,
Um Raub von euren Inseln einzutreiben,
Was wird geschehn, wenn sie in Frankreich bleiben?

»Und wenn auch nicht der Ruhm, wenn Vorteil nicht
Euch Mut verlieh' in diesen Kampf zu schreiten,
Einander beizustehn ist aller Pflicht,
Die unter einer Kirche stehn und streiten.
Und dass Rinald der Feinde Macht zerbricht,
Deß seid getrost, – mit wenig Schwierigkeiten;
Denn schlecht geübt scheint mir das ganze Heer,
Kraftlos und mutlos, ohne rechte Wehr.« 

So und mit bessren Gründen spricht er weiter,
Mit klarer, heller Stimm', und leicht entbrennt
Die Kampflust seiner mutigen Begleiter
Und eines Heers, das bange Furcht nicht kennt.
Er macht' es, nach dem Sprichwort, wie der Reiter
Ein gutes Pferd noch spornt, wenn es schon rennt.
Zum Schlusse läßt er Schar um Schar marschiren,
Ganz leis' und sacht, mit ihren Kriegspanieren.

Geräuschlos führt und ohne Trommelschallen
Sein dreigetheiltes Heer der Paladin.
Am Fluß zuerst die Heiden anzufallen,
Die Ehre gönnt er willig dem Zerbin.
Landeinwärts als die äußersten von allen
Läßt er im Bogen Irlands Truppen ziehn,
Und in der Mitte führt Lancasters Banner
Die Reiter Englands und die Bogenspanner." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 16
 

Rinaldos Truppen brachten die entscheidende Wende, die Muslime erschienen wie Schafe oder Ziegen: "Eh noch die Schotten auf dem Feld' erschienen, / War schon zersprengt das erste Mohrenheer. / Nun kommen sie und weit vorauf vor ihnen / Fliegt Prinz Zerbin mit eingelegtem Speer, / Und alle, die dem Banner Schottlands dienen, / Folgen ihm nach, nicht minder grimm als er. / So sieht man Wölfe, sieht man Löwen fliegen, / Um Schafe zu erwürgen oder Ziegen. / ... Seltsamren Tanz sah man auf Erden kaum, / Denn ganz allein die Schotten schlugen Wunden, / Allein die Heiden wurden umgebracht, / Als kämen sie zu sterben in die Schlacht. / Kälter als Gletschereis schien jeder Mohr, / Und alle Schotten heiß wie Feuerbrände, / Und nach den Hieben kam's den Heiden vor, / Als habe jeder Christ Rinaldens Hände. / ... Zerbin bestand die höchsten Proben heute, / Die je ein Knabe jung wie er bestand. / Das Heidenheer, das Sturm auf Sturm erneute, / Schlägt und vernichtet er mit starker Hand. / Ariodant macht seine neuen Leute / Mit Wundern hoher Tapferkeit bekannt. / Die aus Castilien und Navarra schauen / Dem Helden zu mit Staunen und mit Grauen. / ... Ariodant schwingt seine Kling' im Kreise; / Margan und Artalich erfahren hier, / Wie schwer sie trifft; doch schärfere Beweise / Erhalten Etearch und Casimir." Auch im 18. Gesang kämpft Ariodante tapfer und will den muslimischen Dardinel "Mit seiner Faust ins Reich Vermaledeiter" hinab senden: "Wie sehr dies nun den Bruder Ariodant / Geschmerzt hat, danach fragt mich nur nicht weiter. / Gern hätt' er Dardinel hinabgesandt / Mit seiner Faust ins Reich Vermaledeiter, / Nur dass er nirgend Zugang zu ihm fand / Durch all die Heiden und getauften Streiter. / Doch rächen wollt' er sich, und mit dem Degen / Begann er rechts und links sich Bahn zu fegen." [49] 
"Das Christenheer, das ungestört so weit
Des Wegs gekommen war und wohlbehalten,
Geführt vom Engel und der Schweigsamkeit,
Jetzt konnt' es sich nicht länger still verhalten.
Den Feind erblickend rief es laut zum Streit,
Und die Fanfaren schmetterten und hallten;
Zum Himmel stieg der Waffenlärm empor,
Dass der Barbaren Blut vor Angst gefror.

Rinald vor allen spornt sein Pferd zum Strauß;
Die Lanz' im Arm kömmt er daher geflogen,
Den Schotten einen Bogenschuss voraus;
Zu warten hätte nichts ihn jetzt bewogen.
So kömmt ein Wirbel Windes mit Gebraus,
Und hinter ihm kömmt wilder Sturm gezogen,
Wie auf dem Renner Bajard nun der Held
Vor allem Heer dahinfährt übers Feld.

"Kaum ist Rinald dem Blick' der Feind' erschienen,
So fährt die Angst vor künft'ger Not in sie;
In ihrer Hand die Lanze zittert ihnen,
Der Fuß im Bügel und am Gurt das Knie.
Nur König Pulian zeigt ruhige Mienen;
Er kennt Rinald noch nicht, er sah ihn nie,
Und ahnungslos, auf wen er stoßen werde,
Sprengt er entgegen ihm auf raschem Pferde 

Und bückt bis auf den Speer Gesicht und Wange
Und hält zusammen sich nach Fechterbrauch
Und überlässt dem Renner Zaum und Stange
Und stößt ihm beide Sporen in den Bauch.
Doch groß an Taten, wie sein Nam' an Klange,
Verheimlicht auf der andren Seite auch
Nicht seine Kunst und Anmut im Gefechte
Der Held aus Haimons, nein aus Mars' Geschlechte.

Im Zielen hatten beide gleiche Ehr,
Denn beider Speer sah man den Helm berühren;
Doch Kraft und Fechten waren ungleich sehr:
Der Heide starb, der Christ schien nichts zu spüren.
Zur Tapferkeit gehört am Ende mehr
Als bloß mit Zierlichkeit den Speer zu führen,
Vor allem Gunst des Glücks; denn ohne die
Siegt Tapferkeit nur selten oder nie.

Rinaldens guter Speer blieb unzerbrochen,
Daher er nun auf Orans König fuhr.
Der hatte reichlich Fleisch und große Knochen,
Doch wenig Herz verlieh ihm die Natur.
Auch diesmal kann man sagen gut gestochen!
Zwar traf er unten ihn am Schilde nur,
Und wer's nicht loben will, muß doch bekennen,
Es war nicht möglich höher anzurennen.

Der Stoß durchbrach den Schild des Riesen doch,
Trotz Palmenholz und dicker Eisenscheibe,
Und trieb die kleine Seele durch das Loch
Im Bauche fort aus dem zu großen Leibe.
Der Gaul, der drauf gefaßt war, dass er noch
Den ganzen Tag so schwer belastet bleibe,
Ist innerlich Rinalden sehr verbunden,
Der ihm die Qual erspart viel heißer Stunden....

Eh noch die Schotten auf dem Feld' erschienen,
War schon zersprengt das erste Mohrenheer.
Nun kommen sie und weit vorauf vor ihnen
Fliegt Prinz Zerbin mit eingelegtem Speer,
Und alle, die dem Banner Schottlands dienen,
Folgen ihm nach, nicht minder grimm als er.
So sieht man Wölfe, sieht man Löwen fliegen,
Um Schafe zu erwürgen oder Ziegen.

Denn alle jagen mit verhängtem Zaum,
Sowie sie nah sind, und im Nu verschwunden
Ist jener Abstand, jener Zwischenraum,
Der zwischen den Partei'n sich erst befunden.
Seltsamren Tanz sah man auf Erden kaum,
Denn ganz allein die Schotten schlugen Wunden,
Allein die Heiden wurden umgebracht,
Als kämen sie zu sterben in die Schlacht.

Kälter als Gletschereis schien jeder Mohr,
Und alle Schotten heiß wie Feuerbrände,
Und nach den Hieben kam's den Heiden vor,
Als habe jeder Christ Rinaldens Hände.
Sobrin schickt alle seine Truppen vor,
Ohn' erst zu warten dass man Boten sende;
An Führung, Tapferkeit und Waffen war
Sein Haufe besser als die andre Schar.

Von Afrika war dies der mindest schlechte,
Obwohl auch er sich nicht zum besten schlug.
Auch Dardinel führt Truppen zum Gefechte
Mit schlechten Waffen, nicht geübt genug,
Obwohl er selbst mit seinem Stahlgeflechte
Gepanzert war und blanken Helmschmuck trug.
Der beste Haufe, glaub' ich, war der vierte,
Der unter Isolier zuletzt marschirte.

Der gute Held Trason, Herzog von Mar,
Erfreut, sich wider solchen Feind zu kehren,
Oeffnet die Schranken seiner Ritterschar
Und ruft sie mit sich zu den Siegesehren,
Sobald vor ihm im Feld erschienen war
Navarra's Heer, geführt von Isolieren.
Ihm folgt mit seiner Macht Ariodant,
Zum Herzog von Alban unlängst ernannt. (...)

Zerbin bestand die höchsten Proben heute,
Die je ein Knabe jung wie er bestand.
Das Heidenheer, das Sturm auf Sturm erneute,
Schlägt und vernichtet er mit starker Hand.
Ariodant macht seine neuen Leute
Mit Wundern hoher Tapferkeit bekannt.
Die aus Castilien und Navarra schauen
Dem Helden zu mit Staunen und mit Grauen. (...)

Ariodant schwingt seine Kling' im Kreise;
Margan und Artalich erfahren hier,
Wie schwer sie trifft; doch schärfere Beweise
Erhalten Etearch und Casimir.
Die ersten zwei gehn blutend auf die Reise,
Tot bleiben die zwei andern im Revier.
Wie stark Lurcan ist, zeigt auch hier sich wieder,
Er haut und stößt und wirft und reitet nieder. (...)

Die Herzöge von York und Gloster kamen
Zuerst heran, Oldrad und Faramund,
Mit ihnen Warwicks Graf, Richard mit Namen,
Und Herzog Clarence war der viert' im Bund.
Und Follicon und Matalista nahmen
Den Kampf mit ihnen auf, und Baricund,
Majorca's Fürst. Almeriens Geschwader
Führt Matalista, Follicon Granader.

Im Anfang wogt das Treffen hin und her,
Und keiner ist, der Vorteil viel erstreitet;
Vor und zurück schwankt dies wie jenes Heer,
Wie Aehren, wann die Mailuft drüber gleitet,
Oder wie am Gestad' ein flutend Meer,
Das kömmt und geht und niemals weiter schreitet.
So spielt das Glück ein Weilchen, aber schließlich
Zeigt sich's den Mohren tückisch und verdrießlich.

Zu gleicher Zeit soll Herzog Glosters Kraft
Den Matalista aus dem Sattel heben;
Zu gleicher Zeit führt Faramund den Schaft
Auf Follicon und schleudert ihn daneben,
Und in die englische Gefangenschaft
Müssen die beiden Mohren sich ergeben.
Zu gleicher Zeit sinkt sterbend Baricund,
Durchbohrt vom Herzog Clarence auf den Grund. (...)

Darob die Heiden so vor Schreck erbleichen,
Darob die Christen so auf Sieg vertraun,
dass jene nur noch rückwärts gehn und weichen,
Die Reihen brechen und nach Rettung schaun,
dass diese vorgehn und mit sichren Streichen
Sich Feld gewinnen, alles niederhaun;
Und käme jetzt ein Helfer nicht den Mohren,
So wär' auf diesem Punkt die Schlacht verloren." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 16
 

Die Muslime waren zwar mengenmäßig in der Überzahl, allerdings unbekannt und ruhmlos. Ariost drückt das so aus: "Jetzt kam zum Kampfe König Agramant, / Den die Begier nach Mord und Ruhm entfachte, / Und der den Baliverz und Ferrurant / Und Soridan und Prusio mit sich brachte / Und so viel Volks, ruhmlos und ungenannt, / dass einen See mit seinem Blut es machte. / Viel leichter zählt' ich einzeln alle Blätter, / Die von den Bäumen weht ein herbstlich Wetter." Immer wieder muss Rinaldo eingreifen, z.B. gegen die Afrikaner. (Cyrener werden mit klassischer Reminiszenz die Afrikaner genannt. Das alte Cyrene entspricht dem heutigen Tripoli). Kaiser Karl erhält Nachricht von Rodomonts schrecklichem Wüten in der Stadt; ein Teil der Sarazenen konnte in Paris eindringen und dort Unheil anrichten: "Indes sie draußen im Getümmel waren / Und Hass und Grimm und Wut zusammenstieß, / Trieb drinnen Rodomont das Volk zu Paaren, / Und Häuser, Tempel brannten in Paris." [50] 
"Jetzt kam zum Kampfe König Agramant,
Den die Begier nach Mord und Ruhm entfachte,
Und der den Baliverz und Ferrurant
Und Soridan und Prusio mit sich brachte
Und so viel Volks, ruhmlos und ungenannt,
dass einen See mit seinem Blut es machte.
Viel leichter zählt' ich einzeln alle Blätter,
Die von den Bäumen weht ein herbstlich Wetter. (...)

Rinald, der anderswo beschäftigt war
Und vor sich hertrieb mehr als hundert Fahnen, –
Als von Zerbins Bedrängniß und Gefahr
Botschaften sich zu ihm die Straße bahnen,
Wie er zu Fuß in der Cyrener Schar
Verlassen sei von seinen Unterthanen,
Wirft er sein Pferd herum, und nach dem Ort,
Wo er die Schotten fliehn sieht, sprengt er fort.

Wo er die Schotten sieht zur Flucht gewandt,
Kömmt er und ruft: »Wohin, wohin, ihr Leute?
Woher die Feigheit, die euch so entmannt,
dass dies Gesindel eure Reihn zerstreute?
Was? nennt man das Trophä'n bei euch zu Land?
Schmückt eure Kirchen man mit solcher Beute?
Ein feiner Ruhm das! eures Königs Sohn
Ist ohne Pferd, allein, und ihr entflohn!«

Die Lanze seines Knappen borgt Rinald,
Und weil er Prusion, den Alvarachen,
Unweit erblickt, rennt er ihn an alsbald,
dass Ross und Reiter tot zu Boden krachen.
Er tötet Bambirag und Agricalt,
Und würd' es sicherlich nicht anders machen
Mit Soridan, auf den er richtig zielt,
Wenn nur die Lanz' ein wenig länger hielt.

Er zückt Fusberta, weil der Speer zerknickte,
Und trifft den Sternenritter Serpentin.
Der trug gefeite Rüstung, dennoch schickte
Der Hieb bewusstlos aus dem Sattel ihn.
Und so in dem Gedräng, das ihn umstrickte,
Schafft er den schönsten Raum für Prinz Zerbin,
Der ohne Kampf und weitere Beschwerde
Aufsteigen konnt' auf eins der led'gen Pferde. (...)

Der gute Held Rinald, der immer sann
Die schädlichsten der Gegner zu erlegen,
Griff Agramant mit blankem Degen an,
Der allzu grimmig schien und zu verwegen
Und der allein mehr tat als tausend Mann.
Auf seinem Bajard eilt er ihm entgegen,
Rennt von der Seit' ihn an und schlägt zugleich
Und stürzt ihn mit dem Pferd' auf einen Streich. (...)" Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 16
 

In diesem Zusammenhang erinnert Ariosto an den Wüterich Attila und anderen Plagen: "Was soll ich weiter noch von Attila, / Von Ezzelin, von hundert andern sagen, / Die Gott, wenn er zu lang' uns sünd'gen sah, / Gesandt hat, uns zu zücht'gen und zu plagen. / Des haben wir in unsren Zeiten ja / So klares Zeugnis wie in alten Tagen". Islamische Türken und Mohren können so ihr Unwesen treiben: "Denn Schändung, Raub und Mord und jeden Hohn / Durft' überall sich Türk' und Mohr gestatten; / Jedoch des Rodomont Ingrimm und Drohn / Stellt' aller andren Heiden Wut in Schatten." Karl und die Paladine greifen nun Rodomont an. [51] 
"Was soll ich weiter noch von Attila,
Von Ezzelin, von hundert andern sagen,
Die Gott, wenn er zu lang' uns sünd'gen sah,
Gesandt hat, uns zu zücht'gen und zu plagen.
Des haben wir in unsren Zeiten ja
So klares Zeugnis wie in alten Tagen,
Wann, wider uns, die räud'gen Schaf', ergrimmt,
Er tolle Wölf' als Wächter uns bestimmt.

Die glauben noch, ihr Hunger sei zu klein,
Ihr Bauch zu eng, um so viel Fleisch zu fressen,
Und laden andre Wölfe, schlimmre, ein,
Aus nord'schen Wäldern und den Alpenpässen.
Nicht Cannä's unbegrabenes Gebein,
Nicht Trasimen noch Trebia kann sich messen
Mit den Gebeinen, die Gestad' und Buchten
An Adda, Mella, Ronco heut befruchten.

Gott lässt die Straf' an uns durch jene Banden,
Die schlechter sind vielleicht als wir, geschehn
Für unsre Missetaten, unsre Schanden
Und hundertfält'gen schimpflichen Vergehn.
Die Zeit wird kommen, wo wir ihren Landen
Den Raub abnehmen, wenn wir in uns gehn
Und sie das Maß so überfließen machen,
Dass sie den Zorn der ew'gen Lieb' entfachen.

Es scheint, dass ihre Frevel damals schon
Die lichte Stirn des Herrn verfinstert hatten,
Denn Schändung, Raub und Mord und jeden Hohn
Durft' überall sich Türk' und Mohr gestatten;
Jedoch des Rodomont Ingrimm und Drohn
Stellt' aller andren Heiden Wut in Schatten." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 17

10. Verpestung der ehemals christlichen Gebiete; "Statt zur Verbreitung unsrer heil'gen Lehre / Das Schwert zu ziehn, dort wo es Gott erlaubt, / Rennen sie in ihr eignes Fleisch die Speere"

Statt dort zu kämpfen, wo es notwendig ist, verzettelt Europa sich in unsinnige Kriege wie zuletzt der russisch-ukrainische Krieg. Das Heilige Land wird von Muslimen beherrscht, die bei Ariosto als Hunde dargestellt werden: "Die Syrier pflegten zu Turnier und Schlachten / Sich damals ganz wie Franken anzuziehn; / Vielleicht dass sie das Vorbild solcher Trachten / Von ihren Nachbarn den Franzosen liehn, / Die damals noch das heil'ge Haus bewachten, / Wo der allmächt'ge Gott im Fleisch erschien, / Das heut die stolzen und elenden Christen / Den Hunden lassen, dort sich einzunisten." [52] 

Ariosto gibt auch eine Apostrophe an die christlichen Staaten, den Kampf gegen die Türken betreffend, denn auch die Türken hat man Konstantinopel erobern lassen, statt sie gemeinsam zu bekämpfen: "Wenn ihr »die allerchristlichsten« noch heute, / Wenn heut ihr »die katholischen« noch heißt, / Wie kömmt es, dass ihr Christi Lehensleute / Ermordet und ihr Lehen an euch reißt / Und nicht Jerusalem von jener Meute / Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt, / Und dass Constantinopel und den besten / Teil dieser Welt der Türke darf verpesten?"  [53] 

 
"Die Syrier pflegten zu Turnier und Schlachten
Sich damals ganz wie Franken anzuziehn;
Vielleicht dass sie das Vorbild solcher Trachten
Von ihren Nachbarn den Franzosen liehn,
Die damals noch das heil'ge Haus bewachten,
Wo der allmächt'ge Gott im Fleisch erschien,
Das heut die stolzen und elenden Christen
Den Hunden lassen, dort sich einzunisten.

Statt zur Verbreitung unsrer heil'gen Lehre
Das Schwert zu ziehn, dort wo es Gott erlaubt,
Rennen sie in ihr eignes Fleisch die Speere
Zum Untergang des wen'gen, was man glaubt.
Ihr Heere Spaniens, ihr Franzosenheere
Und Schweizer ihr, gen Osten kehrt das Haupt,
Ihr Deutschen auch, zu würdigem Erwerbe;
Denn was ihr hier sucht, ist schon Christi Erbe.

Wenn ihr »die allerchristlichsten« noch heute,
Wenn heut ihr »die katholischen« noch heißt,
Wie kömmt es, dass ihr Christi Lehensleute
Ermordet und ihr Lehen an euch reißt
Und nicht Jerusalem von jener Meute
Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt,
Und dass Constantinopel und den besten
Teil dieser Welt der Türke darf verpesten?

Hast du, o Spanien nicht gerechtre Gründe
Afrika als Italien gram zu sein?
Statt jenes Kriegs, der dir viel schöner stünde,
Mußt du dies arme Land dem Jammer weihn?
O stinkende Kloake jeder Sünde,
Schläfst du, Italien, ganz berauscht von Wein?
Wurmt es dich nicht, dass du der fremden Horden,
Die deine Sklaven waren, Magd geworden?

Wenn Furcht vor Hunger euch von euren Steinen,
Schweizer, herabführt in die Lombardei
Und ihr bei uns nur Brod sucht oder einen,
Der euch zu schnellem Tod behilflich sei,
Der Türken Schatz wär' nahe, sollt' ich meinen.
Europa macht, macht nur die Griechen frei:
So könnt ihr leicht der Hungersnot entrinnen
Und wenigstens ruhmvollen Tod gewinnen. 

Dasselbe sag' ich eurem Nachbarlande,
Dem deutschen: aller Reichtum ist noch dort,
Den Constantin mitnahm vom Tiberstrande.
Er nahm das best' und gab das andre fort.
Pactolus, Hermus mit dem goldnen Sande,
Mygdonien, Lydien, jener Meeresbord,
Der schöne, den so viele Bücher preisen, –
Wenn ihr dahin wollt, ist's nicht weit zu reisen.

Du, großer Leo, dessen Schultern Last
Und Amt der Himmelsschlüssel auf sich nahmen,
Wenn deine Hand beim Schopf Italien faßt,
So laß es nicht in dumpfem Schlaf erlahmen.
Du bist der Hirt; vom Himmel selber hast
Du diesen Stab und deinen Löwennamen,
Damit du brüllest und die Arme breitest
Und für die Herde wider Wölfe streitest." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 17
 
 

11. Paphos auf Zypern

Wer will nicht nach Frankreich kommen und Orlando (Roland) kenenlernen: "Marfisa, die schon längst dahin gedachte, / Beschloss in der Gesellschaft mitzugehn. / Sie brannte schon seit lange vor Begierde, / Roland zu schaun, der Paladine Zierde, / Und zu erproben, ob die Wirklichkeit / So hohem Ruhmesschall die Wage halte." Natürlich geht die Fahrt über Paphos auf Zypern mit seiner einzigartigen Natur und anmutigen Frauen. [54] 
 
Und wie das Segel den Nordostwind fing,
Begann es rechts von Cypern hinzufliegen.
Nach Paphos flog's, wo es vor Anker ging,
Und dort, am schönen Strand, ward ausgestiegen,
Teils um daselbst dem Handel nachzugehn,
Teils um das Land der Lieb' und Lust zu sehn.

Man steigt vom Meer, drei Stunden Wegs im ganzen,
Den schönen Berg hinan und merkt es kaum,
Ringsum Citronen, Myrten, Pomeranzen,
Lorbern und mancher andre holde Baum,
Und Rosen, Lilien, Quendel, Krokuspflanzen
Verstreuen Wohlgeruch im duft'gen Raum,
So süß, dass man auf hoher See ihn spürt,
Sobald ein Wind vom Ufer ihn entführt.

Aus klarem Quell befruchten und betauen
Die Wasser eines Bachs das ganze Feld.
Wohl mag man sagen, dass auf diesen Auen
Die schöne Venus Hof noch heute hält;
Denn alle Mädchen sind und alle Frauen
Anmutiger als sonstwo in der Welt,
Und allen giebt die Göttin, jung und alt,
Ein Herz, das bis zum Tode zärtlich wallt.

Hier hören sie dasselbe, was man ihnen
In Syrien schon vom Oger hinterbracht,
Und dass in Nicosia man Lucinen
Zu neuer Brautfahrt alles fertig macht.
Der Schiffer lässt, da Wind und Wetter dienen,
Nachdem er sein Geschäft zum Schluß gebracht,
Den Anker lichten und die Segel wehen
Und seines Schiffes Kiel gen Westen drehen." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 18

 

12. Rinaldo und Ariodante treiben die Mohren besiegt in ihr Lager zurück, "Schon sieht es aus, als ob kein Afrikaner / Heimkehren werde in die Heidenwelt"

Rinaldo und Ariodante treiben die Mohren, also die islamischen Belagerer von Paris, besiegt in ihr Lager zurück: "Wer fliehen will, den lässt Rinald entfliehn / Und macht nur Jagd auf solche, die nicht weichen. / Hin sank der Feind, wo Ariodant erschien, / Und fast Rinalden war er zu vergleichen. / Dort schmettert Lionel und dort Zerbin, / Wetteifernd alle heut an Heldenstreichen. / Karl tut das seine, Holger ebenso, / Turpin und Oliver und Salomo. / Schon sieht es aus, als ob kein Afrikaner / Heimkehren werde in die Heidenwelt." [55] 
 
"Wer fliehen will, den lässt Rinald entfliehn
Und macht nur Jagd auf solche, die nicht weichen.
Hin sank der Feind, wo Ariodant erschien,
Und fast Rinalden war er zu vergleichen.
Dort schmettert Lionel und dort Zerbin,
Wetteifernd alle heut an Heldenstreichen.
Karl tut das seine, Holger ebenso,
Turpin und Oliver und Salomo.

Schon sieht es aus, als ob kein Afrikaner
Heimkehren werde in die Heidenwelt;
Jedoch der kluge König der Hispaner
Zieht ab mit dem, was er in Händen hält.
Mit Schaden abziehn dünkt ihm wohlgetaner
Als alles zu verspielen, Rock und Geld,
Und besser, durch den Rückzug etwas retten
Als bleiben und auch noch den Rest verwetten.

Zurück zum Lager sucht er freie Bahn,
Das feste Wäll' und Gräben rings umfassen,
Mit Andalusien und mit Stordilan
Und Portugal in dichtgeschlossnen Massen.
Er schickt und rät dem Sohne des Trojan,
Das Feld, so gut er könne, zu verlassen,
Denn komm' er heil ins Lager nur zurück,
So sei es heutzutage schon ein Glück.

Bereits gab dieser König sich verloren
Und dachte nie Biserta mehr zu schau'n.
Das Schicksal zeigte nie, seit er geboren,
Ihm solch ein Antlitz voller Grimm und Grau'n.
Es freut ihn, dass Marsil doch von den Mohren
Etwas geborgen hinter Wall und Zaun.
Kehrt machen also läßt er die Standarten
Und Rückzug blasen, ohne lang zu warten.

Die Menge aber löst sich auf und hört
Auf Trommeln nicht noch aufs Signal der Zinken.
Sie ist so feig und so von Furcht betört,
dass ihrer viel im Seinefluss ertrinken.
Der König, der sie stillzustehn beschwört,
Sprengt mit Sobrin zur Rechten und zur Linken,
Und jeder Führer müht sich um die Wette,
Damit das Heer sich in die Schanzen rette.

Doch König und Sobrin und Führer, – keiner
Kann mehr erreichen mit Bedrohn und Flehn,
Als dass vielleicht der dritte Mann zu seiner
Verlassnen Fahne sich entschließt zu gehn.
Zwei sind geflüchtet oder tot, wo einer
Aushält, und dieser auch kann kaum noch stehn.
Der hat im Rücken, jener vorn die Wunden,
Und alle sind zerschlagen und zerschunden.

Mit großer Furcht kömmt die gehetzte Schar
Ins feste Lager, stets den Feind im Nacken;
Und schwach genug scheint dieser Raum sogar,
So sehr man schanzt mit Schaufeln und mit Hacken.
Denn als das Glück ihm einmal nahe war,
Verstand es Karl, beim Schopf es fest zu packen.
Zum Glück für jene kömmt die finstre Nacht,
Die alles trennt und alles stille macht (...)

Die ganze Nacht herscht hinter jenen Wällen,
In deren Schutz das Heidenheer entwich,
Wehklag' und Jammer, und die Seufzer schwellen
Gedämpft und leise zwar, doch bitterlich.
Der eine klagt um Bruder und Gesellen,
Die tot sind, mancher auch bejammert sich;
Denn krank und blutig sind sie und zerschlagen,
Doch größer ist die Furcht vor künft'gen Plagen." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 18
 
 

12. Mutige und berühmte Frauen; "Durch wilde Heidenländer fern im Morgen, / Wo niemand seines Lebens sicher ist"

Die Emanzipation der Frau hat schon früh angefangen, zumindest was berühmte und gelehrte Frauen wie die Dichterin Sappho betrifft. Nur hat sie Neid und Unverstand der Bücherschreiber unterdrückt: "Der Vorzeit Frauen haben Wunderdinge / In Waffen und im Musendienst vollbracht, / Und ihrer Werke Glanz – es ist als dringe / Er hell und strahlend durch der Zeiten Nacht. / Berühmt ist Harpalice's Lanz' und Klinge, / Camilla glänzt als Führerin der Schlacht, / Corinna, Sappho sind gelehrte Frauen, / Die ewig leuchten und die Nacht nie schauen. / Die Frau'n gelangten zur Vortrefflichkeit / In jeder Kunst, womit sie sich befassten, / Und wenn ihr der Geschichten kundig seid, / Seht ihr noch ihren Ruhm, den unverblassten. / Zwar fehlten sie der Welt geraume Zeit, / Doch wird der schwere Bann nicht immer lasten. / Vielleicht verschwieg uns auch ruhmwürd'ge Weiber / Neid oder Unverstand der Bücherschreiber." [56] 

Gefährlich wird es nur, wenn Frauen einen Amazonenstaat begründen, in dem nahzu alle Männer beseitigt werden. Marfisa, der Herzog und die Crew des Schiffes können davon ein Lied singen. Nur durch Flucht können die durch einen Sturm Gestrandeten später fliehen: "Jetzt kömmt der Herzog nach dem Hafenrande; / Dort, meint er, müssen die Genossen sein. / Er schaut sich um, er sucht sie auf dem Strande, / Er späht und wartet, – niemand stellt sich ein. / Er hebt die Augen auf, und fern vom Lande / Sieht er die Segel weiß im Sonnenschein. / Was ist zu tun? das Schiff ist abgegangen, / Es gilt auf andre Art heim zu gelangen." Ihm bleibt nur noch der Fußweg durch Muslim-Gelände, heute würde man sagen "No-Go-Area", wo niemand sicher ist: "Laßt ihn nur gehn und macht euch keine Sorgen, / Weil er allein den weiten Weg durchmißt / Durch wilde Heidenländer fern im Morgen, / Wo niemand seines Lebens sicher ist. / In jeglicher Gefahr ist er geborgen, / Mit seinem Horn, wie ihr ja selber wißt. / Wir schaun uns lieber um nach jenen Rittern, / Die auf die See entflohn mit Angst und Zittern." [57] 

 
"Der Vorzeit Frauen haben Wunderdinge
In Waffen und im Musendienst vollbracht,
Und ihrer Werke Glanz – es ist als dringe
Er hell und strahlend durch der Zeiten Nacht.
Berühmt ist Harpalice's Lanz' und Klinge,
Camilla glänzt als Führerin der Schlacht,
Corinna, Sappho sind gelehrte Frauen,
Die ewig leuchten und die Nacht nie schauen.

Die Frau'n gelangten zur Vortrefflichkeit
In jeder Kunst, womit sie sich befassten,
Und wenn ihr der Geschichten kundig seid,
Seht ihr noch ihren Ruhm, den unverblassten.
Zwar fehlten sie der Welt geraume Zeit,
Doch wird der schwere Bann nicht immer lasten.
Vielleicht verschwieg uns auch ruhmwürd'ge Weiber
Neid oder Unverstand der Bücherschreiber. (....)

Jetzt kömmt der Herzog nach dem Hafenrande;
Dort, meint er, müssen die Genossen sein.
Er schaut sich um, er sucht sie auf dem Strande,
Er späht und wartet, – niemand stellt sich ein.
Er hebt die Augen auf, und fern vom Lande
Sieht er die Segel weiß im Sonnenschein.
Was ist zu tun? das Schiff ist abgegangen,
Es gilt auf andre Art heim zu gelangen.

Laßt ihn nur gehn und macht euch keine Sorgen,
Weil er allein den weiten Weg durchmißt
Durch wilde Heidenländer fern im Morgen,
Wo niemand seines Lebens sicher ist.
In jeglicher Gefahr ist er geborgen,
Mit seinem Horn, wie ihr ja selber wißt.
Wir schaun uns lieber um nach jenen Rittern,
Die auf die See entflohn mit Angst und Zittern." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 20
 
 
 

13. Erste Hilfe für Brautpaare; "Sich taufen lassen also, und sodann / Die Braut gewinnen"

Roger und Bradamante finden sich und wollen heiraten. Bradamantes Vater will aber erst, dass Roger getauft werde: "So soll' er (sprach sie) ihre Hand verlangen / Vom Vater, aber erst die Tauf' empfangen. / ... Sich taufen lassen also, und sodann / Die Braut gewinnen, das ward unternommen. Wenn Mohammedaner in Europa heiraten wollten, mussten sie sich erst taufen lassen: "Dass er sich taufen lasse ihr zu lieb und alles, was er ihr gelobt, vollbringe, damit der Heiratsplan nach Wunsch gelinge". Ambrosius meinte, "dass nicht jede Ehe von Gott stammt; denn nicht nach Gottes Absicht gehen Christinnen mit Heiden eheliche Verbindungen ein, nachdem das Gesetz sie verbietet." Eine Option für das heutige Europa? Nach St. Ambrosius, St. Johannes Damaszenus und Petrus Venerabilis dürfen Christinnen zum Beispiel mit Muslimen nur eheliche Verbindungen eingehen, wenn der christliche Glaube angenommen wird. Das ist Voraussetzung für eine gewisse Harmonie. "Eine Harmonie ist gegeben mit der geeigneten und passenden Verbindung von Dingen, die man herstellt: eine Harmonie liegt vor, wenn Orgelpfeifen, die gehörig verbunden sind, den Wohlklang einer kunstgerechten Melodie festhalten und eine entsprechende Anordnung der Saiten den Ein- und Zusammenklang der Töne wahrt. Diese Harmonie nun fehlt bei einer Ehe, wenn ungesetzlich eine heidnische Frau einem christlichen Mann angetraut wird. Soll hier, wenn die Ehe eingegangen wird, Harmonie herrschen? Wo Harmonie, da schlingt Gott das Band; wo keine Harmonie, da ist Kampf und Streit, der nicht von Gott kommt." (St. Ambrosius) [58] 
 
"Eh ich jedoch das weitre melden kann,
muss Roger erst herbei und Bradamante.
Nachdem das schöne Paar dem Schloß entrann
Und nun der Schall des Horns verstummt war, wandte
Sich Roger um und sah, was er im Bann
Des Zauberers bis dahin nie erkannte.
Denn bis zu dieser Stunde hatten sie
Sich nicht erkannt, geblendet durch Magie.

Er sah das Mädchen an, das Mädchen ihn,
In tiefem Staunen, wie es zugegangen,
dass solche Blindheit (wie es ihnen schien)
Die Augen und die Seele hielt gefangen.
Und Roger eilte sie ans Herz zu ziehn,
Davon sie röter ward, als Rosen prangen;
Dann pflückt' er von den Lippen ihres Mundes
Die ersten Blumen dieses Herzensbundes.

Und tausendmal umarmen sie und drücken
Sie sich ans Herz und halten sich umfasst,
Die beiden glücklichen, so voll Entzücken,
dass ihre Brust kaum all die Wonne fasst.
Sehr schmerzt es sie, dass durch des Zaubers Tücken
In jenem irrtumstiftenden Palast
Sie all die Zeit nichts von einander wußten
Und so viel frohe Tag' einbüßen mussten.

Gern räumte Bradamant' ihm alles ein,
Was eine kluge Jungfrau dem Getreuen
Gewähren soll, um seine Herzenspein
Ohn' Abbruch ihrer Ehre zu zerstreuen.
Wenn er nicht wolle, dass sie hart wie Stein
Sich ewig weigre, voll ihn zu erfreuen,
So soll' er (sprach sie) ihre Hand verlangen
Vom Vater, aber erst die Tauf' empfangen.

Nun wäre Roger nicht nur gern bereit
Der teuersten zu lieb als Christ zu leben,
(War doch sein Vater und seit alter Zeit
Sein ganzes Haus der wahren Kirch' ergeben,)
Sie zu erfreun, hätt' er mit Freudigkeit
Verzichtet auf sein ganzes künft'ges Leben.
Er sprach: »Nicht nur ins Wasser, auch ins Feuer
Steckt gern den Kopf für dich dein vielgetreuer.«

Sich taufen lassen also, und sodann
Die Braut gewinnen, das ward unternommen.
Er trat die Reise mit dem Fräulein an
Nach Vallombrosa, dem nicht minder frommen
Als reichen Kloster, wo gar höflich man
Die Gäste pflegt, so viel auch ihrer kommen,
Und als sie kamen an des Waldes Rand,
Sahn sie ein Mädchen, das dort traurig stand." Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 22


Roger und Bradamante beschließen nicht nur zu heiraten sondern auch anderen Brautpaaren zu helfen, z.B einen Jüngling zu befreien, den die Mohren verbrennen wollen, weil er sich heimlich als Frau verkleidet in den Harem geschlichen hat um seine Liebste zu treffen. [59] 

"Roger, der immer freundlich, immer fein
Zu jedem Menschen war, vorab zu Frauen,
Als er sie sah so traurig und allein
Und Tränen sah aufs zarte Antlitz tauen,
Da stellten Mitleid und der Wunsch sich ein,
Sie mög' ihm ihren Kummer anvertrauen.
Er grüßte sie und frug mit sanfter Stimme,
Weshalb ihr Antlitz so in Tränen schwimme.

Und sie antwortet' artig und beflissen
Und schlug die schönen feuchten Strahlen auf
Und gab den Grund von ihren Kümmernissen
Ihm deutlich an; denn er bestand darauf.
»Ach, lieber Herr, (so sprach sie) du musst wissen,
Ich lasse diesen Tränen ihren Lauf
Aus Mitleid mit dem Jüngling, dem die Mohren
In einem nahen Schloß den Tod geschworen. 

»Er liebt das schönste Mädchen hier zu Lande,
Die königliche Tochter des Marsil,
Und ging im Schleier und im Fraungewande,
Den Ton verstellend und der Mienen Spiel,
Unangefochten durch die Wächterbande
Zu ihr des Nachts, so oft es ihm gefiel.
Indeß so heimlich geht kein Mensch zu Werke,
Dass nicht zuletzt jemand es seh' und merke.

»Einer bemerkt' es und verriet es zwein;
Dann hörten andre, dann Marsil die Sache.
Vorgestern drang sein Scherge bei uns ein
Und griff die Liebenden im Schlafgemache,
Und hält im Turm sie eingesperrt, allein
Und streng geschieden, unter scharfer Wache,
Und, ach, ich glaube, dass vor Tages Schluss
Der Jüngling bittren Tod erleiden muss.

»Ich bin geflohn, damit ich es nicht sehe,
Wenn sie lebendig ihn dem Feuer weihn,
Und nichts kann mir so leid tun, nichts so wehe
Wie dieses schönen Jünglings Todespein.
Ach, jede Freude wird, was auch geschehe,
Hinfort für mich wie eitel Jammer sein,
Wenn ich im Geist das grimm'ge Feuer wieder
Erblick' und die verbrannten zarten Glieder.«

Dies hörte Bradamante, die daneben
Zu Pferde hielt, und es verdross sie schwer.
Sie fürchtete für jenes Jünglings Leben,
Als ob er einer ihrer Brüder wär',
Und dass die Furcht in dieser Rücksicht eben
Nicht ohne Grund war, wird man sehn nachher.
Auf Roger blickend sprach sie: »Unsre Waffen,
Bedünkt mich, sollten hier Abhilfe schaffen,«

Und sprach zu der betrübten: »Geh zur Hand
Uns beiden, dass wir in die Burg gelangen.
Hat man bis jetzt den Jüngling nicht verbrannt,
So tödtet keiner ihn, sei ohne Bangen.«
Als Roger sie so menschenfreundlich fand
Und von barmherz'ger Sorge ganz befangen,
Da flammt' er vor Begier dabei zu sein
Und jenen vom Verderben zu befrein.

Zum Mädchen, dem die Augen überfließen,
Gewendet, spricht er: »Worauf warten wir?
Zu helfen gilt's, nicht Tränen zu vergießen.
Führ' uns zu deinem Freund, wir folgen dir.
Aus tausend Schwertern und aus tausend Spießen
Befrein wir ihn, doch können wir's nicht hier.
Beschleun'ge deinen Schritt, dass nicht, indessen
Die Hilfe zögert, ihn die Flammen fressen.«  " Ludovico Ariosto, Orlando furioso, Canto 22
 

 
Anmerkungen

[1] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1347; Ludovico Ariosto, Rasender Roland übersetzt von Otto Gildemeister. Berlin, 1882; vgl. Teil II und Anm. 29 sowie Kurse Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 556 - Torquato Tasso, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.
[3] Zu: Obwohl Schopenhauer den Politikern und der "Verfassung der meisten Mohammedanischen Reiche", eine "träge Vernunft" attestierte, Hölderlin sie als "Tyrannenknechte" und "Andre des rohen Volks" bezeichnete, wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern der Bock zum Gärtner gemacht. - so zum Beispiel Aydan Özoguz (SPD) zur "Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration". Sie will vor allem "fromme Muslime" nach Deutschland schleusen. Sie sagt: Was in Köln und anderen Städten geschah, hätte mit dem Islam nichts zu tun. "Wenn alle fromme Muslime gewesen wären, wäre das nicht passiert". Der Kommentar dazu wäre damals etwa so ausgefallen: "Die Mütter ziehn indes in die Moscheen, um zu dem bösen Lügnergott zu flehen". Der Chef des "Zentralrates der Muslime in Deutschland" liegt in den Armen der deutschen Bundeskanzlerin - und sie schwören ewige Treue. Diese und viele andere Tatsachen zeigen wie dekadent Europa schon geworden ist. Die natürlichen Feinde der Christen, die Sarazenen oder Muslime werden in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit offenen Armen empfangen, obwohl sie die Toleranz gnadenlos ausnutzen, um den muslimischen Glauben und die islamischen Unsitten in Europa weiter zu verbreiten - nicht nur in den Vororten von Paris oder Brüssel. Dies wäre damals völlig unverständlich gewesen. Von Urlaub in islamischen Ländern wird heute abgeraten, damals war es komplett unmöglich: "Weil er allein den weiten Weg durchmisst durch wilde Heidenländer fern im Morgen, wo niemand seines Lebens sicher ist." Sogar zuhause in Europa war man einem Haufen Sarazenen begegnet - was auch recht häufig geschah: "Doch vor Marseille machte sie der Horde der Heiden täglich fast das Leben schwer. Denn diese streiften jetzt mit Raub und Morde in Languedoc und der Provence umher", wusste was zu tun war: sie mussten bekämpft und vertrieben werden Vgl. Anm. 18 und Kurse Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 558 Calderon de la Barca, Nr. 505 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 512 Novalis, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance. Ib.
[4] Siehe Kurse Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 505 Schopenhauer. Ib.
[5] Zu: wenn Barbaren und Sarazenen Kirchen und Klöster schänden: "Der König Ludwig muss zur Truppenschau uns einen neuen Feldhauptmann entsenden, dass er zum Ruhm der Lilien streng und rauh die Frevler strafe, die mit Räuberhänden die Mönch' und Nonnen, schwarz und weiß und grau, und Tochter, Braut und Mutter ruchlos schänden und Christi Leib hinschleudern in den Staub, wegschleppend die Monstranz mit schnödem Raub" vgl. Anm. 4, 6 ff. und Kurse Nr. 558 - Calderon, Nr. 545 Sittenlehre. Ib.
[6] Zu: Vor den Toren von Paris stehen die Muslime - ähnlich wie heute die Islamisten in den Vororten von Paris:"zahllose Leitern führten schon die Heiden vorher aus aller Nachbarschaft heran, und Balken, Bretter, Flechtwerk auch aus Weiden, das man auf manche Art gebrauchen kann, und Schiff' und Brücken". Die Muslime dringen bereits in die Vororte: "Hatt' Agramant bereits die Fußsoldaten in die Pariser Vorstadt und ganz nah an Mauern und in Gräben vorgeschoben, um heut sein höchstes Können zu erproben." Sie wollen Paris und den christlichen Glauben zugrunde richten: "Die lügnerische Lehre Babels jagt und richtet deinen Glauben dann zu Grunde". Nicht nur Rom beschützt die Christenheit, "die Hauptstadt aller christlichen Völker. Der Spanier und Franzose, jeder ist da zu Hause. Wer zur Christenheit gehöret, sie sei wo sie wolle, ist ein Prinz in diesem Staate. Keinem Ort auf der Erde hat der Himmel so viele Gunst und Beständigkeit gegönnet." (Montaigne), auch ein Gralsrittertum schützt die bedrängte Christenheit, vgl. Anm. 8 und Kurse Nr. 557 - Ariosto, Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur in Frankreich, Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Ib.
[7] Zu: Die Muslime wurden immer mit dem Reich der Finsterniss assoziiert, so auch hier in der Schlacht um Paris: "Sein harter Brustharnisch und Panzerkragen bestand aus eines Drachen schupp'ger Haut; den hatt' um Brust und Rücken einst getragen sein Ahnherr, – er der Babel hat gebaut und Gott aus seinem goldnen Haus zu jagen, von seinem Sternenthron, sich hat getraut; Auch ließ er Helm und Schild und einen Degen vollkommen machen dieses Zweckes wegen." Auch heute noch haben Muslime keinerlei Ehrfurcht vor christlichen Kirchen und Klöstern. In der Türkei und in der Levante wurden sie von Mohammedanern zerstört und entweiht. Zerstörung von Kulturgütern ist das Einzige worauf sich das "Heidenvolk" der Muslime versteht. Nicht nur der IS zerstört Kirchen und Klöster, alle muslimischen Herrscher von der Türkei bis Saudi Arabien schänden christliche Heiligtümer. Die Heere der Sarazenen, jeder ein "Todfeind unsrer heil'gen Lehre" bestehen hauptsächlich aus Barbaren: "Kömmt Baliverz; im ganzen Heergesind ist er der größeste Halunk von allen.... Im ganzen Heere war kein Saracene verwegner und gewaltiger als der; Ihn fürchtete die Hauptstadt an der Seine und fürchtete mit gutem Grund ihn mehr als Agramant, Marsil und alle jene, die mitgekommen waren übers Meer, und mehr als einer im gesamten Heere war er ein Todfeind unsrer heil'gen Lehre." Nicht nur Montaigne ist erstaunt über diejenigen, die sich durch des "Mahomets Possen haben hinter das Licht führen lassen. Ihre Leidenschaft betäubt völlig ihre Sinnen und ihren Verstand... Ich komme daher auf die Gedanken, dass diese Eigenschaft von den gemeinen Irrtümern unzertrennlich ist. Wenn sich der erste aufmacht, drängen sich die Einbildungen; und folgen dem Winde, wie die Wellen. Man gehört nicht zu dem Haufen, wenn man sich desselben entschlagen kann, wenn man nicht den gemeinen Weg geht. Allein, gewiß, man tut den gerechten Parteien Schaden, wenn man ihnen durch Betrügereien helfen will" (Montaigne). Siehe Kurse Nr. 557 - Ariosto, Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung. Ib.
[8] Zu: Warum kommt es immer wieder dazu, dass die Christenheit von islamischen Barbaren, Sarazenen, Hunnen etc bedrängt wird? Sind sie als eine Art "Antichrist" dazu da, den christlichen Glauben der Europäer zu stärken? "Es scheint, dass ihre Frevel damals schon Die lichte Stirn des Herrn verfinstert hatten, denn Schändung, Raub und Mord und jeden Hohn Durft' überall sich Türk' und Mohr gestatten" vgl. Anm. 18
[9] Zu: "Wie kommt es, dass Christen gegen Christen kämpfen, "Wie kömmt es, dass ihr Christi Lehensleute ermordet und ihr Lehen an euch reißt und nicht Jerusalem von jener Meute Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt, und dass Constantinopel und den besten Teil dieser Welt der Türke darf verpesten?" Die Türken bzw. Osmanen hatten nicht nur die Pest verbreitet, sondern auch die Seelen verpestet. Auch heute darf die Türkei sich alles erlauben, das heutige Europa im Zusammenhang mit der Merkel-Administration verhängt bei türkischen Angriffskriegen keinerlei Sanktionen, sogar der Papst wertet den Islam auf, vgl. Anm. 18 und Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 627 St. Basilius der Große, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 619 Franz Werfel, Ib.
[10] "Man glaubt vernünftig zu urteilen, weil eine Menge unvernünftiger Leute so urteilet" (Augustinus, de Civitate Dei); zur heilsgeschichtlichen Verheißung vgl. Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 564 Aurelius Augustinus, Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung. Ib.
[11] Zu: Wenn Mohammedaner früher in Europa heiraten wollten, mussten sie sich erst taufen lassen - eine Option für das heutige Europa?, vgl. Anm. 14, 58 und Kurs Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[12] Vgl. Anm. 14 und  Kurs Nr. 509 Philosophie der Freiheit. Ib.
[13] Zu: Der Islam hat immer etwas mit schwarzmagischen Kräften zu tun. Allah ist der "Lügengott" und Gegenspieler des Christus und der Christenheit., vgl. Anm. 10 f., 14, 18 
[14] Zum "Lügengott" der Mohammedaner vgl. Anm. 18, sowie Kurse, Nr. 558 Calderon de la Barca, Nr. 513 Schelling: Philosophie der Mythologie, Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung, Nr. 506 Wladimir Solowjew: Europa im 21. Jahrhundert. Ib.
[15] Mehr zur Reconquista vgl. Kurse Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance. Ib.
[16] Zu den Methoden der muslimischen Sarazenen siehe Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur,Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance. Ib.
[17] Zu: Dem Schwören der Muslime kann man nicht trauen, denn als Muslim kann man Frauen alles versprechen, "Gott und die Heil'gen" werden ja nicht gefürchtet: "Doch denkt er nicht daran den Pact zu halten; Gott und die Heil'gen fürchtet er ja nicht; Was Wortbruch angeht, hat er seines gleichen selbst nicht in Afrika's verlognen Reichen. Der Heide schwört ihr Schwüre, tausendfache, dass er sie ferner nicht beläst'gen will" vgl. Anm. 11 und Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[18] Zur "amateurischen" Auslegung des Christentums und des Islams und zu: Heute kommen die christlichen bzw. atheistischen Politiker in die Moscheen und lassen sich den Koran, "jenes Buch des Heidenpfaffen" erklären und zeigen wie die Mohammedaner "zu dem bösen Lügnergott flehen". Sie meinen es sei der Gleiche wie der christliche Gott, was sogar die Päpste Johannes Paul II und Franziskus behaupten! Vgl. Anm. 3 und Kurse Nr. 557 - Ariosto, Nr. 558 Calderon de la Barca, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 512 Novalis, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik. Ib.
[19] "Sie haben den Busen und die Hände voll Citationen, Bittschriften, Verhöre, Acten, und Vollmachten. Sie sind mit ganzen Säcken Glossen, rechtlichen Bedenken, und Protokollen beladen, die das arme Volk in den Städten niemals in Sicherheit lassen: und sind vorn und hinten, und auf beiden Seiten, mit Notarien, Prokuatoren, und Advokaten umgeben, die sie niemals verlassen." (Ariosto); "Durch vieles Klügeln verirrt man sich selbst." Francesco Petrarca. Weitere Literatur in: Kurs Nr. 557 - Ariosto. Ib.
[20] 2 Korinth. I,12
[21] "Ich glaube, dass Orlando den übrigen Teil dieses Winters durch merkwürdige Taten getan hat. Allein, sie sind bisher so unbekannt geblieben, dass es meine Schuld nicht ist, wenn ich sie gegenwärtig nicht erzähle. Orlando ist stets mehr bereit gewesen, schöne Taten zu tun, als sie bekannt zu machen: und niemals ist eine von seinen Handlungen ausgekommen, wenn er nicht Leute um sich gehabt hat, welche Zeugen davon gewesen sind." (Ariosto); Weitere Literatur in: Kurs Nr. 557 - Ariosto. Ib.
[22] Zu den Greueltaten der Türken und Tataren vgl. Anm. 18 und Kurse  Nr. 557 - Ariosto, Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 506 Wladimir Solowjew. Ib.
[23] Vgl. Anm. 15
[24] Ib.
[25] Auch heute stehen die muslimischen Länder in Afrika, Asien und der Levante vor der Frage, wie sie aus dem Chaos herauskommen. Mit dem Islam ist es ihnen nicht gelungen und wird auch nicht gelingen. Einzelne muslimische Ritter, die früher "Den Saracenen und der schlimmen Bande" angehört hatten, haben erkannt: "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn". Diese Ritter wollen die eroberten muslimischen Länder sogar den Afrikanern wieder zurückgegeben wenn sie den christlichen Glauben annehmen. Viele die früher "den Saracenen und der schlimmen Bande" des Islam angehört hatten, haben erkannt: "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn" (Ariosto) und sind damit weiter als einige Bischöfe und Politiker in Europa, die den islamischen "Lügnergott" (Tasso) mit dem christlichen Gott verwechseln und sogar staatlichen islamischen Unterricht anbieten. Vgl. Anm. 18 und Kurse Nr. 563 Miguel de Cervantes, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre II-III, Ib. 
[26] Auch heute gibt es "Heidenkönige", die vom Christentum nichts wissen wollen und sich nicht lossagen wollen von "jener Rotte, meist ungläub'gen Hunden" (Ariosto). Dennoch gab es tapfere Heidenritter, denen die Lehren "Der wahren christlichen Religion" (Ariosto) gedeutet wurden, "Dass Christus Gott ist, Mahomed ein Wahn", wie zum Beispiel Feirefiß im Parzival. Siehe auch Anm. 6 und 18
[27] Eine neue Medizin ist durch das Christentum möglich - auch Muslime, die sich von Mohammed und seiner Lehre trennen um "Christus den lebend'gen zu bekennen" (Ariosto), können daran teilhaben. Siehe Anm. 6 und Kurse Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[28] Nicht nur Ariosto, auch Wolfram von Eschenbach sieht voraus, dass das muslimisierte Asien und Afrika sich wieder christianisiert, vgl. Anm. 6 und 26
[29] Ludovico Ariosto, Rasender Roland übersetzt von Otto Gildemeister. Berlin, 1882 ; Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1347, 1354, 1373 und FAZ 2022 Nr. 188, Nr. 189, Nr. 243; Jan Wiele 2022: Fatwa, unfassbar. Das Böse im Gewand der Tugend. Zum Attentat auf Salman Rushdie; vgl. Kurse Nr. 557 - Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 556 - Torquato Tasso, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie, Nr. 545 Sittenlehre I-II, Nr. 614 Sittenlehre III, Akademie der Kunst und Philosophie
[30] Ib.; Canto 6
[31] Ib.
[32] Ib.; Canto 7
[33] Ib.
[34] Ib.
[35] Ib.; vgl. Georg Friedrich Händel, Alcina III, Oper in drei Akten nach einer Episode aus Orlando furioso von Ludovico Ariosto
[36] Ib.; Canto 10
[37] Ib.
[38] Ib.
[39] Ib.
[40] Ib.; Canto 13; zur göttlichen Komödie vgl. Kurs Nr. 562 Dante Alighieri, Ib.
[41] Ib.
[42] Ib.; Canto 14
[43] Ib.
[44] Ib.
[45] Ib.; Canto 15; zu Oberon vgl. Kurs Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie, Ib.
[46] Ib.
[47] Ib.; zu St. Georg vgl. Kurs Nr. 506 Wladimir Solowjew, Ib.
[48] Ib.; Canto 16
[49] Ib.
[50] Ib.
[51] Ib.; Canto 17
[52] Ib.
[53] Ib.
[54] Ib.; Canto 18
[55] Ib.
[56] Ib.; Canto 20
[57] Ib.
[58] Ib.; Canto 22; vgl. Kurs Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[59] Ib.
 
 


Raffael, Le Parnasse avec Ariosto, Dante Alighieri, Homer, Rome, Vatican, Chambre de la Signature
 


Tiziano Vecellio, La Virgen con el Niño y Santos, musei vaticani
 
 


Ludovico Lana, 1597-1646, Pala della peste, chiesa del Voto, Modena
Madonnenbilder sollten die Städte vor der Pest schützen und der Pest des arianischen bzw. islamischen Wahnsinns, der alles verpestenden (verpesteter Windeshauch - Alexander von Humboldt) Osmanen bzw. Türken
 
 


Tiepolo, St Thecla Liberating the City of Este from the Plague and Pestilence of Turks, 1758-59, church of Santa Tecla
 
 
 
 


Guido Reni, Pala della Peste
 


Francesco Botticini, I tre Arcangeli e Tobias, drei Erzengel, Michael, Raphael, Gabriel, 1470, Uffizien, Florenz

In seiner Komödie "LOS GUANCHES DE TENERIFE" lässt Lope de Vega sogar den Erzengel Michael auftreten und zeigt damit wie der Erzengel in Zukunft alle diejenigen behandelt, die wie die islamischen Türken und Mauren gegen das Evangelium Christi handeln: "salga o baje de alto el arcángel San Miguel con una espada desnuda." Er erscheint EL REY BENCOMO, dem König von Teneriffa: "Rey de Tenerife, escucha... Rey, yo soy el Capitán de la milicia del cielo, a quien también la del suelo... yo aquestas islas conquisto; / ya el Evangelio de Cristo / quiere tomar posesión / Dales piadosa acogida; / que si no te rindes luego, / con esta espada de fuego / vendre a quitarle la vida" (König von Teneriffa, hören Sie zu ... König, ich bin der Kapitän der Himmelsmiliz, der auch mitunter auf den Boden kommt... Ich ließ die Inseln erobern und zwar für das Evangelium Christi. Geben Sie ihnen fromme Begrüßung; wenn Sie später nicht aufgeben, komme ich mit mit diesem Schwert des Feuers um dir das Leben zu nehmen). Vgl. Kurs Nr. 637 Lope de Vega II, Ib.

Auch in seiner Komödie "EL CONDE FERNÁN GONZÁLEZ" streitet der Erzengel Michael auf Seiten der Christen. Die christliche Sonne mit ihrem "Capitán de la milicia del cielo" (Kapitän der Himmelsmiliz), dem Erzengel Michael, werden von den islamischen Halbmonden z.B. des Almanzor vergeblich bekämpft: "A nuestro cristiano sol, / tu luna opusiste en vano. / Mira el estrago que han hecho / trescientos hombres, por quien / un mar de sangre también, / desde el pie te llega al pecho. / En él podrás este día / nadando, a Córdoba ir, / que no te quiero seguir / para no manchar la mía." (unsere christliche Sonne hat Ihr Mond vergeblich bekämpft. Schauen Sie sich die Verwüstung an, die dreihundert Mann unter den Mauren angerichtet haben, ein Blutmeer, vom Fuß bis zu ihrer Brust. In ihm können sie diesen Tag schwimmend nach Cordoba gelangen. Ich will nicht folgen um mich nicht zu beflecken). Nicht nur der Erzengel Michael sondern auch ein weiterer "capitán divino" (göttlichen Hauptmann) hilft den christlichen Spaniern gegen die muslimischen Mauren: Es ist der Apostel, Cousin Christi, dessen heiliger Leib in Galizien, in Santiago de Compostela aufbewahrt wird: "con un capitán divino iremos, / y el socorro que pides te daremos... Es el Apóstol primo de Cristo, cuyo cuerpo santo goza Galicia en Compostela." Allerdings werden falsche Christen genauso bekämpft wie Mauren. 
Vgl. Kurs Nr. 637 Lope de Vega II, Ib

Ebenso lässt Ludovico Ariosto in seinem "Orlando Furioso" den Erzengel auftreten. Vor den Toren von Paris stehen die Mohammedaner - ähnlich wie heute die Islamisten in den Vororten von Paris: "zahllose Leitern führten schon die Heiden vorher aus aller Nachbarschaft heran, und Balken, Bretter, Flechtwerk auch aus Weiden, das man auf manche Art gebrauchen kann, und Schiff' und Brücken". Die Muslime dringen bereits in die Vororte: "Hatt' Agramant bereits die Fußsoldaten in die Pariser Vorstadt und ganz nah an Mauern und in Gräben vorgeschoben, um heut sein höchstes Können zu erproben." Sie wollen Paris und den christlichen Glauben zugrunde richten: "Die lügnerische Lehre Babels jagt und richtet deinen Glauben dann zu Grunde". Der Erzengel Michael kommt zu Hilfe und sieht bei dieser Gelegenheit wie es um die Christenheit bestellt ist: Der "Lügengott" der Muslime wirkte verheerend: "Sie kamen dichtgeschlossen Mann an Mann mitten ins Lager, wo die Christen lagen, und stimmten laut der Heiden Schlachtruf an »Spanien und Afrika,« um sich anzusagen." Und die Belagerung von Paris begann erneut. Der Erzengel Michael musste den Christen wieder zu Hilfe eilen. Vgl. Kurse Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Ib
 
 



Giovanni da Modena, Mohammed being tortured in Hell (detail); This picture is of an early Renaissance fresco in Bologna's Church of San Petronio, the fresco is in an inaccessible part of the church and is now only visible at an angle from a distance; this old black-and-white image shows a straight frontal view of the figures. In 2002, Islamic extremists plotted to blow up the church in order to destroy the image

In Ariostos "Orlando furioso" hat sich Astolf sich einiges zugemutet als er zu den »Höllenbolgen« reist: "Der Ritter wollte da hinuntergehn, / Um die zu schaun, die keinen Tag mehr schauen, / Und, um die Höllenbolgen anzusehn, / Sich bis zum Mittelpunkt der Welt getrauen." »Höllenbolgen« sind nach dem von Dante eingeführten Terminus technicus die Stufen oder Abschnitte der trichterförmigen Terrasse, als welche er die Hölle darstellt. "Die Hölle" in Dantes "Divina Commedia" (Göttliche Komödie) umfasst ausser dem Vorhof neun Höllenkreise, die wie ein Trichter im Mittelpunkt der Erde zusammenlaufen, dem Sitz Luzifers. Je tiefer die Seelen der Verdammten, umso größer ihre Verfehlungen und umso größer auch ihre Strafen. Dantes Mahnungen und Warnungen stehen in vollem Einklang mit der Lehre der Kirche, der er sich als Autorität immer unterworfen hat. Grunddogma ist für ihn der Glaube an die Dreieinigkeit Gottes. Thomas von Aquin und Albertus Magnus befinden sich im Paradies; Mohammed, den Dante als Irrlehrer, sittenlos und gewalttätig, beurteilt, der das Böse wollte und sich darin verhärtete, befindet sich in der Hölle. Am Eingang der Hölle heißt es: „Das sind die Stifter falscher Lehren / und allerlei sektiererischer Anhang. / Viel voller als du denkst, sind diese Gräber. / In Massen liegen Gleichgesinnte drin, / und eingebettet in gestufte Gluten" (Dante, Göttliche Komödie IX Inferno). In Dantes Göttlicher Komödie erleidet z.B. Mohammed in der Hölle das, was er in seinen "satanischen Versen" (Koran) den Nicht-Muslimen, also denen, die nicht an die islamischen Zeichen (Koran, Halbmond, Mohammed und Allah) glauben, androht.  In über 200 Suren-Versen des Koran droht Allah den NichtMuslimen irdische und ewige Strafen an. Dante begegnet Mohammed, "der Zwietrachtstifter Mohammed" oder "Mahom" genannt, im tiefsten Höllenschlund. Er klagt sich selber an, seinen gerechten Lohn erhalten zu haben: "Ein Fass, dem Dauben oder Querholz fehlen, / ist nicht so löchrig wie der Sünder (Mohammed) war, / bei dem's vom Kinn bis an den After klaffte./ Zwischen den Beinen hing ihm das Gedärm. / Herz, Leber, Lunge sah man und den Sack, / der Kot aus allem macht, was wir verschlucken. / Indess ich mit den Augen ihn durchbohre, / blickt er auf mich und öffnet sich die Brust / mit Händen: 'Schau nur!' rufend, 'Selbstzerreißung! / Betrachte den verstümmelten Mohammed! / Der vor mir geht und jammert, ist Ali (der Kalif, der die Mohammedaner in zwei Sekten spaltete), / das Angesicht vom Kinn zum Schopf zerschlitzt. / Und Ärgernis und Zwiespalt haben alle, / die du hier siehst, erregt in ihrem Leben, / drum sind sie ebenso zerspalten hier. / Dort hinten steht ein Teufel, der zerstückt, / mit Schwertesschärfe feden dieser Sekte / gar grausam jedesmal, dass uns der Weg / dieselbe Schmerzensstraße führt im Kreis. / Denn immer schließt sich unsere Verwundung, / bevor an ihm vorbei wir wieder kommen. / Jedoch, wer bist du, dass du spähst und schnüffelst / dort auf der Brücke und die Strafe wohl, / die zugesprochene, verzögern möchtest?' / 'Der Tod hat ihn', erwiderte mein Meister (Vergil), / 'noch nicht ereilt, noch soll er Sünden büßen. / Damit ihm aber volle Kenntnis werde, / muss ich, der schon Gestorbene, ihn führen / von Kreis zu Kreis hienieden durch die Hölle. / Das ist so wahr wie, dass ich sprech zu dir.' / Es waren mehr als hundert, die das hörten, / und blieben stehn, vergaßen ihre Qual / und staunten aus dem Graben nur nach mit."(Dante, Göttliche Komödie XXVIII Inferno), vgl. Kurse Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 558 Calderon de la Barca, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 500 St. Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 579 Albertus Magnus, Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


Tiziano Vecellio, Portrait of Ariosto, 1510
 

Ludovico Ariosto
Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Arts and Philosophy
DI. M. Thiele, President and international Coordinator
M. Thiele College of Beetherapy / Academy of Arts and Philosophy / Sciences

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Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres, der Renaissance, des Barock, der Aufklärung, des Idealismus, der Romantik vgl. Kurse:Nr. 551 G.W.F. Hegel I, Nr. 660 G.W.F. Hegel II, Nr. 511 Johann Gottlieb Fichte I, Nr. 658 Johann Gottlieb Fichte II, Nr. 509 F.W.J. Schelling I, Nr. 510 F.W.J. Schelling II, Nr. 513 F.W.J. Schelling III, Nr. 505 Arthur Schopenhauer I-II, Nr. 663 Arthur Schopenhauer III, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 020 Johann Wolfgang von Goethe I-II, Nr. 553 Friedrich Schiller I-II, Nr. 554 Friedrich Hölderlin I-II, Nr. 512 Novalis, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr. 631 Adelbert von Chamisso, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 665 Molière, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 629 Voltaire I-II, Nr. 621 Lord Byron, Nr. 628 Percy Bysshe Shelly, Nr. 561 Sir Walter Scott, Nr. 555 Angelus Silesius, Nr. 634 Hans Sachs, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 588 Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Nr. 550 Fjodor M. Dostojewskij I-II, Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Nr. 661 Philosophie der Geschichte, Nr. 659 Wissenschaftslehre I, Nr. 666 Wissenschaftslehre II, Nr. 545 Sittenlehre I-II, Nr. 614 Sittenlehre III, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre I-II, Nr. 641 Staats- und Rechtslehre III, Nr. 644 Staats- und Rechtslehre IV, Nr. 655 Staats- und Rechtslehre V, Nr. 618 St. Ephraim der Syrer, Nr. 617 St. Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 627 St. Basilius der Große, Nr. 625 Theodorus Abucara, Nr. 624 Byzantinische Wissenschaft / Philosophie, Nr. 653 St. Cyprianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 654 St. Augustinus III, Nr. 579 St. Albertus Magnus, Nr. 500 St. Thomas von Aquin I, ScG, Nr. 501 St.Thomas von Aquin II,  Sth I., Nr. 502 St.Thomas von Aquin III, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas von Aquin IV, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas von Aquin V, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 558 Calderón de la Barca, Nr. 648 Calderón de la Barca II, Nr. 650 Calderón de la Barca III, Nr. 651 Calderón de la Barca IV, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 637 Lope de Vega I, Nr. 638 Lope de Vega II, Nr. 642 Lope de Vega III, Nr. 643 Lope de Vega IV, Nr. 652 Juan Ruiz de Alarcón, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 552 William Shakespeare II, Nr. 559 Wolfram von Eschenbach, Nr. 560 Walter von der Vogelweide, Nr. 662 Gottfried von Strassburg, Akademie der Kunst und Philosophie

Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 591 Paolo Veronese, Nr. 597 Correggio, Nr. 670 Annibale Carracci, Nr. 520 Rembrandt, Nr. 598 El Greco, Nr. 620 Giovanni Battista Tiepolo, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 656 Andrea Solari, Nr. 657 Bernadino Luini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 635 Rogier van der Weyden, Nr. 640 Stefan Lochner, Nr. 646 Michael Pacher, Nr. 647 Peter Paul Rubens, Nr. 649 Giotto di Bondone, Nr. 626 Luca Signorelli, Nr. 610 Piero della Francesca, Nr. 596 Perugino, Nr. 522 Raffael (Raffaello Sanzio), Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 608 Domenico Ghirlandaio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio da Fossano detto il Bergognone, Nr. 636 Eugène Delacroix, Nr. 639 Bartolomé Esteban Murillo, Akademie der Kunst und Philosophie



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Letzte Bearbeitung:19.10.2022