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Kurs Nr. 680 Nikos Kazantzakis![]() |
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"Ich fuhr mit einem Segelfrachter, der die anmutigen Inseln der Ägäis - Santorin, Naxos, Paros, Mykonos - anlief. Ich sage es und sage es wieder: 'Eine der größten Freuden, deren der Mensch auf dieser Welt gewürdigt werden kann, ist, im Frühling die Ägäis zu bereisen, umhaucht von einer leichten Brise; ich habe mir das Paradies niemals anders vorstellen können. Welche andere Freude im Himmel und auf Erden kann besser im Einklang mit dem Körper und der Seele des Menschen stehen?" - Nikos Kazantzakis, Rechenschaft vor El Greco "Sie freute sich darauf Christin zu werden und ohne Schleier auf die Straße zu gehen. In der Kirche hoffte sie Ausschau halten zu können und selber gesehen zu werden. Luft und Sonne würden frei um sie spielen, sie würde griechische Blusen und Kleider mit Rüschen tragen und ihr rabenschwarzes Haar zu Freude der Welt zur Schau stellen. Christus war für sie eine Tür, die sie öffnen konnte, um durch sie ohne Schleier auf die Straße hinauszuschreiten." - Nikos Kazantzakis, O kapetan Michalis |
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Aus dem Inhalt:
1. Leben und WerkNikos Kazantzakis wurde am 18. Februarjul. / 2. März 1883 (greg.) in Iraklio, Kreta, geboren; gestorben ist er am 26. Oktober 1957 in Freiburg im Breisgau. Er war einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein bekanntester Roman Alexis Sorbas (1946) wurde 1964 von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Hauptrolle verfilmt. Nikos Kazantzakis wuchs als Sohn eines Kaufmanns in der Stadt Megalo Kastro, dem heutigen Iraklio, im damals von Türken (osmanisch) besetzten Kreta auf. Sein Vater kämpfte gegen die türkischen Besatzer, seine Mutter stammte aus einer Familie von Bauern. Von 1902 bis 1906 studierte er an der Universität Athen Rechtswissenschaften. Bereits damals entstanden seine ersten Werke. Mit dem Roman Der Tag bricht an (1907) wurde Kazantzakis in ganz Griechenland bekannt. Nachdem er das Studium in Athen mit der Note „sehr gut“ abgeschlossen hatte, erlaubte ihm sein strenger Vater, drei Monate durch Griechenland zu reisen; ein Erlebnis, welches den Autor nachhaltig prägte. 1907 begab er sich nach Paris, um am Collège de France Staatswissenschaften bei Henri Bergson zu studieren, den er später als einen seiner wichtigsten Lehrer bezeichnete. In dieser Zeit entstanden weitere Romane, Dramen und philosophische Texte. Kazantzakis schloss sein Studium mit einer Dissertation über Friedrich Nietzsche ab, der für ihn insbesondere wegen seines unbeugsamen Freigeistes zu einem Vorbild wurde. Ebenfalls 1907 wurde Nikos Kazantzakis Freimaurer. Er bereiste unter anderem Griechenland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Russland, China, Japan, Italien, Ägypten, Palästina und Spanien. In einigen dieser Länder ließ er sich für kurze Zeit nieder (z. B. in Berlin von 1920 bis 1923). Er arbeitete als Journalist, Auslandskorrespondent, Übersetzer und Autor. Von 1916 bis 1917 versuchte er sich mit Hilfe seines Freundes Georgios Sorbas, den er kurz zuvor auf dem Heiligen Berg Athos kennengelernt hatte, als Pächter eines Bergwerks im Dorf Prastova auf der Halbinsel Mani, im Süden der Peloponnes. Das Projekt scheiterte, lieferte ihm aber 30 Jahre später die Vorlage für seinen bekanntesten Roman, Alexis Sorbas, in dem er seinem Freund Georgios Sorbas ein literarisches Denkmal setzte. Nach dem Scheitern der Bergbaupläne engagierte sich Kazantzakis in der griechischen Politik. Einige Monate war er Generaldirektor des Ministeriums für Soziales unter Venizelos (1919/1920). In dieser Funktion organisierte er im Auftrag von Venizelos die Repatriierung von 150.000 der sogenannten Pontosgriechen aus dem Kaukasus ins Mutterland. Dabei begleitete ihn wieder Georgios Sorbas. In dieser Phase seines Lebens entstanden wichtige Übersetzungen (Dantes Göttliche Komödie, Goethes Faust), das Werk Askitiki (Asketik) und viele Reiseberichte. Kazantzakis bereiste zwar die Sowjetunion, schrieb Drehbücher, Essays und Artikel in der Prawda. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde Kazantzakis in Griechenland kurzfristig verhaftet. Nach kurzer Zeit wandte er sich jedoch, wie alle vernünftigen Intellektuellen, vom Kommunismus ab. Zwischen 1928 und 1932 lebte er insgesamt für mehrere Monate im kleinen erzgebirgischen Ort Försterhäuser (Myslivny) in der Tschechoslowakei, um in Ruhe arbeiten zu können und sich inspirieren zu lassen. Im Jahr 1936 fand Kazantzakis zum ersten Mal eine Heimat: Er ließ sich auf der Insel Ägina nieder. Hier lebte er mit seiner neuen, langjährigen Weggefährtin Eleni Samiou zusammen, die er 1945 heiratete. Auf Ägina begann eine sehr produktive Zeit. Kazantzakis beendete eines seiner Hauptwerke, die Odyssee, und begann mit der Niederschrift von Alexis Sorbas, Die letzte Versuchung, Freiheit oder Tod und arbeitete an seinem Werk über Buddha. Außerdem war er weiter in der Politik aktiv, unternahm Reisen und arbeitete ein Jahr lang für die UNESCO. 1948 zog Kazantzakis mit seiner Frau Eleni nach Antibes. In den nächsten Jahren erschienen Die letzte Versuchung Christi und Griechische Passion, als Oper 1958 von dem tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu komponiert. Die katholische und die orthodoxe Kirche verurteilten Kazantzakis aufgrund der Bücher und der darin bestehenden Auslegungen des Lebens Christi und der kritischen Darstellung der großen Kirchen. Papst Pius XII. setzte Die letzte Versuchung Christi auf den Index der verbotenen Bücher (1954). Im Jahr 1953 wurde bei Nikos Kazantzakis Leukämie diagnostiziert, daher lebte er einige Monate im Kurhaus von Cademario. In den Jahren, die ihm verblieben, beendete er die Werke Kapitän Michalis, den autobiografischen Roman Rechenschaft vor El Greco sowie Mein Franz von Assisi. Am 28. Juni 1956 verlieh ihm der Weltfriedensrat in Wien den Internationalen Friedenspreis für das Jahr 1955. 1957 trat Kazantzakis eine Reise nach China an. Da er über Japan zurückreiste, musste er sich zuvor in Kanton impfen lassen. Beim Rückflug über den Nordpol brachen heftige Symptome aus, sein Arm schwoll an der Injektionsstelle an. Kazantzakis ließ sich in der Universitätsklinik Freiburg behandeln. Die Erkrankung schien zunächst abzuklingen, doch Kazantzakis war geschwächt und starb am 26. Oktober. Er wurde 74 Jahre alt. [1]Der größte Flughafen Kretas in seiner Heimatstadt Iraklio wurde nach ihm benannt: englisch Heraklion International Airport “Nikos Kazantzakis”. Im Geburtsort seines Vaters, dem Dorf Myrtia auf Kreta, wurde 1983 ein Nikos-Kazantzakis-Museum eröffnet. 1994 wurden Myrtia und weitere Ortschaften zu einer neuen Gemeinde namens Nikos Kazantzakis vereinigt. Im Historischen Museum von Kreta in Iraklio sind mehrere Säle Nikos Kazantzakis gewidmet. Hier befindet sich der größte Teil des Archivs von Nikos Kazantzakis: unter anderem seine Bibliothek, Manuskripte, Fotografien, Ausgaben seiner Werke in mehr als 30 Sprachen und persönliche Gegenstände. In einem Raum wurde sein Büro in Antibes rekonstruiert. Nikos Kazantzakis ist vor allem durch seine Romane bekannt. Seine zentralen Themen sind der Kampf gegen die Türkenherrschaft auf Kreta, Religion und Heuchelei, die animalische Vitalität des Lebens und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Es finden sich immer wieder starke Vaterfiguren in Kazantzakis’ Büchern. Insbesondere „Kapitan Michalis“ ist eine Hommage an seinen eigenen Vater. In vielen Büchern wird die schwierige Beziehung von Vätern und ihren Söhnen beschrieben. Andere wichtige Figuren sind die lebensfrohen, vitalen Menschen wie „Alexis Sorbas“ oder der „Hirtenjunge Nikolios“. Denen gegenüber stehen die innerlich zerrissenen Personen wie der Erzähler in Alexis Sorbas oder sein „Jesus von Nazareth“ in Die letzte Versuchung Christi, die erst nach langem Kampf zu sich selber finden. [2] Eine Auswahl seiner Werke: 1927 Askitiki Askese
= Salvatores Dei, deutsch von Argyris Sfountouris, Zürich: Arche 1973,
Adaptionen, Verfilmungen 1957: Der Mann, der
sterben muss (Celui qui doit mourir; Regie: Jules Dassin) nach dem Roman
Griechische Passion
Musiktheater Bohuslav Martinu:
The Greek Passion („Griechische Passion“, Oper, UA 1958)
Literatur Peter Bien: Kazantzakis
– Politics of the spirit. Princeton University Press, Princeton 1998,
2. Anafora ston Greko, Rechenschaft vor El GrecoIm Kapitel "Kampf zwischen Kreta und den Türken" geht es um die Sehnsucht nach Freiheit von der elenden Türkenherrschaft, wobei der Begriff "Türke" für Unwissenheit, Finsternis, Gottlosigkeit, Bosheit, Neid, Faulheit usw. steht: "Dass man sich von dem Türken befreie, das war die erste Stufe. Später begann der weitere Kampf, sich von dem Türken im eigenen Innern zu befreien, von der Unwissenheit, von der Bosheit, vom Neid, von der Angst, von der Faulheit, von blendenden falschen Ideen, von Götzen und Götterbildern ... immer derselbe Kampf, der ewige; und immer hinter dem Guten, hinter dem Licht, hinter Gott: Kreta, und hinter dem Bösen, hinter der Finsternis und dem Teufel: die Türken." [3]Als Beschützer der Griechen galt der heilige Minas. Im Kapitel "Sehnsucht und Flucht" heißt es: "Die Herzen gingen auf, alles Unheil wurde vergessen, alle wurden eins, sie vergaßen ihre Namen, sie waren keine Sklaven mehr, es gab keinen Streit und keine Türken und keinen Tod, alle nun in der Kirche mit ihrem Anführer, Kapitän Minas hoch zu Ross, vereint, spürten, dass sie ein unsterbliches Heer waren; ... (die Türken) waren wieder einmal versammelt, um sich auf die Christen zu stürzen, und der heilige Minas, hoch zu Ross, sprengte gegen das türkische Wohnviertel vor; da erblickte ihn der halbverrückte Hodscha-Mustafa, begann zu rennen und zu schreien: 'Allah, Allah, der heilige Minas kommt über uns! Da sahen ihn die Türken in seiner goldenen Rüstung ... ihre Knie wurden weich ... er war der Anführer der Christen, und Hassan-Bey, der blutrünstige Bekämpfer der Christen." Ähnlich wie die Griechen, wurden auch die Armenier aus türkisch besiedelten Gebieten vertrieben. Auch heute noch: "Mehr als hunderttausend Armenier wurden aus Bergkarabach vertrieben. Mittlerweile ist der letzte Bus mit Flüchtlingen in Armenien eingetroffen. Jahrhunderte haben Armenier in Bergkarabach oder Arzach (so lautet der armenische Name) gelebt. Und das ist jetzt vorbei. Es gibt keine Armenier mehr in Bergkarabach. Dafür gab es ein wenig Mitleid, ein bisschen EU-Geld für die Flüchtlinge, aber bisher keine Sanktionen gegen Aserbaidschan. Kaum sind die Armenier weg, dürfen auch UN-Beobachter aus Baku anreisen, um zu beobachten – ja was eigentlich? Menschenleere Straßen, zurückgelassene Tiere, halb volle Teegläser auf Küchentischen, die nagelneuen Straßenschilder, auf denen nun Khankendi steht anstatt Stepanakert? Um einmal noch durch die Varghanian-Straße zu fahren, bevor sie, wie von Aserbaidschan angekündigt, bald Enver-Pascha-Straße heißt, benannt nach einem der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern 1915? Die Vertreibung der Armenier aus Bergkarabach geschah, wie bei Vertreibungen üblich, mit Ansage. Seit dem Krieg 2020 kontrollierte Aserbaidschan den Großteil der Region. Dann wurde die Bevölkerung monatelang ausgehungert und von medizinischer Versorgung abgeschnitten. Am 19. September schließlich griff aserbaidschanisches Militär Bergkarabach an. Raketen, Artillerie, das volle Programm. Auch Zivilisten wurden getötet und verletzt. Man musste kein Hellseher oder Thinktank-Mitarbeiter sein, um zu sehen, dass nichts Gutes zu erwarten ist von einem Diktator, der seit Jahren zuverlässig Armenier als „Barbaren“, „Ratten“, als „bösartigen Tumor“ bezeichnet. Der Sätze von sich gibt wie: „Die Armenier haben weder Gewissen noch Moral. Sie haben nicht einmal ein Gehirn. Wie Hunde werden wir sie verjagen!“ Auch wenn er zwischendurch großmütig behauptet, dass er nichts gegen Armenier habe und ihnen nur helfen wolle. Sozialprogramme einrichten, Arbeitsplätze schaffen und so. Ja, ja... Es ist zwar nett, dass Bundeskanzler Scholz Diktator Aliyev jetzt anruft, auf eine „Verhandlungslösung“ dringt und „einen dauerhaften Frieden fordert“, aber auch ein bisschen spät. Und jetzt, da Bergkarabach armenierfrei ist, hat Aliyev schon sein nächstes Ziel verkündet: West-Aserbaidschan – er meint damit armenisches Staatsgebiet. Darüber hat er sich letzte Woche bereits mit Erdogan in der aserbaidschanischen Enklave Nachitschewan beraten. Erdogan hat ihm zu seinem „historischen Erfolg“ gratuliert und die türkisch-aserbaidschanische Bruderschaft beschworen, getreu dem Motto „Ein Volk – zwei Nationen“. Man plane sogar eine Pipeline zusammen. Doch am liebsten wäre ihnen eine direkte Verbindung zwischen Aserbaidschan und der Enklave Nachitschewan, dem sogenannten Sangesur-Korridor, dann könne man von Baku direkt in die Türkei fahren. Nur blöd, dass dieser Sangesur-Korridor durch Armenien verläuft. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass Aliyev mit Gewalt Fakten schafft. Wie auch Erdogan nicht nur einmal mit Gewalt Fakten schuf – man denke an seine völkerrechtswidrigen Angriffskriege und Besetzungen in Nordsyrien (Operation „Olivenzweig“ 2018 und Operation „Friedensquelle“ 2019). Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass die einzige Antwort aus Europa nur ein paar mahnende Worte wären... Allerdings hat das armenische Parlament nun das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs ratifiziert. Damit unterstellt sich Armenien der Gerichtsbarkeit der Den Haager Institution (sehr zum Ärger Putins, denn den müsste Armenien im Falle eines Falles dann ausliefern). Und Frankreichs Außenministerin ist nach Eriwan gereist (leider ohne Baerbock, die hatte die Einladung ausgeschlagen) und zeigte sich offen gegenüber der Idee, Waffen an Armenien zu liefern. Es bleibt zu hoffen, dass die EU mit Sanktionen gegen Aliyev nachzieht, dass die Vertreibung von mehr als hunderttausend Armeniern nicht folgenlos bleibt." Man sollte meinen, dass die Türken heute moderater geworden sind. Sieht man sich jedoch die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und türkische Unterstützung der Aserbaidschaner gegen die christlichen Armenier an, so haben wir auch an den heutigen Türken wieder ein Beispiel für "blutrünstige Bekämpfer der Christen", was in Deutschland nicht gefördert werden sollte. Das sah der Gründer von Rapunzel, Joseph Wilhelm, anders; die militärische Besetzung Nordzyperns durch die Türkei (1974), inspirierte ihn, 1976 nicht Griechenland, sondern die Türkei zu fördern. Nicht nur Aldi, Lidl, Alnatura & Co fluten den deutschen Markt mit Feigen, Aprikosen, Sultaninen, Oliven, Haselnüssen, Mandeln aus der Türkei, sondern auch Rapunzel; sie werben mit dem Slogan: "Bio.Fair.Rapunzel. Türkei Anbau-Projekt seit 1976". Als "Bekämpfer der Christen" zeigt sich der türkische Präsident auch in seinem Kampf gegen Griechenland. Er benötigt die Eurofighter vor allem gegen Griechenland. Es geht immer auch um die sogenannte Casus-Belli-Politik. "In der Ägäis verwehrt die Türkei Griechenland die Ausweitung seiner Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Meilen. Für diesen Fall droht die Türkei ihrem NATO-Partner mit einer militärischen Reaktion. Das Parlament in Ankara hat die Streitkräfte dazu schon 1995 ermächtigt." Angesichts der israelfeindlichen Äußerungen des türkischen Präsidenten und der „Staatsräson“ Deutschlands mit Blick auf die Sicherheit Israels darf es keine neuen Projekte mit der türkischen Seite geben, erst recht nicht bei Rüstungsfragen, die Griechenland bedrohen. Schließlich gibt es genug „befremdliche Drohgebärden“ Erdogans gegenüber Griechenland. Solange er diese nicht vollständig einstellt bzw. die Hagia Sophia als Kiche den Griechen überlässt, dürfen keine Eurofighter an das Land verkauft werden. [4] Grundsätzlich geht es um die Bedeutung der griechischen Siege für die ganze Menschheit, der Kultur gegen die Barbarei. Auch nach dem großen Freiheitskampf 1821 musste Griechenland sich immer wieder von Türken befreien: "Alle Christen, die Kinder hatten, fuhren mit Dampfern und Frachtschiffen zum freien Griechenland hinüber, die anderen flüchteten in die Berge." [5] Auf dem Berg Athos wurde ihm klar, dass in der heutigen Zeit, sein Ziel nicht sein kann ins Kloster zu gehen, sondern in ihm reifte die Meinung "das Kloster ist die Welt"; natürlich sollte man sich nicht so verhalten wie Sultane der damaligen Zeit: Es gab einen Sultan, der besaß 365 Frauen in seinem Harem. Eines Tages besuchte er ein Kloster und erblickte dort einen Asketen. "Welch großes Opfer du da bringst", sagte er zu ihm und sah ihn mitleidig an. "Dein Opfer ist noch größer", antwortete der Asket. "Wieso das?" - "Weil ich der vergänglichen Welt entsage, du aber der ewigen!" [6] Sein Vater oder Großvater würde sich auf die Ungläubigen stürzen; er würde Abends vom Krieg heimkehren und vor den Heiligenbildern seines Hauses unter der Ikone des Gekreuzigten die blutigen Türbane der Christenbekämpfer hinlegen; so würde auch ihm leichter werden ums Herz. [7] Im Kapitel "Wüste Sinai" wird deutlich, "warum die Orientalen den Koran lesen, indem sie sich nach vorn und hinten gleichmäßig bewegen, als ritten sie auf einem Kamel." Dadurch geraten sie in eine Art Ekstase, die ihnen das Muslim-Paradies vorgaukelt: "Ihr Paradies, das moslemische ... 333 Frauen die schönsten ... geschminkt." [8] Kazantzakis wurde von der Regierung damit beauftragt, die Rettung der Griechen aus dem Kaukasus zu leiten: "Vom Süden her beschlugen die Kurden alle Griechen, die sie fingen, mit Hufeisen, und vom Norden her stiegen die Bolschewiken herab mit Feuer und Beil; und in der Mitte saßen die Griechen von Batum, von Sochum, von Tiflis, von Thar, und die Schlinge wurde immer enger um ihren Hals, sie warteten, hungrig, nackt, krank auf den Tod. Von der einen Seite also der Staat, von der anderen die Gewalt, die ewigen Verbündeten." Als sie an der Hagia Sophia vorbei fuhren, sagte einer: "Verdammt sei die Hure, sie schläft mit den Türken!", ein anderer sang aus einem alten Volkslied: "Sie wird nach Jahren, mit der Zeit, wieder die unsrige werden..." Sie fuhren durch ganz Georgien, kamen nach Armenien; "vor Kars hatten in jenen Tagen die Kurden drei Griechen gefasst und hatten sie wie Maultiere beschlagen." [9] Auf einer Reise durch die Ägäis wurde der Keim zu seinem berühmten Werk "Odyssee: ein modernes Epos" gelegt. Darüber schreibt Kazantzakis folgendes: "Ich fuhr mit einem Segelfrachter, der die anmutigen Inseln der Ägäis - Santorin, Naxos, Paros, Mykonos - anlief. Ich sage es und sage es wieder: 'Eine der größten Freuden, deren der Mensch auf dieser Welt gewürdigt werden kann, ist, im Frühling die Ägäis zu bereisen, umhaucht von einer leichten Brise; ich habe mir das Paradies niemals anders vorstellen können. Welche andere Freude im Himmel und auf Erden kann besser im Einklang mit dem Körper und der Seele des Menschen stehen?" Das sah Zeus ähnlich,
wie man kürzlich in einem Artikel erfahren konnte: "Dieses Weltereignis
wollte sich Zeus nicht entgehen lassen. Und so stieg der Göttervater
von seinem Regierungssitz, dem 2917 Meter hohen Olymp, herab, einmal nicht,
um einer weiteren Frau nachzustellen, sondern, um der Geburt göttlicher
Nachkommen beizuwohnen. Diesmal war es die schöne Titanentochter Leto,
die er geschwängert hatte. So begab er sich nach Delos und ließ
sich auf dem 112 Meter hohen Kynthos nieder. Zuvor hatte seine eifersüchtige
Gattin Hera vergebens versucht, die Niederkunft der Rivalin zu verhindern.
Hera trieb Leto durch die Welt, setzte die Riesenschlange Python auf sie
an und trotzte der Erde das Versprechen ab, der Schwangeren keinen Platz
zum Gebären zu geben. Zeus jedoch konnte sich auf seinen Bruder, den
Meeresgott Poseidon, verlassen. Der ließ aus dem Wasser eine kleine
schwimmende Insel, Delos, auftauchen, die er mit seinem Dreizack am Meeresboden
festzurrte. Dann war es Hermes, der Gott der Reisenden und unehelicher
Sohn des Göttervaters, der Leto auf das Eiland führte. Also thronte,
wie es uns eine homerische Hymne überliefert, Zeus auf der höchsten
Erhebung von Delos und blickte hinab auf den See und zur Palme, an die
sich Leto in den neun Tagen und Nächten ihrer Wehen klammerte, bevor
sie Artemis, die Göttin der Jagd, gebar und dann den großen
Apollon, den Gott des Lichts, der Musik und der Poesie. Dann machte sich
Zeus wieder auf und davon, zufrieden mit sich, seiner Welt und damit, dass
sein Göttergeschlecht um zwei zentrale Gottheiten gewachsen ist. Würde
Zeus in der Gegenwart auf den Kynthos zurückkehren, er würde
am Fuße des Hügels eine der wichtigsten archäologischen
Stätten Griechenlands erblicken, mit Ruinen aus einem halben Jahrtausend,
auf einer Fläche von hundert Hektar, doppelt so groß wie Pompeji.
Denn seit die Ionier um 1100 vor Christus ihre rauschenden Apollon-Feste
auf die einsame Insel verlegt hatten, ist Delos, dank des Apollon-Kults,
zur heiligsten Insel des antiken Griechenlands aufgestiegen, und es wurde
einer der wichtigsten Handelshäfen im östlichen Mittelmeer. Wie
damals hätte Zeus auf dem Kynthos einen weiten Rundumblick auf die
Inselwelt der Ägäis. Auf Naxos, dessen Bewohner Marmor zum begehrten
Werkstoff für Skulptur und Architektur gemacht haben, zu bestaunen
auch auf Delos, wo sie mit dem beispiellosen Einsatz aller Kräfte
ihrer Gesellschaft Apollon zu Ehren aus einem hundert Tonnen schweren Block
besten Marmors einen neun Meter hohen Koloss schufen, den sie neben dem
Sakralbau der Naxier aus Marmor aufrichteten. Oder hinüber nach Tinos,
an das Delos in der christlichen Gegenwart den Titel der heiligsten Insel
abgetreten hat. Oder auf das nahe Mykonos, das zu Zeiten von Zeus und des
Apollon-Kults ein abweisendes, karges Eiland war, heute aber eine reiche,
laute Partyinsel für den internationalen Jetset ist. Heute führt
der Weg nach Delos über Mykonos. Der Kontrast springt ins Auge. Da
auf Mykonos ein krebsartiges Wachstum, immer neue, weiß strahlende
Villen und Gebäudekomplexe überziehen die vegetationslose Insel.
Dort das vier Quadratkilometer kleine Delos, auf denen in den besten Zeiten
25.000 Menschen gelebt haben, das seit nahezu zweitausend Jahren aber unbewohnt
ist. Nur eine Handvoll Aufseher und Wächter leben hier, in Grabungszeiten
trifft man auch Wissenschaftler und Arbeiter. Nach dem Willen der Athener
Regierung soll sich daran nichts ändern. Delos soll eine unbewohnte
archäologische Stätte bleiben. Wer Delos sehen will, hat nur
zwei Möglichkeiten. Entweder man peilt die Insel mit einer Yacht an.
Nicht wenige tun das. Schließlich liegen in den Sommermonaten an
keiner Insel des östlichen Mittelmeers mehr Yachten als in den Häfen
und Buchten von Mykonos. Wer aber keine Yacht hat, besteigt in Mykonos
eines der Boote, die jeden Morgen für Tagesausflüge ablegen.
Die Urlauber an Bord sind so international wie die zwei Millionen Gäste,
die Mykonos Jahr für Jahr anzieht – aus vielen Ländern Europas,
Nordamerikas, Asiens. Die halbstündige Überfahrt durch den Windkanal,
der Mykonos von Delos trennt, kann ruppig sein. Dafür sorgt der Nordwind
Meltemi. Tiefblau leuchtet das Meer, das Licht ist luzid wie an wenigen
anderen Orten. Es hatte schon seinen Grund, weshalb die Griechen die Geburt
ihres Lichtgottes Apollon hierher verlegt haben. Das muss das Licht der
Götter sein... Von der einst prächtigen, reichen Stadt ist nicht
mehr viel übrig, seit die Bewohner der umliegenden Inseln Delos über
Jahrhunderte als Steinbruch benutzt haben. Das änderte sich erst,
als 1873 Archäologen der École Archéologique Française
d’Athènes mit Ausgrabungen begannen, die bis heute andauern. Mittlerweile
haben griechische Archäologen die Grabungsarbeiten übernommen,
und es assistieren ihnen französische Wissenschaftler... Von der Anlegestelle
gelangen auch die Besucher schnell in den heiligen Bezirk um die Tempel
des Apollon. In der Antike durchschritten sie dazu einen 72 Meter langen
und acht Meter hohen Säulengang, den Portikus, den der Makedonierkönig
Philipp V. um 210 vor Christus hatte errichten lassen. Bald soll er dem
flachen Trümmerfeld, in dem weite Teile nicht einmal einen Meter hoch
sind, ein neues Gesicht geben. Anastilosis heißt das Zauberwort.
So nennen die Archäologen die partielle Wiedererrichtung eines verfallenen
antiken Bauwerks unter Verwendung seiner originalen, erhaltenen Bauteile.
„Die Voraussetzungen dafür sind gut“, sagt Fraisse. „Viele originale
Steinblöcke sind erhalten, und es gibt hervorragende wissenschaftliche
Arbeiten zum Portikus.“ ... Überhaupt, Delos ist eine schwierige archäologische
Stätte, ungleich beschwerlicher als etwa die Akropolis in Athen oder
als Delphi. Denn die kleine Insel ist nicht leicht zu erreichen, und die
Versorgung der laufenden Arbeiten ist schwierig. Alle Baumaterialien und
Arbeiter müssen aus Mykonos nach Delos gebracht werden. Denn Delos
kann nur wenig Personal aufnehmen... Zudem befinde sich die gesamte Insel,
seit 1990 mit dem Status eines Weltkulturerbes der UNESCO, im Eigentum
des griechischen Staates, gebe es auf Delos keinerlei privates Eigentum
und auch nicht auf der größeren Nachbarinsel Rhenia, auf der
nun eine Prospektion zur Lokalisierung archäologischer Stätten
begonnen hat... Nahezu ein Jahrtausend war Delos das politische und religiöse
Zentrum der Ägäis, mit einer überragenden Bedeutung in der
Mythologie wie in der realen Geschichte. Die Aussichten stehen gut, dass
die Insel auch künftig für Immobilienentwickler unerreichbar
bleibt. Unabhängig davon würde man sich als Besucher von der
griechischen Regierung jedoch auch mehr Energie wünschen, so wie sie
die auch an anderen Orten zeigt, um die Arbeiten auf der Insel voranzutreiben
und eine Ahnung davon wiedererstehen zu lassen, was Delos einst ausgemacht
hat. Weshalb nicht an die antiken Delischen Spiele anknüpfen? Bei
denen um die Tempel des Apollon und im Stadion mit Musik und Sportwettkämpfen
der Geburt des großen Gottes gedacht wurde? Bei denen seit der Ankunft
der Ionier Männer- und Frauenchöre große Hymnen gesungen
haben, die Frauen gekleidet in langen, weißen Gewändern? Es
wurde getanzt, feierliche Reden wurden auf Apollon, Artemis und Leto vorgetragen,
Schauspieler traten auf und Dichter. Die Sieger der Sportwettbewerbe erhielten
einen Zweig von Letos Palme. Die Delischen Spiele zogen alle vier Jahre
Pilger aus ganz Griechenland an. Die Olympischen Spiele wurden in der Neuzeit
belebt. Was hält die griechische Regierung davon ab, mit kulturellen
Veranstaltungen Delos in den Sommermonaten etwas von seiner einstigen Aura
und seinem einstigen Glanz zurückzugeben?" [10]
3. Brudermörder1944-49 war fast ganz Griechenland in den Händen der Aufständischen; ihr Sieg hätte Griechenland dem kommunistischen Machtblock eingegliedert. Großbrittanien und die USA wollten das Vordringen des Kommunismus stoppen und griffen zugunsten der griechischen Regierung ein. [11]Wenn ein verlassenes türkischen Dorf besiedelt werden sollte, mussten einige Vorkehrungen getroffen werden: "Die Pfarrer sprengten alle Häuser mit Weihwasser, um Mohammed auszutreiben und tauften das Dorf Agios Konstantinos." [12] Es zeigte sich sehr schnell, dass die kommunistischen Partisanen nicht vom heiligen Geist inspiriert waren. "Die Bäucher der Welt sollen voll werden; der Bauch ist ihr ein und alles, nicht das Herz, das ewige Leben." [13] Unterstützung erhielten die Griechen von den Amerikanern; die Kommunisten galten als die neuen Türken. Man rief "Es ist ein neues 1821, ihr Türken ihr". Seit vielen Tausenden von Jahren kämpften die Griechen für Europa und leisteten Widerstand gegen Perser und Türken. Durch ihren Kampf konnte die Freiheit der Seele bewahrt und die Klarheit des Denkens begründet werden: "Wir erfanden die Logik und brachten Ordnung in das Chaos." [14] Die neue Religion für Bolschewisten auf der ganzen Welt: Der Vater ist nicht Chtistus sondern Lenin. [15] Für Kazantzakis
ist Lenin genauso gefährlich wie Mohammed: "Der neue Koran, Allahs
neue Botschaft, von weither aus dem fernen Norden gesandt, aus dem neuen
Mekka, das Moskau heiße. Denn wiedergeboren sei der Prophet, einen
neuen Namen habe er angenommen, einen neuen Koran geschrieben - und rufe
wiederum die Araber auf, die Gläubigen, sich um ihn zu scharen, um
die Welt zu erobern ... Allah ist Allah, und Mohammed ist sein Prophet!
Heute aber heißt Mohammed Lenin!" [16]
4. O kapetan MichalisDer Roman spielt auf Kreta während der Türkenherrschaft und des Befreiungskampfes. Bis 1821 war Griechenland unter osmanisch-türkischer Herrschaft, eine türkische Provinz, und von der kulturellen Entwicklung Europas abgeschnitten. Der türkische Despotismus hatte das geistige Leben in Griechenland erstickt. Dann kam der Freiheitskampf der Griechen, zusammen mit ihren Pelikaren (Kapitäne der Freiheitskämpfer) schüttelten sie das Türkenjoch ab. In Kreta verlässt aber erst im November 1898 der letzte türkische Soldat kretischen Boden; türkische Fahnen werden vernichtet und Minarette gesprengt. Unter dem griechischen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos wird Kreta 1913 mit Griechenland vereint. [17]Nach mehr als 300 Jahren Türkenherrschaft hatten die Griechen im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll. In den türkischen Vierteln roch es so wie in den von Türken und anderen Muslim-Clans besiedelten Vororten und Problemviertel der europäischen Städte: "Kapitän Michalis atmete mit gesenktem Kopf widerwillig die türkische Luft ein. Was mache ich hier drinnen? dachte er. Türkengeruch!" [18] Der Bey (Nuri Bey) beschwerte sich bei Kapitän Michalis, dass sein Bruder die Türkei verhöhne, und wieder betrunken einen Esel auf dem Rücken in die Moschee getragen habe. Er sollte dort mit den Muslimen, also den menschlichen Eseln, zusammen beten. Kapitän Michalis betrachtete den Türken. "Sie waren im gleichen Dorf geboren, der eine ein Bey, alle fetten Äcker sein. Und der andere ein Raja. Sein Vater, Kapitän Stifakas, hatte den steinigen Besitz. In jener Zeit hatte er nicht die Erlaubnis, ein Pferd zu reiten. Er saß auf seinem Eselchen, und wenn der Christenfeind Hani Ali, den Vater ebendieses Nuri hier, sah, musste der greise Sifakas abspringen, um den Herrn vorüber gehen zu lassen." Kapitän Michalis ließ sich allerdings nicht alles gefallen. Letztes Jahr hat er Nuri Bey an den Hüften gepackt und wie einen Sack hoch gehoben und auf das Dach seines Ladens geschleudert. Die Leute holten eine Leiter um ihn wieder herunter zu holen und lachten ihn aus. [19] Eine Frau des Bey war als kleines Kind von ihrem Vater an einen alten Pascha in Konstantinopel verkauft worden, "und später kam und stahl sie dieser kretische Bey." Hier musste sie im Harem sitzen, "Fern in ihrer Heimat arbeiteten die Frauen mit schleierlosem Gesicht an der Seite ihrer Männer und saßen rittlings auf den Pferden." Kapitän Michalis hörte ihrem Mandolinenspiel zu und in Gedanken war er mitten im Freiheitskampf: "Die Berge lachten, die Ebene wurde rot von türkischen Soldaten, über ihnen stürmte Kapitän Michalis auf Nuris Rappen dahin, hinter ihm Tausende von Kretern mit schwarzen Kopftüchern, vor ihm niemand. Die Dörfer schrien, die Minarette brachen wie gefällte Zypressen zusammen..." [20] Der Bey über Mohammed: "Drei Dinge, habe ich von unserem Muezzin gehört, drei Dinge liebte Mohammed ... die Wohlgerüche, die Weiber und das Lied." Auch das war im Sinne Mohammeds: "Generationen auf Generationen hängten die Paschas an dieser herrlichen Platane die Christen auf, die das Haupt erhoben hatten. Und winter und sommers hingen, um ihre stärksten Äste geschlungen, die Stricke mit den Schlingen bereit... man setzte ihn vor die Tür des Paschas unter der großen Platane. Dann kam ein türkischer Barbier, nahm sein Messer und häutete ihn. Aus der Haut ließ sich Mustafa Pascha, der Hund, einen Tabacksbeutel machen." [21] Da Muslime ja kein Schweinefleisch essen dürfen, träumte der Türke Efendina wenigstens davon: "Die Tür ging auf, und ein Schwein kam herein, gut gewachsen, gut genährt, mit einem Fez auf dem Kopf, wie ein Türke, und als Talisman hing ein Messer an seinem Hals. Sobald es Efendina erblickte, stellte es sich auf die Hinterbeine und grüßte auf Türkenart. Dann nahm es das Messer und stach sich in den dicken Hals Nun lag es am Boden, und Efendina beugte sich darüber: Es war frisch gebraten, in Zitronenblätter gewickelt und roch lieblich. Efendina stieß einen Freudenschrei aus, wachte auf und hatte den Mund voll Speichel." Seine Mutter war ziemlich streng, vor allem wenn es um Essen und Trinken nach Griechenart ging: "Du willst in das Griechenhaus gehen, wo sie dich mit Schweinefleisch füttern und mit Wein tränken und dich besudeln. Ich schließe dich ein, du verdammter Dickschädel, ich prügele dich kaputt. Du wirst nicht gehen!" [22] Kapitän Michalis dagegen schwärmt von einem freien Kreta, die Felsen duften nach Thymian und Salbei, am liebsten würde er sich in einen Adler verwandeln, um das ganze Kreta "aus luftiger Höhe zu bewundern! Und wahrhaftig, ein Adler müsste Kretas Schönheiten bewundern können. Wie sein Leib dichtgefügt emporwogte, von der Sonne gebräunt, wie seine Küsten leuchteten, bald vom eißen Sand, bald von blutroten, schroffen Hängen. Er müsste sich über die Dörfer freuen, die Gutshöfe, die Klöster, die Kapellen, die auf dem dunklen Eisengestein weiß schimmerten oder tief in den Boden eingepflanzt waren. Und über seine drei gequälten, von den Türken unterdrückten Städte mit ihren venezianischen Mauern und ihren vertürkten Kirchen: Chania, Rethymno und Megalokastro." Er glaubt, Gott ist gerade woanders beschäftigt, "er wird woanders Krieg führen, auf einem anderen Stern, gegen andere Türken, wir wollen ihn rufen, bis er uns hört." [23] Sein Bruder bekam guten Nachwuchs, so dass sein Hof voll wurde. Kürzlich erhielt er auch seinen ersten Enkel. Das wurde mit viel Wein gefeiert. "Er lud einen Esel auf seine Schultern und trug ihn in später Stunde in die Moschee des großen Dorfes zum Gebet." Von Kapitän Michalis darauf angesprochen entgegnet er: "An ihrem Bairamfest werde ich ein Maultier über meine Schulter nehmen und es in die Moschee bringen. Dort soll es dem Esel zur Gesellschaft beten." Auch andere Kapitäne ließen sich von den Türken nichts sagen: "Einen Augenblick blieb Kapitän Polyxigis stehen und war stolz auf die griechische Straße: die Läden gefüllt, die Waren reichlich, kein Türke zu sehen, die Luft rein. Die Christen lachten und scherzten, die Glocke läutete. Das ist das Paradies, dachte Kapitän Polyxigis, es fehlt ihm nichts, außer der Fahne mit dem Kreuz. Aber auch die wird kommen, unbedingt wird sie kommen, wir Kreter werden sie herbringen." [24] Aber es gab eben auch noch die hässlichen Minarette mit ihren dümmlichen Muezzinen, die man heute sogar in Köln und vielleich sogar München singen lassen will. Der Muezzin schwärmt in seiner Art auch von Megalokastro: "Und auch der Gestank hier, bei Mohammed, behagt mir. Wenn ich zum Lazarett-Tor hinausgehe und einen tiefen Atemzug nehme und den Mist rieche, den unsere kretischen Eselchen auswerfen, wird mein Herz ein Garten, und ich glaube, es wird auch gedüngt ... Und diesen Gestank von Megalokastro gebe ich nicht für alles Patschuli der Welt. Ja, es ist so, wie ich unter meinen Achseln rieche. Das stinkt für alle anderen, aber mit gefällt's!" [25] Einem anderen Türken ist die Pilgerfahrt nach Mekka nicht bekommen, was übrigens öfter vorkommt - man denke nur an den Fussballspieler Mesut Ösil, der danach genauso verrückt war wie der heutige türkische Präsident ."Vor Jahren war er nach Mekka gezogen, und seit jenen heiligen, qualvollen Tagen der Hitze, des Durstes, des Schmutzes, des gottvollen Irrsinns wankte sein Hirn. Sein Geist füllte sich mit Flammen und Schrecken. Er kehrte nach Megalokastro zurück und spielte den Hodscha, den geistlichen Lehrer... Eine zeitlang kamen mehrere Türkenkinder, und er lehrte sie die Buchstaben. Bald schlug er sie, bald schlugen sie ihn, bis eines Tages der kleine Braima, Nuri Beys Neffe, ihm den Schädel einschlug und die Schule ein Ende nahm." Einen großen Koran hielt er auf den Knien, "Er beugte sich vor und zurück, bis ihm schwindelig wurde, und dann begann er laut zu psalmodieren. Manchmal wenn kalt war, sprang er auf, streckte die Arme aus, neigte den Kopf auf die Schulter, tanzte wie ein Derwisch, pfiff und spie und stampfte mit den Füßen, dass ihm warm wurde. Jeden Mittag, wenn der Hunger ihn peinigte, rannte er wie irrsinnig von einem Ende des Hofes zum andern, schnaubte wie ein Blasebalg, troff von Schweiß und war doch mit nichts anderem bekleidet als mit dem Turbantuch und den Unterhosen aus Sackleinen." Jedesmal wenn Kapitän Michalis etwas zu feiern hatte, lud er Efendina ein, "denn er wollte auch eine türkische Missgeburt dabei haben." Der Türke musste sich immer eine List ausdenken, wie er Mohammed austricksen könnte, denn der Prophet erlaubt ja weder Schweinefleisch noch Wein. Das war schließlich seine größte Freude, alle sechs Monate die Einladung von Kapitän Michalis anzunehmen, "'Wein zu trinken, Schweinefleisch zu essen, seine dürftige Gestalt für sechs Monate aufzufüllen." Er sagte dann immer zu Kapitän Michalis: "Bedrohe mich, bei meinem Glauben, Kapitän Michalis ... setz mir das Messer an den Hals! Schrei mich an: Friss Schwein, sauf Wein, sonst schlachte ich dich! ... damit ich sündigen kann.' Er pflegte also zu essen und zu trinken - und gib ihm! - alle Lästerungen auszustoßen, die er sechs Monate in seiner Kehle zurückgehalten hatte, weil der Prophet ihm verbot, sie zu seiner Erleichterung hervorzustoßen." Ein anderer Muselmann sagte zu ihm, Allah sei allmächtig. "Er kann aus Schweinefleisch in seinem Mund Lammfleisch machen und aus Wein Wasser. Er macht, was er will. Iss und trink, Efendina." Er solle auf Allah vertrauen. Nachher pflegte er dann zu sagen: "Allah, Allah, ich bitte dich um eine Gnade: lass mich alle Sünden begehen, lass auch mich Unglücklichen die Welt oben genießen. Und danach, eine halbe Stunde vor meinem Tod, gib mit Zeit zur Reue!" [26] Die Agas (niedere türkische Offiziere und Beamte) ließen es sich in Kreta gut gehen. "Die Agas waren gesättigt und machten sich mit untergeschlagenen Beinen auf den Strohmatten des Kafeehauses breit. Sie hatten Wasserpfeifen bestellt und schlürften, mit alibgeschlossenen Augen dösend, ihren Kaffee. Sie waren glücklich. Alles hatte sich für sie angenehm gefügt. Seit Generationen hatten ihre Großväter Kreta aufgeteilt, und igr Erbe wurden die fetten Weingärten. Olivenwälder und Äcker. Die dürren hatten sie den Griechen gelassen.Von Zeit zu Zeit erhoben die Christen ihr Haupt, aber die Soldaten aus Anatolien schlugen darauf und beugten es wieder unters Joch. Schön waren die Hanumen (türk. Frau), und jeder durfte so viele haben, wie sein Beutel erlaubte." Auch Pädophilie war erlaubt ("Türkenknaben, und wenn man sie gut päppelte, bekamen sie flaumiges, blütenweißes Fleisch"), schließlich war Mohammed selbst pädophil und hatte es erlaubt; sie brauchten daher auch nicht mit einer Pädophilen-Flagge herumlaufenm wie es heute bei den entsprechenden Umzügen üblich ist. [27] Kapitän Michalis hätte die Agas am liebsten aus Kreta vertrieben, wenigstens wollte er sie aber aus dem Kaffeehaus scheuchen: Die Agas hörten von ferne ein dumpfes Donnern und dachten ein Gewitter zieht auf. "Kapitän Michalis erschien zu Pferde am Eingang des Kaffeehauses. Er bückte sich, sah die Agas gemütlich herumsitzen und schläfrig Wasserpfeife rauchen. Das Blut drang ihm zu Kopf, und die Welt schwankte. Er spornte die Stute an, sie bäumte sich auf und brach in das Kaffeehaus ein. Dies geschah nicht zum erstenmal. Sie kannten die Launen ihres Hern. Im Innern zerschmetterte sie mehrere Schemel und warf ein Tischchen um, dass sie Scherben klirrten. Sie gelangte bis zum serviertisch, wo der Wirt vor dem Kohlenbecken zu stehen pflegte und die Kännchen ins Feuer setzte und herausnahm. Dort blieb sie stehen. Das Kaffeehaus dröhnte vor Lärm. Die Agas warfen die Wasserpfeifen beiseite und sprangen auf. Die Kühneren tasteten hastig nach dem Messer in ihren roten Gürteln, die Greise hoben die Hände... Aber er blieb davon unberührt und schwang die Peitsche in der Luft. 'Hinaus mit euch', schrie er, 'ich will meinen Kaffee allein trinken!'" Ein Türke stürzte sich mit einem breiten, zweischneidigen Dolch auf den Reiter. "Aber Kapitän Michalis bückte sich, packte ihn am Handgelenk, so dass der Arm des jungen Türken gelähmt war und er den Dolch losließ. Kapitän Michalis steckte ihn in die Tasche und hob wieder die Peitsche. 'Hinaus, hinaus' brüllte er, 'hinaus!' 'Allah, Allah', riefen die Greise und wussten nicht, was sie tun sollten. Einen Boten zum Pascha schicken, dass Soldaten herkämen, oder das Bittere versüßen und nachgeben, um ein Blutbad zu vermeiden." Letztlich verließen die Agas das Kaffeehaus und er konnte seinen Kaffee in Ruhe trinken. [28] Die Palikaren (Kapitäne der Freiheitskämpfer) waren Stolz auf die neue Verhöhnung der Türkei. Die Türken "fluchten und drohten, wussten aber nicht, wie sie die Schande abwaschen sollten. Der Muezzin schürte das Feuer in ihnen." Die Türken fürchteten, "bald wird dieser besessene Kapitän sogar in die Moschee reiten und uns mit der Peitsche hinaustreiben." [29] Der Muezzin rannte sofort zum Pascha. "Zuerst öffnete der Muezzin seinen breiten Mund. Ein knochiger Schlaks mit eingefallenen Wangen, mit spärlichen, weißblonden Kinnhaaren, mit einer behaarten Warze, dick wie eine Pferdefliege, die zwischen seinen Brauen saß und ihn dreiäugig erscheinen ließ... Schäumend vor Wut zog er den Koran aus seinem Busen, begann sich zu wiegen und zu lesen. Dem Pascha schwindelte." Er sagte zum Pascha: "Du bist der Pascha, du trägst den Säbel, du schlägst die Köpfe ab... Nicht einer ist schuldig, Tausende sind es. Alle verdienen die Pfählung... Ich lasse mein Gesetz nicht mit Füßen treten ... Ich werde in der Moschee predigen und die Türken aufwecken!" Dazu der Pascha: "Vorsichtig, Kinder, denn das sind Griechen, Fluch über sie! Wenn die uns nicht auf unserer Straße im Wege gewesen wären, hätte die Türkei die Welt längst verschlungen." [30] Manusakas wandte sich an seine Gefährten: "Der Hund hat sich beschwert, weil ich den Esel zum Gebet in die Moschee gebracht habe. Übermorgen, an ihrem Bairamfest, so wahr ich Manusakas heiße, bring ich meine Sau!" An anderer Stelle sagt er zu einem Türken: "Verdammt sei der Bart deines Mohammed!" [31] Man trank auf die Gesundheit des alten Hellas und der Widerstandskämpfer: "Schließlich drangen sie bis 1821 vor und tranken auf die Gesundheit von Kolokotronis, von Karaiskakis, von Miaulis, von Odysseus Andrutsos. Die Korbflasche war beinahe leer." [32] Eine Redewendung unter den Freiheitskämpfer war auch, wenn Jemand hinausgeworfen werden sollte: "Das Haus ist mein Konstantinopel ... Er ist der Türke, ich bin Konstantin." Da Muslime nicht die Unsterblichkeit der Seele kennen, geht es auch darum: "Im Kampf um die Rettung Kretas kämpfen wir auch um die Rettung unserer Seele... Es lebe die Vereinigung mit Griechenland." [33] Türken und Araber sind dafür bekannt, dass sie sich hauptsächlich an Frauen und Kindern vergreifen statt faire Kämpfe auszutragen: "Eines Mittags war Suleiman, der Araber des Paschas, betrunken. Nicht aus eigenen Mitteln. Er war von den Agas mit Schnaps vollgepumpt und dann in die griechischen Viertel geschickt worden... Er zog den Dolch, den ihm der Pascha im Vorjahr zum Bairamfest geschenkt hatte, und stürzte brüllend durch die griechischen Gassen. Als die Christen ihn hörten, riefen sie ihre Kinder und verschlossen die Häuser. 'Der Araber! Der Araber!' kreischten die Weiber und schoben die Riegel fest vor." [34] Der Widerstand gegen das türkische Joch ging von Megalokastro (das heutige Heraklion) aus, von dort ging er nach Rethymno und von dort nach Chania. Die Türken hatten Südosteuropa erobert und standen einst ja sogar vor Wien. "Sie jagen die gesamte Christenheit! Das wussten bereits unsere Großväter und Väter. Jetzt ist unsere Stunde gekommen. Vor meiner Flucht öffnete ich die Truhe meines Vaters und nahm das griechische Banner an mich, mit der Inschrift: Freiheit oder Tod. Es lebe die Vereinigung mit Griechenland!" [35] Im Gegensatz zu heute war im 19. Jahrhundert, zur Zeit des griechischen Befreiungskampfes gegen die Türken, bzw. bis 1917 (vor der Revolution durch die Bolschewisten), Russland die große Hoffnung der Griechen. Einzelne Europäer hatten zwar - zusammen mit Russland - am 20. Oktober 1827 die türkische Flotte bei Navarino (Pylos) versenkt, was den Griechen ermöglichte, die meisten griechischen Inseln und das Festland von den Türken zurück zu erobern; doch Kreta blieb weiterhin türkisch (bis 1898). In Gedanken versunken dachte der Metropolit auf Kreta an seine Zeit in Russland bzw. der Ukraine: "Der Metropolit saß auf dem breiten Kanapee, den Rosenkranz in den Fingern und in leisem Gespräch mit dem hochgelehrten Hadzi Savas begriffen. In seinen Gedanken war wieder in den glücklichen Jugendjahren, als er Archimendrit in Kiew und Vertreter des Allerheiligsten Grabes war. Sein Löwenhaupt war mit Russland ausgefüllt. Was für ein Segen Gottes war dies Land, was für eine Erde, was für Getreide, Butter, Räucherfische und Kavier gab es dort! Und dann die goldenen Kuppeln auf den Kirchen und die silbernen Ikonenschreine und die Perlen, Saphire und Rubine in den Evangeliaren! 'Solange Russland besteht, mein Hadzi Savas, befürchte ich nichts. Eines Tages wird es den Mund auftun und die Türkei verschlingen. Und dann wird Kreta die Freiheit erleben. Eine andere Hoffnung haben wir nicht.'" Man will aber das Türkenjoch möglichst bald abschütteln. Nur mit den Ausgrabungen will man warten, bis Kreta frei ist, sonst werden die Schätze von den Türken geraubt. [36] Auch einige muslimische Frauen hofften auf die Freiheit, die Christus den Menschen gebracht hat. "Sie freute sich darauf Christin zu werden und ohne Schleier auf die Straße zu gehen. In der Kirche hoffte sie Ausschau halten zu können und selber gesehen zu werden. Luft und Sonne würden frei um sie spielen, sie würde griechische Blusen und Kleider mit Rüschen tragen und ihr rabenschwarzes Haar zu Freude der Welt zur Schau stellen. Christus war für sie eine Tür, die sie öffnen konnte, um durch sie ohne Schleier auf die Straße hinauszuschreiten." [37] Dem Pascha blieb nichts als sein Fernrohr, "mit dem er vom Fenster seines Serails aus das Meer nach türkischen Fregatten absuchte." Denn der Pascha hatte ein Telegramm bekommen, dass Soldaten in Megalokastro (Heraklion) eintreffen werden. "Mit Kanonen, heißt es, mit Kavallerie und der grünen Fahne des Propheten!... Am Morgen erklangen Trompeten vom Hafen her, Fez an Fez standen dort die Türken und bedeckten die Mauern mit roter Farbe, ... Der verrußte Dampfer lag an der Landungsbrücke und erbrach aus seinem Innern struppige Anatolier mit pockennarbigen Gesichtern, Kanonen und Pferde. Ganz zum Schluss kam eine Schat lärmender Derwische, mit dem Dolch im Gürtel, in grünen Röcken und weißen Spitzenhüten. Sie hüpften auf die Mole, entrollten die grüne Fahne des Propheten vor dem Hafentor und tanzten mit Händeklatschen langsam um sie herum... Plötzlich wurde der Tanz der Derwische wilder, jeder drehte sich wie ein Kreisel, so dass sich ihre Gewänder glockenhaft aufblähten. Ihre Augen begannen sich zu röten. Sie zogen die Dolche und verwundeten sich selbst, so dass Blut hervorquoll. Sie heulten laut auf, dann aber berühigte sich ihre Wildheit, sie steckten die Dolche in den Gürtel zurück und bewegten sich ruhiger. Ihr Gebrüll wurde zum Sprechgesang, zur Rede, zum Flüstern, ein leises und zärtliches Wehklagen." [38] Kazantzakis beschreibt die Situation auf Kreta während der Türkenherrschaft: "Nun war die Mittagsstunde gekommen. Immer heiserer wurde der Schrei von Megalokastro, das unter dem Türkenmesser zuckte. Die Muezzins stiegen auf die Minarette zum Mittagsgebet und verkündeten Gottes Barmherzigkeit." [39] Die Großmächte sollten einschreiten, doch die zierten sich wie zur Zeit des Aufstandes von 1821. "Herr Idomeneas saß seit dem Morgen über seinem Schreibtisch gebeugt und verfasste einen Brief an die Großmächte. Oh, ihr Mächtigen der Welt! Zur Stunde, in der ich diese Zeilen aufs Papier bringe, wird die christliche Bevölkerung von Megalokastro abgeschlachtet. Die Luft hallt wieder von Gewehrschüssen, türkische Banditen sprengen die Tore der Christen, sie schänden ihre Frauen, sie töten die Männer, sie packen die Säuglinge und zertreten ihre Köpfe. Ich erhebe meine Stimme. Ich bin nichts, ein belangloser Mensch, verloren am Rande Europas, fern von Euch, ihr Mächtigen der Welt... So endet dieser Brief. Das Blut Kretas komme auf euer Haupt und auf das Haupt Eurer Kinder und Kindeskinder, England, Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland und Moskau!" [40] Dabei erinnert noch das Tor von Megalokastro (Heraklion) an die Greueltaten der Türken. "Auf seinem marmornen Deckbalken stand in großen schwarzen Buchstaben: 'In diesem Tor erhängten die Türken den Metropoliten Kretas im Jahre 1821. Ewig sei die Erinnerung an ihn!" [41] Jeder musste zur Waffe greifen, auch die Lehrer: "'Bald finde ich hoffentlich auch ein Gewehr' antwortete der Lehrer lachend. 'Das Alphabet ist gut zum Appetitmachen. Aber der Braten ist der Türke.'" Ein Kapitän musste verängstigte Mönche beruhigen: "Bei meinem Glauben, bald wird Konstantinopel wieder christlich sein. .. Schrei nicht so! Mach mir das Volk nicht verrückt! ... Und wimmere mir nichts vor. Es sind doch bloß Türken, du dummer Mönch. Der Teufel wird sie holen!" [42] Heute gibt es nur noch die Kirche des Erlösers Christi Die Kirche wurde 1443 gegründet und sie ist der übrig gebiebene Teil eines Klosters, das vor dem Fall Konstantinopels und vor der Ankunft der Venezianer gegründet wurde, "als noch im Osten bis weit nach Westen die byzantinischen Kaiser herrschten. Man erzählt sich Kaiser Nikiforos habe es erbaut. ... Er hatte sich der Welt bemächtigt, landete auf Kreta, stampfte die Sarazenen nieder, stürzte den Halbmond und errichtete über den verbrannten Feldern und ausgeräuberten Burgen das Banner Christi. Und eines Abends, erzählt man, kam er durch eine Schlucht. Hier, unter einem Zitronenbaum, wollte er schlafen und, sobald Gott es wieder Tag werden ließe, nach Chanaka (so nannte man damals Megalokastro) weiterziehen." In seinem Traum hatte er ein Christus-Erlebnis, deshalb ließ er ein Kloster um den Zitronenbaum bauen, und so wurde das Kloster des Herrn Christus gegründet. "Die byzantinischen Kaiser starben, die Türken nahmen Konstantinopel ein, die Venezianer traten Kreta mit Füßen, später unterwarfen es die Ottomanen. Der 'Herr Christus' wurde zerstört, wiederaufgebaut, wieder zerstört. Und jetzt, von Türken umlagert." Eine große Menge der "verfluchten roten Filzhüte" schwärmten um das Kloster herum. "Zwei Derwische, der eine mit einer Trommel, der andere mit einer Flöte, liefen von einer Gruppe Soldaten zur andern, um sie aufzumuntern und anzufeuern." [43] Der Abt will sich den Türken ausliefern, doch ihm wird abgeraten: "Sie werden dich töten und das Kloster nicht verschonen. Die Türken sind falsch, heiliger Abt!" Der Führer der Türken, Hassan Bey, schwört, dass dem Kloster kein Schaden zugefügt wird: "Ja, Ich schwöre bei Mohammed!" Der Schwur taugt so wenig wie die Vereidigungen mancher europäischer Bürgermeister auf den Koran. Das Kloster wurde trotzdem zerstört: "Sie haben Feuer gelegt, die eidbrüchigen Hunde!" [44] Auch der Schwur beim Bart des Propheten Mohammed taugt nichts. Der Pascha schickt eine Botschaft an Kapitän Michalis: "Geh, Kapitän, nimm deine Pelikaren, macht euch fort samt Waffen und Fahnen. Bei Mohammed, ich krümme keinem von euch ein Haar!" Kapitän Michalis schickt den Boten wieder zurück: "Ich sch... auf den Bart deines Propheten!" [45] Wie heute wollen
die Europäer es sich mit dem Sultan nicht verderben. Zudem glauben
sie an eine "neue Gottheit, eine grausame und großmächtige,
die eines Tages allmächtig werden kann... An die Wissenschaft." Nicht
die echte Wissenschaft, wie sie Aristoteles noch gelehrt hatte, sondern
eine seelenlose und damit auch in Teilen falsche Wissenschaft. [46]
5. O Ftochoulis tou theou, Mein Franz von AssisiVon gesetzlosen Sarazenen und verhüllten Frauen: "Es war im Morgenland, in der heiligen Stadt Jerusalem. Mehr als zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Eine östliche Welt, voll fremdartigem Duft und Schmutz... Die Weiber sind völlig eingemummt, wie Gespenster, und ihre Fußnägel sind rot gefärbt, wie auch ihre Handflächen und Sohlen. Das merkten wir, als wir einige von ihnen lebendig fingen und enthüllten. Un die Männer, die gesetzlosen Sarazenen, wenn sie auf ihren Pferden reiten, wachsen sie zu einem Körper mit ihnen zusammen. Dann kann man nicht unterscheiden, wo der Mensch anfängt und aufhört. Es sind zwei Köpfe, sechs Füße und eine Seele. Und ihr König, Sultan Saladin, in Gold und Perlen gekleidet, stoöz und verwegen, springt auf sein Ross, wenn es rennt. Sein Palast ist voll von Springbrunnen, Dolchen und Weibern. Und er sitzt mit untergeschlagenen Beinen auf dem Heiligen Grabe, wirbelt seinen Schnurrbart und bedroht die Christenheit." Francesco hielt es nicht aus: "Mein Gott, die Schande! Wir verweilen hier tatenlos in Ravenna und laufen bettelnd umher, statt uns zur Befreiung des Heiligen Grabes aufzumachen! Steh auf, Frate Leone! Was bleibst du sitzen? Willst du deine Seele befreien? Befreie das Heilige Grab!" [47]Auf einer Art Demonstration wird in Italien gegen die Muslime bzw. Dschihadisten im heiligen Land protestiert: "Voran trabten fünf oder sechs schwarz gekleidete Reiter, die in lange Bronzetrompeten bliesen. Dann blieben sie stehen, während ein Ausschreier von seinem Kamel aus mit schmetternder Stimme verkündete: He, ihr Christen, das heilige Grab zieht vorbei, seht es an und schämt euch! Wie lange wird der Ungläubige es bestampfen und besudeln? Im Namen Christi, Brüder, wappnet euch, damit wir alle zusammen das heilige Grab befreien! - Als er verstummt, bliesen die Reiter wieder in ihre Trompeten. Hinter ihnen führ langsam ein Karren, der von vier schwarzen Rindern gezogen wurde: auf ihm sah man ein Abbild des heiligen Grabes aus Holz, Eisen und bunten Tüchern, das bestampft wurde von einem hölzernen Pferd samt einem grauslichen sarazenischen Reiter, der eine grüne Flagge mit Halbmond schwenkte, während das Pferd unter seinem erhobenen Schweif hervor Mist auf das Grab fallen ließ." [48] Auf der Fahrt ins Morgenland passierten sie links die griechischen Inseln bis sie das Festland erblickten: "Wir spähten alle südwärts nach dem verfluchten Festland der Muselmänner." Verflucht, weil es das Land des türkisch-islamischen Sultan ist, von dem nichts gutes zu erwarten ist, ähnlich wie heute von den Dchihadistenorganisationen Hamas und Hizbullah, die im Auftrag des Terrorstaates Iran ihre Greueltaten begehen. "Wir ankerten in einer abseitigen Bucht. Francesco fiel betend auf den Sand und setzte darauf die Striche des Kreuzes. Die Krieger zogen fort, um sich den Truppen Christi anzuschließen. Wir beide blieben allein am Wüstenrand. In der Ferne unterschieden wir Türme und Minarette. Francesco sah mich mitleidig an... 'Wir sind in das Maul des Löwen eingetreten. Hast du Furcht?'" [49] Später versucht Franceco sogar den Sultan zum Christentum zu bekehren, und schildert, ähnlich wie Dante in seinem Inferno, wie der falsche Prophet Mohammed in der Hölle schmoren muss. "Furchtlos begann er die Leiden Christi, die Auferstehung und das jüngste Gericht zu verkünden. Auch die Hölle, wo die Muselmänner ewig brennen würden. Und so stark war er hingerissen vom Wort Gottes, dass er trunken wurde und anfing, mit Händeklatschen zu tanzen. Er lachte, sang und pfiff. Gewiss war in jenem Augenblick sein Verstand erschüttert. Der Sultan sah ihm lachend zu. Auch er fing an, in die Hände zu klatschen, zu pfeifen und Francesco im Tanze durch Zurufe anzufeuern." Ähnlich wie Monostatos in Mozarts Zauberflöte wird auch der Sultan durch die Musik besänftigt, doch hält er weiter an seinem Propheten fest und sagt: "Mein Prophet liebte Düfte, Frauen, Blumen und hatte einen Spiegel in seinem Gurt sowie einen Kamm." [50] Jerusalem in den Händen der Muslime stank fast wie die Türkenviertel in europäischen Städten heute: "Die stinkige Stadt wimmelte von morgenländischem Soldatenvolk. Auf den Gassen lagen unbeerdigte Leichen, auch Pferdeaas mit hervorquellenden Gedärmen. Derwische tanzten, große Messer schwingend, vor den Moscheen. Sie ritzten sich in die eigenen Köpfe, so dass ihr Blut über ihre weißen Hemden floss. Weibische Jünglinge sangen in den Kaffeehäusern schmachtende Weisen des Ostens." [51] In Richard Wagners
Musikdramen wie "Tannhäuser", "Lohengrin" und vor allem "Parsifal"
treten die Ritter auf, die für Christus, für die Freiheit des
Menschen, streiten. Kazantzakis stellt sich die heiligen Männer und
Frauen in prächtigen Gewändern vor, wie sie von Malern in Europa
dargestellt wurden: "Sind sie nicht die Ritter Gottes? Ist der Himmel nicht
die Tafelrunde, um die alle Helden sitzen? Ist Christus nicht König
Artus?" Wie Lohengrin, kommen sie einer bedrängten Frau zu Hilfe,
müssen "Meere,Bestien, Dämonen und Menschen" überwinden,
Ein Held wie Rinaldo oder Orlando "bricht auf, um das heilige Grab zu befreien."
[52]
6. Im Zauber der griechischen LandschaftGriechenland musste immer wieder seine Freiheit behaupten, gegen die Perser, und zuletzt gegen die Türken. Die Zeit ist vorbbei, in der für den Sultan schöne Mädchen aus Bergdörfern geraubt wurden und sich die Haremsfrauen am Abend im Garten nebeneinander legen mussten, "frisch gewaschen, parfümiert, nit entblößter Brust, damit der Sultan herabkomme und eine auswähle. Er steckte ein Taschentuch in die Achselhöhle jeder einzelnen, und dann roch er daran; und er wählte die Frau, deren Geruch an diesem Abend ihm am meisten gefiel." Zum Regieren hatte er dann in der Regel keine Zeit mehr. [53]Im befreiten Griechenland ist das Land überall vom Geist durchdrungen, "der jeweils durch einen Tempel, einen Mythos, einen Helden ihr den ihr zugehörigen Ausdruck verliehen hat. Deswegen reist derjenige, der durch Griechenland fährt und sehende Augen und denkende Vernunft besitzt, von einem geistigen Sieg zum anderen in unzerstörbarer, zauberhafter Einheit. Der Geist ist - das stellt man hier in Griechenland fest - Fortsetzung und Blüte der Materie und der Mythos der einfache zusammenfassende Ausdruck der positivsten Wirklichkeit. Jahrelang ist der Geist über die griechischen Steine gewandelt, und wohin du auch gehst, wirst du seine göttlichen Spuren erkennen." Zum Beispiel die Ebene Spartas mit dem Eurotas. "Sicherlich würde der Eurotas nicht seine heutige bezaubernde Grazie besetzen, wäre er nicht zugleich Nebenfluss des unsterblichen Mythos Helena.... Aber was wäre diese Helena, wenn nicht über sie der Atem Homers hinweggehaucht wäre? Eine schöne Frau wie unzählige andere, die über diese Erde gegangen und vergangen sind. Man hätte sie geraubt, wie man heute oft noch die schönen Mädchen unserer Bergdörfern raubt. Auch wenn dieser Raub einen Krieg entfesselt hätte, wäre alles, Krieg und Frau und Schlachtgemetzel, vergessen, hätte nicht der Dichter seine Hand nach ihr ausgestreckt. Dem Dichter verdankt Helena ihre Rettung. Auch diese kleine Schlucht des Eurotas verdankt ihre Unsterblichkeit Homer. Helenas Lächeln leuchtet in der Atmosphäre Spartas." Ähnliches gilt für Argos und Mykene. [54] Besonders ist auch Mistras bzw. Mistra, eine als UNESCO-Weltkulturerbestätte ausgewiesene byzantinische Ruinenstadt in Griechenland nordwestlich von Sparta am Taygetos-Gebirge. Dort wurde 1449 der letzte byzantinische Kaiser gekrönt. 1460 wurde Mystras von den Osmanen erobert. Diese verschandelten bzw. "vertürkten" Kirchen und Klöster durch Minarette, wie schon Konstantinopel "vertürkt" hatten. 1770 verwüsteten die osmanischen Türken mit ihren albanischen Hilfstruppen die Stadt; im griechischen Freiheitskampf 1825 wird sie von Türken gänzlich zerstört. Goethe setzte Sparta und Mistras ein literarisches Denkmal, indem er dort Faust auf Helena treffen lässt; auch Lord Byron wird dort als Euphorion von ihm verewigt. Kazantzakis schreibt über Mistras: "'Hier auf dieser Platte stand Konstantinos Palaiologos, als er zum Kaiser von Byzanz gekrönt wurde', sagte sie. Das Kloster Brontochion war das berühmteste und reichste Kloster von Mistra, ein Mittelpunkt geistigen Lebens, mit einer großen Bibliothek. Seine Kirche Aphendiko war ein architektonisches Wunder. Dort wurden die Herrscher der Peleponnes, die Despoten, beerdigt. Noch sind auf den Wänden einige Pinselstriche von den goldgewirkten Gewändern und Gestalten der alten Könige zu sehen. Einige Köpfe von Heiligen strotzen von Leben, Bewegung und Stolz wie homerische Helden... Die ganze Kirche roch nach Wachs wie ein Bienenstock; und ich dachte an die anderen Priesterinnen, die Melissen (Bienen), im Tempel der Artemis von Ephesos; ich dachte an den Tempel des Apollon in Delphi..." [55] Auch die heute noch gut erhaltene Burg Chlemoutsi wurde von den Osmanen und Verbündeten während des griechischen Freiheitskampfes stark beschädigt. Von dort kann man Kephalonia und Itaka erkenen. Hier entstand eine neue griechisch-fränkische Kutur, "eine seltsame romantische Kultur im kassischen Griechenland. Unerwartete literarische Früchte dieser Kultur sind die Ritterromane. ... Als würde ein neuer Euphorion der seligste Spross dieser Verbindung, die Frucht der Liebe zwischen Faust und Helena, jetzt auf griechischem Boden geboren..." [56] Die von Franken erbaute Burg Karytena und der dazu gehörige Ort spielten im Griechischen Unabhängigkeitskrieg von 1821 eine wichtige Rolle. Er ist der Heimatort des Freiheitskämpfers Theodoros Kolokotronis. Kazantzakis schreibt daüber: "Und als wir auf dem Hügel das berühmte Castell von Karytena erblickten, spürten wir, dass heute in dieser unruhigen Beleuchtung und bei den Sorgen unserer Zeit dieses strenge, kriegerische, jähe Castell viel treuer als jeder griechische Tempel die Landschaft um uns und in uns ausdrückt. Zu seinen Füßen fließt der Alphaios, im Hintergrund, am Horizont, schimmert Chelmos. Karytena ist wahrlich das Toledo Griechenlands mit seinen Gassen und seinen alten Häusern, mit seinen byzantinschen Kirchen und seiner rauhen Seele. Das Castell einsam, aschgrau wie ein Falke, erhebt sich auf dem Gipfel und hält Wache." [57] In Griechenland und besonders in Olympia ist vom ganzen "Geschlecht der freien Menschen" die Rede, vom unfreien Orient, von barbarischen Türken ist nichts mehr zu sehen. "Alles in Griechenland, Berge, Flüsse, Meere, Ebenen 'werden vermenschlicht' und sprechen zum Menschen in einer fast menschlichen Sprache. Sie drücken ihn nicht nieder, sie quälen ihn nicht; sie werden zu Freunden und Mitarbeitern. Der dunkle, unartikulierte Schrei des Orients läutert sich, wird menschlich, wird Logos, wenn er in das Licht Griechenlands eintritt. Griechenland ist das Filter, das nach langem Kampf das Tier zum Menschen läuterte, das die orientalische Sklaverei in Freiheit und den barbarischen Rausch in nüchternes Denken verwandelte. Dem Geschichtslosen ein Antlitz zu geben, dem Maßlosen ein Maß, indem es die gegeneinander kämpfenden dunklen Mächte zum Gleichklang bringt: das ist die Aufgabe des vielgequälten Erd- und Meeresteils, der Griechenland heisst. Es ist eine wahre Freude, und es bereichert, Griechenland zu durchstreifen. So sehr ist die griechische Erde mit Tränen, Schweiß und Blut durchtränkt, so sehr waren die griechischen Berge in den Kampf mitverflochten, dass es einen schaudert, wenn man sich vorstellt, in diesen Bergen und an diesen Küsten wurde das Schicksal der weißen Rasse entschieden; das Schicksal des Menschen schlechthin... An einer solchen griechischen Küste ist wohl eines Tages die orientalische Astarte gelandet, deren Leib - wie bei einer Sau - von vielen Brüsten strotzte. Die Griechen nahmen diesen barbarischen, grobbehauenen Götzen auf, befreiten ihn von dem Tierhaften, beließen ihm nur zwei menschliche Brüste und gaben ihm ein edles menschliches Aussehen. Die Griechen empfingen vom Orient den primitiven Instinkt, den Rausch der Orgie, den tierischen Schrei, die Astarte; und sie verwandelten den Instinkt in Eros, den Biss in den Kuss, die Orgie in religiösen Kult und den Schrei in ein Wort der Liebe. Aus Astarte wurde Aphrodite.... Deswegen versetzten sich die großen Künstler des klassischen Griechenland - und nicht nur die Bildhauer - in der Bemühung, die zeitgenössischen Trophäen zu verewigen, die Geschichte in die symbolische Späre der Mythologie. Anstatt die zeitgenössischen Griechen im Kampf mit den Persern darzustellen, nahmen sie die Lapithen und die Kentauren. Und hinter den Lapithen und den Kentauren erkennen wir die zwei ewigen Gegner - Geist und Tier, Kultur und Barbarei. So verband sich ein zeitgebundenes Ereignis zeitlos mit dem ganzen Volk und mit dessen Urvisionen. Bis es sich schließlich auch von einem bestimmten Volk abhob und eine unsterbliche Trophäe wurde. Durch diese symbolische Veredlung erhoben sich die griechischen Siege zu Siegen der ganzen Menschheit... Und so symbolisch, wie er gestaltet wurde, erstreckt sich diese Lobpreisung auf das ganze Geschlecht der freien Menschen. Nicht wir haben gesiegt, auch nicht unser Volk, sondern der Mensch schlechthin über die wilden Tiere, die Barbaren und den Tod." Auch heute stürmt der Osten, von "schrecklichen Kräften des Unterbewusstseins gedrängt", die Welt zu erobern, zum Beispiel in Form des Kommunismus, der in Russland immer noch nicht besiegt ist, und des Islamismus, der weite Teile des vorderen Orients erfasst hat. [58] Anders als Olympia, Mykene, Athen kommt Kreta und Knossos eine spezielle Bedeutung für Europa zu. "Kreta war die erste Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika; Kreta wurde zuerst in dem damals noch dunklen Europa erleuchtet. Und hier erfüllte die Seele Griechenlands ihre schicksalbestimmte Aufgabe: Sie brachte Gott auf die Stufe des Menschen. Die gewaltigen ägyptischen oder assyrischen Standbilder wurden auf Kreta klein, graziös, der Körper geriet in Bewegung, der Mund lächelte, Gesicht und Gestalt Gottes nahmen Gesicht und Gestalt des Menschen an. Eine neue Menschheit lebte und spielte auf kretischem Boden, eine einzigartige, von den späteren Griechen völlig verschiedene, voller Beweglichkeit, Grazie und orientalischer Pracht ... Die darauf abgestimmte Landschaftringsum besitzt eine geheimnisvolle Faszination, ein verborgenes, spielerisches, vielbedeutendes Lächeln wie das der Spinx - aber einer griechischen Sphinx. Seit dem Tag, an dem die kretische Kultur durch Ausgrabungen ans Licht kam, wurde die griechische Geschichte um zwei bis drei Jahrtausende verlängert. Die dorische Wanderung offenbarte sich nun als ein großes Mittelalter; vor ihr blühte und trug Früchte in Griechenland eine große, bislang unbekannte Kultur, deren sich Homer erinnerte, als er das goldreiche Mykene und das hundert Städte zählende Kreta besang. Und jetzt steht diese Kultur stumm vor uns. Und die ganze Landschaft von Knossos, Phaistos, Hagia Triada, die man vorher ohne Herzklopfen erblickte, gewann plötzlich einen tiefen, geheimnisvollen Sinn. Denn vor vier oder fünf Jahrtausenden flog auch hier der blaue Vogel, der Geist, vorbei und ließ sich nieder. Das Ägäische Meer und die seligen Inseln mit den weißen Häusern, mit den malerischen Windmühlen, mit dem ruhigen, langsam dahinfließenden Leben atmen Zärtlichkeit aus, Zypern wollüstige Weiblichkeit und Kreta männliche Strenge. Rauhe, ernste Landschaft aus Granit, aus dunklen Bäumen und weißem Kalkboden, so hart, dass man denken könnte, die Spitzhacke könnte ihn nicht aufbrechen; und plötzlich durchstoßen gelbe, zarte Lilien die ausgetrocknete, versteinerte Erde und erstrahlen in der Sonne. Ölbäume, Johannesbrotbäume, Feigenbäume, Weinstöcke; und in windstillen Niederungen Gärten, Zitronen- und Orangenbäume von Lorbeesträuchern umgeben..." [59] Südlich von Kreta beginnt die islamische Welt mit Unfreiheit, früher auch türkischen Seeräubern, Verskklavung der geraubten Christen: "Und im Süden glitzert voller Zorn, endlos einsam bis zu der Berberei das Lybische Meer, das immerzu brüllt, die steilen Felsen anfällt und Kreta benagt. Auf all diesen wilden kretischen Küsten, die nach Afrika sehen, stürmten oft viele Jahrhunderte lang plötzlich Seeräuber ein, raubten Schafe, Frauen, Kinder, banden sie fest mit ihrem roten Gürtel, warfen sie in den Schiffsladeraum und führen ab, um sie in Algerien, in Alexandria oder in Beirut zu verkaufen." Die Ägäis ist griechische See und gerade wegen der türkischen Invasion auf Zypern, muss Griechenland sich gegen die Aggressionen der Türkei wehren und sie zur Not einmauern. Zudem war es eine Kriegsdrohung, nichts sonst. „Wenn es so weit ist, werden wir das Nötige tun. Wir könnten plötzlich eines Nachts kommen“, menetekelte Recep Tayyip Erdogan bei einem Auftritt in der Türkei im September 2022. "Zuvor hatte der türkische Präsident die griechischen Inseln in der Ägäis als „besetzt“ bezeichnet und gewarnt, dass die Türkei diese Okkupation nicht anerkenne. Die unterschwellige Warnung: Die Türkei könne sich eines Tages zurückholen, was zu osmanischen Zeiten ihr gehörte. „Wir haben einen Satz für Griechenland: Vergesst Izmir nicht!“, sagte Erdogan." Smyrna (Izmir) wird, gerade vor Erdogans Besuch in Athen, gewiss niemand vergessen. Was dort im September 1922 geschah, ist seit Generationen Schulstoff für griechische Kinder. Fast jede griechische Familie hat Vorfahren, die damals aus der Türkei fliehen mussten. Der Genozid an den Christen, die Rückeroberung Smyrnas durch türkische Truppen sowie die nachfolgenden Massaker und Vertreibungen an der griechischen Bevölkerung beendeten die zweieinhalb Jahrtausende währende hellenische Präsenz an der östlichen Ägäisküste. "Die implizite Drohung, die Türkei könne sich ein Jahrhundert später auch noch Inseln wie Lesbos, Chios oder Kos einverleiben, waren kein demagogischer Kurzschluss. Erdogan hat sie mehrfach wiederholt. Eine Ankündigung, türkische Raketen könnten Athen erreichen, kam hinzu. Griechenlands damaliger Außenminister Nikos Dendias drohte zurück: „Wir sind fähig, unser Land, unsere territoriale Unabhängigkeit und Integrität zu verteidigen." Solche meist von Ankara ausgehenden rhetorischen Exzesse bildeten in den vergangenen Jahren den Grundton der türkisch-griechischen Beziehungen. In Washington, der EU und der NATO herrschte Sorge. Ein türkisch-griechischer Krieg schien möglich." Kern des griechisch-türkischen Konflikts in der Ägäis ist seit Jahrzehnten ein vom internationalen Seerecht gedeckter, Athener Anspruch: Griechenland habe das Recht, die griechische Hoheitszone um die eigenen Inseln in der Ägäis von derzeit sechs auf zwölf Seemeilen auszudehnen, heißt es aus Athen unter Berufung auf das UN-Seerechtsübereinkommen aus dem Jahr 1982. Viele griechische Inseln liegen direkt vor der Küste der Türkei. Sollte Griechenland die 12-Meilen-Regel anwenden, würde das die Ägäis in eine „griechische See“ verwandeln und die Türkei vor ihrer eigenen Küste einmauern, damit wäre Griechenland zumindest vor türkischen Schiffen geschützt. "Der frühere Ministerpräsident Antonis Samaras, der den nationalistischen Flügel der allein regierenden Partei repräsentiert, lehnt Kompromisse ab und macht vor Erdogans Besuch Stimmung. Ginge es nach Samaras, sollte das Treffen am besten gar nicht stattfinden. Man diskutiere schließlich nicht mit „Piraten“, sagte er und sprach von „Appeasement“." Es geht auch um die „ausschließliche Wirtschaftszone“ Griechenlands und Zyperns im Mittelmeer. Eine solche Zone gibt es vor der Küste der Türkei, begründet durch die griechische Insel Kastelorizo, dem östlichsten Vorposten Griechenlands mit etwa 300 Einwohnern. Kastelorizo liegt in Sichtweite der Türkei, aber 120 Kilometer östlich von Rhodos, der nächsten griechischen Insel. Mit einigen menschenleeren Felsinseln bildet Kastelorizo laut griechischer Behauptung ein Archipel, an den sich eine 200 Seemeilen gen Süden erstreckende griechische Wirtschaftszone anschließe. Der Pirat Erdogan erinnert, dass das türkische Parlament 1995 eine mögliche einseitige Ausweitung der Seegrenzen Griechenlands auf 12 Seemeilen zum potentiellen „Casus Belli“, also zum Kriegsgrund erklärt. Die an der türkischen Westküste stationierte Vierte Armee mit ihrer großen Flotte an Landungsbooten untermauert diese Haltung, worauf Griechenland Defensivkräfte auf den Inseln stationiert hat. Nicht das idiotische Gequatsche des türkischen Präsidenten führt zur Entspannung, sondern nur wenn er den Griechen entgegenkommt, z.B. indem er ihnen die Hagia Sophia zurück gibt, alle islamische Zeichen an der Kathedrale, inkl. Minarette, entfernen lässt. Solange das nicht passiert, wird man sich über den türkischen Präsidenten lustig machen, so wie man damals sich über Suleiman den Prächtigen lustig machte, indem man sagte, der Teufel ist auf freiem Fuß: "Creo que el diablo anda suelto", oder Hast du nicht dem Unteroffizier gesagt, auf Befehl des Kapitäns, wollte er mir Suleiman geben?: "¿No dijiste que el Sargento, / por orden del Capitán, / me quiso dar solimán?" Ähnlich könnte man heute vom türkischen Präsidenten sprechen. Der "Mut" der türkischen Korsaren bzw. Soldaten ist ja schon sprichwörtlich. Solange nur Frauen und Kinder vor Ort sind, wird tapfer gekämpft, stehen sie jedoch christlichen Soldaten gegenüber, flüchten sie sofort. CASTRUCHO will einen türkischen Soldaten nachmachen: "Que a un turco dé" und sagt: "¡Bravamente me escapé!" (Ich bin tapfer weggelaufen!). Auch in der Komödie "El cerco de Viena" und der Tragicomedia "El Rey sin Reyno" zeigt sich die Lächerlichkeit Soliman des Prächtigen und seiner türkischen Soldaten, die als Feiglinge und "perros homicidas" (mörderische Hunde) dargestellt werden. Johann Hunyadi habe die Türken allein 36 mal geschlagen; die Türken, die "Dios enemigo" (Feinde Gottes) mit ihrem Koran, dem "ley contrario" (gegensätzlichen Gesetz), ihrer "cobre arrogancia" (feigen Arroganz) und "el terror de los turcos" (Terror der Türken). Zu den Korsaren (muslimische Piraten) hatte Lope de Vega in verschiedenen Komödien, so auch in JORGE TOLEDANO gesagt, der Sultan sei die weltliche Schutzmacht, Allah die übergeordnete Schutzmacht der Räuber und Banditen; zudem sei das Zeichen des Islam für Feiglinge und Dummköpfe, Allah schütze den Sultan vor der Wahrheit, sonst habe er im Universum nicht viel zu sagen, er sei leichtsinnig und liederlich, durch seine Hand bleibe die Welt rückständig und das Berüchtigte habe er zumindest gewollt. An Leidenschaft für ihr Banditentum mangele es Suleiman den Prächtigen oder BARBARROJA nie. Sieht man sich an wie der später von Suleiman dem Prächtigen ("Perro Soliman") zum Admiral der osmanischen Flotte erhobene türkische Korsar BARBARROJA 1522 Rhodos erobert hat und die Christen grausam massakrieren ließ, kann man verstehen, wenn Lope de Vega von "la crueldad rigurosa" (rigoroser Grausamkeit) spricht, die nicht blutiger und furchtbarer sein konnte: "¡Vive Dios, si aquí le hallara / que no se escribiera historia / desde el principio del mundo / tan sangrienta y espantosa!" (Es lebe Gott ... dass keine Geschichte geschrieben wurde vom Anfang der Welt so blutig und furchtbar!) In der Türkei und bei türkischen Clans in Europa wird BARBARROJA immer noch verehrt und seine Angewohnheit zu prügeln ist in den Habitus der heutigen türkischen Clanmitglieder übergegangen: "y que parece que viene / en hábito de rebozo." (und es sieht so aus, als ob er in der Angewohnheit eines Schlägers kommt." Den Sieg über BARBARROJA oder die osmanische Flotte beschreibt Lope de Vega in einer seiner Komödien so: ruhig und demütig liegt das Mittelmeer, besiegt sind die grimmigen Osmanen, sie hören den ungeschlagenen Namen der christlichen Sieger über die Türken, wie die Nacht der Sonne fliehen die Osmanen in ihren schwarzen Abgrund."humilde el mar y vencidos / los otomanos feroces, / que de oír su nombre invicto / como la noche del sol / huyen a su negro abismo." Auch Albrecht Dürer hat die Orientalen als Türken dargestellt, da zu seiner Zeit die Türken mehr und mehr eine Bedrohung für Europa darstellten. Seit der Einnahme Konstantinopels 1453 durch Sultan Mehmed II. Fatih (1431-1481) war die osmanische Flotte die bestimmende Macht im Mittelmeer geworden. Sie bot Spanien kräftig Paroli, auch mit Hilfe jener muslimischen Vasallen, die nach den Eroberungszügen unter Sultan Selim und seinem Nachfolger Suleyman dem Prächtigen nach 1517 in Nordafrika der Hohen Pforte dienten. Maler wie Dürer und Schriftsteller wie Lope de Vega nahmen die Türken fortan aufs Korn und verewigten sie als grausame und lächerliche Figuren in ihren Werken. In Lope de Vegas Komödien wird Suleiman der Prächtige entweder als Hund betitelt (La santa Liga) oder lächerlich gemacht (LA BUENA GUARDA); hier wird der türkische Sultan Suleiman der Prächtige als Affe auf Kokain vor dem Spiegel beschrieben: "indem er seinen Mund öffnet, macht er drei oder vier Gesten, sehr verrückt und verzerrt wie ein Affe auf Koks; und mit einem Zahntuch pflegt er seine Schwerter, ... Und danach legt er oben zwei Schichten Suleiman ("capas de solimán"), so dass auch die Blinden ihn sehen können... und er verbringt auf seinem Kopf weitere zwei Stunden, Weben von Krawatten, in denen zusammenfällt Unwissenheit und Einfachheit; und auf beiden Seiten wird er beraten, und zwar so ordentlich, dass der Spiegel gähnt vor Müdigkeit; wenn dann das Kleid kommt, und obendrein setzt er die Mitgift auf, auch wenn sich die Stadt aufregt und der Mann nicht fröhlich ist; wenn er dann mit dem Gold seine Brust zeigt wie eine Küchenanrichte und dann der Geruch nach Verbranntem herauskommt, so dass er aussiet wie "el pabellón de Holofernes" (der Pavillon des Holofernes). Zwei Frauen werden gewarnt, sie sollten nicht so viel Zeit vor dem Spiegel verbringen wie Suleimann der Prächtige sonst hätten sie keine Zeit für die Messe, was ihnen die ewige Fürsorge kosten könnte, so dass sie wie Suleiman in der Hölle landen." [60] Ganz besonders sind auch die Ägäischen Inseln: "Ich fuhr mit einem Segelfrachter, der die anmutigen Inseln der Ägäis - Santorin, Naxos, Paros, Mykonos - anlief. Ich sage es und sage es wieder: 'Eine der größten Freuden, deren der Mensch auf dieser Welt gewürdigt werden kann, ist, im Frühling die Ägäis zu bereisen, umhaucht von einer leichten Brise; ich habe mir das Paradies niemals anders vorstellen können. Welche andere Freude im Himmel und auf Erden kann besser im Einklang mit dem Körper und der Seele des Menschen stehen? Diese Freunde wächst sogar bis zur Verzückung ... die unsichtbare Welt wird sichtbar und was wir Gott und ewiges Leben und Seligkeit nennen, kommt mit auf unser Schiff und begleitet uns auf der Reise." [61] Zypern vor der Besetzung
des nördlichen Teil durch die Türken (1974): "Und nun liegt Zypern
in der Mitte des Meeres und singt leise wie eine Sirene und besänftigt
meinen durch die Härte der Berge Judäas in Erregung geratenen
Geist. Wir überquerten den schmalen Meeresstreifen und kamen innerhalb
einer Nacht vom Lager Jehovas in das Bett der Aphrodite. Ich führ
von Famagusta nach Larnax, von Larnax nach Limassol, immer näher der
heiligen Stelle im Meer bei Paphos, wo aus dem Schaum dieses unbeständigen,
unvergänglichen Elements diese weibliche Maske des Mysteriums hervortauchte."
[62]
7. O Christos xanastavronete, Griechische PassionMit einem Priester an der Spitze erscheinen Griechen aus einem von Türken vertriebenen Dorf. Sie singen das alte byzantinische Kriegslied "Errette Herr, dein Volk! / und segne dieses Erbe, / den Sieg verleih uns über die Barbaren! ..." mit der Bitte an Gott um den Sieg über die Türken, das noch in griechischen Kirchen gesungen wird. "Rechts von ihm schritt ein gewaltiger Riese und trug das Banner der Kirche mit einem großen goldgestickten Aj. Giorgis. Ihm fogten fünf oder sechs ausgemergelte Greise, die große Ikonen trugen, und dann eine Schar Frauen und Männer und Kinder, welche schrien und weinten; Männer mit Bündeln, Handwerkszeug, Sensen, Hacken und Spaten, Frauen mit Wiegen, Kochgestellen und Wannen." Der Priester erklärt: "Ich komme aus einem Dorf weit in der Ferne, Aj Giorgis, und das hier sind die Seelen, die Gott mir anvertraut hat. Die Türken haben das Dorf verbrannt, uns von unserer Erde verjagt und so viele sie nur konnten, getötet; wir sind entkommen und geflohen. Christus ging uns voran und wir sind ihm gefolgt; wir suchen eine neue Erde, um uns auf ihr niederlassen zu können!" Einige begrüßen ihn mit den Worten "Bravo, Papaflessa!" (Name des berühmten Archimandriten Gregorius Dikios, der tatkräftig am Befreiungskrieg teilnahm und nach tapferem Kampf an der Spitze seiner Truppen bei Maniaki in Messenien im Jahr 1823 fiel). Die Griechen hatten wieder einen Befreiungskrieg gegen die Türken gestartet und der Priester wollte ihnen helfen: "Die Griechen sind gekommen, Erde und Himmel vereinigen sich, greift zu den Waffen, Männer und Frauen, lasst uns die Türken wieder in ihre Heimat jagen!" Die Griechen wurden jedoch nicht ausreichend mit Waffen versorgt, wurden geschlagen und waren schon wieder auf dem Rückzug. "Wie bieben zurück, und dann kamen die Türken ...Sie brannten, erschlugen und schändeten, sie sind Türken, versteht ihr?" [63]Der Priester erzählt seinen Traum von Griechenlands Seele: "Ich habe heute nacht im Traum unseren Landsmann Aj Giorgis gesehen, genau so wie er auf dem Banner abgebildet ist, das wir aus unserer Heimat mitgenommen haben. Hell und schlank wie der Frühling saß er auf seinem weißen Pferd, und hinter ihm saß die schöne Prinzessin, die Aj Giorgis von dem schrecklichen Ungegeuer an der Quelle befreit hat; sie reichte ihm eine goldene Schale mit Wasser und gab ihm zu trinken.... Wer ist die schöne Prinzessin, meine Kinder? Sie ist Griechenlands Seele, unsere eigene Seele." Letztlich wird das Ungeheuer, die Türken, besiegt. Hier habe Aj. Giorgis uns hergeführt, hier wolle er sich niederlassen. "Dreimal habe ich gesehen, wie Dörfer aufgebaut und zerstört worden sind. Zum ersten Male zerstört durch die Pest, zum zweiten Male zerstört durch das Beben der Erde und zuletzt nun zerstört durch die Türken..." Die Männer riefen: "Bravo, alter Panagos ... Du hast Charon zu Boden geschlagen, Väterchen. Du bist unser Digenis Akritas!" (Griechischer Nationalheld des Mittelalters, der die Widerstandskraft des Griechentums gegen die vordrängenden Türken und andere asiatische Völker personifiziert). Der Priester steckt das neue Dorf ab: "Herr, Herr! Mit dem geweihten Wasser stecke ich die Grenzen ab für unser Dorf. Möge der Türke es nicht zerstören, die Pest es nicht erreichen, das Erdbeben es nicht erschüttern! Vier Tore werden wir in ihm errichten, sende, o Herr, vier Engel, ihre Wächter zu sein!" [64] Die Türkenherrschaft in Griechenland war zwar zuende, in Anatolien herrschten sie aber immer noch; ganze Dörfer wurden ausradiert. Die Griechen mussten immer an die Dörfer denken, die die Türken niedergebrannt und dessen Einwohner sie in alle Himmelsrichtungen verstreut hatten. "Von Smyrna bis Afiuru-kara-Nisar und weiter rauchte es in den Ruinen ganzer Reihen griechischer Dörfer, das griechische Volk wurde verjagt, Griechenland war in Gefahr..". [65] Die moderne Medizin lässt die Seele leider zu oft außer Acht, weshalb sich ja auch die katastrophale Biotech-Medizin entwickeln und die Schulmedizin kapern konnte. "Alle Krankheiten , mein Junge, kommen aus der Seele. Sie ist es, die dem Körper befiehlt. Deine Seele ist vielleicht krank gewesen, ... sie sollst du heilen. Und der Körper soll folgen, ob er will oder nicht... Du bist kein Schaf, du bist ein Mensch! Ein Mensch ist doch ein lebendes Wesen, das aufsteht und fragt!" Weder die Schulmedizin, noch Beschwörungen oder Segnungen können ihm helfen. "Er braucht keinen Segen ... auch keine Beschwörungen oder Amulette. Die Gebete anderer Menschen können ihn nicht heilen. Das Heil arbeitet Tag und Nacht, langsam, ohne Übereilung, ohne Hast in ihm." Wichtig sind aber Vertrauen und Zuversicht. [66] In den griechischen Dörfern gab es immer einen türkischen Beamten (Aga) als Bürgermeister. Seine Frau war in der Regel ein minderjähriges türkisches Mädchen, konnte aber auch ein Junge sein: "Am nächsten Tage kehrte der Aga zur Mittagszeit aus Smyrna zurück, er kam nicht allein. Ihm folgte auf einem keinen, grauen Pferd ein neuer Türkensprössling, diesmal war es ein Junge... zu guter Letzt brachte er ihn zu einem türkischen Priester, einem alten Freunde - einem Gauner, der reif für den Galgen war - , der ihn in mancherlei Künsten unterwies." [67] Die Griechen hatten in Vorderasien (heutige Türkei) eine wichtige Aufgabe, nämlich "die Lampe des Geistes am Brennen" zu halten und es nicht zuzulassen, "dass die Barbaren das Licht der Griechen löschten", was in einer Lobrede für einen gestorbenen Griechen zum Ausdruck kommt: "Er war der echte Sohn der alten Helenen. Er war ein echter Edelmann des stolzen byzantinischen Kaiserreiches, er war ein echter Sohn der Helden von 21. Dieser vornehme Mann übernahm die immerwährende Aufgabe des griechischen Volkes - den Kampf des Menschen um die Freiheit. Jeder Gefahr bot er die Brust, stets bereit sein Leben zu opfern. Wie Alexander der Große hielt auch Giorgios Patriarcheas hier in der Tiefe Asiens die Lampe des Geistes am Brennen und ließ es nicht zu, dass die Barbaren das Licht der Griechen löschten." [68] Zu kämpfen hatten
die Griechen einerseits gegen die Türken und andererseits gegen die
heranrückenden Bolschewiken: "Ihr seid Bolschewiken! Ihr empfangt
Befehle aus Moskau, um die Religion, das Vaterland, die Familie und das
Eigentumsrecht, die vier Grundpfeiler der Welt, zu zerstören!" Viele
Griechen dachten erst, dass der Bolschewismus bzw. Kommunismus christlich
sei, doch mehr und mehr zeigte sich, dass er nicht von Christus ausgeht
sondern vom Antichristen: "So wie ihr ihn nach eurem Bilde gemacht habt,
ist Er nicht Christus, sondern der Antichrist!" Und den gilt es "mit aller
Kraft zurückzuschlagen".[69]
Anmerkungen [1] Wissenschaftsbriefe
/ Science Review Letters 2023,
22, Nr. 1469; vgl. Kurse Nr.
680 Nikos Kazantzakis, Nr. 679 Laurence Sterne,
Nr.
678 François Rabelais, Nr. 677
Jean Paul, Nr.
511 Johann Gottlieb Fichte I, Nr.
658 Johann Gottlieb Fichte II, Nr.
551 G.W.F. Hegel I, Nr. 660 G.W.F. Hegel
II, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr.
667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr.
669 Romantische Kunst und Philosophie II, Johann
Wolfgang von Goethe I-II, Nr.
673 Johann Wolfgang von Goethe III, Akademie der Kunst und Philosophie
"Und nun liegt Zypern
in der Mitte des Meeres und singt leise wie eine Sirene und besänftigt
meinen durch die Härte der Berge Judäas in Erregung geratenen
Geist. Wir überquerten den schmalen Meeresstreifen und kamen innerhalb
einer Nacht vom Lager Jehovas in das Bett der Aphrodite. Ich führ
von Famagusta nach Larnax, von Larnax nach Limassol, immer näher der
heiligen Stelle im Meer bei Paphos, wo aus dem Schaum dieses unbeständigen,
unvergänglichen Elements diese weibliche Maske des Mysteriums hervortauchte...
Alles in Griechenland, Berge, Flüsse, Meere, Ebenen 'werden vermenschlicht'
und sprechen zum Menschen in einer fast menschlichen Sprache. Sie drücken
ihn nicht nieder, sie quälen ihn nicht; sie werden zu Freunden und
Mitarbeitern. Der dunkle, unartikulierte Schrei des Orients läutert
sich, wird menschlich, wird Logos, wenn er in das Licht Griechenlands eintritt.
Griechenland ist das Filter, das nach langem Kampf das Tier zum Menschen
läuterte, das die orientalische Sklaverei in Freiheit und den barbarischen
Rausch in nüchternes Denken verwandelte. Dem Geschichtslosen ein Antlitz
zu geben, dem Maßlosen ein Maß, indem es die gegeneinander
kämpfenden dunklen Mächte zum Gleichklang bringt: das ist die
Aufgabe des vielgequälten Erd- und Meeresteils, der Griechenland heisst.
Es ist eine wahre Freude, und es bereichert, Griechenland zu durchstreifen.
So sehr ist die griechische Erde mit Tränen, Schweiß und Blut
durchtränkt, so sehr waren die griechischen Berge in den Kampf mitverflochten,
dass es einen schaudert, wenn man sich vorstellt, in diesen Bergen und
an diesen Küsten wurde das Schicksal der weißen Rasse entschieden;
das Schicksal des Menschen schlechthin... An einer solchen griechischen
Küste ist wohl eines Tages die orientalische Astarte gelandet, deren
Leib - wie bei einer Sau - von vielen Brüsten strotzte. Die Griechen
nahmen diesen barbarischen, grobbehauenen Götzen auf, befreiten ihn
von dem Tierhaften, beließen ihm nur zwei menschliche Brüste
und gaben ihm ein edles menschliches Aussehen. Die Griechen empfingen vom
Orient den primitiven Instinkt, den Rausch der Orgie, den tierischen Schrei,
die Astarte; und sie verwandelten den Instinkt in Eros, den Biss in den
Kuss, die Orgie in religiösen Kult und den Schrei in ein Wort der
Liebe. Aus Astarte wurde Aphrodite.... Deswegen versetzten sich die großen
Künstler des klassischen Griechenland - und nicht nur die Bildhauer
- in der Bemühung, die zeitgenössischen Trophäen zu verewigen,
die Geschichte in die symbolische Späre der Mythologie. Anstatt die
zeitgenössischen Griechen im Kampf mit den Persern darzustellen, nahmen
sie die Lapithen und die Kentauren. Und hinter den Lapithen und den Kentauren
erkennen wir die zwei ewigen Gegner - Geist und Tier, Kultur und Barbarei.
So verband sich ein zeitgebundenes Ereignis zeitlos mit dem ganzen Volk
und mit dessen Urvisionen. Bis es sich schließlich auch von einem
bestimmten Volk abhob und eine unsterbliche Trophäe wurde. Durch diese
symbolische Veredlung erhoben sich die griechischen Siege zu Siegen der
ganzen Menschheit... Und so symbolisch, wie er gestaltet wurde, erstreckt
sich diese Lobpreisung auf das ganze Geschlecht der freien Menschen. Nicht
wir haben gesiegt, auch nicht unser Volk, sondern der Mensch schlechthin
über die wilden Tiere, die Barbaren und den Tod." Nikos Kazantzakis,
Im Zauber der griechischen Landschaft; vgl. Kurse Nr.
680 Nikos Kazantzakis, Nr. 523
Sandro Botticelli, Akademie der Kunst und Philosophie
Die 1680/81 errichtete Säule bestand aus zunächst aus Holz und stand auf dem Heiligengeistplatz, wo sich sowohl das Spital, als auch der älteste Friedhof der Stadt befanden. Anlass für die Errichtung des Denkmals war der Dank der Landstände und der Bevölkerung für die Verschonung vor der Pest, die durch eine strenge Abschottung der Stadt sowie durch Hygienemaßnahmen gelang. Nach der Belagerung und der anschließenden Befreiung Wiens von den Türken (1683) wurde sie bis 1689 durch eine steinerne Ausführung ersetzt, die den Charakter einer Siegessäule erhielt: An der Basis erinnert sie an die Pestzeit, bekrönt wird sie vom besiegten muslimischen Halbmond, über dem das christliche Kreuz als Sieg und Triumpf des Christentums über die Türken bzw. den Islam steht. Pestsäulen sind Denkmäler, die an die Zeit der Pest erinnern bzw. als Dank für deren Erlöschen gestiftet wurden. Pestsäulen stellen meist die Heilige Dreifaltigkeit, die Muttergottes oder andere Pestheilige wie die hll. Rosalia, Sebastian oder Rochus dar. Daneben gibt es auch sogenannte Pestkreuze. Pestsäulen wurden im Volksmund auch „Heilige Säulen“ genannt. Viele Pestsäulen sind der Hl. Mutter Gottes gewidmet, weil sie im katholischen Glauben die Fürsprecherin in Notzeiten ist. Pestsäulen, die Maria gewidmet sind (sogenannte Mariensäulen), sind aber auch ein Ausdruck zunehmender Marienverehrung, wie sie nach schweren Zeiten wie der Pest oder des Türkenansturms immer wieder zu beobachten ist. Pestsäulen befinden sich unter anderem in Deutschland, Österreich (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Wien), Rumänien, Schweiz, Slowakei, Tschechien, Ungarn. Auf dem Sockel wurden meistens die drei schlimmsten Plagen dargestellt, die die Städte heimgesucht hatten: die Pest, die Türken und der Hunger. Städte wie Klagenfurt oder Mödling mussten viel Leid über sich ergehen lassen. Türkenbelagerungen, Reformation und Gegenreformation gingen nicht spurlos vorüber. Bei der 2. Türkenbelagerung von 1683 brannten die Osmanen auch die Kirche St. Othmar nieder. Nach dem ersten Türkenkrieg und dem 30jährigen Krieg folgten ungeheuren Steuerlasten und im Jahre 1679 forderte die Pest viele Opfer. Als zum zweiten Mal die Türken vor Wien standen, wurde nahezu die gesamte Bevölkerung, die sich nach St. Othmar geflüchtet hatte, von Türken niedergemetzelt. Noch heute zeigen sich die Hiebe der Türkenkrummsäbel in der eisenbeschlagenen Tür zur Unterkirche. Die Türken hatten damals nicht nur die Länder verwüstet (Viktor Hugo) sondern auch regelrecht verpestet, d.h. sie haben die Pest übertragen. Noch in den beiden ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts verbreitet sich die Pest über die Türkei nach Ungarn und Polen, nach Schlesien, Posen, Preußen, Russland, nach Steiermark, Böhmen und der Lausitz, mit einer verheerenden Welle überschwemmt sie den Süden Frankreichs im Jahre 1721. Dann erfolgt ein weiteres Ebben: Siebenbürgen, Ungarn, Südrussland, Polen, Dalmatien, kurz die der Türkei zunächst liegenden Gebiete stellen sich in dieser Periode (1717 bis 1797) als die Ufer des Pestbezirkes dar. Im Anfange des laufenden Jahrhunderts walten ähnliche Verhältnisse, nur dass das eigentliche Pestgebiet sich immer mehr einengt und nur durch gelegentliche Durchbrüche (nach der Walachei, nach Griechenland, nach Siebenbürgen, den Küsten Italiens) von der Gefährlichkeit seiner Nachbarschaft Beweise liefert. Nach 1830 endlich lernen wir als einzig von der Pest leidende Gebiete noch die Türkei, Syrien und Aegypten kennen. Die Aegypter sagen, dass ihnen die Pest stets aus der Türkei und Syrien, und die Syrer, dass ihnen die Krankheit immer aus der Türkei gebracht worden ist. Am heftigsten lehnten die Türken es ab, die ursprünglichen Erzeuger und Besitzer der Pest zu sein, wie sie auch heute noch den Genozid an ihrer christlichen Bevölkerung leugnen; zudem spielen sie neue Seuchen wie das aus China und Iran eingeschleppte Coronavirus, das nicht nur durch die türkischen Airlines (Türkish Airlines, Pegasus) u.a. bei Pilger-Massentransporten nach Mekka verbreitet wird, herunter Die Annahme, dass
die Luft die Pestkeime in besonders reichlicher Menge enthalte, sie uns
entgegenwehe, ist einigermaßen dadurch erschüttert worden, dass
ein besonders schädlicher Einfluss der Winde sich niemals mit Sicherheit
hat beweisen lassen, vielmehr von Alters her die Tatsachen nicht sowohl
aus eine Verwehung, als auf Verschleppung hinweisen. So hatte z.B. ein
junger Kosak, vom Regiment nach seiner Heimat Wetljanka entlassen, seiner
Braut einen mitgebrachten türkischen Shawl geschenkt, der die erste
Erkrankung in jenem Orte veranlasste. Vor allen anderen Transportmitteln
schien stets der Mensch am geeignetsten, die Krankheit zu verschleppen,
sei es dass sie an ihm selbst zum Ausbruch kam, sei es dass er gesund blieb
und nur Anderen den entwickelungsfähigen Keim mitbrachte. Hören
wir die rührende Klage des Italieners de Mussis, welcher mit einem
aus der Türkei kommenden Schiff im Jahre 1346 in Genua landete: „Nun
war es aber wunderbar, dass, wo auch die Schiffer landeten, überall
Alle, die mit ihnen in Berührung traten, rasch dahin starben, gleich
als ob Jene von einem verderblichen Hauche begleitet gewesen wären.
Weh des Jammers! Wir betraten, nachdem wir gelandet, unsere Häuser.
Da schwere Krankheit uns befallen, und von Tausend, die mit uns gereist,
kaum noch Zehn übrig waren, so eilten Verwandte, Freunde und Nachbarn
herbei, uns zu begrüßen. Wehe uns, die wir die Todesgeschosse
mit uns brachten, dass wir durch den Hauch unseres Wortes das tödtliche
Gift ausstreuten!“ Vgl. Kurse Nr.
567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr.
506 Wladimir Solowjew, Nr.
627 St. Basilius der Große, Nr. 557
Ludovico Ariosto, Nr. 622 Victor Hugo,
Nr.
619 Franz Werfel, Akademie der Kunst und Philosophie / Académie
des sciences
Calixt III. (Callistus, Calixtus, Kalixt III.), hier von Pinturicchio in einem Fresko verewigt, wurde am 31. Dezember 1378 in Canals bei Xàtiva, Königreich Valencia geboren und starb am 6. August 1458 in Rom. Sein ursprünglicher Name Alonso de Borja, italianisiert Alfonso Borgia, war ein spanischer Geistlicher und vom 8. April 1455 bis zu seinem Tod Papst der katholischen Kirche. Sein Pontifikat stand im Zeichen des Kampfes gegen das Osmanische Reich, das das Abendland militärisch zunehmend bedrohte. In einer päpstlichen Bulle rief er kurz nach seinem Amtsantritt 1455 zu einem gemeinsamen Krieg der christlichen Mächte Europas auf. Calixt ordnete am 29. Juni 1456 ebenfalls in einer Bulle an, dass eine oder mehrere Kirchenglocken mittags durch ihr Geläut die Gläubigen dazu aufrufen sollten, für einen Sieg der Ungarn unter ihrem Anführer Johann Hunyadi über die Türken zu beten (im Volksmund „Türkenläuten“ genannt). Damit war das Mittagsläuten, das bis heute erfolgt, eingeführt. der greise Katalane stand in der in der Tradition der Reconquista, der Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Mauren. Bald geriet Calixt in einen Konflikt mit seinem früheren Förderer, dem König von Aragón, der als Alfons I. auch den Thron von Neapel innehatte. Während die Auseinandersetzungen eskalierten, sah der Papst im neapolitanischen König das Haupthindernis für sein größtes Anliegen, nämlich die Rückeroberung Konstantinopels von den Türken und einen neuen Kreuzzug. Der Brauch, zur Mittagszeit die Kirchenglocken zu läuten, ist auf die Zeit zurückzuführen, als die Heerscharen der Türken das christliche Abendland bedrohten. Papst Calixt III. (1378–1458) ordnete am 29. Juni 1456 in einer Bulle an, dass eine oder mehrere Kirchenglocken mittags durch ihr Geläut die Gläubigen dazu aufrufen sollten, für einen Sieg der Ungarn unter ihrem Anführer Johann Hunyadi über die Osmanen zu beten. Während die Glocken läuteten, sollten die Christen drei Vaterunser und drei Ave Maria beten. Das Heer Sultan Mehmeds II. wurde am 22. Juli 1456 nahe bei der Burg Nándorfehérvár (heute Belgrad) trotz seiner erdrückenden Übermacht von einer Allianz aus ungarischen Truppen und einem bäuerlichen Kreuzfahrerheer geschlagen. Papst Kalixt III. erhielt erst am 6. August 1456 die Siegesnachricht. Fortan sollte das kirchliche Mittagsgeläut aus Freude über die Niederlage der Moslems ertönen. Nachdem die Bedrohung des osmanischen Reiches gegenüber Europa trotz dieses Sieges für Jahrhunderte nicht gebannt war, wurde die päpstliche Anordnung fortgeführt und als Brauch bis heute beibehalten. Es ging als Türkenläuten in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Als die osmanischen Vorstöße nach Europa mit der ersten Belagerung Wiens im Herbst 1522 mit weit über 100000 Mann einen Höhepunkt erreichten, änderte sich Luthers Meinung: Er sprach sich nun ausdrücklich für einen vom Kaiser geführten Abwehrkrieg aus, sah die Belagerung aber zugleich als Hinweis auf die unmittelbar bevorstehende Apokalypse. Dass mit den Türken das Ende der Zeiten nahte, fand er in der Bibel bestätigt. Im Unterschied zu den vielen anderen von ihm verteufelten Feinden nötigten die Muslime die Christenheit seines Erachtens zu Buße und Umkehr. In den 1540er Jahren förderte der Wittenberger Reformator die Drucklegung einer lateinischen Übersetzung des Korans, allerdings nur, weil er darin ein geeignetes Kampfmittel gegen den Islam sah. "Die Türken beteten mehr als die Christen und liebten es, sich mit dem Schein besonderer Heiligkeit zu umgeben. Das entspreche der Strategie des Teufels, sich in einen Engel des Lichts zu verwandeln. Die im Koran enthaltenen Urteile über Christus und das Christentum waren für Luther der entscheidende Maßstab für die Bewertung als teuflisches Machwerk." Wie standen Luther und der ältere Protestantismus zu den Türken? Die osmanischen Eroberungen werden als Strafe Gottes für das Versagen der Christenheit gesehen. Dabei kann Luther sogar so weit gehen, dass er die Türken gerade für eine göttliche Bestrafung der Papstkirche hält, die nach Meinung Luthers nicht nur moralisch verfallen sei, sondern auch durch das Papsttum das Erlösungswerk Christi verdunkle. So kann er sagen, die Türken seien wie der Papst „Gottes Fasnachtsspiel“; Gott schlage einen Buben durch den anderen (WA 19, 644,1). Er erkennt, dass im Islam Christus nur ein – von Mohammed überholter – Prophet ist und nicht die von der Bibel verkündete Zentralstellung als wahrer Sohn Gottes und Heiland der Welt besitzt. Mögen Frömmigkeit und Disziplin der Muslime noch so beeindruckend sein, für Luther offenbaren sie eine noch viel entscheidendere Werkgerechtigkeit, den frevelhaften Versuch also, sich durch fromme Werke (Fasten etc.) das Heil selbst zu verdienen. So nennt er die Muslime „des Teufels Heilige“, die durch „eigene große Werke fromm und selig“ werden wollten (WA, 30/2, 187,12-14). Damit hat Luther, der im Lauf der Jahre immer mehr die Überzeugung gewann, dass die Endzeit angebrochen und der Antichrist bereits in der Welt erschienen sei, dem Islam eine apokalyptische Rolle zugewiesen als Werkzeug des Antichristen. Es spricht vieles dafür, dass diese apokalyptische Deutung des Islam, die ihre Vorläufer bereits im Früh- und Hochmittelalter hat (z.B. bei Joachim von Fiore und Alvarus von Cordoba), ja sogar bis ins Frühmittelalter zurückreicht (Johannes Damascenus, der nicht nur den Islam als christliche Häresie versteht, sondern in den Muslimen auch die Vorläufer des Antichristen erkennt), wesentlich gefördert wurde durch die nach Europa gemeldeten Berichte über türkische Gräueltaten und damit getragen war von einem starken Motiv der Angst. Auch bei Luther stellt man fest, dass die apokalyptische Sichtweise gerade nach Mohács und dem erstmaligen Erscheinen der Türken vor Wien die Oberhand gewinnt. Darin trifft er sich mit Melanchthon, der durch seine intensiven Beziehungen zu Ungarn mit der Türkennot dort vertraut war. Daneben gibt es aber auch sehr nüchterne Aussagen, die fast modern anmuten: "Luther beklagt die große Bereitschaft zur Gewalt, also die im Islam so wichtige Funktion des Schwertes, das zum Instrument der muslimischen Glaubensverbreitung geworden sei; ebenso auch die Vielweiberei und die Ehescheidung. Wie seine Zeitgenossen erregt sich Luther über die Ermordung und Versklavung von Christen, die sogar Kinder nicht verschont. Er hält die Rede von der Toleranz der Türken für falsch, da es den Christen im türkischen Herrschaftsbereich nicht möglich sei, öffentlich zusammen zu kommen, Christus zu bekennen oder gar an Mohammed Kritik zu üben. Diese im Gegensatz zu seinen apokalyptischen Aussagen sehr nüchterne Sicht fasst Luther in dem Gedanken zusammen, dass der Islam die Grundordnungen menschlichen Zusammenlebens zerstöre. Es gibt bei Luther also neben der religiösen Beurteilung des Islam auch eine grundsätzlich säkulare (wobei hier außer Acht bleiben kann, dass diese inhaltlich auch von religiösen Motiven und Überzeugungen geprägt ist). Der Türke als Vollzugsorgan des Antichristen und als Störer der Weltordnung – diese Dichotomie verlangt nach Luther auch eine doppelte Strategie von Seiten der Christen. Auf der religiösen Ebene sah Luther keine Notwendigkeit, direkt gegen den Islam zu kämpfen. Eine Verführungskraft sprach er ihm nicht zu, ja er war sogar überzeugt, dass man die Lektüre des Koran sogar fördern müsse, um die inneren Widersprüche des Islam zu demonstrieren und ihn ad absurdum zu führen. Luther selbst befürwortete daher Koranübersetzungen und wollte sie den Pfarrern an die Hand gegeben wissen, damit diese die Gefahren, die vom Islam ausgingen, fortan nicht mehr unterschätzten. " Säkular ist deshalb auch die Begründung der Türkenkriege bei dem Reichsritter und Humanisten Ulrich von Hutten, allerdings hier eingefärbt durch ein eminent politisches Motiv: Hutten stellt den Fürsten vor Augen, welche furchtbaren Auswirkungen das „türkische Joch“ auf das Reich haben würde, und fordert sie zur Einigkeit auf. An der Spitze des Kampfes gegen die Osmanen möchte er aber den Kaiser sehen, dessen Aufgabe es sei, die Welt in ihrer Ordnung zu halten. Papst und Klerus, die Hutten verachtet, sollten sich indes heraushalten. Luthers „moderne“, ethische Konzeption einer Erhaltung der Weltordnung und der menschlichen Gemeinschaft, erst recht Huttens politische Aufrufe zum Türkenkrieg und selbst die apokalyptischen Interpretationen, die im Verlauf der Geschichte eine sehr unterschiedliche Konjunktur hatten, konnten freilich nie eine solche Bindewirkung entfalten wie der alte Kreuzzugsgedanke. "Türkenzeitungen" und "Türkenkalender" wurden gedruckt und hatten "vor allem auch den Zweck, die Greueltaten der Türken an den Christen bekannt zu machen." Soganennte "Türkenglocken" wurden aus dem Erz erbeuteter türkischer Kanonen gegossen. Sie wurden zum Dank für einen Sieg gegen die Türken geläutet, oder generell wurden zur Mittagszeit eine oder mehrere Glocken "gegen die Türken" geläutet. Man nannte dies das sogenannte "Mittagsläuten", das zum Vaterunser und Avemaria beten aufrief. Die Türkenglocke auf dem Grazer Schloßberg zum Beispiel soll aus 101 erbeuteten Türkenkanonen gefertigt sein. "Nach 1636, also nach der für die Christen siegreichen Schlacht am Kahlenberg, läuteten sie morgens, mittags und abends mit jeweils 101 Schlägen zum Dank an die Gottesmutter und als Bitte für weiteren Schutz in zukünftigen Gefahren. Zum Dank erklangen auch die beiden Türkenglocken von 1686 in dem nahe Wien gelegenen Perchtoldsdorf, das noch 1683 von den Türken erobert und dessen Bevölkerung etwa zur Hälfte von den Osmanen niedergemezelt worden war." Auf der Glocke findet sich die Inschrift: "rueffe ich die Christen alle zusam zu loben Gott in hoechstem Thron der uns erloest aus der Tyrgken noth." Die Kreuzfahrer hatten bereits ein "Maria hilf" auf den Lippen. Doch vor allem nach der Schlacht von Lepanto und dem Sieg der Christen vor Wien (1683) hatte die Maria-Hilf-Verehrung einen ungeahnten Aufschwung genommen. Dieser spiegelt sich wider in der Geschichte des Gnadenbildes der "Auxiliatrix Christianorum", das in vielen Kirchen vor allem des süddeutschen und österreichischen Raumes zu finden ist. "Nach dem Seesieg von Lepanto musste es doch beeindrucken und ermutigen, dass den Türken auch zu Lande der große Sieg versagt blieb. Die unbändige offensive Kraft des Osmanischen Reiches schien gebrochen." Das resultierte aus der verbesserten Bewaffnung der christlichen Heere, deren Feuerkraft jenen der Türken überlegen war; zudem hatte man Fortschritte in der militärischen Taktik (Prinz Eugen von Savoyen) erzielt. Die Türken fanden sich plötzlich nicht mehr im Zentrum der Welt, sondern an den Rand gedrängt. Auch in der zivilen wie in der militärischen Technik war die Entwicklung weitgehend an ihnen vorbei gelaufen. Zu erwähnen sind seemännisch hervorragend ausgebildete venezianische Kapitäne, die in den folgenden Jahren durch kluge und wagemutige Unternehmungen nahe den Dardanellen den Nachschub der türkischen Invasionsflotte erheblich störten. Sie gipfelten in der Dardanellenschlacht von 1656, als der venezianische Admiral Lorenzo Marcello, unterstützt von Schiffen aus Malta, einen Flottenverband der Osmanen nahzu aufrieb. "Diese für die Venezianer meist siegreichen Seeschlachten, die von 1649 bis 1656 geführt wurden, basierten auf der klaren nautischen wie waffentechnischen Überlegenheit der Venezianer wie des christlichen Westens überhaupt." Dennoch gab es immer noch osmanische Aggressionen auf dem Balkan. 1663 eroberten die Türken nach mehreren vergeblichen Belagerungen die Festung Neuhäusel und unternahmen von der Festung aus weit ausholende Beutezüge, die mit großen Verwüstungen vor allem in der Steiermark und in Mähren einhergingen. 1672 überschritt Ahmed Köprülü mit etwa 100000 Mann den Dnjestr, der die Grenze bildete zwischen dem Osmanischen Reich und dem als Podolien bezeichneten Südostpolen. Es war nach 1620-1621 und 1633-1634 der dritte große Waffengang zwischen Osmanen und Polen. Dem Einsatz von Jan Sobieski war es zu verdanken, dass die "Tatarenhorden, die mordend und sengend Podolien durchstreiften", zurückgeschlagen werden konnten. Wenn es um die Befreiung seines Landes ging, so war er ohne inneren Widerspruch: Die Türken galten ihm als der Feind schlechthin. Für Sobieski "war der Türke nicht nur der gefährliche Aggressor, sondern auch der "Heide", der nach Überwindung aller Widerstände zur Ausrottung der Christenheit ansetzen werde. Daher kommt bei Jan Sobieski zur nationalen Komponente auch eine überregionale, abendländisch-christliche hinzu. So wurde Polens König nicht nur zu einem Verteidiger polnischer Freiheit, sondern der Freiheit Europas und des Christentums." Es war ein glücklicher Augenblick in der Geschichte des Abendlandes, dass der polnische König mehrere herausragende Persönlichkeiten fand, die auf dem Feld der Politik, der Diplomatie oder auf dem Schlachtfeld seine Mitstreiter wurden. Zu nennen wären neben Jan Sobieski selbst, Kaiser Leopold I., der mit Leibniz befreundete Prinz Eugen, Karl von Lothringen, Herzog von Marlborough - und auf der Gegenseite Ludwig XIV.. Die perfide Türkenpolitik Ludwigs XIV.bot den Reichsständen keine Sicherheit gegenüber den Türken. So wurde Leopold I. zur Schutzmacht der deutschen Länder. Karl V. von Lothringen wurde vom Kaiser zum Generalissimus seiner Armee ernannt. In dieser Eigenschaft finden wir ihn wieder als tatsächlichen Oberbefehlshaber der alliierten Truppen beim Entsatz von Wien, wo sein strategisches wie taktisches Genie den Sieg errang. "Noch erstaunlicher stellt sich allerdings die von Leopold eröffnete militärische Laufbahn jenes Mannes dar, der zum Inbegriff des Feldherrn-Genies wurde, wenngleich seine große Zeit als eigenverantwortlich agierender Kommandeur erst nach der Schlacht am Kahlenberg anbrach: Prinz Eugen von Savoyen. Eine entscheidende Rolle spielte auch Papst Innozenz XI. (1676-1689). "Es fügte sich gut, dass er in seiner Jugend eigentlich die Absicht hatte, in den Kriegsdienst zu treten, um gegen die Türken zu kämpfen. Schon als Kardinal hatte er aus eigenem Vermögen die Polen mit hohen finanziellen Mitteln gegen die Türken unterstützt. Als Papst verfolgte er das Ziel einer Befreiung Europas von der türkischen Gefahr mit äußerster Konzentration." Damit überhaupt Aussicht auf die Verwirklichung dieses Planes bestand, musste der Papst zuerst als Friedensstifter unter den europäischen Nationen wirken. Mit viel Mühe konnte er 1678 endlich einen Friedensschluss erreichen, der allerdings teuer bezahlt werden musste. Frankreich erhielt bedeutende Territorialgewinne auf Kosten des Reiches und Spaniens. "Dabei blieb der eigentliche Skandal dem Papst noch verborgen: Dem Friedensschluss entsprach auch nicht im Ansatz eine Friedensgesinnung Ludwigs XIV., der sich nunmehr auf dem Höhepunkt seiner Macht befand. Der König dachte nur an eine Fortsetzung seiner gegen das Reich und die Habsburger gerichtete Politik mit anderen Mitteln; und dazu wollte er sich fortan der Hohen Pforte bedienen." Ludwig sabotierte die Liga von Anfang an. Für die große Liga suchte der Papst auch Russland zu gewinnen, "das ebenfalls ein vitales Interesse daran hatte, die Türken zurückzudrängen. Doch dieser Plan scheiterte an den Differenzen zwischen Polen und Russland." Jan Sobieski, Kaiser Leopold I., Karl von Lothringen, Max Emanuel - sie alle fanden ihren Gegenspieler in dem Großwesir Kara Mustafa, der für Sultan Mehmed IV. regierte. "Die Christen in seinem weiten Reich hat Kara Mustafa gehasst und ihnen Steuern und Abgaben auferlegt, die weit über die Last hinausgingen, die sie unter seinen Vorgängern zu tragen hatten. Jedenfalls war Kara Mustafa ein tiefgläubiger, bis zum Fanatismus gehender Muslim, dessen politische Absichten immer auch mit der Ausbreitung des Islams verbunden waren." Im Gegensatz zu Leibniz und allen großen Dichtern und Denkern, herrscht unter Historikern und neuerdings den sogenannten Islamwissenschaftlern, die sich an Universitäten breit machen, eine beschwichtigende Sichtweise vor, "deren Illusionismus noch immer die westliche Haltung gegenüber dem Islam bestimmt." Was wäre wohl geschehen, wenn Wien nicht gerettet worden wäre? Die Türken setzten auf die Masse an Menschen, um die inzwischen überlegene Feuerkraft des Westens auszugleichen. Am 14. Mai 1683 stand Kara Mustafa mit etwa 250000 Mann vor Belgrad, bereits am 14. Juli war Wien von allen Seiten eingeschlossen. "Das Stift Heiligenkreuz bei Wien hatten die Türken am selben Tag niedergebrannt. Belagert und zerstört wurden auch die Städte und Ortschaften Hainburg, Baden, Schwechat, Percholfsdorf und Inzerdorf, deren Bevölkerung größtenteils getötet oder in die Sklaverei geführt wurde. In Mödling hatte sich die Bevölkerung in die Othmarskirche geflüchtet. Das hinderte die Türken nicht, dort auch die Frauen und Kinder niederzumetzeln. Die Wiener wussten also, was sie erwartete." Besonders wichtig erwies sich das Durchhaltevermögen des Mannes, der die Verteidigung leitete: des Wiener Stadtkommandanten Graf Rüdiger von Starhemberg. Nur knapp über 10000 Mann standen ihm zur Verfügung, darüberhinaus einige Tausend Freiwillige aus der Bevölkerung. Dennoch lehnte er eine Kapitulation Wiens selbst dann noch ab, als die türkischen Mineure die Stadtmauern an sensiblen Stellen schon gefährlich untergraben hatten, die Stadtverteidiger dezimiert und alle Bewohner der Stadt durch Hunger und Kanonenschlag aufs äußerste geschwächt waren. Unbeirrt vertraute er auf das Heranrücken des Entsatzheeres. Doch erst in den ersten Septembertagen, als die Verteidigung Wiens schon fast am Zusammenbrechen war, stand dieses Heer aus österreichischen, ponischen und bayrischen Truppen, verstärkt durch schwäbische, fränkische, badische, sächsische und sogar venezianische Einheiten, geschlossen bereit. Das Koalitionsheer setzte alles auf eine Karte: Es marschierte ohne Tross, also ohne Verpflegung, und ohne schweres Kriegsgerät zwei Tage durch den Wienerwald und stürzte sich dann am 12. September 1683 vom Kahlengebirge herab auf die türkischen Belagerer ("Schlacht am Kahlenberg") Als Starhember und die Seinen den Entsatz erkannten, nahmen sie nochmals alle Kräfte zusammen, wagten den Ausbruch und zwangen dadurch die Türken zu einem Zweifrontenkampf, auf den diese gänzlich unvorbereitet waren und völlig kopflos reagierten. "Die Verwirrung unter den Türken war vollkommen: Unter großen Verlusten und Zurücklassung von vielen Geschützen - aus ihnen wurde später die 'Pummerin', die größte Glocke des Stephandomes gegossen - , Munition, Vorräten und Gerätschaften ergriffen sie planlos die Flucht." Anders als in den früheren Türkenkriegen wollte man sich diesmal nicht mit einem grandiosen Erfolg zufrieden geben. Und so sollten die Folgejahre die Ernte einfahren, die man am 12. September 1683 ausgesät hatte. Überall wurden Mariensäulen aufgestellt, die dem ganzen bayrisch-österreichischen Raum gleichsam den Stempel eines Marienlandes aufdrückten. Der Sieg am Kahlenberg löste ein wahres Feuerwerk von Schlachten und Siegen der Allianz aus. Es galt Ungarn zu befreien. 1684 konnten Maximilian Lorenz Graf von Starhemberg, der Bruder des Verteidigers von Wien, und Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden-Baden ("Türkenlouis") Visegrád erobern, dessen Burg seit römischer Zeit eine hohe strategische Bedeutung hatte. 1687 hatten die kaiserlichen Truppen einen glänzenden Sieg bei Mohács zu verzeichnen. In Ungarn hatten die Siege dem Haus Habsburg einen Sturm an Popularität und Ansehen gebracht. Die Habsburger sollten fortan auch die Könige Ungarns stellen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ganz Ungarn - wozu auch große Teile des heutigen Rumänien gehörten - befreit waren: Klausenburg, Peterwardein, das ungarische Eger (Erlau), aber auch das serbische Karlowitz. Mit der Belagerung Belgrads im August 1688 kam die Stunde des Prinz Eugens von Savoyen. Es gab auch Rückschläge, weil die französische Politik den Osmanen zu Hilfe kam: Ludwig XIV. fiel, um Erbansprüche seiner Schwägerin, der berühmten Liselotte von der Pfalz, geltend zu machen, 1688 in Süddeutschland ein und zwang damit den Reichstruppen eine zweite Front auf. Nachdem durch intensive Bemühungen des Hl. Stuhls der Pfälzer Erbfolgekrieg beendet werden konnte, ernannte der Kaiser Prinz Eugen zum Oberkommandierenden in Ungarn. "Die Kampagne gegen die Osmanen sollte wieder aufgenommen werden, nicht nur um einen sehr instabilen und damit langfristig gefährlichen Zustand zu beseitigen, sondern auch, weil aus dem Osten die Kunde kam, dass Sultan Mustafa II., der seit 1695 an der Spitze des Osmanischen Reiches stand, mit einer großen Heeresmacht aufgebrochen sei, um die Schande von Wien zu tilgen und die als 'Goldener Apfel' verklärte Stadt in einem dritten Anlauf endlich zu gewinnen. Prinz Eugen, der die fortwährende Finanzknappheit des Kaisers realistisch einschätzte und wusste, das aus dem schwerfälligen kaiserlichen Regierungsapparat nicht mehr zu gewinnen war, sammelte alle verfügbaren Truppen des ungarischen Raumes und nahm sie unter eine strenge Disziplin, die aber auch der Fürsorge für die Soldaten nicht entbehrte. Nie waren für ihn die Truppen nur Menschenmaterial, die man beliebig in der Schlacht opfern konnte. Der Prinz dachte und handelte stets als überzeugter Christ, der sich vor Gott für das Leben und das Wohl seiner Soldaten verantwortlich fühlte. Krieg war für ihn weder Selbstzweck noch Mittel für die eigene Macht, sondern ein Widerfahrnis, das einem auferlegt wurde. Als äußeres Zeichen seiner Haltung trug der Prinz eine Abbildung der Marienzeller Madonna über dem Herzen auf seinem Brustpanzer." Es schien ein Siegesmarsch zu werden für die Türken: Etwa 100000 Mann zogen von Belgrad aus nach Norden, (Prinz Eugen von Savoyen hatte weniger als die Hälfte zur Verfügung) und waren gerade dabei, nahe Zenta die Theiss zu überqueren (11. September 1697). Die Kavallerie zuerst, dann auf einer Behelfsbrücke der Sultan mit der Artillerie und dem Tross - sie alle hatten schon das gegenüberliegende Ufer erreicht. Danach sollten die Fußtruppen folgen. Diesen Augenblick nutzte der Prinz zum Angriff. Die Osmanen waren darauf völlig unvorbereitet, und so wurde ihre Infanterie ein leichtes Opfer der Österreicher. Mit Recht nannte man die Schlacht von Zenta eine Entscheidungsschlacht. Prinz Eugen von Savoyen entschloss sich angesichts der bereits vorgerückten Jahreszeit, mit einer stark verkleinerten Truppe den Fliehenden nachzusetzen und drang dabei tief nach Bosnien vor. Dabei eroberte er auch Sarajewo, das er plündern und niederbrennen ließ, nachdem es von der türkischen Bevölkerung verlassen worden war. Als er in sein Winterquartier aufbrach, führte er eine große Schar von Christen mit, die unter der osmanischen Herrschaft hatten leben müssen und nun die Chance nutzten, in sichere Gebiete umzusiedeln. Die Erfolge Habsburgs im Großen Türkenkrieg konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die leeren Kriegskassen eine Fortführung des Befreiungskampfes auf dem Balkan und, dem früheren griechischen Gebieten inkl. Konstantinopel und Kleinasien als Ziel nicht zuließen. Dennoch bedeutete der Große Türkenkrieg eine schwere Niederlage für das Osmanische Reich: es musste Gebietsverluste in einem Vertrag anerkennen und die Offensivkraft, um in das Herz Europas vorzudringen, hatte es für immer verloren. Der Niedergang der Osmanen war zwar eingeleitet, aber noch lange nicht vollendet. Die Türken waren zwar zurückgeschlagen worden, aber wie gefährlich die türkische Armee noch immer war, bekamen die Russen zu spüren, die 1710 im Kontext des großen Nordischen Krieges gegen Schweden in einem vierten russisch-türkischen Krieg gerieten, als sich Schwedens König Karl XII. nach einer verlorenen Schlacht auf osmanisches Gebiet geflüchtet hatte. Nach der Kriegserklärung des Osmanischen Reiches an Venedig 1714, war es langsam wieder soweit für das "größte militärische Genie seiner Zeit", den Prinzen Eugen von Savoyen, den Kampf gegen die Osmanen nicht zuletzt mit finanzieller Unterstützung durch den Hl. Stuhl noch einmal aufzunehmen. Es bestand wieder eine deutliche türkische Überlegenheit, als sich die gegnerischen Heere erstmals beim heute serbischen Peterwardein an der Donau gegenüberstanden. Am 5. August 1716 konnte der Prinz diese Schlacht für sich entscheiden. Es folgten die Einnahme Temesvar und am 16. August die Eroberung Belgrads. Was sagt uns die Geschichte über das Wesen des Islams? Was sagen Leibniz, Thomas von Aquin, Nikolaus von Kues? Von Anfang an ist die Ausbreitung des Islam verbunden mit Gewalt. Mohammed war ein Mann des Schwertes. Zwang und Gewalt lassen sich von Christus her nicht begründen. "Islam indes bedeutet Unterwerfung, ja Sklaverei, wie auch die Berührung des Bodens mit der Stirn im Orient die Haltung eines Sklaven ist. Es war Mohammed selbst, der durch seine eigenen kriegerischen Unternehmungen gezeigt hat, wie der Djihad, der dem Westen gerne verharlosend nur als Glaubensanstrengung vorgestellt wird, in Wirklichkeit zu interpretieren sei: als Krieg, der die Völker dem Gesetz des Islam unterwirft." Auch wenn heute noch Muslime, insbesondere Fanatiker, in den Glaubenskrieg ziehen, handelt es sich "nicht um eine religiöse Verirrung, sondern um eine letzte Konsequenz aus dem Koran in der gelebten Interpretation Mohammeds... Wo der Islam in der Minderheit ist, verhält er sich tolerant und duldsam; als Mehrheitsreligion aber spielt er seine Dominanz unverhohlen aus, beschneidet andere Religionen in ihrer Freiheit und in ihren grundlegenden Rechten...Der Islam ist nicht zu einem tieferen Verständnis der menschlichen Person vorgedrungen." Heute findet in der
Türkei vor allem Geschichtsklitterung statt; wer an türkischen
Universitäten die türkische Geschichte nicht glorifiziert, wird
verhaftet. Diese Geschichtsklitterung färbt sogar auf Europäische
Historiker ab, nämlich auf die Vertreter der postkolonialen Theorie.
"In Werken postkolonialer Theorie, nicht zu verwechseln mit historischer
Forschung zur Kolonialgeschichte, ist heute indessen eine manische Fixiertheit
auf Europa augenfällig, ein Eurozentrismus, der den langen Strang
imperialer Geschichte der Menschheit ausblendet. In dieser Darstellung
wird Europa zum alleinigen Subjekt der Geschichte, während alle anderen
Völker und Regionen zu bloßen Objekten europäischen Handelns
degradiert werden. Genährt wird eine Weltsicht, die von der Annahme
ausgeht, alle Übel dieser Welt – Kolonialismus, Imperialismus, Rassismus,
Sklaverei, Sexismus, ja jegliche Form von Unterdrückung und Ausbeutung
– seien erst durch den Westen und das „westliche Denken“ erzeugt worden,
gemäß der leitenden Annahme, der europäische Kolonialismus
wirke bis heute fort und halte die Völker der Welt in Knechtschaft.
So schreibt etwa Achille Mbembe, einer der Stars der postkolonialen Theorie,
in seinem Buch „On the Postcolony“, es gebe für afrikanische Gesellschaften
seit dem fünfzehnten Jahrhundert keine „distinktive Geschichtlichkeit“
mehr, die nicht von europäischer Vorherrschaft geprägt sei."
Der Islam und das osmanische Türkentum, das die Welt jahrhundertelang
knechtete, wird ausgeblendet. "Mbembe kann dies nur so darstellen, weil
er die Herrschafts- und Eroberungsansprüche des Islams, genauer gesagt
der islamischen Theologie und die den Kreuzzügen unmittelbar vorausgegangene
islamische Eroberung fast ganz Anatoliens vollständig ausblendet.
Es war aber ebendiese Eroberung, die einen Hilferuf des byzantinischen
Kaisers und damit den ersten Kreuzzug auslöste, der, auch das bleibt
bei Mbembe unerwähnt, von arabischen Muslimen eroberte ehemals christliche
Kerngebiete zurückeroberte. ... Ende des dreizehnten Jahrhunderts
legte Osman I. mit der Eroberung erster Gebiete im Osten des Byzantinischen
Reichs den Grundstein für das Osmanische Reich. 1354 überschritten
die Osmanen den Bosporus, eroberten Gallipoli und drangen weiter nach Europa
vor. Sieben Jahre später folgte mit Adrianopel, dem heutigen Edirne,
eine der größten Städte des Reichs. 1396 fiel auch Bulgarien
an die Osmanen. Als die Portugiesen 1415 mit der Festung Ceuta an Marokkos
Nordküste das erste Gebiet in Afrika in Besitz nahmen, hatte das junge,
inzwischen weite Teile Anatoliens umfassende Osmanische Reich sich gerade
von der schweren Niederlage erholt, die ihm das mongolische Heer unter
Timur Lenk 1402 zugefügt hatte. 1422, also sieben Jahre nach Portugals
erster Koloniegründung in Afrika, belagerten die Osmanen zum wiederholten
Male Konstantinopel, die Metropole des Byzantinischen Reichs. Das byzantinische
Anatolien befand sich mit Ausnahme des kleinen griechischen Kaiserreichs
Trapezunt zu diesem Zeitpunkt vollständig in osmanischer Hand. Während
die Portugiesen Madeira (1419) und die Azoren (1427) in Besitz nahmen und
ihre Expansion auf das nordwestliche Afrika ausdehnten, waren die Osmanen
weiter mit der Eroberung Europas beschäftigt. 1453 nahmen sie unter
Sultan Mehmet II., genannt der Eroberer („Fatih“), Konstantinopel ein und
machten es zu ihrer Hauptstadt. Damit war das Ende des Byzantinischen Reichs
besiegelt, 39 Jahre bevor Kolumbus die Küsten Amerikas erreichte.
Während die allmähliche Eroberung und europäische Besiedelung
Amerikas in der europäischen Geschichtsschreibung durchaus kritisch
beleuchtet wird, wird die osmanische Eroberung in der türkischen Geschichtsschreibung
bis heute glorifiziert. ... Und während die Spanier zwischen
1519 und 1521 das heutige Mexiko eroberten und das Reich der Azteken vernichteten,
eroberten die Osmanen 1521 Belgrad, ein Jahr später Rhodos, schlugen
1526 schließlich die Ungarn bei Mohács und belagerten 1529
erstmals erfolglos Wien. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung
gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts beherrschte das osmanische Imperium
das östliche und südliche Mittelmeer, ein Gebiet vom Balkan bis
nach Persien und fast zur Gänze um das Schwarze Meer herum. Parallel
dazu eroberte Russland ein Imperium, das von der Ostsee und dem Schwarzen
Meer im Westen bis zum Beringmeer, der Halbinsel Kamtschatka und Alaska
im Osten sowie vom arktischen Ozean und der Barentssee im Norden bis zur
Mongolei, Turkmenistan, Afghanistan und Persien im Süden reichte und
beinahe ein Sechstel der Landmasse der Erde umfasste. ... Im Westen hat
sich im Zuge der Aufklärung eine Kultur entwickelt, die einen kritischen
und um Objektivierung bemühten Blick auf das Eigene wirft. Das schlug
sich auch in der Geschichtswissenschaft nieder. Die eigenen Eroberungen
und die ihnen zugrunde liegenden imperialistischen Bestrebungen werden
nicht apologetisch als glorreiche Geschichte der Sieger gelehrt. Moderne
Geschichtswissenschaft zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie
in der Lage ist, die Perspektive zu wechseln, einen übergeordneten
Standpunkt einzunehmen, das Schicksal der Eroberten zu berücksichtigen
und eigene Verbrechen zu analysieren. ... Während Eroberung und Besiedelung
Amerikas in der europäischen Geschichtsschreibung durchaus kritisch
beleuchtet wird, werden osmanische Eroberungen in der türkischen Geschichtsschreibung
bis heute glorifiziert. Versuche der Aufarbeitung werden als Herabwürdigung
und Verrat denunziert. So löste etwa die türkische Übersetzung
des zunächst auf Englisch erschienenen Buches „Slavery in the Ottoman
Empire and its Demise, 1800–1909“ des Historikers Hakan Erdem 2004 in der
Türkei einen Skandal aus. Über den Kritikern der offiziellen
Geschichtsschreibung schwebt der Strafbestand des Artikels 301 des türkischen
Strafgesetzbuchs: „Beleidigung des Türkentums“. ... Das Geschichtsbild
maßgeblicher Vertreter postkolonialer Theorien, das einem Aktivismus
den Boden bereitet, an dessen Ende der Westen selbst und damit der Weg
der Aufklärung und Demokratisierung europäischer Gesellschaften
abgewickelt werden soll, ist übrigens ganz im Sinne jener Mächte,
die, wie Russland, China oder die Türkei die eigene Geschichte verklären
" Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried
Wilhelm Leibniz, Nr. 607 Pinturicchio,
Nr.
350 Byzantinische Kunst und Architektur, Akademie der Kunst und Philosophie
/ Académie des sciences
Nikos
Kazantzakis
Allgemeine
Infos zur Akademie der Kunst und Philosophie und den Kursen
Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres, der Renaissance, des Barock, der Aufklärung, des Idealismus, der Romantik vgl. Kurse:Nr. 551 G.W.F. Hegel I, Nr. 660 G.W.F. Hegel II, Nr. 511 Johann Gottlieb Fichte I, Nr. 658 Johann Gottlieb Fichte II, Nr. 509 F.W.J. Schelling I, Nr. 510 F.W.J. Schelling II, Nr. 513 F.W.J. Schelling III, Nr. 505 Arthur Schopenhauer I-II, Nr. 663 Arthur Schopenhauer III, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 020 Johann Wolfgang von Goethe I-II, Nr. 673 Johann Wolfgang von Goethe III, Nr. 553 Friedrich Schiller I-II, Nr. 675 Friedrich Schiller III, Nr. 554 Friedrich Hölderlin I-II, Nr. 512 Novalis I, Nr. 671 Novalis II, Nr. 677 Jean Paul, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr. 631 Adelbert von Chamisso, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 665 Molière, Nr. 622 Victor Hugo I, Nr. 674 Victor Hugo II, Nr. 629 Voltaire I-II, Nr. 679 Laurence Sterne, Nr. 621 Lord Byron I, Nr. 676 Lord Byron II, Nr. 628 Percy Bysshe Shelly, Nr. 561 Sir Walter Scott, Nr. 555 Angelus Silesius, Nr. 634 Hans Sachs, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 680 Nikos Kazantzakis, Nr. 588 Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Nr. 550 Fjodor M. Dostojewskij I-II, Nr. 506 Wladimir Sergejewitsch Solowjow, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Nr. 661 Philosophie der Geschichte I, Nr. 686 Philosophie der Geschichte II, Nr. 687 Philosophie der Geschichte III, Nr. 687 Philosophie der Geschichte IV, Nr. 687 Philosophie der Geschichte V, Nr. 659 Wissenschaftslehre I, Nr. 666 Wissenschaftslehre II, Nr. 681 Wissenschaftslehre III, Nr. 682 Wissenschaftslehre IV, Nr. 683 Wissenschaftslehre V, Nr. 684 Wissenschaftslehre VI, Nr. 685 Wissenschaftslehre VII, Nr. 545 Sittenlehre I-II, Nr. 614 Sittenlehre III, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre I-II, Nr. 641 Staats- und Rechtslehre III, Nr. 644 Staats- und Rechtslehre IV, Nr. 655 Staats- und Rechtslehre V, Nr. 618 St. Ephraim der Syrer, Nr. 617 St. Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 627 St. Basilius der Große, Nr. 625 Theodorus Abucara, Nr. 624 Byzantinische Wissenschaft / Philosophie, Nr. 653 St. Cyprianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 654 St. Augustinus III, Nr. 579 St. Albertus Magnus, Nr. 500 St. Thomas von Aquin I, ScG, Nr. 501 St.Thomas von Aquin II, Sth I., Nr. 502 St.Thomas von Aquin III, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas von Aquin IV, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas von Aquin V, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 562 Dante Alighieri I-II, Nr. 672 Dante Alighieri III, Nr. 558 Calderón de la Barca, Nr. 648 Calderón de la Barca II, Nr. 650 Calderón de la Barca III, Nr. 651 Calderón de la Barca IV, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 637 Lope de Vega I, Nr. 638 Lope de Vega II, Nr. 642 Lope de Vega III, Nr. 643 Lope de Vega IV, Nr. 652 Juan Ruiz de Alarcón, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Nr. 678 François Rabelais, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 552 William Shakespeare I-II, Nr. 559 Wolfram von Eschenbach, Nr. 560 Walter von der Vogelweide, Nr. 662 Gottfried von Strassburg, Akademie der Kunst und Philosophie / Académie des sciences Nr.
320 Romanische Kunst und Architektur, Nr.
350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr.
325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr.
326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr.
586 Tizian, Nr. 591 Paolo Veronese,
Nr.
597 Correggio, Nr. 670 Annibale
Carracci,
Nr. 520 Rembrandt, Nr.
598 El Greco,
Nr. 620
Giovanni Battista Tiepolo, Nr.
590 Giovanni Bellini,
Nr. 656 Andrea
Solari, Nr. 657 Bernadino Luini,
Nr.
587 Andrea Mantegna,
Nr. 595 Jan van
Eyck,
Nr. 635 Rogier van der
Weyden, Nr. 640 Stefan Lochner,
Nr.
646 Michael Pacher,
Nr. 647 Peter
Paul Rubens, Nr. 649 Giotto di
Bondone,
Nr. 626 Luca Signorelli,
Nr.
610 Piero della Francesca,
Nr. 596 Perugino,
Nr.
522 Raffael (Raffaello Sanzio), Nr.
523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo
Gozzoli,
Nr. 606 Fra Angelico,
Nr.
607 Pinturicchio, Nr. 608 Domenico Ghirlandaio,
Nr.
593 Filippo Lippi,
Nr. 594 Filippino
Lippi,
Nr. 589 Albrecht Dürer,
Nr.
603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio
da Fossano detto il Bergognone, Nr. 636
Eugène Delacroix,
Nr. 639 Bartolomé
Esteban Murillo, Nr. 690
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