Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 501 

Thomas von Aquin: Summa Theologiae, De Malo


"Eine Sache wird ja nicht nach dem beurteilt, was an ihr zufällig, sondern einzig nach dem, was für sie wesentlich ist." - Thomas von Aquin

Thomas von Aquin Summa Theol: Wie trägt man die Christologie in das Denken hinein? Wie wird das Denken christlich gemacht?

Fra Angelico: Die Kroenung Mariae mit den heiligen Thomas von Aquin, Benedikt, Dominikus, Franz von Assisi, Petrus und Markus

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Kurs Kurs Nr. 501: Thomas von Aquin: Summa Theologiae, De Malo:
 

Die arabischen Philosophen seiner Zeit waren dabei, den grossen Philosophen der Antike, Aristoteles, in unzureichenden Übersetzungen und im Sinne einer zum Islam tendierenden Auffassung in das Abendland einzuführen. Thomas von Aquin griff Aristoteles auf und zeigte, wie dessen wissenschaftliches Denken mit dem des Christentums zusammengehen kann. Obwohl das arabisch geprägte Denken weite Teile der christlichen Denker schon durchsetzt hatte, gelang Thomas von Aquin die Überwindung dieses drohenden Einflusses. Dieser Einfluss stellt die menschliche Freiheit in Frage, um sie am Ende zu verneinen. In der Sicht der arabischen Anschauung kommt dem Menschen kein eigenes individuelles Denken zu; seine Gedanken sind nur Teil einer allgemeinen übersinnlichen Gedankenwelt. Damit hat der Mensch auch kein wahres Ich, das eigene Gedanken schöpferisch hervorbringen könnte. Die heilsgeschichtliche Verheissung, die von der alten Welt auf das Christentum übergegangen war, hat Hagars Söhne (Mohammedaner) nicht erfasst. Thomas von Aquin und die ihm folgenden Denker wurden zu Bewahrern dieser Verheissung. Die Summa Theologiae ist die begründende Zusammenfassung seines Denkens. Einmal beklagte sich ein Schüler über die Methode des "In-Frage-Stellens", er wolle sich für eine reine und schlichte Form des Gehorsams gegenüber der Autorität Gottes einsetzen. Thomas antwortete: "Gewiss werdet ihr auf Grund von Autoritäten die Wahrheit erlangen, aber ihr werdet mit leerem Kopf davongehen." [1]

"Der Wille richtet sich nicht immer auf das wahrhaft Gute, sondern manchmal auch auf das bloß scheinbar Gute." - Thomas von Aquin
Aristoteles meint, dass das Gutsein der praktischen Vernunft "in dem wahren besteht, das in Übereinstimmung mit dem rechten Streben ist." Maßlos dagegen ist alle Hartnäckigkeit übernommener Willenshaltungen, wo der Wille nicht der Vernunft unterworfen wird. 
"Daher gibt es keine Entscheidung ohne Verstand und Denken auf der einen Seite, ohne feste charakterliche Grundhaltung auf der anderen Seite. Denn wertvolles Handeln und dessen Gegenteil ist undenkbar innerhalb eines menschlichen Tuns, das sich ohne Denken und charakterliche Festigkeit vollzöge." - Aristoteles
Thomas läßt den Psalmist fragen: "Wer zeigt uns das Gute? Du, Herr hast über uns das Licht Deines Angesichtes entzündet" Das bedeutet soviel wie "Insofern vermag das Licht der Vernunft, das in uns ist, uns das Gute zu zeigen und dem Willen ein Maß zu geben." Dieses Maß wird man im Islam allerdings vergeblich suchen, es ist durch Christus gekommen: "insofern es das Licht Deines Angesichtes ist, d.h. von Deinem Angesicht herkommend." Es sei offensichtlich, dass das Gutsein des Willens weit mehr vom ewigen Gesetz als von der menschlichen Vernunft abhängig sei; da die rein menschliche Vernunft nicht ausreiche, sei es notwendig, auf die ewige Vernunft zurückzugreifen, die durch die Offenbarung durch Christus gegeben wurde. Wenn die Wahrheit verdreht wurde, wie dies ganz offensichtlich bei Mohammed der Fall gewesen sei, "wenn Vernunft bzw. Gewissen jemandem von dem, was an sich schlecht ist, sagen, dass der Mensch dem Gebot gemäß gehalten sei, es zu tun, oder von etwas, was an sich gut ist, dass es verboten sei, würde die Vernunft bzw. das Gewissen sich im Irrtum befinden." Da nun unter "Objekt des Willens" dasjenige zu verstehen sei, was von der Vernunft vorgestellt werde, "so nimmt, wenn der Wille sich auf etwas richtet, das von der Vernunft als schlecht vorgestellt wird, dieses den Charakter des Schlechten an." Wenn es also von der Vernunft als schlecht vorgestellt werde, richte sich der Wille darauf als auf etwas Schlechtes, "nicht weil es wesentlich schlecht, sondern weil es in der Erfassung durch die Vernunft in akzidenteller Weise schlecht ist." Daher sagt Aristoteles in der Nikomachischen Ethik, dass "der im eigentlichen Sinne Unbeherrschte derjenige ist, der nicht der rechten Vernunft folgt",  der in akzidenteller Weise Unbeherrschte dagegen derjenige, der einer irrenden Vernunft nicht folge und der Besserung fähig sei. Man müsse also festhalten, dass an sich jeder Wille, der von der Vernunft abweiche, sei diese eine rechte oder eine irrige, immer schlecht sei..[2]
"In ähnlicher Weise ist der Glaube an Christus von seinem Wesen her gut und heilsnotwendig; und gleichwohl richtet sich der Wille nur insofern auf dieses Gut, als es von der Vernunft als dieses vorgestellt wird." - Thomas von Aquin

"Auch wenn das Urteil der irrenden Vernunft sich nicht von Gott herleitet, so stellt doch die irrende Vernunft ihr Urteil als wahr und demzufolge als von Gott hergeleitet vor, von dem ja alle Wahrheit stammt."  - Thomas von Aquin

Das Schlechte entstehe aus einzelnen Unvollkommenheiten, das Gute jedoch erst aus der ganzen und vollständigen Sache. Richtet sich der Wille also auf das, was an sich schlecht ist, als auf etwas Gutes oder auf ein an sich Gutes als auf etwas Schlechtes, so ist der Wille in beiden Fällen schlecht. (zum Beispiel falsches Fasten wie Mohammed oder Muhammad von seinen Anhängern fordert, dass sie im Ramadan-Monat tagsüber fasten, auch nichts trinken, und nach Einbruch der Dunkelheit das Versäumte um so eifriger nachholen, so dass beispielsweise die Fleischer gerade im Ramadan Spitzenumsätze verzeichnen.)   [3]

Die "Bosheit der Intention" allein ist bereits hinreichend für die Bosheit des Willens. Daher gilt zwar: je schlechter die Intention, umso schlechter der Wille, aber es gilt nicht dieselbe Regel mit Bezug auf das Gutsein. Man müsse also in die Betrachtung mit einschließen, dass ja dazu, dass etwas schlecht sei, schon ein einziger Mangel hinreiche; dazu hingegen, dass etwas schlechthin gut sei, sei ein einzelnes Gut nicht hinreichend; dazu sei vielmehr die "Vollständigkeit des Gutseins" erforderlich. Das Beispiel Muhammad zeigt ganz deutlich: "wenn nämlich jemand bedenkt, dass aus seiner Handlung vieles Üble folgen kann, und sie gleichwohl nicht unterlässt, dann wird hieraus deutlich, dass sein Wille um so ungeordneter ist." [4]

"Das Gutsein der Intention allein ist nicht der vollständige Grund für die Güte des Willens." - Thomas von Aquin

"Eine Sache wird ja nicht nach dem beurteilt, was an ihr zufällig, sondern einzig nach dem, was für sie wesentlich ist." - Thomas von Aquin

Die Vernunft habe in den Belangen der Sachkunde eine andere Funktion als in denen der Sittlichkeit. Im Bereich der Sachkunde beziehe sich die Vernunft auf ein eingeschränktes, von der Vernunft selbst konzipiertes Ziel. Im Sittlichen hingegen beziehe sie sich auf das umfassende Ziel des ganzen menschlichen Lebens. In den Belangen der Sittlichkeit, wo die Hinordnung der Vernunft auf das umfassende Ziel des menschlichen Lebens ins Auge gefasst werde, liege das Übel immer in der Abweichung von der Hinordnung der Vernunft auf das umfassende Ziel des menschlichen Lebens. Daher werde jemand, insofern er Mensch und ein sittliches Wesen sei, wegen einer solchen Verfehlung beschuldigt. Unsere guten bzw. schlechten Handlungen haben aber vor dem christlichen Gott auf beiderlei Weise den Charakter des Verdienstes bzw. des Strafwürdigen. Erstens in bezug auf den christlichen Gott selbst nämlich, insofern er das letzte Ziel des Menschen sei. Wer also eine schlechte, auf den christlichen Gott nicht hinzuordnende Tat begehe, erweise Gott nicht die Ehre, die dem letzten Ziel geschuldet sei. Zweitens in bezug auf die Gemeinschaft des ganzen Universums, insofern der in jeder Gemeinschaft Herrschende vor allem die Sorge um das Gemeinwohl trage. Daher gehöre es zu seinen Aufgaben, all das zu vergelten, was in der Gemeinschaft an Gutem und Schlechtem geschehe. Im Gegensatz zum islamischen Gott, ist der christliche Gott "der Lenker und Herrscher des ganzen Universums, und insbesondere der vernunftbegabten Geschöpfe." Daher sei offenkundig, dass die menschlichen Handlungen auch in Hinblick auf Christus den Charakter des Verdienstes bzw. des Strafwürdigen haben; andernfalls hieße das, dass Christus sich selbst nicht um die Handlungen der Menschen kümmere.  [5]
"Nachdem vorzeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von unseren Sünden und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel höher geworden als die Engel, so viel erhabener der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt (Ps 2,7): "Du bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt"? und abermals (2 Sam 7, 14): "Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein"? Und abermals, da er einführt den Erstgeborenen in die Welt, spricht er (Ps 97,7): "Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten." Von den Engeln heißt es (Ps 104, 4): "Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen", aber von dem Sohn (Ps 45,7-8): "Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter der Gerechtigkeit ist seines Reichs Zepter. Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehaßt die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freude wie keinen andern neben dir." Und (Ps 102, 26-28): "Du, Herr, hast von Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Und sie werden alle veralten wie ein Kleid; und wie ein Gewand werden sie gewechselt werden und sich verwandeln. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören." Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt (Ps 110,1): "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße"? Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?" [6]

"Das Ganze aber, was der Mensch ist, was er vermag und was er hat, ist auf Gott hinzuordnen. Daher hat jede gute bzw. schlechte menschliche Handlung den Charakter des Verdienstes bzw. des Strafwürdigen vor Gott." - Thomas von Aquin
 


Anmerkungen

[1]  Mehr zum Thema Universalienstreit, Nominalisten-Realisten vgl. auch Kurse Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 502 Thomismus in der heutigen Zeit, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Vgl. Anm. 1 und Kurse Nr. 533 Aristoteles, Nr. 501 Thomas von Aquin: Summa Theologiae, de Malo. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] Vgl. Kurse Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 Thomas von Aquin: Summa Theologiae, de Malo. Akademie der Kunst und Philosophie
[4] Ebd. 
[5] Ebd.; vgl. Hebr. 1-4
[6] Hebr. 1
 
 


Fra Angelico, Saint Thomas Aquinas

Hier kannst Du Dich direkt für den Fernkurs registrieren 
oder Mitglied der Akademie der Kunst und Philosophie werden 
Allgemeine Infos zu den Kursen

Registration form
How to support the Academy of Arts and Philosophy
More Info
 

Folge uns in den sozialen Netzwerken:

Kunst und Architektur der Renaissance | Gothische Kunst und Architektur | Romanische Kunst und Architektur | Byzantinische Kunst und Architektur | Perugino | Raffael | Albrecht Dürer | Botticelli | Girolamo dai Libri | Ghirlandaio | Defendente Ferrari | Borgognone | Pinturicchio | Piero della Francesca | Mantegna | Fra-Angelico | Jan van Eyck | El Greco | Correggio | Murillo

Miguel de Cervantes | William Shakespeare  | Sir Walter Scott | Plato | Aristoteles | Johann Wolfgang von Goethe | Friedrich Schiller | Friedrich HölderlinNovalis | Arthur Schopenhauer | Matthias Claudius | Johann Gottlieb Fichte | Friedrich Wilhelm Joseph Schelling | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Wladimir Solowjew | Fjodor M. Dostojewskij | Gottfried Wilhelm Leibniz | St.Thomas Aquinas | Johannes Scottus Eriugena | St. Augustinus | Meister Eckhart | Angelus Silesius | Dante Alighieri | Torquato Tasso | Ariosto | Calderón de la Barca | Rousseau | Walter von der Vogelweide | Wolfram von Eschenbach

Save Beecolonies | Natural Apitherapy Council
Api / Science Review Letters
Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Arts and Philosophy
Forschungszentrum Bienentherapie | Apitherapy Research Centre
Zentrum fuer wesensgemaesse Bienenhaltung



Copyright © 2012-2017 Akademie der Kunst und Philosophie | Académie des sciences | Colégio des Artes
Letzte Bearbeitung:31.07.2017