Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 500 

St. Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic Period

Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, De unitate intellectus contra Averroistas (Über die Einheit des Intellektes gegen die Averroisten) 


"sapientis est ordinare - Die Aufgabe des Weisen sei das Ordnen" - Thomas von Aquin / Aristoteles

"Das Aufgezwungene steht dem, was der Natur gemäß ist, entgegen." - Thomas von Aquin

"Die geistige Erkenntnis ist gewisser als die sinnliche." - Thomas von Aquin

Averroes und seine Schüler behaupteten, die menschliche Seele sei eine in allen, wodurch folgerichtig die menschliche Persönlichkeit und die Unsterblichkeit aufgehoben wurden

Benozzo Gozzoli: san Tommaso

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 
"Questi, che m'è a destra più vicino,
Frate e maestro fummi; ed esso Alberto
E' di Cologna, ed io Thomas d' Aquino."
Dante, Il Paradiso X, 97–99
Unmittelbar nach seinem frühen Tod setzte ein erbittertes Ringen um die führende Stellung des Thomismus im Orden und in der ganzen katholischen Welt ein. Der Widerstand kam vor allem von der franziskanischen Theologie, mit der Thomas schon während seines Lebens heftige Kämpfe ausgefochten hatte. Doch seine Schüler verstanden seine Lehre durchzusetzen. Sein Lehrer Albertus Magnus, der ihn überlebte, erklärte ihn für ein "Licht der Kirche". Der Thomismus wurde zur offiziellen Philosophie des Dominikanerordens. 1322 wurde Thomas heiliggesprochen. 1879 wurde der Thomismus zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche erhoben.

Anfang des 13. Jahrhunderts verbreiteten sich in Europa die arabischen Wissenschaften, die den Werken der Griechen entlehnt waren. Islamische Gelehrte wie Avicenna, Avempace, Avicebron, Algacel und Averroes führten in Europa den Aristotelismus ein. Damals erregte eine ganze Gruppe, "die den Arabern blind bis in ihre tollsten Verirrungen hinein folgte, sehr starke Bedenken. Viele von den Parisern, sagte Albert der Grosse, sind nicht der Philosophie gefolgt, sondern den Sophismen." Die Lehre vom Menschen und der geistigen Seele sollten für das christliche Abendland verhängnisvoll sein; "Averroes und seine Schüler behaupteten, sie sei eine in allen, wodurch folgerichtig die menschliche Persönlichkeit und die Unsterblichkeit aufgehoben wurden." [1]

In islamischen "Staaten", besser gesagt Despotien, gab und gibt es keine Freiheit und Spiritualität. Thomas von Aquin konnte nachweisen, dass islamische Philosophen wie Averroes, Menschen nicht als Menschen sondern als Tiere definierten. Die "Summa contra Gentiles" war nicht nur gegen Averroes, wohl aber wie vorbereitend gegen die Gesamtheit der Häresie gerichtet, vor allem aber gegen die Araber und Sarazenen, d.h. die Moslems. "Die Grundfesten der Mauer zu errichten, galt es, dem Islam Aristoteles zu entringen und ihn darzustellen, wie er wirklich ist und nicht, wie ihn die Araber meinen sehen zu sollen; denn Averroes ist nicht der Erklärer, sondern der Verderber des Aristoteles." Nach Averroes bis in die heutige Zeit hat es noch viele derartige islamische Philosophen gegeben, die antike Schriften und sogar die Geschichte verfälscht haben. Heute handelt es sich um muslimische Studenten an Europäischen oder Amerikanischen Elite-Schulen - von Studenten an islamischen Hochschulen ganz zu schweigen -, die mit ihrer Dissertation oder Habilitation versuchen den Islam in einem rosigen Licht erscheinen zu lassen, indem sie zum Beispiel islamfreundliche oder neutrale Textstellen von Europäischen Dichtern und Denkern zitieren, die in Wirklichkeit massive Kritik am Islam geäussert hatten. [2]

Es war selbstverständlich, dass die aus dem Arabischen genommene Übersetzung, die bisher allein vorlag und die islamische Tendenzen in sich barg, durch eine neue ersetzt werden musste. Der gewaltigen Arbeit einer neuen Aristoteles-Übersetzung unterzog sich der Ordensbruder und Freund Thomas von Aquins, Wilhelm von Moerbaeke. Von nun an wurde Aristoteles in das christliche Lehrsystem einbezogen ("Taufe des Aristoteles"). Der Schrecken vor dem Heiden Aristoteles wich allmählich und offenbarte sich als das, was die Furcht eigentlich war: "ein berechtigter Schreck vor Mohammed und dem Islam, der wie ein alles Leben verdorrender Wind aus der Wüste wehte." [3]

Nur die Fallibilisten unter den heutigen Philosophen wie Carlos Fraenkel, die hauptsächlich an islamischen Hochschulen lehren, können der Meinung sein, die mittelalterlichen arabischen Übersetzungen von Averroes & Co seien den christlichen vorzuziehen. [4]

Man wehrte sich gegen die islamische Verführung durch Bann und Verurteilung von höchster kirchlicher Stelle, und ehe Thomas den Aristoteles "getauft" hatte, standen die beiden Dominikaner-Mönche Albertus Magnus und Thomas von Aquin immer in der Gefahr, verurteilt zu werden, "hatte doch die islamische Verirrung bereits weite Kreise des christlichen Abendlandes durch die Dürre des Nominalismus getroffen." [5]

Wie wichtig es gerade heute ist, die Werke des Thomas von Aquin neu zu rezipieren, zeigt die zunehmende Verbreitung des Islams unter Jugendlichen in Europäischen Ländern. Das Problem sind nicht die Hassprediger (diese kann man leicht erkennen; sie werden nach Saudi Arabien abgeschoben, wo sie in der Regel eine Karriere als Grossmufti beginnen). Problematisch sind sogenannte moderate Islamverbände, Moscheevereine, Internetportale wie islam.de und Koranverteilungsaktionen in Europa. Dort konvertieren die Jugendlichen zum Islam und reisen dann mit Freunden und Geschwistern in den islamischen Staat um dort zu kämpfen oder zu "helfen". Das Problem ist der Islam überhaupt, weshalb überlegt wird, Islamverbände, Moscheegemeinden ähnlich wie andere staatsgefährdende Sekten und Vereine zu verbieten. Schon im Mittelalter hat es ähnliche Probleme gegeben. [6]

Thomas von Aquin hatte für den König des Kreuzfahrerstaates auf Zypern eine Instruktionsschrift verfasst. Darin warnt er, dass, wenn zu viele - in diesem Fall meist muslimische Kaufleute - aufgenommen würden, die Stadt oder der Staat verderben könnte. Heute gilt dies auch für Länder wie die USA, in dem ein Bekenntnis zum Christentum als kriminell gelte ("Kriminalisierung des Christentums") und Gewinnmaximierung auf Kosten der Umwelt als normal. Damals wurden die Templer durch den "Scheinchristen" Philipp IV. kriminalisiert, heute werden die wahren Christen durch Atheisten in Kooperation mit Moslems kriminalisiert [7]: 

"Denn eine Stadt, die zu ihrem Lebensunterhalt eine Menge von Kaufleuten nötig hat, muss auch ein fortwährendes Zusammenleben mit Ausländern dulden. Der Verkehr mit Ausländern aber verdirbt zumeist den Charakter der Bürger; so ist auch die Ansicht des Aristoteles, wie er sie in seiner Politik äussert. Da die Ausländer unter anderen Gesetzen und Gebräuchen aufgewachsen sind, muss es dazu kommen, dass sie in vielen Dingen anders handelt, als es der Sitte der Einheimischen entspricht. So gerät, da nun diese wieder durch das Beispiel zu ähnlichem handeln veranlasst werden, das staatliche Leben in arge Verwirrung. Sind andererseits wieder die Bürger selbst mit dem Handel beschäftigt, so ist einer ganzen Zahl von Lastern der Weg in die Stadt offen. Da das Streben der Kaufleute sich vor allem auf den Gewinn richtet, wird durch den Betrieb des geschäftlichen Verkehrs die Begehrlichkeit in den Seelen der Bürger erweckt. Die nächste Folge daraus ist, dass im Staate alles käuflich wird, sich alles Vertrauen verliert und für jeden Betrug Platz ist, dass jeder in Verachtung des Gemeinwohls nur seinen persönlichen Vorteil folgt." - Thomas von Aquin, de reg. prin. II, 3 
Zudem lebten die Moslems der damaligen Zeit - zum grössten Teil auch der heutigen Zeit (Iran, Saudi Arabien, vereinigte Arabische Emirate, Qatar) - unter tyrannischer Herrschaft, was sich letztlich im Charakter der Menschen widerspiegelt, die nicht mehr "den Geist zu grossen Taten fassen" können. Viele versuchen diesem Teufelskreis zu entgehen, indem sie nach Europa fliehen; die deutsche Bundeskanzlerin wird als "mitfühlende Mutter" oder "Heilige" bezeichnet. Niemand will mehr in einem unfreien Land wie Saudi-Arabien leben; sie wollen Freiheit und Sicherheit - beides ist nur in christlichen Ländern möglich. Wenn der saudische König sich als "der Hüter der beiden Heiligen Stätten des Islams" anreden lässt, interessiert das keinen einzigen Flüchtling, denn es handelt sich nicht mehr um heilige Stätten sondern um eine Art goldenes bzw. steinernes Kalb  - die Kaaba in Mekka ist nichts weiter als ein Meteorit ohne jede weitere Bedeutung. Die einzige Hilfe, die Saudi-Arabien den syrischen Flüchtlingen zukommen lassen will, ist die Ankündigung 200 Moscheen in Deutschland zu bauen; dies wird aber nicht nötig sein, da sich kaum noch jemand für den Islam interessiert; wer will sich schon dem Urteil irgendeines seltsamen islamischen Theologen unterwerfen, der Apostasie mit dem Tode bestrafen will? Die junge muslimische Gemeinde in den Jahren nach dem Tod ihres Propheten Mohammed im Jahr 632 war ebenfalls damit konfrontiert, dass sich einzelne Gruppen wieder vom Islam lossagten, weil sie die ewigen Spitzbübereien satt hatten [8]: 
"Es liegt aber in der Natur des Menschen, dass die, die unter dem Druck einer steten Furcht aufwachsen, zu knechtischer Gesinnung entarten und schliesslich zu kleinmütig werden, überhaupt noch eine männliche und grosse Tat zu tun." - Thomas von Aquin, de reg. prin. I, 3 
Vor allem muslimische Tyrannen bezeichnet nicht nur Thomas von Aquin als Toren und Ungläubige, die ohne Christentum auch nicht in der Lage seien gerecht zu herrschen. Auch die Flüchtlinge aus den arabischen Diktaturen sehen das ähnlich: "Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, die Araber sind die Ungläubigen." Deutlich wird der Widerwille, der sich gegen die arabischen Golfstaaten artikuliert, an einer Karikatur: Sie zeigt einen Mann im weissen Golf-Gewand, der mit der einen Hand ein Boot voller Flüchtlinge zurückweist. Mit der anderen gibt er einem bärtigen Rebellenkämpfer das Daumen-hoch-Zeichen. [9]

Muslimische Tyrannen waren damals wie heute "wahrhaft im Irrtum", wenn sie "irgendwelcher irdischen Vorteile willen von der Gerechtigkeit ablassen".  Im Iran, in Saudi Arabien und anderen Ländern unter muslimischer Gewaltherrschaft muss die Regierung grosse Geschenke an sogenannte Trabanten zahlen, da sie in der Bevölkerung keinen Rückhalt hat:

"Da die Herrschaft des Tyrannen dem unterworfenen Volke missliebig ist, so haben sie es nötig, viele Trabanten zu halten, um vor ihren Untertanen sicher zu sein. Für diese müssen sie nun mehr ausgeben, als sie von den Untertanen rauben können." - Thomas von Aquin, de reg. prin. I, 10 

"Dort straft die göttliche Gerechtigkeit
den Attila, die Geissel vieler Völker" - Dante

Allerdings wenn von Gewinnmaximierung die Rede ist, sollte man auch erwähnen, dass nicht nur die Moslems sondern auch "dem Anschein nach christliche Könige" wie der französische König Philipp IV (der Schöne), auch als "Falschmünzerkönig" bezeichnet, gegen die Templer vorgegangen ist: Misshandlung des Papstes Bonifaz VIII. durch abgesandte Philipps des Schönen im Jahr 1303, aus Geldgier Misshandlung und Auflösung des Templerordens (1314) durch Philipp den Schönen, was letztlich zum Fall von Konstantinopel und dem Aufstieg des osmanischen Reiches führte. Dazu Dante Alighieri (1265 - 1321) und die Geschichte der Templer:
»Das alt und neue Weh zu überbieten,
seh ich das Lilienbanner in Anagni
und Christum selbst in seinem Stellvertreter
zum zweitenmal erhascht, verhöhnt, getränkt
mit Essig und mit Galle, zwischen Schächern
gekreuzigt, und so ruchlos ist der zweite 
Pilatus, dass er gierig, ohne Rechtsspruch
zum Tempel gar die Räuberschiffe schickt.«
- Dante Alighieri (1265 - 1321)
Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt) war ein geistlicher Ritterorden, der von 1118 bis 1312 bestand. Der Ritterorden wurde 1118 infolge des Ersten Kreuzzugs gegründet. Sein voller Name lautete "Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem" ("Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosolymitanis"). Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche vereinte, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit. [10]
"Es ist unbestritten einzig und allein das Verdienst dieses Ordens, den Vorstoss des Islams nach Europa in Spanien gestoppt zu haben. Über die Gründe, warum der Französische König Philipp der Schöne den Prozess gegen sie erzwang, mit den perfidesten Tricks erzwang, gibt es nur Mutmassungen. Vorher war noch kein Orden aufgelöst worden, weder durch den Papst noch durch eine weltliche Macht. Erst die Einrichtung der Inquisition machte dies möglich. Sie brauchte nicht einmal vor dem Papst Rechenschaft für ihre Taten abzugeben." [11]

"Dass der wissenschaftliche Aufschwung in der christlichen Welt weniger sprunghaft erfolgt, liegt daran, dass schon eine höhere Basis existiert, die auf Resten der lateinischen, byzantinischen und griechischen Zivilisation ruht. ... Fraglos ist die abendländische Zivilisation nach den Kreuzzügen erst richtig erblüht. Im Gegensatz dazu stirbt die islamische Zivilisation an den Kreuzzügen. Langsam aber sicher. So, als wäre sie von ihren Grundlagen getrennt worden. Die christliche Zivilisation verdorrt nach dem Verlust Jerusalems und besonders nach dem Untergang des Templerordens." [12]

Der Name „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“ rührt von dem Umstand her, dass König Balduin II. dem Orden einen Flügel seines Palastes, der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo bis zur Zerstörung durch den persischen Sassanidenherrscher Chosrau II. im Jahre 614 eine Basilika  St. Maria gestanden hatte, als Quartier angeboten hatte, welcher auf den Grundmauern des salomonischen Tempels gebaut worden war. Die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem hat dort also nicht das geringste zu suchen. Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke von Jaffa über Ramla nach Jerusalem zogen Räuber an. Da die Straßen von der Küste ins Landesinnere sehr unsicher waren und der Großteil des Kreuzritterheeres nach Europa zurückgekehrt war, weshalb kaum Schutz vor Überfällen bestand, war es bei der Gründung des Templerordens um 1118 seine erste und ursprüngliche Aufgabe, die Straßen des heiligen Landes für die christlichen Reisenden zu sichern. Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war einer der wichtigsten Kleriker seiner Zeit. Er setzte sich ab 1129 für die Unterstützung des Templerordens ein. 1127 reiste Hugo von Payens in Begleitung mit anderen Gründungsmitgliedern (Zahl steht nicht fest; man spricht von acht bis dreißig Mitgliedern) nach Europa zurück, um für den Orden neue Mitglieder zu werben. Außerdem hatte die Idee der Vereinigung von Kriegern und Mönchen Streitfragen aufgeworfen, die die Templer den geistlichen Größen der Christenheit vorlegen wollten. Ab 1127 sind zunehmend Schenkungen von Landbesitz an den Orden zu verzeichnen, insbesondere in Frankreich, doch auch in England, Spanien, Portugal und Italien. Ein nicht geringer Teil der Schenkungen wird auf den Einfluss von Bernhard von Clairvaux zurückgeführt, der Abt des Zisterzienserklosters von Clairvaux war. Am 13. Januar 1129 fand das Konzil von Troyes statt. Anwesend waren laut der Präambel zur Ordensregel Kardinal Matthias von Albano, einige Bischöfe, die Äbte Hugo von Mâcon von Pontigny, Bernhard von Clairvaux, Stephan Harding von Cîteaux sowie weitere Kleriker und Laien; von den Templern wohnten Hugo von Payens, Andreas von Montbard und möglicherweise weitere Ordensmitglieder der Zusammenkunft bei. Die Ordensregeln wurden schriftlich festgelegt. Sie waren augustinisch geprägt, doch sind auch zisterziensische Einflüsse erkennbar, was für manche darauf hindeutet, dass Bernhard bei der Festlegung der Regeln beteiligt war. Mit zahlreichen weiteren Beitritten ging auch ein Wachstum der Spendeneinkünfte einher. Im Heiligen Land gehörten die Burgen Baghras (ab 1134 oder 1137), Roche Roussel und Darbsak zu den frühesten Besitzungen der Templer. Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum erneut bestätigt und der Orden direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete der Orden faktisch einen Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. [13]

Die Templer nahmen an allen größeren militärischen Aktionen im Heiligen Land teil. Wie die anderen Orden blieben die Templer vom Königreich Jerusalem unabhängig und wurden zu einer eigenständigen politischen Kraft. Später zog sich der Orden nach Zypern zurück. Der Orden beteiligte sich auch aktiv an der Vertreibung der Mauren (Reconquista) aus der Iberischen Halbinsel. [14]

Die Templer beschäftigten sich aber nicht nur mit dem Kriegshandwerk: Die Einkünfte der europäischen Komtureien mussten nach den Staaten im heiligen Land transportiert werden. Diese Transporte begründeten die Finanzaktivitäten des Tempels. Zunächst dienten die Tempelhäuser im Osten nur als Tresore und Schatzkammern des Landes, aber schon für das Jahr 1135 sind erste Verleihgeschäfte verbürgt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen zu einer regulären geschäftlichen Betätigung. Die Templer erfanden eine eigene Art der Kreditbriefe  (Vorläufer der heutigen Reiseschecks) sowie fortschrittliche Techniken der Buchführung. Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9.000 über ganz Europa verstreute Besitzungen (von denen aber nur ein geringer Teil eigenständige Komtureien waren). Ihre Aufgabe war es, Gewinne zur Finanzierung des Kampfes in Palästina zu erwirtschaften. Zu den bekanntesten zählen die beiden „Hauptquartiere der Temple in Paris und die Temple Church in London sowie die Siedlung "Tempelhoffe" (1290), das heutige Berlin-Tempelhof, wo die burgartig erhöhte und ummauerte Dorfkirche Tempelhof im Alten Park das letzte Überbleibsel dieser alten Templer-Komturei darstellt. Auch Tempelhof war mehr Landgut als Burgfeste. Heute gibt es – wird von der Wehr-Klosteranlage Convento de Cristo im portugiesischen Tomar abgesehen – nur noch eine Burg des alten Templerordens in Europa (Burg von Ponferrada in Spanien), alle anderen wurden zwischenzeitlich zerstört. [15]

Augustinus, ein häufig von Thomas von Aquin zitierter Autor, die Templeisen in Wolfram von Eschenbachs Parzival und die Templer wussten, Erfolg und Wohlstand allein machen noch lange nicht glücklich. Wie man zu echter Erfüllung findet, zeigen nicht nur die Beispiele des Parzival und Feirefiss aus der Gralssage sondern auch das Beispiel des Augustinus. Niemand dürfte damit gerechnet haben, dass aus dem smarten weltlichen Erfolgsredner später einmal ein Bischof, gar ein grosser Theologe werden würde. Erfolg hatte er auf seinem bisherigen Weg gehabt, sein Beruf war angesehen und erträglich, er besaß gute Freunde. Alles schien in Ornung. Und dennoch zufrieden war Augustinus nicht. Sein Beruf brachte ihn in innere Not. Er sollte, das brachte seine Funktion mit sich, eine Rede auf einen Kaiser halten, den jungen, überforderten Valentinian II. Er musste dafür lügen. Augustinus wusste, dass er nicht den richtigen Weg verfolgte. Seinen Erfolg erlebte er als Scheitern auf der Suche nach Glück. Was Augustinus beschreibt, erinnert an moderne Befindlichkeiten. Man führt ein Leben des Erfolgs, des Wohlstands und hält es doch für ungenügend. Man ist sich bewusst, dass man auf dem falschen Weg ist, und vermag doch nichts zu ändern. Mitten in Erfolg und Wohlstand erlebt man sich als Gescheiterten, wenn es um das wirklich Wichtige geht. Nur wenige - eben Parzival und Feirefiss-Naturen - wagen einen Ausbruch aus dem bisherigen Leben. Der glanzvollen beruflichen Karriere sollte Augustinus bald entsagen. Er ging den Gralsweg, der ihm die Nichtigkeit seiner bisherigen Ambitionen vor Augen führte, beeinflusst durch Ambrosius und durch seine Mutter. Das ganze Scheitern seiner bisherigen Lebensplanung sah er in den Römerbriefen des Paulus in Worte gefasst. Er musste sein Leben ändern. Das Scheitern Augustinus mündete in eine Bekehrung zum christlichen Glauben. Augustinus, legte den Grundstein für die christliche Theologie als Wissenschaft. Am 13. November 354 wird Augustinus in der wohlhabenden römischen Provinzstadt Tagaste in Numidien geboren. Die Region zählt heute zu Algerien. Sein Vater ist der Stadtrat Patricius, seine Mutter die Christin Monica. Patricius schickt seinen Sohn zur Ausbildung in die etwa 24 km entfernte Stadt Madaura. 370  beginnt er in Karthago das Studium der Rhetorik. Dort schließt sich er sich dem Manichäismus an. Die in der Oberschicht Karthagos verbreitete Glaubenslehre geht auf ihren persischen Gründer Mani zurück. 384  nimmt Augustinus in Mailand die Stelle eines Magisters der Rhetorik an. Dort lernt er Bischof Ambrosius kennen, dessen Predigten und Liturgie ihn mit dem Leben von Jesus und dem Christentum als Religion in Berührung bringen. Ambrosius hatte das christliche Ritual durch die Einführung des Gemeindegesangs gestärkt.Im August 386 hat er ein Bekehrungserlebnis. Er hört eine Kinderstimme, die ihm die Worte "Nimm und lies!" einflüstert. Er bezieht diese Eingebung auf die Paulus-Briefe und beginnt sie zu studieren. Auf dem Landgut Cassiciacum beginnt er mit seinen ersten theologischen Schriften "Contra Academicos", "De beata vita" (vom glücklichen Leben) und "Soliloquia" (Selbstgespräche). Ostern 387 lässt sich Augustinus zusammen mit seinem Sohn Adeodatus und dem Freund Alypius von Bischof Ambrosius taufen. Im Herbst 388 tritt Augustinus seine Heimreise nach Numidien an. Mit Freunden bezieht er in Tagaste das väterliche Haus und beginnt mit ihnen ein klösterliches Leben. 390 entsteht die Schrift "De vera religione", in der er sich gegen die Manichäer wendet und den Glauben an den christlichen Gott verteidigt. Der hochbetagte Bischof Valerius von Hippo Regius nimmt Augustinus als seinen Gehilfen. Augustinus lässt sich zum Presbyter (griech: der Erste) weihen und beginnt sein Amt zu Ostern. 395 ist Augustinus Bischof mit Valerius.397 verfasst Augustinus  seine Autobiographie "Confessiones" (Bekenntnisse). 399 beginnt Augustinus mit seinem insgesamt 15 Bücher umfassenden Hauptwerk "De Trinitate", das er 419 vollendet. 410 erobern die Goten Rom. Augustinus schreibt das Buch "De unico baptismo contra Petilianum". Zentraler Gedanke ist die Einmaligkeit der Taufe, die darum nicht wiederholt werden kann. 413 verfasst Augustinus, als Reaktion auf die Eroberung Roms, seine Vision von der gerechten Stadt in "De civitate dei". [16]

"Sie haben keineswegs Lügenpropheten und wahre Propheten unterschiedslos gewähren lassen und durcheinander gemengt, sondern als wahrhaftig nur diejenigen Verfasser heiliger Schriften anerkannt und festgehalten, die untereinander einhellig waren und in keinem Stücke voneinander abwichen. Nur sie galten ihnen als Philosophen, das ist als Liebhaber der Weisheit, nur sie als Weise, als Theologen, als Propheten, als Lehrer der Rechtschaffenheit."  - Augustinus, De civ. dei 18, 41
Ähnlich wie Aristoteles und Augustinus hat auch Thomas von Aquin die Verwandtschaft zwischen dem menschlichen Innern und dem Göttlichen immer wieder dargestellt. Dieses Verhältnis kann natürlich gestört sein, dann geben wir den Mut auf und anstatt dass wir uns selbst entwickeln, werden wir entwickelt. "Eine Entwicklung ist nur dann rechtmäßig, wenn diese sich in völliger Harmonie mit ihrer Umgebung entfaltet, und wenn wir selber die Sicherheit über unsere moralischen Impulse handhaben. Unsere Umgebung diktiert uns nicht, wie wir zu handeln haben, wir tun selber das Gute, weil wir das wollen." [17]:
"Zweitens können wir aus dem Dargelegten erschließen, dass das Wort immer in einem lebendigen Denkvorgang aus dem Geist hervorgeht, und weiter, dass das Wort stets der Begriff und ein Abbild des gedachten Gegenstandes ist. Wenn das Denkende und das Gedachte dasselbe sind, dann ist das Wort der Begriff und ein Abbild des Geistes, aus dem es hervorgeht; wenn jedoch das Denkende und das Gedachte etwas Verschiedenes sind, dann ist das Wort kein Abbild und nicht der Begriff des denkenden Geistes, sondern des gedachten Gegenstandes, wie die Vorstellung, die jemand von einem Stein hat, lediglich ein Abbild des Steines ist. Wenn aber der Geist sich selbst denkt, dann handelt es sich bei einem solchen Wort um ein Abbild und um den Begriff des Geistes. Deshalb nimmt Augustinus ein Abbild der Dreieinigkeit in der menschlichen Seele an, sofern der Geist sich selbst denkt, nicht aber, sofern er etwas anderes denkt. Demnach ist deutlich, dass man das Wort in jedem geistigen Wesen voraussetzen muß, dass der Geist durch das Denken etwas bildet: dessen Bildung wird Wort genannt. Aus diesem Grunde muß man in allem Denkenden das Wort annehmen." [18] - Thomas von Aquin, Super Evangelium S. Joannis  I, 1-11 
Thomas von Aquin konnte die Position retten, für die der heilige Albertus Magnus gefochten hatte. Renaissance-Maler schufen Altarbilder, die den Triumpf des heiligen Thomas von Aquin darstellen. Dabei hält der Heilige sein Buch in der Hand und setzt seinen Fuß auf einen vor ihm niedergestreckten Mann, den sein Turban als einen Moslem kenntlich macht. Es ist Averroes, der arabische Philosoph und Jurist. Was Moslems und ihre Sympathisanten betrifft, spricht Thomas in seinem anti-averroistischen Traktat 1270 von der "Unverschämtheit der Irrlehrer" (errantium impudentia).  Sein Gegenüber ist ein Pariser Kollege - Siger von Brabant - , einer jener christlichen Professoren, die den Arabern zu sehr entgegenkamen - ähnlich wie heute die sog. Islamwissenschaftler. Auch Averroes wurde bei dieser Gelegenheit scharf angegangen und als Kommentator des Aristoteles die Kompetenz bestritten. Er verdrehe den Aristoteles, statt ihn auszulegen. Averroes sollte seine Schlüsselstellung als der Aristoteles-Erklärer verlieren. Aristoteles sagt ganz klar, allein der tätige Intellekt sei unsterblich und zeitüberlegen. Thomas stellt fest, die Lehre von der Einheit des Intellekts für alle Menschen widerspreche offensichtlich dem Christentum. Das Ziel seiner Schrift sei es darüber hinaus zu beweisen, dass diese Theorie auch den Grundsätzen der Philosophie widerspreche. Mit großer Sorgfalt und Textkenntnis erreicht Thomas sein Ziel, Aristoteles von Averroes zu trennen. Thomas argumentiert, wenn der Intellekt als Seelenvermögen, also als ein Teil der Seele angesehen werde, einer Seele, die wesenhaft Körperform sei, dann könne er dennoch mit Aristoteles als getrennt bezeichnet und seine Unzerstörbarkeit gesichert werden. Die organfreie Denkkraft sei Teil einer Seele, deren Hauptaufgabe die Gestaltung eines menschlichen Leibes sei. Diese Seele sei individuell, also auch ihre Denkkraft. Die Geistseele sollte, Aristoteles und Thomas zufolge, unzerstörbar sein. [19]

Thomas von Aquin wendet sich mit seinem Sermo "Attendite a falsis prophetis (hütet euch vor falschen Propheten)" noch vor 1272 in Paris gegen solche Philosophen und Wissenschaftler, die dem Christentum widersprechende Ansichten vortragen, wie die Nominalisten und Averroisten um Siger von Brabant. An heutigen Universitäten dagegen wimmelt es schon von "falschen Wissenschaftlern". Ein solcher Philosoph, Wissenschaftler oder Mediziner sei nach Thomas von Aquin ein falscher Prophet oder ein falscher Doktor (falsus propheta sive falsus doctor), denn es sei dasselbe, eine zweifelhafte Ansicht zu erörtern und sie nicht aufzulösen wie ihr zuzustimmen. Die Gegner des Thomas argumentieren immer der Sache nach mit Aristoteles und Averroes gegen Positionen des Christentums. Die These von der Einheit des Intellekts gehört zu den zentralen Thesen des sogenannten lateinischen Averroismus. Dieser Monopsychismus ist die zentrale Lehre des averroistischen Kreises um Siger gewesen. Ein Averroist (averroista) ist ein Vertreter der Lehre von der unitas intellectus gewesen. Thomas zufolge ist die Geistseele die Seinsform des ganzen Menschen. Averroes dagegen meint, es gebe nur einen einzigen Intellekt in allen Menschen (quod unus sit intellectus in omnibus). Siger folgt uneingeschrängt der Aristoteles-Interpretation des Averroes. Eine persönliche Unsterblichkeit wie sie das Christentum lehrt, ist nach der Theorie der Averroisten nicht mehr denkbar und kann nur noch geglaubt, nicht aber mehr mit der Vernunft begründet werden - eine Ansicht, die zur Kant'schen Philosophie führt. Die Frage, ob dem Intellekt die Erkenntnis einiger geistig wahrnehmbarer Dinge angeboren sei, wird von Siger - und später Kant - schlicht verneint; unserem Intellekt sei keinerlei Erkenntnis von geistig wahrnehmbaren Dingen angeboren.  [20] 

"sapientis est ordinare - Die Aufgabe des Weisen sei das Ordnen" - Thomas von Aquin
Darüber hinaus sei es nach Aristoteles die Aufgabe des Weisen, "die höchsten Ursachen" zu betrachten (sapientis est "causas altissimas" considerare). Das Ziel des Universums müsse das "Gut der Vernunft" sein. Das aber sei die Wahrheit. Also müsse die Wahrheit das letzte Ziel des ganzen Universums sein und die Weisheit vor allem in ihrer Betrachtung bestehen. "Daher legt die fleischgewordene göttliche Weisheit Zeugnis dafür ab, dass sie in die Welt gekommen sei, um die Wahrheit offenbar zu machen" indem sie sagt: "Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." Auch die erste Philosophie bestimmt Aristoteles als die "Wissenschaft von der Wahrheit". Wie es darum die Aufgabe des Weisen sei, die Wahrheit vor allem in Hinblick auf den ersten Ursprung zu bedenken und den anderen darzulegen, so sei es auch seine Aufgabe, das ihr entgegenstehende Falsche zu bekämpfen - eine Aufgabe, die von vielen Philosophen und Theologen heute versäumt wird. [21] 

Das Streben nach Weisheit sei unter allen Bestrebungen des Menschen das erhabenste, weil dadurch der Mensch in vorzüglicher Weise eine Ähnlichkeit mit Gott erlange, der "alles in Weisheit (omnia in sapientia)" gemacht habe. Ziel sei es, die Wahrheit, die der christliche oder katholische Glaube bekenne, darzulegen und entgegenstehende Irrtümer auszuschließen oder wie Hilarius sagt: Er sei sich bewusst, "diese Aufgabe geradezu als das wesentlichste meines Lebens Gott schuldig zu sein, dass all  meine Rede und all mein Sinn spreche von ihm." Mit den meisten Irrenden könne man vernünftig diskutieren, nicht jedoch mit den Moslems oder Mohammedanern. Bei der Untersuchung der Wahrheit müssten daher die Irrtümer wie die des Islams ausgeschlossen werden. Es müsse dargelegt werden, in welcher Weise die Wahrheit mit dem Glauben der christlichen Religion übereinstimmt. ("veritas fidei Christianae religionis concordet")  [22] 

"Weil einige von ihnen, wie die Mohammedaner und die Heiden, nicht mit uns die Autorität wenigstens eines Teils der Heiligen Schrift anerkennen, durch die sie überzeugt werden könnten, wie wir gegen die Juden auf Grund des Alten Testaments disputieren können, gegen die Häretiker auf Grund des Neuen. Sie aber nehmen ja keins von beiden an." - Thomas von Aquin
Natürlich gebe es Menschen, die eine Sache mit dem Verstand schärfer durchschauen als andere, erkenne der, dessen Verstand höher sei, vieles, was der andere überhaupt nicht fassen könne, wie es ersichtlich ist bei einem türkischen Ziegenhirten oder vielen anderen, die die islamische Lehre angenommen haben, die in keiner Weise die scharfsinnigen Überlegungen der Philosophie begreifen können. "Wie also der Laie, der behauptet, das von einem Philosophen Vorgetragene sei falsch, weil er es nicht fassen kann, von höchstem Unverstand wäre, so und noch viel mehr ist der Mensch von übergroßer Torheit", wenn er das, was vom christlichen Gott her durch den Dienst der Engel offenbart wird, deshalb für falsch hält, weil es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann. Nicht alles, was über das Christentum gesagt wird, ist, obwohl es mit der Vernunft nicht erforscht werden kann, sogleich als falsch zu verwerfen, wie vor allem die Mohammedaner gemeint haben. Nur wenige haben eine wirkliche Gotteserkenntnis. Einige werden abgehalten wegen ihrer ungeeigneten körperlichen Veranlagung, durch Erfordernisse der Haushaltung und können nicht so viel Zeit aufbringen, "dass sie den höchsten Gipfel menschlichen Forschens erreichen, die Gotteserkenntnis nämlich - Einige aber werden durch Faulheit gehindert. Zur Erkenntnis jener Dinge nämlich, die die Vernunft von Gott erforschen kann, muss man vieles vorher erkennen, da ja fast alles philosophische Denken auf die Gotteserkenntnis hingeordnet ist." Solche Anstrengungen nun wollen nur wenige aus Liebe zum Wissen auf sich nehmen, zu dem Gott doch ein natürliches Verlangen in den Geist der Menschen eingepflanzt habe. Erst wenn der Geist Ruhe und Halt gefunden hat, wie Aristoteles sagt, könne er begreifen und denken. "Dadurch, dass die Seele von der natürlichen Verwirrtheit aus auf festem Boden Fuß fasst, wird etwas erst besonnen und klug." Heilsam also habe die göttliche Güte Vorsorge getroffen, dass sie auch das, was die Vernunft erforschen kann, im Glauben festzuhalten gebot, damit so alle Menschen leicht, ohne Zweifel und ohne Irrtum der Gotteserkenntnis teilhaft sein könnten. Darum heißt es ja auch - heute vor allem auf die Moslems bezogen - "Wandelt nicht mehr, wie die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihrer Sinne, da sie einen durch Finsternis verdunkelten Verstand haben" und "Ich will alle deine Kinder vom Herrn belehrt sein lassen." Es gehe um die "Unterdrückung der Anmaßung" wie sie heute vor allem bei den Moslems zu finden ist und die die "Mutter des Irrtums" sei. Der Geist müsse zu etwas höherem aufgerufen werden, was über den ganzen Stand des gegenwärtigen Lebens hinausgehe. "Dies aber kommt vorzüglich der christlichen Religion zu (Et hoc praecipue Christianae religioni competit)." wie Thomas von Aquin betont. [23] 
"Ist also, mit dem Menschen verglichen, der Geist etwas Göttliches, so ist auch ein Leben im Geistigen, verglichen mit dem menschlichen Leben, etwas Göttliches." - Aristoteles

Daher sollen wir nicht solchen Dichtern folgen wie Simonides, "die uns mahnen, als Menschen uns mit menschlichen und als Sterbliche mit sterblichen Gedanken zu bescheiden, sondern, so weit wir können, uns zur Unsterblichkeit erheben und alles tun, um unser Leben nach dem einzurichten, was in uns das höchste ist." - Aristoteles

Die aber einer derartigen Wahrheit, der die menschliche Vernunft die Erfahrungsprobe nicht biete, Glauben beimessen, glauben nicht leichtfertig, als ob sie wie die Muslime "ungelehrten Fabeln folgten (indoctas fabulas secuti)." Denn diese "Geheimnisse der göttlichen Weisheit (divinae Sapientiae secreta)" wurden den Menschen durch Christus geoffenbart.  "Nicht nur eine unzählbare Schar einfältiger, sondern auch der weisesten Menschen hat sich, nachdem sie dies gesehen hatte, durch die Wirksamkeit der genannten Beweise, nicht durch Waffengewalt, nicht durch Verheißung von Genüssen getrieben und, was das Wunderbarste ist, unter der Tyrannei der Verfolger zum christlichen Glauben bekannt."  (Thomas von Aquin). Nachdem das menschliche Heil "anfangs durch den Herrn verkündet worden war, wurde es von denen, die es höörten, bei uns befestigt, wobei Gott Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mannigfache Gaben des Heiligen Geistes." [24] 
"Diese so wunderbare Bekehrung der Welt zum christlichen Glauben (mirabilis mundi conversio ad fidem Christianam) ist aber die sicherste Bestätigung für die vorausgegangenen Zeichen, so dass es nicht notwendig ist, sie fernerhin zu wiederholen, da sie in ihrer Wirkung sichtbar vor Augen stehen. " [25]  - Thomas von Aquin

“Die aber, welche die verschiedenen Richtungen des Irrtums aufgebracht haben, sind auf entgegengesetztem Wege vorgegangen, wie offenbar ist bei Mohammed, der die Völker verlockt hat durch Versprechung fleischlicher Genüsse, zu deren Verlangen die fleischliche Begierde anstachelt. Auch hat er, der fleischlichen Lust die Zügel schießen lassend, Gebote gegeben, die zu diesen Versprechungen passen und denen fleischliche Menschen leicht gehorchen. Auch Belege für die Wahrheit hat er nicht beigebracht, außer solchen, die leicht von jedem halbwegs Weisen durch natürliche Geisteskraft erkannt werden können. Ja, sogar das Wahre, das er lehrte, hat er mit vielen Fabeln und grundfalschen Lehren vermischt. Auch hat er in den Dienst der Sache keine übernatürlich gewirkten Zeichen gestellt, durch die allein der göttlichen Eingebung ein angemessenes Zeugnis gegeben wird, wo die sichtbare Tat, die nicht anders als göttlich sein kann, den auf unsichtbare Weise geisterfüllten Lehrer der Wahrheit erweist. Er hat vielmehr gesagt, er sei in der Macht der Waffen gesandt: Zeichen, die auch Räubern und Tyrannen nicht fehlen. Auch haben ihm am Anfang nicht irgendwelche in göttlichen und menschlichen Dingen geübte Weise geglaubt, sondern tierische Menschen, die in Wüsten lebten, jeder göttlichen Lehre durchaus unkundig, durch deren Menge er andere mit Waffengewalt unter sein Gesetz gezwungen hat. Auch legten für ihn keine göttlichen Weissagungen vorausgehender Propheten Zeugnis ab; alle Belege des Alten und des Neuen Testaments entstellt er vielmehr durch fabelndes Erzählen, wie dem deutlich wird, der sein Gesetz liest; deswegen überließ er auch mit listiger Berechnung die Bücher des Alten und des Neuen Testaments seinen Gefolgsleuten nicht zum Lesen, damit er durch sie nicht der Unwahrheit überführt werde. Daher ist offenbar, daß die, die seinen Ansprüchen Glauben schenken, leichtfertig glauben.” [26] - Thomas von Aquin

Obwohl nun die genannte Wahrheit des christlichen Glaubens ("veritas fidei Christianae") das Fassungsvermögen der menschlichen Vernunft übersteige, so könne doch das, was der Vernunft von Natur aus gegeben ist , dieser Wahrheit nicht entgegengesetzt sein. Was von Lehrenden in die Seele des Schülers hineingetragen werde, das sei im Wissen des Lehrers enthalten, "falls er nicht Erdichtetes lehrt, was von Gott zu sagen Frevel ist." - was bekanntlich bei allen muslimischen Lehrern (Imamen) der Fall ist. Die Erkenntnis der von Natur aus bekannten Prinzipien aber sei uns von Gott eingegeben, da Gott selbst der Urheber unserer Natur ist.  "Diese Prinzipien sind also auch in der göttlichen Weisheit enthalten. Was immer also derartigen Prinzipien entgegengesetzt ist, das steht gegen die göttliche Weisheit. Es kann also nicht von Gott sein." Daher kann der Islam auch nicht von Gott stammen. Im Einklang damit findet sich auch ein Wort des Augustinus: "Was die Wahrheit offenbaren wird, kann in den heiligen Büchern des Alten und Neuen Testaments in keiner Weise entgegen sein." [27]
"Das Aufgezwungene steht dem, was der Natur gemäß ist, entgegen." - Thomas von Aquin

"Die geistige Erkenntnis ist gewisser als die sinnliche." - Thomas von Aquin
 

Wesen und Urbild

Es gibt etwas in der Wirklichkeit, was den Sinnen als Gegenstand zugrunde liegt. Dasselbe gilt auch für den Verstand. Es gibt über alles Sinnenfällige hinaus in der Wirklichkeit etwas Geistiges. Platon lässt Gott über die Himmelskörper folgendermaßen reden: "Eurer Natur nach seid ihr auflösbar, nach meinem Willen jedoch unauflösbar, denn mein Wille ist größer als euer Zusammenhalt." Aristoteles sagt, dass der Himmel die Kraft hat, immer zu sein. Im Gegensatz zu Averroes heißt es in der heiligen Schrift über den christlichen Gott: "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." oder: "Das Unsichtbare an Gott kann man in den geschaffenen Dingen verstehend anschauen." Dadurch werde auch der Irrtum der ersten Naturphilosophen widerlegt, die nur materielle Ursachen annahmen, wie Feuer, Wasser oder derartiges, und so die ersten Prinzipien der Dinge für Körper hielten und diese Götter nannten. "Unter den Alten aber kam allein Anaxagoras an die Wahrheit heran, da er den Geist als den alles Bewegenden annahm. Durch diese Wahrheit werden auch die Heiden Lügen gestraft, die annehmen, die Elemente der Welt und die Kräfte in ihnen seien Götter, wie Sonne, Mond, Erde, Wasser und dergleichen, wozu sie durch die genannten Irrtümer der Philosophen veranlasst wurden." Auch an heutigen Universitäten werden die Studenten von den Irrtümern der Philosophen und Wissenschaftler in die Irre geführt und zu Materialisten und Utilitaristen herangezogen. [28]
"Jeder Name aber ist dazu bestimmt, die Natur oder das Wesen eines Dinges zu bezeichnen.." - Thomas von Aquin
Hilarius sagt: Sein sei für den christlichen Gott nicht hinzukommende, sondern wesentliche Wahrheit, bleibende Ursache und Eigentümlichkeit seiner Natur ("subsistens veritas, et manens causa, et naturalis generis proprietas"). Auch Augustinus sagt, in Gott sei kein Akzidens. Mit dem Nachweis dieser Wahrheit wird der Irrtum der Islamischen Theologen und der Averroisten widerlegt, die behaupten, es gebe bestimmte Attribute, die zum Wesen Gottes hinzukämen ("in lege Saracenorum loquentium confutatur"). Zu diesem Irrtum führt zum Beispiel ein "Versagen der Vernunft (rationis defectus)". Es gibt zwar eine Redeweise, nach der wir sagen, Gott sei in allen Dingen, wobei sie aber nicht verstanden, "dass er nicht in den Dingen als gewissermaßen etwas von dem Ding ist, sondern wie eine Ursache des Dinges, die in keiner Weise von ihrer Wirkung abwesend ist." Thomas von Aquin widerlegt den Irrtum der Heiden und Moslems, Gott sei die Seele des Himmels oder der ganzen Welt. "Auf Grund dieses Irrtums verteidigten sie den Götzendienst, indem sie sagten, die ganze Welt sei Gott." Sie glaubten, daraus folge, dass der Welt und ihren Teilen nicht nur angemessene sondern göttliche Verehrung ("divinus cultus") erwiesen werde. Auch Averroes neigte zu dieser Ansicht. [29]

Nach Aristoteles ist Vortrefflichkeit eines jeden das, was den, der sie hat, gut macht und sein Werk gut werden lässt. Die Vortrefflichkeit ist ein Vollkommenheit. "Wir nennen mämlich dann etwas vollkommen, wenn es die ihm eigene Vortrefflichkeit erreicht." Es gibt Vorzüge des Verstandes (dianoetische) und Vorzüge des Charakters (ethische). "Die ersteren nun gewinnen Ursprung und Wachstum vorwiegend durch Lehre, weshalb sie Erfahrung und Zeit brauchen, die letzteren sind das Ergebnis von Gewöhnung. Daher auch der Name (ethisch von ethos)", der sich von dem Begriff für Gewöhnung (ethos) herleitet. Die sittlichen Vorzüge entstehen in uns weder mit Naturzwang noch gegen die Natur, sondern es ist unsere Natur, fähig zu sein sie aufzunehmen. Es müsse sich eine fest Grundhaltung entwickeln: "Ob wir also gleich von Jugend auf in dieser oder jener Richtung uns formen - darauf kommt nicht wenig an, sondern sehr viel, ja alles." Daher müsse schon von früher Jugend an, wie Platon sagt, eine bestimmte Führung da sein, die Lust und Unlust da empfinden lehrt, wo es am Platze sei; denn dies sei die richtige Erziehung. [30]

"Wir philosophieren nämlich nicht, um zu erfahren, was ethische Werthaftigkeit sei, sondern um wertvolle Menschen zu werden" - Aristoteles

"Kraft der Gesundheit: die Körpersprache wird durch ein Zuviel an Sport genauso geschädigt wie durch ein Zuwenig. Übermaß in Speise und Trank richtet die Gesundheit ebenso zugrunde wie Unterernährung, während ein richtiges Maß sie erzeugt, steigert und erhält. Dasselbe ist nun der Fall bei der Besonnenheit, der Tapferkeit und den übrigen wesenszügen."  - Aristoteles

"Edle sind einfacher Art, hundertfach schillert das Böse."  - Aristoteles

"Gut Scheinendes bewegt nicht durch sich selbst, sondern infofern es irgendeinen Anschein des Guten hat; das Gute aber bewegt durch sich selbst." -  Thomas von Aquin

"Das, was dem Wesen eines Dinges entgegengesetzt ist, kann ihm in keiner Weise zukommen, solange es besteht, wie es dem Menschen nicht zukommen kann, ohne Vernunft oder ohne Sinne zu sein, es sei denn, dass er aufhörte, Mensch zu sein."  - Thomas von Aquin

Der handelnde Mensch selbst muss in einer ganz bestimmten Verfassung wirken. Er muss wissentlich auf Grund einer klaren Willensentscheidung und mit unerschütterlicher Sicherheit handeln. Allerdings, "gerecht und besonnen ist nicht ohne weiteres jeder, der solche Handlungen vollbringt: er muss sie auch im selben Geiste vollbringen wie die gerechten und besonnenen Menschen." Und dennoch handeln die meisten Menschen nicht so, sondern sie nehmen Zuflucht zur Theorie, glauben Philosophen zu sein und so zur sittlichen Tüchtigkeit zu gelangen. "Sie halten es wie die Kranken, die mit Eifer auf den Arzt hinhören, aber nichts von dem tun, was er anordnet. Sowenig nun letztere durch ein solches Verfahren zur Gesundheit des Leibes kommen werden, sowenig die ersteren durch ein derartiges Philosophieren zur Gesundheit der Seele." [31]

Unter allen Vollkommenheiten, die sich in den geschaffenen Dingen finden, ist nach Thomas von Aquin die höchste, Gott zu erkennen, "da die geistige Natur, deren Vollkommenheit das Erkennen ist, die anderen Naturen überragt." Auch der Apostel sagt: "Der Geist Gottes erforscht auch die Tiefen der Gottheit."

"Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, welche vergehen. Sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unsrer Herrlichkeit, welche keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen wie geschrieben steht: "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben." Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, als der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Sachen für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich verstanden sein. Der geistliche Mensch aber ergründet alles, und wird doch selber von niemand ergründet. Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen?" Wir aber haben Christi Sinn." [32]
Da aber manche Leute wie zum Beispiel die muslimischen Forscher Avicenna und Averroes (Ibn-Rushd Abu I-Walid Muhammad), gesagt haben, dass Gott von den anderen Dingen nur eine "allgemeine Erkenntnis" habe und zwar so, dass er sie lediglich als Seiende erkenne, bleibt zu zeigen, dass der christliche Gott "alle anderen Dinge erkennt, insofern sie untereinander und von Gott unterschieden sind. Das aber heisst, die Dinge in ihren eigenen Wesenszügen erkennen."  Der gut ausgebildete Verstand kann im Sinne von Thomas von Aquin und Goethe "auch im Menschen das dem vernunftlosen Lebewesen als solchem und seinen einzelnen Arten eigene Urbild erfassen." Deswegen habe auch der Philosoph Clemens Alexandrinus gesagt, das Vorzüglichere unter dem Seienden sei Urbild des weniger Vorzüglichen. Nach Thomas von Aquin und Aristoteles wird damit auch in gewisser Hinsicht die Meinung Platons gerechtfertigt, der Ideen annahm, nach denen alles geformt werde, was es im materiellen Bereich gebe. Auch Dionysius sagt: "Also erkennt die göttliche Weisheit alles, indem sie sich selbst erkennt, und zwar das Materielle immateriell, das Getrennte ungetrennt und das Viele in einem." Nach Aristoteles ist das Wahre im eigentlichen Sinne nicht in den Dingen , sondern im Geist. Die Naturwissenschaft sei lediglich eine betrachtende Wissenschaft, nur die erste Philosophie könne die Urbilder und das Geistige erkennen. [33]

"Der Verstand irrt nicht in den ersten Prinzipien, zuweilen aber in den Schlüssen, zu denen er aus den ersten Prinzipien durch Schlussfolgern fortschreitet." Der Verstand des christlichen Gottes aber sei nicht schlussfolgernd oder diskursiv. Also könne es in ihm keine Falschheit oder Täuschung geben. Je höher eine Erkenntniskraft sei, um so umfassender sei der eigene Gegenstand und um so mehr enthalte er. "Die Kraft des göttlichen Verstandes hat aber das Höchstmaß an Erhabenheit im Erkennen inne." Wie das Wahre das Gute des Verstandes ist, so ist das Falsche sein Schlechtes, wie Thomas von Aquin formuliert. Von Natur streben wir nämlich danach, das Wahre zu erkennen, und scheuen davor zurück, vom Falschen getäuscht zu werden. Im christlichen Gott kann es keine Falschheit geben, was vom islamischen Gott und seinem Propheten nicht gesagt werden kann. Bezeichnend ist, dass Averroes und Avicenna wie oben erwähnt, "die der Vollkommenheit der Erkenntnis Gottes die Kenntnis der Einzeldinge abzusprechen trachten." Muslimische Philosophen verneinen zum Beispiel, dass "Gott keine Kenntnis vom einzelnen hat, in dem sich Schlechtes und Mangel findet." Schließlich hat Mohammed seinen Islam auf "Schlechtes und Mangel" aufgebaut. Thomas von Aquin meint daher, zur Widerlegung des Irrtums dieser Philosophen und um die Vollkommenheit des Wissens des christlichen Gottes darzulegen, "muss sorgfältig die Wahrheit bezüglich jedes einzelnen des zuvor Gesagten erforscht werden, damit das, was der Wahrheit entgegensteht, zurückgewiesen wird." Dargelegt werden soll also, dass der Verstand Gottes das einzelne erkennt, dass er das Zukünftige, das sein und nicht sein kann, erkennt, dass er "jedes Wertlose und Kleinste unter dem Seienden erkennt" und "dass er das Schlechte und alle Mängel und Fehler erkennt". Mit Aristoteles weist Thomas von Aquin nach, dass Gott das "Fehlen und folglich das Schlechte, das nichts anderes ist als das Fehlen der wesensgemäßen Vollkommenheit" erkennt. [34]

"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." [35]

"Gott aber ist wahrhaftig" [36] 

"Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm." [37] 

Nach Aristoteles muss der Philosoph die "Prinzipien und Ursachen der Wesen erfassen." Es gibt viele, die darüber nachdenken; im Gegensatz zur Sophistik, die als Philosophie erscheint, aber keine ist sondern lediglich eine Scheinweisheit, und den Dialektikern, die über alles diskutieren, "hat der Philosoph die Wahrheit zu erkunden".  [38] 
"Und wenn sie das nicht mit Wissen, sondern aus blosser Meinung tun, so müssen sie sich weit mehr um die Wahrheit kümmern, wie sich ja auch der Kranke mehr als der Gesunde um die Gesundheit bemüht. Denn in Hinblick auf den Wissenden steht der bloß Meinende in keinem gesunden Verhältnis zur Wahrheit." - Aristoteles

"Die Ursache aber für ihre Meinung, die sie verfechten, liegt darin, dass sie zwar nach der Wahrheit des Seienden forschten, aber als Seiendes lediglich die Sinnesdinge gelten liessen. ... Daher sprechen sie zwar dem Anschein nach wahr, sagen aber nicht die Wahrheit."  - Aristoteles

Wenn der christliche Gott nach Thomas von Aquin etwas von ihm Verschiedenes erkennt, wird er das am meisten erkennen, was das Beste ist. "Dieses aber ist die Ordnung des Universums (ordo universi), auf die als Ziel alles Teilgute hinzuordnen ist. Zur Ordnung des Universums gehört aber einiges, was zur Abwehr von Schädigungen dient, die dem betreffenden Ding von anderem her erwachsen könnten, wie es bei dem ersichtlich ist, was den Tieren zur Verteidigung gegeben ist." Also erkenne er diese Schädigung und damit das Schlechte. Bei uns Menschen werde die Erkenntnis des Schlechten niemals getadelt, "sofern sie an sich Sache des Wissens ist, das heisst, insofern über das Schlechte geurteilt wird; jedoch wird sie getadelt auf Grund des hinzukommenden Umstandes, dass jemand sich durch Betrachtung des Schlechten zuweilen dem Schlechten zuneigt." So ist auch nicht die Forschung in der Biologie und Ökologie schädlich, aber wenn Biologen oder Gentechniker meinen, sie müssten die weise Ordnung des Universums verändern, damit sie noch mehr Gewinn erzielen können und Tiere und Pflanzen aus diesen Gründen gentechnisch verändern, "neigen sie sich dem Schlechten zu". [39] 
"Die Schlechtigkeit besiegt nicht die Weisheit Gottes" [40] 
Also man dürfe nicht der Auslegung des Averroes folgen, der den Schluss ziehen möchte, der Verstand erkenne das Fehlen auf keine Weise. "Das Gute ist gleichsam der Grund für die Erkenntnis des Schlechten. Deswegen wird das Schlechte durch das Gute erkannt." Das Gutsein des christlichen Gottes ist der Grund allen Gutseins ("sua bonitas est ratio omnis bonitatis"); sein Wesen ist das Urbild von allem ("essentia sua est exemplar omnium"). Nicht allein die Gesamtheit des Guten, auch jedes einzelne Gute erlangt vom Gutsein Gottes das Gutsein, wie ja auch das Sein. Aristoteles: "Nun aber gibt es etwas, das, ohne selbst bewegt zu werden, anderes bewegt und der Verwirklichung nach existiert; dies kann sich in keiner Weise anders verhalten... Von einem derartigen Prinzip also hängt der Himmel ab und die Natur." [41] 
"Das Denken an sich geht auf das, was an sich das Beste ist, und Denken im höchsten Sinne an sich auf das, was im höchsten Sinne das Beste an sich ist. Sich selbst denkt die Vernunft, indem sie am Gedachten Anteil hat. Gedacht nämlich wird sie selbst, indem sie Gedachtes berührt und denkt, so dass Vernunft und Gedachtes dasselbe sind. Denn die Vernunft ist das, was für das Gedachte und das Wesen aufnahmefähig ist, und sie verwirklicht, indem sie über das Gedachte verfügt. Also ist der Besitz des Gedachten in höherem Masse göttlich als das, was die Vernunft als Göttliches zu beinhalten scheint; und die Betrachtung ist das Angenehmste und Beste. Wenn sich aber der Gott immer so wohl befindet, wie wir uns nur zuweilen, so ist dies bewundernswert. Wenn er sich aber in noch höherem Maße wohlbefindet, so ist dies noch bewundernswerter. So aber befindet er sich. Und auch Leben kommt ihm zu; denn die Verwirklichung der Vernunft ist Leben, jener aber ist die Verwirklichung. Seine Verwirklichung aber an sich ist bestes und ewiges Leben. Wir sagen also, dass der Gott ein lebendes, ewiges und bestes Wesen sei. Dem Gott kommt demnach ununterbrochenes, fortdauerndes und ewiges Leben zu; denn das ist eben der Gott.... Denn dass es nun ein ewiges, unbewegliches und von den Sinnesdingen abgetrenntes Wesen gibt, ist aus dem Gesagten klar ersichtlich." [42]    - Aristoteles
Die Ansicht des Averroes führt letztlich zu der heutigen Ansicht der Naturwissenschaft, die annimmt, alles sei durch Zufall entstanden. Dazu Thomas von Aquin: "Wenn Gott das einzelne Gute, aus dem das Universum besteht, nicht wollte, so würde folgen, dass im Universum das Gut der Ordnung zufällig wäre... dass aber die Ordnung des Universums zufällig sei, ist unmöglich, da ja folgen würde, dass das andere und Nachfolgende noch viel mehr zufällig wäre." [43]
 

Freies Entscheidungsvermögen (Liberum arbitrium)

Durch die Philosophie des Thomas von Aquin wird auch der Irrtum bestimmter Leute, vor allem Anhänger des sogenannten Fatum Mohammetanum, hier vor allem des Maimonides, ausgeschlossen, die sagen, "alles gehe von Gott auf Grund seines bloßen Willens aus, so dass man für nichts einen anderen Grund anzugeben brauche, als Gott es will." Diese Ansicht steht auch im Gegensatz zur Heiligen Schrift, die sagt, dass der christliche Gott alles nach der Ordnung seiner Weisheit gemacht habe. [44]
"Alles hast du in Weisheit gemacht" [45] 

"Gott hat seine Weisheit ausgegossen über alle seine Werke." [46] 

Der Mensch besitzt das freie Entscheidungsvermögen gegenüber anderen Lebewesen, weil er sich durch ein Urteil der Vernunft ("judicio rationis") zum Wollen neigt und nicht durch den Antrieb der Natur wie die Tiere. Also gibt es in Gott freies Entscheidungsvermögen ("Ergo in Deo est liberum arbitrium"). Nach Aristoteles richtet sich der Wille auf das Ziel, die Wahl aber auf das, was auf das Ziel hingeordnet ist. [47]
"So wünschen wir gesund zu sein, wir entscheiden uns jedoch für das, was die Gesundheit fördert." -  Aristoteles

"Entscheidung ist mit richtiger Planung und mit dem Durchdenken des Sachverhaltes verbunden. Schon der Name (proheireton) scheint anzudeuten: wofür man sich vor anderen Dingen entscheidet."  - Aristoteles

"Wir überlegen uns das, was in unserer Macht steht und verwirklicht werden kann - denn dies allein bleibt noch übrig. Das sind nämlich die bekannten Ursachen: Natur, Notwendigkeit und Zufall, dazu Geist und alle menschliche Wirkenskraft. Im Einzelfalle freilich wird von den Menschen nur das hin und her erwogen, was durch eines jeden eigene Kraft verwirklicht werden kann."  - Aristoteles

"Freiwillig krank: weil er nämlich ein liederliches Leben führt und nicht auf die Ärzte hört. Ursprünglich hätte es ihm freigestanden, nicht krank zu sein, aber jetzt nicht mehr, nachdem er seine Gesundheit vertan hat, sowenig wie das Zurückholen eines Steins möglich ist, wenn man ihn fortgeschleudert hat."  - Aristoteles

"Ohne Irrtum der Erkenntniskraft kann es nicht vorkommen, dass das, was ein Gutes ist, als etwas Schlechtes aufgefasst wird." Thomas von Aquin

Thomas von Aquin sagt daher "über etwas Gutes Unlust zu empfinden und etwas Schlechtes zu erstreben, ist ein und derselbe Sachverhalt. Denn das erste kommt daher, dass man etwas Gutes für schlecht hält, das zweite aber kommt daher, dass man etwas Schlechtes für gut hält." Anwenden ließe sich das auf den Fernehphilosophen und Agnostiker Richard David Precht und seine bizarren Thesen zum Christentum. Bezeichnend ist, dass er und seine Fans mit dem von Aristoteles geforderten "Durchdenken des Sachverhaltes" so ihre Schwierigkeiten haben; auch stellt sich die Frage, ob bei ihm "der Geist im Menschen herrscht oder nicht" [48]:
"Und von beherrscht und unbeherrscht spricht man, je nachdem, ob der Geist im Menschen herrscht oder nicht - da der Geist als der eigentliche Mensch gilt. Und das gilt als eigentlich menschliche und freiwillige Tat, was mit dem richtigen Plan getan ist." - Aristoteles
Daher sei es auch den Freunden eigen, sich an wechselseitiger Gegenwart, am Zusammenleben und an Gesprächen zu freuen, an der Gemeinschaft von Wort und Gedanke. "Denn so ist gemeinhin der Begriff des Zusammenlebens zu verstehen, wenn er vom Menschen ausgesagt wird, und nicht wie beim Vieh als Grasen auf derselben Weide." Eine Freundschaft der Schlechten, zum Beispiel innerhalb einer Koranschule, entwickelt sich "zum Bösen - ihre Haltlosigkeit verführt sie zur Gemeinschaft" in einer unwahren Philosophie, "und überdies werden sie schlecht, indem sie sich einander angleichen - , Freundschaft der Guten aber ist etwas Gutes: sie wächst stetig durch den vertrauten Umgang. Und wie die Erfahrung zeigt, nehmen die Freunde zu an sittlichem Gehalt: es ist eine Freundschaft der Tat und der gegenseitigen Vervollkommnung."  [49]

Dionysius nennt die Liebe die "einigende Kraft (unitiva virtus)". Es werde zwar zuweilen die Liebe, die von einer Leidenschaft verursacht ist, stärker als die Liebe, die aus der natürlichen Herkunft oder aus irgendeiner Gewohnheit gervorgeht, gehe aber leichter vorüber. Das jedoch, wodurch alles mit dem christlichen Gott verbunden sei, sein Gutsein nämlich, dass alle nachahmen, das sei für Gott das Größte und innerlichste, da er selbst sein Gutsein sei. Im christlichen Gott ist also nicht allein eine "wirkliche Liebe, sondern auch die vollkommenste und stärkste." [50] 

"Wenn die Beherrschtheit bewirkt, dass man grundsätzlich bei jeder Meinung verharrt, so ist sie etwas Schlechtes, wenn sie nämlich ein Verharren bei einer falschen Meinung zur Folge hat." - Aristoteles

"Wer immer nur Spaß haben möchte gilt als zuchtlos, in Wirklichkeit aber ist er weichlich." - Aristoteles

"Starrsinnig sind die Eigensinnigen, die Unwissenden und die Rüpel" - Aristoteles

"Und so gleicht denn der Unbeherrschte einer Polis, die lauter richtige Beschlüsse fasst und treffliche Gesetze hat, aber davon keinen Gebrauch macht... Ein schlechter Charakter aber gleicht der Polis, die sich an Recht und Satzung hält - nur dass sie schlecht sind." - Aristoteles

"Unter akzidentell lustvoll verstehe ich aber das, was als Heilmittel wirkt - es gilt aber ein Heilvorgang deshalb als lustvoll, weil als Endergebnis die Heilung herauskommt, wenn nämlich der intakt bleibende gesunde Teil in uns eine bestimmte Wirkung ausübt -, unter dem Ausdruck 'von Natur lustvoll' dagegen verstehe ich das, was auf die völlig intakte Natur aktivierend einwirkt." - Aristoteles

"So wird es verständlich, dass Gott stets an der einen einfachen, unzusammengesetzten Lust seine Freude hat" - Aristoteles

Daher heißt es "denn er selbst, der Vater, liebt euch." Und Aristoteles sagt: "Der Gott freut sich immer in einer einzigen und einfachen Lust." Nach Thomas von Aquin ist seine Tugend nicht ein Habitus, sondern sein Wesen. Dadurch werde der Irrtum gewisser Juden wie Maimonides (der Moslems sowieso) ausgeschlossen, die Gott Zorn, Unlust, Reue und alle derartige Leidenschaften im eigentlichen Sinne zuschreiben, ohne zu unterscheiden, was in den Heiligen Schriften im eigentlichen und was im übertragenen Sinn gesagt werde. [51] 
 

Gerechtigkeit, Weisheit, Klugheit, Tapferkeit, Freigebigkeit, Wahrhaftigkeit

Im christlichen Gott gibt es sittliche Tugenden. Im Psalm heißt es zum Beispiel: "Der Herr ist gerecht, und die Gerechtigkeit hat er geliebt." Aristoteles sagt, die Kunst sei das rechte Maß der Vernunft für das Herstellbare ("ars est recta ratio factibilium"). In Gott ist also Kunst im eigentlichen Sinne. Daher heißt es auch: "Der kunstreiche Schöpfer aller Dinge hat mich Weisheit gelehrt." und "Bei ihm ist Klugheit und Tapferkeit". Die Erkenntnis, die den Willen auf Wirken hinordnet, ist die Klugheit oder sittliche Einsicht. Aristoteles meint, die Klugheit sei das rechte Maß der Vernunft für das Handeln ("prudentia est recta ratio agibilium"). Die Grundhaltungen, durch welche die Seele die Erkenntnis des Richtigen vollzieht, sind fünf, nämlich: [52]
"Praktisches Können, wissenschaftliche Erkenntnis, sittliche Einsicht, philosophische Weisheit und intuitiver Verstand. Bloße Vermutung, d.h. bloße Meinung, gehört nicht hierher, weil sie uns täuschen kann." - Aristoteles

"Daher gibt es keine Entscheidung ohne Verstand und Denken auf der einen Seite, ohne feste charakterliche Grundhaltung auf der anderen Seite. Denn wertvolles Handeln und dessen Gegenteil ist undenkbar innerhalb eines menschlichen Tuns, das sich ohne Denken und charakterliche Festigkeit vollzöge." - Aristoteles

"So dürfen wir denn in der philosophischen Weisheit eine Verbindung von intuitivem Verstand und diskursiver Erkenntnis erblicken. Sie ist die Wissenschaft von den erhabendsten Seinsformen, Wissenschaft sozusagen in Vollendung." - Aristoteles

"Es gibt Wesenheiten, deren Natur sogar den Menschen an göttlichem Rang weit übertreffen." - Aristoteles

Weitere sittliche Tugenden sind Freigebigkeit und Wahrhaftigkeit. Der christlichen Gott ist in höchstem Maße freigebig ("maxime liberalis"). Der Akt der Freigebigkeit bedeutet Geben, nicht um eines aus dem Geben erhofften Vorteils willen, sondern aus reinem Gutsein und aus der Angemessenheit des Gebens. "Er gibt allen im Überfluss und hält es ihnen nicht vor." Zur Tugend der Wahrhaftigkeit gehört es, dass sich jemand in seinen Taten und Worten so gibt, wie er ist. Daher heißt es in der Heiligen Schrift: "Gott aber ist wahrhaftig" und "Alle deine Wege sind Wahrhaftigkeit." Die oben genannten Tugenden sind also im christlichen Gott im umfassenderen Ausmaß als im Menschen. [53] 
"Wie sich die Gerechtigkeit des Menschen zu Staat und Hauswesen verhält, so verhält sich die Gerechtigkeit Gottes zum ganzen Universum. Daher bezeichnet man auch die Tugenden Gottes im Verhältnis zu unseren Tugenden als 'urbildlich'." - Thomas von Aquin
Das, was eingeschränkt und stückhaft ist, ist ein Abbild der uneingeschränkten Seienden, so wie sich das Licht der Kerze zum Licht der Sonne verhält. Andere Tugenden haben in der göttlichen Weisheit ("divina sapientia"), die die Wesensbilder alles Seienden umfasst, ihr Urbild. Deshalb heisst es "Alle Weisheit ist von Gott dem Herrn, und sie ist immer mit ihm gewesen." und "Weise ist er in seinem Herzen." Es ist offenkundig, dass es in ihm im eigentlichen Sinne Wissen gibt ("in ipso proprie scientia est"). Nach Thomas von Aquin sind diese Tugenden in Gott Urbilder unserer Tugenden, wie das Vollkommene Urbild des Unvollkommenen ist. "Gott ist der Herr des Wissens." Wenn die immaterielle Erkenntnis von Dingen ("immaterialis cognitio aliarum rerum") ohne Schlussfolgern Einsicht ist, Gott aber eine derartige Erkenntnis von allem hat, so gibt es also in ihm Einsicht. "Er hat Rat und Einsicht." Im Gegensatz zum islamischen, kann der christliche Gott und der Gott der Urreligionen nicht das Schlechte wollen. Der Wille richtet sich niemals auf etwas Schlechtes, es sei denn infolge eines "Irrtums in der Vernunft (errore in ratione)". Der Wille kann sich nur auf das Schlechte richten, "wenn es ihm irgendwie als ein Gutes vorgestellt wird. das aber kann nicht sein ohne Irrtum." Liegt bei Mohammed und seiner Religion der Irrtum klar auf der Hand (s.o), ist der "Irrtum der Juden (error Judaeorum)" schwerer nachzuweisen. Nach Thomas von Aquin ist es offenkundig, dass das freie Entscheidungsvermögen beim christlichen Gott von Natur aus fest auf das Gute gerichtet ist ("liberum arbitrium in ipso naturaliter stabilitum est in bono"). Dadurch werde der Irrtum der Juden widerlegt, die im Talmud sagen, Gott sündige zuweilen und werde von der Sünde gereinigt; und der Luziferianer, die sagen, Gott habe in der Verwerfung des Luzifer gesündigt. [54] 
"Die Wissenschaft nämlich, die die Gottheit am meisten besitzen dürfte, ist eine göttliche Wissenschaft, aber auch die, die vom Göttlichen handelt. Und diese allein umfasst beides. Denn Gott gilt allen als eine Ursache und ein Prinzip, und Gott besitzt wohl diese Wissenschaft allein oder doch am meisten." -  Aristoteles

"Dieser ist der wahre Gott und ewiges Leben." [55] 

"Die Ankunft Christi wird zu seiner Zeit der glückliche und mächtige Gott offenbaren." [56] 

Da der christliche Glaube ("Christiana fides") den Menschen durch das Licht der göttlichen Offenbarung ("lumen divinae revelationis") die Geschöpfe erkennen lässt, entsteht im Menschen eine Ähnlichkeit mit der Weisheit Gottes ("divinae sapientiae similitudo"). Deswegen heißt es: "Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Nun aber spiegelt sich bei uns allen die Herrlichkeit des Herrn in unserem aufgedeckten Angesicht, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist." So ist also offenbar, dass die Betrachtung der Geschöpfe zur Unterweisung im christlichen Glauben gehört ("instructionem fidei Christianae"). Der Mensch, der die Natur der Dinge und folglich die Rangstufe seiner Ordnung im Universum verkennt, zum Beispiel wenn er meint er sei bestimmten Geschöpfen unterworfen, denen er doch überlegen ist, "wie bei denen offenbar ist, die den Willen der Menschen den Gestirnen unterstellen" und gegen die gesagt wird: "Vor Zeichen des Himmels, vor denen die Heiden sich fürchten, fürchtet euch nicht!" und bei denen, "die glauben, die Seelen der Menschen seien sterblich" wie bei Ibn-Rushd Abu I-Walid Muhammad (Averroes) und bei denen, die in ähnlicher Weise die Würde des Menschen schmälern.  [57] 
"Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken." [58] 

Gegen die Darwinisten und Materialisten

Auch ist die Betrachtung der Geschöpfe nicht allein "zur Unterweisung in der Wahrheit notwendig, sondern auch um Irrtümer auszuschließen." Denn Irrtümer über das Geschaffene führen bisweilen von der Wahrheit des Christentums ab. Man denke nur an heutige Theorien wie Darwinismus und Entstehung der Erde aus dem Urknall oder der Ursuppe, die etwas Materielles als Ursache annehmen. Ein weiterer Irrtum ist zum Beispiel die gentechnische Veränderung der Pflanzen, Tiere und Menschen, die unter Materialisten und Utilitaristen immer populärer wird - "so wenn man dem Menschen zuschriebe, er habe drei Füße." Oder Bananen und Reis gentechnisch so manipuliert, dass sie gesundheitsschädlich sind, wie dies von einigen "Wissenschaftlern" und Sponsoren wie Bill Gates propagiert wird. Solche Leute weigern sich die erste Philosophie ("Prima philosophia") und die wirklichen Lehren aller Wissenschaften zu verstehen. "Deswegen droht die Schrift denen, die in Bezug auf die Geschöpfe irren, Strafen wie den Ungläubigen an", indem sie sagt: [59] 
"Da sie die Werke des Herrn und die Werke seiner Hände nicht verstanden haben, wirst du sie vernichten und wirst sie nicht wieder aufrichten." [60] 

"Daraus also, dass man die Natur eines Geschöpfes verkennt, entsteht der genannte Irrtum." - Thomas von Aquin

"So ist also offenbar, dass die Meinung bestimmter Leute falsch ist, die sagen, es komme für die Wahrheit des Glaubens nicht darauf an, was man über die Geschöpfe meine, wenn man nur in bezug auf Gott die richtige Meinung habe." - Thomas von Aquin

"Denn der Irrtum über die Geschöpfe geht über in eine falsche Meinung von Gott und führt den Geist der Menschen von Gott weg." - Thomas von Aquin

"Alles ist durch ihn geworden, und nichts ist ohne ihn geworden." [61] 

"Aus ihm, durch ihn und in ihm ist alles; ihm sei die Ehre in Ewigkeit."  [62] 

Hierdurch wird der Irrtum der alten Naturphilosophen widerlegt, die behaupten, bestimmte Körper hätten für ihr Sein keine Ursache, und auch der Irrtum derer, die zum Beispiel mit Siger von Brabnant sagten, Gott sei nicht die Ursache des Bestehens des Himmels, sondern nur seiner Bewegung. Nach Aristoteles ist die Philosophie die Wissenschaft von der Wahrheit; dazu gehört zum Beispiel die Feststellung, dass es keine unendliche Reihe von Ursachen geben kann. Der Darwinismus und Materialismus, dessen Ideen schon in der Antike bekannt waren, funktioniert also nicht. Denn es ist notwendig, "dass über die Ursache, die nur durch Bewegen und Verändern wirkt, jene Ursache steht, die der erste Ursprung des Seins ist", der allumfassende Ursprung des Seins ("universale essendi principium"), wie der christliche Gott auch genannt wird; er wirkt nicht durch Bewegen und Verändern wie die heutigen Gentechniker, denen es nicht möglich ist, Dinge ohne eine vorhandene Materie ins Sein zu bringen. In der Materie liegt nicht die Potenz zu jeder Größe wie schon Aristoteles in seiner Physik nachweist. Letztlich wird damit auch der Irrtum der alten Philosophen widerlegt, die behaupten, die Materie habe überhaupt keine Ursache, also die Meinung, dass aus nichts nichts werde. [63] 
"Alles aber, was Dinge nur aus einer vorliegenden Materie ins Sein bringen kann, wirkt nur durch Bewegen und Verändern." - Thomas von Aquin

"Ordnung entsteht notwendiger Weise durch das Verhältnis des einen zum anderen; sonst wäre die Ordnung oder Entsprechung zufällig; das aber bei den ersten Gründen der Dinge zu behaupten, ist unmöglich; denn daraus würde folgen, dass alles andere um so mehr zufällig wäre." - Thomas von Aquin

"Diejenigen, die auf diese Weise sprechen, heben dazu noch das Wissen auf, denn es ist unmöglich zu wissen, ehe man nicht zum Unteilbaren gekommen ist. Und es gibt kein Erkennen." - Aristoteles

Der Darwinismus und Materialismus von damals und heute wird widerlegt. Aristoteles (Met VII) und Thomas von Aquin weisen nach, dass kein Körper erschaffen kann (nullum corpus potest creare). Jeder Körper hat Materie, weil er veränderlich ist. Da aber alles Wirkende durch die Form wirkt, "kann kein Körper etwas seiner ganzen Substanz nach hervorbringen. Das aber gehört zum Begriff des Erschaffens." Daraus ergibt sich die "Falschheit der Meinung (falsitas positionis)" derer, die sagen, die "Substanz der Himmelskörper sei die Ursache für die Materie der Elemente (substantiam caelestium corporum causam materiae elementorum esse)", eine Anschauung, die schon Kant und Laplace vertreten haben und die heutigen Astrophysiker immer noch vertreten. Dabei hatte schon Aristoteles herausgefungen, dass es unmöglich sei, dass ein Geschöpf erschafft: weder als Hauptwirkendes noch als werkzeuglich Wirkendes. [64] 
"Es ist also unmöglich, dass ein geschaffenes Seiendes die Ursache für ein anderes durch Schöpfung wäre." - Thomas von Aquin
Hierdurch wird auch der Irrtum bestimmter muslimischer Philosophen wie Avicenna und Algazelem aufgehoben, die behaupten, Gott habe die erste geistige Substanz erschaffen und von dieser sei die zweite erschaffen worden, und so in einer gewissen Ordnung bis zur letzten; also dass unmittelbar von Gott nur eine einzige Wirkung hervorgebracht werde und weiteres nur dem Lauf der Natur gemäß schaffen könne. Fehler im Denken? Denken oder Nicht-Denken ist hier die Frage [65]:
"Wahrheit aber ist hier, die Dinge zu denken. Falsches aber oder Täuschung gibt es da nicht, sondern nur Unwissenheit - aber nicht eine Unwissenheit, die der Blindheit entspräche; denn es entspräche der Blindheit, wenn jemand überhaupt nicht über die Denkfähigkeit verfügte." - Aristoteles
Der christliche Gott wirkt nicht naturnotwendig ("non agit ex necessitate natuae"). Da er das erste Wirkende ist, wirkt er nicht naturnotwendig, sondern durch Verstand und Willen; dass er um eines Zieles willen wirkt, kann daraus offenkundig werden, dass das "Universum nicht durch Zufall ist, sondern auf ein Gut hingeordnet ist (universum non est a casu, sed ad aliquod bonum ordinatur)" wie auch aus Aristoteles' Metaphysik hervorgeht. Ein eingeschränktes Wirkendes aber verhält sich zum umfassenden Wirkenden als ihm Nachgeordnetes und als dessen Werkzeug. Also müsse das erste Wirkende ein willensmäßig und nicht ein naturnotwendiges Wirkendes sein, wie Thomas von Aquin in II, 23, 29 gegen den Irrtum der Philosophen vorbringt, die sagen, Gott wirke naturnotwendig oder alles hänge allein vom Willen Gottes ab, "ohne Grund in der Vernunft" (Maimonides); wenn er nämlich gewollt hat, dass ein so beschaffenes Universum entsteht, dann war es erforderlich, dass er Sonne, Mond und dergleichen machte, ohne die das Universum nicht sein kann; wenn er gewollt hat, dass die Lebewesen und die Pflanzen seien, war es erforderlich, dass er Himmelskörper machte, durch die sie erhalten werden; und wenn er wollte, dass der Mensch sei, er die Pflanzen und die Lebewesen machen musste und anderes mehr, dessen der Mensch zum vollkommenen Sein bedarf; es wird also von einem "Erfordernis, seinen Plan zu erfüllen (suae dispositioni implendae)", gesprochen. [66]
"Dasselbe wird daraus ersichtlich, dass dort, wo beide Arten des Wirkens miteinander verbunden sind, die Kraft, die durch den Willen wirkt, eine höhere ist als die, die durch die Natur wirkt, und dass jene diese gewissermaßen als Werkzeug benutzt. Denn im Menschen ist der Verstand, der durch den Willen wirkt, höher als die vegetative Seele, die naturnotwendig wirkt. Die Kraft Gottes aber ist die höchste unter allem Seienden. Also wirkt sie auf alle Dinge durch den Willen, nicht naturnotwendig." - Thomas von Aquin

"Über etwas aber von der höchsten Ursache her zu urteilen, ist Sache der Weisheit. Daher muß jede Ordnung durch die Weisheit eines Verständigen geschehen." - Thomas von Aquin, Ib. II, 24

"Alles hast du in Weisheit gemacht" [67] 

"Der Herr hat die Erde durch Weisheit gegründet." [68] 

Die Materialisten früher (Lukrez) und heute sind in den Irrtum verfallen, in der Körperwelt Unendlichkeit anzunehmen. Wie man aber auf Grund dessen nicht erklären kann, es gebe eine unendliche Ausdehnung des Körperlichen, wie Aristoteles sagt, so auch nicht, die Zeit sei ewig. Schon früher haben einige Philosophen das "Entstehen der Dinge äußerlicher betrachtet, als es der Sache angemessen war". Sie sagten Entstehen sei nichts als Sich-Ändern ("fieri nihil esse nisi alterari"), und zwar deshalb, weil sie es so verstanden, dass jedes Ding aus einem bereits im Akt Seienden entstehe, ähnlich wie der heutige Darwinismus es auch versteht. Selbst wenn man heute annimmt, "dass das Leben älter ist als die Erde", geht der Materialismus und die moderne Gentechnik vom Zufallsprinzip aus. Aristoteles und Thomas von Aquin (II, 39) berichten von den verschiedenen Irrtümern heidnischer Philosophen ("diversos errores gentilium philosophorum"); von ihnen haben einige die Welt als ewig angenommen, einige den Stoff der Welt als ewig, aus dem von einer bestimmten Zeit an die Welt zu entstehen begann, und zwar entweder aus Zufall, oder durch einen Verstand oder auch durch Liebe und Streit. Grundsätzlich gilt aber auch im Sinne des Christentums: Die Unterschiedenheit der Dinge ist nicht aus Zufall ("Distinctio rerum non a casu"). Ähnlich wie Aristoteles, Leibniz und Goethe argumentiert auch Thomas von Aquin, wenn er sagt, es sei nicht möglich, dass die Unterschiedenheit der Dinge aus Zufall sei [69]:
Durch diese Ordnung wird nämlich das Universum in seiner Ganzheit konstituiert, die das Beste ist, das es zu sein vermag. Die Ordnung der Teile des Universums und ihre und ihre Unterschiedenheit ist also das Ziel der Hervorbringung des Universums." - Thomas von Aquin

Die Unterschiedenheit der Arten aber kommt von der Form her, die der Einzeldinge derselben Art dagegen von der Materie. Die Unterschiedenheit der Dinge hinsichtlich der Art kann also nicht aus Zufall sein." - Thomas von Aquin, Ib. II, 39

"Die Form des Universums aber besteht in der Unterschiedenheit und Ordnung seiner Teile. (Forma autem universi consistit in distinctione et ordine partium eius)" - Thomas von Aquin

"Das Ziel der Hervorbringung einer Wirkung ist das Gute und Beste, das sie zu sein vermag. Das Gute und Beste des Universums besteht aber in der Einheit, ist also das Ziel der Hervorbringung des Universums. Also ist die Unterschiedenheit der Dinge nicht aus Zufall (ordo partium universi et distinctio earum est finis productionis universi. Non est igitur distinction rerum a casu)" - Thomas von Aquin

Dadurch wird auch die Meinung der alten und neuen materialistischen Naturphilosophen und Naturwissenschaftler ausgeschlossen, die allein die Materie als erste Ursache der Unterschiedenheit der Dinge annahmen. Ebenfalls wird auch die Meinung des Demokrit und des Leukipp und aller modernen Atomistiker ausgeschlossen, die unendlich viele materielle Prinzipien ("infinita prinzipia materialia") annehmen, nämlich unteilbare Körper derselben Natur, aber nach Gestalt, Anordnung und Lage unterschieden, aus deren Zusammentreffen, das zufällig sein muss, da sie eine wirkende Ursache verneinen, sie die Verschiedenheit unter den Dingen behaupten. Aus dem vorher gesagten ist aber klar, dass die Materie nicht erste Usache der Unterschiedenheit der Dinge sein kann ("Materia non prima causa distinctionis rerum"). Thomas von Aquin will damit auch die Meinung des Anaxagoras ausschließen, der unendlich viele materielle Prinzipien annimmt, die vom Ursprung her zwar in einer unterschiedenen Einheit vermischt sind, durch deren darauffolgende Unterscheidung aber der Weltgeist die Unterschiedenheit der Dinge zustande gebracht hat. Und wie gesagt wird auch die Meinung all derer ausgeschlossen, die verschiedene materielle Prinzipien annehmen, welche die Unterschiedenheit der Dinge verursachen sollen. Mit Beginn der Neuzeit wurde, stimuliert durch den Fortschritt der Naturwissenschaften, immer häufiger der Standpunkt der Materialisten vertreten; "das Biologische wurde restlos auf Physik und Chemie zurückzuführen versucht (Descartes, De LaMetrie, Mechanizismus, mechanischer Materialismus)." Die Darwinistische Evolution der Organismen oder Evolutionstheorie ist die Grundlage des Weltbildes der modernen Biologie an Schulen und Universitäten. Aussage wie diese sind auch heute noch keine Seltenheit: "Die Konsequenz ist, dass transzendente Faktoren oder Instanzen jeder Art in der Physiologie ebensowenig Platz haben wie in anderen Naturwissenschaften." oder "Der konsequente Physiologe ist überzeugt, dass dem Lebendigen kein transzendenter Faktor innewohnt." Man versteigt sich in Behauptungen wie diese: "Konsequenterweise sollte die Ablehnung der Existenz transzendentaler Faktoren im lebenden Organismus ausgedehnt werden auf die Ablehnung des Eingreifens transzendenter Instanzen bei der Entstehung des Lebens auf der Erde." Derartige Naturwissenschaftler merken nicht, welche eklatanten Fehlschlüsse sie ziehen: "Wenn es eine Denkmöglichkeit gibt, die Entstehung und Weiterentwicklung lebender Materie ohne Inanspruchnahme einer transzendenten Instanz zu erklären, dann gebührt dieser Erklärung der Vorzug." Sie meinen diese Denkmöglichkeit existiere, weil die Gemeinsamkeiten aller Organismen in der molekularen Struktur, einschließlich des genetischen Systems, und im Stoffwechsel eindeutig auf eine gemeinsame Wurzel allen irdischen Lebens hinweisen. Dies beweist aber nicht die Theorie der Materialisten und Darwinisten, ganz im Gegenteil, diese Tatsache unterstützt die These von Thomas von Aquin und Goethe. Durch Thomas von Aquin wird also auch die einseitige Sichtweise der heutigen Naturwissenschaft widerlegt. [70]
"Von Ursachen, die verschieden, aber nicht geordnet sind, gehen keine geordneten Wirkungen aus, es sei denn auf Grund eines hinzukommenden Umstandes. Das Verschiedene als solches bewirkt nämlich keine Einheit." - Thomas von Aquin

Es gibt kein einheitliches erstes Prinzip alles Schlechten

Auch gibt es kein einheitliches erstes Prinzip alles Schlechten. Es kann etwas nur schlecht sein, insofern es nichtseiend ist. Es ist dann ein Seiendes, dem etwas fehlt. "Ein Schlechtes als solches ist also das Seiende, dem etwas fehlt, und das Schlechtsein selbst ist das Fehlen selbst. Das Fehlen hat aber keine Wirkursache an sich." Also gibr es kein einheitliches erstes an sich wirkendes Prinzip des Schlechten ("unum primum et per se malorum principium"), sondern das erste Prinzip von allem ist das eine und erste Gute ("primum omnium principium est unum primium bonum"), unter dessen Wirkungen das Schlechte sich durch einen hinzukommenden Umstand ergibt. Es kommt alles vom christlichen Gott: "Gutes und Schlechtes, Leben und Tod, Armut und Reichtum". Auch Gregor der Große sagt es ähnlich: "das Schlechte, wovon nichts durch seine Natur besteht, wird vom Herrn geschaffen." Dass er Schlechtes schaffe, wird gesagt, weil er "die in sich gut geschaffenen Dinge uns, die wir schlecht handeln, zur Geißel macht." [71]
"Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir. Ich habe dich gerüstet, da du mich noch nicht kanntest, auf dass man erfahre, in Ost und West, dass außer mir keiner sei. Ich bin der Herr, und keiner mehr; der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe das Übel. Ich bin der Herr, der solches alles tut." [72] 
Dadurch wird auch der Irrtum derer, die gegensätzliche erste Prinzipien ("prima principia contraria") annehmen, ausgeschlossen. Dieser Irrtum fing zuerst bei Empedokles an. Auch Pythagoras hat zwei erste Prinzipien, das Gute und das Schlechte, angenommen. Sie alle wurden von späteren Philosophen widerlegt. Einige versuchten diese Irrlehre in die christliche Lehre einzuführen und zu verbreiten wie die Manichäer. Ausgeschlossen wird dadurch auch die Meinung des Avicenna, muslimischer Naturwissenschaftler und Arzt ("Excluditur autem ex praedictis opinio Avicennae"), der sagt, dass Gott die erste Intelligenz hervorgebracht habe. Diese bringe eine zweite Intelligenz hervor, die wiederum die Weltseele ("animam orbis") hervorbringe. Von dort aus weitergehend habe sie es eingerichtet, dass durch Zweitursachen die Verschiedenheit der Dinge verursacht werde. Als Muslim kommt Avicenna nicht die zündende Idee, auf welche Weise der christliche Gott "alles in die jeweils eigenen Arten formend untersied", und dass in Christus alles begründet ist, ob es nun im Himmel ist, ob auf Erden; ob Sichtbares oder ob Unsichtbares ("in Christo condita sunt universa: sive quae in caelis sunt sive quae in terris, sive visibilia sive invisivilia"). [73] 
"Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, der der Anfang ist,  der Erstgeborene von den Toten, auf daß er in allen Dingen der Erste sei. Denn es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde mit Gott, es sei auf Erden oder im Himmel, dadurch daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz. Auch euch, die ihr vormals ihm fremd und feindlich gesinnt waret in bösen Werken, hat er nun versöhnt mit dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, auf daß er euch darstellte heilig und unsträflich und ohne Tadel vor seinem Angesicht; wenn ihr nur bleibet im Glauben, gegründet und fest und unbeweglich und nicht weichet von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das gepredigt ist unter aller Kreatur, die unter dem Himmel ist. Sein Diener bin ich, Paulus, geworden. Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was noch mangelt an Trübsalen Christi, seinem Leibe zugute, welcher ist die Gemeinde. Ihr Diener bin ich geworden nach dem Ratschluss Gottes, der mir anvertraut ist für euch, um Gottes Wort in seiner Fülle kundzumachen, nämlich das Geheimnis, das verborgen gewesen ist von allen Zeiten Geschlechtern her; nun aber ist es offenbart seinen Heiligen. Ihnen wollte Gott kundtun, was da sei der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden, welches ist Christus in euch, der da ist die Hoffnung der Herrlichkeit. Den verkündigen wir und vermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf daß wir einen jeglichen Menschen darstellen vollkommen in Christus; daran ich auch arbeite und ringe, in der Wirkung des, der in mir kräftig wirkt. Ich lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodizea und alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben, auf daß ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des vollen Verständnisses, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis." [74] 
Origenes widersetzt sich zwar den oben angeführten Irrtümern, sieht sich dann aber zu der Behauptung gezwungen, die in den Dingen vorfindliche Verschiedenheit sei aus der Verschiedenheit der Verdienste gemäß der Gerechtigkeit Gottes ausgegangen. Das bestreitet Thomas von Aquin, wenn er sagt: "Die Unterschiedenheit der Dinge ist nicht aus der Verschiedenheit von Verdienst und Strafwürdigkeit hervorgegangen." Die wahre erste Ursache der Verschiedenheit der Dinge ("vera prima causa distinctionis rerum") ist nicht aus Zufall, nicht aus der Verschiedenheit der Materie, nicht wegen des Dazwischentretens irgendwelcher Ursachen oder Verdienste, sondern aus der eigenen Absicht Gottes, der dem Geschaffenen die höchste Vollkommenheit geben wollte, die es nur haben konnte. [75] 

Da der Ursprung bei der Hervorbringung der Geschöpfe der Verstand Gottes ist, war es zur Vollkommenheit der Geschöpfe notwendig, dass es geistbegabte Geschöpfe gibt. Es musste also zur höchsten Vollkommenheit des Universums geistige Geschöpfe geben ("ad perfectionem optimam universi, esse aliquas creaturas intellectuales"). Und diese geistigen Substanzen haben im Wirken ein freies Entscheidungsvermögen ("Substantiae intellectuales sunt liberi arbitrari in agendo"). Den vernunftlosen Lebewesen kommt zwar in gewisser Weise freie Bewegung oder freies Wirken zu, nicht aber freies Urteil; den leblosen Dingen dagegen, die allein von anderen bewegt werden, kommt nicht einmal freies Wirken oder freie Bewegung zu; den geistigen Seienden aber nicht nur freies Wirken, sondern auch freies Urteil, d.h. freies Entscheidungsvermögen, was soviel heisst wie freies vernunftbestimmtes Urteil ("liberum de ratione iudicium"). Klar ist auch, dass die geistige Substanz kein Körper ist und kein Körper die substantiale Form eines anderen Körpers aufnehmen kann, wenn er nicht durch Zerstörung seine Form verliert. Der Verstand dagegen wird dadurch, dass er die Formen aller Körper aufnimmt, nicht zerstört, sondern vollendet. Er findet seine Vollendung nämlich im Erkennen. ("perficitur enim in intelligendo"). Dadurch wird der Irrtum der Naturphilosophen ausgeschlossen, die behaupten, es gebe nur die körperliche Substanz. Diese Meinung haben manche in den christlichen Glauben einzuführen versucht, indem sie sagten, die Seele sei eine Art Körper. [76] 

"Gott ist Geist" [77] 
Daraus wird deutlich, dass die geistigen Substanzen immateriell sind ("substantiae intellectuales sunt immateriales"). Dies steht natürlich im Gegensatz zu den heutigen Naturwissenschaftlern und Hirnforschern, die nichts immaterielles annehmen. Dennoch ist es falsch, dass der Verstand eine nicht selbstständig seiende, sondern eine materielle Form sei. Dazu Dionysius: Wegen der Strahlen der göttlichen Güte erhielten alle geistigen Substanzen Bestand, die, weil sie unkörperlich und immateriell sind, erkannt werden ("sicut  incorporales et immateriales intelliguntur"). [78] 
"Was aber in einer geistigen Substanz aufgenommen wird, muss in ihr auf ihre Weise aufgenommen werden, nämlich geistig. Was aber in einer geistigen Substanz in dieser Weise aufgenommen wird, ist ein die geistige Substanz Vervollkommendes und nicht ein sie Zerstörendes: Das Erkennbare ist nämlich die Vervollkommnung des Erkennendes. Die erkennende Substanz ist daher unzerstörbar (Substantia igitur intelligens est incorruptibilis)" - Thomas von Aquin, II, 55

"Die Natur tut nämlich nichts vergeblich (Natura enim nihil facit frustra)" - Aristoteles, De caelo II, 11

"Wegen der Strahlen des göttlichen Gutseins erhielten die geistigen und erkennenden Substanzen Bestand, sind und leben und haben ein unversiegliches und nicht zu verminderndes Leben; sie existieren von der allgemeinen Zerstörung, dem Tode rein und sind erhoben über den unbeständigen und fließenden Wechsel." - Dionysius

Der Verstand wird nicht durch Bewegung vervollkommnet, sondern dadurch, dass er ausserhalb von Bewegung ist. Wir werden nämlich der geistigen Seele entsprechend durch Wissen und Klugheit vervollkommnet, nachdem sich die Erregungen, sowohl der körperlichen als auch der seelischen Leidenschaften, beruhigt haben, wie schon Aristoteles in seiner Physik dargelegt hat. Alle Seienden, die das immerwährende Sein erkennen und wahrnehmen, verlangen daher nach ihm mit natürlichem Verlangen. Dies aber kommt allen geistig erkennenden Substanzen zu. Alle geistig erkennenden Substanzen erstreben daher mit natürlichem Verlangen, immer zu sein. Also sei es unmöglich - so Thomas von Aquin - dass sie aufhören zu sein. [79] 
 

Lehren, die gegen die Philosophie des Aristoteles sind wie die, dass der aufnehmende Verstand des Menschen eine getrennte Substanz ("Substantia separata") oder ein einziger in allen Menschen sei; Erleidender Verstand (intellectus passivus) und aufnehmender Verstand (intellectus possibilis), habitus des Wissens (habitus scientiae)

Einige Philosophen, darunter Averroes, sagen, der Verstand und sogar der den Aristoteles den "aufnehmenden Verstand (intellectus possibilis)" nennt, sei eine von der Materie getrennte, uns nicht als Form verbundene Substanz. Es ist unmöglich, dass in einem Körper unendliche Kraft ist, wie von Aristoteles nachgewiesen wird. Der aufnehmende Verstand aber ist gewissermaßen von unendlicher Kraft. Wir beurteilen durch ihn nämlich die der Zahl nach unendlichen Dinge, sofern wir durch ihn das Allgemeine erkennen. Dies hat Averroes zu der Annahme bewogen, dass der aufnehmende Verstand, durch den die Seele erkennt, dem Sein nach vom Körper getrennt sei. Dass diese Behauptung nach Thomas von Aquin aber "albern und unmöglich (frivola et impossibilia)" ist, sei leicht einzusehen. Wir würden nämlich nicht die Natur des Verstandes erforschen können, wenn nicht dadurch, dass wir selbst geistig erkennen. Also sei die oben genannte Weise des Zusammenhangs nicht ausreichend. Aristoteles weist nach, dass die Seele Form ist und dass das Sinneswesen durch die Seele lebt und sinnlich wahrnimmt. Der Mensch aber erkennt geistig, und zwar allein durch den Verstand, weshalb auch Aristoteles, wo er das Prinzip, durch das wir geistig erkennen, untersucht, uns über die Natur des aufnehmenden Verstandes belehrt. Nach Averroes würde der Mensch sich nicht in der Art von den Tieren unterscheiden, dass er Verstand besitzt. Dass das falsch ist und missbräuchlich gesagt wurde ("falsa et abusive dicta"), ist klar ersichtlich [80]:
"Wo sich eine höhere Tätigkeit eines Lebewesens findet, dort findet sich eine höhere Art des Lebens, die dieser Tätigkeit entspricht. Bei den Pflanzen findet sich nämlich eine sich allein auf die Ernährung erstreckende Tätigkeit. Bei den Sinneswesen aber findet sich eine höhere Tätigkeit, nämlich Sinneswahrnehmung und Ortsbewegung: daher lebt auch das Sinneswesen in einer höheren Art des Lebens. Im Menschen aber findet sich eine noch höhere auf das Leben sich erstreckende Tätigkeit als im Sinneswesen: geistige Erkenntnis nämlich. Also muss der Mensch eine höhere Seele haben, durch die er lebt, als die sinnliche Seele.  Keine Seele aber ist höher als der Verstand. Also ist der Verstand die Seele des Menschen und folglich dessen Form." - Thomas von Aquin, Ib. II, 59
Der Mensch hat eine ihm eigene Tätigkeit über die anderen Sinneswesen hinaus, nämlich geistiges Erkennen und Schlußfolgern ("intelligere et ratiocinari"). Dieses Prinzip kann aber der von Averroes genannte erleidende Verstand ("intellectus passivus") nicht sein. Denn, wie Aristoteles nachweist, muss das Prinzip dieser Tätigkeit leidensunfähig und mit dem Körper unvermischt sein. ("impassibile et non mixtum corpori"). Das Gegenteil davon ist nun beim leidenden Verstand der Fall. Also ist es nicht möglich, dass durch das Beurteilungsvermögen, das erleidender Verstand genannt wird, "der Mensch die Art erlangt, durch die er sich von den anderen Sinneswesen unterscheidet." Eine Eigenschaft des sinnlichen Teils der Seele kann nicht in eine höhere Gattung des Lebens als das sinnliche Leben versetzen, wie ja auch eine Eigenschaft der pflanzlichen Seele nicht in eine höhere Gattung des Lebens als das pflanzliche Leben versetzt. Es steht aber fest, dass die "Vorstellungskraft und solche Vermögen, die ihr folgen, wie die Gedächtniskraft und ähnliche Vermögen, Eigenschaften des sinnlichen Teils der Seele sind" wie Aristoteles auch nachweist. Folglich kann auch nicht durch die genannten Kräfte irgendein Sinneswesen in eine höhere Gattung des Lebens als das sinnliche Leben versetzt werden. Der Mensch befindet sich aber in einer höheren Gattung des Lebens - auch wenn viele Moslems das nicht einsehen. Denn dort, wo Aristoteles die Gattungen des Lebens unterscheidet, fügt er das Geistige, das er dem Menschen zuschreibt, noch zum Sinnlichen hinzu, das er allgemein jedem Sinneswesen zuschreibt. Also ist der aufnehmende Verstand ("intellectus possibilis") ein Teil des Menschen und er ist in ihm das Würdigste ("dignissimum") und das, was am meisten Form ist. Folglich erlangt er die Art von ihm und nicht vom erleidenden Verstand ("intellectus passivus"). Der Wille ist im verstandesmäßigen Teil. Deshalb sagt auch Aristoteles: "Der Wille ist in der Vernunft, das Vermögen des Zornes und das der Begierde aber im sinnlichen Teil." Der Wille des Menschen befindet sich aber nicht ausserhalb der Menschen, gleichsam in einer abgetrennten Substanz gegründet - wie Averroes annimmt - , sondern im Menschen selbst. Andernfalls wäre dieser nämlich nicht Herr seiner Tätigkeiten: "denn er würde ja durch den Willen einer abgetrennten Substanz" in Tätigkeit gesetzt. "Das ist aber unmöglich und würde die gesamte Moralphilosophie und das ganze gesellschaftliche Zusammenleben zerstören." - Was man in islamischen Ländern quasi beobachten kann. Auch meint Averroes, dass Kinder schon die gleichen Erkenntnisse hätten wie Erwachsene, was erklärt warum in islamischen Ländern oft Kindersoldaten eingesetzt werden. Doch auch dies ist falsch, denn Kinder haben noch nicht den gleichen aufnehmenden Verstand entwickelt wie Erwachsene. Erst wenn der Geist Ruhe und Halt gefunden hat, wie Aristoteles sagt, kannn er begreifen und denken. "Dadurch, dass die Seele von der natürlichen Verwirrtheit aus auf festem Boden Fuß fasst, wird etwas erst besonnen und klug." Das Denken ("habitus des Wissens / habitus scientiae") kann nicht Sache des erleidenden Verstandes sein, wie Thomas von Aquin ausführt (II, 60), sondern es ist Sache des aufnehmenden Verstandes. "Dazu nämlich, dass eine Potenz geistig erkennt, ist es notwendig, dass sie nicht der Akt eines Körpers ist. Also ist der Habitus des Wissens nicht im erleidenden Verstand, sondern im aufnehmenden Verstand. Das Wissen aber, hinsichtlich dessen wir wissend genannt werden, ist in uns." Also ist auch der aufnehmende Verstand in uns und ist nicht dem Sein nach von uns getrennt. Diese These des Averroes ist also gegen die Lehre des Aristoteles und gegen die Wahrheit ("contra sententiam Aristotelis, et contra veritatem"), weshalb Thomas von Aquin sie als bloße Erfindung ("Fictitia") verwirft. [81]

Auch andere Philosophen haben eine selsame Ansicht über die Seele oder den den aufnehmenden Verstand. Alexander von Aphrodisias meint er sei nur eine in der menschlichen Natur befindliche Disposition, Galen nimmt an, die Seele sei eine Säftemischung, manche sagen die Seele sei Harmonie oder ein Körper. Zu letzterer These hat auch der Glaube bewegt, was nicht Körper sei, das sei überhaupt nicht, da sie nicht fähig waren, sinnliche Vorstellung, die sich nur auf das Körperliche erstreckt, zu übersteigen. Diese Meinung wird auch im Namen der Unvernünftigen ("ex persona insipientium") vorgebracht, die über die Seele sagen: "Denn nur zufällig sind wir geworden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn Rauch ist sie und Hauch in unserer Nase und ihre Rede sind nur Funken, das Herz zu bewegen." Einige meinen Verstand und Sinne seien dasselbe oder der aufnehmende Verstand sei die Einbildungskraft, obwohl klar ist, dass es ein Erkenntnisvermögen des Menschen gibt, das über die Sinne und die Einbildungskraft, die sich auch bei anderen Sinneswesen finden, hinausgeht. Wenn die geistige Substanz nicht mit dem Körper nur als Beweger vereinigt wird, wie Platon behauptete, noch ihm nur durch Vorstellungsbilder unmittelbar verbunden wird, wie Averroes sagte ("solum per phantasmata, ut dixit Averroes"); und wenn der Verstand, mit dem der Mensch erkennt, auch keine Disposition in der menschlichen Natur ist, wie Alexander sagte ("praeparatio in humana natura, ut dixit Alexander"), noch eine Säftemischung, wie Galen, noch Harmonie, wie Empedokles, noch Körper, Sinn oder Einbildungskraft, dann ergibt sich, dass die menschliche Seele eine als Form mit dem Körper vereinigte geistige Substanz ist ("anima humana sit intellectualis substantia corpori unita ut forma"). [82]

"Nichts hindert also, dass eine geistige Substanz Form des menschlichen Körpers ist, d.h. die menschliche Seele. Auf diese Weise aber kann man die wunderbare Verknüpfung der Dinge betrachten. Stets findet man nämlich, dass das Niederste der höheren Gattung das Höchste der niederen Gattung berührt." Thomas von Aquin, Ib. II, 68
Dionysius sagt daher, dass die göttliche Weisheit "das Ende des Höheren mit dem Anfang des Niederen verbindet." Auch nach Thomas von Aquin ist etwas Höchstes in der Gattung der körper anzunehmen, nämlich "der menschliche Körper mit seiner ausgewogenen Säftemischung", der das Niederste der höheren Gattung berührt, nämlich die menschliche Seele, die die letzte Stufe in der Gattung der geistigen Substanzen einnimmt ("animam humanam, quae tenet ultimum gradum in genere intellectualium substantiarum"). Daher sagt man, die geistige Seele sei gleichsam der Horizont und die Grenze des Körperlichen und des Unkörperlichen ("anima intellectualis dicitur esse quasi quidam horizon et confinium corporeorum et incorporeorum"). Je mehr eine Form die Materie besiegt, um so mehr wird aus ihr und der Materie eins. Je vorzüglicher eine Form ist, um so mehr geht sie in ihrem Sein über die Materie hinaus ("superexcedit materiam"). Zur geistigen Seele ("anima intellectiva") und ihrer geistigen Tätigkeit ("operatio intellectualis") sagt er, an ihr nehme die körperliche Materie nicht teil [83]:
"Das geistige Erkennen geschieht nicht durch ein körperlichen Organ (intellegere non fit per aliquod organum corporale)" - Thomas von Aquin, Ib. II, 68

"Ich weiß nicht einmal mit Sicherheit, ob zu dieser Gemeinschaft - nämlich der Engel - Sonne, Mond und alle Sterne gehören, obwohl es manchem scheint, sie seien bloß leuchtende Körper ohne Wahrnehmung und Verstand." Augustinus, Enchiridion 58 

Bei der Seele muss man zwischen ihrem Wesen und ihrem Vermögen unterscheiden; und zwar gibt sie auf Grund ihres Wesens einem so und so beschaffenen Körper das Sein, auf Grund ihres Vermögens aber bewirkt sie die ihr eigenen Tätigkeiten. Deshalb kann auch die geistige Seele, deren Vermögen der Verstand ist, eine Tätigkeit ohne den Körper hervorbringen. Auch wenn Averroes ihn missversteht, die Worte des Aristoteles, die er über den aufnehmenden Verstand sagt, dass er "leidensunfähig (impassibilis)" und "unvermischt (immixus") und "getrennt (seperatus)" von der Materie ist, zwingen nämlich nicht zu dem Zugeständnis, die geistige Substanz sei mit dem Körper nicht als die das Sein gebende Form vereinigt. Auch wird die unendliche Kraft des Verstandes ("infinita virtus intellectus") nicht aufgehoben, da sie als eine in der geistigen Substanz gegründete Kraft ("in substantia intellectuali fundata") aufzufassen ist. Da nun Averroes überaus bestrebt ist, seine Meinung durch die Worte und den Beweisgang des Aristoteles zu erhärten ("Averroes maxime nititur suam opinionem confirmare per verba et demonstrationem Aristotelis"). Tatsache ist jedoch, dass nach Aristoteles der Verstand als Form mit dem Körper vereinigt ist. Das bestreitet Averroes und nimmt ein Mittleres an, nämlich Vorstellungsgebilde ("phantasmata"); auch glaubt er, der aufnehmende Verstand sei ein einziger in allen Menschen. Das kann aber nicht sein: Der aufnehmende Verstand ist nicht ein einziger in allen Menschen ("intellectus possibilis non est unus in omnibus hominibus"). Das hatte schon Aristoteles geklärt, als er sagte, wie es unmöglich sei, dass der Baumeister die Werkzeuge des Flötenspielers verwendet, so sei es ebenso unmöglich, dass der Verstand des einen Menschen der Verstand des anderen sei. Wie aber die dem Sinnenwesen eigene Tätigkeit das sinnliche Wahrnehmen ist, so ist die dem Menschen eigene Tätigkeit das geistige Erkennen. Thomas von Aquin attestiert Averroes, das seine Antwort als Ungereimtheit ganz und gar zu verwerfen sei ("praedicta responsio omnio confutanda est"). Erkennen, Wollen und dergleichen sind nicht Tätigkeiten, die auf eine äußere Materie übergehen, sondern sie bleiben im Tätigen, und zwar als Verwirklichungen des Tätigen, wie Aristoteles schon sagt. Aus den Akten des aufnehmenden Verstandes aber entsteht der Habitus des Wissens in uns. ("Ex actibus autem intellectus possibilis fit habitus scientiae in nobis") Der Habitus des Wissens ist also im aufnehmenden Verstande, nicht im erleidenden ("in intellectu possibili, non passivo"). Der erleidende Vertsand kann aber nicht das Allgemeine erkennen, sondern nur Einzelgehalte. Er ist also nicht der Träger des Habitus des Wissens ("Non est igitur subiectum habitus scientiae").  Weil nun die äußere Tätigkeit des Lehrenden nichts bewirken würde, wenn nicht ein inneres Prinzip des Wissens ("principium intrinsecum scientiae") da wäre, das uns von Gott her innewohnt, deshalb sagt Augustinus: "Der Mensch lehrt, indem er einen Dienst ausübt, Gott aber, indem er innerlich am Werke ist", wie auch der Arzt beim Heilen Diener der Natur genannt wird. [84]
"Es ist also nicht möglich, dass die Seele eines Hundes in den Körper eines Wolfes eingeht oder die Seele eines Menschen in einen nichtmenschlichen Körper." - Thomas von Aquin, Ib. II, 73 

"Das aber, wodurch wir geistig erkennen, ist das, wodurch der Mensch Mensch ist, da das geistige Erkennen die dem Menschen eigene Tätigkeit ist, die aus seiner Wesensart hervorgeht." - Thomas von Aquin

"Es werden ja viele Menschen durch die Tätigkeit der Natur ohne die Arzneikunst geheilt (multi enim per operationem naturae, sine arte medicinae naturam)" - Thomas von Aquin

Auch die von Alexander von Aphrodisias und Avicenna aufgestellte Behauptung, der tätige Verstand ("intellectus agens")  sei ein einziger in allen Menschen, trifft natürlich nicht zu. Selbst wenn beide zwar nicht behaupten, der aufnehmenden Verstand ("intellectus possibilis") aller Menschen sei ein einziger, so liegen sie dennoch falsch. Denn der tätige Verstand ist keine vom Menschen getrennte Substanz, sondern etwas der Seele Zugehöriges ("intellectus agens non sit substantia separata, sed aliquid animae"). Wenn der aufnehmende Verstand ein Teil der Seele ist und nicht eine getrennte Substanz, wie oben nachgewiesen wurde, dann wird auch der tätige Verstand, durch dessen Tätigkeit die Erkenntnisbilder in jenem entstehen, keine getrennte Substanz sein, sondern eine "wirkende Kraft der Seele (virtus activa animae)". Platon nahm an, dass das Wissen in uns von den Ideen verursacht werde, die er als getrennte Substanzen ansah, doch Aristoteles widerlegt diese These. Wir müssten dann nämlich etweder immer erkennen, oder es könnte nicht in unserer Macht liegen, aktuell zu erkennen. Die Ansichten des Averroes, Avicenne und Alexander sind nur Varianten der Platonischen Ansicht ("opinionis Platonicae") , die gegen die Ordnung des Entstehens von Kunst und Wissenschaft steht ("contra ordinem generationis artis et scientiae"), die Aristoteles annimmt, wenn er sagt: "Aus der Wahrnehmung wird die Erinnerung, aus vielen Erinnerungen eine einzige Erfahrung, aus vielen Erfahrungen die Aufnahme eines Allgemeinen, die das Prinzip von Wissenschaft und Kunst ist (principium scientiae et artis)". Es muss also in der Natur des Menschen ein eigenes Prinzip für beides sein, das heißt, ein tätiger und ein aufnehmender Verstand, und keiner von beiden kann dem Sein nach von der Seele des Menschen getrennt sein. Da nun der Mensch nur durch die Kraft des tätigen Verstandes erkennen kann, so würde folgen, dass, wenn der tätige Verstand eine getrennte Substanz wäre, dass das Erkennen keine dem Menschen natürliche Tätigkeit wäre ("si intellectus agens est quaedam substantia separata, sequetur quod intelligere non sit operatio naturalis homini"). Der Mensch könnte dann nicht mehr als Mensch, der verstand- und vernunftbegabt ist, definiert werden. In dieser Ansicht des Averroes und des Avicenna kommt die muslimische Weltsicht zum Ausdruck, dass Moslems nämlich ähnlich wie unvernünftige Lebewesen ("animalia irrationalia") nicht Herr ihrer Handlungen sind, weshalb in muslimischen Ländern wie der muslimisierten Türkei die gesamte Ethik und das politische Wirken ("tota scientia moralis et conversatio politica") hinfällig werden.  [85]
"Jedes Seiende, das zur eigenen Tätigkeit nur dadurch, dass es von einem äusseren Prinzip bewegt wird, gelangen kann, wird mehr zum Tätigsein gebracht, als dass es sich selbst dazu bringt. Deswegen werden die unvernünftigen Lebewesen mehr zum Tätigsein gebracht, als dass sie sich selbst dazu bringen, da ja all ihre Tätigkeit von einem äßeren Prinzip, das sie bewegt, abhängt." - Thomas von Aquin, Ib. II, 76

"Wenn nun der tätige Verstand eine Substanz ausserhalb des Menschen wäre, so hinge die ganze Tätigkeit des Menschen von einem äusseren Prinzip ab. Der Mensch brächte sich also dann nicht selbst zum Handeln, sondern würde von einem anderen zum Handeln gebracht. Folglich wäre er nicht Herr seiner Handlungen und verdiente weder Lob noch Tadel, und die gesamte Ethik und das politische Wirken wären hinfällig." - Thomas von Aquin

Die Substanz der menschlichen Seele besitzt nämlich Immaterialität ("substantia animae humanae immaterialitatem") und dadurch hat sie, wie oben dargelegt, ihre geistige Natur: denn jede immaterielle Substanz ist von dieser Art ("naturam intellectualem: quia omnis substantia immaterialis est huiusmodi"). Es gibt also in der geistigen Seele ("anima intellectiva") eine auf die Vorstellungsbilder hin tätige Kraft, die sie zu aktuell erkennbaren macht; und dieses Vermögen der Seele ("potentia animae") heisst tätiger Verstand ("intellectus agens"). Im Gegensatz zu Platon wurde Aristoteles zu der Annahme bewogen, dass das für uns Erkennbare nicht etwas von sich selbst her erkennbares Seiendes ist, sondern aus dem Sinnefälligen hervorgebracht wird. Deshalb musste er eine Kraft annehmen, die diese Hervorbringung bewirkt: und das ist der tätige Verstand ("intellectus agens"). Aristoteles vergleicht dieses Licht unserer Seele ("lumini nostrae animae") mit dem Licht. Entgegen der Meinung vieler muslimischer Philosophen hat Aristoteles über den tätigen Verstand nicht gelehrt, er sei eine getrennte Substanz, sondern eher etwas der Seele Zugehöriges. Der tätige Verstand, der wie ein Habitus ist ("intellectus agens, qui est sicut habitus") ist wie das Licht. Das Licht macht aus den Farben in Potenz Farben im Akt, insofern es sie nämlich aktuell sichtbar macht. Dies wird im Bereich des geistig Erkennbaren dem tätigen Verstand zugeschrieben. Auch daraus ergibt sich, dass der tätige Verstand keine getrennte Substanz, sondern eher ein Teil der Seele ist. Aristoteles sagt nämlich ausdrücklich, der tätige und der aufnehmende Verstand seien "der Seele eigene Unterschiede (differentiae animae)", und sie seien "in der Seele (in anima)". Keiner von beiden ist also eine getrennte Substanz. Aristoteles sagt, dass der tätige Verstand "wie ein Habitus, nämlich wie das Licht" ist. Habitus aber bedeutet nicht etwas für sich Bestehendes, sondern etwas, das jemand hat. Der tätige Verstand ist also etwas der menschlichen Seele Zugehöriges.  [86] 
 

Unsterblichkeit der menschlichen Seele - Die Seelen der Tiere sind nicht unsterblich ("animae brutorum animalium non sunt immortales")

Weiter oben wurde dargelegt, dass jede geistige Substanz unzerstörbar ist. Da die Seele des Menschen eine geistige Substanz ist, muss auch die menschliche Seele unzerstörbar sein. Dem Wissen nach wird die Seele um so mehr vollendet, je mehr sie Immaterielles betrachtet. Gerade bezüglich der Seele wird Aristoteles von seinen Kommentatoren missverstanden; aus seinen Worten geht hervor, dass, obgleich er behauptet, die Seele sei Form, er dennoch nicht behauptet, sie habe keine selbstständiges Sein und sei folglich zerstörbar, wie Gregor von Nyssa ihm unterstellt. Denn Aristoteles schließt die geistige Seele von dem, was allgemein von den anderen Formen gilt, aus, indem er sagt, sie bleibe auch nach dem Körper bestehen und sei eine Substanz. Damit stimmt auch die christliche Lehre überein, "dass allein der Mensch eine substanzhafte Seele hat, die auch ohne den Körper lebt und ihre Sinne und Begabungen lebendig festhält; sie stirbt weder mit dem Körper, wie Araber behaupten (neque cum corpore moritur, sicut Arabs asserit), noch nach einer kurzen Zwischenzeit, wie Zenon behauptet, sie lebt nämlich auf Grund ihrer Substanzialität." Dadurch wird auch der Irrtum der Gottlosen ausgeschlossen, die sagen: "Aus dem Nichts sind wir geboren und nachher werden wir sein, als wären wir nicht gewesen" und "Das Ende von Mensch und Vieh ist dasselbe, und gleich ist beider Los. Wie der Mensch stirbt, so stirbt auch dieses; sie alle atmen in gleicher Weise; und der Mensch hat dem Vieh nichts voraus." [87] 
"Das den Menschen eigentlich Vollendende, und zwar der Seele nach, ist etwas Unzerstörbares. Die dem Menschen als solchem eigene Tätigkeit ist nämlich das geistige Erkennen: Durch diese unterscheidet er sich nämlich von den Tieren, den Pflanzen und dem Unbelebten (per hanc enim differt a brutis et plantis et inanimatis)". - Thomas von Aquin, Ib. II, 79

"Unendlich sind auch die Belegstellen der Heiligen Schrift, welche die Unsterblichkeit der Seele bezeugen (infinitae etiam sunt auctoritates Sacrae Scripturae quae immortalitatem animae protestantur)" - Thomas von Aquin

Viele Moslems glauben nun, wenn die menschlichen Seelen durch das Vielfachsein der Körper vielfach sind, dann können die Seelen nach der Zerstörung der Körper nicht in ihrer Vielheit bestehen bleiben. Daher muss ihrer Meinung nach eine der beiden Möglichkeiten folgen: entweder, dass die menschliche Seele gänzlich aufhört zu sein, oder, dass nur eine einzige bestehen bleibt. "Dies scheint nun der Meinung derer zu entsprechen, die annehmen, das nur sei unvergänglich, was ein einziges in allen Menschen ist, ob dies nun bloß der tätige Verstand ist, wie Alexander sagt, oder zusammen mit dem tätigen auch der aufnehmende Verstand, wie Averroes sagt." In der Regel haben nur Tiere eine Gruppenseele; dass Moslems nun diese auch für Menschen annehmen, erklärt ihr seltsamen Verhalten mitunter. Nicht zuletzt wird auch von manchen Kabarettisten behauptet, der derzeitige türkische Sultan-Präsident Erdogan hätte in seinem Harem im pompösen wie hässlichen Präsidialpalast in Ankara fast ausschließlich Ziegen. Tatsache ist jedoch, dass sich in den Seelen der Tiere keine Tätigkeit findet, die höher wäre als die Tätigkeit des sinnlichen Teiles, denn "weder erkennen sie geistig, noch üben sie eine Vernunfttätigkeit aus." Sie handeln von der Natur bewegt ("quasi a natura motae") und nicht aus technischem Wissen handelnd ("non ex arte operantes"). Es gibt also keine Tätigkeit der Tierseele, die ohne Körper sein könnte. Denn da die sinnliche Seele ("anima sensitiva") nur hier und jetzt wahrnimmt, kann sie nicht das immerwährende Sein wahrnehmen. Auch die Lust der Tiere bezieht sich stets auf das, was den Körper erhält ("ad conservantia corpus"). All ihre Tätigkeit ist also auf die Erhaltung des körperlichen Seins als auf ihr Ziel hingerichtet. Dadurch wird auch die These Platons ausgeschlossen, der annahm, auch die Seelen der Tiere seien unsterblich; er hätte quasi nur recht, wenn er eine Gruppenseele je Tierart annehmen würde ähnlich wie Averroes es für die Menschen tun wollte. Platon hat auch wie später Origenes und Andere die Seelenwanderung angenommen. Problematisch ist allerdings wenn man annimmt, die Seelen der Menschen könnten sich auch in tierische Körper inkarnieren.Auch die Drusen, eine Glaubensrichtung, die dem Islam entstammt, glauben an Seelenwanderung. Die Drusen spalteten sich Anfang des 11. Jahrhunderts in Ägypten von den Ismailiten ab, einem Zweig des schiitischen Islams. Bald nach dem Tod ihres Gründers wurden sie in Ägypten verfolgt, woraufhin sie sich im syrischen und libanesischen Bergland niederließen. Während bei den Urreligionen, Hinduismus und Buddhismus, die Seelen in einer Art Zwischenstadium existieren können, bevor sie sich wieder inkarnieren, geschieht dies für Drusen unmittelbar, denn nach ihrer Auffassung könne kein Geist ohne Körper sein. Dass Letzteres eine irrige Vorstellung ist wurde von Thomas von Aquin weiter unten nachgewiesen. [88] 
 

Elementarkörper ("corpora elementaria"), Dämonen und falsche Götter im Gegensatz zum kosmischen Christus

Einige haben, wie schon erwähnt, behauptet, es gebe keine unkörperliche Substanz. Deshalb sagten sie, Gott sei der vorzüglichste unter den Körpern, und dieser sei entweder die Luft oder das Feuer oder, was sie sonst noch als Prinzip ansahen; und sie sagten weiter, von der Natur dieses Körpers sei die Seele. Denn sie alle schrieben das, was sie als Prinzip annahmen, der Seele zu. Daraus ergab sich für sie, dass die Seele von der Substanz Gottes sei. "Aus dieser Wurzel ist nun die These des Mani hervorgegangen, der glaubte, Gott sei ein körperliches Licht, das sich durch enendliche Räume erstrecke und von dem, wie er sagte, die menschliche Seele ein kleiner Teil sei." Diese These wurde jedoch oben widerlegt, und zwar dadurch, dass dargelegt wurde, Gott sei kein Körper (I, 20), zweitens dadurch, dass dargelegt wurde, auch die menschliche Seele sei kein Körper und ebenso jede andere geistige Substanz (II, 49, 65f). Einige nahmen an, der Verstand aller Menschen sei ein einziger, und zwar entweder nur der tätige, oder aber der tätige und der aufnehmende zugleich (II, 73ff). Auch in der Zeit des Thomas von Aquin haben einige Lehrer des Christentums, wie Roger Bacon, die einen getrennten tätigen Verstand annahmen, ausdrücklich, der tätige Verstand sei Gott. Diese These von der Einheit unseres Verstandes wurde aber oben widerlegt ("positio de unitate intellectus nostri, supra imptobata est"). [89] 

Ähnlich wie Leibniz untersucht Thomas von Aquin, ob eine geistige Substanz als Form noch mit irgendeinem anderen Körper vereinigt ist. Hinsichtlich der Himmelskörper, dass sie mit einer geistigen Seele beseelt seien, wurde oben dargelegt; jetzt geht es um die Elementarkörper ("corpora elementaria"), d.h. den irdischen Körpern. Das, was die edelste Form ("formam nobilissimam"), nämlich eine geistige Substanz ("substantiam intellectualem"), hat, wenn er ein gemischter Körper ist, muss der ausgewogenste sein ("esse temperaissimum"). Ein Zeichen des guten Verstandes ("signa boni intellectus") ist die Gesundheit des Körpers. Das im höchsten Grade ausgeglichene Gefüge aber ist das Gefüge des menschlichen Körpers. Auch die Meinung des Apuleius und gewisser Platoniker wurde widerlegt, welche lehrten, "Dämonen seien Lebewesen, die dem Körper nach luftartig, dem Geiste nach vernünftig, der Seele nach empfindungsfähig, der Zeit nach ewig seien", sowie die Meinung gewisser Heiden, die annahmen, die Elemente seien beseelt, weshalb sie ihnen göttliche Verehrung erwiesen. Widerlegt ist auch die Meinung, die besagt, die Engel und die Dämonen hätten Körper von der Natur der oberen oder der niederen Elemente, die mit ihnen naturhaft vereinigt wären. [90] 

"Das geistige Erkennen ist nämlich keine Tätigkeit, die durch ein Organ des Körpers ausgeübt wird, und in derselben Weise auch das Wollen nicht." - Thomas von Aquin
Nicht nur moderne Theologen und Philosophieprofessoren stehen unter dem Einfluss des Fideismus, auch in der Bevölkerung ist diese Ansicht weit verbreitet, also jener Denkschulen, die, geprägt von Kant und empirischer Philosophie und Theologie, keine Philosophie im Sinne von Augustinus, Thomas von Aquin, Meister Eckhart, deutscher Idealismus usw. mehr rezipieren können. Augustinus formuliert die reine Geistigkeit Gottes als Resultat der Auseinandersetzung mit dem manichäischen und stoischen Materialismus. Mit Augustinus begann die Verbindung des Christentums mit der philosophischen Kultur, durch die es von Origenes bis Schelling und Hegel intellektuelle Weltgeltung erlangte. Er integrierte die Logos- und Ideenlehre in den Gottesbegriff; er bezeichnete die christliche Kirche als "Mutter aller". Die Heiden, die Dämonen anbeten, sind noch auf der Suche nach dem richtigen Weg und werden zu "umstürzlerischen Aktivitäten" verleitet. [91] 

Was Augustinus im alten Rom beobachtete, trifft zum Teil heute auch auf Europa und die westliche Welt zu. In Rom war zwar schon das Christentum Staatsreligion, viele Römer hingen aber noch an ihren alten Göttern, oder dem "Ansehen der vermeintlichen Götter". Sie erkannten nicht, dass es "arge Dämonen" waren, oder wenn sie sie erkannten, meinten sie doch, sie lieber versöhnen als verachten zu sollen. Und das, obwohl den Heiden die "hochheilige Lehre" verkündet worden war, die "von der Herrschaft der übermütigen Dämonen befreit." Augustinus fürchtet fast, dass die "so lange eingeschlürften Irrtümer" den Geist der Römer zu sehr berauscht haben, um noch vernünftig zu denken - ähnlich wie heute fast jeder von der Philosophie der materialistischen Naturwissenschaft berauscht ist. Diese Sitten haben die "Seelen der Unglücklichen" so verfinstert und "jämmerlich verkommen lassen". Auf sie übte die "Verführung gottloser Dämonen" stärkerer Einfluss als die wahre Philosophie. [92] 

Es geht darum "Irrtümer unreifen Denkens" zu widerlegen. Ein schweres Unterfangen, da die "Krankheit der unverständigen Herzen so schwer und bösartig" ist, dass sie ihre unvernünftigen Einfälle trotz empfangener ausreichender Unterweisung, mit einem Eifer verteidigen, als wäre es die Vernunft und Wahrheit selbst. Sozusagen "immerdar lernen, und nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen." Sie haben zwar den "Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie." Sie reden wie die Muslime "trotzig daher" und sind in ihrem "eitlen Geschwätz unermüdlich... Gibt's überhaupt eine Gotteslästerung, wenn das Gottesdienst ist? Oder eine Besudelung, wenn das Waschung ist?" Wer fühlte nicht, welcher Art Geister sich an solchen Anstössigkeiten erfreuen? Es müsste denn jemand sein, der nicht wüsste, ob es überhaupt "unreine Geister gibt, die sich trügerisch Götter nennen, oder der solch ein Leben führt, dass er lieber sie als den wahren Gott als Gönner sich wünschen oder als Feind fürchten möchten." Die Tücke des Dämonenkultes ist es, dass keine "hinterlistigere, schlauere Weise" denkbar ist, Menschen irrezuführen. Die "bösen Geister" oder Dämonen ermuntern zu allen "Freveln und Schändlichkeiten", freuen sich, dass sie für Götter gehalten werden, "an deren Stelle sie sich mit tausend Künsten schädlichen Trugs selber als Gegenstand der Verehrung einzuschieben wissen." Wurden sie doch in so viel Tempeln und Moscheen, von so viel Priestern und Imamen, mit so viel mannigfaltigen Gottesdiensten und Festlichkeiten verehrt. Bei alledem haben die Dämonen nur ihr eigenes Geschäft besorgt und sich nicht darum gekümmert, wie ihre Verehrer lebten, vielmehr sogar ihre unsittliche Lebensführung begünstigt, wenn sie nur ihnen zur Ehre und "in Furcht untertänig all ihre Dienste leisteten." Mit Cicero war Augustinus der Auffassung, der römische Staat sei niemals ein Staat gewesen, weil es in ihm niemals wahre Gerechtigkeit gegeben habe. Das gleiche trifft auf muslimische Länder zu; auch hier existiert keine Gerechtigkeit und damit kein Staat. Nach Augustinus gibt es wahre Gerechtigkeit nur in dem Gemeinwesen, dessen "Gründer und Herrscher Christus ist."  [93] 

Auch heute "dröhnt dem Volk unsaubere Gottlosigkeit um die Ohren", die vielen den Weg zur Besserung versperrt. Wie heilsam die christliche Religion ist, können sie nicht erkennen; dabei sind die Menschen von dem "höllischen Joch dieser unreinen Mächte und dem Schicksal, mit ihnen verdammt zu werden, durch den Namen Christi gerettet und aus der Nacht verderblichster Gottlosigkeit in das Licht heilsamster Gottesfurcht versetzt worden." Darüber beklagen sich und murren die schlechten, undankbaren und von der "trügerischen Bosheit der Dämonen" besessenen und geknebelten Leute. An den Islamisten kann man sehen, wie sie sich Zeiten wünschen, in denen sie "nicht etwa ruhig, sondern ruchlos leben können." Statt die wahre Freiheit zu erlangen, hören sie auf ihre "entarteten Genossen, die Christus und die Christen verunglimpfen... Der Gottlose rühmt sich seines Mutwillens, und wer Übles tut, wird gepriesen." Nicht nur die Situation in islamischen Ländern macht deutlich, dass eine Regierung ohne Freiheit und wahre Religion letztlich nur zu Gewalt und Unterdrückung führt. Die Frage ist, warum die staatlichen Machthaber in Rom und heute in der arabischen Welt die falschen Religionen begünstigen? Augustinus meint, das scheine aus keinem anderen Grund geschehen zu sein, als weil für klug und weise geltende Menschen ein Geschäft daraus machten, in Sachen der Religion das Volk zu täuschen und so die Dämonen nicht bloß zu verehren, sondern auch nachzuahmen. "Wie nämlich die Dämonen nur diejenigen in ihre Gewalt bekommen, die sie trügerisch hinters Licht führen, so pflegen auch menschliche Machthaber, versteht sich nicht gerechte, sondern den Dämonen ähnliche, unter dem Namen der Religion den Völkern Dinge als wahr einzureden, die sie selbst als lügenhaft erkannten. Indem sie sie auf diese Weise enger zur bürgerlichen Gemeinschaft zusammenschlossen, machten sie sie dadurch, ähnlich wie die Dämonen, sich untertan. Welcher schwache, ungebildete Mensch vermöchte sich auch der vereinten Betrügerei der staatlichen Machthaber und der Dämonen entziehen?" Ein Blick in islamische Länder mit Völksverdummung durch Koranschulen wie Pakistan, Saudi-Arabien, Qatar, Türkei bestätigt das oben gesagte. Nur wenn der Bezug zum wahren Gott besteht, verleiht er die Reiche der Welt und ihre Güter nach weisem Plan. Darin besteht das Geheimnis des Alten Bundes, in dem der Neue verborgen war. Welche aber Christo angehören und im Geist leben, wandeln auch im Geist ohne "eitler Ehre geizig sein, einander zu entrüsten und zu hassen." Hätten sie nicht gegen ihn gesündigt, und wären sie nicht in "gottloser Neuerungssucht, wie durch Zauberkünste verführt, zu fremden Göttern und Götzen abgefallen", hätten sie nicht auf falsche Propheten wie Mohammed gehört, wären ihre Länder gut regiert. Im römischen Reich wurden Bildnisse, Altäre, Tempel der falschen Götter zerstört und ihre Opfer verboten - so wie auch heute zunehmend Moscheen und islamische Gebräuche, wie das Tragen des Hijab, in Europa verboten werden - auch wenn versucht wird "islamische Mode" unter dem Label "modest fashion" in New York und London salonfähig zu machen. In der europäischen Bevölkerung gibt es aber durchaus eine natürliche Abneigung gegen die falsche Religion. Islamische Kopftuchträgerinnen werden gerne als "Tischtuch" betitelt oder "Das ist das klassische Beispiel, wie das Kopftuch das Gehirn einer Frau verschließt." In der Regel sind muslimische Kopftuchträgerinnen schon so durch ihre Religion "trügerisch hinters Licht geführt" worden, dass eine Kurdin beispielsweise sagt: "Und wenn man das Wohlgefallen des Herrn spürt, wird die Bürde auch leichter", wormit sie natürlich nicht Christus, sondern ihren Dämon Allah meint. Eine Muslimin aus dem Libanon, die jetzt  in Ostfriesland wohnt, ist durch das Lesen des Korans verführt worden. Ihre neun Jahre alte Tochter lässt sie auch schon mit Kopftuch herumlaufen. Doch zurück zum Christentum: Aus den alten Schriften (Altes Testament) lässt sich beweisen, wie schon lange vorher geweissagt wurde, dass die wahre Religion den Götzendienst ablösen wird. Das Geheimnis Christi war längst voraus verkündet worden und zwar seit Anbeginn des Menschengeschlechts. Durch die christliche Religion sind Götter der Heiden als "Dämonenschwindel" entlarvt worden. Man kann auch sagen, es gab eine "Uroffenbarung der Erde". Die einzelnen Religionen über die Erde hin sind in die Dekadenz gekommene Fragmente aus jener Uroffenbarung; dies wurde von Leibniz und anderen angenommen wurde. In diesen alten Zeiten der Erdentwicklung kamen die Menschen schon in ein Verhältnis zum Christus. Der Christus-Impuls muss eben wieder angeknüpft werden an das ganze Weltenall. "Denn das wird eine tiefe Eigentümlichkeit der christlichen Weltauffassung werden müssen, dass diese christliche Weltauffassung Verständnis wird entgegenbringen können allen anderen Auffassungen der Menschen." Der rohe Materialismus, wie er heute unter Theologen und der naturwissenschaftlichen Weltanschauung vorherrscht, wird dazu allerdings nicht in der Lage sein. "Aber nicht früher wird Einigkeit herrschen mit Bezug auf die Dinge, über die Einigkeit herrschen sollte über die ganze Erde hin, bis die Menschen erkannt haben die kosmische Bedeutung des Christus. Denn über die kosmische Bedeutung des Christus werden Sie zu dem Juden, zu dem Chinesen, zu dem Japaner, zu dem Inder sprechen können, wie sie zu dem christlichen Europäer sprechen."  [94]

Was die platonische Götter- und Dämonenlehre betrifft, muss man die guten Götter (Engel) von den Dämonen unterscheiden. Während die Dämonen sich durch Ehrungen schmeicheln lassen, gebietet die wahre Religion, von dergleichen unberührt zu bleiben, sich nicht von Zorn aufregen zu lassen. Die Dämonen lieben auch die "Zauberei der Magier mit ihren tausend Schaden stiftenden Künsten, die Unschuld nicht liebt." Alle Wunder der Magier geschehen nach Anweisung und unter Beihilfe von Dämonen. Augustinus spricht daher von der "Verwerflichkeit aller Dämonenverehrung"; man müsse annehmen, dass es Geister sind voll Schadenfreude, "gänzlich bar aller Gerechtigkeit, geschwollen von Hochmut, blass vor Neid, listig zu betrügen, die in der Luft wohnen. Es sei unverständig oder unsinnig, wenn wir uns in religiöser Verehrung den Dämonen unterwerfen würden, da wir doch durch die wahre Religion von der Verkehrtheit befreit werden. Alles, was sie zuwege bringen können, bringen sie als Dämonen zuwege, sei es, dass sie Wohltaten gewähren, wodurch sie die Menschen nur betrügen und um so mehr schädigen, sei es, dass sie offenkundig Unheil anstiften. "Was will ich damit nun sagen? daß das Götzenopfer etwas sei oder daß dar Götze etwas sei? Nein: sondern was die Heiden opfern, das opfern sie den bösen Geistern und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt. Ihr könnt nicht zugleich trinken des Herr Kelch und der Teufel Kelch; ihr könnt nicht zugleich teilhaftig sein des Tisches des Herrn und des Tisches der Teufel. Oder wollen wir dem Herrn trotzen? Sind wir stärker als er?" Augustinus meint daher, der Geist der Dämonen sei den Leidenschaften der Begierden, Ängste, Zornesaufwallungen und dergleichen unterworfen. So bleibe ihnen nichts, was frei und der Weisheit aufgeschlossen wäre, durch die sie den Göttern gefallen und den Menschen zum Erwerb ähnlicher sittlicher Vorzüge behilflich sein könnten. Die platonische Argumentation von der Gesundung macht deutlich, dass die augustinische Konzeption des "Christus medicus" philosophischen Ursprungs ist. (philosophia sanans). Die Dämonen dagegen führen nicht zu Gott, sondern ziehen von ihm ab, wie man es heute im Islam deutlich sehen kann. "Jene falschen und betrügerischen Mittler dagegen, die Dämonen, sind wegen der Unreinheit ihres Geistes - viele Beweise erhärten es - als unselig und bösartig zu erkennen." Sie seien darauf aus, uns vom Aufschwung der Seelen abzulocken und abzuziehen. Sie ebnen nicht den Weg zu Gott, sondern hindern uns, auf ihm zu wandeln. Denn es gibt nur einen Mittler: "Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde." Augustinus spricht vom aufgeblasenen, lieblosen Wissen der Dämonen und Dämonenverehrer ("daemonicola"). "Die Dämonen also besitzen ein Wissen ohne Liebe und sind darum so aufgeblasen, das ist so hochmütig, dass sie alles aufboten und, soviel sie können und bei wem sie können, noch jetzt aufbieten, zu erreichen, dass man die göttlichen Ehren und den Dienst der Religion, den man, wie sie wohl wissen, dem wahren Gotte schuldet, ihnen selbst erweist. Mit welcher Macht diesem Hochmut der Dämonen, dem auch das Menschengeschlecht verdientermaßen verfiel, die in Christus erschienene göttliche Demut gegenübertritt, davon wissen die von unlauterer Selbstüberhebung aufgeblasenen Menschenseelen nichts. Denn sie ähneln den Dämonen an Hochmut, aber nicht an Wissen." [95]
 

Geistige Substanzen, die nicht mit Körpern vereinigt sind ("Substantiae intellectuales corporibus non unitate"), Ordnung der Natur ("ordinem naturae"), in den Werken der Natur sehen wir das geschehen, was das Beste ist

Alles, was zum Gattungsbegriff ("ratione generis") gehört, muss auch zum Artbegriff ("ratione species") gehören. Die höhere Natur berührt mit dem, was in ihr das niederste ist, die niedere Natur in dem, was in ihr das höchste ist. Die geistige Natur aber ist höher als die körperliche. Sie berührt diese aber mit einem Teil von sich, nämlich der geistigen Seele. Wie nun der durch die geistige Seele verwirklichte Körper der höchste in der Gattung der Körper ist, so muss also die geistige Seele, die mit einem Körper vereinigt ist, die niederste in der Gattung der geistigen Substanzen sein. "Es gibt also mit Körpern nicht vereinigte geistige Substanzen, die nach der Ordnung der Natur höher stehen als die Seele" Eine Substanz kann ohne Ausdehnung sein, während Ausdehnung nicht ohne Substanz sein kann ("Substantia potest esse sine quantitate, licet quantitas sine substantia esse non possit"). Die Substanz ist nämlich von den anderen Gattungen die erste, und zwar der Zeit, dem Begriff und der Erkenntnis nach ("prima est tempore, ratione et cognitione"). Das geistige Erkennen ist die der geistigen Substanz eigene Tätigkeit ("intellegere est propria operation substantiae intellectualis"). Die geistige Substanz muss also so beschaffen sein, dass sie der genannten Tätigkeit entspricht. Da aber das geistige Erkennen eine nicht durch ein körperliches Organ ausgeübte Tätigkeit ist, bedarf es nicht eines Körpers, es sei denn, insofern das Erkennbare von Sinnenfälligen Dingen genommen wird. Das aber ist eine unvollkommene Weise des Erkennens ("imperfectus modus intelligendi"). Die vollkommene Weise des Erkennens ist nämlich die, dass das seiner Natur nach Erkennbare erkannt wird. Wenn nun vor allem Unvollkommenen etwas in der betreffenden Gattung Vollkommenes sein muss, dann müssen vor den menschlichen Seelen geistige Substanzen sein, die das an sich Erkennbare erkennen und nicht die Erkenntnis vom Sinnenfälligen hernehmen und dadurch ihrer Natur nach von den Körpern getrennt sind. Auch nach Aristoteles muss es mehrere Beweger geben, die weder Körper noch mit Körpern vereinigt sind. Hiermit stimmt auch die Lehre des Dionysius überein, der von den Engeln sagt, dass sie "als unstoffliche und unkörperliche verstanden werden". Hierdurch wird auch der Irrtum der alten Sadduzäer (und der modernen!) widerlegt, die sagen, es gebe keine Engel und keinen Geist. Auch die These der alten Naturphilosophen und modernen Materialisten wird widerlegt, die sagen, alle Substanz sei körperlich; auch die These des Origenes, der sagte, dass keine Substanz nach der göttlichen Dreifaltigkeit ohne Körper für sich zu bestehen vermöge; sowie die These aller anderen, die annehmen, dass alle Engel, die guten wie die schlechten, von Natur mit ihnen vereinigte Körper hätten. Schon Thomas von Aquin hatte in seinen Werken gegen die Abschaffung von Geist und Seele protestiert. Heute ist nicht nur der Geist abgeschafft worden, sondern auch die Seele. Ein seh weitgehender Anfang zur Abschaffung der Seele liegt auf den verschiedensten Gebieten vor.  Averroes und die Sadduzäer hatten schon Vorarbeit geleistet. "So ist im neunzehnten Jahrhundert das heraufgezogen, was man den historischen Materialismus nennt, der die grundlegende geschichtliche Anschauung für die heutige Sozialdemokratie geworden ist." Wenn man in Engels und Marx die hauptsächlichsten "Propheten" des historischen Materialismus ins Auge fasst, so sind sie die direkten und unmittelbaren historischen Nachkommen der Väter vom achten ökumenischen Konzil von 869. "Was die Väter dazumal getan haben in der Abschaffung des Geistes, das setzten die Marx und Engels fort in ihrem schon sehr weitgehenden Versuche der Abschaffung der Seele." Ein weiterer Impuls zur Abschaffung der Seele liegt in der Entwicklung der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung, nicht die Naturwissenschaft sondern die "naturwissenschaftliche Weltanschauung". Auch Thomas von Aquin hatte schon festgestellt, dass die materialistische Weltanschauung den Menschen vom wirklichen Denken abschließt und einlullt in bezug auf Wichtiges in der geschichtlichen Entwicklung. Das Mysterium von Golgatha stellte das "größte Geheimnis der Erdenzei" auf den historischen Schauplatz hinaus. Man kann dann die Frage aufwerfen: "Warum entwickelte sich eine so starke Antipathie des Römertums gegenüber dem, was sich da als Christentum in Anknüpfung an das Mysterium von Golgatha ergeben hat? Und warum ergab es sich aus diesen Impulsen heraus, dass gerade der Geist abgeschafft worden ist? Die Dinge haben immer viel tiefere Zusammenhänge, als man eigentlich merkt, wenn man sie bloß ihrer Oberfläche nach betrachtet. Denn dass Marx und Engels Kirchenväter sind, werden nicht viele Leute heute zugeben wollen; aber das ist noch keine ganz besonders tiefe Wahrheit. Auf eine tiefere Wahrheit führt es schon, wenn man folgendes ins Auge fasst: Im Gerichtshofe, durch den der Christus Jesus verurteilt worden ist, wirkten vorzugsweise Sadduzäer, diejenigen, die man Sadduzäer nannte. Was waren die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich abspielte? Was waren die eigentlich, die dazumal mit Recht mit dem Namen Sadduzäer bezeichnet worden sind? Es waren diejenigen Leute, welche alles, was aus dem Mysterium kam, hinwegeskamotieren wollten, hinweghaben, hinwegschaffen wollten." Sie waren diejenigen, die den Gerichtshof in Händen hatten; heutige Sadduzäer, zum Beispiel die Sozialdemokraten, die das Bundesjustizministerium führen, arbeiten kräftig daran, der Verwirklichung des Christus-Impulses entgegen zu wirken.  Dieser "ahrimanische Materialismus", wie er später erst wieder mit dem Islam heraufkam, sorgte dafür, dass die Wirklichkeit der Mysterien, "was mit dem Christus in Einklang mit dem Mysterienwesen" stand, ausgerottet wurde. Trotz allem, ist die Bibel heute mit 3000 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Buch aller Zeiten, weit abgeschlagen liegen der Koran (800 Millionen) und das kommunistische Manifest von Marx/Engels mit 500 Millionen Exemplaren. [96]
"Alle Naturen aber, die es geben kann, gibt es in der Ordnung der Dinge: sonst wäre das All unvollkommen." - Thomas von Aquin

"So muss jede dieser Ortsbewegungen von einem an sich unbeweglichen und ewigen Wesen bewegt werden. Denn die Natur der Gestirne ist als eine bestimmte Art Wesen ewig, und das Bewegende ist ewig und früher als das Bewegte, und das, was früher als ein Wesen ist, muss ebenso ein Wesen sein. Es ist also offenbar, dass es ebenso viele Wesen wie Ortsbewegungen der Gestirne geben muss, die ihrer Natur nach ewig und an sich unbeweglich und ohne Größe sind." - Aristoteles

Die Arten der materiellen Dinge werden nicht durch die Materie, sondern durch die Form vervielfacht ("species rerum materialium non multiplicantur per materiam, sed per formam"). Damit wird die These des Darwin, die der Darwinisten und der materialistischen Naturwissenschaft widerlegt, nach der sich alles aus materiellen Dingen entwickelt hätte, beispielsweise der Mensch aus dem Affen. Man fasst zwar mit dem Verstand vieles auf, denkt sich große Zeiträume aus, was aber in der Materie nicht sein kann. "Daher kommt es, dass mathematisch zu jeder geraden, begrenzten Linie etwas hinzugefügt werden kann, nicht aber in der Natur." Die getrennten Substanzen gehören zum geistigen Sein ihrer Natur nach. Bei ihnen ist also eine größere Vielfalt möglich als in den materiellen Dingen. Die Vielheit der getrennten Substanzen geht also über die Vielheit der materiellen Dinge hinaus. Daher heisst es auch in der Heiligen Schrift: "Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Hunderttausende standen an seiner Seite." Und Dionysius sagt, die Zahl jener Substanzen gehe über jede materielle Vielheit hinaus und dass ebenso, wie es in der ganzen Vielheit der Engel eine oberste, eine mittlere und eine niederste Hierachie gibt, es auch in jeder Hierarchie eine oberste, eine mittlere und eine niederste Ordnung gibt, und in jeder Ordnung Oberste, Mittlere und Niederste. Hierdurch wird auch die These des Origenes widerlegt, denn die getrennten Substanzen sind weder untereinander von der gleichen Art, noch auch gemäß der Ordnung der Natur ("ordinem naturae") gleich. Die getrennten Substanzen sind zum Beispiel die "Verursachenden von dem, was durch die Bewegung der Himmelskörper geschieht." Daher sagt auch Boethius, dass aus den Formen, die keine Materie haben, die Formen gekommen seien, die in der Materie sind. Also nicht durch Zufall, wie oben erläutert, kommen die "Artbestimmtheiten der materiellen Dinge (species rerum materialium)". Das muss "denen, die schwerfälligen Verstandes (tardi intellectus) sind", natürlich mühsam beigebracht werden. [97]
"Wie die Himmelskörper wertvoller sind als die Elementarkörper, als das Unvergängliche gegenüber dem Vergänglichen, so sind die geistigen Substanzen wertvoller als alle Körper, als das Unbewegte und Immaterielle gegenüber dem Bewegten und Materiellen. Es gehen also der Zahl nach die getrennten geistigen Substanzen über die Vielheit aller materiellen Dinge hinaus." - Thomas von Aquin, Ib. II, 92 

"Die Ordnung des Universums (ordo universi) scheint es zu erfordern, dass das, was unter den Dingen das edlere ist, an Größe und Zahl über die unedleren hinausgeht." - Thomas von Aquin

"Die Vielheit der Arten verleiht dem Universum also mehr an Wert als die Vielheit der Individuen in ein und derselben Art." - Thomas von Aquin

Bonum esse causam primariam mali

Jede Tätigkeit und Bewegung findet um eines Guten willen statt, "wenn es sich um eine natürliche Bewegung handelt" - gentechnisch veränderte Lebewesen sind natürlich nicht gemeint. Durch das Tätigsein strebt das Tätige nach einem ihm Ähnlichen. Also strebt es zur Aktualität. Jede Aktualität ist aber im Grunde ein Gutes; denn das Schlechte kommt nur bei der Potentialität vor, die die Aktualität verfehlt. Das durch den Verstand tätige ist um eines Zieles willen tätig als etwas, das sich selbst das Ziel bestimmt. Das auf Grund der Natur Tätige aber bestimmt sich das Ziel nicht selbst; denn es erkennt den Wesensgrund des Zieles nicht.
"Nun sehen wir aber in den Werken der Natur entweder immer oder häufig das geschehen, was das Beste ist (Videmus autem in operibus naturae accidere vel semper verl frequentius quod melius est)" - Thomas von Aquin, Ib. III, 3

"Vollkommenes Sein aber nennen wir ein Gutes"

Dadurch wird auch der Irrtum der Manichäer ausgeschlossen, die behaupteten, einige Dinge seien ihrer Natur nach schlecht. Das Schlechte ist nicht seinem Wesen nach schlecht, sondern nur schlecht für den Menschen, insofern es die Vernunftordnung ("ordinem rationis") verneint, die das Gute des Menschen ausmacht. Deshalb sagt Dionysius: "Das Schlechte kämpft gegen das Gute nur kraft des Guten, für sich aber ist es machtlos und schwach." Dieses Akzidens kann im Bereich der Natur auf der Seite des Tätigen und auf der Seite der Wirkung vorhanden sein. Auf der Seite des Tätigen ist es zum Beispiel, wenn das Tätige einen Mangel an Kraft erleidet, aus dem folgt, dass die Tätigkeit mangelhaft ist und dann auch die Wirkung: "wenn zum Beispiel die Kraft des Verdauungsorgans schwach ist, so folgt daraus eine unvollkommene Zersetzung und unverdauter Saft, was für die Natur etwas Schlechtes ist." [98]
"Wenn nämlich die Ursache irgendeines Schlechten das Schlechte ist, das Schlechte aber kraft des Guten tätig ist, wie erwiesen wurde, dann muss eben dieses Gute die Erstursache des Schlechten sein (bonum esse causam primariam mali)" - Thomas von Aquin

"Das Schlechte ist also nicht an sich Ursache von etwas, sondern nur akzidentell" - Thomas von Aquin

Im sittlichen Bereich scheint es sich anders zu verhalten. Denn die sittliche Verfehlung folgt nicht aus einem Mangel an Kraft; Unzulänglichkeit verdient ja nicht die Strafe, die der Schuld gebührt, sondern eher Barmherzigkeit und Verzeihen; denn willentlich muss die sittliche Verfehlung sein, nicht notwendig. Wenn man die sittliche Verfehlung betrachtet, so ist sie in einer Hinsicht ähnlich dem Naturfehler, in der anderen aber unähnlich. Unähnlich ist die sittliche Verfehlung, insofern sie in der Tätigkeit allein betrachtet wird, nicht aber in einer hergesetellten Wirkung: denn die sittlichen Kräfte (Tugenden) sind nicht herstellend, sondern handelnd. Da die Künste herstellend sind, kommt bei ihnen das Fehlerhafte in ähnlicher Weise vor wie in der Natur. Das sittlich schlechte also zeigt sich nicht an Materie oder Form der Wirkung, sondern folgt allein aus dem Handelnden. Der Wille wird vom Urteil der erkennenden Kraft bewegt. Die Erkenntniskraft selbst wird vom erkannten Ding bewegt. Das erste tätige Prinzip bei den sittlichen Tätigkeiten ist also das erkannte Ding; das zweite die Erkenntniskraft; das dritte der Wille; das vierte die Bewegkraft, die den Befehl der Vernunft ausführt. Äussere Tätigkeiten dieser Art erstrecken sich auf die Sittlichkeit nur, insofern sie willentlich sind. Ist die Tätigkeit des Willens gut, so wird auch die äussere Tätigkeit gut heißen, schlecht aber, wenn jene schlecht ist. In der Tätigkeit des Willens also sind Wurzeln und Ursprung der sittlichen Verfehlung ("radix et origio peccati moralis") zu suchen. Der Mangel, der im Willen vorweg besteht, ist weder natürlich, noch zufällig oder unvorhergesehen, denn sonst gäbe es in uns keine sittliche Verfehlung. Das Zufällige ist nämlich unvorbereitet und aussehalb der Vernunft. Wie das dem sinnlichen Streben eigene Bewegungsprinzip die sinnliche Erkenntniskraft ist, so ist das dem Willen eigene Bewegungsprinzip die Vernunft selbst. 
"Wenn also der Wille, bewegt von der Erkenntnis der Vernunft, die ihm das ihm eigene Gute vorstellt, zur Aktivität strebt, so folgt die rechte Tätigkeit. Wenn sich aber der Wille zu einer Tätigkeit durch die bloße Erkenntnis der sinnlichen Erkenntniskraft oder der Vernunft, die ein anderes Gutes, das von dem ihm eigenen Guten verschieden ist, vorstellt, vorschnell leiten lässt, so folgt in der Tätigkeit des Willens eine sittliche Verfehlung... Es mangelt an Hinordnung auf das rechte Ziel aber, wenn die Vernunft zum Beispiel durch Schlussfolgern auf irgendein Gutes verfällt, das entweder zu diesem Zeitpunkt oder in dieser Weise nicht gut ist." - Thomas von Aquin, Ib. III, 10
Das Schlechte, sosehr es sich auch vervielfältige, könne nach Thomas von Aquin niemals das ganze Gute aufzehren ("malum non totaliter consumit bonum"). Die Minderung des Guten durch das Schlechte kann im Bereich der Natur nicht ins Unendliche fortschreiten. "Denn die natürlichen Formen und Kräfte sind alle begrenzt und gelangen an eine Grenze, über die hinaus sie nicht ausgedehnt werden können." Im sittlichen Bereich aber kann eine Verringerung ins Unendliche fortschreiten. Denn Verstand und Wille haben in ihren Tätigkeiten keine Grenzen. Es kann zwar das Gute der natürlichen Anlage durch das sittlich Schlechte ins Unendliche verringert werden. Niemals aber wird es gänzlich beseitigt werden, denn das Schlechte kann nicht ein erstes Prinzip sein ("malum igitur non potest esse primum principium"). Das Schlechte ist nur kraft des Guten tätig. Das erste Prinzip aber ist aus eigener Kraft tätig. Auch Aristoteles meinte schon, das, was akzidentell sei, das sei später als das, was an sich sei. [99]
"Wenn also schon wirklich Ursache dieses Himmelsgewölbes der Zufall wäre, so wäre es immer noch nötig, dass vorher die Vernunft Ursache wäre und die Natur, sowohl von vielen anderen Dingen als auch von diesem Weltganzen." - Aristoteles 

"Die Bewegung des Himmels rührt von einem geistigen Prinzip her (motus caeli est a principio intellectivo)" - Thomas von Aquin

"Der Verstand kann nämlich im Erkennen ins Unendliche fortschreiten: daher sagt man, dass die mathematischen Arten der Zahlen und Figuren enendlich viele sind. Und ebenso schreitet der Wille im Wollen ins Unendliche fort: wer nämlich einen Diebstahl begehen will, kann ihn ein zweites Mal begehen wollen und so ins Unendliche. Je mehr aber der Wille nach unrechten Zielen strebt, desto schwieriger ist die Rückkehr zu dem ihm eigenen und rechten Ziel: dies ist bei denen ersichtlich, in denen die Gewohnheit zu sündigen schon ein eingeführter Habitus des Lasterhaften ("habitus vitiorum") ist." - Thomas von Aquin
 

Prima philosophia, contemplatone veritatis, contempatione sapientiae - was macht wirklich glücklich? Ruhm? Ehre? Reichtum? Macht? Sinnlichkeit? Sittliche Tugenden? Klugheit? Künstlerische Tätigkeit? Glaube?

Unter allen Wissenschaften und Künsten ("scientiis et artibus") scheint das letzte Ziel in jener Wissenschaft zu liegen, die für die anderen Maß und Regel gibt, d.h. die erste Philosophie ("prima philosophia"), also die Metaphysik; von ihr hängen alle anderen theoretischen Wissenschaften ab, von ihr erhalten sie ihre Prinzipien. Die erste Philosophie selbst ist ganz hingeordnet auf die Erkenntnis Gottes als ihr letztes Ziel und wird daher nach Aristoteles "göttliche Wissenschaft (scientia divina)" genannt. Das Ziel und das Gute des Verstandes aber ist das Wahre, folglich ist das letzte Ziel das erste Wahre ("Finis autem et bonum intellectus est verum et per consequens ultimus finis primum verum"). Was wird also gebraucht zur menschlichen Glückseligkeit ("ad felicitatem humanam")? Reicht gewöhnlicher Mathermatikunterricht aus, wie einige meinen? Benötigen die Schüler keine Einführung in die erste oder wahre Philosophie in Abgrenzung zur falschen Philosophie? Das letzte Ziel des Menschen und jeder geistigen Substanz wird Glückseligkeit ("felicitas") oder Seligkeit ("beatitudo") genannt. In der Heiligen Schrift heisst es daher: "Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." und "Das aber ist das ewige Leben, dass sie Dich den wahren Gott, erkennen." Die wahre Seligkeit ("vera beatitudo") unterscheidet sich von der falschen nicht hinsichtlich des Willensaktes: denn der Wille verhält sich im Sehnen, Lieben und Freuen auf diesselbe Weise, "was es auch sei, das ihm als höchstes Gutes vorgestellt werde, sei es mit Wahrheit oder fälschlicherweise", weshalb einige ihre Glückseligkeit meinen im Islam finden zu müssen oder einer anderen falschen Philosophie. Erst das Denken ist in der Lage, zu unterscheiden, was in Wahrheit das höchste Gut ist, "was als solches vorgestellt wird, oder aber fälschlicherweise".  Durch Meditation oder geistige Betrachtung ("per contemplationem") gelangen wir zur wahren Glückseligkeit. Die Lüste, die die Epikureer anstreben, versenken den Menschen am meisten ins Sinnliche und ziehen ihn folglich vom Geistigen ab. Auch der Irrtum der Cerinthianer oder Chiliasten kann ausgeschlossen werden, die annehmen, es werde nach der Auferstehung tausend Jahre im Reiche Christi geben, "hingegeben den fleischlichen Lüsten des Bauches." Ausgeschlossen werden damit auch die Erfindungen zum Beispiel der muslimisierten Araber ("Saracenorum fabulae"), die in den genannten Lüsten Belohnungen der "Gerechten" sehen. Auch Ehre ist nicht das höchste Gut des Menschen, denn auch Schlechte können geehrt werden. Besser ist es, einer Ehre würdig zu werden, als geehrt zu werden. Die Glückseligkeit des Menschen besteht auch nicht im Ruhm. Der Ruhm ist nach Cicero "die häufige lobende Nennung von jemand" und nach Ambrosius die Verbindung von "Bekanntheit und glänzendem Lob". Die Menschen wollen "darum in Lob und einem gewissen Glanz bekannt werden, damit sie von denen, denen sie bekannt werden, geehrt werden." Ruhm wird also um der Ehre willen gesucht. Wenn die Ehre nicht das höchste Gut ist, so ist es noch viel weniger der Ruhm. Erkennen ist edler als Erkanntwerden ("cognoscere nobilius est quam cognosci"). Nur das edlere unter den Dingen erkennt, erkannt aber wird das Niedere. Also kann das höchste Gut des Menschen auch nicht der Ruhm sein, der darin besteht, dass jemand erkannt wird. Die Erkenntnis des Rufes, in der der menschliche Ruhm besteht, ist unvollkommen, denn sie unterliegt einem Höchstmaß an Unsicherheit und Irrtum ("cognitio autem famae, in qua gloria humana consistit, est imperfecta: est enim plurimum incertitudinis et orroris habens"). Der Ruhm ist das Unbeständigste; denn nichts ist wandelbarer als Meinung und Lob der Menschen ("nihil enim est mutabilius opinione et laude humana"). Das höchste Gute des Menschen unterliegt auch nicht dem Zufall, denn das Zufällige ereignet sich ohne die Bemühung eines Vernunftgrundes; es ist aber notwendig, dass der Mensch das ihm eigene Ziel durch den Vernunftgrund erreicht. "Bei der Erlangung von Reichtum hingegen nimmt der Zufall die wichtigste Stelle ein. Dies wird auch darin offensichtlich, dass der Reichtum unfreiwillig verlorengeht; dass er den Bösen zukommen kann, die notwendig das höchste Gut entbehren." Auch die menschliche Macht ist höchst unvollkommen; sie entspringt nämlich in dem verschiedenen Wollen und den Meinungen der Menschen, wo die größte Unbeständigkeit ("maxima inconstantia") herrscht. Manche glauben, die Glückseligkeit bestehe in der Sinnlichkeit; ähnlich wie die Tiere erfreuen sie sich, "da sie keinen Verstand haben, des Denkens nur in Beziehung auf den Nutzen, der den Körper betrifft, insofern sie durch die Sinneserkenntnis zur Nahrung oder Begattung gelangen." Man könnte aber meinen, dass die letzte Glückseligkeit des Menschen in den sittlichen Tugenden liegt. Doch auch das ist nicht der Fall, auch wenn manche Charity-Organisationen die letzte Glückseligkeit in dem suchen, "was unter allem menschlichen Guten im Hinblick auf die anderen Lebewesen das Ureigene des Menschen" sei. Von dieser Art ist aber kein Akt sittlicher Tugenden: denn manche Tiere haben einen gewissen Anteil an der Freigebigkeit oder der Tapferkeit; an der geistigen Tätigkeit aber hat kein Tier teil, weshalb man sagen kann, auch in den sittlichen Taten liegt nicht die letzte Glückseligkeit des Menschen. Was ist mit der Klugkeit? Ist es die beste Tätigkeit des Menschen, insofern sie das dem Menschen Eigene ist, im Bezug auf die vollkommensten Gegenstände? Auch die Handlung der Klugheit betrifft noch nicht die vollkommensten Gegenstände des Verstandes oder der Vernunft. Die vernunftlosen Tiere haben nicht an der Glückseligkeit teil, wie Aristoteles in seiner Ethik nachweist. Manche von ihnen haben aber einen gewissen Anteil an der Klugheit. Wenn man sich manche Schriftsteller ansieht, wie weit sie sich von der ersten Philosophie entfernthaben, kann man nachvollziehen, dass für Thomas von Aquin die letzte Glückseligkeit sogar nicht einmal in der künstlerischen Tätigkeit ("operatione artis") besteht. [100]

Wenn also die letzte Glückseligkeit des Menschen nicht in den äusseren Dingen besteht, die man Glücksgüter nennt; nicht im Körper-Guten; nicht im Guten der Seele, insofern es sich auf den sinnlichen Bereich bezieht usw., so bleibt übrig, dass sie in der Betrachtung der Wahrheit ("contemplatone veritatis") liegt. Allein diese Tätigkeit ist dem Menschen eigentümlich; und in dieser hat mit ihm keines der anderen Lebewesen irgendetwas gemeinsam. Sie ist auch auf nichts anderes als Ziel hingeordnet; "denn die Betrachtung der Wahrheit wird um ihrer selbst willen gesucht. Durch diese Tätigkeit verbindet sich der Mensch auch mit den Wesen über ihm in Ähnlichkeit: denn nur diese der menschlichen Fähigkeiten findet sich auch in Gott und den getrennten Substanzen." Auf diese Tätigkeit als Ziel scheinen sich auch alle anderen menschlichen Handlungen hinzuordnen. Denn für die Vollkommenheit der Betrachtung ist Unversehrtheit des Körpers erforderlich. Auch ist "Ruhe vor den Verwirrungen der Leidenschaften" erforderlich, zu welcher man durch die sittlichen Tugenden und durch die Klugheit gelangt; "endlich Ruhe vor äußeren Wirren, auf welche die ganze Leitung des bürgerlichen Lebens hingeordnet ist." Die letzte Glückseligkeit des Menschen ist auch nicht die Betrachtung gemäß den Wissenschaften ("secundum scientias"), die von den untersten Dingen handeln; sie muss vielmehr in der Verstandestätigkeit bestehen, die sich auf das edelste Erkennbare ("noblissima intelligibilia") bezieht; sie besteht also in der Betrachtung der Wahrheit im Sinne der Betrachtung des Göttlichen ("contempatione sapientiae"); allerdings nicht in derjenigen Gotteserkenntnis, die sich in allgemeiner Weise bei der Mehrzahl der Menschen findet, zum Beispiel auch im Islam. Denn jene allgemeine Erkenntnis vermischt sich leicht mit vielen Irrtümern ("multorum errorum admixtionem suscipiens"). Einige glaubten nämlich, es gebe keinen anderen Ordner der irdischen Dinge als die Himmelskörper: daher sagten sie, die Himmelskörper seien Götter (zum Beispiel der Mond oder Halbmond, der im Islam mit Allah in Verbindung gebracht wird). "Derartige Gotteserkenntnis genügt freilich nicht zur Glückseligkeit" - selbst wenn man sie durch Beweisführung gewänne. Mit der genannten Erkenntnis kann sich Täuschung und vielfältiger Irrtum ("errores multiplices") verbinden. Die Glückseligkeit besteht in vollkommender Tätigkeit. Zur Vollkommenheit der Erkenntnis aber ist Gewissheit erforderlich; daher sprechen wir von Wissen nur, wenn wir erkennen, dass sich etwas unmöglich anders verhalten kann. Die menschliche Glückseligkeit besteht auch nicht in der Gotteserkenntnis, die man durch den Glauben hat, denn in der Erkenntnis des Glaubens findet sich die Tätigkeit des Verstandes als höchst unvollkommen. Der muslimische Philosoph Avempace behauptet zusammen mit Averroes, er könne die getrennten Substanzen durch Vorstellungsbilder aus der Sinnenwelt erfassen, die seiner Meinung nach in allen Menschen gleich seien. Diese Ansicht wird von Thomas von Aquin als wertlos bezeichnet, da die Sinnendinge nicht in ausreichendem Maße zur Erkenntnis der nichtmateriellen Dinge ("cognitionem rerum immaterialium") führen. Allein durch die Vorstellung der Sinnesdinge könne man nicht zur Erkenntnis der getrennten Substanzen gelangen. [101] 

"Wenn aber einer die genannte Gotteserkenntnis nicht hat, so scheint er sehr zu tadeln zu sein: denn das kennzeichnet am ehesten die Torheit eines Menschen, dass er so offensichtliche Zeichen Gottes nicht erfasst; so würde auch als Tor gelten, wer einen Menschen sähe und nicht begriffe, dass dieser eine Seele hat." - Thomas von Aquin, Ib. III, 39

"Die Erkenntnis, die man von einem Ding nur in allgemeiner Weise hat und nicht nach dem ihm Eigentümlichen, ist höchst unvollkommen, so wie die Erkenntnis, die man von einem Menschen daraus zöge, dass er in Bewegung ist." - Thomas von Aquin

Es ist aber klar, dass Aristoteles, dessen Lehre die genannten Philosophen (zum Beispiel Avempace und Averroes) zu folgen versuchen, nicht ihrer Meinung war. In seiner Ethik weist er nämlich nach, dass die Glückseligkeit des Menschen "eine seiner vollkommenen Tugend gemäße Tätigkeit ist." Daher war es nötig, dass er die Tugenden bestimmte, die er in ethische und dianoethische Tugenden einteilte. Die letzte Glückseligkeit des Menschen aber liege in der Betrachtung. "Daher ist ersichtlich, dass sie nicht in irgendeinem Akt ethischer Tugend liegt, auch nicht in dem der Klugheit oder der Kunst, obwohl diese dianoethische Tugenden sind. Es bleibt also übrig, dass es die Tätigkeit ist, die sich um Weisheit müht, welche unter den drei verbliebenen dianoethischen Tugenden: Weisheit, Wissen und Verstand den ersten Rang einnimmt." Aristoteles sagt, der Weise sei glücklich. Die Weisheit ist aber nach seiner Lehre eine der theoretischen Wissenschaften, "das Haupt der anderen"; darüber hat er ein ganzes Buch geschrieben: Metaphysik. Es ist also ersichtlich, dass es die Lehrmeinung des Aristoteles war, dass die letzte Glückseligkeit, die der Mensch im Leben hier erwerben kann, "die Erkenntnis der göttlichen Dinge sei, die man durch die theoretischen Wissenschaften haben kann." Jene spätere Weise des Erkennens der göttlichen Dinge aber, die nicht auf dem Wege der theoretischen Wissenschaften erfolgen soll, sondern im Sinne von Avempace und Averroes, haben sich "einige Ausleger ausgedacht." Averroes und viele andere Muslime bemühen sich zwar einige Ungereimtheiten zu vermeiden, aus dem bisher Gesagten ist jedoch ersichtlich, dass ihre Lehre falsch ist ("esse falsa ex praemissis"), zumal sie ja auch nicht davon ausgehen, dass die Seele des Menschen unsterbliches Sein hat ("anima honinis immortali existente"), wie Aristoteles und Thomas von Aquin nachgewiesen haben.  [102] 
"Somit ist offenbar Weisheit die vollendetste Form von Erkentnis." - Aristoteles, Eth VI, 7

"So dürfen wir denn in der philosophischen Weisheit eine Verbindung von intuitivem Verstand und diskursiver Erkenntnis erblicken. Sie ist die Wissenschaft von den erhabendsten Seinsformen, Wissenschaft sozusagen in Vollendung." - Aristoteles, Ib.

"Die philosophische Weisheit ist sowohl wissenschaftliche Erkenntnis wie intuitives Verstehen der ihrer Natur nach erhabensten Seinsformen." - Aristoteles, Ib.

"Wer aber ein aktives Leben des Geistes führt und den Geist pflegt, von dem darf man sagen, sein Leben sei aufs beste geordnet und er werde von den Göttern am meisten geliebt." - Aristoteles, Eth X, 9

Nicht durch Speise und Trank für den Körper, werden wir dem christlichen Gott "im höchsten Maße verähnlicht und haben an seiner Seligkeit teil", sondern dadurch, dass man etwas am Tisch der Weisheit zu sich nimmt ("in mensa Sapientiae"). Am Tische Gottes also essen und trinken jene, "die dieselbe Glückseligkeit genießen, in der Gott glückselig ist." Dann kann Christus sich jenen offenbaren, wenn der geschaffene Verstand sich verändert. Dazu Thomas von Aquin: "Diese Veränderung kann nur so stattfinden, dass der geschaffene Verstand irgendeine Anlage neu erwirbt... Nichts kann zu einer höheren Tätigkeit erhoben werden, wenn nicht seine Kraft gestärkt wird." Also ist es notwendig, dass eine Vergrößerung der geistigen Kraft durch die Erlangung einer neuen Anlage stattfindet. Diese geistige Erkenntnis selbst wird Schau genannt ("ipsa intellectualis cognitio 'visio' nominatur"). Auch Aristoteles vergleicht den tätigen Verstand  mit dem Licht, weil der tätige Verstand das geistig erkennbare aktualisiert, so wie das Licht dem Sichtbaren Aktualität verleiht. Die Anlage, durch die der geschaffene Verstand zur geistigen Schau der göttlichen Substanz emporgehoben wird, wird daher "Licht der Herrlichkeit (lux gloriae)" genannt. Das ist das Licht von dem es heisst: "in deinem Licht werden wir das Licht sehen". Der geschaffene Verstand bedarf nur der Stärkung durch ein göttliches Licht, "um das göttliche Wesen schauen zu können". Ein derartiges Licht erhebt den geschaffenen Verstand zur Schau Gottes nicht auf Grund seines aufgehobenen Abstandes von der göttlichen Substanz, sondern auf Grund der gesteigerten Kraft, die er von Gott für eine solche Wirkung erlangt. Das Licht, durch welches der geschaffene Verstand zur Schau der göttlichen Substanz vervollkommnet wird, ist notwendig übernatürlich ("ad divinae substantiae visionem, oportet esse supernaturale"). Dieses Licht ist das Prinzip der göttlichen Erkenntnis ("divinae cognitionis principium"). [103] 
"Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. [104] 

"Wenn er aber erschienen ist, werden wir ihm ähnlich sein und ihn sehen, wie er ist." [105]

"Ich bereite euch den Tisch, wie mein Vater den Tisch bereitet hat, auf dass ihr esset und trinket an meinem Tisch in meinem Reich." [106] 

"Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren." [107] 

"Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Breite deine Güte über die, die dich kennen." [108] 

Hierdurch wird auch der Irrtum derer ausgeschlossen, die behaupteten, die menschliche Seele könne, so sehr sie auch erhoben werde, nicht zu einer Gleichheit mit den oberen Intelligenzen gelangen. Heute behaupten vor allem die Neo-Kantianer und Agnostiker Grenzen der Erkenntnis; dass das Licht der Herrlichkeit ("Lumen gloriae") zur göttlichen Schau erhebt ("ad divinam visionem elevat"), weil es eine Ähnlichkeit des göttlichen Verstandes darstellt ("similitudo intellectus divini"), wäre für diese Leute völlig unverständlich. Im Gegensatz zu den heutigen Agnostikern und Vertretern einer "naturwissenschaftlichen Weltanschauung", ist bei wirklichen Wissenschaftlern das natürliche Streben des Verstandes ("appetitus naturalis intellectus"), die Gattungen, Arten und Kräfte aller Dinge und die ganze Ordnung des Alls zu erkennen ("cognoscat omnium rerum genera et species et virtutes, et totum ordinem universi"). Darin unterscheiden sich Verstand und Sinneswahrnehmung, dass die Sinneswahrnehmung vom Übermaß des sinnlich Wahrnehmbaren zerstört oder geschwächt wird. Der Verstand dagegen wird von seinem übergrößen Gegenstand nicht zerstört oder behindert, sondern nur vervollkommnet; nachdem er ein höheres geistig Erkennbares erkannt hat, wird er anderes Erkennbares nicht in geringerem, sondern in höherem Maße erkennen können. Geht es in dieser Erkenntnis um die "Schau der höchsten Wahrheit (visio illius Summae Veritatis)", kann jede falsche Einschätzung ausgeschlossen werden - aber auch nur dann, denn wie das Beispiel Mohammed zeigt, hatte dieser zwar Visionen, aber ohne die genannte Erkenntnis der Wahrheit; statt Christus oder Gott, den "König der Ewigkeiten (Rex Saeculorum)" zu schauen, wurde er von Dämonen getäuscht. Entscheidend ist, dass die Vernunft, die vom göttlichen Licht erleuchtet wird, in ihrer höchsten Blüte steht, "so dass sie nicht mehr das Rechte verfehlen kann." Die Seligen, die mit Gott verbunden sind, werden Könige oder "Priester Gottes und Christi sein". Die Seligen werden durch jene Schau nicht nach der Meinung der Menschen berühmt, "die sich und andere täuschen können, sondern nach der wahrsten Erkenntnis Gottes und aller Seligen." Erst dann ist nach Aristoteles, Boethius und Thomas von Aquin die wahre Glückseligkeit ("veram felicitatem") erreicht. [109] 
"Seligkeit ist der Zustand, der durch die Versammlung alles Guten vollendet ist. (beatitudo est status omnium bonorum congrgatione perfectus)" - Boethius, De consol. phil. III, 2
"Es gibt nämlich ein erstes Verlangen des Menschen, insofern er geistig ist, nämlich das nach Erkenntnis der Wahrheit (cogitione veritatis): diesem Verlangen folgen die Menschen durch die Bemühung um ein betrachtendes Leben (per studium contemplativae vitae). Dieses Verlangen wird nun offenbar in jener Schau vollendet werden, wenn durch die Schau der ersten Wahrheit (per visionem Primae Veritatis) dem Verstand alles, was er von Natur aus zu wissen verlangt, bekannt wird." - Thomas von Aquin, Ib. III, 63

"Deine Augen werden Jerusalem schauen, die reiche Stadt, das Zelt, das nicht mehr abgebrochen werden kann; seine Pflöcke werden auf ewig nicht herausgezogen, und alle seine Seile werden nicht zerrissen werden: Denn allein dort ist der große Herr, unser Gott." [110] 

Naturwissenschaft, Willensfreiheit (arbitrarii libertatem), göttliche Vorsehung (providentia Dei)

Die ganze Tätigkeit der Natur wird also notwendig von einer Erkenntnis auf ihr Ziel hingeordnet ("tota operatio narurae ab aliqua cognitione ordinetur"). Jede untergeordnete Kunst und Erkenntnis empfängt notwendig von einer höheren ihre Prinzipien, wie es auch in den theoretischen und den praktischen Wissenschaften ersichtlich ist. Das letzte Ziel des göttlichen Willens ist seine Gutheit, und dieser am nächsten ist unter den geschaffenen Dingen das Gute der Ordnung des ganzen Alls ("bonum ordinis totius universi"): denn auf dieses als Ziel ist jedes besondere Gute dieses oder jenes Dinges hingeordnet, so wie das weniger Vollkommene auf das Vollkommene hingeordnet ist. "daher findet sich, dass jeder Teil um eines Ganzen willen da ist." Für die Ordnung des Alls ("ordo universi") ist sein Lenker zuständig, also Gott. Die Tätigkeiten bestimmter Dinge auf ein Ziel hinzuordnen heißt, sie zu lenken. "Also gewährt Gott durch die Vorsehung seiner Weisheit den Dingen Lenkung und Herrschaft." Hierdurch wird der Irrtum der alten Naturphilosophen ausgeschlossen ("excluditur error antiquorum Naturalium"), die behaupteten, alles gehe aus der Notwendigkeit der Materie hervor ("omnia ex necessitate materiae provenire"): daus folgte, dass alles "zufällig geschehe". So wie früher irren auch die heutigen Naturphilosophen mit ihrer "naturwissenschaftlichen Weltsicht" vom Urknall usw. Auch die These der Moslems und einiger Koran-Kommentatoren wird damit ausgeschlossen, "die, um die Lehre aufrechterhalten zu können, dass die Welt der Erhaltung durch Gott bedürfe, behaupteten, alle Formen seien Akzidentien, und kein Akzidens dauere zwei Augenblicke, so dass die Formung der Dinge immer im Werden wäre: als ob das Ding der Wirkursache nur bedürfe, solange es im Werden ist." Thomas von Aquin hält, wie viele andere Philosphen, daher alles aus dem Koran ("lege Maurorum") für unsinnig oder absurd ("omnia patet esse absurda"). Auch heute nach sorgfältiger Prüfung des Korans, kommen viele neuere Philosophen zu dieser Ansicht. [111] 
"Die Ursache für das Bestehen jedes Geschöpfes ist des Schöpfers Macht, die Kraft des Allmächtigen und Allbeherrschenden. Wenn diese Kraft einmal aufhörte, das Geschaffene zu leiten, so hörte zugleich ihre Wesensart auf, und alle Natur fiele zusammen. Denn wenn ein Baumeister den Bau eines Hauses errichtet hat und sich entfernt, so bleibt sein Werk bestehen, obwohl er aufhört und sich entfernt, die Welt aber könnte so nicht einen Augenblick bestehen, wenn Gott ihr seine Herrschaft entzöge." - Augustinus, Super Gen. ad itt. IV, 12 
Nun gibt es aber auch Philosophen, vor allem islamische, die den Naturdingen eigene Tätigkeiten absprechen. Dieser Sachverhalt hat manche zu der Meinung verleitet, zu glauben, kein Geschöpf trage etwas zur Hervorbringung der Naturwirkungen bei: "so wärme nicht das Feuer, sondern Gott verursache Wärme, wo Feuer sei; ebenso verhalte es sich bei allen anderen Naturdingen." Avicenna behauptete, dass alle substantiellen Formen von der tätigen Intelligenz ausfließen. Akzidentelle Formen dagegen seien, so behauptete er, Anordnungen der Materie, die aus der Tätigkeit tiefer stehender Wirkursachen hervorgingen, welche die Materie anordnen. Darin wich er von früherer Torheit ("priore stultitia") ab. Avicebron bleibt aber in der Tradition islamischer Gelehrter und Koran-Kommentatoren und behauptet, kein Körper sei tätig, sondern die Kraft der geistigen Substanz gehe auf die Körper über und bewirke die Tätigkeiten, die durch Körper zu geschehen scheinen; andere Islamwissenschaftler halten es zum Beispiel für unmöglich, dass die Wärme von einem warmen Körper auf einen anderen, von ihm erwärmten Körper übergehe: "vielmehr behaupten sie, alle derartigen Akzidentien würden von Gott erschaffen." Daraus ergeben sich natürlich viele Ungereimtheiten, denn die Ursächlichkeit der unteren Wirkungen kann nicht in einem solchen Sinne der göttlichen Kraft zugeschrieben werden, als würde die Ursächlichkeit unterer Wirkursachen betritten. Thomas von Aquin sagt daher: "Es widerspricht dem Wesensgrund der Weisheit (contra rationem sapientiae), dass etwas in den Werken der Weisen vergeblich sei. Wenn aber die geschaffenen Dinge in keiner Weise tätig wären, Wirkungen hervorzubringen, sondern Gott allein alles unmittelbar bewirkte, so wären die anderen Dinge vergeblich von ihm herangezogen worden, Wirkungen hervorzubringen." Diese typisch islamische These widerstreitet also der göttlichen Weisheit ("divinae sapientiae"), womit wieder einmal klar wird, dass der Inhalt des Korans nicht der göttlichen Weisheit entstammen kann. Der christliche Gott hat also den geschaffenen Dingen seine Gutheit ("suam bonitatem") so mitgeteilt, dass ein Ding, das sie empfangen hat, sie auf ein anderes übertragen kann. Den Dingen also eigene Tätigkeiten absprechen heißt, die göttliche Gutheit herabsetzen ("divinae bonitati derogare"), was völlig unangemessen ist. Denn wenn die Wirkungen nicht von der Tätigkeit der geschaffenen Dinge hervorgebracht werden, sondern allein von der Tätigkeit Gottes, "ist es unmöglich, dass durch die Wirkungen die Kraft irgendeiner geschaffenen Ursache offenbar werde." Sollten also die geschaffenen Dinge keine Tätigkeiten haben, um Wirkungen hervorzubringen, so dürfte folgen, dass niemals die Natur irgendeines geschaffenen Dinges durch die Wirkung erkannt werden könnte. Und so würde uns jede Erkenntnis der Naturwissenschaft abgesprochen, in der ja vornehmlich Beweisführungen an einer Wirkung vorgenommen werden. Nicht die getrennten Artgestalten der Dinge also, wie die Platoniker behaupteten, noch die tätige Intelligenz, wie Avicenna erklärte,sind die Ursache der Formen in der Materie. Die Körper sind, da sie aus Materie und Form zusammengesetzt sind, "etwas Göttliches" (Aristoteles). [112]
"Den geschaffenen Dingen ihre Ordnung absprechen heißt, ihnen das Beste abzusprechen, was sie haben: denn das einzelne für sich ist gut, alles zugleich aber ist wegen der Ordnung des Alls das Beste; denn immer ist das Ganze besser als die Teile und deren Ziel." Thomas von Aquin, Ib III, 69   
Es wäre natürlich auch gegen die Vernunft der göttlichen Herrschaft, wenn sie die geschaffenen Dinge nicht nach der Weise der ihnen eigenen Natur ("modum propriae naturae") tätig sein ließe. Eigene Natur bedeutet, das keine gentechnische Veränderung stattgefunden hat; zudem gehört es nicht zur göttlichen Vorsehung ("divinam providentiam"), das Schlechte von den Dingen völlig auszuschließen. Deswegen heißt es in der Heiligen Schrift "Der Frieden wirkt und Unheil schafft". Denn das Gute wird eher im Vergleich mit dem Schlechten erkannt, "so erkennen auch die Kranken am ehesten, ein wie großes Gutes die Gesundheit ist; auch entbrennen sie eher in Verlangen nach ihr als die Gesunden." Hierdurch wird auch der Irrtum einiger Materialisten und Atheisten ausgeschlossen, die deswegen, weil sie das Schlechte in der Welt vorkommen sahen, behaupteten, es gebe Gott nicht. Thomas von Aquin argumentiert so: Man müsste umgekehrt darlegen: Wenn es das Schlechte gibt, gibt es Gott. Denn es gebe das Schlechte nicht, wenn die Ordnung des Guten, dessen Privation das Schlechte ist, beseitigt würde. Diese Ordnung aber wäre nicht, wenn Gott nicht wäre. Durch das bisher Gesagte wird auch eine Gelegenheit zum Irrtum ("erroris occasio") für jene beseitigt, die leugneten, das die göttliche Vorsehung sich bis auf diese vergänglichen Dinge erstrecke, weil sie sahen, dass in ihnen vieles Schlechte vorkomme; sie behaupteten, allein das Unvergängliche, in dem kein Mangel und nichts Schlechtes zu finden sei, unterliege der göttlichen Vorsehung. Auch für die Manichäer wird hierdurch eine Gelegenheit zu irren, beseitigt, da sie zwei tätige Prinzipien aufstellten, das Gute und das Schlechte, als habe das Schlechte seinen Ort nicht unter der Vorsehung des gutes Gottes. [113]

Die göttliche Vorsehung schließt nicht die Willensfreiheit aus. Gregor von Nyssa, bzw. Nemesius, sagt über die göttliche Vorsehung, sie sei "der Wille Gottes, durch den alles, was ist, eine angemessene Führung empfängt". Das willentlich Tätige erreicht die göttliche Ähnlichkeit darin, dass es frei tätig ist, so wie es auch in Gott freies Entscheidungsvermögen gibt ("liberum arbitrium in Deo esse"). Hierdurch wird die Lehrmeinung der Stoiker ausgeschlossen, die gemäß einer "gewissen unüberschreitbaren Ordnung der Ursachen", die die Griechen "Heimarmene" nannten, behaupteten, alles geschehe "aus Notwendigkeit (ex necessitate)". Auch für die Naturwissenschaft ist dieser Punkt wichtig. Denn derjenige ist vollkommener in der theoretischen Wissenschaft, der nicht nur die allgemeine, sondern auch die jeweils eigentümliche Erkenntnis von den Dingen hat; denn wer nur im Allgemeinen erkennt, erkennt das Ding nur in seiner Potentialität. Deswegen wird der Schüler von der allgemeinen Erkenntnis der Prinzipien zur jeweils eigentümlichen der einzelnen Schlüsse durch einen Lehrer geführt, der beide Erkenntnisweisen besitzt - was heute leider nicht so häufig vorkommt. In viel größerem Maße ist also in der praktischen Wissenschaft derjenige vollkommener, der nicht allein im Allgemeinen, sondern auch im Einzelnen die Dinge von der Potentialität zur Aktualität vorbereitet. Hierdurch wird auch die Meinung einiger ausgeschlossen, die gesagt haben, die göttliche Vorsehung erstrecke sich nicht bis auf die Einzeldinge und sich dabei fälschlicherweise auf Aritoteles beriefen. Averroes meint sogar, wenn Gott nicht durch sich selbst unmittelbar für diese niederen Einzeldinge sorgte, dann ist das nur deshalb so, weil er sie verachtet oder damit seine Würde nicht befleckt wird. Es ist klar, dass das eine unvernünftige ("irrationabile") Sichtweise ist. Jeder Weise, der vorsorgend seine Kraft gebraucht, mäßigt im Tätigsein den Gebrauch seiner Kraft und stellt eine Ordnung auf, was und wieviel erreicht werden soll: sonst würde seine Kraft im Tätigsein nicht der Weisheit folgen. Auch die göttliche Weisheit ("divina sapientia") ordnet bei den untersten Dingen an, welche und wie viele Wirkungen auf welche Weise aus ihrer Kraft hervorgehen sollen.  [114]

"Es ist auch nicht so, als seien diese Einzeldinge nicht lenkbar: denn wir sehen, dass sie durch die Geschicklichkeit der Vernunft gelenkt werden, wie es bei den Menschen ersichtlich ist; das gleiche gilt für den natürlichen Instinkt, wie es bei den Bienen und vielen wilden Tieren (in apibus et multis animalibus brutis) ersichtlich ist, die von einem natürlichen Instinkt (per naturalem instinctum) gelenkt werden." - Thomas von Aquin

"In bezug auf die Einzeldinge einer Art kann sich nichts ereignen, das nicht in irgendeiner Weise auf die Prinzipien dieser Art zurückgeführt wird." - Thomas von Aquin

"Das Ziel der theoretischen Erkenntnis ist die Wahrheit, die zuerst und an sich im Immateriellen und im Allgemeinen besteht; das Ziel der praktischen Erkenntnis dagegen ist die Tätigkeit, die die Einzeldinge betrifft. daher sorgt der Arzt nicht für den Menschen im allgemeinen, sondern für diesen konkreten Menschen: und darauf ist die ganze Wissenschaft der Medizin hingeordnet." - Thomas von Aquin
 

   

Anmerkungen

[1] Sertillanges, A.D.1954, Saint Thomas D'Aquin, Köln und Olten
[2]  Mehr zum Thema Universalienstreit, Nominalisten-Realisten siehe auch Kurse Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 502 Thomismus in der heutigen Zeit, Nr. 501 Thomas von Aquin: Summ Theologiae, de Malo, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, De unitate intellectus contra Averroistas. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] Siehe Anm. 1 und 2 
[4] Fallibilismus ist die Ansicht, dass alle unsere Überzeugungen falsch sein könnten ausser der Skeptizismus. Eine wichtige Konsequenz hiervon ist wie zum Beispiel beim Humeschen Skeptizismus, dass die "rechtlichen und sittlichen Bestimmungen und Gesetze sowie der Inhalt der Religion als etwas Zufälliges erscheinen und deren Objektivität und innere Wahrheit aufgegeben ist." (Science Review Letters 2016, 15, Nr. 678 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 46, p. 10); siehe auch Abschnitt und Anm. 21 Kurse Nr. 509 Philosophie der Freiheit, Nr. 551 Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Sciences
[5] Siehe dazu Ausführungen von Alexander von Humboldt: Als Naturwissenschaftler tendiert Alexander von Humboldt zur Weltanschauung der Nominalisten, obwohl er der naturwissenschaftlichen Anschauung Goethes auch nahe steht: Als nun, die platonische Philosophie verdrängend, die aristotelische Philosophie den entschiedensten Einfluß auf die Bewegungen des Geistes gewann, war es in zwei Richtungen zugleich: in den Forschungen der speculativen Philosophie und in der philosophischen Bearbeitung des empirischen Naturwissens. "Die erste dieser Richtungen, wenn sie auch dem Gegenstande meiner Schrift entfernter zu liegen scheint, darf hier schon deshalb nicht unberührt bleiben, weil sie mitten in der Zeit dialectischer Scholastik einige edle, hochbegabte Männer zum freien Selbstdenken in den verschiedenartigsten Gebieten des Wissens antrieb. Eine großartige physische Weltanschauung bedarf nicht bloß der reichen Fülle der  Beobachtungen, als Substrats der Verallgemeinerung der Ideen; sie bedarf auch der vorbereitenden Kräftigung der Gemüther, um in den ewigen Kämpfen zwischen Wissen und Glauben nicht vor den drohenden Gestalten zurückzuschrecken, die bis in die neuere Zeit an den Eingängen zu gewissen Regionen der Erfahrungswissenschaft auftreten und diese Eingänge zu versperren trachten. Man darf nicht trennen, was in dem Entwickelungsgange der Menschheit gleichmäßig belebt hat das Gefühl der Berechtigung zur intellectuellen Freiheit und das lange unbefriedigte Streben nach Entdeckungen in fernen Räumen. Jene freien Selbstdenker bildeten eine Reihe, welche im Mittelalter mit Duns Scotus, Wilhelm von Occam und Nicolaus von Cusa anhebt und durch Ramus, Campanella und Giordano Bruno bis zu Descartes leitet. Die unübersteiglich scheinende »Kluft zwischen dem Denken und dem Sein, die Beziehungen zwischen der erkennenden Seele und dem erkannten Gegenstande« trennten die Dialectiker in jene zwei berühmten Schulen der Realisten und Nominalisten. Des fast vergessenen Kampfes dieser mittelalterlichen Schulen muß hier gedacht werden, weil er einen wesentlichen Einfluß auf die endliche Begründung der Erfahrungswissenschaften ausgeübt hat. Die Nominalisten, welche den allgemeinen Begriffen nur ein subjectives Dasein in dem menschlichen Vorstellungsvermögen zugestanden, wurden nach vielen Schwankungen zuletzt im 14ten und 15ten Jahrhundert die siegreiche Parthei. Bei ihrer größeren Abneigung vor leeren Abstractionen drangen sie zuerst auf die Nothwendigkeit der Erfahrung, auf die Vermehrung der sinnlichen Grundlage der Erkenntniß. Eine solche Richtung wirkte wenigstens mittelbar auf die Bearbeitung des empirischen Naturwissens; aber auch schon da, wo sich nur noch realistische Ansichten geltend machten, hatte die Bekanntschaft mit der Litteratur der Araber Liebe zum Naturwissen, in glücklichem Kampfe mit der alles absorbirenden Theologie, verbreitet. So sehen wir in den verschiedenen Perioden des Mittelalters, dem man vielleicht eine zu große Charakter-Einheit zuzuschreiben gewohnt ist, auf ganz verschiedenen Wegen: auf rein ideellen und empirischen, das große Werk der Entdeckungen im Erdraume und die Möglichkeit ihrer glücklichen Benutzung zur Erweiterung des kosmischen Ideenkreises sich allmälig vorbereiten. Unter den gelehrten Arabern war das Naturwissen eng an Arzneikunde und Philosophie, im christlichen Mittelalter war es neben der Philosophie an die theologische Dogmatik geknüpft. Die letztere, ihrer Natur nach zur Alleinherrschaft strebend, bedrängte die empirische Forschung in den Gebieten der Physik, der organischen Morphologie und der, meist mit Astrologie verschwisterten Sternkunde. Das von den Arabern und jüdischen Rabbinern überkommene Studium des allumfassenden Aristoteles hatte aber die Richtung nach einer philosophischen Verschmelzung aller Disciplinen hervorgerufen; daher galten Ibn-Sina (Avicenna) und Ibn-Ruschd (Averroes), Albertus Magnus und Roger Bacon für die Repräsentanten des ganzen menschlichen Wissens ihrer Zeit. Der Ruhm, welcher im Mittelalter ihre Namen umstrahlte, läßt sich diesem allgemein verbreiteten Glauben beimessen. Albert der Große, aus dem Geschlechte der Grafen von Bollstädt, muß auch als Selbstbeobachter in dem Gebiete der zerlegenden Chemie genannt werden. Seine Hoffnungen waren freilich auf die Umwandlung der Metalle gerichtet; aber, um sie zu erfüllen, vervollkommnete er nicht bloß die praktischen Handgriffe in Behandlung der Erze, er vermehrte auch die Einsicht in die allgemeine Wirkungsart der chemischen Naturkräfte. Ueber den organischen Bau und die Pflanzen-Physiologie enthalten seine Werke einzelne überaus scharfsinnige Bemerkungen. Er kannte den Schlaf der Pflanzen, das periodische sich Oeffnen und Schließen der Blumen, die Verminderung des Saftes durch Verdunstung aus der Oberhaut der Blätter, den Einfluß der Theilung der Gefäßbündel auf die Ausschnitte des Blattrandes. Er commentirte alle physikalischen Schriften des Stagiriten, doch die Thiergeschichte nur nach der lateinischen Uebersetzung des Michael Scotus aus dem Arabischen. Ein Werk Alberts des Großen, welches den Titel führt: Liber cosmographicus de natura locorum , ist eine Art physischer Geographie. Ich habe darin Betrachtungen aufgefunden über die gleichzeitige Abhängigkeit der Klimate von der Breite und der Höhe des Orts, wie über die Wirkung des verschiedenen Einfallswinkels der Sonnenstrahlen auf Erwärmung des Bodens, die mich sehr überrascht haben. Daß Albert von Dante gefeiert worden ist, verdankt er vielleicht nicht so sehr sich selbst als seinem geliebten Schüler, dem heiligen Thomas von Aquino, welchen er 1245 von Cöln nach Paris und 1248 nach Deutschland zurückführte." Siehe auch Anm. 2 und Kurs Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie 
[6] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 609 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2015, Nr. 22, p. 8; siehe auch Kurse, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 560 - Walter von der Vogelweide, Nr. 558 - Calderon, Nr. 557 - Ariosto, Nr. 556 - Torquato Tasso. Akademie der Kunst und Philosophie
[7] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 629; 631 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 206, p. 2, 8, 10
[8]  Ib.
[9]  Ib.
[10] Siehe Anm. 7
[11] Siehe Anm. 2 und Kurs Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur in Frankreich. Akademie der Kunst und Philosophie
[12]  Ib.
[13]  Ib.
[14] Siehe Anm. 7 und Kurs Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance in Italien. Akademie der Kunst und Philosophie
[15]  Ib.
[16] Horn, Christoph: Augustinus. München 1995; Hartmut Leppin 2016: Einfach mal das Leben ändern. Erfolg und Wohlstand allein machen noch lange nicht glücklich. Wie man zu echter Erfüllung findet, zeigt das Beispiel des Augustinus. Frankfurt a.M; mehr zu Augustinus und wie das Scheitern in die Bekehrung zum Christlichen Glauben führen kann siehe Kurse Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin, Nr. 559 Wolfram von Eschenbach, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik. Akademie der Kunst und Philosophie
[17] "Das Böse ist dann nicht mehr eine abstrakte Macht, die uns von außen verführt und die im wesentlichen nichts mit uns zu tun hat. Wir lernen es jedoch als unrechtmäßige Entwicklung kennen. Entweder hemmt es unsere Entwicklung zum Schönen, Wahren und Guten, weil wir den Mut aufgeben, diese Entwicklung trotz aller Widerstände fortzusetzen; oder es will unsere Entwicklung beschleunigen, wodurch wir unsere Freiheit in dieser Entwicklung preisgeben. Wir werden entwickelt und geben die Macht über uns selbst auf." (Mosmuller); vgl. auch Kurs Nr. 501 Thomas von Aquin: Summa Theologiae, de Malo. Akademie der Kunst und Philosophie 
[18] Zitiert nach Mosmuller 1994; was die morgenländische Philosophie und Mystik betrifft, so geht es immer um ein Auflösen des Ich und Verschmelzung mit dem All. Das Bewusstsein des Ich ist verdunkelt, das Ich scheint überwunden zu sein, doch eigentlich lebt man nun ohne Unterscheidung im niederen Ich. Faktisch verliert man damit seine Menschlichkeit und wird zu einem tierischen Bewusstsein gebracht. Es gab eine Zeit - doch die liegt Jahrtausende zurück - in der dieses Bewusstsein wirklich zeitgemäß war. In dieser Zeit waren die morgenländischen Religionen der Ägypter, Perser, Inder geistige Mysterien. Will man allerdings heute noch diese Art Mystik betreiben, wie es vor Jahrtausenden richtig war, dann gerät der Geist in Verfall. Das Denken wird geistlos, auch durch eine falsche Erziehung. (Mieke Mosmuller 2007: Der heilige Gral. Occident. Baarle Nassau; Dies.1994, Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht, Den Haag). vgl. Abschnitt und Anm. 94 sowie Kurse Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 509 Philosophie der Freiheit, Nr. 543 Deutscher Idealismus, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie 
[19] Thomas von Aquin, De unitate intellectus contra Averroistas, Paris 1270; siehe auch Anm. 2
[20] Ebd. und Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences, Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften. Akademie der Kunst und Philosophie 
[21] Met I, 2; Met II, 1; Joh 18, 37 und Kurs Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Akademie der Kunst und Philosophie
[22] Ps 104, 24; Hilarius, De trin. I, 37 
[23] Met I,1; Physica VII, 3; Eph 4, 17; Jes 54, 12f; vgl. Anm. 20 und 21
[24] Eth X 7; 2 Petr 1, 16; Hiob 11, 6; Hebr 2, 3f
[25] Summa contra gentiles I, 6; vgl. Anm. 21 
[26]  Ib.
[27] Vgl Kurse Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Akademie der Kunst und Philosophie
[28] Platon, Timaeus 41; 1 Caeli et mundi 3; Joh 4, 24; Röm 1, 20; vgl. auch Anm. 20
[29] Hilarius, De trin. VII, 11; Augustinus De trin. V, 4; vgl. Abschnitt und Anm. 27
[30] Eth. VII, 3 und II: Phys. VII
[31]  Ib.
[32] 1 Kor 2, 6ff 
[33] Clemens Alexandrinus, Stromata VIII 9; Dionysium, De div. nom. V, 9 und VII, 2; Aristoteles Met. VI; vgl. auch Kurs Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie 
[34] Vgl. Anm. 17 und 21 
[35] Joh 14, 6
[36] Röm 3,4
[37] 1 Joh 1, 5
[38] Met. IV
[39] Wenn der Sinn der Naturwissenschaft verdreht wird: Gentechnisch veränderter Lachs ist in Kanada erstmals an Endverbraucher abgegeben worden. Die amerikanische Firma AquaBounty Technologies gab kürzlich bekannt, dass sie mehr etwa 5000 Kilogramm an Fisch verkauft hat. "Diese Lachse sind die ersten gentechnisch veränderten Tiere auf dem Esstisch." Das Unternehmen habe mehr als 25 Jahre für dieses sinnlose Unterfangen gekämpft. "Die Lachse enthalten das Gen für ein Wachtumshormon. Ein spezieller Schalter sorgt dafür, dass es auch bei niedrigen Temperaturen abgelesen wird." Im Sinne der natürlichen Ordnung stellen Lachse die Synthese von Wachtumshormonen im Winter oder in kaltem Wasser ein. Von Interesse für diejenigen Forscher, "die sich zum Schlechten neigen" war allerdings nur, dass mit der gentechnischen Veränderung die Tiere schon nach 18 Monaten, nicht erst nach 36 Monaten ihr Schlachtgewicht erreichen. Erwartungsgemäß sehen die amerikanischen und kanadischen Behörden keine gesundheitlichen Risiken. "In Kanada muss der gentechnisch veränderte Lachs nicht gekennzeichnet werden" und kann durch das Freihandelabkommen mit Kanada auch nach Europa gelangen. (Api Review Letters 2017, 16, Nr. 1103 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 183, p. N2); vgl. auch Anm. 20
[40] Weish. 7, 30
[41] Met XII; vgl. Anm. 96
[42]  Ib.
[43] Vgl. Anm. 20 und 21 
[44] Zum Fatum Mahometanum vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 505 Schopenhauer. Akademie der Kunst und Philosophie; Maimonides (hebräisch Mosche ben Maimun) wurde 1135 in Córdova in Spanien geboren und war ein Kollege des Averroes; später hat sich vor allem Spinoza mit den Gedanken des Maimonides auseinandergesetzt
[45] Ps 104, 24
[46] Sir 1, 10
[47] Eth III
[48] Eth IX; zu Neo-Kantianern und Agnostikern wie Richard David Precht vgl. auch Abschnitt und Anm. 109 sowie Kurs Nr. 512 Novalis. Akademie der Kunst und Philosophie 
[49]  Ib.
[50] Dionysius De div. nom. 4, 12
[51] Joh 16, 27; Eth. VII; zu Maimonides vgl. Anm. 44
[52] Eth VI; Weish 7, 21; Hiob 12, 13; Ps 11, 7
[53] Eth IV; Jak 1, 5; Röm 3, 4; Ps 119, 151
[54] Met I, 2; Sir 1,1; Hiob 9, 4; 1 Sam 2,3; Hiob 12, 13
[55] 1 Joh 5, 20 
[56] 1 Tim 6, 15
[57] 2 Kor 3, 17-18; Jer 10, 2
[58] Röm 1, 20
[59] Vgl. Abschnitt und Anm. 27 und 39
[60] Ps 28, 5
[61] Joh 1, 3
[62] Röm 11, 36
[63] Met II; Phys III; vgl. Anm. 39
[64] De generatione animalium II, 3; Met IX; Met XII; vgl. Abschnitt und Anm. 41, 96
[65] Ib.
[66] Met XII; vgl. Abschnitt und Anm. 41, 96; zu Maimonides vgl. Anm. 44 und 51
[67] Ps 104, 24
[68] Spr. 3, 19
[69] Lucretium, De rerum natura I und II; Phys III, 6; VIII, 1; Hans D. Pflug: Die Spur des Lebens. Berlin, Heidelberg, New York, Tokyo, 1984; Eike Libbert: Philosophische und biologische Aspekte. In: Ders.: Lehrbuch der Pflanzenphysiologie. Jena 1973-1987
[70] Ib.
[71] Sir 11, 14; Gregorius, Moral. II, 9
[72] Jes 45, 5-7
[73] Met I, 5; Augustinus, De haeres. 14, 21
[74] Kol 1, 15-29, 2, 1-3
[75] Origenes, De principiis II, 9
[76] Tertullianum, De an. 9; Augustinus, De haeres. 86; vgl. Abschnitt und Anm. 16 sowie 69-70
[77] Joh 4, 24
[78] Phys VII, 3; Dionysius, De div. nom. IV, 1
[79] Ib.
[80] Phys VIII, 10;ib. VII, 4; De an. III, 4-5,9 und 11; Ib. II, 2; De memoria 1; Eth VII, 5; vgl. auch Anm. 20 und 69 
[81] Ib.
[82] Weish 2, 2; Dionysius De div. nom. VII, 3
[83] Ib.
[84] Met IX; Eth II, 1; Anal. post. I,1; Augustinus, De magistro 38
[85] Met I; ; Anal. post. II, 19; De an. III, 5; Met I; vgl. auch Anm. 20
[86] Ib.; vgl. Anm. 33
[87] Weish 2, 2; Koh 3, 19; Origenes, De principiis II, 9; zu der Anschauung der Drusen  vgl. FAS 2017, Nr. 36, p. 61 und Abschnitt und Anm. 96
[88] Ib.
[89] Met I, 3; Augustinus, De haeresibus 50; Maimonides, Dux neutr. I, 1, 52; Roger Bacon, Opus tertium; Bacon gehörte dem Franziskanerorden an und ging daher von Anfang an auf Widerstand zur thomistischen Philosophie. Für ihn waren die größten Philosophen neben Aristoteles, vor allem Avicenna und Averroes, beides Moslems, die den Aristoteles falsch kommentiert hatten, was ihn aber nicht störte, da er eine ähnliche Philosophie vertrat wie sie.
[90] Ib.; vgl. Anm. 2 und Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Akademie der Kunst und Philosophie 
[91] Augustinus, De civ. dei, VIII, 16ff; vgl. auch Anm. 27; zum Fideismus: der Fideismus ist die Lehre, dass die religiösen Wahrheiten nur mit dem Glauben, nicht mit der Vernunft fassbar seien; diese Ansicht ist heute in der "evangelisch-reformierten Lehre" verbreitet: das Wichtigste sei der Glaube, nicht der Glaubensinhalt
[92] Ib.
[93] Ib.
[94] Ib.; De civ. dei VII, 32; Röm 1, 18-25; zum Geheimnis des Alten Bundes ("sacramentum veteris testamenti") Gal 5, 18-26 und zur kosmischen Bedeutung des Christus, Uroffenbarung sowie Sadduzäer und andere Propheten des Materialismus vgl.: Rudolf Steiner: Kosmische und menschliche Metamorphose, Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha. GA Nr. 175. Dornach/Schweiz und Noha-hussein 2017: Ägypten und SEKEM feiern Eid Al-Adha. sekem.com; Stefanie Gsell 2005: Anthroposophie und Islam, Qantara.de: Die kosmische Bedeutung des Christus haben auch gemäßigte Moslems wie Abouleish nicht verstanden. Er hat während seines Studiums der Pharmakologie in Graz die Steinersche Lehre schätzen gelernt und 1977 Sekem gegründet, um die "Prinzipien der Anthroposophie", zu denen auch der biodynamische Landbau zählt, seinen Landsleuten nahe zu bringen; dazu hat er in der Wüste nicht regenerierbares, fossiles Wasser angezapft. Gibt es da etwa eine Unvereinbarkeit von Anthroposophie und Islam? Für die Familie Abouleish nicht, zumindest solange man alles Christliche ausklammert und nur das gelten lässt, was bares Geld bringt. Denn worauf es "Abouleish und den Seinen, seiner Frau Gudrun, seinem Sohn Helmy, dessen Frau Constanze und den im Schnitt zwanzig europäischen Mitarbeitern, die auf der Farm leben", ankommt, ist "wirtschaftlichen Erfolg." Das Thema Philosophie und Religion soll möglichst vernachlässigt werden, vor allem wenn es um die wahre Philosophie oder Religion geht, also das Christentum. Zur not wird die Anthroposophie so hingebogen, dass sie sich nicht mehr vom Islam unterscheidet! "Auf die Anthroposophie, so erklärt Dr. Abouleish, kam er durch Rudolph Steiners "Philosophie der Freiheit", ein schwer zu verstehendes Werk, das er wieder und wieder lese, um stets neue Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Keineswegs stünde die Anthroposophie im Widerspruch zu seinem Glauben. Schließlich sei jene Philosophie und dieser Religion. Im Gegenteil habe er den Islam erst durch die Anthroposophie richtig verstanden, vieles im Koran decke sich mit der Steinerschen Weltanschauung. Die steht für ihn aber nicht im Vordergrund, wichtig ist, gute Anstöße zu nutzen und etwas daraus zu machen!" Er sagt: "Wer meint, Muslime würden in Sekem vom rechten Glauben abgebracht, wird eingeladen, mit den Mitarbeitern zu sprechen und sich vom Gegenteil zu überzeugen. Bis jetzt habe das jedes Mal gewirkt." Hier werden sogar Christen zum Islam umerzogen und das schon in Kindergarten und Schule. Zeit ist Geld, und darauf kommt es hier an: "Die Zeit ist knapp, und so fahren wir im cremefarbenen Mercedes der S-Klasse zur donnerstags stattfindenden Schülergeneralversammlung. Sie wird eingeleitet von ergreifend schöner Koranrezitation aus der Sura Ibrahim." Im August "feiern Ägypten und SEKEM das Eid Al-Adha, eines der beiden großen islamischen Feste. Unter den 1,6 Muslimen weltweit ist es auch als das größte Eid oder Opferfest bekannt. Bereits am frühen Morgen gehen die Menschen in die Moscheen, um dort mit ihren Familien und Freunden zu beten. Wer es sich finanziell leisten kann opfert ein Tier, dessen Fleisch mit der Familie aber auch mit ärmeren Menschen geteilt wird. Das Eid Al-Adha wird zum Höhepunkt der  Wallfahrt nach Mekka gefeiert. Die islamische Pilgerfahrt, besser bekannt als Hajj, ist die fünfte der fünf Säulen des Islam. Allerdings ist die Hajj nicht für alle Muslime verpflichtend, sondern nur für diejenigen, die finanziell und körperlich dazu fähig sind. Anlässlich des Eid Al-Adha gibt SEKEM den Mitarbeitern einige Tage frei, damit sie mit ihren Familien und Freunden feiern können." Partnerorganisationen, mit denen Abouleish zusammenarbeitet und die bekannt dafür sind, dass sie in der Regel nur das scheinbar Gute fördern, wie zum Beispiel GLS-Bank, Demeter und IFOAM, unterstützen die Bestrebungen Abouleishs, die kosmische Bedeutung des Christus herunterzuspielen und den Islam zu fördern; zum Islam als Religion der "Rückwärtsgewandtheit und Unterdrückung" oder als Dämonenkult vgl. Katharina Müller-Güldemeister 2017: Mein Stück Stoff, Frankfurter Allgemeine Magazin 9/2017, p. 56-57; sowie Abschnitt und Anm. 17-18, 27, 90 sowie Kurs Nr. 550 Dostojewskij. Akademie der Kunst und Philosophie
[95] Ib.
[96] Met XII; Apg 23, 8; Dionysius, De div. nom., 7, § 3; Ib. IV, §1; Albertus Magnus, De causis et processu universi III, 15; Origenes, De principiis I, 6, 4; zu den meistverkauften Büchern aller Zeiten vgl. FAS 2017, Nr. 36, p. 36;  zu Materialismus, Abschaffung von Seele und Geist sowie Sadduzäer vgl..Anm. 41-42, 94 sowie Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie 
[97] Dan 7, 10; Dionysius, Caelestis hierarchiae X und XIV; zu Origenes vgl. Abschnitt und Anm. 75; Boethius, De trinitate II
[98] Joh 17, 3; Mt 5, 8; Dionysius, De div. nom. IV, 31; Phys. II, 6, VIII, 4; Met. I, 2; Eth. I, 10, 13, VI, 7, X, 8-9; Analyt. Posteriorum I, 2, II, 19;  zu Schriftstellern, die meinen, man könne auf die erste Philosophie oder christlichen Religionsunterricht an Schulen verzichten, Mathematik oder Islamkunde reiche völlig aus vgl. Andreas Laudert (2011) und Anm. 48; Cicero, De invent. II, 55 § 166; Augustinus, Contra Maximin. Arian. II, 13 
[99] Ib.
[100] Ib.
[101] Ib.
[102] Ib.
[103] De anima III, 4-5; Eth X, 7; 1 Tim 1, 17; Offb 20, 6
[104] 1 Joh 2, 22-23
[105] 1 Joh 3, 2
[106] Lk 22, 29-30
[107] Joh 14, 21
[108] Ps 36, 10-11
[109] Vgl. Anm. 103; zu Neo-Kantianern und Agnostikern vgl. Anm. 48 
[110] Jes 33, 20-21
[111] Jes 45, 7; Phys I, 9; Maimonides, Dux neutr. I, 72-73 ; Avicebron, Fons vitae II, 9-10
[112]  Ib.
[113]  Ib.
[114] Eth VI, 13; De caelo II, 9; Nemesius, De nat. hom. 43; Maimonides, Dux neutr. III, 17
 
 



Saint Thomas Aquinas


Benozzo Gozzoli: The triumph of St Thomas Aquinas
 


Andrea di Bonaiuto, der Triumph des Hl. Thomas von Aquin, Santa Maria Novella 1366 fresco
 
 
 

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Letzte Bearbeitung:29.09.2017