Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 350 (Studienfahrt)

Byzantinische Kunst und Architektur


Konstantinopel erhielt in der 537 begonnenen, 563 eingeweihten kühnen Kuppelkirche der "Heiligen Weisheit" (Hagia Sophia), "einen der größten Wunderwerke der Baukunst, das monumentalste christliche Gotteshaus bis zu den Tagen der Renaissance, von dem das Stadtbild des 'zweiten Rom' nunmehr beherrscht wurde."

Diesen beiden Großkathedralen (Hagia Sophia und Grabeskirche) entsprachen zahllose kirchliche Bauwerke in Ostrom wie im neugewonnenen Westreich. "Es genügt, an das Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel oder an die Justinianischen Bauten von Ravenna zu erinnern, von denen namentlich S. Vitale mit seinem Einfluss auf das Münster Karls des Großen als eine Hagia Sophia des Westens gelten kann." Was Konstantin der Große begonnen hat, das führte Justinian mit besonderem Elan fort. Er hat über die Welt ein Netz von Kirchen geworfen. Die Bautätigkeit beschränkte sich aber nicht nur Kirchen und Klöster. Die östliche Mittelmeerwelt wurde damals an der Donau, am Euphrat und Tigris und in Nordafrika durch gewaltige militärische Anlagen und strategische Straßensysteme nach aussen abgesichert.

Byzanz als "unüberhörbares Leitmotiv in der weltgeschichtlichen Symphonie des globalen Zeitalters."

S. Vitale, Ravenna, Italy

 

 
 
 
 
 

 

(Genauere Infos für Mitglieder und eingeschriebene Studenten. Auch als Einleitung für Nr. 323, Nr. 324, Nr. 328, Nr. 329; Nr. 334, 335)

Das Christentum breitete sich zuerst im nahen Osten aus. Mittelpunkt des syrischen Christentums wurde Edessa, dessen christlicher Herrscher Abgar IX. um 200 das Christentum zur staatlich priviligierten Religion machte. Auch in Kleinasien schritt trotz vieler lokaler Verfolgungen die Ausbreitung rasch voran. Neben Ephesos, Smirna und Pergamon wurde Kappadokien im 3. Jahrhundert durch die Origenesschüler Gregor und Firmilian gewonnen, um dieselbe Zeit auch Armenien, wo nach edessenischem Vorbild eine Staatskirche zugleich Stütze der nationalen Widerstandskraft gegen die Perser entstand. In Griechenland und Makedonien entstanden führende Gemeinden. Im 3. Jahrhundert verbreitete sich durch die Grenzarmeen das Christentum rasch im gesamten Donauraum; in der Steiermark gab es schon in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts Gemeinden mit dem Zentrum Pettau. Im Westen hat die römische Gemeinde nebst den mit ihr verbundenen Gemeinden in Puteoli, Ostia und einigen anderen Orten ständig neuen Zuzug aus dem Osten erhalten. Archäologische Arbeiten haben für die vorkonstantinische Zeit achtzehn Kirchenbauten in der Hauptstadt nachweisen können. Von Rom aus über Ostia kam im frühen 2. Jahrhundert das Christentum nach Afrika. Um 250 war Tunesien stärker christianisiert als jede andere westliche Provinz. Weder von Rom noch von Afrika, sondern aus dem Osten sind die ältesten griechisch sprechenden Christen über Marseille ins Rhonetal gekommen. Die Gemeinden Lyon und Vienne schrieben im Jahre 177 an ihre Heimatgemeinde Pergamon, und im folgenden Jahr holte sich Lyon aus Kleinasien den Bischof Irenaeus. Von den Rhonetalgemeinden aus sind die ersten germanischen Gemeinden im oberen Rheintal missioniert worden. Die erste abendländische Gesamtsynode kam erst auf Druck Konstantins im Jahre 314 im gallisch-römischen Arles zustande. In Rom waren alle Bischöfe bis zu Victor I (169-198) Orientalen. Auch wenn einige Platoniker wie Plotin keinen Zugang zum Christentum fanden, entwickelte sich eine eine Philosophie im Einklang mit dem Christentum. Geistig wird die ganze vorkonstantinische Philosophie von Alexandria beherrscht. Der größte Gelehrte des antiken Christentums , von dem alle späteren zehrten, war Origenes, der Nachfolger des Clemens. Noch zu Lebzeiten ist Origenes wegen seiner neuplatonischen Grundlage verdammt worden, "insbesondere wegen seiner Betonung der Notwendigkeit des Erkennens gegenüber dem bloßen Glauben." Von weittragenden Folgen war die Entwicklung im Mönchtum Ägyptens und Palästinas. Während ein gebildetes, griechisches Mönchtum unbeirrt an Origenes und der griechischen Bildung festhielt, entstand "im Gegensatz dazu - nicht ohne starken Einfluss der Kopten - ein bewusst bildungsfeindliches, antigriechisches und damit antiorigenistisches Mönchtum, das mit jeder gegen den Origenismus gerichteten Strömung sich zu verbinden bereit war." Doch der Origenismus hatte seine Verteidiger, vor allem in den gelehrten Mönchen der Nitrischen Wüste, in dem Bischof Johannes von Jerusalem, in dem so mythischen wie philosophischen Didymos dem Blinden und vor allem in dessen Schüler Rufin von Aquileia. Trotz Verbannung lebte Origenes weiter und viele gebildete Mönche Palästinas pflegten den gesamten Origenismus ohne Scheu weiter; einige flüchteten nach Konstantinopel, wo sie der von griechischer Bildung lebende Bischof Johannes Chrysostomos freundlich aufnahm und ihre Klagen anhörte. Ambrosius von Mailand (339-397) und seinem Schüler Augustinus ist das Schicksal des Origenes erspart geblieben. Das Römische Reich konvertierte 380 zum Christentum, als Theodosius I. mit dem Erlass "Cunctos Populos" alle heidnischen und häretischen Religionen verbot: "die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerische Lehre zu tragen ... und werden von unserer Strafgerechtigkeit ereilt." Das war keine Konversion, sondern ein Befehl, dem rund 60 "Ausführungsbestimmungen" folgten. [1]

Den mächtigen Vorzügen des Christentums gegenüber finden wir das "Heidentum in voller Auflösung begriffen, ja in einem solchen Zustande, dass es auch ohne den Zutritt des Christentums kaum noch lange fortlebend zu denken ist. Nehmen wir zum Beispiel an, Mohammed hätte in der Folge seinen fanatischen Monotheismus ohne alle Einwirkung von christlicher Seite her zustande bringen können, so hätte das Heidentum am Mittelmeer dem ersten Angriff desselben so gewiss erliegen müssen als die Heidentümer Vorderasiens. Es war schon allzu tödlich geschwächt durch innere Zersetzung und neue willkürliche Mischung.... Das Christentum musste auf die Länge siegen, weil es alle diese Fragen, um deren Lösung sich jene gärende Zeit so sehr bemühte, ohne allen Vergleich einfacher und in einem grossartigen, einleuchtenden Zusammenhange beantwortete." Konstantins Siege beendeten die Christenverfolgung: "Blitzschnell rückte er wieder aus Syrien durch Kleinasien nach Europa und nahm in dem Gebiete seines Gegners das feste Byzanz sowie Heraklea weg. Zwischen dieser Stadt und Adrianopel kam es zu einer Schlacht mit dem überraschten Gegner. Wider Willen der beiden handelte es sich hier ganz offenbar um Christentum oder Heidentum.... Die während der Verfolgung konfiszierten Versammlungsplätze und andere Grundstücke der christlichen Gemeinden wurden zurückgegeben, die Christen offenbar begünstigt und ihr Proselytismus tätig unterstützt." [2]

"Das Jahrhundert war ausgegangen, sich eine neue Heimat für seine Gedanken und Gefühle zu suchen. Für die eifrigen Christen war dieses irdisch-himmlische Vaterland gegeben: es hiess Palästina... Vielleicht die erste weite Wallfahrt war die des kappadocischen Bischofs Alexander, welcher unter Caracalla Jerusalem – das damalige Aelia Capitolina – besuchte, »um des Gebetes und der Geschichte der Orte willen«. Auch Origenes kam, »um die Fußstapfen Christi, der Jünger und der Propheten aufzusuchen« ... "Eine merkwürdige Fügung hat es gewollt, dass Constantin auch in dem, was er für Palästina tat, weltgeschichtlich auf viele Jahrhunderte hinaus wirken sollte. Ohne den Glanz, welchen er über Jerusalem und die Umgegend verbreitete, hätte sich die Andacht der römischen Welt und folgerichtig die des Mittelalters nicht mit solcher Glut an diese Stätten geheftet und sie nicht nach einem halben Jahrtausend der Knechtschaft unter dem Islam wieder entrissen." [3] - Jacob Burckardt
Konstantinopel erhielt in der 537 begonnenen, 563 eingeweihten kühnen Kuppelkirche der "Heiligen Weisheit" (Hagia Sophia), "einen der größten Wunderwerke der Baukunst, das monumentalste christliche Gotteshaus bis zu den Tagen der Renaissance, von dem das Stadtbild des 'zweiten Rom' nunmehr beherrscht wurde." (Richter)

Ostrom wurde zum Bollwerk gegen die Perser und später den Islam. Der Perserkönig Chosrau II. der "Siegreiche" sah seine Stunde gekommen, um den alten Rivalen endgültig zu besiegen und die Weltherrschaft zu erringen. seine Truppen streiften bereits bis nach Chalcedon gegenüber von Konstantinopel. Heraklius, Sohn des oströmischen Statthalters von Karthago, erreichte 610 in der Stunde größter Not mit seiner Flotte die Hauptstadt. Aber gleichzeitig eroberten die persischen Heere alle orientalischen Provinzen des Reiches. 614 fiel sogar Jerusalem mit der besonders verehrten Reliquie des Heiligen Kreuzes in ihre Hände. 619 geriet die Kornkammer Ägypten in persischen Besitz. Aber Heraklius arbeitete zielbewußt an einer Reorganisation des Heerwesens. In "leidenschaftlicher Kreuzzugsstimmung" gegen die Perser stellte sich die griechische Kirche dem Kaiser zur Seite, der nun, nachdem er 619 die Awaren durch Tributzahlungen aus dem Ringe der Gegner entfernt hatte, angesichts der Größe der Gefahr 622 persönlich ins Feld zog. In Armenien erzielte er seinen ersten Erfolg. [4]

Der Krieg strebte dem Höhepunkt zu , als 626 Perser und Awaren mit ihren Hilfsvölkern zugleich von Asien und Europa her vor Konstantinopel erschienen. Die Awaren wurden von den tapferen Verteidigern mit solchen Verlusten zurückgeworfen, dass sie abzogen und eine Erhebung der Sklaven ihre Machtstellung auf der Balkanhalbinsel zusammenbrechen ließ. Heraklius erneuerte nun seine Gegenoffensive gegen das Perserreich. In der Entscheidungsschlacht bei Ninive unweit Mossul Anfang Dezember 627 wurde Chosrau II. völlig geschlagen. Im Friedensschluss musste Persien das Heilige Kreuz zurückgeben, das Heraklius im März 630 persönlich "mit großem Gepränge wieder in Jerusalem aufrichtete. Ostrom hatte das Übergewicht gewonnen; der Glanz des Sassanidenreiches erlosch jäh." [5]

Mohammed, mit seiner neuen, fatalistisch gestimmten Weltreligion des Islam "hatte sich zum Bruche mit Christentum und Judentum entschlossen." Wenige Monate vor der Kreuzaufrichtung durch Kaiser Heraklius in Jerusalem, im Januar 630, zog der Prophet Allahs siegreich in Mekka ein. Jetzt zeigte sich, wie furchtbar der lange Krieg zwischen Chosrau II. und Heraklius an den Lebenskräften der Großmächte Persien und Ostrom gezehrt hatte. Schon vorher hatte die arabische Offensive gegen das Perserreich begonnen. Jetzt fand im Juni 637 bei Kadesia westlich vom unteren Euphrat der persische Reichsfeldherr Rustem mitsamt seinem Heere den Untergang. 641 fiel Mossul, Ägypten wurde erobert, 711 Spanien und 732 wurde die Loire erreicht. Zweimal 674-678 und dann 715-717 lagerten arabische Belagerungsheere vor Konstantinopel und erschienen weitere "Muslime" (Islambekenner) siegreich in Innerasien, am Indus, in Turkestan und in den Landschaften südlich des Aralsees. Das Sassanidenreich sank endgültig dahin. "Nur der heroische Widerstand Konstantinopels bewahrte das christliche Abendland vor der Überflutung durch den Islam. Dazu kam der 732 über ein islamisches Heer im fernen Westen, bei Tours, der Stadt des fränkischen Nationalheiligen St. Martin, errungene Sieg des Frankenherrschers Karl Martell. Aber das Mittelmeer, ehedem das Herzstück des Imperium Romanum, wurde nun die südliche, von sarazenischen Seeräubern gefährdete Grenzscheide Europas gegen die weite arabisch-islamische Welt." [6]

Das oströmische Imperium änderte seit Heraklius sein Gesicht. Griechisch, die Sprache der Kirche und des Volkes, wurde anstelle des Lateinischen zur Staatssprache; der Kaiser führte seitdem den altgriechischen Königstitel (Basileus). Nach dem griechischen Namen Konstantinopels, Byzanz, pflegt man das gewandelte Staatswesen "Byzantinisches Reich" zu nennen. Auch der Einfluss des Orients machte sich bemerkbar, zum Beispiel durch den über hundertjährigen Streit um die Zulässigkeit der christlichen Bilderverehrung (730-843), der offensichtlich ein Abglanz der islamischen Bilderfeindlichkeit war, und aus der Stellung des Kaisers, der nicht nur weltliches, sondern weithin auch geistliches Oberhaupt war und blieb (Caesaropapismus). "Obwohl es im Gefolge dieser Entwicklung im Jahre 800 zur Herausbildung eines eigenen abendländischen Kaisertums und 867 zur Trennung der römischen Kirche von der griechischen kam, blieb Byzanz Bollwerk der Christenheit gegen den Osten und wichtigste Pflegestätte der Reste althellenischen Geistes, die erst in der Renaissancezeit dem europäischen Westen wieder zugute kommen sollten. Als nach wechselvollen Schicksalen 1453 jenes Bollwerk den osmanischen Türken erlag und der mohammedanische Halbmond das byzantinische Kreuz von der Kuppel der Hagia Sophia verdrängte, erschütterte der Fall Konstantinopels die ganze abendländische Christenheit, mochte diese auch inzwischen politisch zu neuer Stärke herangewachsen sein." [7]
 

"Wie kömmt es, daß ihr Christi Lehensleute
Ermordet und ihr Lehen an euch reißt
Und nicht Jerusalem von jener Meute
Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt,
Und daß Constantinopel und den besten
Theil dieser Welt der Türke darf verpesten?" - Ariosto [8]


Ja, warum ist die christliche Welt Konstantinopel nicht zu Hilfe geeilt? Konstantinopel war durch die Perserkriege und die Auseinandersetzungen mit Westrom geschwächt. Hinzu kommt, dass der zum Papst am 8. Januar 1198 gekrönte Innozenz III. den 4. Kreuzzug ausruft, der völlig außer Kontrolle gerät. Von den Venezianern wird der Kreuzzug ins Byzantinische Reich umgeleitet. Die Kreuzfahrer erobern und plündern das christliche Konstantinopel im Jahre 1204. Als Ergebnis des 4. Kreuzzugs ist das Byzantinische Reich als Bollwerk gegen den Islam geschwächt und der Konflikt zwischen katholischer und orthodoxer Kirche neu ausgebrochen. [9]

Eigentlich hatte das erneute Vordringen des Islams, die Not und der Untergang des byzantinischen und griechischen Reiches "im ganzen wieder die frühere Stimmung der Abendländer (wenn auch nicht ihren Eifer) erneuert. Hiervon macht Italien eine durchgängige Ausnahme; so groß der Schrecken vor den Türken und die wirkliche Gefahr sein mochte, so ist doch kaum eine bedeutendere Regierung, welche nicht irgend einmal frevelhaft mit Mohammed II. und seinen Nachfolgern einverstanden gewesen wäre gegen andere italienische Staaten." Man begegnete dem Mohammedanismus schon damals mit einer falsch verstandenen Toleranz und Indifferenz. Päpste veruntreuten die aus der ganzen Christenheit gesammelten "Türkengelder" anstatt es zu nutzen um die Türken zurückzudrängen. J. Burckardt meint sogar: "Angesichts der damals schon begonnenen Unterjochung Italiens durch die Spanier ist es ein leidiger, aber doch gar nicht grundloser Trost, dass nunmehr das Land wenigstens vor der Barbarisierung durch die Türkenherrschaft geschützt war. Sich selbst hätte es bei der Entzweiung seiner Herrschaft schwerlich vor diesem Schicksal bewahrt." [10]
 

Das heutige türkische Staatsgebiet bildete vor der Islamisierung für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land

"Das heutige türkische Staatsgebiet bildete für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land." Zahlreiche Schauplätze von Ereignissen des Neuen und Alten Testaments lassen sich noch immer in Augenschein nehmen lassen - auch nach der Eroberung der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen (1453). "Dass wir trotz Apostelgeschichte, trotz der bedeutenden Kirchenväter, Märtyrer und Heiligen Kleinasiens , Basileios der Große etwa, Grigorios von Nazianz, Grigorios von Nyssa oder Nikolaos von Myra , die Türkei nicht mehr als uraltes christliches Kulturland begreifen, liegt an der Radikalität, mit der türkische Nationalisten im Verlauf eines knappen Jahrhunderts das Christentum in Kleinasien und Nordmesopotamien entwurzelten und die Erinnerung an seine Träger zu tilgen versuchten." Armenier und Griechen bildeten mit 2,5 bzw. 2,7 bis 3 Millionen vor dem Ersten Weltkrieg die größten autochthonen ethno-religiösen Minderheiten im Osmanischen Reich. In der letzten Dekade osmanisch-türkischer Herrschaft fielen sie, ebenso wie die aramäischsprachigen Christen (Aramäer, Assyrer, Chaldäer) "staatlich geplanten und gelenkten Massakern sowie Deportationen zum Opfer, die die Genozidforschung als Völkermord entsprechend den Kriterien der UN-Genozidkonvention (1948) wertet. Namentlich der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern osmanischer Staatszugehörigkeit bildet, zusammen mit den Massakern an Assyrern im Irak 1933 einen Prototypus des Genozids, der den Autor der UN-Genozid-Konvention, Raphael Lemkin, veranlasste, als Justitiar des Völkerbundes schon 1933 einen Entwurf für ein entsprechendes internationales Vertragswerk in den Völkerbund einzubringen; er scheiterte damals allerdings am Widerstand der Delegation aus Nazideutschland. Während die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches in nur zwei Jahren (Frühjahr 1915 bis Februar 1917) genozidal um drei Fünftel verringert wurde, erstreckte sich die Vernichtung der griechisch-orthodoxen Bevölkerung auf ein Jahrzehnt, mit wechselnden Schauplätzen. Sie wird daher auch als kumulativer Völkermord bezeichnet. Der asymmetrische „Bevölkerungsaustausch“ ethno-religiöser Minderheiten zwischen der Türkei und Griechenland besiegelte 1923 nachträglich die schon weitgehend vollzogene Vertreibung und Vernichtung der kleinasiatischen Griechen. Die Republik Türkei verhinderte mit gesetzlichen Restriktionen (September 1923; Gesetz vom 23.05.1927) eine Rückkehr der überlebenden, ins Ausland geflüchteten osmanischen Christen. Im August 1926 verkündete die türkische Regierung die Zurückhaltung sämtlichen vor dem 6. August 1924 beschlagnahmten Eigentums. Mit Billigung der Behörden wurden christliche Rückkehrer in zahlreichen Fällen ermordet. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts sank die Zahl von Armeniern und Griechen durch ein Bündel restriktiver Maßnahmen und infolge erneuter staatlich inszenierter Ausschreitungen gegen Nichtmuslime, vor allem Griechen." [11]

Im Jahr 1097 schlug das christliche Ritterheer unter Gottfried von Bouillon bei Dorylaion das Heer des Seldschukensultans Kilic Arslan und schaffte damit eine der entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen des ersten Kreuzzugs. Ayazin, das byzantinische Metropolis war in byzantinischer Zeit das weltliche und religiöse Zentrum der Region mit einer großen Kirchenanlage - der bedeutendste sakrale Bau in Metropolis. In einer weiteren Kirchenanlage haben Moslems einen islamischen Friedhof errichtet.  In römisch-byzantinischer Zeit war Apameia (Dinar) der größte Handelsplatz nach Ephesus an der Westküste Kleinasiens und Bischofssitz, bis die Seldschuken 1070 die Stadt eroberten. Antiochia wurde im Jahr 25 v. Chr. im Zuge der umfassenden Provinzreform des Augustus zur Colonia Caesarea erhoeb. Sie war zunächst Teil der Provinz Galatia, später dann Hauptstadt des nördlichen Pisidien. Antiochia entwickelte sich zu einer der am stärksten romanisierten Städte im Inneren Kleinasiens. Die Stadt soll zu ihrer Blüte zwischen 7000 und 10 000 Einwohner gehabt haben. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert besuchte der Apostel Paulus auf seiner sersten Missionsreise die Stadt und gründete eine Gemeinde. Im Jahr 46 n. Chr. erreichte Paulus die Stadt Antiochia ad Pisidiam. Sie waren im syrischen Antiochia aufgebrochen und kamen über Zypern an die kleinasiatische Küste bei Perge. Von dort aus zogen sie über Taurus ins hoch gelegene Pisidien. Paulus suchte auf seinen Missionsreisen stets die jüdische Synagoge auf, um seine neue Botschaft zu verkünden. Als jüdischer Theologe und Rechtsgelehrter hatte er jederzeit das Recht zu predigen, nachdem der Vorsteher der Gemeinde die Liturgie und die Lesungen gehalten hatte, was ihm auch zunächst nie verweigert wurde. In der Synagoge machte Paulus den entscheidenden Unterschied zwischen neuer Lehre und altem Glauben deutlich. Die Erlösung des Menschen könne nicht durch das strikte Einhalten des mosaischen Gesetzes erreicht werden, sondern nur durch Jesus Christus. Einen zukunftsweisenden Schritt bei der Verbreitung des frühen Christentums ging Paulus, als er bagann, auch die Heiden zu missionieren. Was im syrischen Antiochia unter den aus Jerusalem geflohenen Aposteln heftig diskutiert wurde, nämlich ob man auch Heiden und nicht nur den Judenchristen das Evangekium bringen dürfe, hat Paulus in Antiochia ad Pisidiam mit dem Beginn der Heidenmission beantwortet. Auch in Iconium (Konya) hielt das Christentum schon früh Einzug. Paulus hatte hier um das Jahr 50 seine missionarische Tätigkeit aufgenommen, und schon bald bildete sich eine christliche Gemeinde. Am Ende des dritten Jahrhunderts wurde Iconium Bischofssitz, was es bis 1922 blieb. Durch die Einfäller der Araber und nach der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der das byzantinische Heer vernichtend geschlagen wurde, war Kleinasien dem türkischen Zugriff wehrlos ausgeliefert; die Seldschuken nahmen Iconium ein." 1466 fiel Konya an die Osmanen, teilte von nun an das Schicksal der anderen zentralanatolischen Städte und wurde provinziell. In der Nähe des byzantinischen Iconium liegt Sille, das in byzantinischer Zeit gegründet wurde und bis 1922 eine große griechisch-orthodoxe Gemeinde hatte. Dort liegt auch die 327 gegründete Kirche St. Helena, die älteste byzantinische Kirche Kleinasiens. Städte wie Laranda (Karaman) waren in byzantinischer Zeit eine Garnison gegen die Araber und Teil der vordersten Verteidigungslinie im Kampf gegen den expandierenden Islam. 1165 wurde die Stadt von den Seldschuken eingenommen, 1190 von den Kreuzrittern befreit und von Leon II., des christlichen Herrschers von Kleinarmenien, regiert, 1211 fiel die Stadt wieder an die Seldschuken. 1256 dann wurde Laranda die Residenz der Karaminiden, eines Turkstammes unter der Führung des Moslems Kerimüddin Karaman. Mit der Eroberung durch die Osmanen 1466 verlor die Stadt an Bedeutung und fiel auf das Niveau einer wenig prosperierenden anatolischen Kleinstadt zurück. Viele Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, wie die griechische Kreuzkuppelkirche von Fisandon. Der Grundriss der Kirche in der Form eines griechischen Kreuzes repräsentiert das bauliche System der christlich-orthodoxen Architektur des byzantinischen Ostens. Wegen seines Reichtums an frühbyzantinischen Klöstern und Kirchen hat das Gebiet nördlich von Laranda heute den Namen Binbir Kilise, "1001 Kirche". Ruinen byzantinischer Kloster- und Kirchenanlagen liegen bei den Dörfern Barata (Madensehir) und Dêgile (Ückuyu). Barata war bis in das 10. Jahrhundert eine bedeutende byzantinische Siedlung mit eigenem Bischofssitz. Seldschuken und turmenische Nomaden zerstörten die Anlagen, im 19./20. Jahrhundert wurden aus dem vorhandenen Baumaterial Steinhäuser für Moslems errichtet. Man zählt noch etwa fünfzig Kirchenruinen in unterschiedlichem Erhaltungszustand. In Kappadokien entstanden schon im 2. Jahrhundert zahlreiche Christengemeinden, die sich um zwei Bischofssitze gruppierten: um Caesarea (Kayseri) und um Melitene (Malatya). Unter dem Einfluß der Bischöfe Basilius von Caesarea (ca. 330-379), seinem jüngeren Bruder Gregor von Nyssa (ca. 335-394) und Gregor von Nazianz (ca. 330-390), die heute noch in der Ostkirche als Heilige verehrt werden, entwickelte sich dieses Gebiet zu einem religiösen Zentrum. Basilius, einer der gebildetsten Männer seiner Zeit, wurde in Caesarea als Kind einer vornehmen Familie geboren. Seine Ausbildung genoss er an den Akademien von Caesarea, Konstantinopel und Athen, wo er mit Gregor von Nazianz und dem späteren Kaiser Julian Apostata (361-363), zwei einander gegensätzlichen, für seinen späteren Lebensweg wichtigen Persönlichkeiten, zusammentraf. Als Bischof von Caesarea nahm Basilius den Kampf gegen Christenverfolgung und Ketzerei auf, der sich zunächst gegen Julian Apostata richtete, der heidnische Religionen und Kulte wieder zu beleben versuchte. Im vierten Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion. Der Streit zwischen Arius von Alexandria und Athanasius von Konstantinopel spaltete die junge Christenheit in Monophysiten, die in Christus nur das göttliche Wesen verehrten, und Orthodoxe, die in Christus die menschliche und die göttliche Natur erkannten (Zwei-Naturen-Lehre). Dieser Streit wurde auch in Kappadokien ausgetragen. Im Jahr 371 teilte der arianische Kaiser Valens Kappadokien in einen arianischen Teil mit einem Bischof in Tyana (Kemerhisar) und einem orthodoxen Teil mit der Metropole Caesarea, deren Bischof Basilius blieb. Diese Teilung war der Beginn einer tiefgreifenden Distanzierung der monophysitischen Kirchen - Nestorianer, Armenier, Kopten u.a. - von den orthodoxen und katholischen Kirchen des Westens; die Teilung von römisch-katholischer und orthodoxer Kirche wurde erst 1054 vollzogen.Basilius reformierte das Mönchswesen, weg von dem asketischen Leben in Einsamkeit, hin zu Klostergemeinschaften. Diese sozial ausgerichteten Ordensgemeinschaften waren Anknüpfungspunkte für die Ordensregeln der Benediktiner. Bis heute hat die "Liturgie des Basilius" in der griechisch-orthodoxen Kirche Gültigkeit. Der Einfluss der Orthodoxie verstärkte sich 451, als das Bistum von Caesarea dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt wurde. Nach dem Ikonoklasmus (Bilderstreit) 726-843 und nachdem die Kaiserin Theodora die Bilderverehrung im Jahr 843 wieder zugelassen hatte, wurden neue Kirchen gebaut und mit Mosaiken, Wandmalereien und Ikonen geschmückt. In Kappadokien erlebte das Mönchtum einen explosionsartigen Zulauf. Ein Jahrhundert später hatte die Entwicklung solche Ausmaße angenommen, dass der Kaiser Nikephoros Phokas im Jahr 964 ein Verbot von Klosterneugründungen erließ. Konnten die kirchlichen und mönchischen Gemeinden sich in seldschukischer Zeit noch frei entfalten, "so blieb die christliche Bevölkerung unter den Osmanen ohne Entwicklungsmöglichkeiten." [12]

Alle Elemente der byzantinischen Kunst waren religiösen und formalen Konventionen verpflichtet, die der künstlerischen Freiheit Grenzen setzten, aber dennoch Spielräume ließen, um innerhalb dieser Grenzen eine lebendige Entwicklung der Formen und Stile zu ermöglichen. Ähnlich wie bei der mittelalterlichen Malerei in den Kirchen der Romanik, entnahm man die Motive aus der heiligen Schrift. Die Aufgabe bestand darin, Prediger in der Auslegung der Evangelien zu unterstützen und die Mönche bei der Meditation zu leiten. Immer wieder stößt man auf die zentralen Themen der Evangelien: die Kindheit Mariens, die Verkündigung, die Geburt Christi, die heiligen drei Könige, die Darstellung im Tempel, die Taufe Jesu durch Johannes, die Wunder Jesu, der Verrat des Judas, die Verleugnung des Petrus, das Abendmahl, Passion und Kreuzigung, die Grablegung und Auferstehung, die Verklärung und das Pfingsfest. In der Apsis thront im Allgemeinen Christus als Pantokrator, als König der Welt, zum Teil umrahmt von apokalyptischen Symbolen. In den Seitenapsidien wird Maria mit dem Kind dargestellt. Der Ausdruck der Figuren, die die Kuppeln, Gewölbe, Zwickel, Laibungen und die Wände der Kirchen bedecken, verleiht der Kunst in Kappadokien den Charakter einer intensiven Spiritualität. Die Klosteranlage mit der "Direkli Kilise" beispielsweise wurde wie die "Bahattin Samanligi Kilise" im 11. Jahrhundert erbaut. Als Grundriss wurde das griechische Kreuz gewählt, vier Pfeiler stützen die Scheinkuppel. Die Wände sind mit Heiligenfiguren geschmückt, auf dem Bogen der Mittelapsis ist Christus, eingerahmt von den Erzengeln Michael und Gabriel, als Patokrator in der Mandorla abgebildet. Auf der Säule, die der Eingangstür gegenüberliegt, ist die thronende Maria mit dem aufrecht sitzenden Jesuskind dargestellt. Wie wenig sich in der Türkei um die Restaurierung der historisch wertvollen Kirchen gekümmert wird zeigt sich manchmal schon am Namen der Kirche: "Bahattin Samanligi Kilise" heißt "Kirche in der Scheune des Bahattin". Diese Bezeichnung stammt von dem "Kirchenbesitzer Bahattin, der das Gebäude als Scheune benutzt hatte." (!) Die Fresken sind stark verrußt. In anderen Kirchen wurden die byzantinischen Fresken nach 1922 übertüncht, wie bei der Kreuzkuppelkirche Hagios Gregorius im byzantinischen Karbala (Güzelyurt), die heute als Moschee missbraucht wird. Gregor von Nazianz gehörte neben Gregor von Nyssa und Basilius von Caesarea zu den bedeutendsten Kirchegelehrten des vierten Jahrhunderts. Er wurde 328 in Nazianz, dem heutigen Dorf Nenezi in der Nähe von Güzelyurt, geboren. Seinen Beinamen "Gregorius Theologos" verdankt er seiner unermüdlichen Tätigkeit, in Wort und Schrift für die orthodoxe Theologie einzutreten. Dies machte ihn zu einem Hauptgegner der in Anatolien weit verbreiteten arianischen Gemeinden.  Viele Hauptstädte in der Türkei waren früher byzantinische Städte, wie zum Beispiel das oben erwähnte Caesarea (Kayseri), die sich in römischer und byzantinischer Zeit zu einer bedeutenden Stadt entwickelte, die zeitweise bis zu 400 000 Einwohner hatte. Das Christentum fand durch die Missionstätigkeit des Apostels Paulus schon früh Eingang in diese Region. Besondere Bedeutung gewann Caesarea im 4. Jahrhundert durch das Wirken der Bischöfe und Kirchenväter, vor allem des heiligen Basilius; er schuf ein soziales Netz zur Versorgung der Alten. Bis 1922 war Caesarea Sitz eines Metropoliten, dessen Residenz das Johannes-Prodomos-Kloster war, das südöstlich von Caesarea lag. Heute ist hier militärisches Sperrgebiet. Außerhalb der Stadt ließ Basilius eine Siedlung errichten, die seinen Namen trug: Basileias. Im 7. Jahrhundert wurde die Stadt zur Grenzfestung gegen die Sassaniden ausgebaut, die erstmals 611 n.Chr. die Stadt belagerten und Tausende von Einwohnern verschleppten. Wenig später folgten Einfälle der Araber; von hier aus erfolgten auch die erfolgreichen Rückeroberungen der Byzantiner. Später (1077) fiel die Stadt "in die Hände türkischer Invasoren". Heute wirbt die Türkei in ganzseitigen Anzeigen in deutschen Tageszeitungen, wie sehr sie sich um die historischen Denkmäler kümmere. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Überall wo türkische Invasoren eingedrungen sind, verfallen die christlichen Baudenkmäler, so auch in Gezi, einer ehemals griechischen Siedlung östlich von Caesarea, die heute von "türkischen Neusiedlern" bewohnt wird. In der Nähe steht auch eine ehemalige armenische Klosteranlage, von der noch die mächtige Kirche erhalten ist. Daneben steht "eine griechische Kreuzkuppelkirche mit einem separaten Glockenturm. Da der Kirchenraum leider als Stall benutzt wird, ist eine Besichtigung nicht möglich" (!) Im 10./11. Jahrhundert erlebte die byzantinische Stadt als Bischofssitz mit dem Namen Hagios Prokopios (Ürgüp) ihre Blütezeit. "Bauliche Überreste aus dieser Phase gibt es nicht mehr." (!) Wie ist es dem alten Sinassos (Mustafapasaköy) ergangen, das bis 1923 ausschließlich von Griechen bewohnt war? "Von ihnen stammen die Kirchenbauten im Ort, die heute andere Funktionen haben." (!) Viele alte Häuser erinnern mit ihren kunstvoll gearbeiteten Simsen, Fenster- und Türrahmungen und den Balkonen aus Tuffstein noch an den Wohlstand der alten Zeit. "Nach der Ausweisung der griechen zogen türkische Familien aus Saloniki, der Heimatstadt von Kemal Mustafa Pasa (Atatürk), hierher und benannten den Ort nach ihm um." Nur die in Stein gehauenen byzantinischen Kirchen- und Klosteranlagen sind noch zu sehen: Agios Vasilios, das Archangelos-Kloster, die Timios Stavros Kirche. In den byzantinischen Städten Damsa (Takinpasaköy, Sobesos (Sahinefendi) und Mavcucan (Güzelöz) sind die byzantischen Kirchen zweckentfremdet  wie eine "aus Steinquadern errichtete Kirche aus dem 8./9. Jahrhundert, die dem heiligen Eusthatios geweiht war und heute als Depot genutzt wird."  [13]

Trapezunt wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von griechischen Seefahrern gegründet. Unter der Herrschaft von Griechen, Römern und Byzantinern hatte sich die Stadt schnell zu einer vielsprachigen Handelsmetropole an der südlichen Seidenstraße entwickelt. Heute ist Trapezunt (Trabzon) von Türken besetzt. "Relikte aus alter Zeit finden sich kaum. Gut erhalten ist nur die Hagia-Sophia-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die hoch über dem Meer auf einem Felsen thront. Die Kirche ist heute eine Moschee." Wie fast alle ehemaligen byzantinischen und griechischen Kirchen wurde sie mit Minaretten verschandelt. Alte griechische und byzantinische Häuser läßt man verfallen, wie zum Beispiel in dem ehemaligen griechischen Viertel in Ordu. Die griechische Basilika ist äußerlich zwar unversehrt, innen jedoch verschandelt und das Kreuz auf der Kuppel fehlt. In seiner Ordu-Chronik erzält der griechische Autor Ioakim Saltsis, dass im Herbst 1917 etwa 3500 Griechen aus Ordu über das pontische Gebirge in ein zweihundert Kilometer entferntes Lager im Hinterland marschieren mussten. "Nur etwa zwei Drittel von ihnen erreichten das Ziel. Die übrigen starben unterwegs an Krankheiten und Erschöpfung. Es war der Auftakt dessen, was von vielen Historikern mittlerweile als Genozid an den Pontos-Griechen bezeichnet wird. Immer mehr Griechen wurden aus den Küstenstädten auf Todesmärschen ins Hinterland deportiert, irreguläre Einheiten überfielen griechische Dörfer und ermordeten deren Bewohner. Am 19. Oktober 1917 titelte di amerikanische Zeitung 'Lincoln Daily Star': 'Turks Slaughter Christian Greeks.' Die türkische Regierung leugnet bis heute die systematische Vernichtung von Armeniern, Griechen und anderen Christen." Nachdem das Osmanische Reich 1919 kapitulierte, sollte die Türkei unter dem griechischen Staatschef Venizelos wieder griechisch werde. Die Westmächte unterstützten Griechenland aber nur halbherzig, weshalb die Türkei heute mehrheitlich muslimisch und nicht mehr christlich ist. [14]

Wie trostlos die Türkei heute aussieht, zeigen zum Beispiel Aufnahmen von Norman Behrendt. In der Türkei werden überall Trabantensiedlungen gebaut wie in Dubei. Es sieht aus wie "Disneyland oder wie eine anatolische Version von Plattenbausiedlungen."  Zwischen den Wohntürmen ragen steil die Minarette auf, an denen die Lautsprecher der Muezzine angebracht sind. Fünf Mal am Tag terrorisieren sie die Nachbarschaft mit ihrem Geplärre. Hatte schon das Osmanische Reich keine wirklich großen Architekten hervorgebracht (selbst Mimar Sinan kopierte für sein Moscheen immer nur die Konstruktion der Hagia Sophia), sind die neuen Moscheen nur noch Varianten der Moscheen Sinans, nur dass sie sich immer weiter von der ästhetischen Schönheit des Vorbilds der Hagia Sophia entfernten. "Bis sie in den vergangenen Jahrzehnten immer billiger und Einfallsloser wurden" Kein Wunder bei dem inflationären Bau von muslimischen Betanstalten. Manche Moscheen entstehen inmitten dichter "Ansammlungen gesichtsloser Wohnsilos", andere inmitten einer Ödnis, wo sie zum Zentrum einer vorerst nur auf dem Reißbrett existierenden Trabantenstadt werden sollen.  Auf dem höchsten Hügel über dem Bosporus, Camlica, lässt Erdogan die größte Moschee der Türkei bauen. Von weit her sind ihre hässlichen Umrisse sichtbar, umfasst von sechs Minaretten neben den größten türkischen Nationalflaggen. Noch größer und hässlicher sind nur noch die Bauten in Mekka. Erdogan liebt das Monströse und Hässliche, was nicht nur sein Präsidialpalast in Ankara zeigt, sondern auch die "tausend Moscheen verdeutlichen, die jedes Jahr in der Türkei errichtet werden. Ein Wunsch nach Innovation und großartiger Ästhetik lässt sich dabei allerdings nicht erkennen." Seit der osmanischen Muslimisierung der Turkei galt die Türkei immer als unattraktiv für Führungskräfte. Der Türkei-Konflikt und die prekäre Sicherheitslage dort führen dazu, dass die Türkei fast gänzlich von Führungskräften gemieden wird. Das schlägt sich in der Karriereplanung europäischer Führungskräfte nieder. "Geschäftsführer, Manager und leitende Angestellte nennen die Türkei als unantraktivstes Land für eine Auslandsentsendung." Von Ratingagenturen wird die Türkei auf "Ramschniveau" herabgestuft. Dass sich die Gefahreneinschätzung für die Türkei weiter eintrübt, ergibt sich auch aus der Neueinstufung durch die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Im Juni 2018 erhöhte sie die sogenannte Länderkategorie von Rang 4 auf 5 (von 7). Damit steht die Türkei jetzt auf einer Stufe mit anderen islamischen Ländern wie Bangladesch, Jordanien und Senegal. Zudem zählt die Türkei nun zu den schlechtesten Zahlern weltweit. Dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan fiel dazu nur ein:  „Sie mögen ihre Dollars haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott.“ - was soviel bedeutet wie, dass in der Türkei heute fast nur noch Muslimbrüder und andere Islamisten leben, keine Gerechtigkeit herrscht und völliger Unglaube, bzw. Glaube an den falschen Gott des Islams. "Diese Ankündigungen und Aussagen beschleunigten die Abwertung der Lira. Die Einmischung Erdogans in die Geldpolitik, die trotz der hohen Inflation von knapp 16 Prozent die Leitzinsen zuletzt stabil
gehalten hat, halten Fachleute für eine wichtige Ursache des Vertrauensverlusts in das türkische Wirtschaftsmodell." Die Finanzkrise in der Türkei hat sich im August 2018 dramatisch verschärft und Befürchtungen vor weitreichenden Konsequenzen geschürt: „Der Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft ist sehr wahrscheinlich“. Der Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der HTWG-Hochschule Konstanz rechnet mit einer „unkontrollierten Finanzkrise“, deren Ausmaße in der derzeitigen weltwirtschaftlichen Gemengelage niemand absehen könne. „Das Ausmaß der Unsicherheit ist beträchtlich“. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte auf Anfrage: „Ich erwarte eine weitere Vertiefung der Wirtschaftskrise in der Türkei, die zu politischen Konflikten und ultimativ zum Fall Recep Tayyip Erdogans führen könnte.“ Hintergrund dieser drastischen Warnungen sind der weitere
Verfall der türkischen Lira. Die Lira war schlagartig um zeitweise 23 Prozent eingebrochen, ein Dollar kostete am Nachmittag fast 7 Lira – so viel wie noch nie. "Seit Beginn des Jahres hat die Währung beinah die Hälfte ihres Wertes verloren. Grund dafür ist nach Ansicht von Fachleuten ein Cocktail wirtschaftspolitischer Missstände, die das Vertrauen ausländischer Investoren tief erschüttert haben." Auch will niemand mehr Immobilien in der Türkei kaufen - ausser Muslimbrüder, also private Käufer aus dem nahen Osten. Ganz vorn rangieren die Iraker, die seit Jahresbeginn 2000 Häuser gekauft haben. Dahinter folgen Saudi-Arabien, Iran, Afghanistan und Kuweit. "Auch im Immobilienmarkt driftet die Türkei also immer weiter von Europa weg." Um all das zu ändern müsste die Türkei rechristianisiert werden. Zur Zeit findet allerdings das Gegenteil statt: Eine weitere Islamisierung. Ein Islamist, der es bis zum türkischen Parlamentssprecher gebracht hat, Ismail Kahraman sagt im Februar 2018: "Es wird keinen Fortschritt geben, solange es keinen Dschihad gibt." Auch die türkische Religionsbehörde Diyanet, die den islamischen Terror unterstützt und auch in Deutschland und Österreich durch die islamistischen Organisationen Ditib und Atib agiert, widmete im Februar 2018 dem türkischen Einmarsch in Syrien eine Predigt: "Es sei die höchste Stufe des Dschihad, wenn man in einem bewaffneten Kampf für den Glauben" eintrete; gemeint ist allerdings der Unglaube der Muslime. [15]

"Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. (Joh 1, 15-17)

"Nachdem Muhammad gesehen hatte, dass es ihm an Wahrheit mangelte und dass die Lügen, die er über das Alte Testament und das Evangelium verbreitete, dem ungebildeten und unwissenden Volk nicht lange verborgen bleiben konnten, da Christen und Juden sie für unwahr erklärten - denn weder in den beiden genannten Büchern noch in einem von beiden wird Muhammad erwähnt oder namentlich genannt - , da nahm er seine Zuflucht zu den Waffen und sprach zum Volk: 'Gott hat mit befohlen, die Völker mit dem Schwert zu erobern, bis sie bezeugen: Es gibt keinen Gott ausser Gott und ich bin sein Gesandter; wenn sie das tun', werden sie auf der Stelle 'ihr Blut und ihren Besitz' retten. Vom Schreck getroffen, gehorchten viele dem Befehl, wurden so vor Blutvergießen und Plünderung bewahrt und daher Gerettete oder Muselmanen genannt." - Nicolaus Cusanus
 

Die byzantinische Kultur hat die Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Antike ins Mittelalter herübergerettet, die ohne Byzanz nie nach Europa gelangt wäre - Zeit des Schweigens, die Türkenherrschaft - Befreiungskampf der Griechen

Bemerkenswert ist, wie wenig türkische Worte in den griechischen Wortschatz übernommen wurden. Für die Griechen waren die Türken "Barbari". Auch im Altertum verstanden die Griechen unter "Barbari" die Herrschaftsmechanismen des Pharaonenreiches und des persischen Großkönigtums. "Grieche", "Byzantiner" waren kulturelle Ehrentitel. "Dann kamen die Türken und löschten den Rest des griechischen Byzanz aus. Die Türken waren für Europa eine schlimme Bedrohung. Mehrmals versuchte man gegen sie 'Kreuzzüge' zu organisieren, aber die Idee war nicht mehr modern, und so überließ man es den bedrohten Staaten, sich selbst zu schützen: die 'Christenheit' war an der Sache nicht interessiert. Frankreich, 'die älteste Tochter der Kirche', lag weit vom Schuß und paktierte als erster europäischer Staat mit den Türken. Dann folgten England und im 18. Jahrhundert schließlich Österreich, nachdem es seine Gebiete von den Türken zurückgeholt hatte. Nur die Russen, die Konstantinopel und die Meerengen haben wollten, lebten mit der Türkei nach wie vor in Feindschaft." Später galt die Türkei als "Europas kranker Mann" und die Griechen wurden wie Schachfiguren herumgeschoben. "Da brach aber die Revolution Kemal Atatürks aus, der 'kranke Mann' war gar nicht so mehr krank, und plötzlich sahen England und die Amerikaner ihre Interessen am irakischen Erdöl und am einzigen Verbindungsweg dazu, an der Bagdad-Bahn, durch Griechenlandfreundlichkeit ernstlich gefährdet. Die Griechen wurden fallen gelassen. Das Ergebnis: Anderthalb Millionen Menschen wurden aus kleinasiatischen Gebieten vertrieben, die dreitausend Jahre lang griechisch gewesen waren." [16]

Die Eroberung Griechenlands durch die Türken war Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Verschwinden der letzten Venezianischen Enklaven abgeschlossen. Die Türken gewährten zwar eine weitgehende Autonomie der griechischen Städte und Gemeinden, allerdings unter der Oberhoheit und Kontrolle der örtlichen türkischen Behörden; auch der gesamte Grundbesitz ging mit der Eroberung in das direkte Eigentum des Sultans über. Der kirchliche Besitz unterstand zwar den gleichen Bestimmungen, blieb aber fast ausnahmslos unangetastet. Der Patriarch von Konstantinopel behielt seine Privilegien. In gewisser Weise war damit "der Fortbestand des byzantinischen Status quo, und damit die Oberhoheit der Griechen über die anderen orthodoxen Völker der Türkei" gegeben. Einen Sonderfall bildeten zwei Gebiete, die Halbinsel Mani der südlichen Peloponnes und die Agrafa-Dörfer im Epirus. "Die Maniaten bildeten eine Art Klan, dessen Chef von den Türken den Titel eines Bey erhielt. Den Türken war es nicht gelungen, die fesige Halbinsel zu erobern, und sie begnügten sich mit einem symbolischen Tribut. Der Bey hob von seinen Stammesgenossen keine Steuer ein; sein persönliches Einkommen waren die Zolleinkünfte von Kalamata. Die Agrafa-Dörfer waren ebenfalls frei von türkischer Besatzung, und die Einwohner hatten die Erlaubnis des freien Waffentragens." Als die Rechtsunsicherheit wegen der zunehmenden Willkür örtlicher türkischer Amtsträger immer größer wurde, nahm die Aktivität der sogenannten "Klephten" antitürkischen Charakter an. Der Wunsch der Griechen, sich der türkischen Oberhoheit zu entledigen, wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts immer stärker. Die zunehmende Willkür türkischer Beamter und der wachsende Steuerdruck trugen dazu bei, dass dieser Wunsch immer bewußter und drängender wurde. Diesen Umstand wollte die antitürkische Politik Russlands ausnutzen. Während des russisch-türkischen Krieges kamen russische Agenten auf die Peloponnes und forderten die Griechen zum Aufstand auf. "1770 erhoben sie sich auch, auf die versprochene Hilfe der russischen Flotte hoffend. Tatsächlich erschienen russische Kriegsschiffe unter Orloff, doch konnten sie nicht helfen. Die Aufständischen wurden von albanischen Horden niedergemacht, die die Pforte zu Hilfe gerufen hatte. Die Albaner verwüsteten die ganze Halbinsel, und ein großer Teil der Bevölkerung floh auf die Inseln der Ägäis und nach Kleinasien. Die Katastrophe war so groß, dass sich die Pforte schließlich gezwungen sah, die Albaner mit Militärgewalt zu vertreiben und eine allgemeine Amnestie zu gewähren." Nach diesem Beginn beruhigten sich die Griechen nicht mehr. Dichter besangen die Freiheit Griechenlands, zum Teil übernational, d.h. sämtliche "Völkerschaften des Türkischen Reiches, auch die unterdrückten Türken selbst." 1914 wurde der Geheimbund Philiki Hetairia gegründet. Ab 1820 stieg die Zahl der Mitglieder der Philiki Hetairia auf zehntausende. Alexandros Ypsilantis, Führer der Philiki Hetairia, der den Plan eines allgemeinen Aufstandes entworfen hatte, stellte in Russland ein Korps von freiwilligen Griechen auf, die "Heilige Schar". "Diese sollten am 25. Februar 1821 in der Moldau eindringen, dort mit Hilfe der Rumänen die Türken schlagen, in die inzwischen durch Agenten zum Aufstand aufgerufenen Balkanländer dringen und sich schließlich mit den griechischen Kräften vereinigen, die sich inzwischen ebenfalls erhoben haben sollten. Von diesem Plan wurden die griechischen Führer informiert." Der Freiheitskämpfer Theodoros Kolokotronis war schon nach Mani gekommen. Alles war bereit. Im letzten Jahr wurden große Waffen- und Munitionslager errichtet. "Die Türken, die immer wieder beunruhigende Nachrichten bekamen, waren alamiert, sie glaubten aber, dass es sich bloß um Machenschaften Ali Paschas handle." Dann ging es auch schon los: am 21. März wurde Kalavryta befreit, am 23. Vostitza und Kalamata, Ende März die ganze Halbinsel. Ähnlich sah es in Zentralgriechenland aus: 24. März Amfissa (Salona), 26. Galaxidi, 27. Livadia, 3. April Thiva (Theben), 25. April Athen, 20. Mai Messolongi, 4. Juni Karpenissi. [17]

Leider fehlte zu dieser Zeit ein Prinz Eugen von Savoyen. Stattdessen gab es nur Metternich und seine Polizei. Die Aufständischen in Griechenland wußten nämlich noch nichts von der Niederlage Alexandros Ypsilantis'. Die Rumänen hatten sich ihnen nicht angeschlossen, weil sie in den Griechen nur Statthalter der Türken sahen. "Die türkische Armee vernichtete die Heilige Schar, Ypsilantis flüchtete nach Ungarn, auf österreichischen Boden, wo die Polizei Metternichs schon auf ihn wartete. Er wurde sofort in die Festung Munkacs gesperrt." [18]

Die Frage ist ja nicht, ob die lebenden Griechen Nachfahren der antiken Griechen sind, oder ob der Islam die Leistungen Antike ins Mittelalter herübergerettet hat, wie nicht nur von Islamwissenschaftlern oft behauptet wird, sondern "welche Kontinuität besteht zwischen dem byzantinischen Griechentum des Mittelalters und jenem, das aus der nahezu vierhundertjährigen Türkenherrschaft hervorgekommen ist; und sie könnte höchstens durch den Zusatz ausgedehnt werden: welche Kontinuität besteht zwischen dem antiken und dem byzantinischen Griechentum?" Fast alle großen Philosophen / Theologen der ersten fünf Jahrhunderte waren Griechen, darunter solche, die noch die Athener Akademie besucht hatten. So ist das Christentum im griechischen Raum in einem hohen Maß griechisch geworden, und es hat in der Verwirklichung des christlichgriechischen Byzantinischen Reiches wesentlich dazu beigetragen, dass das Griechentum seine Kontinuität bewahren konnte. "Es entfaltete in diesem Rahmen sogar eine neue kulturelle Phase, die jener der Antike eigentlich in nichts nachsteht. Darüber hinaus hat gerade diese byzantinische Kultur die Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Antike ins Mittelalter herübergerettet, die ohne Byzanz nie nach Europa gelangt wäre. Dieses byzantinische Griechentum war es, was seine Identität über die Jahrhunderte der otomanischen Herrschaft bewahrt hat." [19]

Als die vereinigten Flotten der Großmächte bei Navarino die ägyptisch-türkische Flotte vernichteten, war damit der griechische Freiheitskrieg entschieden. "Diese Tatsache hatte aber einen folgenschweren Aspekt: es waren nicht die Griechen, die ihre Revolution siegreich beendet haben, sondern die großmächte, die 1821 von einem freien Griechenland nicht einmal hören wollten, und erst allmählich, unter dem Druck der öffentlichen Meinung, teils im Dienste ihrer eigenen Interessen, denen jetzt ein voll kontrollierbares, kleines Griecheland zustatten kam, ihren Standpunkt geändert hatten. Die Seeschlacht selbst fand eigentlich gegen ihren Willen statt, sie war gleichsam von selbst ausgebrochen und wurde von den Regierungen als Katastrophe angesehen." Das Eingreifen der Mächte war notwendig geworden, weil die Streitkräfte Ibrahim Paschas tatsächlich im Begriffe waren, einen Völkermord zu begehen. [20]

1814 wurde in Odessa die "Gesellschaft der Freunde (Philiki Hetairia)", Geheimbund der Griechen zur Vorbereitung der Befreiung Griechenlands, von griechischen Geschäftsleuten gegründet; sie dehnte sich rasch aus. Entscheidend wurde der Beitritt einer Reihe von Kapetanen, Freiheitskämpfern und Bischöfen in Griechenland. In seinen Memoiren berichtet der große Freiheitskämpfer und General Jannis Makryjannis von dieser Zeit. Durch erste Siege und große Verluste der Türken wurden die Griechen ermuntert und einmütig belagerten sie in allen Gegenden die einheimischen Türken und die Festungen in Vonitsa, Messolongi und in allen Gegenden Westgriechenlands. "Denn die Griechen hatten damals geschworen, dem Vaterland und der Religion zu dienen, und es griff sie weder Blei noch Säbel an... Weder Griechen noch Türken ließen an Mannhaftigkeit etwas zu wünschen ; wie Löwen kämpften beide Seiten. Doch das Unrecht, was immer die Mannhaftigkeit tun mag, wird besiegt; denn die Türken waren vom Weg Gottes abgewichen." Die Türken waren von der eigentlichen Religion, dem Christentum, abgewichen; sie hatten den Weg Gottes verlassen und sich dem Islam mit seinem Scheingott Allah zugewendet. Am 21. Juni 1821 wurden die Türken in Lalas bei Pyrgos und Olympia geschlagen. Manche Freiheitskämpfer erhalten den Beinahmen "Türkenfresser" und in einigen Orten wie "Arachova und Distomo bauten sie Türme aus Türkenschädeln." Man versuchte die "Türken auf den Pässen zu halten, damit sie nicht durchkommen und das Land vernichten." Andere Freiheitskämpfer "fallen über die Türken her und verabreichen ihnen ein verteufeltes Verderben... Alle diese tapferen Männer, die Retter des Vaterlandes, vernichteten diese Menge von Türken völlig, die meisten töteten sie, auch zwei Paschas, und nahmen alle ihre Wagen und Kamele und Kanonen, die sie alle dort gelassen hatten. Und soviele Türken am Leben geblieben waren, zerstreuten sich, jeder ging allein für sich in seine Heimat." Noch heute könne man die Graber der Türken bei Gravia sehen und die "Leute wurden gerettet, da die meisten von ihnen versklavt worden wären, und das ganze Vaterland wäre in Gefahr gewesen." Durch die Türkenherrschaft war Griechenland verloren und "ausgelöscht aus dem Verzeichnis der Nationen." Die meisten Griechen haben sich dem Befreiungskampf angeschlossen, man war allerdings auch nicht zimperlich, wenn ein Priester mit den Türken kollaborierte: "Ein Priester aus den Dörfern von Theben war ein Freund der Türken, sie liebten ihn sehr. Er spielte bei den Romäern den Heiligen und er ging in alle Lager und Städte und auf alle Inseln und sah und erfuhr alle Geheimnisse der Griechen, und er ging und verriet sie den Türken. Und wegen seines Verrates wurden viele Griechen von den Türken umgebracht. Die Griechen erfuhren das später, Christen verrieten ihn, die bei den Türken lebten, und sie fingen ihn und brachten ihn nach Athen, zum Dysseas, und er ließ ihn lebend einmauern." Der Widerstand ging zuerst von den Inseln aus (Hydra, Psara, Samos). Naturgemäß schlief Makryjannis in dieser Zeit nicht ohne Sorgen und träumte oft schlecht: "Ich sehe in meinem Traum einen kommen, der sagt zu mir: 'Steh auf!' Ich wachte auf, schlief wieder ein. Ich sehe ihn wieder, und er sagt zu mir: 'Steh auf!' Ich war besorgt und schlief nicht wieder ein. Da stehe ich auf, schaue zum Fenster hinaus, und der ganze Ort ist voller Türken.  Und wir - keiner ist wach ...da begann ich zu schreien: 'Türken! Türken!'"  Nach und nach wurde das Joch abgeschüttelt: "In der Tausendschaft waren lauter Rumelioten, die meisten aus Lidoriki und Kravari und aus diesen Gegenden. Sie besprachen sich alle, als sie ihre Heimat und ihre Häuser voller Türken sahen; sie sagen zu Tzavellas: 'Wir greifen die Türken an.' Gezwungen begann darauf Tzvellas, weil er allein geblieben und auch in Gefahr geraten wäre (denn alle Einwohner von Lidoriki und Kravari hatten sich versammelt) bei Lidoriki den Angriff, die Tausendschaft und die Einwohner, und sie schlugen die Türken und verjagten sie. Auch in Kravari waren Türken. Die Einheimischen und die anderen besetzten die Pässe, sie töteten die Türken und nahmen auch den Prevista und andere lebend gefangen. Da schickte auch der gute und gütige Patriot Ypsilantis den Stratos mit seiner Tausendschaft, und alle trafen mit Tzavellas zusammen und mit den Einwohnern, und sie bekämpften überall die Türken; und in Karpenissi vertrieben sie sie auch von dort. Und gleichzeitig zog auch Ypsilantis aus und bekämpfte überall die Türken, mit allen Tausendschaften. Und sie vernichteten die Türken und befreiten Ostgriechenland." [21] 

1844 ging er nach Tinos, machte eine Wallfahrt und schrieb an seinen Memoiren. Einem Freiheitskämpfer riet er, in seine Heimat zu gehen, "um Leute unter seine Führung zu bekommen und zu sehen, wann die geeignete Zeit kommt, damit alle Griechen geheim danach trachten, auch die anderen Gebiete der Türkei zu befreien, die unter der Tyrannei des Sultans sind, und wir den Schwur der Hetairia verwirklichen." Später hat Kolettis in einer Rede bei der Nationalversammlung 1843 diese Idee aufgegriffen. Unter "Megali Idea", die "Große Idee", verstand Kolettis die Befreiung der noch von den Türken geknechteten Volksgenossen, nicht unbedingt im Sinne eines "Groß-Griechenlands" oder der Wiedererweckung des Byzantinischen Reiches, sondern eher der "hohen Idee" der Befreiung der noch unfreien Griechen, wie Gyömörey es formuliert; was aber eine Art Re-Christianisierung der Türkei bedeuten würde. Dies wurde allerdings durch die Engländer verhindert: "Die Türken wurden durch den Beistand der Engländer stark." 1842 wollten die Türken sogar wieder "gegen uns losmarschieren, mit großen Vorbereitungen." Dennoch "danken wir jetzt, da wir leben, alle ehrlichen Griechen, den Philhelenen für die Mühe, die sie aufgewendet haben, um auch aus uns eine Nation zu formen, die wir so viele Jahrhunderte zwischen den Krallen eines Löwen ware." Heute werden die Freiheitskämpfer umgebracht und eingesperrt. "Immer jene, die ihre Religion so viele Jahrhunderte bewahrt haben unter den Türken - und sie haben ihnen so viele Martern zugefügt, und sie bewahrten und befreiten auch ihr Vaterland mit ihrer Religion, wo die Zahl der Türken fünfhundert war auf einen von ihnen, und sie selbst ohne das Kriegsnotwendige, die meisten auch ohne Kenntniss." Er meint, ohne Tugend und christliche Religion werde keine Gemeinschaft der Gesellschaft gebildet. Der Türke hätte die Griechen zwar äußerlich erobert, "verbrannte sie in Feueröfen, er schnitt Zungen heraus, pfählte sie, damit sie ihre Religion ändern, und konnte nichts ausrichten." Nun habe Gott diese kleine Nation wieder auferstehen lassen - dank der Philhelenen und der großen Freiheitskämpfer wie Jannis Makryjannis, Theodoros Kolototronis, Nikitas Stamatelopoulos (Nikitaras), Georgios Karaiskakis, Kitsos Tzavellas, Ioannis Kolettis, Ioannis Graf Kapodistrias, Ioannis Gouras, Odysseas Androutsos, Alexandros Mavrokordatos, Andreas Metaxas, Yennaios Kolokotronis. [22] 
 

Byzantinische Kunst und Kultur im Zeitalter Justinians

Mit der Gründung von Konstantinopel und der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion hat Kaiser Konstantin das globale Geschehen beinflusst. Beide Ereignisse bezeugen den Triumpf des Ostens. Schon Caesar hatte mit dem Gedanken gespielt, die Hauptstadt nach Osten zu verlegen. Der Zustrom von Arbeitskräften und Siedlern aus aller Welt nach Byzanz hatte schon vor Jahrzehnten eingesetzt. Konstantins Entscheidung war eine "Tat von historischem Rang, die politische und militärische Konsequenz aus der Verlagerung der Schwerpunkte in der römischen Mittelmeerwelt. Mit der feierlichen Einweihung am 11. Mai 330 ging ein Akt über die politische Bühne, der in einem höheren Sinne das Oströmische Reich gründete." Mit Kaiser Marcianus (451-457) begann die eindrucksvolle Krönung der byzantinischen Kaiser durch den Patriarchen. In dieser Zeit verdankte der Osten seine Ungestörtheit einer gewissen Vernachlässigung der gesamtrömischen Verpflichtung, indem er dem Westen gegen Attila und die Vandalen nur mit Worten zu Hilfe kam. Das wichtigste Ereignis der Epoche war das Konzil von Calkedon (451), dessen triumphale Erfolge für den Katholizismus westlicher Prägung mit einem ungeahnten und auf die Dauer die Einheit der Mittelmeerwelt sprengenden Wachstum der häretischen Bewegungen des Ostens bezahlt werden mussten. "Denn nicht nur das Monophysitentum, auch der Islam und selbst die jüdischen Reaktionen lassen sich als christliche Häresie verstehen." Der neue Kaiser Iustinus (518-527) stammte wie Marcianus von der Balkanhalbinsel. Noch keine Woche alt, ging das neue Regime gegen Häretiker vor. Der Monophysitenpatriarch Severus von Antiochaia erhielt damit eine unmissverständliche Warnung, später musste er fliehen. Im Jahre 529 lag der Codex Justinianuns vor. Dank seiner Gesetzessammlungen hatte Justinian mehr für die Theorie des Rechts getan als jeder Kaiser vor ihm. "Das Überleben des römischen Rechtsgedankens in Byzanz und im Abendland ist seiner Initiative zu verdanken." [23] 

Darüber hinaus gilt er als einer der größten Bauherrn der Geschichte. Aus dem Trümmerschutt von 532 steigt die Hagia Sophia, das künstleriche Sinnbild der Zeit. "Diese Kirche rundete sich mit der kühnsten Kuppel der Welt zum Symbol ihrer Zeit. Das Genie zweier Männer, Anthemius von Tralles und Isidor von Milet, hat unter tätigster Mitwirkung des Bauherrn Justinian ein Werk geschaffen, in dem griechische Mathematik, römische Architektur und der Wille des Ostens zum Zentralbau zu einer wohl exemplarischen und weithin nachgeahmten, aber doch einmaligen, nie wieder in vergleichbarer Form erreichten Einheit zusammengeflossen sind." Ihren Baumeistern standen nicht nur alle Erkenntnisse der Mathematik des Altertums zur Verfügung, sie haben sich auch maßgeblich in der Schaffung des mittelalterlichen Stils der christlichen Welt des Ostens eingeschaltet. Die Arbeiten begannen schon vierzig Tage nach der Einäscherung der alten Sophienkirche Konstantins im Nikaaufstand (532) und endeten im Dezember 537. Länger zogen sich die Arbeiten an der Apostelkirche hin (536-550). Mit ihren fünf Kuppeln war sie leichter nachzuahmen als die Sophienkirche, ein Vorzug, dem wir es zu verdanken haben, dass trotz der "Zerstörung dieser Grabeskirche der Kaiser und Patriarchen durch die Türken" und ebenso ihrer Nachahmung, der Johanneskirche in Ephesos, immerhin die Markuskirche von Venedig eine Ahnung von ihrem alten Glanz vermittelt. Diesen beiden Großkathedralen entsprachen zahllose kirchliche Bauwerke in Ostrom wie im neugewonnenen Westreich. "Es genügt, an das Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel oder an die Justinianischen Bauten von Ravenna zu erinnern, von denen namentlich S. Vitale mit seinem Einfluss auf das Münster Karls des Großen als eine Hagia Sophia des Westens gelten kann." Was Konstantin der Große begonnen hat, das führte Justinian mit besonderem Elan fort. Er hat über die Welt ein Netz von Kirchen geworfen; auch das berühmte Sinaikloster stammt von ihm. Die Bautätigkeit beschränkte sich aber nicht nur auf Kirchen und Klöster. Die östliche Mittelmeerwelt wurde damals an der Donau, am Euphrat und Tigris und in Nordafrika durch gewaltige militärische Anlagen und strategische Straßensysteme nach aussen abgesichert. Das byzantinische Goldstück kann als der Dollar des Mittelalters gelten. Auf diesem Goldstück prangte der Kaiser mit dem Reichsapfel als Globus, und diesen Globus krönte das christliche Kreuz. So warb man für den Staatsgedanken, für das Christentum und nicht zuletzt für den internationalen Handel der Byzantiner. Schon Theoderich kam als offizieller General der Byzantiner. Er herrschte gleichzeitig als Volkskönig der Goten und als Statthalter der Kaiser von Ostrom. Für das Christentum war die Spätantike, also der Übergang von der Antike zum Mittelalter, die Zeit, in der es aus einem breiten Strom von Sekten nach vielen Konzilien zu verbindlichen Lehrmeinungen gefunden hat. Die Christen des Römischen Reichs wussten seit Kaiser Konstantin dem Großen, der die Hauptstadt nach Konstantinopel verlegt und das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte, dass der Glaube an Christus weltliche Macht zur Folge hat. Die Siege und Erfolge von Kaiser Konstantin seien nur so zu erklären, schrieben dessen Biographen, etwa der Historiker und Theologe Eusebius von Caesarea. Von dieser Größe zeugte auch seine prachtvolle Hauptstadt Konstantinopel. Kaiser Justinian, der von 527 bis 565 herrschte, ging einen Schritt weiter als Konstantin. Er sah seinen Auftrag darin, das Chaos auf Erden zu beenden und eine Ordnung nach dem Vorbild des himmlischen Königreichs zu schaffen; er kämpfte im Namen der Wahrheit und der Weisheit, die in dem Gotteshaus der Hagia Sophia, die er erbauen ließ, ihre vollkommene irdische Entsprechung fanden. Er hatte im Namen der Kirche jedoch auch Häretiker und Heiden verfolgen lassen und erhob von denen, die nicht dem wahren Glauben folgten, eine Tributzahlung von der Art, die später die Muslime in blasphemischer Weise kopierten und als „Dschizya“ gegenüber den Nichtmuslimen praktizieren sollten. Auch heute könnte die Tributzahlung eine Möglichkeit sein, die Ausbreitung der Muslime in Europa und anderswo zu verhindern. Kaiser Herakleios machte im Jahr 629, drei Jahre vor Mohammeds Tod, „Basileus“ zu seinem offiziellen Titel. Nun war er der „Gesalbte Herrscher“ und der „Herrscher in Gottes Auftrag“. Mehr als seine Vorgänger verstand er sich als Krieger Christi. 628 hatte er, nach einem Vierteljahrhundert Krieg, die persischen Sassaniden besiegt. Er hat gesiegt, weil er den Himmel auf seiner Seite hatte. Das Reich der Sassaniden war da bereits untergegangen. Auch sie hatten Spuren hinterlassen. "Denn ihr Schahinschah, ihr König der Könige, hatte sich als der Beschützer der Religion Zarathustras verstanden, und die hatte im Gegenzug den Thron zu schützen. Wie die römischen Kaiser gingen auch die Schahs von Persien gegen jene vor, die die Religion des Staats nicht praktizierten. Bestandteil der von Zarathustra gestifteten Religion war, dass die Gläubigen fünfmal am Tag beten sollten – was der Islam aufgriff. Um von der Levante aus die persischen Sassaniden zu bekämpfen, bedienten sich die römischen Kaiser des christianisierten arabischen Stamms der Ghassaniden. Ihr Fürst Arethas (529 bis 569) pries seine Krieger, die im Kampf gegen die ungläubigen Perser gefallen waren, als Märtyrer für die Sache Christi." Als Häretiker bekämpfen die Muslime heute sich selbst  "Noch immer gibt es Leute, die behaupten, Terror im Namen des Islams habe mit dem Islam selbst nichts zu tun." Der Islam, der das Christentum nie verstanden und es immer bekämpft hatte, wird nie in der Lage sein, ein Land gerecht zu regieren, weshalb islamische Länder in der Regel nichts anderes sind als "Räuberbanden" (Augustinus), wie sich an der heutigen Türkei oder Iran erkennen lässt. Dabei muss man auch folgende Tatsache berücksichtigen: "Die Bibel erzählt wesentlich und in erster Linie eine Geschichte Gottes mit den Menschen, während der Koran schon aufgrund seiner seltsamen Anordnung der Kapitel nach ihrer Länge und nicht nach inhaltlichem Zusammenhang sich geschichtslos präsentiert. Die von ihm übernommenen verstreuten Erzählelemente aus der Bibel lassen kein inneres Verständnis dieser Inhalte erkennen, sondern wirken wie dahingeworfene Brocken, die als Zitate nach Legitimierung des Autors heischen, aber dabei oft willkürlich sinnentstellt werden. Der Koran kennt auch nicht die Begriffe der Liebe (die liebende Zuwendung Gottes zu den Menschen als Vater sowie Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe), der Sündenvergebung als Urgrund einer Erlösung und des Versprechens eines Gottesreiches als anzustrebende ideale Gesellschaft. Jesus sandte Jünger aus und nicht Krieger... Im Christentum war es eben immer wieder möglich, auf die Quellen des Alten Testaments und des Evangeliums und der Briefe aus der Urgemeinde zurück zu verweisen, wie es in vielen Reformbewegungen geschah, sei es bei Franz von Assisi, sei es bei Martin Luther und anderen Reformatoren." Diese geistige Basis fehlt dem Islam völlig, und so ist die Erwartung einer Entwicklung des Islams zu einem aufgeklärten Weltverständnis aus sich heraus völlig illusorisch. [24] 
 
 

Byzantinische Reconquista 

Zur Zeit Justinians war Byzanz so stark, dass es nicht nur den Osten sicherte, sondern auch den Westen zurückeroberte, insbesondere Afrika und Italien. Zuerst wurden die Vandalen geschlagen; sie gefährdeten die Seeherrschaft der Byzantiner, zudem waren es Arianer. Nach Vernichtung der Vandalen besaß Ostrom wieder die alleinige Seeherrschaft im Mittelmeer. Italien und Dalmatien wurden zurückerobert. Es wird aber schon deutlich, dass Byzanz sich besser auf den Osten konzentriert hätte. "Gleichzeitig mit dem Triumpf von Ravenna und dem Debakel eines vorweggenommenen Arabersturms im Osten erlebte Südosteuropa einen Barbareneinfall, der Justinian und seine Heeresleitung hätte nachdenklich stimmen müssen." Der Kampf um die Wiedervereinigung der Mittelmeerwelt hatte mehr als zwanzig Jahre gedauert. Dem Osten erschien das als Triumpf der Zähigkeit, aber die ausgesogene Bevölkerung Italiens genoß für wenige Jahre einen Friedhofsfrieden. Die alte Herrenschicht, der Senatorenstand der Romani di Roma, war vernichtet. Die führenden Kreise von Italien, die um den Papst gescharrten konservativen Adelsgeschlechter, waren in der Mühle der Geschichte zermahlen worden. Theoderich der Große hatte alles getan, um sie zu gewinnen. Das war vor allem daran gescheitert, dass die Goten Arianer, sie aber Katholiken waren. Iustinus und Justinian haben zumindest im Einverständnis mit diesen Kreisen, wenn nicht aus Rücksicht auf sie, ihre Schwenkung zur gut katholischen Lesart der christologischen Frage vollzogen. Den Römern des Ostens und den Römern von Rom stand die gotische Nationalpartei gegenüber. Theoderich war ein Makler zwischen beiden Welten, halb germanischer Recke, halb byzantinischer Diplomat. [25] 

Im Osten sank mit Großkönig Chusro 579 der "Gegenspieler Justinians ins Grab, Opfer seines Versuchs, das Gleichgewicht der Kräfte zweier sich ausschließender Weltherrschaftsansprüche zu behaupten oder zugunsten des Orients, der unter Dareios über Kleinasien, Syrien und Ägypten geherrscht hatte, umzustoßen." Die damit zusammenhängenden Ereignisse bedeuteten einen Triumpf der orthodoxen Religionspolitik über die monophysitischen Araber.  Der bisherige Generalissimus und jetzige byzantinische Herrscher Maurikios (582-602) trieb eine vermittelnde Religionspolitik, doch schreckte er nicht vor einer gewaltsamen Einführung des Katholizismus in Armenien zurück. Der Arianismus, die einstmals griechische, jetzt germanische Sonderform des Christentums, befand sich in vollem Rückzug. In Persien folgt auf Chusro I. Chusro II. Die Schlüsselstellung Dara fiel 605, danach drangen die Perser über Caesarea bis Chalkedon unweit Konstantinopels vor. "Obermesepotamien mit Edessa, dem ältesten Vorposten des Christentums" wurde unterworfen. Von den Juden und Häretikern wurden die Perser mit Jubel als Befreier begrüßt. Über Ostrom hing das Damoklesschwert eines erneuten Perserreiches. 611 ging Antiocheia, 614 Jerusalem verloren. 615 standen die Perser erneut vor Chalkedon, um 620 besetzten sie Ägypten mit Alexandreia. Das war die Stunde des jungen Kaisers Herakleios (610-641), dessen Familie aus Armenien stammte. Herakleios reorganisierte die oströmische Armee. Es ergriff die Menschen wie eine Vorahnung der Kreuzzüge, spürbar schon in den Tagen Justinians. Wie damals um Edessa, ging es jetzt um die kostbarste Reliquie. Es galt, das wahre Kreuz Christi, in Jerusalem 614 in persische Hände gefallen, den "verhassten Feueranbetern" und späteren Moslems wieder zu entreißen. Im März 630 krönte Herakleios seine Triumpfe durch die Rückführung des wahren Kreuzes Christi nach Jerusalem. Szenen aus dieser Episode wurde von vielen Renaissancekünstlern wie Piero della Francesca aufgegriffen und in berühmte Fresken verwandelt. "Byzanz, Armenien und die christlichen Kaukasusvölker hatten ihren Kreuzzug gegen die Feueranbeter und den unzuverlässigen Südosten des Reiches gewonnen." [26] 

Ab jetzt haben es die Byzantiner mit Mohammed zu tun und seinen Verbündeten, die Juden und Häretiker. Der religiöse Fanatiker "verbündete sich mit dem sozialen Resentiment der Wüste und dem geistigen Widerstand der Juden und Häretiker zum Generalangriff auf die Herrschaft Europas über den Vorderen Orient." Man kann natürlich fragen, mit welchen Taten und Unterlassungen hat Europa, hat Byzanz seine "Jahrtausendkatastrophe im Osten" heraufbeschworen? Tatsache ist, dass die muslimisierten Araber in ihrem Verhältnis zu den Juden das Visier nicht sofort lüfteten. So konnten sie nicht nur in Syrien, Palästina und Ägypten, sondern auch bei der Eroberung Irans das Judentum, das sie begeistert als Befreier begrüßte, für ihre Zwecke ausnützen. [27] 
 

Sieg der Reconquista im Westen als Gegenmodell der Spätgeschichte des Byzantinischen Reiches

Die Wiedergewinnung ehemals christlicher Territorien war nur eine Seite der Reconquista. Darüber hinaus galt es, die Länder politisch und religiös zu stabilisieren. "Dazu holte sich zum Beispiel Alfons I. von Porugal nicht nur die Tempelritter ins Land, sondern auch die Zisterzienser, die gleichermaßen für eine blühende geistliche wie wirtschaftliche Entwicklung standen und bei Alcobaca ein mächtiges Kloster errichteten, das zum religiösen Zentrum wurde." Die Zisterzienser verstanden es auch, die Verteidigung des Landes zu organisieren. So wurde die 1147 von König Alfons VII. eroberte kastilische Stadt und Burg Calatrava, die eine wichtige strategische Bedeutung für Toledo hatte, von dem später als Heiligen verehrten Zisterzienserabt Raimund von Fitero verteidigt, der dazu ein mächtiges Heer aus Ordensangehörigen und Laien organisiert hatte. Aus diesem reinen Verteidigungsverband wurde unter Führung von Zisterziensermönchen ein Ritterorden. "Dieser gewann höchste Bedeutung für die Reconquista, nachdem der Templerorden zerschlagen worden war, dessen Güter auf spanischem Boden auf den neuen Orden übergingen." Der Orden von Calatrava, nach dessen Vorbild weitere militärisch-geistliche Orden gegründet wurden wie etwa der Orden von Montesa oder der Alcantára-Orden, hatte wesentlichen Anteil am Sieg in der Schlacht von Las Navas de Tolosa (16. 7. 1212), als ein gemeinsames Heer von Aragón, Kastilien und Navarra den Almohaden eine so verheerende Niederlage beibrachte, dass ihre Macht auf Dauer gebrochen war. Noch im 13. Jahrhundert vielen Cordoba (1236) und Sevilla (1248) in die Hände der Christen. So ist die Geschichte Spaniens und Portugasl eine Gegenmodell zur "Spät- und Untergangsgeschichte des Byzantinischen Reiches" - eine Erfolgsgeschichte, die ohne das Band der kirchlichen Einheit mit Rom nicht möglich gewesen wäre. [28]

Wie überall auf der Welt wurden auch in den von den Muslimen eroberten Gebieten im Westen die Christen mächtig eingeschränkt vom Islam: Jede öffentliche Religionsausübung (Glockengeläut, Prozessionen) war verboten. Ebenso wenig durfte über den Islam diskutiert, an ihm Kritik geübt und christlich missioniert werden. Wo gegen diese Einschränkungen Widerstand geleistet wurde, griffen die Gewaltmaßnahmen: militärische Niederschlagung, Zerstörung der Kirchen, Hinrichtung der christlichen Männer, Versklavung der Frauen und Kinder. Landbesitz war nur Muslimen erlaubt, zudem mussten Nicht-Muslime eine hohe Kopfsteuer entrichten; wenn sie dazu nicht in der Lage waren, wurden sie in die Sklaverei verkauft. Insgesamt war der Einfluss der Muslime auf Europa eher ungünstig. Eine Vermittlerrolle, "die für die weitere Entwicklung des Abendlandes entscheidend wurde, war nicht so sehr genuine Leistung der arabischen Muslime; vielmehr hatte der arabische Eroberungszug nach Persien und in das byzantinische Reich die Hinterlassenschaften griechischer wie römischer Kultur und Wissenschaft nach Spanien transportiert und dort zu einer neuen Blüte gebracht." Die griechischen Ideen waren verfügbar, "weil sie von den Christen und von vielen nur nominell muslimischen Schreibern oder Beamten kultiviert wurden." Die islamischen Wissenschaften übten damals einen "fast totalitären Druck auf die geistige Einstellung der Muslime aus, und zwar nicht durch offizielle Dekrete, gestützt auf Polizeimaßnahmen, sondern durch die einfache Methode, alles Nichtmuslimische unbeachtet zu lassen." Dem gewöhnlichen Muslim wurde eingeredet, die Heilige Schrift sei durch Christen und Juden verfälscht worden und "was der Koran über die Christen sagte, genüge vollauf.... Die muslimischen Autoren dagegen verfassten apologetische und polemische Schriften gegen andere Religionen und betrieben im übrigen eine Politik des Totschweigens."  [29] 

Bis heute wartet die islamische Welt auf eine freiheitliche Grundordnung wie sie im christlichen Abendland etabliert ist. Diese ist aber ohne Christentum nicht möglich. "Bis auf den heutigen Tag haben sich die Gesellschaftskritiker und Politiker der islamischen Welt vergeblich bemüht, ein geschlossenes, konkretes System der ökonomischen und sozialen Organisation aus der koranischen Offenbarung herauszuarbeiten." In einen der adligen Klans von Mekka hineingeboren, früh verwaist und bis zu seiner Heirat wirtschaftlich ungünstig gestellt, lebte Mohammed (Muhammad ibn Abdallah), Koraischit aus der Sippe Häschim, als Karawanenhändler; er sei sogar mit Karawanen bis Syrien gekommen. "Doch kann mit Sicherheit behauptet werden, er habe keinen engen Kontakt mit den dortigen Christen gehabt, auch keinem christlichen Gottesdienst mit vollem Verständnis beigewohnt, sonst wären die sachlichen Irrtümer über die christlichen Lehren und Bräche" kaum zu erklären. Im Jahre 610, im Alter von etwa vierzig Jahren, erlebt Muhammad nach der Überlieferung seine Berufung. "Es ist sonderbar, dass die frühen Quellen in diesem Kernstück der islamischen Geschichte nicht übereinstimmen. Aus den Berichten wie aus dem Text des Korans geht hervor, dass Muhammad nur zu Anfang seiner Prophetenlaufbahn, und auch da nur selten, eigentliche Visionen hatte, dass also im ganzen der Verkehr mit dem Übersinnlichen sich auf akustische Erfahrungen beschränkte", wie auch bei Personen auftreten, die an Schizophrenie leiden. Im Gegensatz zu wahren Propheten hatte man ihn als "Dämonenbesessenen (madschnun)" bezeichnet. Was er benötigte war ein von Kamelen ausgesuchter Wohn- und Betplatz, woraus sich später die Moschee (masdschid) entwickelte mit einem Vorbeter (Imam). Obwohl Muhammad schon 632 eine Infektionskranheit dahinraffte, verbreiteten seine Nachfolger - nicht weniger fanatisch - den Islam ("Unterwerfung") an den Küsten des Mittelmeers. "Aus dem vorislamischen Raubzug wurde der Dschihad, der "Heilige Krieg. Das bedeutete jedoch nicht, dass die daran Beteiligten unbedingt religiöse Fanatiker waren. Es war eher eine Frage der Stoßrichtung, die muslimischen Raubzüge hatten sich auf Andersgläubige zu beschränken." Die Expansion vollzog sich stets nach dem gleichen Schema. Auf ihren Raubzügen drangen die Muslime immer tiefer in nichtmuslimisches Gebiet ein. "Die Richtung des Vorstoßes scheint weitgehend von den Beutechancen bestimmt gewesen zu sein, und der Vormarsch kam sehr schnell zum Stehen, sobald die erstrebte Beute den Aufwand nicht mehr lohnte, sei es weil örtlicher Widerstand zu überwinden war oder sei es, dass irgendwelche Härten, etwa als Folge klimatischer Unbilden, erschwerend einwirkten. Es war ein Raubzug dieser Art, der von Karl Martell 732 bei Tours und Poitiers besiegt wurde; seitdem sind die Muslime nie wieder so weit nach Westeuropa vorgedrungen.... Die Expansion des islamischen Staates beruhte also auf der Verbindung von religiösem Eifer und dem höchst irdischen Streben nach Beute." Es gab verschiedene Sekten oder Arten von islamischen Räuberbanden, zum Beispiel die Charidschiten und die Schiiten. Auch heute noch breitet sich der Islam auf die gleiche Weise aus: "In den Randgebieten Ost- und Westafrikas, Malaisia und Indonesien sickerte der Islam nur allmählich ein, bis er von kleinen Lokalherrschern angenommen und in ihren Gebieten zur offiziellen Religion erhoben wurde. Diese Infiltration ist noch im Gange, und die Gebiete, in denen der Islam dominiert, erweitern sich ständig." Die Schwäche der europäischen Staaten, denen die Verteidigung der Mittelmeerküste oblag, dazu die Unfähigkeit von Byzanz, die Überlegenheit der Araber zur See auszugleichen, ermöglichte es den Muslimen, fast dreihundert Jahre lang beinahe nach Belieben sich auf den Inseln des westlichen Mittelmeers festzusetzen und die Küstenstriche der Provence und Süditaliens, ja selbst der adriatischen Küste bis über Ancona hinaus zu plündern und zum Teil von Stützpunkten aus zu beherrschen. "Kulturell trug freilich die Anwesenheit der Muslime zur Entwicklung der betroffenen Gebiete wenig bei." Bari bildete bis zu seiner Übergabe an Byzanz 871 das Zentrum für die Angriffe in der Adria, aber auch im Inland. Die politische Eigensucht und Eifersucht der süditalienischen Dynasten auf der einen, die wirtschaftliche Zwangslage der Seestädte auf der anderen Seite sicherten den Muslimen immer wieder christliche Bundesgenossen. "So schlossen sich beispielsweise 876/877 Neapel, Salerno und Amalfi dem in Neapel organisierten sarazenischen Raubzug an die Küste von Rom an. Erst 915 vertrieb Papst Johannes X. die Araber von ihrem Stützpunkt am Garigliano, von dem aus sie fast 30 Jahre lang das römische Stadtgebiet unsicher gemacht hatten. 888 hatten die Muslime sich die Zwingburg von Fraxinetum (La Garde-Freinet) in der Provence gesichert, von der aus sie 972 sogar den Abt von Cluny auf dem Großen Sankt Bernhard gefangennahmen. Erst 983 vermochte der Graf von Provence mit seinen oberitalienischen Verbündeten die Araber niederzuzwingen. 1015/1016 gelang die Rückeroberung Sardiniens, und 1034 waren die italienischen Seestädte, zumal Pisa und Genua, stark genug, den Krieg nach Nordafrika zu tragen." [30]

Damaskus war an die Muslime verloren, Jerusalem ging 638 durch Vertrag in die Hand der Araber. Im Jahre 646 ging mit Alexandeia die wichtigste Metropole des Hellenismus für immer verloren. Während der Stern Karls des Großen langsam aus dem Dunstkreis des westlichen Horizonts aufstieg, setzte Konstantins Sohn und Nachfolger Leon IV. (775-780) die eines Karl Martell nicht unwürdige Serien von Arabersiegen fort. Um diese Zeit hatte Pippins Nachfolger Karl durch die Zerstörung des Langobardenreiches das Erbe Justinians angetreten, eine Tatsache, die die Kaiserkrönung des Jahres 800 nur noch bestätigte. Der lange Vernichtungskrieg gegen die Awaren wirkte wie eine verspätete Entlastungsoffensive zugunsten Ostroms. Die Gründung der Ostmark stempelte die Donau zum zweiten Schicksalstrom Mitteleuropas und zu einer Brücke zwischen Byzanz und dem Abendland. Bulgarien wurde mit Hilfe Ostroms in einen christlichen Staat verwndelt, dessen slawische Mehrheit die "turkvölkische Vergangenheit ohne fremde Hilfe liquidierte." Aus Boris von Bulgarien wurde der Täufling Michael. Eine neue Situation ergab sich unter Leon VI. durch die Wiederaufnahme der Aktivität zur See. Die Korsaren setzten von Kreta und den syrischen Häfen aus zu Angriffen an, die zwar nicht mehr Konstantinopel erreichten, aber mit der Eroberung Thessalonikes (904) die Normannenkatastrophe von 1185 und das Schicksal der Hauptstadt 1204 und 1453 vorwegnahmen. Die Erhebung des Generals Romanuns Lakapenos zum Mitkaiser (920-944) brachte eine gewisse Wendung. Der Feldherr Johannes Kurkuas erreichte 941 nach einem Triumpfzug durch Armenien und Mesopotamien zwar nicht die Eroberung von Edessa, wohl aber die Herausgabe des berühmten Christusbildes, dem "nicht von Menschenhand gemachten, Acheiropoiton. Ebenso wie das wahre Kreuz Christi gehörte die Reliquie zu den heiligsten Unterpfänden der östlichen Christenheit. Im Verein mit dem urchristlichen Ruhm des Namens Edessa steigerten sich die Leidenschaften bei Einzug des heiligen Zeichens in Konstantinopel zu einer Vorahnung der Kreuzzüge." Romanos II. (959-963) stiftete die Beute von Kreta und wurde so zum Begründer der tausendjährigen Mönchsrepublik des Berges Athos (963). Das größte Ereignis der Epoche war die vorher schon vorbereitete und jetzt sich vollendende Bekehrung Russlands zum Christentum. Was Konstantin und Methodios aus Thessalonike, Bruder des Kyrillos und Apostel der Slawen, im Balkanraum gesät hatten, erntete man jetzt in den Riesenräumen Osteuropas. "Die Verluste des Griechentums an den Islam fanden ihre ostchristliche Kompensation. Die Erzählung von den vergangenen Jahren (Nestorchronik) berichtet in legendenhafter Form vom Kampf der Weltreligionen um die Seele der Slawen." Ein Jahrhundert der angespanntesten Übersetzertätigkeit hatte unter Aufsicht der Apostelschüler vom Range eines Kliment und eines Naum den Lehrstoff für die christliche Mission im slawischen Osteuropa vorbereitet. "Kunst und Literatur wetteiferten, um im Kiewer Höhlenkloster (Petscherskaja Lavra) ein neues Rom des Ostens zu schaffen. Nowgorod und der Norden hielten sich noch zurück." In Armenien und Georgien warf die Türkengefahr ihre Schatten voraus. Schon 1064 plünderten die Türken Ani, und 1071 besiegelte die Niederlage von Manzikert das Ende der byzantinischen Herrschaft in Armenien. Ungarn und oghuzische Türken bedrohten die Sicherheit der Donaugrenze. Vor allem ging in Unteritalien die Saat der Kirchentrennung auf. Dort stürzten sich die Normannen Robert Guiskards auf die Reste der oströmischen Herrschaft, ohne den Einspruch der Päpste fürchten zu müssen. Robert Guiskard zog 1072 in Palermo ein. Damit begann das rasche Aufblühen Siziliens unter normannischer Herrschaft. Um diese Zeit waren im Osten schon die Würfel über das Schicksal Kleinasiens gefallen. Kaiser Romanos IV. Diogenes (1068-1071) erlag trotz persönlicher Tapferkeit dem Seldschuken Alp Arslan in der Schlacht bei Manzikert (1071). "Wie zuvor aus Syrien und Ägypten wich der Hellenismus im Zeitalter der nun folgenden Bürgerkriege aus Kleinasien zurück, das dem Gesetz der Steppe verfiel." Dafür übertraf die Ausstrahlung der byzantinischen Kultur alles bisher Dagewesene. Vor allem im Balkan und in Russland gewannen byzantinische Kunstprovinzen ein nationales Gepräge. Davon Zeugen Kirchen wie die Staro Nagoricino in Makedonien aus dem 11. Jahrhundert oder die Demetriuskirche in Wladimir bei Moskau (1194-1197). [31]

Inzwischen hatte sich Kaiser Barbarossa mit Philipp von Frankreich und Richard Löwenherz zum Dritten Kreuzzug entschlossen (1189-1193). Kaiser Isaak II. Angelos (1185-1195) sicherte Barbarossa freien Durchzug auf dem Landwege zu, "schloss aber fast gleichzeitig ein Bündnis mit Sultan Salah ad-Din (Saladin), dem Eroberer Jerusalems. Einen deutlicheren Ausdruck konnte die Spaltung der Christenheit nicht mehr finden. Dem entsprach die propagandistische Rückwirkung einer solchen Taktik auf das Abendland, die politische und militärische Auswirkung auf die Kreuzfahrtheere." Der Tod des Kaisers im reißenden Saleph nahm dem Kreuzzug die gesamteuropäische Konzeption. "Friedrich von Schwaben, der das deutsche Kreuzheer gegen Akka weiterführte, erwog schon damals in seinen Briefen die Einnahme Konstantinopels." In Papst Innozenz III. erstand Byzanz dann ein gnadenloser Gegner. Er initiierte den vierten Kreuzzug, dessen Führung dem Papst zwar entglitt, doch wurde er von dem Ghibellinen Bonifatius von Monferrat geleitet, den das "antibyzantinische Resentiment der Reichspolitik beseelte". Von vornherein plante man den Seeweg, spielte also Venedig einen Trumpf in die Hand. Der erste Fehltritt des Kreuzfahrerheeres war die Eroberung des christlichen Zara, für die der Papst Absolution erteilte. Der zweite Fehltritt war die Eroberung Konstantinopels. "Der wahre Drahtzieher des Kreuzzugs hiess Enrico Dandolo, der für Venedig nicht nur den Löwenanteil an der Beute, sondern das Erbe des oströmischen Handels witterte." Die Plünderung dauerte drei Tage und vernichtete unersetzliche Werte. Einen Teil der Beute birgt Venedig noch heute. Später breiteten sich die Osmanen immer weiter aus. "Im Krieg zwischen Genuesen und Venezianern spielte Byzanz nur noch die Rolle der Beute."  [32]
 

Die Entstehung Russlands als das neue Byzanz, Union zwischen lateinischer und griechischer Kirche

Das Christentum eröffnet auch für Russland den Anschluss an die "Weltgeschichte als Heilsgeschichte". Erst die Christianisierung hatte die Voraussetzung für die Aufnahme Russlands in die europäische Staatenwelt und zugleich eine tiefe Übereinstimmung mit ihr geschaffen. Schon im Zehnten Jahrhundert gab es Christen in Russland. 957 hatte sich sogar die Grossfürstin Olga anlässlich eines Staatsbesuchs in Konstantinopel taufen lassen. Unter Swjatoslaw herrschte zwar noch das Heidentum , aber unter Wladimir dem Heiligen wurde dann das Christentum offiziell eingeführt. Von 1039 bis 1441 waren Griechen als Metropoliten Oberhaupt der russischen Kirche. Im 11. Jahrhundert war ein vor allem von Ostslaven getragener Grossflächenstaat entstanden, der als machtvolles christliches Reich Anerkennung und Ruhm in Europa gefunden hatte. "Die russische Tradition erhob vor allem die Herrschaft Wladimirs II. Monomach (1113-1125) zum Inbegriff der sagenhaften Grösse Kiews: dieser Monarch hatte noch einmal das ganze russische Reich von Kiew aus zusammengehalten und das von ihm angestrebte Leben eines christlichen Fürsten in einer autobiographischen Belehrung mit schlichter Frömmigkeit und weiser Einsicht vorbildlich beschrieben." Byzanz selbst verlor immer mehr seine ausgezeichnete Stellung unter dem sich verschärfenden Druck der Türken einerseits und der Normannen und Kreuzfahrer andererseits. Im 11. Jahrhundert stieg die Zahl der Städte beträchtlich. Erwachsen waren sie aus den vom Fürsten angelegten Festungen (detínez), um die sich meist von einer Holzmauer geschützte Handwerker- und Händlersiedlungen (posád) ausbreiteten. Stadt (górod) bezeichnete sowohl die Burg- und Grenzfestung als auch eine grosse wirtschaftliche Burgsiedlung. Zu einer grossen Stadt wie Kiew, Nowgorod, Tschernigow, Smolensk, Rostow, gehörte ein oft weites Territorium (semljá). Während des Bestehens des Kiewer Reiches gab es ein "Russisches Recht (Práwda rússkaja)", eine Art fürstliche Rechtsprechung; byzantinisches Recht hatte im Kiewer Russland des 11. Jahrhunderts in der Übersetzung des Nomokanons aus dem Bulgarischen als "Steuermannsbuch (kórmtschaja kniga)" Eingang gefunden. "Von nachhaltig prägender Bedeutung für die Geschichte Russlands war die Übernahme des Christentums aus Byzanz." Es sollte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die einzige geistige Macht in Russland bleiben. Die Entwicklung in Westrom war sehr andersartig verlaufen; die Kirche musste sich sehr früh um politische Dinge kümmern. Der neue Weg der weströmischen Welt wird in Augustins Werk De civitate Dei deutlich, in dem neben den Neuplatonismus eine erste Geschichtsphilosophie tritt. Die Geschichtsbezogenheit, im römischen Selbstverständnis schon vorgebildet, sollte zum Wesensmerkmal des von der lateinischen Kirche bestimmten Westeuropas werden. Als die spirituelle griechische Kirche nach Russland übertragen wurde, entstand keine andere geistige Kraft neben der Kirche, weder aus eigener noch aus antiker Wurzel. "Die Antike, in deren Bereich die Russen nie gelebt hatten, wurde ihnen weder durch die Kirche noch durch einen anderen Vermittler erschlossen. Auch die Renaissancen und die Scholastik des westeuropäischen Mittelalters befruchteten Russland nicht, da es die Trennung von der Mutterkirche in Rom eifrig nachvollzogen hatte." In Altrussland lebte allein der tradierte Geist der Ostkirche. Eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Theorie und Geschichte bewahrte die spirituelle Reinheit der Kirche, ihre Freiheit von weltlichen Zielsetzungen und machtpolitischen Verstrickungen. [33]

Von den Tataren wurde in der Mongolei die Unterwerfung Russlands und Europas vorbereitet.  Im Herbst 1237 unterwarfen die Tataren, den Ural im Süden umgehend, das bulgarische Chanat an der Wolga; im Dezember leitete der Fall von Rjasan die Eroberung Russlands ein, die im Dezember 1240 mit der Zerstörung Kiews abgeschlossen war. Der Angriff stieß über Südpolen, Schlesien und Mähren bis nach Ungarn vor. Weder der russische noch der westliche Widerstand vermochte die Tataren aufzuhalten. Erst Thronstreitigkeiten in der Mongolei veranlassten die Tataren, die westlichen Gebiete zu räumen. Russland selbst blieb im tatarischen Herrschaftsgebiet. "Es hatte während der Invasion furchtbare Verluste an Menschen durch Tod und Verschleppung in die Sklaverei, aber auch an materiellen Gütern erlitten, insbesondere durch die systematische Zerstörung der den Nomaden feindlichen Städte, ein angesichts ihrer geringen Dichte unermesslicher kultureller Schaden. Eine Asiatisierung Russlands erfolgte jedoch nicht: weder brachten die Tataren unter ihrer mongolischen Führungsschicht eine ausgeformte, überlegene Kultur ins Land, noch kam es zu einer breiten verschmelzung, da die Nomaden in der Wolganiederung und der südrussischen Steppe lebten, ohne in den Waldgebieten der Ostslaven zu siedeln. Wohl aber verband die tatarische Herrschaft die Wald- und Steppenzone erstmalig zu einem Staat, dem der 'goldenen Horde'. Die russischen Fürsten verloren ihre Souveränität; ihre Herrschaft hing von der jeweils teuer zu erkaufenden Gnade der Chane ab, die in Saraj an der unteren Wolga residierten." Als es im Jahr 1375 zu moskauischen Tributverweigerungen kam, eröffnete der bedeutendste der sich befehdenden tatarischen Emire, Mamaj, zusammen mit Litauen einen gemeinsamen Feldzug gegen Moskau. Dimitrij (1338-1389) vermochte die Kontingente der kleinen russischen Fürstentümer unter seiner Führung zu einen. Auf dem Wachtelfeld (Kúlikowo póle) im Steppengebiet am oberen Don wurden die Tataren 1380 zum erstenmal von den Russen in einer großen offenen Feldschlacht geschlagen. "Der lähmende Bann war gebrochen, der fast eineinhalb Jahrhunderte hindurch einen Kampf gegen die 'Geißel Gottes' hatte als Hybris erscheinen lassen." Der Sieg Dimitrijs Donskoj, des "Siegers am Don", war so bedeutungsvoll für das russische Volksbewusstsein, dass auch die Einnahme und Verwüstung Moskaus 1382 durch Mamajs Erben und Nachfolger Tochtamysch den Ruhm Moskaus als Schutzmacht Russlands nicht zerstören konnte. Mamajs war nur ein Schützling des mächtigen Chans Timur Leng, der aber auch eigene Interessen verfolgte. Zur Strafe verwüstete 1390 ein Feldzug Timors das Gebiet der goldenen Horde bis in die Gegend von Rjasan. In den Thronkämpfen nach Timurs Abzug hatte der Emir Edigü die Macht an sich gerissen und kämpfte gegen das "gewaltige litauische Heer, dessen Vormarsch von Bonifatius IX. zum Kreuzzug erklärt worden war. Im August 1399 wurde in einer entscheidenden Schlacht an der Worskla, einem südlichen Nebenfluss des Dnjepr, die litauische Hoffnung auf eine Oberhoheit über die goldene Horde und damit über Russland vernichtet. Moskau hatte sich aus diesem Kampf der osteuropäischen Großmächte herausgehalten und blieb weiterhin sowohl von den Tataren wie von Litauen bedroht: 1403 gingen Wjasma, 1404 Smolensk an Litauen verloren." 1408 standen die Tataren vor Moskau und nahmen 1410 Wladimir ein. Dennoch war die "tatarische Vorherrschaft über Russland trotz aller politischen Gefährdung Moskaus erschüttert."  [34] 

Ursprünglich sollte Konstantinopel gerettet werden. Was lief schief? "Die Ernennung des gebildeten, kirchenpolitisch erfahrenen Griechen Isidor durch den Patriarchen (1437) diente dem großen Ziel, eine Union zwischen der lateinischen und griechischen Kirche zu schließen und damit die militärische Hilfe des Westens für Konstantinopel gegen die Türken zu mobilisieren. Isidor, der bereits auf dem Baseler Konzil für die Union gearbeitet hatte, sollte als Hirt der bedeutenden und allein noch unabhängigen Kirchenprovinz Konstantinopels den griechischen Wünschen Gewicht verschaffen. Daher reiste Isidor 1437 mit großem russischem Gefolge von Moskau nach Florenz zum Unionskonzil, der ersten von Moskau beschickten europäischen Versammlung. Als er bei seiner Rückkehr 1441 die vollzogene Union in Moskau feierlich verkündete, ließ ihn Wasilij II. als Abtrünnigen vom rechten Glauben festnehmen, dann aber - um einen Kirchenprozess zu vermeiden - aus der Haft entkommen." In Russland wird das eigenmächtige Vorgehen des Großfürsten so gerechtfertigt: mit dem Abfall der Griechen vom rechten Glauben auf dem Florentiner Konzil, mit der im Falle Konstantinopels sichtbaren Strafe Gottes und mit der Sorge des Großfürsten für die Reinheit des Glaubens. "Der Großfürst erhielt auf diese Weise den Nimbus eines Hüters der Orthodoxie." Angesichts des Niedergangs von Konstantinopel passierte folgendes in dem einzigen unabhängigen russischen Fürstentum, das damals neben Moskau Bedeutung hatte, nämlich in Twer. Die vor den Türken aus dem Balkan geflüchteten orthodoxen Geistlichen in Russland verglichen den Fürsten Boris von Twer mit dem byzantinischen Kaiser; er wurde als gleich mächtig, gleich fromm und als Abbild eines byzantinischen Kaisers gepriesen. "Twer und sein Fürst sollten an die Stelle von Byzanz mit seinem Kaiser gesehen werden. Diese politische Tendenz sollte Wasilijs II. Nachfolger aufgreifen und mit seinem Selbstverständnis als Hüter der reinen Orthodoxie zu der machtvollen Vorstellung von einem Moskauer Zarentum verbinden." Noch heute beruft man sich auf Byzanz und wirft der EU Unchristlichkeit und Islam-Freundlichkeit vor. So wird zum beispiel gesagt, dass die EU "von Pädophilen, Homosexuellen, Muslimen und Muslimverstehern dominiert wird, die Serbien ausplündern und die traditionellen orthodoxen Werte des serbischen Volkes untergraben wollen." [35] 

In seinen Anfängen durch einen Kranz von älteren Fürstentümern an der oberen Wolga und der Oka geschützt, war Moskau auch nach dem Einfall der Tataren niemals in dem Maße ihren ständigen verwüstenden Raubzügen ausgeliefert wie etwa die Fürstentümer Rjasan, Nishnij Nowgorod oder Serpuchow. Iwan III. (1462-1505) brachte daher die durch Generationen vorbereitete Einigung Nordrusslands unter Moskaus Führung zum Abschluss und bahnte die Umwandlung der Großfürstenwürde in die eines Autokrators an. "Der Prozess vollzog sich, ohne dass ihn die russlandfeindlichen Nachbarmächte, die Tataren und die Litauer, hätten aufhalten können." Nur das Chanat Kasan sollte noch lange die Wolgastraße wie eine Sperrfestung für Moskau verschließen. Die Krimtataren lehnten sich allmählich an die in das Schwarzmeergebiet vorstoßende türkische Politik an. Bereits Iwan III. hatte sich im diplomatischen Verkehr gelegentlich den Titel Zar zugelegt, der bis dahin in Russland nur für die biblischen Könige und die Kaiser von Byzanz gebraucht worden war. "Die vom Vatikan vermittelte Ehe Iwans III. mit der in Italien aufgewachsenen Nichte des letzten Palaiologenkaisers, Sophia, verwirklichte zwar nicht die auf katholischer Seite gehegten Unionshoffnungen, zeigte aber Iwans Anspruch, dem christlichen Weltkaiser ebenbürtig, ja dessen Nachfolger zu sein. Neben der Übernahme des Kaisertitels, des Doppeladlers und eines strengen Hofzeremoniells versuchte um 1500 eine umfangreiche religiös-historische Traktatliteratur zu erweisen, dass Gott seine Gnade sichtbar von Byzanz nach Russland übertragen habe." Es gehe um den letzten christlichen Staat, der nicht von Muslimen unterwandert sei (heute leben in Russland allerdings mehr Muslime als in jedem anderen christlichen Land). Moskau wurde eine ökumenische Verantwortung zugeschrieben. Seit Iwan III. förderten die Reformen die Auflösung des alten, religiös begründeten Rechtsherkommens (stariná) zugunsten einer aus der Herrschergewalt (grósnost) stammenden, gesetzlichen Rechtsordnung, die vereinheitlichend und zentralisierend dem Nutzen der Autokratie dienen sollte. Die staatliche Reorganisationen brachten sofortige Erfolge: 1552 wurde endlich Kasan eingenommen. Das war ein, auch religiös, bedeutsamer Sieg, dem der Fall Astrachans 1556 folgte. Damit war nicht nur der Wolgaweg gewonnen. Moskaus Weg nach dem Osten und Südosten war frei. Sofort setzte eine Besiedlung des Wolgagebietes ein, die der Staat förderte und durch Garnisonen sicherte. In Wahrnehmung staatlicher Aufgaben hatten die Stroganows, wirtschaftliche Großunternehmer, zur Sicherung der russischen Besitzungen am Ural Kosaken aus dem Dongebiet angeworben, Angehörige einer militärisch lose und selbstständig organisierten Bevölkerungsgruppe, wie sie sich überall an Russlands Südgrenze in ständigem Kampf gegen die Tataren herausgebildet hatte. Diese Kosaken hatten nach vereinzelten Vorstößen über den Ural 1582 das Tatarenchanat Sibir, das letzte, Moskau nach Osten vorgelagerte politische Gebilde, zerstört und die eroberten Länder sofort dem Zaren als Reichsprovinz unterstellt. Mit dieser Expansion eines ins Unermessliche erweiterten Staatsgebietes, wurde das gewaltige russisch-byzantinische Imperium errichtet. [36] 

Die Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der beiden Arten von Frömmigkeit, wie sie Nil und Josif zuerst formuliert und gelebt hatten, währte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts und rief eine Fülle von Schriften hervor. Die Von Nil und seinen Starzen vertretene Frömmigkeit führte den Menschen aus der Welt hinaus, diese wurde sich selbst überlassen. Demgegenüber verfocht Josif Sanin mit aller Härte die Notwendigkeit einer festen Führung des Menschen in der Welt durch eine machtvolle Kirche und ihre autoritative Hierarchie. Der Zar trägt nicht nur für den weltlichen (telesnoje), sondern auch für den geistlichen Bereich (duchownoje) die Verantwortung vor Gott. Er hat darum, wie einst Konstantin der Große, die Kirche vor der Häresie (heute vor allem Islam) zu schützen; als Zar aus Gerechtigkeit, kraft göttlichen Rechts also, Hohepriester und Herrscher in einer Person, war die Ostkirche zum Inbegriff des Herrschertums geworden. [37] 
 

Byzantinistik heute

Die Unkenntnis über die orientalischen Christen ist weit verbreitet. Dass der Orient "vor dem Islam fast vollständig christianisiert" war, ist vielen nicht bewusst.  "Erst die muslimischen Eroberungszüge und Reichsgründungen drängten das Christentum in die Position einer Religion zweiten Ranges", deren Gläubige politisch bevormundet und gesellschaftlich benachteiligt wurden.  Sich mit dem christlichen Orient auszukennen muss Teil der Allgemeinbildung werden. Davon ist Deutschland aber weit entfernt. Von den ehemals vier Universitäten, an denen Byzantinistik gelehrt wurde, ist nur noch der Standort Halle übrig geblieben. Die Lehrstühle in Bonn, Tübingen und München wurden nicht wiederbesetzt. Hier spiegelt sich die Ignoranz der "Islam-Versteher-Politiker" wieder, die die Verbreitung des Islams in Europa aktiv fördern. So sind die Islamwissenschaften an deutschen Universitäten überproportional stark vertreten: sie werden "von 34 Professoren an 20 Universitäten gelehrt." Heute geht es in Merkel-Deutschland sogar darum, dass manche Landesregierung überlegt, "der katholischen oder evangelischen Theologie offensiv die Tür zu weisen", während an immer mehr Universitäten "islamisch-theologische Institute eingerichtet werden."  [38] 

"Die Malerei der romanischen Epoche bringt auch im Westen fast byzantinische Kirchenräume hervor." Gleichzeitig steht man politisch und religiös Rücken an Rücken. Man nimmt sich entweder nicht zur Kenntnis oder schnellt zu heftiger Auseinandersetzung, wenn nicht zum tödlichen Duell gegeneinander. Die Versuche zur Wiedervereinigung der getrennten Brüder kamen zu spät und zeitigten nur vorübergehende, keine dauernden Erfolge. "Wenn das Mittelalter nur zu gern vergaß, dass auch Ostchristen Christen sind, vergisst die Gegenwart, dass auch Osteuropäer Europäer sind. Man schreibt Russland und den Balkan ab, man übersieht geflissentlich, dass Rassen europäischen Typs bereits in der Steinzeit bis zum Baikalsee tonangebend waren." Die westliche Forschung muss einspringen, wenn es um die Erkenntnis der Rolle von Byzanz in der Weltgeschichte geht. War Russland bis vor einigen Jahrzehnten noch durch die marxistischen Scheuklappen daran gehindert, seine Mutterkultur unvoreingenommen zu würdigen, gibt es heute eine Welle der Rückbesinnung auf die griechischen Ursprünge und damit auf Byzanz. Im Gegensatz zur Türkei gibt es in Russland inzwischen eine ausgeprägte byzantinische Forschung. Schließlich sind die Bande, die Russland und Südosteuropa mit Byzanz verknüpfen, noch enger als das geistige Band zwischen Byzanz und dem westlichen Abendland. Auch sind weder der heutige griechische Staat noch seine Kirche ohne die Nabelschnur zu denken, "die sie über die Türkenzeit hinweg mit Byzanz verbindet." Mönchschöre auf Athos und Sinai singen wie in Griechenlands Kathedralen. Die gewaltsame Umwandlung Kleinasiens von einem christlichen in einen muslimischen Staat durch die Türken, gehört noch der Zeitgeschichte an. "Ohne die Slawen wäre Byzanz wie sein Kaiserreich Trapezunt eine Schrulle der Geschichte, nicht aber ein unüberhörbares Leitmotiv in der weltgeschichtlichen Symphonie des globalen Zeitalters." Beim Umbruch des Jahres 1917 verschwand die russische Byzantinistik als vermeintliches Zubehör des Zarismus in der Rumpelkammer. Wie oben erwähnt nahm das Sendungsbewusstsein des Zarismus und seiner Kirche "byzantinische Züge an, die politisch im Traum von der Wiedererrichtung des Kreuzes über der Sophienkirche von Konstantinopel gipfelten." Die Fachzeitschrift Vizantijskij Vremennik, ein Organ der Zarenzeit, durfte nach langer Unterbrechung wieder erscheinen. Trotz des marxistischen Klotzes am Bein konnte die sowjetische Byzantinistik mit voller Kraft arbeiten. [39]

Für die Wissenschaft von Byzanz sind auch die Entwicklungen im Westen wichtig. Hier war es vor allem die Renaissance, die von Byzanz ausgelöst wurde. Die Emigranten aus dem Ostreich stellten schon vor der Eroberung Konstantinopels nicht nur kirchliche Würdenträger, sondern Lehrer der Wissenschaften wie Emmanuel Chrysolras, der als kaiserlicher Gesandter im Westen blieb und durch seine Vorlesungen in Venedig mehr als jeder andere dazu beitrug, die in Italien seit sieben Jahrhunderten verstummte griechische Literatur und Wissenschaft dort wieder heimisch zu machen. "Die Namen der byzantinischen Flüchtlinge nach dem Sieg der Türken sind Legion. Sie belebten nicht nur die Kenntnis des Griechischen und die Sehnsucht nach dem klassischen Ideal." Schon die griechische Handschriftenkunde verwandelte die Humanisten unfreiwillig in Byzanzforscher, da die klassischen Autoren ausschließlich in byzantinischen Handschriften überliefert waren. Im 19. Jahrhundert leisteten fast alle führenden Nationen ihren Beitrag, doch blieb das im Rahmen von Einzelbemühungen, bis in den achtziger und neunziger Jahren zunächst in Deutschland, aber fast gleichzeitig auch in Russland, Frankreich, Griechenland und anderen christlichen Nationen die Byzantinistik als selbstständiger Wissenschaftszweig und Universitätsfach ins Leben trat. Vor allem Charles Diehl legte die Grundlagen der byzantinischen Kunstgeschichte (Manuel d'art byzantin). Auch in der übrigen Staatenwelt Südosteuropas kümmerte man sich zugleich mit der Nationalgeschichte um ihre byzantinischen Grundlagen. Was Jirecek für Serbien leistete, vollbrachte Zlatarski für Bulgarien und Jorga für Rumänien. Überflüssig zu bemerken, dass im gesamten Südostraum einschließlich Tschechien und der Slowakei die Byzantinistik heute mit größtem Eifer betrieben wird.  [40] 
 
 
 

Anmerkungen

[1] Konstantin der Grosse wird 324 Alleinherrscher ("Totius orbis imperator"). Byzantium wird nach Umbenennung in Konstantinopel christliche Reichshauptstadt (2. Rom) im bewussten Gegensatz zum heidnischen Rom. Das auf 75 Legionen (900 000 Mann) verstärkte Heer besteht aus Feldheer (Comitatenses), Grenztruppen (Limitanei) und Kaiserliche Leibgarde (Candidati). Anwohner (Foederati) übernehmen den Grenzschutz. Einteilung des Reichs in vier Präfekturen: Oriens (Konstantinopel), Illyricum (Sirmium), Italia (Mailand), Gallia (Trier) mit 14 Diozösen und 117 Provinzen. Nach der Bekehrung Konstantins 313 Toleranzedikt von Mailand: Völlige Religionsfreiheit und Gleichberechtigung des Christentums. Rückgabe des kirchlichen Eigentums, Abschaffung des Staatskults. 391 wird das Christentum Staatsreligion (Verbot aller heidnischen Kulte). Hätte es den Islam damals schon gegeben, wäre er als Götzendienst (Anbetung der Kaaba in Mekka) ebenfalls verboten, Moscheen zerstört und Muslime bekehrt worden. In der Zeit der Kreuzzüge hatte man erwogen, Arabien zu erobern um den islamischen Götzendienst in Mekka zu unterbinden. Heute kommt es zu einer "arabischen Invasion" in Europa, die aber - so Papst Franziskus - auch Chancen biete. Wenn Europa Arabien nicht erobert, kommen eben seine Bewohner nach Europa, lassen sich taufen und bringen das Christentum nach Arabien zurück und ersetzen den dort waltenden islamischen Götzendienst durch die Religion der Freiheit. (Kinder, H. & Hilgemann, W. 1976: Atlas zur Weltgeschichte. München, Paris, Milano, Tokio, Madrid, New York, Baarn, Harmondsworth; Mann, G. & Heuß, A. (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bde 1-10, Berlin , Frankfurt a.M. 1960-1964; Science Review Letters 2016, 15, Nr. 680; Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 55, p. 6; vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 550 Dostojewskij. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Die angrenzenden Gebiete des römischen Reiches wie Persien wurden nicht christianisiert, höchstens viele Arten des Aberglaubens durch den des Mohammedanismus ersetzt: "Die Bevölkerung und ihre Sitten sind durch alle neuern Mischungen, selbst durch den schiitischen Mohammedanismus und die von ihm bedingte Bildung hindurch noch teilweise so zu erkennen, wie Ammian im vierten, Agathias im sechsten Jahrhundert sie schildern. Der zweideutige Blick unter den rundgewölbten, in der Mitte zusammenlaufenden Augbraunen, der schön gepflegte Bart sind den Persern geblieben; gewisse Anstandsregeln gelten noch wie damals; von dem alten Ruhm der Mässigkeit wenigstens ein Rest; die sonderbare Mischung von weichlicher Ausschweifung und grossem persönlichem Mut ist noch heute charakteristisch für sie, ebenso das freche Prahlen und die selbstsüchtige Arglist. Auch die weite, bunte Kleidung und der flimmernde Putz fiel schon den Römern auf. .... Vielen Aberglauben hat der Mohammedanismus ausgerottet oder im Märchen fixiert." (Jacob Burckardt). In Armenien dagegen kam es zur Christianisierung des ganzen Volkes: "Schauen wir noch auf Armenien zurück. Dieses Land, mit seiner tapfern, bildungsfähigen Nation, hatte bis jetzt immer Einflüssen und Eindrücken von aussen gehorcht, auch eine verhältnismässig nur geringe Kultur zutage gefördert, und bald sollte neue, dauernde Not und Knechtschaft hereinbrechen. Dazwischen liegt als lichte Episode diese Zeit des Tiridates, welche zugleich die Zeit der Bekehrung zum Christentum war; dieses aber sollte, als armenische Kirche gestaltet, einst die Hauptstütze des armenischen Volkstums werden. Folgendes erzählt der Chronist des Volkes, Moses von Chorene: Gregor der Erleuchter (Illuminator), abstammend von einem Nebenzweige des arsacidischen Königshauses, wurde durch eine sonderbare Verkettung von Umständen schon als Kind nach dem römischen Kappadocien gebracht und daselbst von einer christlichen Familie erzogen, später auch mit einer Christin, Maria, verheiratet. Nach einer dreijährigen Ehe trennten sie sich, um in freiwilliger Enthaltsamkeit Gott zu dienen; von ihren beiden Söhnen wurde der jüngere Anachoret, der ältere pflanzte die Familie fort. Gregor kehrte dann mit dem noch heidnischen Tiridates nach Armenien zurück und begann die Bekehrung des Landes unter grossen Gefahren. – Aus andern Quellen erfährt man, dass neben ihm auch eine heilige Frau, Ripsime, tätig war und sogar den Märtyrertod erlitt, dass aber die Bekehrung doch rasch vorwärts ging; noch vor der diocletianischen Verfolgung, im Jahre 302, taufte Gregor den Tiridates selbst und einen grossen Teil des Volkes. Er überlebte noch die Zeit des nicänischen Konzils, welches er jedoch aus Demut nicht besuchen wollte, und brachte sein Alter vom Jahr 332 an als Einsiedler in dem Gebirge zu, welches die »Mania-Höhle« heisst; zu seinem Nachfolger im Bistum oder Hohenpriestertum hatte er selber seinen Sohn Aristaces eingesetzt. Er starb unbekannt; Hirten begruben ihn; erst lange hernach wurde seine Leiche wieder entdeckt und feierlich in Thordan bestattet. – Tiridates überlebte noch den Constantin und starb durch Vergiftung von Seiten einer Adelspartei im Jahre 342. Bald brachten Bürgerkriege und Interventionen von aussen sowohl das arsacidische Königtum als das ebenfalls erbliche arsacidische Hohepriestertum in Not und Verwirrung. Allein der Eindruck der Bekehrung blieb unter all den folgenden Fremdherrschaften, und das später allerdings im Monophysitismus versteinerte Christentum vereinigt bis heute die weit bis nach Österreich verbreiteten Armenier, mit Ausnahme der Römisch-Unierten, welche gegenwärtig die Besten und Gebildetsten der Nation in ihren Reihen haben möchten." (Jacob Burckardt). Wenn irgendwo sich die Lebenskrisis der alten Welt deutlich offenbart, so ist es in der Abenddämmerung des Heidentums. Es fragte sich nun, ob nicht das Christentum die Bestimmung haben sollte, die Nationalitäten zu erfrischen und auch dem Staatswesen einen neuen Halt zu geben; ob es nicht die schon im dritten Jahrhundert übliche Klage der Heiden widerlegen sollte, dass kein Segen mehr auf dem Menschengeschlecht ruhe, seitdem diese Religion im Fortschreiten begriffen sei. Denn mit der grössten Bestimmtheit wurde behauptet: seit dem Christentum hätten die Götter die Lenkung der Menschenschicksale aufgegeben, sie seien ausgewandert aus der elenden Welt, wo nun lauter Pestilenz, Krieg, Hunger, Dürre, Heuschrecken, Hagel usw. regierten, während die Barbaren von allen Seiten das Reich angriffen. Die christlichen Apologeten müssen sich umständlich zur Widerlegung dieser Ansicht herbeilassen: »Wie wenig ehrenvoll«, hiess es, »wäre ein solcher kindischer Zorn für euere Heidengötter! Und warum geben sie denn nicht euch Gesundheit und Glück, um uns Christen allein zu züchtigen? Die Natur hat sich nicht verändert; Sonne und Mond scheinen wie sonst, die Saaten grünen, die Bäume blühen, Öl und Wein werden gekeltert, das bürgerliche Leben geht seinen Gang wie von jeher; Kriege aber hat es zu allen Zeiten seit Ninus von Assyrien gegeben, und seit Christus haben sie sogar eher abgenommen. Die jetzigen unleugbaren Übel sind eben notwendige Weltprozesse, durch welche die irdischen Dinge sich zu verjüngen suchen (rerum innovatio).« Darin liegt eben das grosse Vorrecht derjenigen Religion, deren Reich nicht von dieser Welt ist, dass sie sich gar nicht die Aufgabe setzt, irgendein bestimmtes Staatswesen, eine bestimmte Kultur zu leiten und zu garantieren, wie die Religionen des Heidentums getan hatten, dass sie vielmehr imstande ist, die verschiedenen Völker und Jahrhunderte, Staaten und Bildungsstufen miteinander zu versöhnen und zu vermitteln. So konnte das Christentum auch dem gealterten Römerreich keine zweite Jugend mehr schenken, wohl aber die germanischen Eroberer so weit vorbereiten, dass sie die Bildung desselben nicht völlig mit Füssen traten. Anderthalb Jahrhunderte später, als es sich auf den catalaunischen Gefilden darum handelte, ob der Hunne das Leichentuch über das okzidentalische Leben ziehen dürfe wie in der Folge der Mongole über das asiatische, trug diese Befreundung schon ihre Früchte; Römer und Westgoten hielten zusammen und wehrten den Angriff gemeinsam ab. "Von der Alterung und Verkommenheit der römischen Zustände überhaupt, woran das Christentum keine Schuld trägt, ist die ganze Geschichte dieser Zeit ein sprechendes Zeugnis.... Diese Zeit, die man verneinte und ignorierte, von welcher man sich beständig nach frühern Jahrhunderten zurückwandte, bekam dann plötzlich einen neuen Inhalt durch das Christentum. Eine schon lange vorbereitete christliche Literatur brach jetzt wie ein Strom in das leere Bette des Jahrhunderts ein und überwog binnen kurzer Frist an Masse alles, was aus der heidnischen Schriftwelt erhalten ist. ...Die christliche Basilika, das erste grosse Vorbild aller rein perspektivisch gedachten Binnenräume, lud Bogen und grosse schwere Obermauern auf ihre Säulenreihen; die Kuppelkirche mit untern und obern Galerien oder Nebenkapellen ringsum verneinte vollends den Begriff des Gebälkes und brauchte die Säule fast nur um ihrer angenehmen Wirkung willen. Es dauert dann tief in das Mittelalter hinein, bis die christliche Baukunst die mit zunehmendem Missverständnis wiederholten, zuletzt kaum mehr kenntlichen antiken Einzelformen mit einem neuen, ihrem Prinzip angemessenen Gewand vertauscht. Endlich war die christliche Architektur von vornherein genötigt, mit der kirchlichen Tendenz auf eine ungünstige Weise zu teilen. Letztere möchte gern das ganze Gebäude, ja jeden Stein zum Symbol ihrer Macht und ihres Sieges machen; daher das Vorwiegen teils der glänzendsten Luxuszierarten, teils der bildlichen Darstellungen im Innern wie an den Fassaden. Neben einer Mosaikverschwendung, welche alle Räume und Flächen mit biblischen Figuren und Geschichten in den starken ungebrochenen Farben der Glaspaste überzog, konnte keine rein architektonische Gliederung mehr gedeihen, und so schrumpfen Gebälk und Konsolen zu schwachen Riemchen zusammen oder werden gar nur noch durch ein Mosaikornament angedeutet. Die Architektur erhielt sich dabei allerdings den Sinn für grossartig angeordnete, phantasievoll aufgebaute Binnenräume und für eine grosse mechanische Virtuosität. Der letztern verdanken es dann wieder einige Künstler der byzantinischen Zeit, wenn sie aus der oben berührten Anonymität heraustreten durften."  (Jacob Burckardt). Die Kinder des Konstantin sollten nicht von Heiden, sondern von Christen erzogen werden: Bischöfe werden in den Kreisschreiben »geliebter Bruder« angeredet, wie er sich selber als »gemeinschaftlicher Bischof«, als einer der Ihrigen zu gebärden pflegte. Er gab ihnen die Erziehung seiner Söhne wenigstens zum Teil preis und leitete es überhaupt so ein, dass dieselben unbedingt als Christen galten; ihre ganze persönliche Umgebung, ihr Hofstaat bestand aus lauter Christen. 
[3] Palästina wurde ein Magnet für die Christen: "In zahllosen Gläubigen aber erwachte unwiderstehlich der natürliche Drang, Orte, die dem Gemüte heilig waren, in Person zu besuchen. Es ist wohl wahr, dass der geistdurchdrungene Mensch solche Wallfahrten entbehren kann, dass sie das Heilige schon halb veräusserlichen, es gleichsam »an die Scholle binden« lehren. Und doch wird, wer nicht ganz roh ist, einmal wenigstens den Stätten nachgehen, die für ihn durch Erinnerungen der Liebe oder der Andacht geweiht sind. Im Verlauf der Zeit, wenn aus der Herzenssache eine Sitte geworden, wird das Gefühl des Pilgers wohl leicht in eine Art von abergläubischer Werkheiligkeit ausarten, allein dies beweist nichts gegen den reinen und schönen Ursprung. Schon seit der apostolischen Zeit kann es nicht an frommen Besuchen derjenigen Stellen Palästinas gefehlt haben, welche mit den Erinnerungen des alten Bundes zwischen Gott und den Menschen die des neuen auf so erschütternde Weise verbanden. Vielleicht die erste weite Wallfahrt war die des kappadocischen Bischofs Alexander, welcher unter Caracalla Jerusalem – das damalige Aelia Capitolina – besuchte, »um des Gebetes und der Geschichte der Orte willen«. Auch Origenes kam, »um die Fußstapfen Christi, der Jünger und der Propheten aufzusuchen«. – Zur Zeit Constantins aber trifft die Sehnsucht nach Palästina schon sehr auffallend mit dem gesteigerten Kultus der Märtyrergräber und der Reliquien überhaupt zusammen. Jerusalem ist gleichsam die grösste und heiligste aller Reliquien, an welche sich dann noch eine Reihe anderer Weihestätten ersten Ranges, viele Tagereisen lang, anschliessen. Aus dem Stationenbüchlein eines Pilgers von Bordeaux, welcher im Jahre 333 das heilige Land bereiste, ersieht man, wie schon damals die fromme Sage, vielleicht auch die Spekulation, das ganze Land mit klassischen Stellen angefüllt hatte, an deren Echtheit später auch das Mittelalter nicht zweifelte. Man zeigte das Gemach, in welchem Salomo das Buch der Weisheit geschrieben, die Blutflecken des Priesters Zacharias auf dem Boden des ehemaligen Tempels, das Haus des Kaiphas und das des Pilatus, den Sykomorenbaum des Zachaeus, und so viele andere Dinge, welche den Spott der historischen Kritik herausfordern können. Einige Jahrzehnte später zählt Hieronymus in der Reisebeschreibung der Paula noch weit gründlicher die Stätten der Andacht von Dan bis Berseba auf. Er selber, sonst so besonnen in seinen Ansichten über die Reliquien, hat sich in Bethlehem für den Rest seines Lebens angesiedelt und alles, was an ihm hing, nach sich gezogen. Gegen das Ende des vierten Jahrhunderts lebt in Jerusalem und der Umgegend eine ganze grosse Kolonie frommer Leute aus allen Gegenden des Reiches in tiefer Entsagung; »fast so viele psallierende Chöre, als es verschiedene Völker gibt«. Es waren darunter Okzidentalen von hohem Rang und grossem Reichtum, die alles zurückgelassen hatten, um hier in reinerer Stimmung auszuleben, als sie es sonst irgendwo vermocht hätten. Wem die Verhältnisse dies nicht gestatteten, der grämte sich; Hieronymus schrieb mehr als einen Brief, um solche zu beruhigen und ihnen zu sagen, dass die ewige Seligkeit nicht am Besuch Jerusalems hänge. Und auch diese beneidete Existenz war keine ideale. Abgesehen von der äussern Gefahr durch räuberische Saracenen, welche bis vor die Tore von Jerusalem streiften, hielt sich noch ganz in der Nähe, im peträischen Arabien, in Coelesyrien das Heidentum mit einer verzweifelten Hartnäckigkeit; sodann trat das Dämonenwesen, welches schon so lange her in Palästina heimisch war, in so heftiger Gestalt auf als jemals. ... Hieronymus selber führt uns zu den Prophetengräbern unweit Samaria, wo eine ganze Anzahl Besessener auf Genesung warteten; weithin hörte man sie wie mit verschiedenen Tierstimmen heulen. Es sind gleichsam die irren Geister, welche über diesem Schlachtfeld aller Religionen, dem Land zwischen Jordan, Wüste und Meer herumschweben." - Jacob Burckardt
[4] Leider wurde ein Teil der Armenier später zu Feinden für Byzanz und mussten zusammen mit den muslimisierten Arabern bekämft werden (Ostrogorsky). 
[5] Der jahrzehntelange Kampf der Großmächte, der aufkommende Islam, hatte überall die Gemüter erregt. Der christlich geprägte Orient sah im Siegeslaufe der Perser erste Anzeichen des göttlichen Strafgerichts, nicht zuletzt der "eifrige monotheistische Prediger am Orte des wichtigsten altarabischen Heiligtums, der Kaaba mit dem vom Himmel gefallenen schwarzen Meteorsteine, in Mekka: Mohammed." (Richter) vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[6] Vgl. Anm. 5 und Kurse Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance. Ib.
[7] Vgl. Anm. 5 und 6
[8] Vgl. Kurs Nr. 557 - Ariosto. Ib.
[9] Vgl. Kurs Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach. Ib.
[10] Früher hieß die Alternative "Christ oder Heide und Mohammedaner", jetzt war den Fürsten in Italien "die halbmohammedanische Regierungsweise" selbst zu eigen geworden. (J. Burckardt) Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 552 William Shakespeare, Nr. 512 Novalis. Ib.
[11] Science Review Letters 2017, 16, Nr. 824, 832 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 186, p. 12;Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)/ Tessa Hofmann 2007: Christliche Minderheiten in der Republik Türkei, Wien; vgl. Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[12] Vgl. Anm. 11 und Dorn, W. 2006: Türkei, Zentralanatolien, zwischen Phrygien, Ankara und Kappadokien, Ostfildern; zu Julian Apostata und Celsus vgl. auch Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Ib.; zu Thomas von Aquin und seiner hohen Meinung über die Autorität Gregors von Nazianz: „dessen Ansehen“ nach Hieronymus „in der christlichen Heilslehre so groß ist, dass noch niemand in seinen Schriften etwas als irrtümlich verleumden konnte; gleichwie auch dies nicht geschehen konnte den Schriften des Athanasius gegenüber“ vgl. Kurs Nr. 501 Thomas von Aquin: Summa Theol. Ib
[13] Ib. . 
[14] Vgl. Anm. 11
[15] Science Review Letters  2018, 17, Nr. 899, 929; 2017, 16, Nr. 838; vgl. FAS 2018, Nr. 13, p. 42; Frankfurter Allgemeine Zeitung 2018, Nr. 186, p. 18; Nr. 185, p. 1, 17; Nr. 166, p. 26; 2017, Nr. 222, p. C1; Nr. 208, p. R6; Norman Behrendt 2017: Greeting from Turkey. Stuttgart; zur Kritik der islamischen Philosophie und Politik, zum Unglauben bzw. falschen Gott der Muslime vgl. Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Ib.
[16] Lorenz Gyömorey: Auf den Spuren der Mütter, Paul Zsolnay Verlag, Wien-Hamburg 1977
[17] Lorenz Gyömorey: Makryjannis' Stellung in der griechischen Revolution und in der politischen Entwicklung des Neu-Griechischen Staates. Papasissis, Athen, 1987
[18] Ib. Prinz Eugen von Savoyen, der ein Freund von Leibniz gewesen war, hatte viele Siege gegen die Türken erfochten und diese weit zurückgedrängt
[19] Ib.
[20] Ib.
[21] Jannis Makryjannis: Momoiren 1797-1864. Ins Deutsche übertragen von Lorenz Gyömorey. Papasissis, Athen, 1987; Romäer waren Festlandgriechen. Rumeli ist die türkische Bezeichnung Zentralgriechenlands im Gegensatz zu Morea, der Peloponnes. Aus Rüm (römisch), d.h. byzantinisches Gebiet. 
[22] Ib; vgl. Anm. 17
[23] Vgl. Anm. 6 und Mann, G. & Heuß, A. (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bde 1-10, Berlin , Frankfurt a.M. 1960-1964; Dies.: Summa Historica. Die Grundzüge der welthistorischen Epochen. Berlin, Frankfurt, Wien 1965; Niedermeier, R.: Mohammed vor den Toren. Ein Kampf um Europa. Künzell 2015; Moczar, D. Islam at the Gates. How Christendom Defeated the Ottoman Turks, Manchester/New Hampshire 2008
[24] Ib.; zur Spätantike und den heutigen islamischen Ländern sowie der Tatsache, dass die geistige Basis dem Islam völlig fehlt und so die Erwartung einer Entwicklung des Islams zu einem aufgeklärten Weltverständnis aus sich heraus völlig illusorisch ist. vgl. auch Science Review Letters 2018, 17, Nr. 934 und FAZ 2018, Nr. 185, p. 20; Nr. 179, p. 8 sowie Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV. Ib.
[25] Ib.
[26] Ib.
[27] Ib.
[28] Ib.
[29] Ib.
[30] Ib.
[31] Ib.
[32] Ib.
[33] Ib.; vgl. auch Kurs Nr. 564 St. Augustinus. Ib.
[34] Ib.; vgl. auch Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[35] Ib.; zur Unchristlichkeit und Islam-Freundlichkeit der EU-Politiker vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 875 und FAZ 2018, Nr. 8, p. 6
[36] Ib.
[37] Ib.
[38] Ib.; zur Wissenschaft vom christlichen Orient (Byzantinistik), die nur noch eine einzige Professur in Deutschland hat, im Gegensatz zur nutzlosen Islamwissenschaft, die von 34 Professoren an 20 Universitäten gelehrt wird,  vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 876, Nr. 927 und FAZ 2018, Nr. 155, p. 1; 2017, Nr. 295, p. N4; zu Islamwissenschaft, christlicher statt islamischer Religionsunterricht und dem Unglauben der Muslime vgl. Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV. Akademie der Kunst und Philosophie
[39] Ib.
[40] Ib.
 

Zur Philosophie des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante . Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


Hagia Sophia zur Zeit des Byzantinischen Reiches
 


Piero della Francesca, Storie della Vera croce, Battaglia di Eraclito e Cosroè, Arezzo
 

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Letzte Bearbeitung:17.08.2018