Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 566 

Meister Eckhart - Philosoph des Mittelalters

Magistri Echardi / Maitre Echart - Philosopher of Middle Ages


On wrong Philosophy of Cognition and how to improve

"Und sie erkennen doch so wenig von der göttlichen Wahrheit. Diese Menschen heißen fromm nach dem äußeren Schein. Aber von innen sind sie Esel, denn sie erfassen den Unterschied der göttlichen Wahrheit nicht. " - Meister Eckhart

"Die Erziehung ist Medizin, die Erziehung ist Therapie"

Meister Eckhart

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Johannes Eckhart stammte aus ritterlicher Familie in Hochheim bei Gotha in Thüringen. Sein Studium in Köln und Paris verschaffte ihm eine ausgezeichnete Bildung. Er kannte die Scholastik und Aristoteles, Augustinus und die Neuplatoniker sowie den Areopagiten genau. Er stand wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit, verwendete Denkformen und Ausdrucksweisen der Scholastik, kommt aber dann zu einer ursprünglichen, schöpferischen Erkenntnis ausserhalb der scholastischen Schulweisheit. [1]

Eckhart verspricht die Wahrheit des Christentums philosophisch zu beweisen. Er beruft sich auf das Johannesevangelium und Augustinus. Dort wird gelehrt, die Erkennbarkeit der Dreieinigkeit mit Hilfe der natürlichen Vernunft , also mit Hilfe philosophischer  Argumentation, sei möglich. Augustinus hatte den Platonikern die Erkenntnis des wahren Gottes (nicht zu verwechseln mit dem Gott des Islams), die Erfassung des richtigen Begriffs der Erschaffung und die Einsicht in die Trinität zugesprochen. Es gibt die Möglichkeit einer philosophischen Theologie. Gottes unsichtbares Wesen ist aus der Welt für jeden Einsichtigen zu erkennen, nicht nur für die Christen. Auch Anselm von Canterbury (1033-1109) und Raimundus Lullus waren davon überzeugt, für die Trinität philosophisch zwingende Beweise geben zu können. Eckhart wollte die Wahrheit beider Testamente beweisen, also nicht nur die Welterschaffung, sondern auch die Menschwerdung. Zudem war ihm klar, dass die in der Schrift enthaltene philosophische Wahrheit auch die sichtbare Welt erklärt, die als Metaphysik gedeutete Schrift auch die Grundlinien der Naturphilosophie enthält. Das Evangelium ist Metaphysik; es leistet das, was Aristoteles von der Metaphysik erwartet hat. Er will eine Philosophie des Christentums vorlegen, dass das Alte Testament, das Neue Testament und der Philosoph dasselbe lehren. [2]

"Bei der Erklärung dieses Ausspruchs sowie derer, die folgen, ist es - wie in allen seinen Schriften - die Intention des Verfassers, das, was der heilige christliche Glaube und die Schrift beider Testamente behaupten, auszulegen mit Hilfe der natürlichen Beweisgründe der Philosophen. Denn seit der Erschaffung der Welt zeigen die unsichtbaren Bestimmungen Gottes sich durch seine Werke dem Intellekt, er selbst, seine Macht, das heißt: der Sohn, und seine Gottheit, das heißt: Der Heilige Geist." [3] - Meister Eckhart
Wie das ganze Mittelalter, so sieht auch Eckhart das Heil für den Menschen vor allem in der Erkenntnis. Darin gleicht er den Scholastikern, dass auch für ihn die Seligkeit in der Erkenntnis, im Schauen Gottes besteht. Seine Schüler Heinrich Seuse oder Suso (1300-1365), Johann Tauler (1300-1361), Johannes Ruysbroek (1293-1381) sind Hauptvertreter der Mystik. Eine weite Verbreitung fanden die Gedanken der Mystik durch Rhomas Hamerken aus Kempen bei Köln, auch Thomas von Kempen oder Thomas a Kempis genannt. Sein Buch "Von der Nachfolge Christi" wurde eines der meistgedruckten Bücher der Erde. [4]
"St. Augustinus spricht: Gerade wie es um Gott ist, so ist es auch um die Seele. Seht, wie sie gebildet ist nach dem Bilde der Heiligen Dreifaltigkeit." [5] - Meister Eckhart

"Es gibt aber auch so manche Menschen, die verzehren der Seele Kräfte allzumal für den äußeren Menschen. Das sind die Leute, die alle Sinne und Gedanken auf äußere und vergängliche Güter richten, die nichts vom inneren Menschen wissen." [6] - Meister Eckhart

"Und sie erkennen doch so wenig von der göttlichen Wahrheit. Diese Menschen heißen fromm nach dem äußeren Schein. Aber von innen sind sie Esel, denn sie erfassen den Unterschied der göttlichen Wahrheit nicht. " [7] - Meister Eckhart

Von Augustinus und später von Thomas von Aquin, Meister Eckhart, Johannes Scottus Eriugena  weiter ausgeführt, kommen sie zu der Ansicht, dass das Christentum, wie Dasein und trinitarische Struktur der Gottheit, durchaus rational erkannt werden können. Dazu dient die christliche Naturlehre und Vernunftlehre (Ethik, Physik, Logik). Christus hat nie Gewalt gebraucht. "Denn die alte Knechtschaft war vorüber und die Zeit der Freiheit angebrochen." Eckhart und seine Schüler kommen zu einer Mystik, die Klarheit und Kraft gibt. Zu ganz anderen Ergebnissen mommen moderne Mystiker wie Oswald Spengler zum Beispiel: Er kommt zu einer "Gedankenwuselei, zur Mystik im allerschlimmsten Sinne des Wortes, nämlich zur materialistischen Mystik." Was Spengler zum Beispiel über die Maschine sagt, ist nichts anderes als der Gipfelpunkt des Aberglaubens des modernen Menschen gegenüber der Maschine, die er dämonisch empfindet, wie gewisse Menschen abergläubischer Art die Dämonen empfinden. Natürlich hat die Maschine oder neuerdings das Smartphone etwas von einer dämonischen Geistlosigkeit, aber sie zwingt den Menschen, "wenn er sich nur selber versteht, aus seinem Innern herauszuholen diejenigen Keime von Spiritualität, die in ihm sind. Durch den Gegensatz zwingt die Maschine den Menschen, spirituelles Leben zu entwickeln." Bei Spengler und anderen materialistischen Mystikern taucht allerdings nur die völlige Ratlosigkeit des Denkens gegenüber der Maschine auf. Er geht aus vom Phrasenhaften und landet bei Gedankenbocksprüngen und findet keinen großen Unterschied zwischen dem Tasten eines Infusors und dem Denken eines Menschen. Oswald Spengler zählte damals zu den gescheitesten Menschen der Gegenwart. Aber alles, "was jemals nebulose Mystiker, wenigstens einigermaßen, wenn auch verschwimmend, deutlich von innerem Seelenleben gesagt haben, ist nicht so schlechte Mystik gewesen als diese Spenglerische Mystik des Blutes."  [8]

Früher sagte sich der Mensch: Ich musste heruntersteigen aus der göttlich-geistigen Welt. Aber indem ich in einen menschlichen Leib eingezogen bin, bin ich gegenüber jener Welt, aus der ich heruntergestiegen bin, eigentlich krank. Der Begriff der Krankheit und der Sünde verbanden sich für den alten Menschen. Der Mensch fühlte sich hier auf dieser Erde so, dass er in sich finden musste die Überwindung der Krankheit. Man war sich bewusst: "Wir brauchen als Erziehung etwas, was Heilung ist. Die Erziehung ist Medizin, die Erziehung ist Therapie. Und es erschienen solche Gestalten, wie die Therapeuten, kurz vor dem Mysterium von Golgatha als die Heiler. Auch in Griechenland wurde in Verbindung gedacht alles geistige Leben mit einem Heilen der Menschen, weil man fühlte: Der Mensch war im Beginne der Erdentwicklung mehr gesund, und er entwickelte sich allmählich so, dass er sich immer mehr von dem göttlich-geistigen Wesen entfernte. Das war der Begriff des Krankseins, der war - das ist vergessen worden - ein solcher, der sich verbreitete über diejenige Welt, in die sich dann geschichtlich das Mysterium von Golgatha hineinstellte." Die Menschheit erwartete in dem Erkennenden den Heiland. Uns ist der Christus nicht mehr lebendig als der Heiland; "aber erst wenn man ihn wiederum als den Weltenarzt empfindet, als den großen Heiland, wird man ihn wieder richtig in die Welt hineinstellen können." Die ältesten Seelen der Menschheit hatten gewusst: Sie haben verlassen in den geistigen Welten, aus denen sie heruntergestiegen waren, etwas, das wir nun nennen oder das man später nannte den "Christus". Deshalb sagten die ersten christlichen Schriftsteller, dass die ältesten Seelen Christen waren.. In den geistigen Welten, in denen sie waren, bevor sie auf die Erde heruntergestiegen waren, "da war der Christus der Mittelpunkt ihres Anschauens, da war der Christus die zentrale Wesenheit, zu der sie ihre Seelenblicke hinwandten. Und an dieses Zusammensein mit dem Christus im vorirdischen Leben erinnerten sich die Menschen auf der Erde... Und man fing an, von jener Wesenheit, die man später als den Christus bezeichnete, als von jenem zu sprechen, der in der Zukunft kommen werde auf die Erde herunter, Menschenleib annehmen werde, wie er ihn dann angenommen hat in dem Jesus von Nazareth. Und dieses Sprechen von dem Christus als einem Zukünftigen, das war einer der Hauptinhalte des Sprechens in den letzten Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha. Wir sehen in der bildhaften Großartigkeit jener drei Magier oder drei Könige aus dem Morgenlande, Repräsentanten solcher Initiierter, die in ihren Initiationsstätten gelernt hatten: Der Christus wird kommen, wenn die Zeiten erfüllt sein werden und die Zeichen am Himmel ihn ankündigen werden. Dann müssen wir ihn suchen an einer verborgenen Stätte. - Und in den Evangelien tönt überall durch als ein tieferes Geheimnis, als ein tieferes Mysterium, was in der Menschheitsevolution sich enthüllt, wenn man es wiederum mit dem spirituellen Blicke anschaut." Heute wird das Paulinische Christentum und das des Johannes immer weniger geschätzt, weil es den Anspruch macht, dass man den Christus schaut als von überirdischen Welten kommend und seine überirdische Kraft mit dem irdischen Menschen verbindend. Indem man heute nach Art der modernen Wissenschaft über die Welt sich Erkenntnisse erwirbt, zum Beispiel wie Stephen Hawking, könnte man von einem "Grab der Seele" sprechen, die sich "schon lebend mit dem Tode verbunden" fühlt. "Wir würden uns als krankhaft empfinden, wenn wir hingingen zu der Natur, in die Sternenwelt hinausschauten nur mit dem Blicke des rechnenden Astronomen, und diese toten Gedanken sich hineinsenken würden in die Welt, wir würden uns krank fühlen, und die Krankheit würde zum Tode führen. Lassen wir uns aber von dem Christus begleiten, tragen wir unsere toten Gedanken in Begleitung des Christus in die Sternenwelt hinein, in die Welt der Sonne, des Mondes, der Wolken, der Berge, der Flüsse, der Mineralien, der Pflanzen und Tiere, tragen wir sie hinein in die ganze physische Menschenwelt, alles wird im Anschauen lebendig, und es ersteht wie aus einem Grabe aus allen Wesen der lebendige, der uns heilende, der uns vom Tode erweckende Geist, der Heilige Geist. Und wir fühlen uns, begleitet von dem Christus, mit dem, was wir als den Tod erlebt haben, wieder belebt. Wir fühlen den lebendigen, den heilenden Geist aus allen Wesen dieser Welt zu uns sprechen." [9]

Erst dann wird man "das Mysterium von Golgatha als den Sinn des ganzen Erdendaseins erfassen" Man muss wissen, wie durch die toten Gedanken sich die menschliche Freiheit entwickeln muss, "wie wir geführt werden müssen zur Erkenntnis der Natur durch den Christus." Lebensmittel beispielsweise, die durch Pestizide und GMO's verseucht sind und die zu einer Zerstörung der Lebensgrundlage geführt haben (Insektensterben, Vogelsterben etc.), sind Ergebnisse einer falschen Art der Wissenschaft.."Es ist nicht bloß eine ausgeklügelte Formel, die Trinität von dem Vatergott, von dem Sohnesgotte und von dem Gotte, dem Heiligen Geist; es ist etwas, was tief mit der ganzen Evolution des Kosmos verbunden ist und was uns wird als eine lebendige, nicht als eine tote Erkenntnis, wenn wir den Christus selber als einen Auferstandenen in uns lebendig machen, der der Bringer des Heiligen Geistes ist. " Dann verstehen wir, dass es eine Krankheit wäre, wenn wir das Göttliche nicht sehen könnten, aus dem wir geboren sind. Und es ist ein Schicksalsschlag, wenn der Mensch in seinem Erdenleben nicht findet den Christus, der ihn führen kann. Wir wissen jetzt, warum der Christus den Geist, den Heiligen Geist geschickt hat: "weil wir uns verbinden können schon hier im Leben mit deisem Heiligen Geiste, wenn wir uns der Führung des Christus überlassen." [10]

"Keineswegs wird ja die menschliche Autorität der Vernunft einer gereinigten Seele, die zum Schauen der Wahrheit gelangen kann, vorgezogen. Aber zu solchem Schauen findet Hochmut nicht hin. Gäbe es diesen nicht, dann gäbe es keine Ketzer, keine Sektierer, keine Verfechter der Beschneidung des Fleisches, keine Anbeter der Kreatur und der Götzenbilder. Gäbe es aber diese nicht, ehe das Volk zur verheißenen Vollendung gelangt, würde die Wahrheit viel lässiger gesucht werden."   - Augustinus

"Nicht die Stille der Trägheit ist gemeint, sondern die Stille des Nachdenkens, die der Räume und Zeiten ledig ist"  - Augustinus

"In dem Gemüte lebt das Fünklein, in dem sich in der Menschenseele die Weltseele offenbart." - Meister Eckhart

Meister Eckhart war ein Mystiker des Mittelalters, der einen Führer in dem Sinne, wie es die alten Einzuweihenden der Isis- und Osirismysterien hatten, nicht hatte, sondern sozusagen auf eigene Faust in sein Inneres hinunterstieg. Es wäre für ihn sehr gefährlich geworden, wenn er nicht das Paulinische Wort wahr gemacht hätte: "Nicht ich, sondern der Christus in mir." Man kann also sehen, als die neueren Zeiten herannahten, wie die christlichen Mystiker des Mittelalters, die schon entgegenlebten den Zeiten der modernen Menschheit, "den äußeren Guru ersetzten durch einen inneren Guru, durch den Christus." Wichtig ist, dass man das logische Denken als Schulung durchgemacht hat, zum Beispiel durch diese Philosophie-Kurse. Man entwickelt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit. Die meisten Menschen nehmen sich kaum die Mühe, wirklich nachzudenken über das, was ihnen die heiligsten Güter sind. "Dadurch, dass sie in bestimmte Verhältnisse, in eine bestimmte Gemeinschaft hineingeboren sind, meinetwillen nicht in die Türkei, sondern in Mitteleuropa geboren sind, haben sie ein unmittelbares, ursprüngliches Gefühl anerzogen erhalten, das Christentum für das Richtige zu halten und nicht den Mohammedanismus; sie halten - durch ein gewisses Gefühl - deshalb nicht die mohammedanischen Wahrheiten für richtig, sondern dasjenige, was sie im Christentum haben." Manche Menschen möchten bei ihrem "Für-Wahrhalten" gewisser Dinge bleiben und sich bestimmte Glaubenbekenntnisse nicht durch den Verstand oder die Intelligenz kaputt machen lassen und daher lieber ganz auf das Denken verzichten. Wirkliche Erkenntnis ist aber nur durch Denken möglich. "Aber fragen wir einmal, wie viele Menschen etwas ähnliches empfinden wie Schmerz, wenn irgendeiner etwas Törichtes, etwas Absurdes behauptet? Das ist für viele Menschen etwas recht Erträgliches."  Nur bei dem, der sein Denken trainiert hat, ist es so, dass ihm ein Irrtum wirklich weh tut, Schmerz bereitet, und dass ihm die Wahrheit, die ihm entgegentritt, auch schon hier im physischen Leben Lust und Freude bereitet. Das mag auch der Grund sein, warum es so wenig islamische Denker gibt (die heutigen "Islamwissenschaftler" eingeschlossen), denn der Koran würde regelrecht weh tun, da er voll ist von Irrtümern, Absurditäten und Unwahrheiten. Auch die faule Vernunft, das "fatum mahometanum" oder der "Türkenglaube" trägt zu einer gewissen Gleichgültigkeit bei."Gleichgültig vorüberzugehen an Irrtum und Wahrheit ist allerdings für unsere Gesundheit bequemer, als Schmerz am Irrtum und Lust an der Wahrheit zu empfinden. Man hat ja heute reichlich Gelegenheit dazu, wenn man dieses oder jenes Buch oder Zeitungsblatt in die Hand nimmt, über das Törichte, was da steht, Schmerz zu empfinden. Leid und Schmerz gegenüber dem Unwahren, dem Hässlichen, dem Bösen zu empfinden, auch wenn es nicht uns selbst zugefügt wird, und Lust zu empfinden gegenüber dem Schönen, Wahren und Guten, auch wenn es uns gar nicht persönlich angeht, das gehört zur Trainierung für denjenigen, der sich Denken des Herzens anlernen will... Alle Unterlassungssünden, die der Mensch dadurch begeht, dass er zu bequem ist, seine Denkkräfte auszubilden, rächen sich dadurch, dass der Mensch seinem inneren Licht etwas entzieht, dass er diesem inneren Licht von sich aus Finsternis, Dunkelheit zusetzt. So sehen wir den Geist weben an unserem eigenen Innern." [11] 

Die Christus-Verkündigung ist nicht etwas, was erst durch das Mysterium von Gogatha in die Welt gekommen ist. "Es gab Lehren in den Mysterien, dass der Christus kommen werde. Man fasste diese Christus-Wesenheit so auf, wie es eben im Sinne der verschwundenen Geistesweisheit ist." Clemens von Alexandrien, griechischer Philosoph und Kirchenlehrer, der um 150-217 in Alexandria lebte, wusste, dass in den alten Mysterien von dem Christus als dem Kommenden, der noch nicht mit der Erdenentwicklung vereinigt ist, gesprochen worden ist. Er sagte: Auf der einen Seite wurde es gepflegt durch Moses und die Propheten (bis Johannes). Was durch Moses und die Propheten in die Welt kam, war eine Vorbereitung. Die Menschen sollten zuerst das erfahren, was durch Moses und die Propheten kam, damit sie dann mit Hilfe eines eigenen Empfindens ein Gefühl dafür haben können: Wir haben den Christus. Als ein Zweites, was vorbereiten sollte neben Moses und den Propheten, führte Clemens von Alexandrien die griechische Philosophie an: Plato und Aristoteles - noch nicht verfälscht durch Averroes und andere islamische Philosophen. Er sagte also: Moses und die Propheten und die griechische Philosophie sind dazu dagewesen, um die Menschen vorzubereiten auf das Ereignis, auf die Tatsache des Mysteriums von Golgatha. Origenes, der um 185-254 als Philosoph, Schüler und Nachfolger des Clemens von Alexandrien wirkte, sagte sich: Wir haben es zu tun mit dem Christus, der als Geistwesen von geistigen Kräften verstanden werden kann, und wir haben es zu tun mit dem historischen Jesus, mit jener Persönlichkeit, die einmal als eine wirkliche, der Sinnenwelt angehörige Persönlichkeit da war. Clemens von Alexandrien spricht ausdrücklich aus, Im Altertum, vor dem Mysterium von Golgatha sei der Christus durch Engel den Menschen erschienen (zum Beispiel dem Moses im brennenden Dornbusch). Wenn auch die ganze umfassende Fülle der Geistesweisheit verlorengegangen ist, war dennoch ein Fortschritt zu Clemens von Alexandrien, indem er den Zeitbegriff in die Entwicklung des Christus hineinbrachte und sagte: Der Christus gab sich früher kund, konnte sich früher kundgeben durch Engel, dann als Sohn, indem er selber fortgeschritten war. "Man kann es nicht oft genug betonen, dass dazu die abendländische Kulturentwicklung da war, den Zeitbegriff dann in die Weltanschauung in der richtigen Weise hineinzubringen, den Entwicklungsgedanken in der richtigen Weise zu verstehen." Als die Gnosis allmählich ganz verschwand, konnte man auch das nicht mehr dagen, was Clemens und Origenes sagten. Man kam immer mehr dazu, sich hineinzufinden in jene Impulse, die die Impulse der späteren Zeit waren, in die rein materialistischen Impulse. Und so kam es, dass die Lehre des Origenes für ketzerisch erklärt wurde. Was bei Origenes eine theoretische Schwierigkeit war, das Nicht-zusammenbringen-Können des Christus mit dem Jesus, da tritt es uns entgegen in den Dörfern draussen. Bei dem Volk wird der Jesus in der Kindheitsform gezeigt (Weihnachtsspiele). Die Mystiker Tauler, Meister Eckhart suchen den Christus, indem sie ihre eigene Seele bis zum innerlichen Erfühlen des Christus führen wollen. [12] 

Die modernen Theologen, kann man eigentlich nicht Theologen nennen, denn Theologie bedeutet Gottesweisheit. Davon ist aber nur noch wenig übrig geblieben, weshalb man sie besser Jesulogen nennen müsste. Die Theologen, die vom Jesus sprechen, haben den Christus verloren und die, die vom Christus sprechen haben den Jesus verloren. Heute gibt es neben den Christologen im Gegensatz zu den Jesulogen.noch die Islamwissenschaftler, die ihre Erkenntnis aus verfälschten Schriften entnehmen wie dem Koran und keinen Unterschied feststellen können zwischen dem christlichen Gott und dem islamischen. Woher soll man die Erkenntnis also nehmen? Wir nehmen sie entgegen "von dem Christus, der herunterstieg auf die Erde. Denn so darf er entgegengenommen werden von dem menschlichen Herzen, dem menschlichen Gemüte, dem menschlichen Erkenntnisstreben, dieser Baum der Erkenntnis, so darf er entgegengenommen werden, wenn ihn der Christus uns reicht." Und es bedarf klarer Einsichten in das, was sich auf der "abschüssigen Bahn in der Menschheitsentwicklung" bewegt. Das klare, sichere Denken, ist zurückgegangen insbesondere in der Wissenschaft. Jene Trostlosigkeit in bezug auf die Denksicherheit hat sich auch den weitesten Kreisen, dem ganzen polulären Denken mitgeteilt. Auch heute noch leben wir geradezu in dem Zeitalter des verwahrlosten Denkens, und zu gleicher Zeit in dem Zeitalter des blindesten Autoritätsglaubens - man muss sich nur die bekanntesten und zugleich hohlsten Politiker in Deutschland ansehen: Angela Merkel, Armin Laschet & Co. [13] 

Wer krank wird, überhebt sich ganz und gar der Mühe, dabei irgendwie auch über die einfachsten Dinge etwas zu wissen. Dazu hat man schließlich die "staatsabgestempelten Mediziner". Man will über irgendeine andere Frage entscheiden, man geht zu denen, die es wissen sollen: zu den Theologen, zu den Philosophen, zu den Medizinern usw. Sieht man sich die Fortschritte in den Naturwissenschaften an, wie Gentechnik, CrisprCas9, muss man feststellen, dass aber gerade unter diesem Fortschritt das Denken vollständig verwahrlost ist. "Und daraus erwächst die Pflicht: nicht zur Macht kommen zu lassen in der Welt diejenigen, die diese Macht anstreben auf Grundlage eines bloßen materialistischen Experimentalwissens - und um Macht ist es diesen Leuten zu tun, und heute sind wir schon so weit, dass durch die brutalsten Machtansprüche der materialistischen Gelehrsamkeit aus der Welt geschafft werden solle alles dasjenige, was nicht materialistische Gelehrsamkeit ist. Eine Machtfrage ist es bereits geworden. Und unter denjenigen, die heute am schroffesten auch an die äußeren Mächte appellieren, um ihren äußeren Materialismus priviligiert und patentiert zu bekommen, sehen wir gerade diejenigen, die auf dem Boden der materialistischen Wissenschaft allein stehen." Gerade die Naturforscher des 19. Jahrhunderts und die Gentechniker des 20. und 21. Jahrhunderts sind die schlimmsten Dilettanten geworden in bezug auf alle Weltanschauungsfragen. Und das ist der große Schaden der Zeit, das die gegenwärtigen Menschen das nicht durchschauen. Parallelgehend mit einer Polularisierung der Wissenschaft, die im höchsten Sinne nützlich und vorteilhaft ist, haben wir zu gleicher Zeit ein Herunterkommen in allen Weltanschauungsfragen, "ein verwahrlostes Denken, das epidemieartig, seuchenartig überhand nimmt, weil es sich in alles, alles hineinfrisst, und weil es zuletzt zurückgeht auf die schlimmen Dilettantentume gerade derjenigen, die große Männer sind." Die Menschen gehen an den tiefsten Weltenproblemen, an den tiefsten Weltengeheimnissen einfach vorbei. Es wird angestrebt, dass der Mensch vom Kindesalter an in die materialistische Kultur eingefügt wird. Zum Herrn macht sich die materialistische Kultur schon über die zarte Kinderseele, indem sie ihr die materialistische Schule aufdrängt. Man sagt, es werde gefordert im Zeitalter der Liberalität und der Freiheit. Das, was das Gegenteil aller Freiheit ist, nennt man Freiheit im materialistischen Zeitalter. Und man richtet die Dinge so ein, dass die Menschen kaum bemerken, dass das Gegenteil der Freiheit "Freiheit" genannt wird. "Geht die Welt so fort in ihrer Entwicklung, wie sie es im Sinne dieser materialistischen Impulse anstrebt, dann laufen wir allmählich in eine Entwicklung ein, in der man nicht nur demjenigen, der nicht patentiert ist, verbietet, irgendetwas für die menschliche Gesundheit zu tun, sondern in der man verbieten wird jedes Wort, das gesprochen wird über irgendetwas der Wissenschaft Angehörige, von einem andern als von einem solchen, der eine Art Gelübde getan hat, nichts anderes zu sagen als dasjenige, was im Sinne der materialistischen Weltenordnung patentiert ist. Heute verbietet man bloß noch vieles, wovon die Menschen den Zwang des Verbietens nicht empfinden. Aber wir gehen Zeiten entgegen, in denen ebenso wie etwa jedes unpatentierte Sorgen für die Heilung der Menschen, auch jedes Wort verboten werden wird, das gesprochen wird, ausser auf einer Anstalt, die von den materialistisch entwickelten Mächten garantiert und patentiert ist." [14] 
 

Anmerkungen

[1] Vgl. Kurs Nr. 566 Meister Eckhart - Philosopher of Middle Ages / Philosoph des Mittelalters. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Vgl. Anm. 1 und Kurse, Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences, Nr. 518 Philosophie der Natur, Nr. 564 Augustinus, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 565 J.S. Eriugena, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung. Ib.
[3] Vgl. Anm. 1
[4] Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.
[7] Ib.; Sogenannte "Mind-Body-Medizin-Gesundheitstherapeutinnen" bieten Seminare in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion ("MBSR - Mindfulness-Based Stress Reduction"), eine auf säkulare Bedürfnisse abgestimmte Meditationspraxis zum Führungskräftetraining. Seit sich der MBSR-Verband in Deutschland vor zehn Jahren gründete, ist die Zahl der Achtsamkeits-Lehrer von 30 auf 550 gestiegen. Eine Achtsamkeits-App für 2,99 Euro zum Thema "Ankommen und Zentrieren"gibt es auch schon. Durch MBSR können auch "Esel" weiter optimiert werden, denn die Kernformel lautet: "es ist wie es ist". Dadurch sei man grenzenlos für den Arbeitgeber verfügbar und stelle keine dummen Fragen. Vgl. Kurs Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften. Ib.
[8] Vgl. Anm. 1; zur materialistischen Mystik im Gegensatz zu Meister Eckhart und seinen Schülern vgl. Steiner, R. : Das Geheimnis der Trinität. Der Mensch und sein Verhältnis zur Geistwelt im Wandel der Zeiten. GA 214. Elf Vorträge 1922. Dornach/ Schweiz 1970/2007; Ders.: Makrokosmos und Mikrokosmos. GA 119. Elf Vorträge 1910, Ib. 1992; Ders.: Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls. GA 165, dreizehn Vorträge 1915/16, Ib. 2006; vgl. auch Kurse Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 564 Aurelius Augustinus, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 568 Nikolaus CusanusNr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 512 Novalis, Nr. 505 Arthur Schopenhauer, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Ib.
[9] Ib.
[10] Ib.
[11] Ib.
[12] Ib.; vgl. Kurse, Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles, Ib.
[13] Ib.; vgl. Kurs, Nr. 512 Novalis, Ib.
[14] Ib.; vgl. Kurs, Nr. 511 J.G. Fichte, Ib.
 

Zur Philosophie und Kultugeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 




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Letzte Bearbeitung:28.03.2018