Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 554

Friedrich Hölderlin - Poet und Philosoph



"Wie ein Meer, lag das Land, wovon ich heraufkam, vor mir da, jugendlich, voll lebendiger Freude; es war ein himmlisch unendlich Farbenspiel, womit der Frühling mein Herz begrüßte, und wie die Sonne des Himmels sich wiederfand im tausendfachen Wechsel des Lichts, das ihr die Erde zurückgab, so erkannte mein Geist sich in der Fülle des Lebens, die ihn umfing, von allen Seiten ihn überfiel." - Hölderlin

"Die Wölfe gehen davon, wenn einer Feuer schlägt. Sahn jene Menschen einen Funken Vernunft, so kehrten sie, wie Diebe, den Rücken."  - Hölderlin

"Rußland hat der Pforte den Krieg erklärt; man kommt mit einer Flotte in den Archipelagus; die Griechen sollen frei sein, wenn sie mit aufstehn, den Sultan an den Euphrat zu treiben" - Hölderlin

"Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für alles lern,
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will."  - Hölderlin


 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Hölderlin schwärmt von Griechenland mit seinem Thymian und "Mastix", besonders von der Stadt Smyrna und seinen Wanderungen durch die Gegenden von Smyrna: "Wie ein Meer, lag das Land, wovon ich heraufkam, vor mir da, jugendlich, voll lebendiger Freude; es war ein himmlisch unendlich Farbenspiel, womit der Frühling mein Herz begrüßte, und wie die Sonne des Himmels sich wiederfand im tausendfachen Wechsel des Lichts, das ihr die Erde zurückgab, so erkannte mein Geist sich in der Fülle des Lebens, die ihn umfing, von allen Seiten ihn überfiel. Zur Linken stürzt' und jauchzte, wie ein Riese, der Strom in die Wälder hinab, vom Marmorfelsen, der über mir hing, wo der Adler spielte mit seinen Jungen, wo die Schneegipfel hinauf in den blauen Aether glänzten; rechts wälzten Wetterwolken sich her über den Wäldern des Sipylus; ich fühlte nicht den Sturm, der sie trug, ich fühlte nur ein Lüftchen in den Locken, aber ihren Donner hört ich, wie man die Stimme der Zukunft hört, und ihre Flammen sah ich, wie das ferne Licht der geahneten Gottheit. Ich wandte mich südwärts und ging weiter. Da lag es offen vor mir, das ganze paradiesische Land, das der Kayster durchströmt, durch so manchen reizenden Umweg, als könnt er nicht lange genug verweilen in all dem Reichtum und der Lieblichkeit, die ihn umgibt. Wie die Zephyre, irrte mein Geist von Schönheit zu Schönheit selig umher, vom fremden friedlichen Dörfchen, das tief unten am Berge lag, bis hinein, wo die Gebirgkette des Messogis dämmert." [1]

Kein Volk der alten Welt hat zahlreichere und in der Mehrzahl mächtigere Pflanzstädte dargeboten als die Hellenen. "Von der Ausführung der ältesten äolischen Colonien, unter denen Mytilene und Smyrna glänzten, bis zu der Gründung von Syracus, Croton und Cyrene sind aber auch vier bis fünf Jahrhunderte verflossen. Die Inder und Malayen haben nur schwache Ansiedelungen an der Ostküste von Afrika, in Zokotora (Dioscorides) und im südlichen asiatischen Archipel versucht. Bei den Phöniciern hat sich zwar ein sehr ausgebildetes Colonial-System auf noch größere Räume als das griechische ausgedehnt: indem dasselbe, doch mit sehr großer Unterbrechung der Stationen, sich vom persischen Meerbusen bis Cerne an der Westküste von Afrika erstreckte. Kein Mutterland hat je eine Colonie geschaffen, welche in dem Grade mächtig erobernd und handelnd zugleich gewesen ist, als es Carthago war. Aber Carthago stand trotz seiner Größe in geistiger Cultur und artistischer Bildsamkeit tief unter dem, was in den griechischen Pflanzstädten so herrlich und dauernd unter den edelsten Kunstformen erblühte. Vergessen wir nicht, daß gleichzeitig viele volkreiche griechische Städte in Kleinasien, im ägäischen Meere, in Unteritalien und Sicilien glänzten; daß, wie Carthago, so auch die Pflanzstädte Miletus und Massilia andere Pflanzstädte gründeten; daß Syracus auf dem Gipfel
seiner Macht gegen Athen und die Heere von Hannibal und Hamilkar kämpfte, daß Milet nach Tyrus und Carthago lange Zeit die erste Handelsstadt der Welt war. Indem sich durch die Thatkraft eines, in seinem Inneren oft erschütterten Volkes ein so reich bewegtes Leben nach außen entfaltete, wurden, bei zunehmendem Wohlstande, durch die Verpflanzung einheimischer Cultur überall neue Keime der geistigen National-Entwickelung hervorgerufen. Das Band gemeinsamer Sprache und Heiligthümer umfaßte die fernesten Glieder. Durch diese trat das kleine hellenische Mutterland in die weiten Lebenskreise anderer Völker. Fremde Elemente wurden aufgenommen, ohne dem Griechenthum etwas von seinem großen und selbstständigen Charakter zu entziehen." [34]

Vor dem Hintergrund des russisch-türkischen Krieges von 1770 schreibt Hölderlin über das schicksalhafte Engagement des griechischen Jünglings Hyperion für den beginnenden Freiheitskampf der Griechen gegen das osmanische Reich. Manche sagen: "Die Türken sind noch heute, was sie im fünfzehnten Jahrhundert waren, in Europa kampierende Tataren." [39]
 

"Der neue Geistesbund kann in der Luft nicht leben, die heilige Theokratie des Schönen muß in einem Freistaat wohnen, und der will Platz auf Erden haben und diesen Platz erobern wir gewiß." [1] - Hölderlin


In der von den Türken besetzten griechischen Stadt Smyrna fällt Hyperion auf, wie die Menschen sich unter dem "Türkenjoch" verändert haben. "Sahn jene Menschen einen Funken Vernunft, so kehrten sie, wie Diebe, den Rücken". Noch heute sind die Auswirkungen des Türkenjochs spürbar, zum Beispiel wenn man sich die linkspopulistische Syriza-Regierung von Alexis Tsipras ansieht, die kürzlich ein altes Amnestieversprechen einlöste, die Gefängnistüren öffnete und damit ein politisches Verbrechen im Gewande humaner Geste beging. Nicht nur eine junge Studentin kostete sie das Leben. Rund zweieinhalbtausend Straftäter kamen damals frei, darunter Gewalttäter, Mafiosi und muslimische Terroristen aus Marokko, Tunesien, Afghanistan, Türkei. Die meisten tauchten unter. So auch Hussein K. Am 12. November 2015, keine zwei Wochen nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis, tauchte der Straftäter aus dem großen Flüchtlingsstrom vor einem deutschen Polizei-Computer wieder auf. Er wurde als Asylbewerber registriert, wie schon zuvor in Griechenland. Wieder gab er an, siebzehn Jahre als zu sein. Das hatte er schon auf Korfu behauptet, zwei Jahre zuvor. Die Syriza-Regierung hatte es nicht für nötig gehalten, den untergetauchten Afghanen zur internationalen Fahndung auszuschreiben; man hat geahnt, wohin Hussein und die anderen freigelassenen Straftäter wollten, das aber bewusst nicht angezeigt, um eine Rücküberstellung zu verhindern. Auch die Merkel-Regierung hat in manchen Punkten Ähnlichkeit mit der Syriza-Regierung: sie ließ Hunderttausende unkontrolliert nach Deutschland einreisen, darunter kriminelle Muslime, Psychopaten und Islamisten sowie etwa 70 000 unbegleitete Minderjährige, die angeblich ohne Eltern sind. Etliche von ihnen sind, wie vermutlich Hussein K., in Wahrheit junge Erwachsene, die bei der Einreise gelogen haben, um eine bessere Sozialausstattung zu ergattern. Es handelt sich also um Personen, die fast alle unter einem islamischen Joch gelebt hatten und wie es schon von Hölderlin / Hyperion geschildert wird [40]:
 

"Was aber eigentlich mir die schale Kost des gewöhnlichen Umgangs würzte, das waren die guten Gesichter und Gestalten, die noch hie und da die mitleidige Natur, wie Sterne, in unsere Verfinsterung sendet." [1] - Hölderlin

"Ach! und wie heillos war das übrige alles, was ich hört und sah. Es war mir wirklich hie und da, als hätte sich die Menschennatur in die Mannigfaltigkeiten des Tierreichs aufgelöst, wenn ich umher ging unter diesen Gebildeten. Wie überall, so waren auch hier die Männer besonders verwahrlost und verwest. Gewisse Tiere heulen, wenn sie Musik anhören. Meine bessergezognen Leute hingegen lachten, wenn von Geistesschönheit die Rede war und von Jugend des Herzens. Die Wölfe gehen davon, wenn einer Feuer schlägt. Sahn jene Menschen einen Funken Vernunft, so kehrten sie, wie Diebe, den Rücken." [1] - Hölderlin
 

Die allerwenigsten interessierten sich für Philosophie und Kunst: "Wir waren zusammen aufs Feld gegangen, saßen vertraulich umschlungen im Dunkel des immergrünen Lorbeers, und sahn zusammen in unsern Plato, wo er so wunderbar erhaben vom Altern und Verjüngen spricht, und ruhten hin und wieder aus auf der stummen entblätterten Landschaft, wo der Himmel schöner, als je, mit Wolken und Sonnenschein um die herbstlich schlafenden Bäume spielte." Es ging auch um die "offenbare Mysterien" und "was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist". Doch sie müssen immer wieder an das Schicksal Griechenlands denken, das von Muslimen erobert wurde und seine Spuren hinterlassen hat:
 
"Wir sprachen darauf manches vom jetzigen Griechenland, beide mit blutendem Herzen, denn der entwürdigte Boden war auch Alabandas Vaterland. Alabanda war wirklich ungewöhnlich bewegt. Wenn ich ein Kind ansehe, rief dieser Mensch, und denke, wie schmählich und verderbend das Joch ist, das es tragen wird, und daß es darben wird, wie wir, daß es Menschen suchen wird, wie wir, fragen wird, wie wir, nach Schönem und Wahrem, daß es unfruchtbar vergehen wird, weil es allein sein wird, wie wir, daß es – o nehmt doch eure Söhne aus der Wiege, und werft sie in den Strom, um wenigstens vor eurer Schande sie zu retten! Gewiß, Alabanda! sagt ich, gewiß es wird anders. Wodurch? erwidert' er; die Helden haben ihren Ruhm, die Weisen ihre Lehrlinge verloren. Große Taten, wenn sie nicht ein edel Volk vernimmt, sind mehr nicht als ein gewaltiger Schlag vor eine dumpfe Stirne, und hohe Worte, wenn sie nicht in hohen Herzen widertönen, sind, wie ein sterbend Blatt, das in den Kot herunterrauscht. Was willst du nun? .... Ein Volk, wo Geist und Größe keinen Geist und keine Größe mehr erzeugt, hat nichts mehr gemein, mit andern, die noch Menschen sind, hat keine Rechte mehr, und es ist ein leeres Possenspiel, ein Aberglauben, wenn man solche willenlose Leichname noch ehren will, als wär ein
Römerherz in ihnen. Weg mit ihnen! Er darf nicht stehen, wo er steht, der dürre faule Baum, er stiehlt ja Licht und Luft dem jungen Leben, das für eine neue Welt heranreift. ... Man frägt nicht, ob ihr wollt! Ihr wollt ja nie, ihr Knechte und Barbaren! Euch will man auch nicht bessern, denn es ist umsonst! man will nur dafür sorgen, daß ihr dem Siegeslauf der Menschheit aus dem Wege geht." [1] - Hölderlin

"Bei dieser Berufung auf die allgemeine Erfahrung kann es erlaubt sein, die Rücksicht auf das Praktische zu antizipieren. In dieser Rücksicht kann denjenigen, welche jene Wahrheit und Gewißheit der Realität der sinnlichen Gegenstände behaupten, gesagt werden, daß sie in die unterste Schule der Weisheit, nämlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus zurückzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen. Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realität und in der völligen Gewißheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien, welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist." [8] - Hegel
 

Aufgewachsen in einem Griechenland, das von den osmanischen Türken erobert war, kann man sich schon Gedanken über die Erziehung und Staatslehre machen: "ich überdachte stiller mein Schicksal, meinen Glauben an die Welt, meine trostlosen Erfahrungen, ich betrachtete den Menschen, wie ich ihn empfunden und erkannt von früher Jugend an, in mannigfaltigen Erziehungen, fand überall dumpfen oder schreienden Mißlaut.... Ja! ja! es ist recht sehr leicht, glücklich, ruhig zu sein mit seichtem Herzen und eingeschränktem Geiste. ... Nur müßt ihr euch bescheiden, lieben Leute, müßt ja in aller Stille euch wundern, wenn ihr nicht begreift, daß andre nicht auch so glücklich, auch so selbstgenügsam sind, müßt ja euch hüten, eure Weisheit zum Gesetz zu machen, denn das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte." Zur Staats- und Rechtslehre und Erziehung: "Du räumst dem Staate denn doch zu viel Gewalt ein. Er darf nicht fordern, was er nicht erzwingen kann. Was aber die Liebe gibt und der Geist, das läßt sich nicht erzwingen." Ähnliche Ansichten zu Erziehung und Staat vertreten Fichte, Goethe, Hegel, Aristoteles, Schelling, Novalis, Solowjew, Schopenhauer; interessant sind auch die Aussagen Dostojewskijs zur Orientfrage. [1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][39]
 
"Beim Himmel! der weiß nicht, was er sündigt, der den Staat zur Sittenschule machen will. Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, daß ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte. Die rauhe Hülse um den Kern des Lebens und nichts weiter ist der Staat. Er ist die Mauer um den Garten menschlicher Früchte und Blumen. Aber was hilft die Mauer um den Garten, wo der Boden dürre liegt? Da hilft der Regen vom Himmel allein. O Regen vom Himmel! o Begeisterung! Du wirst den Frühling der Völker uns wiederbringen. Dich kann der Staat nicht hergebieten. Aber er störe dich nicht, so wirst du kommen, kommen wirst du, mit deinen allmächtigen Wonnen, in goldne Wolken wirst du uns hüllen und empor uns tragen über die Sterblichkeit, und wir werden staunen und fragen, ob wir es noch seien, wir, die Dürftigen, die wir die Sterne fragten, ob dort uns ein Frühling blühe – frägst du mich, wann dies sein wird? Dann, wann die Lieblingin der Zeit, die jüngste, schönste Tochter der Zeit, die neue Kirche, hervorgehn wird aus diesen befleckten veralteten Formen, wann das erwachte Gefühl des Göttlichen dem Menschen seine Gottheit, und seiner Brust die schöne Jugend wiederbringen wird, wann – ich kann sie nicht verkünden, denn ich ahne sie kaum, aber sie kömmt gewiß, gewiß." [1] - Hölderlin
Sie sprachen unter einander von der Trefflichkeit des alten Athenervolks, woher sie komme, worin sie bestehe:
 
"Einer sagte, das Klima hat es gemacht; der andere: die Kunst und Philosophie; der dritte: Religion und Staatsform. Athenische Kunst und Religion, und Philosophie und Staatsform, sagt ich, sind Blüten und Früchte des Baums, nicht Boden und Wurzel. Ihr nehmt die Wirkungen für die Ursache." [1] - Hölderlin

"Das erste Kind der menschlichen, der göttlichen Schönheit ist die Kunst. In ihr verjüngt und wiederholt der göttliche Mensch sich selbst. Er will sich selber fühlen, darum stellt er seine Schönheit gegenüber sich. So gab der Mensch sich seine Götter. Denn im Anfang war der Mensch und seine Götter Eins, da, sich selber unbekannt, die ewige Schönheit war. – Ich spreche Mysterien, aber sie sind. – Das erste Kind der göttlichen Schönheit ist die Kunst. So war es bei den Athenern. Der Schönheit zweite Tochter ist Religion. Religion ist Liebe der Schönheit. Der Weise liebt sie selbst, die Unendliche, die Allumfassende; das Volk liebt ihre Kinder, die Götter, die in mannigfaltigen Gestalten ihm erscheinen. Auch so wars bei den Athenern. Und ohne solche Liebe der Schönheit, ohne solche Religion ist jeder Staat ein dürr Gerippe ohne Leben und Geist, und alles Denken und Tun ein Baum ohne Gipfel, eine Säule, wovon die Krone herabgeschlagen ist." [1] - Hölderlin

"Aus der Geistesschönheit der Athener folgte denn auch der nötige Sinn für Freiheit. Der Aegyptier trägt ohne Schmerz die Despotie der Willkür, der Sohn des Nordens ohne Widerwillen die Gesetzesdespotie, die Ungerechtigkeit in Rechtsform; denn der Aegyptier hat von Mutterleib an einen Huldigungs- und Vergötterungstrieb; im Norden glaubt man an das reine freie Leben der Natur zu wenig, um nicht mit Aberglauben am Gesetzlichen zu hängen." [1] - Hölderlin

"Gut! unterbrach mich einer, das begreif ich, aber, wie dies dichterische religiöse Volk nun auch ein philosophisch Volk sein soll, das seh ich nicht. Sie wären sogar, sagt ich, ohne Dichtung nie ein philosophisch Volk gewesen!" [1] - Hölderlin
 

Nicht nur damals in Griechenland, auch heute ist uns die Situation der muslimischen Länder und muslimischen Parallelgesellschaften in Europa bewusst (Koran-Schulen etc.):
 
"Wie ein prächtiger Despot, wirft seine Bewohner der orientalische Himmelsstrich mit seiner Macht und seinem Glanze zu Boden, und, ehe der Mensch noch gehen gelernt hat, muß er knieen, eh er sprechen gelernt hat, muß er beten; ehe sein Herz ein Gleichgewicht hat, muß es sich neigen, und ehe der Geist noch stark genug ist, Blumen und Früchte zu tragen, ziehet Schicksal und Natur mit brennender Hitze alle Kraft aus ihm. Der Aegyptier ist hingegeben, eh er ein Ganzes ist, und darum weiß er nichts vom Ganzen, nichts von Schönheit, und das Höchste, was er nennt, ist eine verschleierte Macht, ein schauerhaft Rätsel; die stumme finstre Isis ist sein Erstes und Letztes, eine leere Unendlichkeit und da heraus ist nie Vernünftiges gekommen. Auch aus dem erhabensten Nichts wird Nichts geboren." [1] - Hölderlin

"Aber aus bloßem Verstand ist nie Verständiges, aus bloßer Vernunft ist nie Vernünftiges gekommen." [1] - Hölderlin

"Des Verstandes ganzes Geschäft ist Notwerk. Vor dem Unsinn, vor dem Unrecht schützt er uns, indem er ordnet; aber sicher zu sein vor Unsinn und vor Unrecht ist doch nicht die höchste Stufe menschlicher Vortrefflichkeit." [1] - Hölderlin 

"Aus bloßem Verstande kömmt keine Philosophie, denn Philosophie ist mehr, denn nur die beschränkte Erkenntnis des Vorhandnen. Aus bloßer Vernunft kömmt keine Philosophie, denn Philosophie ist mehr, denn blinde Forderung eines nie zu endigenden Fortschritts in Vereinigung und Unterscheidung eines möglichen Stoffs." [1] - Hölderlin
 

Was Griechenland und seine Freiheitskämpfer immer ersehnt hatten: Der Sultan soll aus Konstantinopel und ganz Griechenland vertrieben werden. Die ungläubigen Osmanen ("Tyrannenknechte") und "Andre des rohen Volks von dem Sultan bestellt" verstehen dabei nur eine Sprache: "Ja! sanft zu sein, zu rechter Zeit, das ist wohl schön, doch sanft zu sein, zur Unzeit, das ist hässlich, denn es ist feig!" Doch die Christenheit hat es in der Levante bisher versäumt effektiv "wider der Christenfeinde wütende Säbel" vorzugehen, Konstantinopel, Smyrna und andere christliche Gebiete in der Türkei den Osmanen zu entreissen. [1][15][16][17][18][19][21][22][25][30][31][32][33][39]
 
"Rußland hat der Pforte den Krieg erklärt; man kommt mit einer Flotte in den Archipelagus; die Griechen sollen frei sein, wenn sie mit aufstehn, den Sultan an den Euphrat zu treiben. Die Griechen werden das Ihre tun, die Griechen werden frei sein und mir ist herzlich wohl, daß es einmal wieder etwas zu tun gibt.... Der Vulkan bricht los. In Koron und Modon werden die Türken belagert... Navarin ist unser... Die Schiffe der Türken hatten sich in den Kanal, zwischen die Insel Chios und die asiatische Küste hineingeflüchtet, und standen am festen Lande hinauf bei Tschesme.  " [1] - Hölderlin
 
"Wenn ihr »die allerchristlichsten« noch heute,
Wenn heut ihr »die katholischen« noch heißt,
Wie kömmt es, daß ihr Christi Lehensleute
Ermordet und ihr Lehen an euch reißt
Und nicht Jerusalem von jener Meute
Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt,
Und daß Constantinopel und den besten
Theil dieser Welt der Türke darf verpesten?" [17] - Ariosto


Auch heute noch verstehen die Türken "Andre des rohen Volks" zu rekrutieren oder zu unterstützen. Die türkische Armee habe fast 500 Geschosse auf IS-Stellungen in Syrien und Irak gefeuert, dabei seien 200 Terroristen getötet worden. In Wirklichkeit sei aber von Verlusten unter Extremisten nichts bekannt, schon gar nicht von hohen Verlusten. "Haben die Türken Angriffe nur simuliert? Wollen sie davon ablenken, dass sie die Islamisten immer noch heimlich gewähren lassen oder sogar unterstützen?" Schon lange werden islamistische Kämpfer in türkischen Krankenhäusern versorgt. Regierungsvertreter sagten damals, "Verwundete würden ohne Rücksicht auf ihre Herkunft versorgt. Natürlich wussten sie, mit wem sie es zu tun hatten." Die Grenze zwischen der Türkei und Syrien stand weit offen, für Flüchtlinge in der einen Richtung, für Dschihadisten in der anderen. Aus Europa strömten Tausende mit Touristenvisum in die Türkei und dann weiter zu den Islamisten. Die türkischen Behörden liessen sie gewähren. "Ihnen muss klar gewesen sein, dass auch Waffen und Munition diesen Weg nahmen. Anfang 2014 wurden drei Lastwagen konrolliert, die vom Flughafen Ankara aus auf dem Weg nach Syrien waren. Sie steckten voller Raketen und Sturmgewehre. Die Fahrer berichteten, sie seien oft diese Strecke gefahren." An der Grenze seien die Fahrzeuge von Mitarbeitern des türkischen Geheimdienstes übernommen worden, die die Waffen dann in Syrien an Islamisten lieferten [14]

Hölderlin schrieb: "Rußland hat der Pforte den Krieg erklärt; man kommt mit einer Flotte in den Archipelagus; die Griechen sollen frei sein, wenn sie mit aufstehn, den Sultan an den Euphrat zu treiben". Heute hat Russland einen Stützpunkt in Syrien und kann die Türkei von dort aus zurückdrängen. Das russische Aussenministerium meint, "der Einsatz Ankaras sei eine offene Unterstützung des internationalen Terrorismus. Man sei zutiefst besorgt über die aggressiven Handlungen der türkischen Regierung gegenüber dem Nachbarstaat. Der Beschuss verletze UN-Resolutionen und Verpflichtungen der Syrien-Unterstützergruppe, welche die Türkei in Wien, New York und München übernommen habe." Russland ist das einzige Land, das die Türkei abstraft. kürzlich haben russische Kampfflugzeuge den Nachschub für die Rebellen aus der Türkei unterbrochen. Ein Luftwaffenstützpunkt nahe der Grenze zur Türkei konnte den von der Türkei unterstützten Rebellen entrissen werden. Die meisten Rebellen sind heute Dschihadisten, die von prowestlichen Ländern wie Saudi-Arabien und der Türkei bewaffnet worden sind. Die Rebellen schiessen Raketen auf christliche Stadtteile und zerstören christliche Kirchen und Einrichtungen. Russland setzt sich für die Christen und die säkulare Ordnung Syriens ein. Vor dem Krieg hatten in Aleppo fast 200 000 Christen gelebt. Mehr als jeder zweite ist abgewandert. Weiter verlassen jeden Tag christliche Familien die Stadt. [20]

"Die Türkei plant eine Invasion in Syrien". Die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" schreibt: "Jetzt versteht die politische Führung der Türkei, dass sie in die Ecke getrieben wurde, dass sie nichts erreicht hat in Bezug auf Syrien. Sie sieht, dass sich die syrische Armee dicht an die türkische Grenze angenähert hat.  Deshalb ist es wahrscheinlich, dass sie in dieser Situation einen Vorwand für eine direkte Invasion in Syrien sucht - und versucht, einen solchen herbeizuführen." Syrien und die Christen in der Levante können auf massive Unterstützung aus Moskau zählen. Militärfachleute sehen derzeit vor allem diesen Faktor als kriegsentscheidend an, und zwar nicht nur wegen der Luftunterstützung aus Moskau - sondern auch angesichts der Tatsache, dass im Zuge des russischen Militäreinsatzes die organisatorischen und strategischen Fähigkeiten der regulären syrischen Truppen massiv zugenommen haben. Die Planung sei besser, die Erfolge seien nachhaltiger. Diese Stärkung der strategischen Fähigkeiten fällt in eine Zeit, in der die islamistischen Rebellen auf diesem Feld keine Fortschritte machen. Das Gelände an der türkischen Grenze, das Assad und seine Verbündeten einnehmen, werde für die Rebellen weitgehend verloren sein. Für Amerika dürfte es immer schwieriger werden, die islamistischen Rebellen zu unterstützen, wenn sich der derzeitige Trend fortsetzt und sich radikale islamisten-Gruppen zusammenschliessen. [23]

Russland rächt sich an der Türkei, seit die im November 2015 ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hat. Russland verhängte massive Wirtschaftssanktionen und "schaltete die Verbündeten der Türkei auf dem Schlachtfeld aus. Putin will der Türkei einen kräftigen Stoss versetzen, seinen Widersacher Erdogan vielleicht sogar mit einem k.-o.-Schlag zu Boden befördern. Der französische Staatspräsident war der Erste, der die Türkei warnte, dass sie einen Krieg mit Russland riskiere." Auch wenn Russland und die Türkei zur Zeit in scheinbarer Eintracht  zusammenleben, als nicht-christliches Land ist die Türkei nicht in der Lage ihren eigenen Staat zu organisieren, weshalb andere, christliche Staaten dies in Zukunft übernehmen werden. Als Partner in der Nato oder EU ist die Türkei völlig ungeeignet. "Wie aber kann eine Regierung, die nicht einmal ihr Land in Ordnung halten kann, ein verlässlicher Partner sein?" Schon tolerante Völkerrechtler wie Gentili hatten vor der Türkei als verlässlichen Partner gewarnt. Zudem muß man sich nur ansehen, wie die Türkei mit Antiken und christlichen Denkmälern umgeht. Erst 2015 hatte die UNESCO die am Tigris gelegene Altstadt Diyarbakir auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt, denn die Burg und die Stadtmauern von Diyarbakir zählen zu den größten und am besten erhaltenen Befestigungsanlagen der Antike. Der römische Kaiser Constantinus II., ein Sohn Konstantins des Großen, hatte sie im Jahr 349 ausgebaut. Besiedelt ist die Stelle der Altstadt seit 5000 vor Christus. Fast 600 historische Gebäude waren in der Altstadt registriert, darunter die 1371 erbaute St.-Giragos-Kathedrale, die bis zu ihrer Zerstörung, Anfang 2016 als die größte christliche Kirche der Armenier im Nahen Osten gegolten hatte. "Nach dem Ende der Kampfhandlungen begannen im Frühjahr 2016 Abrissbagger mit der Zerstörung der Gebäude und mit der Einebnung der Stadt." Auf diese Weise haben die Türken seit Beginn der osmanischen Ausbreitung, ehemals christliche Städte verwüstet.  [24][26]

Auch Schopenhauer meint: "Europa endlich ist der christliche Staatenbund: das Christentum ist die Basis jeder seiner Glieder und das gemeinschaftliche Band aller; daher auch die Türkei, obgleich in Europa gelegen, eigentlich nicht dazu gerechnet wird." Nur wenn die Levante und damit die Türkei wieder griechisch-christlich wird, kann Konstantinopel wieder Hauptstadt der Levante werden. "Was von griechischer Kultur noch übrig war, lebte in Byzanz weiter. Auch politisch verschob sich der Schwerpunkt nach dem einst barbarischen Norden. Ein neuer griechischer Großstaat könnte heute sein Zentrum nicht mehr in Athen, sondern nur in Konstantinopel haben". Statt dass EU und Russland die Türkei und Afrika rechristianisieren, macht sich die EU zur "Geisel der Türkei". Die Türkei baut sogar ihren Einfluss unter den Muslimen in Afrika weiter aus. Türkische Unternehmer bauen in Mogadischu "getürkte" Straßen, Brücken, Krankenhäuser und Schulen. Dazu Friedell: "Schon im späteren Altertum war Hellas nur noch eine interessante Ruine. Zur Zeit des Polybios war die Unfruchtbarkeit der griechischen Ehen, eine Folge der Verarmung und der physischen Erschöpfung, bereits sprichwörtlich. Ovid nennt Athen eine leere Stadt, von der nur noch der Name übrig sei, sein Zeitgenosse Strabo Theben ein Dorf; hundert Jahre später klagt Plutarch, am meisten von allen Bevölkerungen des Römischen Reichs sei die griechische zurückgegangen. ... Das meiste an Bauten und Denkmälern stand noch; auch die Bücherschätze und die berühmten Lehrer zogen viele Fremde ins Land, und die Kurorte waren Wallfahrtsziele, denn Religion und Medizin waren in der antiken Vorstellung nicht getrennt. Die römische Eroberung betrachteten viele als Glück; man fand: »wären wir nicht so bald verloren gewesen, so wären wir nicht mehr zu retten gewesen«, und in der Tat herrschte von da an dauernder Friede, denn die Entscheidungsschlachten im römischen Bürgerkrieg, die alle auf griechischem Boden geschlagen wurden, zogen die Bevölkerung nicht in Mitleidenschaft. Später, unter der Byzantinerherrschaft, war Griechenland eine unbedeutende Provinz, die von Völkerstürmen heimgesucht wurde. Goten kamen, gingen und kamen wieder. Ihnen folgten Vandalen, Hunnen, Awaren und seit der Mitte des achten Jahrhunderts so viele Slawen, daß Fallmerayer im vorigen Jahrhundert die vielbeachtete Theorie aufstellen konnte, die heutigen Griechen hätten mit den alten Hellenen gar nichts zu schaffen. Das ist entschieden übertrieben: Es gibt im modernen Griechenland zwar eine Menge slawische Ortsnamen, aber noch viel mehr echt hellenische, und noch heute leben zahlreiche Vorstellungen der antiken Mythologie im Volk; die Lamia zum Beispiel ist noch ebenso gefürchtet wie zur Zeit Hesiods. Die  schlechten Eigenschaften, die man den Neugriechen vorwirft, besaßen ihre Vorfahren schon ganz ähnlich und in mindestens so reichem Maße. Aber was Ernst Curtius vom Peloponnes sagt: »Eine Übersicht über die Schicksale des Landes lehrt uns, daß der Peloponnes nur unter den hellenischen Stämmen eine Geschichte durchlebt hat, welche es verdient, daß wir mit treuster Forschung ihre Spuren im Lande aufsuchen«, gilt von ganz Griechenland, auch von Athen, dem ein byzantinisches Epigramm nachsagte: »Nichts ist mehr da als die Gräber der Toten und Schatten der Weisen.« Die Geschichte verrinnt zum Teil sogar unterirdisch wie die griechischen Flüsse, die streckenweise in »Katavothren« versinken. Was von griechischer Kultur noch übrig war, lebte in Byzanz weiter. Auch politisch verschob sich der Schwerpunkt nach dem einst barbarischen Norden. Ein neuer griechischer Großstaat könnte heute sein Zentrum nicht mehr in Athen, sondern nur in Konstantinopel haben. Von der Mitte des zwölften Jahrhunderts an erschienen fränkische Eroberer. Herzöge und Barone pflanzten ihre Kreuze auf die Akropolen, christliche Tempelritter füllten die heidnischen Tempel, Bilder der Jungfrau Maria die Heiligtümer der Jungfrau Athena. Im vierzehnten Jahrhundert kamen Albanesen, in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts die Türken. Der Parthenon wurde Moschee. Griechen dienten als »Stratioten« in europäischen Heeren, als Hellenisten an europäischen Höfen, als Minister und Janitscharen in Stambul. Um die Wende des siebzehnten Jahrhunderts wurde Morea, wie man den Peloponnes jetzt zu nennen pflegte, für etwa ein Viertel Jahrhundert der Blüte venezianisch. Der griechische Befreiungskampf, der das dritte Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts erfüllte, wurde von ganz Europa mit großer Spannung und fast allgemeiner Sympathie verfolgt. Da sich in dieser Angelegenheit das Programm der russischen Balkanpolitik mit dem des englischen Liberalismus deckte, war der Krieg für die Türkei von Anfang an aussichtslos. Das neue Königreich gewann 1864 die Ionischen Inseln, 1878 Thessalien, in den Balkankriegen Kreta, Epirus, Südmazedonien und einen Teil der kleinasiatischen Inseln, im Weltkrieg Südwestthrazien, ursprünglich auch Ostthrazien und das Wilajet Smyrna, die aber wieder an die Türkei verlorengingen."  [27][28][29]

Die Griechen hatten die Perser erfolgreich in der Schlacht von Salamis geschlagen und haben Europa gegründet:
 

"Denn des Genius Feind, der vielgebietende Perse,
Jahrlang zählt' er sie schon, der Waffen Menge, der Knechte,
Spottend des griechischen Lands und seiner wenigen Inseln,
Und sie deuchten dem Herrscher ein Spiel und noch, wie ein Traum, war
Ihm das innige Volk, vom Göttergeiste gerüstet.
Leicht aus spricht er das Wort und schnell, wie der flammende Bergquell,
Wenn er furchtbar umher vom gärenden Ätna gegossen,
Städte begräbt in der purpurnen Flut und blühende Gärten,
Bis der brennende Strom im heiligen Meere sich kühlet,
So mit dem Könige nun, versengend, städteverwüstend,
Stürzt von Ekbatana daher sein prächtig Getümmel;
Weh! und Athene, die herrliche, fällt; wohl schauen und ringen
Vom Gebirg, wo das Wild ihr Geschrei hört, fliehende Greise
Nach den Wohnungen dort zurück und den rauchenden Tempeln,
Aber es weckt der Söhne Gebet die heilige Asche
Nun nicht mehr, im Tal ist der Tod, und die Wolke des Brandes
Schwindet am Himmel dahin, und weiter im Lande zu ernten,
Zieht, vom Frevel erhitzt, mit der Beute der Perse vorüber.
Aber an Salamis Ufern, o Tag an Salamis Ufern!
Harrend des Endes stehn die Athenerinnen, die Jungfraun,
Stehn die Mütter, wiegend im Arm das gerettete Söhnlein,
Aber den Horchenden schallt von Tiefen die Stimme des Meergotts
Heilweissagend herauf, es schaun die Götter des Himmels
Wägend und richtend herab, denn dort an den bebenden Ufern
Wankt, seit Tagesbeginn, wie langsamwandelnd Gewitter
Dort auf schäumenden Wassern die Schlacht und es glühet der Mittag,
Unbemerket im Zorn, schon über dem Haupte den Kämpfern.
Aber die Männer des Volks, die Heroenenkel, sie walten
Helleren Auges jetzt, die Götterlieblinge denken
Des beschiedenen Glücks, es zähmen die Kinder Athenes
Ihren Genius, ihn, den todverachtenden jetzt nicht;
Denn wie aus rauchendem Blut das Wild der Wüste noch einmal
Sich zuletzt verwandelt erhebt, der edleren Kraft gleich,
Und den Jäger erschreckt; kehrt jetzt im Glanze der Waffen,
Bei der Herrscher Gebot, furchtbargesammelt den Wilden,
Mitten im Untergang die ermattete Seele noch einmal.
Und entbrannter beginnts; wie Paare ringender Männer
Fassen die Schiffe sich an, in die Woge taumelt das Steuer,
Unter den Streitern bricht der Boden und Schiffer und Schiff sinkt.
Aber in schwindelnden Traum vom Liede des Tages gesungen
Rollt der König den Blick, irrlächelnd über den Ausgang
Droht er und fleht und frohlockt und sendet, wie Blitze, die Boten
Doch er sendet umsonst, es kehret keiner ihm wieder.
Blutige Boten, Erschlagne des Heers und berstende Schiffe,
Wirft die Rächerin ihm zahllos, die donnernde Woge
Vor den Thron, wo er sitzt am bebenden Ufer, der Arme
Schauend die Flucht und fort in die fliehende Menge gerissen,
Eilt er, ihn treibt der Gott, es treibt sein irrend Geschwader
Über die Fluten der Gott, der spottend sein eitel Geschmeid' ihm
Endlich zerschlug und den Schwachen erreicht' in der drohenden Rüstung. " [1] - Hölderlin 
 
Später haben sich die Türken zu weit ausgebreitet: "Aber weh! es wandelt in Nacht, es wohnt, wie im Orkus, Ohne Göttliches unser Geschlecht. Ans eigene Treiben sind sie geschmiedet allein und sich in der tosenden Werkstatt höret jeglicher nur und viel arbeiten die Wilden mit gewaltigem Arm, rastlos, doch immer und immer unfruchtbar, wie die Furien, bleibt die Mühe der Armen. Bis erwacht vom ängstigen Traum, die Seele den Menschen aufgeht, jugendlichfroh, und der Liebe segnender Othem wieder, wie vormals, oft, bei Hellas blühenden Kindern, wehet in neuer Zeit und über freierer Stirne uns der Geist der Natur, der fernherwandelnde, wieder
Stilleweilend der Gott in goldnen Wolken erscheinet." [1]

Waren auch Milet, Ephesus und Kolophon ionisch; Cos, Rhodus und Halikarnaß dorisch; Croton und Sybaris achäisch: so übte doch mitten in dieser Vielseitigkeit der Cultur, ja da, wo in Unteritalien Pflanzstädte verschiedener Volksstämme neben einander lagen, die Macht der homerischen Gesänge, die Macht des begeisterten, tiefempfundenen Wortes ihren allvermittelnden Zauber aus. Bei fest gewurzelten Contrasten in den Sitten und in den Staatsverfassungen, bei dem wechselnden Schwanken der letzteren erhielt sich das Griechenthum ungetheilt. Ein weites durch die einzelnen Stämme errungenes Reich der Ideen und Kunsttypen wurde als das Eigenthum der gesammten Nation betrachtet. [34]

Das Princip der Einigung und Einheit oder vielmehr das Gefühl von dem wohlthätigen politischen Einflusse dieses Princips lag, wie alle seine Staatseinrichtungen beweisen, tief in dem Gemüth des kühnen Eroberers. Selbst auf Griechenland angewandt, war es ihm von seinem großen Lehrer schon früh eingeprägt worden. In der Politik des Aristoteles (Polit. VII, 7 pag. 1327) lesen wir: »den asiatischen Völkern fehlt es nicht an Thätigkeit des Geistes und Kunstgeschicklichkeit, doch muthlos leben sie in Unterwürfigkeit und Knechtschaft: während die Hellenen, kräftig und regsam, in Freiheit lebend und deshalb gut verwaltet, wären sie zu einem Staate vereinigt, alle Barbaren beherrschen könnten.« So schrieb der Stagirite bei seinem zweiten Aufenthalte in Athen, ehe noch Alexander über den Granicus ging. Die Grundsätze des Lehrers haben zweifelsohne einen lebendigeren Eindruck auf den Eroberer gemacht als die phantasiereichen Berichte des Ktesias über Indien, denen August Wilhelm von Schlegel und vor ihm schon Sainte-Croix eine so große Wirkung zuschreiben. [35]

Wir haben das Meer als ein vermittelndes, völkerverbindendes Element; die durch Phönicier und Carthager, Tyrrhener und Tusker erweiterte Schifffahrt in wenigen Zügen geschildert. Wir haben gezeigt, wie, durch zahlreiche Colonien in ihrer Seemacht verstärkt, die Griechen gegen Osten und Westen, durch die Argonauten von Jolkos und durch den Samier Coläus, aus dem Becken des Mittelmeers vorzudringen gestrebt; wie gegen Süden die Salomon-Hiramschen Expeditionen, in Ophirfahrten, durch das rothe Meer ferne Goldländer besuchten. Nun geht es in das Innere eines großen Continents auf Wegen, die dem Landhandel und der Fluß-Schifffahrt geöffnet werden. In den kurzen Zeitraum von zwölf Jahren fallen der Zeitfolge nach: die Feldzüge in Vorder-Asien und Syrien mit den Schlachten am Granicus und in den Strandpässen von Issus, die Einnahme von Tyrus und die leichte Besitznahme Aegyptens; der babylonisch-persische Feldzug: als bei Arbela (in der Ebene von Gaugamela) die Weltherrschaft der Achämeniden vernichtet wurde; die Expedition nach Bactrien und Sogdiana zwischen dem Hindu-Kho und dem Jaxartes (Syr), endlich das kühne Vordringen in das Fünfstromland (Pentapotamia) von Vorder-Indien. Fast überall hat Alexander hellenische Ansiedelungen gegründet und in der ungeheuren Länderstrecke vom Ammonstempel in der libyschen Oase und von Alexandria am westlichen Nil-Delta bis zum nördlichen Alexandria am Jaxartes (dem jetzigen Khodjend in Fergana) griechische Sitten verbreitet. Die Erweiterung des Ideenkreises, – und dies ist der Standpunkt, aus welchem hier des Macedoniers Unternehmen und die längere Dauer des bactrischen Reiches betrachtet werden müssen –, war begründet: in der Größe des Raumes; in der Verschiedenheit der Klimate von Cyropolis am Jaxartes (unter der Breite von Tiflis und Rom) bis zu dem östlichen Indus-Delta bei Tira unter dem Wendekreise des Krebses. Rechnen wir dazu die wunderbar wechselnde Gestaltung des Bodens: von üppigen Fruchtländern, Wüsten und Schneebergen mannigfaltig durchzogen; die Neuheit und riesenhafte Größe der Erzeugnisse des Thier- und Pflanzenreichs, den Anblick und die geographische Vertheilung ungleich gefärbter Menschenracen; den lebendigen Contact mit theilweise vielbegabten, uralt cultivirten Völkern des Orients; mit ihren religiösen Mythen, ihren Philosophemen, ihrem astronomischen Wissen und ihren sterndeutenden Phantasien. In keiner anderen Zeitepoche (die, achtzehn und ein halbes Jahrhundert später erfolgende Begebenheit der Entdeckung und Aufschließung des tropischen Amerika's ausgenommen) ist auf einmal einem Theile des Menschengeschlechts eine reichere Fülle neuer Natur-Ansichten, ein größeres Material zur Begründung der physischen Erdkenntniß und des vergleichenden ethnologischen Studiums dargeboten worden. [35]

Die Kunde eines großen Theils des Erdbodens wurde nun erst wahrhaft eröffnet. Die Welt der Objecte trat mit überwiegender Gewalt dem subjectiven Schaffen gegenüber: und indem, durch Alexanders Eroberungen, griechische Sprache und Litteratur sich fruchtbringend verbreiteten, waren gleichzeitig die wissenschaftliche Beobachtung und die systematische Bearbeitung des gesammten Wissens durch Aristoteles Lehre und Vorbild dem Geiste klar geworden. Wir bezeichnen hier ein glückliches Zusammentreffen günstiger Verhältnisse; denn gerade in der Epoche, in der sich plötzlich ein so ungeheurer Vorrath von neuem Stoffe der menschlichen Erkenntniß darbot, war durch die Richtung, welche der Stagirite gleichzeitig dem empirischen Forschen nach Thatsachen im Gebiete der Natur, der Versenkung in alle Tiefen der Speculation und der Ausbildung einer alles scharf umgrenzenden /wissenschaftlichen Sprache gegeben hatte, die geistige Verarbeitung des Stoffes erleichtert und vervielfältigt worden. So bleibt Aristoteles, wie Dante sich schön ausdrückt, auf Jahrtausende noch: il maestro di color che sanno. [35][36][37]

Die macedonische Expedition, welche einen großen und schönen Theil der Erde dem Einflusse eines einzigen und dazu eines so hochgebildeten Volkes eröffnete, kann demnach im eigentlichsten Sinne des Worts als eine wissenschaftliche Expedition betrachtet werden; ja als die erste, in der ein Eroberer sich mit Gelehrten aus allen Fächern des Wissens: mit Naturforschern, Landmessern, Geschichtsschreibern, Philosophen und Künstlern, umgeben hatte. Aristoteles wirkte aber nicht bloß durch das, was er selbst hervorgebracht; er wirkte auch durch die geistreichen Männer seiner Schule, welche den Feldzug begleiteten. Unter diesen glänzte vor allen des Stagiriten naher Verwandter, Callisthenes aus Olynth, der schon vor dem Heerzuge botanische Werke und eine feine anatomische Untersuchung über das Gesichtsorgan geliefert hatte. Durch die ernste Strenge seiner Sitten und die ungemessene Freiheit seiner Rede ward er dem, schon von seiner edeln und hohen Sinnesart herabgesunkenen Fürsten, wie dessen Schmeichlern, verhaßt. Callisthenes zog unerschrocken die Freiheit dem Leben vor: und als man ihn zu Bactra in die Verschwörung des Hermolaus und der Edelknaben schuldlos verwickelte, ward er die unglückliche Veranlassung zu der Erbitterung Alexanders gegen seinen früheren Lehrer. Theophrast, des Olynthiers gemüthlicher Freund und Mitschüler, hatte den Biedersinn ihn nach seinem Sturze öffentlich zu vertheidigen; von Aristoteles wissen wir nur, daß er ihn vor seiner Abreise zur Vorsicht gemahnt und, durch den langen Aufenthalt bei Philipp von Macedonien des Hoflebens, wie es scheint, sehr kundig, ihm gerathen habe: »mit dem König so wenig als möglich, und wenn es sein müßte, immer beifällig zu reden«. [35]
 

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[1] Vgl. Kurs Nr. 554 Friedrich Hölderlin. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Vgl. Kurs Nr. 545 Sittenlehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] Vgl. Kurs Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung. Akademie der Kunst und Philosophie
[4] Vgl. Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie
[5] Vgl. Kurs Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[6] Vgl. Kurs Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[7] Vgl. Kurs Nr. 512 Novalis. Akademie der Kunst und Philosophie
[8] Vgl. Kurs Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion - Philosophy of Science, Art and Religion. Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Sciences
[9] Vgl. Kurs Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung. Akademie der Kunst und Philosophie
[10] Vgl. Kurs Nr. 509 Philosophie der Freiheit. Akademie der Kunst und Philosophie
[11] Vgl. Kurs Nr. 513 Schelling: Philosophie der Mythologie. Akademie der Kunst und Philosophie
[12] Mehr zur Verteidigung der Freiheit zum Beispiel gegen die Türken in Kurs Nr. 552 William Shakespeare. Akademie der Kunst und Philosophie
[13] Vgl. Kurse Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 506 Wladimir Solowjew: Europa im 21. Jahrhundert. Akademie der Kunst und Philosophie
[14] Gutschker, T. 2016: Unterstützt die Türkei den IS? Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 2, p. 7
[15] Vgl. Kurs Nr. 505 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Akademie der Kunst und Philosophie
[16] Vgl. Kurs Nr. 556 - Torquato Tasso. Akademie der Kunst und Philosophie
[17] Vgl. Kurs Kurs Nr. 557 - Ariosto. Akademie der Kunst und Philosophie
[18] Die islamisierten Turkstämme (Tscherkessen, Tschetschenen, Osseten, Lasen, Tataren) lösten zusammen mit Kurden und Arabern aus dem oberen Zweistromland die christlichen Byzantiner als herrschende Klasse und als Oberschicht ab. Das 1299 gegründete Osmanische Reich unterschied nicht zwischen Rassen und Völkern, sondern zwischen Religionen. Alle Muslime gehörten der islamischen "Nation" (Millet) an. Die Osmanen konnten nur überleben, weil christliche Minderheiten die Verwaltung organisierten. Mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen unter Mehmed II. herrschten die Osmanen von 1453 bis 1830 über die Griechen. Viele griechisch besiedelte Regionen kamen teilweise erst im Laufe dieser Zeitspanne unter osmanische Herrschaft. Mit der Schwächung des Osmanischen Reiches und dem Erstarken des griechischen Nationalbewusstseins kam es am Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer  Unabhängigkeitsbewegung auf dem Gebiet des seit Jahrtausenden von Griechen bewohnten Gebietes. Die Aufstände der Griechen für Freiheit und Unabhängigkeit von der osmanischen Beherrschung konnten von der Hohen Pforte nur zum Teil niedergeschlagen werden. 1830 setzten die europäischen Großmächte gegenüber dem Osmanischen Reich ein unabhängiges Griechenland durch. Erst im Balkankrieg von 1912/13 konnte Griechenland gegenüber dem Osmanischen Reich große Landgewinne verzeichnen. Die vorangegangenen Kriege hatte das junge Griechenland zum Teil verloren. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 25, p. 7) vgl. Kurse Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 550 Dostojewskij und Nr. 552 William Shakespeare. Akademie der Kunst und Philosophie)
[19] Auch später im Griechisch-Türkischen Krieg, den Auseinandersetzungen zwischen dem Königreich Griechenland und dem anatolischen Teil des im Ersten Weltkrieg zerschlagenen Osmanischen Reiches in den Jahren 1919–1922, in dem Griechen und Armenier gegen die Türken kämpfen, hat Europa versäumt, eine Reconquista für Konstantinopel und die Levante durchzuführen. Dieser Krieg schloss sich unmittelbar an den Ersten Weltkrieg an, in dem Griechenland seit dem Regierungswechsel 1917 auf Seiten der Entente gegen das Osmanische Reich gekämpft hatte. Als sich im Winter 1918/19 der endgültige Zerfall des Osmanischen Reiches abzeichnete, schien für die griechische Regierung der Zeitpunkt gekommen, die „Megali Idea"  in die Tat umzusetzen: Es sollten Teile Kleinasiens , in denen auch Griechen lebten, und auch die teilweise griechisch bewohnten europäischen Restgebiete der Türkei inklusive der Hauptstadt Istanbul mit militärischen Mitteln für Griechenland erobert werden. Ihren Anfang nahmen die Kampfhandlungen nach der Unterzeichnung des Vertrages von Sèvres vom 10. August 1920. In Sèvres hatten die Siegermächte des Ersten Weltkriegs Anatolien bis auf eine kleine Fläche um Ankara unter christlichen Ländern aufgeteilt. In diesem Vertrag sollte - wenn er nicht 1923 durch den Friedensvertrag von Lausanne aufgelöst worden wäre -  nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, eine umfassende Regelung des Nachkriegszustandes auf dem Gebiet der osmanischen Türkei getroffen werden. Nach diesem Vertrag erhielt Griechenland das Recht, die im Vertrag genannten Gebiete unter Verwaltung zu nehmen und nach einer Übergangszeit von fünf Jahren dort einen Volksentscheid durchzuführen, bei dem die Bevölkerung dieser Gebiete frei entscheiden konnte, in welchem Staat sie zukünftig leben wollte. Am 15. Mai 1919 erfolgte die Übernahme der Verwaltung in den genannten Gebieten; auch durch Ankunft griechischer Truppen in Smyrna-Izmir. Nachdem der Vertrag von Mustafa Kemal nicht anerkannt wurde, entwickelte sich eine rege Partisanentätigkeit, die immer wieder Überfälle und andere kriegsähnliche Handlungen gegen griechische Truppen umfasste. Dabei wurden vielfach auch Zivilisten und andere Unbeteiligte auf beiden Seiten umgebracht. Als Reaktion auf diese Überfälle, die teilweise auch mit sowjetischen Waffenlieferungen möglich wurden, unternahm die griechische Armee Strafexpeditionen, um diese Partisanenüberfälle zu unterbinden. Ab dem Sommer 1920 wurden diese dann zu umfassenden Militäroperationen erweitert, mit dem Ziel, Angriffe von mittlerweile regulären Truppen unter Mustafa Kemal endgültig zu unterbinden und die der griechischen Verwaltung unterstellten Gebiete zu sichern. Da jedoch in diesen Gebieten nach einer Volkszählung von 1914, durchgeführt durch türkische Stellen, ca. 1,8 Millionen Menschen mit griechisch-orthodoxem Hintergrund lebten, stand zu befürchten, dass nach der Übergangszeit von fünf Jahren der Volksentscheid zugunsten Griechenlands fallen würde. Dies wussten auch die Militärs um Mustafa Kemal. Leidtragende des Krieges waren auch Zivilisten auf beiden Seiten. Die Rolle, die die Regierungen der Entente, insbesondere die britische und französische, während dieses Konflikts einnahmen, erscheint äußerlich inkonsequent. In ihr spiegelt sich zum einen die Kriegsmüdigkeit der Alliierten nach dem verlustreichen Ersten Weltkrieg wider, die durch den energischen und erfolgreichen türkischen Widerstand überrascht waren, zum andern auch die unterschiedlichen, zum Teil unvereinbaren Interessen der Verbündeten. Während die Briten nach Unterzeichnung der Verträge von Sèvres die griechische Regierung stärkten, unternahm der Bündnispartner Italien, der seine Interessen durch den Vertrag nicht genügend berücksichtigt fand, viel, um diese Verträge zu torpedieren, indem er sowohl offiziell als auch inoffiziell Waffen und Kriegsmaterial an die Jungtürken und Mustafa Kemal lieferte. Nach dem Sturz des ententefreundlichen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos im Verlauf des Krieges und der Rückkehr des als deutschfreundlich geltenden Königs Konstantin auf den griechischen Thron erkaltete zunehmend auch die Parteinahme der Westmächte für Griechenland. Die griechischen Truppen rückten in Anatolien zunächst schnell vor. Vor der Offensive der Griechen im Juli 1921 zogen sich die türkischen Truppen dann nach den Schlachten bis hinter den Sakarya (Fluss) zurück. Wegen der kritischen Lage übernahm Mustafa Kemal, damals schon Präsident der Nationalversammlung in Ankara, den Oberbefehl über die türkischen Truppen. Am 23. August 1921 begann mit einem griechischen Angriff die Schlacht am Sakarya etwa 70 km von Ankara entfernt. Die Griechen rückten zunächst bis auf eine Entfernung von 50 km auf Ankara vor, so dass dort bereits der Geschützdonner zu hören war, doch gelang es den Türken in vielen kleineren Gefechten, den griechischen Vormarsch nach drei Wochen zum Stehen zu bringen und dann mit einer Gegenoffensive die Griechen auf ihre Ausgangspositionen zurückzuwerfen. Hier hatten die Europäer und Russen versäumt, den Griechen effektiv zu helfen wie in der Zeit von 1453 bis 1830. Nachdem die Jungtürken fast zwei Millionen Armenier und andere Christen im ersten Weltkrieg vernichteten, vertrieben sie unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) weitere Millionen Christen, vor allem Angehörige der orthodoxen Kirche, ohne dass Russland oder andere europäische Staaten eingegriffen hätten. Der Historiker Stefan Ihrig zeigt in seiner 2014 erschienenen Monographie "Atatürk in the Nazi Imagination", wie sich Hitler in den 1920er Jahren von Atatürks Machenschaften hat inspirieren lassen. So habe Hitler etwa 1939 gesagt: "Die Türkei ist unser Modell." Wiederholt sprach er von Atatürk als dem "Stern in der Dunkelheit". 1936 hatte ein Rundschreiben des Büros der NSDAP für Rassenpolitik die Türken sogar zu "Ariern" und zu Europäern geadelt. Ihrig arbeitet heraus, wie sehr die Nationalsozialisten in Atatürks "Republik" das vorweggenommene Führerprinzip, "wie sie den modernen türkischen Staat bewunderten, seine völkische gute Praxis (...) und besonders die Art, wie dieser mit Minderheitenfragen umging. (...) Die gleichgeschaltete Nazipresse feierte die Auslöschung der Armenier (1915) rückblickend als den Beginn des Aufstiegs der 'Neuen Türkei', als eines wahrhaft türkisch-nationalen Staats." Die heutige radikal-islamische Regierung in der Türkei und ihre Niederlassungen in Deutschland (Zekeiya Altug, Ditib-Vorstandsmitglied, sagte nach der Armenier-Resolution im Bundestag, die Mitglieder seines Verbandes fühlten sich nach der Abstimmung nicht mehr von den türkischstämmigen Abgeordneten vertreten) verbreiten heute noch Nazi-Parolen. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 25, p. 1, 7 sowie Kurse Nr. 554 Friedrich Hölderlin und Nr. 552 William Shakespeare. Akademie der Kunst und Philosophie)
[20] Der Leiter des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Duma, Konstantin Kossatschew, sagte der Nachrichtenagentur Interfax: "Die Türkei sei schon mit ihrem Hauptziel gescheitert, Assad (pro-christlich) zu stürzen. Wenn Aleppo falle (also aus den Händen der pro-türkischen Rebellen befreit wird), werde das praktisch den Auszug der Türkei aus den Verhandlungen bedeuten. Der Westen könne und werde die türkische Führung nicht unterstützen, zudem bestehe das Risiko, dass ein direktes Eingreifen der Türkei zu einem vollumfänglichen Krieg führe. Wenn die Türkei eingreife, würden die Syrischen Streitkräfte jedem helfen, der sich gegen die türkische Aggression stemme, vor allem den Kurden, dem stärksten Spieler im Gebiet eines potentiellen türkischen Angriffs." Russland wird seine Strafaktionen gegen die Türkei fortsetzen, nicht nur weil die Türkei ein russisches Militärflugzeug abgeschossen hatte, sondern auch weil die Türkei permanent den islamistischen, tschtschenischen Separatismus und die muslimischen Krimttataren unterstützt. (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 39, p. 1-2, 8; Nr. 40, p. 2); vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 550 Dostojewskij. Akademie der Kunst und Philosophie
[21] Vgl. Kurs Nr. 558 - Calderon de la Barca. Akademie der Kunst und Philosophie
[22] Vgl. Kurs Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach. Akademie der Kunst und Philosophie
[23] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 43, p. 2, 5 
[24] Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 7, p. 10
[25] Vgl. Kurs Nr. 560 - Walter von der Vogelweide. Akademie der Kunst und Philosophie
[26] Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin machte in aller Öffentlichkeit klar, wer Herr im Hause Syrien ist." Wandel und Übergang zu einer säkularen und christlichen Levante werden von Russland geführt". Man wird auch nicht dulden, dass Weltkulturerbestätten zerstört werden. (Science Review Letters 2017, 16, Nr. 814 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 135, p. 8; 2016, Nr. 46, p. 5:); zu Gentili und der Orientfrage vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 550 Dostojewskij. Akademie der Kunst und Philosophie
[27] Egon Friedell, Kulturgeschichte des Altertums 
[28] Die konservative tschechische Zeitung "Lidové noviny" schreibt zur deutschen Flüchtlingspolitik: "Die gemeinsame europäische Lösung des Migrationsdesasters wird, so will es Merkel, ausserhalb Europas gesucht - in der Türkei.... Die EU wird auf diese Weise zu einer Geisel der Türkei. Sie wird abhängig von deren Bereitwilligkeit und deren Forderungen, wie etwa dem visafreien Reiseverkehr." (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 53, p. 2)
[29] Vgl. Kurs Nr. 505 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Akademie der Kunst und Philosophie sowie Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 54, p. 2
[30] Vgl. Kurs Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance in Italien. Akademie der Kunst und Philosophie
[31] Vgl. Kurs Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur in Frankreich. Akademie der Kunst und Philosophie
[32] Vgl. Kurs Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik. Akademie der Kunst und Philosophie
[33] Vgl. Kurs Nr. 553 Friedrich Schiller. Akademie der Kunst und Philosophie
[34] Weitere Ausführungen von Alexander von Humboldt in Kurse Nr. 505 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung und Nr. 553 Friedrich Schiller. Akademie der Kunst und Philosophie
[35] Sainte-Croix, examen critique des historiens d'Alexandre p. 731 ( Schlegel. Ind. Bibliothek Bd. I. S.150). Mehr zu Aristoteles und Alexander von Humboldt in Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie
[36] Vgl. Kurs Nr. 531 Plato, Aristoteles & Co. Akademie der Kunst und Philosophie
[37] Vergl. über diese Epoche Wilhelm von Humboldt in seinem Werke über die Kawi-Sprache und die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues Bd. I. S. CCL und CCLIV; Droysen, Gesch. Alexanders des Gr. S. 547, und hellenist. Staatensystem S. 24
[38] Dante, Inf. IV, 130
[39] Schon damals war die Frage nach dem Geiste Europas mit dem verknüpft, was man später die orientalische Frage nennen sollte. Ohne Ostgrenze keine westliche Wertegemeinschaft. Siehe auch Sloterdijk in Kurs Nr. 554 Friedrich Hölderlin; zur Orientfrage und Dostojewskij vgl. Anm. 5 und Kurse Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 553 Friedrich Schiller, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 552 William Shakespeare. Akademie der Kunst und Philosophie
[40] Science Review Letters 2017, 16, Nr. 785 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2016, Nr. 50, p.12; vgl. Kurse Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 545 Sittenlehre. Akademie der Kunst und Philosophie 
 
 

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Letzte Bearbeitung:14.06.2017