Akademie der Kunst und Philosophie | Academy of Arts and Philosophy
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Kurs Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II


"Voici le paradis!
Gloire, tout s'éclaire!
Gloire, tout rayonne!
Libres du lien mortel,
nous phanons, nous phanons dans la lumière,
oubliant la vie amère
pour les délices, les délices du ciel!
Sans jamais ternir l'aurore,
l'aurore qui brille sur notre front,
mille siècles passeront
et mille ciècles encore,
mill siècle!" Jules Massenet's "Le roi de Lahore" Act II
Carl Gustav Carus, Das Eismeer bei Chamonix, 1825-27

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 

1.  Jules Massenet's "Le roi de Lahore" (Der König von Lahore)

Nach der einaktigen Oper "La Grand Tante" wagte sich Massenet gleich an ein abendfüllendes dreiaktiges Werk, "Don César de Bazan", Komische Oper, uraufgeführt an der Opéra Comique Paris 1872. Danach schrieb er zwei dramatische Werke "Marie-Magdalene" (1873) und "Ève" (1875). Beide Werke wurden mit gröstem Beifall aufgenommen, und im Juli 1876 wurde der Komponist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. "Le roi de Lahore" war also die Oper, die ihm 1877 den ersten durchschlagenden Erfolg bescherte und seine Reputation als Theaterkomponist endgültig sicherte. Es war dieses Werk, das ihm die Pforten der Pariser Oper, des Allerheiligsten des französischen Opernlebens, öffnete. Erste Entwürfe stammen bereits aus dem Jahr 1869. Die Komposition entstand zwischen 1872 und 1877. Als er mit der Arbeit begann, gab es noch keinen festen Auftrag der Pariser Oper. Erst im Juli 1876 bat ihn die Direktion um ein Vorspiel aus dem schon fast fertigen Werk und nahm es anschließend trotz der Unerfahrenheit des Komponisten in diesem Genre ins Programm der Opéra Garnier auf. Die Uraufführung am 27. April 1877 dirigierte Edouard Deldevez. Regie führte Adolphe Mayer. Unter den Zuschauern befanden sich Gustave Flaubert, Léon Gambetta, Charles Gounod, Hortense Schneider, Gustave Doré, Georges-Eugène Haussmann, der französische Staatspräsident Patrice de Mac-Mahon und der brasilianische Kaiser Peter II. Die Aufführung war nicht zuletzt wegen der aufwändigen Bühnenbilder ein spektakulärer Erfolg. Massenet galt nun als der führende Opernkomponist seines Landes. Die Oper war damals nicht nur in Paris sehr erfolgreich. Das Werk wurde bald in ganz Europa und sogar in Amerika gespielt. Im Jahr 1977 wurde die Oper in Vancouver wieder aufgenommen. Diese Produktion wurde auch in San Francisco aufgeführt. Die Leitung hatte Richard Bonynge, und die Hauptrolle sang Joan Sutherland. Allerdings hatte er noch nicht Bayreuth besucht, das heisst er ist noch nicht unter den Einfluss von Richard Wagner gekommen, und so musste er noch lernen, einen musikalischen Gedanken durchzuhalten, ihn zur Entfaltung zu bringen und zum Wachsen, ihn zu unterstützen mit einem symphonischen Klang. Wenn es also hier Opernkomponisten gibt, deren Erbe Massenet in seiner Partitur übernimmt und entfaltet, so sind es Ambroise Thomas, sein Lehrer am Konservatorium, und Charles Gounod. Der Einfluss Gounods zeigt sich am deutlichsten im dritten Akt. [1] 

Ort und Zeit der Handlung ist Indien, zur Zeit der mohammedanischen Invasion um 1020. Personen: Louis Gallet, der gesuchteste Librettist seiner Zeit, schlug Massenet dieses Sujet aus der indischen Geschichte vor. Diese Themen wie Verteidigung des Griechentums gegen die Perser, des Christentums gegen die Muslime im Mittelalter oder alter Religionen gegen einfallende Moslems, waren angesagt, gerade in einer Zeit, in der ein rationalistischer Geist und die protestantische Rigidität alle wahrhaft religiösen Gefühle im Keim erstickten, was nicht zuletzt am Verschwinden der Bienenwachskerzen in der Kirche und einem verkümmerten Abendmahl mit einer Art Esspapier, zu sehen war. Die handelnden Personen sind: Alim, König von Lahore (Tenor), Sitâ, Priesterin in Indras Tempel und Scindias Nichte (Sopran), Scindia, königlicher Minister (Bariton),    Timour, Hohepriester Indras (Bass), Indra, indische Gottheit (Bass), Kaled, Vertrauter des Königs (Mezzosopran), ein Anführer (Bariton), ein Soldat (Bariton), Priester, Priesterinnen, Anführer, Soldaten, himmlische Seelen, Volk (Chor, Statisten), Ballett

Erster Akt: Lahore wird von dem muslimischen Sultan Mahmoud und seinen Muslim-Horden angegriffen. Daraufhin versammelt sich das Volk vor dem Tempel des Gottes Indra, um diesen um Hilfe zu bitten: "Bientôt les musulmans seront devant Lahore! / ... Ils viennent comme un flot que rien n'arrêtera! / ... La mort marche avec eux et la flamme dévore / partout sur leur chemin, les champs et les cités! / Mahmoud, le sultan redoutable, / méne ces hommes indomptés, ces hommes / ... Bientôt les musulmans seront devant Lahore!" (Bald ist der Muselmann bei uns mit seinen Heeren; Sie kommen wie das Meer, nichts hält die Schrecken auf, mit ihnen geht der Tod, die Flammen verzehren alles auf ihrem Weg, die Städte und die Felder! Mahmoud, jener furchtbare Sultan führt uns die Wilden selbst herauf... Bald ist der Muselmann bei uns mit seinen Heeren!). Die Hilfe wird vom Hohepriester Timour im Namen der Gottheit zugesagt, die die Muslime, also die Feinde allen Geistes, vernichten wird. Der Priester fragt den Minister des Königs, welche Strafe den Barbaren Mohamed erwarten wird: "Ministre du roi notre maître, / O Scindia, viens-tu nous annoncer enfin / du barbare Mahmoud le châtiment prochain?" (Minister des Herrn unseres Königs, wirst du, o Scindia, endlich uns verkünden, dass den Barbaren Mohamed gerechte Strafe trifft ?) Der Minister hat jedoch nur eins im Sinn, nämlich wie er die Pristerin aus dem Tempel zu seiner Frau machen kann. Der königliche Minister Scindia, der sich in seine eigene Nichte Sitâ verliebt hat, bittet Timour, Sitâ, die als Priesterin im Tempel tätig ist, aus diesem Amt zu entlassen. Als Timour dieses Ansinnen mit dem Hinweis, dass dies nur der König entscheiden könne, abweist, erklärt ihm Scindia, dass seine Nichte den Tempel entheilige und jede Nacht Besuch von einem unbekannten Mann erhalte. Timour verspricht der Sache nachzugehen, was Scindia aber nun in eine Zwickmühle bringt. Er will ja nicht die Bestrafung Sitâs, sondern nur ihre Freistellung vom Priesteramt. Bald darauf trifft Scindia auf seine Nichte. Bei dieser Gelegenheit gesteht er ihr seine Liebe. Sitâ erzählt ihm von dem nächtlichen Besucher, der, ohne sie zu berühren, Liebeserklärungen mache. Gleichzeitig weist Sitâ aber Scindias Liebeserklärung zurück. Dieser wird wütend, ruft Timour und andere Priester herbei und verlangt die Bestrafung Sitâs. Die hohe Geistlichkeit verurteilt Sitâ daraufhin zum Tode. In diesem Augenblick erscheint König Alim mit seinem Diener und erklärt, er selbst sei der nächtliche Besucher Sitâs, in die er sich verliebt habe. Diese Erklärung empört Timour, erstens weil er durch die heimlichen königlichen Besuche im Tempel diesen entheiligt sieht, und zweitens, weil er vom König erwartet, dass er bei seinen Soldaten im Krieg sei. Der König entschuldigt sich und unterwirft sich Timour, indem er um dessen bzw. um Indras Segen für den Feldzug bittet. Der Priester schimpft über den Pseudo-Propheten Mohammed, den sie in ihrem Wahn Prophet nennen: "Le sultan Mahmoud vient pour nos dieux! / Au nom de Mahomed, qu'ils nomment le Prophète, / ses soldats, si ta main ne les arrête, / vont chasser jusqu' ici nos poeples devant eux! / Eh bien! rassemble ton armée, marche vers le désert, / et que devant les pas, ainsi qu'une fumée, / s' efface l'ennemi menacant notre sol!" (Sultan Mahmoud hasst unsere Gottheiten schwer; er naht im Namen von Mohamed, den sie im Wahn Prophet zu nennen wagen; seine Soldaten treiben unsere Völker zu uns vor sich her. Nun wohl, bekämpf, die uns bedrohen, ziehe hin zur Wüste gleich, dass sie vor deinem Schritt wie Rauch sich zerstreuen, Vernichte unseren Feind und befreie das Reich!)

"Le sultan Mahmoud vient pour nos dieux!
Au nom de Mahomed, qu'ils nomment le Prophète, 
ses soldats, si ta main ne les arrête, 
vont chasser jusqu' ici nos poeples devant eux! 
Eh bien! rassemble ton armée, marche vers le désert, 
et que devant les pas, ainsi qu'une fumée, 
s' efface l'ennemi menacant notre sol!" Jules Massenet's "Le roi de Lahore" Act I
(Sultan Mahmoud hasst unsere Gottheiten schwer; 
er naht im Namen von Mohamed, den sie im Wahn Prophet zu nennen wagen; 
seine Soldaten treiben unsere Völker zu uns vor sich her. 
Nun wohl, bekämpf, die uns bedrohen, ziehe hin zur Wüste gleich, 
dass sie vor deinem Schritt wie Rauch sich zerstreuen, 
Vernichte unseren Feind und befreie das Reich!)
Nachdem ihm das gewährt wurde, macht er sich auf den Weg zu seinen Soldaten im Kriegseinsatz. Sitâ ist entlastet, und Scindia schwört enttäuscht Rache. [2] 

Zweiter Akt: Lager des Königs in der Wüste von Thôl. Es kommt in einer Wüste zu einer Schlacht zwischen dem Heer von Lahore und den muslimischen Invasoren. Scindia erscheint und erzählt den auf ihren König wartenden Soldaten, dass dieser verwundet und die Schlacht verloren sei. Anschließend macht sich Scindia selbst zum neuen Regenten, indem er sich von den Soldaten die Treue schwören lässt. Der König habe sich mehr auf die verbotene Liebe zur Priesterin konzentriert als auf die Bekämpfung der Muslim-Horden, weshalb er und seine Soldaten durch die Götter abgestraft würden: "Les diex vous punireient aussi, / et dans quelque immense carnage, / aux coups d'une horde sauvage, / ils vous jetteraient sans merci!" (Die Götter straften alsdann auch euch, sie ließen von blutdürstigen Horden euch hier ohne Gnade ermorden). Alle fliehen zurück in die Hauptstadt. Dort taucht auch der schwerverwundete König auf. Er berichtet von einem Verrat Scindias und dass dieser ihn hinterrücks attackiert habe. Alim glaubt wegen seiner heimlichen Tempelbesuche auch an eine Strafe Indras gegen ihn. Noch bevor er seinen Verwundungen erliegt, gesteht ihm Sitâ ihre Liebe. Diese fällt nun ihrerseits in Scindias Hand, der sie verschleppt. [3] 

Dritter Akt: Paradies Indras am Berg Meru. Im Gegensatz zum muslimischen "Paradies", das von vielen Dichtern und Malern in der Hölle verortet wird, ist das Paradies Indras dem christlichen ähnlich: Davon singen die glücklichen Seelen im Hain der Seligen im Paradies des Indra auf dem Berge Meru mit prachtvoller Vegetation, wo strahlendes Licht, unvergängliche Jugend, strahlende Himmelssonnen zu finden sind; hier ist man befreit vom irdischen Band; in dem Licht wir selig schweben, Wer lässt nicht das bittre Leben, der hier den Himmel fand! Jahrhunderte sind vergangen, Jahrhunderte werden noch kommen::

"Voici le paradis!
Gloire, tout s'éclaire!
Gloire, tout rayonne!
Libres du lien mortel,
nous phanons, nous phanons dans la lumière,
oubliant la vie amère
pour les délices, les délices du ciel!
Sans jamais ternir l'aurore,
l'aurore qui brille sur notre front,
mille siècles passeront
et mille ciècles encore,
mill siècle!" Jules Massenet's "Le roi de Lahore" Act II
König Alim ist in das Paradies der Gottheit eingegangen. Er bittet Indra um die Erlaubnis, noch einmal auf die Erde zurückkehren zu dürfen. Diese Bitte wird ihm unter der Bedingung erlaubt, dass er dort nur als Bettler leben dürfe. Bei einem Verstoß gegen diese Bedingung würde nicht nur der König, sondern auch Sitâ sofort sterben. Der König stimmt zu und darf somit auf die Erde zurückkehren. [4] 

Vierter Akt: Zimmer im königlichen Palast. Der Krieg gegen die Muslim-Horden in Lahore ist zu Ende. Die Angreifer wurden zurückgeschlagen, und Scindia lässt sich als Sieger feiern: "Aux troupes du Sultan / qui menacaient Lahore, la royale cité / notre puissance est redoutable encore. / Comme si les chassait une invisible main, / elles ont du désert regagné le chemin" (Die Truppen des Sultans, die es kühn wollten wagen, sich Lahore zu nahen, durch unsere Macht sind sie zurückgeschlagen! Als hätte sie verjagt eine unsichtbare Hand, sind sie nun aus der Wüste wieder verbannt). Gleichzeitig hält er Sitâ in seinem Palast gefangen, da sie sich weigert, seine Frau zu werden. Nach ihrem Bekunden würde sie eher sterben als Scindia zu ehelichen. [5] 

Vierter Akt: Der inzwischen wieder auf die Erde zurückgekehrte König trifft bald darauf auf Scindia, der ihn für einen Geist hält. Als Alim seine Rechte einfordert, lässt ihn Scindia für verrückt erklären. Auch der Bitte der Priester, Sitâ wieder der Geistlichkeit zurückzugeben, kommt er nicht nach. Um alle zu brüskieren, lässt Scindia Sitâ holen und stellt sie als seine Königin vor. Alim ist entsetzt und glaubt Sitâ sei ihm untreu geworden. Er versucht vergeblich mit ihr Kontakt aufzunehmen. [6] 

Fünfter Akt: Sitâ ist in den Tempel geflüchtet. Dort bittet sie die Gottheit um Vergebung und um die Zusammenführung mit ihrem Geliebten Alim. Da nähert sich Scindia mit seinen Soldaten, und Sitâ sieht keinen anderen Ausweg aus ihrer Lage als Selbstmord. Mit ihr stirbt auch Alim. Nun verwandelt sich die Szenerie. Alim und Sitâ sind gemeinsam im Paradies bei Indra. Gleichzeitig stürzt der Verräter Scindia in die Verdammnis. Gesiegt über die Truppen des Sultan haben also letztlich die indischen Gottheiten  [7] 
 

2. Antonin Dvorak's "Armida"

Nicht nur Händel hat Ausschnitte aus Torquato Tasso's Versepos "La Gerusalemme liberata" vertont. Die Liebesgeschichte zwischen Armida und Rinaldo ist dem Epos als Episode einverwoben. Neben Benedetto Ferraris "L'Armida" komponiert ein knappes halbes Jahrhundert vorher Jean-Baptiste Lully die "Tragedie lyrique Armide" nach einem Libretto von Philippe Quinault. An dieses Versepos knüpfte ein knappes Jahrhundert später Christoph Willibald Glucks Armide (1777) an. Danach häufen sich die "Armida" -Opern, mehr und mehr zeigt sich Interesse am Kampf der Christen gegen die muslimischen Heiden: Giuseppe Scarlatti, Manfredini, Anfossi, Salieri, Sacchini, Gazzaniga, Righini, Cherubini, Jomelli, Naumann, Bertoni und Haydn legen ihre Opern vor. Haydns Oper "Armida, Dramma eroico" wurde ein großer Erfolg, man bezeichnete sie als das bislang beste Werk, am Hoftheater stand sie an der Spitze aller, auch Haydns zwischen 1784 und 1790 gespielter Opern, inkl. seines 1782 komponierten "Dramma eroicomico Orlando Paladino. Danach interessierten sich die Romantiker wie Rossini und Dvorak für diese Thematik. [8] 

Wie im Original von Tasso und in Händels Rinaldo wird auch in Dvorak's Armida schnell klar, auch der Moschee-Besuch hat wenig Sinn, wenn er nur dazu dient, Allah, dem "Lügnergott" zu verehren: "Die Mütter ziehn indes in die Moscheen, / Um zu dem bösen Lügnergott zu flehen" (Tasso). Bei Händel bekennt Armida zum Schluss, der Schwächling Allah habe keine Macht, den Christen helfe "eine stärkere Gottheit" und daher konvertiert sie zum Christentum. Auch erzählt sie wie Frauen  von muslimischen Männern unterdrückt und auf falsche Fährten geführt werden: "Als Heidin wuchs ich auf, und List und Trügen schien zum Verderb der Christen mir erlaubt. Dir folgt' ich, fing dich, führte dich in Banden vom Heere fern nach weit entlegnen Landen; Nicht tadle mich mein Oheim und mein Hüter; Er wollt' es so, er klage selbst sich an. Zu schlechtem Tun für weibliche Gemüter Führt' er zuerst den stolzen Geist hinan. Er raubte mir das köstlichste der Güter, Die edle Scheu, und störte meine Bahn. Ihm fällt zur Last die Schuld unwürd'ger Dinge, Die ich vollbracht aus Lieb', aus Zorn vollbringe" (Tasso). In Händels Rinaldo zerbricht sie ihren Zauberstab und nimmt den Glauben ihres Geliebten an, auch bei Dvorak steht die Liebe zu Rinaldo im Mittelpunkt; auch wenn sie stirbt, wird sie vorher noch getauft und wird christlich. [9] 

Armida (Op. 115; Burghauser 206) ist eine Oper in vier Akten von Antonín Dvorák (Musik) mit einem Libretto von Jaroslav Vrchlický nach Torquato Tassos Epos Das befreite Jerusalem. Die Uraufführung fand am 25. März 1904 im Prager Nationaltheater statt. Erster Akt: Der zauberkundige syrische Herrscher Ismen berichtet von der Ankunft des christlichen Kreuzfahrerheeres unter seinem Anführer Bohumír z Bouillonu (Gottfried von Bouillon). Dieser wolle unter dem Vorwand, das Grab Christi zu befreien, das ganze Land erobern. Hydraot ruft zum Kampf gegen die Eindringlinge auf. Doch Ismen traut der Schlagkraft des damaszenischen Heeres nicht und schlägt stattdessen eine List vor: Hydraot solle seine ebenfalls der Zauberei mächtige Tochter Armida dazu überreden, in das gegnerische Lager zu gehen, um die Ritter durch ihre Schönheit zu verwirren und Zwietracht unter ihnen zu säen. Als Armida erscheint, hört sie ihrem Vater kaum zu – so sehr ist sie in Gedanken bei einem fremden Ritter (Rinald), dem sie kürzlich bei einer Jagd begegnet ist. Als Hydraot ihr endlich sein Ansinnen erklärt hat, lehnt Armida ab. Auch Drohungen ihres Vaters können sie nicht umstimmen. Daraufhin zeigt Ismen ihr eine magische Vision des christlichen Lagers, um ihr den Ernst der Lage darzulegen. Armida bemerkt unter den Rittern ihren Angebeteten und nimmt die Aufgabe an. [10] 

Zweiter Akt: Die versammelten Kreuzfahrer feiern Gottesdienst mit dem Eremiten Petr. Die Ritter Gernand, Roger, Dudo und Sven können es kaum erwarten, endlich den Kampf zu beginnen. Ubald richtet ihre Aufmerksamkeit auf einen Herold. Der Herold fordert die Anwesenden auf, sich vor dem Zelt des Feldherrn zu versammeln. Die schwarz gekleidete und verschleierte Armida erscheint im Lager und verlangt, den Anführer zu sprechen. Sofort entsteht Unruhe unter den Rittern. Petr erkennt die Gefahr, die von der scheinbar trauernden Frau ausgeht. Er versucht vergeblich, sie aus dem Lager zu bekommen. Rinald dagegen bietet Armida seine ritterliche Hilfe an. Die beiden erkennen sich wieder und schwärmen von ihrer gegenseitigen Liebe. Als Bohumír aus seinem Zelt tritt, bittet ihn Rinald, Armida sein Gehör zu schenken. Nachdem sie sich vorgestellt hat, erzählt sie eine Lügengeschichte: Ihr Onkel habe ihren Vater Hydraot geblendet und in den Kerker geworfen, um selbst die Macht an sich zu reißen. Da sie ihm nicht zu Willen sein wollte, habe er ihren Bruder in die Wüste verbannt. Sie sei daraufhin aus der Stadt geflohen, um die Kreuzfahrer um Unterstützung bei ihrer Rache und der Befreiung ihres Vaters zu bitten. Sie kenne einen geheimen Weg in die Stadt. Rinald und viele weitere Ritter sind sofort bereit, ihr zu helfen. Bohumír, der nicht auf so viele seiner Leute verzichten kann, beschließt, das Los entscheiden zu lassen, wer mit Armida gehen darf. Rinald und Armida haben einen Moment für sich. Da sie sich nicht auf das Los verlassen wollen, entscheiden sie sich zur Flucht. Petr schöpft Verdacht, kann die Flucht aber nicht mehr verhindern, da Ismen mit einem von Drachen gezogenen Zauberwagen auftaucht und Armida und Rinald fortbringt. [11] 

Dritter Akt: Armida und Rinald genießen ihre Liebe in einem Zaubergarten mitten in der Wüste. Sirenen, Nymphen und Feen besingen die Schönheit und friedliche Atmosphäre des Gartens. Ismen beobachtet das Paar eifersüchtig, da er selbst ein Auge auf Armida geworfen hat. Während Rinald schläft, gemahnt Ismen Armida an ihre Pflicht, Rinald zu töten. Doch Armida steht zu ihrer Liebe und weigert sich. Weder Ismens eigene Liebeserklärung noch seine Warnungen vor der Heimtücke des Kreuzritters können sie umstimmen. Schließlich droht er, den ganzen Palast mit dem Zaubergarten über ihnen zusammenbrechen zu lassen. Armida verweist im Gegenzug auf ihre eigenen Zauberkräfte. Als Rinald erwacht, kommt es zu einem Kräftemessen zwischen Ismens und Armidas magischen Fähigkeiten. Sie lässt den von Ismen vernichteten Palast und Garten sogleich wieder in voller Pracht erscheinen. Der gedemütigte Ismen schwört Rache. Die Sirenen locken zwei Kreuzritter herbei, die sich auf der Suche nach Rinald befinden. Ismen erkennt sogleich seine Gelegenheit. Die Ritter Ubald und Sven fragen Ismen nach dem Besitzer des Schlosses. Ismen erzählt ihnen, dass Armida es für Rinald errichtet habe und es von unzähligen Dämonen bewacht werde. Allerdings befinde sich in den Gewölben des Schlosses der Diamantschild des Heiligen Michael, durch dessen magnetische Kraft sie Rinald zurückgewinnen können. Er werde ihnen den Weg dorthin zeigen. Ubald und Sven haben den Diamantschild erfolgreich an sich gebracht und sind bis zu Rinald und Armida vorgedrungen. Sie halten Rinald den Schild vor Augen, entreißen ihn so der Macht Armidas und führen ihn fort. Ismen kann nun die Burg zerstören. [12] 

Vierter Akt: Rinald, der in einem Kampf verwundet wurde, erinnert sich an die Geschehnisse der letzten Tage. Er bereut seinen Verrat zutiefst und bittet Gott um Vergebung. Seine Freunde Ubald, Sven und Petr kommen in die Oase zurück, in der sie Rinald nach dem Angriff der Mohren zurücklassen mussten. Sie versichern ihm, dass ihm vergeben worden sei. Rinald ist voller Tatendrang. Die Kreuzfahrer drängen zum Aufbruch nach Damaskus. Rinald will mitkämpfen, ist aber noch zu schwach. Petr schlägt vor, ihm den Diamantschild zu reichen. Als Rinald darauf schlägt, heilen seine Wunden spontan. Plötzlich erscheint Ismen und greift Rinald an. Rinald gewinnt die Oberhand. Um sein Leben zu retten, verspricht Ismen ihm Nachrichten über Armida. Doch Rinald will nichts mehr von ihr wissen. Er tötet Ismen. Ein Ritter in schwarzer Rüstung nähert sich. Rinald sticht auch diesen nieder. Zu spät erkennt er, dass es sich um Armida selbst handelt. Er segnet und tauft sie, worauf sie in seinen Armen stirbt. In der Ferne erklingen die zuversichtlichen Rufe der Kreuzritter. [13] 

Das Libretto von Jaroslav Vrchlický basiert auf der bereits vielfach vertonten Armida-Episode aus Torquato Tassos Epos Das befreite Jerusalem. In die Schlussszene mischte er eine andere bekannte Episode derselben Vorlage, den Kampf zwischen Tancredi und Clorinda. Darin tötet Tancredi unwissentlich seine Geliebte Clorinda, da er sie in ihrer Rüstung nicht erkennt, und tauft sie vor ihrem Tod. Diese Episode hatte bereits Claudio Monteverdi in seinem Madrigal Il combattimento di Tancredi e Clorinda verarbeitet. Wie bereits in Rusalka basiert Dvoráks Komposition hauptsächlich auf Leitmotiven, die nicht nur Personen charakterisieren, sondern auch Symbole wie den Diamantschild Michaels, das Kreuz Christi oder das Kreuzritterheer. Die für seine Werke eher untypische sinnlich-orientalische Atmosphäre erreichte Dvorák sowohl durch Melodien und Harmonien wie auch durch die Instrumentation. Beispielsweise kombinierte er Frauenstimmen mit Harfen und Holzbläsern. Der spezielle Tonfall dieser Oper ist eine Weiterentwicklung von Dvoráks in Amerika entwickeltem Stil. An seine 9. Sinfonie erinnern beispielsweise Ganztonleitern, Pentatonik und andere Exotismen. Armida ist die letzte der zehn Opern Dvoráks. Der Librettist Jaroslav Vrchlický schrieb den Text bereits 1888 für den Komponisten Karel Kovarovic, der jedoch die Vertonung nach mehreren Versuchen aufgab. Anschließend bot Vrchlický das Libretto Karel Bendl und Zdenek Fibich an, die aber beide kein Interesse zeigten. Dvorák, der bereits sein Oratorium Die Heilige Ludmilla auf einen Text Kovarovics vertont hatte, nahm dessen Angebot an, als er sich nach seinem Erfolg mit Rusalka 1901 nach einem geeigneten Libretto für seine nächste Oper umsah. Er begann am 11. März 1902 mit der Komposition und beendete die Arbeit am 23. August 1903. Nicht zuletzt durch seine beiden letzten Opern "Russalka" und "Armida" wurde Dvorak zu einem der bedeutendsten Opernkomponisten der Welt. [14] 
 

3. Modest Mussorgski's „Boris Godunow“ 

Alexander Puschkin entwarf 1824/25 eine Boris Godunow-Tragödie. Für die Quellenstudien verwendete er Karamsin's "Geschichte des russischen Staates". Puschkins Tragödie gewann den Mut zu ihrem sprunghaften Charakter, ihrem häufigen Wechsel der Schauplätze und ihren knappen Szenen aus Shakespeares Königsdramen. Da es für romantisch galt, Shakespeare als Vorbild zu nehmen, nannte Puschkin seine Versdichtung eine "wahrhaft romantische Tragödie". Auch Schiller mit seinem "Demetrius" und Hebbel starteten Versuche zu einem Drama. Tschaikowski, Dimitri Schostakowitsch und Rimsky-Korsakoff versuchten den Stoff musikalisch zu verarbeiten; so gibt es eine Schostakowitsch-Fassung, die 1966 in Augsburg aufgeführt wurde. [15] 

Das Teatro alla Scala eröffnet 2022 die Saison mit „Boris Godunow“ von Modest Mussorgski. „Boris Godunow“ von Modest Mussorgski, in der Urfassung fertiggestellt 1870 und danach mehrfach überarbeitet, bietet für einen Lügner, Mörder und Machtpolitiker den besten Anschauungsunterricht, "wobei das Besondere daran ist, dass der durch die Ermordung des legitimen Thronnachfolgers an die Macht gekommene Zar Boris nicht durch äußere Machenschaften, sondern durch seine Gewissensbisse zu Fall gebracht wird. Mussorgski stützte sich in seinem Libretto auf das gleichnamige Drama von Puschkin, dem wiederum Shakespeares „Macbeth“ Pate stand. Dessen Geistererscheinungen verlagert Puschkin konsequent ins Innere der Psyche, und daran hält sich auch Mussorgski. Godunows selbstquälerische Zweifel an der Macht, die in Phantasmagorien vom toten Zarewitsch münden und ihn angesichts des Todes zur Einsicht in sein sündhaftes Handeln führen, bilden die packenden Höhepunkte der Oper. Und diese Nachtzustände der Seele, die kein Licht der Vernunft erhellt und der durch keine Emanzipation beizukommen ist, ließen George Steiner in seinem klassisch gewordenen Buch „Der Tod der Tragödie“ zu dem Urteil kommen, dass „Boris Godunow“ die bedeutendste Tragödie des neunzehnten Jahrhunderts sei. Dass sich das Ganze in einem bilderbuchhaft „finsteren“ Russland abspielt, trägt bei zur ungebrochenen Faszinationskraft des Werks zumal aus westlicher Sicht. Die Mailänder Scala hat mit Mussorgskis Oper nun ihre neue Spielzeit eröffnet, traditionell am Tag des heiligen Ambrosius, des Schutzheiligen der Stadt. Und wie immer gab es viel Pomp mit dem Staatspräsidenten, in dessen Beisein im Theater die Hymne gesungen wurde und der, von internationaler politischer Prominenz umgeben, der Vorstellung beiwohnte. Das Polizeiaufgebot war beträchtlich. In der Nacht zuvor hatten notorische Weltverbesserer noch die Eingangsfassade der Scala mit Farbe beschmiert." [16] 

Das Teatro alla Scala kann seit der italienischen Erstaufführung von „Boris Godunow“ im Jahr 1909 auf eine lange Aufführungstradition mit insgesamt sechsundzwanzig Inszenierungen zurückblicken. "Auf ihrer Suche nach einer wie auch immer gearteten russischen Authentizität sticht besonders diejenige von 1979 mit der Regie von Juri Lubimow, dem damaligen Leiter des Moskauer Taganka-Theaters, und dem Bühnenbild von David Borowski hervor, wo die Handlung vor einer monumentalen Ikonostase spielte und Claudio Abbado die sogenannte Originalfassung von 1873 dirigierte. Eine westliche Russlandromantik spielte dabei mit – es war die Zeit, als die italienische Linke ihren Zenit erlebte, die Kontakte zur Sowjetunion blühten und Luigi Nono an seinen Freund Abbado in revolutionärem Überschwang telegrafierte: „Ich möchte mit euch im schönen Moskau sein.“ Inzwischen haben sich die Umstände geändert, nicht nur was das schöne Moskau betrifft. Die Scala hat sich sozial geöffnet und überträgt seit einigen Jahren ihre Inaugurazione auch in das Mailänder Gefängnis San Vittore, wo die Premiere gemeinsam mit prominenten Gästen gefeiert wird. Und die jetzige Inszenierung sucht den Weg zu den russischen Quellen nicht mehr über die Beschwörung einer numinosen Religiosität, sondern über die Musik. Zugrunde liegt ihr die sogenannte Urfassung, in der das Drama, ungeschönt durch spätere Ergänzungen und „Verbesserungen“, gleichsam nackt in Erscheinung tritt; an der Scala wurde sie erstmals 2002 unter dem Dirigenten Valery Gergiev gespielt. Der Polen-Akt fehlt, es gibt nur sieben Szenen, deren letzte mit dem Tod des Zaren endet – das Drama von Schuld und Sühne findet hier seinen Schluss- und Höhepunkt. Die originale Musik mit ihrem Klang- und Gestenreichtum brachte Riccardo Chailly mit dem Orchester der Scala und den brillanten Chören zu großer Wirkung. Diese Musik ist die Sensation des Abends, tragender Pfeiler des Dramas und verleiht den Szenen ihre unverwechselbare Farbe und Kontur. Das gleißende Tutti mit viel Blech und Glockenklängen bei der Zarenproklamation kippt mit seiner Drastik in eine ätzende Kritik an der Machtinszenierung um. Die episch lange Erzählung des Mönchs Pimen, von Ain Anger bravourös gestaltet, ist ein Meisterstück an musikalischer Prosa und weist mit ihrer erfinderischen Sprachbehandlung weit in die Zukunft. Der von Yaroslav Abaimov mit rührender Unschuld dargestellte Gottesnarr erhält durch ein insistierendes Zweitonmotiv sein scharfes Profil als Künder der grausamen Wahrheit vom Kindermord. Der Regisseur Kasper Holten ließ sich über weite Strecken von der Musik leiten. Für die Allgegenwart des an Boris nagenden Schuldbewusstseins schuf er die Figur des im Kindesalter ermordeten Zarewitsch, der den Zaren als stumme Rolle in blutbefleckten Kleidern ständig begleitet. Der zwischen Machtbewusstsein, Gewissensqualen und menschlicher Hinfälligkeit schwankende Zar fand in Ildar Abdrazakov einen überzeugenden Darsteller mit einer bis in die extremen Ausdrucksbereiche enorm wandlungsfähigen Stimme. Als sein Gegenspieler Fürst Schuiski mimte Norbert Ernst mit zurückhaltend-glattem Tenor den machiavellistisch coolen Intriganten... Die schamlose Machtdemonstration beim ersten Auftritt des zum Zar gekürten Boris findet vor einem goldenen Portal statt, aus dem immer neue Repräsentanten des herrschenden Systems hervorquellen. Nicht ganz unproblematisch ist der Schluss, wenn Holten den Usurpator Grigori als neuen Herrscher erscheinen lässt. Die mafiöse, von Schuiski eingefädelte Machtergreifung ist bestes Polittheater, widerspricht jedoch Mussorgskis Musik, die sich hier ganz auf den Tod des unglücklichen Herrschers konzentriert. Im Übrigen verzichtete die Inszenierung dankenswerterweise auf aktualisierende Zutaten, auch wenn sie sich bei diesem Werk fast zwangsläufig anbieten. Zu den Szenen mit den manipulierten Volksmassen, die auf Befehl akklamieren und beten, während die wenigen Unbotmäßigen brutal niedergeknüppelt werden, zur staatstragenden Rolle des Klerus, zur Warnung vor den satanischen Einflüssen des Westens und zu der als schicksalhaft empfundenen Ausweglosigkeit der politischen Verhältnisse, zu all diesen charakteristischen Ingredienzen konnte man sich leicht seinen eigenen Subtext denken." [17] 
 

4. Der Einfluss Franz Schubert's auf die romantischen Opern 

Unverkennbar ist der Einfluss des Vorromantikers auf Wagners Opern wie Tannhäuser, der fliegende Holländer, Lohengrin und die Meistersinger. Galten Mozarts Opern den Romantikern als großes Vorbild, wie die Figur des Geistes am Ende von "Don Giovanni", der auch in einer Oper Carl Maria von Werbers, Wagners oder Berlioz' hätte auftreten können, so ist Franz Schubert z.B. in "Die Verschworenen" musikalisch ihr Wegbereiter. Auch Mozarts Singspiel Zaide oder das Serail und sein berühmtes Singspiel "Die Entführung aus dem Serail" waren Vorbilder für das Streben nach Freiheit, dem Widerstandskampf der Griechen gegen die türkische Besatzung, dem sich viele Romantiker anschlossen. In "Zaide" heisst es: "Ich werde bedacht sein, dich und mich zu retten und aus den Händen des Tyrannen befreien". Als der Sultan Soliman von der Flucht erfährt, reagiert er wie noch heute viele Mohammedaner reagieren: "O Mahomed, lass es wahr sein. Beim ersten Anblick will ich die verräterische Brut in Stücke hauen lassen." Zaide fragt im Sinne der Romantiker: "Weshalb muss ich im dunklen Kerker schmachten? Weshalb? Nur weil ich die Freiheit liebte? - Ich soll Folter und Tod erleiden, weil ich nicht Sklavin sein will." Weiter heisst es im Sinne der Romantiker, was auch heute für die von Russland bedrängte Ukraine gilt: "Kann ein Mensch ohne Freiheit glücklich sein". In Schubert's "Die Zwillingsbrüder" klingt eine Geschichte aus Cervantes' Don Qijote an, wenn er von islamischen Korsaren nach Algier verschleppt und als Sklave verkauft wird: "Die Teufelskorsaren fischten mich aus dem Meer ... und verkauften mich in Algier". Nur das Bild seiner Angebeteten konnte ihn am Leben erhalten. [18] 

Franz Schubert's "Die Verschworenen" wurde kurz nach Erscheinen des Erstdrucks (1862) von dem berühmten Victor Wilder unter dem Titel "La Croissade des Dames" (Der Frauenkreuzzug) ins Französische übersetzt. In weiteren Übersetzungen gelangte der Einakter  bereits 1863 in die USA und nach England. Die konzertante Uraufführung des Originals hatte Johann Herbeck 1861 in Wien dirigiert; kurz darauf folgte die szenische Premiere in Frankfurt a.M. Es handelt sich um in die Zeit der Kreuzzüge gegen die Türken bzw. Mohammedaner verlegte Variante jenes Ehestreiks der Soldatenfrauen, wie ihn Aristophanes in "Lysistrata" und "Die Weiberversammlung" sarkastisch geschildert hatte. Auch Anklänge an die Dramen der Spanier Cervantes, Calderon und Lope des Vega lassen sich finden. Im März und April 1823 entstanden die elf, mit Dialog verknüpften Nummern der Partitur. Im gleichen Jahr schrieb Schubert die Oper Fierabras, die Musik zu dem Schauspiel Rosamunde und den Liederzyklus "Die schöne Müllerin". Die große Verschwörungsszene (Nr. 4) persifliert in d-moll sowohl die Posaunen des "steinernen Gasts" aus dem Don Giovanni wie die Tremoli und Modulationen des 1821 uraufgeführten Freischutz. Auch Beethoven, Cherubini und Spontini werden persifliert. Unverkennbar ist bezüglich der gesamten Musik der Einfluss des Vorromantikers auf Wagners Opern wie Tannhäuser, der fliegende Holländer, Lohengrin und die Meistersinger. [19]

Die Texte und Liebesgedichte könnten auch den spanischen Dramatikern entnommen sein. Ein Ritter erzählt von seinem Kampf gegen die Muslime bzw. Ungläubigen: "Die Sarazenen haben es zu spüren bekommen... bei den 100 Sarazenen, die ich erschlagen habe, will ich geloben..." Er könne aber nur einen Tag bleiben, dann müsse er wieder fort "gegen die Ungläubigen zu kämpfen". Über die Ritter heisst es: "Die Ritter ziehen ein, ich empfange sie... es ist der tapfre Rittersmann, der sein Tagewerk getan." Die Frauen fragen: "Was hat es genützt, gegen die Ungläubigen zu kämpfen". Darauf die Ritter: "Die Strahlen, die den Mann umglänzen, erleuchten auch die Frauen... Ich habe wohl 100 Türken erschlagen, für dich ... Nun kehre ich zurück mit Lorbeer umgeben, für dich.... Ich habe entsagt und gelitten, für dich..." Die Ritter sagen, sie hätten ein Gelübbde abgelegt, wieder in den Kampf gegen die Muslime zu ziehen, es sei denn die Frauen würden sich den Harnisch anlegen. Darauf die Frauen: "Seht wie hübsch so ein Harnisch mir steht". Und die Ritter: "Bewaffnet herrlichste der Frauen, herbei ihr Ritter alle... Wer wäre da gerne nicht Sieger... Wer könnte da noch widerstehen... gebt euch gefangen Waffenbrüder ... kein Krieg mehr ... Ihr Frauen wisst, wir wollen uns nicht mehr entfernen ..." Die Frauen singen: "Liebe und Zärtlichkeit ... keine stärkere Macht." [20]
 

5. Richard Strauss, die Spätromantiker und ihre Verbundenheit mit Molière, Calderón und Cervantes

Der Held des Romans von Miguel de Cervantes (1547-1616) gehört wie Hamlet, Don Juan und Faust zu den literarischen Urbildern für das ruhelose Suchen des Menschen nach Erfüllung seiner selbst. Cervantes' im Vorwort erklärte Absicht, dem noch immer volkstümlichen Ritterroman durch eine ihm überlegene Parodie zu ersetzen und seine geistvolle Ironie haben Stauss zu seiner Tondichtung animiert. Ähnlich wie Lope de Vega und Calderón de la Barca hatte auch Cervantes in seinem Don Quijote (I, 18) die Idiotie des islamischen Glaubens an Hand des feindlichen Königs Ali fanfarón (wörtlich: Ali der Angeber oder das Großmaul) beschrieben. Das Heer der Muslime enpuppt sich später als Schaf- und Hammelherde, die hinter dem Leithammel Alifanfarón bzw. dem "falschen Propheten Mohammed" hinterherläuft. Alifanfarón zieht in den Krieg wegen einer schönen Christin, die er begehrt, die aber ihr Vater "dem heidnischen Könige" nicht geben will, zumindest nicht, solanger er "nicht vorher dem Gesetze seines falschen Propheten Mohammed entsagt und sich seinem Glauben zuwendet." Sancho hat die Nase voll von dem muslimischen Gesindel, den "Spukgestalten", "verzauberten Mohren bzw. Mauren" und er wolle lieber alles im Stich lassen und "zum Teufel in die Hölle" oder nach Mekka gehen, falls es diese Leute hier wirklich gibt. Don Quijote empfiehlt ihm aber: "Geh deinen Weg lieber zu Gott, mein Sohn, ... und reite voran in jeder Richtung, die du willst."  [21] 

Hatten die Frühromantiker um Franz Schubert noch den Romantikern den Weg gewiesen, so standen die Spätromantiker wie Richard Strauss vor der Entscheidung, weiter so wie bisher oder den Weg in die Avantgarde wagen bis hin zur Atonalität und Schönbergs Harmonielehre. Der Rosenkavalier könnte als Chiffre für die Schwierigkeit des künstlers stehen, seine Inhalte in Ton und Sprache noch darstellen zu können, eine Problematik, die jegliches Kunstschaffen zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrifft. Weder in der Literatur noch in den bildenden Künsten oder in der Musik gab es Rezepte, wie zu verfahren sei, um wirkliche Kunst zu schaffen. Nichts war mehr selbstverständlich. Im Jahre 1911, als der Rosenkavalier uraufgeführt wurde, starb Gustav Mahler. Schönbergs Harmonielehre kam heraus, und seine Musik hatte bereits den Schritt in die "freie Atonalität" getan, Strawinsky wurde durch den Feuervogel international bekannt. Hinzu kam, dass oftmals kaum Inhalte vorhanden waren, die hätten transportiert werden können. Man beschäftigte sich mit alten Stoffen wie in den Opern "Elektra", "Ariadne auf Naxos", "Salome", man philosophierte über Kunst wie in "Capriccio" oder griff auf Komödien eines Molière oder Calderón zurück wie im "Rosenkavalier". [22] 

In der Komödie "Der Rosenkavalier" berufen sich Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss durchaus auf Molière und Calderón, auch wenn sie vielleicht nicht an den Witz der Klassiker heranreichen. Im Sinne von Molière wird sich über die Ärzte lustig gemacht, allerdings nicht so krass wie z.B. in Molières "L’Amour Médecin" (die Liebe als Arzt) wo Lisette es auf den Punkt bringt, nämlich dass die Menschen eher an den Nebenwirkungen der Medikamente als an den Krankheiten sterben: "Sans doute ; et j’ai connu un homme qui prouvait, par bonnes raisons, qu’il ne faut jamais dire : « Une telle personne est morte d’une fièvre et d’une fluxion sur la poitrine » : mais « Elle est morte de quatre médecins, et de deux apothicaires. » (Ohne Zweifel ; und ich kannte einen Mann, der aus guten Gründen bewies, dass man niemals sagen sollte: „Eine solche Person starb an Fieber und einer Lungenentzündung auf der Brust“, sondern „Sie starb an vier Ärzten und zwei Apothekern.") Wichtig sei, dass Formalitäten eingehalten werden, das galt auch kürzlich für die Corona-Statistik und die unsinnigen und aus heutiger Sicht schädlichen Maßnahmen, die von der Schulmedizin empfohlen wurden wie Diskriminierung durch 2G-Regel und Impfpflicht mit unwirksamen Impfstoffen: "Ein Toter ist nur ein Toter und spielt keine Rolle; aber eine vernachlässigte Formalität schadet der ganzen Ärzteschaft merklich". "Il faut toujours garder les formalités, quoi qu’il puisse arriver." (Halten Sie immer die Formalitäten ein, egal was passiert.). Ein Arzt sagt: "Pour moi j’y suis sévère en diable, à moins que ce soit entre amis, et l’on nous assembla un jour trois de nous autres avec un médecin de dehors, pour une consultation, où j’arrêtai toute l’affaire, et ne voulus point endurer qu’on opinât, si les choses n’allaient dans l’ordre. Les gens de la maison faisaient ce qu’ils pouvaient, et la maladie pressait : mais je n’en voulus point démordre, et la malade mourut bravement pendant cette contestation... Un homme mort, n’est qu’un homme mort, et ne fait point de conséquence ; mais une formalité négligée porte un notable préjudice à tout le corps des médecins" (Für mich bin ich verdammt streng, es sei denn, es ist unter Freunden, und eines Tages waren wir zu dritt mit einem externen Arzt zu einer Konsultation versammelt, wo ich die ganze Angelegenheit beendete und mich nicht mit irgendjemandes Meinung abfinden wollte wenn es nicht gut gelaufen ist. Die Leute des Hauses taten, was sie konnten, und die Krankheit drängte; aber ich rührte mich nicht, und der Patient starb tapfer während dieses Streits... Ein Toter ist nur ein Toter und spielt keine Rolle; aber eine vernachlässigte Formalität schadet der ganzen Ärzteschaft merklich). Hauptsache, die Schulmedizin, bzw. Biotech-Medizin wird positiv dargestellt, zur Not können Statistiken gefälscht, Nebenwirkungen und Tote schöngeredet bzw. in der Statistik nicht erfasst werden: "Pour raisonner... Il vaut mieux mourir selon les règles, que de réchapper contre les règles." (Zur Vernunft ... Lieber nach den Regeln sterben, als gegen die Regeln überleben). [23]

Auch was die Komödie "Le Médecin malgré lui" (Der Arzt wider Willen) betrifft, ist der Klassiker stärker als "Der Rosenkavalier": Bei manchen Medizinern und Virologen im Gesundheitsministerium bzw. den angeschlossenen Biotech-Instituten RKI oder PEI, die im Land nach Holzfällerart wüten, 2G, schädliche Maskenpflicht für Kinder, Schulschließungen etc empfohlen haben, könnte man denken sie sind Mediziner wider Willen,  wie der Holzfäller in Molières "Médecin malgré lui", der sagt: "Trouve-moi un faiseur de fagots qui sache comme moi raisonner des choses, qui ait servi six ans un fameux médecin, et qui ait su dans son jeune âge son rudiment par cœur. (Finden Sie mir einen Holzfäller, der es versteht, Dinge zu begründen wie ich, der sechs Jahre lang einem berühmten Arzt gedient hat und der seine Grundlagen in jungen Jahren auswendig gelernt hat). Auch seine Frau ist nicht sonderlich begeistert von ihm: "Qu’appelles-tu bien heureuse de te trouver ? Un homme qui me réduit à l’hôpital, un débauché, un traître, qui me mange tout ce que j’ai !…Traître ! insolent ! trompeur ! lâche ! coquin ! pendard ! gueux ! belître ! fripon ! maraud ! voleur ! …" (Was nennst du sehr glücklich, dich selbst zu finden? Ein Mann, der mich ins Krankenhaus bringt, ein Wüstling, ein Verräter, der alles auffrisst, was ich habe! …Verräter! frech! irreführend! feige! frech! Trottel! Bettler! dumm! Schlingel! Schlingel! Dieb ! …). Da Martine, die Frau des Holzfällers von ihm auch geschlagen wird, denkt sie sich eine List aus, wie er die Schläge zurückbekommen kann; sie preist ihn als großen Arzt, der aber nie zugeben will, dass er ein berühmter Arzt ist; sie empfiehlt den Klienten, ihn so lange zu schlagen bis er zugebe, dass er Arzt sei. Wenn potentielle Klienten auftauchen, fragt sie: "Seroit-ce quelque chose où je vous puisse aider ?" (Könnte das etwas sein, bei dem ich Ihnen helfen kann?). Der Klient sucht nach einem Privatarzt mit besonderen Fähigkeiten: "Cela se pourroit faire ; et nous tâchons de rencontrer quelque habile homme, quelque médecin particulier qui pût donner quelque soulagement à la fille de notre maître, attaquée d’une maladie qui lui a ôté tout d’un coup l’usage de la langue. Plusieurs médecins ont déjà épuisé toute leur science après elle : mais on trouve parfois des gens avec des secrets admirables, de certains remèdes particuliers, qui font le plus souvent ce que les autres n’ont su faire ; et c’est là ce que nous cherchons." (Es könnte getan werden; und wir versuchen, einen geschickten Mann, einen Privatarzt zu finden, der der Tochter unseres Herrn etwas Linderung verschaffen kann, die von einer Krankheit befallen ist, die ihr plötzlich den Gebrauch der Zunge genommen hat. Mehrere Ärzte haben bei ihr bereits ihre ganze Wissenschaft erschöpft: aber man findet manchmal Leute mit bewundernswerten Geheimnissen bestimmter besonderer Heilmittel, die meistens tun, was andere nicht tun konnten; und danach suchen wir). Marine ist froh, dass sie sich nun an ihrem Mann rächen kann: "Vous ne pouviez jamais vous mieux adresser pour rencontrer ce que vous cherchez ; et nous avons un homme, le plus merveilleux homme du monde pour les maladies désespérées." (Es gibt keine bessere Adresse, um zu finden, wonach Sie suchen; und wir haben einen Mann, den wunderbarsten Mann der Welt für verzweifelte Krankheiten). Valère will wissen, wo er ihn finden kann: "Hé ! de grâce, où pouvons-nous le rencontrer ?" Martine: "Vous le trouverez maintenant vers ce petit lieu que voilà, qui s’amuse à couper du bois." (Sie finden ihn jetzt in der Nähe dieses kleinen Ortes hier, der Spaß am Holzhacken hat). Die Klienten sind verwundert: "Un médecin qui coupe du bois ! ... Qui s’amuse à cueillir des simples, voulez-vous dire ?" (Ein Arzt, der Holz hackt!... der gerne Kräuter pflückt, meinst du?) Martine: "Non ; c’est un homme extraordinaire qui se plaît à cela, fantasque, bizarre, quinteux, et que vous ne prendriez jamais pour ce qu’il est. Il va vêtu d’une façon extravagante, affecte quelquefois de paroître ignorant, tient sa science renfermée, et ne fuit rien tant tous les jours que d’exercer les merveilleux talents qu’il a eus du ciel pour la médecine." (Nein ; Er ist ein außergewöhnlicher Mann, der es genießt, skurril, bizarr, schrullig und den man nie für das halten würde, was er ist. Er geht extravagant gekleidet umher, tut manchmal so, als würde er unwissend erscheinen, hält seine Wissenschaft schweigsam und vermeidet jeden Tag so sehr, wie die wunderbaren Talente, die er vom Himmel für die Medizin hat, auszuüben.) Valère: "C’est une chose admirable que tous les grands hommes ont toujours du caprice, quelque petit grain de folie mêlé à leur science." (Es ist eine bewundernswerte Sache, dass alle großen Männer immer eine Laune haben, ein kleines Körnchen Wahnsinn, der sich mit ihrer Wissenschaft vermischt). Manch einer nennt ihn, wie den Chef des RKI, einen "le médecin des parroquets" (Papageiendoktor). Martine meint, der Wahnsinn dieses Mannes sei größer als man glauben mag, denn er gehe manchmal so weit, dass er sich schlagen lassen wolle, um mit seiner Leistungsfähigkeit einverstanden zu bleiben: "C’est ainsi que nous en usons quand nous avons besoin de lui." (So verwenden wir es, wenn wir es brauchen.) Valère: "Voilà une étrange folie !" (Das ist ein seltsamer Wahnsinn!) Martine: "Il est vrai ; mais, après cela, vous verrez qu’il fait des merveilles." (Es ist wahr ; aber danach werden Sie sehen, dass es Wunder wirkt). Valère: "Comment s’appelle-t-il ?" (Wie ist sein Name ?) Martine: "Il s’appelle Sganarelle. Mais il est aisé à connoître : c’est un homme qui a une large barbe noire, et qui porte une fraise, avec un habit jaune et vert." (Sein Name ist Sganarelle. Aber er ist leicht zu erkennen: Er ist ein Mann mit einem großen schwarzen Bart, der eine Halskrause trägt, mit einem gelb-grünen Mantel). Lucas: "Un habit jaune et vart ! C’est donc le médecin des parroquets ?" (Ein gelb-grüner Mantel! Er ist also der Papageientoktor?)  Die Klienten sind beeindruckt, dieser Mann müsse eine universelle Medizin haben.: "Il faut que cet homme-là ait la médecine universelle... Téligué ! v’là justement l’homme qu’il nous faut. Allons vite le charcher... Nous vous remercions du plaisir que vous nous faites." (...Er ist genau der Mann, den wir brauchen. Holen wir ihn schnell... Wir danken Ihnen für die Freude, die Sie uns bereiten). Martine erinnert nocheinmal an die Schläge, die verabreicht werden müssen: "Mais souvenez-vous bien au moins de l’avertissement que je vous ai donné." Lucas: "Hé ! morguenne ! laissez-nous faire : s’il ne tient qu’à battre, la vache est à nous." (Hallo ! Leichenhalle! Überlass es uns: Wenn er nur schlagen will, gehört die Kuh uns). Valère zu Lucas: "Nous sommes bien heureux d’avoir fait cette rencontre ; et j’en conçois, pour moi, la meilleure espérance du monde." (Wir sind sehr glücklich, dieses Treffen gemacht zu haben; und ich begreife es für mich als die beste Hoffnung der Welt). Der Holzfäller und Papageiendoktor Sganarelle singt hinter dem Theater bei einer Flasche Wein, als er die Leute bemerkt: "Que diable ! à qui en veulent ces gens-là ?" (Was zum Teufel ! Wen wollen diese Leute?) Valère: "Je vous demande si ce n’est pas vous qui se nomme Sganarelle." (Ich frage dich, ob du nicht Sganarelle genannt wirst). Sganarelle: "Oui et non, selon ce que vous lui voulez." (Ja und nein, je nachdem, was Sie von ihm erwarten). Valère: "Nous ne voulons que lui faire toutes les civilités que nous pourrons." (Wir wollen ihm nur alle Höflichkeit geben, die wir können). Sganarelle: "En ce cas, c’est moi qui se nomme Sganarelle." (In diesem Fall heiße ich Sganarelle) Valère: "Monsieur, il ne faut pas trouver étrange que nous venions à vous ; les habiles gens sont toujours recherchés, et nous sommes instruits de votre capacité." (Herr, Sie müssen es nicht seltsam finden, dass wir zu Ihnen kommen; geschickte Leute werden immer gesucht, und wir wurden über Ihre Kapazität informiert). Sganarelle: "Il est vrai, messieurs, que je suis le premier homme du monde pour faire des fagots." (Es ist wahr, meine Herren, dass ich der erste Mann auf der Welt bin, der Reisig macht)... Valère erinnert sich, was ihm gesagt wurde: "Faut-il, monsieur, qu’une personne comme vous s’amuse à ces grossières feintes, s’abaisse à parler de la sorte ! qu’un homme si savant, un fameux médecin, comme vous êtes veuille se déguiser aux yeux du monde, et tenir enterré des beaux talents qu’il a !" (Ist es notwendig, mein Herr, dass sich eine Person wie Sie mit diesen groben Vorwänden amüsiert, sich herablässt, so zu reden? dass ein so gelehrter Mann, ein so berühmter Arzt, wie Sie es sind, sich in den Augen der Welt verkleidet und seine feinen Talente begräbt!) Sganarelle, à part: "Il est fou." (Er ist verrückt). Valère: "De grâce, monsieur, ne dissimulez point avec nous." (Bitte, Herr, verstellen Sie sich nicht). Sganarelle: "Comment ?" (Wie?) Lucas: "Tout ce tripotage ne sart de rian ; je savons cen que je savons." (All dieses Gefummel ist nichts; Ich weiß, was ich weiß). Sganarelle: "Quoi donc ! que me voulez-vous dire ? Pour qui me prenez-vous ?" (Was also! was wollen Sie mir sagen? Für wen halten Sie mich?) Valère: "Pour ce que vous êtes, pour un grand médecin." (Für das, was Sie sind, für einen großartigen Arzt). Sganarelle: "Médecin vous-même ; je ne le suis point, et je ne l’ai jamais été." (Arzt selbst; Ich bin es nicht und war es nie). Valère, für sich: "Voilà sa folie qui le tient. (Haut.) Monsieur, ne veuillez point nier les choses davantage ; et n’en venons point, s’il vous plaît, à de fâcheuses extrémités." (Das ist sein Wahnsinn, der ihn festhält. (laut) Herr, leugnen Sie die Dinge nicht länger...) Sganarelle: "Messieurs, en un mot autant qu’en deux mille, je vous dis que je ne suis point médecin." (Meine Herren, mit einem Wort ebenso wie mit zweitausend sage ich Ihnen, dass ich kein Arzt bin). Valère: "Vous n’êtes point médecin ?" (Sie sind kein Arzt?) Da er immer weiter behauptet, kein Arzt zu sein, nehmen sich die Klienten einen Stock und schlagen, wie von seiner Frau empfohlen, so lange zu bis er gesprächig wird. Sganarelle: "Ah ! ah ! ah ! messieurs, je suis tout ce qu’il vous plaira." (Ah! Ah! Ah! Meine Herren, ich bin, was immer Sie wollen... Was zum Teufel ist das, meine Herren? Bitte, ist es ein Scherz oder seid ihr beide extravagant, dass ihr mich als Arzt haben wollt?). Valère: "Quoi ! vous ne vous rendez pas encore, et vous vous défendez d’être médecin ?" (Was ! Du gibst noch nicht auf und verleugnest, Arzt zu sein?) Sie schlagen weiter auf ihn ein. Sganarelle: "Diable emporte si je le suis !... Ah ! ah ! Hé bien ! messieurs, oui, puisque vous le voulez, je suis médecin, je suis médecin ; apothicaire encore, si vous le trouvez bon. J’aime mieux consentir à tout que de me faire assommer." (Teufel nimmt mich, wenn ich es bin!... Ah! Ah! Also ! Meine Herren, ja, wenn Sie wollen, ich bin Arzt, ich bin Arzt; Apotheker nochmal, wenn du es gut findest. Ich stimme lieber irgendetwas zu, als bewusstlos geschlagen zu werden). Valère: "Ah ! voilà qui va bien, monsieur : je suis ravi de vous voir raisonnable." (Ah! das ist in Ordnung, mein Herr. Ich freue mich, Sie vernünftig zu sehen). Lucas: "Vous me boutez la joie au cœur, quand je vous vois parler comme ça." (Du erfüllst mein Herz mit Freude, wenn ich dich so reden sehe). Valère: "Je vous demande pardon de toute mon ame." (Ich bitte Sie von ganzem Herzen um Verzeihung). Lucas: "Je vous demandons excuse de la libarté que j’avons prise." (Ich entschuldige mich für die Freiheit, die ich mir genommen habe). Sganarelle fragt sich, was sich vielleicht Karl Lauterbach im Gesundheitsministerium oder Lothar Wieler im RKI fragen: "Ouais ! seroit-ce bien moi qui me tromperois, et serois-je devenu médecin sans m’en être aperçu ?" (Ja ! Könnte ich mich wirklich geirrt haben und wäre ich Arzt geworden, ohne es zu merken?) Valère: "Monsieur, vous ne vous repentirez pas de nous montrer ce que vous êtes ; et vous verrez assurément que vous en serez satisfait." (Sir, Sie werden es nicht bereuen, uns zu zeigen, was Sie sind; und Sie werden sicher feststellen, dass Sie damit zufrieden sein werden). Sganarelle: "Mais, messieurs, dites-moi, ne vous trompez-vous point vous-mêmes ? Est-il bien assuré que je sois médecin ?" (Aber, meine Herren, sagen Sie, betrügen Sie sich nicht? Ist es sicher, dass ich Arzt bin?) Valère: "Comment, vous êtes le plus habile médecin du monde." (Wie, Sie sind der geschickteste Arzt der Welt). Lucas: "Un médecin qui a gari je ne sais combien de maladies." (Ein Arzt, der ich weiß nicht wie viele Krankheiten behandelt hat).  Als er hört, dass er sich aussuchen könne was er wolle für seine Dienste, will er gerne wieder Arzt und Apotheker sein, ähnlich wie unsere Narren aus den Biotech-Firmen wie Biontech / Pfizer, die an den Maßnahmen des Gesundheitsministeriums und des RKI durch die Herstellung einer nur ein paar Tage wirksamen mRNA-Imfstoffs, kräftig verdienen. Sganarelle: "Je gagnerai ce que je voudrai ?... Ah ! je suis médecin, sans contredit. Je l’avois oublié ; mais je m’en ressouviens. De quoi est-il question ? Où faut-il se transporter ?" (Ich gewinne, was ich will?... Ah! Ich bin Arzt, ohne Zweifel. Ich hatte es vergessen; aber ich erinnere mich daran. Worum geht es? Wohin sollen Sie transportiert werden?)... Lucas: "Palsanguenne ! v’là un médecin qui me plaît ; je pense qu’il réussira, car il est bouffon." (Hier ist ein Arzt, den ich mag; Ich denke, er wird Erfolg haben, weil er ein Narr ist). Ähnlich argumentieren die Narren von ZDF, WDR, 3Sat mit den Wissenschaftssendungen Nano, Scobel, Quarks oder die evangelische Kirche mit EKD (Annette Kurschus) und Diakonie (Ulrich Lilie) in Bezug auf die sogenannte "wissensbasierte" Medizin bzw. Biotech-Medizin mit Gentherapie oder mRNA-Impfstoffen. Sie bringen den neuen Arzt zur Familie des kranken Mädchens und schwärmen von seinen Fähigkeiten so wie man heute von den zweifelhaften Fähigkeiten eines Ugur Sahin oder Lothar Wieler schwärmt: "Oui, monsieur, je crois que vous serez satisfait ; et nous vous avons amené le plus grand médecin du monde... C’est un homme qui a fait des cures merveilleuses... Il est un peu capricieux, comme je vous ai dit ; et, parfois, il a des moments où son esprit s’échappe, et ne paroît pas ce qu’il est." (Ja, mein Herr, ich glaube, Sie werden zufrieden sein; und wir haben Ihnen den besten Arzt der Welt gebracht... Er ist ein Mann, der wunderbare Heilmittel hervorgebracht hat... Er ist ein wenig launisch, wie ich Ihnen sagte; und manchmal hat er Momente, in denen sein Geist entkommt und nicht scheint, was er ist). Lukas meint, er könne manchmal etwas seltsam wirken, was wohl daher komme, dass er einen kleinen Schlag auf den Kopf hatte: "qu’il a quelque petit coup de hache à la tête." Für Valère sei das eben Wissenschaft: "Mais, dans le fond, il est toute science ; et bien souvent il dit des choses tout à fait relevées." (Aber im Grunde ist es alles Wissenschaft; und sehr oft sagt er Dinge, die ziemlich erhaben sind). Der Vater der kranken Tochter, Géronte, will ihn sehen: "Je meurs d’envie de le voir ; faites-le-moi vite venir." (Ich möchte ihn unbedingt sehen; bring ihn schnell zu mir), merkt aber bald: "Quel diable d’homme m’avez-vous là amené ? ... je l’enverrois promener avec ses goguenarderies" (Was für einen Teufel hast du mir hierher gebracht?... ich würde ihn mit seinem Geplänkel wegschicken.), was man von den neuen Biotech-Medizinern des RKI auch sagen könnte, die die Bevölkerung mit ihren Maßnahmen malträtiet haben. Der Holzfäller, Sganarelle, der hier die Rolle des Arztes einnimmt, stellt seine neue Arztpraxis vor: "C’est l’office du médecin de voir les tétons des nourrices." (Es ist die Arztpraxis, um die Brustwarzen der Krankenschwestern zu sehen). Als seine Praxis kritisiert wird, ist er empört, ähnlich wie die Flitzpiepen vom Gesundheitsministerium oder dem RKI sich über Kritik an ihren unsinnigen Maßnahmen empören: "As-tu bien la hardiesse de t’opposer au médecin ? Hors de là." (Haben Sie den Mut, sich dem Arzt zu widersetzen? Raus da). Auch Politiker der Regierung wie Karl Lauterbach, Ministerpräsidenten wie Volker Bouffier, Winfried Kretschmann oder Hendrik Wüst, die durch Falschinformationen das Vertrauen der Bürger verspielt haben,  sind über die Kritik an den Methoden der Biotech-Medizin und ihren eigenen Schlussfolgerungen (Impfpflicht mit mRNA-Impfstoffen) empört.  Es wird gefragt: "Est-ce là la malade ?" (Ist das der Patient?) Geronte, der Vater der Patientin Lucinde: "Oui, Je n’ai qu’elle de fille ; et j’aurois tous les regrets du monde si elle venoit à mourir." (Ja, ich habe nur diese Tochter; und ich würde alles auf der Welt bereuen, wenn sie sterben würde). Sganarelle, der "Papageiendoktor" argumentiert wie unsere Biotech-Mediziner, die alle Toten gerne als Corona-Tote klassifizieren: "Qu’elle s’en garde bien ! Il ne faut pas qu’elle meure sans l’ordonnance du médecin... Voilà une malade qui n’est pas tant dégoûtante, et je tiens qu’un homme bien sain s’en accommoderoit assez." (Passen Sie gut darauf auf! Sie darf nicht ohne ärztliche Verordnung sterben... Hier ist ein Patient, der nicht so ekelhaft ist, und ich denke, dass ein sehr gesunder Mann es genug ertragen würde). Géronte: "vous l’avez fait rire, monsieur." (Sie haben sie zum Lachen gebracht, Herr").  Trotzdem scheinen unsere Biotech-Mediziner diesem Doktor nicht das Wasser reichen zu können. Sganarelle: "Tant mieux : lorsque le médecin fait rire le malade, c’est le meilleur signe du monde. (à Lucinde.) Hé bien ! de quoi est-il question ? Qu’avez-vous ? quel est le mal que vous sentez ?" (Umso besser: Wenn der Arzt den Patienten zum Lachen bringt, ist das das beste Zeichen der Welt. (zu Lucinde.) Nun! worum geht es? Was hast du? Was ist der Schaden, den Sie fühlen?" Lucinde antwortet mit Zeichen und führt ihre Hand an ihren Mund, ihren Kopf und ihr Kinn: "Han, hi, hou, han." Sganarelle: "Hé ! que dites-vous ?" (Hallo ! Was sagen Sie ?) Lucinde, fährt mit den gleichen Gesten fort: "Han, hi, hon, han, han, hi, hon." Sganarelle: "Quoi ?" (Was ?)  Lucinde: "Han, hi, hon." Sganarelle: "Han, hi, hon, han, ha. Je ne vous entends point. Quel diable de langage est-ce là ?" (Han, hi, hon, han, ha. Ich höre dich nicht. Was zum Teufel für eine Sprache ist das?) Géronte: "Monsieur, c’est là sa maladie. Elle est devenue muette, sans que jusques ici on en ait pu savoir la cause ; et c’est un accident qui a fait reculer son mariage." (Sir, das ist ihr Problem. Sie ist stumm geworden, ohne dass wir bisher die Ursache kennen konnten; und es war ein Unfall, der ihre Ehe zurückwarf). Sganarelle: "Et pourquoi ?" (Und warum ?) Géronte: "Celui qu’elle doit épouser veut attendre sa guérison pour conclure les choses." (Derjenige, die sie heiraten soll, will ihre Genesung abwarten, um die Dinge abzuschließen). Sganarelle: "Et qui est ce sot-là, qui ne veut pas que sa femme soit muette ? Plût à Dieu que la mienne eût cette maladie ! je me garderois bien de la vouloir guérir." (Und wer ist dieser Narr, der nicht will, dass seine Frau stumm bleibt? Wollte Gott, dass meine diese Krankheit hatte! Ich würde darauf achten, sie nicht heilen zu wollen). Sganarelle, sich der Patientin zuwendend: "Donnez-moi votre bras. (à Géronte.) Voilà un pouls qui marque que votre fille est muette." (Gib mir deinen Arm. (zu Géronte) Hier ist ein Puls, der zeigt, dass Ihre Tochter stumm ist). Géronte: "Hé ! oui, monsieur, c’est là son mal ; vous l’avez trouvé tout du premier coup." (Hallo ! ja, mein Herr, das ist seine Sorge; du hast es gleich gefunden). Jacqueline: "Voyez comme il a deviné sa maladie !" (Sehen Sie, wie er seine Krankheit erraten hat!) Sganarelle: "Nous autres grands médecins, nous connoissons d’abord les choses. Un ignorant auroit été embarrassé, et vous eût été dire, C’est ceci, c’est cela ; mais moi, je touche au but du premier coup, et je vous apprends que votre fille est muette." (Wir großen Ärzte wissen die Dinge zuerst. Ein Ignorant wäre verlegen gewesen und hätte zu Ihnen gesagt: Es ist dies, es ist das; aber ich, ich erreiche das Ziel beim ersten Versuch, und ich teile Ihnen mit, dass Ihre Tochter stumm ist). Géronte: "Oui : mais je voudrois bien que vous me pussiez dire d’où cela vient." (Ja, aber ich möchte, dass Sie mir sagen, woher es kommt). Sganarelle: "Il n’est rien de plus aisé ; cela vient de ce qu’elle a perdu la parole." (Nichts ist einfacher; es kommt daher, dass sie ihre Sprache verloren hat). Géronte: "Fort bien. Mais la cause, s’il vous plaît, qui fait qu’elle a perdu la parole ?" (Sehr gut. Aber bitte die Ursache, die dazu führt, dass sie ihre Sprache verliert?) Sganarelle: "Tous nos meilleurs auteurs vous diront que c’est l’empêchement de l’action de sa langue." (Alle unsere besten Autoren werden Ihnen sagen, dass dies die Behinderung der Wirkung seiner Zunge ist). Géronte: "Mais encore, vos sentiments sur cet empêchement de l’action de sa langue ?" (Aber trotzdem, Ihre Gefühle zu dieser Behinderung der Wirkung seiner Zunge?) Sganarelle: "Aristote, là-dessus, dit… de fort belles choses" (Aristoteles sagt dazu … sehr schöne Dinge). Géronte: "Je le crois." (Ich glaube ihm). Sganarelle: "Ah ! c’étoit un grand homme !" (Ah! Er war ein großartiger Mann!) Géronte: "Sans doute." (Ohne Zweifel). Heute wird zwar weniger an Aristoteles geglaubt, dafür aber an die sogenannte "wissensbasierte Schulmedizin", die als Biotech-Medizin allerdings wenig mit echter Wissenschaft zu tun hat. Er wendet ein paar lateinische Fachwörter an, spricht quasi von einer "wissensbasierten" Medizin, von "einer ganz neuen Methode" und beeindruckt die Umstehenden. Jacqueline: "L’habile homme que v’là !... Ah ! que ça est bian dit, notre homme !" (Was für ein kluger Mann du bist!... Ah! Wie gut gesagt, unser Mann!) Lucas: "Que n’ai-je la langue aussi bian pendue !" (Warum habe ich nicht so eine hängende Zunge!) Géronte: "On ne peut pas mieux raisonner, sans doute. Il n’y a qu’une seule chose qui m’a choquée : c’est l’endroit du foie et du cœur. Il me semble que vous les placez autrement qu’ils ne sont ; que le cœur est du côté gauche, et le foie du côté droit." (Besser kann man zweifelsohne nicht argumentieren. Nur eines hat mich schockiert: Es ist der Ort der Leber und des Herzens. Es scheint mir, dass Sie sie anders platzieren, als sie sind; dass das Herz auf der linken Seite und die Leber auf der rechten Seite ist). Sganarelle: "Oui ; cela étoit autrefois ainsi : mais nous avons changé tout cela, et nous faisons maintenant la médecine d’une méthode toute nouvelle." (Ja ; früher war es so: aber wir haben das alles geändert und praktizieren jetzt Medizin mit einer ganz neuen Methode). Alle geben untertänigst ihre Unwissenheit zu, wie es die Flitzpiepen von Gesundheitsministerium und RKI auch gerne hätten. Géronte: "C’est ce que je ne savois pas, et je vous demande pardon de mon ignorance." (Das wusste ich nicht und ich bitte um Verzeihung für meine Unwissenheit). Sganarelle: "Il n’y a point de mal ; et vous n’ètes pas obligé d’être aussi habile que nous." (Es gibt keinen Schaden; und Sie müssen nicht so geschickt sein wie wir). Géronte: "Assurément. Mais, monsieur, que croyez-vous qu’il faille faire à cette maladie ?" (Bestimmt. Aber, mein Herr, was sollte Ihrer Meinung nach gegen diese Krankheit getan werden?) Sganarelle: "Ce que je crois qu’il faille faire ?... Mon avis est qu’on la remette sur son lit, et qu’on lui fasse prendre pour remède quantité de pain trempé dans du vin." (Was muss meiner Meinung nach getan werden?... Mein Rat ist, sie wieder auf ihr Bett zu legen und ihr als Heilmittel eine Menge in Wein getränktes Brot zu geben.) Géronte: "Pourquoi cela, monsieur ?" (Warum ist das so, Herr?) Sganarelle: "Parcequ’il y a dans le vin et le pain, mêlés ensemble, une vertu sympathique qui fait parler. Ne voyez-vous pas bien qu’on ne donne autre chose aux perroquets, et qu’ils apprennent à parler en mangeant de cela ?" (Denn in Wein und Brot, vermischt, liegt eine sympathische Tugend, die die Menschen zum Reden bringt. Siehst du nicht, dass wir Papageien nichts anderes geben und dass sie sprechen lernen, indem sie es essen?) Géronte: "Cela est vrai ! Ah ! le grand homme ! Vite, quantité de pain et de vin." (Das ist wahr ! Ah! der große Mann! Schnell, Menge Brot und Wein). Sganarelle: "Je reviendrai voir sur le soir en quel état elle sera." (Ich werde am Abend wiederkommen, um zu sehen, in welchem Zustand sie sein wird). Auch bei einigen heutigen Heilmitteln aus der "wissensbasierten" Medizin bzw. Biotech-Medizin wie Gentherapie oder mRNA-Impfstoffe, kann man skeptisch sein und sagen: "das ist eine Mode, die ich nicht verstehe", vor allem wenn sie bei kerngesunden Menschen eingesetzt wird, auch wenn die sogenannten Schulmediziner sagen: das spiele keine Rolle, "die Mode ist heilsam". Sganarelle sagt zu Jacqueline: "Doucement, vous. (à Géronte) Monsieur, voilà une nourrice à laquelle il faut que je fasse quelques petits remèdes." (Nehmt es locker, (zu Géronte) Herr, hier ist eine Krankenschwester, für die ich ein paar kleine Heilmittel herstellen muss). Jacqueline: "Qui ? moi ? Je me porte le mieux du monde." (Die ? mich ? Ich mache das Beste der Welt). Sganarelle: "Tant pis, nourrice ; tant pis. Cette grande santé est à craindre, et il ne sera pas mauvais de vous faire quelque petite saignée amiable, de vous donner quelque petit clystère dulcifiant." (Um so schlimmer, Schwester; egal. Diese große Gesundheit ist zu fürchten, und es wird nicht schlecht sein, Ihnen ein wenig gütliches Bluten zu machen, Ihnen ein wenig dämpfendes Klistier zu geben). Géronte: "Mais, monsieur, voilà une mode que je ne comprends point. Pourquoi s’aller faire saigner quand on n’a point de maladie ?" (Aber, Herr, das ist eine Mode, die ich nicht verstehe. Warum gehen und bluten, wenn Sie keine Krankheit haben?) Sganarelle: "Il n’importe, la mode en est salutaire ; et, comme on boit pour la soif à venir, il faut se faire aussi saigner pour la maladie à venir". (Es spielt keine Rolle, die Mode ist heilsam; und wie man für den kommenden Durst trinkt, muss man sich auch für die kommende Krankheit bluten lassen). Jacqueline, en s’en allant: "Ma fi, je me moque de ça, et je ne veux point faire de mon corps une boutique d’apothicaire." (Liebling, das ist mir egal, und ich will meinen Körper nicht in eine Apotheke verwandeln). Sganarelle: "Vous êtes rétive aux remèdes, mais nous saurons vous soumettre à la raison." (Gegen Heilmittel sind Sie resistent, aber wir werden Sie der Vernunft unterwerfen können). Die heutigen Biotech-Mediziner wie Ugur Sahin, der gerne das Bundesverdienstkreuz entgegengenommen hatte, oder der Chef von Sartorius, sind natürlich keine "médecin mercenaire" und arbeiten nicht des Geldes wegen und werden schon gar nicht von der Biotech-Pharmaindustrie bezahlt. Sganarelle: "Ce n’est pas l’argent qui me fait agir" (Es ist nicht das Geld, das mich zum Handeln bringt). Géronte: "Je le crois." (Ich glaube ihm). Sganarelle, nachdem er das Geld genommen hat: "Cela est-il de poids ?" (ist es schwer?). Géronte: "Oui, monsieur." (Ja, Herr). Sganarelle: "Je ne suis pas un médecin mercenaire." (Ich bin kein Lohndoktor). Géronte: "Je le sais bien." (Ich weiß es ganz gut). Sganarelle: "L’intérêt ne me gouverne point." (Interesse beherrscht mich nicht). Géronte: "Je n’ai pas cette pensée." (Ich habe diesen Gedanken nicht). Sganarelle, "seul, regardant l’argent qu’il a reçu. Ma foi, cela ne va pas mal ; et pourvu que…" (allein, betrachtet das Geld, das er erhalten hat: Nun, das ist nicht schlecht; und vorausgesetzt... " In der neunten Szene kommt ein Gesunder, nämlich Léandre, der Geliebte von Lucinde, zum Papageienarzt. Léandre: "Monsieur, il y a longtemps que je vous attends ; et je viens implorer votre assistance." (Herr, ich habe Sie lange erwartet; und ich komme, um ihre Hilfe zu erflehen). Sganarelle, "lui tâtant le pouls. Voilà un pouls qui est fort mauvais." (der seinen Puls fühlt. Das ist ein sehr schlechter Puls." Léandre: "Je ne suis point malade, monsieur ; et ce n’est pas pour cela que je viens à vous." (Ich bin nicht krank, mein Herr; und das ist nicht der Grund, warum ich zu Ihnen komme). Sganarelle: "Si vous n’êtes pas malade, que diable ne le dites-vous donc ?" (Wenn Sie nicht krank sind, warum zum Teufel sagen Sie das nicht?) Léandre: "Non. Pour vous dire la chose en deux mots, je m’appelle Léandre, qui suis amoureux de Lucinde, que vous venez de visiter ; et comme, par la mauvaise humeur de son père, toute sorte d’accès m’est fermé auprès d’elle, je me hasarde à vous prier de vouloir servir mon amour, et de me donner lieu d’exécuter un stratagème que j’ai trouvé pour lui pouvoir dire deux mots d’où dépendent absolument mon bonheur et ma vie." (Nein. Um es Ihnen in zwei Worten zu sagen, mein Name ist Léandre, der in Lucinde verliebt ist, die Sie gerade besucht haben; und da mir durch die schlechte Laune ihres Vaters jeder Zugang zu ihr versperrt ist, wage ich Sie zu bitten, meiner Liebe dienen zu wollen, und mir Anlass zu geben, eine List auszuführen, die ich für ihn gefunden habe in der Lage, zwei Worte zu sagen, von denen mein Glück und mein Leben absolut abhängen). Sganarelle, "paroissant en colère. Pour qui me prenez-vous ? Comment ! oser vous adresser à moi pour vous servir dans votre amour, et vouloir ravaler la dignité de médecin à des emplois de cette nature !... Je vous apprendrai que je ne suis point homme à cela, et que c’est une insolence extrême…" (wütend: Für wen halten Sie mich? Wie? 'Es zu wagen, sich an Mich zu wenden, um Ihnen in Ihrer Liebe zu dienen, und die Würde eines Arztes auf solche Beschäftigungen reduzieren zu wollen!... Ich werde dir beibringen, dass ich kein Mann dafür bin und dass es eine extreme Unverschämtheit ist ...). Léandre, "tirant une bourse: Monsieur…" Léandre, einen Geldbeutel ziehend: "Herr…" Sganarelle, "De vouloir m’employer… (tenant la bourse.) Je ne parle pas pour vous, car vous êtes honnête homme ; et je serois ravi de vous rendre service : mais il y a de certains impertinents au monde qui viennent prendre les gens pour ce qu’ils ne sont pas ; et je vous avoue que cela me met en colère." (Mich anstellen zu wollen... (hält die Börse in der Hand) Ich spreche nicht von Ihnen, denn Sie sind ein ehrlicher Mann; und ich würde Ihnen gerne einen Gefallen tun: aber es gibt gewisse Unverschämtheiten in der Welt, die kommen und Leute für das halten, was sie nicht sind; und ich gestehe, dass es mich wütend macht). Léandre: "Je vous demande pardon, monsieur, de la liberté que…" (Ich bitte um Verzeihung, Sir, für die Freiheit, die...) Sganarelle: "Vous vous moquez. De quoi est-il question ?" (Sie machen Spaß. Worum geht es?) Léandre: "Vous saurez donc, monsieur, que cette maladie que vous voulez guérir est une feinte maladie. Les médecins ont raisonné là-dessus comme il faut ; et ils n’ont pas manqué de dire que cela procédoit, qui du cerveau, qui des entrailles, qui de la rate, qui du foie : mais il est certain que l’amour en est la véritable cause, et que Lucinde n’a trouvé cette maladie que pour se délivrer d’un mariage dont elle étoit importunée. Mais, de crainte qu’on ne nous voie ensemble, retirons-nous d’ici, et je vous dirai en marchant ce que je souhaite de vous." (Sie werden also wissen, Herr, dass diese Krankheit, die Sie heilen wollen, eine vorgetäuschte Krankheit ist. Die Ärzte haben dies so begründet, wie sie es sollten; und sie versäumten nicht zu sagen, dass es vom Gehirn ausging, was von den Eingeweiden, was von der Milz, was von der Leber Krankheit, nur um sich aus einer Ehe zu befreien, mit der sie belästigt wurde. Aber damit wir nicht zusammen gesehen werden, ziehen wir uns von hier zurück, und ich werde Ihnen unterwegs sagen, was ich von Ihnen wünsche). Sganarelle: "Allons, monsieur : vous m’avez donné pour votre amour une tendresse qui n’est pas concevable ; et j’y perdrai toute ma médecine, ou la malade crèvera, ou bien elle sera à vous." (Kommen Sie, Herr: Sie haben mir für Ihre Liebe eine unvorstellbare Zärtlichkeit gegeben; und ich werde meine ganze Medizin verlieren, oder die Patientin wird sterben, oder sie wird Ihnen gehören). Léandre möchte sich als Apotheker verkleiden und von Sganarelle noch ein paar wichtige Fachbegriffe lernen: "Il me semble que je ne suis pas mal ainsi pour un apothicaire ; et, comme le père ne m’a guère vu, ce changement d’habit et de perruque est assez capable, je crois, de me déguiser à ses yeux." (Mir scheint, ich bin nicht schlecht als Apotheker; und da der Vater mich kaum gesehen hat, ist dieser Mantel- und Perückenwechsel, glaube ich, hinreichend geeignet, mich vor seinen Augen zu verbergen). Sganarelle: "Sans doute." (Ohne Zweifel). Léandre: "Tout ce que je souhaiterois seroit de savoir cinq ou six grands mots de médecine, pour parer mon discours et me donner l’air d’habile homme." (Ich möchte nur fünf oder sechs große medizinische Wörter kennen, um meine Sprache zu schmücken und mich wie einen klugen Mann aussehen zu lassen). Sganarelle: "Allez, allez, tout cela n’est pas nécessaire, il suffit de l’habit : et je n’en sais pas plus que vous." (Komm schon, komm schon, das ist alles nicht nötig, nur der Mantel: und ich weiß nicht mehr als du). Léandre: "Comment !" (Wie?) Sganarelle: "Diable emporte si j’entends rien en médecine ! Vous êtes honnête homme, et je veux bien me confier à vous comme vous vous confiez à moi." (Nimm es zum Teufel, wenn ich nichts in der Medizin höre! Sie sind ein ehrlicher Mann, und ich bin bereit, Ihnen zu vertrauen, wie Sie sich mir anvertrauen). Léandre: "Quoi ! vous n’êtes pas effectivement…" (Was ! du bist nicht wirklich...). Sganarelle erklärt die "wissensbasierte" Medizin und wie er dorthin gefunden habe, wie er um Rat gefragt werde; er schwärmt davon, dass man immer gleich bezahlt werde, egal ob man es gut oder schlecht mache,  es sei immer die Schuld desjenigen, der sterbe. Schließlich sei das Gute an diesem Beruf, dass es unter den Toten Ehrlichkeit gebe, die größte Diskretion; und man sehe nie einen, der sich über den Arzt beschwere, der ihn getötet habe, ähnlich wie sich heute niemand von den Toten beschwert, die durch die Biotech-Medizin bzw. mRNA-Impfung gestorben sind: "Non, vous dis-je ; ils m’ont fait médecin malgré mes dents. Je ne m’étois jamais mêlé d’être si savant que cela ; et toutes mes études n’ont été que jusqu’en sixième. Je ne sais point sur quoi cette imagination leur est venue ; mais quand j’ai vu qu’à toute force ils vouloient que je fusse médecin, je me suis résolu de l’être aux dépens de qui il appartiendra. Cependant vous ne sauriez croire comment l’erreur s’est répandue, et de quelle façon chacun est endiablé à me croire habile homme. On me vient chercher de tous côtés ; et, si les choses vont toujours de même, je suis d’avis de m’en tenir toute la vie à la médecine. Je trouve que c’est le métier le meilleur de tous ; car, soit qu’on fasse bien, ou soit qu’on fasse mal, on est toujours payé de même sorte. La méchante besogne ne retombe jamais sur notre dos ; et nous taillons comme il nous plaît sur l’étoffe où nous travaillons. Un cordonnier, en faisant des souliers, ne sauroit gâter un morceau de cuir qu’il n’en paie les pots cassés ; mais ici l’on peut gâter un homme sans qu’il en coûte rien. Les bévues ne sont point pour nous, et c’est toujours la faute de celui qui meurt. Enfin le bon de cette profession est qu’il y a parmi les morts une honnêteté, une discrétion la plus grande du monde ; et jamais on n’en voit se plaindre du médecin qui l’a tué". (Nein, ich sage es Ihnen; Sie haben mich trotz meiner Zähne zum Arzt gemacht. Ich hatte mich nie daran gestört, so gelehrt zu sein; und alle meine Studien waren nur bis zum sechsten. Ich weiß nicht, warum ihnen diese Vorstellung kam; aber als ich sah, dass sie um jeden Preis wollten, dass ich Arzt werde, entschloss ich mich, einer zu werden, auf Kosten von wem auch immer. Sie glauben jedoch nicht, wie sich der Irrtum verbreitet hat und wie teuflisch alle mich für einen klugen Mann halten. Sie suchen mich von allen Seiten; und wenn es immer so läuft, bin ich der Meinung, dass ich mein Leben lang bei der Medizin bleiben sollte. Ich finde es die beste Arbeit von allen; denn ob man es gut oder schlecht macht, man wird immer gleich bezahlt. Der unangenehme Job fällt nie auf unseren Rücken; und wir schneiden nach Belieben an dem Zeug, an dem wir arbeiten. Ein Schuhmacher kann kein Stück Leder verderben, ohne dafür zu bezahlen; aber hier kann man einen Mann verwöhnen, ohne dass es etwas kostet. Die Fehler liegen nicht bei uns, und es ist immer die Schuld desjenigen, der stirbt. Schließlich ist das Gute an diesem Beruf, dass es unter den Toten Ehrlichkeit gibt, die größte Diskretion der Welt; und du siehst nie einen, der sich über den Arzt beschwert, der ihn getötet hat). Léandre: "Il est vrai que les morts sont fort honnêtes gens sur cette matière." (Es ist wahr, dass die Toten in dieser Angelegenheit sehr ehrliche Menschen sind). Sganarelle, "voyant des hommes qui viennent à lui. Voilà des gens qui ont la mine de me venir consulter, (à Léandre.) Allez toujours m’attendre auprès du logis de votre maîtresse." (Sganarelle, der Männer zu sich kommen sieht. Es gibt Leute, die kommen, um mich um Rat zu fragen). In der nächsten Szene wird der Arzt wieder gerufen, weil man die Heuchelei der anderen Ärzte satt hat, die ihr nur teure Medikamente bzw, gefährliche Medikamte ähnlich den heutigen Biotech-Medikamenten wie mRNA-Impfstoffen usw. verschrieben haben, von denen manche sagen: "aber ich hatte ehrlich gesagt Angst, dass es sie in die Hölle schicken würde; und man sagt, dass diese fetten Ärzte ich weiß nicht wie viele Menschen mit dieser Erfindung getötet haben."  . Sganarelle: "Qu’y a-t-il ?" (Was ist es ?). Thibaut: "Sa pauvre mère, qui a nom Parrette, est dans un lit malade il y a six mois." (Seine arme Mutter, die Parrette heißt, lag seit sechs Monaten im Krankenbett). Sganarelle, "tendant la main comme pour recevoir de l’argent. Que voulez-vous que j’y fasse ?"  (Sganarelle, der seine Hand ausstreckt, als wolle er etwas Geld entgegennehmen. Was soll ich dagegen tun?) Thibaut: "Je voudrions, monsieu, que vous nous baillissiez queuque petite drôlerie pour la garir." (Ich möchte, Sir, dass Sie einen kleinen Witz machen, um sie zu heilen). Sganarelle: "Il faut voir de quoi est-ce qu’elle est malade." (Man musst sehen, was mit ihr los ist). Thibaut: "Elle est malade d’hypocrisie, monsieu... Oui, c’est-à-dire qu’aile est enflée partout ; et l’an dit que c’est quantité de sériosités qu’alle a dans le corps, et que son foie, son ventre, ou sa rate, comme vous voudrois l’appeler, au glieu de faire du sang, ne fait plus que de l’iau. Alle a, de deux jours l’un, la fièvre quotiguienne, avec des lassitudes et des douleurs dans les mufles des jambes. On entend dans sa gorge des fleumes qui sont tout prêts à l’élouffer ; et parfois il li prend des syncoles et des conversions, que je crayons qu’alle est passée. J’avons dans notre village un apothicaire, révérence parler, qui li a donné je ne sais combien d’histoires ; et il m’en coûte plus d’eune douzaine de bons écus en lavements, ne v’s en déplaise, en aposthumes qu’on li a fait prendre, en infections de jacinthe, et en portions cordales. Mais tout ça, comme dit l’autre, n’a été que de l’onguent miton-mitaine. Il veloit li bailler d’eune certaine drogue que l’on appelle du vin amétile ; mais j’ai-z-eu peur franchement que ça l’envoyît a patres ; et l’an dit que ces gros médecins tuont je ne sais combien de monde avec cette invention-là." (Sie ist krank vor Heuchelei, Herr... Ja, das heißt, sie ist überall geschwollen; und man sagt, dass es eine Menge Ernsthaftigkeit ist, die sie im Körper hat, und dass ihre Leber, ihr Bauch oder ihre Milz, wie Sie es nennen möchten, anstatt Blut, nichts anderes als Wasser produziert. Sie hat seit zwei Tagen das tägliche Fieber, mit Müdigkeit und Schmerzen... Ich habe einen Apotheker in unserem Dorf, Ehrfurcht zu sprechen, der ihr ich weiß nicht wie viele Geschichten erzählt hat; und es kostet mich mehr als ein Dutzend gute Kronen an Einkäufen, bei allem Respekt, an Aposthumen, die ihr zugefügt wurden, an Hyazintheninfektionen und an Herzportionen. Aber das alles war, wie der andere sagt, nichts als Salbe. Er wollte ihm eine bestimmte Droge namens 'vin amétile' geben; aber ich hatte ehrlich gesagt Angst, dass es sie in die Hölle schicken würde; und man sagt, dass diese fetten Ärzte ich weiß nicht wie viele Menschen mit dieser Erfindung getötet haben). Sganarelle wartet wie unsere Biotech-Pharmafirmen noch auf die monetäre Unterstützung: "tendant toujours la main, et la branlant comme pour signe qu’il demande de l’argent. Venons au fait, mon ami, venons au fait." (Sganarelle streckt immer noch seine Hand aus und schüttelt sie, als wolle er signalisieren, dass er um Geld bittet. Kommen wir zum Punkt, mein Freund, kommen wir zum Punkt). Thibaut: "Le fait est, monsieu, que je venons vous prier de nous dire ce qu’il faut que je fassions." (Tatsache ist, Herr, ich komme, um Sie zu bitten, uns zu sagen, was ich tun muss). Sganarelle: "Je ne vous entends point du tout." (Ich kann dich überhaupt nicht hören). Perrin: "Monsieu, ma mère est malade ; et v’là deux écus que je vous apportons pour nous bailler queuque remède." (Monsieur, meine Mutter ist krank; und hier sind zwei Kronen, die ich Ihnen bringe, um uns einige Heilmittel zu geben). Sganarelle: "Ah ! je vous entends, vous. Voilà un garçon qui parle clairement, et qui s’explique comme il faut. Vous dites que votre mère est malade d’hydropisie, qu’elle est enflée par tout le corps, qu’elle a la fièvre, avec des douleurs dans les jambes, et qu’il lui prend parfois des syncopes et des convulsions, c’est-à-dire des évanouissements ?" (Ah! Ich höre Sie. Hier ist ein Junge, der deutlich spricht und sich gut erklärt. Sie sagen, dass Ihre Mutter an Wassersucht erkrankt ist, dass sie am ganzen Körper geschwollen ist, dass sie Fieber hat, mit Schmerzen in den Beinen, und dass bei ihr manchmal Ohnmacht und Krämpfe auftreten, d.h. Ohnmachtsanfälle?) Perrin: "Hé ! oui, monsieu, c’est justement ça." (Hallo ! Ja, mein Herr, genau das ist es). Sganarelle: "J’ai compris d’abord vos paroles. Vous avez un père qui ne sait ce qu’il dit. Maintenant vous me demandez un remède ?" (Ich habe Ihre Worte zuerst verstanden. Sie haben einen Vater, der nicht weiß, was er sagt. Jetzt fragen Sie mich nach einem Heilmittel?) Perrin: "Oui, monsieu." (Ja, Herr) Sganarelle verschreibt ein Mittel: "Un remède pour la guérir ?... Allez. Si elle meurt, ne manquez pas de la faire enterrer du mieux que vous pourrez." (Ein Heilmittel, um sie zu heilen?... Machen Sie weiter. Wenn sie stirbt, sollten Sie sie so gut wie möglich begraben). In der dritten Szene trifft Sganarelle auf die schöne Krankenschwester, die er gerne heilen wurde, weil er für sie schwärmt, weshalb er den eifersüchtigen Ehemann verdammt: "Voici la belle nourrice. Ah ! nourrice de mon cœur, je suis ravi de cette rencontre ; et votre vue est la rhubarbe, la casse, et le séné, qui purgent toute la mélancolie de mon ame." (Hier ist die schöne Krankenschwester. Ah! Krankenschwester meines Herzens, ich freue mich über dieses Treffen; und dein Anblick ist Rhabarber, Cassia und Senna, die alle Melancholie aus meiner Seele vertreiben). Jacqueline: "...monsieu le médecin, ça est trop bian dit pour moi, et je n’entends rian à tout votre latin." (Monsieur der Arzt, es ist mir zu gut gesagt, und ich verstehe gar nichts von Ihrem Latein). Sganarelle: "Devenez malade, nourrice, je vous prie ; devenez malade pour l’amour de moi. J’aurois toutes les joies du monde de vous guérir." (Werden Sie krank, Pflegerin, bitte; krank werden aus Liebe zu mir. Ich hätte alle Freude der Welt, Sie zu heilen). Jacqueline: "Je sis votre sarvante ; j’aime bian mieux qu’an ne me garisse pas." (Ich bin Ihr Diener; Ich bevorzuge es sehr, dass man mich nicht verwöhnt). Sganarelle: "Que je vous plains, belle nourrice, d’avoir un mari jaloux et fâcheux comme celui que vous avez !" (Wie sehr bemitleide ich Sie, schöne Krankenschwester, einen eifersüchtigen und lästigen Ehemann zu haben, wie Sie ihn haben!) Jacqueline: "Que velez-vous, monsieu ? C’est pour la pénitence de mes fautes ; et là où la chèvre est liée, il faut bian qu’aile y broute." (Was haben Sie vor, mein Herr? Es ist für die Buße meiner Fehler; und wo die Ziege angebunden ist, da muss sie grasen). Sganarelle: "Comment ! un rustre comme cela ! un homme qui vous observe toujours, et ne veut pas que personne vous parle !" (Was ! so ein Flegel! ein Mann, der dich immer beobachtet und nicht will, dass jemand mit dir spricht!) Jacqueline: "Hélas ! vous n’avez rian vu encore ; et ce n’est qu’un petit échantillon de sa mauvaise humeur." (Ach! Sie haben noch nichts gesehen; und das ist nur ein kleiner Ausschnitt seiner schlechten Laune). Er empört sich darüber, dass die Krankenschwester von ihrem Ehemann misshandelt wird, obwohl er selbst wegen der Misshandlung seiner Frau zum Arzt wider Willen verdammt wurde: "Est-il possible ? et qu’un homme ait l’ame assez basse pour maltraiter une personne comme vous ? Ah ! que j’en sais, belle nourrice, et qui ne sont pas loin d’ici, qui se tiendroient heureux de baiser seulement les petits bouts de vos petons ! Pourquoi faut-il qu’une personne si bien faite soit tombée en de telles mains ! et qu’un franc animal, un brutal, un stupide, un sot… pardonnez-moi, nourrice, si je parle ainsi de votre mari…" (Ist es möglich ? und dass ein Mann niedrig genug ist, um eine Person wie Sie zu misshandeln? Ah! Wie viele kenne ich, schöne Krankenschwester, und die nicht weit von hier sind, die dir gerne nur die kleinen Zehenspitzen küssen würden! Warum muss ein so gut gemachter Mensch in solche Hände fallen! und dass ein aufrichtiges Tier, ein brutales, ein dummes, ein Narr ... verzeihen Sie mir, Amme, wenn ich so über Ihren Mann spreche ...). Jacqueline: "Hé ! monsieu, je sais bian qu’il mérite tous ces noms-là." (Hallo ! Herr, ich weiß, dass er all diese Namen verdient). Sganarelle: "Oui, sans doute, nourrice, il les mérite ; et il mériteroit encore que vous lui missiez quelque chose sur la tête, pour le punir des soupçons qu’il a." (Ja, kein Zweifel, Amme, er verdient sie; und er verdient es immer noch, dass du ihm etwas auf den Kopf legst, um ihn für seinen Verdacht zu bestrafen). Jacqueline: "Il est bian vrai que si je n’avois devant les yeux que son intérêt, il pourroit m’obliger à queuque étrange chose." (Es ist ganz richtig, wenn ich nur sein Interesse vor Augen hätte, könnte er mich zwingen, etwas Seltsames zu tun). Sganarelle: "Ma foi, vous ne feriez pas mal de vous venger de lui avec quelqu’un. C’est un homme, je vous le dis, qui mérite bien cela ; et, si j’étois assez heureux, belle nourrice, pour être choisi pour… (Dans le temps que Sganarelle tend les bras pour embrasser Jacqueline, Lucas passe sa tête par dessous, et se met entre eux deux. Sganarelle et Jacqueline regardent Lucas, et sortent chacun de leur côté, mais le médecin d’une manière fort plaisante.)" (Nun, es würde dir nicht schaden, dich mit jemandem an ihm zu rächen. Er ist ein Mann, sage ich Ihnen, der das wohl verdient; und, wenn ich Glück hatte, eine schöne Krankenschwester, die ausgewählt wird für … (Als Sganarelle sich ausstreckt, um Jacqueline zu küssen, steckt Lucas seinen Kopf darunter und tritt zwischen sie. Sganarelle und Jacqueline sehen Lucas an und gehen jeder für sich , aber der Arzt auf eine sehr angenehme Art). In der sechsten Szene heilt Sganarelle Lucinde, die sich allerdings nur stumm gestellt hat, damit sie den von ihrem Vater vorgesetzten Bräutigam nicht heiraten muss. Léandre, ihr Geliebter, tritt als Apotheker auf. Die Heilung Lucindes wird natürlich den Heilmitteln und Ärzten zugeschrieben "ô grande vertu du remède ! ô admirable médecin !" (O große Tugend des Heilmittels! O bewundernswerter Arzt!), so wie man heute den Sieg über Corona den mRNA-Impfstoffen und sinnlosen Maßnahmen wie 2G und den entsprechenden Virologen wie Karl Lauterbach zuschreibt, obwohl weder die Impfstoffe noch die Virologen etwas zur Erreichung der Herdenimmunität beigetragen haben außer tonnenweise Müll und falsche Hegel-Zitate. Jacqueline: "Monsieu, v’là votre fille qui veut un peu marcher." (Herr, hier ist Ihre Tochter, die ein wenig spazieren gehen möchte). Sganarelle: "Cela lui fera du bien. Allez-vous-en, monsieur l’apothicaire, tâter un peu son pouls, afin que je raisonne tantôt avec vous de sa maladie." (Es wird ihr gut tun. Gehen Sie fort, Herr Apotheker, fühlen Sie ein wenig ihrem Puls, damit ich bald mit Ihnen über ihre Krankheit sprechen kann). Er beginnt etwas realitätsfern über die Krankheit zu räsonieren wie unsere heutigen "wissensbasierten" Mediziner über Corona: "Monsieur, c’est une grande et subtile question entre les docteurs, de savoir si les femmes sont plus faciles à guérir que les hommes. Je vous prie d’écouter ceci, s’il vous plaît. Les uns disent que non, les autres disent que oui : et moi je dis que oui et non ; d’autant que l’incongruité des humeurs opaques, qui se rencontrent au tempérament naturel des femmes, étant cause que la partie brutale veut toujours prendre empire sur la sensitive, on voit que l’inégalité de leurs opinions dépend du mouvement oblique du cercle de la lune ; et comme le soleil, qui darde ses rayons sur la concavité de la terre, trouve…"Herr, es ist eine große und subtile Frage zwischen Ärzten, ob Frauen leichter geheilt werden als Männer. Ich bitte Sie, sich das bitte anzuhören. Einige sagen nein, andere sagen ja: und ich sage ja und nein; um so mehr, als die Inkongruenz der undurchsichtigen Säfte, die sich im natürlichen Temperament der Frauen befinden, die Ursache dafür sind, dass der brutale Teil immer über den Sensiblen herrschen will, sehen wir, dass die Ungleichheit ihrer Meinungen auf der schrägen Bewegung beruht des Mondkreises...). Lucinde, zu Léandre: "Non, je ne suis point du tout capable de changer de sentiment." (Nein, ich bin überhaupt nicht in der Lage, mein Gefühl zu ändern). Géronte: "Voilà ma fille qui parle ! ô grande vertu du remède ! ô admirable médecin ! Que je vous suis obligé, monsieur, de cette guérison merveilleuse ! et que puis-je faire pour vous après un tel service ?" (Da spricht meine Tochter! O große Tugend des Heilmittels! O bewundernswerter Arzt! Wie dankbar bin ich Ihnen, mein Herr, für diese wunderbare Heilung! und was kann ich nach einem solchen service für sie tun?) Sganarelle, der auf die Bühne geht und sich mit seinem Hut Luft zufächelt: "Voilà une maladie qui m’a bien donné de la peine !" (Diese Krankheit hat mir große Schmerzen bereitet!) Lucinde: "Oui, mon père, j’ai recouvré la parole ; mais je l’ai recouvrée pour vous dire que je n’aurai jamais d’autre époux que Léandre, et que c’est inutilement que vous voulez me donner Horace.... Rien n’est capable d’ébranler la résolution que j’ai prise... Vous m’opposerez en vain de belles raisons... Tous vos discours ne serviront de rien... C’est une chose où je suis déterminée... Il n’est puissance paternelle qui me puisse obliger à me marier malgré moi...Vous avez beau faire tous vos efforts... Mon cœur ne sauroit se soumettre à cette tyrannie... Et je me jetterai plutôt dans un couvent que d’épouser un homme que je n’aime point" (Ja, mein Vater, ich habe meine Sprache wiedererlangt; aber ich habe dich dazu gebracht, Ihnen zu sagen, dass ich nie einen anderen Mann haben werde als Léandre, und dass es sinnlos ist, dass Du mir Horace geben willst... Nichts kann meinen Entschluss erschüttern... Du wirst dich mir mit guten Gründen vergeblich widersetzen... Dein ganzes Gerede wird nutzlos sein... Es ist etwas, wozu ich entschlossen bin... Es gibt keine väterliche Macht, die mich zwingen kann, gegen meinen Willen zu heiraten... Ganz egal wie sehr du es versuchst... Mein Herz kann sich dieser Tyrannei nicht unterwerfen... Und ich stürze mich lieber in ein Kloster, als einen Mann zu heiraten, den ich nicht liebe.). Géronte stammelt nur "Mais…Quoi !" (Aber... Was!) Lucinde, "parlant d’un ton de voix à étourdir. Non. En aucune façon. Point d’affaires. Vous perdez le temps. Je n’en ferai rien. Cela est résolu." (Lucinde, sprach in einem Tonfall, um zu betäuben: Nein. Auf keinen Fall. Du verschwendest Zeit. Ich werde nicht. Dies ist gelöst). Géronte sehnt sich nach dem alten Zustand zurück, ähnlich wie unsere Gesundheitsminister den Krankheitszustand möglichst in die Länge ziehen möchten, damit wenigstens die Biotech-Pharmafirmen gut daran verdienen können: "Ah ! quelle impétuosité de paroles ! Il n’y a pas moyen d’y résister. (à Sganarelle.) Monsieur, je vous prie de la faire redevenir muette." (Ah! welche Ungestümheit der Worte! Es gibt keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. (zu Sganarelle.) Herr, bitte schalten Sie sie wieder stumm). Sganarelle: "C’est une chose qui m’est impossible. Tout ce que je puis faire pour votre service est de vous rendre sourd, si vous voulez" (Das ist etwas, das für mich unmöglich ist. Alles, was ich für Ihren Dienst tun kann, ist, Sie taub zu machen, wenn Sie so wollen). [24]

Anklänge an Calderón de la Barca finden sich auch im "Rosenkavalier". In den Dramen und Komödien der Spanier des goldenen Zeitalters gilt, wer ernsthaft am Islam festhält, als Jemand, der nicht ganz bei Trost ist. Daher konvertieren in den Komödien die vernünftigen Muslime zum Christentum, nur die eher lächerlichen Figuren, heute könnte man sagen, die, die nicht ganz bei Trost sind, wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser mit ihrer Verschwörung "Deutsche Islamkonferenz (DIK)", halten standhaft an der islamischen Ideologie fest. Alle Anderen organisieren sich als Ex-Muslime und lassen Mohammed als lächerliche Figur erscheinen wie im "Rosenkavalier", wo er als "Lakai" namens Mohammed auftritt und Geränke servieren oder fallen gelassene Taschentücher aufheben muss: "mit einer Kerze in der Hand, sucht das Taschentuch, findet es, hebt es auf, trippelt hinaus." Manche von Mohammeds Zeitgenossen sind sogar "zwanzigmal ärger als Türken", wie der Haushofmeister feststellt. [25] 
 

6. Der Einfluss durch Beethovens "Missa Solemnis", Claudio Monteverdis "Vespro della Beata Vergine" (Marienvesper), Heinrich Schütz' Historia der Geburt Jesu Christi und Symphoniae sacrae, Bachs "Weihnachtsoratorium", Vivaldi's Chorwerke und Händels "Messias"

Beethovens Einfluss insbesondere durch seine Symphonien und die Missa Solemnis auf romantische Werke wie Franz Schuberts Messen und sein "Ave Maria", Felix Mendelssohn -Bartoldy's Oratorien "Paulus" und "Elias", Carl Maria von Weber's "Missa sancta" Nr. 1 Es-Dur ("Freischützmesse") und Nr. 2 G-Dur ("Jubelmesse"), Franz Liszts "Christus", Richard Wagners "Parsifal", Hans Pfizners "Palestrina", Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel", Anton Bruckners Symphonien und Messen, Giuseppe Verdi's "Quattro Pezzi Sacri" mit "Ave Maria", "Stabat Mater", "Laudi alla Vergine Maria" und "Te Deum", Antonin Dvoraks "Stabat Mater", Camille Saint Saens' Weihnachtsoratorium "Oratorio de Noel", Georges Bizet's "Agnus Dei" (L'Arlésienne), Hector Berlioz' "L'Enfance du Christ" und seine "Grande Messe des Morts", Caesar Franck's "Messe solenelle und "Messe à trois voix" mit der bekannten Arie "Panis Angelicus", Edward Elgar's Symphonien und die Oratorien "The Apostles", "The Kingdom" und "The Dream of Gerontius" ist nicht zu übersehen. Beethoven wählte für seine Messe D-Dur, die ihm Würde, Größe und Freudigkeit bedeutete. Es ist auch die Tonart seiner Ode an die Freude, die ihn seit 1817 beschäftigte und kurz nach der Messe vollendet wurde. Er formulierte die Ansprüche christlicher Musik wie folgt: Vertrautheit mit dem gregorianischen Choral sowie den katholischen Hymnen und Psalmen, dazu eine genaue Kenntnis des lateinischen Messetextes. Dazu studierte er auch Palestrinas Kirchenmusik und ließ sich eine genaue deutsche Übersetzung der lateinischen Messetexte anfertigen. Je mehr Beethoven zur Tonsprache seines Spätstils durchdrang, um so wichtiger wurde ihm der Kontrapunkt. Die plötzlichen harmonischen Wendungen in der "Missa Solemnis" sind oft so wie sie z.B. Palestrina und seine Zeitgenossen liebten, bevor die abendländische bzw. christliche Musik sich nach dem Dur-Moll-System richtete. Der romantische Komponist Vincent d' Indy schrieb einmal, Beethovens "Missa Solemnis" sei reiner Ausdruck einer tiefen katholischen Gläubigkeit, und die moderne Theologie hat das Werk als liturgisch korrekt bezeichnet. Die christliche Religion war für Beethoven aber nicht unverrückbares Dogma, sondern ein ständiges Ringen um das Gottes- und damit Selbstverständnis. Die Bestätigung fand er nicht nur in christlichen Lehren sondern auch in jenen des klassischen Griechenland und Italien, selbst in Indien, also in den vor-christlichen Religionen.  Das kommt im Gloria zum Ausdruck: "Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis." (Ehre sei Gott in der Höhe. Und Frieden auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind). Das schliesst natürlich Diejenigen aus, die sich gegen die Christentheit wenden wie die Muslime oder die den Frieden brechen wie das kommunistische Russland und die heutige russisch-orthodoxe Kirche. Denn weder Mohammed noch Allah sind die Heiligen sondern Christus: "Quoniam tu solus Sanctus, tu solus Dominus, tu solius Altissimus, Jesu Christe, cum Sancto Spiritu in gloria Dei Patris." (Denn Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters). Und im Sanctus heisst es: "Sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua." (Heilig. heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit). Großen Einfluss übten auch Mozarts "Krönungsmesse" KV 317, "Missa Solemnis" KV 337, "große Messe in c-Moll" KV 427, sein "Requiem KV 626, "Vesperae solennes de confessore C-Dur" KV 339 sowie Joseph Haydn's letzte Symphonien, sein Oratorium "Die Jahreszeiten" und seine "Cäcilienmesse", "Harmoniemesse", "Theresien-Messe", "Missa in tempore belli" ("Paukenmesse") und Missa in angustiis" ("Nelsonmesse") aus  [26] 

Auch Claudio Monteverdi mit seiner "Vespro della Beata Vergine" (Marienvesper, 1610) und Heinrich Schütz (1585-1672, wurde sogar von den Romantikern wiederentdeckt) mit seiner "Historia der freuden- und gnadenreichen Geburt Gottes und Mariens Sohnes, Jesu Christi" und beispielsweise seiner "Symphoniae sacrae" (1650) und seinen Weihnachtsmotetten "Hodie Christus natus", SWV 456, "Das Wort war Fleisch", SWV 385, "Der Engel sprach zu den Hirten", SWV 395, "Ein Kind ist uns geboren, SWV 384, beeinflussten die Romantiker ebenso wie Bachs "Weihnachtsoratorium" mit der berühmten ersten Kantate "Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage! / Rühmet, was heute der höchste getan! / Lasset das Zagen, verbannet die Klage! / Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! / Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören! / Lasst uns den Namen des Herrschers verehren!" und der letzten Kantate, die gegen die Feinde der Christenheit gerichtet ist, worunter man früher vor allem die Muslime verstand, die "alle falsche List" aufwanden um "dem Heiland nachzustellen": "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben, / so gib, dass wir im festen Glauben / nach deiner Macht und Hilfe sehn. / Wir wollen dir allein vertrauen, / so können wir den scharfen Klauen / des Feindes unversehrt entgehn." [27]

Das gilt auch für Vivaldi's Chorwerke und Händels "Messias" mit seinen berühmten Arien wie "Tröste dich, mein Volk, spricht dein Gott. Redet freundlich, Boten, mit Jerusalem und predigt ihr, dass die Knechtschaft nun zu Ende und ihre Missetat vergeben. Vernehmet die Stimme des Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und ebnet durch Wildnis ihm Pfade, unserm Gott. Alle Tale macht hoch erhaben und alle Berge und Hügel tief, das Krumme grad und das Raue macht gleich. Denn die Herrlichkeit Gottes, des Herrn wird offenbaret. Alle Völker werden es sehen, da es Gott, unser Herr, verheissen hat." , "So spricht der Herr, Gott Zebaoth: Noch eine kleine Zeit, und ich beweg den Himmel und Erde, das Meer und das Trockene und ich beweg die Menschheit. Es bebt der Himmel, die Erde, das Meer, das Trockene, die Menschheit erbebt. Dann wird der Trost aller Völker erscheinen." , "Der Herr, den ihr sucht, kommt plötzlich zu seinem Tempel: und der Engel des neuen Bundes, den ihr begehret, steht auf, er erscheint, so spricht Gott, der Herr. Doch wer wird ertragen den Tag seiner Ankunft und wer besteht, wenn er erscheinet? Denn er entflammt wie des Läuterers Feuer. Und er wird reinigen und läutern das Volk des Bundes, auf dass er bringe Gott, seinem Herrn, ein Opfer in Gerechtigkeit und Heiligkeit." , "Denn sieh, der Verheissene des Herrn erscheint auf Erden, und sein Name heisst Immanuel: 'Gott mit uns'." , "O du, die Wonne verkündet in Zion, steig empor zur Höhe der Berge! O du, die Gutes verheisset Jerusalem, erheb dein Wort mit Macht, ruf es laut und sei getrost, verkündige den Städten des Landes: Er kommt, dein Gott. O du, die Wonne verkündet in Zion, steh auf, strahle, denn dein Licht ist nah, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir." , "O du, die Wonne verkündet in Zion, verkündet in Jerusalem, steh auf, verkünde den Städten des Landes: Er kommt, dein Gott., die Herrlichkeit des Herrn ist über dir erschienen." , "Denn blick auf: Finsternis deckt alle Welt, dunkle Nacht alle Völker. Doch über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet vor dir; und die Heiden wandeln im Licht und Könige im Glanze deines Aufgangs."  Weitere Arien folgen wie "Denn es ist uns ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn gegeben, und die Herrschaft ist gelegt auf seine Schulter; und sein Name soll heissen: Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst!" , "Es waren Hirten beisammen auf dem Felde, die hüteten ihre Herden des Nachts. Und siehe, der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch frohe Kunde von dem Heil, das da wird allen Völkern. Denn euch ist heut in Davids Stadt der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." , "Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und allen Menschen Heil!" , "Erwach, frohlocke, o Tochter von Zion; auf, du, Tochter Jerusalem! Blick auf, dein König kommt zu dir, er ist der rechte Helfer, und bringet allen Völkern Heil." Der krasse Gegensatz zum Islam wird auch hier deutlich: "Sein Joch ist sanft, die Last ist leicht."  , "Seht an das Gotteslamm, es trägt in Geduld die Sünde der Welt." , "Er ward verschmähet und verachtet, von allen verschmäht, ein Mann der Schmerzen und umgeben mit Qual." , "Den Rücken bot er den Peinigern, hielt die Wange dar der rohen Feinde Wut, er barg nicht sein Antlitz vor Schmach und Schande." ... "Hoch tut euch auf und öffnet euch weit, ihr Tore der Welt, denn der König der Ehren ziehet ein. Wer ist der König der Ehren? Der Herr, stark und mächtig im Streite. Hoch tut euch auf und öffnet euch weit, ihr Tore der Welt, denn der König der Ehren ziehet ein. Wer ist der König der Ehren? Gott Zebaoth; er ist der König der Ehren." , "Du fuhrest in die Höh', hast gefangen das Gefängnis; du erwarbest Gnade für uns, ja selbst für deine Feinde, dass Gott, der Herr, stets wohne bei ihnen." , "Der Herr gab das Wort: Gross war die Menge der Boten Gottes." , "Wie lieblich ist der Boten Schritt, die uns verkünden den Frieden; sie bringen frohe Botschaft vom Heil, das ewig ist." , "Ihr Schall gehet aus in jedes Land und ihr Wort an alle Enden der Welt"  , "Warum denn rasen und toben die Heiden im Zorne und warum halten die Völker stolzen Rat? Die Kön'ge der Welt stehen auf, und die Fürsten entflammen in Aufruhr wider den Herrn und seinen Gesalbten." , "Der da thronet im Himmel, er lacht ihrer Wut, der Herr, er spottet ihres Grimmes." , "Du zerschlägst sie mit dem eisernen Zepter, du zerbrichst sie zu Scherben wie des Töpfers Gefässe." , "Halleluja, denn Gott, der Herr, regieret allmächtig, Halleluja! Das Königreich der Welt ist fortan das Königreich des Herrn und seines Christus, und er regiert auf immer und ewig, Halleluja! Herr der Herren, der Welten Gott, und er regiert auf immer und ewig, Halleluja!". Auf das berühmte Halleluja folgt der dritte Teil mit "Ich weiss, dass mein Erlöser lebet und dass er erscheint im letzten Tag dieser Erd'. Wenn Verwesung mir gleich drohet, wird dies mein Auge Gott doch sehen" , "Sie schallt, die Posaun', und die Toten erstehn unverweslich, wir werden verwandelt. Denn dies Verwesliche wird erstehn unverweslich, und dies Sterbliche wird verklärt zur Unsterblichkeit." , "Dann wird erfüllet, was da geschrieben stehet: Der Tod ist in den Sieg verschlungen." und "Würdig ist das Lamm, das da starb, und hat versöhnet uns mit Gott durch sein Blut, zu nehmen Stärke und Reichtum und Weisheit und Macht und Ehre und Hoheit und Segen. Alle Gewalt und Ehr' und Macht und Lob und Preis gebühret ihm, der sitzet auf seinem Thron, und also dem Lamm auf immer und ewig."  [28] 
 
 

Anmerkungen 

[1] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1369; "Le roi de Lahore". Oper in fünf Akten des französischen Komponisten Jules Massenet, Paris 1877. Das Libretto stammt von Louis Gallet. Die Uraufführung fand am 27. April 1877 in der Opéra Garnier der Pariser Oper statt; vgl. Kurse Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 505 Arthur Schopenhauer I-II, Nr. 663 Arthur Schopenhauer III, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.
[3] Ib.
[4] Ib.; zum "Paradies" der Muslime vgl. Kurse Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 640 Stefan Lochner, Nr. 649 Giotto di Bondone, Nr. 626 Luca Signorelli, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 589 Albrecht Dürer, Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.
[7] Ib.
[8] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1384; Armida (Op. 115), Oper in vier Akten von Antonín Dvorák mit einem Libretto von Jaroslav Vrchlický nach Torquato Tassos Epos Das befreite Jerusalem. Die Uraufführung fand am 25. März 1904 im Prager Nationaltheater statt; vgl. Kurse Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Ib.
[9] Ib.
[10] Ib.
[11] Ib.
[12] Ib.
[13] Ib.
[14] Ib.
[15] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1385 und FAZ 2022, Nr. 287; vgl Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Ib.
[16] Ib.
[17] Ib.
[18] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1386; Franz Schubert, die Verschworenen, Oper in einem Akt, Libretto Ignaz Franz Castelli; vgl. Kurse Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Ib.
[19] Ib.; zu: Dramen der Spanier Cervantes, Calderon und Lope des Vega vgl. Kurse Nr. 558 Calderón de la Barca, Nr. 648 Calderón de la Barca II, Nr. 650 Calderón de la Barca III, Nr. 651 Calderón de la Barca IV, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 637 Lope de Vega I, Nr. 638 Lope de Vega II, Nr. 642 Lope de Vega III, Nr. 643 Lope de Vega IV, Ib.
[20] Ib.
[21] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1387; Richard Strauss, Der Rosenkavalier, Komödie für Musik in drei Aufzügen, Libretto: Hugo von Hoffmannsthal; Ders.: Don Quixote, Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters für großes Orchester op. 35; vgl. Anm. 19 und Kurse Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Ib.
[22] Ib.
[23] Ib.; zu: nicht so krass wie z.B. in Molières "L’Amour Médecin" (die Liebe als Arzt) vgl. Kurs Nr. 665 Molière, Ib. 
[24] Ib.; zu: Auch was die Komödie "Le Médecin malgré lui" (Der Arzt wider Willen) betrifft, ist der Klassiker stärker, vgl. Kurs Nr. 665 Molière, Ib. 
[25] Ib.; zu: In den Dramen und Komödien der Spanier des goldenen Zeitalters, vgl. Anm. 19 und Kurs Nr. 614 Sittenlehre III, Ib.
[26] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2022, 21, Nr. 1388; Ludwig van Beethoven, Missa Solemnis D-Dur op. 123;Claudio Monteverdi, "Vespro della Beata Vergine" (Marienvesper, 1610); Heinrich Schütz (1585-1672), "Historia der freuden- und gnadenreichen Geburt Gottes und Mariens Sohnes, Jesu Christi", Ders. "Hodie Christus natus", SWV 456, "Das Wort war Fleisch", SWV 385, "Der Engel sprach zu den Hirten", SWV 395, "Ein Kind ist uns geboren, SWV 384; "Symphoniae sacrae" (1650); J.S. Bach "Das Weihnachtsoratorium"; G.F. Händel, "Der Messias"; Mozart, "Krönungsmesse" KV 317, "Missa Solemnis" KV 337, "große Messe in c-Moll" KV 427, "Requiem KV 626, "Vesperae solennes de confessore C-Dur" KV 339; Joseph Haydn Oratorium "Die Jahreszeiten", "Cäcilienmesse", "Harmoniemesse", "Theresien-Messe", "Missa in tempore belli" ("Paukenmesse"), Missa in angustiis" ("Nelsonmesse") vgl. Kurse Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Ib.
[27] Ib.
[28] Ib.
 
 


Giambattista Tiepolo, Rinaldo und Armida im Zaubergarten, um 1752


Giambattista Tiepolo, Rinaldo enchanted by Armida,1745
 
 


Gerard David, The Rest on the Flight into Egypt, 1512, National Gallery of Art, Washington

Beethovens Einfluss insbesondere durch seine Symphonien und die Missa Solemnis auf romantische Werke wie Franz Schuberts Messen und sein "Ave Maria", Felix Mendelssohn -Bartoldy's Oratorien "Paulus" und "Elias", Carl Maria von Weber's "Missa sancta" Nr. 1 Es-Dur ("Freischützmesse") und Nr. 2 G-Dur ("Jubelmesse"), Franz Liszts "Christus", Richard Wagners "Parsifal", Hans Pfizners "Palestrina", Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel", Anton Bruckners Symphonien und Messen, Giuseppe Verdi's "Quattro Pezzi Sacri" mit "Ave Maria", "Stabat Mater", "Laudi alla Vergine Maria" und "Te Deum", Antonin Dvoraks "Stabat Mater", Camille Saint Saens' Weihnachtsoratorium "Oratorio de Noel", Georges Bizet's "Agnus Dei" (L'Arlésienne), Hector Berlioz' "L'Enfance du Christ" und seine "Grande Messe des Morts", Caesar Franck's "Messe solenelle und "Messe à trois voix" mit der bekannten Arie "Panis Angelicus", Edward Elgar's Symphonien und die Oratorien "The Apostles", "The Kingdom" und "The Dream of Gerontius" ist nicht zu übersehen. Beethoven wählte für seine Messe D-Dur, die ihm Würde, Größe und Freudigkeit bedeutete. Es ist auch die Tonart seiner Ode an die Freude, die ihn seit 1817 beschäftigte und kurz nach der Messe vollendet wurde. Er formulierte die Ansprüche christlicher Musik wie folgt: Vertrautheit mit dem gregorianischen Choral sowie den katholischen Hymnen und Psalmen, dazu eine genaue Kenntnis des lateinischen Messetextes. Dazu studierte er auch Palestrinas Kirchenmusik und ließ sich eine genaue deutsche Übersetzung der lateinischen Messetexte anfertigen. Je mehr Beethoven zur Tonsprache seines Spätstils durchdrang, um so wichtiger wurde ihm der Kontrapunkt. Die plötzlichen harmonischen Wendungen in der "Missa Solemnis" sind oft so wie sie z.B. Palestrina und seine Zeitgenossen liebten, bevor die abendländische bzw. christliche Musik sich nach dem Dur-Moll-System richtete. Der romantische Komponist Vincent d' Indy schrieb einmal, Beethovens "Missa Solemnis" sei reiner Ausdruck einer tiefen katholischen Gläubigkeit, und die moderne Theologie hat das Werk als liturgisch korrekt bezeichnet. Die christliche Religion war für Beethoven aber nicht unverrückbares Dogma, sondern ein ständiges Ringen um das Gottes- und damit Selbstverständnis. Die Bestätigung fand er nicht nur in christlichen Lehren sondern auch in jenen des klassischen Griechenland und Italien, selbst in Indien, also in den vor-christlichen Religionen.  Das kommt im Gloria zum Ausdruck: "Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis." (Ehre sei Gott in der Höhe. Und Frieden auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind). Das schliesst natürlich Diejenigen aus, die sich gegen die Christentheit wenden wie die Muslime oder die den Frieden brechen wie das kommunistische Russland und die heutige russisch-orthodoxe Kirche. Denn weder Mohammed noch Allah sind die Heiligen sondern Christus: "Quoniam tu solus Sanctus, tu solus Dominus, tu solius Altissimus, Jesu Christe, cum Sancto Spiritu in gloria Dei Patris." (Denn Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters). Und im Sanctus heisst es: "Sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua." (Heilig. heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit). Großen Einfluss übten auch Mozarts "Krönungsmesse" KV 317, "Missa Solemnis" KV 337, "große Messe in c-Moll" KV 427, sein "Requiem KV 626, "Vesperae solennes de confessore C-Dur" KV 339 sowie Joseph Haydn's letzte Symphonien, sein Oratorium "Die Jahreszeiten" und seine "Cäcilienmesse", "Harmoniemesse", "Theresien-Messe", "Missa in tempore belli" ("Paukenmesse") und Missa in angustiis" ("Nelsonmesse") aus.

Auch Claudio Monteverdi mit seiner "Vespro della Beata Vergine" (Marienvesper, 1610) und Heinrich Schütz (1585-1672, wurde sogar von den Romantikern wiederentdeckt) mit seiner "Historia der freuden- und gnadenreichen Geburt Gottes und Mariens Sohnes, Jesu Christi" und beispielsweise seiner "Symphoniae sacrae" (1650) und seinen Weihnachtsmotetten "Hodie Christus natus", SWV 456, "Das Wort war Fleisch", SWV 385, "Der Engel sprach zu den Hirten", SWV 395, "Ein Kind ist uns geboren, SWV 384, beeinflussten die Romantiker ebenso wie Bachs "Weihnachtsoratorium" mit der berühmten ersten Kantate "Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage! / Rühmet, was heute der höchste getan! / Lasset das Zagen, verbannet die Klage! / Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! / Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören! / Lasst uns den Namen des Herrschers verehren!" und der letzten Kantate, die gegen die Feinde der Christenheit gerichtet ist, worunter man früher vor allem die Muslime verstand, die "alle falsche List" aufwanden um "dem Heiland nachzustellen": "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben, / so gib, dass wir im festen Glauben / nach deiner Macht und Hilfe sehn. / Wir wollen dir allein vertrauen, / so können wir den scharfen Klauen / des Feindes unversehrt entgehn." 

Das gilt auch für Vivaldi's Chorwerke und Händels "Messias" mit seinen berühmten Arien wie "Tröste dich, mein Volk, spricht dein Gott. Redet freundlich, Boten, mit Jerusalem und predigt ihr, dass die Knechtschaft nun zu Ende und ihre Missetat vergeben. Vernehmet die Stimme des Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und ebnet durch Wildnis ihm Pfade, unserm Gott. Alle Tale macht hoch erhaben und alle Berge und Hügel tief, das Krumme grad und das Raue macht gleich. Denn die Herrlichkeit Gottes, des Herrn wird offenbaret. Alle Völker werden es sehen, da es Gott, unser Herr, verheissen hat." , "So spricht der Herr, Gott Zebaoth: Noch eine kleine Zeit, und ich beweg den Himmel und Erde, das Meer und das Trockene und ich beweg die Menschheit. Es bebt der Himmel, die Erde, das Meer, das Trockene, die Menschheit erbebt. Dann wird der Trost aller Völker erscheinen." , "Der Herr, den ihr sucht, kommt plötzlich zu seinem Tempel: und der Engel des neuen Bundes, den ihr begehret, steht auf, er erscheint, so spricht Gott, der Herr. Doch wer wird ertragen den Tag seiner Ankunft und wer besteht, wenn er erscheinet? Denn er entflammt wie des Läuterers Feuer. Und er wird reinigen und läutern das Volk des Bundes, auf dass er bringe Gott, seinem Herrn, ein Opfer in Gerechtigkeit und Heiligkeit." , "Denn sieh, der Verheissene des Herrn erscheint auf Erden, und sein Name heisst Immanuel: 'Gott mit uns'." , "O du, die Wonne verkündet in Zion, steig empor zur Höhe der Berge! O du, die Gutes verheisset Jerusalem, erheb dein Wort mit Macht, ruf es laut und sei getrost, verkündige den Städten des Landes: Er kommt, dein Gott. O du, die Wonne verkündet in Zion, steh auf, strahle, denn dein Licht ist nah, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir." , "O du, die Wonne verkündet in Zion, verkündet in Jerusalem, steh auf, verkünde den Städten des Landes: Er kommt, dein Gott., die Herrlichkeit des Herrn ist über dir erschienen." , "Denn blick auf: Finsternis deckt alle Welt, dunkle Nacht alle Völker. Doch über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet vor dir; und die Heiden wandeln im Licht und Könige im Glanze deines Aufgangs."  Weitere Arien folgen wie "Denn es ist uns ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn gegeben, und die Herrschaft ist gelegt auf seine Schulter; und sein Name soll heissen: Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst!" , "Es waren Hirten beisammen auf dem Felde, die hüteten ihre Herden des Nachts. Und siehe, der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch frohe Kunde von dem Heil, das da wird allen Völkern. Denn euch ist heut in Davids Stadt der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." , "Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und allen Menschen Heil!" , "Erwach, frohlocke, o Tochter von Zion; auf, du, Tochter Jerusalem! Blick auf, dein König kommt zu dir, er ist der rechte Helfer, und bringet allen Völkern Heil." Der krasse Gegensatz zum Islam wird auch hier deutlich: "Sein Joch ist sanft, die Last ist leicht."  , "Seht an das Gotteslamm, es trägt in Geduld die Sünde der Welt." , "Er ward verschmähet und verachtet, von allen verschmäht, ein Mann der Schmerzen und umgeben mit Qual." , "Den Rücken bot er den Peinigern, hielt die Wange dar der rohen Feinde Wut, er barg nicht sein Antlitz vor Schmach und Schande." ... "Hoch tut euch auf und öffnet euch weit, ihr Tore der Welt, denn der König der Ehren ziehet ein. Wer ist der König der Ehren? Der Herr, stark und mächtig im Streite. Hoch tut euch auf und öffnet euch weit, ihr Tore der Welt, denn der König der Ehren ziehet ein. Wer ist der König der Ehren? Gott Zebaoth; er ist der König der Ehren." , "Du fuhrest in die Höh', hast gefangen das Gefängnis; du erwarbest Gnade für uns, ja selbst für deine Feinde, dass Gott, der Herr, stets wohne bei ihnen." , "Der Herr gab das Wort: Gross war die Menge der Boten Gottes." , "Wie lieblich ist der Boten Schritt, die uns verkünden den Frieden; sie bringen frohe Botschaft vom Heil, das ewig ist." , "Ihr Schall gehet aus in jedes Land und ihr Wort an alle Enden der Welt"  , "Warum denn rasen und toben die Heiden im Zorne und warum halten die Völker stolzen Rat? Die Kön'ge der Welt stehen auf, und die Fürsten entflammen in Aufruhr wider den Herrn und seinen Gesalbten." , "Der da thronet im Himmel, er lacht ihrer Wut, der Herr, er spottet ihres Grimmes." , "Du zerschlägst sie mit dem eisernen Zepter, du zerbrichst sie zu Scherben wie des Töpfers Gefässe." , "Halleluja, denn Gott, der Herr, regieret allmächtig, Halleluja! Das Königreich der Welt ist fortan das Königreich des Herrn und seines Christus, und er regiert auf immer und ewig, Halleluja! Herr der Herren, der Welten Gott, und er regiert auf immer und ewig, Halleluja!". Auf das berühmte Halleluja folgt der dritte Teil mit "Ich weiss, dass mein Erlöser lebet und dass er erscheint im letzten Tag dieser Erd'. Wenn Verwesung mir gleich drohet, wird dies mein Auge Gott doch sehen" , "Sie schallt, die Posaun', und die Toten erstehn unverweslich, wir werden verwandelt. Denn dies Verwesliche wird erstehn unverweslich, und dies Sterbliche wird verklärt zur Unsterblichkeit." , "Dann wird erfüllet, was da geschrieben stehet: Der Tod ist in den Sieg verschlungen." und "Würdig ist das Lamm, das da starb, und hat versöhnet uns mit Gott durch sein Blut, zu nehmen Stärke und Reichtum und Weisheit und Macht und Ehre und Hoheit und Segen. Alle Gewalt und Ehr' und Macht und Lob und Preis gebühret ihm, der sitzet auf seinem Thron, und also dem Lamm auf immer und ewig."  Vgl. Kurse Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


Romantische Kunst und Philosophie
Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Arts and Philosophy
DI. M. Thiele, President and international Coordinator
M. Thiele College of Beetherapy / Academy of Arts and Philosophy / Sciences

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Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres, der Renaissance, des Barock, der Aufklärung, des Idealismus, der Romantik vgl. Kurse:Nr. 551 G.W.F. Hegel I, Nr. 660 G.W.F. Hegel II, Nr. 511 Johann Gottlieb Fichte I, Nr. 658 Johann Gottlieb Fichte II, Nr. 509 F.W.J. Schelling I, Nr. 510 F.W.J. Schelling II, Nr. 513 F.W.J. Schelling III, Nr. 505 Arthur Schopenhauer I-II, Nr. 663 Arthur Schopenhauer III, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 020 Johann Wolfgang von Goethe I-II, Nr. 553 Friedrich Schiller I-II, Nr. 554 Friedrich Hölderlin I-II, Nr. 512 Novalis, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr. 631 Adelbert von Chamisso, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 665 Molière, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 629 Voltaire I-II, Nr. 621 Lord Byron, Nr. 628 Percy Bysshe Shelly, Nr. 561 Sir Walter Scott, Nr. 555 Angelus Silesius, Nr. 634 Hans Sachs, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 588 Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Nr. 550 Fjodor M. Dostojewskij I-II, Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 664 Philosophie der Kunst, Nr. 661 Philosophie der Geschichte, Nr. 659 Wissenschaftslehre I, Nr. 666 Wissenschaftslehre II, Nr. 545 Sittenlehre I-II, Nr. 614 Sittenlehre III, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre I-II, Nr. 641 Staats- und Rechtslehre III, Nr. 644 Staats- und Rechtslehre IV, Nr. 655 Staats- und Rechtslehre V, Nr. 618 St. Ephraim der Syrer, Nr. 617 St. Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 627 St. Basilius der Große, Nr. 625 Theodorus Abucara, Nr. 624 Byzantinische Wissenschaft / Philosophie, Nr. 653 St. Cyprianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 654 St. Augustinus III, Nr. 579 St. Albertus Magnus, Nr. 500 St. Thomas von Aquin I, ScG, Nr. 501 St.Thomas von Aquin II,  Sth I., Nr. 502 St.Thomas von Aquin III, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas von Aquin IV, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas von Aquin V, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 558 Calderón de la Barca, Nr. 648 Calderón de la Barca II, Nr. 650 Calderón de la Barca III, Nr. 651 Calderón de la Barca IV, Nr. 563 Miguel de Cervantes I, Nr. 645 Miguel de Cervantes II, Nr. 637 Lope de Vega I, Nr. 638 Lope de Vega II, Nr. 642 Lope de Vega III, Nr. 643 Lope de Vega IV, Nr. 652 Juan Ruiz de Alarcón, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Nr. 557 Ludovico Ariosto I-II, Nr. 668 Ludovico Ariosto III, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 552 William Shakespeare II, Nr. 559 Wolfram von Eschenbach, Nr. 560 Walter von der Vogelweide, Nr. 662 Gottfried von Strassburg, Akademie der Kunst und Philosophie

Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 591 Paolo Veronese, Nr. 597 Correggio, Nr. 670 Annibale Carracci, Nr. 520 Rembrandt, Nr. 598 El Greco, Nr. 620 Giovanni Battista Tiepolo, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 656 Andrea Solari, Nr. 657 Bernadino Luini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 635 Rogier van der Weyden, Nr. 640 Stefan Lochner, Nr. 646 Michael Pacher, Nr. 647 Peter Paul Rubens, Nr. 649 Giotto di Bondone, Nr. 626 Luca Signorelli, Nr. 610 Piero della Francesca, Nr. 596 Perugino, Nr. 522 Raffael (Raffaello Sanzio), Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 608 Domenico Ghirlandaio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio da Fossano detto il Bergognone, Nr. 636 Eugène Delacroix, Nr. 639 Bartolomé Esteban Murillo, Akademie der Kunst und Philosophie



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Letzte Bearbeitung:12.01.2023