Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

Kurs Nr. 569 

Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II

Nikolaus von Kues - Nicolai de Cusa - Nicolaus Cusanus: Philosophische Schriften


 "Darum gibt es auch nichts im Universum, das sich nicht einer gewissen Einzigkeit (Singularitate) erfreute, die sich in keinem andern findet, so dass kein Ding ein anderes in allem übertrifft oder das Verschiedene in gleicher Weise hervortreten lässt, wie es auch niemals mit irgend etwas anderem in irgendeiner Beziehung gleich sein kann. Auch wenn es zu der einen Zeit kleiner als dieses und zur andern größer sein würde, macht es diesen Übergang in einer gewissen Einzigkeit, so dass es eine präzise Gleichheit nie erreicht." -  Nicolaus Cusanus
Tiziano Vecellio, annunciatione

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Die Scholastik, eine mittelalterliche Form der Wissenschaft (Medizin, Jurisprudenz, Theologie und Philosophie) entwickelt sich in den Domschulen und freien Schulen, aus denen im 13. und 14. Jahrhundert die Universitäten hervorgehen. Cusanus ist beeinflusst von Dionysius, Proklos, Platon, Aristoteles, Johannes Eriugena und durch die Schule von Chartres, von Meister Eckhard, Albertus Magnus, Thomas von Aquin. Die Werke des Cusanus waren durchaus verbreitet in den Klöstern, vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum. Davon beeinflusst wurden auch Dionysius der Kartäuser, Marsilio Ficino, Pico della Mirandola, Leonardo da Vinci und Campanella, Giordano Bruno, Petrarca, später Leibniz, Fichte, Schelling und Hegel. [1] 

Nach der Schule von Chartres, Platon und den Platonikern, Aristoteles und Cusanus ist Wissen nicht Empirie, sondern beruht auf der Kenntnis der Wesensgründe, die durch Empirie nicht erlangt werden kann. Also hat Wissenschaft, die wahre Erkenntnis sein soll, vorzudringen zu dem, was am meisten wahr ist, und die vielen einzelnen Wissensgegenstände im Lichte der absoluten Einheit und Wahrheit zu erkennen. Das bedeutet, dass die höchste Wahrheit Ausgangspunkt aller Wissenschaft ist, was wiederum bedeutet, dass strenggenommen die Philosophie die einzige Wissenschaft ist, die den Namen "Wissenschaft" verdient; alle anderen Wissenschaften "träumen über die Realität" (Platon). [2] 

"Die übrigen aber, denen wir zugaben, dass sie sich etwas mit dem Seienden befassen, die Meßkunde und was mit ihr zusammenhängt, sehen wir wohl, wie sie zwar träumen von dem Seienden, ordentlich wachend aber es wirklich zu erkennen nicht vermögen." - Platon, Politeia 533bc
Nach Cusanus und anderen aus der Schule von Chartres nimmt die Einheit selbst kein Mehr oder Weniger in sich auf, noch ist sie der Vervielfältigung zugänglich. "Wer dagegen behaupten wollte, es gebe mehrere Götter, der würde in völligem Irrtum erklären, es gebe weder Gott noch irgendeinen von allen Gegenständen des Universums." [3] 
 

Das Erkennen der Trinität in der Einheit ("trinitatis in unitate"), Einfaltung ("complicatio") und Einfaltung ("explicatio")

Pythagoras aber, ein Mann von höchstem Ruhm und unbezweifelter Autorität in seiner Zeit ("auctoritate irrefragabili clarissimus"), lehrte jene Einheit als eine dreifaltige. Die Andersheit ("Alteritas") dagegen ist dasselbe wie die Veränderlichkeit ("mutabilitas"). Alles, was seiner Natur nach der Veränderlichkeit vorangeht, ist unveränderlich, also ewig. Die Einheit ist folglich von Natur aus früher als die Andersheit. Auch Erkenntnisfehler schleichen sich ein, denn "so begreift die Einheit nicht richtig, wer die Dreiheit der Einheit nicht erfasst." [4] 

Alle unsere weisen und gotterleuchteten Lehrer ("omnes sapientissimi nostri et divinissimi doctores"), wie Dionysius und die Schule von Chartres stimmen darin überein, dass die sichtbaren Dinge in Wahrheit Bilder der unsichtbaren Dinge sind, und dass der Schöpfer auf diese Weise wie im Spiegel und Gleichnis für die Geschöpfe dem erkennenden Blick zugänglich wird und dass so aus allem sich ein Universum aufbaut ("ex omnibus unum exsurgat universum"). [5] 

Mit Gott als der Entfaltung alles in der Schöpfungswelt Enthaltenen ist noch nicht die Notwendigkeit der Schöpfung gegeben, aber es gibt keine Ausfaltung, die nicht Ausfaltung einer göttlichen Idee wäre. Die Begriffe complicatio, explicatio stammen aus der Schule von Chartres und Meister Eckhart. [6] 

Wenn es auch den Anschein hat, als ob "Einheit" dem Namen des Größten ziemlich nahe käme, so bleibt er doch vom wahren Namen des Größten, der das Größte selbst ist, unendlich weit entfernt. Alle Aussagen der affirmativen Theologie ("theologia affirmativa") über Gott gründen in Gottes Bezug zu den Geschöpfen. "Das gilt auch für die hochheiligen Namen, die sich bei den Hebräern und Chaldäern finden, und in denen tiefste Geheimnisse der Gotteserkenntnis verborgen liegen." [7]

Im Hinblick auf die Geschöpfe gaben die Heiden Gott mannigfache Namen. "Sie nahmen das sinnenfällig Bekannte als Hinweis auf die Ursache und den Ursprung. Dadurch wurden die einfachen Menschen des Volkes irregeleitet. Sie nahmen die Einfaltung nicht als Bild, sondern für die Wahrheit. So kam der Götzendienst ins Volk, während die Weisen meist über die Einheit Gottes richtig dachten." Manche Heiden abstrahierten, wie die Moslems, was aber an dem Grundirrtum nichts ändert. [8]

"Manche glaubten auch, man könne Gott beschwören. Darunter haben einige ihn in der Gestalt von Engeln beschworen, wie die Sissenier. Die Heiden beschworen ihn in Bäumen, wie man es vom Sonnen- und Mondbaum lesen kann. Wieder andere beschworen ihn in der Luft, im Wasser oder in Tempeln mit Hilfe von bestimmten Anrufungen. Wie sehr sie alle in die Irre gingen und weit von der Wahrheit sich entfernten, das erweisen unsere früheren Überlegungen." - Nicolaus Cusanus, De docta I, 25
Die Verehrung Gottes will aber "im Geist und in der Wahrheit (in spiritu et veritate)" angebetet werden, sonst würde man ihn als Geschöpf anbeten. "Eine solche Gottesverehrung aber ist Gotzendienst, der dem Bilde gibt, was nur der Wahrheit gebührt." Es gilt dem "größten dreieinigen Gott in seiner unendlichen Güte je nach dem Rang der Wissenschaft" nahe zu kommen und ihn zu preisen. [9]

Hilarius sagt: Sein sei für den christlichen Gott nicht hinzukommende, sondern wesentliche Wahrheit, bleibende Ursache und Eigentümlichkeit seiner Natur ("subsistens veritas, et manens causa, et naturalis generis proprietas"). Auch Augustinus sagt, in Gott sei kein Akzidens. Mit dem Nachweis dieser Wahrheit wird der Irrtum der Islamischen Theologen und der Averroisten widerlegt, die behaupten, es gebe bestimmte Attribute, die zum Wesen Gottes hinzukämen ("in lege Saracenorum loquentium confutatur"). Zu diesem Irrtum führt zum Beispiel ein Versagen der Vernunft ("rationis defectus"). Es gibt zwar eine Redeweise, nach der wir sagen, Gott sei in allen Dingen, wobei sie aber nicht verstanden, "dass er nicht in den Dingen als gewissermaßen etwas von dem Ding ist, sondern wie eine Ursache des Dinges, die in keiner Weise von ihrer Wirkung abwesend ist." Thomas von Aquin widerlegt den Irrtum der Heiden und Moslems, Gott sei die Seele des Himmels oder der ganzen Welt. "Auf Grund dieses Irrtums verteidigten sie den Götzendienst, indem sie sagten, die ganze Welt sei Gott." Sie glaubten, daraus folge, dass der Welt und ihren Teilen nicht nur angemessene sondern göttliche Verehrung ("divinus cultus") erwiesen werde. Averroes meinte, dies sei der Fehltritt der Weisen des Volkes der Sabäer, das heisst der Götzenanbeter, gewesen: dass sie nämlich annahmen, Gott sei die Form des Himmels. Doch Averroes zusammen mit den Moslems neigen selbst zu dieser Ansicht, schließlich können die Mohammedaner auch als Venusanbeter bezeichnet werden. [10]

"Wenn er nämlich das Sein von allem ist, dann ist er etwas von allem, nicht aber über allem. Ebenso werden die, die diesen Irrtum vertreten, durch denselben Richterspruch zu Fall gebracht, durch den auch die Götzenanbeter zu Fall gebracht werden, die den 'nicht mitteilbaren Namen', nämlich Gottes, 'Hölzern und Steinen beilegten'" - Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles I, 26-28

"So wird der Irrtum der Heiden (gentilium error) widerlegt, die sagten, Gott sei die Seele des Himmels oder sogar die Seele der ganzen Welt. Auf Grund dieses Irrtums verteidigten sie den Götzendienst, indem sie sagten, die ganze Welt sei Gott." - Thomas von Aquin, Ib.
 

Teile des Universums und Universum, Form der Formen, auf bestmögliche Weise sein, der Begriff kommt aus dem Geist

Nach Cusanus, Thomas von Aquin und Aristoteles, ahmt die Kunst das Verfahren der Natur nach, so gut sie kann. "doch vermag sie niemals zu deren Genauigkeit zu gelangen. Die Medizin, die Alchemie, die Magie und die sonstigen Künste der Verwandlung entbehren deshalb der Genauigkeit der Wahrheit, mag auch die eine im Vergleich zur anderen der Wahrheit näher kommen, so wie die Medizin wahrer ist als die Künste der Umwandlung, wie das aus sich selbst einleuchtend ist." [11]

Da das Geschöpf durch das Sein des Größten geschaffen ist, im Größten jedoch Sein, Tun und Erschaffen dasselbe sind, scheint «Erschaffen» nichts anderes zu bedeuten, als dass Gott alles ist. Wenn also Gott alles ist und dies Schaffen
bedeutet, wie soll man dann die Tatsache verstehen, dass das Geschöpf nicht ewig ist, da doch Gottes Sein ewig ist, ja sogar die Ewigkeit selbst ist. Insoweit das Geschöpf das Sein Gottes ist, bezweifelt niemand, dass es die Ewigkeit sei. Insoweit es aber der Zeit unterworfen ist, ist es nicht von Gott, der ewig ist. Wer versteht also, dass das Geschöpf vom Ewigen stammt und zugleich zeitlich ist? Denn im Sein selbst musste das Geschöpf in Ewigkeit sein und es konnte nicht früher in der Zeit sein, da es kein «früher» vor der Zeit gab. Und so war es immer, wenn es sein konnte. [12]

Viele Begriffe, die Nicolaus Cusanus verwendet, stammen aus der Schule von Chartres wie auch der Begriff "forma formarum" (Form der Formen) und das Verhältnis zwischen dem Endlichem und dem Unendlichen. [13]

"Wer kann schließlich verstehen, dass Gott die Form des Seins ist und sich doch nicht mit dem Geschöpf vermischt? Denn aus der unendlichen Linie und der endlichen, gekrümmten Linie kann nicht ein Eines, Zusammengesetzes entstehen. Es könnte nicht ohne Verhältnisbezug sein und niemand zweifelt daran, dass es diesen zwischen dem Unendlichen und Endlichen nicht geben kann. Wie also kann der Geist begreifen, dass das Sein der gekrümmten Linie von der unendlichen, geraden Linie stammt, die doch jene nicht als Form bestimmt, sondern als Ursache und Wesensgrund? Da der Wesensgrund unendlich und unteilbar ist, kann sie an ihm nicht dadurch teilhaben, dass sie sich einen Teil davon zu eigen macht; oder dadurch, dass sie an ihr wie der Stoff an der Gestalt teilhat, so wie Sokrates und Plato an der Menschheit; auch nicht so, wie die Teile am Ganzen teilhaben,  so wie die Teile des Universums am Universum; auch nicht so, wie mehrere Spiegel in verschiedener Weise am gleichen Antlitz teilhaben, da ja das Sein des Geschöpfes nicht vor dem Abhängigsein steht, so als wäre es dies wie der Spiegel, der schon vorher Spiegel ist, bevor er das Bild des Antlitzes aufnimmt. Wer könnte verstehen, wie die verschiedenen Geschöpfe an der einen unendlichen Form auf verschiedene Weise teilnehmen, da das Sein des Geschöpfes nichts anderes sein kann als deren Widerschein, der in keinem andern positiv aufgenommen, sondern verschieden ist? So hätte wohl ein völlig von der Idee des Künstlers abhängiges Kunstwerk kein anderes Sein als das der Abhängigkeit, von der es sein Sein hätte, und unter deren Einfluß es erhalten würde, wie das Bild einer Gestalt im Spiegel erhalten wird, vorausgesetzt, daß der Spiegel vorher oder nachher durch sich und in sich nichts wäre. Es ist auch unverständlich, wie uns Gott durch sichtbare Geschöpfe offenbar werden könnte. Denn er ist nicht wie unser Geist, nur Gott und uns bekannt ist. Wenn dieser zu Denken beginnt, so nimmt er aus irgendwelchen Vorstellungen, aus Farbe, Klang oder etwas anderem, eine bestimmte Form in sein Gedächtnis auf. Zuerst ist er formlos, dann nimmt er die fremde Form von Zeichen, Worten oder Buchstaben an und geht in diese ein. Obwohl Gott entweder – wie es die Frommen wollen –, um seine Güte zu offenbaren, oder weil er die größte, absolute Notwendigkeit ist, die Welt geschaffen hat, damit diese ihm gehorche und es Wesen gebe, die ihm Untertan sind, ihn fürchten und über die er richtet, oder aus einem andern Grund, so ist jedenfalls offenkundig, dass er als Form aller Formen (forma omnium formarum) keine andere annimmt noch in bestimmten Zeichen erscheint, da diese gleichermaßen in dem, was sie sind, anderes erforderten, in welchem sie wären, und so weiter ins Unendliche." Nicolaus Cusanus, De docta II, 2
Cusanus vertritt eine ähnliche Grundannahme wie Leibnitz, nämlich, "dass Gott die beste aller möglichen Welten erwählt habe. Es gibt Philosophen, nach deren Behauptung nur das tatsächlich Geschehende möglich ist. Sie sind es auch, die da glauben oder glauben konnten, alles sei absolut notwendig. Einige haben sich dieser Ansicht angeschlossen, weil sie als Ursache der Existenz der Dinge eine unvernünftige, blinde Notwendigkeit annahmen: und sie haben wir am stärksten zu bekämpfen." [14]
"Aber die Harmonie, die sich sonst überall findet, ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sie sich wohl auch in dem Menschenreich und ganz allgemein im Reich der Geister finden lassen würde, wenn das Ganze uns bekannt wäre. Man muss die Werke Gottes ebenso einsichtig beurteilen wie Sokrates von denen Heraklit urteilte, als er sprach: Was ich davon verstehe, gefällt mir, das übrige würde mir, glaube ich, nicht weniger gefallen, wenn ich es auch verstände."  - Gottfried Wilhelm Leibniz
"Die unendliche Gestalt ist nur auf endliche Weise aufgenommen, so dass jedes Geschöpf eine endliche Unendlichkeit oder ein geschaffener Gott ist und dies um auf bestmögliche Weise zu sein. Es ist, als hätte Gott sein «Es werde» gesprochen, und weil kein Gott entstehen konnte, der die Ewigkeit selbst ist, so entstand ein Gott möglichst Ähnliches. Daraus ergibt sich zugleich, dass jedes Geschöpf als solches vollkommen ist, auch wenn es aus anderer Sicht weniger vollkommen zu sein scheint. Denn der gütigste Gott teilt das Sein allen so zu, wie sie es aufnehmen können. Da also Gott ohne Unterschied und Mißgunst mitteilt und seine Mitteilung so aufgenommen wird, dass sie nicht anders und nicht von einem anderen aufgenommen werden kann, ruht jedes geschaffene Sein in seiner Vollkommenheit, die es vom göttlichen Sein in Fülle erhalten hat und trachtet nicht danach, ein anderes Geschöpf zu sein, als ob es dadurch vollkommener wäre. Es liebt vielmehr in vorzüglicher Weise das, was es vom Größten erhalten hat als göttliches Geschenk und wünscht, dies auf unvergängliche Weise zu vollenden und zu bewahren." - Nicolaus Cusanus, De docta II, 2
Auf geistige Weise schliesst das Größte alles ein und entfaltet es. Wie Hegel sagt auch Cusanus, der Begriff komme aus dem Geist und nicht aus der Materie, wie viele Naturforscher heute sagen.Es entsteht nicht eine Art aus der anderen, sondern die Arten stammen von der geistigen Einheit. Auch ist zumindest für die Nicht-Muslime klar, dass Gott nicht nur abstrakt, "in Einheit nicht durch die abstrahierende Vernunft" besteht. Der Gedanke, dass die Dinge ohne Gott nichts sind, wie die Zahl ohne Einheit, stammt aus der neuplatonischen Tradition und wurde von der Schule von Chartres aufgegriffen. [15]
"Über die unerforschliche Wahrheit kann nichts gesagt oder gedacht werden, was nicht im ersten Teil schon eingeschlossen wäre. Alles nämlich, was mit dem, das dort von der ersten Wahrheit gesagt wurde, übereinstimmt, muss wahr sein. Das andere, das nicht damit zusammenstimmt, ist falsch. Dort aber wurde erwiesen, dass es nur ein Größtes aller Größten geben kann. Das Größte ist das, dem nichts entgegengesetzt werden kann, wo also auch das Kleinste das Größte ist. Die unendliche Einheit ist die Einfaltung von allem; das besagt: die Einheit, die alles eint. Sie ist aber nicht nur so die größte, wie die Eins es als Zusammenfassung der Zahl ist, sondern als die Zusammenfassung von allem." - Nicolaus Cusanus, De docta II, 3

"Die Einfaltung aller Dinge ist also eine; und es gibt für Substanz, Qualität oder Quantität usw. keine andere, denn es gibt nur ein Größtes, mit dem das Kleinste koinzidiert, in dem die eingefaltete Verschiedenheit zu der eingefalteten Identität in keinem Gegensatz steht. Wie die Einheit der Andersheit, so geht der Punkt, der die Vollkommenheit ist, der Größe voraus. Das Vollkommene ist vor jedem Unvollkommenen, die Ruhe vor der Bewegung, die Selbigkeit vor der  Verschiedenheit, die Gleichheit vor der Ungleichheit, und so verhält es sich mit allem, das mit der Einheit der Ewigkeit selbst gleich ist; denn es kann nicht mehrere Ewige geben. Darin, dass alles in Gott ist, schliesst er alles ein. Und darin, dass er selbst in allem ist, entfaltet er alles. Wir wollen unsere Absicht an den Zahlen erläutern. Die Zahl ist die Entfaltung der Einheit. Zahl aber bedeutet Verstandesbegriff. Der Begriff aber kommt aus dem Geist. Darum können die Tiere, die ihn nicht haben, nicht zählen. Wie nun aus unserem Geist dadurch, dass wir erkennen, dass vieles Einzelne zu einem Gemeinsamen gehört, die Zahl entsteht, so entsteht die Vielheit der Dinge aus dem göttlichen Geist, in dem das Viele ohne Vielheit in der zusammenfaltenden Einheit besteht. Dadurch nämlich, dass die Dinge an der Gleichheit des Seins nicht in gleicher Weise teilhaben, sah Gott in Ewigkeit das eine so, das andere anders und daraus entstand dann die Vielheit, die in ihm Einheit ist." Ib.

"Wie kann man die Vervielfältigung der Einheit ohne Vervielfältigung verstehen? Jedenfalls nicht wie die Vervielfältigung einer Art oder einer Gattung in vielen Arten oder Individuen, ausserhalb derer Gattung oder Art nur durch den  abstrahierenden Intellekt besteht. Niemand begreift, wie Gott, dessen Sein in Einheit nicht durch die abstrahierende Vernunft, noch mit den Dingen geeint oder in ihnen eingeschlossen besteht, durch die Zahl der Dinge entfaltet wird. Betrachtet man die Dinge ohne ihn, sind sie so nichts wie die Zahl ohne die Einheit. Betrachtet man ihn ohne die Dinge, dann ist er und die Dinge sind nichts. Betrachtet man ihn in den Dingen, so sieht man, dass die Dinge etwas sind, in dem er selbst ist." Ib.
 

Das All als Gleichnis, "Emanatio simplex", gegen Avicenna und Al Gazali, Alles ist in Allem ("Quotlibet in quolibet")

Die Feststellung, dass mit dem Universum als Ganzem auch seine Teile zum Sein gelangen, wird von der Schule von Chartres und auch von Exkhart und Thomas von Aquin vertreten und richtet sich damit gegen Avicenna und andere muslimische Philosophen. [16]
"Es ist also unmöglich, dass ein geschaffenes Seiendes die Ursache für ein anderes durch Schöpfung wäre." - Thomas von Aquin ScG II, 21
Hierdurch wird auch der Irrtum bestimmter muslimischer Philosophen wie Avicenna und Al Gazali aufgehoben, die behaupten, "Gott habe die erste geistige Substanz erschaffen und von dieser sei die zweite erschaffen worden, und so in einer gewissen Ordnung bis zur letzten"; also dass unmittelbar von Gott nur eine einzige Wirkung hervorgebracht werde und weiteres nur dem Lauf der Natur gemäß schaffen könne. Nur ein harmloser Fehler im Denken? Oder handelt es sich um ein Nicht-Denken, wie es bei denen üblich ist, die auch glauben, der Koran sei von Gott geoffenbart worden. [17]
"Und so stellte Avicenna die Meinung auf, dass die erste von Gott geschaffene Substanz die zweite schafft, welche nach ihr kommt, und diese dann die Substanz des Erdkreises und dessen Seele; sowie dass von da endlich der Stoff der niedrigeren Körper ausgeht. Und danach meint selbst der Magister (5. dist. 4. Sent. §. 3), Gott könne einer Kreatur es mitteilen, dass sie erschaffe; nämlich als Werkzeug, nicht kraft eigener Autorität. Das aber ist ganz unmöglich. Denn eine untergeordnete Ursache, eine Ursache zweiten Ranges, nimmt nicht teil an der Tätigkeit der ersten Ursache, ausser insoweit sie durch eine ihr eigentümliche Kraft so tätig ist, dass sie für die Tätigkeit der Hauptursache vorbereiten kann. Wenn sie nämlich nichts täte gemäß der ihr eigenen Kraft, so würde es nutzlos sein, sie zu gebrauchen; und es würde auch nicht nötig sein, nach einer bestimmten Art von Werkzeugen zu suchen, damit eine bestimmte Tätigkeit eintreten könne. So sehen wir, dass die Axt kraft dessen, was sie eigen hat, nämlich dadurch, dass sie das Holz spaltet, als Werkzeug dazu dient, dass die Form der Bank hervorgebracht wird; und dies ist die Wirkung, welche dem Hauptwirkenden, dem die Axt als Werkzeug Handhabenden, eigens entspricht. Was aber Gottes Wirken eigens entspricht, das ist das Sein an sich, was allem übrigen Wirken und allem bestimmten Sein als Voraussetzung dient. Da also das Erschaffen nicht aus einem vorliegenden und vorausgesetzten Sein heraus geschieht, so kann auch für das Erschaffen kein Werkzeug und also keine Ursache zweiten Ranges etwas vorbereiten. Also kann es keiner Kreatur zukommen zu erschaffen, weder aus eigener noch aus mitgeteilter Kraft, weder in erster Linie noch als Werkzeug. Und diese Unzuträglichkeit erhöht sich, wenn man einem Körper es zuschreiben wollte, er könne erschaffen."  - Thomas von Aquin, sth. I, q. 45

"Da aber gesagt worden ist, das All sei nur das eingeschränkt Erste und insofern Größte, so ergibt sich, dass das ganze All durch einfachen Ausfluss "Emanatio simplex" des eingeschränkt Größten aus dem absolut Größten ins Sein trat. Alles Seiende aber, das Teil des Alls ist und ohne das es als Eingeschränktes nicht einzig, ganz und vollkommen sein kann, ist mit dem All zugleich ins Sein getreten. Es ist nicht so wie Avicenna und andere Philosophen wollten, dass zuerst das Geistige, dann die edle Seele und darauf die Natur entstanden sei. Im Gegenteil. Wie im Wollen des Künstlers das Ganze, etwa das Haus, früher entsteht als der Teil (z. B. die Wand), so sagen wir, dass das All zuerst hervorging und alles andere, ohne welches es weder das All noch vollkommen sein könnte, in seinem Gefolge, da alles aus der Absicht Gottes ins Sein gelangt ist. Wie das Abstrakte im Konkreten ist, so sehen wir das absolut Größte im eingeschränkt Größten, als das Erste; demzufolge ist es in jedem Teil, denn es ist auf absolute Weise in dem, das in eingeschränkter Weise alles ist. Gott ist nämlich das absolute Wesen der Welt oder des Alls. Das All dagegen ist eingeschränktes Wesen. Einschränkung heisst Einschränkung zu etwas, wie z. B. zur Wirklichkeit von diesem und jenem. Gott also, der einer ist, ist in dem einen All. Das All jedoch ist in allen Dingen in eingeschränkter Weise. So kann man erkennen, wie Gott, die einfachste Einheit, dadurch, dass er in dem einem All existiert, gleichsam vermittels dieses Alls in allem ist, die Vielheit der Dinge hingegen vermittels des einen Alls in Gott."  - Nicolaus Cusanus, De docta II, 4

Cusanus, Alberts Magnus und Eckhart sind der Auffassung "die fundamentale Wahrheit jenes Satzes von Anaxagoras, dass alles in allem ist" sei vielleicht noch besser als Anaxagoras selbst es ahnte. Das All geht als das Vollkommenste
der Ordnung der Natur entsprechend allem voran, so dass Jedes in Jedem sein kann." Zudem ist alles im Sinne von Leibniz und Cusanus das, was es ist, weil es anders und besser nicht sein konnte. [18]
"Jedes in der Wirklichkeit Bestehende ist aber in Gott, der die Wirklichkeit von Allem ist. Die Wirklichkeit ist aber die Vollendung und das Ziel der Potenz. Weil das All in jedem Wirklichen als Eingeschränktes ist, ergibt sich, dass Gott, der im All ist, in Jedem ist und Jedes, das wirklich besteht, unmittelbar in Gott wie das All. Dass Jedes in Jedem ist, heisst also nichts anderes, als dass Gott durch Alles in Allem und Alles durch Alles in Gott ist. Durch genaue Einsicht begreift man die tiefe Wahrheit, dass Gott ohne Unterschied in Allem ist, weil Jedes in Jedem ist, und dass Alles in Gott ist, weil Alles in Allem ist."  - Nicolaus Cusanus, De docta II, 5

"Man kann auch erkennen, daß Verschiedenheit und Verknüpfung der Dinge darin ihren Ausgang nehmen. Denn da kein wirkliches Ding Alles sein kann – es wäre denn Gott gewesen und deshalb wäre Alles in Jedem so, wie es gemäß dem, dass es Jedes ist, sein kann –, konnte auch nicht Jedes einem Andern in allem ähnlich sein; wie oben klar wurde. Das bewirkte, dass alles in verschiedenen Abstufungen besteht und dass jenes Sein, das nicht zugleich unvergänglich sein konnte, in zeitlicher Abfolge unvergänglich sei, so dass alles das ist, was es ist, weil es anders und besser nicht sein konnte. Es ruht also alles in Jedem, da die eine Stufe nicht ohne die andere sein kann, so wie in den Gliedern des Körpers jedes jedem entspricht und alle in allen zufriedengestellt werden. Da nämlich das Auge nicht Hand und Fuß und alle anderen Glieder wirklich sein kann, ist es damit zufrieden, Auge zu sein und der Fuß Fuß. Und alle Glieder unterstützen einander gegenseitig, so dass jedes auf die relativ beste Weise das ist, was es sein kann. Hand und Fuß sind im Auge nicht Hand und Fuß, sondern Auge, sofern das Auge selbst unmittelbar im Menschen ist. Ebenso sind alle Glieder im Fuß Fuß, insofern der Fuß unmittelbar im Menschen ist. Auf diese Weise ergibt sich, dass jedes Glied durch jedes andere Glied unmittelbar im Menschen ist und der Mensch, das Ganze, durch jedes Glied in jedem, genauso wie das Ganze in den Teilen durch jeden Teil in jedem ist. Betrachtet man die Menschheit als etwas Absolutes, Unvermischbares und Uneinschränkbares und dann den Menschen – in jenem ist die absolute Menschheit in Absolutheit und die eingeschränkte Menschheit, die der Mensch ist, stammt von ihm –, so ist die absolute Menschheit gleichsam Gott und die eingeschränkte das Universum. Und wie die absolute Menschheit im Menschen und folglich auch in jedem Glied und jedem Teil, ursprünglich oder vorgängig ist, so ist die eingeschränkte Menschheit im Auge Auge, im Herzen Herz usw. und in Einschränkung jedes in jedem; dementsprechend haben wir nun die Ähnlichkeit Gottes und der Welt ermittelt." Ib.
 

Universalien, Dreifaltigkeit des Alls ("trinitate universi")

Nach Cusanus haben Aristoteles und die Peripatetiker so unrecht nicht, wenn sie der Meinung sind, das Allgemeine oder die Universalien existierten nicht aktuell ausserhalb der Dinge. Nur das Einzelne nämlich sei aktuell wirklich. Der
Intellekt gibt ihnen zwar durch Abstraktion auch ausserhalb der Dinge ein Sein. Allerdings ist diese Abstraktion ein Gedankending, und darum kann diesen kein absolutes Sein zukommen. Das völlig absolute Allgemeine ist nämlich Gott. Und wie in bezug auf Gott die Vielfalt der Dinge vom göttlichen Geiste stammt, so stammt in bezug auf uns die Vielfalt der Dinge von unserem Geiste. [19]
"So bestehen die Universalien in bestimmter Ordnung der Natur stufenweise vor dem Ding, das sie in seiner Wirklichkeit einschränkt. Da das Allgemeine eingeschränkt ist, findet man es nur in Gattungen entfaltet, und diese wiederum nur in den Arten. Die Individuen aber sind wirklich, in denen alles in eingeschränkter Weise ist. Durch diese Betrachtung erkennt man, dass die Universalien nur in  eingeschränkter Weise wirklich sind. So gesehen sagen die Peripatetiker die Wahrheit, wenn sie der Meinung sind, die Universalien seinen ausserhalb der Dinge nicht wirklich. Denn nur das Einzelne ist wirklich."  - Nicolaus Cusanus, De docta II, 6

"Dennoch lässt sie der Intellekt durch Abstraktion auch ausserhalb der Dinge sein. Allerdings ist diese Abstraktion ein Verstandesding, und darum kann diesen kein absolutes Sein zukommen. Das völlig absolute Allgemeine ist nämlich Gott. " Ib.

"In bezug auf die erkannten und verstandenen Dinge folgt das Erkennen des Geistes dem Sein, Leben und Erkennen in der Ähnlichkeit der eigenen Natur. Darum sind die Universalien, die der Geist durch Vergleich bildet, Abbilder der in den Dingen eingeschränkten Universalien. Diese sind, noch bevor er sie durch jene äußeren Merkmale in verstehendem Begreifen seiner eigentlichen Tätigkeit entfaltet, im Geist selbst schon in Einschränkung. Denn er kann ja nichts erkennen, was nicht bereits in ihm in eingeschränkter Weise er selbst ist. Im Erkennen entfaltet er also eine gleichnishafte Welt, die in ihm eingefaltet liegt, durch gleichnishafte Merkmale und Zeichen. Über Einheit und die Einschränkung des Alls in den Dingen ist an dieser Stelle genug gesagt." Ib.

Auch hier hat sich Cusanus von der Schule von Chartres anregen lassen. In Frage kommen vor allem Thierry von Chartres und Alanus ab Insulis. Die trinitarische Betrachtung des Universums findet sich häufig in der mittelalterlichen Philosophie. Die Einheit selbst ist Dreifaltigkeit ("unitas est trinitas") und die Einigkeit besteht nur in der Dreifaltigkeit, und nicht in einer Abstrakten Einheit, wie muslimische Philosophen annehmen. aus der Dreifaltigkeit entsteht das All, "das ohne diese Dreiheit nicht eines sein könnte." Wenn es um das Wesen geht, muss, so Aristoteles, "der Philosoph die Prinzipien und Ursachen der Wesen erfassen." Thomas von Aquin wie auch Leibniz sprechen von einer göttlichen Wissenschaft, der Theodicee ("scientia divina"). Auch der Gedanke der Vertauschbarkeit der Transzendentalien geht auf Aristoteles zurück [20]
"Dieser Unterschied muss genau beachtet werden. Im Göttlichen ist nämlich die Vollkommenheit der Einheit, die die Dreiheit ist, so groß, dass der Vater wirklich Gott, der Sohn wirklich Gott und der Heilige Geist auch wirklich Gott ist; dass der Sohn und der Heilige Geist wirklich im Vater, der Sohn und der Vater wirklich im Heiligen Geist und der Vater und der Heilige Geist wirklich im Sohn sind. Dieses Verhältnis jedoch ist unmöglich im eingeschränkten Sein, denn die Korrelation besteht nicht durch sich selbst, sondern nur in Verbindung, weshalb auch keine allein, sondern nur alle zusammen das All sein können." - Nicolaus Cusanus, De docta II, 7

"Das Einschränkende aber, das die Möglichkeit des Einschränkbaren begrenzt, stammt aus der Gleichheit der Einheit. Die Gleichheit der Einheit ist nämlich die Gleichheit des Seins. Das Seiende und das Eine sind vertauschbar. Weil daher das Einschränkende die Möglichkeit zu diesem oder jenem wirklichen Sein in Einschränkung angleicht, sagt man mit Recht, es stamme von der Gleichheit des Seins, die im Göttlichen das Wort ist. Und weil das Wort, das Wesensgrund, Idee und absolute Notwendigkeit der Dinge ist, die Möglichkeit, die es durch ein solches einschränkt, nötigt und fesselt, so nannte man das Einschränkende die Form oder Seele der Welt (Weltseele) und die Möglichkeit die Materie. Andere bezeichneten es als Schicksal, das substantiell existiert, andere, wie die Platoniker, als die Notwendigkeit der Verbindung, denn sie stammt von der absoluten Notwendigkeit und ist eine Art eingeschränkte Notwendigkeit und eingeschränkte Form, in der alle Formen in Wahrheit sind." Ib.
 

Die Möglichkeit oder Materie des Alls ("De possibilitate sive materia universi"), Weltseele, Form des Universums ("forma universi"), Geist des Alls ("spiritus universorum") 

Schon die Alten sagten viel über die Möglichkeit. Ihre übereinstimmende Meinung ging dahin, dass aus dem Nichts nichts werden kann ("ex nihilo nihil fieri"). Darum waren sie überzeugt, es gäbe eine absolute Möglichkeit alles Wirklichen, welche ewig sei, in der ihrer Ansicht nach alles als Möglichkeit eingeschlossen sei. Aber diesen Stoff oder diese Möglichkeit fassten sie in einer irrigen, nur für die absolute Notwendigkeit gültigen Art der Schlußfolgerung auf, indem sie durch Abstraktion der körperlichen Gestalt vom Körper diesen nicht körperlich verstehen wollten. Und so erreichten sie den Stoff nur in der Weise der Unwissenheit. Denn wie sollte ein Körper ohne die ihm einwohnende Form begriffen werden? Die Materie gehe, so sagten sie, von Natur aus jedem Ding voran, so dass es niemals wahr gewesen sei zu sagen: Gott ist, ohne dass auch wahr gewesen wäre, zu sagen: die absolute Möglichkeit ist. Dennoch behaupteten sie nicht, er sei gleich ewig, wie Gott, da er von ihm kommt. Die Materie ist weder etwas noch nichts, weder eines noch vieles, weder dies noch jenes, weder ein Was noch ein Wie, sondern die Möglichkeit zu allem und nichts von allem wirklich. Die Platoniker nannten ihn, der aller Form entbehrt, Mangel. Und weil er entbehrt, verlangt er; darum ist er Eignung. Er gehorcht der Notwendigkeit, die ihm befiehlt, d. h. ihn zum wirklichen Sein heranzieht, so wie das Wachs dem Künstler gehorcht, der aus ihm etwas bilden will. Aus Mangel und Eignung geht aber, beide verknüpfend, die Formlosigkeit hervor, so dass die absolute Möglichkeit gleichsam dreifältig und nicht zusammengesetzt ist, da Mangel, Eignung und Gestaltlosigkeit nicht ihre Teile sein können. Andernfalls ginge der absoluten Möglichkeit etwas voraus, und das ist unmöglich. Daher sind sie Modi, ohne die die absolute Möglichkeit keine solche wäre. Der Mangel ist nur zufällig in der Möglichkeit. Weil er die Form, die er haben kann, nicht besitzt, sagt man von ihm, er ermangle; eben darum heisst er Mangel. Die Formtlosigkeit dagegen ist gleichsam die Form der Möglichkeit, die, wie die Platoniker wollten, die Materie der Formen ist. Denn die Seele
der Welt verbindet sich dem sogenannten Lebenssproß entsprechend mit der Materie; denn wenn sich die Seele der Welt mit der Möglichkeit vereinigt, wird auf Grund einer von der Weltseele ausgehenden Bewegung und der Beweglichkeit
der Möglichkeit – oder Lebensmöglichkeit – eben diese formlose Lebensmöglichkeit zur lebendigen Seele verwirklicht. Darum behaupteten sie, die Formlosigkeit sei gleichsam die Materie der Formen, die durch die sinnliche, verständige
und vernünftige Form gebildet wird, so dass sie wirklich ist. [21]

Die Peripatetiker dagegen sagten, die Formen seien nur der Möglichkeit nach im Stoff und würden durch den Wirkenden herausgeholt. Das kommt der Wahrheit näher, denn in diesem Fall bewirkt nicht nur die Möglichkeit, sondern auch der
Bildner die Gestalten. Wer vom Holz Teile hinwegnimmt, so dass daraus eine Statue entsteht, fügt Form hinzu; das ist durchaus klar. Dass aus Stein durch einen Künstler kein Kasten entsteht, ist eine Unfähigkeit des Stoffes, dass aber irgendein anderer, kein Künstler, den Kasten aus Holz nicht machen kann, ist eine Unfähigkeit des Wirkenden. Also sind sowohl die Materie als auch der Wirkende erforderlich. Und daher sind die Gestalten im Stoff in gewisser Weise als
Möglichkeit enthalten und werden dem Wollen des Wirkenden entsprechend zur Wirklichkeit geführt.  [22]

Wenn fernerhin die Möglichkeit der Dinge nicht eingeschränkt wäre, könnte es keinen Wesensgrund der Dinge geben; alles wäre, wie Epikur fälschlicherweise annahm, durch Zufall da. Damit diese Welt sinnvoll aus der Möglichkeit hervorgehe, war es notwendig, dass die Möglichkeit nur zum Sein dieser Welt entsprechend geeignet war. [23]

Die Gedanken über die Weltseele als ein alle Dinge umfassendes Lebens- und Geistprinzip hat in der Geschichte der Philosophie eine bedeutende Rolle gespielt. Sie geht auf Platon zurück. Während Abaelard unter den Angriffen Bernhards von Clairvaux später die platonische und katholische Lehre trennt, nimmt die Schule von Chartres seine frühere Position wieder auf. Nikolaus von Kues folgt der ihm von Eckhart vermittelten Augustinischen Tradition, welche die Urbilder der Dinge in das göttliche Wort verlegt. [24]

Alle Weisen stimmen darin überein, dass das Sein-Können nur durch die Wirklichkeit zum Wirklich-Sein gebracht werden kann. Nichts kann sich selbst zum Wirklich-Sein bringen, da es nicht der Grund seiner selbst ist; es wäre bevor es wäre. Daher sagten sie, dass jenes, das die Möglichkeit zum Wirklich-Sein macht, mit Absicht handle, damit die Möglichkeit durch sinnvolle Anordnung und nicht durch Zufall zum Wirklichsein gelange. Diese erhabene Natur nannten die einen Geist, andere Vernunfterkenntnis, andere Weltseele, andere Schicksal in der Substanz, andere – wie die Platoniker – Notwendigkeit der Beschaffenheit. Sie waren der Meinung, dass die Möglichkeit vermittels der Notwendigkeit durch jene bestimmt werde, so dass, was zuvor die Natur vermochte, jetzt wirklich ist. Sie sagten, dass die Formen, wie sie in der Materie als Möglichkeit sind, in jenem Geist als Wirklichkeit geistig erkennbar vorhanden seien; die Notwendigkeit der Beschaffenheit, die in sich die Wahrheit der Formen und dessen, das zu ihnen gehört, besitze, bewege den Himmel entsprechend der Ordnung der Natur, damit sie vermittels dieser Bewegung gleichsam als mit einem Werkzeug die
Möglichkeit zur Verwirklichung und, soweit es möglich ist, zu dem mit dem geistigen Begriff der Wahrheit Gleichen führe. Sie geben damit zu, dass die Form, wie sie in der Materie ist, durch diese Tätigkeit des Geistes vermittels der
Bewegung das Bild der wahren, vernünftigen Form wird und so nicht das Wahre, sondern das dem Wahren ähnliche Bild. Und so sagten die Platoniker, dass die wahren Gestalten in der Weltseele früher seien als in den Dingen, aber nicht
der Zeit, sondern der Natur nach. Die Peripatetiker stimmen dem nicht zu, weil sie sagen, die Gestalten hätten kein anderes Sein als nur in der Materie und im Intellekt, der offenkundig dem Ding folgt. [25]

Die sich selbst bewegende Weltseele ist für Platon Prinzip aller Bewegung. Johannes von Salisbury nennt sie spiritus creatus. Es war im Mittelalter, zum Beispiel nach Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Augustinus, Gregor von Nyssa, eine geläufige Ansicht, dass die Seele im ganzen Körper und in jedem Teil ausgebreitet ist. Johannes von Salisbury, Bernhard Sylvestris und Wilhelm von Conches übertrugen die Vorstellung auf die Weltseele in der Schule von Chartres. [26]

Die Platoniker waren davon überzeugt, dass mehrere derartige, unterschiedene Urbilder in der Notwendigkeit des inneren Zusammenhanges in natürlicher Ordnung von dem einen, unendlichen Bestimmungsgrund stammen, in dem alle Eines sind. Dennoch glauben sie nicht, dass diese Urbilder von jenem geschaffen seien, sondern dergestalt abstammen, dass es niemals wahr gewesen wäre zu sagen, «Gott ist», ohne dass es auch wahr wäre, «die Weltseele ist». Diese, so nahmen sie an, sei die Entfaltung des göttlichen Geistes, so dass alles, was in Gott ein Urbild ist, in der Weltseele viele und verschiedene sind. Sie fügten hinzu, Gott gehe naturgemäß dieser Notwendigkeit des inneren Zusammenhanges voran; und ebenso naturgemäß gehe die Weltseele der Bewegung, dem Mittel der zeitlichen Entfaltung der Dinge, voran, so dass das, was in der Seele wahrhaft, iin der Materie der Möglichkeit nach ist, durch die zeitliche Bewegung entfaltet werde. Diese zeitliche Entfaltung folgt der natürlichen Ordnung, die in der Weltseele liegt und wird Schicksal der Substanz genannt. Ihre zeitliche Entfaltung ist das Schicksal, das von jener Wirklichkeit und Tat stammt; es wird von vielen so genannt. Und so ist der Modus des Seins in der Weltseele. Nach ihm nennen wir die Welt eine intelligible. Der Modus des Wirklich-Seins, wirklich durch die Bestimmung der Möglichkeit, und, wie schon gesagt, durch die Entfaltung, ist jener Seinsmodus, demgemäß diese Welt nach Meinung jener eine sinnliche ist. Auch wollten sie nicht zugeben, dass die Gestalten, wie sie in der Materie sind, von jenen in der Weltseele verschieden sind. Sie seien vielmehr nur der Art ihres Seins nach verschieden; in der Weltseele seien sie wahrhaft und in sich, in der Materie aber nur dem Wahren ähnlich, nicht rein sondern verdunkelt. Sie fügen hinzu, dass nur der Geist die Wahrheit der Gestalten erreichen kann, nicht aber Verstand, Vorstellung und Sinn. Diese erreichen nur die Bilder, je nachdem, wie die Gestalten mit der Möglichkeit vermischt sind, und erfassen deshalb nichts in Wahrheit, sondern nur der Meinung nach. Sie glaubten, jede Bewegung komme von dieser Weltseele herab, von der sie sagten, dass sie im Ganzen und in jedem Teil der Welt ganz sei, auch wenn sie nicht in allen Teilen dieselben Kräfte ausübe, so wie die vernünftige Seele, auch wenn sie im Ganzen und in jedem Teile ganz ist, beim Menschen nicht dieselbe Tätigkeit in Haar und Herz ausübt. Deshalb waren sie auch der Ansicht, alle Seelen, ob im Körper oder ausserhalb, seien in dieser eingefaltet; sie meinten, sie sei durch das ganze All ausgebreitet, nicht in Teilen, denn sie sei einfach und unteilbar, sondern als ganze: ganz in der Erde, die sie zusammenhalte, ganz im Stein, wo sie die Härte der Teile bewirke, ganz im Wasser, ganz in den Bäumen und in jedem einzelnen. Sie sei die erste kreisförmige Entfaltung – wobei sich der göttliche Geist wie der Mittelpunkt verhalte und die Weltseele wie der den Mittelpunkt entfaltende Kreis – und die Einfaltung jeder natürlichen, zeitlichen Ordnung der Dinge. [27]
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Viele Christen waren mit diesem platonischen Weg einverstanden. Da es in Gott keine Unterscheidung und Andersheit gibt, der Wesensgrund des Steines dagegen ein anderer ist als der des Menschen, glaubten sie, dass diese unterschiedlichen Wesensgründe, welche die Verschiedenheit der Dinge bedingen, nach Gott und vor den Dingen sein müssten, da der Wesensgrund dem Ding vorausgeht. Das geschehe in der leitenden Vernunft des Erdkreises. Und weil diese unterschiedenen Wesensgründe in der Weltseele wären, seien sie die unzerstörbaren Begriffe der Dinge. Ja, sie waren der Ansicht, diese Seele bestehe aus den Begriffen aller Dinge und alle Begriffe seien in ihr ihre Substanz; allerdings gaben sie auch zu, dass dies schwierig zu denken und zu sagen sei. Deshalb kritisieren Aristoteles und Thomas von Aquin den Plato: Plato nahm Ideen an sowohl als Prinzipien, um die Dinge zu erkennen, als auch für die Entstehung der Dinge. Also nach beiden Seiten hin hält sich die Idee; nur dass wir dieselbe als in der göttlichen Vernunft befindlich ansehen. Und zwar gehört sie, insofern sie Prinzip für das Werden der Dinge ist, der praktischen Kenntnis an; und kann somit als Muster, Exemplar betrachtet werden. Insofern sie aber Erkenntnisprinzip ist, muss man sie so recht eigentlich als maßgebenden Seinsgrund betrachten und kann so auch zur spekulativen Kenntnis gehören. Als Muster oder Exemplar also steht sie in Beziehung zu allen Dingen, die Gott für irgend eine Zeit wirkt. AIs Erkenntnisprinzip steht sie in Beziehung zu allem, was Gott erkennt, mag auch vieles davon niemals in die Wirklichkeit übergehen; und zwar steht sie zu all diesem in Beziehung, soweit es erkannt wird, ein jedes nach seinem eigensten Seinsgrund und als Gegenstand der Spekulation oder bloßer Anschauung. [28]

"Plato nahm nach einigen einen ungeschaffenen Urstoff an; und demgemäß wollte er nicht, dass diesem Urstoffe eine „Idee" zukäme, gemäß deren erst er Sein empfinge; die „Idee" war für ihn vielmehr Ursache für das Wirkliche zusammen mit dem Urstoffe. Wir aber nehmen an, dass der Urstoff von Gott geschaffen ist. Da jedoch der Urstoff, obwohl von sich aus unfähig, sich die Form, um wirklich zu bestehen, selber zu geben, niemals ohne irgend welche Form wirkliches Sein hat, so entspricht ihm ganz die nämliche Idee, welche dem aus Stoff und Form Zusammengesetzten als Richtschnur dient. Denn aus sich heraus hat der Urstoff weder Sein noch Erkennbarkeit. Die „Arten" können keine andere Idee haben wie die Gattung, gemäß dem dass die Idee als Muster oder Exemplar betrachtet wird. Denn keine „Art", wie z. B. sinnbegabt, existiert, ohne einer bestimmten Gattung zuzugehören, wie Mensch oder Tier. Von den Eigenschaften und Zuständen, welche die Gattung dem Wesen nach immer begleiten, wie das Vernunft- oder das Willensvermögen den Menschen oder der Umfang die Körper, gilt naturgemäß die gleiche Idee wie vom Subjekte also von der Gattung, zu der sie hinzutreten, denn diese findet sich niemals ohne diese Eigenschaften oder Zustände. Solchen Eigenschaften aber, welche mit der Gattung nicht gegeben sind, sondern bald hinzutreten bald nicht, wie „weiß" oder „schwarz" beim Menschen, müssen eigene Ideen entsprechen. So bewirkt auch der Baumeister vermittelst der Form des Hauses all jenes Übrige, was von Anfang an das Haus begleitet, wie Treppe, Türe, je nachdem das Haus für etwas bestimmt ist. Was aber noch hinzukommt, wenn das Haus bereits fertig dasteht, wie Gemälde, Standbilder u. dgl., davon besteht eine andere mit dem Hause selber nicht gegebene Idee. Die Einzeldinge als solche aber hatten nach Plato keine andere Idee als leitende Vertreterin ihres Seins wie die Idee der Gattung: einerseits weil das Princip des Einzelseins der Stoff ist, dem nach Plato keine Idee entsprach und der ungeschaffen war oder vielmehr zugleich mit der Idee als Ursache für das Sein der Gattung galt; andererseits, weil die Absicht der Natur auf die Gattung sich richtet, und das Einzelne aus keinem anderen Grunde hervorbringt, als damit vermittelst dessen die Gattungen erhalten würden. Doch die göttliche Vorsehung erstreckt sich nicht nur auf die Gattungen, sondern auch auf die Einzelnwesen"  - Thomas von Aquin, s.th. I, 15 
Cusanus, Thomas, Eckhart, Augustinus und Johannes Scotus Eriugena lehnen die Deutung der Platoniker, auch der Schule von Chartres ab, die einen dem Schöpfer nachgeordneten Geist annehmen.[29] 
"Daher ist die Notwendigkeit der Beschaffenheit nicht, wie die Platoniker annahmen, ein geringerer Geist als der Zeugende, sondern das Wort und der dem Vater gleiche Sohn im Göttlichen. Er heisst Logos oder Wesensgrund, da er aller Dinge Wesensgrund ist. Es stimmt also nicht, was die Platoniker von den Abbildern der Gestalten sagten, denn es gibt nur eine unendliche Form der Formen, der gegenüber  alle Formen Abbilder sind," - Nicolaus Cusanus, De docta II, 9
So wie ein Künstler, der eine Statue im Stein ausmeisseln will und die Form der Statue als Idee in sich trägt, durch bestimmte von ihm benutzte Werkzeuge diese Form der Statue nach der Form der Idee zu ihrem Abbild macht, meinten die Weisen, trage der Geist oder die Seele der Welt die Urbilder der Dinge in sich und entfalte sie durch Bewegung in der Materie. Sie sagten, dass diese Bewegung ebenso wie die Weltseele sich über alles verbreite. Sie sei in Fixsternen, Planeten und irdischen Dingen. Sie führten aus, dass dieser Geist der Verknüpfung von beiden, von der Möglichkeit und der Weltseele ausgehe. [30] 
"Dieser Geist ist also durch das ganze All und durch dessen einzelne Teile verbreitet und eingeschränkt. Er wird Natur genannt. Daher ist die Natur gewissermaßen die Einfaltung von allem, das durch Bewegung entsteht. Wie aber diese vom Allgemeinen bis zum Einzelnen eingeschränkt wird und dabei die Ordnung ihrer Abstufungen bewahrt, betrachte man an folgendem Beispiel. Wenn ich sage, «Gott ist», so entsteht diese Rede durch eine bestimmte Bewegung, und zwar nach der Ordnung, dass ich zuerst die Buchstaben, dann die Silben, darauf die Wortbildungen und zuletzt die Rede ausspreche, wenn auch das Ohr diese Ordnung nicht stufenweise unterscheidet. So steigt auch diese Bewegung stufenweise vom Allgemeinen zum Besonderen herab und wird dort durch zeitliche oder natürliche Ordnung eingeschränkt. Diese Bewegung aber oder dieser Geisthauch senkt sich vom göttlichen Geist herab, der durch sie alles bewegt. Wie im Sprechenden eine Art Geist-Hauch ist, der von ihm ausgeht und, um zum Vorschein zu kommen, in der Rede eingeschränkt wird, so verhält sich Gott, der Geist ist und von dem jede Bewegung stammt." - Nicolaus Cusanus, De docta II, 10

"Der Weltkreis ist voll Geistes des Herrn" - Sap 1, 7

Wie also jede Möglichkeit in der absoluten Möglichkeit, dem ewigen Gott ist und jede Form und Wirklichkeit in der absoluten Form, dem Wort des Vaters und dem Sohn im Göttlichen, so ist jede Bewegung der Verknüpfung und jede einheitsstiftende Proportion und Harmonie in der absoluten Verknüpfung des Göttlichen Geistes beschlossen, so dass Gott der alleinige Urgrund von allem ist. In ihm und durch ihn ist alles in einer gewissen Einheit der Dreifaltigkeit ("unitate trinitatis"). [31] 

Bei Betrachtung der Dreifaltigkeit des Universums ("universum trinium") haben manche, wie Lukrez, angenommen, dass der Weltenbau oder Weltmaschine ("machina mundi") oder materielle Erde der Mittelpunkt sei. "Es ist aber unmöglich anzunehmen, dass der Weltbau diese sichtbare Erde oder die Luft oder das Feuer oder irgendetwas anderes als festes und unbewegliches Zentrum besitzt." Cusanus spricht hier der Erde eine Stellung im Mittelpunkt des Universums ab. Mitte und Umfassung der Welt ist Gott.  [32] 

"Da die Erde also nicht Mittelpunkt sein kann, kann sie auch nicht ohne jede Bewegung sein."  - Nicolaus Cusanus, De docta II, 11

"Derjenige, der Mittelpunkt der Welt ist, Gott der Gepriesene, ist auch Mittelpunkt der Erde, der Sphären und alles dessen, was in der Welt ist. Und zugleich ist er aller Dinge unendlicher Umfang." Ib. 

"Denn wir begreifen die Bewegung nur durch einen Vergleich mit etwas Feststehendem. Wie sollte jemand, der sich auf einem Schiff in der Mitte des Gewässers befindet, der das Ufer nicht sieht und nicht weiß, dass das Wasser fliesst, begreifen, dass er sich bewegt?" - Nicolaus Cusanus, De docta II, 12

"So scheint es dennoch keine vornehmere und vollkommenere Natur zu geben als die geistige Natur, die auf dieser Erde und in ihrem Bereich wohnt, auch wenn auf anderen Sternen Bewohner anderen Geschlechts sind. Der Mensch strebt nämlich nicht nach einer anderen Natur, sondern nur nach Vollendung in der seinen." - Ib

Auch wenn der Beweis für die Erdbewegung erst später geliefert wurde, so weiß Cusanus doch die Gegenbeweise als nicht stichhaltig zu entkräften. Dass Bewegung nur als relative Bewegung erkennbar ist, weiß bereits Wilhelm von Conches.  [33] 

In bezug auf den Ort kann man keine Aussage machen, wie z. B. dass dieser Ort der Welt die Wohnstatt von Menschen, Tieren und Pflanzen ist, die auf einer niedrigeren Stufe stehen als die Bewohner der Sonnenregion und der andern Sterne. Denn wenn Gott auch Mittelpunkt und Umkreis aller Sternbereiche ist und die Naturen verschiedenen Wertes, in welchem Bereich auch immer sie wohnen, von ihm ausgehen, damit nicht so viele Stätten des Himmels und der Sterne leer seien und vielleicht nur diese Erde von niedrigeren Wesen bewohnt ist, "so scheint es dennoch keine vornehmere und vollkommenere Natur zu geben als die geistige Natur, die auf dieser Erde und in ihrem Bereich wohnt, auch wenn auf
anderen Sternen Bewohner anderen Geschlechts sind. Der Mensch strebt nämlich nicht nach einer anderen Natur, sondern nur nach Vollendung in der seinen."  [34] 

Weil uns daher jene ganze Region unbekannt ist, bleiben uns auch jene Einwohner völlig unbekannt, so wie es auch auf dieser Erde geschieht, dass die Lebewesen einer Art gleichsam an einer gemeinsamen Art-Region, an dem, was zu ihr gehört, wechselseitig Teil haben, von den andern aber entweder nicht annehmen wollen oder wahrhaft nicht annehmen. Denn das Lebewesen der einen Art kann den Begriff eines andern, den dieses in lautlichen Zeichen ausdrückt, nur durch wenige Zeichen äusserlich begreifen, und auch das nur nach langer Gewöhnung und lediglich vermutungsweise. "Von den Bewohnern einer andern Region aber werden wir unverhältnismäßig weniger erfahren können; wir vermuten nur, dass in der Region der Sonne eher sonnenhafte, helle und erleuchtete, geistige Bewohner sind, geistigere auch als in der Mondregion, wo sie eher mondhaft sind und als auf der Erde, wo sie stoffhafter und dichter sind. Demnach wären jene geistigen, sonnenhaften Naturen mehr in der Wirklichkeit und weniger in der Möglichkeit, die erdhaften mehr in der Möglichkeit und weniger in der Wirklichkeit, die mondhaften bewegten sich in der Mitte. Dies vermuten wir aus dem feurigen Einfluß der Sonne, aus dem wäßrigen und luftigen des Mondes und aus der stofflichen Schwere der Erde in ähnlicher Weise von den andern Sternregionen; dabei nehmen wir an, dass keine Region der Bewohner entbehrt und es gleichsam so viele besondere Teil-Welten des einen Universums gibt, wie Sterne, die keine Zahl haben; dass die eine gesamte Welt in einem viermal absteigenden Fortschreiten zu so viel Besonderem dreifach verschränkt ist, dass nur der, der alles in der Zahl erschaffen hat, dessen Zahl kennt." [35] 
 

Ökosysteme; Alles existiert auf bestmögliche Weise, so dass ein eines kontinuierliches, vollkommenes Universum existiert ("unum continuum perfectum universum"); Individuationsprinzipien ("principia individuantia") als Gegensatz zur heutigen Gen- und Klontechnik

Die Schule von Chartres, Cusanus, Albertus Magnus, Johannes Scotus Eriugena kannten durchaus den Begriff des Ökosystems, über die Verbindung von Höherem und Niederem, das auf "bestmögliche Weise" funktioniert, was später von Leibniz und Goethe aufgegriffen wurde und im krassen Gegensatz zur heutigen Gen- und Klontechnik steht. Der Gedanke, Gott als Ursprung und Ziel von allem, geht zurück auf die Heilige Schrift und Johannes Scotus Eriugena.  [36] 
"Es gibt sowohl für die Arten und die Gattungen als auch für das Universum nur eine Grenze; sie ist Mittelpunkt, Umkreis und Verbindung von allem. Auch schöpft das Universum nicht jene unbegrenzte und auf absolute Weise größte Macht Gottes aus, so dass es das schlechthin Größte wäre, das die Macht Gottes begrenzt. Es berührt darum nicht einmal die Grenze der absoluten Große; noch erreichen die Gattungen die Grenze des Universums, noch die Arten die Grenze der Gattungen und die Individuen die Grenze der Arten, so dass alles auf bestmögliche Weise zwischen dem Größten und Kleinsten als das existiert, was es ist, und Gott als Ursprung, Mitte und Ziel des Universums und der einzelnen Dinge, auf dass alles zu Gott gelangt, mag es nun aufsteigen oder absteigen oder zur Mitte streben. Die Verbindung aller Dinge geschieht durch ihn, so dass alles, wiewohl getrennt, auch verbunden ist. Daher ist die Verbindung zwischen den das eine Universum bildenden, eingeschränkten Gattungen nach oben und unten eine derartige, dass diese in der Mitte koinzidieren; ebenso besteht zwischen den verschiedenen Arten eine Ordnung derart, dass die oberste Art einer Gattung mit der untersten Art der unmittelbar übergeordneten Gattung koinzidiert, so dass ein eines kontinuierliches, vollkommenes Universum existiert." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 1
Weil zum Beispiel bei den Menschen jedoch die geistige Natur gegenüber der andern hervortritt, nennt man sie besser Geistwesen als Lebewesen, wenngleich sie von den Platonikern für geistige Lebewesen gehalten werden. Aus diesem Grunde wird gefolgert, dass die Arten geordnet sind ganz so wie die in geordneter Progression aufsteigende Zahl, die notwendigerweise begrenzt ist, so dass Ordnung, Harmonie und Proportion in der Unterschiedenheit herrscht ("ordo, harmonia ac proportio sit in diversitate"). [37] 
"Darum gibt es auch nichts im Universum, das sich nicht einer gewissen Einzigkeit (Singularitate) erfreute, die sich in keinem andern findet, so dass kein Ding ein anderes in allem übertrifft oder das Verschiedene in gleicher Weise hervortreten lässt, wie es auch niemals mit irgend etwas anderem in irgendeiner Beziehung gleich sein kann. Auch wenn es zu der einen Zeit kleiner als dieses und zur andern größer sein würde, macht es diesen Übergang in einer gewissen Einzigkeit, so dass es eine präzise Gleichheit nie erreicht." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 1
Die Individuationsprinzipien ("principia individuantia") können in keinem Individuum in derselben harmonischen Proportion zusammentreffen, wie in einem andern Individuum, so dass jedwedes durch sich eins und auf die relativ beste Weise vollkommen ist. Weil aber die Verschiedenheit der Meinungen gemäß der Verschiedenheit von Religionen, Sekten und Regionen Urteile vergleichsweise verschieden ausfallen lassen, so dass das nach der einen Auffassung Lobenswerte nach einer anderen tadelnswert ist, und da sie, über den Erdkreis verstreut, uns unbekannte Menschen gibt, so wissen wir also nicht, wer im Vergleich mit den übrigen Menschen der Welt sich besonders auszeichnet, weil wir nicht einmal einen aus ihnen allen vollkommen zu erkennen vermögen. Dies ist von Gott so eingerichtet worden, damit jeder, mag er auch die anderen bewundern, in sich selbst sein Genüge finde und in seinem Vaterland, so dass ihm sein Geburtsort anziehend erscheint in den Landessitten, in der Sprache und den übrigen Gegebenheiten, damit Einheit und Friede herrsche, soweit dies möglich ist; da Einheit und Friede jedweder Art nur durch diejenen vollkommen sein können, die im Geiste dessen herrschen, der unser alle sinnliche Vorstellung übersteigender Friede ist. [38] 
 

Mikrokosmos oder kleine Welt ("microcosmos aut parvus mundus"); Emanationsprinzip ("principium emanationis")

"Ich nehme verschiedene Klassen und Rangordnungen der letzten Urbestandteile aller Wesen an, gleichsam der Anfangspunkte aller Erscheinungen in der Natur, die ich Seelen nennen möchte, weil von ihnen die Beseelung des Ganzen ausgeht, oder noch lieber Monaden - lassen Sie uns immer diesen Leibnizschen Ausdruck beibehalten! Die Einfachheit des einfachsten Wesens auszudrücken, möchte es kaum einen besseren geben. Nun sind einige von diesen Monaden oder Anfangspunkten, wie uns die Erfahrung zeigt, so klein, so geringfügig, dass sie sich höchstens nur zu einem untergeordneten Dienst und Dasein eignen. Andere dagegen sind gar stark und gewaltig. Die letzten pflegen daher alles, was sich ihnen naht, in ihren Kreis zu reissen und in ein ihnen Angehöriges, das heisst in einen Leib, in eine Pflanze, in ein Tier, oder noch höher herauf, in einen Stern verwandeln. Sie setzen dies so lange fort, bis die kleine oder große Welt, deren Intention geistig in ihnen liegt, auch nach aussen leiblich zum Vorschein kommt. Nur die letzten möchte ich eigentlich Seelen nennen. Es folgt hieraus, dass es Weltmonaden, Weltseelen, wie Ameisenmonaden, Ameisenseelen gibt und dass beide in ihrem Ursprunge, wo nicht völlig eins, doch im Urwesen verwandt sind." - Johann Wolfgang von Goethe, 1813
Goethe greift den Gedanken der Alten über den Mikrokosmos auf und verarbeitet ihn auch in seinem "Faust". Ebenso wie die verborgene Christlichkeit der Goetheschen Erkenntnisart und die der deutschen Idealisten und Leibniz, wird seit langem die grundsätzliche Unchristlichkeit der Kantischen Philosophie verkannt. Sie ist als Wissenschaft verkleideter Unglaube. Der Kantianismus setzt alte vorchristliche Anschauungen fort, die im Orient und später im Islam ihre Ausbildung gefunden haben. Das Tragische liegt daran, dass nach dem Christus-Ereignis, und zwar auch innerhalb des Christentums, die Bewusstseins- und Gedankenentwicklung diesen Einschlag immer noch nicht in sich aufgenommen hat. Überall, wo wie bei Kant aus der Erkenntnis-Resignation grundsätzlich an der Trennung von Glauben und Wissen festgehalten wird, setzt sich der vorchristliche Stand des menschlichen Bewusstseins unverwandelt fort. [39]
 
"Darum ist allein die mittlere Natur, das Mittel der Verbindung von niederer und höherer Natur, durch die Macht des großen unendlichen Gottes fähig, in angemessener Weise zum Größten erhoben zu werden. Denn da sie alle Naturen, das Höchste der niederen und das Niedrigste der höheren, in sich einschließt, steht fest, dass in ihr, wenn sie entsprechend ihrer Ganzheit zur Vereinigung mit der Größe aufsteigt, alle Naturen und das gesamte Universum auf alle mögliche Weise zur höchsten Stufe gelangen müssen. Die menschliche Natur aber ist jene, die über alle Werke Gottes erhöht und, nur ein wenig unter den Engeln, die geistige und sinnliche Natur einschliesst und das Universum  in sich zusammenzieht, weshalb sie von den Alten treffend als Mikrokosmos oder kleine Welt (microcosmos aut parvus mundus) bezeichnet wurde. Daher ist sie jene, die, wenn sie zur Einheit mit der Größe erhöht sein würde, die Fülle aller Vollkommenheiten des Universums und des Einzelnen darstellte, und zwar so, dass in der Menschheit alles die höchste Stufe erreichte. Die Menschheit existiert aber nur auf eingeschränkte Weise in diesem oder jenem. Daher wäre es nicht möglich, dass mehr als ein wahrer Mensch zur Vereinigung mit der Größe aufsteigen könnte. Und dieser wäre gewiß so Mensch, dass er Gott, und so Gott, dass er Mensch wäre, die Vollendung des Universums, in allem der Erste, in dem das Kleinste, das Größte und das Mittlere mit der der absoluten Größe vereinten Natur so koinzidierten, dass er die Vollendung aller wäre, und alles Eingeschränkte als solches, in ihm als in seiner Erfüllung ruhen würde." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 3
Cusanus folgt der Emanationslehre des Johannes Scotus Eriugena sowie Thomas von Aquin und Eckhart. Das Emanat der einmaligen und zugleich erfolgten Schöpfung kehrt nach der Vollendung, am Ende der Historizität der Welt, zu seinem Emanationsprinzip zurück. Alles kehrt in Christus zu seinem Schöpfer zurück. [40]

Alles empfinge durch ihn Anfang und Ende der Einschränkung, so dass durch ihn, das Größte Eingeschränkte, als durch den Ursprung der Emanation und das Ziel der Reduktion, alles vom absolut Größten in das Sein der Einschränkung
ausgeht und ins Absolute durch seine Vermittlung eingeht. Gott aber als die Gleichheit allen Seins, ist der Schöpfer des Universums, denn es ist auf ihn hin geschaffen. Die höchste und größte Gleichheit allen Seins wäre auf absolute Weise jene, mit der die Natur der Menschheit vereint würde; so wäre Gott vermittels der aufgenommenen Menschheit in dieser selbst alles auf eingeschränkte Weise ebenso, wie er die Gleichheit allen Seins auf absolute Weise ist. Also wäre dieser Mensch, der sich durch diese Vereinigung in der größtmöglichen Gleichheit des Seins befände, der Sohn Gottes genau so wie das Wort, in dem alles gemacht ist, oder die Gleichheit des Seins selbst, die entsprechend Sohn Gottes genannt wird. Ausser jemandem, der die Existenz Gottes oder die Tatsache, dass er der beste ist, leugnet, muss vernünftigerweise jeder damit übereinstimmen; denn wenn man von diesem Weg abwiche, wäre alles noch von der Vollkommenheit entfernt. Jede Mißgunst ist fern von ihm, der die reine Güte ist und der keine unvollkommene Tat vollbringen kann. Wie er selbst der Größte ist, so nähert sich auch sein Werk, soweit dies möglich ist, dem Größten. [41]

Alles geht ins eingeschränkte Sein über, damit es das, was es ist, in bestmöglicher Ordnung und Weise ("modo meliori") sein kann. Dieser Zusammenhang darf aber nicht zeitlich betrachtet werden als ob Gott in der Zeit als das Erstgeborene dem Geschöpf vorhergegangen sei oder, dass der erstgeborene Gottmensch hinsichtlich der Zeit der Welt vorangegangen sei; vielmehr steht er nach Natur und Ordnung der Vollkommenheit jenseits jeder Zeit, so wie jener bei Gott jenseits der Zeit und früher als alles war und erst nach vielen Umläufen in der Fülle der Zeit ("plentitudine temporis") der Welt erschien. [42]
 
 

Jesus Christus, gepriesen sei er, ist Gott und Mensch ("benediktus, deus et homo"), in ihm sind alle Schätze des Wissens und der Weisheit ("Thesauri scientiae et sapientiae"); der Mensch als das geeignetste Instrument der geistigen Natur ("aptissimum instrumentum intellectualis naturae")

Denn auf Grund dessen, was er als wirklicher Mensch, aber über den gewöhnlichen Menschen hinaus, in göttlicher Weise vollbracht hat, und auf Grund des anderen, das er selbst, der in allem wahr befunden wurde, von sich bezeugte und das
von jenen, die mit ihm zusammen waren, mit dem eigenen Blut bestätigt und in unwandelbarer Beständigkeit schon längst durch untrügliche Beweise erhärtet ist ("infinitis dudum infallibilibus probata argumentis"), versichern wir mit Recht, dass er es ist, den alle Kreatur in der Zeit als den Zukünftigen von Anfang an erwartet hat und von dem die Propheten vorausgesagt haben, er werde in der Welt erscheinen ("qui per prophetae se in mundo appariturum praedixerat"). Er ist gekommen, um alles zu erfüllen, da er selbst alle Menschen durch seinen Willen gesunden ließ als der, der Macht über alles besitzt, alles der Weisheit Verborgene und Geheime lehrte, als Gott die Sünden wegnahm, die Toten erweckte,
die Natur verwandelte, den Geistern, dem Meer und den Winden befahl, über das Wasser ging, und ein Gesetz aufstellte, das alle Gesetze erfüllte und ergänzte. In ihm haben wir alle Vollendung, «Erlösung und Vergebung der Sünden» nach dem Zeugnis des Paulus, jenes einzigartigen Verkünders der Wahrheit ("singularissimi praedicatoris veritatis").  [43]

Der Mensch nämlich ist sein Geist und Denken. Darin wird die sinnliche Einschränkung in der geistigen Natur gewissermaßen begründet; während die existierende, intellektuelle Natur eine Art göttliches, getrenntes, abstraktes Sein besitzt, verbleibt das Sinnliche seiner Natur gemäß im Zeitlichen und Vergänglichen. Nach dieser, wenn auch vielleicht sehr entfernten Ähnlichkeit ist Jesus zu betrachten; in ihm ist die Menschheit, da sie sonst in ihrer Fülle nicht sein könnte, in der Gottheit begründet. Denn der Geist Jesu, der unbedingt vollkommenste in dem als Wirklichkeit Existierenden, kann als Person nur im Göttlichen Geist, der allein als Wirklichkeit alles ist, begründet werden. [44]

Der Intellekt ist in allen Menschen der Möglichkeit nach alles. Er wächst nach und nach aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit, so dass er in jener um so viel kleiner ist, als er größer in dieser ist. Der größte Geist kann, da er die vollständig als Wirklichkeit bestehende Zielgrenze der Möglichkeit der ganzen intellektuellen Natur ist, in keiner Weise existieren, ohne so Intellekt zu sein, dass er auch Gott ist, der alles in allem ist (Deus, qui est omnia in omnibus"). Die höchste Vollendung der menschlichen Natur findet sich im bestandgebenden und wesenhaften Bereich, nämlich in der Vernunft, der das übrige Körperhafte dienstbar ist. [45]

"Und darum muss der am meisten vollkommene Mensch nicht im Zufällig-Äusserlichen (Akzidentellen), sondern nur hinsichtlich des Geistes überragend sein. Es ist nicht erforderlich, dass er ein Riese oder Zwerg von dieser oder jener Größe, Farbe, Gestalt und dem übrigen, was an Äußerlichem hinzukommt, sei; es ist nur notwendig, dass sein Körper so vom Extremen fernbleibt, dass er als das geeignetste Instrument der geistigen Natur (aptissimum instrumentum intellectualis naturae) ohne Widerstand, ohne Murren und Ermüdung gehorcht und Folge leistet. Jesus, in dem, auch als er in der Welt erschien, alle Schätze des Wissens und der Weisheit (Thesauri scientiae et sapientiae) wie das Licht in der Finsternis verborgen waren, hatte darum, wie man glaubt, den der alles überragenden geistigen Natur am vollkommensten angepassten Körper. Dies bezeugen auch die Heiligen, die mit ihm zusammen waren." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 4
Jede Tätigkeit aber geht aus dem Geist und der Liebe hervor, die das Aktive dem Passiven vereint. Und daher geht die größte Tat, die über jedem Verhältnis der Natur liegt, durch die sich der Schöpfer dem Geschöpf vereint, aus der höchsten einenden Liebe hervor und stammt darum ohne Zweifel vom Heiligen Geist, der die Liebe auf absolute Weise ist. Durch ihn allein ohne Beihilfe einer im Rahmen der Art eingeschränkten Wirkursache konnte die Mutter den Sohn des göttlichen Vaters empfangen; wie Gottvater alles, was aus dem vorherigen Nichtsein in das Sein überging, durch seinen Geist bildete, so brachte er das in vorzüglicher Weise durch eben diesen seinen Heiligen Geist zuwege, da er in vollkommenster Weise wirkte. [46]
 

Das Geheimnis des Todes Jesu Christi ("Mysterium mortis Iesu Christi"); fides formata und fides informis ("increduli et sine spe - ungläubig und ohne Hoffnung"), satisfactio

Es gibt keinen Zweifel, dass der Mensch aus Sinnesvermögen und Geist besteht und dass der Verstand, in der Mitte zwischen beiden, diese miteinander verknüpft. Der Geist stammt nicht aus Zeit und Welt, sondern ist von diesen unabhängig; das Sinnesvermögen stammt aus der Welt und ist in der Zeit den Bewegungen unterworfen. Der Verstand steht in bezug auf den Geist gleichsam im Horizont, in bezug auf das Sinnesvermögen aber im Zentrum, so dass in
ihm das, was innerhalb und das, was ausserhalb der Zeit ist, koinzidiert. Das Sinnesvermögen ist unfähig, das Überzeitliche und Geistige zu erfassen, denn sie ist ihrem Wesen nach gleich dem Tiere. Das Tier nämlich erfasst nicht was Gottes ist, da er Geist und mehr als Geist ist. Darum befindet sich die Sinneserkenntnis in bezug auf das Ewige im Dunkel der Unwissenheit und strebt durch die Macht der Begierden nach fleischlichen Gelüsten, und auch danach, durch die Macht des Zornes alles Hinderliche zurückzustoßen, was sich bei den heutigen materialistischen Naturwissenschaftlern und Muslimen erkennen lässt, die sich vom Geist abgewandt haben. [47]

Die verständige Vernunft aber, die auf Grund der Teilhabe an der geistigen Natur seiner Natur nach überlegen ist, enthält gewisse Gesetze, vermittels derer sie als Führerin der Leidenschaften und Begierden diese mäßigt und zum Gleichgewicht zurückführt, auf dass der Mensch nicht sein Ziel in sinnliche Gegenstände setze und des geistigen Sehnens der Vernunft beraubt werde. [48]

"Wenn das Gewicht fleischlicher Lust Vernunft und Geist nach unten zieht, so dass sie ohne Widerstand dieser Bewegung zustimmen, dann ist es offenbar, dass der Mensch, so von Gott weggezogen und abgekehrt, des Genusses des höchsten Gutes, das auf geistige Weise oben und ewig ist, völlig verlustig geht. Wenn aber die Vernunft über die Sinnlichkeit herrscht, dann ist es notwendig, dass der Geist über die Vernunft herrscht, damit der Mensch sich über die Vernunft erhebe und in vollwirksamem, lebendigem Glauben (fide formata) dem Mittler anhange, auf dass er so von Gott dem Vater zur Herrlichkeit geführt werden kann." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 6
Entscheidend ist ein vollendeter Glaube (fide formata). Fides formata wird übersetzt durch "vollwirksamer, vollendeter, vollkommener, lebendiger Glaube. Irgendein anderer Glaube, wie zum Beispiel der Glaube an den muslimischen Gott, wird als nicht vollendeter Glaube oder fides informis bezeichnet. Der vollendete Glaube beinhaltet die Lehre von der Mittlerfunktion Christi (mediatori). [49] 
"Niemand vermochte es je aus sich über sich selbst und seine eigene Natur, die ursprünglich den Sünden fleischlichen Begehrens unterworfen ist, über diesen seinen Ursprung zum Ewigen und Himmlischen aufzusteigen, ausser jenem, der vom Himmel herabgekommen ist, Christus Jesus. Er ist es, der auch aus eigener Kraft emporstieg; in ihm war die menschliche Natur, nicht aus dem Willen des Fleisches, sondern aus Gott geboren, kein Hindernis, machtvoll zu Gott, dem Vater, zurückzukehren. In Christus also ist die menschliche Natur durch diese Vereinigung zu größter Mächtigkeit erhöht und von dem sie bedrängenden Gewicht der zeitlichen Begierden befreit worden. Alle Missetaten der menschlichen Natur, die uns an das Irdische fesseln, wollte Christus, der Herr, in seinem menschlichen Körper abtöten und reinigen – nicht seinetwegen, denn er hatte ja keine Sünde begangen, sondern unseretwegen –, damit alle Menschen eben derselben Menschheit, mit ihm und in ihm die Reinigung von ihren Sünden fänden. Der freiwillig und unschuldig erduldete schändliche und grausame Kreuzestod des Menschen Christus war Austilgung, Genugtuung (satisfactio) und Reinigung aller fleischlichen Begierden der menschlichen Natur. Was von Menschen gegen die Liebe zum Nächsten gesündigt werden kann, das ist in der Fülle der Liebe Christi, in der er sich selbst für seine Feinde dem Tode hingegeben hat, überreich erfüllt und gesühnt." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 6
Die Lehre von der Satisfaktion (satisfactio) oder Genugtuung spielt im Rahmen der Soteriologie eine wichtige Rolle.  Begriff und Vorstellung der Genugtuung werden im 4. Jahrhundert von Ambrosius und Hilarius in die Soteriologie übertragen, nachdem sie von Tertullian und Cyprian verwendet worden waren. Eine wichtige Rolle in der Satifaktionslehre spielt die Schrift Cur deus homo des Anselm von Canterbury. [50] 
"Das Menschsein in Christus Jesus hat die Mängel aller Menschen völlig ausgeglichen. Denn da es das höchste Menschsein ist, umfasst es die ganze Möglichkeit der Art, so dass es eine solche Seinsgleichheit für einen jeden Menschen ist, , dass er viel umfassender als ein Bruder und der engste Freund mit jedem verbunden ist. Denn diese größte Vollendung der menschlichen Natur vollbringt es, dass Christus in jedem Menschen, der ihm durch lebendigen und vollkommenen Glauben anhangt, durch vollkommenste Einung dieser Mensch selbst ist und doch die Individualität eines jeden gewahrt bleibt. Durch sie ist wahr, was er selbst sagt: «Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan», und umgekehrt: was Christus Jesus durch sein Leiden verdient hat, das verdienen auch jene, die mit ihm eins sind; wobei die Grade des Verdienstes verschieden sind und gemäß der Verschiedenheit des Grades der Einung jedes einzelnen mit ihm durch den in der Liebe erwachsenen Glauben entsprechen. Daher sind die Gläubigen in ihm beschnitten, in ihm getauft, in ihm gestorben, in ihm schliesslich durch die Auferstehung lebendig geworden, mit Gott geeint und in die Herrlichkeit eingegangen. Unsere Rechtfertigung geschieht also nicht durch uns, sondern durch Christus. Denn da er die ganze Fülle ist, erlangen wir, wenn wir nur ihn haben, alles in ihm und da wir in diesem Leben ihn durch lebendigen Glauben erreichen, können wir nicht anders als durch diesen Glauben gerechtfertigt werden." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 6
Nicht auf die äusserliche Beschneidung kommt es heute an, sondern auf die fides formata, den wahren Glauben. Cusanus sagt sogar, "dass die Araber das Gesetz Abrahams gar nicht kennen, ja es sogar verfolgen. Ist es etwa genug, dass ihr euch beschneiden lasst? Als ob ihr damit Abrahams Gesetz erfüllt! Die Beschneidung weist euch nicht als Söhne Abrahams aus." Entscheidend ist der Glaube Abrahams: "Und siehe, der Herr sprach zu ihm: Er soll nicht dein Erbe sein; sondern der von deinem Leib kommen wird, der soll dein Erbe sein. Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Siehe gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit." Gerecht war Abraham bereits, als er noch nicht beschnitten war. Die Beschneidung ist für die wahren Gläubigen, die Christen, völlig überflüssig, "da sie durch Glaube und Taufe zum mystischen Leib Christi (corpus Christi mysticum) geworden sind." Abraham hat auch keine Kriege um Beute geführt.  [51]
"Ihr aber sucht bei ungerechtfertigten Angriffen durch Raub fett zu werden und behauptet, dass euer Gesetz das erlaube, obwohl es doch vom Gesetz Abrahams in keinem Punkt abweichen darf; dadurch lästert ihr den Gott Abrahams in Abraham, wenn ihr lügnerisch behauptet, dies stimme mit dem Gesetz Abrahams überein." - Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani III, 16

"Warum maßt ihr euch an, anders über die Welt zu verfügen als Gott, es sei denn, dass ihr Gott für eure verderbten Wünsche mißbraucht und dadurch mehr als alle anderen der Blasphemie verfallt?" - Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani III, 16

"Ihr aber verfolgt Christus, beraubt und unterdrückt ihn in seinen Anhängern und tut so Abraham Unrecht, dessen Nachfolger zu sein doch euer ganzer Stolz ist." - Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani III, 16

Wenn die Araber und heutigen Muslime nach Cusanus noch nicht einmal dies verstehen, wie sollen sie die komplizierteren Dinge verstehen wie Transsubstantiation, die Wesensverwandlung oder die personale Union der menschlichen und göttlichen Natur in Christus ("unionem humanae naturae et divinae in Christo")? Denn wie die Substanz der Nahrung sich vereinigt mit der Substanz des Genährten, so wird die lebendige Substanz des Menschen durch das Wirken des Wortes Gottes  gereinigt und schließlich in die Einheit mit ihm aufgenommen, um in einem höheren Leben als früher, d.h. im göttlichen und ewigen, zu leben. [52]
"Daraus ersieht man, dass das Wort Gottes, Christus und sein mystischer Leib durch die oben genannte Einigung in einem einzigen, unsterblichen und ewigen Leben leben; aber diese tief verborgenen Geheimnisse könnt ihr nicht begreifen, da ihr nicht an eine personale Union der menschlichen und göttlichen Natur in Christus (personalem unionem humanae naturae et divinae in Christo) glaubt; auch werdet ihr niemals in den Genuß der oben erwähnten Frucht kommen können, da ihr ungläubig und ohne Hoffnung seid (increduli et sine spe)" - Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani III, 16

Das Geheimnis der Auferstehung ("De mysterio resurrectionis"); Idiomenkummunikation ("communicatio idiomatum")

Christus als leidensfähiger und sterblicher Mensch konnte in die Herrlichkeit des Vaters, der die Unsterblichkeit selbst und das absolute Leben ist, nur eingehen, wenn das Sterbliche die Unsterblichkeit anzog. Dies konnte nur durch den Tod geschehen, denn wie könnte das Sterbliche anders die Unsterblichkeit anziehen, wenn es nicht der Sterblichkeit entkleidet würde? [53]
"Deshalb sagt die Wahrheit selbst, einfältig und schwerfällig seien diejenigen, die nicht einsehen, dass Christus sterben musste, um in die Herrlichkeit einzugehen." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 7
Wer ist mit einfältig und schwerfällig gemeint? Alle diejenigen die das Geheimnis der Auferstehung nicht verstehen und leugnen. Der prominenteste Vertreter ist Muhammad, dessen Islam schon den ganzen Orient vereinnahmt hat und der sich nun auf Europa konzentriert. Um seine Dokrtin zu verbreiten, hat er den Koran geschrieben. Dazu Cusanus [54]:
"Wenn Muhammad dieses Buch, das voller Schmutz ist, Gott zuschreibt oder aber es selbst geschrieben hat und Gott die Urheberschaft zuweist, dann muss ich mich wundern, dass weise, keusche und tugendhafte Araber, Mauren, Ägypter, Perser, Afrikaner und Türken, von denen man sagt, dass sie diesem Gesetz folgen, Muhammad für einen Propheten halten können." - Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani II, 19

"Wie kannst du aber für dich in Anspruch nehmen, über andere Dinge zu reden, da es dir von Gott weder aufgetragen noch gestattet worden ist? Und wenn du das behauptest, warum sollte ich dir glauben, wenn du Gott nicht gehorchst? Du bist gänzlich unentschuldbar, ausser du unterstellst dem unwandelbaren Gott Wankelmütigkeit, wie du es ja zu tun pflegst, um dem Lästern zu entgehen (ut sic blasphemando evadas). Doch der allmächtige Gott wollte, dass zwischen all dem Schmutzigen, Unsinnigen und selbst den Weisen der Araber Widerwärtigen auch solches eingefügt wurde, worin der Glanz des Evangelium insgeheim so verborgen ist, dass er sich den Weisen offenbart, wenn sie nur mit Sorgfalt und Eifer danach suchen. So groß ist nämlich das Licht des Evangeliums (lux evangelica), dass ohne es nichts wahr und klar erscheinen kann; wenn jenes Licht aber fehlt, ... dann ist alles, was gesagt und geschrieben wird, unklar, verworren, dunkel, tödlich und der vernunftbegabten Natur ("intellectuali naturae") widerwärtig, mag es auch dem Tierischen und Animalischen, das von dieser sinnlichen Welt ist, schmackhaft erscheinen." -  Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani II, 19

Ricoldus de Monte Crucis, der sich ähnlich wie Cusanus um eine wohlwollende Interpretation des Korans bemüht, wird bei der Übersetzung "mit großer Traurigkeit überschüttet" und muss erkennen, was für ein "schändlich Gesetz der genannte Alcoran ist"; er schreibt daher: "Ein Mensch, ja ein Teufel, und ein erst gebornes Kind des Satans, wider die Wahrheit und wider die christliche Kirche, der in fleischlicher Unzucht ersoffen und mit schwarzer Kunst umging, mit Namen Mahmet. Der hat aus Eingebung und Hilfe des, der ein Lügner und ein Vater aller Lügen ist, ein Gesetz lassen ausgehen, voller Lügen und Unrechts, doch mit dem Schein, als wäre es aus dem Munde Gottes gesprochen, dasselbe hat er genannt Alcoran" [55]
"Nachdem ich über viel Meer und durch viel Wüste gereiset, bin ich auch gen Babylon, die herrliche Stadt der Sarracener, gekommen; da sie denn ihre hohen Schulen haben, die sehr groß sind. Daselbst lernet ich die arabische Schrift und Sprache, und disputierte ohn Unterlass und aufs aller fleißigste mit jenen Doktoren und Gelehrten, befand aber je mehr und mehr, wie gar ein schändlich Gesetz der genannte Alcoran ist. Fing auch an dasselbe in lateinische Sprache zuverdolmetschen. Aber da fanden sich so viel mehr Lügen, Lästerungund immer ein unnütz gewäsch am andern, dass ich mit großer Traurigkeit überschüttet ward." [56]
Zur "communicatio idiomatum" schreibt Cusanus: "Wir haben im vorhergehenden gezeigt, dass der Mensch Jesus, der Größte, nicht eine von der Gottheit getrennt in sich bestehende Person haben konnte, eben weil er der Größte war. Da diese Menschheit um der höchsten Einung willen von der Gottheit untrennbar, gleichsam von ihr angezogen und aufgenommen war, und ausserhalb nicht auf personale Weise existieren konnte, nimmt man eine gegenseitige Verbindung und Mitteilung der Eigentümlichkeiten an, so dass Menschliches mit Göttlichem koinzidiert." [57]

"Communicatio idiomatum" ist ein christlicher Grundbegriff, der folgendes bezeichnet: Die göttliche Natur weist infolge der in hypostatischer Union in der Person Christi geeinten zwei Naturen auch menschliche Eigenschaften auf wie auch die menschliche Natur göttliche aufweist. Die Lehre von der "communicatio idiomatum" wurde bereits seit der Väterzeit vorbereitet, z.B. bei Augustinus, Gregor von Nyssa, Thomas von Aquin. Dazu im Gegensatz steht der als häretisch verurteilte Nestorianismus, der von zwei Personen und zwei Naturen in Christus redete. [59]

Es gibt keine Auferstehung des Menschen zum vernunfthaften Leben ausser in der Weisheit ("non resurgit homo ad vitam intellectualem nisi in sapientia"). Die Weisheit, an der die vernunftbegabten Wesen teilhaben, hat ihr Lehramt im Messias. Auf die Mittlerschaft Christi kommt es an. Darum ist Christus der Lehrmeister, der unserer Vernunft Richtschnur und Wort des Lebens ist, der Offenbarer alles dessen, was in der Schatzkammer der Weisheit Gottes ("in thesauro sapientiae dei") enthalten ist, der Verkünder des Vaters, der die Quelle seiner Weisheit und Herrlichkeit ist.; diese Kunde bewirkt das vernunfthafte In-sich-aufnehmen der Weisheit, das ihn, den Menschen, ewig lebendig und ihn Christus ähnlich macht. Und das bedeutet glücklich zu sein und in der besten aller möglichen Welten zu leben. Das sind die unumstößlichen Verheißungen Christi für alle, die ihn annehmen ("haec sunt promissa Christi omnibus ipsum recipientibus firmissima"). [60]

"Die Weisheit aber, an der alle vernunftbegabten Wesen teilhaben, hat ihr Lehramt im Messias. Durch Teilhabe also an dieser Lehre lebt jeder, der in Christus aufersteht, ist er doch selbst die ersehnte Auferstehung und das Leben." -  Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani II, 17
Nachdem das Schattenbild der Wahrheit des Menschen, der in der Zeit erschien, verschwunden war, erstand auf diese Weise der wahre, von allem zeitlichen Leiden losgelöste Mensch; so erstand wahrhaft und jenseits aller zeitlichen
Bewegung, derselbe Jesus – der fernerhin nicht mehr sterben wird – durch die über alle zeitliche Bewegung erhabene Vereinigung der Seele mit dem Körper. Ohne sie wäre die Wahrheit des unzerstörbaren Menschseins ("veritas humanitas incorruptibilis") nicht wahrhaft und unvermischt mit der Natur der göttlichen Person hypostatisch vereint gewesen.  [61]

Veritas, imago, signum, umbra gehören zur Terminologie der Ideenlehre des Platonismus. Wie die Idee überzeitlich und unveränderlich gedacht wird, so wird hier auf die Unvergänglichkeit des exemplarischen Urbildes hingewiesen.  [62]

"Die Wahrheit aber, wie sie zeitlich eingeschränkt ist, ist gleichsam Zeichen und Abbild der überzeitlichen Wahrheit. Die zeitlich eingeschränkte Wahrheit des Körpers ist gleichsam der Schatten der überzeitlichen Wahrheit des Körpers und so ist auch die eingeschränkte Wahrheit der Seele wie ein Schatten der von der Zeit losgelösten Seele; während sie in der Zeit ist, in der sie ohne Vorstellungsbilder nichts begreift, erscheint sie eher als Sinnlichkeit oder als Verstand, denn als Geist. Über die Zeit erhoben ist sie Geist und von dem andern frei und losgelöst." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 7

Himmelfahrt ("ascension"); durch Christus nimmt unsere menschliche Natur der Art der Menschheit entsprechend Unsterblichkeit an ("Christus, per qem secundum humanitatis naturam immortaltatem nostra humana natura contraxit"); Irrglauben der Sarazenen (Muslime)

Nun ist es leicht einzusehen, dass Christus der Erstgeborene von den Toten ist. Da die menschliche Natur in der Zeit noch nicht zum Größten gelangt und nicht, wie in Christus, dem Unvergänglichen und Unsterblichen vereint gewesen war, konnte niemand vor ihm auferstehen. Denn alle waren machtlos, bis dass jener kam, der sagte: «Ich habe die Macht, mein Leben hinzugeben und wieder zu nehmen.» In Christus, dem Erstling der Entschlafenen, nahm die menschliche Natur Unsterblichkeit an. [63]

Obwohl es für alle Menschen nur ein Menschsein gibt, so gibt es dennoch mannigfaltige und verschiedene Individuationsprinzipien ("principia individuantia"), die das Menschsein zu dieser oder jener Einzelsubstanz einschränken; und zwar so, dass es in Jesus Christus nur ganz vollkommene, ganz mächtige und der Wesenheit des Menschen, das mit der Gottheit geeint war, ganu nahestehende Prinzipien waren. In deren Kraft war Christus fähig, aus eigener Machtvollkommenheit aufzuerstehen; weil diese ihm von der Gottheit zukam, sagt man, dass Gott ihn von den Toten erweckt habe. Als Gott und Mensch ist er aus eigener Machtvollkommenheit erstanden, und keiner ausser ihm wird, es sei denn in der Kraft Christi, der auch Gott ist, wie Christus auferstehen können. [64]

Es ist also Christus, durch den unsere menschliche Natur der Art der Menschheit entsprechend Unsterblichkeit annimmt ("Christus, per qem secundum humanitatis naturam immortaltatem nostra humana natura contraxit") und durch den wir jenseits der Zeit, wenn die Veränderlichkeit und Bewegung, in deren Machtbereich wir geboren sind, aufhört, zu seiner Ebenbildlichkeit auferstehen werden.  In Christus hat die Natur Unsterblichkeit angenommen. Alle werden durch Christus auferstehen, aber nicht alle wie Christus; und sie werden in ihm vereint sein, aber nur jene, die durch Glaube, Hoffnung und Liebe mit Christus vereint sind ("nisi illi qui sunt Christi per fidem, spem et caritatem").  [65]

"Man sieht,  dass es keine vollkommene Religion, die die Menschen zu dem letzten so sehr ersehnten Ziel des Friedens führt, geben kann, die Christus nicht als Mittler und Erlöser, Gott und Mensch, Weg, Leben und Wahrheit liebend umfasst. Wie unstimmig ist der Irrglaube der Sarazenen! Sie bekennen, dass Christus als der größte und vollkommenste Mensch von der Jungfrau geboren und lebendig in den Himmel aufgenommen wurde und leugnen, dass er Gott ist. Sie sind vollkommen verblendet, weil sie Unmögliches behaupten. Daraus kann jeder vernünftige Mensch sonnenklar erkennen, dass ein über alles vollkommener und größter, auf übernatürliche Weise aus der Jungfrau geborener Mensch zugleich auch Gott sein muss. Ohne Verstand (sine ratione) verfolgen sie das Kreuz Christi und kennen seine Geheimnisse nicht. Darum werden sie auch nicht die göttliche Frucht seiner Erlösung verkosten, noch erwarten sie nach dem Gesetz ihres Mohammed (ex lege sua Machomieti), das nichts anderes als die Erfüllung sinnlicher Begierde verheisst." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 8
Muhammad konnte natürlich nicht mehr Thomas von Aquin oder Johannes Scotus Eriugena lesen, dann hätte er vielleicht die Zusammenhänge verstehen können. Danach kann nämlich ein Geschöpf nicht von derselben Natur sein wie der Schöpfer. Der Koran zieht den Schluss, es sei unmöglich, dass Gott einen Sohn habe, der ein von ihm verschiedener Gott sei; gegen diese Schlussfolgerung haben die Christen nichts einzuwenden. Der Koran leugnet aber die Gottessohnschaft Christi, mag er ihn auch über alle anderen Propheten stellen. "Ich frage dich, der du dem Koran ergeben bist: Warum wird bestritten, dass der Messias der Sohn Gottes ist, wenn im Evangelium, das von dir anerkannt wird, des öfteren steht, dass Christus der Sohn Gottes ist...Man fragt sich verwundert: Wann soll denn Christus vor Gott beschuldigt worden sein, sich Gott genannt zu haben, und wie hätte Muhammad dabei sein können, der doch nach eigenem Bekunden den unsichtbaren Gott niemals gesehen hat?" [66] 

Wenn diejenigen, die in der Lage sind, Gottes Wort aufzunehmen, als Götter bezeichnet werden, dann steht ausser Zweifel: Wen der Vater von Ewigkeit her geheiligt und in der Zeit in die Welt gesandt hat, der lästert nicht, wenn er sich Gottes Sohn nennt. Denn der Vater als Vater zeugt, heiligt und sendet niemanden als nur den Sohn, der, gleich ewig mit dem Vater, zuvor - vor seinem Eintritt in die Welt - vom Vater geheiligt und danach in die Welt gesandt wurde. Das man das aber erkennen kann, zeigen seine Werke, die kein Mensch vor ihm getan hat, und zwar so, "dass sie keiner menschlichen Natur oder einem Geschöpf zugeschrieben werden können, sondern nur dem Schöpfer. Wenn also der Vater als Schöpfer nicht in Christus wäre, wie hätte dann Christus seine Werke tun können? Die Wesenheit des Vater, die alles wirkt, war also in Christus." Ebenso kann man sagen, wenn man die Urheberschaft des Sendenden als sendende und die gleiche Urheberschaft in dem Gesandten sieht, auch den Gesandten, zumal ja wegen der Gleichheit der Sendende in dem Gesandten und der Gesandte in dem Sendenden ist. [67] 

Die menschliche Wesenheit ist nicht mit dem Menschen identisch, während die göttliche Wesenheit der Gottheit mit Gott identisch ist. Daher ist der Sohn eines Menschen, auch wenn er von derselben menschlichen Natur wie der Vater ist, dennoch nicht derselbe Mensch, sondern ein anderer; der Sohn Gottes jedoch ist derselbe Gott wie der Vater und kein von ihm Verschiedener. Christus ist somit das ewige ungeschaffene Wort ("verbum aeternum increatum"). Es ist kein sinnenfälliges Wort, sondern vielmehr ein vernunfthaftes ("intellectuale"). Wenn die Vernunft nicht auf ihren Begriff schaut, den sie auf vernunfthafte Weise, wie der Erbauer eines Hauses auf das Wort beziehungsweise den Begriff schaut, durch den er baut. Die vernunfthafte Natur formt also alles durch ihr Wort, und sie formt es auch erneut durch ihr Wort. Der Baumeister formt das Haus durch sein Wort; und wenn es einstürzt, formt er es durch dasselbe Wort von neuem. So kann auch Gott durch sein Wort je neu formen ("deus sic per verbum format et reformat."). Dieses Wort wird auch Weisheit genannt; Gott schafft nämlich alles durch seine Weisheit ("omnia enim deus per sapientiam facit"). Muhammad und seine Saracenen wollte den ungebildeten Heiden jede Form von Polytheismus austreiben und ihnen keinen Anlaß zum Irrtum geben, deshalb konnten weder er noch seine Saracenen die vernunfthafte Sohnschaft ("filiationem intellectualem") begreifen, da sie es nicht anders verstehen konnten als sie in der Sinnenwelt erscheint. [68] 

Jesus Christus ist als Messias der wahre Sohn Gottes ("Messias est dei verus filius"). Als Gott war er also von derselben Natur wie der Vater, bevor es überhaupt ein Geschöpf gab; "wenn er nämlich schon zu dem Zeitpunkt existierte, als es nichts ausser der göttlichen Natur gab, war er gewiss von jener Natur und folglich Gott." Daher sagt der Prophet Jesaja: "Gott selbst wird kommen und uns retten, dann werden die Augen der Blinden sehen und die Ohren der Tauben hören." Nicht die alttestamenlichen Schriften enthüllen die Ankunft des Messias in Christus; erst durch die neutestamentliche Offenbarung und im Licht dieser Offenbarung ist ein solches Verständnis möglich: "Die ganze Zeit vor Christus ist gleichsam Empfängniszeit der Wahrheit, sofern die Wahrheit unter dem Buchstaben verborgen ist und man sie nicht sieht, obwohl sie ungeteilt und vollständig vorhanden ist ... und keine andere Wahrheit als die des Neuen Testamentes, sondern dieselbe. Das eine Mal ist sie verborgen wie im Mutterschoße, noch nicht erkannt oder gesehen, das andere Mal ist sie geboren und sichtbar geworden nach Entfernung des Buchstabenschleiers. " Erst Christus hat das Innere oder den Geist des Buchstabens erschlossen. Er selbst ist ja das Wort, das in der Schrift verborgen war. [69] 

Es ist nicht schwierig, das als wahr einzusehen; denn dass der Messias in diese Welt kommen werde, haben die Propheten schon vor seiner Geburt vorhergesehen, und die Juden es geglaubt, so wie sie heute noch an sein Kommen glauben. Sie haben die göttliche Kraft und Macht im Geist erblickt, von der sie erwarteten, dass sie in dem Menschen eingehen und sich in der Welt offenbaren werde. Und wie sie es glaubten und vorhersagten, so geschah es ("Et sicut crediterunt et prophetarunt, ita factum est"); der Messias, der von Maria geboren worden ist, war kein anderer als der, den die Seher oder Propheten vorhergesehen haben; vielmehr ist eben derselbe, den sie im Geist als von Ewigkeit her geschaut haben, in der Zeit erschienen ("mente in aeternitate contemplati sunt, in tempore apparuit"). [70]

Das Wort also, das in der Jungfrau Maria die menschliche Natur angenommen hat, war kein anderes Wort als das allmächtige Wort des "allmächtigen Gottes, des Vaters, den keine Natur zu fassen vermag." Jesus Christus hat sich also als der Christus und Gesandte geoffenbart, mit aller Kraft und Macht Gottes zum Heile der Menschen. In der Verklärung Christi wird es noch einmal verdeutlicht: "Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!" Und es beinhaltet nämlich einen Widerspruch, einerseits Jesus als Christus und das Evangelium als wahr zu bestätigen und andererseits zu leugnen, dass Christus der Sohn Gottes ist. [71]

Die Leugnung der Gottheit Christi ("Christum deum negant") durch die jüdische und islamische Lehre, auch dass sie das Mysterium leugnen ("mysteria crucis Christi ignoravit"), und dass im Gegensatz zu den kritisierten Lehren der Araber und Juden, der Glaube an die Gottmenschheit Jesu Christi erforderlich ist, behandelt auch Alanus ab Insulis.  [72]

"Und was ich für noch sonderbarer halte, ist, dass die Juden ebenso wie die Sarazenen an eine allgemeine, zukünftige Auferstehung glauben, aber die Möglichkeit durch den Menschen, der auch Gott ist, nicht zulassen." -  Nicolaus Cusanus, De docta III, 8 
"Da der Glaube an die Auferstehung zugleich auch die Bezeugung der Gottheit und Menschheit Christi, die Bejahung seines Todes und seiner Auferstehung ist – Christus ist ja, wie wir gesagt haben, der Erstgeborene von den Toten – sind alle mit Blindheit geschlagen, die an die Auferstehung glauben, Christus jedoch, der sie allein möglich macht, leugnen. Er ist nämlich auferstanden (resurrexit), damit er so durch die Himmelfahrt (ascensionem ad caelos) in die Herrlichkeit eintrete. Dieser Aufstieg, glaube ich, muss jenseits aller vergänglichen Bewegung und jenseits von allem Einfluß der Himmelskörper verstanden werden, denn, obwohl Christus seiner Gottheit entsprechend überall ist, so ist sein Ort dort, wo es keine Veränderung, Leiden, Traurigkeit und alles übrige, das der Zeitlichkeit eigen ist, gibt. Von diesem Ort ewiger Freude und ewigen Friedens sagen wir, dass er über den Himmeln sei, wenn er sich auch in Wirklichkeit an einem Ort befindet, der weder begreiflich noch beschreibbar oder begrenzbar ist.  Er ist Mittelpunkt und Umkreis der geistigen Natur und, da das Geistige alles umfasst, über allem; in den heiligen, geistigen Seelen und den vernünftigen Geistern, welche die Himmel sind, die seine Herrlichkeit verkünden, ruht er gleichsam wie in seinem Tempel." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 8 
"So sehen wir, dass Christus über jeden Ort und jede Zeit zu unvergänglichem Aufenthalt emporgestiegen ist, und zwar darin, daß er, um alles zu erfüllen, sich über alle Himmel erhob. Als Gott ist er alles in allem. Da er die Wahrheit ist, herrscht er in jenen geistigen Himmeln und befindet sich diesem Ort gemäß im Umkreis nicht mehr als im Mittelpunkt, da er der Mittelpunkt und das Leben aller vernünftigen Geister ist. Deshalb auch bezeugt er, der Lebensquell und das Endziel der Seelen, dass dieses Himmel reich in den Menschen sei." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 8 


Die Bezeichnung der "heiligen verstandesbegabten Seelen" und der "vernunftbegabten Geister" als Himmel (caeli) ist auch in der scholastischen Tradition üblich. Insbesondere Thomas von Aquin und ohannes Scotus Eriugena behandeln dieses Thema. [73]
 

Christus ist Richter der Lebenden und der Toten ("Christus iudex est vivorum et mortuorum")

Christus, Haupt und Ursprung jeder vernünftigen Kreatur ist die größte Vernunft selbst. von der jede Vernunft seinen Usprung nimmt. Die verständige Vernunft bewirkt ein unterscheidendes Urteil. Daher ist derjenige mit Recht Richter über Lebende und Tote, der mit allen vernünftigen Geschöpfen die Vernunftnatur des Menschen annahm und doch Gott, der Vergelter aller, blieb. Jenseits aller Zeit richtet er durch sich und in sich alles, da er als der größte Mensch alles umfasst. In
ihm ist alles, weil er Gott ist. Als Gott ist er das unbegrenzte Licht, in dem es keine Finsternis gibt; das Licht, das alles erleuchtet, so dass alles im Lichte selbst für dieses Licht völlig offenbar ist. [74]
Wie das körperliche Licht die Hypostase aller Farben ist, so schliesst dieses überzeitliche, unendliche, geistige Licht, das Gegenwärtige wie das Vergangene, das Lebende wie das Gestorbene in sich ein. Christus aber ist wie das reinste Feuer, das untrennbar vom Licht ist und nicht in sich, sondern im Licht Bestand hat; er ist jenes Feuer des Geistes und des geistigen Lebens, das alles verzehrend und in sich aufnehmend, bewertet und richtet."  - Nicolaus Cusanus, De docta III, 9

"Da dieses unendliche Licht die Ewigkeit und Wahrheit selbst ist, muss das vernünftige Geschöpf, das von ihm erleuchtet zu werden begehrt, sich über dieses Irdische und Vergängliche hinaus dem Wahren und Ewigen zuwenden. Das Körperliche und Geistige verhält sich zueinander gegensätzlich. Die vegetative Kraft ist körperlich. Sie verwandelt die von aussen aufgenommene Nahrung in die Natur des Ernährten; das Lebewesen wird nicht in Brot verwandelt, sondern umgekehrt. Der vernunfthafte Geist (Spiritus autem intellectualis) aber, dessen Tun jenseits der Zeit gleichsam im Horizont der Ewigkeit (horizonte aeternitatis) liegt, kann, wenn er sich dem Ewigen zukehrt, dieses nicht in sich selbst verwandeln, da es ewig und unvergänglich ist. Er kann sich auch nicht, da er unvergänglich ist, so in dieses verwandeln, dass er aufhörte, vernünftige Substanz zu sein. Er verwandelt sich vielmehr so in es, dass er in die Ähnlichkeit des Ewigen aufgenommen wird; dies geschieht stufenweise, so dass er, je mehr und je glühender er dem Ewigen zugekehrt ist, um so stärker und tiefer vom Ewigen vollendet und sein Sein im ewigen Sein geborgen wird. Da Christus unsterblich ist, lebt und das Leben und die Wahrheit ist, wendet sich jeder, der sich ihm zukehrt, dem Leben und der Wahrheit zu. Und je inniger er das tut, um so weiter erhebt er sich vom Irdischen und Vergänglichen zum Ewigen, so dass sein Leben in Christus geborgen ist."  - Nicolaus Cusanus, De docta III, 9

Wer sich daher in diesem Leben Christus, durch den Glauben zuwendet, der wird, wenn er von diesem zeitlichen Leben erlöst ist, in der Reinheit des Geistes ("in puritate spiritus") erfunden werden, so dass er in die Freude ewigen Erkennens ("aeternae apprehensionis") eintreten kann. [75]

Die Hinwendung unseres Geistes geschieht dann, wenn er sich mit allen seinen Geistkräften ("omnes suas potentias intellectuales") der reinsten, ewigen Wahrheit in seinem Glauben zuwendet, dem er alles nachordnet, solche Wahrheit als allein liebenswürdig erwählt und liebt. Die durch festen Glauben zustande kommende Umkehr zur Wahrheit, die Christus ist, bedeutet zum Sieg gelangen. [76]

"Wie nämlich jeder Liebende in der Liebe ist, so ist jeder, der die Wahrheit liebt, in Christus. Und wie jeder Liebende durch die Liebe Liebender ist, so lieben alle, die die Wahrheit lieben, diese durch Christus. Daher weiß niemand die Wahrheit, es sei denn, der Geist Christi wäre zuvor in ihm. Und wie es unmöglich ist, ein Liebender zu sein ohne Liebe, so ist es unmöglich, Gott ohne den Geist Christi zu haben, in dessen Geist allein wir Gott anbeten können. Deshalb sind die Ungläubigen, die sich Christus nicht zugewandt haben, des Lichtes, das uns zur Herrlichkeit verwandelt, unfähig; sie sind schon abgekehrt vom Leben, das Christus ist, in dessen Fülle allein alle durch Einung in Herrlichkeit gesättigt werden, zur Finsternis und zum Schatten des Todes verurteilt." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 9

"Denn Gott liebt niemand, er bliebe denn bei der Weisheit." - Sap 6, 28

"Denn Gott ist beiden gleich feind, dem Gottlosen und seinem gottlosen Geschäfte und das Werk wird samt dem Meister gestraft werden. Darum werdenauch die Götzen der Heiden heimgesucht; denn sie sind aus der Kreatur Gottes zu Greuel und zum Ärgernis den Menschenseelen und zum Strick der Unverständigen geworden." - Sap. 14, 9-11

"Denn den schändlichen Götzen dienen ist alles Bösen Anfang, Ursache und Ende. Halten sie Feiertage, so tun sie, als wären sie wütend; weissagen sie, so ist's eitel Lügen. Sie leben nicht recht, schwören falschen Eid. Denn weil sie glauben an die leblosen Götzen, besorgen sie keinen Schaden, wenn sie falsch schwören. Doch wird für beides das Recht über sie kommen: dafür, dass sie nicht recht von Gott halten, weil sie auf die Götzen achten, und dafür, dass sie unrecht und falsch schwören und achten kein Heiliges." - Sap. 14, 27-30

"Und auch die Heiden werden sich bekehren, dass sie Gott den Herrn wahrhaftig fürchten, und werden ihre Götzen verlassen und gen Jerusalem kommen und da wohnen." - Tob. 14, 8

"Sie rühmen wohl viel von der Weisheit, aber wissen wenig darum." - Ekkli. 6, 23

"Denn sie ist fern von den Hofförtigen, und die Heuchler wissen nichts von ihr. Das Lob Gottes ist nicht lieblich im Munde des Gottlosen; denn es kommt nicht vom Herrn." - Ekkli. 15, 8-9 

"Arglistigkeit ist nicht Weisheit, und der Gottlosen Tücken sind keine Klugheit; sondern es ist eine Bosheit und Abgötterei und eitel Torheit und Unweisheit." - Ekkli. 19, 19-20

"Wer sich aber darauf geben soll, dass er das Gesetz des Höchsten lerne, der muss die Weisheit aller Alten erforschen und in den Propheten studieren." - Ekkli. 39, 1

"Die Kinder Hagars forschen der irdischen Weisheit zwar wohl nach, desgleichen die Kaufleute von Merran und die zu Theman, die sich klug dünken; aber sie treffen doch den Weg nicht, der zur Weisheit führt." Baruch 3, 23

Wenn der Geist, losgelöst von diesem Körper, in dem er den Meinungen der Zeit unterworfen ist, nicht zum ersehnten Ziel gelangt, sondern vielmehr in seinem Streben nach Wahrheit, in Unwissenheit fällt – obwohl er mit tiefstem Begehr nichts anderes ersehnt als nicht in Spiegel oder Zeichen, sondern von Angesicht zu Angesicht die Wahrheit in Gewißheit zu begreifen – wenn er dann wegen seiner Abkehr von der Wahrheit (aversionem ipsius a veritate)  in der Stunde der Trennung und wegen seiner Hinkehr zum Vergänglichen dem vergänglichen Begehr anheimfällt, der Unsicherheit und Verwirrung hin zum schattenhaften Chaos bloßer Möglichkeit, wo es nichts Gewisses in der Wirklichkeit gibt, dann sagt man mit Recht, er sei in den geistigen Tod herabgesunken. (confusionem in ipsum tenebrosum chaos merae possibilitatis, ubi nihil certi actu, recte ad intellectualem mortem descendere dicitur). [77] 
"Erkennen ist das Sein der geistigen Seele; das Ersehnte zu erkennen, ihr Leben. Ebenso wie es für sie ewiges Leben bedeutet, das Letzt-Erstrebte, Beständige, Ewige zu erfassen, bedeutet es darum auch ewigen Tod (mors aeterna separari) für sie, von jenem uveränderlichen Ersehnten getrennt und in dieses Chaos der Verwirrung gestürzt zu werden, wo sie mit immerwährendem Feuer gequält wird; und zwar auf eine Art, die von uns nicht anders verstanden werden kann, als dass die Seele, nicht nur der Lebensspeise und Gesundheit beraubt, sondern auch der Hoffnung, sie einst zu erlangen, gequält wird, so dass sie in immerwährendem Todeskampf stirbt. Dies ist ein Leben, trübseliger als alles, was man denken kann: ein Leben, das als Leben Tod ist; als Sein Nicht-Sein; als Erkennen Nichts-Wissen." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 10

Die Geheimnisse des Glaubens ("Mysteria fidei"); Glaube als Anfang des Erkennens ("fidem initium esse intellectus"); Irrtum in den Prinzipien und die Schwäche im Fundament (Error pricipiorum et fundamenti debilitas)

Nach Nicolaus Cusanus, Anselm von Canterbury und Augustinus bezeugten alle unsere Vorfahren einstimmig, dass der Glaube der Anfang des Erkennens ("fidem initium esse intellectus") sei. In jedem Gebiet des Könnens werden gewisse Dinge, die allein durch den Glauben begriffen werden, als erste Prinzipien ("Pricipia prima") vorausgesetzt; aus ihnen gewinnt man die Einsicht in das, was behandelt werden soll. Jeder, der zum Wissen aufsteigen will, muss notwendig an
das glauben, was ihm diesen Aufstieg ermöglicht. Isaias sagt: «Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr nicht erkennen.» Der Glaube also schliesst in sich alles einsichtig Erkennbare ein. Das vernünftige Denken aber ist die Entfaltung des Glaubens.
Es wird vom Glauben geleitet und der Glaube von ihm ausgebreitet. [78] 
"Wo also kein richtiger Glaube ist, ist keine wahre Erkenntnis. Zu welchen Schlußfolgerungen der Irrtum in den Prinzipien und die Schwäche im Fundament (Error pricipiorum et fundamenti debilitas)  führen, ist offenbar. Kein Glaube aber ist vollkommener als die Wahrheit selbst, Jesus Christus." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11

"Glaubet ihr nicht, so bleibt ihr nicht" - Is 7, 9

Wer würde nicht einsehen, dass ein richtiger Glaube das herrlichste Geschenk Gottes ist? Der Apostel Johannes sagt, dass der Glaube an das fleischgewordene Wort Gottes uns in die Wahrheit einführe, so dass wir Söhne Gottes werden;
dies erschliesst er im Prolog schlicht und einfach; dann zählt er, dem Glauben gemäß, viele Werke Christi auf, damit der Intellekt im Glauben erleuchtet werde. Daher schliesst er am Ende und sagt: «Dies ist geschrieben worden, damit ihr
glaubet, dass Jesus der Sohn Gottes ist.» [79] 

Der heilige Glaube an Christus, der in Einfachheit fest begründet ist, kann stufenweise immer weiter entwickelt und entfaltet werden. Die größten und tiefsten Geheimnisse Gottes bleiben denen verborgen, die in der Welt wandeln, mögen sie noch so weise sein, und werden den Kleinen und Demütigen im Glauben Jesu offenbar: denn Jesus ist es, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verborgen sind und ohne den niemand etwas tun kann. Denn er ist das Wort und die Macht, durch die Gott die Zeiten schafft, allein der Höchste und mächtig über alles, was im Himmel und auf Erden ist.  [80] 

Die Christgläubigen ("Christfideles") werden zu dem Berg geführt, der Christus ist; aber ihn zu berühren hindert uns unsere sinnenhafte Natur; und sobald wir versuchen, ihn mit unseren geistigen Augen ("oculi intellectuali") zu sehen, geraten wir in Dunkelheit, wissend, dass in ihr jener Berg ist, auf dem allein es für alle, die starken Geistes sind, schön ist zu wohnen. Wenn wir ihm mit der Standhaftigkeit größeren Glaubens nahen, werden wir den Augen jener, die im Sinnlichen verweilen, entrückt; dann vernehmen wir mit innerem Ohr die Stimme, den Donner und die furchterregenden Zeichen seiner Majestät und erkennen sogleich, dass er allein der Herr ist, dem das Universum gehorcht; allmählich gelangen wir zu einigen seiner unvergänglichen Fußspuren, sozusagen zu gewissen Zeichen des Göttlichen ("divinissimos characteres"). Dort hören wir nicht mehr die Stimme sterblicher Geschöpfe, sondern in heiligen Werken und Zeichen von Propheten
und Heiligen ("signis prophetarum et sanctorum audientes")" vernehmen wir die Stimme Gottes selbst und sehen ihn wie durch eine weniger dichte Wolke deutlicher. [81] 

Dann werden die Christgläubigen, die in brennendem Verlangen unaufhörlich emporstreben, zur vollkommen einfachen Geistigkeit oder Vernunftschau ("intellectualitatem simplicem") entrückt, indem sie alles Sinnliche überschreitend,
vom Schlaf zum Wachen, vom Hören zum Sehen gelangen; dort schauen sie, was nicht geoffenbart werden kann, da es jenseits allen Vernehmens und aller Belehrung der Sprache steht. In der Skala der gedanklich und brgrifflich unterschiedenen Erkenntnisvermögen sind folgende zu nennen: sinnliches Wahrnehmungsvermögen (sensus), Vorstellungs- und Erinnerungsvermögen (imagination, memoria), diskursives Verstandesdenken (ratio), abstraktes Vernunftdenken (intellectus) und Intelligenzdenken, Geistigkeit (intelligentia, intellectio, intellectualitas oder intellectibilitas). [82] 

"Denn wenn das dort Geoffenbarte gesagt werden sollte, würde das Unsagbare gesagt, das Unhörbare gehört, wie dort das Unsichtbare gesehen wird. Der in Ewigkeit gebenedeite Jesus nämlich, Ziel aller geistigen Schau, weil er die Wahrheit ist, Ziel aller sinnenhafter Erkenntnis, weil er das Leben ist, schliesslich Ziel allen Seins, weil er Gott und Mensch ist, die Vollkommenheit jeder Kreatur ist, wird dort als die Ziel-Grenze jeden Wortes auf unbegreifliche Weise vernommen. Jedes Wort nimmt von ihm seinen Ausgang und findet in ihm sein Ziel. Was an Wahrheit in ihm ist, stammt von ihm. Jedes Wort ist auf Wissen hingeordnet: also auf den, der die Weisheit selbst ist. «Alles was geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben.» Die Worte werden mit Hilfe der Schrift dargestellt. «Im Wort des Herrn sind die Himmel begründet.» Alles Geschaffene ist also Zeichen von Gottes Wort. Jedes körperlich hervorgebrachte Lautwort ist Zeichen des geistigen Wortes. Der Grund jeden geistigen Wortes, das vergänglich ist, ist das unvergängliche Wort, der Bestimmungs- und Vernunftgrund (verbum incorruptible, quod es ratio). Als fleischgewordenes Wort ist Christus der inkarnierte Vernunftgrund aller Gründe (incarnata ratio omnium rationum). Er ist das Ziel von allem."  - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11
Begriffliches Geistwort und lauthaftes Zeichen haben ihren Ursprung im fleischgewordenen Wort (verbum incarnatum) oder im göttlichen Logos, der zugleich als ratio rationum bezeichnet wird. Da nach Cusanus, Albertus Magnus und anderen Denkern die ganze Schöpfung als Zeichen mit Hinweischarakter auf Gott aufgefasst wird, ist alles Erschaffene gleichfalls Zeichen und Sprache, in der Gott sich mitteilt und erkannt werden kann. Derartiges wird dem, der im Glauben zu Christus emporsteigt, stufenweise offenbar. Die göttliche Wirksamkeit dieses Glaubens ist unerklärbar; denn sie eint den Glaubenden, wenn der Glaube groß genug gewesen ist, mit Christus, so dass er über alles das erhaben ist, was sich nicht in der Einheit mit Jesus befindet. Ist sein Glaube in der Kraft Christi, dem er vereint wird, unversehrt, so wird er Macht haben über die Natur und über das Geschehen und auch den bösen Geistern gebieten ("spiritibus malignis imperat"). Und das Wunderbare vollbringt nicht er selbst, sondern Jesus, der in ihm und durch ihn wirkt. Dies zeigen die Taten der Heiligen. [83] 
"Der vollkommene Glaube an Christus muss ganz rein, groß und, soweit dies nur möglich ist, in der Liebe vollendet und lebendig sein. Denn da er der Glaube an die reinste, allmächtige Wahrheit ist, duldet er nicht, dass irgend etwas mit ihm vermischt wird. Im Vorhergehenden wurde wiederholt bedacht, dass das Kleinste mit dem Größten koinzidiert. Ebenso verhält es sich auch im Glauben; er ist das einfachhin Größte in Sein und Können. Ihn kann es in einem Erdenwanderer nur geben, wenn dieser zugleich auch im Besitz der Anschauung ist (comprehensor), wie Jesus .Bei diesem Erdenwanderer, der den tiefsten Glauben an Christus wirklich besitzen will, muss der Glauben zu einem solchen Grad unbezweifelter Gewißheit erhoben sein, dass er zugleich auch der geringste Glaube ist, jedoch als höchste Gewißheit und ohne irgendwelches Schwanken."  - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11
In der christlichen Literatur wird unter viator der Wanderer, der Pilger zum himmlischen Vaterland verstanden, der der ewigen Seligkeit zustrebt im Gegensatz zum comprehensor, der diese Seligkeit bereits besitzt und deshalb Besitzer Gottes und der himmlischen Seligkeit genannt wird. [84] 
"Denn wenn jeder Lebende zu leben und jeder Erkennende zu erkennen strebt, wie könnte man an Jesus, das unsterbliche Leben und die unendliche Wahrheit glauben, wenn er nicht in höchstem Maße geliebt wird? Das Leben ist durch sich liebenswert. Und wenn man an Jesus, als an das ewige Leben ganz glaubt, ist es unmöglich, ihn nicht zu lieben. Denn ohne Liebe gibt es keinen lebendigen Glauben, sondern einen toten, der überhaupt kein Glaube ist. Die Liebe aber ist für den Glauben die Gestalt, die ihm wahres Sein verleiht, sie ist das Zeichen des festen Glaubens." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11
Dies ist auch der Grund, warum der Glaube der Muslime nur ein toter und damit gar kein Glaube ist. und ihr ewiges Beten und die Pilgerfahrten vollkommen sinnlos sind. Ohne die heilige Hoffnung, Jesus selbst zu kosten, kann der Glaube nicht groß sein. Denn wie könnte jemand Christus glauben, dass er die Wahrheit sei, ohne die Hoffnung auf die ihm von Christus gegebenen Verheißungen? [85] 
Wer, glaubst du, ist dieser Geist, in dem Christus durch den Glauben wohnt? Was ist das für ein wunderbares Geschenk Gottes, dass wir während dieser Pilgerschaft im gebrechlichen Fleisch durch die Kraft des Glaubens zu jener Macht über alles erhoben zu werden vermöchten, was nicht kraft der Vereinigung Christus ist? - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11
Neben dem toten Glauben der Muslime wenden sich Cusanus; Thomas von Aquin und andere Philosophen gegen jede Art von Aberglaube (superstitio) wie Götzendienst (idolatria), Weissagung aus der Hand (chiromantia), Weissagungen mit den Geistern der Toten (necromantia), Transformationen von Menschen in Tiere (transmuatationes), Wündertätern und falschen Propheten, die zu Abfall vom wahren Gott verführen. [86] 
"Und nichts sind jene Hirngespinste der Magier, die behaupten, der Mensch könne mittels gewisser Handlungen durch den Glauben zu einer bestimmten Natur von Geistern emporsteigen, die auf ihn Einfluß ausübten und von gleicher Natur seien, so dass sie durch die Kraft dieser Geister, mit denen sie im Glauben vereint sind, und durch Offenbarung geheimer Dinge, viele einzigartige Wunderdinge im Feuer oder im Wasser oder durch Kenntniss von Harmonien, durch scheinbare Verwandlungen, durch Sichtbarmachen verborgener Dinge und durch ähnliches bewirken. Es ist offenbar, dass in alledem Verführung und Verlassen von Leben und Wahrheit steckt (Omnibus seductionem esse et recessum a vita et veritate)..Deshalb verbinden sich solche Menschen mit den bösen Geistern zu Bündnis und Einheitsvertrag dergestalt, dass sie, was sie glauben, auch in Beräucherung und Anbetung, die Gott allein zukommen, tatsächlich zeigen. Das bringen sie in großer Verehrung und in Gehorsam den Geistern dar, als ob diese fähig wären, ihre Bitten zu erfüllen und sich durch solche Bannsprüche rufen ließen. Mitunter erhalten sie auch die in diesem Glauben erbetenen Güter, wenn sie auf diese Weise einem Geist vereint sind, dem sie dann in ewiger Trennung von Christus in der Verdammnis anhangen werden. Gepriesen sei Gott, der uns durch seinen Sohn aus der Finsternis so großer Unwissenheit erlöst hat, dass wir erkennen: alles, was durch einen anderen Mittler als Christus, der die Wahrheit ist und durch einen anderen Glauben, als den an Jesus, in irgendeiner Weise vollbracht wird, ist falsch und trügerisch." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 11

Ecclesia triumphans, die triumphierende Kirche

Worauf es ankommt, ist ein interkonfessionelles Christentum im Sinne von Raffael und Cusanus; entscheidend dabei ist die Mittlerfunktion Christi, der einziger Garant für die Vollkommenheit einer Religion ist. Auch wenn es nach Cusanus eine ecclesia militans, d.h. eine Kirche in dieser Welt gibt, die sich zum Beispiel mit den Widersachern des Christentum auseinandersetzen muss, so gibt es in gesteigerter Einung die Ecclesia triumphans, d.h. die Kirche des Jenseits. Die Ecclesia triumphans ist die Unio der Seligen, d.h. der gottförmig gewordenen Menschen, der Geistwesen (Engel) und des Gottmenschen Christus. Das Ziel des Universums besteht darin, dass es in seiner vornehmsten Natur, der Menschheit, durch Auferstehung zur reinen Intellektualität verwandelt wird, wenn alles Vergängliche zugrunde geht. Das aber soll nur durch Konversion der menschlichen Natur zu ihrer wahren Natur geschehen können, die des Intelligiblen inne wird. Die Hinwendung des Menschen zum Intelligiblen beginnt in der griechischen Philosophie zum Beispiel bei Plato durch Vergöttlichung des Menschen (theosis, deificatio). Vollendet wird sie durch Christus; dafür stehen beiCusanus Begriffe wie "Christiformis", "Christo similior". Eine Pilgerschaft auf der Erde kann nur "im Geiste Christi Bestand haben." Es geht grundsätzlich nicht um die Feinde des Christentums, die sich die Vernichtung des Juden- und Christentums auf die Fahnen geschrieben haben wie die Muslime, sondern um diejenigen, die Christus angehören: "Darum hat auch jener, der in diesem Leben einen von denen, die Christus angehören, aufgenommen hat, Christus aufgenommen" [87] 
"Daher ist im Glauben Christi jeder wahre Glaube und in der Liebe Christi jede wahre Liebe eingeschlossen, obwohl sie immer in unterschiedlicher Abstufung bleiben."  - Nicolaus Cusanus, De docta III, 12

"Diese Einung ist die Kirche, die Sammlung der Vielen im Einen. Wie in einem Körper viele Glieder sind und jedes an seinem Ort, so ist es auch hier. Hier ist das eine kein anderes und jedes ist mit jedem durch den einen Körper vereint; nichts kann hier ohne ihn leben und Bestand haben, wenn auch im Körper das Eine nur vermittels des Körpers das Ganze sein kann. Daher kann auch während unserer Pilgerschaft auf Erden die Wahrheit unseres Glaubens nur im Geiste Christi Bestand haben, wobei die Ordnung der Gläubigen bestehenbleibt, so dass in dem einen Jesus Verschiedenheit in Einheit ist. Wenn wir bei der Auferstehung von der streitenden Kirche gelöst werden, so können wir nicht anders als in Christus auferstehen, damit wir, jeder an seinem Ort, auch eine einzige Kirche der Triumphierenden (Ecclesia triumphans) seien. Und dann wird die Wahrheit unseres Fleisches nicht in sich, sondern in der Wahrheit des Fleisches Christi, und die Wahrheit unseres Leibes in der Wahrheit des Leibes Christi, und die Wahrheit unseres Geistes in der Wahrheit des Geistes Christi sein wie die Zweige am Weinstock, auf dass die eine Menschheit Christi in allen Menschen, und der eine Geist Christi in allen Geistern sei; so, dass jedes in ihm sei, und ein Christus aus allen. Darum hat auch jener, der in diesem Leben einen von denen, die Christus angehören, aufgenommen hat, Christus aufgenommen " - Nicolaus Cusanus, De docta III, 12

"Daher müssen wir uns darum mühen, durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus unsere Möglichkeit zur Wirklichkeit zu führen, dass wir von einer Kraft in die andere wandeln und durch ihn, der Glaube und Liebe ist, von Stufe zu Stufe gelangen. Ohne ihn können wir, soweit es auf uns ankommt, nichts tun; alles, was wir vermögen, vermögen wir nur in ihm, der allein mächtig ist, das zu erfüllen, was uns fehlt, damit wir am Tage der Auferstehung als unversehrtes und vornehmes Glied seiner selbst erfunden werden." Ib.

Ohne Überdruß werden wir von ihm gesättigt werden, wenn seine Herrlichkeit erscheint. "Denn diese unsterbliche Speise ist das Leben selbst. Wie das Verlangen nach dem Leben ständig wächst, so wird die Lebensspeise ständig verzehrt, doch wandelt sie sich nicht in die Natur dessen, der sie verzehrt." Dann nämlich, wenn sie in sich mangelhaft wäre, wäre sie beschwerlich und könnte das unsterbliche Leben nicht gewähren. Unser geistiges Sehnen aber ist, geistig zu leben, d. h., ohne Aufhören immer tiefer in Leben und Freude einzugehen. Weil dieses Leben unendlich ist, werden die Seligen unaufhörlich voll Sehnsucht zu ihm geführt. Sie werden gestillt wie Durstige, die von der Quelle des Lebens trinken. Und
weil dieser Trank in Ewigkeit dauert und nicht in Vergangenheit übergeht, trinken die Seligen immer und werden immer gestillt und werden niemals zu Ende getrunken haben oder gestillt worden sein. [88] 
"So also ist die Fähigkeit der geistigen Natur (capacitas naturae intellectualis); sie nimmt das Leben in sich auf und wird entsprechend ihrer Wandlungsfähigkeit in dieses verwandelt, so wie sich die Luft, die den Strahl der Sonne aufnimmt, in Licht verwandelt. Deshalb sieht die Einsicht, welche fähig ist, sich zum Erkennbaren zu wandeln, nur das Allgemeine, Unvergängliche und Bleibende (universalia et incorruptibilia et permanentia); die unvergängliche Wahrheit (veritas incorruptibilis) ist ihr Gegenstand, zu ihr wird sie auf geistige Weise gedrängt. Diese Wahrheit begreift sie im ruhigen Frieden der Ewigkeit in Jesus Christus." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 12
In der Kirche der Triumphierenden ist Christus Jesus als wahrer Mensch in so vollkommener Einung mit dem Sohn Gottes vereint, dass die Menschheit in unaussprechlicher, hypostatischer Einung ("unione ineffabili hypostatica") nur in der Gottheit selbst Bestand hat. Und sie kann, während die Wahrheit der menschlichen Natur erhalten bleibt, nicht stärker und einfacher vereint werden. Jede vernunftbegabte Natur ist so sehr mit Christus dem Herrn vereint, dass sie, "wenn sie ihm in diesem Leben in höchstem Glauben und größter Hoffnung und Liebe zugewandt war, in ihm allein, während ihre persönliche Wahrheit erhalten bleibt, so begründet ist, dass alle, Engel wie Menschen, in Christus allein bestehen. Durch ihn sind sie in Gott, wenn der Geist den wahren Körper eines jeden aufgenommen und an sich gezogen hat; jeder Selige bewahrt die Wahrheit seines eigenen Seins, aber er ist Christus in Christus Jesus und durch ihn Gott in Gott; und weil
Gott, das absolut Größte in Christus Jesus dieser selbst ist, ist er auch durch ihn in allem alles." [89] 
"Auch kann die Kirche auf keine andere Weise mehr eins sein. Denn Kirche heisst, die persönliche Wahrheit eines Jeden bewahren und ohne Vermischung der Naturen und Gradstufen die Einheit vieler sein. Je mehr aber die Kirche eine Einheit ist, um so größer ist sie. Also ist jene Kirche der ewig Verherrlichten die größte; denn eine größere Einung der Kirche ist nicht mehr möglich." - Nicolaus Cusanus, De docta III, 12

"Auch die Einung der Naturen in Christus ist nicht größer oder kleiner als die Einheit der Kirche der Verherrlichten; als die größte Einung der Naturen wird sie nicht mehr oder weniger. Daher erlangt alles Verschiedene, das geeint wird, seine Einheit aus der größten Einung der Naturen Christi. Durch sie ist die Einung der Kirche das, was sie ist."  Ib.

"Die größte, hypostatische Einung aber koinzidiert mit dieser, darum muss die Einung der Naturen in Christus in und durch die absolute Einung, den Heiligen Geist, geschehen und in ihr bestehen." Ib.

Das Problem mit der wahren Philosophie ist, dass sie oft nicht verstanden wird. Einige Theologen zur Zeit des Cusanus, aber vor allem viele der heutigen Theologen, oft auch als verkappte Muslime bezeichnet, und nicht zuletzt auch von den Muslimen selbst, den damaligen Sarazenen, "die eine im Laufe der Zeit verfestigte Meinung zu einem Gesetz machen und dieses über ihr Leben stellen". Cusanus dazu: «Wenn jemand sich mit den bedeutenderen Weisen der alten Zeit beschäftigt, erfährt er, dass sie mit höchster Sorgfalt darum bemüht waren, ihre Geheimnisse nicht in die Hände Unerfahrener kommen zu lassen. Wir lesen, daß Hermes Trismegistos dem Aesculapius und Dionysius Areopagita dem Timotheos das befohlen haben, und wissen auch, dass unser Herr Christus dies gelehrt hat, da er verbot, die Perle, die ein Gleichnis für das Reich Gottes ist, den Säuen vorzuwerfen, die keinen Verstand haben. Ebenso sagte Paulus, es sei ihm nicht gestattet zu enthüllen, was er bei seiner Entrückung von dieser Welt in den dritten, geistigen Himmel gesehen habe. Dafür gibt es nur einen Grund; wo das Geistige nicht begriffen wird, ist es gering geachtet und statt die Frucht des Lebens zu tragen, bringt es den Tod. Vor allem geboten sie, zu verhindern, dass das Geheimnis Menschen mitgeteilt werde, deren Geist durch die Macht eingefleischter Gewohnheit gefesselt ist. Denn die Macht langer Übung ist so stark, dass eher das Leben vieler ausgelöscht wird als diese – wie wir in der Verfolgung der Juden, der Sarazenen und anderer hartnäckiger Häretiker erfahren haben, die eine im Laufe der Zeit verfestigte Meinung zu einem Gesetz machen und dieses über ihr Leben stellen." [90] 

Der Mensch scheint wenig gelesen und noch weniger das, was er gelesen hat, verstanden zu haben. Denn die mystische Theologie führt zu Leere und Schweigen, wo die uns zugestandene Schau des unsichtbaren Gottes ist. Das Wissen, das im Streitgespräch verwendet wird, ist jenes, das einen prahlerischen Sieg der Worte erwartet. Es ist weit entfernt von jenem Wissen, das zu Gott, der unser Friede ist, eilt. Darum kann er, wenn er vorhat, seinem Wissen gemäß zu kämpfen, dessen Qualität nicht verbergen. Das Wissen nämlich, das aufbläht und zum Streit antreibt, verrät sich selbst als ein Wissen, das nicht jenes ist, welches durch Leere zur Schau des Geistes strebt. Er glaubt, er habe etwas Neues gebracht, wenn er behauptet, dass das Wort «Dämon» im Griechischen vom sich aufblähenden Wissen abgeleitet sei; aber er hat vielleicht nicht einmal Plato oder Apuleius' «De deo Socratis» oder Philo eingesehen. Letzterer sagt, dass Moses jene Wesen Engel nennt, welche die Griechen als Dämonen bezeichnen, wenn sie auch zwischen kalodaemones und kakodaemones unterscheiden. [91] 

Ähnlich berichtet der heilige Thomas in der Schrift Contra gentiles, dass einige Leute bei den Aussprüchen des großen Dionysius die Gelegenheit benützten, zu behaupten, alles sei Gott, weil dieser in De caelesti hierarchia sagt, Gott sei das
Sein von allem. Aber wenn sie alle Werke des Areopagiten gelesen hätten, dann hätten sie auf alle Fälle in De divinis nominibus gefunden, daß Gott so das Sein von allem ist, dass er nichts von allem ist, weil das Begründete niemals zur Gleichheit mit seinem Grund erhoben werden kann. [92] 
 

Anmerkungen

[1] Zur Philosophie des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante . Akademie der Kunst und Philosophie
[2] vgl. Anm. 1 und Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 500 Thomas von Aquin I, Nr. 501 Thomas von Aquin II , Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III: Summa Theol. I-II. Ib.
[3] Nicolaus Cusanus, De docta I; Thierry von Chartres, Commentum super Boethium de trinitate I, 14; Meister Eckhart, Expositio sancti evangelii secundum Ioannem; vgl. Anm. 1
[4] Ib.; Johannes von Salisbury, De septem septenis VII; Thierry von Chartres, Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.; Johannes von Salisbury, De septem septenis VII; Alanus ab Insulis, Regulae de sacra theol. 8; Meister Eckhart Lectiones in Boethii librum De trinitate II, 59; vgl. Kurse Nr. 574 Johannes von Salisbury , Nr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 566 Meister Eckhart Ib.
[7] Ib.; Pierre Abaelard, Logica; Thierry von Chartres, Lectiones de trinitate II, 53 und IV, 10; vgl. Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard , Nr. 575 Thierry de Chartres,Ib.
[8] Ib.; vgl. Kurse Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles , Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I,Ib.
[9] Ib. 
[10] Hilarius von Poitiers, De fide adversus Arianos, De trinitate; Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles, I 26-28; vgl. Anm. 8
[11] Nicolaus Cusanus, De docta II; Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles, II 75; vgl. Anm. 8 und Kurs Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III. Ib.
[12] Ib.; Johannes Scotus Eriugena, de div. nat I, 72; II, 5; Meister Eckhart, Expositio sancti evangelii secundum Ioannem n. 214; vgl. Kurse Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena. Ib. 
[13] Ib.; zum Begriff forma formarum, der aus der Schule von Chartres stammt vgl. Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, De bonorum hebdomadibus; Thierry von Chartres, Tractatus n.31; Lectiones II, 37; vgl. Kurse Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von PoitiersNr. 575 Thierry de Chartres,Ib. 
[14] Ib.; zur besten aller möglichen Welten vgl.Gottfried Wilhelm Leibniz, Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal, 1710, Amsterdam; vgl. Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz
[15] Ib.; Thierry von Chartres, Tractatus n. 36,  n.40; vgl. Kurse , Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 551 Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion. Ib.
[16] Ib.; Thierry von Chartres, Lectiones II, 57; vgl. Kurse Nr. 501 Thomas von Aquin II , Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles , Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I,Ib.
[17] Ib.
[18] Ib.; Albertus Magnus, Phys III; Aristoteles, Phys;  vgl. Anm. 14 und Kurse Nr. 500 Thomas von Aquin I, Nr. 579 Albertus Magnus. Ib. 
[19] Ib.
[20] Ib.; Thierry von Chartres, Commentum, Lectiones, Glossa, Tractatus; Alanus ab Insulis / Alain de Lille, Sermo de trinitate, Textes inédits ed. M. Th. d'Alverny, Etudes de Philosophie Médiévales, Paris 1965; zu Materie als Möglichkeit vgl. Johannes von Salisbury, De septem septenis VII; zur göttlichen Wissenschaft, der Theodicee ("scientia divina") vgl. Aristoteles, Meth, 1003b, Thomas von Aquin, s.th; vgl. Kurse Nr. 501 Thomas von Aquin II, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 574 Johannes von Salisbury , Nr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 574 Johannes von Salisbury Ib. 
[21] Ib.; Aristoteles, Meth Z 3; Platon, Tim 49a, 52d; Thierry von Chartres, Commentum II, 19, 28; Johannes Scotus Eriugena, de div. nat III; Johannes von Salisbury, De septem septenis VII; zu dem Satz ex nihilo nihil fieri und der Materiedefinition vgl. Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 501 Thomas von Aquin II, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 531 Plato, Nr. 564 St. Augustinus. Ib.
[22] Ib.; Thierry von Chartres, Tractatus 28; Thomas von Aquin S. th. I, 75; vgl. Kurse Nr. 501 Thomas von Aquin II, Nr. 575 Thierry de Chartres. Ib.
[23] Ib.; Johannes von Salisbury, Entheticus 579; Pierre Abaelard, Dialect II, 2, 9;  vgl. Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury. Ib.
[24] Ib. Platon, Tim 34b; Pierre Abaelard, Theologia summi boni I, 17; Ders. Dialectica V, 1; Thierry von Chartres, Tractatus 25-28; Ders. Commentum II; Wilhelm von Conches, Glosae super Platonem in Timaeum LXXI;Bernardus Sylvestris (Bernhard von Tours), De mundi universitate I, 2: Vgl. Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 575 Thierry de Chartres,Ib. 
[25] Ib.; Aristoteles Meth IX, 8; Albertus Magnus, Met IX; Thomas von Aquin S. th. I, 79; Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Librum de trin.; Johannes von Salisbury, Metalogicon IV, 35; vgl. Kurse Nr. 579 Albertus Magnus ,Nr. 501 Thomas von Aquin II, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 574 Johannes von Salisbury..Ib. 
[26] Ib. 
[27] Ib. 
[28] Ib. Thomas von Aquin, s.th. I, 15 
[29] Ib.; vgl. Kurse Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena. Ib. 
[30] Ib; .
[31] Ib.
[32] Ib.
[33] Ib; zur ersten Relativitätstheorie, Bewohner auf anderen Sternen vgl. Wilhelm von Conches, Philosophia; Ders. Glossae in Tim.; vgl. Kurs Nr. 580 Wilhelm von Conches. Ib. 
[34] Ib.
[35] Ib.; Sap. 11, 21
[36] Nicolaus Cusanus, De docta III; Johannes Scotus Eriugena, de div. nat I; Albertus Magnus, Super Dionysium De div. nom. 7; zur bestmöglichen Welt im Gegensatz zur Gen- und Klontechnik vgl. Kurse Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena. Ib. ; zur verdorbenen Wissenschaft der Genetiker, vergifteten und krankmachenden Lebensmitteln vgl. Kurse Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften. Ib. sowie Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2018: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung;  Ders. 2018: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin und unvorhersehbare Folgen der personalisierten Medizin, korrumpierte Wissenschaft. Ib.; Ders.  2018: Natürliche Bienentherapie. Ib.
[37] Ib.; vgl. auch Wilhelm von Conches, Philosophia I; Thomas von Aquin S. th. I, 115; vgl. Kurse Nr. 501 Thomas von Aquin II, Nr. 580 Wilhelm von Conches. Ib. 
[38] Ib.
[39] Ib.; zur kleinen Welt vgl. auch Kurse Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 512 Novalis, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 513 Schelling: Philosophie der Mythologie
[40] Ib.;zur Emanationslehre vgl. Johannes Scotus Eriugena, de div. nat III, 4;  sowie Thomas von Aquin, S. th. I, q 45; Meister Eckhart, Expositio libri Genesis sowie Kurse Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol, Nr. 566 Meister Eckhart, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena. Ib.
[41] Ib.
[42] Ib.
[43] Ib.
[44] Ib.
[45] Ib.
[46] Ib; zum Dialogus de annunciatione vgl. Thierry von Chartres, Commentum I sowie Kurs Nr. 575 Thierry de Chartres,Ib. 
[47] Ib.; zu Naturwissenschaftlern und Muslimen, die sich vom Geist abgewandt haben vgl. Anm. 36 und Nicolaus Cusanus, Cribratio Alcorano; Thomas von Aquin S. th. I, 79f sowie Kurse Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib. 
[48] Ib.
[49] Ib.; zu fides formata vgl. Thomas von Aquin S. th. II-II, 4 und 19; zum Gott der Muslime vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani sowie Kurs Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib. 
[50] Ib. vgl. Kurse Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 572 Anselm von Canterbury . Ib. 
[51] Ib.; vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani III, 16 sowie Kurs Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib.
[52] Ib.
[53] Ib; vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani II, 19 sowie Kurs Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib. 
[54] Ib.
[55] Ib.
[56] Ib.
[57] Ib.; zur "communicatio idiomatum" vgl. Gregor von Nyssa, Contra Eunomium 5;  Thomas von Aquin S. th. III, 16
[58] Ib.
[59] Ib.
[60] Ib.; vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani II, 17
[61] Ib.
[62] Ib.; vgl. Kurs Nr. 531 Plato. Ib. 
[63] Ib.
[64] Ib.; zu den Individuationsprinzipien ("principia individuantia") vgl. Anm. 38 und die aristotelisch-thomistisch bestimmte Philosophie; vgl. Kurse Nr. 533 Aristoteles, Nr. 501 Thomas von Aquin II  Ib. 
[65] Ib.
[66] Vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani I; Thomas von Aquin, s.th. I q. 4 a. 3, 2-4; Johannes Scotus Eriugena, De divisione naturae (Periphyseon) II, 1; vgl. auch Kurse Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 501 Thomas von Aquin II: Summa Theologiae. Ib. 
[67] Joh 10, 35f; vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani I; Thomas von Aquin, s.th. I q. 39, 43; Augustinus, De trin. VI, 1; Johannes Scotus Eriugena, De divisione naturae II, 21, 30; vgl. auch Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 501 Thomas von Aquin II: Summa Theologiae, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 564 St. Augustinus.  Ib.
[68] Vgl. Nicolaus Cusanus, Cribratio Alkorani I; Dionysius Areopagita, De div. nom. I, 3; Anonymus, Abbrevatio 27, 62 (commentaries on Boethius by Thierry of Chartres and his School, ed. N.M. Häriring, Toronto 1971); Aristoteles, Met. VII, 9; Thomas von Aquin, De rationibus fidei V; Nicolaus Cusanus, De filiatione dei; vgl. Kurse Nr. 575 Thierry de Chartres, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles.  Ib.
[69] Ib.Jes 35, 4f; Boethius, De fide cath. 7f
[70] Ib.; Thomas von Aquin, Expositio super Isaiam I, 1
[71] Ib.; Mt 17,5;  Anselm v. Canterbury, Cur deus homo I, 5,8; vgl. Kurs Nr. 572 Anselm von Canterbury.  Ib.
[72] Nicolaus Cusanus, De docta III; Alanus ab Insulis / Alain de Lille, Contra haereticos III, 13f; vgl. Kurs Nr. 571 Alanus ab Insulis.  Ib.
[73] Ib.; Thomas von Aquin, s.th. I q. 68; Johannes Scotus Eriugena, De divisione naturae (Periphyseon) IV, 9 sowie Kurse Nr. 501 Thomas von Aquin II: Summa Theologiae , Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 564 St. Augustinus. Ib.
[74] Ib
[75] Ib
[76] Ib.
[77] Ib.; zum Chaos (confusionem) und mor aeterna separari vgl. Aristoteles Met XII, 7; Johannes Chrysostomos, Paraensis sive adhortatio ad Theodorum Lapsum I, 12; Hilarius von Poitiers, Tractatus in Ps. 53 sowie Kurse , Nr. 570 Hilarius von Poitiers ,Nr. 533 Aristoteles. Ib.
[78] Ib.; Ioannis evang. trac. XL, 8f; Anselm v. Canterbury, Proslogion I; zu principia prima vgl. Aristoteles, Met V, 1 sowie Kurse Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 564 St. Augustinus,Nr. 533 Aristoteles. Ib.
[79] Ib.; Is 7,9; Joh 1, 12; Gal 3, 26; Eph 2, 8
[80] Ib.; Thomas von Aquin, s.th. II-II q. 2 
[81] Ib.; Plato, Staat VII 533d; Boethius, cons. Phil. V; Albertus Magnus, Super Dionysium De myst. theol. 5; vgl. Kurse Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 531 Plato. Ib. 
[82] Ib.
[83] Ib.
[84] Ib.; 1 Kor 9, 24; Thomas von Aquin, s.th. III q. 15 
[85] Ib. 
[86] Ib.; Augustinus, De doctr. christ. II, 23; Ders.: De civ. dei XVIII, 18; Thomas von Aquin, s.th. II-II q. 92-96; Ders.: Quaest. disp. De malo q 16 
[87] Ib.; Thomas von Aquin, s.th. I-II q. 26f; vgl. Kurse Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III Ib. 
[88] Ib.; Meister Eckhart, Sermones et Lectiones super Ecclesiastici 57f; vgl. Kurs Nr. 566 Meister Eckhart. Ib. 
[89] Ib.; zum Prozess der Gottähnlichwerdung vgl. auch Kurs Nr. 575 Thierry de Chartres. Ib. 
[90] Nicolaus Cusanus, Apologia; Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles; vgl. Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 531 Plato . Ib.
[91] Ib. 
[92] Ib.

Zur Philosophie und Kultugeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 




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Letzte Bearbeitung:03.08.2018