Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 567 

Gottfried Wilhelm Leibniz 

KünstlerInnen | ArchitektInnen | WissenschaftlerInnen | Ärztinnen | Ärzte | BienentherapeutInnen | PhilosophInnen | DI. Michael Thiele, internationaler Koordinator der Akademie der Kunst und Philosophie


"Per variar natura è bella" - Gottfried Wilhelm Leibniz

Il est honteux à nos Europeans (qui se piquent tant d'avoir de l'esprit) qu'on s'occupe à des bagatelles, et qu'on neglige les plus grandes choses."  - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Gott sei Dank fängt die Welt an, klüger zu werden. Es ist an der Zeit, da sie schon so alt ist" - Gottfried Wilhelm Leibniz 1694

"Und dann laufen dieselben Leute hinter den lächerlisten Heilmitteln her, wenn das Übel, dass sie bis dahin vernachlässigt, bedrohlich näher rückt." - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Ich wundere mich nicht, die Menschen zuweilen krank zu finden, wohl aber erstaune ich, dass sie dies so selten, ja dass sie es nicht ständig sind." - Gottfried Wilhelm Leibniz

A portrait of Gottfried Wilhelm von Leibniz by Andreas Scheits 1703, Public Library of Hannover (Lower Saxony).

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Fast alle neueren Philosophen sind auf Kant hereingefallen, als er zum Beispiel gegen Leibniz und seine Philosophie polemisierte. Die analytische Philosophie zusammen mit Philosophen, die nicht die "wahre Philosophie" vertreten wie der Atheist Bertrand Russell, die keine Philosophie vor Kant mehr anerkennen wollte, meinte sie könne gänzlich ohne Metaphysik auskommen. In diesem Kurs wird u.a. dargestellt, dass die Kant'sche Philosophie schon spätestens nach den deutschen Idealisten und Klassikern überholt und widerlegt war und damit die analytische Philosophie keinerlei vernünftige Grundlage besitzt. Es wird gezeigt, dass Leibniz von Philosophen wie Kant, Russell etc, bisher falsch rezipiert worden war. Heute zählen Leibniz' Werke zum Weltkulturerbe.

1700 regte er die Errichtung der "Sozietät der Wissenschaften" an, der späteren "Akademie der Wissenschaften" in Deutschland. Die Förderung der Wissenschaften regte er auch bei den Habsburgern (Österreich) und in Russland an. Leibniz gilt als einer der letzten Universalgelehrten der Neuzeit: als Philosoph und Mathematiker, Physiker und Techniker, Begründer der Computertechnologie, Jurist und politischer Schriftsteller, Geschichts- und Sprachforscher trat er hervor. (Gottfried Wilhelm Leibniz was a Philosopher of baroque period. His writings belong to UNESCO world cultural heritage. In 1711, while traveling in northern Europe, the Russian Tsar Peter the Great stopped in Hanover and met Leibniz, who then took some interest in Russian matters for the rest of his life. In 1712, Leibniz began a two-year residence in Vienna, where he was appointed Imperial Court Councillor to the Habsburgs.)

Er setzte sich auch für die Gründung von Akademien in China ein: "Wäre es nicht möglicherweise denkbar, dass der Kaiser von China selbst sich veranlasst sehen könnte, einige Kollegien oder Akademien zu begründen, die dazu dienen könnten, die Wissenschaften und die Gelehrsamkeit nach europäischer Art zu pflegen, und deren Mitglieder Tataren (Manjuren), Chinesen und Europäer sein könnten? (N'y at-il point d'apparence que le Monarque de la Chine puisse porté luy même à la fondation de quelques colleges ou Scademies qui servent à cultiver les sciences et doctrines à la facon d'europe, dont des Tartares, Chinois et Europeens pourroient etre?") 

Im siebzehnten Jahrhundert hatte man "keine allzu hohe Meinung von der Wissenschaft der Mediziner". Leibniz meint, es gebe Ärzte die zu viel versprechen. Aber es gebe auch Leute, die zu viel von ihnen verlangen. Die Medizin sei wie der Krieg, und die tüchtigen Generäle schätzte man doch auch noch, wenn sie geschlagen wurden. "Es ist aber erforderlich, dass die Ärzte alle notwendige Sorgfalt üben und dem Kranken bei ihren Besuchen viele Fragen stellen, bevor sie Arzneien verordnen. Es wäre auch zu wünschen, dass sie Beobachtungen anstellten und sie schriftlich festhielten, um die wichtigsten dann der Öffentlichkeit mitzuteilen." Leibniz hat selbst Ärzte dazu angeregt, jährliche Berichte über die aufgetretenen Krankheiten zu verfassen. Er war überzeugt, dass man "nicht nur in Pestzeiten, sondern ständig, einen Gesundheitsrat haben sollte, in dem politische Räte mit Ärzten zusammen tätig sein sollten." 

Leibniz lebte zu einer Zeit als die Türken vor Wien standen und Prinz Eugen sie zurückschlug. Der Sultan Mustafa II. (reg. 1695-1703) befand sich im Krieg mit den Russen, Polen, dem Reich und Venedig. Am 11. September 1695 erlitt er bei Zenta durch Prinz Eugen eine entscheidende Niederlage. Als Geschichtsforscher und politischer Schriftsteller nimmt Leibniz auch Stellung zu den Türkenkriegen seiner Zeit. Viele Granden des Militärs spornt es an, große Feldherrn zu werden. Dazu Leibniz 1688: "Man beginnt ernsthaft an Konstantinopel zu denken. ... Der Kaiser will nach Möglichkeit den Beschluss umsetzen, die Türken in die Enge zu treiben." Er denkt sogar als Militärstratege und meint, es käme darauf an, "den Übergang über die Save zu sichern und die Festung Ilok zu nehmen, welche die Donauschiffart bedroht und die Unseren gezwungen hat, Peterwalden aufzugeben. Den letzten Berichten zufolge hält man es für gewiss, dass die Türken in Belgrad und Umgebung noch nicht stärker sind als 10 000 Mann." Leibniz beschreibt eine türkische Gesandtschaft - sie könnte auch aus der heutigen Türkei stammen: "Vorgestern ist die türkische Gesandtschaft in Pottendorf, fünf Meilen von hier, eingetroffen, es heißt, sie gäben sich recht hochmütig." Die Raizen, griechisch-orthodoxe Serben, galten als gute Soldaten: "Man fängt an, allerlei Truppen auszuheben, darunter viele Ungarn, Raizen und Kroaten." Es geht um eine europäische Reconquista: "Gebe Gott, dass die Dinge immer gut zugunsten der Christenheit" ausgehen." [1]

Als Philosoph schreibt Leibniz auch über ausgefallene Themen wie "echte oder eingebildete Propheten", wobei er die israelischen Propheten zu den echten und den islamischen zu den unechten zählt: 
 

"Indessen: erkenne ich an, dass die großen Propheten, nämlich jene, die uns die Zukunft im Einzelnen mitteilen können, übernatürlicher Gnaden teilhaftig sein müssen. Und es ist unmöglich, dass ein begrenzter Geist, so durchdringend er auch sein mag, hier Erfolg haben könnte." [2] - Leibniz 

"Außerdem besteht zwischen allen Dingen des Universums eine derart enge und wunderbare Verbindung, dass hier nichts geschieht, wovon nicht Dinge hunderttausend Meilen entfernt von hier auf unerklärliche Weise abhängig wären." - Leibniz 


1691 schreibt Leibniz: Der "hochgelehrte Herr Huet" habe ein "schönes Buch über die christliche Religion geschrieben, das zeigen will, dass die Weissagungen der Propheten des Alten Testaments auf wunderbare Weise bis in Einzelheiten des Neuen Testaments zugetroffen haben, denn die Vorhersage von Einzelheiten ist ein Wunder, das selbst der Teufel nicht nachahmen könnte." [3]

Natürlich ist die christliche Religion zeitweise über das Ziel hinausgeschossen, man denke an die Verfolgung der Ketzer, Hexenverbrennung etc.: "In der Absicht Ketzerei zu verhindern, hat man ihre Entstehung befördert. Gewöhnlich verschwinden solche Dinge von selbst, wenn sie den Reiz der Neuheit verloren haben; wenn man sie aber unterdrücken will durch großen Lärm, den man darum macht, durch Verfolgung und durch Widerlegung, so ist das, als ob man Feuer mit dem Blasebalg löschen wollte.... Oft erlangt ein Mensch ohne sein Wissen die Ehre, Ketzer zu sein." [4]

Dennoch musste sich das Christentum zum Beispiel von der Lehre des Arius, die auf dem Konzil von Nizäa 325 verworfen wurde, abgrenzen; Verfechter dieser Lehre sind Antitrinitarier wie zum Beispiel der Autor William Freke: "Man kann daher sagen, dass dieser Autor sich stark den Mohammedanern annähert, denen er ziemlich weit zuzustimmen scheint." (Leibniz 1694) [5]

Leibniz war einer Meinung mit van Helmont, wenn es um die Bekämpfung alter und neuer Averroisten ging: "Ich bin ganz seiner Meinung, wenn er denjenigen widerspricht, die glauben, dass unsere Seele in den Weltgeist eingeht. Dies scheint die Ansicht mancher Mystiker und Quietisten zu sein. Aber das ist leeres Hirngespinst; zudem wäre das der Unsterblichkeit entgegen." Auch wenn er die Gassendisten und Cartesianer tadelt, die sich ausschließlich an die korpuskulare Philosophie halten, die alle Gegenstände der Natur durch Materie und Ausdehnung erklärt - heute würde man sagen analytische Philosophie -  war Leibniz mit van Helmont einig. Es muß eine Verbindung zwischen den geistigen und körperlichen Dingen geben. "Denn ich bin überzeugt, dass die Gesetze der Natur und die Prinzipien der Physik nur durch die Hinzuziehung metaphysischer Prinzipien erklärt werden können, deren man bedarf, um richtig zu verstehen, was die Kraft ist." [6]

In einer Untersuchung über die Auffassung des heiligen Augustinus über das Fegefeuer, findet Leibniz heraus, dass der "heilige Augustin unter dem reinigenden oder dem Fegefeuer nichts anderes versteht als den brennenden Schmerz über den Verlust der weltlichen Dinge, die man allzusehr geliebt hat." Nach Augustinus gehen selbst die Guten durch das Fegefeuer, doch ohne dadurch zu leiden. [7]

Dass Schwermetalle giftig sind, ahnte man früher auch: "Ich kann mir denken, dass die Ärzte nicht unrecht haben, wenn sie die silbernen Teller verbieten, ich denke dabei an die aus deutscher Herstellung, worin so viel Kupfer ist, dass oft Grünspan darauf zu sehen ist, besonders wenn Essig in den Saucen war. " Gottfried Wilhelm Leibniz 1696. Heute ist auch bekannt, dass sie daran beteiligt sind Parkinson und Alzheimer auszulösen. [8]

Im Sinne von Goethe hoffte Leibniz, "dass man in Frankreich allmählich von der Richtung der Maschinisten wegkommt und von diesen kleinen Begriffen, die man sich von der begrenzten Großzügigkeit der Natur macht, als hätte sie nur uns das Privileg zugestanden, Seelen zu haben." Ähnlich wie Goethe meinte er, "wenn man in die Anschauungen, die man sich vom Unendlichen machen muss, weiter eingedrungen sein wird, wird man eine ganz andere Vorstellung von der Majestät der Natur haben, als zu glauben, sie bestehe nur aus Maschinen und sei nichts gewaltigeres als die Werkstatt eines Handwerkers, wie es der, übrigens gescheite, Autor der 'Entretiens sur la pluralité des Mondes' in den Gesprächen mit seiner Marquise glaubte." Viele Philosophen und Mathematiker seiner Zeit beeindruckte Leibniz nachhaltig: "Noch stärker betroffen wurde ein hervorragender italienischer Philosoph und Mathematiker, dem ich auf meiner Reise begegnet bin, denn er gestand mir, ich hätte sein ganzes philosophisches System auf einen Schlag geändert. Und jetzt arbeitet er an einem Buch, in dem er diese Vorstellungen weiter ausbaut. Mir ist das sehr recht, denn ich bin mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt, um selbst die Samenkörner all dieser  von mir entwickelten Gedanken pflegen zu können." [9]
 

"Es liegt in der Ordnung der Natur, die Dinge zur Reife zu bringen" - Gottfried Wilhelm Leibniz 1696
Verständlich, wenn Leibniz auf das Urteil eines "bornierten Gelehrten" verzichtet, insbesondere, wenn es von Universitäten stammt, an denen eine materialistisch-mechanistische Weltanschauung verbreitet ist. Solche Gelehrten glauben nach Leibniz, "sie hätten das Recht, über alles hochtönend zu reden und sich als Zensoren erheben zu können. Ich werde darum in solchen Dingen stets das Urteil einer geistvollen und unvoreingenommenen Person dem eines bornierten Gelehrten vorziehen." Auch unter heutigen Wissenschaftlern gibt es diejenigen, die gar nicht nachdenken und diejenigen, die von falschen Prinzipien ausgehen. Von manch einem Wissenschaftler sagt Leibniz "dass er einer der gelehrtesten Männer der Welt gewesen ist, doch nehme ich die Wissenschaften aus, die das Nachdenken fordern; in denen hat er große Fehler gemacht."  [10]
 
"Man hätte Grund, das menschliche Geschlecht und die so universelle und so allgemeine Unwissenheit, in der es sich befindet, zu bedauern, wenn man nicht Grund zu der Hoffnung hätte, dass unser Geist in seiner Erkenntnis fortschreiten und es ihm immer besser und besser ergehen werde, trotz der anscheinenden Verfinsterungen, die seine Fortschritte unterbrechen." - Gottfried Wilhelm Leibniz
"Erbitterte Eiferer" gibt es heute vor allem auf dem Gebiet der Religion, speziell im Islam. Es sind die , "welche alle diejenigen dem Teufel anheimgeben, die nicht mit jeder ihrer Lieblingsvorstellungen übereinstimmen." Wenn man sich heute die muslimischen Eiferer ansieht, ist klar, was sie unter Gott verstehen. Sie verachten vor allem die Christen und "machen aus Gott einen Tyrannen und etwas noch Niedrigeres, indem sie ihm so grausame wie lächerliche Absichten unterstellen. Und wenn man ihnen diesen entsetzlichen Übelstand vor Augen führt, ereifern sie sich in ihren Redengegen die Vernunft, das heißt gegen die ewige Wahrheit, die Gott selber ist." [11]

Erbitterte Eiferer gab es damals auch in der christlichen Kirche - man denke nur an die Hexenprozesse. Leibniz übersetzte das berühmte Buch des Pater Friedrich von Spee, das über die Hexenprozesse aufklärte, ins Französische. "Dieser Pater war ein großer Mann seiner Art, der es verdiente, besser bekannt zu sein, als er es ist." Sein Buch, "das in der Welt viel Aufehen erregt hat, das aus dem lateinischen Original, das unter dem Titel Cautio criminalis erschien, in viele Sprachen übersetzt wurde und das die Hexenverbrenner sehr aufgebracht hat, ohne dass sie herausbringen konnten, woher es stamme." Der Jesuitenpater Friedrich Spee gilt nach Leibniz als "einer der hervorragendsten Männer seines Ordens". Er entstammte einer westfälischen Adelsfamilie. Der Pater hielt sich gerade in Franken auf, "als man dort wütend alle angeblichen Hexen verbrannte, und begleitete mehrere von ihnen zum Scheiterhaufen. Aus ihren Geständnissen und aus den von ihm angestellten Nachforschungen erkannte er die Unschuld, und das ging ihm so zu Herzen, dass er sich trotz der Gefahr, die das Ausschprechen der Wahrheit damals mit sich brachte, zur Abfassung dieses Werkes entschloß ohne jedoch seinen Namen anzugeben." [12]

Worauf es ankommt, ist nach Leibniz eine andere Art der Frömminkeit. "Ich wünschte sogar, dass das aus einer grundsätzlichen Frmmigkeit heraus geschähe, die Frucht einer wohlverstandenen Wissenschaft wäre anstatt ihr entgegengesetzt zu sein, und das man das schöne Wort eines Heiden bedächte, der sagt, man könne der Gottheit keinen schöneren Lobgesang darbringen als durch Bekanntmachung der wunderbaren Kunstfertigkeit der Natur. Man weiß auch, dass Davids Psalmen und die anderen Gesänge der alten Hebräer alle angefüllt sind mit Zeugnissen für die Bewunderung der Werke Gottes in der Natur: und das die alten Priester und Weisen die größten Philosophen und Naturforscher waren. ... Wenn wir hierüber genügend nachdächten, wäre die Frömmigkeit reiner und wirksamer und hätte im Geist vieler Menschen festere Wurzeln als jetzt, wenn man nur aufgrund von Nachahmung oder Vorgabe darangehen will, Gott zu lieben, ohne das zu kennen, was ihn bewunderungswürdig macht. Daher finde ich, dass die Forderung gewisser Pietisten, die wollen, man solle Gott lieben und dabei gewissermaßen mit der Geistestätigkeit innehalten und seine Eigenschaften und Handlungen nicht wahrnehmen, auf etwas unbegreifliches zielt und geeignet ist, die wahre Frömmigkeit zu zerstören unter dem Vorwand, sie zu steigern." [13]

In der Politik sollte man die Dinge etwas ruhiger angehen und durchaus auch ein wenig die "großen methaphysischen Rosse" reiten, denn schließlich erstrecke jede Handlung und jedes Ereignis seine Wirkung bis ins Unendliche, sowohl räumlich wie zeitlich. "Genauso wie das Abwesende mit dem Anwesenden verbunden ist, ist die Zukunft verbunden mit der Vergangenheit; so dass man sagen kann, dass die Gegenwart schwanger ist mit all den zukünftigen Dingen, die die Welt mit der Zeit gebären wird. ... Unsere Unkenntnis indes macht, dass wir die Zukunft als eine Sache auffassen, die noch eingerichtet werden muss, und das entfacht unsere Leidenschaften, anstatt dass wir ruhiger wären, wenn wir die Verkettung der Dinge genügend betrachteten." [14] 

Besonnenes Handeln in Politik, Erziehung und Wirtschaft funktioniert aber nur, wenn man über das Wesen des Menschen im Bilde ist. "In einem organischen Körper gibt es nur eine beherrschende und vorzüglichste Einheit, die seine Seele ist. Das ist das Ich in uns, das durchaus über der Mehrzahl der anderen Seelen steht, weil es Geist ist und vermittels universeller, notwendiger und ewiger Wahrheiten urteilt, die weder auf die Sinne noch auf die Herleitung von Beispielen gegründet sind, sondern auf das innere und göttliche Licht der Ideen, die die rechte Vernunft ausmachen." [15] 

1700 regte er die Errichtung der "Sozietät der Wissenschaften" an, der späteren "Preußischen Akademie der Wissenschaften". Leibniz wurde von Friedrich III. (reg. 1688-1713), seit 1701 König Friedrich I. in Preußen als Präsident der Akademie eingesetzt. Es wurde ein Observatorium errichtet und Maßnahmen ergriffen "für Forschungen zu Natur und Kunst (measures pour faire des recherches de la nature et de l'art.)" Der Auftrag der Sozietät umfasste auch wissenschaftliche Untersuchungen im Russischen Reich und zivilisatorisch-missionarische Aufgaben bis nach China. Allerdings gestaltete es sich schwierig Gelder für die Akademie aufzutreiben. "Bislang ist die Leitung der Sozietät der Wissenschaften durch mich nur eine Ehre; denn die Sozietät soll den Kurfürsten nichts kosten, sie soll ihren eigenen Fonds haben, der lediglich aus bestimmten Privilegien bestehen soll, die der Kurfürst gewähren will, ohne dass es ihn mehr als Worte kostet, und folglich werden diese Einkünfte etwas ungewiss sein. Ich selbst werde ganz zufrieden sein, wenn ich die Ausgaben erstattet bekomme, die ich gelegentlich für das Gemeinwohl und für die Förderung der Wissenschaften tätige." Später wurden auch Frauen Mitglied der Societät: "Nun gibt es hier eine hochgelehrte Frau, die als Seltenheit gelten kann." Leibniz meint, er denke fast nur noch an das, "was zum Gedeihen der Wissenschaften beitragen kann." Er habe vom König das "Privileg zur Maulbeezucht erhalten" und im vergangenen Jahr 12 Pfund "vorzüglicher Seide aus unseren eigenen Blättern machen lassen, und wir haben eine Million Bäume pflanzen lassen und auch mehrere Hecken, deren Blätter wir benutzen werden." [16]

Bekannt ist, dass Leibniz sich mit den Wissenschaften, insbesondere der Philosophie auseinandergesetzt hat. Darüber hinaus beschäftigte er sich auch mit der Frage, wie man dem Stein der Weisen auf die Spur kommen könnte. Wenn "dieser gepriesene Stein, der allein alle Könige der Erde reich machen kann" (Molière) tatsächlich eine Art Universalheilmittel wäre, wie verbreitet wird, dann müsste man ihn zu recht sehr hoch schätzen. Doch bis er davon ganz überzeugt ist, wolle Leibniz als ungläubiger Thomas sprechen, schließlich könne es sich auch um eine gewaltige Narrheit handeln, "die die Schwäche des menschlichen Geistes und seine Fruchtbarkeit im Ersinnen schöner Hirngespinste aufs deutlichste kennzeichnet." [17]

Als politischer Schriftsteller, äußert er sich auch über die Entwicklung in Russland. Er schreibt über "die Klugheit und das gute Benehmen des Zaren." Auch als er durch die schwere Niederlage am 30. November 1700 die russische Belagerung der schwedischen Festung Narwa beendete, interessierte ihn eigentlich nur Eines: "Was den gegenwärtigen Krieg betrifft, der kümmert ihn gar nicht, und er denkt ständig darüber nach, wie er seinen Staat zivilisieren kann", zum Beispiel durch Pflege der Wissenschaften. Die Frau des verstorbenen Zaren Iwans V. wolle ihre Töchter nach Deutschland schicken. "Man beabsichtigt, sie mit auswärtigen Fürsten zu verheiraten. [18]

Die Vernachlässigung der Gesundheit musste man schon damals teuer bezahlen. Ähnlich wie heute kannte man für viele Krankheiten nur unzureichende schulmedizinische Methoden. Die Naturheilkunde und Bienentherapie war nur in Ansätzen bekannt. Leibniz litt an Harngries, weshalb er mit den "Überresten" seiner Gesundheit sorgsam umging: "In Verbindung mit anderen Beschwerden, an denen ich zeitweilig leide, lässt mich das daran denken, dass ich mit den Überresten meiner Gesundheit sorgsam umgehen muss, sofern dafür noch Zeit ist. Man vernachlässigt sich, während man bemüht ist, die anderen zufriedenzustellen, und erlebt zu seinem Missvergnügen, dass die Arbeit, die man geleistet hat, kaum in Betracht gezogen wird, wenn man nicht mehr in der Lage ist, sie mit gleicher Kraft fortzusetzen. Freilich habe ich immer gerne gearbeitet, und das hat mit die Arbeit leichter werden lassen. Doch am Ende wird man für diese Art von Unmäßigkeit noch bestraft." [19]

Fakt ist, dass Leibniz in vielen Bereichen der Wissenschaft einen Dienst erwiesen und zum Beispiel "die wahrhafte Philosophie der unkörperlichen Substanzen begründet" hat. Andere wie der Cartesianer Cordemoy blieben darin "sehr im Unklaren" und sind - wie viele unserer heutigen Naturwissenschaftler - weit davon entfernt "die Vielfalt und das Ausmaß der Werke des unendlichen Urhebers zu erkennen, dessen Merkmale überall zu finden sind." Um die Unterteilung der Materie zu verstehen, muss man bedenken, "dass Gott in ihr schon so viel Ordnung und Verschiedenheit erzeugt hat, wie bisher darin eingeführt werden konnte, und dass so nichts unbestimmt geblieben ist. Dies lehrt die göttliche Vollkommenheit unseren Geist, und die Erfahrung durch die Sinne bestätigt es." Von solchen Einsichten sind unsere heutigen Genforscher und Mediziner allerdings weit entfernt, die nicht verstehen an was sie herumexperimentieren. Denn man kann folgern, dass die "Vielzahl der augenblicklichen Zustände die Anhäufung von enendlich vielen Lichtblitzen des Göttlichen ist, von denen jeder in jedem Augenblick eine Schöpfung oder Wiedererschaffung aller Dinge ist, da es eigentlich keinerlei fortwährenden Übergang von einem Zustand zum nächsten benachbarten gibt. Das bestätigt genau diese berühmte Wahrheit der Theologen und christlichen Philosophen, dass die Bewahrung der Dinge eine fortwährende Schöpfung ist, und bietet eine ganz besondere Möglichkeit, die Abhängigkeit aller zufälligen und veränderlichen Dinge von den unveränderlichen Göttlichen zu beweisen, das die ursprüngliche und absolut notwendige Substanz ist, ohne die nichts sein und dauern könnte. Das, so scheint es, ist der beste Gebrauch, den man von dem Wirrwarr von der Zusammensetzung des Beständigen machen kann, das bei den Philosophen so berühmt ist: die Analyse der tatsächlichen Dauer der Dinge in der Zeit führt uns überzeugend auf die Existenz Gottes hin, so wie die Analyse der Materie, die sich gegenwärtig im Raum befindet, uns überzeugend auf die Einheiten der Substanz hinführt, auf die einfachen Substanzen, unsichtbar und unvergänglich, und folglich auf die Seelen oder die Prinzipien des Lebens, die unsterblich sein müssen und in der ganzen Natur verbreitet sind." [20]
 

"Eine der größten Wohltaten, die Personen von hohem Rang tun können, ist es, Erleuchtung zu verbreiten, indem sie die Erforschung der Wundertaten Gottes fördern, die in der Natur erstrahlen. Das trägt auch zur Tugendhaftigkeit und zur Gesundheit bei, den zwei größten Gütern des Menschen." - Gottfried Wilhelm Leibniz
Es gibt zwei Arten von Seelen, die gewöhnlichen Seelen und die vernünftigen Seelen, die bedenken, was sie tun. "Die gewöhnlichen Seelen verhalten sich rein nach dem Beispiel der Sinne, so wie die Empiriker; die vernünftigen Seelen aber untersuchen mit dem Verstand (wenn sie können), ob die zurückliegenden Beispiele auf den vorliegenden Fall anwendbar sind. Folglich können die Seelen der Tiere nicht zu notwendigen und allgemeinen Wahrheiten gelangen; so wie ein Empiriker sich niemals sicher sein kann, ob das, was ihm häufig gelungen ist, ohne das er die Ursache dafür wüsste, ihm wieder gelingen wird." [21]

Die Grundlage der Computertechnologie, nämlich alles nur durch die Zahlen 0 und 1 auszudrücken, hatte schon Leibniz erfunden bzw. wiederentdeckt. "Ich glaube ich hätte diese Arithmetik als Erster ersonnen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass man davon schon vor ungefähr viertausend Jahren etwas gewusst hat und dass ein gewisser Fohi, in uralter Zeit König und Philosoph in China, sie schon im Blick gehabt haben muss." Nur hatte er eine andere Schreibweise verwendet, nämlich - - und - statt 0 und 1. [22]

Nach den großen Philosophen, so auch nach Leibniz, ist klar, dass die göttliche Kunstfertigkeit überall notwendig ist und angewandt wird; "Andernfalls hätten die Dinge nicht die Ordnung und Übereinstimmung und Vollkommenheit, die ihnen zukommen." Heute versuchen Gentechniker und Industrie davon abzuweichen, mit dem Erfolg, dass derartige Lebensmittel so vergiftet sind, dass sie als Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden können. Auch Freiheit und Unabhängikeit werden durch die Philosophie von Leibniz wie von Aristoteles gesichert. Wenn man die Auffassung vertreten will, "dass die erste Materie eigentlich das ist, was es in der einfachen Substanz an Passivem gibt, und die Seele das ist, was es an Aktivem gibt, und dass schließlich die zweite Materie das ist, was sich daraus in den Massen oder Anhäufungen ergibt, dann will ich mit ihm darüber nicht streiten. Und ich habe keinerlei Neigung, mich ohne Not in die dornige Philosophie der Schulen zu vertiefen, sondern begnüge mich mit dem, was den Erfahrungen oder Phänomenen einigermaßen Genüge tut." [23]

An Friedensverträgen hat Leibniz auf seine Art mitgewirkt. Er habe "auf diesen Frieden den Passus aus der Heiligen Schrift 'Der Friede Gottes welcher höher ist denn alle Vernunft' angewandt, und alle haben diese Anwendung gebilligt. Man hätte niemals gedacht, dass dieses Jahr, das schon so wunderbar ist, uns so etwas bis zuletzt aufgespart hat." [24]

Nicht nur was seine Akademie der Wissenschaften betrifft, vermeidet er unnütze Worte und arbeitet für das allgemeine Wohl: "Ich arbeite grundsätzlich für das allgemeine Wohl, ohne mich darum zu bekümmern, ob jemand mir dafür dankt. Darin liegt, glaube ich, Nachahmung Gottes, der für das Wohl des Universums Sorge trägt, ob die Menschen das anerkennen oder nicht. Ich habe oft erlebt, dass Privatpersonen, die mir verpflichtet waren, keine Dankbarkeit gezeigt haben, und das hat mich nicht abgebracht. Noch weniger wird es mich davon abbringen, wenn die Öffentlichkeit, die nicht unterrichtet ist, uns keinen Dank für unsere Bemühungen zollt. ... Die Heilige Schrift verbietet uns unnütze Worte, und es gibt kaum unnützere als die kalten Höflichkeitsbekundungen, mit denen die Großen überhäuft werden." [25]

Seine Ideen hatte er schon 1695 veröffentlicht und sich damit gegen die Cartesianer gestellt, indem er sagte, dass die Tiere keine bloßen Maschinen seien, denn sie hätten Seelen, die ebenfalls unvergänglich seien. Natürlich gibt es Unterschiede zum Menschen: Er ist fähig, "notwendige und ewige Wahrheiten zu erkennen, welche Gegenstand der Wissenschaften sind." Normalerweise verfügt er über "Refexion und denkt an das, was Ich genannt wird, was die Dauer oder moralische Identität einer Person bewirkt." Die Beschaffenheit der Menschen habe eine derartige Herabsetzung, wie sie beispielsweise von Lois des Bans, Jacques Esprit oder Machiavelli beschrieben wird, nicht verdient. "Ich glaube sogar, dass es heißt, Gottes Güte uns gegenüber zu verkennen, wenn man uns als so schlecht und nichtswürdig darstellt." [26]

Leibniz war überzeugt, "dass die Religion nichts enthalten muss, was im Gegensatz zur Vernunft steht, und dass man der Offenbarung immer einen Sinn beilegen muss, der sie von jeglicher Absurdität ausnimmt." Er findet, dass die Menschen "recht oft ihre Vernunft nicht genügend benutzen, um den Urheber der Vernunft gründlich zu erkennen und zu ehren." Er meint wir bräuchten "Missionare der Vernunft in Europa, die die natürliche Religion predigen, auf der die Offenbarung selbst begründet ist und ohne die die Offenbarung immer falsch aufgefasst werden wird." Heute setzen sich "Leibniz-Preisträger" für die falschen Ziele ein, nämlich die "Etablierung des islamischen Religionsunterrichts und der Lehrstühle für islamische Theologie." Dabei hat sich Leibniz immer für die "Religion der Vernunft" eingesetzt; im Gegensatz zu Mohammed sei "Jesu Christi Ziel es gewesen, ihr ihren Glanz wiederzugeben, die Menschen zur wahren Kenntnis Gottes und der Seele zurückzuführen."  Leider gebe es einige christliche Theologen, die sich von diesen Gedanken entfernen. "Es gibt welche, die wollen, dass eine Lehre ganz absurd erscheine, um Glauben zu verdienen, und das nennen sie Triumpf des Glaubens.... Manche tun es aus Schlichtheit und erkennen nicht die Auswirkung. Das ist die Menge der Theologen, und diese Menge ist weit verbreitet." [27]

Aristoteles wurde bereits von Thomas von Aquin aus den Händen des islamischen Averroës gerettet; diese Arbeit wurde von Leibniz und Anderen wie dem Italiener Fortunius Licetus fortgeführt. Die Philosophenschulen, die die von Leibniz und anderen Idealisten angenommenen Übereinstimmung des Glaubens mit der Vernunft bekämpften, nannte man Averroisten. Sie meinten, die Seele sei vergleichbar mit einem Tropfen, der sich nach dem Tod im Ozean verliert. "Diese schlechte Leere ist sehr alt und geeignet, die Laien zu verblenden." Die Averoisten hielten die menschliche Seele nach philosophischen Prinzipien für sterblich. Vergleichbar ist diese Ansicht mit der der "Einseelen-Anhänger", wie sie bei persischen, vor allem islamischen Gelehrten, und "im Reiche des Großmoguls" vertreten wird. Später wird sie von Spinoza und den Quietisten aufgegriffen, die eine "sehr weitgetriebene Vernichtung unserer individuellen Eigentümlichkeit" annehmen. "Alles sei auf das Nichts als das erste Prinzip aller Dinge zurückzuführen. Das war, wie mir scheint, noch schlimmer als die Meinung der Averroisten. Beide Lehren sind unhaltbar, ja ungereimt." Die gesamte materialistische Philosophie, wie auch heute noch verbreitet ist, wurde averroistisch. "Es ist schon möglich, dass es Atomisten gibt, die Lust hätten als Averroisten zu lehren, wenn die Verhältnisse es gestatteten." Früher durften sie an Universitäten nicht lehren, heute gibt es fast nur noch Averroisten an Universitäten, die als Naturwissenschaftler die Studenten in die Irre führen. Über die Meinung des Averroës, der die Philosophie des Aristoteles verfälscht hat [28]: 
 

"Ich finde, daß die meisten, welche sich zu den Lehren der Mathematik hingezogen fühlen, eine Abneigung gegen die Metaphysik hegen, weil sie bei jenen Licht, bei dieser dagegen Dunkelheit wahrnehmen. Der Hauptgrund für diese Erscheinung ist meines Erachtens der, daß die allgemeinen Begriffe, die von allen für am meisten bekannt angesehen werden, infolge der Oberflächlichkeit und Unbeständigkeit der Menschen im Denken zweideutig und unklar gemacht worden und daß die davon gegebenen Definitionen nicht einmal Nominaldefinitionen sind und daher nichts erklären. Dies Übel hat sich unzweifelhaft auch in die übrigen Wissenschaften eingeschlichen, die jener ersten und aufbauenden untergeordnet sind. Daher haben wir statt klarer Definitionen kleinliche Unterscheidungen, statt wahrhaft umfassender Axiome topische Regeln, die häufiger durch Gegengründe entkräftet als durch Beispiele bestätigt werden. Und dennoch wenden die Menschen die metaphysischen Ausdrücke infolge einer gewissen Notwendigkeit allenthalben an und schmeicheln sich mit dem Glauben, das zu verstehen, was sie auszusprechen gelernt haben. In Wahrheit aber sind offenbar die wahren und ergiebigen Begriffe nicht bloß der Substanz, sondern auch der Ursache, der Tätigkeit, der Beziehung, der Ähnlichkeit und vieler anderer allgemeiner Ausdrücke gewöhnlich unbekannt. Daher darf es denn niemand wundernehmen, daß jene Hauptwissenschaft, die unter dem Namen der ersten Philosophie auftritt und von Aristoteles die ersehnte oder gesuchte genannt ward, noch heute zu den gesuchten gehört. Allerdings sucht Platon in seinen Dialogen aller Arten den Inhalt der Begriffe auf, und das nämliche tut Aristoteles in der sogenannten Metaphysik, viel aber scheint das nicht genützt zu haben. Die spätem Platoniker verfielen darauf, seltsame Erdichtungen vorzutragen, und den Aristotelikern, namentlich den Scholastikern, lag mehr daran, Fragen aufzuwerfen, als sie zu lösen. In der Neuzeit haben zwar etliche ausgezeichnete Männer ihre Gedanken auch auf die erste Philosophie gerichtet, aber bis jetzt ohne sonderlichen Erfolg. Daß Descartes manches Vortreffliche vorgebracht, durch Ablenkung des Geistes vom Sinnlichen besonders das Studium Platons in gehöriger Weise wieder ins Leben gerufen und sodann mit Nutzen vom Zweifel der Akademie Gebrauch gemacht hat, kann allerdings nicht bestritten werden; allein infolge einer gewissen Unbeständigkeit oder einer Willkür im Behaupten ist er bald vom Ziele abgewichen, hat das Gewisse nicht vom Ungewissen unterschieden und daher die Natur der körperlichen Substanz verkehrterweise in die Ausdehnung gesetzt, auch von der Verbindung zwischen Seele und Körper keine richtigen Begriffe gehabt. Die Ursache von alledem war, daß er das Wesen der Substanz im Ganzen genommen nicht erfaßt hatte, denn er war sprungweise zur Lösung der schwierigsten Fragen vorgeschritten, ohne die darin enthaltenen Begriffe klargelegt zu haben. Wie sehr daher seine metaphysischen Betrachtungen der Gewißheit entbehren, erhellt aus nichts mehr als aus der Schrift, in der er dieselben auf Anraten Mersennes und anderer vergeblich in ein mathematisches Gewand zu kleiden versucht hat. Auch andere, durch Scharfsinn ausgezeichnete Männer, haben sich mit der Metaphysik befaßt und einiges tief erwogen, es aber so in Dunkelheiten eingehüllt, daß sie mehr zu weissagen als zu beweisen scheinen. Mir scheint nun aber gerade in der Metaphysik mehr Klarheit und Gewißheit nötig zu sein als in der Mathematik, weil die mathematischen Dinge ihre Proben und Beweise in sich tragen, was die Hauptursache ihres Erfolges ist, während man in der Metaphysik dieses Vorteils entbehrt. Daher ist bei dieser ein ganz besonderes Verfahren beim Aufstellen der Sätze und gleichsam ein Faden im Labyrinthe nötig, mit dessen Hilfe die Fragen, nicht weniger als bei der Methode des Euklid, völlig rechnungsmäßig gelöst werden, wobei indessen die Klarheit in acht genommen werden muß, die den landläufigen Redensarten keine Zugeständnisse macht."  - Leibniz

"Verschiedene scharfsinnige Leute glaubten und glauben noch heute, daß es nur einen einzigen Geist gibt, der allgemein ist und das Universum nebst allen seinen Teilen, jeden seinem Bau und den Organen gemäß, die er findet, in der Weise belebt, wie ein und derselbe Luftstrom verschiedene Orgelpfeifen zu verschiedenen Tönen bringt, so daß er also, wenn ein Geschöpf seine wohleingerichteten Organe besitzt, darin die Wirkung einer besondern Seele hervorbringt, während dagegen, wenn die Organe verderben, diese besondere Seele in Nichts zerfällt oder vielmehr sozusagen in den Ozean des allgemeinen Geistes zurückkehrt. Der Meinung mehrerer zufolge ist Aristoteles einer ähnlichen Ansicht gewesen, die dann von Averroës, einem berühmten arabischen Philosophen, von neuem ins Leben gerufen worden ist. Dieser glaubte, es bestände in uns ein intellectus agens oder tätiger und ein intellectus patiens oder leidender Verstand, und daß der erstere, der von außen komme, ewig und für alle allgemein wäre, während der leidende Verstand, der jedem eigentümlich sei, mit dem Tode des Menschen erlösche. Diese Lehre ist seit zwei oder drei Jahrhunderten von einigen Peripatetikern, wie z. B. Pomponatius, Contarenus u. a., aufgenommen worden, und Spuren davon zeigen sich auch bei dem verstorbenen Herrn Naudé, wie dessen Briefe und die vor kurzem erschienenen Naudaeana ergeben. Sie trugen diese Lehre im geheimen ihren tüchtigsten und vertrautesten Schülern vor, öffentlich aber behaupteten sie klugerweise, der Philosophie nach, worunter sie vorzugsweise die Aristotelische verstanden, sei diese Lehre allerdings wahr, dem Glauben nach wäre sie jedoch falsch, woraus dann schließlich die Streitigkeiten über die zwiefache Wahrheit entstanden, die auf dem letzten Lateranischen Konzil verdammt wurde. Wie ich mir habe sagen lassen, war auch die Königin Christine dieser Ansicht sehr geneigt, und da Herr Naudé, der die Stelle eines Bibliothekars bei ihr bekleidete, davon angesteckt war, so scheint es, daß er ihr das mitgeteilt habe, was er von den geheimen Ansichten der berühmten Philosophen, die er in Italien besuchte, in Erfahrung gebracht hatte. Spinoza, der nur eine einzige Substanz anerkennt, weicht nicht viel von dieser Lehre von einem einzigen Weltgeiste ab, und auch die neuern Cartesianer, denen zufolge nur Gott allein handelt, stellen sie auf, sozusagen ohne daran zu denken. Ebenso hat es den Anschein, daß Molinos und einige andere neue Quietisten, darunter ein gewisser Johannes Angelus Silesius, der vor Molinos geschrieben hat und von dem einige Schriften neuerdings wieder aufgelegt worden sind, und vor diesen sogar Weigel dieser Ansicht vom Sabbat oder der Ruhe der Seelen in Gott gehuldigt haben. Deshalb meinten sie, daß das Aufhören aller besondern Tätigkeit der höchste Grad der Vollkommenheit wäre."  - Leibniz

"An sich ist die Lehre von einem allgemeinen Geiste gut, denn alle, welche sich zu ihr bekennen, nehmen in der Tat das Dasein der Gottheit an, mögen sie nun diesen Geist für das Höchste halten – denn dann nehmen sie ihn für Gott selbst – oder mögen sie mit den Kabbalisten glauben, daß Gott ihn geschaffen habe, welcher Ansicht auch der Engländer Henricus Morus und einige andere Philosophen und besonders gewisse Chymisten waren, welche glaubten, daß es einen allgemeinen Archäus oder eine Weltseele gäbe. Einige haben auch behauptet, es wäre dies der Geist Gottes, der über dem Wasser schwebte, wie es zu Anfang der Genesis heißt."  - Leibniz

"Wenn man sich jedoch zu der Behauptung versteigt, dieser allgemeine Geist sei der einzige und es gebe keine Seelen oder besondern Geister oder zum wenigsten sei die Dauer dieser Seelen eine endliche, so überschreitet man meines Erachtens die Grenzen der Vernunft und stellt ohne Grund eine Lehre auf, von der man nicht einmal einen deutlichen Begriff hat. Prüfen wir ein wenig die Scheingründe, auf die sich diese Lehre stützt, die die Unsterblichkeit der Seelen verneint und die Menschheit oder vielmehr alle lebenden Geschöpfe des Rangs entkleidet, der ihnen gebührt und ihnen gemeiniglich zuerteilt wird. Denn mich dünkt, eine Ansicht von solchem Gewichte muß bewiesen werden, und es genügt nicht, wenn man nur ein Phantasiebild davon hat, das in Wahrheit nur auf einem sehr lahmen Vergleiche mit dem Hauche beruht, der die Musikinstrumente belebt."  - Leibniz

"Die, welche die besondern Seelen leugneten, glaubten sich damit aus aller Verlegenheit gezogen zu haben, aber es heißt das den Knoten zerhauen, anstatt ihn zu lösen, und ein Beweis, der die Form haben würde: 'Man hat bei der Auslegung einer Lehre einander widersprochen, also ist diese Lehre falsch', hat keine Kraft. Es ist dies die Folgerungsweise der Skeptiker, und wenn dieselbe zulässig wäre, gäbe es nichts, was man nicht verwerfen könnte. Die Erfahrungen unserer Zeit bringen jedoch zu dem Glauben, daß die Seelen und sogar die Geschöpfe jederzeit existiert haben, wenn auch nur in kleiner Größe, und daß die Zeugung nur eine Art Vergrößerung ist, und auf diese Weise verschwinden alle Schwierigkeiten in bezug auf die Erzeugung der Seelen und Formen. Ich spreche jedoch Gott deshalb nicht das Recht ab, neue Seelen zu schaffen oder denen, die bereits in der Natur sind, einen höhern Grad von Vollkommenheit zu verleihen, hier ist aber nur vom gewöhnlichen Lauf der Natur die Rede, ohne daß näher auf das Verfahren Gottes in bezug auf die menschlichen Seelen eingegangen wird, welche letztern sehr wohl besondere Vorrechte erhalten haben können, da sie unendlich über die Tierseelen erhaben sind. Daß aber so viele scharfsinnige Leute sich der Lehre von einem allgemeinen Geiste zugeneigt haben, dazu hat meines Erachtens auch der Umstand viel beigetragen, daß die gewöhnlichen Philosophen über die bloße Seele und über die vom Körper und den Organen unabhängigen Verrichtungen der Seele eine Lehre zum Besten gaben, die sie nicht hinlänglich zu begründen vermochten. Sie hatten sehr recht, daß sie die Unsterblichkeit der Seele als den göttlichen Vollkommenheiten und der wahren Moral gemäß aufrechtzuerhalten suchten, da sie aber sahen, daß durch den Tod die Organe, die man bei den Geschöpfen wahrnimmt, in Unordnung gerieten und schließlich in Fäulnis übergingen, so glaubten sie die bloßen Seelen zu Hilfe nehmen, d. h. annehmen zu müssen, daß die Seele ohne jeden Körper bestehe und dessenungeachtet auch dann ihre Gedanken und ihre Verrichtungen habe. Und um dies sicherer zu beweisen, versuchten sie zu zeigen, daß die Seele schon in diesem Leben abstrakte und von stofflichen Vorstellungen unabhängige Gedanken hat. Nun aber waren diejenigen, welche diesen Zustand der Trennung und der Unabhängigkeit als der Erfahrung und der Vernunft zuwider verwarfen, nur um so mehr dazu geneigt, an das Erlöschen der besondern und an das Fortbestehen des allgemeinen Geistes allein zu glauben."  - Leibniz

"Im Schlafe und der Ohnmacht hat uns die Natur eine Probe gegeben, der gemäß wir urteilen müssen, daß der Tod nicht eine Aufhebung aller Verachtungen, sondern nur eine Aussetzung gewisser mehr in die Augen fallender Verrichtungen ist. Und an anderer Stelle habe ich einen wichtigen Punkt dargelegt, dessen unzulängliche Berücksichtigung die Menschen leichter zu der Ansicht von der Sterblichkeit der Seelen geführt hat, nämlich daß es eine große Anzahl gleicher und einander aufwiegender kleiner Vorstellungen gibt, die nichts Hervortretendes und nichts Unterscheidendes haben, die nicht bemerkt werden und deren man sich nicht erinnert. Daraus aber schließen wollen, daß die Seele alsdann ohne Verrichtungen sei, ist das nämliche, als wenn der große Haufe glaubt, daß sich da, wo es keinen wahrnehmbaren Stoff gibt, ein Leeres oder ein Nichts finde und daß die Erde keine Bewegung habe, weil diese Bewegung, da sie gleichmäßig und ohne Stöße erfolgt, nicht wahrnehmbar ist. Wir haben eine unendliche Menge von kleinen Vorstellungen, die wir nicht voneinander zu unterscheiden vermögen: Ein lautes, betäubendes Geräusch, wie z. B. das Gemurmel einer zahlreichen Volksmenge, ist aus dem leisen Gemurmel all der einzelnen Personen zusammengesetzt, das man einzeln nicht wahrnehmen würde, von dem man aber doch eine Empfindung haben muß, da man sonst das Ganze nicht wahrnehmen würde. Wenn daher auch das Geschöpf der Organe beraubt ist, die imstande sind, ihm hinlänglich deutliche Vorstellungen zu verleihen, so folgt daraus doch nicht, daß ihm nicht kleinere und gleichförmigere Vorstellungen bleiben, noch daß es aller Vorstellungen und aller Organe beraubt sei. Die Organe sind dann eben nur eingewickelt und auf einen kleinern Umfang gebracht, die Ordnung der Natur aber fordert, daß alles sich wieder entwickle und eines Tages in einen wahrnehmbaren Zustand zurückkehre und daß bei diesem Wechsel ein gewisser gutgeregelter Fortschritt stattfinde, der zum Absterbenmachen und zur Vervollkommnung der Dinge dient. Wie es scheint, hat auch Demokrit diese Wiedererweckung der Geschöpfe geahnt, denn Plotin berichtet von ihm, er habe eine Auferstehung gelehrt. Alle diese Betrachtungen zeigen, daß nicht bloß die besondern Seelen, sondern sogar die Geschöpfe selbst fortbestehen und daß kein Grund zur Annahme eines gänzlichen Erlöschens der Seelen oder auch einer völligen Zerstörung des Geschöpfes vorhanden ist, und folglich, daß man nicht einen allgemeinen Geist zu Hilfe zu nehmen und nicht die Natur ihrer besondern und dauernden Vollkommenheiten zu berauben braucht, was in Wirklichkeit keine genügende Berücksichtigung der Ordnung und Harmonie sein würde. Auch gibt es bei der Lehre von einem einzigen allgemeinen Geiste sehr viele Dinge, die sich nicht aufrechterhalten lassen und zu weit größern Schwierigkeiten führen als die gewöhnliche Lehre."  - Leibniz

"Wenn aber in der Natur nur der allgemeine Geist und der Stoff besteht, so wird man sagen müssen, daß, falls nicht der allgemeine Geist selbst in verschiedenen Personen entgegengesetzte Dinge glaubt und will, dies durch den Stoff geschieht, der verschieden ist und verschieden wirkt – wenn aber der Stoff tätig ist, wozu nützt dann jener allgemeine Geist? Ist aber der Stoff nur ein erstes Leidendes oder besser ein durchaus Leidendes, wie können ihm da jene Tätigkeiten beigelegt werden? Es ist daher mehr der Vernunft gemäß, wenn man annimmt, neben Gott, dem höchsten Tätigen gebe es noch eine Menge besonderer Tätiger, da es eine Menge von besondern und entgegengesetzten Handlungen und Erleidungen gibt, die nicht demselben Wesen zugeschrieben werden können. Diese tätigen Wesen aber sind nichts anderes als die besondern Seelen."  - Leibniz
 

Ein geflügeltes Wort damals war: "Wenn die Türken und der König von Schweden nicht schrecklicher sind." Nachdem König Karl XII. infolge seiner Niederlage gegen Truppen Peters des Großen bei Poltawa 1709 der Rückweg nach Schweden abgeschnitten war, hielt er sich unter türkischem Schutz in Bender auf und bemühte sich, die Pforte zum Krieg gegen Russland zu bewegen. Leibniz urteilte über den schwedischen König: "Dieser Fürst ist immer eigensinnig, und sein Volk macht sich immer etwas vor. Das könnte sie noch in größere Schwierigkeiten bringen ... dieser Fürst will Alexander sein oder nichts."  Die Heilige Allianz (Österreich, Polen, Venedig, Russland) unter dem Protektor Papst Innozenz XI. schlug die Türken - trotz der Angriffe Ludwigs XIV. im Westen, nachdem sie bis nach Wien (1683) gelangt waren, vernichtend zurück. Türkensieger sind Maximilian II. , Emanuel von Bayern und Ludwig von Baden ("Türkenlouis"). 1686-97 werden Ungarn und Belgrad von den Türken befreit. 1691 wird Siebenbürgen befreit. 1696 erobert Zar Peter I. das von Türken besetzte Asow. 1697 wird Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres. Der Großneffe Mazarins ist seit 1683 in österr. Dienst, nachdem er von Ludwig XIV. seiner kleinen Gestalt wegen abgewiesen worden war. 1697 schlägt Prinz Eugen von Savoyen die Türken vernichtend bei Zenta und erobert Sarajewo. 1716-18: Im 3. Türkenkrieg siegt Prinz Eugen bei Peterwalden, Temesvar und Belgrad. 1700-40 Feldherr und führender Staatsmann der neuen Großmacht ist Prinz Eugen. Wien wird politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt des Reiches. Die Grundlagen für den wissenschaftlichen Aufschwung legt Leibniz. "Das sogenannte Einrichtungswerk (1689) schafft die Voraussetzung zur Kolonisation der durch die Türkenherrschaft entvölkerten Donau-Gebiete." Leibniz schlägt ein Dreierbündnis vor zwischen Deutschland, dem Kaiser und dem Zaren. Der Kaiser könne die Truppen und der Zar die Flotte stellen. "Das wäre eine Unternehmung ganz im Stile der alten Ritter der Tafelrunde, die für die Damen kämpfen." [29]

1712 wird Leibniz Berater des Zaren Peter der Große in Sachen Wissenschaften und Rechtswesen. Der Zar hat gewünscht, "ich solle nach Karlsbad reisen, während er dort sei... der Zar hat mir nämlich durch seinen Großkanzler Graf Golovkin sagen lassen, ich solle die Gesetze verbessern und Verordnungen für das Rechtswesen und die Justizverwaltung vorschlagen." Leibniz war am 11. November 1712 zum russischen Geheimen Justizrat mit Auftrag zur Pflege der mathematischen und anderer Wissenschaften ernannt worden. Er begleitete den Zaren über Tepliz bis Dresden. "Nachdem ich dem Zaren meine Aufwartung gemacht hatte, die sehr zu meiner Zufriedenheit verlief, habe ich Nachricht aus Wien, dass ich nicht übel handelte, wenn ich das auch beim Kaiser täte, nachdem ich den Weg schon zur Hälfte zurückgelegt hätte. Der Kaiser ist sehr geneigt die Wissenschaften zu fördern... Er denkt ernsthaft daran, die Gelehrsamkeit und die guten Wissenschaften zu fördern, und sieht ein, dass es daran fehlt.... Der Kaiser hat mir die Auszeichnung erwiesen, mir in seinen Privaträumen Audienz zu geben, so wie einem seiner Minister und wie Personen mit besonderem Zutritt." Kaiser Karl VI. berief Leibniz in den Reichshofrat; zudem wurde er erster Präsident oder Direktor der von ihm organisierten Sozietäten / Akademien in Berlin (1700), Dresden (1704) und Wien (1713). Leibniz verbrachte etwa 40 Jahre im Dienst des Welfenhauses in Hannover; zuerst unter Herzog Johann Friedrich als Bibliothekar und Hofrat; dann als Histograph des Welfenhauses unter dem Kurfürsten Ernst August, der ihn 1696 zum Geheimen Justizrat ernannte; in gleicher Funktion unter dem Kurfürsten Georg Ludwig, seit 1714 auch als Georg I. König von England. Den Titel eines Geheimen Justizrats verliehen ihm auch der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. und wie schon erwähnt Zar Peter I.  [30]

Überall mussten Türken und Tataren bekämpft werden. Leibniz schreibt: "General Steinville hat aus Transsilvanien gemeldet, dass 40 000 Tataren auf dem Marsch seien, um in Polen einzudringen." Womöglich sei auch der König von Schweden daran beteiligt. "Es heißt auch, der Zar werde in Deutschland bleiben, und der König von Polen werde sowohl die Truppen des Zaren als auch seine eigenen gegen die Türken kommandieren." Leibniz sieht beim Zaren Zeichen dafür, "dass er den Türkenkrieg nicht fürchtet." Auch der Kaiser "braucht alle guten Eigenschaften, die er besitzt, um seinen guten Ruf und den des Reiches zu behaupten oder vielmehr Deutschland und sogar Europa vor einer drohenden Gefahr zu retten." [31]

Leibnitz' neues Buch, "Essais de Théodicée" wird von den meisten Zeitgenossen "für ziemlich erbaulich gehalten, sogar in England." Manche schreiben: "Sie haben ein Wunder gewirkt, indem sie ein Buch geschrieben haben, das allen Christen gefällt." Da in dem Buch Raimundus Lullus getadelt wird, erklären seine Anhänger ihm zugunsten von Lull den Krieg und wollen ihn widerlegen. Lull gehörte dem Orden der Franziskaner an, die an der Auslöschung des Templerordens beteiligt waren. Leinbniz über Lull: "Gewiss ist wenigstens, dass er eine Kunst geliefert hat, betitelt die große Kunst, die dazu nützt, über alles weitläufig zu reden: Doch meiner Ansicht nach nützt sie mehr dazu, die Dinge oberflächlich zu behandeln als sie zu vertiefen." [32]

Wie allen großen Philosophen ging es Leibniz um eine Art Erziehung des Menschengeschlechts. "Das war das Ziel von Moses und anderer guter Gesetzgeber, der weisen Begründer der religiösen Orden und vor allem das von Jesus Christus, dem göttlichen Begründer der reinsten und aufgeklärtesten Religion... erst Jesus Christus zeigte die vollen Konsequenzen dieses Standpunktes und lehrte erkennen, wie Gottes Güte und Gerechtigkeit in dem, was er den Seelen zuteil werden läßt, sich vollkommen offenbart... Ihm allein gelang das, was so viele Philosophen vergebens versucht hatten, und da die Christen schließlich die Oberhand in dem römischen Reiche gewannen, das damals den besten Teil der bekannten Erde beherrschte, so wurde die Religion der Weisen zu derjenigen der ganzen Völker." Mohammed war nach Leibniz weder weise noch in der Lage das Christentum zu verstehen, aber immerhin gesteht er ihm und seinen Anhängern zu, in einer ganzen Reihe von Ländern die heidnischen Formen des Aberglaubens abgeschafft zu haben - natürlich mit dem Nachteil, dass sie das "fatum mahumetanum", also "die Meinung, welche die Mohammedaner vom Geschicke hegen", die faule Vernunft, "die ein richtiger Trugschluss ist", verbreiteten und damit einen Irrtum durch einen anderen ersetzten. "So haben bisweilen selbst die Irrtümer ihren Nutzen, aber doch gewöhnlich nur, um anderen Irrtümern abzuhelfen, und so ist, absolut gesprochen, doch die Wahrheit besser." Man müsse Menschen, heute vor allem Muslime, von ihren falschen Vorstellungen abbringen, "als ob Gott ein absoluter Fürst sei, nach Wilkür verfährt und wenig geeignet und würdig ist, geliebt zu werden." [33]
 

"So habe ich oft junge, aufgeweckte Leute, die ein wenig die Geistreichen spielen wollten, sagen hören, es sei unnütz, die Tugend zu pflegen, das Laster zu tadeln ... da man ja doch vom Buche des Geschickes sagen könne, dass das, was geschrieben, geschrieben ist, und dass unser Benehmen daran nichts ändern kann, so dass es das beste ist, seiner Neigung zu folgen und sich nur mit demjenigen zu beschäftigen, was uns gegenwärtig zu befriedigen mag. Sie dachten dabei nicht an die eigenartigsten Folgen dieses Arguments, das zuviel beweisen würde, würde es doch zum Beispiel beweisen, dass man ein angenehm schmeckendes Getränk zu sich nehmen muss, auch wenn man wüsste, dass es vergiftet ist... infolgedessen kann ich ungestraft meiner Neigung folgen, das mir Angenehme zu mir zu nehmen, mag es auch noch so verderblich sein, was doch eine offenbare Absurdität bedeutet." - Gottfried Wilhelm Leibniz


Leibniz meint, "fast zu allen Zeiten haben sich die Leute durch ein Sophisma blenden lassen, das man im klassischen Altertum als das der faulen Vernunft bezeichnete, weil es darauf hinauslief, nichts zu tun oder doch zum mindesten, sich um nichts zu kümmern und dem Hange der gegenwärtigen Freuden des Lebens zu folgen. Denn, so pflegte man's auszudrücken, wenn das Zukünftige notwendig eintrifft, so wird das Notwendige eintreffen, gleichgültig, was ich tue." Die falsch verstandene Idee von der Notwendigkeit hat das aufkommen lassen, was man als "fatum mahumetanum" oder Türkenglaube zu bezeichnet pflegt. Manche Leute verwenden auch die Faule Vernunft, wenn es sich darum handelt, seine Gesundheit und selbst sein Leben durch ein gesundes Leben zu erhalten. Wenn man ihnen einen Rat darüber gibt, so antworten sie sie recht oft, unsere Tage seien doch gezählt und es nütze nichts, gegen das ankämpfen zu wollen, was Gott uns zugedacht hat. "Und dann laufen dieselben Leute hinter den lächerlisten Heilmitteln her, wenn das Übel, dass sie bis dahin vernachlässigt, bedrohlich näher rückt." Diese Faulheit war früher zum Teil die Quelle der abergläubischen Praktiken der Zauberer - heute sind es die Praktiken der mechanistischen Schulmediziner, "auf die die Leute geradeso leicht wie auf den Stein der Weisen hereinfallen, weil sie abgekürzte Wege haben möchten, um dem Glück mühelos die Hand zu reichen." [34]
 

"Wie sehr auch die große Menge der Modernen die Aristotelische Logik verachtet: diese Logik enthält trotzdem unfehlbare Mittel, um bei solchen Gelegenheiten sich vor Irrtum zu hüten." - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Beinahe alle unsere Fehler stammen daher aus Verachtung oder magelhafter Ausbildung der Kunstfertigkeit des Denkens."  - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Die ausgezeichnetsten Philosophen unserer Zeit, die Verfasser von La logique ou l'art de penser, von De la recherche de la vérité und von An essay concerning human understanding sind weit davon entfernt, uns die wahren Mittel anzugeben zur Unterstützung dieser Fähigkeit."  - Gottfried Wilhelm Leibniz


Im Grunde genommen kann keine Wahrheit einer anderen widersprechen und "das Licht der Vernunft ist ebenso ein Geschenk Gottes wie das Licht der Offenbarung." Nicht nur das Beispiel des Islams, beispielsweise wie heutige christliche Würdenträger damit umgehen, zeige "wie ungenau wir denken und wie oft wir zu Handlangern unserer Irrtümer werden." Diese Leute verwirren sich durch zweideutige und doppelsinnige Ausdrücke, unterstreichen ihre Gelehrsamkeit, fast hat es den Anschein "als hassten sie die bloße Wahrheit, vielleicht weil sie befürchten, diese sei weniger angenehm als der Irrtum. Und dies geschieht, weil ihnen die Erhabenheit des Schöpfers aller Dinge, der Quell aller Wahrheit, unbekannt ist." [35]
 

"Denn die wahre Religion muss Eigenschaften haben, die den falschen Religionen abgehen; sonst würden ja Zoroaster, Brahma, Somonokhadon und Mohammed ebensoviel Glauben verdienen wie Moses und Jesus Christus.." - Gottfried Wilhelm Leibniz
Die Kirchenväter haben bei ihren Erörterungen "keineswegs einfach die Vernunft verworfen." Bei ihren Disputen mit den Heiden bemühen sie sich gewöhnlich aufzuzeigen, "wie sehr das Heidentum der Vernunft widerspricht und wie sehr die christliche Religion ihm in dieser Hinsicht überlegen ist." Origenes meinte zum Beispiel, "die Vernunft ist weit entfernt davon, zum Christentum in Gegensatz zu stehen, sie bildet vielmehr die Grundlage dieser Religion und bekehrt alle zu ihm, die fähig sind, in eine Untersuchung einzutreten... Wäre es möglich, dass alle Menschen unter Vernachlässigung der täglichen Beschäftigungen sich dem Studium und dem Nachdenken hingäben, so bräuchte man keinen anderen Weg zu suchen, um sie zur Annahme der christlichen Religion zu bewegen." Auch Augustinus ist ähnlicher Ansicht, er meint die gewünschte Lösung sei einem heiligen, gottbegnadeten Manne vorbehalten. Luther spricht von einer himmlischen Akademie. [36]
 
"Ich aber glaube ganz im Gegenteil, man muss hierin ein Zeichen der Kraft des Menschengeistes erblicken, welche ihn in das Innere der Dinge eindringen lässt." - Gottfried Wilhelm Leibniz


Als Empiriker können wir uns natürlich irren, aber wenn unser Urteilsvermögen genau den Denkgesetzen entsprechend gebraucht wird, können wir zur Wahrheit durchdringen. "Versteht man unter Vernunft ganz allgemein die Fähigkeit, schlecht und recht zu räsonieren, dann gebe ich zu, sie vermag uns zu täuschen und täuscht uns auch wirklich." Descates, Bayle und später Kant sprechen von Grenzen der Erkenntnis oder davon, man müsse "seinen Verstand dem Glaubensgehorsam opfern." Leibniz findet dieses Räsonnnement kraftlos. Heraus käme nur leeres oder sinnloses Gerede, wie Clemens Alexandrinus es nennen würde. Die scharfsinnigsten Menschen können sich irreleiten lassen. "Dieser Satz des Herrn Descartes, an dem seine Schüler (die überhaupt selten an seinen Aufstellungen zweifeln) festhalten, erschien mir immer sonderbar." [37]
 

"Die völlig verworren gewordenen Vorstellungen aber müssen sich aus Gründen, die ich sogleich anführen werde, bei den Geschöpfen wieder entwirren. Daher muß man zwischen der Vorstellung, welche der innere, die Außendinge darstellende Zustand der Monade ist, und der Anschauung unterscheiden, welche das Bewußtsein oder das auf diesen innern Zustand bezügliche Wissen ist, welches weder allen Seelen noch derselben Seele immerwährend verliehen ist. Weil die Cartesianer diesen Unterschied nicht machten, fehlten sie, indem sie die Vorstellungen, welche man nicht wahrnimmt, für nichts rechneten, wie das Volk die nicht in die Sinne fallenden Körper für nichts rechnet. Das brachte auch die Cartesianer zu dem Glauben, daß nur die Geister Monaden seien und daß es keine Tierseelen und noch weniger andere Lebensprinzipien gäbe. Wie sie aber einerseits die allgemeine Ansicht allzusehr vor den Kopf stießen, indem sie den Tieren die Empfindung absprachen, so bequemten sie sich andererseits allzusehr den Vorurteilen der Menge an, indem sie eine lange Betäubung, die einer großen Verworrenheit der Vorstellungen entspringt, mit dem eigentlichen Tode verwechselten, bei dem alles Vorstellen aufhören würde, was dann die unbegründete Ansicht von der Vernichtung gewisser Seelen und die gottlose Anschauung einiger angeblicher Freigeister, welche die Unsterblichkeit der menschlichen bestritten, befestigt hat. In den Vorstellungen der Tiere besteht eine Verknüpfung, die einige Ähnlichkeit mit der Vernunft hat; dieselbe beruht jedoch einzig auf der Erinnerung an das Geschehene und nicht auf der Kenntnis der Ursachen. Daher flieht ein Hund den Stock, mit dem er geschlagen wurde, weil das Gedächtnis ihm den Schmerz vorstellt, den dieser Stock ihm verursacht hat. Auch die Menschen handeln, soweit sie blind der Erfahrung folgen, also bei drei Vierteln ihrer Handlungen, nur wie Tiere. So erwartet man z. B., daß es morgen Tag werden wird, weil man es immer durch die Erfahrung so erprobt hat. Nur der Astronom sieht es aus Gründen voraus, und sogar diese Vorhersagung wird schließlich fehlschlagen, wenn die Ursache des Tages, die nicht ewig ist, aufhört. Der wahrhafte Vernunftgebrauch aber hängt von ewigen oder notwendigen Wahrheiten, wie denen der Logik, der Zahlenlehre, der Geometrie ab, welche die unzweifelhafte Verbindung der Begriffe und die untrüglichen Schlußfolgerungen bilden. Die Geschöpfe, bei denen sich diese Schlußfolgerungen nicht zeigen, heißen Tiere, während diejenigen, welche diese notwendigen Wahrheiten kennen, im eigentlichen Sinne vernünftige Geschöpfe und ihre Seelen Geister genannt werden. Diese Seelen haben die Fähigkeit, Akte der Selbstbetrachtung vorzunehmen und das, was man Ich, Substanz, Monade, Geist nennt, kurzum die Dinge und die geistigen Wahrheiten zu betrachten, und eben das macht uns für die Wissenschaften oder beweisbaren Kenntnisse geeignet."  - Leibniz
"Aus der höchsten Vollkommenheit Gottes folgt, daß er bei Hervorbringung des Universums den besten möglichen Plan gewählt hat, in welchem sich die größte Mannigfaltigkeit mit der größten Ordnung vereint, Ort, Raum und Zeit am besten ausgenutzt, die größte Wirkung auf den einfachsten Wegen hervorgebracht und bei den Geschöpfen die meiste Macht, das meiste Wissen, das meiste Glück und die meiste Güte findet, welche das Universum fassen konnte. Denn da im Verstande Gottes alle Möglichkeiten nach Maßgabe ihrer Vollkommenheiten nach dem Dasein streben, so muß die bestehende Welt als das Ergebnis aller dieser Bestrebungen die vollkommenste sein, welche möglich ist. Auch würde man ohne dies nicht begründen können, warum die Dinge gerade so gemacht worden sind und nicht anders. Namentlich hat die höchste Weisheit Gottes ihn zur Erwählung der Gesetze der Bewegung veranlaßt, die am besten eingerichtet und den abstrakten oder metaphysischen Gründen am meisten angemessen sind. Es erhält sich danach die nämliche Menge der gesamten und unbedingten Kraft oder der Wirksamkeit, die nämliche Menge der bezüglichen Kraft oder der Rückwirksamkeit und endlich die nämliche Menge der richtenden Kraft. Ferner ist die Wirksamkeit immer gleich der Rückwirksamkeit und die Gesamtwirkung immer ihrer Gesamtursache gleichwertig. Es ist auffallend, daß man aus der bloßen Betrachtung der bewirkenden Ursachen oder des Stoffs diese Gesetze, die erst in unserer Zeit entdeckt sind und von denen ein Teil von mir selbst aufgefunden ist, nicht zu begründen vermag. Ich habe nämlich gefunden, daß man die Endzwecke zu Hilfe nehmen muß und daß diese Gesetze nicht wie die logischen, arithmetischen und geometrischen Wahrheiten vom Prinzipe der Notwendigkeit, sondern vom Prinzipe der Angemessenheit, d. h. von der Wahl der Weisheit, abhängen. Für diejenigen, welche tiefer in die Dinge einzudringen vermögen, ist dies einer der stärksten und eindringlichsten Beweise für das Dasein Gottes."  - Leibniz

"Was die vernünftige Seele oder den Geist betrifft, so liegt in diesem etwas mehr als in den Monaden oder selbst in den einfachen Seelen. Er ist nicht nur ein Spiegel des Universums der erschaffenen Dinge, sondern auch ein Bild der Gottheit. Der Geist hat nicht bloß eine Vorstellung von den Werken Gottes, sondern er ist sogar imstande, etwas hervorzubringen, das ihnen, wenn auch nur im Kleinen, gleicht. Denn abgesehen von den Wundern des Traums, wo wir ohne Mühe, und ohne es sogar zu wollen, Dinge erfinden, über die man im Wachen, um sie zu finden, lange hätte nachdenken müssen, verhält unsere Seele sich auch bei den freiwilligen Handlungen bildend, und indem sie die Wissenschaften entdeckt, denen gemäß Gott die Dinge geregelt hat, ahmt sie pondere, mensura, numero in ihrem Bereiche und in ihrer kleinen Welt, in der ihr die Ausübung ihrer Fähigkeiten gestattet ist, das nach, was Gott in der großen schafft. Deshalb sind alle Geister, seien es Menschen oder Genien, indem sie vermöge der Vernunft und der ewigen Wahrheiten mit Gott in eine Art Gemeinschaft treten, Glieder des Gottesstaates, d. h. des vollkommensten, vom größten und besten aller Monarchen gebildeten und regierten Staates, wo es keine Verbrechen ohne Strafe, keine gute Handlung ohne angemessene Belohnung und endlich so viel Tugend und Glück als möglich gibt, und zwar nicht durch eine Störung der Natur, als ob das, was Gott den Seelen bereitet, die Gesetze der Körper störte, sondern gerade durch die Ordnung der natürlichen Dinge kraft der von Ewigkeit her zwischen den Reichen der Natur und der Gnade, zwischen Gott dem Bildner und Gott dem Herrscher vorherbestimmten Harmonie, so daß die Natur zur Gnade führt und die Gnade die Natur vervollkommt, indem sie sich derselben bedient."  - Leibniz "Die Kenntnis der notwendigen und ewigen Wahrheiten dagegen ist das, was uns von den bloßen Tieren unterscheidet und uns die Vernunft und die Wissenschaften verschafft, indem sie uns zur Erkenntnis unserer selbst und Gottes erhebt. Und eben das nennt man die vernünftige Seele oder den Geist in uns."  - Leibniz

"Auch ist Gott nicht bloß die Quelle des Seienden, sondern auch die Quelle der Wesentlichkeiten, soweit sie wirklich sind oder soweit Wirkliches in der Möglichkeit enthalten ist, und zwar deshalb, weil der Verstand Gottes die Region der ewigen Wahrheiten oder der Ideen ist, von denen sie abhängen, und weil es ohne ihn nichts Wirkliches in den Möglichkeiten und nicht bloß nichts Seiendes, sondern auch nichts Mögliches geben würde."  - Leibniz

"Daher gibt es nichts Unbewohntes, nichts Unfruchtbares, nichts Totes im Universum und nur dem Anschein nach ein Chaos oder eine Verworrenheit, ungefähr wie wenn man in einem Teiche aus der Entfernung nur eine verworrene Bewegung und sozusagen ein Gewimmel von Fischen sähe, ohne die Fische selbst zu unterscheiden."  - Leibniz


Leibniz nahm die Dinge mit Humor und meinte, wir leben in der bestmöglichen aller Welten; wer das nicht einsähe, dem fehle es an Achtsamkeit - ähnlich wie unsere heutigen Achtsamkeitsapostel es lehren, nur dass heute die Achtsamkeit gelehrt wird, damit noch effektiver "Business as usual" stattfinden kann. Leibniz bewundert die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers angesichts des heutigen Lebensstils: "Ich wundere mich nicht, die Menschen zuweilen krank zu finden, wohl aber erstaune ich, dass sie dies so selten, ja dass sie es nicht ständig sind."   [38]

 
"Sagt man, die Übel seien bedeutend und ihre Zahl sei groß, verglichen mit den Gütern, dann täuscht man sich. Nur aus Mangel an Achtsamkeit verkleinern wir unsere Güter, und es bedarf einiger Übel, um diese Achtsamkeit in uns wach werden zu lassen. Wären wir für gewöhnlich krank und selten bei guter Gesundheit, dann würden wir die Größe dieses Gutes wunderbar schätzen und unsere Leiden weniger beachten... Leute, die Humor genug besitzen, Natur und Schicksal zu loben, statt sich darüber zu beklagen, selbst wenn sie nicht besonders gut abgeschnitten haben, sind, so dünkt mich, den anderen vorzuziehen."  - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Die Natur heilt uns ja doch weit besser als die Medizin."  - Gottfried Wilhelm Leibniz
 

Wie Origenes war Leibniz der Ansicht, das Gute werde zu seiner Zeit vollständig die Oberhand gewinnen. Viele seiner Zeitgenossen haben das Prinzip seiner Harmonie übernommen, auch wenn Leibniz Einigen, die sich für die Partei des Origines erklärten und "mit großem Scharfsinn ihrer Sache angenommen" haben, wie Le Clerc, nur bedingt folgen wollte. Denn es ging um eine "astronomische Theologie"  oder heute würde man sagen, eine Theorie, die Ähnlichkeit mit Rudolf Steiner's Kosmologie hat. "Die gegenwärtige Unordnung dieser Welt hier unten habe begonnen, als der dem Erdball vorstehende Engel, während dieser Erdball noch eine Sonne war (d.h. ein selbstleuchtender Fixstern) zusammen mit mehreren niederen Engeln seines Bezirks eine Sünde beging, vielleicht durch eine unangebrachte Auflehnung gegen den Engel einer größeren Sonne; und dass unsere Erde gleichzeitig infolge einer prästabilisierten Harmonie zwischen den Reichen der Natur und der Gnade, somit aus natürlichen, sich daraus herleitenden Gründen, mit Flecken bedeckt, verdunkelt und von ihrem Platze vertrieben worden sei, was zur Folge hatte, dass sie zu einem herumirrenden Stern oder Planeten, d.h. zum Sateliten einer anderen Sonne wurde, vielleicht gerade der Sonne, deren Vorrang der Engel nicht anerkennen wollte; und dass hierin der Sturz des Luzifers besteht... Da sei Jesus Christus zur Rettung der Menschen erschienen." Leibniz meinte schon damals, "Heutzutage aber muss man, welche Grenzen man dem Weltall zu- oder abspricht, anerkennen, dass es unzählige Erden gibt, von derselben und noch größerer Ausdehnung als die unsrige." [39]

Seit Augustinus hat es in den Schulen für Aufregung gesorgt, dass "das Übel nur eine Beraubung des Seins ist, während die Tätigkeit Gottes auf etwas positives gerichtet ist." Platon, Augustinus und die Scholastiker hielten Gott für die Ursache der Materie des Bösen, die etwas positives darstellt. "Was die Kraft der Materie, das ist der Geist dem Fleische." Besitzt der Handelnde kein Urteilsvermögen, so gibt es keine Freiheit, die Seele wird zum willenlosen Verstand und das Resultat wäre, dass man "einer absurden und unerträglichen sklavischen Notwendigkeit, d.h. dem fatum mahometanum verfiele: und dies ist das Schlimmste von allem, da es Voraussicht und Überlegung zuschanden macht." Dies zeigt auch das Beispiel des Brüsseler Prozesses gegen acht islamisch-arabische Prinzessinnen, die Dienst- und Kindermädchen als Sklavinnen behandelt haben. Das sogenannte faule Sophisma, "man solle sich um nichts bekümmern, mag vielleicht zuweilen nützlich sein, um gewisse Leute anzustacheln, sich blindlings in Gefahr zu begeben, was man besonders von den türkischen Soldaten gesagt hat." In islamischen Ländern wird dadurch verhindert, dass die Menschen sich ein Urteilsvermögen aneignen, damit sie zu willenlosen Werkzeugen der islamistischen Politiker werden. Der freie Wille hält am Prinzip des zureichenden Grundes fest.  Zur Erhaltung der Freiheit genügt es, dass dieser Grund antreibt, ohne zu zwingen. "Dies ist auch die Ansicht aller alten Philosophen, des Platon, des Aristoteles, wie auch des heiligen Augustinus." [40]

Nicht nur die Ansichten islamischer Philosophen wie Averroes sondern auch die Wiclifs, Hobbes' und Spinozas rechtfertigen das faule Sophisma. "Ich bin weit entfernt von den Ansichten Bradwardines, Wiclifs, Hobbes' und Spinozas, die, so scheint es, jene völlig mathematische Notwendigkeit lehren und die von mir, wie ich glaube, genügend widerlegt worden sind, vielleicht deutlicher als man es gewöhnlich tut." [41]

Leibniz meint, die Zufälle, in denen wir uns trotz unseres Willens befinden, hätten einen nur zu großen Anteil an dem, "was den Menschen Seligkeit verleiht oder ihnen nimmt. Nehmen wir zwei polnische Zwillinge, von denen einer von den Tataren gefangen, an die Türken verkauft, zum Abfall gebracht und in Gottlosigkeit gestürzt, verzweifelt stirbt, während der andere dank irgendeines Zufalls gerettet wird, von da an in gute Hände fällt, richtig erzogen wird, in die tiefsten Wahrheiten seiner Religion eindringt, die gebotenen Tugenden erfüllt und mit den Anschauungen eines guten Christen stirbt." Einige Theologen glauben, Gott biete den ihm geringeren Widerstand Leistenden größere Gnaden auf eine günstigere Weise an und "überlasse die anderen ihrer Halsstarrigkeit". Allerdings sei dies schwer zu erkennen; schließlich ist er auch in der Lage den hartnäckigsten Widerstand zu brechen. "Der heilige Paulus scheint den nämlichen Gedanken gehabt zu haben, als er sich hierfür als Beispiel hinstellte. Gott, sagt er, hat mir Barmherzigkeit erwiesen, um mit ein großes Beispiel seiner Geduld zu geben." [42]

Im Gegensatz zu Spinoza hält Leibniz am freien Willen fest: "Verlangt man von Gott, er solle den Kreaturen keinen freien Willen geben, so verlangt man, diese Kreaturen sollen überhaupt nicht existieren." Man könne mit einer gewissen Berechtigung sagen, dass Gott diesen Kreaturen die Fähigkeit mitgegeben habe, "sich stets ihres freien Willens richtig zu bedienen, denn diese Fähigkeit wird dargestellt durch das natürliche Licht der Vernunft." Aber zu sagen, Gott versäume es, die Menschen glücklich zu machen und ihnen von Anfang an das Gute ohne jegliches Übel zu verabreichen, oder zu sagen, ihm gebreche es an gutem Willen, das Gute rein und vollkommen zu erstatten, "das hieße unseren wirklichen Gott mit dem Gotte Herodots, dem neiderfüllten, zu vergleichen" oder mit einem Dämon (islamischer Gott). "Übrigens hat man auch durchaus keinen Grund, sich darüber zu beklagen, dass man nur durch Leiden zum Heile zu gelangen pflegt und das Kreuz Jesu Christi tragen muss; denn diese Übel dienen dazu, die Erwählten zu Nachfolgern ihres Heilands zu machen und vergrößern ihr eigenes Glück." Die Weisheit müsse mannigfaches schaffen. Ein und diesselbe Sache, mag sie auch noch so edel sein, vervielfachen, das wäre Überfluß und damit eine Art Armut, wie sie heute bei den arabischen Scheichs anzutreffen ist. "Nur diamantene Knöpfe tragen, Rebhühner verzehren, Ungar- und Schraswein trinken, könnte man das als vernünftig bezeichnen? Die Natur brauchte Tiere, Pflanzen, unbeseelte Körper; Wunder gibt es unter diesen nicht mit Vernunft begabten Geschöpfen, die der Vernunft zur Übung dienen." Der Gegenstand Gottes habe etwas Unendliches an sich; seine Sorge erstrecke sich "auf das ganze Universum: was wir davon kennen, ist beinahe nichts; und da wollen wir seine Weisheit und Güte an unseren Erfahrungen messen? Welche Vermessenheit oder besser, welche Absurdität! Den Einwürfen liegen falsche Voraussetzungen zugrunde; lächerlich ist es, Recht sprechen zu wollen, wenn man den Tatbestand nicht kennt." Problematisch ist durchaus auch die Sekte der Manichäer oder der Paulisten (Manichäer in Armenien im siebten Jahrhundert n.Chr.). Sie berufen sich auf Zoroaster, der allen Dingen zwei intelligente Prinzipien zugrunde gelegt hat, ein gutes und ein schlechtes. "Diese Lehre stammt vielleicht aus Indien, wo noch eine Menge Leute diesen Irrtum anhängen, der sehr geeignet ist, die Menschen in ihrer Unwissenheit und ihrem Aberglauben irre zu leiten, da eine Menge barbarischer Völker, sogar in Amerika, auf ihn verfallen sind, ohne dazu der Philosophie zu benötigen." [43]

Wer sich durch derartige Schwierigkeiten in Verlegenheit bingen lasse, scheine ein sehr beschränktes Gesichtsfeld zu haben, und "alle Absichten Gottes auf seine eigenen menschlichen Interessen reduzieren zu wollen." Dies trifft auch auf die Anhänger der mohammedanischen Prädestination zu, "wonach es gleichgültig ist, ob man gut oder böse handelt, und wobei es zur Prädestination genügt, sich einzubilden, man sei wirklich vorherbestimmt." Es gebe einige, die sich über die göttliche Gerechtigkeit und über die Grundlagen der Moral des Menschen nur schwer ausdrücken könnten, "da sie Gott zum Despoten machen und verlangen, der Mensch solle ohne Gründe von der absoluten Gewissheit seiner Erwählung überzeugt sein, was allerdings zu gefährlichen Folgen führt." Diese metaphysischen Erwägungen haben es mit der Natur des Möglichen und des Notwendigen zu tun, sie richten sich "gegen unsere Grundannahme, dass Gott die beste aller möglichen Welten erwählt habe. Es gibt Philosophen, nach deren Behauptung nur das tatsächlich Geschehende möglich ist. Sie sind es auch, die da glauben oder glauben konnten, alles sei absolut notwendig. Einige haben sich dieser Ansicht angeschlossen, weil sie als Ursache der Existenz der Dinge eine unvernünftige, blinde Notwendigkeit annahmen: und sie haben wir am stärksten zu bekämpfen." [44]
 

"Aber die Harmonie, die sich sonst überall findet, ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sie sich wohl auch in dem Menschenreich und ganz allgemein im Reich der Geister finden lassen würde, wenn das Ganze uns bekannt wäre. Man muss die Werke Gottes ebenso einsichtig beurteilen wie Sokrates von denen Heraklit urteilte, als er sprach: Was ich davon verstehe, gefällt mir, das übrige würde mir, glaube ich, nicht weniger gefallen, wenn ich es auch verstände."  - Gottfried Wilhelm Leibniz


Leibniz trat immer wieder als Geschichts- und Sprachforscher hervor. Auch über den Ursprung der Kelten hat er sich Gedanken gemacht. Es sei nicht unmöglich, dass es eine Zeit gegeben habe, in der die westlichen oder keltischen Fürsten sich zu Herren Griechenlands, Ägyptens und eines großen Stückes von Asien gemacht hätten, und dass ihr Gottesdienst in jenen Ländern seine Spuren hinterlassen habe. "Erwägt man, mit welcher Geschwindigkeit Hunnen, Sarazenen und Tataren sich eines großen Teiles unseres Festlandes bemächtigten, so wird man weniger darüber erstaunt sein; und auch die große Zahl griechischer und deutscher Worte, welche so nahe zusammenklingen, bestärkt darin." Im Gegensatz zum Abbé de la Charmoye rechnet Leibniz die Germanen zu den Kelten. [45]

Thomas von Aquin und die Thomisten vertraten dieselbe Anschauung wie das Gros der Scholastiker und der römisch-katholischen Theologen. Ebenso Aristoteles und mit ihm die Scholastik; er, Cicero und die Juristen unterscheiden das ewige, alle und zu allen Zeiten zwingende Recht von dem positiven, das nur für gewisse Zeiten und gewisse Völker Geltung hat. Die christlichen Philosophen sind zu dem Geständnis gebracht worden, "dass die Wesensbeschaffenheiten der Dinge ewig sind und dass es Sätze von ewiger Wahrheit gibt; und dass folglich die Beschaffenheit der Dinge und die Wahrheit der ersten Prinzipien unumstößlich ist." Im Gegensatz zu vielen heutigen Wissenschaftlern an Mainstram Universitäten erkannte Aristoteles, "dass die ersten Grundsätze jeder besonderen Wissenschaft sich von einer höheren Wissenschaft herleiten, die ihnen eine vernünftige Begründung gibt: und diese höhere Wissenschaft soll das Sein und infolgedessen Gott als Quelle des Seins zum Gegenstand haben." Straton, einer der Häupter der Schule des Aristoteles und Nachfolger des Theophrast, soll ähnlich wie unsere heutigen Stratoniker, die Philosophen und Wissenschaftler der Ursuppe oder des Urknalls, nach Cicero angenommen haben, dass die Welt, wie sie ist, durch die Natur, oder durch irgendeine notwendige Ursache ohne Bewusstsein erschaffen worden sei. Aber ohne Gott gäbe es überhaupt keinen Grund für die Existens der Dinge. Also bräuchte man sich vor dem Systeme Stratons durchaus nicht zu fürchten, meint Leibniz. Wenn einige sich auf die Erfahrung berufen, um zu beweisen, dass Gott besser hätte handeln können, "dann werfen sie sich zu lächerlichen Kritikern seiner Werke auf", und man sollte ihnen sagen, was man allen antwortet, die das Vorgehen Gottes bekriteln: "Ihr kennt die Welt erst drei Tage lang, habt kaum über eure Nasenspitze hinweggesehen und findet doch an ihr schon etwas auszusetzen. Wartet bis ihr sie näher kennt, und betrachtet vor allem jene Teile, die ein Ganzes (wie alle organischen Körper) bilden; dann werdet ihr auf ein Kunstwerk treffen und eine die Genzen Eurer Einbildungskraft weit übersteigende Schönheit finden. Ziehen wir daraus die Konsequenzen für die Weisheit und Güte des Schöpfers der Dinge, und auch jener Dinge, die uns unbekannt sind!" [46]

Thomasius kritisiert Thomas Hobbes weil er den verdorbenen Zustand zum Maßstab und als Regel nahm, während Aristoteles den mit der menschlichen Natur am meisten übereinstimmenden Zustand vor Augen hatte. Nach Aristoteles heißt natürlich das am meisten der vollkommenen Natur des Dinges entsprechende. Auch Bayle kommt zu seltsamen Schlußfolgerungen: "Es gibt also für Gott keine Freiheit mehr, er ist durch seine Weisheit zur Schöpfung gnötigt." Dazu Leibniz: "Herr Bayle gibt also, wie es scheint, den besten Dingen von der Welt hässliche Namen und verwechselt die Begriffe, wenn er den Zustand größter Freiheit Sklaverei nennt." Er fasse die oben angeführten Worte "falsch auf und zieht daraus falsche Konsequenzen." Hobbes' Ansicht führt zum Materialismus. Anders dagegen die von Malebranche, der eine spirituelle Ansicht zugrunde liegt. Er spricht von geistigen Wesen (Engeln), die nach den gewöhnlichen Gesetzen ihrer Natur handeln, "sie sind mit feineren und wirksameren Körpern verbunden, als sie uns zu Gebote stehen. Bayle glaubt vielleicht, dass die Tiere gefühllos sind: "eben auf Grund der Ungerechtigkeit, die darin liegen würde, dass die Tiere den Leiden unterworfen sind, haben ja mehrere Cartesianer beweisen wollen, dass sie nichts weiter als Maschinen sind... unmöglich kann ein unschuldiges Wesen unter dem Regime Gottes Leiden erdulden. Der Grundsatz ist schon richtig, nur kann man meiner Meinung nach daraus nicht auf die Gefühllosigkeit der Tiere schließen." [47]
 

"Es gehört gar nicht so viel dazu, mit Gott und dem Universum zufrieden zu sein, sich um sein Los nicht zu bangen und sich über sein Geschick nicht zu beklagen. Die Erkenntnis der wahren Prinzipien gibt uns diesen Vorteil, der viel größer ist als der Gewinn, den Stoiker und Epikuräer aus iher Philosophie zogen. Die wahre Moral unterscheidet sich von der ihrigen in Freude und Geduld: denn ihre Gemütsruhe gründete sich allein auf die Notwendigkeit, während unsere auf der Vollkommenheit und Schönheit der Dinge, auf unserer eigenen Glückseligkeit beruht." - Gottfried Wilhelm Leibniz
Es ist komisch, meint Leibniz, wenn ein Mann wie Epikur die Götter und alle unkörperlichen Substanzen vernichtete und sich dennoch einbilden konnte, dass der Wille, den er selbst aus Atomen zusammensetzt, eine Herrschaft über die Atome ausübe ohne den Grund anzugeben. Karneades sah den Grund in der menschlichen Seele. "Karneades gewann nichts dabei, ausser, dass er ein wenig unachtsame Leute leichter täuschen konnte, indem er die Absurdität eines Gegenstandes, die etwas zu sehr auf der Hand liegt, einem anderen Gegenstande zuschrieb, wo sich die Dinge leichter verwirren lassen, d.h. vom Körper auf die Seele verlegte; besaßen doch die meisten Philosophen sehr unklare Vorstellungen von der Natur der Seele." Cicero und Bayle tadelten zwar Epikur, ließen seinen Schüler Karneades aber ungeschoren. "Ich begreife nicht, wie der so scharfsinnige Herr Bayle sich mit einer derartigen, bemäntelten Absurdität abfinden und so weit gehen konnte, sie als die größte Leistung des Menschengeistes auf diesem Gebiet zu bezeichnen." Als wenn das große Prinzip, wonach nichts ohne Ursache geschieht, nur auf den Körper Anwendung fände. Die Seele hat nach Platon vor dem Körper das voraus, dass sie Quelle der Handlung ist, da sie das Prinzip der Bewegung ist. Cicero sagt, dass Demokrit, Heraklit, Empedokles und Aristoteles geglaubt hätten, das Schicksal schließe Notwendigkeit ein. Cicero täuscht sich aber hinsichtlich des Aristoteles, denn dieser hat Zufälligkeit und Freiheit sehr wohl anerkannt. Manche wie Diroys haben sich dann allerdings einer sonderbaren Ansicht angeschlossen. "Wer sie verficht, bedenkt nicht, dass er damit Gott eine falsche Freiheit erhalten oder besser ihm eine falsche Freiheit zusprechen will, die Freiheit unvernünftig zu handeln. Damit werden seine Werke verbesserungsbedürftig." Von solchen Leuten werden die heutigen Gentechniker mit offenen Armen empfangen, weil sie behaupten, sie könnten die Werke Gottes verbessern. Leider trifft vielfach das Gegenteil zu: die Werke Gottes werden durch sie ruiniert (Stichwort: geklonte Menschen und Tiere). "Ich habe mich immer gewundert, wie so tüchtige Leute an so wenig philosophischen Ansichten Geschmack finden konnten." Es fängt schon mit den Bewegungsgesetzen an. Schon Descartes hatte sich getäuscht. Die richtig verstandenen Bewegungsgesetze stammen ihrem ganzen Umfang nach nicht aus der Notwendigkeit, sondern aus dem Prinzip der Vollkommenheit und Ordnung; sie sind eine Wirkung der göttlichen Auswahl und Weisheit. "So sind diese schönen Gesetze ein wunderbarer Beweis für ein intelligentes, freies Wesen und zeugen gegen das System Stratons oder Spinozas, gegen die absolute blinde Notwendigkeit." Das erschüttert die scheinbar sicherste Grundlage der Materialisten und heutigen Stratoniker, die behaupten alles sei von einer vernunftlosen natürlichen Notwendigkeit erschaffen worden und macht deutlich, dass es sich um Fehler im System handelt, "welche es am meisten von dem Geist der wahren Philosophie entfernen.". Diese Ansicht habe bei den Alten wie bei den Modernen unendliche Verirrungen verursacht und die Menschen sogar zu dem "lächerlichen Irrtum von dem faulen Sophisma getrieben hat, das sich kaum noch von dem Fatum der Türken unterscheidet." [48]

Schon Laurentius Valla hatte sich für den freien Willen und gegen Boethius ausgesprochen. Nach den Anhängern Hobbes' und Spinozas ist das Geschehende das allein Mögliche und muß mit vernunftloser geometrischer Notwendigkeit geschehen. "Hobbes hielt alles für körperlich und unterwarf es einzig und allein den mathematischen Gesetzen, Spinoza sprach Gott ebenfalls Einsicht und Wahl ab und ließ ihm dafür eine blinde Allmacht, aus welcher alles mit Motwendigkeit entspringt."  Spinoza hat die Dinge auf die Spitze getrieben. "Das Gottesreich bedeutet für ihn nichts anderes als das Reich der Notwendigkeit, und zwar einer blinden Notwendigkeit wie bei Straton." Verständlich, wenn Malebranche bezüglich der Philosophen, die sich von der wahren Philosophie entfernt haben, ausruft: "Was sind die Philosophen doch stumpfsinnig und lächerlich!" Leibniz meint: "Man muß zugeben, dass die Ansichten des Herrn Hobbes etwas seltsam und unhaltbar sind." Seine Philosophie, welche die Körper allein zu Substanzen mache, scheine kaum der göttlichen Vorsehung und der Unsterblichkeit der Seele günstig zu sein. Ebensowenig wolle Hobbes von einer moralischen Notwendigkeit wissen, weil tatsächlich alles aus physischen Ursachen erfolge. Man müsse aber zwischen der moralischen und zwischen jener "blinden Notwendigkeit, auf Grund derer die Dinge nach Ansicht Epikurs, Stratons, Spinozas und vielleicht auch des Herrn Hobbes, vernunft- und wahllos und infolgedessen ohne Gott existieren." Sein Gott scheint weiter nichts als die "blinde Natur der angehäuften materiellen Dinge zu sein, welche nach den mathematischen Gesetzen mit absoluter Notwendigkeit handeln, wie die Atome in Epikurs System."  [49]

Nach Leibniz sind Diejenigen, welche die Alte Geschichte nicht kennen oder sich nicht Rechenschaft darüber ablegen, wie "die Mohammedaner, Heiden und die Libertins", in seinen Augen "toujours enfans". Wie später bei Hegel liegt auch für Leibniz der Anfang der wahren Philosophie bei den Griechen. [50]

Leibniz interessiert sich nicht nur für die "Ausbreitung des Christentums" im Orient, insbesondere China, sondern auch für "diese Verpflanzung des Chinesischen zu uns", womit alte und neue wissenschaftliche Errungenschaften gemeint sind. Damit hatte schon Cassini begonnen, als er alte astronomisch-chronologische Erfindungen aus Siam begutachtete. "Es scheint sich dabei um eine Erfindung zu handeln, die vor Zeiten ein großer Mann gemacht hat und die über das Fassungsvermögen der heutigen Siamesen hinausgeht. So sind die Wechselfälle der Geschichte." Sicherlich könnten aber die "Chinesen, in denen wir doch die Lehrmeister der Siamesen wie der übrigen benachbarten Völker zu sehen haben, unsere Wissbegierde noch weit ergiebigere Nahrung bieten." Auch Kepler interessiert sich dafür. Er und seine Kollegen hätten 15 geometrische Probleme gesehen, die älter als 3000 Jahre wären. Auch über den Ursprung der Chinesen und Tataren wird spekuliert. Man unterschied damals die "Asiatische" oder auch "große Tatarei" von der "Europäischen", "Kleinen" oder "Krimschen Tatarei". Unter "asiatischer Tatarei" verstand man damals alle unter chinesischer Oberhoheit stehenden nördlichen und nordwestlichen Außengebiete. Leibniz schreibt an den Jesuiten Claudio Filippo Grimaldi: "Ich schließe auch meinen Brief mit Keplers Wunsch: Mögen mit Hilfe Ihres Ordens die Chinesen nicht nur die Gesetze der Astronomie annehmen, sondern auch das sanfte Joch des Christentums." Keplers Versuch über die physikalischen Gründe der Himmelsbewegungen sei "wesentlich weiterentwickelt worden durch die Entdeckung einer harmonischen Kreisbewegung, für die ich Beweise geliefert habe." [51]

Die Jesuiten verbreiteten das Christentum in Asien, vor allem China, Taiwan (Formosa), Korea, Philippinen und Mongolei. "Je jugeois si important pour estendre la foy de Jesus Christ dans toutes ces vastes contrées." (Verjus). Man war sich bewußt, dass man auf Hindernisse stoßen würde, denn "Jesus Christus ist und wird immer sein gesetzt zu einem Zeichen, dem widersprochen werden wird." In Peking konnten die Patres täglich dem chinesischen Kaiser und dem Thronfolger die abendländische Philosophie auslegen und sind dabei ein ganzes Lehrbuch der Philosophie zu verfassen, in chinesischer und tatarischer Sprache: "qui expliquent tous les jours la Philosophie à l'Empereur de la Chine, et au Prince Imperial, composent tout un cours de Philosophie pour la satisfaction et par l'ordre de cces Prices en Chinois et en Tatare, et le doivent donner au public."  Was die Philosophie betrifft, waren die meisten Patres einer Meinung mit Leibniz: "On ne peut, Monsieur, donner plus d'aprobation qu'enont donnè plusiers de nos Peres aux objections que vous avez faits aux Cartesiens." Dazu Leibniz: J'approuve fort le dessein de vos peres de faire part aux Chinois de la Philosophie." Viele Patres waren Mitglieder der Acadèmie des sciences. Als wissenschaftliche Mitarbeiter in China waren sie dem Direktor des Observatoriums in Paris, Giovanni Domenico Cassini, unterstellt, dem sie auf dem Gebiet der Geodäsie (Erdvermessung) und Astronomie zuarbeiten sollten. [52]

 
"Le dessein de porter la lumiere de Jesus Christ dans les pays eloignés, est si beau, que je n'y distingque point, ce qui nous distingue." - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Plût à Dieu qu'on fit plus d'efforts en Europe pour avancer cette grande mission de la Chine, dont vos peres ont jetté si heureusement les premieres semences, où la moission est si grande, et les esperances d'uns bonne racolte sont si belles. Il est honteux à nos Europeans (qui se piquent tant d'avoir de l'esprit) qu'on s'occupe à des bagatelles, et qu'on neglige les plus grandes choses."  - Gottfried Wilhelm Leibniz

"Es ist eine Schande für unsere Europäer (die sich doch so viel auf ihr Urteil einbilden), dass sie sich mit Nichtigkeiten befassen und darüber die größten Dinge vernachlässigen."  - Gottfried Wilhelm Leibniz
 

Wer über die Wissenschaften, die auf der wahren Philosophie gegründet sind, "helles Licht zu verbreiten vermag" könne auch zur Verbreitung des Christentums beitragen. Nach Augustinus "kann man nur lieben, wessen Schönheit man kennt., und der göttlichen Weisheit und Macht (auf denen die Schönheit der höchsten Einsicht beruht, soweit diese für uns faßbar ist) kann man nicht besser innewerden als durch die Kenntnis ihrer Werke" Eine Enzyklopädie der Wissenschaften - nicht zu verwechseln mit der heutigen materialistischen Wissenschaft - könnte "eingehen in Gesänge zu Ehren des höchsten Schöpfers."  Immer erweise sich die "Harmonie als bewundernswert, woraus sich aufs deutlichste ergibt, dass die Natur das Werk der höchsten Weisheit ist." Leibniz beklagt die kriegerischen Auseinandersetzungen: "Es wird ja auf beiden Seiten mit solcher Heeresmacht gekämpft, dass man sich fragt, wie die beteiligten Völker die unermesslichen Kosten dafür aufbringen können. So kommt es, dass auch die größten Fürsten wie arme Teufel aussehen." Dennoch haben Deutschland, Österreich, Frankreich, England es geschafft, Akademien der Wissenschaft in ihren Ländern zu gründen. Die Deutschen haben als erste eine "Gesellschaft der Naturforscher errichtet; deren Schirmherrschaft hat jetzt der große Kaiser der Christen selbst übernommen. Nach den Deutschen hatten die Engländer eine königliche Gesellschaft gegründet." Die Leopoldinische Akademie der Naturforscher war 1652 in Wien gegründet worden. Zu Ehren von Kaiser Leopold I. und Karl VI. wurde sie später "Sacri Romani Imperii Academia Caesareo Leopoldina Naturae Curiosum" benannt. Leibniz war seit 1673 Mitglied der im Jahre 1662 in London gegründeten Royal Society. 1666 wurde von Colbert die Acadèmie Royale des Sciences in Paris gegründet; Leibniz wurde offiziell am 13. März 1700 zu ihrem Mitglied ernannt. "Dann haben nach Deutschen und Engländern, die Franzosen unter der Schirmherrschaft und auch unter dem Namen ihres großen Königs eine Akademie der Wissenschaften errichtet., die ein Privileg genießt, das keine der anderen Gesellschaften hat: Der König kommt für die Unkosten für Experimente und die Pensionen der Mitglieder auf." Leibniz meint, man müsse die Herrscher dieser Welt für die Gründung einer Akademie der Wissenschaften begeistern, "denn Gott kann in keinem natürlichen Licht mit größerer Wahrheit und Wirksamkeit erfahren werden als durch die Zeichen von Weisheit und Macht, die den Dingen eingeprägt sind," Und es gäbe für sie nichts größeres zu leisten, "allein ausgenommen die Verbreitung des christlichen Glaubens." [53]

Am 23. März 1692 unterzeichnete der Kangxi-Kaiser das Toleranzedikt für die Verbreitung der christlichen Religion in China. Durch die freundliche Haltung des Kaisers, der das Christentum so feierlich gebilligt hatte, hegte man die Hoffnung, sein ganzes Reich zu bekehren. "L'Empereur de la Chine a approuvé si solennellement la Religion chretienne." Man glaubte, "dass man in einigen Jahren mehr wahre Christen in China zählen wird als in ganz Europa." Die Patres schrieben Leibniz: "Je prends, Monsieur, une part tres particuliere aux tèmoignages que vous avez bien voulu rendre à nos bonnes intentions, et au zele pur et ardent de tant d'hommes apostoliques, que j'ay deja fait partir et que je ferai partir desormais en plus grand nombre chaque annèe pour aller travailler à la conversion de ce grand et florissant empire, où il y a lieu d'esperer qu'on comptera dans quelques annèes plus de veritables Chrestiens que dans toute l'Europe." Dazu Leibniz: "Daran liegt mir sehr viel, weil meines Erachtens die Chinamission das wichtigste Geschäft unserer Zeit ist: ebenso im Hinblick auf Gottes Ehre und die Ausbreitung des Christentums wie im Sinne des Gemeinwohls und der Zunahme von Wissenschaften und Künsten bei uns wie bei den Chinesen. "Je judge, que cette mission est la plus grande affaire de nos temps, tant pour la gloire de Dieu et la propagation de la religion Chrestienne, que pour le bien general des hommes et l' accroissement des sciences et arts chez nous aussi bien que chez les Chinois." Es geht ihm erstens um alles, "was mit dem Fortschritt in Wissenschaften und Künsten zu tun hat" und zweitens um die "Begründung einer soliden Philosophie", in deren Rahmen christliche Frömmigkeit und Wahrheit gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. "Pour ne parler que de ce qui regarde le progrés des sciences et arts." und "en second liue l'etablissrment d'une philosophie solide." Dazu sei es notwendig, sich auf die antike Philosophie zu beziehen, statt auf die Lehren der kartesianischen Philosophie - eine Forderung, die heute noch Gültigkeit hat. Die Folgen des Ediktes, das dem Christentum in China die Freiheit gebracht hat ("l'edit, qui a donné la liberté à la religion Chrestienne"), war, dass man sich mit dem Herrscher über Philosophie und Naturwissenschaften unterhielt, um dem Christentum Zugang zu seinem Gemüt und dem seiner Untertanen zu verschaffen ("pour faciliter l'entrée de la religion Chrestienne dans son Esprit, et dans celuy des siens"). [54]

Was die Frühzeit der Menschheit betrifft, wird man "nämlich mit Sicherheit immer zu der Einsicht gelangen, dass eine Wahrheit sich zur anderen fügt und die Heilige Schrift niemals darüber Schaden nehmen wird. (car il est seur qu'on trouvera tousjours qu'une verité s'accorde avec l'autre, et que la sainte Ecriture n'en receuvra jamais aucun tort)" Unter dem alten Namen Tangut sind die Tibeter zu verstehen. Sprache und Schrift der Tibeter wird bei den Mongolen Verehrung entgegengebracht, "weil der große Lama in Tibet ist (On m'a appris aussi que la langue et les caracteres de Tangut sont en venerstion chez les Mugals, par ce que le grand Lama ets dans le Tangut."). Mit der Sprache der Krimtataren hat man jedoch keine Übereinstimmung gefunden. Nach Leibniz könne man von den Chinesen und Tibetern viel lernen, "vor allem auf dem Gebiet der Medizin, der notwendigsten der Naturwissenschaften. (on peut dire que la Medecine aussi est le plus haut point et comme le fruit principal des connoissances des corps, puisque c'est à la Medecine de considerer les corps par rapport ou nostre)"  [55]

Auch über die neusten Erd- und Himmelsvermessungen wollte Leibniz informiert sein, "weil vor allem daran gelegen ist, die Mondbahn ausreichend genau zu bestimmen, um künftig genauere Aussagen über Finsternisse und andere Erscheinungen als bisher machen zu können." Aber alles das sei nichts im Vergleich zu wahrer Philosophie und Religion. "Die Einführung der Philosophie bei den Chinesen wäre überaus wirkungsvoll in Hinblick auf die nähere Vorbereitung der Gemüter darauf, die wahre Religion anzunehmen. (l'introduction de la Philosophie chez les Chinois seroit d'un grandissime effect, pour preparer les Esprits de plus prés à recevoir la veritable religion").[56]

Streitgespräche mit den Cartesianern blieben nicht aus. Gezeigt werden musste ihnen, "dass sie keinesfalls über die wirklichen Naturgesetze verfügen und dass man, um zu diesen zu gelangen, in der Natur nicht nur die Materie in Betracht ziehen muss (qu'ils n'ont point les veritables loix de la nature, et que pour les avoir il faut considerer dans la nature non seulement la matiere mais aussi la force, et que les formes des anciens ou entelechies.") sondern auch die Kraft, die Formen der Alten, ihre Entelechien. Auf diese Weise glaubte Leibniz die antike Philosophie zu rehabilitieren, ohne sich deswegen in Widerspruch zu den neueren Entdeckungen zu setzen. Er wendet sich gegen eine Philosophie und Naturwissenschaft, die zu materialistisch geworden ist - und die es bis heute geblieben ist. Leibniz hatte damit der Religion und Philosophie einen großen Dienst erwiesen. "Ainsi je crois d'avoir rendu quelque service à la religion; tant en cela, qu'en ce que jespere que cela contribuera à arrester le cours d'une philosophie trop materielle qui commence à s'emparer des esprit" Der Rum Gottes und die Glückseligkeit der Menschen solle gefördert werden, und zwar durch die Verbreitung des Christentums wie durch die Vermehrung der soliden Wissenschaften. Wissenschaften ohne Christentum taugen nichts, wie man an modernen Cartesianern der grünen und roten Gentechnik sehen kann. [57]
 

"Mon zele pour l'avancement de la Gloire de Dieu et de la felicité des hommes, tant par la propagation de la religion Chrstienne que par l'accroissement des sciences solides, qui nous donnent mayen d'admirer d'advantage la sagese, et la puissance de l'auteur des choses, et de mieux assister les hommes." - Gottfried Wilhelm Leibniz
Nicht nur die Jesuiten der Chinamission schwärmten von Leibniz: "Jeder, der auch nur den geringsten Sinn für die Wissenschaften hat, wird sich ein Vergnügen daraus machen, Umgang zu pflegen mit dem berühmten Herrn Leibniz, der in ganz Europa so wohlbekannt und so geschätzt ist, dem unser Jahrhundert so tief verpflichtet ist und dessen Erinnerung der Nachwelt so teuer sein wird" (it n'est personne por peu qu'il ait de goust por les sciences, qui ne se fasse un vrai plaisir d'avoir commerce avec le fameux Monsieur Leibniz si donnu et si estimé dans tout l'Europe, à qui nostre siecle a de si grandes obligations, et dont la memoire sera si chere à la Posterité.). Man erkannte, dass es sich bei der ursprünglichen chinesischen Philosophie um das ausgereifte System einer vollendeten Methaphysik handelt, deren Kenntnis die Chinesen, wie es scheint, schon lange vor Konfuzius eingebüßt haben.(c'est le systeme archevé d'une metaphysique parfaite, dont les Chinois ont perdu, ce semble, la connoissance dés long temps avant Confucius). Sein rechtes Verständnis könne nicht nur bei der Wiederherstellung der Prinzipien der wahren Philosophie der alten Chinesen wichtige Dienste leisten und so vielleicht dieses ganze Volk zur Erkenntnis des wahren Gottes zurückführen; darüber hinaus könne es zur Feststellung der in allen Wissenschaften anzuwendenden natürlichen Methode dienen, die von den ersten Menschen angewandt wurde zu einer Zeit als die Einsichten der Vernunft noch von der größten Lauterkeit waren. [58] 

Auch der designierte Thronfolger Yinreng, der vierte Sohn des Kangxi-Kaisers, der als Yongzeng-Kaiser (1722-1732) dessen Nachfolger werden sollte, eiferte seinem Vater nach in der Zuneigung zum Christentum (son amour pour la Religion Chrestienne). Für die katholischen Missionare wurde auch der Landweg nach China durch Russland geöffnet. Zu einem Vertrag zwischen dem Kaiser von China und Zar Peter I. kam es im Oktober 1706 unter Josef I. Dieser lag zwar im Streit mit dem Papst, war aber nicht weniger als sein Vater Leopold I., an guten Beziehungen zu Moskau interessiert. So erlangten die Jesuiten einen Brief von Josef I., in dem dieser dem Zaren deren Dienste, Lehrer und Schulen empfahl und die Bitte wiederholte, den Landweg nach China durch Sibirien zu öffnen. [59] 
 

"Ich höre aber, dass die Reise von Tobolsk nach China zusehends erleichtert wird, denn man hat die Wege geräumt und anstelle der Kamele kommen von Pferden gezogene Wagen in Gebrauch. Es heißt auch, dass ein kalmückischer Fürst namens Bousioucti-Khan einen mongolischen Fürsten namens Atsiaroisin-Khan geschlagen hat. Dieser mußte sich daraufhin zur Großen Mauer zurückziehen; der Sieger ist aber seinerseits durch seinen Vetter Arepta-Khan vertrieben worden. Man sagt, dass diese Tataren ohne ihre ständigen Kriege untereinander imstande wären, einen großen Teil der Welt zu überschwemmen, so wie seinerzeit Chingis-Khan. Großer Gott, was für eine Ernte wartete da noch auf die Arbeiter des Evangeliums, sobald das Christentum erst einmal fest in China verwurzelt wäre! ... Sie kennen meine Grundsätze, Ehrwürdiger Vater, die mich allen Arbeiten für das Evangelium den glücklichsten Erfolg von der Welt wünschen lassen. Denn ich zweifle nicht, dass sie jenen, die bereits Christen sind, eine gute Unterweisung zuteil werden lassen und die Ungläubigen das Wesen des wahren Glaubens lehren.  (... Bon Dieu, quelle moisson encor pour des ouvriers Evangeliques, si une fois le Christianisme estoit bien établi dans la Chine... puisque je ne doute point qu'ils ne donnent des bonnes instructions à ceux qui sont deja Chrestiens et qu'ils n'apprenment aux infideles l'essence de la veritable foy.)". - Gottfried Wilhelm Leibniz
 
Leider gab es in Asien früher auch viele islamische Herrscher, die das Christentum nicht annehmen wollten wie Soyatan, der spätere "Tigerkönig" von Siam. In den "Serails" dieser Könige ging es ähnlich zu wie heute bei den Herrscherfamilien in den Golfstaaten. Die Jesuiten konnten damals miterleben: "Die Heiden bringen den christlichen Mädchen keinerlei Achtung entgegen (les Payens ne portent nul respect aux filles chrestiennes)". Sie wurden vom Herrscher als Sklaven angesehen. Hatten sie in seinen Augen etwas verbrochen, befahl er, "sie täglich auszupeitschen, bis sie sterben würde. Dieses Martyrium währte einen Monat und war von einer solchen Grausamkeit, dass ihre Knochen und Rippen bloßgelegt wurden, und ihre Augen waren dermaßen geschwollen und traten so hervor, dass meine Schwester nicht mehr sehen konnte. Die Damen aus dem Palast vereinigten ihre Schmähungen mit den Peinigungen der Henkersknechte." [60] 

Viele heidnisch-islamische Länder wurden von China und Russland erobert und christianisiert. Dazu Leibniz: "Ihr Bericht, ehrwürdiger Vater, von den letzten Waffentaten der Chinesen gegen die Öloten war mir sehr willkommen. Ich wünschte sehr, eine Art Karte zu haben von den Ländern zwischen China, dem östlichen Meer, Russland, Usbekistan und Indien, um die Berichte besser verstehen zu können. Ich hoffe, dieser Sieg wird Ihren Patres erlauben, zu Lande einen Weg zu nehmen, den P. Grimaldi vergeblich versucht hatte. Der Weg nach China würde durch Persien und Usbekistan führen, d.h. über Buchara, denn dieser Krieg gegen die Öloten war es wohl, der P. Grimaldi am Durchkommen gehindert hatte." Buchara ist die Hauptstadt des vormals gleichnamigen Khanats, das von den seit 1500 hier herrschenden türkischen Usbeken auch Usbekistan genannt wurde. Einige Patres kamen auch durch das damals armenische Erzurum (heute von den Türken besetzt). Man bewunderte die Gesetze der Chinesen, die es ermöglichten "mit deren Hilfe dieses Reich seit so vielen Jahrhunderten in bewunderungswürdiger Gleichmäßigkeit regiert wird." Auch unsere fähigsten Politiker könnten daraus lernen ("et où nos plus habiles Politiques trouveront beaucoup à apprendre."). Die Jesuiten unternahmen Exkursionen in die östliche Tatarei (Manjurei) "bis zum Meer, das im Osten das Festland begrenzt und wohin meines Wissens noch niemand den christlichen Glauben getragen hat." Zudem begannen die Jesuiten auch die wichtigsten chinesischen Werke zur Medizin in eine europäische Sprache zu übersetzen und "ihre Naturgeschichte, eine unerschöpfliche Fundgrube von Rezepten und Geheimnissen, die unsere Naturforscher und Ärzte zu weiteren, bedeutsameren Entdeckungen werden leiten können." Im Gegensatz zur cartesischen Philosophie sind die meisten Jesuiten von Leibniz und seiner Philosophie besonders angetan: Diese Philosophie "stimmt am meisten mit meiner persönlichen Auffassung überein. Sie schreiben, wie wichtig es ist, dass, will man die europäische Philosophie nach China tragen, als ein Mittel, das sehr geeignet ist, die Geister zur Annahme des Evangeliums, der wahren Weisheit, zu stimmen, man sich dafür nicht der modernen Philosophie bedient, es sei denn als Schmuck und Bereicherung. Vielmehr sollte man auf die alte Philosophie zurückgreifen, deren wohlverstandene Grundsätze in sich gefestigter sind und sogar besser mit den Vorstellungen der alten Chinesen von der wahren Philosophie übereinstimmen und infolgedessen geeigneter sind, die Chinesen zur Kenntnis der übernatürlichen Philosophie zu führen." Leibniz meinte, man müsse die Praktiken und Lehren der Chinesen zum Guten auslegen, wie der Heilige Paulus, "als er in Athen einen zu Ehren der unbekannten Gottheit errichteten Altar erblickte. Andernfalls wird man einer Mission Schaden zufügen, die für das Wohl der Christenheit wie für die gesamte Menschheit mir eine der wichtigsten zu sein scheint. (S. Paul voyant à Athenes un Autel dressé à l'honneur de la Divinité inconnüe. Autrement on nuira à une Mission qui me paroist des plus considerables, pour le bien de la Chrestienté et de tout le genre humain.)" Dem Jesuiten Antoine Verjus wünscht Leibniz Erfolg, "damit die Allgemeinheit und die christliche Kirche noch lange sich eines Mannes erfreuen, dessen Verdienstlichkeit  sich neben so vielen anderen bedeutenden Geschäften besonders in einer der wichtigsten Angelegenheiten offenbart hat: in der Missionierung ferner Länder. (toutes sortes de prosperités à fin que le public et l'Eglise Chrestienne jouisse long temps d'une personne dont le merite extraordinaire, outre tant d'autres occupations de consequence, s'est monstré particulierement dans uns affaire des plus importantes, qui est celle des Missions eloignées)" Ganz Asien wurde von den Jesuiten christianisiert. Franz Xaver S.J. (1506-1552), der große Apostel Indiens und Japans, wurde 1619 heiliggesprochen. Der chinesische Kaiser erlaubte "das Christentum zu predigen, wo immer in seinem Reich sie das tun wollten. All das wurde in die Tat umgesetzt. (qu'il permettoit oux autres d'aller dans quelque lieu de son Empire qu'il leur plaroit precher la Religion Chrestienne. Tout cela s'est executé.)" Schließlich ist mittlerweile die ganze Tatarei bis an die Grenze von Usbekistan dem chinesischen Kaiser untertan. "Toute la Tartarie obeit à l'Emereur de la Chine jusqu'aux Yousbecks exclusivement." [61] 

Die Jesuiten bewunderten Leibniz wegen seiner Lebhaftigkeit des Geistes ("la vivacité de vostre esprit") und seines großen Scharfsinns, weil er ihren Gegnern, vor allem den Jansenisten, im sogenannten Ritenstreit die Stirn bot. Die Antijesuitischen Schriften des größten Gegners der Gesellschaft Jesu, des bekannten Jansenisten und Philosophen Antoine Arnauld (1612-1694), erschienen 1690-1695 unter dem Titel La Morale pratique des Jesuites. Der Erzfeind der chinesischen Zeremonien war allerdings Kardinal Casanate. Charles Le Gobien S.J. schreibt daher an Leibniz: "Er war in dieser Auseinandersetzung führend und betrieb sie energisch. Wir hoffen, Gott wird es nicht zulassen, dass man die Bekehrung dieses großen Reiches damit blockiert, Zeremonien als Idolatrie zu deuten, die bei näherer und unvoreingenommener Betrachtung nur Ausdruck der Ehrfurcht und Dankbarkeit sind, die diese Völker ihren Ahnen und dem Gesetzgeber ihrer Nation entgegenbringen. (Nous esperons que Dieu ne permettra pas qu'on ferme la porte à la conversion de ce grand Empire, en faisant passer pour une Ideolatrie des ceremonies, que ne sont, quand on les considere de prés et sans prevention, que des marques de respect et de reconnoissance que ces peuples donnent à leurs Ancestres et au Legislateur de leur Nation.)" Jeder vernünftige Mensch müsse doch einsehen, dass sie dabei nur der Lehre des Konfuzius folgen, die dieser in seinen Büchern oft wiederholt habe: dass man die Toten geradeso ehren soll wie die Lebenden. ("suivant ce Principe de Confucius qu'il a souvent repeté dans ses livres, qu'il faut honorer les morts de la mesme maniere, dont on honore les vivants."). Dagegen könne man den Pater Verjus als einen Apostel Chinas ansehen, der schon mehr als 40 französische Jesuiten nach China entsandt habe. Wie groß die Zahl der Arbeiter des Evangeliums in diesem großen Reich auch sein mag, man werde immer mit Recht sagen: "die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige." [62] 

Auch andere Jesuiten wie Joachim Bouvet S.J. äußern sich ähnlich: er sei überzeugt, dass sie sich irren und den Chinesen Unrecht tun, "die in den Anfängen eine so reine und lautere Philosophie gehabt zu haben scheinen - ja mehr noch, ich wage zu behaupten, dass diese vielleicht gefestigter war und vollkommener als unsere heutige Philosophie. (et je suis même persuadé qu'ils se trompent, et qu'ils font injure aux Chinois qui paroissent avoir eu dans le commencement une Philosophie aussi pure et aussi saine, et j'ose ajouter peut-ê encore plus solide et plus parfaite que n'est aujourd'hui la notre.)" Auch wenn viel von dieser alten Weisheit verloren gegangen sei und zahlreiche Fehler sich eingeschlichen haben, könne man doch an vielen Stellen "überraschende Gedanken von einer so funkelnden und reinen Helligkeit hervorblitzen" sehen, dass man eine Übereinstimmung mit den Überresten der Weisheit der Alten gewahr werde. Die Rede ist von Mercurius oder Hermes Trismegistos (der "Dreimal Größte", d.h. der "Allergrößte"), der griechische Name für Thot, den ägyptischen Gott, dessen heiliges Tier zum Beispiel der Ibis ist, mit dessen Kopf Hermes Trismegistos ebenfalls dargestellt wird. Er brachte nach Platon den Menschen die Schrift sowie alle Wissenschaften und Künste und soll die Hauptstücke seiner Weisheit in verschiedenen Büchern, den Hermetischen Schriften, niedergelegt haben. Hermes Trismegistos gehört zu den alten Philosophen oder Theologen, auf die sich schon die ersten Kirchenväter berufen hatten, um die gebildeten Heiden von der Wahrheit des Evangeliums zu überzeugen, einerseits um zu zeigen, dass auch die größten Philosophen ihre Weisheit einer einzigen Quelle verdankten, andererseits, um die Möglichkeit offenzulegen, dass man beides sein konnte: Anhänger von Platon oder Plotinus (205-270) und von Christus. [63]

Es ging darum, die Kenntnis des wahren Systems der Natur und aller anderen Wissenschaften wiederzuerlangen (recouvrer la connoissance du vrai syteme de la nature et de toutes les autres sciences), auch eine natürliche Methaphysik zu erarbeiten und in einer sehr einfachen und natürlichen Anordnung alle Ideen auf ihre Gattungen und ihre Arten zurückzuführen (donner une methaphysique naturelle). Das System konnte auf die Farbenlehre im Sinne von Goethe angewendet werden. Man erhoffte nicht nur etwas über die alte chinesische Musik zu erfahren, "die seit wenigstens anderthalb- oder zweitausend Jahren verloren ist, sondern auch zur Wiedergewinnung dessen, was wir in der griechischen Musik eingebüßt haben. Deren drei Geschlechter oder Systeme das diatonische, das chromatische und das enharmonische, mitsamt allen ihren Tonarten heutzutage nur wenigen bekannt, haben in ihrer ganzen Ausdehnung ihren Platz in diesem System gefunden." Man nahm an, dass es sich um ein und dasselbe System handelt und die Zahlen von Fuxis System diejenigen des Systems Platons seien, das Cicero so dunkel fand. Die heutige chinesische Philosophie enthält allerdings wie die neuere europäische Philosophie viele Irrtümer und Widersprüche; man müsse nun zu den soliden Prinzipien der wahren und legitimen Philosophie ihres ersten Lehrers, Fuxi, zurückführen. "Nachdem in diesem ersten Schritt die so notwendige Verbindung, die zwischen den Prinzipien der wahren Philosophie und jenen der wahren Religion besteht, hergestellt wäre, wie leicht fiele es dann offensichtlich, den chinesischen Philosophen die Absurditäten des Atheismus und aller ihrer anderern Irrtümer und abergläubischen Vorstellungen vor Augen zu führen, den klaren Widerspruch, in dem diese zur alten Philosophie stehen, die ihnen zur Gewissheit geworden wäre. (Après cette demarche par la liason si nécessaire qui se trouve entre les principles de la vraie Philosophie et ceux de la vraie Religion, on voit assez de quelle facilité il seroit de faire reconnoitre aux Philosophes Chinois les absurdités de L'athéisme, et de toutes leurs autres erreurs et superstitions, et l'oposition formelle qu'a tout cela avec cette Philosophie ancienne dont ils auroient compris la certitude)." Auch Leibniz sah sich als einen eifrigen Parteigänger der Chinamission ("un partisan zelé"). Er glaubte auch, dass diese Mission große Auswirkungen auf das Christentum haben werde ("je crois qu'elles seront d'un grand effect pour la religion chrstienne.")  Obwohl Leibniz genug zu tun hatte mit der Gründung der Akademie der Wissenschaften und eines Wissenschaftsjournals, setzt er sich immer wieder für die Jesuiten ein: "Es scheint mir nämlich seltsam, dass ein europäisches Gericht über die Klage einiger Europäer entscheiden soll, die aus einem fernen Land zurückgekehrt sind, über das sie möglicherweise unzureichend Bescheid wissen; dass dieses Gericht sich anmaßt, sogar den Kaiser und die weisen des größten Reiches der Welt wegen Idolatrie und Atheismus zu verurteilen, ohne sie anzuhören und ohne ausreichend Kenntnis von Sprache, Sitten und Staatsgeschäften dieses von dem unseren so verschiedenen Landes. So mancher wird sagen, dass ein solches Urteil null und nichtig wäre. (Car il me paroist estrange qu'un tribunal d'Europe juge l'accusation de quelques Europeans revenus d'un pays eloigné, dont on doute qu'ils soyent assez informés, entreprenne de condamner d'idolatrie et d'atheisme même l'Empereur et les sages du plus grand Empire du Monde sans les entendre et sans entendre assez la langue, les customes et les affaires de ce pays si different du nostre. Bien de gens diroit, qu'un tel jugement seroit de toute nullité.)"  In den alten Schriften ("Philosophie perennis") soll auch der zukünftige Messias geweissagt worden sein, ebenfalls das Mysterium der heiligen Dreieinigkeit, die künftige Fleischwerdung des Wortes Gottes und den wichtigsten Umständen des Mysteriums unserer Erlösung (mystere de la tres Sainte Trinité, l'incarnation future du Verbe Divin et des principales circonstances du mystere de redemption). Überall in Asien, wo sich auch der Islam inzwischen ausgebreitet hat, werden die Missionare sich dieser neuen Waffen bedienen, um nach und nach "das Reich des Bösen zu zerstören und an seiner Stelle das Reich Jesu Christi auf fester Grundlage zu errichten. (Ce seront de nouvelles Armes dont les Missres se serviront ici pur dtruire peu à peu l'Empire du démons et y establir solidement celui de Jesus Christ.)" [64] 

In Europa waren die anderen Orden und einige Philosophen wie Blaise Pascal der Ansicht, die Jesuiten würden in China den Götzendienst zulassen, indem sie den Neophyten die Ausübung ihrer einheimischen Riten erlaubten.  Dagegen wehrten sich die Jesuiten der Chinamission wie Le Gobien und Bouvet und auch Leibniz. Daran hänge Verderben oder Heil von ganz China (de la décision de laquelle depend la perte ou le salut de toute la Chine.) Beim Studium der alten chinesischen Werke, haben die Patres Endeckungen gemacht, die in "einem ganz besonderen Verhältnis zum Christentum stehen und einen ebenso natürlichen wie gangbaren Weg eröffnen, um den Geist der Chinesen zur Kenntnis nicht nur des Schöpfers und der natürlichen Religion, sondern auch Jesu Christi, seines eingeborenen Sohnes, und der am schwierigsten zu vermittelnden Wahrheiten des Christentums zu leiten." Das gesamte System der wahren Religion, des Christentums, sei in den klassischen Büchern der Chinesen beschlossen, und die "wichtigsten Mysterien: die Fleischwerdung des Wortes, Leben und Tod des Heilands und die wichtigsten Verrichtungen des geheiligten Diestes an ihm, gleichsam auf prophetische Weise in diesen kostbaren Quellen des chinesischen Altertums enthalten. ( ... l'étude de nouvelles découvertes, qui me paroissent D#autant plus importantes, qu'elles ouvrent une route également naturelle et facile pour conduire l'esprit des Chinois, non seulement à la connoissance du Créateur et de la religion naturelle; mais encore à Jesus Christ, son fils unique, et des verit´es les plus difficiles du Christianisme.... le systeme presqu'entier de la vraie Religion se trouve renfermé dans les livres classiques des Chinois; et que les principaux misteres de l'Incarnation du Verbe, de la vie, de la mort du Sauveur, et les principales fonctions de son saint ministere sont contenues comme d'une maniere prophétique dans ces précieux monumens de l'antiquité Chinoise.") Die Zertrümmerung durch die babylonische Sprachenverwirrung sozusagen sei der eigentliche Grund für den allgemeinen traurigen Schiffbruch, den die wahre Religion und die Wissenschaften damals bei allen Völkern erlitten habe. Es gehe also um eine Wiederherstellung dieses alten und universalen Systems der Wissenschaften (rétablir le systeme ancien et universel des sciences); dazu könne man eine kleine chinesische Akademie bilden um gemeinsam daran zu arbeiten das Christentum in China auszubreiten (formant une espece de petite Academie Chinoise ... pour dilater et affermir le Christianisme).Die Patres meinten begeistert, es sei ehrenvoll, auf seinen Spuren zu wandeln und nach seinem Vorbild Licht in Wissenschaften zu bringen, die bisher undurchdringlich schienen. ("Il est bien glorieux, monsieur, de marcher sur vos traces, et de developer à vostre imitation des sciences qui ont paru jusqu'ici impenetrables.") Leibniz ist froh, dass sich die Angelegenheiten der Europäer in China gut entwickeln, "ist doch dabei der Fortschritt des Christentums betroffen. (Je suis ravi d'apprendre que V.R. se porte bien, et que les affaires des Europeens vont bien à la Chine, puisque le progres de la Religion Chrestienne y est interessé.") [65] 

Auch in theosophischen und alchemistischen Fragen kannte Leibniz sich aus. Franciscus Mercurius van Helmont (1618-1699), Sohn des Arztes Johann Baptist van Helmont, Alchemist und Theosoph, war befreundet mit der von Leibniz sehr geschätzten Anne Conway (1631-1679), die für die Entwicklung des Leibnizschen Monadenbegriffs eine erhebliche Bedeutung besitzt. Zudem kannte Leibniz van Helmont persönlich, da dieser 1696 als Gast der Kurfürstin Sophie längere Zeit in Herrenhausen verbracht hatte.

Er interessierte sich dafür, ob die Sprache von Barantola (der mongolische Name für Lhasa) dieselbe sei wie die der Mongolen und ob die Schriftzeichen der Leute von Barantola übereinstimmen mit denen der östlichen Tataren (Manjuren).

Nicht anders als die großen christlichen Orden, allen voran die Jesuiten, die ganz Asien zum Christentum bekehrten, erblickte auch Leibniz in der weltweiten Errichtung von Akademien das beste Mittel zur Sammlung und Ausbreitung jenes Wissens, das im Rahmen einer christlichen Philosophie den Wahrheiten der Bibel nicht widersprechen würde - im Gegensatz zu den korrumpierten Universitäten heute. Er zeigte, dass "die Kraft das Wesen der körperlichen Substanz ist und dass es sich um die Entelechie der Alten handelt (la force est de l'essence de la substance corporelle, et que c'est l'entelechie des anciens)" und rechtfertigte so "die Alten gegen die zu materialistische Philosophie der Neueren (par le consideration de la force je justifie les anciens contre la philosophie trop materielle des modernes") die von Bouvet gesehene Identität zwischen den binären Zahlen und den Hexagrammen der Fuxi-Figur verschaffte seiner Erfindung die notwendige "utilité" für die Veröffentlichung in der Histoire de l'académie Royale des Sciences. Carlo Maurizia Vota, der im Auftrag des Papstes eine Liga gegen die Türken mit Kaiser Leopold und dem polnischen König verhandelte, bewertete die ganze Angelegenheit sogar höher als die Entdeckung Amerikas. Der Hauptzweck der Missionare sei zwar die Arbeit für die Ausbreitung der christlichen Religion, aber nach Leibniz werden gerade in Hinblick darauf sich die Forschungen zur Sprache und den Hieroglyphen, die kritische Sichtung der alten Bücher und der alten Geschichte Chinas und sogar die Untersuchungen zu den chinesischen Wissenschaften und ihrem Ursprung als sehr wichtig erweisen. "Sie bestätigen die Geschichte der Heiligen Schrift, sie machen die Chinesen empfänglicher für unsere Theologie und leiten sie zurück zur geistigen Verfassung ihrer Ahnen, die derjenigen der alten Hebräer und anderer, noch nicht vom Götzendienst korrumpierter Völker nähergestanden haben dürfte als jener der modernen Chinesen, wie uns das Beispiel des Hiob zeigt, ganz gleich, was einige Gelehrte der Sorbonne dagegen sagen mögen. ( Il est vrai que le principal employ des missionnaires est de travailler à la propagation de la Religion: mais c'est en cela que la recherche de la langue, des hieroglyphes, de la critique des anciens livres et de l'ancienne Histoire de la Chine et même des sciences chinoises et leur origine, se trouvera tres importante, en confirmant l'Histoire de la Sainte Ecriture, en rendant nostre Theologie plus recevable auc Chinois, et en les faisant rentrer dans l'esprit de leur ancestres, que je crois plus approchant de celuy des anciens Hebreux et autres non encor corrompus par l'idolatrie, comme l'exemple de Jop nous fait connoistre, qoyque quelque docteurs de Sorbonne puissent dire à l'encontre.") Mit der Gestalt des Hiob ist das Problem des Heils der Heiden angesprochen, das im 17. Jahrhundert in engem Bezug zur Chinamission stand. Hatten die alten Chinesen den wahren Gottesglauben erhalten und konnten sie deshalb wie Hiob das ewige Seelenheil erlangen? Die Jesuitenmissionare hatten sich für diese Ansicht auf Augustinus berufen. Nach Augustinus war Hiob ein Idumäer, d.h. ein Nachkomme Esaus, des älteren Zwillingsbruders Jakobs, und gehörte damit nicht zum gesegneten Volk Gottes. Leibniz glaubte, dass auch Rom das verstehen würde und die Chinesen könne man empfänglicher machen "für einen der großen Glaubensartikel unserer Religion und Methaphysik (Je croy qu'à Rome meme la connoissance de cette decouverte pourra faire un bon effect, pour donner une mailleure opinion de l'antiquité reculée de ces peuples eloignés. Et aupres des Chinois mêmes alle peut servir à leur rendre  plus recevable un grands articles, et non pas plus aisés de nostre religion, et nostre Metaphysique.") [66] 
 

"Es wird nützlich sein, in den klassischen Büchern der Chinesen etwas zu finden, das einen Bezug zu unserer christlichen Religion aufweist, so wie es eine Platonstelle gibt, die der Menschheit einen Messias in Aussicht zu stellen scheint. Vor allem aber wird es aber erforderlich sein, diese Bücher so auszulegen, dass sie mit der natürlichen Theologie zumindest nicht in Widerspruch stehen, ja diese vielmehr bestätigen. (Il sera tres utile de trouver dans les livres classiques des Chinois quelque chose qui ait du rapport à nostre religion, comme il y a un passage de Platon, qui semble faire esperer un Messie au genre humain. Mais il sera sur tout necessaire d'expliquer ces livres en sorte qu'ils ne choquent point au moins la Theolohie naturelle, et qu'ils la confirment plustost.") [67] -  Gottfried Wilhelm Leibniz

 
 
 
 
 
 
 

Anmerkungen

[1] Vgl. Abschnitt und Anm. 29 sowie Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gotik, Nr. 552 William Shakespeare, Nr. 554 Friedrich Hölderlin. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Vgl. Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Akademie der Kunst und Philosophie; vgl. Pierre Daniel Huet, Demonstratio Evangelica, Paris 1679
[3] Ebd.
[4] Ebd.
[5] Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie; vgl. William Freke, A Brief and Clear Confutation of the Doctrine of the Trinity, London 1693 
[6] Vgl. Anm. 1 und 28 sowie Kurse, Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences, Nr. 518 Philosophie der Natur, Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Akademie der Kunst und Philosophie; vgl. Gottfried Wilhelm Leibniz, Réponse à l'extrait de la lettre in: Journal des Scavans, 3. August 1693; Pseudo-Hippocrates, De diaeta, I,4 
[7] Vgl. Anm. 5; Augustinus, Enchiridion de fide, spe et charitate; Ders., De osto Dulcitii quaestionibus liber unus, Kap. 3; Ders. De fide et operibus liber unus; Ders., De civitate 
[8] Zu den Krankheiten Parkinson und Alzheimer sowie Heilmethoden vgl. Zentrum für natürliche Bienentherapie 2017, Alzheimer, Parkinson und die Bienentherapie. Pressemitteilung
[9] Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 565 John Scotus Eriugena, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie; zum Thema Lebewesen als Maschinen vgl. Bernard Le Bovier de Fontenelle, Entretiens sur la pluralité des Mondes, Paris 1686; viele Naturwissenschaftler berufen sich auf Leibniz, obwohl an den meisten Universitäten auch heute noch eine mechanistische Weltanschauung vorherrscht: vgl dazu Abschnitt und Anm. 48 sowie Zentrum für natürliche Bienentherapie 2017: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin. Pressemitteilung; dagegen von Leibniz inspiriert: Michel Angelo Fardella, Animae humanae natura, Venedig 1698; in den Komödien der damaligen Zeit wurde viel über Ärzte gespottet, man zeigte den Stadtphysicus, wie er seine goldenen Medaillen vorzeigte, "auch die Frau Doktorin, erschien auf einer Sänfte, die ihre Türken trugen" vgl dazu auch Jean Baptiste Molière, L'Amour médicin, Paris 1666, die Musik dazu komponierte J.B. Lully für die Premiere 1665 in Versailles 
[10] Ebd; vgl auch Kurs, Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie
[11] Vgl Kurs Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung. Akademie der Kunst und Philosophie
[12] Vgl. Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Akademie der Kunst und Philosophie; Friedrich von Spee, Cautio criminalis seu de Processibus contra sagas liber, Rinteln 1631 oder auf deutsch: Ders, Gewissens-Buch. Von Prozessen gegen die Hexen, Bremen 1647
[13] Vgl. Anm. 9 und 10
[14] Vgl. Anm. 1
[15] Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 531 Platon, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung. Akademie der Kunst und Philosophie
[16] Zu den in Deutschland, England und Frankreich gegründeten Akademien der Wissenschaften vgl.auch Abschnitt und Anm. 53; eine Finanzierung durch Mitgliedschaften und Patenschaften, wie es bei der Akademie der Kunst und Philosophie / Michael Thiele Akademie der alternativen Medizin und Bienentherapie üblich ist, war früher durchaus verbreitet - wenn der König oder Kaiser nicht für die Unkosten aufgekommen ist wie in Frankreich. Die berühmte Save Beecolonies-Bienenpatenschaft stellt darüber hinaus die einzige Bienenpatenschaft dar, die die wesensgemäße Bienenhaltung unterstützt, d.h. Bienen fördert, die nach den Kriterien des Zentrums für wesensgemäße Bienenhaltung ohne Tierquälerei gehalten werden
[17] Vgl. Anm. 15; Jean Baptiste Molière, Les fâcheux, comédie, Paris 1661
[18] vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 506 Wladimir Solowjew: Europa im 21. Jahrhundert, Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
[19] Vgl. Anm. 8 und 9; zu den Erkrankungen der Niere sowie Heilmethoden vgl. Zentrum für natürliche Bienentherapie 2017, Funktionsstörungen der Niere. Pressemitteilung
[20] Vgl. Lois Gérauld de Cordemoy, Le discernement du corps et de l'ame en six discours, Paris 1666; Gottfried Wilhelm Leibniz, Système nouveau de la nature et de la communication des substances, aussi bien que de l'union qu'il y a entre i'ame et le corps in: Journal des Scavans, 27. Juni und 4. Juli 1695; vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[21] Vgl. Anm. 20 und Kurs Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der der Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[22] Ebd.
[23] Vgl. F. Lamy, De la connoissance de soi-même, Paris 1701; zur Übereinstimmung des Glaubens mit der Vernunft und zur Verteidigung seiner Ideen: Isaak Jaquelot, Conformité de la Foi avec la Raison, Amsterdam, 1705; vgl. Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung 2017, Gefährliche Süssigkeiten.  Pressemitteilung und Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 020 Goethe, Nr. 565 John Scotus Eriugena. Akademie der Kunst und Philosophie
[24] Philipper 4, 7
[25] Matth 12, 36
[26] Vgl. Anm. 20; Lois des Ban, L'art de connoistre les hommes, Paris 1702; Jacques Esprit, La fausseté des vertus humaines, Paris 1678; Niccolò Machiavelli, Il principe, Rom 1532
[27] vgl. Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz sowie Science Review Letters 2017, 16, Nr. 804 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 105, p. 4
[28] Vgl. Abschnitt und Anm. 6 sowie Fortunius Licetus, De pietate Aristotelis erga deum et homines libri II, Udine 1645; vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 503 Nominalistische Weltanschauungen, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles. Akademie der Kunst und Philosophie
[29] Vgl.Abschnitt und Anm. 1 sowie Kinder, H. & Hilgemann, W. 1976: Atlas zur Weltgeschichte I. München, Paris, Milano, Tokio, Madrid, New York, Baarn, Harmondsworth
[30] Ebd.
[31] Ebd.
[32] Vgl. Gottfried Wilhelm Leibniz, Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal, 1710, Amsterdam; Raimundus Lullus, Ars Magna generalis ultima, Venedig 1480, Lyon 1517
[33] Vgl. Anm. 32 und Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Akademie der Kunst und Philosophie
[34] Zum fatum mahometanum oder zum Sophisma der faulen Vernunft vgl. Abschnitt und Anm. 33, 40 und 48  sowie Kurs Nr. 505 Schopenhauer. Akademie der Kunst und Philosophie
[35] Vgl. Anm. 21, 28 sowie Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie; vgl. auch John Locke, An essay concerning human understanding, London 1690; Nicole Malebranche, De la recherche de la vérité, Paris 1675
[36] Vgl. Anm. 5, 35 und Kurse Nr. 565 John Scotus Eriugena, Nr. 566 Meister Eckhart. Akademie der Kunst und Philosophie; zur himmlischen Akademie siehe Martin Luther, De servo arbitrio, Wittenberg 1526 
[37] Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie; Clemens Alexandrinus, Stromata; zur cartesischen Philosophie vgl. Abschnitt und Anm. 20 und 26 sowie René Descartes, Principia philosophae, Amsterdam 1644
[38]  Zu falsch verstandener Achtsamkeit heute vgl. Kurs Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften. Akademie der Kunst und Philosophie; zu krankmachenden "Lebensmitteln" vgl. Anm. 23 und Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung 2017: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung; zu Naturheilverfahren wie Bienentherapie vgl. Zentrum für natuerliche Bienentherapie 2017: Natürliche Bienentherapie. Pressemitteilung 
[39] Vgl. Anm. 36 und Jean le Clerc, Bibliothèque choisie, Amsterdam 1703-1713
[40] Vgl. Kurse Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie; zum fatum mahometanum oder zum Sophisma der faulen Vernunft vgl. auch Abschnitt und Anm. 33 und 34; zum Brüsseler Prozesses gegen acht islamisch-arabische Prinzessinnen, die Dienst- und Kindermädchen als Sklavinnen behandelt haben vgl Abschnitt und Anm. 60 
[41] Ebd.
[42] Vgl. Johann David, Verdicus christianus, 1601
[43] Vgl. Anm. 37, 40 und Kurse Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie
[44] Ebd. und Isaak Jaquelot, Conformité de la foi avec la raison, ou défense de la religion contre les principales difficultés répandues dans le Dictionnaire historique et critique de Bayle, Amsterdam 1705; zur mohammedanischen Prädestination vgl. Anm. 34 und Georg Kendal, Fur pro tribunali, Oxford 1657
[45] Abbé de Paul-Yves Pezron Charmoye, Antiquité de la nation et de la langue des Celtes, autrement appelés Gaulois, 1703
[46] Vgl. Anm. 10, 37 und Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 Summa Theol., Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles. Akademie der Kunst und Philosophie
[47]  Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 533 Aristoteles. Akademie der Kunst und Philosophie.  Jacob Thomasius, Philosophia practica, Leipzig 1661; Thomas Hobbes, Elementa philosophiae III. De cive, Paris/Amsterdam 1642-1647; Pierre Bayle, Continuation des pensés diverses, ecrites à un Doctteur de Sorbonne, à l'occasion de la cométe qui parut ou mois de decembre 1680, Rotterdam 1704; Nicole Malebranche, De la recherche de la vérité, Paris 1675; Ders., Traité de la nature et de la grâce, Amsterdam 1680
[48]  Vgl. Anm. 9, 34 und Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 531 Platon, Nr. 533 Aristoteles. Akademie der Kunst und Philosophie; Markus Tullius Cicero, De fato; F. Diroys, Preuves et préjugés pour la religion chrétienne et catholique contre les fausses religions et l'atheism, Paris 1683; Pierre Bayle, Résponse aux questions d'un provincial, Rotterdam 1704-17017
[49] Baruch de Spinoza, Tractatus politicus, in: Opera posthuma, Amsterdam 1677; Nicole Malebranche, Méditations chrétiennes, Amsterdam 1680; Lorenzo Valla, De voluptate, 1431; Ders. De vero bono, 1442; Ancius Manilus Torquatus Severinus Boethius, De consulatione philosophiae; Thomas Hobbes, The questions concerning liberty, necessity and chance, clearly stated and debated between Dr. Bramhall, bishop of Derry and Th. Hobbes of Malmesbury, London 1656; Ders. Hobbs's Tripos, In three discourses, London 1684
[50] Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der der Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[51] Vgl. Anm. 50 und Giovanni Domenico Cassini, Regles de l'Astronomie Siamoise, pour calculer les mouvemens du Soleil et de la Lune, traduites du Siamois, et depuis examinées et expliquées par M. Cassini. In: S. de la Loubère, Du Royaume de Siam 1691; Johannes Kepler, Tabulae Rudolphinae, quibus Astronomicae Scientiae, Temporum longinquitate collapsae Restauratio continetur. Ulm 1627; Ders. Harmonices Mundi Libri V. 1619; G.W. Leibniz, Tentamen de motuum coelestium causis, in: Acta erud. 1689
[52] Lk 2, 34; Der Jesuit Antoine Verjus (1632-1706) war Sekretär des Beichtvaters Ludwig XIV. und später Missionsprokurator der Levanten- und Chinamission; zur Kritik an Descartes: Gabriel Daniel, Vayage du monde de Descartes, Paris 1690 
[53] Vgl. Anm. 16 und Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie
[54] Vgl. Anm. 53 und Charles le Gobien, Histoire de l'Edit de l'Empereur de la Chine, en faveur de la Religion Chrestienne, Paris 1698
[55] Vgl. Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 500 Thomas von Aquin, Nr. 533 Aristoteles. Akademie der Kunst und Philosophie; Martino Martini, Sinicae Historiae Decas Prima Res à gentis origine ad Christum natum in extremâ Asiâ, sive Magno Sinarum Imperio gestas complexa. Monachii 1658; Thomas von Aquin, In Aristotelis libros Peri hermeneias et Posteriorum analyticorum commentaria; Ders. Questiones disputatae de veritate
[56] Die Ergebnisse der zur Verbesserung der Erd- und Himmelsvermessung von Cassini, Jean Picard (1620-1682) und Philippe de La Hire (1640-1719) unternommenen Forschungsreisen wurden veröffentlicht in: Giovanni Domenico Cassini, De la grandeur de la terre et de sa figure, in: Histoire de l'Académie Royale des sciences, 1718, 1719: Momoires de mathématique et de physique; Ders. Recueil d'observations faites en plusieurs voyages par ordre de Sa Majesté, pour perfectionner l'astronomie et la géographie, Paris 1693
[57] Vgl. Anm. 9 und 10
[58] Vgl. Anm. 54
[59] Ebd.
[60] Orléans, Pierre Joseph d', Histoire de M. Constance, pemier ministre du Roy de Siam, et de la derniere revolution de cet estat. Paris 1690; zur modernen Sklaverei in den Golfstaaten: Gerster, L. 2017: Prinzessin und Dienerin. Die Misshandlung von Bediensteten hat in den Golfstaaten System. Frankfurt a.M. und FAZ 2017, Nr. 111, p. 7:  Die Anklage fordert Haft und eine Geldstrafe von insgesamt fast 1,9 Millionen Euro. Das Gericht solle die Witwe eines Scheichs, sieben ihrer Töchter und einen Verwalter zu jeweils 18 Monaten Haft verurteilen. Es wurde als erwiesen angesehen, "dass die Angeklagten 2007 und 2008 mehr als 20 Frauen in einem Brüsseler Luxushotel als Dienst- und Kindermädchen ausgebeutet haben. Sie müssen sich wegen Menschenhandels, Freiheitsberaubung sowie unmenschlicher und erniedrigender Behandlung verantworten. Die Verteidiger verlangten Freisprüche für ihre Mandanten, die selbst nicht zu dem Prozess erschienen waren. Sie argumentierten, das Unternehmen 'Private Department' habe die Arbeitsverträge mit den Betroffenen abgeschlossen und sei deshalb auch rechtlich für deren Behandlung verantwortlich." Anwälte der Nebenklage hatten zum Prozessauftakt allerdings dargelegt, "dass Mitglieder der Scheichfamilie - unter ihnen die Angeklagten - als Eigner ebendieses Unternehmens eingetragen seien. Die Opfer hatten nach Darstellung der Nebenklage rund um die Uhr und ohne freien Tag die Wünsche der Prinzessinnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erfüllen müssen. Sie hätten die angemietete vierte Etage des Luxushotels nicht verlassen dürfen, hätten während ihres Aufenthalts in Brüssel keinen Lohn bekommen und ihre Pässe abgeben müssen. Der Fall kam ans Licht, als einige Frauen trotz strenger Bewachung fliehen konnten und sich an die Behörden wandten." Patricia Le Cocq vom belgischen Menschenrechtsverein Myria sagt dazu: "Wir sind glücklich, dass es nach so vielen Jahren endlich zum Prozess und einer öffentlichen Debatte kommt." Die Anwälte der Herrscherfalilie haben alles getan, um das zu verhindern, und schon zweimal Berufung eingelegt. Zwar dürften die Strafen im Falle einer Verurteilung nach so langer Zeit mild ausfallen, und ohnehin gilt es als unwahrscheinlich, dass die Prinzessinnen ausgeliefert würden. "Für die mächtige Nahyan-Familie, die beispielsweise im Jahr 2009 den Fußballklub Manchester City gekauft hat, wäre eine Verurteilung dennoch eine äußerst peinliche Angelegenheit. Die Peinlichkeit könnte jedoch vielleicht etwas bewegen. Denn der Prozess wirft ein Licht darauf, dass die herrschenden Eliten in Abu Dhabi und Dubei moderne Sklaverei nicht nur tolerieren, sondern auch vorleben. Zwar würden die Golfstaaten alles dafür tun, um den Anschein von Besserung und Reformen zu erwecken, sagt Nicholas McGeehan, der sich für Human Rights Watch seit vielen Jahren mit den Golfstaaten beschäftigt, aber tatsächlich sei die region weiterhin ein Knotenpunkt für Menschenhandel und Sklaverei. Unzählige Agenturen, die in Indien, Pakistan und den Philippinen Arbeiter rekrutieren, verdienen am Geschäft mit dem trügerischen Traum vom schnellen Geld." Der tatsächliche Lohn ist minimal. "Haushaltsangestellte wurden auch schon zu Tode geprügelt." Kürzlich verbreitete sich das Video einer "äthiopischen Haushaltshilfe, die um Hilfe schreiend an einem Balkon sieben Stockwerke über dem Boden in der Luft hängt. Doch die qatarische Wohnungsinhaberin reicht ihr nicht die Hand, sondern hält die Kamera auf die Szene, bis die Äthiopierin in die Tiefe fällt." Würde in den Golfstaaten eine Nanny bei der Polizei schutz suchen, "würde diese die Familie kontaktieren, die sie beschäftigt, damit diese die entlaufene Dienerin abholen und bestrafen kann."
[61] Apg 17, 23; viele Jesuiten wie Bouvet zum Beispiel nahmen an, dass die Urreligionen des alten China, Ägyptens, Persiens, Indiens und des Juden- und Christentums eines gemeinsamen Ursprungs sind; neuere Sekten wie der Islam zählen nicht daru. Vgl Kurs Nr. 505 Schopenhauer. Akademie der Kunst und Philosophie
[62] LK 10, 2
[63] Vgl. Anm. 15 und Platon, Phaidros, 274c-275a 
[64] Vgl. Anm. 61 und Platon, Timaios, 35a-36d; Cicero, Epistulae ad Atticum; zu falschen Ansätzen der neueren Philosophen vgl. Anm. 10 und Kurse Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 532 Philosophie der Wissenschaften. Akademie der Kunst und Philosophie
[65] Blaise Pascal, Les Provinciales, ou lettres écrites par Luis de Montalte, à un provincial de ses amis, et aux RR.PP. Jesuites: Sur le sujet de la Morale, et de la Politique de ces Peres. Colgne 1657; Ders., Pensées sur la Religion et sur autres sujets, qui ont esté trouvées après sa mort parmy ses papiers. Paris 1669 
[66] Louis Moréri: Le grand dictionaire historique, ou le melange curiex de l'Histoire sacrée et profane, Lyon 1674; zum Thema, dass das Christentum schon vor dem Erscheinen des Christus auf der Erde existierte, vgl. Augustinus, De civitate Dei 18,47 und Anm. 53 und 64
[67] Zur Beschreibung des gekreuzigten Gerechten bei Plation vgl. Politeia, 361e-362a. Diese Stelle wurde bereits im frühen Christentum als Vorausdeutung auf Jesus Christus verstanden. Anhänger des Platonismus unter den Kirchenvätern sind insbesondere Clemens von Alexandria, Origenes, Gregorius v. Nyssa und vor allem Augustinus. Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 531 Platon, Nr. 564 Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 

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Letzte Bearbeitung:23.06.2017