Akademie der Kunst und Philosophie
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Kurs Nr. 621

George Gordon Noël Byron (Lord Byron) - Poet, Dramatist and Novellist


»Er ist ein großes Talent, ein geborenes, und die eigentlich poetische Kraft ist mir bei niemand größer vorgekommen als bei ihm. In Auffassung des Äußeren und klarem Durchblick vergangener Zustände ist er ebenso groß als Shakespeare« - Goethe, 1825 

"Es stehen hart am Fuß der Veste
Noch einige alte Tempelreste;
Und an den Säulen überzieht
Das Moos den Marmor und Granit.
muss auch das Künftige vergehn
Gleich Allem, was vor uns geschehn?
O pfui der harten Macht der Zeit!
Sie lässt von der Vergangenheit
Nur solche dürftige Reste dauern,
dass wir bei ihrem Anblick trauern.
Wie wir, so werden unsre Söhne
Zerbröckelt schauen alles Schöne, –
In Marmortrümmern schwache Spuren
Von staubgebornen Kreaturen!" - Lord Byron

Lord Byron, by Lorenzo Bartolini

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 
"Die Sonne taucht im schönsten Purpurschein
In das Gebirge von Morea ein,
Nicht nebelhaft verhüllt, wie wohl im Norden,
Ein lichter Feuerball ist sie geworden!
Und ihre goldnen Strahlen übersprühn
Die Wogen, die darin erzitternd glühn.
Der Gott der Freude lächelt, und es glänzt
Aegina's Fels und Hydra meerumkränzt,
Bis zögernd er von seinem Reich sich trennt,
In dem jetzt kein Altar mehr für ihn brennt.
Die Schatten fliehn den Berg hinunter bis
An deinen Golf, ruhmvolles Salamis!
Und immer tiefre Purpurstreifen schmücken
Die langgezognen, blauen Bergesrücken;
Im zartsten Farbenspiel erglühn die Spitzen,
Auf denen noch die letzten Strahlen blitzen,
Bis über Meer und Land sich Schatten strecken
Und Delphi's Gipfel ihren Gott verdecken.

Was konnt' auf dich hier den Gedanken lenken,
Athen? Doch wer kann deines Meers gedenken
Und dich nicht nennen, wer den Zauber meiden,
Den Alle wir bei deinem Namen leiden?
Wer sah dich je beim Sonnenuntergang,
Dem nicht dein Bild tief ins Gedächtnis drang?
Der nicht, den, ob im fernsten Land er lebt,
Der Reigen der Cykladen stets umschwebt!" – Lord Byron
 

"Denn alle Türken halten viel auf Fraun,
Obgleich man nicht viel Gutes davon hört.
Sie halten sie wie Hunde (im Vertraun
Gesagt) und kaufen sie, wie wir ein Pferd;
Zwar viele sind's, doch sieht man nichts davon,
Gesetzlich vier, und sonst à discretion.

Sie bleiben stets verschleiert und bewacht
Und sehen kaum die männlichen Verwandten;
So viel wird auch von ihnen nicht gelacht,
Wie's wohl bei Fraun geschieht in andern Landen;
Auch glaub' ich, dass dies Leben blass sie macht.
Da Türken nicht gesprächig sind, so kannten
Die Fraun von je kein anderes Vergnügen,
Als Bäder, Liebe, Putz und Kinderkriegen.

Sie wissen nichts von Lesen oder Schreiben,
Von Kritisiren oder Versemachen;
Journale, Predigten, Romane bleiben
Wie Geist und Witz für sie stets fremde Sachen, –
Die Bildung würde sie zum Aufruhr treiben!
...
Die armen kleinen Türkenfraun genießen
Nichts von so lehrreich liebenswürd'gen Leuten;
Sie würden als ein Wunder sie begrüßen,
Als hörten Glocken in Moscheen sie läuten.
Ich glaub', es wär' der Mühe wert, wir ließen –
Der beste Plan schlägt freilich fehl zu Zeiten –
Als Missionar solch einen Herrn hinreisen,
Im Christlichsprechen sie zu unterweisen." - Lord Byron


Lord Byron (1788-1824), den Goethe sehr schätzte, widmete ihm eines seiner Werke, was ihn ungemein erfreute und schmeichelte; zudem schrieb Goethe den Gedenkaufsatz: "Zum Andenken Byrons" 1824. Tschaikowsky schrieb die berühmte Manfred-Symphonie, inspiriert von Lord Byrons Manfred-Dichtung. Weitere wichtige Dichtungen Byrons sind "Die Belagerung von Korinth", "Der Korsar", "Beppo, eine venetianische Geschichte", "Der Gjaur". [1]
 

Belagerung von Korinth

Byron schickt diesem Gedichte "die Belagerung von Korinth", das er 1815 in London schrieb, folgende geschichtliche Notiz voraus, als die historische Grundlage des Poems: »Die große Armee der Türken, welche im Jahre 1715 unter dem Befehle des Großveziers sich einen Weg in das Herz von Morea bahnen und Napoli di Romania, den bedeutendsten Platz im ganzen Lande, belagern sollte, hielt es für das Zweckmäßigste, zunächst Korinth anzugreifen, und machte zu wiederholten Malen Sturm auf diese Stadt. Als die Garnison schwächer wurde und der Gouverneur die Unmöglichkeit erkannte, sich gegen eine solche Uebermacht zu halten, entschloss er sich zu kapituliren; aber während man noch über die Artikel verhandelte, flog durch Zufall eins der türkischen Magazine mit 600 Fässern Pulver in die Luft, wobei sechs – bis siebenhundert Menschen um's Leben kamen. Dieses Ereignis brachte die Ungläubigen in solche Erbitterung, dass sie auf keine Kapitulation mehr eingehen wollten und nun den Platz mit solcher Wut bestürmten, dass sie ihn einnahmen und den größten Teil der Besatzung, sammt Minotti, dem Gouverneur, über die Klinge springen ließen. Der Rest, mit Antonio Bembo, dem außerordentlichen Proveditore, ward gefangen genommen.« [2]

Die Türken gelten seit jeher als Christenschlächter; was Lord Byron über Ali Kumurgi schreibt, könnte nicht nur 1715 sondern auch 1815, 1915 oder 2015 passiert sein. "Ali Kumurgi, der Günstling dreier Sultane und Großvezier Achmet's III., wurde, nachdem er in einem Feldzug den Peloponnes den Venetianern wieder entrissen hatte, in dem folgenden Kriege, wider die Deutschen, in der Schlacht bei Peterwardein (in der Ebene von Karlowitz) in Ungarn, als er eben seine Garden sammeln wollte, tödtlich verwundet. Er starb an seiner Wunde am nächsten Tage. Sein letzter Befehl war die Enthauptung des Generals Brenner und einiger andern deutschen Gefangenen, und seine letzten Worte: »Könnt' ich allen Christenhunden so dienen!« – eine Rede und eine Handlung, Caligula's nicht unwürdig! Er war ein junger Mann von großem Ehrgeiz und maßlosem Hochmut. Als man ihm sagte, Prinz Eugen, der ihm damals gegenüberstand, sei ein großer Feldherr, antwortete er: »Ich werde ein größerer werden, und auf seine Kosten!« [3]

Brenzlig für christliche Länder wird es immer, wenn zu viele türkische bzw.moslemische Turbane zu sehen sind, wie schon Ariost, Shakespeare, Franz Werfel und Lord Byron feststellten: "Turbane füllen rings das Land / So weit man schaut, bis an den Strand;/ Arabiens Kamele knien, / Tataren tummeln ihre Pferde, / Der Turkomane ließ die Heerde, / Den Säbel für den Kampf zu ziehn, / Und der Geschütze Donner brüllt, / Bis er des Meeres Toben stillt; / Laut zischend fliegt aus manchem Rohr / Der Todesbote schon hervor, /dass weit die Mau'r in Trümmer springt." In Griechenland haben die Türken viel zerstört ("Denn morgen stürzen in den Flammen / Die Christentempel wohl zusammen")., von Korinth, der Akropolis bis zu den Kirchen und Kathedralen, z:B. von Famagusta (Zypern); bis heute halten die Türken andere Länder und Städte wie z.B. Teile Griechenlands, Zyperns, Konstantinopel und Famagusta besetzt. Auch heute brechen die Türken Verträge mit Christen, weshalb ihnen nicht zu trauen ist: "Zum Schutz des Landes ausgesandt / (Das aus der Muselmänner Hand / Von Patras an bis Negroponte / Venedigs Macht entreißen konnte, / Als durch Sobieski ihre Schaaren / Am Donaustrand gebändigt waren) / War in Korinth Minotti jetzt / Dem Heer des Dogen vorgesetzt; / Ein güt'ges Schicksal hatte Frieden / Den Griechen kurze Zeit beschieden / Und eh der Türke den Vertrag, / Der sie befreite, treulos brach" [4]

Wenn das Christentum nicht stark genug ist, macht sich »verlorne Hoffnung« breit, heute vor allem in Form von Moscheen und islamischer Indoktrinationsunterricht in Schulen: "Sie stehn bereit, voran die Schaaren / Der Muselmänner und Tataren, / Die man »verlorne Hoffnung« nennt, / Weil Todesfurcht ihr Herz nicht kennt, / Die mit dem Schwert den Weg erkaufen / Und ihn bestreun mit Leichenhaufen, / Damit die Spätern immer weiter / Vorgehn auf dieser Todtenleiter." [5]

Zu » Ein blutiger Schädel lag entblößt.« schreibt er "Dieses Schauspiel, wie es hier beschrieben ist, habe ich unter den Mauern des Serails in Konstantinopel, in den kleinen, vom Bosporus ausgewaschenen Höhlungen des Felsens gesehen, der zwischen den Mauern und dem Wasser eine schmale Terrasse bildet. Die Leichname waren vermuthlich die einiger widerspenstigen Janitscharen." [6]

Zu:» Saß von dem Haare noch ein Schopf.« zeigt, dass die Moslems nicht nur grausam und hochmütig waren, sondern zudem noch Dumm wie Bohnenstroh, denn nach "islamischer Philosophie" wird ein Zopf oder "lange Haarbüschel" nicht abgeschoren, "weil sie glauben, dass sie Mahomet daran ins Paradies ziehen werde." [7]

Wer sein Land oder das Christentum verrät, indem er z.B. als Bischof vor Moslems sein Kreuz ablegt und heimlich Moslems ins Land schleust, "Ihn drückt des Vaterlands Verrat, / Er stand allein als Renegat, / Allein in seiner Krieger Schaar, /
Wo keiner ihm befreundet war." [8]

Ein Bund der Christen, die Nato, kämpft heute theoretisch auch für "ungläubige Barbaren" also Türken und begeht somit auch "Verrat im Christenheer": "Er ein Verräther zog das Schwert / Jetzt für ungläubige Barbaren, / Wo schmachvoll selbst die Lorbern waren, / Die ihm der Sieg als Preis gewährt. / Nein, Solches hatten nie getan / Die Helden seiner Phantasie... Gibt's denn Verrat im Christenheer, / Und ist sein Mut so stark nicht mehr?" [9]

Verblendete Konvertiten gibt es in Europa heute ebenfalls; in der Regel sind sie besonders gefährlich, kämpfen auf der Seite der Islamisten und können keine Seligkeit mehr erlangen: "Du hast, Unseliger, verblendet / Von unserm Gott dich abgewendet, / Doch wirf den Turban fort, erkenne / Das Kreuz an und gehöre mir! / dass nichts von morgen an uns trenne, 7 Wirf diese schwarze Schuld von dir! ... Rührt dich nun auch die Liebe nicht, / So denk an Gottes Strafgericht, / Noch einmal sag ich's: wirf bekehrt / Den Turban fort, der dich entehrt, / Und schone deiner Brüder Leben, / Sonst kann's für dich kein Heil mehr geben; / Denn du verlierst für alle Zeit / Sonst mich und einst die Seligkeit!« [10]

Lord Byron schreibt über die Einstellung der Türken bzw. Moslems, was sie über Christen denken und wie sie behandelt werden sollten; nicht anders denken Moslems heute auch, besonders über Christen in ihren Ländern: "Brecht auf und stürmt voran, ihr Schaaren / Von Turkomanen und Tataren, / Braust durch das Tal hin und ergreift / Das Volk, das fliehend es durchstreift! / Lasst keinen von den Christen drinnen, / Ob jung, ob alt er sei, entrinnen, / ... Alp führt das Janitscharencorps, / Er hält den nackten Arm empor, / Der den entblößten Säbel schwingt; / Und dort, von Pascha's dicht umringt, / Hält der Vezier in stolzer Pracht, / Bis donnernd der Signalschuss kracht. / Lasst nichts Lebendiges in Korint, / Der Priester am Altar, das Kind / Darf euch nicht rühren, und kein Herd, / Kein Stein des Walls bleib' unversehrt! / Allah und Mahomet! Allahu! / So jauchzet laut dem Feinde zu! / »Dort seht ihr die Bresche, legt Leitern daran, / Den Säbel geschwungen, und bald ist's getan! / Wer als Erster das Kreuz da zu Boden mir reißt, / Der erhält, was er selbst als das Köstlichste preist!« / So sprach Kumurgi zu dem Heere, / Als Antwort klirren tausend Speere – / Ein tausendstimmiger Schrei ertönt, / Als endlich der Signalschuss dröhnt!" [11]

Das einzige, was Moslems und Türken, also Mahomets Sklaven, fürchten, ist das christliche Zeichen des Kreuzes, weil sie wissen, dass sie diese Kraft nie besiegen können und "ihr falsches Herz" vor dieser Macht erbleicht: "Wo kein Verräter sie erreicht, / Rein hat sie sich zu dem erhoben, / Vor dem dein falsches Herz erbleicht.« / ... Auch wein' ich nicht, dass sie entschlafen, / Mein reiner Stamm zeugt keine Sklaven / Für Mahomets und deine Macht!" [12]

I.
Jahrhunderte lang hielt Korinth
Den Stürmen und den Feinden Stand;
Noch steht's und seine Mauern sind
Ein Bollwerk in der Freiheit Hand.
Der Winde Wut, der Erde Zittern
Sie konnten nicht den Fels erschüttern,
Den Hort des Landes, das, zerdrückt
Vom Feind, auf ihn mit Stolz noch blickt,
An dem die Flut sich doppelt bäumt,
Die tief zu beiden Seiten schäumt
Und zürnend dem Zusammenflusse
Entsagen muss an seinem Fuße.
Doch wenn das Blut, das hier vergossen,
Seitdem den Dolch Timoleon
In seines Bruders Herz gestoßen,
Seitdem der Perser Könige flohn,
Der Erde, die es eingesogen,
Entquellen würd' in dunklen Wogen,
Der blut'ge Ocean überschwemmte
Den Isthmus wohl, der ihn nicht dämmte;
Ja wären alle die Gebeine,
Der hier Gefall'nen im Vereine
Zu einer Pyramid' erbaut,
Sie ragte wie ein Berg gewiß
Noch über die Akropolis,
Die hoch die Wolken überschaut.

II.
Auf des Cithärons Berggehänge
Erglänzen zwanzigtausend Speere
Abwärts bis in des Isthmus Enge,
Bis an die Ufer beider Meere.
Die Zelte um des Halbmonds Schein
Erblickt man und des Islams Reihn,
Der dunklen Spahis Schaaren nahn,
Ein bärt'ger Pascha führt sie an;
Turbane füllen rings das Land
So weit man schaut, bis an den Strand;
Arabiens Kamele knien,
Tataren tummeln ihre Pferde,
Der Turkomane ließ die Heerde,
Den Säbel für den Kampf zu ziehn,
Und der Geschütze Donner brüllt,
Bis er des Meeres Toben stillt;
Laut zischend fliegt aus manchem Rohr
Der Todesbote schon hervor,
dass weit die Mau'r in Trümmer springt,
Wo sie das schwere Blei durchdringt;
Doch von dem Wall antwortet auch
Der Feind durch dichten Staub und Rauch
Mit raschen wohlgezielten Schüssen,
Wenn die Ungläubigen ihn begrüßen.

III.
Doch weit voran steht unter Allen,
Die streben, dass die Mauern fallen,
In wilder Kriegskunst mehr erfahren,
Als Osmans Söhne jemals waren,
Ein Führer, stolz und kampfbereit,
Wie je ein Held für blutigen Streit.
Er spornt das Roß, das wild erregt
Ihn schäumend durch die Reihen trägt,
Wo Feinde wüthend aus den Türmen
Auf muselmänn'sche Schanzen stürmen;
Wo ein Laufgraben, wohlgedeckt,
Zurück den Feind vom Angriff schreckt,
Da feuert er zu neuem Mut
Den Krieger, der vom Kampfe ruht.
Der Tapferste der ganzen Schaar,
Die Stambuls Thron ergeben war,
Der stets sie führt zu kühnster Tat,
Der das Geschütz zum Ziele bringt,
Am kräftigsten den Säbel schwingt,
War Alp, der wilde Renegat!

IV.
Ein edles Haus Venedigs war
Die Stätte, die ihn einst gebar;
Die Stadt, die ihm die Waffen lehrte,
Sie hatte strafend ihn verbannt,
dass gegen sie das Schwert er kehrte
Und um die Stirn den Turban wand.
Nach manchem Wechsel war Korinth
Venedigs Herrschaft unterlegen,
Und jetzt stand Alp, als Feind gesinnt,
Ihr und dem Griechenvolk entgegen,
Ein Feind, vom wildsten Hass entbrannt,
Den ein Abtrünniger je empfand,
Den tausendfaches Unrecht kränkt,
An das er racheglühend denkt.
Für ihn war lange schon Venedig
Des alten Ruhms der Freiheit ledig;
Ankläger hatten heimlich ihn
Des Hochverrates einst geziehn.
Die Klage lag im »Löwenschlunde«
Unwiderlegt seit jener Stunde;
Durch Flucht erhielt er sich das Leben,
Um ganz sich Kämpfen hinzugeben,
Die zeigten, was sein Land verlor
In ihm, der oft das Kreuz besiegte,
Das unter'm Halbmond er bekriegte
Und dem er Hass und Rache schwor.

V.
Kumurgi, dessen Lebensziel
Eugen hernach mit Ruhm noch krönte,
Als bei Peterwardein er fiel
Und sterbend noch die Christen höhnte –
Er trauerte nicht, dass er starb,
Nur, dass der Christ den Sieg erwarb –
Kumurgi war jetzt ausgesandt,
Um zu erobern Griechenland;
Wann ziehn die Christen wieder ein,
Es, wie Venedig, zu befrein?
Schon ein Jahrhundert ist verronnen,
Seit jener Krieger es gewonnen!
Er führte jetzt heran die Türken,
Alp musst' im Vordertreffen wirken,
Und er bewies, wie sehr's ihn ehrte,
Durch Städte, die er rings verheerte,
Bekräftigte durch seine Werke
Des neuen Glaubens wilde Stärke.

VI.
Die Mauern wurden schwach, zerrissen
Von rastlos wiederholten Schüssen,
Denn wüthend schleudert gegen sie
Ihr Eisen manche Batterie,
Wobei mit donnergleichem Dröhnen
Die glühenden Kanonen tönen.
Zerplatzend reißen hier und dort
Die Bomben Mauerstücke fort;
Wo krachend solche Feuerbälle
Zerbarsten, zuckt auch auf der Stelle
Die Flamm' hervor in rothen Ringen,
dass rings die Trümmer prasselnd springen;
Und Funken sprühen hoch empor
Am Himmel, wie ein Meteor –
Am Himmel, wo der Sonne Bild
Von schwarzen Wolken wird verhüllt,
Wo dicht in wechselnder Gestalt
Der schwefelgelbe Rauch sich ballt.

VII.
Doch nicht aus Rache nur allein
War Alp, der Renegat, beflissen,
Hülfreich dem Muselmann zu sein
Und Breschen in den Wall zu schießen;
Denn eingeschlossen war darinnen
Ein Mädchen noch, das er gewinnen
Sich wollte, das ihm einst ungnädig
Des Vaters Stolz verweigert hatt',
Als, noch ein Christ, er in Venedig
Um seiner Tochter Hand ihn bat.
In frühern glücklicheren Tagen,
Frei von verräterischen Klagen,
Hatt' er im lustigen Karnevale
Hervorgeleuchtet über Alle,
Und häufig aus verliebtem Munde
In jenen sanften Melodien,
Die die Lagunenstadt durchziehn,
Geseufzt in mitternächt'ger Stunde.

VIII.
Es ward von Manchen auch geglaubt,
dass er Francesca's Herz geraubt,
Denn ihre vielumworbne Hand
Verschmähte stets der Kirche Band;
Und als Lanciotto über's Meer
Zu den Ungläubigen gegangen,
Da schien's, das Lächeln würd' ihr schwer,
Sie wurde blässer und befangen;
Man sah sie mehr im Beichtstuhl knie'n
Und frohen Festen sich entziehn.
Bei solchen schlug die Augenlider
Vor der Bewundrung stumm sie nieder;
Gleichgültig sah sie vor sich hin,
Kein Putz erfreute ihren Sinn,
Nicht mehr so froh war ihr Gesang,
Nicht so elastisch mehr ihr Gang
Bei Festen, wo der junge Tag
Des Tanzens Lust erst unterbrach.

IX.
Zum Schutz des Landes ausgesandt
(Das aus der Muselmänner Hand
Von Patras an bis Negroponte
Venedigs Macht entreißen konnte,
Als durch Sobieski ihre Schaaren
Am Donaustrand gebändigt waren)
War in Korinth Minotti jetzt
Dem Heer des Dogen vorgesetzt;
Ein güt'ges Schicksal hatte Frieden
Den Griechen kurze Zeit beschieden
Und eh der Türke den Vertrag,
Der sie befreite, treulos brach,
War auch Minotti's schönes Kind
Zu ihm gekommen nach Korinth.
Seit Helena mit Priams Sohn
Einst ihrem Eheherrn entflohn
Und schwer hernach an Troja's Küste
Die Schuld verbotner Liebe büßte,
War wohl kein Weib in diesen Reichen
Der schönen Fremden zu vergleichen.

X.
Die Breschen in der Mauer gähnen,
Es soll das frühe Morgengrauen,
Wo sich die tiefsten Risse dehnen,
Den ersten wilden Angriff schauen.
Sie stehn bereit, voran die Schaaren
Der Muselmänner und Tataren,
Die man »verlorne Hoffnung« nennt,
Weil Todesfurcht ihr Herz nicht kennt,
Die mit dem Schwert den Weg erkaufen
Und ihn bestreun mit Leichenhaufen,
Damit die Spätern immer weiter
Vorgehn auf dieser Todtenleiter.
...

XII.
Still ist die Nacht, am Strande steht
Alp's Zelt, zu End' ist das Gebet,
Die Wachen machten schon die Runde,
Und Alles ruht in dieser Stunde.
Noch eine sorgenvolle Nacht,
Und dann wird ihm Ersatz gebracht
Für allen Kummer und gewährt
Was Lieb' und Rache längst begehrt.
Die Zeit ist kurz; er muss sich stärken
Durch Schlaf zu neuen blutigen Werken.
Jedoch sein Inneres durchzogen
Gedanken gleich erregten Wogen.
Er stand in seinem Heer allein!
Kein Glaubenseifrer konnt' er sein,
Der für den Halbmond freudig stirbt
Und opfermuthig für das Leben
Des Paradieses Lust erwirbt,
Wo Houris liebend ihn umschweben;
Der wilde Feuereifer fehlte
Ihm auch, der manchen Held beseelte,
Der kämpfend für das Vaterland
Auf heimatlichem Boden stand;
Ihn drückt des Vaterlands Verrat,
Er stand allein als Renegat,
Allein in seiner Krieger Schaar,
Wo keiner ihm befreundet war.
Dem Tapfern folgten gern die Leute,
Denn sie gewannen reiche Beute
Und sie gehorchten diesem Meister
Im Herrschen über schwächre Geister;
Doch jeder einzelne verdammte
Ihn, weil von Christenblut er stammte;
Der Neid missgönnte ihm den Ruhm,
Den unter'm Islam er gewann,
Und seiner Jugend Christentum
Blieb stets ein Vorwurf für den Mann;
Sie wussten nicht, dass Liebesschmerzen
Den Stolz verdrängen aus dem Herzen,
Wie oft der Hass die Brust durchwühlt,
Die früher Sanfteres gefühlt,
Und wie Verstellung den verzehrt,
Der durch die Rache ward bekehrt.
Er war ihr Herr, und leicht regiert
Die Schlimmsten auch, wer kühn sie führt,
Dem Löwen unter Schakaln gleich;
Die Beute trifft sein starker Streich
Und jene heulen laut und eilen,
Die blut'gen Reste sich zu teilen.
...

XV.
Alp hatte jener großen Zeit
Trotz schlimmer Thaten oft gedacht,
Und jetzt, hinschreitend durch die Nacht,
Träumt' er von der Vergangenheit,
Als mancher Held hier rühmlich fiel
Im Kampfe für ein beßres Ziel;
Und ach! wie zweifelhaft und klein
Schien dann sein eigner Ruhm zu sein!
Er ein Verräther zog das Schwert
Jetzt für ungläubige Barbaren,
Wo schmachvoll selbst die Lorbern waren,
Die ihm der Sieg als Preis gewährt.
Nein, Solches hatten nie gethan
Die Helden seiner Phantasie.
Sie führten ihre Phalanx an
Und nicht vergebens kämpften sie;
Denn ihre Namen lebten fort;
Sie trug der Sturm von Ort zu Ort,
Sie klangen, wenn die Woge brauste
Und wenn der Wind im Walde sauste!
Einsam steht manches Monument,
Das ihren Ruhm der Nachwelt nennt;
Er scheint die Quellen zu umschweben
Und die Gebirge zu umgeben;
Der kleinste Bach, die größten Flüsse
Sie rauschen noch wie Geistergrüße.
Trotz seines Jochs ist dieses Land
Mit jedem Ruhme noch verwandt!
Wo Menschen Großes unternahmen,
Da nannten auch sie Hellas' Namen,
Sie zeigten drauf, und so geweiht
Bekämpften kühn sie die Tyrannen,
Bis ruhmvoll sie im edlen Streit
Tod oder Freiheit sich gewannen.

XVI.
...
Und Alp verfolgte seine Bahn
Und kam dicht an die Stadt heran,
Es musst' ihn wohl der Feind nicht sehn,
Wie konnt' er sonst dem Tod entgehn?
Gibt's denn Verrat im Christenheer,
Und ist sein Mut so stark nicht mehr?
Genug, es blitzt nicht auf dem Walle,
Kein Schuss ertönt mit lautem Knalle,
Und dennoch stand er nahe vor
Der Schanze bei dem Hafenthor;
Er konnte drin die Wachen sehn
Und ihre Worte fast verstehn,
Und hörte deutlich schon die Tritte
Gleichmäßig abgemeßner Schritte;
Und magre Hunde sah mit Grausen
Er bei dem Wall an Leichen schmausen,
Sie zerrten knurrend dran herum
Und sahen kaum nach ihm sich um;
Ein blut'ger Schädel lag entblößt
Von Fleisch, das sie davon gelöst,
Und knirschend spielten sie damit,
Wenn ihren Zähnen er entglitt;
Und sie erhoben kein Gebelle
Und rührten kaum sich von der Stelle,
Denn bei dem eklen Mahle hier
Hielt fest sie ihre wilde Gier.
Und Alp erkannte dann im Sande
Auch manchen Turban seiner Bande,
Und ihre Farbe, grün und rot,
Zeigt, dass die Besten traf der Tod.
An jedem glattgeschornen Kopf
Saß von dem Haare noch ein Schopf,
Der, wenn ein Hund am Schädel nagte,
Hervor aus seinem Rachen ragte.
Auch stand noch weiterhin am Golfe
Ein Geier neben einem Wolfe,
Sie mussten bei den Menschenleichen
Wohl jenen wilden Hunden weichen
Und rissen hier in großen Stücken
Das Fleisch von einem Pferderücken.
...

XVIII.
Es stehen hart am Fuß der Veste
Noch einige alte Tempelreste;
Und an den Säulen überzieht
Das Moos den Marmor und Granit.
muss auch das Künftige vergehn
Gleich Allem, was vor uns geschehn?
O pfui der harten Macht der Zeit!
Sie lässt von der Vergangenheit
Nur solche dürftige Reste dauern,
dass wir bei ihrem Anblick trauern.
Wie wir, so werden unsre Söhne
Zerbröckelt schauen alles Schöne, –
In Marmortrümmern schwache Spuren
Von staubgebornen Kreaturen!

XIX.
Alp saß auf einem Säulenfuße,
Den Kopf gestützt mit seiner Hand,
Wie mancher Mann, der volle musse
Zu traurigen Gedanken fand.
Das Haupt sank auf die Brust ihm nieder,
Und fiebernd zuckten seine Glieder;
Er fühlte seine Pulse wogen,
Und über seine Stirne flogen
Die Finger oft in wilder Hast,
Wie man sie auf und niedergleiten
Sieht, wenn ein Meister in die Saiten
Der Cither präludirend fasst.
Den Nachtwind hört' er leise stöhnen
Und horchte trauernd diesen Tönen.
War es des Windes Klaggesang,
Der zärtlich wie ein Seufzer klang?
Er hob das Haupt und sah das Meer
So glatt, als ob's ein Spiegel wär',
Das hohe Gras bewegt sich nicht,
Was war's denn, das so klagend spricht?
Er sah die Fahnen sich nicht regen,
Kein Blatt der Bäume sich bewegen,
Er fühlte keines Lüftchens Zug,
War dieser Ton denn Sinnentrug?
Da wandt' er sich – und, jung und schön,
Sah er ein Mädchen vor sich stehn!

XX.
Und mehr erschrocken stand er da,
Als wär' ein Feind in Waffen nah:
»Gott meiner Väter!« rief er aus,
»Wer bist du, dass du bis hierher
Zu nahen wagst dem fremden Heer?
Was trieb dich aus der Stadt heraus?«
Er hätte fast das Kreuz gezeichnet,
Woran den Glauben er verleugnet,
Wenn nicht die Hand den Dienst versagte,
Weil das Gewissen ihn verklagte;
Er sah sie an und kannte bald
Die schöne reizende Gestalt:
Francesca war es, seine Braut,
Die jetzt sein Auge staunend schaut!

Noch blühten rosig ihre Wangen,
Doch milder war ihr zartes Rot
Und auch das Lächeln war jetzt tot,
Das ihre Lippen einst umfangen;
Mit ihren Augen im Vergleich
Schien ihm das blaue Wasser bleich;
Doch auch ihr Blick war ruhig kalt,
Dem Meere gleich, das unten wallt.
Ein spärliches Gewand versteckte
Den Busen kaum, den es bedeckte,
Des dunklen Haares reiche Fülle
Fiel auf die nackten Schultern nieder,
Die zwischen dieser schwarzen Hülle
Hell glänzten wie des Schwans Gefieder.
Sie wollte sprechen, doch zuvor
Hob sie die blasse Hand empor
Mit Fingern so durchsichtig fein,
Als dräng' hindurch des Mondes Schein.

XXI.
»Den Schlummer fliehend musst' ich gehn
Und den Geliebten wiedersehn!
Ich komme her zu seinem Segen
Und meines eignen Glückes wegen.
Zu suchen dich, bin ohne Bangen
Durch Tor und Wachen ich gegangen.
Vor einer reinen Jungfrau zieht
Der Löwe sich zurück und flieht,
Und jener Gott, der wilden Tieren
Verbot, die Reinen anzurühren,
Hat über mir die Hand gehalten
Zum Schutz vor feindlichen Gewalten.
Ist dieser Gang umsonst geschehn,
So wirst du nie mich wieder sehn!
Du hast, Unseliger, verblendet
Von unserm Gott dich abgewendet,
Doch wirf den Turban fort, erkenne
Das Kreuz an und gehöre mir!
dass nichts von morgen an uns trenne,
Wirf diese schwarze Schuld von dir!«

»Wird denn das Brautbett uns gemacht
In dem Gewühl der heißen Schlacht?
Denn morgen stürzen in den Flammen
Die Christentempel wohl zusammen.
Dich und die Deinigen rett' ich nur,
Ich schwor's und halte meinen Schwur;
Dich aber trag' ich sicher fort
Nach einem lieblich stillen Ort,
Wo jeden Kummer wir vergessen,
Dort bist du meine Braut; indessen
Will ich den Stolz Venedigs beugen
Und dem verhassten Volke zeigen,
Wie dieser Arm den Hochmut zähmt,
Der seines Unrechts sich nicht schämt,
Ich, dessen sie nicht wollten schonen,
Will peitschen jetzt sie mit Skorpionen!«

Sie fasste seine Hand, sie drückte
Nur leicht, doch bis in's Mark durchzückte
Ihn dieser Druck, sein Blut gerann
Und regungslos sah er sie an.
Die leichte Hand, so totenkalt,
Hielt ihn mit zwingender Gewalt;
Und niemals mochte größern Schrecken
Wohl solch ein Liebesdruck erwecken,
Als Alp in jener Nacht empfand
Von dieser zarten Marmorhand.
Es wich von ihm die Fieberglut,
Sein Herz stand still, ihm sank der Mut;
Denn anders war ihr Angesicht
Als sonst, und fast erkannt' er's nicht.
Schön war es noch, jedoch ihm fehlte
Der Zug, der früher es beseelte,
Um es so heiter aufzuhellen,
Wie Sonnenschein das Spiel der Wellen;
Den todten blassen Lippen auch
Entströmte jetzt kein warmer Hauch;
Er sah den Busen sich nicht heben,
Die Wangen ohne Blut und Leben.
Die Augen blickten aus dem Tor
Der Lider starr und wild hervor.
Wie wir sie bei Nachtwandlern sehn,
Die träumend uns vorübergehn,
Und wie von seidenen Tapeten
Die Bilder uns entgegentreten
Und bei der Lampe schwachem Flimmern
Als starre Nachtgespenster schimmern,
Als wollten sie im grausigen Reigen
Herab aus ihren Rahmen steigen,
Wo sie sich hin und her bewegen,
So oft sich stärkere Lüfte regen.

»Rührt dich nun auch die Liebe nicht,
So denk an Gottes Strafgericht,
Noch einmal sag ich's: wirf bekehrt
Den Turban fort, der dich entehrt,
Und schone deiner Brüder Leben,
Sonst kann's für dich kein Heil mehr geben;
Denn du verlierst für alle Zeit
Sonst mich und einst die Seligkeit!
Doch folgst du mir, so wartet dein
Zwar immer noch ein langes Büßen,
Doch wird's ein Teil der Sühne sein
Und dir des Himmels Tor erschließen,
Dem du zu trotzen hast versucht,
Der, wenn du zauderst, dich verflucht.
Durch dies allein versöhnst du ihn,
Jetzt oder nie wird dir verziehn!
Du siehst das Wölkchen, zart und leicht,
Das jetzt am Mond vorüberstreicht;
Wenn, während uns des Mondes Bild
Der luft'ge Schleier noch verhüllt,
Dein Herz sich nicht zur Buße wendet,
So ist die Gnadenfrist beendet,
Und düster wird dein Loos auf Erden,
Doch düstrer noch das Jenseits werden!«

Alp sah gen Himmel und erkannte
Das Zeichen dorten, das sie nannte;
Jedoch sein Herz war übervoll
Von Stolz, der ungebändigt schwoll,
Der nun verletzt empor sich bäumte
Und gleich dem Waldstrom überschäumte.
Er sollt' um Gnade flehn und fliehn
Vor eines Mädchens Phantasien!
So tief beleidigt sollt' als Sieger
Verschonen er Venedigs Krieger!
Nein! und wenn's aus der Wolke wettert
Und ihn ein Blitz daraus zerschmettert!

Und schweigend sah er starr empor
Nach jenem zarten Wolkenflor;
Er sah ihn still vorüberziehn,
Bis ihn der Vollmond hell beschien,
Und sprach: »Was auch bevor mir steht,
Ich wanke nicht – es ist zu spät.
Wenn auch das Rohr im Sturme zittert,
Die Eiche steht, bis sie zersplittert.
Venedig konnte mich vertreiben,
So will ich denn verbannt auch bleiben;
Ihm schwor ich Haß, doch Liebe dir,
Mein sollst du sein, entflieh mit mir!«
Er sah sich um, – er war allein;
Nichts sah er als den kalten Stein.
Hat denn der Boden sie verschlungen?
Hat in die Luft sie sich geschwungen?
Er wusste nicht, wie sie verschwand,
Nur, dass sie nicht mehr vor ihm stand.

XXII.
Die Morgendämmerung versprach
Der Menschheit einen heitern Tag,
Aus purpurfarbnem Nebelflor
Stieg schon die Sonne hell empor.
Doch horch, wie die Trompet' erschallt,
Der Trommeln Ton dazwischen hallt!
Hörst du der Hörner rauhe Klänge,
Der Rosse Wiehern im Gedränge,
Der ersten Flintenschüsse Knattern?
Siehst du im Wind die Fahnen flattern,
Um die sich jede Schaar vereint?
Schon tönt der Ruf: der Feind, der Feind!
Roßschweife wehen an den Spitzen
Der Reiterschwärme, Säbel blitzen,
Und bald reißt das Kommandowort
Zum wilden Angriff alles fort.
Brecht auf und stürmt voran, ihr Schaaren
Von Turkomanen und Tataren,
Braust durch das Tal hin und ergreift
Das Volk, das fliehend es durchstreift!
Lasst keinen von den Christen drinnen,
Ob jung, ob alt er sei, entrinnen,
Wenn's Fußvolk, das zum Wall hin drängt,
Sich durch die blutige Bresche zwängt.
Sieh, wie die Rosse schnaubend tanzen!
Die Mähnen flattern, weißer Schaum
Deckt jeden straffgezognen Zaum,
Die Reiter heben hoch die Lanzen;
Die Lunte brennt bei den Geschützen,
Die man dem Wall entgegen richtet,
Der, jetzt schon schwach, von ihren Blitzen
In kurzer Zeit wohl wird vernichtet.
Alp führt das Janitscharencorps,
Er hält den nackten Arm empor,
Der den entblößten Säbel schwingt;
Und dort, von Pascha's dicht umringt,
Hält der Vezier in stolzer Pracht,
Bis donnernd der Signalschuß kracht.
Laßt nichts Lebendiges in Korinth,
Der Priester am Altar, das Kind
Darf euch nicht rühren, und kein Herd,
Kein Stein des Walls bleib' unversehrt!
Allah und Mahomet! Allahu!
So jauchzet laut dem Feinde zu!

»Dort seht ihr die Bresche, legt Leitern daran,
Den Säbel geschwungen, und bald ist's getan!
Wer als Erster das Kreuz da zu Boden mir reißt,
Der erhält, was er selbst als das Köstlichste preist!«
So sprach Kumurgi zu dem Heere,
Als Antwort klirren tausend Speere –
Ein tausendstimmiger Schrei ertönt,
Als endlich der Signalschuss dröhnt!
...

XXV.
Bis an den Griff hinunter hingen
Blutstropfen an den Säbelklingen;
Der Feind hat schon den Wall erstiegen
Und plündert mordend, statt zu siegen,
Und aus dem Dom erschallt dabei
Der Frau'n und Kinder Klaggeschrei.
In allen Gassen sieht Soldaten
Und Flieh'nde man im Blute waten,
Doch wo nur für den Widerstand
Ein vortheilhafter Platz sich fand,
Da bleiben oft zwölf oder zehn,
Sich wieder sammelnd, trotzig stehn
Und wehren sich noch so gedeckt,
Bis Uebermacht sie niederstreckt.
Ein alter Mann mit weißem Haar
Stand noch und kämpfte, doch es war
Noch stark sein Arm, und wacker wehrt
Den Feind noch ab sein tapfres Schwert,
Und vor ihm lag, von seinen Streichen
Gefällt, ein Kreis von Türkenleichen.
Noch nicht umringt und unverletzt
Zog langsam er zurück sich jetzt.
Wohl manche Narb' aus alter Zeit
Verhüllt sein blankes Panzerkleid,
Doch zeigte solcher Wunden Spur
Des Leibes Vorderseite nur;
Er war ein Greis, an Kraft indessen
Konnt' er mit Jünglingen sich messen
Und kämpft' allein mit einer Schaar,
Zahlreicher als sein dünnes Haar.
Sein scharfes Schwert verschonte Keinen
Und machte manche Mutter weinen
Um Söhne, die ihr Arm noch trug,
Als es den ersten Türken schlug.
Ihm war vor vielen Jahren schon
Im Kampf geraubt der einz'ge Sohn,
Und seit dem Tag, an dem er fiel,
War Rache nur des Vaters Ziel,
Und hundert Feinde mussten's büßen,
Um seinen Schmerz ihm zu versüßen.
Beruhigt man die Schatten so,
So ward Patroklus nicht so froh
Im Hades durch Achillens Hand,
Als dieser junge Venetianer,
Der an dem Strande der Trojaner
Gleich ihm ein frühes Ende fand.
Die Erde sollt' auch diesen haben,
Wo Tausende vor ihm begraben!
Was blieb, um Zeugnis uns zu geben
Von ihrem Tod und ihrem Leben?
Bedeckt von keinem Leichensteine
Sind längst vermodert die Gebeine,
Doch lebt ihr Ruhm noch in den Klängen
Von ewig göttlichen Gesängen!
...

XXVII.
Noch aufrecht stand der alte Mann,
Und Alp hielt mit den Seinen an.
»Ergib dich!« rief er ihm entgegen,
»Um deinet und Francescas wegen!«
»Nie, Renegat! und gäbst du mir
Ein ew'ges Leben, weich ich dir!«
»Und soll denn auch Francesca sterben,
Will denn dein Stolz auch sie verderben?«
»Sie ist gerettet!« – »Wo?« – »Dort oben,
Wo kein Verräter sie erreicht,
Rein hat sie sich zu dem erhoben,
Vor dem dein falsches Herz erbleicht.«
Und graunvoll lächelt das Gesicht
Minotti's, als dies Wort er spricht,
Vor dem jetzt Alp zusammenbrach,
Als ob ihn träf' ein Donnerschlag.
»O Gott, wann starb sie?« – »Diese Nacht –
Auch wein' ich nicht, dass sie entschlafen,
Mein reiner Stamm zeugt keine Sklaven
Für Mahomets und deine Macht!
Wehr dich!« – Er ruft umsonst ihn an,
Schon tritt der Tod an Alp heran;
Denn während aus Minotti's Munde
Dies Wort ihm eine schlimmre Wunde
Versetzt', als wenn des Alten Schwert
Sich hätte gegen ihn gekehrt,
War auch auf Alp ein Schuss gefallen
Aus einer nahen Kirche Hallen,
Wo noch die letzten Christenkrieger
Verzweifelnd kämpften mit dem Sieger.
Die Kugel bohrte sich in's Hirn
Und eh noch Blut befleckt die Stirn,
Sank taumelnd schon der Körper um;
Durch's Auge schoss zum letzten Mal
Gleich einem Blitz ein Feuerstrahl,
Dann ward es Nacht um ihn herum,
Und leises Zucken nur und Beben
Bewies der Glieder letztes Leben.
Man hob ihn auf, und blutbefleckt
War sein Gesicht und staubbedeckt,
Von Blut war auch der Mund ihm voll,
Das dunkel aus der Tiefe quoll;
Des Herzens Schläge stockten schon,
Man hörte keinen Klageton,
Kein Röcheln aus dem starren Munde
Verkündigte die Todesstunde;
Noch eh er denken konnt' an's Beten,
War schnell der Tod herangetreten;
Trost gab ihm keines Priesters Rath,
Er starb – als wahrer Renegat.

XXVIII.
Alp war zu Boden kaum gefallen,
Und laut ertönt' ein Schrei von allen,
Denn mit dem Wutgeheul der Freunde
Erscholl der Jubelruf der Feinde;
Dann brach der Kampf von neuem los,
Der Säbel Schlag, der Speere Stoß
Begann von beiden Seiten wieder
Und warf noch manchen Tapfern nieder.
Doch zog Minotti Schritt vor Schritt
Langsam zurück sich, und er stritt
Mit einer kleinen tapfern Schaar,
Die treu ergeben ihm noch war,
Noch mutig um die wen'gen Reste,
Die sein noch blieben in der Veste.
Er hielt die Kirche noch besetzt,
Aus der die Todeskugel kam,
Die an dem schlimmsten Feinde jetzt
Für tausend Christen Rache nahm;
Und diese sucht' er, zwischen Leichen
Hinschreitend, kämpfend zu erreichen.
Und alle hielten sie das Schwert
Noch den Verfolgern zugekehrt
Und kamen dann auf blut'ger Bahn
Bei jenen Freunden endlich an,
Um so, gesichert durch die Mauern
Der Kirche, länger auszudauern.

XXIX.
Kurz war die Frist. Stets wuchs die Zahl
Der Feind' und ihre Wut zumal,
Denn in dem furchtbaren Gedränge
Gab's keinen Ausweg für die Menge;
Ein enger Pfad nur war vorhanden
Zum Ort hin, wo die Christen standen.
Hätt' einer auch zu fliehn versucht,
Ihm wär' der Weg zu jeder Flucht
Versperrt gewesen, und ihm bot
Sich nur die Wahl: Sieg oder Tod!
Die ersten fall'n, doch sterbend sehn
Sie schon die Rächerschaar erstehn;
Wo eine Lück' ist in den Reihn,
Tritt auch ein frischer Kämpfer ein,
Und vor den stets erneuten Streichen
Beginnt die Christenmacht zu weichen.
Die Türken dringen endlich vor
Bis an das schwere Eisenthor;
Noch widersteht's, aus allen Ritzen
Der Mauer zielen wackre Schützen,
Und eine Kugelsalve bricht
Aus jedem Fenster hageldicht.
Jedoch es schwankt das Tor, es kracht,
Es biegt sich – stürzt – es ist vollbracht –
Vergeblich ist's zu widerstehn,
Korint muss endlich untergehn!

XXX.
Und düster blickend stand allein
Minotti neben dem Altar,
Und oben strahlte wunderbar
Der Jungfrau Bild im Farbenschein,
Die Augen blickten hell und milde
Auf ihn herab aus ihrem Bilde;
Sie sollte die Andächt'gen lehren
Den Blick zu Gott emporzukehren
Und anzuflehen sein Erbarmen;
Sanft lächelt sie bei den Gebeten,
Das Jesuskindlein in den Armen
Und wird im Himmel sie vertreten;
Auch jetzt noch war ihr Lächeln da,
Wo doch den blut'gen Kampf sie sah.
Minotti schlug den Blick empor,
Bekreuzigte sich noch zuvor
Und fasste seufzend mit der Hand
Die Fackel, die am Altar stand;
Indessen drang der Feinde Strom
Mit Feu'r und Schwert schon in den Dom.

XXXI.
Und in den Grabgewölben lagen
Die Toten in den Sarkophagen;
Der Kirche Marmorgrund bedecken
Jetzt überall blutrothe Flecken,
Die Namen drauf, die Wappenschilder
Und in den Stein gegrabne Bilder
Beschmutzt und schlüpfrig sind sie heut,
Mit Waffentrümmern dicht bestreut;
Und oben lag auch manche Leiche
Wie drunten in dem Totenreiche;
Im trüben Licht sieht Gittertüren
Man zu den Särgen abwärts führen,
Der Krieg drang auch in diese Tiefen,
Und da, wo still die Toten schliefen,
War jetzt ein Magazin errichtet
Und rings der Zündstoff aufgeschichtet;
Der Christen Pulverschätze lagen
Darin seit den Belagrungstagen:
Ein Faden ging, sie anzuzünden,
Hinab zu diesen Kellergründen,
Der in der äußersten Gefahr
Minotti's letzte Zuflucht war.

XXXII.
Da naht der Feind; die Christen kehren
Umsonst zurück, ihn abzuwehren;
So klein ist ihre Zahl geworden,
dass viele Türken schon zu morden
Nichts finden und mit ihren Streichen
Die Köpfe trennen von den Leichen;
Sie plündern, schlagen von den Wänden
Die Bilder, reißen die Gefäße,
Die sonst gedient der heil'gen Messe,
Sich aus den beutegier'gen Händen,
Sie dringen vor zum Hochaltar
Und o wie strahlt er wunderbar!
Denn auf dem Gottestische sehn
Den Kelch vom reinsten Gold sie stehn;
Wie glänzt und lockt er, und wie heiß
Entbrennt die Gier um solchen Preis!
Am Morgen war der heil'ge Wein,
Das Blut, das Christus einst vergossen,
Zum letzten Kampfe sie zu weihn,
Noch von den Gläub'gen draus genossen.
Dann glänzen noch mit hellem Strahl
Zwölf Lampen rings um den Pokal,
Als sollt' ihr weißer Silberschein
Der letzte, höchste Kampfpreis sein!

XXXIII.
Schon mancher Arm ist ausgestreckt
Und nach dem Kelch emporgereckt,
Doch nun berührt Minotti's Hand
Die Leitung mit dem Feuerbrand –
Da kracht es auf! Des Domes Chor,
Gewölb' und Thurm hebt sich empor,
Des Kreuzes und des Halbmonds Krieger
Mit den Besiegten auch die Sieger,
Die Leichen selber aus den Grüften
Wirbeln zerrissen in den Lüften!
Die Stadt erbebt, die Mauern fallen,
Es schäumt das Meer, die Wogen wallen,
Die Berg' und Felsen ringsum zittern,
Wie sonst nur bei der Erde Schüttern,
Und Alles fliegt formlos zusammen
Zum Himmel auf in Rauch und Flammen;
Es hört in diesem Schreckenston
Des Kampfes Ende die Nation!
Wie mancher Tapfre schwebt jetzt oben,
Raketengleich emporgehoben,
Und wird verstümmelt und verbrannt
Hinabgeschleudert in das Land!
Im Aschenregen fallen Glieder
Von Leichen auf die Ebne nieder,
Und viele stürzen in das Meer,
dass hoch aufspritzt der Wogen Schaum,
Und andre liegen rings umher
Am Isthmus auf dem Ufersaum.
Die eignen Mütter könnten nicht
Erkennen mehr ihr Angesicht!
Und ach, wohl keine Mutter dachte,
Als noch sie bei des Säuglings Wiege
Um seinen Schlummer sorgend wachte,
dass einst er hier verstümmelt liege!
Nichts mehr ist jetzt daran zu kennen,
Was menschengleich man könnte nennen,
Zerschlagne Schädel sind's und Knochen,
Verkohlt, zersplittert und zerbrochen!
Und Balkenstücke, schwarz gesengt
Und brennend, sind damit vermengt,
Und mancher glühnde Mauerstein
Bohrt tief sich in den Boden ein.

Rings war bei diesem Donnerton
Was Leben hatte, rasch geflohn;
Die Geier und wilden Hunde weichen
Kreischend und heulend von den Leichen,
Kamele brechen aus der Hürde,
Der Stier zersprengt des Joches Bürde,
Das edle Roß zerreißt den Zügel
Und stürmt dahin, als hätt' es Flügel;
Der Frösche Stimme, hohl und dumpf,
Tönt lauter in dem nahen Sumpf;
Es heult der Wolf im fernen Wald,
Als im Gebirg das Echo hallt,
Die Schakals winseln leis und stöhnen
In ihren melanchol'schen Tönen;
Mit raschem Flügelschlag verlässt
Der Adler selbst sein Felsennest,
Um nach der Sonn' emporzuziehn
Und den Rauchwolken zu entfliehn – –
So ward des Islams Sieg errungen
Und so die Stadt Korinth bezwungen!
Anmerkungen zur Belagerung von Korinth.
 
 

Der Korsar

Geschrieben wurde der »Korsar« in London in der Zeit vom 19. zum 31. Dezember 1813. Lord Byron schreibt: »Die Zeit dürfte in diesem Gedichte zu kurz erscheinen für die Begebenheiten; allein man kann vom Festland aus die sämmtlichen Aegäischen Inseln in wenigen Stunden erreichen, und der Leser muss so gefällig sein, den Wind so zu nehmen, wie ich ihn öfters gefunden habe.« [13]

Die muslimischen Korsaren mit der roten Halbmondflagge hatten ihre eigene Philosophie: "Die Menschen hassend, und der Leidenschaft / Sich blind ergebend, nannt' er seine Rache / An allen Menschen eine heil'ge Sache. / Er glaubte selbst, ein schlechter Mensch, allein / So gut wie jeder Andere zu sein, / Und auch die Besten pflegt' er zu verachten / Und als geschickte Heuchler zu betrachten, / Die solche Taten, die der Kühne offen / Begeht, verborgen zu begehen hoffen." [14]

Allerdings verhielten sie sich mäßiger als die Türken: "Und du willst mäß'ger als ein Türke leben; / Doch nicht, um dich zu tadeln, war's gesagt, / Mich freut's, wenn dir das Einfache behagt. / Jetzt komm, denn unsre Tafel ist gedeckt, / Die silberne Lampe wird noch angesteckt, / Dann will ich dir mit Tanzen und mit Singen / Mit meinen Mädchen wohl die Zeit verbringen." [15]

Wie bei Mohammedanern üblich, galt ihnen "Gehorsam für die beste Tugend": "eil wenig er auf Andrer Liebe gab; / Nach dem, was er erfuhr in seiner Jugend, / Galt ihm Gehorsam für die beste Tugend." [16]

Ähnlich wie Franz Werfel, Ariost und Tasso schildert auch Lord Byron wie die Türken bzw. Osmanen gegen Griechen kämpfen und sie unterdrücken, aber auch gegen die Piraten - obwohl die Türken schlimmer wüten als die Piraten: "Die Bai von Koron wimmelt von Galeeren, / Von tausend Lampen strahlt die Stadt zu Ehren / Von Said-Pascha; prächtig ist das Fest, / Das schon im Voraus jetzt er feiern lässt: / Denn sicher muss es diesmal ihm gelingen, / In Fesseln die Piraten heimzubringen. / Er schwor's bei Allah und bei seinem Schwert, / Und kaum hat seinen Aufruf sie gehört, / Als sich die Flotte sammelt in der Bai; / Matrosen strömen scharenweis' herbei / Und teilen prahlend schon sich in die Beute – / So klein erscheint der Feind für solche Leute./ ... Das meiste Volk zerstreut sich weit und breit / Und übt an Griechen seine Tapferkeit. / Wie groß doch muss sich solch ein Türke fühlen, / An armen Sklaven seinen Mut zu kühlen! / Sie brechen in die Häuser ein, doch morden / Nicht mehr wie sonst, da sanfter sie geworden; / Es sei denn, dass der Uebermut sie treibt, / Zu sorgen, dass der Arm in Uebung bleibt. / Der Grieche lächelt, der den Kopf noch liebt, / Wenn sich der Türke seiner Lust ergibt; / Er muss die besten Bissen für ihn suchen / Und darf erst, wenn die Küste rein ist, fluchen." [17]

Die türkisch-osmanische Armee war eigentlich mehr am Genuss und Alkohol als am Kampf interessiert, und wenn gekämpft wurde, dann z.B. mit Großmüttern wie Franz Werfel trefflich geschildert hatte, ansonsten verlässt man sich auf den Dämon Allah: "In seiner Halle ruhet von dem Schmaus / Mit bärtigen Vasallen Said aus; / Man sagte, dass er selbst Getränke schlürfe, / Die sonst kein Muselman genießen dürfe; / Doch unterdessen reicht die Dienerschaft / Den Andern der erlaubten Bohne Saft, / Und während aus den Pfeifen Wolken steigen, / Betrachtet man der Tänzerinnen Reigen. / Am nächsten Morgen schifft man dann sich ein, / Verrätrisch soll das Meer des Nachts ja sein, / Und besser ist der Schlaf auf seidnem Kissen, / Als auf der See sich in Gefahr zu wissen. / Mehr als der Kampf gilt ihnen der Genuss, / Und Allah hilft, sobald man kämpfen muss. / Sodann vertraut der Pascha noch den Zahlen / Und hat das Recht, mit seiner Macht zu prahlen." [18]

Zum Korsaren, als Derwisch verkleidet, schreibt Lord Byron, er habe in der Geschichte manches dem Aehnliche gefunden. »In der Begierde, den Zustand des Vandalenreichs mit eigenen Augen kennen zu lernen, wagte es Kaiser Majorian, nachdem er sein Haar gefärbt, Karthago unter der Maske seines eigenen Gesandten zu besuchen, und Genserich war in der Folge nicht wenig verstimmt, als er entdeckte, dass er den römischen Kaiser zu Gaste gehabt und wieder entlassen hatte.« (Gibbon VI, 180.) dass Konrads Charakter nicht durchaus unnatürlich sei, lässt sich durch einige historische Aehnlichkeiten dartun, die mir nach Abfassung des »Korsaren« aufgestoßen sind. Vgl. den Charakter des Eccelin bei Rolandino und bei Sismondi (III, 2l9-20) und des obenerwähnten Vandalenkönigs Genserich bei Jornandes (» De rebus gestis«, Kap. 33). Diese düsteren Wirklichkeiten mögen meinem Giaur und meinem Korsaren zur Rechtfertigung dienen." [19]

Im Gegensatz zu den Türken holen die Piraten die Frauen, auch "Gulnare, seines Harems Königin", aus dem brennenden Palast. Gulnare, ein Frauenname, bedeutet wörtlich Granatenblüte. [20]

Wie schon Prinz Eugen die Türken leicht täuschen konnte und viele Siege der Christen gegen die Türken einfuhr, wurden auch hier die Allahbesessenen leicht getäuscht: "Doch sahn die Türken kaum den Rücken frei, / So stürzten sie, sich sammelnd, schnell herbei, / Und Said merkte nun, wie klein die Schar / Der Feinde gegen die der Freunde war. / Vor Scham errötend musst' er jetzt entdecken, / dass sie geflohn vor einem blinden Schrecken. / »Allah il Allah!« hört man's laut erklingen." [21]

Die Frauen aus des Türken Harem waren froh, wenn sie vor den Türken gerettet wurden: "Doch jetzt erhebt ein neuer Mut sie wieder. / Sie denkt an jenes Räubers feine Sitten, / Der freundlich sprach und sanft erschien inmitten / Des Kampfes – sanfter selbst als blut'ger Feind, / Als Said je als Liebender erscheint. / Der Pascha bat um Lieb', als ob die Ehre / Ein großes Glück für seine Sklavin wäre; / Doch Schutz gelobt, sie tröstend, der Pirat, / Als ob ein Weib ein Recht auf Huld'gung hat. / »'S ist unrecht, ja wohl niemals kann's geschehn – / Doch möcht' ich diesen Räuber wiedersehn; / Ich muss ihm danken, ihm, der während dessen, / dass Said mich vergaß, mich nicht vergessen.« [22]

Denn von Liebe und Freiheit kann man in türkischen Harems nicht sprechen, eher von Sklavenhaltung: »Ich sollte Said lieben? Nein, o nein! / Die Liebe kann nur unter Freien sein. / Vergebens hat mein Herz, das jetzt ihr flucht, / Zu teilen seine Leidenschaft gesucht! / Denn Sklavin bleib' ich immer, wenn die Welt / Die Favoritin auch für glücklich hält. / Wie oft schon hab' ich selber mich gefragt: / Ist dieses Lieb'? – und schmerzvoll Nein! gesagt. / Ja, schwer ist's, eine Zärtlichkeit zu stillen, / ... Jetzt bin ich seine Sklavin – doch mir graut, / Sobald ich denk', ich wäre seine Braut. / O! möchte seine Leidenschaft doch enden, / Vielleicht sich gegen eine Andre wenden!« [23]

...
II.
So tönten von der Insel der Korsaren,
Die rings am Feuer dort gelagert waren,
Aus Klippen widerhallend die Gesänge;
Die Männer waren rauh wie jene Klänge.
In Gruppen sieht man sie zusammen sprechen,
Die Waffen schärfen, spielen, schmausen, zechen;
Und während mancher seinen Säbel putzt,
Und an das Blut nicht denkt, das ihn beschmuzt,
So nehmen Andre Ruder in die Hand
Und wandeln auch wohl müßig an dem Strand;
Es werden Fischernetze ausgebreitet,
Und Schlingen für den Vogelfang bereitet,
Und beutegierig sucht man, in den Flecken
Am Horizonte Segel zu entdecken.
...

III.
»Ein Segel!« – Halt! ein schöner Fang! Doch lasst
Uns sehen, welche Flagge trägt der Mast?
Kein Fang ist's! Doch es spielen mit dem Wind
Blutrothe Wimpel, die willkommen sind.
Die Unsern sind's! Das Barkschiff kommt nach Haus,
Noch diesen Abend wirft's die Anker aus.
Wie's in die Bucht ums Vorgebirge biegt,
Den Schaum durchbrechend durch die Wogen fliegt!
Nie ließ es seine Segel stolz sich blähn,
Um fliehend seinen Feinden zu entgehn!
Es schreitet wie lebendig durch die Flut,
Und spottet kühn der Elemente Wut.
Wer trotzte nicht, als Herr es zu besitzen,
Dem Schlachtendonner und des Himmels Blitzen?

IV.
Die Taue knarrn, die Segel refft man ein,
Der Anker tauchte schon ins Meer hinein;
Das große Boot gewahrt man drauf von fern
Ins Wasser sinken von des Schiffes Stern;
Es wird bemannt, und das gemessne Spiel
Der Ruder bohrt bald in den Sand den Kiel.
»Willkommen!« schallt's herüber von dem Strand,
Und jeder schüttelt froh des Freundes Hand,
Bis Frag' und Antwort, Scherze, helles Lachen
Des Wiedersehens Freude lauter machen.

V.
Bald weiß man's auf der Insel; Weiber laufen
Zum Strand hinab, und größer wird der Haufen;
Die Stimmen summen, ängstlich suchen Fraun
Den Gatten und Geliebten zu erschaun;
»Sie leben doch? Wir fragen nichts nach Siegen,
Wenn wir an ihrer Brust nur wieder liegen;
Sie kämpften sicher tapfer in der Schlacht,
Doch habt ihr sie gesund zurückgebracht?
Was zögern sie denn noch, uns zu beglücken,
Den ersten Kuss auf unsern Mund zu drücken?«

VI.
»Wo ist der Hauptmann? Neues bringen wir,
Und kurz wohl dauert nur die Freude hier,
Doch eure Lieb' erkennen wir darin.
He, Juan! sogleich führ' uns zum Hauptmann hin.
Hernach dann wollen wir beim Schmaus nicht fehlen
Und Allen, was sie wünschen, gern erzählen.« –
In Fels gehauen führt ein steiler Pfad
Zu seinem Wachtturm auf des Berges Grat;
Erquickend wirkt der wilden Blumen Duft,
Es kühlt da mancher Born die heiße Luft,
Der munter sprudelnd dem Granit entquillt
Und frisch den Durst des müden Wandrers stillt.
Dort klimmen sie hinauf. – Wer steht allein
Bei jener Höhl' und schaut ins Meer hinein?
Er stützt gedankenvoll sich auf das Schwert,
Das sonst die blut'ge Hand zum Kampf bewehrt.
»Ja, Konrad ist's!« so sprachen, die ihn sahn.
»Juan, geh voran und meld' ihm, dass wir nahn,
Er sieht das Schiff, und sag ihm, dass wir gern
Gewicht'ge Botschaft brächten unserm Herrn.
Er liebt es nicht, wenn Fremd' ihn unterbrechen
Und gar unaufgefordert mit ihm sprechen.«

VII.
Und Juan ging hin und meldet' es sofort.
Doch jener nickte nur und sprach kein Wort,
Und grüßte schweigend kaum, als schon die Schar
Sich tief verneigend angekommen war.
»Herr, Briefe hier von unserem Spion,
Der immer sagt, dass uns Gefahren drohn.
Was auch er schreibt, wir glauben selbst, es zeigen« –
»Still, still!« rief Konrad, und sie mussten schweigen.
Sie drehn erstaunt sich um und flüstern leise
Vermutungen sich zu; verstohlnerweise
Wirft mancher einen Blick auf sein Gesicht
Und möchte sehen, was sein Auge spricht.
Doch Konrad, sei's, dass er den Wunsch verstand,
Sei's Leidenschaft und Stolz, stand abgewandt
Und las – »Mein Schreibzeug, Juan! geschwind! Jedoch
Wo blieb Gonsalvo?« – »Auf dem Barkschiff noch.«
»Dort soll er warten. Bring' ihm den Befehl.
Bereitet rasch die Abfahrt vor! Ich zähl'
Auf euern Eifer; denn noch heute gehn
Wir unter Segel.« – »Heut noch soll's geschehn?«
»Ja, wenn die Sonne taucht ins Meer hinein,
Und ich will selber euer Führer sein.
Wenn's dunkel wird, erhebt der Wind sich wohl;
Mein Panzerhemd und meinen Mantel hol'!
Und wirf dein Hifthorn um! – dass gut geputzt
Die Flinte sei, und nicht von Rost beschmutzt!
Auch lass mir schleifen noch das Enterbeil,
Mir passt der Griff davon nicht gut: drum eil'
Und sag's dem Waffenschmied, dass diese Dinge
Er noch vor Abend mir in Ordnung bringe.
Rechtzeitig soll dann die Kanone dröhnen
Und für die Abfahrt der Signalschuss tönen.«

VIII.
Sie eilen fort. Wie kurz doch war ihr Glück!
Schon wieder geht's ins öde Meer zurück.
Doch tun sie's gern, denn Konrad führt sie an;
Wer wagt zu fragen ihn nach seinem Plan?
Ihn, der geheimnisvoll die Menschen flieht,
Den kaum man seufzen hört, kaum lächeln sieht,
Vor dessen Blick der Roh'ste zitternd weicht
Und jede braune Wange fahl erbleicht, –
Der es versteht, gebietrisch zu befehlen
Und blindlings fortzureißen niedre Seelen.
Wie heißt der Zauber, der den Trotz bezähmt,
Den Widerstand erstickt, den Willen lähmt?
Was ist es denn, das solche Wunder schafft?
Nur des Gedankens und des Geistes Kraft,
Wenn, noch vom Glück begünstigt, er geschickt
Den schwachen Willen Andrer völlig knickt,
Und deren Taten, ohne dass sie's merken,
Zu seinen macht, um seinen Ruhm zu stärken.
So war es stets, und immer wird es scheinen,
Als plage sich die Menge nur für Einen.
So will es die Natur. Doch, dass der Niedre
Nur nicht mit seinem Hass darauf erwidre!
Er sollte nur die Last des Ruhmes kennen,
Leicht wird er dann den eignen Kummer nennen.

IX.
Unähnlich zwar den Helden unsrer Alten,
Die Teufel sind mit göttlichen Gestalten,
War schön von Körper Konrad nicht zu nennen,
So feurig auch die dunkeln Augen brennen.
Er war kein Hercules, kein Riese, nur
Von mittlerer, doch kräftiger Statur;
Doch jeder, der ihn wieder ansah, fand,
dass über dem Gewöhnlichen er stand.
Nicht konnt' er des Gedankens sich erwehren,
Und doch den Grund davon sich nicht erklären.
Die Wangen bräunte tief der Sonne Glut,
Die hohe Stirn war blaß, und eine Flut
Von dunkeln Locken strömte drüber hin;
Der Lippe Zucken zeigte stolzen Sinn,
Der kaum gebändigt durch den Willen ward
Und immer sich von neuem offenbart.
Wenn seine Stimm' und Züg' auch ruhig schienen,
So lag doch eine Art von Zwang in ihnen;
Man sah ihn oft die Farbe wechseln, und
Ein böser Zug umspielte wohl den Mund,
Als ob in dem verschlossenen Gemüte
Ein fürchterlicher Sturm verborgen wüte.
Doch Niemand konnt' ihn lang betrachten, bald
Verscheucht' ihn seines strengen Blicks Gewalt;
Wohl wenig Menschen konnten von sich sagen,
dass ruhig sie sein volles Aug' ertragen.
Und wär' ein Andrer im Begriff gewesen,
Im Antlitz auch sein Inneres zu lesen,
So rieth sogleich er seines Gegners Plan,
Und sah ihn wieder so durchbohrend an,
dass jener, eh' er Konrads Absicht wusste,
Sein eigenes Geheimnis schützen musste.
Sein höhnisch Lächeln konnte teuflisch sein;
Es flößte Wut zugleich und Schrecken ein.
Weh denen, die sein Hass traf, – für die Armen
Gab's keine Hoffnung mehr und kein Erbarmen!

X.
Aus schwachen Zeichen nur kann man erkennen,
Wie wild die schlimmern Leidenschaften brennen;
Nie scheint der Liebe Mienenspiel zu ruhn,
Jedoch der Ehrgeiz, Hass und Arglist tun
Sich uns durch jenes bittre Lächeln kund,
Wo nur ein leises Zucken um den Mund,
Der starren Wangen plötzliches Erblassen
Das innre Toben uns erkennen lassen.
Man muss, um ihre Opfer zu betrachten,
Wenn einsam sie sich glauben, auf sie achten:
Wie dann sie hastig auf- und niedergehn,
Die Fäuste ball'n, die Augen wild verdrehn,
Aufschreckend um sich schaun und ängstlich hören,
Ob keine Schritte nahen, sie zu stören,
Dann zeigt sich ihre Seel' auch im Gesicht –
Doch folgt nach solchem Sturm die Ruhe nicht.
Wie zucken noch die Muskeln, und wie heiß
Die Wangen glühn! Die Stirn deckt kalter Schweiß!
Ja, wenn du kannst, versuch's, auf sie zu blicken,
Wenn Schlaf die müden Augen soll erquicken!
Sieh den Gedanken an fluchvolle Zeiten
Selbst dann der öden Brust noch Qual bereiten!
Doch wer wird das Geheimnis und das Wesen
Der Menschenseele je vollkommen lesen?

XI.
Doch war Konrad nicht von Natur verloren,
Zum Führer von Verbrechern nicht geboren;
Verstimmt war sein Gemüt, eh' durch die Tat
Er in den Kampf mit Gott und Menschen trat.
Betrogen von der Welt, war er zu weise
In Worten, sonst ein Narr in ihrem Kreise.
Zu stolz, um sich zu schmiegen und zu bücken,
Leicht wegen seiner Gradheit zu berücken,
Begann er, seine Tugend zu verfluchen
Und drin den Grund des Unglücks aufzusuchen.
Er hoffte für sich selbst kein Glück und dachte,
dass er auch Andre niemals glücklich machte.
Geflohn, gefürchtet, noch voll Jugendkraft,
Die Menschen hassend, und der Leidenschaft
Sich blind ergebend, nannt' er seine Rache
An allen Menschen eine heil'ge Sache.
Er glaubte selbst, ein schlechter Mensch, allein
So gut wie jeder Andere zu sein,
Und auch die Besten pflegt' er zu verachten
Und als geschickte Heuchler zu betrachten,
Die solche Taten, die der Kühne offen
Begeht, verborgen zu begehen hoffen.
Er wusste, wie verhasst er war, doch dass
Die Furcht noch größer war als selbst der Hass.
Einsam und fremd, vermocht' er Angst und Schrecken,
Doch selten nur Zuneigung zu erwecken;
Man konnt' ihn wohl beklagen, sich entsetzen,
Ihn fürchten, doch niemals gering ihn schätzen.
Wir treten auf den Wurm, doch nur mit Bangen
Naht jeder sich den giftgeschwollnen Schlangen;
Es krümmt der Wurm sich, doch er rächt sich nicht;
Die Schlange stirbt, indem sie tödtlich sticht –
Fest hält sie noch den Feind im Tod umschlungen,
Sie sticht und wird erdrückt, doch nie bezwungen.

XII.
In Jedem wird man etwas Gutes finden:
Ein sanfter Zug auch sollte nie verschwinden
Aus Konrads wilder Brust; und ob er schon
Der Andern spottete mit bittrem Hohn,
Die gleich den Kindern und den eitlen Narrn
Sich fingen in der Leidenschaften Garn,
So kämpft' er selbst vergebens doch dagegen,
Und war der Macht der echten Lieb' erlegen.
Ja, wahre Liebe war's, für alle Zeit
Nur Einer unveränderlich geweiht!
Gleichgültig konnt' er auf geraubte Fraun,
Und auf die schönsten selbst mit Kälte schaun,
Und manche Schönheit schmachtete gefangen,
Doch keine konnte seine Gunst erlangen.
Ja, Liebe war's, wenn Zärtlichkeit so heißt,
Die sich in Not und Prüfung stark erweist,
Die keine Trennung und kein Wechsel schwächt,
An der, was mehr ist, sich die Zeit nicht rächt!
Sah die Geliebte nur ihn lächelnd an,
War keine Täuschung, kein verfehlter Plan
Im Stand, ihn mürrisch zu verstimmen; – nie
Ergriff der Zorn ihn dann, ja gegen sie
Entschlüpfte seinem Mund in schlimmen Tagen
Kein ärgerliches Wort und keine Klagen.
Er kam mit froher, ging mit heitrer Miene,
dass nichts als Grund ihr zur Besorgniß diene; –
Wenn's wahre Liebe zwischen Menschen gibt,
So ward von Konrad wahrhaft sie geliebt!
Er war verworfen – ja – der Menschheit Fluch
Traf ihn; doch keine Schuld war stark genug,
Ihn, den sonst alle Tugenden verließen,
Der sanftesten Empfindung zu verschließen!

XIII.
Erst, als die Leute sich dem Blick entzogen
Und abwärts steigend um den Felsen bogen,
Sprach Konrad sinnend: »Wahrlich, sonderbar
Bewegt mich jetzt die drohende Gefahr!
Mir ahnt, dass wir zum letzten Kampfe gehn;
Doch Niemand soll mich deshalb schwanken sehn.
Kühn will ich dem Geschick mich widersetzen,
Weil sonst sie sicher uns zu Tode hetzen;
Und ist das Glück mir hold, so will um Haufen
Von Feindesleichen ich den Sieg verkaufen.
Sie mögen schlummern, träumen ohne Sorgen,
Bis hell wie niemals leuchten wird der Morgen,
Bis unser Feuerwerk entbrennt zur Ehre
Der langsamen Verteidiger der Meere.
Nun zu Medora! – Wie das Herz mir schlägt!
Wenn ihres nur so Schweres niemals trägt!
Doch hatt' ich Mut – ein Jeder hat ja Mut!
Das kleinste Tier vertheidigt seine Brut,
Und dieser Mut, der auch dem Tiere bleibt,
Den erst Verzweiflung zu dem Aergsten treibt,
Verdient kaum Lob; doch war's mein Ruhm, zu lehren,
Wie Wen'ge gegen Uebermacht sich wehren.
Oft hab' ich sie gerettet aus der Not
Und heute wieder heißt's: Sieg oder Tod!
So mag's denn sein, – mich wird der Tod nicht schrecken,
Könnt' ich den Rückzug nur den Freunden decken.
Mein Stolz ertrüg' es nicht, wenn wir den Schlingen
Der Feinde nicht noch dieses Mal entgingen.
Was nützte meine Klugheit, wenn zuletzt
Sie Alles doch auf Eine Karte setzt?
Ich selbst und nicht das Glück hat's so verkettet –
Das Glück, das uns allein vielleicht errettet.«

XIV.
So ging noch Konrad mit sich selbst zu Rat,
Als er des Felsens Gipfel schon betrat;
Er stand vor seiner Burg, aus der Gesang
Von einer lieben Stimme sanft erklang;
Dann horcht' er vor dem Gitter noch den Tönen,
Und also sang die Schönste aller Schönen:

Einsam und in der Seele tiefstem Grunde
Wird meiner Liebe Glut von mir gehegt;
Sie wartet still im Herzen auf die Stunde,
In der es deiner Brust entgegenschlägt.

Und gleich der Lamp' in einer Grabkapelle
Erglänzt ihr Feuer ewig ungesehn;
Und selbst verzweifelnd leuchtet sie noch helle,
Wenn unbemerkt die Strahlen auch vergehn.

Behalt mich lieb! – Geh nicht an meinem Grabe
Vorüber, ohne zu gedenken mein;
Der einz'ge Schmerz, den nicht den Muth ich habe
Zu tragen, wär' – von dir vergessen sein.

Gewähre mir, was ich so heiß ersehne!
Der Toten gönnt man ja der Klage Ton;
Ich bat dich nie um mehr als eine Thräne,
Für so viel Lieb' als ersten, einz'gen Lohn!

Rasch trat er durch das Thor, durchschritt die Halle
Und folgte bis zum Zimmer jenem Schalle.
»Medora!« rief er, »traurig hör' ich's klingen.«

»Soll ich, wenn Konrad fern ist, fröhlich singen?
Ob auch der Sängerin der Hörer fehle,
So kommt doch mein Gesang mir aus der Seele.
Und jeder Ton entspringt nur den Gefühlen,
Die ungestillt den Busen mir durchwühlen!
Wie oft hat meine Angst in langer Nacht
Den Wind zum wilden Sturme mir gemacht,
Wo jeder Hauch, der sanft ins Segel blies,
Mir schon den kommenden Orkan verhieß
Und mir ein Klagelied war, das die Strandung
Von deinem Schiff beschrieb in wilder Brandung.
Dann wollt' ich fort, das Feuer anzuschüren,
Und dich durch seinen Schein zum Hafen führen,
Und ruhelos bewacht' ich jeden Stern;
Der Morgen kam, – noch immer warst du fern.
Die Luft begann mich eisig zu durchschauern,
Mich sah der neue Tag in Thränen trauern,
Und immer schaut' umsonst ich in das Meer:
Kein Segel kam am Horizonte her!
Und Mittag ward's – da sah ein Schiff ich nahn –
Wie froh begrüßt' ich's! – ja, es kam heran,
Doch ach, es fuhr vorbei; – dann wieder eins –
Und endlich, o mein Gott, war's wirklich deins.
Wie lang, mein Konrad, soll ich so mich quälen?
Willst niemals du das Glück des Friedens wählen?
Du bist ja mehr als reich, in allen Zonen
Der Erde könnten wir zufrieden wohnen.
Du weißt, dass Furcht nicht mein Beweggrund ist,
Ich zittre nur, wenn du nicht bei mir bist,
Und nicht für mich, ich zittre nur für den,
Der mich verläßt, um in die Schlacht zu gehn. –
Seltsames Herz, es kann mich zärtlich lieben
Und wird zum Kampfe mit der Welt getrieben!«

»Ja, sonderbar ist dieses Herz verstimmt,
Das, einst getreten, jetzt nur Rache nimmt!
Nur noch auf deine Liebe darf es hoffen,
Und kaum noch sieht's den Himmel für sich offen;
Doch mit der Lieb' aus Einer Quelle stammt
Auch dieser Haß, den dein Gefühl verdammt.
Ja, hört' ich auf, die Menschen so zu hassen,
So würd' ich auch von meiner Liebe lassen.
Doch fürchte nichts; denn die Vergangenheit
Verbürgt dir ja mein Herz für alle Zeit.
Doch jetzt, Medora, – such' es zu ertragen, –
muss ich für kurze Zeit Lebwohl dir sagen.«

»Fort willst du gehn? Es ahnte dies mein Herz!
Mein Glück verwandelt immer sich in Schmerz!
Und jetzt? Es kann nicht sein! In dieser Stunde?
Es liegt ja kaum die Bark' im Ankergrunde;
Die andre kam noch gar nicht, und dazu
Bedarf die Mannschaft doch zuvor der Ruh'.
Du willst mich wegen meiner Schwäche necken,
Und durch Gewöhnung meinen Muth erwecken;
Doch spiele nicht mit meiner Seelenpein,
Es würde solch ein Scherz zu grausam sein.
Sprich mir nicht mehr davon, mein Konrad! theile
Das Mahl, das jetzt ich zu bereiten eile.
'S ist leicht gethan; ich hab' die beste Frucht
Von jedem Baum für dich schon ausgesucht.
Dreimal hab' ich den Weg zum Quell genommen,
Um ja das kühlste Wasser zu bekommen;
Und dein Sorbet wird besser sein als je –
Sieh her, ich stellt' ihn lange schon in Schnee.
Denn dich erfreut ja nie der Saft der Reben,
Und du willst mäß'ger als ein Türke leben;
Doch nicht, um dich zu tadeln, war's gesagt,
Mich freut's, wenn dir das Einfache behagt.
Jetzt komm, denn unsre Tafel ist gedeckt,
Die silberne Lampe wird noch angesteckt,
Dann will ich dir mit Tanzen und mit Singen
Mit meinen Mädchen wohl die Zeit verbringen.
Gern hörst du's ja, wenn ich Guitarre spiele;
Doch wenn es heute dir nicht mehr gefiele,
So lesen wir, was uns Ariost erzählt,
Wie sich Olympia verlassen quält.
Du wärst ja schlimmer als der Ungetreue,
Der sie betrog, wenn jetzt du mich aufs neue
Verlassen wolltest, ja, wohl schlimmer gar,
Als der verrätherische Heide war,
Der einst Ariadnen undankbar verstieß
Und einsam dort auf jener Insel ließ,
Die man bei klarer Luft im Osten hier
Noch liegen sieht – Vor kurzem zeigt ich dir
Sie noch und sprach, halb scherzend, halb voll Sorgen,
Denn Niemand weiß, womit der nächste Morgen
Ihm droht: So wird es mir noch einst ergehn!
Du täuschtest mich – ich sollt' dich wiedersehn!«
...

XVI.
Von Fels zu Fels in raschen Sprüngen eilt
Konrad zum Strand hinab; doch nirgends weilt
Er zaudernd, und er schaut auch nie zurück.
Bei jeder Wendung, wo sich seinem Blick
Die Burg zufällig zeigt, da zuckt er noch:
Die Burg, die seine Heimat ist, die hoch
Am Felsen gastlich ihm Willkommen sagt,
Wenn ihm das wilde Meer nicht mehr behagt,
Und die Geliebte, die ihm sonst von fern
Entgegenstrahlt gleich einem lieben Stern,
Sie wagt er jetzt nicht anzuschaun, – es war
Zu groß doch für sein Bleiben die Gefahr.
Einmal beinahe zögert schon sein Fuß,
Es schwankt in seinem Herzen der Entschluss;
Doch nein – es darf nicht sein; – wohl ihn zu rühren
Vermögen Tränen, doch nicht zu verführen.
Er sieht das Schiff, der Wind ist gut, da rafft
Er noch zusammen seine ganze Kraft,
Und vorwärts eilt er. Schon berührt sein Ohr
Gesang vom fröhlichen Matrosenchor,
Es tönt der Ruder Takt, ihm wohlbekannt;
Er sieht das emsige Gewühl am Strand,
Wie die Matrosen auf den Raaen stehn,
Wie sich der Anker hebt, die Segel blähn,
Wie Fraun am Ufer ihre Tücher schwingen,
Den Scheidenden den letzten Gruß zu bringen;
Blutrot sieht seine Flagg' er sich entfalten
Und staunt, dass fast sein Herz ihn festgehalten.
Sein Auge sprüht, wild hebt sich seine Brust,
Er wird sich seiner alten Kraft bewusst.
In wen'gen Sprüngen wird der Saum erreicht,
Wo weißer Sand den Fuß des Felsens bleicht;
Dort hält er an. Doch wen'ger fesselt ihn
Der Wunsch, die frische Seeluft einzuziehn,
Als den gemeßnen Schritt, der sonst ihm eigen,
Statt jener wilden Hast dem Volk zu zeigen.
Wohl wusste Konrad, was dem Herrscher nützt,
Und was den Stolz verhüllt und oft ihn schützt;
Der hohe Gang, der fremde Blick, der leicht
Zudringliche Vertraulichkeit verscheucht,
Und das vornehme Wesen, das gewandt
Und maßvoll jede laute Lust verbannt,
Sie wussten schnell Gehorsam zu erzwingen.
Doch konnt's ihm, wenn er wollt', auch leicht gelingen,
Durch Freundlichkeit die Menschen zu gewinnen;
Dann tönte seine Stimme tief von innen,
Die Furcht verschwand, und magisch riss sein Wort,
Zum Herzen dringend, die Gemüter fort.
Doch ließ er selten nur sich so herab,
Weil wenig er auf Andrer Liebe gab;
Nach dem, was er erfuhr in seiner Jugend,
Galt ihm Gehorsam für die beste Tugend.

XVII.
...
Ein günst'ger Wind bläst wacker unterdessen,
Es fliegt das Schiff, als ob's ein Falke sei,
Bei mancher steilen Insel rasch vorbei,
Und lang noch dauert's bis zum Morgengrauen,
Als durch das Glas sie schon den Hafen schauen,
In dem des stolzen Pascha's Flotte liegt.
Konrad zählt jedes Segel und betrügt
Die trägen Türken leicht, die ohne Sorgen
Trotz ihrer Lichter träumen bis zum Morgen.
Er segelt unbemerkt nach einer Bucht,
Die für den Hinterhalt er ausgesucht,
Wo hinter einem hohen Felsenrücken
Er sicher liegt vor seines Feindes Blicken.
Schon rüstet sich zum Kampfe seine Bande,
Die tapfer ficht zur See und auf dem Lande,
Und ruhig schaut ihr Führer in die Flut,
Und ruhig spricht er, ruhig – doch von Blut!

Zweiter Gesang.
I.
Die Bai von Koron wimmelt von Galeeren,
Von tausend Lampen strahlt die Stadt zu Ehren
Von Said-Pascha; prächtig ist das Fest,
Das schon im Voraus jetzt er feiern lässt:
Denn sicher muss es diesmal ihm gelingen,
In Fesseln die Piraten heimzubringen.
Er schwor's bei Allah und bei seinem Schwert,
Und kaum hat seinen Aufruf sie gehört,
Als sich die Flotte sammelt in der Bai;
Matrosen strömen scharenweis' herbei
Und teilen prahlend schon sich in die Beute –
So klein erscheint der Feind für solche Leute.
Wenn sie nur woll'n, wird auch in wen'gen Stunden
Gewiss die Räuberinsel überwunden!
Es schlummert ruhig unterdeß die Wache
Und nimmt im Traum schon an den Feinden Rache;
Das meiste Volk zerstreut sich weit und breit
Und übt an Griechen seine Tapferkeit.
Wie groß doch muss sich solch ein Türke fühlen,
An armen Sklaven seinen Mut zu kühlen!
Sie brechen in die Häuser ein, doch morden
Nicht mehr wie sonst, da sanfter sie geworden;
Es sei denn, dass der Uebermut sie treibt,
Zu sorgen, dass der Arm in Uebung bleibt.
Der Grieche lächelt, der den Kopf noch liebt,
Wenn sich der Türke seiner Lust ergibt;
Er muss die besten Bissen für ihn suchen
Und darf erst, wenn die Küste rein ist, fluchen.

II.
In seiner Halle ruhet von dem Schmaus
Mit bärtigen Vasallen Said aus;
Man sagte, dass er selbst Getränke schlürfe,
Die sonst kein Muselman genießen dürfe;
Doch unterdessen reicht die Dienerschaft
Den Andern der erlaubten Bohne Saft,
Und während aus den Pfeifen Wolken steigen,
Betrachtet man der Tänzerinnen Reigen.
Am nächsten Morgen schifft man dann sich ein,
Verrätrisch soll das Meer des Nachts ja sein,
Und besser ist der Schlaf auf seidnem Kissen,
Als auf der See sich in Gefahr zu wissen.
Mehr als der Kampf gilt ihnen der Genuss,
Und Allah hilft, sobald man kämpfen muss.
Sodann vertraut der Pascha noch den Zahlen
Und hat das Recht, mit seiner Macht zu prahlen.

III.
Demütig nahet vor dem äußern Tor
Der Sklave, der's bewacht, und tritt hervor;
Er neigt sich tief, den Boden trifft die Hand,
Dann spricht er zu dem Pascha hingewandt:
»Ein Derwisch, der den Räubern kaum entflohn,
Ist hier und träte gern vor deinen Thron.«
Und Saids Augen winken die Gewähr,
Man führt den frommen Pilger schweigend her.
Und schwachen Schritts, auf seinem grünen Kleide
Die Arme kreuzend, mehr von langem Leide
Als von der Zeit gebeugt, doch ohne Bangen
Erscheint er; blass sind seine hagern Wangen,
Der Ausdruck matt vom Fasten und Entbehren;
Die schwarzen Locken, welche nie zu scheren
Er seinem Gott gelobt, sind noch bedeckt
Von einem Hut, der stolz empor sich streckt,
Und dicht umhüllt ein faltiges Gewand
Die Brust, die sich dem Himmel zugewandt.
Er blickt bescheiden, aber nicht verlegen,
Den Augen, die ihn treffen, auch entgegen;
Neugierig möchte Mancher schon ihn fragen,
Doch vor dem Pascha darf es Keiner wagen.

IV.
»Derwisch, woher des Wegs?« – »Gefangen saß
Ich bei den Räubern.« – »Wo und wann geschah's,
dass die Piraten dich gefangen nahmen?« –
»Wir segelten nach Chios, und wir kamen
Von Scalanova her. Doch Allahs Zorn
Traf unser Schiff, die Ladung ging verloren;
Nichts konnten wir vor jenen Räubern retten,
Sie schlugen unsre Glieder noch in Ketten.
Mich schreckte nicht der Tod, und ich verlor
Die Freiheit nur, zu wandern wie zuvor;
Doch endlich sah ich Nachts ein Fischerboot,
Das mich befreien konnt' aus meiner Not,
Und ich bestieg's – bin glücklich jetzt geborgen:
Was könnt' ich unter deinem Schutz besorgen?« –
»Was treibt denn der Banditenführer? Glaubt
Er zu verteid'gen, was er sich geraubt?
Hat schon von unsrer Rüstung er gehört,
Die bald wohl dies Skorpionennest zerstört?« –
»Ich dacht' ans Fliehen, Pascha! Schlecht wohl taugen
Zum Spioniren des Gefangnen Augen.
Ich hörte nur noch auf die Meereswogen
Und wär' mit ihnen gern davongezogen;
Mir schien der Himmel und der Sonne Schein
Zu schön für die Gefangenschaft zu sein;
Die Freiheit musste wieder ich genießen,
Sonst würden ewig meine Tränen fließen.
Jedoch, dass ich entkam, beweist schon klar,
dass jetzt sie wenig denken an Gefahr;
Denn hätten sie mich aufmerksam bewacht,
So hätt' ich meine Flucht wohl nie vollbracht.
Ja, wenn die Wachen mich nicht fliehen sahn,
So kannst auch du dich unbemerkt wohl nahn.
Jedoch mein schwacher Leib verlangt nun Speise
Und Ruhe, Pascha, nach so langer Reise.
Jetzt laß mich ziehn. Mit dir sei Frieden! Frieden
Mit Allen! Ruhe werde mir beschieden!«

»Halt, Derwisch! Gib mir besseren Bericht!
Bleib – ich befehl's – und setz dich! Hörst du nicht?
Mehr muss ich wissen. Speise sollst du haben;
Du sollst nicht darben, wo sich Alle laben,
Und nach der Mahlzeit sag' mir ohne Säumnis,
Wonach ich frag' – ich liebe kein Geheimnis.« –

Warum doch zuckte so der fromme Mann,
Und sah den Divan gar nicht freundlich an?
Er zeigte kein Verlangen nach dem Mahl
Und wenig Achtung für der Gäste Zahl;
Ja, seine blassen Wangen überflog
Ein schwaches Rot, das sich sogleich verzog.
Dann setzt' er schweigend sich, sein Antlitz nahm
Den ruh'gen Ausdruck an, mit dem er kam.
Doch ward umsonst das Mahl ihm aufgetischt,
Und er verschmäht's, als sei's mit Gift gemischt;
Trotz seines Hungers schien den leckern Speisen
Der Gast nur wenig Ehre zu erweisen.
»Was fehlt dir, Derwisch? Iß – meinst du vielleicht,
Es wär' ein Christ, ein Feind, der dir es reicht?
Warum verschmähst du Salz, das selbst dem Schwert
Die Kraft nimmt gegen den, der es verzehrt,
Das die Versöhnung nach dem Streit bescheinigt
Und bittre Feinde brüderlich vereinigt?«

»Salz reizt den Gaumen nur. Mich sätt'gen schnell
Der Erde Wurzeln, und mich tränkt der Quell,
Und mein Gelübde, meines Ordens Weisung
Verbieten mir gemeinschaftliche Speisung.
Ja, dir erscheint's vielleicht wohl sonderbar;
Doch, käm' ich selbst deswegen in Gefahr,
Mich könnte nicht des Sultans Thron verführen,
Brot, wenn ich nicht allein bin, anzurühren;
Denn würd' ich diese Regel übertreten,
Wie käm' ich dann zum Grabe des Propheten?«

»Nun, wenn so fromm du bist, so mag's geschehn;
Nur eine Frage noch, dann sollst du gehn. –
Doch, was ist das? Es kann der Tag nicht sein!
Es glänzt die Bai wie heller Sonnenschein!
Ein einz'ges, ungeheures Feuermeer!
Verräterei! Bringt meinen Säbel her!
He, Wache! Die Galeeren stehn in Flammen!
Verfluchter Derwisch! Haut ihn gleich zusammen!
Du hast gelogen! Ja, ein Spion bist du!
Ein Spion! Ergreift ihn, tödtet ihn, schlagt zu!«

Und blitzschnell sprang der Derwisch jetzt empor,
Furchtbar verwandelt kam er ihnen vor.
Der Mönch, den sonst ein Bußgewand umschloss,
Glich einem Ritter jetzt auf hohem Ross.
Rasch wirft er Hut und Kleid ab und bewehrt
Vom Panzer strahlt die Brust. Er schwingt das Schwert,
Hell glänzt der runde Helm, darüber nickt
Ein schwarzer Federbusch – noch finstrer blickt
Das Auge, düstrer ist der Stirne Dräun;
Als wär' er aus der Höll' entstiegen, scheun
Die Sklaven starr zurück – Was kann der hoffen,
Den solchen Teufels Todesstreich getroffen?
Das Angstgeschrei vom Hafen, Wutgeheul
Und Schwerterklirrn, des wilden Kampfes Greul,
Die Fackeln, die Verwirrung und die Flammen,
Der dicke Rauch, sie machen jetzt zusammen
In einem Augenblick aus dieser Stelle
Der Erde schon ein wahres Bild der Hölle!
In Todesangst fliehn Alle hin und her,
Sie sehn voll Blut und Flammen schon das Meer.
Was kümmert sie des Paschas Wut! Den Mann,
Den Teufel rühren sie darum nicht an!
Die Hoffnung hatte Konrad aufgegeben,
Nur dieser Schrecken konnt' ihn neu beleben;
Denn viel zu früh begann der Kampf: bevor
Er das Signal gab, stieg die Flamm' empor.
Doch sah er ihre Furcht und setzte schon
Sein Hifthorn an den Mund, der kurze Ton
War scharf und gellend, und von draußen klingt
Die Antwort – »Brav, dass schnell ihr Hülfe bringt!
Wie konnt' ich gegen euch argwöhnisch sein
Und mich verraten glauben und allein!« –
Dann eilt er um so mehr nach dem Verzuge,
Und wirbelnd kreist sein Säbel wie im Fluge;
Sein Zorn vollbringt, was ihre Furcht begann,
Die Vielen zittern vor dem Einen Mann!
Zerfetzt liegt mancher Turban auf der Erde,
Kein Arm erhebt sich, dass ihm Rache werde;
Selbst Said, überrascht und knirschend, räumt
Ihm jetzt das Feld, wenn auch vor Wut er schäumt;
Kein Feigling ist er, aber dennoch scheint
In der Verwirrung ihm zu groß der Feind!
Die brennenden Galeeren lähmen ihn,
Den Bart zerraufend muss er endlich fliehn;
Er sieht durch's Tor bereits die Räuber eilen,
Und tödtlich wäre längeres Verweilen;
Die Sklaven schreien, knieen, flehn vergebens
In Todesangst nur um die Gunst des Lebens!
Indessen folgen schon in dichten Scharen
Dem Ton des Hifthorns eilig die Korsaren,
Und Todesseufzer, klägliches Geschrei
Bezeugen, wo der tapfre Kämpfer sei;
Bis jauchzend ihn sie finden, einsam wild
Gleich einem Tiger, der den Hunger stillt.
Kurz war der Gruß, und kurz der Gegengruß:
»'S geht gut – doch Said floh, der sterben muss!
Viel ist getan; doch mehr noch muss geschehn,
Die Flotte brennt – soll denn die Stadt noch stehn?«

V.
Gesagt, getan! – Ein jeder Räuber fasst
Den Brand und schleudert ihn in den Palast,
Und Konrads Auge glüht von wilder Lust –
Da zuckt ein tiefer Schmerz durch seine Brust;
Denn er vernimmt das Wehgeschrei der Fraun,
Und ihn durchschauert ein geheimes Graun.
Er, dessen Gleichmut kein Getümmel störte,
Erschrak, als diesen Klageton er hörte.
»Zum Harem hin! Bei euerm Leben kränkt
Kein schwaches Weib! – an unsre Weiber denkt!
Auf unsre fällt dereinst dafür die Rache;
Denn nur der Männerkampf ist unsre Sache.
O, ich vergaß – doch Gott wird's nie verzeihn,
Wenn wir hülflose Fraun dem Tode weihn!
Folgt, wenn ihr wollt! – Ich gehe – dies Verbrechen
Soll niemals gegen mich verdammend sprechen!«
Er stürmt die Trepp' hinauf und sprengt die Türen
Und scheint des Bodens Hitze kaum zu spüren,
Ihn hindert nicht des dicken Rauches Qual,
Er stürzt hindurch und eilt von Saal zu Saal.
Sie suchen, finden, retten; – voll Erbarmen
Trägt Jeder seinen Fund auf rüst'gen Armen;
Sie trösten und beschwicht'gen sie, sie halten
Schonungsvoll diese schwankenden Gestalten:
So konnte Konrad ihre Wildheit zähmen,
Und ihre blutbefleckten Hände lähmen.
Doch wer ist jene, die sein Arm umschlingt,
Und kühn durch Trümmer, Rauch und Flammen bringt?
Des Paschas schönste Freundin trägt er hin,
Gulnare, seines Harems Königin!

VI.
Doch Konrad fand zu einem raschen Gruße
Und wen'gen Trostesworten kaum die musse;
Das Mitleid unterbrach den kurzen Krieg,
Und man verfolgte nicht den leichten Sieg;
Doch sahn die Türken kaum den Rücken frei,
So stürzten sie, sich sammelnd, schnell herbei,
Und Said merkte nun, wie klein die Schar
Der Feinde gegen die der Freunde war.
Vor Scham errötend musst' er jetzt entdecken,
dass sie geflohn vor einem blinden Schrecken.
»Allah il Allah!« hört man's laut erklingen,
Und Wut und Rache will den Sieg erzwingen.
...

VII.
Doch eh' der Feind zu sammeln sich begann,
Und eh' das Handgemenge sich entspann,
War schon Gulnare, von den Fraun begleitet,
Nach einem anderen Palast geleitet:
Also geschah's, weil Konrad es gebot.
Die Tränen trocknet sie, die, in der Not
Für Ehr' und Leben kurz zuvor vergossen,
Noch immer aus den dunkeln Augen flossen;
Verzweiflung drückte schon die Arme nieder,
Doch jetzt erhebt ein neuer Mut sie wieder.
Sie denkt an jenes Räubers feine Sitten,
Der freundlich sprach und sanft erschien inmitten
Des Kampfes – sanfter selbst als blut'ger Feind,
Als Said je als Liebender erscheint.
Der Pascha bat um Lieb', als ob die Ehre
Ein großes Glück für seine Sklavin wäre;
Doch Schutz gelobt, sie tröstend, der Pirat,
Als ob ein Weib ein Recht auf Huld'gung hat.
»'S ist unrecht, ja wohl niemals kann's geschehn –
Doch möcht' ich diesen Räuber wiedersehn;
Ich muss ihm danken, ihm, der während dessen,
dass Said mich vergaß, mich nicht vergessen.«

VIII.

Sie sah ihn dann im dichtesten Gedränge,
Und stark schon lichtete der Tod die Menge;
Er kämpft für sich allein mit Feindeshaufen,
Die jeden Zoll um teuern Preis erkaufen.
Er blutet, fällt und sucht den Tod vergebens,
Der stets ihn flieht; denn seines ganzen Lebens
Verbrechen soll er fürchterlich noch büßen,
Und wider Willen wird er leben müssen.
Die Rache, die auf neue Schmerzen sinnt,
Stillt jetzt sein Blut, dass bald es stärker rinnt;
Sie will ihn tropfenweise nur verderben,
Nie soll er tot sein; aber ewig sterben!
Ist dies der Krieger, dessen blut'ge Hand,
Wo sie sich zeigte, schnell Gehorsam fand?
Er ist's, der waffenlos, doch unverzagt
Das Schicksal, das ihn leben ließ, beklagt.
Wie gern wohl hätt' er, statt der leichten Wunden,
Den Tod durch eines Feindes Arm gefunden!
Gibt's keinen, welcher ihn ins Jenseits sendet,
Da gegen ihn so manches Schwert sich wendet?
War's recht, dass der allein am Leben blieb,
Der selbst die meisten Feinde niederhieb?
Doch das, was jedes Menschen Herz erschreckt,
Wenn ihn das falsche Glück zu Boden streckt,
Die eigne Schuld, langsame Todesqualen,
Die solche Sieger als Vergeltung zahlen –
Das fühlt er tief und dunkel; – doch ihm bleibt
Der Stolz, der sonst zu schlimmer Tat ihn treibt.
In seinen strengen würdevollen Zügen
Scheint fast des Siegers Selbstgefühl zu liegen,
Und todesmatt, voll Wunden und gefangen,
Schaut ruhig er umher und ohne Bangen.
Des Pöbels wilder Jubel zwar, so groß
Wie früher seine Furcht, bricht donnernd los;
Jedoch die Bessern, die ihm näher standen,
Verschonen den, vor dem sie Furcht empfanden,
Und mit geheimer Scheu sogar betrachten
Die Wachen den, den sie zum Kerker brachten.

IX.
Dann kam der Arzt, doch nicht aus Mitleid – nein,
Er soll nur sehn, wie stark die Kräfte sei'n;
Er hält ihn stark genug für schwere Ketten,
Und nichts kann vor den Martern ihn erretten.
Ja, morgen Abend, wenn die Sonne scheidet,
Gewahrt sie, wie des Spießens Qual er leidet,
Und übermorgen, nach dem Morgengrauen
Wird, wie die Schmerzen er erträgt, sie schauen;
Die schlimmste, längste Strafe wird gewählt,
Die nebendem durch Durst die Dulder quält;
Ja, während solcher tagelangen Qual
Umkreisen gier'ge Geier schon den Pfahl;
Und »Wasser! Wasser!« flehen nur die Armen,
Doch lächelnd kennt der Henker kein Erbarmen;
Denn würde Wasser ihnen eingeflößt,
So würden bald sie durch den Tod erlöst.
So schrecklich sollte Konrads Strafe sein,
Der jetzt gefesselt daliegt und allein.
...
XI.
Gefesselt hielt der Pascha ihn, der Erker
Des höchsten Thurms war des Gefangnen Kerker.
Verbrannt war der Palast, und diese Feste
Barg seinen Feind sowohl wie seine Gäste.
Said, besiegt, hätt' Aehnliches ertragen,
Und Konrad konnte drum sich nicht beklagen.
Er hatte schon in seiner Einsamkeit
Das schuld'ge Herz geprüft und war bereit.
An Eins nur konnt' er – wagt' er nicht zu denken:
»Wie wird Medora diese Nachricht kränken!«
Und dann – nur dann – erhebt er sinnverwirrt
Den Arm und horcht, wie seine Kette klirrt;
Doch bald, vielleicht nur scheinbar, fasst er Mut
Und spottet, bitter lächelnd, seiner Wut:
»Mag, wenn es sein muss, die Tortur mich quälen,
Jetzt soll der Schlaf dafür die Kräfte stählen!«
So sprechend kroch er müde nach der Matte,
Wo bald der Traumgott ihn umfangen hatte. –

Als er den Kampf begann, war's Mitternacht,
Und, einmal reif, ward schnell der Plan vollbracht,
Da rasch ja die Zerstörung vorwärts schreitet,
Wenn jegliches Verbrechen sie begleitet.
Dieselbe Stunde sah ihn auf den Wogen,
Vermummt – entlarvt – zum Kampf hinausgezogen –
Zur See als Räuber und zu Land als Krieger,
Sie sah gefangen dann den frühern Sieger,
Sie sah zerstören ihn und sah ihn retten,
Und sieht ihn schlafend jetzt in seinen Ketten!

XII.
Und ruhig schien sein Schlaf, und leise ging
Die Brust – wenn doch der Tod ihn so umfing'!
Er schläft – Wer beugt auf ihn sich jetzt herab?
Der Feind ist fern, die Freunde deckt das Grab.
Ist es ein Engel, der ihm Trost verspricht?
Ein ird'sches Wesen, himmlisch von Gesicht,
Steht vor ihm, und sie hebt die Lamp' empor
Und hält den weißen Arm zum Schutz davor,
dass nicht des Lichtes Schein mit Einem Mal
Sein Auge treffe mit zu grellem Strahl;
Einmal noch öffnen wohl sich jene Lider,
Und schließen sich – vielleicht auf ewig – wieder.
Wie kam die dunkeläugige Gestalt,
Die dichtes, braunes Lockenhaar umwallt,
Durch finstre Nacht und Wachen bis hierher?
Kein Ton verriet ihr Nahen dem Gehör;
Ihr nackter Fuß erglänzt wie frischer Schnee,
Und lautlos schwebt sie hin gleich einer Fee!
Doch welches Weib erschrickt wohl vor Gefahren,
Die jung und mitleidsvoll ist gleich Gulnaren?
Sie floh der Schlaf; – im lauten Traum erscheint
Dem Pascha neben ihr sein wilder Feind;
Da schleicht sie fort, jedoch vorher entwand
Sie noch den Siegelring aus Saids Hand;
Dies Zeichen hat durch Wachen sie getragen,
Die schläfrig ihm gehorchen ohne Fragen.
Sie hatten, müde von dem wilden Streit,
Erst Konrad schlafen sehn mit stillem Neid,
Und streckten endlich selbst die matten Glieder
Vor jenes Turmes Tür zur Ruhe nieder,
Erhoben kaum die Köpfe vor dem Ringe,
Und fragten nicht, wer denn das Zeichen bringe.

XIII.
Verwundert sah sie hin auf ihn. – »Wie kann
So ruhig jetzt doch schlummern dieser Mann,
Um dessentwillen wohl so mancher Feind
Und auch so mancher Freund voll Trauer weint?
Mich selber treibt es ruhelos hierher,
Ja, welch ein Zauber fesselt mich so sehr?
Mir und den Mein'gen hat er mehr gegeben
Und mehr gerettet freilich als das Leben –
Jedoch zu spät wird's jetzt von mir bedacht,
Denn horch! wie schwer er seufzt – er regt sich – wacht!«
Er hebt das Haupt; geblendet von dem Licht,
Misstrauet er zuerst noch dem Gesicht;
Er rührt den Arm – die Kette rasselt schon,
Und rauh ans Leben mahnt ihn dieser Ton.
»Was seh' ich hier? Wenn dies kein Luftgebilde,
So schaut mein Henker lieblich aus und milde!« –
»Du kennst mich nicht – es treibt der Dank mich an
Für Taten, die zu selten du getan.
Gedenke der, die deine Hand dem Brande
Entriss und rettete vor deiner Bande.
Ich kam im Finstern, – weiß kaum, wie's geschehn,
Doch möcht' ich morgen dich nicht sterben sehn.« –
»Dann, edle Dame! wirst du ganz allein
Von solchem Anblick nicht befriedigt sein.
Mich haben meine Feinde jetzt in Händen,
Und recht ist's, wenn zum Nutzen sie's verwenden;
Doch find' ich ihr Benehmen rücksichtsvoll,
dass ich so schönen Ohren beichten soll.« –

Wie sonderbar, dass mit dem tiefsten Schmerze
Nicht selten sich verbinden düstre Scherze!
Ja, geben sie zum Trost auch keinen Grund,
So lächelt – bitter freilich – doch der Mund,
Und häufig schritten schon mit solchem Spotte
Die Weisesten und Besten zum Schafotte.
Zwar Andre täuscht oft solche Lustigkeit,
Doch immer fühlt das Herz das eigne Leid!
Was Konrad auch empfand, dies wilde Lachen
Schien jetzt beinahe fröhlich ihn zu machen;
Und heiter klang das Wort aus seinem Munde,
Als sei dies seine letzte frohe Stunde;
Und selten war's bei ihm – sein kurzes Leben
War von Gefahr und Schrecken stets umgeben.

XIV.
»Dein Schicksal ist beschlossen – doch vielleicht
Wird Said noch durch meine Macht erweicht.
Ich möchte gern dich retten – dich befrein –
Die Zeit – die Hoffnung – deine Kräfte leihn
Mir keinen Beistand jetzt; doch ich vermag
Das Urteil zu verzögern einen Tag;
Mehr kann ich nicht – auch würdest du's verschmähn,
Wenn beide wir dadurch zu Grunde gehn.« –
»Das würd' ich – ja, was kann mich noch bedrohn?
Ich fürchte nichts, zu schrecklich fiel ich schon.
Zur Flucht vor Feinden, die zu stark mir waren,
Machst du mir Hoffnung, schaffst dir selbst Gefahren!
Soll ich, zu schwach zum Siege, fliehn mit Schande
Aus Todesfurcht, der Einz'ge meiner Bande?
Und doch gibt's Eine, deren liebes Bild
Mich stets umschwebt, bis sie mir zärtlich wild
Entgegenstürzt. Nichts hat sich mir bewährt
In meinem Leben, als mein Schiff, mein Schwert
Und meine Lieb' und – Gott! – Ja früher stieß
Ich ihn zurück, bis er dann mich verließ;
Was mir die Menschen taten, kam von Gott,
Und mein Gebet erschiene jetzt wie Spott.
Was nützen mir verzweiflungsvolle Klagen?
Genug, ich athme noch und kann ertragen.
Mein treues Schwert entfiel der schwachen Hand,
Die solchen Freund zu halten nicht verstand;
Mein Schiff mag jetzt am Meeresgrunde liegen; –
Und meine Liebe – ja, für diese stiegen
Gebete wohl zum Himmel noch hinan;
Sie bleibt das Einz'ge, das mich fesseln kann
An diese Erde! – denn es bricht der Schmerz,
Wenn ich nicht mehr bin, noch ein treues Herz,
Und welche Schönheit! – Bis ich dich gesehn,
Fand außer ihr ich keine Andre schön.« –
»So liebst du eine Andre? Doch weswegen
Befrag' ich dich – ist mir daran gelegen?
Genug – du liebst! – Beneidenswerte Fraun,
Die dem Geliebten ganz ihr Herz vertraun!
Die nie des Herzens Einsamkeit beklagen
Und nach erträumten Schattenbildern jagen.« –
»Du selbst beglückst doch liebend den gewiss,
Für den mein Arm den Flammen dich entriss?« –
»Ich sollte Said lieben? Nein, o nein!
Die Liebe kann nur unter Freien sein.
Vergebens hat mein Herz, das jetzt ihr flucht,
Zu teilen seine Leidenschaft gesucht!
Denn Sklavin bleib' ich immer, wenn die Welt
Die Favoritin auch für glücklich hält.
Wie oft schon hab' ich selber mich gefragt:
Ist dieses Lieb'? – und schmerzvoll Nein! gesagt.
Ja, schwer ist's, eine Zärtlichkeit zu stillen,
Die nur ich dulden kann mit Widerwillen;
Doch schwerer wird Abneigung noch verhehlt,
Wenn einen Andern sich das Herz erwählt.
Gleichgültig lass' ich fassen ihn die Hand,
Und ruhig strömt mein Blut, das nichts empfand;
Die Hand entschlüpft, gleich einer todten Last,
Ihm, den ich nie geliebt und nie – gehaßt.
Kein Feuer kann mein Mund ihm wiederschenken,
Und schaudernd nur kann ich an Andres denken.
Ja, hätt' ich selber Liebe je gekannt,
So wär' ich jetzt vielleicht von Haß entbrannt;
Doch nun seh' ich ihn kommen, seh' ihn gehn,
Und ohne Lust und Trauer kann ich's sehn,
Und oft geschieht's, dass, wenn er bei mir weilt,
Mein Geist von ihm hinweg zu Andern eilt.
Ja, werd' ich's einst genauer überlegen,
So, fürcht' ich, muss ich tiefen Ekel hegen;
Jetzt bin ich seine Sklavin – doch mir graut,
Sobald ich denk', ich wäre seine Braut.
O! möchte seine Leidenschaft doch enden,
Vielleicht sich gegen eine Andre wenden!
Dann wäre doch Erlösung mir beschieden,
Wär's nicht seit gestern anders, sagt' ich, Frieden!
Doch schein' ich zu vertraulich dir zu sprechen,
So denk', ich möchte deine Ketten brechen,
Vergelten dir das mir geschenkte Leben,
Dich Allem, was dir lieb ist, wiedergeben;
dass Jene Trost in deiner Liebe finde,
Wenn selbst ich nie so reines Glück empfinde!
Leb' wohl, – mich scheucht hinweg das Morgenroth, –
Schwer ist's – doch heute fürchte nicht den Tod!«

XV.
Ans Herz noch presst sie des Gefangnen Hand,
Bis, sich verneigend, lautlos sie verschwand.
Sollt's nur ein schöner Traum gewesen sein?
Und war sie dort? Und ist er jetzt allein?
Doch hell erglänzend auf der Kette scheint
Die heil'ge Trän', um fremdes Leid geweint,
Die reine Perle von des Mitleids Schacht,
Die Gottes eigne Hand so schön gemacht! 
Wie überredend, wie gefährlich winkt
Die Träne, die im Frauenauge blinkt!
Wie bleibt sie stets der Schwachen starke Wehr,
Sie schützt und siegt – ist Schild zugleich und Speer!
Ja, fürchte sie! – Die weise Tugend irrt,
Wenn zärtlich solch ein Schmerz betrachtet wird.
So floh einst um Kleopatra ein Held,
Und ihre Träne bracht' ihn um die Welt;
Jedoch des Römers Schwäche sei verziehn,
Da Manche selbst dem Himmel so entfliehn –
Dem bösen Feinde lassen sie die Seele,
Damit ein üpp'ges Weib nicht mehr sich quäle!

Der Morgen kommt – und keine Hoffnung spricht
Aus Konrads gramverstörtem Angesicht.
Was wird er schon am Abend sein? Vielleicht,
dass hungrig über ihm ein Rabe streicht,
Den sein geschloß'nes Auge nicht mehr schaut;
Dann sinkt die Sonn', und Alles wird bethaut,
Die Erde, neu erfrischt, belebt sich wieder,
Doch kalt und feucht erstarren seine Glieder!

Dritter Gesang.
I.
Die Sonne taucht im schönsten Purpurschein
In das Gebirge von Morea ein,
Nicht nebelhaft verhüllt, wie wohl im Norden,
Ein lichter Feuerball ist sie geworden!
Und ihre goldnen Strahlen übersprühn
Die Wogen, die darin erzitternd glühn.
Der Gott der Freude lächelt, und es glänzt
Aegina's Fels und Hydra meerumkränzt,
Bis zögernd er von seinem Reich sich trennt,
In dem jetzt kein Altar mehr für ihn brennt.
Die Schatten fliehn den Berg hinunter bis
An deinen Golf, ruhmvolles Salamis!
Und immer tiefre Purpurstreifen schmücken
Die langgezognen, blauen Bergesrücken;
Im zartsten Farbenspiel erglühn die Spitzen,
Auf denen noch die letzten Strahlen blitzen,
Bis über Meer und Land sich Schatten strecken
Und Delphi's Gipfel ihren Gott verdecken. –

An solchem Abend musst' er einst, Athen!
Erblassend deinen Weisen sterben sehn;
Wie blickten deine besten Söhn' auf ihn,
Der scheidend ihres Lehrers Mord beschien!
Noch nicht! noch nicht! – Sol zögert auf der Bahn,
Und langsam rückt die Abschiedsstund' heran;
Der Gott blickt düster, als die Augen starren,
dass selbst die Höhn in dunkler Nacht verharren;
Er hüllt in Finsternis sein Lieblingsland,
Das niemals früher seinen Zorn empfand.
Doch eh' hinterm Cithäron er versunken,
War auch der Leidenskelch schon ausgetrunken;
Die Seel' entflog, die nie vor Furcht erbebte,
Dem Manne, der wie Keiner starb und lebte!
...
II.
Was konnt' auf dich hier den Gedanken lenken,
Athen? Doch wer kann deines Meers gedenken
Und dich nicht nennen, wer den Zauber meiden,
Den Alle wir bei deinem Namen leiden?
Wer sah dich je beim Sonnenuntergang,
Dem nicht dein Bild tief ins Gedächtnis drang?
Der nicht, den, ob im fernsten Land er lebt,
Der Reigen der Cykladen stets umschwebt!
Was vom Korsareneiland er gesungen,
Ist auch zu deinem Ruhme noch erklungen,
Und was erobert deine Bürger hatten,
Mög' einst die Freiheit dir zurückerstatten!

III.
Die Sonne sank; – doch düstrer als die Nacht
Steht jetzt Medora noch auf hoher Wacht.
Schon war's der dritte Tag, er war beendet,
Und fern war Konrad, hatte nichts gesendet!
Der Wind war günstig, aber schwach geblieben,
Und keine Stürme hatten ihn vertrieben;
Anselmo's Schiff kam gestern Abend an,
Er sagte nur, dass nicht sie Konrad sahn.
Wie anders wäre sein Bericht geartet,
Wenn Jener noch sein Segel hätt' erwartet!

Der Wind ward frisch; – sie hatte jeden Mast
Voll Hoffnung diesen Tag ins Aug' gefaßt;
Jetzt saß sie traurig da; – gen Mitternacht
Ward sie von Ungeduld hinabgejagt.
Sie schreitet, finster blickend, an den Strand
Und achtet nicht den Schaum, der ihr Gewand,
Sie warnend, schon bespritzt; sie sieht und fühlt
Jetzt nichts, und merkt den Wind nicht, der sie kühlt.
Doch als der Zweifel ihr Gewissheit ward,
War auch im Busen ihr das Herz erstarrt,
Und hätte jetzt sie plötzlich ihn gesehn,
Wär's wohl um ihres Lebens Preis geschehn!

Und endlich kam ein halbzerschelltes Boot,
Und Wen'ge drin, verwundet und halbtodt,
Die spähend ihre Herrin gleich gewahren;
Kaum wussten sie, wie sie gerettet waren.
Und Alle standen dort in düsterm Schweigen,
Als scheuten sie sich, etwas anzuzeigen
Von Konrads Loos; sie sorgten, dass die Kunde
Medora's zartes Ohr zu sehr verwunde.
Und sie begriff's, doch Niemand sah sie schwach;
In ihrem liebenden Gemüthe lag
Mit jenem stillen Schmerz ein hoher Sinn,
Und ungeahnte Kräfte ruhten drin.
Sonst hoffnungsvoll, doch schwankend und in Tränen,
musst' Alles jetzt verloren wohl sie wähnen.
Zwar starb nicht ihre Sanftmut – doch sie schlief,
Als nun erwachend die Verzweiflung rief:
»Was bleibt zu fürchten, wenn die Liebe stirbt!«
Doch gegen die Natur war's; so erwirbt
Der Kranke Kraft in Fieberphantasien,
Wenn ihm im Irrsinn alle Pulse glühn! –
»Ihr schweigt – auch möcht' ich nicht Gehör euch schenken –
Ihr sprecht nicht, athmet kaum, wohl kann ich's denken –
Doch wüsst' ich gern – es drückt das Herz mir ab,
Drum sagt's geschwinde – wo – wo ist sein Grab?«
»Wir wissen's nicht – Wir flohen selbst mit Not;
Doch Einer hier sagt, Konrad sei nicht tot,
Er sah gefesselt ihn, voll Blut und Wunden,
Doch hat er ihn am Leben noch gefunden.«

Sie hört nicht mehr – vergebens kämpft sie – doch
Der Athem stockt, kaum schlägt das Herz ihr noch;
Den Widerstand zerbricht die Leidenschaft,
Und diese Worte rauben ihr die Kraft.
Sie schwankt – bewusstlos fällt sie hin, – es zogen
Sie fast ins nasse Grab hinein die Wogen;
Doch jener Räuber rohe Herzen wenden
Mit feuchten Blicken, dienstbefliss'nen Händen,
Was rasch das Mitleid ihnen eingab, an:
Die blassen Wangen netzt der Ocean,
Sie reiben ihr die Stirn – sie halten – heben
Sie auf, bis endlich wiederkehrt das Leben;
Sie wecken ihre Mädchen, und es schaun
Mit Schmerz auf ihren Gram die andern Fraun;
Dann suchen sie Anselmo und erzählen
Ihm schnell die Mär – der leider Siege fehlen.

IV.
Und eifrig ward beraten jetzt die Sache,
Man dacht' an Lösegeld, an Hülf' und Rache,
Nur nicht an Flucht und Nichtstun; – noch nicht ruhte
Hier Konrads Geist, er lebt' in ihrem Muthe.
Ihn, der so oft sie schützte vor Verderben,
Woll'n jetzt sie retten oder mit ihm sterben:
Weh seinen Feinden! Wen'ge sind's, die leben,
Doch sind sie mutvoll und ihm treu ergeben.

V.
In seinem Harem sitzend übersann
Der Pascha seinen finstern Racheplan;
Er denkt ingrimmig bald an den Korsaren,
Bald wieder eifersüchtig an Gulnaren.
Zu seinen Füßen sitzt die holde Schöne
Und sinnt, wodurch sie seinen Zorn versöhne.
Ihr großes dunkles Auge möchte gern
Mitleid erspähn in ihrem strengen Herrn;
Doch während seines scheinbar auf ihr ruht,
Zeigt ihm die Phantasie des Feindes Blut.

»Pascha! dich schmückt der Ruhm, der Sieg ist dein!
Die Andern fielen, Konrad sitzt allein
Gefangen und muss sterben; er verdient
Gewiss den Tod, der sein Verbrechen sühnt.
Jedoch zu klein für dich ist solch ein Feind;
Auf kurze Zeit wohl wäre, wie mir scheint,
Der Räuber doch auf freien Fuß zu setzen,
Wenn er's erkauft mit allen seinen Schätzen.
Und unermesslich nennen sie die Leute,
Wie gerne gönnt' ich meinem Herrn die Beute!
Jetzt ist er schwach, entmutigt und gefangen, –
Blieb' er bewacht, wär's leicht, sie zu erlangen;
Doch ist er tot, geht wohl der Rest der Bande
Mit seinem Gold davon in fremde Lande.« –
»Für jeden Tropfen seines Blutes nehm'
Ich nicht, Gulnare, Stambuls Diadem!
Ja, wenn für jedes Haar jetzt eine Mine
Vom reinsten Golde bittend hier erschiene;
Wenn Alles, was Arabiens Märchen je
Von Schätzen träumten, ich vereinigt säh',
Nicht eine Stunde würd' ich drum ihm geben!
Auch würd' er wohl schon lange nicht mehr leben,
Doch meine Rache muss noch Martern wählen,
Die langsam töten und am längsten quälen.« –
»Ich such' auch deinen Zorn nicht abzukühlen;
Er ist gerecht, du darfst nicht Gnade fühlen.
Doch wünscht' ich nur, dass dein der Reichtum sei;
Selbst losgelassen, wär' er noch nicht frei:
Des Golds beraubt und seiner halben Macht,
Würd' auf dein Wort er leicht zurückgebracht.« –
»Zurückgebracht! – auf einen Tag befrein
Soll ich den Elenden, der jetzt schon mein?
Ich meinen Feind befrein? auf deine Bitten?
Mitleid'ges Herz! für seine feinen Sitten,
Dafür, dass dich er ganz allein verschont.
Wird wohl durch deine Fürsprach' er belohnt?
Er sah wohl nie, wie schön die Beute war?
Und ich soll danken, ja dich loben gar!
Doch möcht' ich etwas rathen dir zuvor,
Und deshalb schenke freundlich mir dein Ohr:
Ich traue dir nicht, Weib! – Was ich gehört,
Bestätigt nur, was Argwohn mich gelehrt.
Sag, dachtest du an keinen Fluchtversuch
Mit ihm, als durch die Flammen er dich trug?
Ich will nichts hören; auf den Wangen brennt
Die Röthe, die mir deine Schuld bekennt.
Drum, schöne Freundin, sei auf deiner Hut!
Nicht nur für ihn ist solche Vorsicht gut.
Ein Wort noch und – jedoch es ist gewiß –
Verfluchter Augenblick, als er dich riß
Aus jenen Flammen! – Besser war's – doch nein –
Du würdest dann von mir betrauert sein.
Jetzt warn' ich dich als Herr – Solch falschem Dinge
Beschneid' ich wohl die gar zu kecke Schwinge!
Ich pflege nicht mit Worten nur zu dräun, –
Nimm dich in Acht – du könntest es bereun!«

Und sich erhebend bei dem letzten Wort,
Ging zornig blickend langsam nun er fort.
Er schätzte nur gering, was Frauen tun,
Die doch auf bloßes Drohen niemals ruhn;
Wie stark Gulnarens Herz war im Empfinden,
Wie kühn im Wagen, konnt' er nie ergründen.
Sein Misstraun kränkte sie; noch unbekannt
War ihr, woraus ihr Mitgefühl entstand;
Als Sklavin fühlte sie, davon betrogen,
Zu dem Gefangenen sich hingezogen.
Nicht achtend Saids Zorn, ohn' Ueberlegen
Ging stets sie weiter auf so schlimmen Wegen,
Und trotzte – bis in ihr ein Kampf voll Schmerzen
Entstand, wie nur er tobt in Frauenherzen!

VI.
Angstvoll in schrecklicher Einförmigkeit
Verstrich für Konrad unterdes die Zeit.
Doch konnten Zweifel selbst und Todesbangen
Den Sieg nicht über seinen Stolz erlangen,
Wo doch in jeder Stunde das Signal
Zu Schlimmerm droht, als selbst des Sterbens Qual,
Wo jeder Schritt, der in dem Tor verhallte,
Als ob er ihm den Henker brächte, schallte,
Und jede Stimme, die ringsum erklang,
Vielleicht zum letzten Mal ins Ohr ihm drang.
Wenn Furcht ihn zähmen konnt', hätt' er, gebeugt,
Zum Tode nicht sich so bereit gezeigt;
Sein Geist war abgespannt – doch war's genug,
dass still er diesen schwersten Kampf ertrug.
Die heiße Schlacht, des Sturmes Heftigkeit,
Sie lassen freilich kaum zum Fürchten Zeit;
Doch einsam und gefesselt im Gefängnis,
Zu grübeln in so schrecklicher Bedrängnis,
Ins eigne Herz zu schauen, mit Geduld
Zu denken stets an unsühnbare Schuld,
Dem kommenden Geschick entgegengehn,
Und nirgends eine Hülfe zu ersehn,
Zu zählen jede Stunde bis zum Ende,
Ohn' einen Freund, der Trostesworte spende,
Der wenigstens an Andere nachher
Erzähl', ob muthig er gestorben wär', –
Rings Feinde, die des Lebens letzte Züge
Beflecken mit verleumderischer Lüge, –
Die Furcht, dass, wenn den Martern auch die Seele
Trotz biete, doch die Kraft dem Leibe fehle,
Und das Bewusstsein, dass ein einz'ger Schrei
Dem Ruhm der Tapferkeit verderblich sei; –
Dann der Gedanke an ein künft'ges Leben,
Das Tugendhafte keinem Andern geben,
Das mehr als zweifelhafte Paradies,
Und die Geliebte, die zurück er ließ: –
Dies Alles stürmte jetzt auf Konrad ein,
Und übermenschlich schien die Qual zu sein;
Jedoch er trug's; doch wie? wird Mancher fragen,
Nun, schwer genug war's schon, dass er's ertragen!

VII.
Der erste Tag verstrich – der zweite – dritte,
Und noch nicht nahten sich Gulnarens Schritte.
Jedoch, was sie versprochen, war geschehn,
Sonst hätt' er längst das Licht nicht mehr gesehn.
Es schwand der vierte Tag schon, und die Nacht
Ward finstrer noch durch wilden Sturm gemacht.
Wie freut's ihn, als das Meer er toben hörte,
Das niemals früher seinen Schlummer störte!
Er horcht, wie laut sein Element sich regt,
Und wilder wird sein wilder Sinn bewegt.
Er war's gewohnt, zu tanzen auf den Wellen,
Und ließ sich gern empor von ihnen schnellen;
Und jetzt traf ihr Gebrüll so nah sein Ohr,
Gleich eines Freundes Stimme kam's ihm vor!
Und draußen heult der Sturm, jedoch noch stärker
Von Donnerschlägen dröhnt des Thurmes Erker;
Die Blitze zucken vor den Eisengittern,
Da fühlt von wildem Mut das Herz er zittern;
Er schleppt ans Fenster seine schwere Kette
Und hofft, dass die Gefahr ihn endlich rette!
Dann fleht er, dass der Himmel ihn erhöre,
Und jenen Leib, den er erschuf, zerstöre:
Das Eisen und dies lästernde Gebet –
Es zuckt ein Blitz – sein Leben wird verschmäht –
Und schwächer wird des Donners Roll'n – es schweigt –
Ihm war's, als hätt' ein Freund sich falsch gezeigt!

VIII.
Nach Mitternacht erst hört er etwas nahn –
Dann ward es still, – doch endlich kam's heran.
Es knarrt das Schloss, als sich der Schlüssel dreht,
Und vor ihm, wie sein Herz es ahnte, steht
Gulnare, die, was sie auch sonst gesündigt,
Gleich einem Engel Rettung ihm verkündigt.
Und schön wie sonst, doch geisterhaft erblasst
War ihr Gesicht, noch wilder ihre Hast;
Ihr düstres Aug' und ihr verstörter Blick
Verkünden, eh' sie spricht, ihm sein Geschick.
»Ja, du musst sterben! Eines rettet nur,
Das fast noch schlimmer ist – dich vor Tortur.«

»Ich hoffe nichts mehr. – Was aus meinem Munde
Du schon vernahmst, gilt auch in dieser Stunde.
Warum doch willst du retten mich von Strafen,
Die, lange schon verdient, den Schuld'gen trafen?
Denn wegen vieler früherer Verbrechen
Will außerdem sich Said an mir rächen.«

»Warum ich's will? Ward ich durch dich nicht frei,
Als mehr mir drohte noch als Sklaverei?
Warum ich's will? – Macht Unglück dich so blind,
dass unverständlich dir die Frauen sind?
Und muss ich sagen, wenn sich's Herz empört,
Was, wenn es Fraun auch fühlen, niemand hört –
Was mich zu dem Verbrecher hergetrieben?
Ich fühlte Dank – dann Mitleid – musste lieben!
Antworte nicht! – nur jetzt verschone mich –
Ich lieb' umsonst, die Andre fesselt dich –
Wie groß auch ihre Lieb' und Schönheit war,
So trotz' ich mehr als sie doch der Gefahr;
Ja, wärest wirklich du so teuer ihr,
So wärst du, glich sie mir, nicht einsam hier.
Solch eine Gattin kann zu Hause bleiben,
Und ihr Gemahl muss auf dem Meere treiben!
Doch schweige jetzt, – ein schwacher Faden hält
Das Schwert, bis auf uns Beid' es niederfällt;
Hast du noch Mut, die Freiheit zu gewinnen,
So nimm den Dolch und eilen wir von hinnen!«

»Ja und in Ketten! dass mich niemand höre,
Und dass mein Schritt nur keinen Schlummer störe!
Gedachtest du nicht dieser meiner Tracht,
Und ist dies Werkzeug für den Kampf gemacht?«

»Du zweifelst noch! – Die Wache macht' ich schon
Zum Aufstand reif und gierig auf den Lohn;
Die Fessel löst ein einz'ges Wort von mir,
Wie wär' ich selbst denn ohne Beistand hier?
Ich wandte diese Tage nützlich an,
Und tat ich unrecht, ist's für dich getan.
Ist's unrecht, den Tyrannen zu verderben?
Ja, Konrad, der Verhasste muss jetzt sterben!
Du schauderst? – Doch ich selbst bin anders jetzt:
Gekränkt, verschmäht, gescholten, tief verletzt,
Und einer Schuld, die niemals ich begangen,
Bezichtigt, will ich Rache nur erlangen.
Ich war ihm treu, trotz meiner Sklaverei!
Du lächelst – damals war mein Herz noch frei;
Er hatte wenig Anlass zum Verdacht,
Doch sprach er's aus, und dieser Argwohn macht,
dass solch ein finstrer, quälender Tyrann
Mit Recht erleidet, was er selbst ersann.
Ich liebt' ihn nicht. Ich ward gekauft, – allein
Trotz seines Geldes blieb mein Herz doch mein.
Ich murrte niemals, dennoch warf der Tor,
dass ich mit dir entfliehn gewollt, mir vor.
Du weißt, wie falsch es ist; drum mag er's büßen,
Wenn seine Worte Wahrheit werden müssen.
Ja, du verdankst es auch nicht meinen Bitten,
dass du bis heute nicht den Tod erlitten;
Er wollte neue Qualen nur erdenken,
Um dich zu strafen und um mich zu kränken.
Mir selber drohte Tod, wenn ich nicht wüsste,
dass ihn zurück noch halten seine Lüste;
Doch wenn er meiner überdrüssig wär',
So wär' mein Grab der Sack und dort das Meer.
Bin ich denn nur ein Spielzeug, das gefällt,
So lang den Glanz der Neuheit es behält?
Ich sah dich – liebte dich – und war bereit,
Zu zeigen einer Sklavin Dankbarkeit.
Ja, stünde nicht mein Leben auf dem Spiele,
Würd' ich dich retten, ohne dass er fiele;
Doch er verzeiht nicht, wenn er einmal hasst.
Jetzt bin ich dein – auf Alles schon gefasst:
Du liebst mich nicht – du hältst mich gar für schlecht –
Zum ersten Male lieb' und hass' ich recht!
Ach, könntest meine Treue du erkennen,
Du würdest diese Glut nicht strafbar nennen;
Sie leuchtet uns zur Rettung – der Mainote
Erwartet uns im Hafen mit dem Boote –
Doch einen Gang zur Kammer musst du machen,
Wo Said schläft, – um nimmer zu erwachen!«

»Gulnare! Niemals hab' ich's so empfunden,
Wie schlimm mein Loos ist, wie mein Ruhm geschwunden!
Mein Feind ist Said; grausam, aber offen,
Hat seine schwere Hand mich einst getroffen,
Und deshalb hab' ich auch mein Schiff bewehrt,
Den Krieger zu bekämpfen mit dem Schwert.
Den Dolch zu brauchen, bin ich nicht gewohnt;
Den Schlaf ermordet nicht, wer Fraun verschont.
Dich hab' ich gern gerettet; lass mich glauben,
Du wolltest dies Verdienst mir jetzt nicht rauben.
Leb' wohl! – der Friede kehre bei dir ein!
Der Morgen naht – mag's denn mein letzter sein!« –

»So bleibe denn! Der erste Sonnenstrahl
Sieht deine Glieder zucken auf dem Pfahl!
Ich hörte den Befehl – ich sah – Jedoch,
Wenn du den Tod begehrst, was zaudr' ich noch?
Der Hass, die Liebe, mein zukünft'ges Loos
Steht auf dem Spiel – Korsar! ein einz'ger Stoß!
Sonst wäre Flucht vergebens; – wie entkämen
Wir der Verfolgung? Rache muss ich nehmen
Für meine schmachbedeckte Jugendzeit –
Ein Stoß nur, der auf immer uns befreit!
Jedoch wenn Mord du wen'ger liebst als Brand,
So treff' ihn eines schwachen Weibes Hand!
Mein sind die Wachen. Bald ist es vorbei –
Wir sehn uns nimmer wieder oder frei!
Fehlt meine Hand, dann mag das Morgengrauen
Dich auf dem Pfahl und mich als Leiche schauen!«

IX.
Er wollte reden, und sie war verschwunden,
Doch an den Ausgang bleibt sein Blick gebunden;
Zusammen rafft er seine Ketten dann,
Zu dämpfen ihr Geklirr, so gut er kann,
Und folgt, so rasch die Fesseln es gestatten,
Durch Türen, die jetzt keine Wächter hatten.
Im Finstern tappend, schleicht er dann entlang
Durch einen engen und gewundnen Gang,
Bis matt er schimmern sieht ein trübes Licht –
Soll diesem Schein er folgen oder nicht?
Der Zufall leitet ihn – ihm scheint's, er fühle,
dass Morgenluft die heiße Stirn ihm kühle.
Er kommt an eine offne Galerie,
Und sieht den Morgenhimmel – sieht noch, wie
Der letzte Stern verschwindet. Doch noch mehr
Reizt ihn ein Licht von einer Kammer her;
Er eilt hinzu, doch er erkennt noch immer
In jener Kammer nichts als diesen Schimmer.
Dann öffnet sich die Tür – und plötzlich tritt
Jemand daraus hervor mit heft'gem Schritt –
Sie ist's! – Doch ohne Dolch – Nichts zeigt die Tat.
»Gut, dass ihr Herz sie dran verhindert hat!«
Er sieht noch einmal hin – ihr wilder Blick
Fährt angstvoll vor dem Morgenlicht zurück;
Sie zaudert – drängt zurück das Lockenhaar,
Das über ihr Gesicht gefallen war,
Als ob sie über eine Schreckensstätte
Das schöne Haupt hinabgebogen hätte.
Sie sehn sich, – auf der Stirn – er sieht's voll Schreck –
Ließ ihre rasche Hand – s' war nur ein Fleck –
Er sieht die Farbe – schaudert, als er's tut:
Die Schuld ist klar – der kleine Fleck war Blut!

X.
Er war vertraut mit Schlachten – hatt' allein
Gegrübelt über nahe Todespein;
Er hatte der Versuchung widerstanden;
Er war, vielleicht für immer, noch in Banden;
Doch Kampf, Gewissensangst, Gefangenschaft,
Sie hatten nie mit so gewalt'ger Kraft
Sein Inneres durchschauert und erstarrt,
Als dieses rothen Males Gegenwart:
Der blut'ge Fleck, der schwache, schuld'ge Strich,
Vor dem jetzt ihre Schönheit rasch verblich!
Schon oft sah Blut – und ungerührt – er fließen,
Doch nur im Kampf, wo Männer es vergießen!

XI.
»Es ist geschehn – fast wär' er aufgewacht;
Um teuern Preis hab' ich dich freigemacht.
Wozu noch Worte? Fliehen wir jetzt schnell!
Die Barke wartet, und schon wird es hell.
Ein Teil der Wache, die jetzt völlig mein,
Wird deinen Freunden eine Hülfe sein.
Rechtfert'gen will ich dann wohl, was geschehn,
Wenn dies verhasste Land wir nicht mehr sehn.«

XII.
Sie klatschte mit den Händen; – Griechen, Mohren,
Zur Flucht gerüstet, stürzen aus den Toren.
Stillschweigend lösen sie die Fesseln wieder,
Und wie ein Vogel fühlt er frei die Glieder!
Jedoch sein Herz bedrückt jetzt eine Last,
Als hätten jene Ketten es umfasst.
Sie sprechen nicht; – sie winkt, und offen steht
Die Tür zur Treppe, die zum Hafen geht.
Die Stadt liegt hinter ihnen; schnell erreicht
Wird auch der Strand, den weißer Flugsand bleicht.
Und Konrad folgte seiner Führerin,
Und unbekümmert schritt er nun dahin,
Ob Rettung ihm bevorstand, ob Gefahr,
Da Widerstand hier so vergeblich war.
Als lebte Said noch, um an den Leiden
Des Opfers seine Augen recht zu werden.
...
 
 

Beppo, eine venetianische Geschichte

Lord Byron hat diese Geschichte geschrieben in Venedig in der Zeit des Carneval 1817. Zu diesem Gedichte, dem Vorläufer des »Don Juan«, wurde Byron angeregt durch Whistlecrafts in scherzhaften Ottaverimen abgefasstes Gedicht »König Arthurs Tafelrunde«, das er in Venedig kennen lernte. »Whistlecraft« – schreibt der Lord Byron – »ist mein unmittelbares Modell; aber Berni ist der Vater dieser Dichtungsart, die sich nach meiner Ansicht für unsere Sprache sehr wohl eignet. Es wird dies aus diesem Versuche erhellen. Wenigstens dient er dazu, zu zeigen, dass ich auch launig schreiben kann, und zugleich, um mich von dem Vorwurf der Monotonie und des manierirten Wesens zu reinigen.« [24]

Zum "Weiber-Mischmasch des Islams" (Franz Werfel) und über türkische Männer und ihre Frauen im Harem schreibt Lord Byron ganz treffend folgendes: "Sie halten sie wie Hunde (im Vertraun / Gesagt) und kaufen sie, wie wir ein Pferd; / Zwar viele sind's, doch sieht man nichts davon", verschleiert werden sie, was heute sogar in Europa erlaubt ist: "Sie bleiben stets verschleiert und bewacht / Und sehen kaum die männlichen Verwandten"; auch die Einfältigkeit der Türken zeigt sich an den Frauen: "Da Türken nicht gesprächig sind, so kannten / Die Fraun von je kein anderes Vergnügen, / Als Bäder, Liebe, Putz und Kinderkriegen / Sie wissen nichts von Lesen oder Schreiben, / Von Kritisiren oder Versemachen; / Journale, Predigten, Romane bleiben / Wie Geist und Witz für sie stets fremde Sachen, – / Die Bildung würde sie zum Aufruhr treiben!". Lord Byron schlägt daher vor, da sie ausser den ein oder anderen lügenhaften Koranvers, weder Literatur noch wahre Philosophie kennen, sie zu christianisieren: "Die armen kleinen Türkenfraun genießen / Nichts von so lehrreich liebenswürd'gen Leuten; / Sie würden als ein Wunder sie begrüßen, / Als hörten Glocken in Moscheen sie läuten. / Ich glaub', es wär' der Mühe wert, wir ließen – / Der beste Plan schlägt freilich fehl zu Zeiten – / Als Missionar solch einen Herrn hinreisen, / Im Christlichsprechen sie zu unterweisen" [25]

In Ländern, die von Türken besetzt sind, wie die Gegend um Konstantinopel und Troja, gibt es nur Moslems, Sklaven und Räuber: "Er ward dann Sklave dort und zum Salär / Bekam er Brot und Prügel" ... "Nur immerfort zu rauben auf den Meeren." [26]

Wie heute viele Türken in Europa durch Raub, Erpressung, "Enkeltrick", "Polizeitrick", Prostitution, Rauschgifthandel das Geld scheffeln und durch eigene "Banken" in die Türkei transferieren, so sind auch in den von Türken besetzten Gebieten die Türken durch Geldwäsche reich geworden: "Er und sein Geld (das, Gott weiß wie, gewonnen) / Gelangten dann an Bord mit viel Gefahr; / Durch Kühnheit war er so der Not entronnen, / ... In Korfu ließ er Alles dann verladen / Nach einem andern Fahrzeug, und er nannte / Sich einen Kaufmann, der nach den Gestaden / Des Orients Waaren aller Art versandte; / So kam er gut davon und ohne Schaden, / Sonst wär' er füsilirt von seiner Bande." Heute führt die Geldspur der Kriminellen in Europa meistens zu den Türken wie ein Beispiel zeigt: "Die Einsatzkräfte kamen kräftig ins Schwitzen. So viele Goldbarren, so große Mengen Schmuck mussten sie unter anderem bei Juwelieren in Duisburg beschlagnahmen und in streng bewachte Transportfahrzeuge wuchten. Bei der großangelegten Razzia gegen mutmaßliche Geldwäscher wurden am Dienstagmorgen Dutzende Juweliergeschäfte, Pfandhäuser und Wohnungen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Hessen, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und in den Niederlanden durchsucht. „Wir haben einen Fuß in die Tür illegaler Finanzgeschäfte bekommen“, sagt Michael Reska vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA). Die insgesamt 27 Verdächtigen sollen spätestens 2017 eine kriminelle Vereinigung gebildet haben, um die „seit Jahren etablierten, ständig verschärften Geldwäschevorschriften in Deutschland“ mit Hilfe des sogenannten Hawala-Bankings systematisch zu unterlaufen. Nach Erkenntnissen der Ermittler hat die Bande, die sich im Frühjahr in zwei Gruppen aufgespaltet hat, 212 Millionen Euro verschoben, zumeist in die Türkei." Bei der Razzia konnten Bargeld, Gold, Schmuck und Fahrzeuge im Wert von 22 Millionen Euro sichergestellt werden. Der aktuelle Hawala-Fall der Muslim-Gang bestätige die Vermutung, „dass es eine Menge an organisierter Kriminalität in Deutschland gibt, von der man noch gar nichts wusste“ und dass die Sicherheitsbehörden selbst beim Thema Hawala-Banking erst am "oberen Ende des Eisbergs" ermitteln. Mit dem System des Hawala-Bankings wurden große, zumeist illegal erworbene Vermögen am deutschen Bankwesen vorbei ins Ausland, meistens in die Türkei, transferiert, ohne dass Bargeld floss. Bei dem System, das gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz verstößt, findet keine elektronische Erfassung statt, Buchungen sind nicht nachvollziehbar, staatliche Kontrolle wird unterlaufen. Neben weiteren türkischen Verdächtigen wurde "der 50 Jahre alte türkische Besitzer einer Juwelierkette in Düsseldorf festgenommen. Seine Filialen sollen nebenher als Geldannahme-Stellen gedient haben – so wie auch mehrere Berliner Pfandhäuser, die nun ebenfalls durchsucht wurden. Mit Kleckerbeträgen gaben sich die Geldwäscher nicht ab. Sie wurden erst ab 350000 Euro aktiv.. Der tägliche Umsatz des aufgedeckten Hawala-Netzes, das von Mannheim über Berlin, Düsseldorf und das Ruhrgebiet bis Rotterdam reichte, lag zwischen 700000 und einer Million Euro. Einzahler waren nicht nur Türken", sondern auch andere Moslems wie Syrer. Nach Einschätzung der Ermittler handelte es sich beim eingezahlten Geld meist um illegal erworbenes Vermögen. "Weil der bargeldlose Vermögenstransfer überwiegend aus Richtung Deutschland in Richtung Türkei stattfand, mussten sich die Hawala-Banker einen Ausgleich einfallen lassen: Sie kauften von den enormen Einzahlsummen vor allem Gold, das sodann in den Besitz eines deutsch-türkischen Metallverarbeitungsunternehmens in Hessen überging. Durch interne Buchungen wurde die Kaufpreisforderung dem türkischen Teil des Unternehmens zugeschlagen, das dann die Barauszahlungen gewährleistete." Die türkische Piratenmentalität macht sich in Deutschland sogar in Notaufnahmen bemerkbar: " Es war gegen 3.50 Uhr am Sonntagmorgen, als eine aufgebrachte Gruppe von etwa 15 Mitgliedern eines arabischen Familienclans in die Notaufnahme der Düsseldorfer Uniklinik stürmte, ohne Rücksicht auf andere Patienten und medizinisches Personal in die Behandlungsräume vordrang und sofortige Behandlung für zwei verletzte Jungen forderte. Die beiden waren vor einem Klub aneinandergeraten. Den herbeigerufenen Polizeibeamten gelang es, die Lage in der
Notaufnahme zunächst zu beruhigen. Doch später erschienen noch einmal gut ein Dutzend Leute, die sich nach Angaben von Zeugen lautstark und einschüchternd verhielten. Sogenannte Tumultlagen sind die harmloseste Kriminalitätsform aus dem Repertoire türkisch-arabischer Großfamilien, die schon seit vielen Jahren in Berlin, Bremen, Niedersachsen und auch in Nordrhein-Westfalen ihr Unwesen treiben. Bei Clans handelt es sich um abgeschottete Parallelgesellschaften, die von archaischen Ehrvorstellungen geprägt, national und international vernetzt sind, Millionen mit Erpressung, Prostitution, Rauschgifthandel oder Geldwäsche verdienen und dabei längst wie Wirtschaftsunternehmen funktionieren." Über Jahre wurden diese türkischen Banden unterschätzt. Manche türkisch-islamischen Zuwanderer versuchen zunehmend den alteingesessenen Clans Konkurrenz zu machen. "Dabei könnte es zu schweren Auseinandersetzungen kommen, da manche der neu Zugewanderten über Kampferfahrung verfügten", also ein Agressionskrieg der Türken innerhalb Deutschlands. Allein in NRW fanden seit Mai 2018 schon 860 Razzien statt, viele davon gegen Shisha-Bars, die Kriminalisten als zentrale Orte zur Geldwäsche und zur Vorbereitung und Verdeckung von Straftaten gelten. "Bei ihren konzentrierten Einsätzen haben Polizei, Zoll und Ordnungsämter nach neuesten Zahlen des Innenministeriums mittlerweile schon 10000 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten festgestellt und 340 Haftbefehle vollstreckt." [27]
 

"Doch Einer schien vor Allen zu beharren
In einem höchst auffallenden Anstarren.
Ein Türke war's, wie Mahagoni braun,
Und Laura fühlte sich zuerst geehrt;
Denn alle Türken halten viel auf Fraun,
Obgleich man nicht viel Gutes davon hört.
Sie halten sie wie Hunde (im Vertraun
Gesagt) und kaufen sie, wie wir ein Pferd;
Zwar viele sind's, doch sieht man nichts davon,
Gesetzlich vier, und sonst à discretion.

Sie bleiben stets verschleiert und bewacht
Und sehen kaum die männlichen Verwandten;
So viel wird auch von ihnen nicht gelacht,
Wie's wohl bei Fraun geschieht in andern Landen;
Auch glaub' ich, dass dies Leben blass sie macht.
Da Türken nicht gesprächig sind, so kannten
Die Fraun von je kein anderes Vergnügen,
Als Bäder, Liebe, Putz und Kinderkriegen.

Sie wissen nichts von Lesen oder Schreiben,
Von Kritisiren oder Versemachen;
Journale, Predigten, Romane bleiben
Wie Geist und Witz für sie stets fremde Sachen, –
Die Bildung würde sie zum Aufruhr treiben!
Nein, keinen Blaustrumpf kennt man; 's ist zum Lachen,
Kein Botherby wird jemals ihnen dienen
»Mit Liedern, die soeben erst erschienen«.

Dergleichen sieht man viele; Andre wieder,
Die Welt besitzen und die Menschen kennen,
Scott, Rogers, Moore und alle bessern Brüder,
Die nicht die Feder blos handhaben können;
Doch jene Ritter von dem Gansgefieder,
Die ohne Bildung gern sich geistreich nennen,
Die lassen wir den Damen um den Teetisch,
Sie machen die Gesellschaft dort ästhetisch.

Die armen kleinen Türkenfraun genießen
Nichts von so lehrreich liebenswürd'gen Leuten;
Sie würden als ein Wunder sie begrüßen,
Als hörten Glocken in Moscheen sie läuten.
Ich glaub', es wär' der Mühe wert, wir ließen –
Der beste Plan schlägt freilich fehl zu Zeiten –
Als Missionar solch einen Herrn hinreisen,
Im Christlichsprechen sie zu unterweisen.

Sie kennen nicht die Gase der Chemie
Und keine metaphysischen Theorien;
Kein Lesecirkel liefert je für sie
Erbauungsschriften oder Poesien;
Auch wissen sie nichts von Geographie,
Besuchen niemals Bildergalerien,
Studiren nicht die Sterne nächtelang
Und keine Mathematik, Gott sei Dank!
...

Was Beppo drauf antwortete, vermag
Ich nicht zu sagen. Er war ungefähr
Gestrandet da, wo früher Troja lag;
Er ward dann Sklave dort und zum Salär
Bekam er Brot und Prügel; doch hernach
Als einst Piraten landeten, ward er
Ihr Spießgesell, und machte sich zur See
Als Renegat ein großes Renommée.

 So ward er reich, doch konnt' in seiner Brust
Er sich des Heimwehs länger nicht erwehren;
Zurück sich sehnend hatt' er keine Lust,
Nur immerfort zu rauben auf den Meeren.
Auch ward er sich der Einsamkeit bewusst,
Und dang deshalb ein Schiff, um heimzukehren, –
Es kam von Spanien mit zwölf Mann und fuhr
Nach Korfu mit Tabak auf dieser Tour.

Er und sein Geld (das, Gott weiß wie, gewonnen)
Gelangten dann an Bord mit viel Gefahr;
Durch Kühnheit war er so der Not entronnen,
Er sagte, dass Gott sein Beschützer war.
Ich sage nichts, denn ich bin nicht gesonnen,
Mit ihm zu streiten; doch das Schiff, fürwahr,
Lief gut und hielt beständig seinen Strich, –
Nur bei Cap Bon ließ sie der Wind im Stich.

In Korfu ließ er Alles dann verladen
Nach einem andern Fahrzeug, und er nannte
Sich einen Kaufmann, der nach den Gestaden
Des Orients Waaren aller Art versandte;
So kam er gut davon und ohne Schaden,
Sonst wär' er füsilirt von seiner Bande.
Dann suchte, wie sie nach Venedig kamen,
Er seine Frau, sein Haus und seinen Namen.

Laura empfing ihn gut, es taufte ihn
Der Patriarch nach Zahlung der Gebühren;
Vom Grafen wurden Kleider ihm geliehn,
Um sein Kostüm sogleich zu reformiren;
Auch seine Freunde rühmten ihn, es schien,
dass er's verstand, sie gut zu amüsiren;
Er konnte gut erzählen, – doch es war
Die Hälfte der Geschichten wohl nicht wahr.

Für Alles, was er in der Jugend litt,
Ward ihm im Alter noch Ersatz gewährt;
Wenn Laura sich auch manchmal mit ihm stritt,
So hab' ich's doch vom Grafen nie gehört.
Zu Ende geht's Papier mir, und damit
Ist die Geschichte aus – Zu lange währt
Sie schon; doch wenn den Anfang man gemacht hat,
So wird's oft länger, als man selbst gedacht hat.
 
 

Der Gjaur, ein Fragment

Ein eigenes Erlebnis des Dichters während seines Aufenthaltes zu Athen im Frühjahr 1810 gab, wie Lord Byron später seinem Freunde, dem Capitän Thomas Medwin, erzählte, die Anregung zu dieser poetischen Erzählung. Byron hatte das Glück, einer jungen Türkin, die er leidenschaftlich liebte, und an der wegen ihres Liebesverkehres mit einem Christen die Strafe des Ersäufens im ägäischen Meere vollzogen werden sollte, durch sein beherztes Eingreifen das Leben zu retten. Sie wurde zu ihren Verwandten nach Theben geschickt; »und dort starb sie,« fügt Medwin hinzu, »drei Tage nach ihrer Ankunft, an einem Fieber, – vielleicht der Liebe.«  Für das leichtere Verständnis des Ganzen sei in der Kürze bemerkt, dass als Erzähler der Geschichte jener Fischer zu denken ist, der aus Furcht vor den mainotischen Seeräubern, welche die Küste Attika's unsicher machen, Abends mit seinem Nachen in den Hafen von Port Leone (dem alten Piräus) einläuft, und Augenzeuge der meisten, von ihm geschilderten Ereignisse gewesen ist. Nach der lebhaften Schilderung des gespenstischen Reiters, der zuerst seine Neugierde erweckt hat, unterbricht er plötzlich den Fluss seiner Erzählung, um Verwünschungen auf das Haupt des Gjauren (Ungläubigen) zu häufen, die Verödung des einst so prächtigen Harems zu schildern, und den jähen Tod des Besitzers Hassan und seiner Sklavin Leila zu beklagen. Er enthüllt dadurch gleichsam unabsichtlich die Katastrophe, und erregt das Mitgefühl seiner Hörer, ohne die erwartungsvolle Spannung derselben zu vermindern. Mit dem Tode Hassan's und den Betrachtungen, welche sich demselben anschließen, ist die Erzählung des Fischers zu Ende. Der Rest bildet gewissermaßen einen zweiten Gesang. [28]

Wo Türken mit ihrer "Gier und Raubsucht , mordentbrannt, / Durchtoben wild das schöne Land" und sich breit machen, ist das Land durch Dämonen "verpestet" (Ariosto); Kirchen werden in Moscheen verwandelt, der Wüsten- und "Höllensohn" Mohammed "Sich setzte auf den Himmelsthron / So sanft und hehr der Gegend Pracht, / So fluchwert der Tyrannen Macht!" [29]

Die Besetzung Griechenlands durch die Türken hat auch bei den Griechen tiefe Spuren hinterlassen, wie auch Hölderlin festgestellt hatte. "Zum Grabe kriecht jetzt dies Geschlecht / Als Sklav, – ja, als des Sklaven Knecht." Athen ist das Eigentum des Kislar-Aga (Sklave des Serails und Hüter der Frauen), welcher den Woywoden ernennt. "Ein Kuppler und Eunuch beherrscht jetzt den Herrscher von Athen!" (Lord Byron) [30]

Griechische Freiheitskämpfer wurden von den Türken verfolgt wie auch Christen in der heutigen Türkei: "Flogst meteorgleich du durch's Land; / Doch warst du Einer, wie mir schien, / Den Moslems töten oder fliehn." [31]

In dem von Moslem-Türken verpesteten Griechenland hört man nur noch Muezzine, statt christliche werden muslimische Feste gefeiert: "Die Ampeln der Moschee noch flimmern; / Und trägt auch nicht der Wiederhall / Bis hieher der Tupheken Knall, / Gibt doch der Blitz aus jedem Schlund / Der Moslems frommen Eifer kund. / Heut Abend schloss der Ramasan, / Das Beiramsfest hob heute an." »Tupheke« = Muskete. "Der Beiram wird bei Sonnenuntergang durch Kanonensalven angekündigt; die Erleuchtung der Moscheen und das Feuern aus allerlei kleinen Gewehren, die mit Kugeln geladen sind, geben ihn während der Nacht bekannt... Ein Kanonenschuss bei Sonnenuntergang schließt den Ramasan" (Lord Byron) [32]

Zu: "Schnell, wie des Dscherids Wurfgeschoss" schreibt Lord Byron: "Dscherid, ein stumpfer türkischer Wurfspieß, der mit großer Kraft und Gewandtheit vom Pferde herabgeschleudert wird. Es ist dies eine Lieblingsübung der Muselmänner; ob sie jedoch eine männliche genannt werden kann, weiß ich nicht, da die schwarzen Eunuchen Konstantinopels die Geschicktesten in dieser Kunst sind. Nächst ihnen war, meiner Ansicht nach, ein Mameluk in Smyrna der Gewandteste, welcher mir vor Augen kam." [33]

Wo der Pesthauch der Türken aus dem "Unheilsreich" hinweht, wächst kein Gras mehr: "Dem Boten aus dem Unheilsreich, / Vor dessen Hauch, der sengend weht, / Selbst der Cypresse Laub vergeht" [34]

Selbst Derwische, die als besonders extremistische Moslems gelten, haben hier ihre Zelte aufgeschlagen: "Und langsam nur frisst überall / Krebsartig weiter der Verfall. / Doch schaurig Dunkel webt am Tor, / Der Fakir selbst hält nicht davor, / Noch weilt der Derwisch hier als Gast, / Denn Milde würzt ihm nicht die Rast, / Und Keiner wird ihm dort begegnen, / ... Sein Dach, so wirthlich Jedem offen, / Hat der Verödung Fluch getroffen. / Der Gast flieht die Halle, die Arbeit der Knecht, /
Seit der Gjaur ihm den Turban zerspliss im Gefecht!" [35]

Es wimmelt von Moslems, "beturbant" und bis an die Zähne bewaffnet: "Sie nahn, – beturbant jeder Mann, / Von Silber blitzt der Ataghan; / Den ersten hat die grüne Tracht / Als Emir kenntlich mir gemacht." Lord Byron schreibt: Der Ataghan ist, "ein langer Dolch, den man nebst den Pistolen im Gürtel trägt, und zwar in einer metallenen Scheide, die gewöhnlich von Silber und bei Reicheren vergoldet oder von Gold ist. Grün ist die privilegirte Farbe der zahlreichen angeblichen Nachkommen des Propheten. Bei ihnen wird, wie hier, vorausgesetzt, dass der Glaube (ihr Familienerbteil) die Notwendigkeit guter Werke aufhebe; sie sind die Schlechtesten eines höchst unbedeutenden Gezüchts." [36]

Frauen werden von Türken im Harem wie Pferde behandelt, weshalb sie oft versuchen zu fliehen: "Denn in georg'scher Pagentracht / Entfloh sie des Gebieters Macht, / Und höhnt des Moslems Grimm und Harm, / Dem ehrvergessnen Gjaur im Arm." [37]

Zu: "Wenn mich Al-Sirat's Bogen tragen"  schreibt Lord Byron: "Al-Sirat, die Brücke, welche schmäler als der Faden einer ausgehungerten Spinne und schärfer als die Schneide eines Schwertes ist, und über welche die Muselmänner ins Paradies hinüberglitschen müssen, da sie den einzigen Eingang zu demselben bildet. Aber das ist noch nicht das Schlimmste; denn der Fluss darunter ist die Hölle, in welche, wie zu erwarten steht, die Ungeschickten und Zartfüßigen mit einem » facilis descensus Averni« hinabtaumeln, nicht eben die erfreulichste Aussicht für den nächsten Passagier." Nach Dante schmoren Moslems ohnehin im tiefsten Schlund der Hölle der Hölle  [38]

Den Moslems, den Muftis, insbesondere den Türken, gelten Frauen nichts: "Das Weib sei Staub, ein seelenlos / Werkzeug für herrische Lüste blos." Dazu Lord Byron: "Ein gewöhnlicher Irrtum; der Koran erkennt Frauen, die sich gut aufgeführt haben, doch wenigstens ein Dritteil des Paradieses zu; aber bei Weitem die Mehrzahl der Muselmänner deutet den Text nach eigenem Gefallen und schließt ihre Ehehälfte ganz vom Himmel aus. Als Gegner der Platoniker vermögen sie in den Seelen des andern Geschlechtes keine »geistige Tüchtigkeit« zu finden und meinen, selbige würden durch die Houris ersetzt werden." [39]

Zu "Lykeri's Höh' –  Lykeri oder Liakura ist der alte der alte Parnaß [40]

»Bismillah!« (im Namen Gottes!) ist der Anfang fast aller Kapitel des Korans, sowie der muslimischen Schau-Gebete und Kampfruf der Türken und Dschihadisten, die ohne »Aman!« (Gnade, Pardon) in den Kampf gegen Christen ziehen. [41]

Die Anrufungen Allahs und Mohammeds helfen den Moslems oder Türken ("Schurkenherz") eigentlich nie, die Dinge nehmen auch ohne "Mahmud" ihren Lauf; nur christlicher Geist kann die Dinge zum Guten wenden: "Ihr Geist hat gut den Stahl gelenkt, / Den ich ins Schurkenherz gesenkt. / Er rief zu Mahmud, dessen Hand / Des Gjauren Zorn nicht abgewandt; / Zu Allah rief er, doch sein Wort / Flog unerhört im Winde fort. / Du türkischer Narr!" [42]

Der Kalpak ist die starke Kappe oder der mittlere Teil der Kopfbedeckung; der darum gewundene Shawl bildet den Turban: "Weh! Hassan's Turban ist's, vom Hieb zerspalten! / Sein Kalpak klafft, sein Tuch ist rot"  [43]

Der Turban, die Säule und der darauf eingegrabene Trauervers zieren die Gräber der Osmanlis auf dem Moscheehof wie in der Wildnis. Im Gebirge kommt man oft an solchen Denksteinen vorüber, und erfährt auf Befragen, dass sie an irgend ein Opfer des Aufruhrs, des Raubes oder der Rache erinnern: "Ein Turban, roh aus Stein gemetzt, / Und, unkrautüberwuchert jetzt, / Die Säule, drauf mit Mühe man / Den Koranspruch noch lesen kann." [44]

Wenn Moslems z.B. Christen abschlachten, in ihrem Heldenmut wehrlose Großmütter besiegen, winken ihnen "Paradiesesmädchen" zu, wie in einem Schlachtgesange der Türken entlehnt ist: »Ich seh', ich seh' ein dunkeläugiges Mädchen des Paradieses, und sie winkt mit einem Tuche, mit einem grünen Tuche, und ruft laut: Komm, küsse mich, denn ich liebe dich, etc.« [45]

Kalojer, Kaloger, Kaluger oder Kaludscher ist ein griechischer Mönch. "Wie nennt Ihr den Kalojer da?" [46]

Fatalistische Derwische sind wie viele Moslems, abergläubisch; die ständigen Allah-Rufe nutzen ihnen aber wenig: "Ein Ruf zu Mahomed, ein Schrei / Zu Allah, und es war vorbei. / Er sah mich, und ihn traf mein Schlag" [47]

Lord Byron schreibt zu: "Dies Bruchstück, wirr und halb verloren,  Ist Alles –" : Der Vorfall, auf den sich obige Erzählung bezieht, war eben nicht ungewöhnlich in der Türkei. "Vor wenigen Jahren klagte die Gemahlin des Muchtar Pascha bei dessen Vater über die Untreue seines Sohnes; er erkundigte sich nach der Mitschuldigen, und sie war so grausam, eine Namensliste der zwölf schönsten Frauen von Janina einzureichen. Sie wurden ergriffen, in Säcke geschnürt und noch selbige Nacht im See ertränkt! Einer von der Wache, welcher zugegen gewesen, erzählte mir, auch nicht eines der Opfer habe einen Schrei ausgestoßen oder ein Zeichen des Schreckens verraten bei einer so plötzlichen »Trennung von Allem, was wir kennen; von Allem, was wir lieben«. Das Schicksal Phrosine's, der Schönsten unter den Hingeopferten, ist der Gegenstand manches romaischen und arnautischen Liedes. Die von mir behandelte Geschichte erzählte man vor vielen Jahren von einem jungen Venetianer, und sie ist jetzt beinahe vergessen. Ich hörte sie zufällig von einem Kaffeehaus-Erzähler vortragen, deren so viele in der Levante ihre Geschichten vorsingen oder recitiren. Die Zusätze und Einschiebsel des Uebersetzers wird man durch den Mangel an orientalischen Bildern leicht von dem Uebrigen unterscheiden, und ich bedauere, dass mein Gedächtniß so wenige Bruchstücke des Originals behalten hat.... Die Erzählung, welche in diesen abgerissenen Bruchstücken enthalten ist, gründet sich auf Zustände, die jetzt im Orient minder gewöhnlich als früher sind; entweder weil die Damen vorsichtiger geworden sind als in »alter Zeit«, oder weil die Christen mehr Glück haben oder weniger Unternehmungsgeist. Die vollständige Geschichte enthielt die Abenteuer einer Sklavin, die wegen Untreue nach muselmännischer Sitte ins Meer geworfen und von einem jungen Venetianer, ihrem Geliebten, gerächt wurde, zu der Zeit, als die Republik Venedig die sieben Inseln in Besitz hatte, und bald nach Vertreibung der Arnauten aus Morea, das sie nicht lange nach der russischen Invasion verheert hatten. Der Abfall der Mainoten, denen man die Plünderung von Misitra nicht gestatten wollte, führte das Aufgeben dieser Unternehmung und die Verwüstung von Morea herbei, während welcher überall Grausamkeiten verübt wurden, die selbst in den Annalen der Rechtgläubigen ohne Beispiel sind." "  [48]

...
Seltsam, – dass, wo sonst Alles Frieden,
Der Leidenschaft das Reich beschieden,
Und Gier und Raubsucht, mordentbrannt,
Durchtoben wild das schöne Land.
Es ist, als ob Dämonen kriegten
Mit Seraphim, und sie besiegten,
Und jeder freche Höllensohn
Sich setzte auf den Himmelsthron;
So sanft und hehr der Gegend Pracht,
So fluchwert der Tyrannen Macht!
...
Du Land der Helden sonder Zahl,
Dereinst vom Berge bis zum Tal
Der Freiheit Heim, des Ruhmes Mal!
Altar der Größe, blieb von dir
Denn Nichts als dies mehr übrig hier?
Tritt her, du Sklave, feig, gemein!
Sprich, sind nicht dies die Thermopylen?
Die Wogen, die dein Land umspülen –
Sag an, du knecht'scher Spross der Frei'n –
Welch Meer und welcher Strand ist dies?
Der Golf, der Fels von Salamis!
Den Schauplatz stolzer Heldenlieder –
Steh auf! mach ihn dein Eigen wieder!
Den Funken schüre neu zur Glut,
Der in der Väter Asche ruht!
Und wer im Kampf verströmt sein Blut,
Des Name wird, mit Ruhm bedeckt,
Ein Mahnruf, der Despoten schreckt,
Und noch der Enkel lernt durch ihn,
Den Tod der Schande vorzuziehn;
Denn wisst: der Freiheit heil'ge Schlacht,
Vom Vater auf den Sohn vermacht,
Wird endlich stets zum Sieg gebracht.
Bezeug es, Hellas, dessen Ruhm
Fortdauert manch ein Säkulum!
Verschollner Kön'ge Denkmal blos
Sind Pyramiden, namenlos;
Doch deinen Helden – ob die Zeit
Auch ihrer Gräber Schmuck entweiht –
Blieb noch ein Denkmal, hehr und schön,
In ihrer Heimat Bergeshöhn!
Dort zeigt die Muse heut der Welt
Noch ihr Gedächtnis, ruhmerhellt!
O, lang und trüb wär's zu erkunden,
Wie solcher Glanz zu Schmach geschwunden;
Genug, – durch keinen Fremdling starb
Dein Geist, bis er sich selbst verdarb;
Ja, Selbsterniedrung schlug die Brücke
Für Sklavenfrohn und Zwingherrntücke.

Was klingt uns heut an deinem Strand?
Kein Lied, das deine Vorzeit preist,
Kein Stoff, der hoch, wie ehmals, spannt
Der Muse Flug, als noch dein Land
An edlen Männern nicht verwaist.
Die Herzen, deiner Flur entstammt,
Die Feuerseelen, ach! entflammt
Kein stolzer Tatengeist;
Zum Grabe kriecht jetzt dies Geschlecht
Als Sklav, – ja, als des Sklaven Knecht,
Nur zum Verbrechen dreist;
Von jedes Lasters Gift befleckt,
Das tierischwilde Lüste weckt;
Sogar der rohen Tugend baar,
Kein tapfres Herz in ihrer Schaar –
So treiben sie, im Täuschen klug,
Sprichwörtlich alten Lug und Trug;
Denn darin ist der Grieche fein,
Dies ist sein Ruhm, und dies allein.
Vergebens riefe Freiheit an
Den Geist, der lieb sein Joch gewann,
Zu brechen seiner Knechtschaft Bann.
Mag denn ihr Leid nicht mehr mich quälen!
Ein traurig Stück laßt mich erzählen;
Und glaubt mir: der's zuerst vernahm,
Der hatte Grund zu bitterm Gram.

Misstrauisch auf den Felsen ruht,
Die schwarz sich spiegeln in der Flut,
Des Fischers Auge, wie auf Booten
Der Riffpiraten und Mainoten.
Besorgt um seinen Nachen, sucht
Er Rast nicht in der nahen Bucht;
Ob ihn die Arbeit müd gemacht,
Und schwer auch wiegt die schuppige Fracht,
Fort rudert er mit fester Hand,
Bis Port Leone's sichrer Strand
Ihn aufnimmt bei dem holden Licht,
Das hehr des Ostens Nacht durchbricht.

Wer kommt auf schwarzem Ross gesprengt,
Donnernden Hufs, den Zaum verhängt?
Rings weckt der Eisen Klapperschall
Der Höhlenechos Wiederhall,
Die weiter tragen Prall auf Prall;
Des Renners Flanke trieft von Schaum,
Weiß wie der Gischt am Meeressaum.
Ruht friedlich auch der Wellen Schooß,
Des Reiters Brust ist friedelos;
Und dräut ein Sturm auch uferwärts,
Mehr, junger Gjaur, stürmt dir das Herz!
Fluch deinem Stamm! dich kenn' ich nicht,
Doch aus dem finstern Angesicht
Ein starrer Zug des Leidens spricht;
Die junge Stirn ist bleich und fahl,
Versengt von wilder Gluten Strahl;
Erdwärts den bösen Blick gewandt,
Flogst meteorgleich du durch's Land;
Doch warst du Einer, wie mir schien,
Den Moslems töten oder fliehn.

Fort saust' er, fort, in tollem Ritt,
Verwundert flog mein Auge mit.
Ob wie ein Dämon er am Strand
Vorüber huschte und verschwand,
Ließ doch sein Aussehn und sein Blick
Ein Bild des Grausens mir zurück,
Und lange scholl noch dumpf und schwer
Des Rappen Hufschlag zu mir her.
Er spornt sein Ross, – er kommt gesprengt
Zum Riff, das über'm Wasser hängt;
Er wendet um – er schießt hinab,
Vom Felsen hebt sein Bild sich ab;
Mit Unlust, dünkt mich, sieht er nur
Das Auge folgen seiner Spur,
Und jedes Sternes bleiches Licht
Scheint noch zu hell ihm ins Gesicht.
Er wandte sich, – doch einen Blick,
Den letzten, warf er noch zurück,
Noch einmal hielt des Hengstes Lauf
Er an, noch einmal blickt' er auf,
Noch einmal hob er sich im Bügel –
Was späht er zum Olivenhügel?
Den Halbmond sieht man drüber schimmern,
Die Ampeln der Moschee noch flimmern;
Und trägt auch nicht der Wiederhall
Bis hieher der Tupheken Knall,
Gibt doch der Blitz aus jedem Schlund
Der Moslems frommen Eifer kund.
Heut Abend schloss der Ramasan,
Das Beiramsfest hob heute an,
Heut Abend – aber wer bist du,
In fremder Tracht, ohn' Rast und Ruh'?
Was kümmert dich, was du hier siehst,
dass du verweilest oder fliehst?

Er hielt; – erst schien er furchtdurchbebt,
Bald aber ganz von Hass belebt;
Nicht, wie entflammt von hast'ger Wut,
Schoss in das Antlitz ihm die Glut, –
Bleich war's, von geisterhaftem Schein,
Wie auf der Gruft der Marmorstein.
Starr war sein Blick, die Stirn gesenkt,
Der Arm hoch in die Luft geschwenkt,
Geballt die Faust, als wüsst' er nicht,
Ob Flucht ihm oder Rückkehr Pflicht.
Doch zornig wiehert, dass sein Lauf
Gehemmt, der Rappe plötzlich auf, –
Da fährt die Hand zum Säbelknauf.
Der Ton hat ihn vom Traum geweckt,
Wie Eulenschrei den Schläfer schreckt.
Er spornt sein Tier, des Flanken beben, –
Nur fort, nur fort auf Tod und Leben!
Schnell, wie des Dscherids Wurfgeschoss,
Schwebt hoch empor das schwarze Ross, –
Hinab dann von der Felsenwand, –
Vom Hufschlag dröhnt nicht mehr der Strand,
Nicht mehr ist im Geklüft zu sehn
Des Christenhelmes trotzig Wehn.
Nur zwei Sekunden hielt er auf
Des Berberrosses stürm'schen Lauf;
Nur zwei Sekunden, und ins Tal
Schoss er hinab, wie Wetterstrahl.
Doch in dem Augenblicke schien
Erinnrung zu durchschaudern ihn,
Anschwellend diesen Tropfen Zeit
Zu einem Meer von Schuld und Leid.
Drückt solch ein Nu wie Jahreslast
Schon den, der fürchtet, liebt und hasst:
Was fühlt dann er, dem all die Qual
Durchtobt die Brust mit einem Mal?
Wer wägt die Pause, schwer und bang,
Drin er mit seinem Schicksal rang?
Ein Nichts beinah im Buch der Zeit,
Doch für die Seele Ewigkeit!
Endlos, dem Raum gleich ohne Schranken,
Sind des Gewissens Qualgedanken,
Voll Weh, das, wie's auch zehrt und brennt,
Nicht Namen, Hoffnung, Ende kennt.

Die Stunde schwand, der Gjaur ist weit;
Floh er allein? fiel er im Streit? –
Der Stunde weh, da er genaht,
Und, rächend Hassan's sünd'ge Tat,
Warf in sein Schloss des Fluches Saat!
Er kam, er ging, dem Samum gleich,
Dem Boten aus dem Unheilsreich,
Vor dessen Hauch, der sengend weht,
Selbst der Cypresse Laub vergeht,
Das trüb den Schmerz der Andern überdauert,
Und einzig treu am Grab der Toten trauert!
...
Er sagt' uns: »Alle sind hier doch
Nicht tot, es blieb ein Leben noch.«
Denn manches Prunkgemach lädt ein,
Sich nicht der Einsamkeit zu weihn,
Und langsam nur frisst überall
Krebsartig weiter der Verfall.
Doch schaurig Dunkel webt am Tor,
Der Fakir selbst hält nicht davor,
Noch weilt der Derwisch hier als Gast,
Denn Milde würzt ihm nicht die Rast,
Und Keiner wird ihm dort begegnen,
...
Sein Dach, so wirthlich Jedem offen,
Hat der Verödung Fluch getroffen.
Der Gast flieht die Halle, die Arbeit der Knecht,
Seit der Gjaur ihm den Turban zerspliß im Gefecht!

Ich höre dumpfer Tritte Schall,
Doch keiner Stimme Wiederhall;
Sie nahn, – beturbant jeder Mann,
Von Silber blitzt der Ataghan;
Den ersten hat die grüne Tracht
Als Emir kenntlich mir gemacht.
...
Nicht mehr ergötzt im Haremssaal
Sich Hassan an der Schönheit Strahl;
Er pflegt der ungewohnten Jagd,
Doch nicht von Jägerlust entfacht.
Nie ist er so davongeeilt,
Als Leila sein Serail getheilt.
Ist Leila fern denn? mögt ihr fragen, –
Das könnte Hassan selbst nur sagen.
Seltsame Mären gehn im Ort:
Sie floh an jenem Abend fort,
Wo Ramasan zu Ende geht,
Und hell auf jedem Minaret
Millionen Lampen sich entzünden,
Das Beiramsfest im Ost zu künden.
Es hieß, man sah zum Bad sie gehn,
Doch war vergebens Hassan's Spähn;
Denn in georg'scher Pagentracht
Entfloh sie des Gebieters Macht,
Und höhnt des Moslems Grimm und Harm,
Dem ehrvergessnen Gjaur im Arm.
Wohl schöpfte Hassan schon Verrat;
Doch da sie lieb und zärtlich tat,
Vertraut' er noch der Heuchlerin,
Ob Tod verdient ihr falscher Sinn,
Und ging in die Moschee am Abend,
Dann in den Kjosk, am Mahl sich labend.
So sagten seine Nubier aus,
Die nicht zu wohl bewacht das Haus;
Doch Andre sagen, dass beim Schein
Phingari's jene Nacht allein
Der Gjaur auf seinem schwarzen Ross
Dahin am Uferrande schoss,
Mit Blut bedeckt des Rappen Bug,
Der weder Maid noch Pagen trug.

Es kann kein Bild von allen Bildern
Des dunklen Auges Liebreiz schildern;
Nur im Gazellenauge ruht
Vielleicht noch solche feuchte Glut,
So tief, so schmachtend, – doch die Seele
Schien strahlend, gleich dem Prachtjuwele
Dschamschid's, mit süßer Zaubermacht
Hervor aus schwarzer Wimpern Nacht.
Ja, Seele, spräch' auch der Prophet:
»Der Leib ist Staub, drin Odem weht«,
Bei Allah! Nein würd' ich noch sagen,
Wenn mich Al-Sirat's Bogen tragen,
Die über Feuersflut geschlagen,
Wenn schon das Paradies mir blinkte,
Und jede Houri lächelnd winkte.
Wer konnt' in Leila's Augen sehn,
Und auf dem Glauben noch bestehn,
Das Weib sei Staub, ein seelenlos
Spielzeug für herrische Lüste blos?
Selbst Muftis hätten wohl bekannt,
dass drin ein ewig Licht gebrannt.
Den holden Wangen, zart und rein,
Schien der Granatenblüthen Schein
All seinen duft'gen Hauch zu leihn.
Ihr hyazinthenfarbnes Haar
Floss nieder, wenn's entfesselt war,
Und sie die Dienerinnen alle
Weit überstrahlte in der Halle,
Zum Marmorestrich, wo der Tritt
Der Elfenfüßchen lautlos glitt,
Die weißer als der Schnee geblinkt,
Bevor er noch zur Erde sinkt.
Stolz streicht der Schwan durch Wogen hin,
So schritt auch die Cirkassierin,
Das schönste Kind von Frangistan!
Wie das Gefieder sträubt der Schwan,
Und hinrauscht durch der Fluten Schaum,
Wenn eines Fremdlings Schritte nahn
Des stillen Teiches Ufersaum:
So hob sich Leila's weißerer Nacken;
Vor ihrer Schönheit Wehr entwich
Der Tor, den Angst und Ehrfurcht packen
Vor Reizen, die er frech beschlich.
So hehr erschien sie allerwärts,
So süß am Trauten hing ihr Herz.
Am Trauten? – nannt' er Hassan sich?
Der Name, weh! galt nicht für dich!

Zu einer Reise zog von Haus
Mit zwanzig Treuen Hassan aus,
Bewaffnet Jeder, Mann für Mann,
Mit Büchse und mit Ataghan.
Der Führer ritt voran der Schaar;
Am Wehrgehäng den Scimitar,
Den schon Arnautenblut genetzt,
Als der Rebell den Pass besetzt,
Und Wen'ge kehrten, um zu künden
Vom Kampf in Parne's Felsengründen.
Ein Pascha trug vor manchem Jahr
Im Gürtel dies Pistolenpaar,
Das, ob auch gold- und steingeschmückt,
Der Räuber zitternd nur erblickt.
Er zog zu einer Braut, wie's hieß,
Die treuer, als die ihn verließ,
Die Sklavin, die – o schlimmste Schmach!
Für einen Gjaur den Käfig brach.

Vom Hügel blinkt der letzte Strahl
Der Sonne auf den Quell im Tal,
Des klare Flut, die murmelnd fließt,
Der Bergbewohner segnend grüßt.
Der griechische Kaufmann findet hier
Die Rast wohl, die im Stadtrevier
Ihm selten winkt, wo gier'ge Hand
Nach seinen Schätzen stets entbrannt; –
Hier ruh' er, wo kein Blick ihn traf,
In Wüsten frei, am Markt ein Sklav,
Und schlürfe den verbotnen Wein,
Den Osman's treue Söhne scheun.

Der vorderste Tartar durchsucht,
Gelbmütz'gen Hauptes, schon die Schlucht;
Die Andern reiten, Mann für Mann,
Den langen Hohlweg still hinan.
Hoch auf dem Bergesgipfel wetzt
Der Geier seinen Schnabel jetzt –
Ihm wird zu Teil ein leckres Mahl
Noch vor dem nächsten Morgenstrahl;
Ein Gießbach drunten, dessen Flut
Versiegte vor der Sommerglut,
Und dessen kahle Rinne heut
Nur ärmliches Gebüsch bestreut;
Zur Seite hingeschleudert, hängt
Manch graues Felsstück, abgesprengt
Durch Zeitenmacht und Bergesblitze
Von ewig nebeldunkler Spitze;
Denn wer hat anders je geschaut
Lykeri's Höh', als dunstumbraut?

Den Fichtenhain erreicht die Schaar:
»Bismillah! aus ist die Gefahr!
Gleich spornen wir auf offnem Plan
Zu schnellerm Trab die Rosse an.«
Der Tschiaus spricht's – da plötzlich fegt
Ein tödtlich Blei heran – es schlägt
Der vorderste Tartar zur Erde!
Die Reiter hemmen rasch den Lauf
Der Renner, Jeder springt vom Pferde –
Drei steigen niemals wieder auf,
Und unsichtbarer Feinde Hauf
Verwehrt, dass ihnen Rache werde.
Das Schwert gezückt, den Hahn gespannt,
Gelehnt am Sattel Mancher stand,
Vom Rosse halb geschützt;
Manch Andrer hinter Felsen sucht
Sich Deckung vor der Speere Wucht,
Denn wehrlos nicht verspritzt
Er gern sein Blut, wo ringsum Tod
Aus sicherm Hinterhalte droht.
Nur Hassan nicht verlässt sein Ross,
Er saust dahin in toller Eile,
Bis Flintenblitze, Lanzenpfeile
Ihm künden, dass der Räubertross
Zu früh den Ausgangspaß gewann,
Als dass der Fang misslingen kann.
Da sträubt sich ihm der Bart vor Wut,
Sein Auge flammt in wilder Glut:
»Ob fern und nah die Kugel zischt,
Ich bin schon blut'germ Kampf entwischt!«
Und jetzt bricht aus dem Felsentor
Auf seine Schaar der Feind hervor;
Doch Hassan's Grimm erschreckt sie mehr,
Als Feindeskugel, Feindesspeer,
Und von den Treuen streckt kein Mann
Die Büchse noch den Ataghan,
Noch schreit er jemals feig: »Aman!«
Und nah und näher dringen schon
Die Feinde, dem Versteck entflohn,
Und aus dem Haine sprengt ein Tross
Herbei von Kämpfern, hoch zu Ross.
Wer führt sie an, mit fremdem Schwert
Die rote rechte Hand bewehrt?
»Er ist's! er ist's! Ich kenn' ihn wohl
An seinen Wangen, bleich und hohl;
Ich kenn' ihn an dem bösen Blick,
Dem er verdankt sein falsches Glück;
Ich kenn' am Ross ihn, schwarz wie Nacht!
Trägt er auch jetzt arnaut'sche Tracht,
Abtrünnig seinem schlechten Glauben,
Nichts soll mir jetzt die Rache rauben!
Er ist's! er ist es, – Leila's Wahl!
Verfluchter Gjaur! fühl meinen Stahl!«

Wie in das Meer die raschen Wellen
Mit dunkler Strömung wälzt der Fluss;
Und wie der Meerflut Gegenschwellen
In blauen Wogen, stolzen, hellen,
Den Strom zurücktreibt Fuß um Fuß
In schaumaufwirbelndem Erguss,
Indes, vom Wintersturm erregt,
Hochauf die Brandungswelle schlägt,
Und durch den Gischt mit Donnerschall
Der blitzenden Meeresfluten Schwall
Gespenstisch weiß zum Ufer strebt,
Das unter dem Gebrüll erbebt:
So – wie sich Strom und Meeresflut
Begegnen, toll vor Kampfeswut –
So treffen Schaar und Schaar zusammen,
Die Rache, Wut und Hass entflammen.
Der blitzenden Säbel wildes Klirren;
Und fern und nah, im Wiederhall
Nachtönend schrill, der Büchsen Knall,
Der Flintenkugeln tödlich Schwirren;
Geschrei, Gestöhn und Waffenklang
Erschallt das stille Tal entlang,
Statt Hirtenlied und Vogelsang.
So klein die Zahl, – sie kämpft ergrimmt,
Und Keiner Gnade gibt noch nimmt.
Ach! zärtlich können Herz und Wangen,
In Liebe kosend, sich umfangen,
Und glühend Lipp' an Lippe hangen;
Doch Liebe selbst, wenn sie begehrt,
Was Schönheit seufzend nur gewährt,
Fühlt nicht die Glut, drin Hass entlodert,
Wenn er des Feinds Umarmung fodert,
Wenn Leib und Leib sich wild umfassen,
Die nie mehr von einander lassen:
Freundschaft vergeht, Liebe verloht –
Todfeinde trennt allein der Tod!

Den Säbel bis zum Griff zerspellt,
Von Blut noch triefend, – dennoch hält
Krampfhaft die abgehaune Hand
Das ungetreue Schwert umspannt;
Den Turban hinter ihm, zerrissen,
Grad in der Mitte durchgesplissen;
Sein Kleid zerfetzt von manchem Streich,
Und rot, den Morgenwolken gleich,
Die, purpurfarb gestreift, den Gründen
Sturmwetter für den Abend künden;
Blutig die Fetzen, die verlor
An Busch und Strauch sein Palampor;
Die Brust von Wunden rings versehrt,
Gen Himmel sein Gesicht gekehrt,
Liegt Hassan da – sein stierer Blick
Starrt nach dem Feinde noch zurück,
Als ob sein Hass, der düster webt,
Die Todesstunde überlebt;
Und düstrer noch, mit finstrem Sinn,
Beugt über ihn der Feind sich hin.

»Ja, Leila schläft in tiefer Flut,
Ihm aber ward ein Grab voll Blut;
Ihr Geist hat gut den Stahl gelenkt,
Den ich ins Schurkenherz gesenkt.
Er rief zu Mahmud, dessen Hand
Des Gjauren Zorn nicht abgewandt;
Zu Allah rief er, doch sein Wort
Flog unerhört im Winde fort.
Du türkischer Narr! war Leila's Flehn
Umsonst, wie konnte deins bestehn?
Ich traf die Zeit, ich warb die Kühnen,
Dein ruchlos Frevelwerk zu sühnen;
Es ist geschehn, die Tat war mein,
Jetzt geh' ich – doch ich geh' allein.«

Die Glöckchen der Kameele klingen;
Vom Söller seine Mutter schaut.
Sie sieht im Abendwind sich schwingen
Der Weide Riedgras, hell betaut;
Hervor schon einzle Sterne dringen:
»Gewiss, er naht – die Dämmrung graut!«
Es lässt keine Rast ihr in Garten und Haus,
Sie späht durch das Gitter des Turmes hinaus:
»Was säumt er? Seiner Rosse Mut
Scheut sonst doch nicht des Sommers Glut;
Was schickt mir der Bräut'gam die Gabe nicht zu?
Ward kälter sein Herz? braucht sein Renner der Ruh?
Nein, eitler Vorwurf! den Tartar
Nehm' ich schon auf dem Hügel wahr;
Behutsam von dem Felsgestein
Lenkt er sein Roß in's Tal hinein;
Und die Gabe hängt an dem Satteljoch –
Was schalt sein Roß ich langsam doch?
Reich lohn' ich ihm bei seinem Nahn
Den schnellen Ritt auf schwerer Bahn.«

Vom Pferd stieg der Tartar am Tor,
Kaum hielt er mühsam sich empor;
Sein Antlitz trug der Schmerzen Spur,
Doch war's gewiss Ermattung nur;
Mit Blut war sein Gewand bespritzt,
Wohl nur vom Gaul, der sich geritzt;
Die Gabe, hoch emporgehalten –
Weh! Hassan's Turban ist's, vom Hieb zerspalten!
Sein Kalpak klafft, sein Tuch ist rot –
»Weib! eine grause Braut entbot
Zur Hochzeit deinen Sohn – sie heißt der Tod!
Mich schonten sie, aus Mitleid nicht,
Nein, zu dem schrecklichen Bericht.
Ruh' ihm, der kühn sein Blut vergoss!
Dem Gjauren Weh, durch den es floss!«

Ein Turban, roh aus Stein gemetzt,
Und, unkrautüberwuchert jetzt,
Die Säule, drauf mit Mühe man
Den Koranspruch noch lesen kann,
Bezeichnen jenen Ort im Tal,
Wo Hassan traf der Rächerstahl.
Dort schläft der treuste Osmanli,
Der jemals fromm gebeugt sein Knie,
Der nie verbotnen Wein begehrt,
Sich betend ostwärts stets gekehrt,
Wenn er in feierlicher Ruh'
Nachmurmelte das »Allah Hu!«
Und dennoch fiel durch Fremdlingshand
Im eignen, nicht in fremdem Land,
Im Kampfe fiel voll Heldenmut,
Und nicht gerächt noch ward in Blut.
Doch Paradiesesmädchen laden
Ihn froh in ihre Hallen ein,
...
»Wie nennt Ihr den Kalojer da?
Die Züge sind mir wohlbekannt;
In meiner eignen Heimat sah
Ich ihn vor Jahren an dem Strand
Hinjagen auf dem schnellsten Ross,
Das blitzgleich je von dannen schoss.
Nur einmal schaut' ich ihn, – allein
Ein Antlitz so voll innrer Pein
Prägt unvergeßlich tief sich ein.
So finster ist's noch heut geblieben,
Als stünde Tod darauf geschrieben.«

»Zweimal drei Sommer sind es her,
Seitdem er zu uns Brüdern kam;
Für eine Tat wohl, schwarz und schwer,
Sucht er hier Lindrung seinem Gram.
Doch nie sah man zur Vesper ihn
Und niemals vor dem Beichtstuhl knien,
Noch achtet er's, wenn Weihrauch wallt
Und Chorgesang zum Himmel schallt.
In seine Zelle dumpf gebannt
Bleibt er, und selbst aus welchem Land,
Wes Glaubens er, ist unbekannt.
Vom Türkenufer über's Meer
Schifft' er, und kam vom Strand hieher;
Indes ein Osman scheint er nicht,
Ob auch nur christlich sein Gesicht;
Vielleicht ein flücht'ger Renegat,
Den's reuet, dass er übertrat,
Wiewohl der Kirch' er sich verschließt,
Und nie das Mahl des Herrn genießt.
Das Kloster hat er reich bedacht,
Und so den Abt sich freund gemacht.
Doch wär' ich Prior, solchem Gast
Gönnt' ich hier keine Stunde Rast;
Zum mind'sten müßte der Geselle
Auf immer in die Büßerzelle.
Oft murmelt er im Traume schwer
Von Mädchen, tief versenkt in's Meer,
Von Feindesflucht, von Säbelstreichen,
Gerächtem Frevel, Moslemsleichen.
Auch sprach er an der Klippe Rand,
Wie irr, von einer blut'gen Hand,
Die frisch vom Arm herabgehaun,
Doch die nur er vermocht zu schaun,
Und die ihm wink' ins dunkle Grab
Und auf den Meeresgrund hinab.«

Stier sind die Augen, die voll Graun
Aus seiner finstern Kutte schaun;
Ihr glüh'nder Blick, geöffnet weit,
Spricht zu viel von vergangner Zeit;
Ob wechselnd ihrer Farbe Licht,
Erträgt man ihren Glanz oft nicht;
Denn wie ein Zauber, der den Sinn
Allmächtig fesselt, blitzt darin
Ein Geist, noch stolz und ungebeugt,
Der seine Uebermacht bezeugt;
Und wie der Vogel, angstbedrängt,
Gebannt am Blick der Schlange hängt,
So beben Manche scheu zurück,
Und weilen doch auf seinem Blick.
Die Mönche zwar vermeiden ihn,
Und suchen scheu vor ihm zu fliehn,
Als ström' auf sie auch Schuld und Graus
Sein Blick, sein bittres Lächeln aus.
Nicht oft, dass er ein Lächeln zeigt,
Das trüb dann seinen Mund umschleicht,
Und nur dem Leid zum Hohn gereicht!
Wie bleich verzerrt die Lippe bebt,
Und dann so steinern unbelebt
Erstarrt, als hätten Spott und Qual
Gelächelt drauf zum letzten Mal!
Ja, wär' es so! – solch grause Lust
Kam nie aus frohgesinnter Brust.
Noch trüber wär' es zu erkunden,
Was einstmals dieses Herz empfunden.
Zeit hat die Züge nicht verwischt,
Mit lichtern finstre nur gemischt;
Aufflackernd noch zuweilen sprüht,
Nicht ganz erloschen, das Gemüt,
Ob auch von Sünden wundgeglüht.
Die Menge sieht den Frevel blos,
Der argen Tat verdientes Loos;
Wer aber tiefer blickt, dem weist
Sich edle Herkunft, hoher Geist.
Ach, wurden beide auch versehrt,
Durch Gram entstellt, durch Schuld entehrt,
So war doch kein gemeines Wesen
Für solche Gaben auserlesen,
Und nicht mit Furcht allein und Graun
Wird man ein solches Antlitz schaun.
Am Hüttendach, das morsch zerfällt,
Mag nicht der Schritt des Wandrers zaudern,
Indes der Turm, vom Blitz zerspellt,
Solang noch eine Mauer hält,
Sein Auge lockt mit heil'gem Schaudern,
Weil jeder Pfeiler, moosbedeckt,
Des alten Ruhms Erinnrung weckt.

»Vom falt'gen Mönchsgewand umschlossen,
Huscht er den Kreuzgang still entlang;
Mit Scheu erblickt, folgt er verdrossen
Der Andachtsfeier ernstem Gang.
Doch wenn der Chorgesang erschallt,
Die Mönche knien, entweicht er bald;
Ein einsam trüber Fackelstrahl
Beglüht sein Antlitz am Portal;
Dort harrt er stumm, ein Bild von Stein,
Hört ihr Gebet, doch stimmt nicht ein.
Wie in der Dämmrung, matt erhellt,
Sein dunkles Haupthaar niederfällt,
Das wild die bleiche Stirn umkränzt,
Als hätten schillernd dort geglänzt
Die schwärzesten der grausen Schlangen,
Die um der Gorgo Scheitel hangen!
Denn da er nicht den Eid geschworen,
Ward ihm auch nie das Haar geschoren.
Sonst trägt er unser Ordenskleid,
Und mehr aus Stolz als Frömmigkeit
Hat er der Kirch', an die kein Band
Ihn knüpft, viel Gaben zugewandt.
...
»Ich liebt', ich betete sie an –
Nein, Mönch! das Wort ist zu gemein –
Durch Taten zeigt' ich mich als Mann:
Das Blut von dieser Klinge rann,
Nie wird der Stahl von Flecken rein;
Sie starb für mich – es floss für sie,
Es wallt' im Herzen des Verhassten;
Nein, schaudre nicht – beug' nicht dein Knie –
Die Tat kann nicht als Sünde lasten,
Und nicht der Gnade Spruch mir rauben,
Denn feindlich war er deinem Glauben!
Der Name »Nazarener« schon
War Greuel diesem Heidensohn.
Dankloser Tor! schlug doch dies Schwert,
Das eine Christenhand bewehrt,
Ihm jene Wunde, die ihm gleich
Erschloss das Türken-Himmelreich;
Sonst möchten wohl in Edens Garten
Die Houris lang ihn noch erwarten!
Ich liebte sie – die Liebe wagt
Selbst Wege, wo der Wolf verzagt;
Und bleibt sie nur nicht ängstlich stehn,
So wird ihr nicht der Lohn entgehn.
Gleichviel, wodurch und wann und wie,
Vergebens seufzt' ich nicht um sie;
Doch wünsch' ich manchmal reuig fast,
Sie hätte lieber mich gehasst.
Sie starb – o, frag mich nimmer, wie?
Auf meiner Stirne steht es – sieh!
Lies dort der Untat Kainszeichen
In Zügen, welche nie verbleichen!
Doch eh' du mich verdammst, halt ein;
Der Anlass, nicht die Tat war mein.
Zwar tät' ich selbst wohl, was er tat,
Wenn mich getroffen ihr Verrat.
Treulos an ihm – führt' er den Streich,
Mir aber treu – macht' ich ihn bleich;
Denn wie verdient ihr Loos auch schien,
Aus Treu' zu mir betrog sie ihn.
Mir schenkt' ihr Herz sie, jene Welt,
Die kein Tyrann in Fesseln hält.
Zu retten, kam ich, ach! zu spät,
Als schon ihr letzter Hauch verweht;
Doch was ich geben konnte, gab
Ich – armer Trost! – dem Feind ein Grab.
Sein Tod wiegt leicht, doch ihr Geschick
Macht hassenswert mich deinem Blick.
Sein Loos stand fest, und war ihm kund,
Denn warnend scholl zu ihm empor
Des Tahirs Ruf, in dessen Ohr
Der Todesschuss erklang zuvor
Beim Ritt im düstern Talesgrund.
Auch fiel er im Gewühl der Schlacht,
Wo Nichts uns Angst und Sorge macht;
Ein Ruf zu Mahomed, ein Schrei
Zu Allah, und es war vorbei.
Er sah mich, und ihn traf mein Schlag –
Ich starrt', als er am Boden lag,
Auf ihn, bis dass sein Auge brach:
Dem Panther gleich durchbohrt vom Stahl,
Fühlt' er doch halb nicht meine Qual.
Vergebens sucht' ich eine Spur
Von Schmerz in seinen Zügen nur;
Sein leichenfinstres Angesicht
Verrieth nur Wut, doch Reue nicht.
Was hätte Rache drum gegeben,
Verzweiflung wild den Blick erheben
Zu sehn in grausem Todesbeben!
Die Reue, die zu spät sich naht,
Wenn Buße keine Kraft mehr hat,
Die Schrecknisse der Gruft zu mindern,
Und weder retten kann, noch lindern!
...
»Mein Name dies – dies mein Bericht.
Gebeichtet, Vater, hab' ich hier
Den Jammer, der das Herz mir bricht,
Und für die Thräne dank' ich dir,
Die du geweint statt meiner nun.
Bei den Geringsten la mich ruhn,
Ein schlichtes Kreuz zu Häupten mir,
Doch ohne Namen, ohne Zier,
dass nicht der Fremdling danach spähe,
Der Pilger dort nicht stille stehe.«

Er schied – kein Zeugnis ward bekannt
Von seinem Namen, seinem Stand,
Als was der Mönch geheim bewahrt,
Dem er es sterbend offenbart.
Dies Bruchstück, wirr und halb verloren,
Ist Alles, was zu unsern Ohren
Von ihr und ihm die Kunde trug,
Die er geliebt, den er erschlug.
 

Anmerkungen

[1] Science Review Letters 2019, 18, Nr. 1071 und Kurse Nr. 621 Lord Byron, Nr. 020 Goethe, Nr. 552 William Shakespeare, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Lord Byron, Dichtungen I. Die Belagerung von Korinth
[3] Ib.; zu: Die Türken gelten seit jeher als Christenschlächter; was Lord Byron über Ali Kumurgi schreibt, könnte nicht nur 1715 sondern auch 1815, 1915 oder 2015 passiert sein. "Ali Kumurgi, der Günstling dreier Sultane und Großvezier Achmet's III., wurde, nachdem er in einem Feldzug den Peloponnes den Venetianern wieder entrissen hatte, in dem folgenden Kriege, wider die Deutschen, in der Schlacht bei Peterwardein (in der Ebene von Karlowitz) in Ungarn, als er eben seine Garden sammeln wollte, tödtlich verwundet. Er starb an seiner Wunde am nächsten Tage. Sein letzter Befehl war die Enthauptung des Generals Brenner und einiger andern deutschen Gefangenen, und seine letzten Worte: »Könnt' ich allen Christenhunden so dienen!« – eine Rede und eine Handlung, Caligula's nicht unwürdig! Er war ein junger Mann von großem Ehrgeiz und maßlosem Hochmut. Als man ihm sagte, Prinz Eugen, der ihm damals gegenüberstand, sei ein großer Feldherr, antwortete er: »Ich werde ein größerer werden, und auf seine Kosten!«, vgl. Kurse Nr. 621 Lord Byron, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 561 Sir Walter Scott, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 557 - Ariosto, Nr. 556 - Torquato Tasso, Nr. 506 Wladimir SolowjewNr. 552 William Shakespeare, Ib.
[4] Ib.; zu: Brenzlig für christliche Länder wird es immer, wenn zu viele türkische bzw.moslemische Turbane zu sehen sind, wie schon Ariost, Shakespeare, Franz Werfel und Lord Byron feststellten: "Turbane füllen rings das Land / So weit man schaut, bis an den Strand;/ Arabiens Kamele knien, / Tataren tummeln ihre Pferde, / Der Turkomane ließ die Heerde, / Den Säbel für den Kampf zu ziehn, / Und der Geschütze Donner brüllt, / Bis er des Meeres Toben stillt; / Laut zischend fliegt aus manchem Rohr / Der Todesbote schon hervor, /dass weit die Mau'r in Trümmer springt." In Griechenland haben die Türken viel zerstört, von Korinth, der Akropolis bis zu den Kirchen und Kathedralen, z:B. von Famagusta (Zypern); bis heute halten die Türken andere Länder und Städte wie z.B. Teile Griechenlands, Zyperns, Konstantinopel und Famagusta besetzt. Auch heute brechen die Türken Verträge mit Christen, weshalb ihnen nicht zu trauen ist: "Zum Schutz des Landes ausgesandt / (Das aus der Muselmänner Hand / Von Patras an bis Negroponte / Venedigs Macht entreißen konnte, / Als durch Sobieski ihre Schaaren / Am Donaustrand gebändigt waren) / War in Korinth Minotti jetzt / Dem Heer des Dogen vorgesetzt; / Ein güt'ges Schicksal hatte Frieden / Den Griechen kurze Zeit beschieden / Und eh der Türke den Vertrag, / Der sie befreite, treulos brach," vgl. Anm. 3 und 11 f. und Kurs Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[5] Ib.; zu: Wenn das Christentum nicht stark genug ist, macht sich »verlorne Hoffnung« breit, heute vor allem durch Moscheen und islamischen Indoktrinationsunterricht in Schulen: "Sie stehn bereit, voran die Schaaren / Der Muselmänner und Tataren, / Die man »verlorne Hoffnung« nennt, / Weil Todesfurcht ihr Herz nicht kennt, / Die mit dem Schwert den Weg erkaufen / Und ihn bestreun mit Leichenhaufen, / Damit die Spätern immer weiter / Vorgehn auf dieser Todtenleiter," vgl. Kurse Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 552 William Shakespeare II, Ib.
[6] Ib.
[7] Ib.
[8] Ib.
[9] Ib.
[10] Ib.
[11] Ib.
[12] Ib.
[13] Lord Byron, Der Korsar I
[14] Ib.
[15] Ib.
[16] Lord Byron, Der Korsar II
[17] Ib.; zu: Ähnlich wie Franz Werfel, Ariost und Tasso schildert auch Lord Byron wie die Türken bzw. Osmanen gegen Griechen kämpfen und sie unterdrücken, aber auch gegen die Piraten - obwohl die Türken schlimmer wüten als die Piraten: "Die Bai von Koron wimmelt von Galeeren, / Von tausend Lampen strahlt die Stadt zu Ehren / Von Said-Pascha; prächtig ist das Fest, / Das schon im Voraus jetzt er feiern lässt: / .. Das meiste Volk zerstreut sich weit und breit / Und übt an Griechen seine Tapferkeit. / Wie groß doch muss sich solch ein Türke fühlen, / An armen Sklaven seinen Mut zu kühlen! / Sie brechen in die Häuser ein, doch morden / Nicht mehr wie sonst, da sanfter sie geworden; / Es sei denn, dass der Uebermut sie treibt, / Zu sorgen, dass der Arm in Uebung bleibt. / Der Grieche lächelt, der den Kopf noch liebt, / Wenn sich der Türke seiner Lust ergibt; / Er muss die besten Bissen für ihn suchen / Und darf erst, wenn die Küste rein ist, fluchen," vgl. Anm. 3 ff. und Kurse Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 557 - Ariosto, Nr. 556 - Torquato Tasso, Ib.
[18] Ib.
[19] Ib.
[20] Ib.
[21] Ib.
[22] Ib.
[23] Ib.
[24] Lord Byron, Beppo, eine venetianische Geschichte
[25] Ib.; Zum "Weiber-Mischmasch des Islams" (Franz Werfel) und über türkische Männer und ihre Frauen im Harem schreibt Lord Byron ganz treffend folgendes: "Sie halten sie wie Hunde (im Vertraun / Gesagt) und kaufen sie, wie wir ein Pferd; / Zwar viele sind's, doch sieht man nichts davon", verschleiert werden sie, was heute sogar in Europa erlaubt ist: "Sie bleiben stets verschleiert und bewacht / Und sehen kaum die männlichen Verwandten"; auch die Einfältigkeit der Türken zeigt sich an den Frauen: "Da Türken nicht gesprächig sind, so kannten / Die Fraun von je kein anderes Vergnügen, / Als Bäder, Liebe, Putz und Kinderkriegen / Sie wissen nichts von Lesen oder Schreiben, / Von Kritisiren oder Versemachen; / Journale, Predigten, Romane bleiben / Wie Geist und Witz für sie stets fremde Sachen, – / Die Bildung würde sie zum Aufruhr treiben!". Lord Byron schlägt daher vor, da sie ausser den ein oder anderen lügenhaften Koranvers, weder Literatur noch wahre Philosophie kennen, sie zu christianisieren: "Die armen kleinen Türkenfraun genießen / Nichts von so lehrreich liebenswürd'gen Leuten; / Sie würden als ein Wunder sie begrüßen, / Als hörten Glocken in Moscheen sie läuten. / Ich glaub', es wär' der Mühe wert, wir ließen – / Der beste Plan schlägt freilich fehl zu Zeiten – / Als Missionar solch einen Herrn hinreisen, / Im Christlichsprechen sie zu unterweisen", vgl. Kurs Nr. 619 Franz Werfel, Ib.
[26] Ib.
[27] Ib.; zu: Wie heute viele Türken in Europa durch Raub, Erpressung, "Enkeltrick", Drogen das Geld scheffeln und durch eigene "Banken" in die Türkei transferieren, so sind auch in den von Türken besetzten Gebieten die Türken durch Geldwäsche reich geworden: "Er und sein Geld (das, Gott weiß wie, gewonnen) / Gelangten dann an Bord mit viel Gefahr; / Durch Kühnheit war er so der Not entronnen, / ... In Korfu ließ er Alles dann verladen / Nach einem andern Fahrzeug, und er nannte / Sich einen Kaufmann, der nach den Gestaden / Des Orients Waaren aller Art versandte; / So kam er gut davon und ohne Schaden, / Sonst wär' er füsilirt von seiner Bande." Heute führt die Geldspur der Kriminellen in Europa meistens zu den Türken wie ein Beispiel zeigt: "Die Einsatzkräfte kamen kräftig ins Schwitzen. So viele Goldbarren, so große Mengen Schmuck mussten sie unter anderem bei Juwelieren in Duisburg beschlagnahmen und in streng bewachte Transportfahrzeuge wuchten. Bei der großangelegten Razzia gegen mutmaßliche Geldwäscher wurden am Dienstagmorgen Dutzende Juweliergeschäfte, Pfandhäuser und Wohnungen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Hessen, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und in den Niederlanden durchsucht.... "Nach Erkenntnissen der Ermittler hat die Bande, die sich im Frühjahr in zwei Gruppen aufgespaltet hat, 212 Millionen Euro verschoben, zumeist in die Türkei." Bei der Razzia konnten Bargeld, Gold, Schmuck und Fahrzeuge im Wert von 22 Millionen Euro sichergestellt werden. Der aktuelle Hawala-Fall der Muslim-Gang bestätige die Vermutung, „dass es eine Menge an organisierter Kriminalität in Deutschland gibt, von der man noch gar nichts wusste“ und dass die Sicherheitsbehörden selbst beim Thema Hawala-Banking erst am "oberen Ende des Eisbergs" ermitteln. Mit dem System des Hawala-Bankings wurden große, zumeist illegal erworbene Vermögen am deutschen Bankwesen vorbei ins Ausland, meistens in die Türkei, transferiert, ohne dass Bargeld floss. Bei dem System, das gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz verstößt, findet keine elektronische Erfassung statt, Buchungen sind nicht nachvollziehbar, staatliche Kontrolle wird unterlaufen. Neben weiteren türkischen Verdächtigen wurde "der 50 Jahre alte türkische Besitzer einer Juwelierkette in Düsseldorf festgenommen. Seine Filialen sollen nebenher als Geldannahme-Stellen gedient haben – so wie auch mehrere Berliner Pfandhäuser, die nun ebenfalls durchsucht wurden. Mit Kleckerbeträgen gaben sich die Geldwäscher nicht ab. Sie wurden erst ab 350000 Euro aktiv.. Der tägliche Umsatz des aufgedeckten Hawala-Netzes, das von Mannheim über Berlin, Düsseldorf und das Ruhrgebiet bis Rotterdam reichte, lag zwischen 700000 und einer Million Euro. Einzahler waren nicht nur Türken", sondern auch andere Moslems wie Syrer. Nach Einschätzung der Ermittler handelte es sich beim eingezahlten Geld meist um illegal erworbenes Vermögen. "Weil der bargeldlose Vermögenstransfer überwiegend aus Richtung Deutschland in Richtung Türkei stattfand, mussten sich die Hawala-Banker einen Ausgleich einfallen lassen: Sie kauften von den enormen Einzahlsummen vor allem Gold, das sodann in den Besitz eines deutsch-türkischen Metallverarbeitungsunternehmens in Hessen überging. Durch interne Buchungen wurde die Kaufpreisforderung dem türkischen Teil des Unternehmens zugeschlagen, das dann die Barauszahlungen gewährleistete," vgl. Science Review Letters 2019, 18, Nr. 1072 und FAZ 2019, Nr. 275; Nr. 272 sowie Kurse  Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 552 William Shakespeare II, Ib.
[28] Lord Byron, Der Gjaur
[29] Ib.; zu: Wo Türken mit ihrer "Gier und Raubsucht , mordentbrannt, / Durchtoben wild das schöne Land" und sich breit machen, ist das Land durch Dämonen "verpestet" (Ariosto); Kirchen werden in Moscheen verwandelt, der Wüsten- und "Höllensohn" Mohammed "Sich setzte auf den Himmelsthron / So sanft und hehr der Gegend Pracht, / So fluchwert der Tyrannen Macht!", vgl. Anm. 27 und Kurs Nr. 557 Ludovico Ariosto, Ib. 
[30] Ib.; zu: Die Besetzung Griechenlands durch die Türken hat auch bei den Griechen tiefe Spuren hinterlassen, wie auch Hölderlin festgestellt hatte. "Zum Grabe kriecht jetzt dies Geschlecht / Als Sklav, – ja, als des Sklaven Knecht." Athen ist das Eigentum des Kislar-Aga (Sklave des Serails und Hüter der Frauen), welcher den Woywoden ernennt. "Ein Kuppler und Eunuch beherrscht jetzt den Herrscher von Athen!" (Lord Byron), vgl. Anm. 29 und Kurs Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Ib. 
[31] Ib.; zu: Griechische Freiheitskämpfer wurden von den Türken verfolgt wie auch Christen in der heutigen Türkei: "Flogst meteorgleich du durch's Land; / Doch warst du Einer, wie mir schien, / Den Moslems töten oder fliehn,"  vgl. Anm. 29 ff und Kurs Nr. 619 Franz Werfel, Ib.
[32] Ib.
[33] Ib.
[34] Ib.; zu: Wo der Pesthauch der Türken aus dem "Unheilsreich" hinweht, wächst kein Gras mehr: "Dem Boten aus dem Unheilsreich, / Vor dessen Hauch, der sengend weht, / Selbst der Cypresse Laub vergeht", vgl. Anm. 29 ff.
[35] Ib.
[36] Ib.; zu: Es wimmelt von Moslems, "beturbant" und bis an die Zähne bewaffnet: "Sie nahn, – beturbant jeder Mann, / Von Silber blitzt der Ataghan; / Den ersten hat die grüne Tracht / Als Emir kenntlich mir gemacht." Lord Byron schreibt: Der Ataghan ist, "ein langer Dolch, den man nebst den Pistolen im Gürtel trägt, und zwar in einer metallenen Scheide, die gewöhnlich von Silber und bei Reicheren vergoldet oder von Gold ist. Grün ist die privilegirte Farbe der zahlreichen angeblichen Nachkommen des Propheten. Bei ihnen wird, wie hier, vorausgesetzt, dass der Glaube (ihr Familienerbteil) die Notwendigkeit guter Werke aufhebe; sie sind die Schlechtesten eines höchst unbedeutenden Gezüchts.", vgl. Anm. 29 ff.
[37] Ib.; zu: Frauen werden von Türken im Harem wie Pferde behandelt, weshalb sie oft versuchen zu fliehen: "Denn in georg'scher Pagentracht / Entfloh sie des Gebieters Macht, / Und höhnt des Moslems Grimm und Harm, / Dem ehrvergessnen Gjaur im Arm,"  vgl. Anm. 25
[38] Ib. ; zu: Nach Dante schmoren die Mohammedaner bzw. Moslems ohnehin im tiefsten Schlund der Hölle, vgl. Kurs Nr. 562 Dante Alighieri, Ib.
[39] Ib.
[40] Ib.
[41] Ib.; zu: »Bismillah!« (im Namen Gottes!) ist der Anfang fast aller Kapitel des Korans, sowie der muslimischen Schau-Gebete und Kampfruf der Türken und Dschihadisten, die ohne »Aman!« (Gnade, Pardon) in den Kampf gegen Christen ziehen, vgl. Anm. 31 ff. 
[42] Ib.; zu: Die Anrufungen Allahs und Mohammeds helfen den Moslems oder Türken ("Schurkenherz") eigentlich nie, die Dinge nehmen auch ohne "Mahmud" ihren Lauf; nur christlicher Geist kann die Dinge zum Guten wenden: "Ihr Geist hat gut den Stahl gelenkt, / Den ich ins Schurkenherz gesenkt. / Er rief zu Mahmud, dessen Hand / Des Gjauren Zorn nicht abgewandt; / Zu Allah rief er, doch sein Wort / Flog unerhört im Winde fort. / Du türkischer Narr!" Vgl. Anm. 29 ff. und Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 582 St.Thomas Aquinas, Sth II-II, Nr. 619 Franz Werfel, Ib. 
[43] Ib.
[44] Ib.
[45] Ib.; zu: Wenn Moslems z.B. Christen abschlachten, in ihrem Heldenmut wehrlose Frauen, Kinder und Großmütter besiegen, winken ihnen "Paradiesesmädchen" zu, wie in einem Schlachtgesange der Türken entlehnt ist: »Ich seh', ich seh' ein dunkeläugiges Mädchen des Paradieses, und sie winkt mit einem Tuche, mit einem grünen Tuche, und ruft laut: Komm, küsse mich, denn ich liebe dich, etc.«, vgl. Anm. 31 ff. und Kurs Nr. 568 Nicolaus Cusanus , Ib. 
[46] Ib.
[47] Ib. ; zu: Fatalistische Derwische sind wie viele Türken und andere Moslems, abergläubisch; die ständigen Allah-Rufe nutzen ihnen aber wenig: "Ein Ruf zu Mahomed, ein Schrei / Zu Allah, und es war vorbei. / Er sah mich, und ihn traf mein Schlag", vgl. Anm. 42 ff. 
[48] Ib.
 
 
 

Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 618 St. Ephraim der Syrer, Nr. 617 St. Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas: Summa Theologica I., Nr. 502 St.Thomas Aquinas, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas Aquinas, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 598 El Greco, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 610 Piero della Francesca, Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico,Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio da Fossano detto il Bergognone, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 



Lord Byrons Dream, by Sir Charles Lock Eastlake, 1827
 


El Greco, Anbetung des Namens Jesu, genannt Der Traum von Philipp II., um 1575–1580, Öl und Tempera auf Holz, 55,1 × 33,8 cm, London, The National Gallery
Es könnte sich um eine Darstellung der 1571 gegründeten Heiligen Liga handeln. Die Vision des IHS erstrahlt über König Philipp II. in schwarzer spanischer Hoftracht. Der Höllenschlund öffnet sich, um einen Blick auf die leidenden Verdammten frei zu geben, zu denen natürlich auch die in Lepanto besiegten Osmanen bzw. Türken gehören
 
 


Lord Byron's Oath on the Grave of Marco Botzaris, by Ludovico Lipparini, 19th Century, oil on canvas. Italy, Veneto, Treviso, Civic Museum
 
 


Lord Byron in Griechenland 
 
 


Le Serment à Aghia Lavra, peinture de Theodoros P. Vryzakis, 1865.
Der Metropolit Germanos von Patras segnet am 25. März 1821 im Kloster Agia Lavra die griechische Fahne (Gemälde von Theodoros Vryzakis, 1865). Das Ereignis gilt als Beginn der Griechischen Revolution gegen die Türken
 


La sortie de Messolonghi, huile sur toile, 1,69 x 1,27m, par Theodoros Vryzakis, milieu 19ème s.
25.3.1821: les Grecs se libèrent de 4 siècles de joug des Turcs Ottomans; Aujourd'hui, nous célébrons le début de la libération du peuple Héllène du joug des Turcs. Le 25 mars 1821, le métropolite Germanos de Patras bénit un drapeau grec au monastère d'Agia Laura, et proclama le soulèvement national. La Grèce déclara son indépendance de l'empire Ottoman, entamant la Guerre Grecque d'Indépendance.
 


The Combat of the Giaour and Hassan by Eugène Delacroix (1826, oil on canvas, Art Institute of Chicago). Inspired by Lord Byron's poem The Giaour
 


Combat entre Grecs et Turcs par Eugene Delacroix, 1821
 
 


Scène des massacres de Scio par Delacroix

Chios était une des plus riches îles de la mer Égée et les insurgés grecs tentèrent de la rallier à leur cause. Dès mai 1821, Iákovos Tombázis était passé demander l'aide chiote, sans succès. L'île craignait pour ses ressortissants disséminés dans tous les ports de l'Empire ottoman. Pour être sûr de la fidélité des habitants de l'île, le Sultan renforça la garnison et prit quarante otages au sein des plus riches familles. En mars 1822, une troupe samienne de klephtes débarqua sur Chios et prit la capitale. Le Sultan envoya son Capitan Pacha (amiral de la flotte ottomane), Kara-Ali, à la reconquête de l'île. Il pourrait disposer de l'aide de 30 000 volontaires rassemblés à Chesmé, attirés par la perspective de butin. La résistance des klephtes fut brève. Repoussés, ils finirent par évacuer tandis que la population commença à être systématiquement massacrée et les otages exécutés. Cependant, une bonne partie de la population fut plutôt réduite en esclavage et vendue sur les marchés soit de Constantinople soit de Smyrne, d'Égypte ou d'Afrique du nord. Certains d'entre eux furent rachetés par les agents diplomatiques occidentaux qui avaient aussi plus tôt essayé de sauver les habitants de l'île des massacres qui durèrent de mi-avril à fin mai 1822. Le 18 juin (6 juin julien) 1822, le capitaine psariote Constantin Kanaris coula le vaisseau amiral ottoman avec un brûlot, tuant l'amiral ottoman Kara Ali et 2 000 marins turcs. Cette action est considérée par l'historiographie grecque comme ayant vengé les massacres de Chios. La population de l'île au début de 1822 est estimée entre 100 000 et 120 000 personnes dont 30 000 habitaient Chora, la capitale. Il y aurait eu aussi autour de 2 000 musulmans sur l'île. Les estimations les plus courantes font état de 25 000 morts et 45 000 personnes réduites en esclavage. 10 000 à 20 000 auraient réussi à s'enfuir.

Une immense émotion face aux horreurs commises traversa l'Europe, suscitant une première vague de philhellénisme. Castlereagh, le Foreign Secretary britannique, menaça l'Empire ottoman d'une rupture des relations diplomatiques. Eugène Delacroix exposa sa Scène des massacres de Scio au Salon de 1824. Charles X en fit immédiatement l'acquisition pour les collections du Louvre. En Russie, le prince Golitsyn organisa une collecte de fonds pour venir en aide aux victimes des massacres. Le recueil Les Orientales de Victor Hugo, comprend un poème « L'enfant grec » consacré au massacre de Chios.

Philhellénisme: Les Grecs reçurent l’aide de nombreux volontaires étrangers (les Philhellènes), notamment des libéraux britanniques comme Lord Byron et français tels le colonel Fabvier, et remportèrent des succès sur les troupes du sultan. Byron débarqua avec des armes fournies par les comités philhellènes européens le 4 janvier 1824 à Missolonghi. Sa mort, en avril, fut un important signal de prise de conscience de la situation à travers toute l’Europe. Hector Berlioz, pour commémorer ces évènements va composer en 1825 une Scène héroïque (La Révolution grecque) a pour deux basses, choeur mixte et orchestre. 


La bataille de Navarin, 1846 de Ivan Aivazovsky, 1817-1900, Russia

Ivan Konstantinovitch Aïvazovski né à Théodosie (Crimée) le 17 juillet 1817 (29 juillet 1817 dans le calendrier grégorien) et mort dans cette même ville le 5 mai 1900, est un peintre russe d'origine arménienne. C'est un des maîtres de la peinture de marine qui a marqué l'histoire et les périodes romantiques et réalistes de l'art russe. Originaire d'une famille pauvre de marchands arméniens émigrée de Pologne au début du XIXe siècle, Ivan Aïvazovski est né à Théodosie, en Crimée, le 29 juillet 1817. Le nom de famille de ses parents était Aïvazian et quelques-unes de ses peintures sont signées en alphabet arménien Hovhannes Aïvazian. Très jeune, il est attiré par le dessin et recopie les illustrations d'un livre sur la lutte des Grecs contre le joug de l'empire ottoman. Ce thème aura une grande influence sur lui et il y reviendra, plus tard, dans ses peintures. Après une éducation primaire dans une école arménienne de Théodosie, il reçoit une première formation artistique au Gymnasium de Simferopol grâce à des aides de compatriotes appréciant son talent. En 1833, avec le soutien de A. Kaznatcheïev, maire de Théodosie, il se rend à Saint-Pétersbourg pour y compléter sa formation à l'Académie impériale des beaux-arts . Il y étudie les œuvres du paysagiste Maxime Vorobev et du peintre de marines français Philippe Tanneur alors professeur dans cette Académie. Lors de ses études, sa production attire l'intérêt des connaisseurs ; dès ces années-là, Alexandre Pouchkine découvre ses œuvres lors d'une exposition et lui porte une grande admiration

Wirkung und Nachwirkung in Europa: z.B. die Propyläen am Münchner Königsplatz als Denkmal. Infolge des Falls von Byzanz 1453 hatten sich griechischsprachige Gelehrte in ganz Europa niedergelassen, wo sie die Kenntnis der altgriechischen Sprache und Schriften beförderten. Restriktionen und Repressalien der osmanischen Herrscher führten zu weiteren Migrationswellen, vor allem von Kaufleuten. Seit dem 17. Jahrhundert konnte eine größere Anhängerschaft, besonders unter Intellektuellen und Bürgerlichen, für die Befreiung Griechenlands gewonnen werden, was sich etwa auch in der Gräzisierung von Namen oder dem Philhellenismus ausdrückte. Nach dem Wiener Kongress und den Karlsbader Beschlüssen war der griechische Freiheitskampf auch im deutschsprachigen Raum ein gewichtiges Thema, was sich auch daran zeigte, dass Schriftsteller das zeitgenössische Griechenland zum Thema nahmen (beispielsweise Wilhelm Müller (Der kleine Hydriot), Leopold Schefer oder Goethe, der Gedichte aus dem Neugriechischen übersetzte). Diese Haltung entstand auch in Opposition zu einer überdauernden Griechenfeindlichkeit, die im Wesentlichen eine Spätfolge des religiösen Schismas war. Trotz Ereignissen wie dem Massaker von Chios sahen viele Politiker vor allem die Geschäftsbeziehungen zum Osmanischen Reich gefährdet; ähnlich wie heute auch die Politiker um Geschäftsbeziehungen fürchten, so dass die deutsche Bundeskanzlerin Merkel bei den Komikern sogar als Bauchtänzerin des türkischen Präsidenten dargestellt wird. Die Freiheit Griechenlands führte zu einer Schwächung des Osmanischen Reiches in Europa und wurde zum Vorbild weiterer Unabhängigkeitsbewegungen in Südosteuropa; Moscheen wurden wieder in Kirchen zurückverwandelt und hässliche neue Moscheen zerstört; unverständlicherweise werden heute wieder Moscheen - sogar im christlichen Europa gebaut. Auf dem Balkan, allem voran in gemischt besiedelten Gebieten, entstanden Konflikte zwischen christlichen und muslimischen Bewohnern. 

Die Endphase des Kampfes der Griechen gegen die Türken wurde durch das Eingreifen fremder Mächte bestimmt. Es eilten die modernisierten ägyptischen Streitkräfte unter der Führung von Mehmet Ali den Türken zu Hilfe. Im Jahre 1825 landeten sie auf der Peloponnes und eroberten den Hafen von Navarino. Die Revolution war damit im Prinzip gescheitert. Es war nun ein leichtes, die Peloponnes von den zerstrittenen Griechen zurückzuerobern. Die europäischen Großmächte waren allerdings in keinem Fall dazu bereit, Mehmet Ali die Herrschaft sowohl über Ägypten als auch über Griechenland zu überlassen. Man einigte sich darauf, die Kräfte zu vereinen und eine Drei-Mächte-Flotte nach Navarino zu senden. In der Schlacht von Navarino im Oktober 1827 versenkte die europäische Flotte den Großteil der gegnerischen Schiffe. Der Kommandeur der Alliierten gegen die Türken war der britische Admiral Sir Edward Codrington (1770-1851). Damit hatte der Sultan den europäischen Großmächten auf der Peloponnes militärisch nichts mehr entgegenzusetzen. Den letzten Akt der Revolution bestimmte der Russisch-Osmanische Krieg (1828–1830). Nach dem russischen Einmarsch in das Osmanische Reich und der Kapitulation des Sultans wurde im Rahmen des Londoner Protokolls im Jahre 1830 die Errichtung eines kleinen, unabhängigen, griechischen Königreiches beschlossen. Das neue Königreich sollte, so wurde beschlossen, von dem deutschen Prinzen Otto I. von Bayern regiert werden. Dieser Prinz als König von Griechenland war für die drei Großmächte eine akzeptable Lösung. 

(From the early stages of the revolution, success at sea was vital for the Greeks. When they failed to counter the Ottoman Navy, it was able to resupply the isolated Ottoman garrisons and land reinforcements from the Ottoman Empire's provinces, theatening to crush the rebellion; likewise the failure of the Greek fleet to break the naval blocade of Missolonghi (as it did several times earlier) in 1826 led to the fall of the city. The Greek fleet was primarily outfitted by prosperous Aegean islanders, principally from three islands: Hydra, Spetses and Psara. Each island equipped, manned and maintained its own squadron, under its own admiral. Although they were manned by experienced crews, the Greek ships were not designed for warfare, equipped with only light guns and staffed by armed merchantmen. Against them stood the Ottoman fleet, which enjoyed several advantages: its ships and supporting craft were built for war; it was supported by the resources of the vast Ottoman Empire; command was centralized and disciplined under the Kapudan Pasha. The total Ottoman fleet size consisted of 20 three-masted ships of the line, each with about 80 guns and 7 or 8 frigates with 50 guns, 5 corvettes with about 30 guns and around 40 brigs with 20 or fewer guns.


"The burning of the Ottoman frigate at Eressos by Dimitrios Papanikolis" by Konstantinos Volanakis

In the face of this situation, the Greeks decided to use fire ships, which had proven themselves effective for the Psarians during the Orlov Revolt in 1770. The first test was made at Eresos on 27 May 1821, when an Ottoman frigate was successfully destroyed by a fire ship under Dimitrios Papanikolis. In the fire ships, the Greeks found an effective weapon against the Ottoman vessels. In subsequent years, the successes of the Greek fire ships would increase their reputation, with acts such as the destruction of the Ottoman flagship by Constantine Kanaris at Chios, after the massacre of the island's population in June 1822, acquiring international fame. Overall, 59 fire ship attacks were carried out, of which 39 were successful. At the same time, conventional naval actions were also fought, at which naval commanders like Andreas Miaoulis distinguished themselves. The early successes of the Greek fleet in direct confrontations with the Ottomans at Patras and Spetses gave the crews confidence and contributed greatly to the survival and success of the uprising in the Peloponnese. Later, however, as Greece became embroiled in a civil war, the Sultan called upon his strongest subject, Muhammad Ali of Egypt, for aid. Plagued by internal strife and financial difficulties in keeping the fleet in constant readiness, the Greeks failed to prevent the capture and destruction of Kasos and Psara in 1824, or the landing of the Egyptian army at Methoni. Despite victories at Samos and Gerontas, the Revolution was threatened with collapse until the intervention of the Great Powers in the Battle of Navarino in 1827. (vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 619 Franz Werfel, Nr. 621 Lord Byron, Nr. 020 Goethe, Nr. 552 William Shakespeare, Akademie der Kunst und Philosophie
 


Fahne des christlichen Orients und der Türkei (Bandera Imperio Bizantino)


Wappen Byzantion (altgriechisch, latinisiert Byzantium, modern Byzanz, türkisch Bizans) war eine um 660 v. Chr. am südwestlichen Ausgang des Bosporus gegründete Koloniestadt dorischer Griechen aus Megara, Argos und Korinth. Byzantium wurde unter römischer Herrschaft zu einer Stadt in der römischen Provinz Thracia. Aufgrund seiner günstigen Lage an der europäischen Küste des Bosporus, auf der Ostspitze einer Halbinsel zwischen Marmarameer und Goldenem Horn, wurde Byzantion von 326 bis 330 von Kaiser Konstantin I. zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches ausgebaut und in der Folgezeit Konstantinopel genannt. Durch einen noch heute bei Türken üblichen Angriffskrieg wurde es von Moslems (Osmanen) erobert und Bizans bzw. später Istanbul genannt. Das byzantinische Wappen wurde von den Türken bzw. Osmanen durch die rote Halbmond Räuber- und Piratenflagge ersetzt. 
 
 

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Letzte Bearbeitung:02.12.2019