Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Nr. 616 

St. Gregor von Nazianz / Saint Gregory of Nazianzus


Oder was soll man von denen sagen, welche gar keine Anschauung mitbringen und "sich allen möglichen Reden und Lehren unterwerfen, um daraus das Beste und Sicherste auszuwählen im Vertrauen auf ihren eigenen mangelhaften kritischen Geist, und welche bald von diesem bald von jenem Überredungskünstler sich bald dahin bald dorthin führen und leiten lassen, von allen möglichen Meinungen überschwemmt und erdrückt, immer wieder ihre Lehrer wechseln und vieles, was sie gelernt haben, leichtsinnig wie Staub in den Wind schleudern, um schließlich, welche Torheit!, des Hörens und Denkens müde, vor jedem Unterricht den gleichen Ekel zu empfinden und den bösen Vorsatz zu fassen, unseren Glauben als unbeständig und höchst schädlich zu verlachen und zu verspotten, von den Rednern in dummer Weise auf die Lehre schließend? Sie gleichen dem Augenkranken, welcher die Sonne beschuldigt, sie sei finster und leuchte nicht, oder dem Ohrenleidenden, welcher den Tönen den Vorwurf macht, sie seien unmelodisch und unhörbar." - Saint Gregory of Nazianzus, Orat. II
Saint Gregory of Nazianzus, 1693, Basilica, Dobre Miasto, Poland

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Hauptquellen für das Leben des hl. Gregor von Nazianz sind seine Briefe und Gedichte, vor allem Gedicht 2, 1, 11 „Über sein eigenes Leben“, eine Selbstbiographie, welche in 1949 Versen sein Leben von seiner Geburt bis zu seinem Abschied von Konstantinopel beschreibt. Auch seine Reden kommen als Quelle in Betracht. Eine weitere Quelle sind die Briefe des großen Basilius und die Angaben des hl. Hieronymus in De viris ill. 117. Eine schon im siebten Jahrhundert von Gregorius Presbyter verfasste, auch für die Textkritik nicht wertlose Biographie Gregors von Nazianz verwertet hauptsächlich dessen Selbstzeugnisse. [1]

Gregor wurde wahrscheinlich 329 geboren, als sein gleichnamiger Vater bereits Priester war. Er stammte aus Arianz, einem Landgute, das 2 1/2 Stunden südlich von Nazianz gegen Tyana gelegen war und wo er altväterlichen Besitz hatte. Seinem Vater, der den bischöflichen Stuhl von Nazianz inne hatte, ist Rede 18 gewidmet. Seine Mutter Nonna, die schon von Geburt aus Christin war und um 325 auch ihren Gatten für die Kirche gewonnen hatte, starb bald nach dem älteren Gregor. Aus den Schriften Gregors ist uns noch seine Schwester Gorgonia und sein Bruder Cäsarius bekannt; auf jene ist Rede 8, auf diesen Rede 7 gehalten. Gregor studierte zunächst in Cäsarea in Kappadozien, wo er Basilius, den späteren Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien, kennenlernte, und in Cäsarea in Palästina. Sodann besuchte er die Schulen in Alexandria und Athen. In Alexandria stand damals Didymus an der Spitze der Katechetenschule, in welcher wohl Gregor in die Gedanken eines Klemens und Origenes eingeführt worden war und ebensowohl heidnisches wie christliches Wissen schätzen und lieben gelernt hatte. Hier konnte er Liebe zum Christentum, zur Philosophie bzw. Naturwissenschaft gewinnen; hier wird ihm die erste Anregung dazu gegeben worden sein, griechische Form und griechische Ideen in den Dienst christlicher Lehre zu stellen. [2]

In Alexandrien hat er auch Athanasius gehört, den er in Rede 21 als Säule der Orthodoxie preist. Die Studien in Athen verbanden ihn aufs innigste mit seinem Kameraden Basilius; sie machten ihn aber auch mit seinem grössten Gegner bekannt, mit dem Prinzen Julian, dem späteren Kaiser, der im Spätsommer 355 in die Stadt gekommen war. Gregor hörte hier die berühmten Rhetoren Himerius und Prohäresius, von denen der erstere Heide, der letztere Christ war. Der fünfjährige Aufenthalt an den Hochschulen weckte in Gregor großes Verständnis für schöne Form und dauernde Liebe zur Rhetorik. Seine Reden sind formell die schönsten Früchte dessen, was er dort gelernt hatte; durch sie hat er sich den Ruhm des christlichen Klassikers auf dem Gebiete der Rhetorik, bei den Byzantinern die Bezeichnung „christlicher Demosthenes“ erworben. Dass er mit den Rhetoren Themistius, Eudoxius, Libanius u. a. brieflichen Verkehr unterhielt, zeugt für die dauernde Freude an dem, was ihm das akademische Studium geboten hatte. Im Jahre 357, etwas später als Basilius, verließ Gregor im Alter von fast 30 Jahren Athen, um in die Heimat zurückzukehren. Erst jetzt empfing er die Taufe. Nun widmete er sich ganz und gar dem theologischen Studium, vor allem der Lektüre der Heiligen Schrift. Sein Freund Basilius, mit dem er 358 oder 359 in der Pontischen Einsiedelei am Iris verweilte, stand ihm dabei hilfreich zur Seite. Es war wohl 362, dass Gregor von seinem Vater auf Wunsch der Gemeinde von Nazianz, aber wider seinen Willen zum Priester geweiht wurde. Erbittert über diese Vergewaltigung flieht er wieder zu seinem Freunde Basilius nach Pontus, um aber bald wieder zurückzukehren und nun seinen Vater in der Verwaltung der Diözese zu unterstützen. Flucht und Rückkehr begründet er in Rede 2. Nachdem infolge dogmatischer Streitigkeiten die nicänisch gesinnten Mönche in Nazianz sich von dem älteren Gregor getrennt hatten, war es dem jüngeren Gregor schließlich gelungen, den Frieden wieder herzustellen; die Versöhnung wird in Rede 6 gefeiert. Der unter dem Einfluss des älteren Gregor zum Erzbischof von Cäsarea geweihte Basilius übertrug, um seine Macht gegenüber dem Erzbischof Anthimus von Tyana zu stärken, die kleine, zwischen Nazianz und Tyana gelegene Bischofsstadt Sasima seinem Freunde Gregor. Dieser ließ sich zwar 372 durch Basilius zu Nazianz zum Bischof weihen, dem neuen Amte aber entzog er sich durch Flucht. Den unbedeutenden Bischofsstuhl von Sasima, an dem er keinen Geschmack finden konnte, hat er niemals bestiegen. Nachdem er noch einmal die seelsorgliche Tätigkeit in Nazianz aufgenommen hatte, verlor er 374 seinen Vater, bald darauf auch seine Mutter. Nur kurze Zeit leitete er allein die Diözese. 375 verlässt er Nazianz und widmet sich in Seleucia in Isaurien einem beschaulichen Leben. 379 eilte er nach Konstantinopel auf Bitten der dortigen, von den Arianern schwer bedrängten nicänischen Gemeinde. Mit Hilfe des Kaisers Theodosius gelang es ihm, nicht nur über den zynischen Philosophen Maximus, der auf Anstiften des alexandrinischen Patriarchen Petrus durch ägyptische Bischöfe zum Bischof von Konstantinopel geweiht wurde, Herr zu werden, sondern auch die Kirchen Konstantinopels den Arianern zu entreißen. Der Kaiser selbst geleitete am 27. November 380 Gregor unter militärischem Schutze in die Kathedrale, die Apostelkirche. Damit war er zwar faktisch bereits Bischof von Konstantinopel. Doch ließ er sich erst durch das im Mai 381 eröffnete große Konzil auf den Bischofsthron erheben. Differenzen mit den Konzilsmitgliedern veranlassten ihn, schon bald wieder auf diese hohe geistliche Würde zu verzichten und im Juni 381 Konstantinopel für immer zu verlassen. Er begab sich zunächst wieder nach Nazianz, um dort die verwaiste Diözese noch bis 383 zu leiten. Dann zog er sich bis zu seinem 389 oder 390 erfolgten Tode auf sein Landgut Arianz zurück. [3]

Die literarischen Arbeiten Gregors sind 45 Reden, zahlreiche Gedichte und 245 Briefe. Schon Rufinus von Aquileja hat 399 oder 400 neun Reden Gregors (nämlich die Reden 2, 6, 16, 17, 26, 27, 38-40) ins Lateinische übertragen. Alte Übersetzungen liegen ferner vor in armenischer, syrischer, kirchenslavischer, koptischer, georgischer, arabischer und äthiopischer Sprache. Da die Reden Gregors wohl vielfach in Schulen gelesen und erklärt wurden, erschienen zu denselben schon bald zahlreiche Scholien. Das älteste Scholion geht in den Anfang des sechsten Jahrhunderts zurück. In seinen Reden tritt Gregor gelegentlich, wie in den beiden Reden gegen Kaiser Julian, als Polemiker auf, sehr oft als Lobredner wie in den Reden auf die Makkabäer, auf Athanasius, den Märtyrer Cyprian oder in den Leichenreden auf seinen Bruder Cäsarius, seine Schwester Gorgonia und seinen Vater. [4]

Er behandelt die Trinitätslehre gegen Eunomianer und Mazedonianer. Wiederholt betont er aber diese Lehre an anderen Stellen auch gegen Sabellius und Arius. Gregor hebt klar die Unterscheidungsmerkmale der drei göttlichen Personen hervor. In der Christologie wendet sich Gregor ebensosehr gegen die apollinaristische Mischungs- wie gegen die antiochenische Trennungstendenz. Den Kampf gegen Apollinaris führt er aber vor allem erst im Jahre 381 in den beiden Briefen an Cledonius (Brief 101 und 102). Ganz im Geiste des Origenes betont er gegenüber Apollinaris, dass gerade die menschliche Seele Jesu als Mittlerin die grundverschiedene göttliche und menschliche Natur vereinigt habe. Die Einigung ist eine wahre und wesenhafte. [5]

Gregors Lehre wird sehr verschieden gewertet. In der Regel wurde angenommen, dass die christologischen Ideen Gregors auf die kirchliche Lehrentwicklung grössten Einfluss gehabt haben. Man staunt über die Sicherheit, mit welcher Gregor der kirchlichen Christologie der Folgezeit die Wege wies. Als die guten Arbeiten eines Ephräm, Epiphanius, Cyrill von Jerusalem, Chrysostomus vergessen waren, kam des Nazianzeners Christologie in besonderes Ansehen. Was ihr hierzu verhalf, ist die Christologie der Cledoniusbriefe, die wie der Epiktetbrief des Athanasius zu großer Bekanntheit gelangten. Bezüglich der Trinitätslehre Gregors wird auf einen sehr starken neuplatonischen Einfluss hingewiesen. [6]
 

Theologische Irrtümer; Religionsunterricht

Es gibt mindestens drei theologische Irrtümer: Gottesleugnung, Arianismus bzw. Mohammedanismus und Polytheismus; Sabellius aus Libyen ist der Hauptvertreter des ersten, Arius von Alexandrien der des zweiten, einige Hyperorthodoxe unter uns vertreten den dritten Irrtum. Was ist meine Lehre? Wir müssen das Schädliche der drei Richtungen meiden, in den Grenzen des christlichen Glaubens bleiben und dürfen uns nicht zur Gottesleugnung des Sabellius auf Grund seiner neuen These von der Auflösung und Zusammenziehung verführen lassen. Sabellius lehnte sich an die stoische Anschauung von der Gottheit im Verhältnis zur Welt durch Ausdehnen und Zusammenziehen an. Der Sohn und der Geist, welche nur eine Erscheinungsform des Vaters seien, sollen, nachdem der Zweck ihrer durch Ausdehnung erfolgenden Offenbarung erfüllt ist, sich wieder in den Vater auflösen. Nicht sollen wir uns Gott als etwas Zusammengezogenes, Widersinniges, als eines von den sagen- und schattenhaften Wesen einbilden und darstellen. Wir dürfen aber auch nicht, wie es "die mit Recht als toll bezeichnete Lehre" des Arius oder neuerdings des Muhammad will, die Naturen trennen, und so dem armseligen Ariamismus oder Mohammedanismus verfallen, indem wir "nur dem Ungezeugten die göttliche Natur zuschreiben aus Furcht, Gott möchte uns verlorengehen, wenn er der Vater eines wahren, an Ehren gleichen Sohnes ist. Endlich dürfen wir nicht drei Prinzipien gegeneinander oder nebeneinander aufstellen und so der griechischen Vielgötterei verfallen, von der wir uns losgesagt hatten." [7]

Da sie nämlich für Gott, das höchste Wesen, ihr Seelenheil und die allen vorzüglichste Hoffnung eifernd, sich, je feuriger ihr Glaube ist, um so heftiger der Belehrung widersetzen in dem Wahne, Gehorsam sei Verrat an der Wahrheit und nicht Tugendhaftigkeit, "so verzichten sie lieber auf alles als auf ihre von Hause mitgebrachten Meinungen und die gewohnten Ansichten, in denen sie erzogen worden sind. Ich spreche hier nicht von ganz schlimmen Sündern, sondern von recht mittelmäßigen Menschen, die zwar vom Wege der Wahrheit abirren, aber wegen ihrer krankhaften Scheu und ihres, allerdings unverständigen, Eifers wohl zu denen gehören, welche nicht so streng gerichtet und nicht so hart bestraft werden wie diejenigen, welche aus Schlechtigkeit und Sündhaftigkeit vom Willen des Herrn abfallen. Vielleicht könnten diese gelegentlich umgestimmt und von ihrer widersetzlichen Scheu bekehrt werden, wenn sie von einem Worte getroffen würden, das wie das Eisen den Feuerstein, so ihre schwere, der Erleuchtung würdige Seele zur rechten Zeit von innen oder aussen her schlagen würde. Gar schnell könnte in der Seele infolge eines kleinen Funkens das Feuer der Wahrheit aufleuchten." [8]

Was soll man von denen sagen, welche aus Ruhm- und Herrschsucht „sündhafte Reden gegen den Höchsten führen Ps. 72, 8 [hebr. Ps. 73, 8]“, von der Prahlerei eines Jannes oder Jambres, welche nicht gegen Moses, sondern gegen die Wahrheit sich empörten und wider die gesunde Lehre sich erhoben. So verzichten z.B. die Arianer oder Moslems "lieber auf alles als auf ihre von Hause mitgebrachten Meinungen und die gewohnten Ansichten, in denen sie erzogen worden sind", so dass das Wort des Apostels auf sie zutrifft: 2 Tim. 3, 8: „Gleichwie Jannes und Jambres sich Moses widersetzten, so widersetzen auch diese sich der Wahrheit, Leute mit verderbtem Sinn, ohne Zuverlässigkeit im Glauben.“ Oder was soll man von der dritten Klasse sagen, "von denen, welche aus Dummheit und daraus folgender Frechheit gleich Schweinen auf jede Lehre stürzen und die herrlichen Perlen mit Füßen zertreten?" [9]

Oder was soll man von denen sagen, welche gar keine Anschauung, weder einen schlechten noch einen guten Glauben über Gott von Hause mitbringen und sich allen möglichen Reden und Lehren unterwerfen, um daraus das Beste und Sicherste auszuwählen "im Vertrauen auf ihren eigenen mangelhaften kritischen Geist, und welche bald von diesem bald von jenem Überredungskünstler sich bald dahin bald dorthin führen und leiten lassen, von allen möglichen Meinungen überschwemmt und erdrückt, immer wieder ihre Lehrer wechseln und vieles, was sie gelernt haben, leichtsinnig wie Staub in den Wind schleudern, um schließlich, welche Torheit!, des Hörens und Denkens müde, vor jedem Unterricht den gleichen Ekel zu empfinden und den bösen Vorsatz zu fassen, unseren Glauben als unbeständig und höchst schädlich zu verlachen und zu verspotten, von den Rednern in dummer Weise auf die Lehre schließend? Sie gleichen dem Augenkranken, welcher die Sonne beschuldigt, sie sei finster und leuchte nicht, oder dem Ohrenleidenden, welcher den Tönen den Vorwurf macht, sie seien unmelodisch und unhörbar." [10]

Und wer ist zum Unterricht geeignet? Imame in Koranschulen, Moscheen, im islamischen Religionsunterricht, die aus gefälschten Schriften vorlesen wie dem Koran? Wohl kaum. Diesen Fehler sollte man nicht begehen. Denn "noch schlimmer ist es, wenn einer, der seine eigene Unwissenheit nicht einsieht, mit der Erziehung anderer betraut wird." Gregor von Nazianz sagt sogar: "Kein Unglück verdient so sehr beweint und beklagt zu werden wie dieser Fehler." Der Unterricht sollte daher christlichen Lehrern vorbehalten bleiben, denn diese sind "nicht wie die meisten imstande, das Wort der Wahrheit zu fälschen (2 Kor. 2, 17) und den Wein mit Wasser zu mischen ( Is. 1, 22), d. i. die das Herz des Menschen erfreuende Lehre mit jener, die es überall gibt, die wohlfeil ist, auf der Erde hinfliesst, verrinnt und nutzlos verfliesst. Nicht vermögen wir zu denen, die zu uns kommen, bald so und bald anders zu reden, um ihnen zu gefallen und durch Fälschung für uns Profit zu ziehen, als wären wir Bauchredner und eitle Schwätzer, welche mit irdisch klingenden und irdisch führenden Worten eigenen Lüsten frönen, um bei der Masse große Anerkennung zu finden, obwohl sie doch dieselbe schwer schädigen oder vernichten und obwohl sie das unschuldige Blut reiner Seelen, das von ihren Händen gefordert werden wird, vergießen (Ezech. 3, 20; 33, 8)." [11]

Wenn wir einen von diesen Leuten verstandesgemäß beeinflussen mit den gütigen Worten: „Sage mir, Verehrtester, gilt bei dir Tanzen und Flötenspielen etwas?“ würden sie mit ja antworten, auch die Frage: „Was gilt dir Weisheit und Weise-Sein? Ist es dir gleichbedeutend mit Kenntnis des Göttlichen und Menschlichen?“ werden sie bejahen. „Haltet ihr Tanzen und Flötenspielen für besser und wichtiger als Weisheit oder eher umgekehrt?“ „Über allem steht die Weisheit“, werden sie natürlich antworten, und soweit sind sie ganz vernünftig. „Während nun Tanz und Flötenspiel gelehrt und gelernt werden muss, Zeit, viel Schweißtropfen und Mühen, bisweilen auch Geld erfordert, der Empfehlungen, weiter Reisen und aller jener Arbeiten und Leiden bedarf, wodurch man sich Erfahrung sammelt, sollten wir die Weisheit, die in allem den ersten Rang einnimmt und alles Herrliche in sich birgt, so dass selbst Gott, der doch viele Namen führt, sich am liebsten mit diesem Namen bezeichnen lässt, für etwas so Leichtes und Abgedroschenes halten, dass es ausser dem Willen, weise zu sein, nichts braucht? Das wäre vollendeter Unsinn. Wenn wir oder sonst ein Unterrichteter und Gebildeter so zu ihnen sprechen, um sie etwas von ihrem Irrtum zu bekehren, so heißt dies, auf Felsen säen und tauben Ohren predigen. Sie besitzen nicht einmal so viel Weisheit, dass sie ihre eigene Dummheit einsehen. Mit Recht scheint mir Salomon von ihnen zu sagen: „Schlimmes sah ich unter der Sonne, nämlich einen Menschen, der sich einbildete, weise zu sein (Ekkle. = Prediger 10, 5).“ Und noch schlimmer ist es, wenn einer, der seine eigene Unwissenheit nicht einsieht, mit der Erziehung anderer betraut wird." [12]

Wozu soll ich auf Einzelheiten eingehen? Paulus lebte nicht für sich, sondern für Christus und die Predigt; die Welt hatte er sich gekreuzigt, und er war der Welt und dem Sichtbaren gekreuzigt. Und darum achtet er alles für unbedeutend und zu gering, um darnach zu verlangen. Gleichwohl hat er das Evangelium von Jerusalem und seiner Umgebung in vollem Maße verkündet bis Illyrien (Röm. 15, 19), gleichwohl wurde er in den dritten Himmel entrückt, gleichwohl erhielt er Einblick ins Paradies, gleichwohl durfte er unaussprechliche Worte hören (2 Kor. 12, 4). So ist Paulus, so sind die Paulusjünger. Wir aber müssen fürchten, neben diesen als „törichte Herrscher von Tanis“ (Is. 19, 11) zu erscheinen, als Bedrücker, die selbst noch den Halm eintreiben, als schmeichelnde Volksbetrüger (Is. 3, 12; 9, 16), die, wie ich beifügen möchte, sich umschmeicheln lassen, als Pfadverderber, als spöttische Herrscher und knabenhafte Gebieter, als unreife Männer, die nicht einmal so viel Brot und Kleidung haben, um ein Amt führen zu können, als Propheten, welche Gottlosigkeit predigen (Is. 9, 15).  [13]
 

Jeremias; "Ruchlosigkeit der Führer"

Um nicht durch Aufzählung aller Propheten und ihrer Worte die Rede in die Länge zu ziehen, will Gregor die übrigen übergehen und nur noch eines einzigen gedenken, des Jeremias, „der schon erkannt war, ehe er gebildet wurde, und der vom Mutterleibe an heilig war (Jer. 1, 5)“. Er begehrt Wasser für sein Haupt und Tränenquellen für seine Augen, um Israel gebührend zu beweinen (Jer. 9, 1); nicht minder klagt er auch über die "Ruchlosigkeit der Führer". [14]

So wie man sich heute über die Oberen der christlichen Kirchen beklagen kann, weil sie Christus verleugnen indem sie den Götzen Al-lah für den christlichen Gott halten und dies auch im islamischen Religionsunterricht so lehren, kann man mit Gregor von Nazianz von der "Ruchlosigkeit der Führer" sprechen: Die Priester beschuldigend spricht Gott zu Jeremias: „Die Priester fragten nicht: wo ist der Herr? Und die, welche sich mit dem Gesetze befassten, kannten mich nicht, und die Hirten sündigten wider mich (Jer. 2, 8).“ Wiederum sagt er: „Die Hirten haben den Verstand verloren und suchten nicht den Herrn; daher ist auch die ganze Herde töricht geworden und hat sich zerstreut Jer. 10, 21.“ „Viele Hirtenhaben meinen Weinberg verwüstet; mein kostbares Grundstück haben sie geschändet, so dass es zur weglosen Wüste geworden ist (Jer. 12, 10).“ Sodann wendet er sich an die Hirten mit den Worten: „Wehe den Hirten, welche die Schafe meiner Herde verderben und zerstreuen! Darum spricht der Herr wider die Hirten meines Volkes: Ich habe zerstreut meine Schafe und habe sie verjagt und nicht auf sie geachtet. Siehe, ich bestrafe euch entsprechend euren bösen Plänen (Jer. 23, 1 f.).“ [15]

Mit dem Priester verhält es sich nicht anders als mit dem Volke. Es scheint mir jetzt vollauf das alte Drohwort in Erfüllung zu gehen: „Der Priester ist geworden wie das Volk (Is. 24, 2. Osee 4, 9).“ Die Vornehmen und Führer des Volkes sind nicht anders als die Masse. "Offen führen jene Kampf mit den Priestern und bedienen sich der Kirche, um für ihre Sache zu gewinnen. Wer um des Glaubens und der höchsten und ersten Fragen willen sich solchen Kampf gefallen lassen muss, den tadle auch ich nicht, vielmehr, um die Wahrheit zu sagen, lobe ich ihn und beglückwünsche ihn. Ich wünsche einer von diesen zu sein, welche für die Wahrheit streiten und ihretwegen gehasst werden; ja ich würde mich dessen freuen. Besser ein löblicher Krieg, als ein Friede ohne Gott. Darum rüstet der Geist den Sanftmütigen zum Kampfe, dass er gut zu kämpfen verstehe." [16]

Wer sollte es wagen, ohne bereits alle Namen und Eigenschaften Christi praktisch und theoretisch durchgenommen zu haben, sowohl die erhabeneren und früheren, als auch die, welche unsertwegen niederer und später sind, nämlich: Gott, Sohn, Bild, Wort, Weisheit, Wahrheit, Licht, Leben, Kraft, Hauch, Ausfluss, Glanz, Schöpfer, König, Haupt, Gesetz, Weg, Türe, Grund, Fels, Perle, Friede, Gerechtigkeit, Heiligung, Erlösung, Mensch, Knecht, Hirte, Lamm, Hohepriester, Opfer, Erstgeborener vor der Schöpfung, Auferstehung? Wer sollte es wagen, solange er von diesen Namen und Ideen ohne Nutzen hört und sich noch nicht mit dem Logos verbunden und an ihm teilgenommen hat bezüglich dessen, was er da ist und genannt wird? [17]

Wenn einer noch nicht die Zeit gefunden hat, zu lernen, „Gottes in Geheimnisse gehüllte Weisheit zu verkünden (1 Kor. 2, 7)“, wenn einer noch unmündig ist, erst mit Milch ernährt wird, noch nicht zu den Israeliten gezählt wird und noch nicht dem Heere Gottes angehört, noch nicht die Kraft hat, Christi Kreuz männlich zu tragen, noch in keiner Weise den Edleren eingegliedert ist, wie sollte er da freudig und gerne an die Spitze der Gemeinde Christi [Christou pleroma] treten wollen? Nach meinem Urteile und Dafürhalten ist es unmöglich. Wer weiß, wie schwer es ist, aufzubauen, und welcher Schaden durch Missgriffe angerichtet wird, muss sich vor dem Führeramte fürchten und in ihm größte Gefahren erblicken. [18]
 

Philosophische Aufgabe

Zu seinem Verständnis von Philosophie sagt Gregor von Nazianz: "Sodann veranlassten mich zur Rückkehr die, denen mein Sorgen und Wirken gilt, nämlich meine bejahrten und gebrechlichen ehrwürdigen Eltern, die mehr meinetwegen, als infolge des Alters leiden, Abraham, dieser Patriarch, mein teurer, zu den Engeln zählender Führer, und Sara, welche uns durch die Lehre des Glaubens auch geistig geboren hatte. Vor allem war es mein Wunsch, ihnen im Alter ein Stab zu werden und sie in ihrer Schwachheit zu unterstützen, was ich auch tatsächlich, soweit wie möglich durchgeführt hatte, so sehr, dass ich sogar darauf verzichtete, Philosoph (= Mönch) zu werden, was ich am liebsten erstrebt und wovon ich am liebsten gesprochen hatte, bzw. dass ich, um mich richtiger auszudrücken, meine philosophische Aufgabe besonders darin erblickte, auf das Äussere eines Philosophen zu verzichten." [19]

Es geht nicht um "törichte Hirten" mit einer falschen Philosophie, sondern um Friedens-Philosophie: "Der Gott des Friedens, der „das Getrennte vereint (Eph. 2, 14)“, der uns gegenseitig schenkt, der die Könige auf ihre Throne setzt, der „den Armen von der Erde aufrichtet und den Dürftigen aus dem Schmutze erhebt (1 Kön. 2, 8)“, der David zu seinem Diener erwählt und ihn, obwohl er der letzte und jüngste unter den Söhnen des Jesse war, von seinen Schafherden genommen hat (1 Kön. 17, 14), der „den Verkündigern des Evangeliums die Gewalt des Wortes verleiht, Ps. 112, 7 [hebr. Ps. 113, 7]“ zur Vollendung des Evangeliums, er möge unsere Rechte ergreifen, uns nach seinem Willen führen und mit Ehren annehmen, Ps. 72, 23 f. [hebr. Ps. 73, 23 f.], er, der die Hirten weidet und die Führer leitet, damit wir seine Herde mit Weisheit führen, wofür den Alten Segen beschieden war, und damit wir nicht „mit den Mitteln eines törichten Hirten (Zach. 11, 15)“ führen, wofür jenen Fluch zuteil geworden war. Möge Gott seinem Volke Kraft und Stärke verleihen! Er bereite sich in der Wohnung der Fröhlichen, im Glanze der Heiligen eine herrliche, unbefleckte Herde, welche der himmlischen Hürde würdig ist, auf dass wir alle, Herde wie Hirten, in seinem Tempel das Lob singen in Christus Jesus, unserm Herrn, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit!" [20]
 

Erste Kampfrede [logos steliteutikos] wider Kaiser Julian

Diese und die folgende Kampfrede wider Kaiser Julian, welche nicht vorgetragen worden waren, sondern nur literarische Bestimmung hatten, sind erst nach dem Tode Julians (gest. 26. Juli 363) verfasst worden [21]:
„Höret, alle Völker, merket auf, alle Bewohner des Erdkreises (Ps. 48, 1)!“ Alle rufe ich mit feierlicher, lauter Stimme von weithin sichtbarer, zentraler Warte. Höret, Völker, Stämme, Nationen, Menschen jeden Geschlechtes und jeden Alters, Lebende und Kommende! Und damit meine Rede noch feierlicher ist, rufe ich euch alle, ihr himmlischen Kräfte, euch alle, ihr Engel, die ihr den Sturz des Tyrannen bewirkt, die ihr nicht einen Seon, König der Amorrhäer, nicht einen Og, König von Basan, die nur unbedeutende Herrscher waren und nur Israel, einen kleinen Teil der Erde, bedrängt hatten, vernichtet habt, sondern den Drachen, den Apostaten, den Hochmut der Assyrer ( Is. 10, 12), den gemeinsamen Widersacher und Feind aller, den weithin herrschenden Wahnsinn und Schrecken der Erde, den vielfachen Gotteslästerer." - Saint Gregory of Nazianzus, Orat. IV
Mit „Höre, o Himmel, vernimm, o Erde (Is. 1, 2)!“ fährt er fort: "Es ist ja eine Zeit, da ich mich der gleichen Worte bedienen kann wie Isaias, der redegewaltigste unter den Propheten. Während jedoch Isaias mit diesen Worten Zeugnis gegen das widerspenstige Israel gibt, tue ich es wider einen widerspenstigen Tyrannen, der zur gerechten Strafe für seine Gottlosigkeit gestürzt wurde. Merke auf, auch du, Seele des großen Konstantius, sofern du noch hören kannst, und merket auf, all ihr Herrscherseelen vor ihm, soweit ihr Christus geehrt habt! Obwohl des Konstantius Macht mit der Macht der Kirche Christi gewachsen war, obwohl er diese nach Kräften gefördert und im Laufe der Zeit befestigt hatte, so dass er von allen ehemaligen Kaisern, was er nicht verdient!, das größte Ansehen geniesst, fiel vor allem er in eine Torheit, die ganz im Widerspruch mit seiner Kirchlichkeit stand. Ohne es zu merken, zog er gegen die Christen den Feind Christi (Julian) groß. Darin allein war seine Humanität ungesund, dass er den schützte und zum Cäsar nahm, der zum Unglück am Leben blieb und zur Herrschaft gelangte. Wie über die Niederlage der Gottlosen und die Wiederherstellung der christlichen Kirche wird sich Konstantius wohl auch sehr über meine Rede freuen." Die Söhne Konstantins des Großen, nämlich Konstantin II., Konstans und der obengenannte Konstantius, hatten nach dem Tode ihres Vaters, um sich in ihrem Besitze zu sichern, alle näheren Verwandten ermorden lassen; nur Gallus und Julian, die Söhne des Julius Konstantius, eines Stiefbruders des großen Konstantin, wurden verschont. Nachdem Konstantius 353 Alleinherrscher geworden war, ließ er auch Gallus hinrichten. Julian wurde 357 von Konstantius zum Cäsar erhoben und mit dem Kommando gegen die Franken und Alemannen betraut. Später als Folge von Julians Tod kam es zur Niederlage der antichristlichen Regierung und Wiederherstellung der Kirche. [22]

Denn zunächst deutete er listig das Wort Grieche, als würde es nicht eine Sprache, sondern eine Religion bezeichnen, im konfessionellen Sinne, "um uns von den Wissensschätzen zu vertreiben, als hätten wir uns diebisch fremdes Eigentum angeeignet; er schien zu glauben, dass, wenn er uns von den sog. griechischen Künsten ausschließe, er eben als Grieche Vorteil davon habe." als weiteres Zeichen seiner Torheit glaubte er, "wir merkten es nicht, dass er uns, die wir doch tief auf jene Bildung herabschauen, ja nicht eines besonders hohen Gutes beraubte und dass er selber gerade den heidnischen Lehren misstraute, da ihre Kraft nicht in der Erkenntnis der Wahrheit, sondern in der Form und in Bestrebungen liegt, denen sich anzuschließen uns unmöglicher ist, als Gott trotz der Zunge nicht zu lobpreisen. Wir stellen mit den anderen wie den Körper, so auch das Wort in den Dienst Gottes, sooft es notwendig ist, damit für die Wahrheit zu kämpfen. Julian mag das Verbot erlassen haben, griechische Bildung anzunehmen, die Wahrheit konnte er doch nicht in Ketten schlagen. Seine eigene Schwäche hat er verraten, den Anklagen konnte er nicht entrinnen. dass er immer mehr zu denselben Anlass gegeben, wusste er wohl." In einem Erlass Julians vom 17. Juni 362 heißt es nach Codex Theodosianus XIII. 3, 5: „Magistros studiorum doctoresque excellere oportet moribus primum, deinde facundia. Sed quia singulis civitatibus adesse ipse non possumus, iubeo, quisquis docere vult, non repente nec temere prosiliat ad hoc munus, sed iudicio ordinis probatus decretum curialium mereatur optimorum conspirante consensu. Hoc enim decretum ad me tractandum referatur, ut altiore quodam honore nostro iudicio studiis civitatum accedant.“ Von einem Professor oder Lehrer wird also sittliche Führung und Beredsamkeit verlangt und es wird gefordert, dass durch das Urteil des Gemeinderates über diese Vorbedingung eine Bestätigung ausgestellt werde und dass dieses Dekret des Gemeinderates zur Begutachtung dem Kaiser vorgelegt werde, welcher davon eine Steigerung des Ansehens der Lehrer erwartet. Da es nun von der Entscheidung des Kaisers letzten Endes abhing, ob ein Lehrer die notwendige sittliche Vorbedingung für Anstellung besaß, und da dem Kaiser Julian das christliche Bekenntnis „Wahn und Aberglaube“, also ein sittlicher Defekt war, hatte er mit jenem Gesetze sich das Recht verschafft, christliche Lehrer abzuweisen. Gerade der Schlusssatz, der die Stellung des Lehrerstandes betont und sie zu heben scheint, wird zum Fallstrick der Lehrfreiheit; denn es darf doch sicher nur der auf Bestätigung seiner Wahl rechnen, der dem Kaiser genehm ist. Das Ganze hatte, zwar recht geschickt verdeckt, doch kein anderes Ziel als die Unterdrückung der christlichen Lehrer, bzw. den Ausschluss der Christen aus den angesehenen einflussreichen Lehrämtern. Es wird verlangt, dass überzeugte christliche Lehrer vom Lehramt ausgeschlossen werden. Julian hatte nicht nur christlichen Lehrern das Unterrichten, sondern auch christlichen Kindern die Teilnahme am Unterricht verboten. [23]

Rede- und Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft 

Rede- und Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft ist heute nahezu überall auf der Welt vorhanden - ausser in islamischen Ländern bzw antichristlich eingestellten Diktaturen wie damals die Diktatur des Julian: "Wenn Julian unsere Bildung zu verhindern suchte, so war es ein Beweis, dass er auf seine Religion und seine Bildung nicht vertraute. Er glich einem Wettkämpfer, der sich selbst den Vorzug gibt und öffentlich als der Beste ausgerufen werden will, nachdem er zuerst verboten hat, dass irgendein Kraftmensch mitkämpfe und den Kampfplatz betrete, was doch vielmehr auf Feigheit als auf Kraft schließen lässt. Der Kampfpreis wird doch über Kämpfer und nicht über Müssiggänger, über solche, welche im Vollbesitz ihrer Kraft sind, und nicht über solche, welche großenteils ihrer Kraft beraubt sind, gewonnen. Wenn du dich von vornherein vor Krieg und Kampf fürchtest, so hast du schon damit deine Niederlage bewiesen; du hast mir kampflosen Sieg gewährt, da du darnach strebtest, einem Kampf mit mir aus dem Wege zu gehen. So handelte unser weiser Kaiser und Gesetzgeber. Nichts sollte sich seiner Herrschaft entziehen. Er wollte schon zu Beginn seiner Regierung besonders durch Monopolisierung des Wissens die Torheit proklamieren lassen. Uns aber gebührt es, Gott auch für die Freiheit der Wissenschaft zu danken. Wir müssen ihm zunächst durch die üblichen Opfergaben höchste Ehre erweisen; nicht dürfen wir da Geld und Gut sparen, welches uns trotz der politischen Zeitverhältnisse durch Gottes Güte erhalten worden ist. Vor allem aber müssen wir ihn ehren durch das Wort, dieses Opfer der Gerechtigkeit, das allen Begnadeten gemeinsam ist. Doch, was ich da über Wissen und Reden gesprochen, genügt. Wir wollen nicht durch Weitschweifigkeit Zeit verlieren und den Schein erwecken, als würden wir den Zweck unserer Zusammenkunft vergessen." [24]

So wie es heute KonvertitInnen und Moslems vor allem in muslimischen Ländern gibt, so gab es auch damals solche, die "ihr Seelenheil als erbärmliche Wichte um zeitlichen Gewinn, um eine kleine Gefälligkeit oder Stellung verkauft haben." Dazu Gregor: "ich bedauere natürlich die, welche nicht zur Erkenntnis kommen, ich beklage die, welche ihren Untergang nicht einsehen; dass ihnen diese Einsicht fehlt, ist das Schlimmste in ihrem Unglück. Gleichwohl verweigere ich denen den Zutritt, welche den Samen nicht auf harten, unerschütterlichen Felsen, sondern auf trockenen, unfruchtbaren Boden gesät haben. Es gibt nämlich solche, welche leichtsinnig und kleingläubig auf das Wort hörten. Weil sie keinen tiefen Boden hatten, keimten sie rasch, und, um bei anderen Gefallen zu finden, streckten sie sich. Schon bei kurzem feindlichem Angriff und nur etwas heißer Versuchung trockneten sie aber alsdann aus und starben ab. Es gibt aber auch solche, die noch schlimmer sind als diese und es noch mehr verdienen, von dem Feste ausgeschlossen zu werden. Es sind alle jene, welche nicht einmal auf einige Zeit der Welt und denen standhielten, die uns in schlimme Gefangenschaft schleppen und uns von dem trennen, der in die Höhe aufgefahren ist, um uns in gutem Sinne gefangenzunehmen (Ps. 67, 19), alle jene, deren hervorragende Schlechtigkeit und Käuflichkeit bekannt ist und die, statt etwas Widerstand zu leisten und in Drangsal und Versuchung um des Logos willen Verfolgungen auf sich zu nehmen, ihr Seelenheil als erbärmliche Wichte um zeitlichen Gewinn, um eine kleine Gefälligkeit oder Stellung verkauft haben." [25]

Um einstimmig und in dem einen Geiste jenes Siegeslied zu singen, das einst die Israeliten beim Untergang der Ägypter im Roten Meere angestimmt hatten unter Führung Mariens, welche die Pauke schlug (Exod. 15, 20): „Lasset uns dem Herrn singen; denn groß ist seine Herrlichkeit; Roß und Reiter hat er gestürzt“ nicht ins Meer. "Hier muss ich vom Liede abweichen. Der Herr stürzte ihn, wohin er es in der von ihm bestimmten Weise wollte. „Er, der alles macht und ändert, verwandelt", wie der göttliche Prophet Amos einmal in seiner Prophetie sagte (Amos 5, 8) "in Morgen die Finsternis des Todes und verfinstert den Tag in Nacht.“ Wie in einem Kreise lenkt und leitet er die ganze Welt und unser Leben, mag es stürmisch sein oder nicht, mag es immer wieder wechseln und sich ändern, mag es so verlaufen oder anders. In den Augen der Vorsehung ist es fest und unbeweglich. Mag es sich auch in Gegensätzen abwickeln, die uns unverständlich sind, der Logos aber versteht sie. „Dieser stürzt Fürsten von ihren Thronen (Luk. 1, 52)“ und „schmückt den mit einem Diadem, der es nicht vermutet (Sir. 11, 5).“ So lese ich nämlich in der göttlichen Schrift. „Schwachen Knien verleiht er Kraft (Job 4, 4)“ und „den Arm des Sünders und Bösewichtes zerschmettert er (Ps. 9, 36 [hebr. Ps. 10, 15]).“ [26]
 

Julians Unwahrhaftigkeit; Scheinmanöver der "Sophisten der Bosheit"

Durch Errichtung kostbarster Denkmäler für Märtyrer, durch Schenkung von Weihegaben und "durch all das, was sonst noch Gottesfurcht kennzeichnet, trugen sie Liebe zur Weisheit und zu Christus zur Schau. Der eine allerdings war in der Tat kirchlich gesinnt; wenn er auch von Natur hitziger war, war er doch von aufrichtiger Frömmigkeit. Der andere aber, der bedächtig war, verbarg unter dem Scheine der Frömmigkeit seine Bosheit."  Julians Unwahrhaftigkeit ergibt sich aus seinem Verhalten gegen Bischof Titus von Bostra in der Provinz Arabien. Als dieser an Julian geschrieben hatte, dass er und sein Klerus in jeder Weise dafür eintreten würden, dass die Ruhe in der Stadt nicht gestört werde, behauptete Julian in ep. 52 unter gewaltsamer Verdrehung des Sinnes jener Briefstellen, der Bischof verleumde da seine Mitbürger als zu Unruhen geneigt und erkläre, nur dem Klerus und ihm verdanke man Ruhe, und forderte die Bewohner von Bostra auf, einen solchen Bischof zu vertreiben. Klar spricht seine Unwahrhaftigkeit auch aus seiner Schrift Misopogon, in der er gesteht, dass Unruhen der Heiden gegen die Galiläer wie auch Zerstörung von Märtyrergräbern auf ein von ihm gegebenes Zeichen geschehen seien. [27]

Beide Brüder ließen aus erwähnter Sorge für die Märtyrer und, um sich in glänzendem Wettkampfe an Freigebigkeit zu übertreffen, unter vieler Arbeit und großem Aufwand Kirchen errichten. "Doch ihr Bemühen entsprang nicht gleicher Gesinnung und gleicher Absicht. Das Unternehmen des älteren Bruders gedieh und schritt planmäßig vorwärts; denn Gott gab ihm gerne den Segen wie dem Opfer Abels, das richtig dargebracht und geteilt worden war. Der Segen war gewissermaßen die Weihe des Erstgeborenen. Das Unternehmen des anderen aber hat der Gott der Märtyrer gleich dem Opfer Kains verschmäht. O, schon auf Erden wird über die Gottlosen eine Strafe verhängt, welche das Los im Jenseits bestätigt und durch kleine Andeutungen Gewaltiges prophezeit. Julian bemühte sich, aber die Erde erschütterte, was er mit Mühe baute. Und als Julian erst recht nicht nachließ, weigerte sich die Erde, (nur schon) das von dem Elenden gelegte Fundament für kirchliche Zwecke anzunehmen. Sie verkündete die Erschütterung, die von ihm ausgehen sollte, und ehrte die Märtyrer durch Beschämung des Gottlosen. Dieses Ereignis wies hin auf den von ihm später eingeschlagenen Weg der Despotie und des Wahnsinnes, auf dem er die Märtyrer entehrte und die heiligen Gebäude schändete. Andere merkten den Hinweis nicht, aber den Verfolger verfolgte er schon früh, um ihm die Früchte seiner Gottlosigkeit zu zeigen." [28]

Die Seele mag es verstehen, Unrecht zu tun, aber dem eigenen Schicksal kann sie nicht entrinnen! Gott ist es, der die Zukunft verkündet, um das Unrecht zu vernichten und sein Vorherwissen zu bekunden! Ein unglaubliches oder eher ein wahres als ein unglaubliches Wunder war es! Diese Bruderliebe der Märtyrer! Sie wollten sich nicht von dem, der viele Märtyrer entehren sollte, ehren lassen, kein Geschenk aus der Hand dessen annehmen, der viele für den Kampf bestimmen oder vielmehr sie sogar um den Kampf beneiden sollte. "Oder, um mich richtiger auszudrücken, sie wollten nicht die einzigen von den Märtyrern sein, welche geschändet werden, während andere von heiligen Händen bestattet und geehrt werden sollten. Nicht wollten sie es dem Sophisten der Bosheit gewähren, dass er sich ihrer Schändung rühme. Nicht sollten von ein und derselben Hand, welche den Märtyrern Denkmäler errichtet, solche auch wieder zerstört werden. Nicht sollten die einen Märtyrer geehrt werden, während die anderen entehrt werden. Nicht sollte unmittelbar vor der wahren Missachtung scheinbare Achtung vorhergehen. Nicht sollte sich Julian infolge der Größe seiner Überhebung etwas einbilden und nicht sollte er infolge des Scheinmanövers glauben, so wenig wie die Menschen merke es Gott, der doch das tiefstblickende und weiseste Wesen ist und die Weisen in ihrer Arglist fängt. Er sollte erkennen, dass er erkannt ist, und sollte, weil ertappt, vor Überhebung bewahrt bleiben."  [29]

Ist es zu verwundern, dass Gott auch die Ehrung nicht annahm, welche Julian böswillig und in schlimmer Absicht ihm erwiesen hatte? "Denn Gott achtet nicht auf das, worauf Menschen achten. Er sieht nicht auf das Äußere, sondern auf das, was im Menschen verborgen ist, auf die geheimen Werkstätten böser oder guter Handlungen."  [30]

Als Julian und sein Bruder Gallus zum Mannesalter bereits herangereift waren und die philosophischen Lehren kosteten, und die Redekunst sich aneigneten, welche für die Ehrlichen eine Waffe der Tugend, "für die Nichtswürdigen dagegen ein Stachel der Sünde ist, konnte Julian nicht mehr seinen ganzen krankhaften Zustand verbergen und seine gottlose Arglist nur für sich ganz allein ersinnen. Wie das unter einer Masse schlummernde Feuer, ehe es noch zu heller Flamme emporsteigt, von einzelnen Funken oder von Rauch in seiner Tiefe verraten wird, oder, wenn dir ein anderes Beispiel lieber ist, wie Quellen, die in Höhlen brausend sprudeln, an vielen Stellen des Bodens, weil sie keinen Raum haben und keinen freien Ausgang finden, unter unterirdischem Gurgeln Blasen aufsteigen lassen, von der brausenden Macht emporgetrieben, von der darüber liegenden Last aber niedergehalten und gehemmt, so hat Julian zwar mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse unter der Zucht des Kaisers seine ganze Gottlosigkeit zurückgehalten; es wäre ja noch nicht opportun gewesen, die Gottlosigkeit offen zu zeigen. Aber denen, die mehr Verständnis für Gottlosigkeit als für Weisheit hatten, offenbarte er bisweilen seine geheimen Pläne. Er offenbarte sie in den Reden an seinen Bruder, in welchen er mehr, als es recht war, für die Hellenen eiferte; angeblich allerdings wollte er sich in den Anfängen der Redekunst üben, tatsächlich aber übte er sich im Kampfe gegen die Wahrheit. Ferner offenbarte er seine geheimen Pläne in der Freude an all dem, was den Gottlosen charakterisiert." [31]

Während die Güte des Kaisers den Bruder Gallus zum Cäsar erwählte und ihm einen nicht geringen Teil des Erdkreises überließ, Gallus erhielt den Orient einschliesslich Thraziens, gab er dem Julian Gelegenheit, recht frei und ungebunden sich den gefährlichsten Lehren und Lehrern hinzugeben; zur Schule der Gottlosigkeit wurde ihm Asien, das der Astrologie, Wahrsagerei und der diesen folgenden Zauberei huldigt. Eines fehlte noch der Gottlosigkeit Julians: die Herrschaft. Es dauerte nicht lange, und die Herrschaft wurde ihm geschenkt von der sehr verdorbenen Volksmasse, "aber auch von uns Christen infolge unseres Wohlergehens, das sozusagen den Gipfel erreicht hatte und zu umstürzlerischen Veränderungen geneigt ist, infolge unserer Freiheit, unserer höfischen Gesinnung und unseres Überflusses, der uns über die Schnur hauen ließ." Konstantius erklärte Gallus zwar zum Cäsar; als er aber Verrat vermutete, ließ er ihn töten. [32]

Es scheint tatsächlich schwieriger zu sein, das Gute zu bewahren, als es erst zu erwerben. Und leichter scheint es für einen Schlauen zu sein, ein entschwundenes Glück zurückzurufen, als es im Besitze zu erhalten. „Vor dem Falle kommt die Überhebung (Prov. 16, 18)“, sagen mit Recht die Sprüche, „und vor dem Ruhme die Erniedrigung (Prov. 15, 33).“ Der Überhebung folgt der Fall, der Erniedrigung der Ruhm. Denn „der Herr widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade (Jak. 4, 6).“ Er, der alles gerecht verteilt, vergilt mit Gegensätzen. "In Erkenntnis dieser Wahrheit erklärt David seine Verdemütigung als ein Glück und dankt dem, der ihn verdemütigte, weil er ihn dadurch seine Satzungen gelehrt habe. „Ehe ich verdemütigt wurde, sagt er, habe ich gesündigt; daher beobachte ich dein Gebot (Ps. 118, 67).“ ... Durch unsere Ehrlichkeit und Bescheidenheit waren wir hoch gekommen und hatten wir uns allmählich vermehrt, so dass wir durch Gottes Fügung damals zu Macht und Ansehen gelangt waren. Als wir aber fett wurden, schlugen wir aus, und als wir in die Breite gingen5, kamen wir in Not. Die Ehre und die Macht, welche wir in Verfolgungen und Drangsalen erworben hatten, haben wir im Glück verloren, wie sich im folgenden zeigen wird." [33]

Des Gallus Herrschaft und Leben haben ihr Ende gefunden. Was sich bis dahin zugetragen hatte, will Gregor mit Rücksicht auf den, der das Schicksal veranlasste, und den, der ihm erlag, verschweigen, also mit Rücksicht auf Konstantius und Gallus. "Wenn ich auch ihre kirchliche Gesinnung anerkenne, kann ich doch ihre Verwegenheit nicht loben. Da sie als Menschen notwendig Sünder waren, kann man sie als solche gewiss nicht preisen; wir könnten allerdings auch in diesem Falle den einen in dem Punkte freisprechen, in welchem wir den anderen verurteilen. Sofort wird Julian Nachfolger seines Bruders in der Regierung, nicht aber in seiner religiösen Betätigung. Bald übernimmt er auch das Erbe dessen, der ihn teils freiwillig, teils nach einer für die ganze Welt schlimmen und verderblichen Niederlage, vom Tode gezwungen zum Herrscher gemacht hatte." [34]
 

Konstantinus

Was hat der "erlauchteste, christlichste Kaiser" da angestellt, mit der Ernennung Julians? "Was für einen Plan hast du da gefasst, obwohl du doch alle an Verständnis und Geistesschärfe weit übertrafst, nicht nur die, welche zu deiner Zeit regierten, sondern auch deine Vorgänger! Du hast die ringsum wohnenden Barbaren niedergeworfen und im eigenen Lande bald durch Worte, bald mit Waffen die Großen in deine Hand gebracht; die einen rangst du so leicht nieder, als wärest du gar nicht zugleich von der anderen Seite belästigt worden. Große Siege hast du mit Waffen im Kampfe erworben, noch größer und glänzender aber sind die, welche du ohne Blutvergießen errungen hast. Von allen Seiten kamen zu dir Gesandtschaften und Bittsteller. Die einen waren dir Untertan, die anderen erklärten sich zum Gehorsam bereit. Alle die, welche du erst zu unterwerfen hofftest, waren schon so gut wie unterworfen. Gottes Hand hat dich in allen Plänen und Taten geführt. Dein Geist wurde mehr angestaunt als deine Tatkraft, deine Tatkraft aber auch wieder mehr als dein Geist. Deine religiöse Gesinnung steht aber noch höher als das, was Geist und Hände geschaffen haben. Wie war es möglich, dass du in dem einen Punkt von deinem Geist und Scharfblick verlassen wurdest? Wie konnte deine Güte rasch ungut werden? Welcher Dämon hatte dich betört? Wie konntest du das große Erbe, den Schatz der Väter, nämlich die Christen, das überall auf dem Erdkreis leuchtende Geschlecht, das königliche Priestertum (1 Petr. 2, 9), das unter vielen Mühen und vielen Schweißtropfen sich emporgearbeitet hatte, so rasch, in kurzem Augenblick, dem gemeingefährlichen Manne ausliefern? Vielleicht glaubt ihr, Brüder, dass ich nicht recht verfahre und dass meine Worte unvernünftig sind, weil ich nicht mit der Anklage gegen Konstantius sogleich einen Bericht über die tatsächlichen Verhältnisse verbinde. Doch meine Anklage ist auch schon eine Verteidigung, wenn ihr nur auf die Anklagen aufgepasst habt; die Anklage enthält in diesem Falle schon die Freisprechung. Ich sprach ja doch von der Güte des Konstantius, habe ihn also verteidigt. Wer sollte selbst von denen, die ihn nur einigermaßen gekannt haben, nicht wissen, dass er um der Kirche willen und aus Liebe und lauter Wohlwollen zu uns nicht nur Julian und die Ehrung durch das ganze Menschengeschlecht und die Vermehrung seines Reiches ausser acht gelassen hätte, ja dass er für unsere Sicherheit und unser Heil ohne Mühe selbst sein Reich und all seinen Besitz und sogar sein Leben, das Kostbarste, was es für den Menschen gibt, hingegeben hätte. Niemand hat je für etwas mit so heißer Liebe gewirkt wie Konstantius für die Ausbreitung, Ehre und Macht des Christentums. Nicht die Unterjochung der Völker, nicht die treffliche Ordnung des Staatswesens, nicht der finanzielle Reichtum, nicht die Fülle von Ruhm, nicht die Ehre, Kaiser zu sein und Kaiser zu heißen, nicht all das, was sonst noch das Glück der Menschen ausmacht, nichts von all dem hat ihn so erfreut wie die Tatsache, dass wir durch ihn und er durch uns bei Gott und den Menschen in Ehren stehen und dass unsere Herrschaft für alle Zeit gefestigt ist. Da er tiefer und aristokratischer als die meisten dachte, wusste er auch genau, dass die Macht der Römer mit der der Christen wuchs und dass erst durch das Erscheinen Christi sich das Reich zur vollständigen Alleinherrschaft entwickelt hatte. Wohl vor allem deshalb hat er uns sein Wohlwollen gezeigt. Mag er uns auch gekränkt haben, so tat er es doch nicht, um uns zu verachten oder zu schmähen oder um andere zu bevorzugen, sondern um eine Union zu erzielen und die Trennung und Spaltungen zu beseitigen." [35]

Vielleicht um Julians Geschichte in ihrer ganzen Düsterkeit recht stark hervortreten zu lassen, hat Gregor für Konstantius zu lichte Farben aufgetragen. Konstantius hatte tatsächlich den Arianismus begünstigt. Er vertrieb katholische Bischöfe von ihren Sitzen und ersetzte sie durch arianische, er vergewaltigte die Synoden von Arles (353), Mailand (355), Rimini (369), den fast 100jährigen Bischof Hosius von Cordoba und selbst den Papst Liberius. Allerdings war Konstantius Gegner des Heidentums, während Julian vom Christentum zum Heidentum übergetreten war. In Rede 21, 26 zählt Gregor zu den Fehlern des Konstantius auch die [kainotomia tes pisteos], d. i. seine Begünstigung der Häresie. [36]
 

Julians Erziehung und seine Feldzüge

Seine Lehrer waren die Anhänger Platos und Chrysipps, sowie die berühmte Peripatetikerschule und die angesehene Stoa und die "schöngeistigen Schwätzer". Ferner beeinflussten ihn die Geometrie mit ihrer Anschauung über Gleichheit, die Lehren über Gerechtigkeit und der Grundsatz: „Es ist notwendig, dass man lieber Unrecht leidet, als Unrecht tut.“ Er lernte von vornehmen Lehrern und von Beamten und Gesetzgebern seines Reiches, die er sich von den Straßenecken und aus Löchern geholt hatte, und "die er nicht wegen ihres Charakters pries, sondern wegen ihrer schönen Phrasen bewunderte, ja vielleicht nicht einmal deswegen, sondern nur wegen ihrer Gottlosigkeit, welche er nicht zur Lehrerin, sondern zur tüchtigen Gehilfin für seine Unternehmungen brauchte." [37]

Man darf doch nicht jene bewundern, welche nur mit Worten Staaten gründen, sie aber nicht verwirklichen können, sich vor hohen Tyrannen fast niederwerfen und sich vor einem Obolus tiefer verbeugen als vor den Göttern, und jene, welche teils lehren, es gebe überhaupt keinen Gott, teils die göttliche Vorsehung leugnen und welche alles vom blinden Zufall oder von Sternen und von den dem Zwange unterworfenen, von irgendeiner unbekannten Person und Kraft geleiteten Formen abhängen lassen, und jene, welche annehmen, alles strebe nach sinnlichen Freuden und diese seien der Zweck des menschlichen Lebens. Nur ein schönes Wort ist ihnen die Tugend, deren Wert nicht über dieses Leben hinausreiche. Es gebe ferner über dieses Leben kein Gericht, das das Unrecht später bestrafe. Entweder war jeder jener Weisen ohne Verstand, blieb sozusagen im tiefen Schmutze und in lichtloser Finsternis des Irrtums und der Unwissenheit stecken, war nicht einmal so weit geistig geläutert, um nur die Strahlen der Wahrheit zu schauen, war vom Irdischen und Sinnlichen befleckt und unfähig, über die Dämonen sich zu erheben und des Schöpfers würdig, emporzusteigen. Oder aber, wenn einer noch etwas tiefer blickte, nahm er wohl die Vernunft, nicht aber Gott zum Führer und ließ sich vom Materialismus bzw. Rationalismus leiten, welcher den meisten entsprach und sie daher mehr anzog. Ist es zu verwundern, wenn einer, der solche Lehren genossen hat und von solchen Lehrern erzogen worden ist, sich gegen den, der ihm Vertrauen schenkte und ihn durch Ehren auszeichnete, trotz des Vertrauens und trotz der Ehren so schlimm benommen hat? "Wenn man auch selbst in der Anklage die Entschuldigungen nicht vergessen darf, so glaube ich doch, dass seine Angriffe auf die bestehende Ordnung und sein Kampf für Ungebundenheit und Verwegenheit nicht so sehr auf seinen Schmerz über seinen Bruder, in dem er wegen seines Bekenntnisses seinen Feind erblickte, zurückzuführen sind, als vielmehr auf seine Erbitterung über die Macht der Christen und auf seinen Hass gegen die Religion. Nach der Lehre jener Männer sollte nämlich Weltanschauung und Politik zusammenarbeiten, nicht damit die Staaten vom Unglück befreit, sondern dass sie damit erfüllt würden." [38] 

Seine erste verwegene und kühne Tat war, sich selbst die Herrscherwürde zu übertragen und sich mit dem erhabenen Titel auszuzeichnen, der von den Zeitverhältnissen oder durch Beschluss des Kaisers oder wie früher durch das Urteil des Senates "als Lohn für Tugend, nicht aber als Zufallsbeute verliehen wird; nicht hatte er es dem Herrscher überlassen, das Maß der Ehren zu bestimmen. Was war der zweite Plan Julians, dem, wie er selbst wusste, infolge seiner Tollkühnheiten die Verwegenheit bereits zur Natur geworden war? Bis zu welcher Ruchlosigkeit und Kühnheit ließ er sich hinreißen? Welcher Wahnsinn: Julian zieht gegen Konstantius zu Felde! Er bricht vom Westen her unter dem Vorwande auf, sich wegen der Herrscherwürde zu verteidigen; denn noch glaubte er, seine Verwegenheit verbergen zu können. In der Tat aber bricht er auf, um die ganze Herrschaft an sich zu ziehen und wegen seiner Rücksichtslosigkeit Bewunderung zu finden. In dieser Erwartung allerdings wurde er nicht getäuscht. Nicht möge man ihn bewundern! Die ihn bewundern, kennen nicht die unfassbare Tiefe der göttlichen Gedanken, von welchen alles getragen wird, und wollen nicht die Regierung des Schöpfers anerkennen, obwohl er doch in allem weiser ist als wir und seine eigenen Pläne ganz nach seinem Belieben ausführt, immer natürlich zum Vorteil und Wohl auch derer, welche über ihre Heilung ungehalten sind. Nicht Gottes Gedanken sind es, welche den Julian zur Sünde geführt hatten. Denn da Gott seinem Wesen nach gut ist, ist er nie für die Sünde und für den, der den Weg der Sünde sich erwählte, verantwortlich. Von seinem Vormarsch ließ sich Julian nicht abhalten. In aller Eile marschierte er durch sein eigenes Gebiet, fuhr einen Teil des barbarischen Ufers entlang und legte mehr inkognito, denn als Eroberer, die ganze Strecke zurück und rückte in die Nähe der Residenz. Nach der Ansicht seiner Freunde wurde Julian zum Feldzug ermuntert durch sein Vorherwissen und durch das Treiben der Dämonen, welche Erfolg versprachen und in die Geschichte eingreifen; nach wahren Berichten aber unternahm er ihn, da er einen geheimen, verborgenen Plan gefasst hatte und da er nach Mord verlangte, den er selbst mit Hilfe eines vertrauten Dieners hatte vollbringen lassen. Es handelt sich also nicht um ein Vorherwissen, sondern um ein Wissen, und, was geschah, war nicht die Wohltat von Dämonen, sondern das Werk frevlerischer Gesinnung." Was von der Treffsicherheit der Dämonen in diesen Dingen zu halten ist, hat Persien deutlich gelehrt, Persien bereitete ihm das Ende. Julian zog 361 von Basel aus durch den Schwarzwald mit 3000 Mann, welche er auf der Donau verschiffte; gleichzeitig mit ihm brachen noch zwei weitere Heere, welche zusammen 20000 Mann zählten, durch Norditalien und Rhätien auf. Julian machte mit seinem Korps am Passe von Sukki, an den Quellen des Hebrus, zwischen Sophia und Philippopel, halt. (Ammianus Marcellinus 21, 9) [39] 

Wenn nicht der Tod des Kaisers der Ankunft des Tyrannen zuvorgekommen wäre, wenn nicht der geheime Anschlag über die offene Macht gesiegt hätte, dann hätte der Elende wohl erkennen müssen, dass seine Eile zu seinem Nachteile war. Und ehe seine Verwegenheit und Torheit von den Persern gezüchtigt wurde, wäre er auf römischem Boden für seine Tollkühnheit bestraft worden. Beweis hierfür ist, dass er noch während seines Anmarsches, da er noch wähnte, unbemerkt zu sein, vom edlen Kaiser durch ein Heer umzingelt und so abgeschnitten wurde, dass eine Flucht unmöglich gewesen wäre, wie sich aus der späteren Geschichte ergeben hatte. Denn selbst als Julian bereits zur Herrschaft gekommen war, kostete es ihn keine geringe Mühe, jenes Heer, also die Besatzung von Aquilea, niederzuwerfen. Nun musste der, welcher über die Verwegenheit und Gottlosigkeit zugleich entrüstet war und den Weisesten schon in der Schlinge hatte, d.  h. Konstantius hatte das Heer des Julian bereits umzingelt, mitten auf dem Wege, sein Leben beenden, nachdem er vor Gott und den Menschen wiederholt seine Nachgiebigkeit gerechtfertigt und durch seinen Hingang den Christen gezeigt hatte, dass es ihm um Förderung der Religion zu tun war. Nach Gregor war Konstantius durch die Hand eines Heiden als Opfer für die christliche Religion gestorben. [40] 
 

Julians Aberglaube und Antichristentum

Woher kam dieser Christenhass? War er doch im Gegensatz zu den später auftretenden Osmanen, die Kirchen wie die Apostelkirche in Konstantinopel zerstörten oder in Götzentempel (Moscheen) umwandelten, ein Jünger Christi gewesen, "vertraut mit den erhabenen Lehren der Wahrheit! Hatte er doch, was zum Heile gereicht, sowohl gehört wie gelehrt! Kaum war er zur Herrschaft gelangt, bekannte er offen seine Gottlosigkeit, gleich als hätte er sich geschämt, je Christ gewesen zu sein, oder als hätte er den Christen deswegen gezürnt, weil er mit ihnen den Namen gemeinsam gehabt hatte." Wie diejenigen, welche stolz auf sein unsagbares Beginnen sind, berichten, war der Anfang seiner Vermessenheit: Mit unheiligem Blute wäscht er seine Taufe ab, "unseren Weihen setzt er abscheuliche Weihungen entgegen." Die zunächst im Cybelekult übliche Reinigung durch das Blut von Stieren und Widdern wird beschrieben von Prudentius, Peristeph. 10, 1011-1055. Sie ist vor allem bestätigt durch zahlreiche Inschriften. Unter Opfern geschlachteter Tiere errichtet er seine Herrschaft, auf schlimme Ratgeber seines schlimmen Reiches horchend. [41] 

"Da ich die geschlachteten Opfertiere und den Aberglauben Julians oder, besser gesagt, seinen teuflischen Sinn erwähnte, weiß ich nicht, ob ich von dem allgemein erzählten Wunder schreiben soll oder ob es besser ist, den Berichten nicht zu glauben. Ich bin unschlüssig und weiß nicht zu entscheiden, da Glaubwürdiges mit Unglaubwürdigem vermischt ist, dass einem solch neuerungssüchtigen, gottlosen Frevler ein wunderbares Zeichen gegeben wird, ist zu glauben, hat sich sogar schon wiederholt in Zeiten größter Umwälzungen bewahrheitet; dass es auf die bekannte Weise gegeben wurde, erregt mein Erstaunen und das Staunen aller, welche wünschen und glauben, dass das Reine sich durch Reine offenbare. Wie nun erzählt wird, zeigte sich dem Julian, als er die Eingeweide opferte, ein gekröntes Kreuz. Den einen verursachte diese Erscheinung Schrecken und Furcht, so dass sie unsere Macht anerkannten. Dem Lehrer der Gottlosigkeit aber machte sie angeblich Mut. Er legte das Kreuz und die Krone in einer Weise aus, als wären wir völlig in die Enge getrieben gewesen. Ich selbst wundere mich über die Erscheinung. Sollte sie nicht auf Wahrheit beruhen, dann mögen die Lüfte den Bericht hierüber wegtragen! Beruht sie aber auf Wahrheit, dann wiederholte sich das, was bei der Prophezeiung Balaams (Num. 22, 7 ff.), bei der wahren oder scheinbaren Beschwörung Samuels durch die Zauberin (1 Kön. 28, 12), bei der unfreiwilligen Anerkennung Jesu durch die Dämonen (Luk. 4, 41) geschehen war. Um besser geglaubt zu werden, offenbart sich die Wahrheit durch ihre Feinde. Wohl sollte Julian auf solche Weise von seiner Gottlosigkeit abgehalten werden. Denn Gott weiß in seiner Barmherzigkeit viele und wunderbare Wege, um immer wieder auf neue Art die Menschen zu retten. Was von der Mehrzahl erzählt wird, ist auch glaubwürdig. Das Kreuzzeichen wirkt, die Dämonen ergeben sich, der Schrecken schwindet. Doch was folgt? Die Sünde atmet auf, fasst wieder Mut und stürzt sich von neuem auf Julian mit den gleichen Schrecken. Wiederum wird das Kreuzzeichen gemacht und wiederum geben die Geister Ruhe. Der Myste ist in Verlegenheit. Doch der Mystagoge, der in seiner Nähe weilt, gibt wahrheitswidrig die Deutung: „Wir fürchteten uns, nicht haben wir sie vertrieben; denn der Mindere ist es, der siegt.“ So deutet er, und durch diese Erklärung gelingt es ihm, zu überreden. Nachdem er seinen Schüler Julian überredet hatte, führt er ihn in den Abgrund des Verderbens. Kein Wunder! Denn lieber hört die Sünde auf die Sünde, als dass sie sich von dem Guten beeinflussen lässt. Was nun Julian sprach, was er tat, wie er sich täuschen ließ, ehe er zurückkehrte, wissen die, welche sich aktiv und passiv daran beteiligten. Auf jeden Fall war, als er heraufstieg, seine Seele und sein Handeln verzaubert und zeigten seine rasenden Blicke, wen er verehrte. Oder vielmehr, er war von jenem Tage an, da er so böse Pläne fasste, von den Dämonen besessen. Die Zukunft zeigte es noch deutlicher. Denn nicht vergeblich sollte er hinabgestiegen sein und sich den Dämonen angeschlossen haben, was ihm allerdings von seiten derer, welche es sich zur Ehre anrechnen, Namen zu vertauschen, die Bezeichnung Enthusiast eingetragen hatte. Dies war der Anfang." Später als die "Armeen des Islams ins Land gedonnert" sind, christliche Kirchen zerstörten und hässliche Moscheen an ihre Stelle setzten, so waren sie wie Julian als "Enthusiasten" von den Dämonen besessen. [42] 

Julians Schreckensherrschaft war wie ein Vorwegnehmen der osmanisch-türkischen Schreckensherrschaft für Byzanz und Osteuropa: "Als die Geburt seiner bösen Tat nahe war und die Verfolgung hervorzubrechen drohte, da hatte Julian, entweder, weil er das Zeug zu einem Weisen auf dem Gebiete der Sünde oder zu einem Helden auf dem Felde der Gottlosigkeit besaß, oder weil er von seinen Lehrern dazu gesalbt wurde, eingesehen, dass, wenn er den Krieg offen beginnen und sich an die Spitze der kirchenfeindlichen Bewegung stellen würde, dies nicht nur äusserst verwegen und töricht wäre, sondern auch vollständig von dem erstrebten Ziele wegführen würde, und dass gewaltsames Vorgehen uns kampfmutiger machen und uns veranlassen würde, als christliche Ehrenmänner dem Tyrannen entgegenzutreten. Edle Gesinnung liebt es, offen und ohne Furcht sich gegen die Gewalt zu wenden; sie gleicht einer Flamme, welche vom Winde angefacht wird: je stärker der Wind in sie fährt, um so mehr lodert sie empor. Dies sagte ihm nicht nur der Verstand, sondern konnte er auch auf Grund der früheren Verfolgungen wissen, welche dem Christentum mehr Ehre als Schaden brachten, da sie die Seelen in der Frömmigkeit kräftigten und sie durch die Gefahren wie ein ins Wasser gehaltenes heißes Eisen härteten. Julian hatte gemeint, dass, wenn er den Krieg mit Vorsicht führe und die Gewalt hinter schmeichelnden Worten verberge und für seine Schreckensherrschaft wie für eine Angel Lockspeisen verwende, sein Kampf vernünftig und erfolgreich zugleich sein würde." [43] 

Da Julian die Christen ihres hohen Ansehens berauben wollte, hat er es vor allem auf das abgesehen, "was unser Stolz und unsere Ehre ist. Nicht offen und ehrlich wie die anderen Christenverfolger lässt er die Gottlosigkeit verkünden. Auch gibt er keineswegs kaiserliche oder doch eigenmächtige Entscheidungen gegen uns heraus; denn nicht soll sein schlimmes Unterfangen, das Volk des Erdkreises zu unterjochen und die Lehre, welche über allen Lehren erhaben ist, zu knechten, mit Glanz und Glorie einsetzen. Vielmehr verfolgt er die Kirche gar hinterlistig und niederträchtig, und in der Hetze gegen uns bedient er sich eines zweideutigen Gewebes von Erklärungen. Da er als Regent eine doppelte Aufgabe verfolgte, nämlich zu schmeicheln und zu vergewaltigen, überließ er das Unmännliche, die Knechtung, dem Demos und den Städten, weil diesen wegen ihrer mangelnden Kenntnis und wegen ihres stets unüberlegten Draufgehens Ausschreitungen leichter verziehen werden. Nicht durch Staatsgesetze schritt er ein. Dadurch, dass er Angriffe nicht verhinderte, gab er seinen Willen in ungeschriebenem Gesetze kund." [44] 

Auch das erinnert sowohl an die Jungtürken unter Mustafa Kemal (Atatürk), der hauptverantwortlich ist für den Genozid an den Armeniern, Pontosgriechen und anderer Christen, als auch an die Vorgehensweise des heutigen türkischen Präsidenten: Er reformierte  zuerst seinen Hofstaat "indem er die einen durch Mord aus dem Wege räumen ließ, die anderen entließ und zwar nicht nur deshalb, weil sie zum Kaiser Konstantius hielten, sondern auch deshalb, weil sie noch mehr an dem größeren König hingen, also in zweifacher Hinsicht für ihn unbrauchbar waren. Das Heer gewann er teils persönlich, teils durch seine Offiziere. Er glaubte es leichter zu gewinnen, da es teils nach Ehren strebte, teils aus einfältigen Leuten zusammengesetzt war und da es nur ein einziges Gesetz kannte, nämlich den Willen des Cäsar..Es war wahrlich nicht der geringste Teil des Heeres, den er sich unterworfen hatte und sich zu unterwerfen hoffte, es waren alle faulen und schwachen Elemente, die immer dem Augenblick dienten, damals und früher. Aber nicht alle gewann er für sich. Nicht zu groß war die Masse, welche zum Kampfe gegen uns an den Teufel ausgeliefert wurde, durch welchen der Verfolger wirkte. Es waren noch mehr als 7000 Mann, welche ihr Knie nicht vor Baal beugten (1 Kön. 19, 18) und nicht das goldene Bild anbeteten (Dan. 3, 18) und nicht, da sie auf die angeheftete, durch die Leiden Christi vernichtete Schlange blickten, von den Schlangen verwundet wurden (Num. 21, 9). Darunter waren viele in Würden und hohen Stellungen, bei denen es besonders verständlich gewesen wäre, wenn sie aus Furcht oder Hoffnung nachgegeben hätten, ferner viele gemeine Soldaten, die nur als Zahlen gewertet wurden. Als er diese angriff, prallte er zurück wie eine ungefährliche Maschine vor einer starken Mauer. Die Aufregung über die, welche ihn verlassen hatten, war ebenso groß wie die ihn in seinem Zorne beruhigende Befriedigung über die, welche er für sich eingefangen hatte. Die Hoffnung musste den Erfolg ersetzen." Unter diesen waren die späteren Kaiser Jovian und Valentinian  [45] 

Wie die Osmanen und Türken sich gegen das große Erbe Christi wenden, so auch Julian: er hat gleich zu Beginn seiner Regierung die von Konstantius eingeführte Kreuzesfahne abgeschafft: Er eifert nunmehr auch gegen das Legionsfeldzeichen, das mit dem Kreuze und hocherhoben das Heer geleitet und führt, das die Kraft hat, von Mühen zu befreien... O Törichtester, Gottlosester, in den wichtigen Fragen Ungebildetster! Du wendest dich gegen dieses große Erbe" und gegen die internationale Gemeinde [oikoumenike karpophoria], welche alle Länder gewonnen hat, welche "die Dämonen fesselte und sich über das Zeitliche erhob. Denn sie ist alt und neu zugleich, eine wunderbare Erscheinung... Du wendest dich gegen das große Erbe Christi. Wer bist du denn? Wo ist deine Größe, welches ist deine Herkunft? Groß ist das Erbe und nicht wird es aufhören, auch dann nicht, wenn andere noch mehr als du gegen dasselbe wüten. Immer noch wird es sich ausbreiten und wachsen. Ich glaube nämlich dem, was prophezeit worden ist, und dem, was man sehen kann. Was Gott geschaffen, hat er als Mensch sich zum Erbe genommen. Das Gesetz hat das Erbe vorgebildet, die Gnade hat es verwirklicht. Die Propheten haben dazu den Grund gelegt, die Apostel haben es zusammengefügt, die Evangelisten haben es vollendet. Du wendest dich durch deine Befleckungen gegen das Opfer Christi, durch deine blutigen Greuel gegen das Blut, welches die Welt gereinigt hat. Krieg führst du gegen den Frieden. Deine Hand erhebst du gegen die Hand, welche für dich und durch dich durchbohrt worden ist. Deine Gaumenlust kann die Galle nicht ertragen. Dein Sieg spottet über das Kreuz, deine Ausgelassenheit über den Tod, dein revolutionärer Geist über die Auferstehung. Gegen den Märtyrer hast du nichts aufzuweisen, was an einen Blutzeugen erinnert. Als Verfolger trittst du in die Fußtapfen des Herodes, als Verräter in die des Judas, nur dass du nicht gleich diesem durch den Strick deine Reue bekundest." [46] 

Julian bewunderte dagegen den Scheiterhaufen des Herakles. Herakles bestieg den Scheiterhaufen nicht aus Opfermut. Von seinem Weib Deianira durch das Gewand des Nessus vergiftet, wurde er wahnsinnig, worauf er sich verbrannte. (Ovid, Met. 9, 9 ff)., er bewunderte den für Gäste oder Götter zerfleischten Pelops, aus welchem die durch ihre Elfenbeinschulter berühmten Pelopiden hervorgingen; Tantalus ließ seinen Sohn Pelops schlachten und als Speise den Göttern vorsetzen, welche jedoch Pelops wieder das Leben gaben, indem sie die Fleischstücke wieder zusammenfügten mit Ausnahme der einen Schulter, die von Demeter verzehrt worden war und an deren Stelle Pelops eine Elfenbeinschulter erhielt, welche sich bei seinen Nachkommen als weißer Fleck auf der Schulter vererbte (Ovid, Met. 6, 404. Virgil, Georg. 3, 7.) , Julian bewunderte die Verstümmlung der Phrygier, welche von Flötenspiel sich betäuben lassen, um dann geschändet zu werden bei den Festen der Kybele. Er bewunderte als recht und billig die mystischen Kasteiungen und Verbrennungen im Mithraskult, bewunderte die Sitte der Taurier, die Fremden zu opfern, und das Opfer der trojanischen Königstochter; Polyxena, die Tochter des trojanischen Königs Priamus, wurde von den aus Troja heimkehrenden Griechen an der thrakischen Küste geopfert, weil des Achilles Schatten sie als Sühne für seinen Tod gefordert hatte (Ovid, Met. 13, 448); ferner das Blut, welches Menoikeus für die Thebaner vergossen hatte; Menoikeus, Sohn des Thebanerkönigs Kreon, hatte sich, um Ares zu sühnen und die bedrohte Stadt Theben zu retten, auf der Burg der Stadt erstochen und in die Kluft des Aresdrachens unterhalb der Burg gestürzt (Cicero, Tusc. 1, 116). Julian lobt die spartanischen Knaben, welche gegeisselt wurden und deren Blut auf dem Altare zur Besänftigung der reinen, jungfräulichen Göttin vergossen wurde, was an den Festen der Artemis geschah. Er ehrte den Schierlingstrank, den Sokrates genießen musste, das Bein, an dem Epiktet gefesselt war, den Sack, in den Anaxarchus gesteckt wurde; aber ihre Philosophie war doch weniger eine sittliche Tat als vielmehr die Folge eines Zwanges. Er lobt den Kleombrotus aus Ambrakia, der seine Philosophie aus dem Buche über die Seele geschöpft hatte; Kleombrotus soll, nachdem er Platos Buch über die Unsterblichkeit der Seele gelesen hatte, aus Sehnsucht nach dem Tode von einer Mauer aus ins Meer gesprungen sein (Cicero, Tusc. 1, 34). Er hätte lieber das Rätsel lösen sollen: Als Homer einmal arkadische Fischer fragte, was sie gefangen hätten, antworteten sie: „Was wir gefangen haben, haben wir zurückgelassen; was wir aber nicht gefangen haben, tragen wir bei uns.“ Sie dachten an ihre Läuschen und Flöhchen. [47] 

Julian als Vorgänger der Osmanen und Türken dachte nur daran, "wie er seinen Dämonen, die ihn schon wiederholt verdienterweise geschlagen hatten, willfährig sein könnte. Und noch ehe er staatliche Angelegenheiten ordnete, erhob er sich gegen die Christen. Nach zwei Richtungen ging sein Kampf: gegen die Galiläer, wie er selbst spöttisch die Christen nannte, und gegen die Perser, die hartnäckig in ihrer Kriegsstimmung verharrten. Unsere Sache war ihm aber wichtiger und vordringlicher, so dass er den persischen Krieg dagegen nur als eitles Kinderspiel ansah. Er sprach dies zwar nicht aus, aber er verheimlichte es auch nicht. In einem Übermaße wütete er, dass er es immer und immer wieder vor allen zu erkennen gab. Der allergescheiteste und tüchtigste Staatspräsident wusste nicht einmal, dass, während mit den früheren Verfolgungen nur wenig Erschütterungen und Störungen verbunden waren, und zwar deshalb, weil unsere Lehre noch nicht in die Massen gedrungen war, die Wahrheit sich nur erst an wenige gewandt und noch nicht alles erleuchtet hatte, dagegen nunmehr, nachdem die heilsame Lehre sich ausgegossen und bei uns zu einer großen Macht entwickelt hatte, der Versuch, das Christentum umzugestalten und zu erschüttern, nichts war als eine Erschütterung des römischen Staates und eine Gefahr für die Gesamtheit und nichts anderes bedeutete, als Leiden, wie sie der äussere Feind nicht schlimmer wünschen konnte, von seiten der Christen selbst und von seiten dieser neuen, wunderbaren Philosophie und Regierung sich aufladen, der wir unser Glück verdanken und durch die wir zu diesem goldenen Geschlecht und Reich, das keine Revolution und keinen Krieg kennt, geworden sind." [48] 

Was plante Julian? Welche List ersann er gegen die Christen, welche noch fester standen? Wie später die Osmanen Al-Lah als Götzen verehrten und seine Zeichen überall anbrachten, so verband Julian mit der üblichen Verehrung der Kaiser "gottlose Bräuche und erhob den Götzendienst zum römischen Gesetze. Seine Bilder, auf welche er an Stelle der üblichen Darstellungen Götzen zeichnen ließ, wurden vor dem Volke, den Städten, besonders vor den Volkshäuptern aufgestellt, damit es ganz ausgeschlossen war, dem Unheil zu entrinnen. Denn entweder verehrten sie die Kaiser und zugleich die Götzen oder sie weigerten sich, die Götzen zu verehren, und entzogen, da die Verehrung sich nicht trennen ließ, auch den Kaisern die Ehre. Solcher List, dieser so schlau ersonnenen Schlinge der Kirchenfeinde sind einige entronnen, welche kirchlich besonders feststehen und im Denken besonders geschult sind. Doch hatten sie ihre bessere Schulung zu büßen. Allerdings gab man vor, sie hätten sich gegen die den Kaisern schuldige Ehrung verfehlt; tatsächlich aber hatten sie für den wahren König und für ihre Religion zu leiden. Von den unerfahrenen und einfachen Leuten aber ließen sich viele einfangen. Ihre Unwissenheit mochte sie vielleicht entschuldigen, da sie ja doch durch List auf die Seite der Kirchenfeinde hinübergezogen worden waren. Dieses Verfahren allein genügte, um das Andenken des Kaisers zu schänden. Es ist, wie ich glaube, zwischen Fürsten und Privatleuten zu unterscheiden, da ihr Ansehen verschieden ist. Einem Privatmanne kann man es noch nachsehen, wenn er hinterlistig handelt; denn wenn einem keine äußere Macht zu Verfügung steht, muss man es einem verzeihen, wenn er schlau zu sein sucht. Für einen Kaiser aber ist es nicht nur schändlich, von einer Macht besiegt zu werden, sondern, wie ich glaube, noch schmählicher und ungeziemender, wenn er seine Unternehmungen und Pläne hinterlistig verbirgt." [49] 

Ähnlich wie später die Osmanen konnte Julian, der "weniger das Werkzeug seiner eigenen Ideen, als vielmehr der Spielball des Teufels war, seine Absichten nicht vollständig zu verdecken und seine schlechten Geheimnisse nicht bei sich zu behalten. Gleichwie nach Erzählungen das Feuer des Ätna in dessen Schlünden verborgen ist und in seiner Tiefe gewaltsam am Überströmen entweder durch das Blasen eines gestraften Giganten oder durch sonst eine Kraft verhindert wird, gleichwie es zunächst nur furchtbar donnert und, um das Unglück anzumelden, Rauch aus dem Krater ausspeit, doch, wenn es übermächtig geworden ist und nicht mehr eingedämmt werden kann, aus dem Schoße auflodert, nach oben dringt und sich über den Krater ergießt, um in ungeahnten, furchtbaren Strömen umliegendes Gelände zu zerstören, ebenso konnte man finden, dass Julian zwar einige Zeit, sich selbst beherrschend, seine schlauen Pläne für sich behielt und über sein schlimmes Verhalten uns gegenüber hinwegtäuschte, dass er aber, sobald sein ungezähmter Zorn überbrauste, seine Schlechtigkeit nicht mehr zu verbergen vermochte, sondern als offener Verfolger in unsere göttliche und kirchliche Ordnung einbrach." [50] 
 

Christenverfolgung in Byzanz und Osteuropa; Julians Verehrer

Die muslimischen Osmanen bzw. Türken gelten seit eh und je als ein Volk, das in Ländern wie Griechenland, Albanien, Bulgarien, Ungarn, Armenien, der heutigen Türkei "gegen die Christen wütete" bis hin zum Genozid. Julian hatte schon vorgearbeitet: "Wer weiß nicht, dass, als ein Volk gegen die Christen wütete, viele mordete und noch mehr bedrohte, der Statthalter, welcher, den Mittelweg einschlagend, sich sowohl nach den Forderungen der Zeit richten zu müssen glaubte, als auch den Gesetzen gewisse Achtung schenkte und dementsprechend zwar viele Christen abführen ließ, aber auch manche von den Heiden bestrafte, angezeigt, vor den Kaiser geführt, seiner Ehren verlustig erklärt und abgesetzt wurde? Er entschuldigte sich unter Hinweis auf die Gesetze, nach denen er zu richten beauftragt gewesen wäre. Es hätte wenig gefehlt, dass er hingerichtet worden wäre. Schließlich aber fand er Gnade und wurde in die Verbannung geschickt. Zu bewundern ist seine Antwort; sie verrät menschlichen Sinn. „Was ist es denn Großes, fragt der gerechte Richter, der kein Christenverfolger war, wenn die Hand eines einzigen Heiden zehn Galiläer niedergemacht hat?“ War dies nicht offenkundige Rohheit? War dies nicht eine Aufforderung zur Verfolgung, die noch viel deutlicher und furchtbarer sprach als die öffentlichen Erlasse? Wie unterscheidet sich denn noch der, der den Christenverfolgern freundlich begegnet und maßvolles Verhalten den Christen gegenüber als Unrecht erklärt, von dem, der den direkten Befehl erlässt, gegen sie einzuschreiten? Des Kaisers Wille ist ein ungeschriebenes Gesetz, gestützt auf seine Gewalt; es hat viel mehr Kraft als geschriebene Gesetze, welche in der Macht keine Stütze finden." [51] 

Die Verehrer Julians, wenden, um Julian von der Schuld der Verfolgung zu befreien, ein: Nicht hat Julian öffentlich bestimmt: „Die Christen müssen verfolgt werden und haben alles zu erdulden, was die Verfolger beschließen!“ Als milde Wesen sind sie aber doch noch niemals bezeichnet worden. Gregor will durch die folgenden Beispiele sagen: dass Julian die Verfolgung der Christen nicht selbst leitete (wie später Mustafa Kemal Atatürk bzgl. des Genozids an den Armeniern und anderen Christen), sondern durch verschiedene Personen durchführen ließ, ist für ihn keine Entschuldigung und mildert nicht seinen Charakter. Ganz im Gegenteil, Julian und mit ihm die antichristlichen Moslems wurden verglichen mit "der Hydra, weil sie, wenn man der Sage glauben darf, statt eines einzigen Hauptes neun Häupter trug, oder die Chimäre von Petara (Stadt in Lydien), weil sie drei verschiedene Köpfe hatte, wodurch sie noch viel schrecklicher war (Sie hatte einen Löwen-, Ziegen- und Schlangenkörper), oder der Hadesbewohner Cerberus, weil er drei ähnliche Köpfe hatte, oder das Seeungeheuer Scylla, weil es von sechs furchtbaren Häuptern bekränzt war. Ihr Oberkörper soll allerdings angenehm und freundlich und nicht unschön gewesen sein; sie war eine Jungfrau und hatte etwas von unserer menschlichen Natur. Nur hatte sie Köpfe von Hunden und wilden Tieren; sie brachten Unheil, raubten ganze Flotten und unterschieden sich an Gefährlichkeit in nichts von der gegenüberliegenden Charybdis. Willst du die Pfeile und Steine beschuldigen statt der Bogenschützen und Schleuderer und die Hunde statt der Jäger, das Gift statt des Giftmischers, die Hörner und Krallen statt der stößigen Rinder und kratzenden Tiere? Sollen die, welche sich der Werkzeuge bedienen, ohne Verantwortung sein und keine Schuld an dem haben, was sie unternehmen? Die Einwände von Julians Verehrern verraten große Torheit; sie brauchen wahrlich einen Sophisten, der die eigenen Untaten verteidigt und durch die Macht des Wortes die Wahrheit zudeckt. Doch sich selbst wird Julian nicht vergessen machen, mag er sich hinwenden, wo er will, mag er sich geistig ändern, wie er will, mag er sich, wie man zu sagen pflegt, den Helm des Hades anlegen oder sich durch den Ring des Gyges, und durch Drehen der Ringfassung, verschwinden lassen. Im Gegenteil, je mehr er zu entrinnen und zu entfliehen sucht, um so eher wird er vor dem Richterstuhle der Wahrheit und vor allen vernünftigeren Richtern eben der Taten und Unternehmungen überführt, welche er nicht einmal selbst als recht verteidigen könnte. So hat sich seine Bosheit festgerannt; in eigenen Schlingen hat sie sich überall gefangen." [52] 

Was passierte bevor die "Armeen des Islams ins Land gedonnert" sind und alles Christliche plattgewalzt hatten? "Was weder Diokletian, der den Anfang in der letzten Christenverfolgung gemacht hatte [ho protos enybrisas christianois], noch sein Nachfolger Maximinianus, der ihn noch übertraf, je ersonnen hätte, noch auch Maximinus, der erst nach jenen, aber noch mehr als sie, gegen die Christen einschritt, und an dessen Verfolgung noch öffentliche Denkmäler erinnern, die von den Foltern erzählen [eikones steliteuousai], an das dachte Julian, wie uns die berichten, welche in seine Geheimnisse eingeweiht waren. Allerdings wurde er an der Ausführung seiner Ideen verhindert durch Gottes Güte und durch die Tränen der Christen, die bei vielen reichlich flossen als einziges Mittel gegen den Verfolger. Was er wollte, war, dass die Christen jeglicher Freiheit beraubt und von allen Versammlungen, bürgerlichen Zusammenkünften, festlichen Akten, Gerichtsstühlen ausgeschlossen würden. Er glaubte nämlich, es gehe nicht an, dass einer sich daran beteilige, der nicht vor den aufgestellten Altären Weihrauch streut und auf solche Weise für die Beteiligung an jenen Ehren schwere Entschädigung zahlt. O ihr Gesetze, ihr Gesetzgeber, ihr Fürsten! Gleichwie der schöne Himmel, das Sonnenlicht, das Luftmeer sich in uneingeschränkter, neidloser Liebe allen mitteilt, so habt ihr allen Freien die Befugnis eingeräumt, in gleicher Weise und mit gleichem Rechte die Gesetze zu genießen. Julian jedoch hatte beabsichtigt, den Christen diese Befugnis zu nehmen, damit die, welche vergewaltigt werden, keinen Rechtsanspruch erheben können und die, welche an Hab und Gut geschädigt werden oder sonst eine unstatthafte kleinere oder größere Strafe erhalten, im Gesetze keinen Beschützer finden, sondern in Verbannung und Tod geschickt und fast des Rechtes auf Luft verlustig erklärt werden können. Solches Unrecht verschaffte den Betroffenen größere Ehre und größere Freiheit vor Gott, erhöhte dagegen die Sündhaftigkeit und Ehrlosigkeit seiner Urheber." [53] 
 

Wissenschaft; Reformen im Bildungswesen

 
"Wiederum muss ich von der Wissenschaft sprechen. Es ist notwendig, dass ich zu diesem Thema wiederholt zurückkehre, und dass ich nach Kräften die Wissenschaft zu unterstützen suche. Obwohl es viele furchtbare Taten sind, die Julian mit Recht Hass eingetragen haben, so scheint er doch ganz besonders wegen seines Vorgehens gegen die Wissenschaft Hass zu verdienen. Mit mir möge sich jeder über ihn entrüsten, der Freude am Wissen hat und zu den Gelehrten gehört, zu denen auch ich mich, was ich nicht leugnen will, zähle. Ich habe nämlich auf Reichtum, vornehme Verwandtschaft, Ruhm und Macht, diese irdischen Vorzüge und schattenhaften Schätze, zugunsten derer verzichtet, die darnach verlangten. Der Wissenschaft allein habe ich mich ergeben. Und wenn es Mühen zu Wasser und zu Land kostete, um Wissensschätze zu erwerben, so habe ich mich darüber nicht aufgehalten. Ich wünsche, dass in mir und in meinen Freunden das Wissen auch zur Kraft werde. Diese Kraft liebte ich und liebe ich zunächst nach dem, was das erste ist, nämlich nach Gott und nach dem, was nicht geschaut, nur gehofft wird. Wenn, wie Pindar sagt (Nemeische Epinikien 1, 3), das Eigene alles in Anspruch nimmt, dann ist es notwendig, dass ich von der Wissenschaft spreche. Es ist auch vollständig gerecht, der Wissenschaft den ihr gebührenden Dank durch das Wort abzustatten." -  Saint Gregory of Nazianzus, Orat. IV, 100 

"Die Sprache gehört nicht nur ihren Erfindern, sondern allen, die sich ihrer bedienen; eine Kunst, ein Studium gehört, wenn du ihr Erfinder sein willst, gleichwohl nicht dem Erfinder. Gleichwie vielmehr in Kunst und Musik zwar jeder Ton einer anderen Saite angehört, welcher er bald durch Anspannen, bald durch Nachgeben entlockt wird, das Ganze als solches aber, das zu harmonisch-schöner Einheit verbunden ist, das Werk des einen Dirigenten und Künstlers sein will, ebenso mag in unserem Falle die schaffende, gewaltige Sprache für die Termini des verschiedenen Bestrebens und Formens verschiedene Erfinder aufweisen, aber das Ganze ist es, was sie uns bietet, um uns allen, wenn wir guten Willens sind, durch das Gemeinsame und Beglückende der Sprache das Leben zu einen und zu veredeln." -  Saint Gregory of Nazianzus, Orat. IV

Reformen im Bildungswesen bedeuten in islamischen Ländern in der Regel nur Reformen in der Geschichtsklitterei und Ausschluss der Christen; da es sich ohnehin nur um eine Art Koranschule handelt, ist die Wissenschaft dort in Teilen auch degeneriert. Julian hatte zwar keine Koranschulen, seine Bildungseinrichtungen hatten aber Ähnlichkeit mit Koranschulen. Auch Julian verehrte Götzen. Dazu Gregor: "Du allerleichtsinnigster und unersättlichster Julian, wie kamst du auf den Gedanken, den Christen die Bildung zu entziehen? Mit der Entziehung hast du nicht etwa gedroht, du hast sie gesetzlich gefordert. Wie kamst du dazu, was war dein Grund? Welcher Sprecher Hermes, um deinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, hat dich auf diesen Gedanken gebracht? Welche schlimmen Zauberer und dämonischen Verleumder? Wenn du willst, wollen wir den Grund angeben. Nach dem du in viele schlimme Sünden gefallen warst, solltest du schließlich auch dazu verführt werden, dir selber eine Schlinge zu legen, damit du, worin du der Verständigste sein zu müssen glaubtest, darin, ohne es zu merken, es am meisten fehlen ließest und als dumm gältest. Antworte mir: Welchen Zweck hatte deine Verfügung? Welche Bedeutung hatten deine Reformen im Bildungswesen? Schienest du in deinem Erlass gerecht zu sein, dann wollen wir uns korrigieren und den Tadel zurücknehmen. Denn wir haben nicht nur gelernt, vernünftig zu siegen, sondern auch ehrlich nachzugeben." [54] 

Julian wendet ein: „Uns gehört Wissenschaft und Bildung, denn wir verehren die Götter. Für euch passt Dummheit und Rohheit; euer oberster Grundsatz und eure Weisheit ist: Glaube!“ Die, welche unter euch der pythagoreischen Philosophie anhängen, würden wohl über die Glaubenspflicht nicht lachen. Denn ihr erster und wichtigster Beweis ist: „Pythagoras hat es gesagt.“ Diese Worte gelten ihnen mehr als die goldenen und selbst in Blei gegossenen Gedichte. Den in die Philosophie des Pythagoras Eingeweihten wurde, nachdem sie zuerst das viel gepriesene Silentium (Es dauerte 5 Jahre), um sich durch das Schweigen im mäßigen Gebrauch des Wortes zu üben, beobachtet hatten, vorgeschrieben, dass sie, wenn sie über irgendeine Lehre befragt und ausgeforscht und um einen Grund gebeten würden, nur die eine Antwort geben dürften: „Pythagoras hat es so gelehrt.“ Was ihm eingegeben wurde, sei das nicht zu bekrittelnde, nicht zu untersuchende Lehrprinzip. Mit anderen Buchstaben und anderen Worten wird durch die Erklärung: „Er hat es gesagt“, das gleiche ausgedrückt wie durch unsere Formel „Glaube!“, mögen sie sich auch darüber lustig machen und darüber spotten. Für Christen besagt die Formel, dass man den Worten der vom christlichen Gott inspirierten Männer Glauben schenkt, dass ihre Glaubwürdigkeit die Wahrheit ihrer Lehre garantiert, und zwar besser als jede pseudokritische Auseinandersetzung. [55] 

Das christliche Verständnis von Wissenschaft ist die: "Die Sprache gehört nicht nur ihren Erfindern, sondern allen, die sich ihrer bedienen; eine Kunst, ein Studium gehört, wenn du ihr Erfinder sein willst, gleichwohl nicht dem Erfinder. Gleichwie vielmehr in Kunst und Musik zwar jeder Ton einer anderen Saite angehört, welcher er bald durch Anspannen, bald durch Nachgeben entlockt wird, das Ganze als solches aber, das zu harmonisch-schöner Einheit verbunden ist, das Werk des einen Dirigenten und Künstlers sein will, ebenso mag in unserem Falle die schaffende, gewaltige Sprache für die Termini des verschiedenen Bestrebens und Formens verschiedene Erfinder aufweisen, aber das Ganze ist es, was sie uns bietet, um uns allen, wenn wir guten Willens sind, durch das Gemeinsame und Beglückende der Sprache das Leben zu einen und zu veredeln." [56] 

In Koranschulen und von IslamwissenschaftlerInnen wird heute vielfach geschichtsklitternd behauptet, die europäischen Ziffern stammten aus islamischer Zeit. Sie stammen aber von den Phöniziern oder, wie manche meinen, von den Ägyptern oder von den Hebräern. Gregor fragt sich: "Von wem kommt das Brettspiel, das Zählen, das Rechnen mit Fingerbreite, von wem die Maße und Gewichte und aus noch früherer Zeit die Feldherrn- und Kriegskunst? Nicht etwa von den Euböern, da ja aus Euböa Palamedes stammte, der wegen seiner vielseitigen Erfindungen Neid erregte, wegen seiner Weisheit zur Rechenschaft gezogen und von denen, die nach Ilion fuhren, verurteilt wurde? Wie nun? Wenn die Ägypter, die Phönizier und die Hebräer, von deren Bildung wir profitieren, wenn die Bewohner der Insel Euböa, deinen Grundsätzen entsprechend, auf ihre Erfindungen als ihr alleiniges Eigentum Anspruch erheben, was werden wir tun? Was können wir noch ihnen gegenüber geltend machen, wenn wir uns durch unser eigenes Verhalten gebunden haben? Sind wir nicht vollständig gezwungen, auf ihre Erfindungen zu verzichten und das Schicksal der Dohle zu teilen, d. h. die fremden Federn zu verlieren, um nackt und geschändet zu sein?" [57] 

"Ne, si forte suas repetitum venerit olim
Grex avium plumas, moveat cornicula risum
Furtivis nudata coloribus." - Horaz, Epist. I. 3, 18 ff
Julian, schickte sich zwar an, in allen Städten Schulen zu errichten, Lektor-Pulte [bemata], höhere und niedere Bänke anzubringen, das Vorlesen der hellenistischen Lehren und das Auslegen derselben einzuführen, um durch dieses moralisch zu erziehen und in den Geheimnissen zu unterrichten. Ferner suchte er dem abwechselnd verrichteten Chorgebet und kirchlichen Strafgesetzen, den Zeremonien für die Neueingetretenen und Fortgeschrittenen. Ausserdem wollte er Herbergen und Gaststätten, Heime für Keusche und Jungfrauen und Betrachtungsstätten, also Männer- und Frauenklöster, errichten und wünschte, dass sich die Charitas den Armen gegenüber u. a. auch der Empfehlungsschreiben bediene, welche die Christen den Dürftigen für die Reise von Volk zu Volk mitgeben. Diese Vorzüge hatte Julian bei den Christen bewundert. [58] 

Nur der Lehrstoff war etwas dürftig. "Es ist nicht möglich, diese ihre bewunderte Besserung und Reform verwirklicht zu schauen und hören zu können, worin ihre Lehre besteht und was der Zweck ihrer Zusammenkünfte ist, damit wir, wie Plato über den nur mit Worten gelehrten Staat sagt, ihre Gedanken in Bewegung sehen. Denn jede Philosophie besteht aus zwei Teilen, einem theoretischen und einem praktischen, wovon der erstere erhabener, aber auch schwieriger, der letztere einfacher, aber im Leben brauchbarer ist, und wovon beide bei uns infolge ihrer wechselseitigen Beziehung in Ehren stehen, da wir die Theorie zum Reiseführer in den Himmel erwählen, die Praxis aber zur Leiter machen, auf der wir zur Theorie gelangen, weil ja der an der Weisheit keinen Anteil haben kann, der nicht weise lebt. Jenen aber scheint irgendeiner von beiden Teilen lächerlicher und schwächer zu sein, da ihnen die göttliche Eingebung mangelt und sie daher keinen festen Halt haben können, den Wurzeln gleichend, welche nicht festgewachsen sind und daher im Wasser bewegt werden. Besuchen wir ihre glückliche Aufführung, damit wir, wenn sie spotten und fabulieren, wie es in vielen Schauspielen Brauch ist, an ihrem Spott ein wenig teilnehmen können! Zu dem Worte: „Freue dich mit den Fröhlichen und weine mit den Weinenden (Röm. 12, 15)!“ gehört noch die Aufforderung: „Nimm es auf dich, mit den Schwätzern dumm zu reden!“ Auch Dichter verstehen es, trotz Tränen zu lachen." [59] 

Wie später bzgl. der Koranschulen musste man auch bzgl. Julians Bildungseinrichtungen sagen, dass "dem Denken der feste Grund fehlt." Von solchen Lehrkräften, seien es Imame oder andere Antichristen, kann man nicht viel erwarten: "Man wird Männer holen, welche die, natürlich wie ihr selber sagen werdet, göttlichen Worte auslegen müssen; man wird theologische und Moral-Bücher nachschlagen. Sage mir, was für Bücher werden es sein, und wer wird sie verfasst haben? Es wird sich hübsch machen, wenn von Hesiods Göttergeschichte mit ihren Kämpfen und Wirren, von den schrecklichen Namen und Taten der Titanen und Giganten vorgesungen wird. Man wird erzählen von Kotus, Briareus, Gyges (Kotus, Briareus und Gyges waren hundertarmige Riesen mit 50 Köpfen), von Enceladus (ein Gigant), von euren Drachenfüßlern, von Blitze schleudernden Göttern, von Inseln, welche diesen entgegengeworfen wurden als Geschoße und zugleich als Gräber für die Entgegenstürmenden, von ihren schlimmen Kindern und Sprößlingen, den Hydren, Chimären, Cerberen, Gorgonen, dem Ausbund aller Schlechtigkeit. Solche saubere Geschichten aus Hesiod werden den Zuhörern vorgetragen werden. Orpheus mag mit seiner Laute unter den alles lockenden Gesängen erscheinen und an Zeus die gewaltigen hochtönenden theologischen Worte und Gedanken richten: „Herrlichster, Größter unter den Göttern, der du im Schmutze steckst!“ , nämlich im Schmutze von Schafen, Pferden, Maultieren, wodurch wohl Zeus als Tierschöpfer und Lebenspender gekennzeichnet werden soll; anders lässt es sich nicht erklären. Auch an anderen großen Worten wird man es nicht fehlen lassen. „Also sprach die Göttin und entblößte beide Schenkel,“ um ihre Liebhaber einzuweihen, was noch jetzt unter Symbolen geschieht. Am Schluss wird Phanes,  ein orphischer, mannweiblicher Gott mit vielen Köpfen und goldenen Flügeln, und Ericapäus, ein Wesen der orphischen Theogonie, aus dem Weltei entstanden, auftreten und der, welcher alle Götter verschlingt und wiedergibt, um der Vater der Menschen und Götter zu sein. Ihre Lehren mögen denen vorgetragen werden, die unverständlicherweise auf solche theologische Weisheit hören! Hierauf möge man dazu allegorische, wundersame Auslegungen ersinnen, wobei aber die Rede von ihrem Thema abkommen und in Schlünde und Abgründe fallen wird, da dem Denken der feste Grund fehlt." [60] 
 

Zweite Kampfrede wider Kaiser Julian

Gregor hat seine erste Kampfrede vollendet und abgeschlossen. Deutlich genug hat er Julians Charakter gezeichnet, der sich sowohl in dem offenbarte, was er sich tatsächlich gegen die Christen erlaubt hatte, als auch in dem, "was er, der immer noch Schlimmeres wusste als er tat, erst im Sinne hatte. Nun verfolgen wir mit dieser Rede noch ein anderes Ziel, das sich vielleicht noch keiner gesteckt hat; sie wird Gottes Heiligkeit noch mehr dienen, uns besser passen und den Nachkommen noch nützlicher sein. Wir wollen auch noch über die gerechten Vergeltungen Gottes sprechen, welche ein Gegengewicht gegen die Lasterhaftigkeit sind und welche die einen sofort, die anderen etwas später treffen. Meine Rede wird, meine ich, dem schöpferischen Logos, meinem Herrn, gefallen, der das Unglück durch sein Erbarmen zu mildern, die Verwegenheit durch Entehrungen und Schläge zu züchtigen weiß; denn dies sind seine Erziehungsmittel." [61] 

Immer größer wurde Julians Wut gegen die Christen; wie die Osmanen und Türken wütete er zunächst gegen sich selbst, er trat das Heilige mit Füßen und „verhöhnte den Geist der Gnade (Hebr. 10, 29)“. Man sollte ihn eigentlich Jeroboam oder Achab, den Israeliten, "welche große Verbrecher waren", nennen. "Oder sollen wir zusammenfassend ihm alle Namen zugleich geben? Denn offenbar hatte er die Schlechtigkeit aller in sich vereint, die Treulosigkeit des Jeroboam (1 Kön. 12, 25 ff.), die Blutgier des Achab (1 Kön. 21), die Hartnäckigkeit des Pharao (Exod. 7, 22), den sakrilegischen Sinn des Nabuchodonosor (4 Kön. 25, 9), dazu noch von allen die Gottlosigkeit. Da er alle möglichen Misshandlungen versucht hatte und ihm jede Art der Vergewaltigung, trotzdem niemand besser als er Leiden erfinden und erklügeln konnte, noch zu gering und unbedeutend erschien, hetzte er schliesslich noch die Juden, welche er wegen ihrer alten Leichtfertigkeit und ihres alten glühenden Christenhasses für seine Pläne brauchte, gegen uns auf, indem er, Wohlwollen heuchelnd, es unter Hinweis auf ihre Bücher und Geheimlehren als göttlichen Willen bezeichnete, dass sie nunmehr in ihre Heimat zurückkehrten, ihren Tempel wieder aufbauten und die Herrlichkeit der väterlichen Bräuche wieder herstellten." [62] 

Da Julian mit diesem Plane umging und für ihn gewann, zu allem, was man gerne tut, lässt man sich leicht verführen, dachten die Juden daran, den Tempel wieder zu errichten, und gingen fleissig und bereitwillig ans Werk. Wie solche, welche die Juden bewundern, erzählen, verzichteten deren Frauen nicht nur gerne auf all ihren körperlichen Schmuck zugunsten des Unternehmens und der Arbeiter, sondern glaubten auch, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn sie an ihrer eigenen Brust den Schutt wegschleppten und weder auf ihre kostbaren Kleider, noch auf ihre zarten Glieder achteten; nichts ging ihnen über das Unternehmen. Als nun Sturm und Erdbeben entstanden, kamen sie plötzlich zusammen. Teils eilten sie in benachbarte Gotteshäuser, um zu beten, teils kamen sie mit dem, was sie gerade hatten, wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, zu Hilfe, teils ließen sie sich einfach vom Tumult und der eilenden Masse mitfortreißen. Da wurden sie aber, wie manche berichten, vom Gotteshaus nicht aufgenommen, sondern als sie sich den geöffneten Toren näherten, schlossen sich dieselben vor ihnen infolge einer unsichtbaren, geheimen Kraft, welche zum Schrecken der Gottlosen und zur Festigung der Guten wirkt. Was aber alle berichten und glauben, ist, dass aus dem Tempel Feuer brach, sich gegen die, welche hartnäckig den Zugang erzwangen, stürzte und die einen gleich den Bewohnern von Sodoma oder gleich Nadab und Abiud (Lev. 10, 2), welche wider die Gewohnheit Weihrauch streuten und einen ungewöhnlichen Tod fanden, verbrannte und vernichtete, die anderen schwer verstümmelte. Dies ist Tatsache. Keiner darf daran zweifeln, so wenig als an den anderen Wundern Gottes. (Chrysostomus, Hom. adv. Jud. 16; In st. Babyl. 22; Expos. in Ps. 110; Hom. in Matth. 4; Hom. in Act. 41; Ambrosius, Ep. 29 ad Theod) Auch der Heide Ammianus Marcell. berichtet 23. 1: „Als Alypius mit Hilfe des Statthalters die Arbeiten beschleunigte, brachen furchtbare Feuerflammen wiederholt aus den Fundamenten hervor, machten den Platz unzugänglich und verbrannten mehrere Arbeiter. Da die Elemente sich widersetzten, musste das Unternehmen aufgegeben werden.“ Als Julian von Alypius über die Unmöglichkeit des Tempelbaues benachrichtigt worden war, griff er in einem Briefe, der aus der letzten Zeit seines antiochenischen Aufenthaltes stammt, die jüdischen Propheten an, welche mit Unrecht von einer Wiedererrichtung des Tempels geschrieben hätten und darum hinter den heidnischen Dichtern zurückständen. „Ich will, schreibt er daselbst, die Propheten nicht verhöhnen; denn ich selbst wollte soeben den Tempel zu Ehren der Gottheit, die man dort verehrt, wieder errichten lassen. Doch ich verweise auf dieses Ereignis, um zu zeigen, dass alles Menschliche vergänglich ist und dass die Propheten sich hatten betören lassen. Nichts, ich gebe es zu, steht im Wege, dass ihr Gott groß ist. Doch er hat keine guten Propheten und keine guten Prediger, was davon herkommt, dass sie es unterließen, im gründlichen Unterricht ihre Seele zu reinigen, ihre blinden Augen zu öffnen und die Finsternis ihres Verstandes zu verscheuchen.“ [63] 

Was aber noch wunderbarer und auffallender war, ist, dass am Himmel ein feuriges Kreuz erschien, und dass das Zeichen und der Name, welche einst auf Erden von den Ungläubigen verachtet worden waren, nunmehr am Himmel für alle in gleicher Weise sichtbar wird und Gott zum überragenden Zeichen über die Gottlosen dient. Cyrillus von Jerusalem berichtet in seinem Briefe an den Kaiser Konstantius: „Um die Zeit des hl. Pfingstfestes, am 7. Mai, erschien um die dritte Stunde ein sehr großes Lichtkreuz am Himmel, über dem hl. Golgatha und bis zum hl. Ölberg ausgespannt. Es wurde nicht nur von dem einen und dem anderen, sondern von der ganzen Bevölkerung der Stadt gesehen“ (Kap. 4).[64] 

Was können die Weisen dieser Welt, welche auf ihr Wissen stolz sind, lange Bärte tragen und feine Mäntel umwerfen, dem gegenüberstellen? Setze auch du mir deine Lehre auseinander! Denn du schreibst lange Reden, erzählst unglaubliche Geschichten und gaffst in die Höhe, um Unwahres über den Himmel zu berichten und aus den Bewegungen der Sterne Geburt und Geschichte zu erklären. Erzähle mir von deinen Sternen, von der Krone der Ariadne, vom Haare der Beronike, vom ausschweifenden Schwan, vom hartnäckigen Stier oder, wenn du willst, von deinem Schlangenträger, dem Steinbock, dem Löwen und allen anderen, welche du, auf ihre Schlechtigkeit vertrauend, zu Göttern oder Sternen gemacht hast! Wo berichtet deine Wissenschaft von jenem Glanze, wo von dem Sterne, der einst von Osten her nach Bethlehem eilte und deinen Magiern ein Führer und Freund wurde? Auch ich verstehe mich auf Sternkunde: jener Stern hat das Kommen Christi geoffenbart; diese Glanzerscheinung ist Christi Siegeskranz." Gemeint ist die erwähnte Kreuzeserscheinung [phos ton stauron perigraphon]. [65] 
 

Heer von Dämonen, die seine Führer waren

Die Geschichte verlief also. "Allmählich wurde Julian von seinem Wahne auf den Gipfel seines Unglückes gejagt und gehetzt. Da er nämlich glaubte, die Sache der Christen stehe für ihn günstig, und da er auf Grund seiner Unternehmungen hoffte, er dürfe nur wollen, um alles zu erreichen, und da er gegen die Barbaren im Westen bereits Erfolge hatte, fasste er den allein sehr klugen und vorteilhaften Entschluss: mit einem doppelten Heere, einem Heere von Kriegern und einem Heere von Dämonen, die seine Führer waren und auf die er sein besonderes Vertrauen setzte, brach er gegen die Perser auf, sich mehr auf törichte Verwegenheit als auf die sichere Kraft verlassend und trotz aller Weisheit unfähig, einzusehen, dass [tharsos] und [thrasos], obwohl die Wörter dem Laute nach verwandt sind, doch tatsächlich sehr verschiedenes bedeuten: nämlich Männlichkeit und Unmännlichkeit. In der Gefahr ist Mut Männlichkeit. Nachgiebigkeit Feigheit. Wer aber in übergroßer Gefahr angreift, statt sich zurückzuziehen, ist verwegen; wer jedoch vor solcher Gefahr sich zurückhält, geht den sicheren Weg. Es ist zweierlei, ob man seine Position verteidigt oder ob man nach etwas verlangt, was man nicht hat. Jenes ist vor allem Ehrensache für alle Verständigen; dies mag man tun, wenn es keine Schwierigkeit bereitet, muss man aber andernfalls unterlassen. Es war sehr töricht von Julian, um eines Besitzes willen, den er erst erhoffte, seine ganze Position aufs Spiel zu setzen. Er kommt mir vor wie ein schlechter Faustkämpfer, der den Kampf beginnt, ehe er noch fest steht, oder wie ein Steuermann, der mit einem noch nicht seetüchtigen Schiffe auf der See ein feindliches Schiff versenkt oder versenken will. Ohne Überlegung und ohne Vorsicht nahm er, wie ich glaube, das in Angriff, was er sich in den Kopf gesetzt hatte. Als das römische Reich für ihn erst geboren werden sollte und als es wegen der Verfolgung noch krank war, dachte er schon gierig an fremdes Land." Er glich Salmoneus: Salmoneus suchte den Donner des Zeus durch Felle, Kessel und Wagen und den Blitz des Zeus durch Fackeln nachzuahmen, wofür er von Zeus mit dem Blitze erschlagen und in die Unterwelt verbannt wurde. (Vgl. Virgil Aen. 6, 585 ff.); er nahm sich Männer wie Trajan und Hadrian zum Vorbilde, welche jedoch wegen ihrer Klugheit nicht weniger bewundert wurden als wegen ihrer Tapferkeit. Er dachte weder an das Schicksal des Carus, noch an das des Valerian, welche für törichte Angriffe bestraft worden waren. [66] 

Sein Beschluss stand fest. Alle Wunder der Wahrsagerei und Zauberei, der öffentlichen und geheimen Opfer mussten herhalten. "O Christus und Logos, ihr Leiden des Leidenlosen, o Geheimnis der ganzen Welt, wie gewaltsam und widernatürlich war das, was er im Falle des Gelingens gelobte! Das ganze Geschlecht der Christen wollte er an die Dämonen ausliefern, sobald sein Wunsch erfüllt wäre" (Vgl. Chrysostomus, in s. Babylam 22; Theodoret 3, 16). Der Beginn der Expedition war für ihn sehr günstig und fand den Beifall vieler seiner Anhänger. Er besetzte und verwüstete Assyrien, soweit es vom Euphrat durchströmt wird, und Persien bis zur Mündung des Euphrat in den Tigris und eroberte einige feste Plätze, in denen er keinen Widerstand fand, sei es, dass er infolge des raschen Vorstoßes unvermutet eingetroffen war, sei es, dass ihn die Perser bereits in Händen hatten und allmählich vorwärts drängten, beides wird behauptet. So kam Julian mit seinem Heere, das von seinem Proviant und seinem Train auf den Schiffen des Flusses begleitet war, ohne viel Aufenthalt vor Ktesiphon an. Sein Erscheinen vor der Stadt wurde seinem Wunsche entsprechend als Sieg gefeiert. [67] 

Julian ließ sich durch die Worte der Dämonen beeinflussen; Wie für die späteren Moslems gilt auch für ihn: "Charakterlosigkeit ist ja leichtgläubig". Nun wurde das Maß des Unglückes voll: die Flotte verbrannte, das Brot ging aus. Dabei hatte man für Spott nicht zu sorgen. Fast könnte man von Selbstmord sprechen. Alle Hoffnung war geschwunden; Führer und Führerversprechungen waren einmal. Ringsum aber stand der Feind, ringsum drohte der Krieg. An ein Weiterkommen war nicht leicht zu denken, die Verpflegung machte Schwierigkeit. Das Heer wurde mutlos, es zürnte dem Kaiser. Keine Aussicht war auf Rettung. Nur eines allein schien unter den gegebenen Verhältnissen zu retten: Verzicht auf das schlecht verwaltete Amt eines Kaisers und Generals. [68] 

So verliefen die Ereignisse. Über die weiteren Geschehnisse stimmen die Berichte nicht überein. Sie lauten verschieden, mögen sie von Kriegsteilnehmern oder von Unbeteiligten stammen. Nach einigen wurde er bei einem ungestümen Ausfall, als er keinen Ausweg mehr fand, von einer Lanze niedergestreckt; er habe das Schicksal des Cyrus, des Sohnes der Parysatis, geteilt, welcher, als er gegen seinen Bruder Artaxerxes mit starker Heeresmacht auszog, im mutigen Kampfe durch Tollkühnheit des Sieges verlustig gegangen war. Andere wissen noch Worte aus seinem Munde zu berichten. Als er auf eine Anhöhe gestiegen war, um Überblick über das Heer zu gewinnen und zu sehen, wieviel der Krieg noch verschont habe, und er noch eine große Schar schaute, die stärker war, als er vermutet hatte, soll er gesagt haben: „Wie schmählich ist es, wenn ich noch alle diese Truppen ins römische Gebiet zurückbringe!“ Gerade als hätte er sie um die Errettung ihres Lebens beneidet! Über diese Worte erzürnt, stieß ein Soldat, der sich nicht mehr beherrschen konnte, dem Julian, ohne an sich selber zu denken, das Schwert in den Leib. Wie wieder andere berichten, tat dies einer der barbarischen Spaßmacher, welche im Gefolge des Heeres sind, um in der Zeit der mühevollen Strapazen zu ermuntern und bei Trinkgelagen zu erheitern. "Manche allerdings schreiben diese Ruhmestat einem Sarazenen zu. Auf jeden Fall erhielt Julian eine tödliche, dem ganzen Erdkreis heilsame Wunde. Durch die eine Verletzung musste er dafür büßen, dass er so oft den Eingeweiden töricht Glauben geschenkt hatte. Ich wundere mich, dass er, der in seiner Verblendung alles aus den Eingeweiden erkennen zu können glaubte, dies eine, nämlich die Verletzung seiner Eingeweide, nicht vorausgewusst hatte." [69] 

Julians unmittelbarer Nachfolger in der Regierung (Jovian) wurde noch im Lager selbst, als die höchste Gefahr einen Führer erheischte, ausgerufen. Er war ein Mann, der sich u. a. durch Frömmigkeit und in seinem äußeren Erscheinen auszeichnete und tatsächlich den Thron verdiente. Doch vermochte er keineswegs sich mit den Persern in einen Kampf einzulassen und vorwärtszukommen. Obwohl es ihm an Tapferkeit und gutem Willen nicht fehlte, plante er, da das Heer keine Kraft und keine Hoffnung mehr hatte, den Rückzug. Da er nicht eine Macht, sondern eine Niederlage erbte, suchte er wenigstens mit heiler Haut davonzukommen. Wenn sich nicht die Perser, welche dazu erzogen waren, im Glücke Maß zu halten, in ihrer Siegesfreude gemäßigt oder sich nicht ängstlich infolge sonstiger Gerüchte zu solch unerwartet günstigen Verhandlungen herbeigelassen hätten, hätten sie von dem Heere nicht einmal, wie man zu sagen pflegt, den Feuerträger übriggelassen - Der Feuerträger [pyrphoros] trug das hl. Feuer für die Opfer. Die Perser hätten nämlich dieses ganz in ihrer Hand gehabt, da sie in ihrem eigenen Lande kämpften und durch die Ereignisse gehoben waren. Gute Erfolge stärken ja die Hoffnung. Nun aber lag, wie gesagt, Jovian alles daran, das Heer zu retten und den Römern die Macht zu erhalten; denn das Heer war eine Macht, da es ja nicht schlecht gehandelt hatte aus Feigheit, sondern vielmehr durch die Unüberlegtheit ihres Generals. Die Perser schlossen die Verträge ab, welche so schmählich und, um es kurz zu sagen, der römischen Herrschaft unwürdig waren. Wenn einer Julian von der Schuld an den Verträgen freispricht, Jovian aber die Schuld daran zuschreibt, dann versteht er wohl absolut nichts von dem, was sich damals zugetragen hatte. Die Ähren gehören doch nicht dem, der erntet, sondern dem, der sät. Und an einem Brande hat nicht der die Schuld, welcher ihn nicht löschen kann, sondern der, welcher ihn gestiftet hat. Es ist am Platze, an das Wort, das Herodot in seinem Berichte über die Herrschaft der Samier geschrieben hat, zu erinnern: „Histiaeus hat diesen Schuh genäht, Aristagoras hat ihn angezogen als Nachfolger seines Vorgängers“ - Unter dem Schuh [hypodema] ist der Aufstand zu verstehen, den Histiaeus angezettelt, Aristagoras durchgeführt hatte (Herodot, Histor. 6, 1) [70] 
 

Die Apostelkirche in Konstantinopel war von Konstantin dem Großen erbaut worden

Konstantius wurde im Gegensatz zu Julian von der Bevölkerung geehrt: "Gemeinsam sahen wir in Konstantius einen Vater, da er die äußere Macht des christlichen Glaubens begründet und das Erbe der Lehre übernommen hatte. Wir haben daher, wie es sich gebührte, das Zelt dessen geehrt, der zeit seines Lebens gerecht regiert, sein Leben heilig abgeschlossen und uns eine Macht hinterlassen hat. Soll ich erinnern an die Ankunft vor der großen Kaiserstadt, an das militärische Geleite der ganzen Armee, an das polizeiliche Aufgebot, das sonst zu Lebzeiten eines Kaisers erfolgte, oder an das Hinausströmen der festlich gestimmten Bevölkerung, wie es niemals war und niemals sein wird? Selbst der verwegene, hochgeborene Julian, der sich erst mit dem Purpur geschmückt hatte und daher natürlich sehr stolz war, nahm an der glänzenden Ehrung des Konstantius teil; die gleichen Ehren, welche er gerne entgegennahm, erwies er, wie man sagt, nur gezwungen. Mochte auch das ganze Heer sich vor dem anwesenden Gewalthaber beugen, so zeigte es doch größere Ehrfurcht vor dem Verstorbenen; denn wir haben mehr Gefühl für frisches Unglück, haben Mitleid mit einem treuen Freunde und schenken ihm unser Erbarmen. Da man es dringend verlangte, dass Konstantius als Kaiser geehrt werde, veranlasste man den Apostaten, nachzugeben, und zwang ihn, der Leiche in gebührendem Verhalten entgegenzugehen, d. h. er sollte ohne den Schmuck des Diadems auf dem Haupte und unter gebührender Verbeugung vor dem Kaiser, obwohl er sich dessen Ehren angemaßt hatte, mit den anderen das Geleite geben bis zum Grabe und zum berühmten Heiligtum der Apostel2, welche das heilige Geschlecht übernommen haben und behüten. So erging es unserem Kaiser (Konstantius)". Die Apostelkirche in Konstantinopel war von Konstantin dem Großen erbaut worden. Er wurde seinem eigenen Wunsche gemäß in derselben auch beigesetzt (Vgl. Eusebius, „Leben Konstantins“ 4, 58–60) [71] 

Für Julian war schon der Ausmarsch schmählich, soferne er sich von Völkern und Städten, von dem Geschrei der Masse und der Possenreißer treiben ließ, woran sich noch heute viele erinnern; noch schmählicher jedoch war seine Rückkehr. Und worin bestand die Schmach? Komödianten begleiteten ihn unter Flötenspiel und Verhöhnungen und unter Schandreden, die sie der Bühne entlehnt hatten, und spotteten über seine Treulosigkeit, seine Niederlage und sein Ende. Welche Kränkungen musste er nicht von denen, die darin geschult sind und im Spott ihren Beruf sehen, hinnehmen und anhören, bis endlich die Stadt Tarsus ihn aufnahm! "Warum und wofür diese sich solche Entehrung gefallen lassen musste, weiß ich nicht. In Tarsus ist sein schmutziger Hain, sein unheiliges Grab, sein hässlicher, fromme Augen verletzender Tempel. Hiemit habe ich die größten und bedeutendsten Anklagen erwähnt, die gegen Julian erhoben werden können. Aber ich weiß auch wohl, dass zwei oder drei Schmeichler am kaiserlichen Hofe, die an Gottlosigkeit ihm gleichkamen, andere will ich übergehen, für ihre Gottlosigkeit solchen Lohn erhielten, dass sie ohne Mühe in kurzer Zeit das ganze über Wasser und Land sich erstreckende römische Reich hätten an sich reißen können, wenn nicht so schnell der Geschichte ein verdientes Ende bereitet worden wäre; an Gier und Unersättlichkeit übertrafen sie die ehemaligen Hunderthänder (Vgl. Horatius, Carm. 2, 17, 14. Ovid, Metam. 3, 303). Die höchsten Ämter wurden nicht an die Würdigsten, sondern an die Grausamsten verliehen. Maßgebend war bei Besetzung nur der Abfall (vom Glauben) und dass man für seine schlechte Gesinnung, die man gegen sich selbst hegte, von ihm Geschenke annahm." [72] 
 

"Rechtsverdrehungen und Rechtsbeugungen"

Was man heute von "Rechtsverdrehungen und Rechtsbeugungen" in islamischen Ländern, die sich an der Scharia orientieren, sagen kann, das traf schon auf die Rechtsauffassungen des Julian zu, d.h. mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Dazu Gregorius: "Was soll ich von seinen Rechtsverdrehungen und Rechtsbeugungen sagen? Oft genügt eine einzige Nacht, um das Recht umzuändern und zu verdrehen. Gerechtigkeit war ihm wie Ebbe und Flut. Da der hochgeborene Julian aus Ehrgeiz alles an sich riß, wollte er sich nämlich auch mit Rechtsprechung abgeben. Vielleicht erwecke ich den Schein, als ob ich nur recht unbedeutende Fehler ihm zum Vorwurf mache und als ob ich durch solch kleinliche Vorwürfe das Schlimmste in den Hintergrund stellen möchte. Auf jeden Fall muss man zugeben, dass Julians Taten nicht die Gefilde des Elysiums verdienen, auch nicht den Ruhm, welchen dort Rhadamanthys genießt, an welchem Julian aber seine Genossen und Kollegen teilnehmen lassen. Nur eines will ich noch staunend erwähnen. Er ließ sich nämlich alles daran gelegen sein, zahlreiche Bekannte und Freunde vor allem aus der Zeit seines Aufenthaltes in Asien zu wunderbaren Leistungen einzuladen und sie in ihren Hoffnungen durch Erinnerung an gegebene Versprechungen zu stärken. Als sie aber erschienen waren, lautete das Urteil anders und waren die Augen enttäuscht. Über die einen machte er sich auf diese, über die anderen auf jene Weise lustig. Manche hatte er ehrend zur Tafel gezogen. Aber obwohl er ihnen fleißig mit dem Rufe „Freund!“ zutrank und statt anderer Lockmittel seine geschwätzige Zunge benützte, entließ er sie, ohne dass sie etwas von ihm hatten. Nun wussten sie nicht, ob sie mehr ihm wegen seiner Falschheit oder sich selbst wegen ihres Leichtsinnes Vorwürfe machen sollten." [73] 
 

Charakter Julians

Zum Charakter Julians und dass er sich von "Priestern und Betrügern in ihre Geheimnisse" hat einweihen lassen, wie muslimische Imame dies noch heute bei islamischen Herrschern tun, schreibt Grigorius: "mir war er in mancher Beziehung schon längst bekannt, da ich mit ihm in Athen zusammengekommen war. Ein doppelter Zweck hatte ihn dorthin geführt. Der eine, ehrenwerte, war, Griechenland und seine Bildungsstätten zu besuchen. Der andere, geheimnisvolle und wenig bekannte, war, sich von dortigen Priestern und Betrügern in ihre Geheimnisse einweihen zu lassen; denn seine Gottlosigkeit war noch nicht offene Wege gegangen. Ich habe mir damals von dem Manne kein unrichtiges Bild gemacht, obwohl ich ja nicht zu seinen Vertrauten gehört hatte. Sein anormales Benehmen und seine ganz eigenartige Erscheinung ließ mich über ihn prophezeien; wer gut beobachtet, dürfte ja der beste Prophet sein. Keinen guten Charakter schien mir zu verraten sein wenig fester Nacken, seine zuckenden, schaukelnden Schultern, seine leidenschaftlichen, unruhigen Augen, sein aufgeregter Blick, sein nervöser, unsicherer Gang, seine Nase, die Hochmut und Geringschätzung zeigte, sein verächtlicher Gesichtsausdruck, der die gleiche Gesinnung verriet, sein ungezügeltes, erschütterndes Lachen, sein unbegründetes Zunicken und Abweisen, sein stockendes, durch Atmen unterbrochenes Sprechen, sein ungeordnetes, törichtes Fragen, seine nicht besseren Antworten, welche sich widersprachen und Klarheit, Konsequenz und Bildung vermissen ließen. Soll ich mich auf Einzelheiten einlassen? Ich hatte mir Julian schon vor seinem Auftreten so vorgestellt, wie ich ihn nun aus seinen Taten erkannt habe. Wenn einige von denen, die damals bei mir waren und mich gehört hatten, jetzt hier wären, würden sie mir gerne Zeugnis geben. Kaum hatte ich nämlich Julians Verhalten beachtet, sagte ich zu ihnen: „Welch ein Unglück zieht sich der römische Staat heran!“ Nach diesen Worten betete ich, dass ich als falscher Prophet erfunden werden möchte. Denn dies wäre besser gewesen, als dass die Erde mit solchen Leiden überhäuft wurde und dass sie ein solches Entsetzen schauen mußte, wie sie zuvor noch keines gesehen hatte trotz der bekannten vielen Überschwemmungen, trotz der vielen Brände, trotz der Erderschütterungen und Erdspalten, trotz all der rohen Menschen und trotz der seltsamsten, vielgestaltigen Tiere, welche die Natur ersonnen hatte. Daher fand er auch ein Ende, das seiner Torheit würdig war. An seinem Ende gedachte Gott nicht mehr seiner gewohnten Langmut. Denn damals wäre Güte Versündigung an der Masse gewesen, damals hätte sie die Guten recht mutlos, die Sünder recht verwegen gemacht; damals hätte es den Schein erweckt, als gäbe es keine Vorsehung, keine Regierung, keine Vergeltung, sondern als würde das Weltall von einem blinden, bösen Zufall, der das Höchste überaus gefährdet, getragen und getrieben. Wir, die so berichten, sind, wie man sagt, Galiläer, unangesehene Menschen, beten den Gekreuzigten an, sind Jünger von ungebildeten Fischern, sitzen Psalmen singend bei alten Weibern, sind vor vielem Fasten abgezehrt und halbtot, berauben uns unnützerweise des Schlafes und vergeuden mit eitlem Gerede ganze Nächte an den Stationen. Um euch zu schlagen, fragen wir: Wo sind (jetzt) eure Gelehrten, wo sind eure Ratgeber? Einem unserer „Toren“ , um euren Ausdruck zu benützen, entnehme ich diese siegesbewusste Antwort. Wo sind die Opfer, die Weihen, die Mysterien? Wo sind die offenen und geheimen Opferschlachtungen? Wo ist die gerühmte Kunst der Wahrsager? Wo sind die Erfolge der Prophezeiungen, wo die Wunder der Bauchredner? Wo ist das gepriesene Babylon? Wo der Erdkreis, den du mit ein wenig heiligem Blute erfassen wolltest? Wo sind die Perser und Meder, die du beherrschen wolltest? Wo sind die Götter, die vorausgeschickt wurden und euch begleiteten, die vor und mit euch kämpften? Wo sind die Orakel, welche gegen die Christen sprachen, wo die gegen diese gerichteten Drohungen? Wo ist unsere schon auf einen bestimmten Termin festgesetzte Ausrottung, welche sich sogar auf unseren Namen erstrecken sollte? Alles ist dahingegangen, alles ist vereitelt, zerronnen; der Ruhm der Gottlosen erschien als Traum. Als ein fremder König mit großer Heeresmacht gegen den jüdischen König Ezechias zog, Jerusalem belagerte und scharfe, sündhafte, lästernde Worte gegen den König und gegen Gott selbst ausstieß, gerade als hätte dieser keineswegs die Kraft gehabt, die Stadt aus seiner Gewalt zu befreien, ging Ezechias in den Tempel, zerriß sich die Kleider und erinnerte unter Strömen von Tränen mit zum Himmel gestreckten Händen Gott an die Lästerungen des Senacherib mit der Bitte, seine frechen Drohworte zu strafen. „O Herr, rief er, du hast es gesehen, wie sehr der Fremde dich, den Gott Israels, geschmäht hat. Du hast es gesehen, o Herr, schweige nicht!“ Und des Ezechias Bitte wurde nicht abgeschlagen. Der, welcher gegen Gott kämpfte, erkannte tatsächlich seine eigene Verwegenheit und zog mit seinen Drohungen unter dem plötzlichen Einfluss einer unsichtbaren Gewalt unverrichteter Dinge wieder ab. Einen großen Teil seines Heeres büßte er ein. Wegen einer bitteren Kunde, welche unerwartet die Belagerung und seine Hoffnungen vereitelte, musste er seine Position aufgeben (Is. 36, 2 ff.). Solche Worte sprach Ezechias, der von starker Macht umgeben war, der König des großen Jerusalem, der wohl auch mit eigener Kraft hätte den Feind verdrängen können. Wir aber, deren einzige Waffe, Mauer und sonstiger Schutz die Hoffnung auf Gott ist, da uns jede menschliche Hilfe vollständig genommen und abgeschnitten ist, wen haben wir, dass er auf unsere Bitte höre und die Drohungen abwende, außer Gott, der „bei dem großen Israel schwört (Amos 8, 7)“? O die unverlässigen Erzählungen! O die kühnen Erwartungen! Statt eines anderen Opfers hatte man uns den Dämonen geweiht. Aber wir, das große Erbe Gottes, „das heilige Geschlecht, das königliche Priestertum (1 Petr. 2, 9)“, sind der Kampfpreis geworden, der allein erwartet werden darf, der Siegespreis im einen Kriege." [74] 
 

Griechische Götter und Götzen der Sarazenen

Es soll so sein, wie es Gott gefällt! Wer weiß, ob nicht Gott, der „die Gefesselten befreit, Ps. 145, 7 [hebr. Ps. 146, 7]“ und den Beschwerten und Niederblickenden aus „den Toren des Todes (Sap. 16, 13)“ herausführt, der „nicht den Tod des Sünders, sondern seine Umkehr will (Ezech. 33, 11)“, der auch uns, als wir noch „in der Finsternis und im Schatten des Todes saßen (Luk. 1, 79)“, erleuchtet und belehrt hatte, sich auch noch einmal dieser annehmen und sie, die schwere, eiserne Rute beiseite legend, mit seinem Hirtenstabe weiden wird? "Noch ein neues Siegeslied will ich anstimmen: „Beel ist gefallen, Dagon gestürzt (Is. 46, 1), Saron ist zur Wüste geworden und der Libanon mit Schmach bedeckt (Is. 33, 9).“ Nicht mehr soll man Toren, nicht mehr der leblosen, gefühllosen Schar der Götzen die Herrschaft überlassen", die Götzen der Sarazenen bzw. den der Moslems, Allah, eingeschlossen  Warum sollte man „nach der Fliegengöttin Akkaron fragen (2 Kön. 1, 2)“ oder nach etwas, was noch lächerlicher ist als sie, zum Beispiel den Götzen, der in der Kaaba in Mekka verehrt wird, weswegen Millionen Moslems klimaschädlich z.B. mit turkish airlines dort hinfliegen um den "kostümierten Heulender-Araber-Kitsch des Oberflächlichen" (Rushdie 1995) zu bewundern.  [75] 

Wenden wir uns der Gegenwart und unseren eigenen Verhältnissen zu! Nach Julians Herrschaft und später nach der Reconquista und dem Niedergang des osmanischen Reiches, der den Islam in die Bedeutungslosigkeit stürzte, kann man mit Gregorius sagen: "Nicht mehr wirft man sündhafte Blicke in unsere heiligen Kirchen. Nicht mehr befleckt man mit unheiligem Blute die Altäre, welche nach dem heiligsten, unblutigen Opfer genannt sind. Nicht mehr schändet man geweihte Orte durch heidnische Altäre. Nicht mehr raubt und entheiligt man in götzendienerischer Habgier die geweihten Gegenstände. Nicht mehr verspottet man das graue Haar der Priester, die Würde der Diakonen, die Keuschheit der Jungfrauen. . Nicht mehr errichtet man Stühle der Pest und freut sich, Bischöfe, Priester, Propheten und Apostel, ja Christus selbst, zu schmähen. Nicht mehr triumphiert man über uns und erläßt Gesetze, welche uns von der falschen Bildung ausschließen sollen, gerade als hätte man dadurch auch unsere Zungen zum Schweigen bringen können." [76] 

Nicht mehr sprechen die Eichen, nicht mehr prophezeit der Krug [lebes]. Nicht mehr ist Pythia voll von allen möglichen Mythen und Schwätzereien. Kastalia ist wieder zum Schweigen gebracht und schweigt; nicht mehr raunt ihr Wasser, man lacht darüber. Wiederum ist Apollo die stumme Statue. Wieder wird der Daphnebaum im Mythus beklagt - Die Nymphe Daphne wurde von Apollo verfolgt und in einen Lorbeer verwandelt. (Ovid, Metam. 1, 452 ff.). Wieder ist Dionysus das Zwitterwesen, das sich mit einem Chore von Trunkenen umgibt. Wieder wird Semele vom Blitze getroffen - Semele wurde vom Blitze des Zeus getötet, als sie seine göttliche Herrlichkeit schauen wollte. (Ovid, Metam. 3, 293). Hephaestus hinkt wieder auf beiden Füßen und ist gleichwohl wieder bei Ehebruch schnell zur Stelle (Odyssee 8, 296 ff.) und ist wieder trotz seiner Kunstfertigkeit der rußige Gott und der olympische Thersites. Wiederum ist Ares wegen Ehebruchs mit Deimos (Schrecken) und Phobos (Furcht) und den Kydoimen (Schlachtengetümmel) gefesselt (Ilias 5, 285 ff.) und wegen seiner Frechheit verwundet. Wiederum ist Aphrodite die schändlich geborene Buhlerin, die Beschützerin schmählicher Verbindungen. Wiederum ist Athene die Jungfrau, welche einen Drachen geboren hat. Wieder rast Herakles, bzw. rast nicht mehr. Wieder geht Zeus, der Berater der Götter und ihr oberster Herr, der allein alle Götter samt allem zu sich emporzieht, obwohl er von keinem herabgezogen werden kann. Wieder wird das Grab des Zeus auf Kreta gezeigt (Lactantius, Divin. institut. I, 11, 45). [77] 

Julian solle sich erinnern an seine eigenen schrecklichen Lehren, woran nicht nur Dichter, sondern auch Philosophen ihre Freude haben! Grigorius denkt an seine Pyriphlegethontes, die Kokytoi, die Acherontes (Flüsse der Unterwelt), wo Tantalus - Tantalus wurde zur Strafe von Hunger und Durst gequält, während er bis zum Kinn im Wasser stand und über ihm die herrlichsten Früchte hingen. Auch war er ständig von einem überhängenden Felsblock bedroht., Tityus - Dem Tityus wurde in der Unterwelt zur Strafe von zwei Geiern die Leber gefressen, Ixion - Ixion war mit Händen und Füßen an ein feuriges Rad gebunden, das rastlos gedreht wurde, büßen, "Euer Kaiser Julian gehört zu derselben Gesellschaft. Diesen wird er beigezählt werden, ja er wird nach meinem Dafürhalten sie noch übertreffen. Nicht wird er, bis zum Kinne im Wasser stehend, mit Durst bestraft, nicht hat er, wie es in einer Tragödie heißt (Euripides, Orestes 5 ff.) einen überragenden drohenden Felsen zu fürchten, der, sooft er hinaufgewälzt wird, immer wieder hinabrollt, nicht wird er von sausendem Rade gedreht, nicht wird ihm von Vögeln die Leber in einer Weise gefressen, dass diese nie weniger wird, sondern stets bleibt. Mögen diese Erzählungen Wahrheit oder Mythus sein, hinter der Dichtung steckt Wahrheit. Wir werden es sehen, dass er dereinst noch viel schwerer bestraft wird als die genannten Männer, wenn anders Strafe und Vergeltung sich nach der Größe der Sünden richten." Man denke auch an Dantes göttliche Komödie, in der Muhammad die Qualen erleiden muss, die er seinen Gegnern zugefügt hatte. [78] 

"Weisester Freund, um dich mit deinen Worten anzureden, solche gastfreundlichen Geschenke erwarten dich für deinen Fuß" - Diese Worte sind entlehnt Odyssee 22, 290. Als Ktesippus, einer der Freier der Penelope, vom Rinderhirten mit der Lanze durchbohrt worden war, sprach dieser zu ihm: „Nimm dies Ehrengeschenk für den Kuhfuß, welchen du neulich gabst dem edlen Odysseus, der bettelnd im Saale umherging!“. Gregorius spricht zu Julian wie man heute zu den Machthabern in muslimischen Ländern sprechen könnte, die an ihren Universitäten Geschichtsklitterung betreiben: "So antworten dir wir, welche du durch deine große, wunderbare Gesetzgebung von der Bildung ausgeschlossen hast. Siehst du es, dass wir nicht ständig schweigen müssen, dass wir durch deine Dekrete nicht zur Unwissenheit verurteilt sind, dass vielmehr unser Wort frei deine Unwissenheit kritisiert? Wie es nicht möglich ist, die Stromschnellen des Nil, welche von Äthiopien über Ägypten stürzen, oder die Strahlen der Sonne, mögen sie auch gelegentlich durch Wolken verhüllt werden, aufzuhalten, so ist es unmöglich, die Zunge der Christen zu binden, dass sie nicht eure Verhältnisse tadle. Basilius und Gregor, deine Gegner und Rivalen, wofür du selber sie hieltest und wovon du andere überzeugtest, als du uns durch deine Drohungen ehrtest und erst recht zur Frömmigkeit anhieltest, waren, wie du schon in Griechenland erfahren hattest, bekannt und berühmt durch ihre Lebensführung, ihre Reden, ihre Einmütigkeit. Nach Zyklopenart hast du sie geehrt und sie bis zuletzt für die Verfolgung aufbewahrt. Du dachtest wohl daran, sie den Dämonen zum Dank für den Sieg als große, herrliche Opfer zu weihen, sobald wir dich nach deiner Rückkehr aus Persien empfangen würden, bzw. hofftest du in deinem falschen Glauben, sie mit dir in den Abgrund zu stürzen." [79] 
 

Über den Frieden

Der Vater des hl. Gregor war durch gewisse Nachgiebigkeit gegen die Arianer Anlass gewesen, dass die Mönche und ein großer Teil des Volkes die Gemeinschaft mit ihm aufgegeben hatten. Infolge der Bemühungen des Sohnes und da der Vater ein orthodoxes Glaubensbekenntnis ablegte, wurde die Einigung wieder hergestellt, worauf 364 die folgende Rede gehalten wurde: "Meine Gutmütigkeit löst mir die Zunge, und das Gesetz des Geistes lässt mich über Menschenbräuche hinwegsehen. Dem Frieden weihe ich das Wort; nichts anderem habe ich es zuvor gewidmet. Denn als noch die Glieder gegen uns in Aufruhr waren und der große, ehrwürdige Körper Christi uneins und zerrissen war, so dass fast „unsere Gebeine im Totenreiche ausgestreckt dalagen, Ps. 140, 7 [hebr. Ps. 141, 7]“, gleich der Erde, die vom Pfluge tief aufgewühlt und auf dem Boden ausgebreitet wird, als der Böse noch das nicht zerschnittene, ungeteilte,  vollständig gewobene Gewand (Joh. 19, 23) auftrennte, um es sich ganz zu eigen zu machen, was ihm durch uns, nicht aber durch die, welche Christum gekreuzigt hatten, möglich wurde, da gab ich eine Sperre meiner Zunge, die nicht gewöhnt ist, ohne weiteres zu sprechen; denn ich glaubte, ein geordnetes Geistesleben verlange, dass ich zunächst durch die Philosophie der Tat mich reinige, alsdann den Mund des Verstandes öffne, um Geist einzuatmen und schließlich ein gutes Wort zu reden und Gottes vollkommene „Weisheit unter den Vollkommenen zu verkünden (1 Kor. 2, 6)“. Wie nach dem trefflichen und sehr weisen Ausspruche Salomons, (Ekkle. /Prediger 3, 1)  jedes Ding, das kleine wie das große, seine Zeit hat, so wußte ich so gut wie ein anderer, dass es auch eine Zeit des Redens und eine Zeit des Schweigens gibt." [80] 

Derjenige Engel, welcher kühn sich widersetzt und über seine Stellung hinaus mit trotzigem Nacken wider den allmächtigen Herrn erhoben und, wie der Prophet sagte (Is. 14, 14), nach dem Sitz über den Wolken verlangt hatte wie der Götze Allah, "wurde seiner Torheit entsprechend bestraft. Er wurde verurteilt, statt Licht Finsternis zu sein, bzw., um mich richtiger auszudrücken, er machte sich selbst zur Finsternis. Die übrigen Engel blieben in ihrer Würde und erfreuten sich darin vor allem des Friedens und der Ruhe, da die gepriesene, heilige Trinität ihnen Einheit und Erleuchtung verliehen hatte. Denn die Trinität selbst ist ein Gott und wird als ein Gott geglaubt, da sie sowohl eins ist im Denken, wie gleich in ihrem Wesen. Daher treten Gott und dem Göttlichen alle diejenigen nahe, welche offen und ehrlich das Gut des Friedens begrüßen, dagegen Auflehnung hassen und verabscheuen. Zur Gegenpartei aber gehören alle jene, welche Streit suchen, durch Neuerungen Ruhm ernten wollen und stolz auf ihre Schande sind. Der Satan steht im Streit mit sich selbst und wirkt als Menschenmörder von Anbeginn und als Feind des Guten durch Zerrissenheit und Leidenschaften auch in anderen Streit, um im Dunkeln, in der Finsternis der Auflehnung sich verbergend, den einen Leib der Kirche niederzustrecken. Auch an den einzelnen macht er sich wohl oftmals listig und schlau heran und öffnet sich geschickt in uns ein Plätzchen, um dann vollständig einzubrechen wie ein kühner Krieger in eine Mauerbresche oder eine Heereslücke." Diese Schilderung passt heute wie damals auf diejenigen, die nicht ganz bei Trost sind, also die Anhänger Muhammads, die nicht nur in islamischen Ländern Streit anzetteln und nach Dante dafür büßen müssen. [81] 
 

Trauerrede auf Cäsarius, seinen Bruder 

Cäsarius war unter Konstantius und Julian Arzt am Hofe zu Konstantinopel, unter Valens Finanzbeamter in Nicäa. Als er sich ins Privatleben zurückziehen wollte, wurde er vom Tode überrascht. Gregorius schreibt: "Wir werden nicht über das Maß hinaus den Verstorbenen beklagen, da wir ja auch von anderen nicht wünschen, dass sie es so machen. Wir werden aber auch nicht über Maß und Gebühr Lob spenden, obwohl für den Gebildeten das Wort und für den, der in besonderer Liebe an meinem Worte hing, die schöne Rede mehr als sonst etwas eine teure, sehr passende Gabe ist, ja nicht bloß eine Gabe, sondern geradezu die allernotwendigste Pflicht. Durch Tränen und Bewunderung genügen wir den Forderungen des Gesetzes. Dies widerspricht nämlich nicht unserer Weltanschauung; denn „das Andenken der Gerechten sei in Ehren (Prov. /Sprichw. 10, 7)“ und, so heißt es, „um eines Toten willen vergieße Tränen und weine, da du Schlimmes erduldet hast (Ekkli/Sir. 38, 16)!“ Doch halten wir uns ebenso frei von übergroßem Schmerze wie von Gefühllosigkeit. Wir verweisen sodann auf die Schwäche der menschlichen Natur, erinnern an die Würde der Seele, trösten, wie es sich gebührt, die Trauernden und lenken den Schmerz vom Fleischlichen und Vergänglichen auf das Geistige und Ewige." [82] 

So dachte Cäsarius, auch als er am Hofe weilte. In solcher Gesinnung lebte er und starb er. Noch größer als die Frömmigkeit, welche er nach außen zeigte, war die, welche in seinem Inneren verborgen war und welche er Gott offenbarte und weihte. "Soll ich alles übergehen, nämlich seine Sorge für die notleidenden Verwandten, seinen Abscheu vor dem Hochmut, seine unparteiische Freundlichkeit, seine Offenheit gegenüber den Herrschern, seine Kämpfe für die Wahrheit, seine vielen nicht nur klaren, sondern auch durchaus religiösen und begeisternden Reden, die er an viele gehalten hatte, und soll ich statt alles, was er geleistet hat, nur etwas berichten: das Erwähnenswerteste ist folgendes. Ein Kaiser von schlimmem Rufe raste gegen uns. Nachdem er durch seinen Abfall von Christus zunächst gegen sich selbst gewütet hatte, wurde er nun auch seinem Nächsten gegenüber unausstehlich. Aber nicht gleich den übrigen Christusfeinden bekannte er sich offen zur Gottlosigkeit, vielmehr verbarg er seine Verfolgungssucht unter dem Scheine der Loyalität. Gleich der sich krümmenden Schlange, welche von seiner Seele Besitz genommen hatte, zog er auf alle mögliche Weise armselige Menschen in seinen Abgrund. Da dieser Edelmann die Christen sogar um die Ehre des Martyriums beneidete und darum nicht einmal wollte, dass wir dieser Ehre gewürdigt werden, war es vor allem sein Sinnen und Trachten, zum Martyrium verurteilte Christen als Verbrecher hinzustellen. Sodann wollte er, dass man sein Einschreiten nicht als Gewalt, sondern als Erziehung bezeichne, gerade als ob die, welche freiwillig zur Gottlosigkeit übertreten, mehr auf Ehre als auf Sicherheit geben. Nachdem er die einen durch Geld, andere durch Ehren oder Versprechungen oder durch alle möglichen Auszeichnungen, welche er nicht in königlicher Vornehmheit, sondern echt demokratisch vor aller Augen erwies, und alle durch seine bestrickenden Worte und durch sein Beispiel für sich gewonnen hatte, versuchte er es aus vielen Gründen auch mit Cäsarius. Welche Torheit, welcher Wahnsinn war es, zu hoffen, einen Cäsarius, der mein Bruder und der Sohn solcher Eltern war, zu erbeuten! Ich will mich etwas bei der Erzählung aufhalten. Der Bericht über das seltsame Ereignis soll mir eine Freude sein, wie dieses selbst eine Freude für die Teilnehmer war. Der edle Cäsarius trat, mit dem Zeichen Christi bewaffnet und von dem großen Logos geschützt, vor den starkgerüsteten, redegewandten Kaiser. Des Kaisers Anblick erschreckte den Cäsarius nicht und seine Schmeichelreden raubten ihm nicht die Gesinnung. Er war ein Kämpfer, der in Worten und Taten seinen Mann stellte gegenüber dem, der es verstand, hier wie dort zu streiten. So war der Kampfplatz, auf welchem dieser große Kreuzesritter sich zu messen hatte. Den Kampf bestimmte auf der einen Seite Christus, der den Kämpfer mit seinem Kreuze bewaffnete, auf der anderen Seite ein furchtbarer Tyrann, der durch freundliche Worte schmeichelte und durch die Wucht seiner Gewalt schreckte. Die Zuschauer waren einerseits solche, die der Kirche treu geblieben waren, anderseits solche, welche der Kaiser abtrünnig gemacht hatte. Sie warteten, nach welcher Seite sich der Kampf entschiede; sie waren auf den Sieg gespannter als die Schauspieler." Auch heute findet ein Geistes- und Kulturkampf statt zwischen dem antichristlichen Islam und dem Christentum. Es gibt den "Kampfplatz", auf welchem "große Kreuzesritter sich zu messen" haben. Den Kampf bestimmt "auf der einen Seite Christus, der den Kämpfer mit seinem Kreuze" bewaffnet, "auf der anderen Seite ein furchtbarer Tyrann", heute vor allem die Ideologie des Islams. [83] 

Gregorius fährt fort: "Warst du nicht um Cäsarius in Sorge? Hattest du nicht gefürchtet, er möchte aus Willensschwäche sich unwürdig benehmen? Geduld! Der Sieg war Christi, der „die Welt besiegt hat (Joh. 16, 33)“. Es wäre mir, wisset es wohl!, eine große Ehre, wenn ich die Reden und Ansichten, die damals vorgetragen worden waren, jetzt im einzelnen wiedergeben könnte. Die Disputation enthielt geistreiche Wendungen und Feinheiten, an die ich mich mit Vergnügen erinnere. Aber Zeit und Thema gestatten durchaus nicht, darauf einzugehen. Nachdem Cäsarius alle Spitzfindigkeiten seines Gegners widerlegt und alle geheimen und offenen Angriffe gewissermaßen spielend zurückgewiesen hatte, erklärte er laut und feierlich: „Ich bin Christ und bleibe Christ.“ Doch trotz dieses Bekenntnisses wurde er keineswegs seines Amtes entsetzt. Denn zu stark war des Kaisers Verlangen, den wissenschaftlichen Verkehr mit Cäsarius weiter zu genießen. Damals war es, dass der Kaiser vor allen das bekannte Wort sprach: „O glücklicher Vater, o unglückliche Söhne!“ Er geruhte nämlich, zugleich auch uns zu beschimpfen, da er in Athen unsere Kenntnisse und unsere religiöse Gesinnung kennengelernt hatte." Da die gerechte Vorsehung den Kaiser zum Kampfe gegen die Perser gerüstet hatte, sollte Cäsarius noch ein zweites Mal (an den Hof in Konstantinopel) kommen dürfen, Nach dem Tode Julians, nachdem er als glücklicher Flüchtling und unverwundeter Sieger, berühmter durch die Schmach, die er erlitten, als durch den Glanz, der ihn umgeben hatte, zu uns zurückgekehrt war. [84] 

"Ich halte diesen Sieg für weit herrlicher und wertvoller als seines Gegners große Macht, herrlichen Purpur und kostbares Diadem. dass ich dies erzählen kann, freut mich mehr, als wenn der Kaiser sein ganzes Reich mit ihm geteilt hätte. Den bösen Zeiten ging er aus dem Wege gemäß unserer Moral, welche zwar verlangt, dass man sich zu gegebener Zeit um der Wahrheit willen Gefahren unterziehe und nicht feige die Religion im Stiche lasse, aber auch will, dass man, solange es möglich ist, sowohl aus Sorge für die eigene Seele, wie aus Rücksicht auf die Feinde, die Gefahren nicht heraufbeschwöre. Als die Finsternis verscheucht war, das Ausland gut und gerecht entschieden, das gezückte Schwert den Gottlosen niedergestreckt hatte und für die Christen wieder geordnete Verhältnisse eingetreten waren, mit welchen Auszeichnungen und welchem Glanze, mit wieviel schönen Ehrenbezeigungen wurde er da wieder am Hofe aufgenommen! Es war, wie wenn er nicht Ehren empfangen, sondern Ehren gespendet hätte. Eine Ehrenperiode war einer anderen gefolgt. Während die Zeit die Kaiser verdrängte, konnten Cäsarius’ Würden und kaiserliche höchste Ämter nicht genommen werden. Die Kaiser stritten sich darum, wer ihm nähertreten dürfe und wer das größere Recht darauf besäße, sein Freund und Vertrauter zu heißen. Solchen Lohn erntete Cäsarius für solch religiöse Gesinnung."  [85] 
 

An den Bruder Basilius des Großen und Gregor von Nyssa; Idealisten; Nous, Logos, Pneuma

Mit einem treuen Freunde ist nichts zu vergleichen, und nichts wägt seine Güte auf. „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz (Ekkli/Sir. 6, 14 f.)“ und eine feste Burg. Ein treuer Freund ist ein lebender Schatz. Ein treuer Freund ist „mehr als Gold und viele Edelsteine, Ps. 18, 11 [hebr. Ps. 19, 11]“. Ein treuer Freund ist „ein geschlossener Garten, eine versiegelte Quelle (Cant./Hohel. 4, 12)“, welche zur rechten Zeit dem Zutritt geöffnet wird. "Ein treuer Freund ist ein Hafen der Erholung. Zeichnet sich der Freund auch durch Klugheit aus, wie groß ist dann sein Wert! Und steht er auch noch hoch an Weisheit, an Kenntnissen aller Art, ich denke an unser Wissen, auch an das, welches ich einst besessen hatte, wieviel herrlicher ist sein Glanz! Wenn er auch noch „Sohn des Lichtes (Joh. 12, 36. Eph. 5, 8)“, „Mann Gottes (2 Kön. 1, 9)“, „Wanderer zu Gott ( Ezech. 43, 19)“ oder „Mann des besonderen Verlangens (Dan. 9, 23)“ genannt zu werden verdient, mit welchen Bezeichnungen die Schrift jene Idealisten beehrt, welche in Gott wohnen, und deren Anteil der Himmel ist, so offenbart sich hierin bereits Gottes Gnade und ein deutliches Wirken über unsere Verdienste hinaus. Wenn aber auch noch diese Gnade von dem Freunde auf uns übergeht, so bereitet uns diese noch mehr Freude und Wonne als der Freund, mag dieser auch durch seine Tugenden und durch seine Liebe zu uns so wertvoll sein wie unsere eigene Person, und noch mehr Wohlgeruch als das Salböl, welches den Bart des Priesters und die Borden seines Gewandes auszeichnete." [86] 

Den von Basilius ihm aus Opposition gegen Anthimus, den Metropoliten von Tyana, übertragenen Bischofssitz von Sasima wollte Gregor nicht annehmen, um nicht in den Streit der beiden kappadozischen Metropoliten verwickelt zu werden. Er floh daher in die Einsamkeit, welche er aber auf Drängen seines Vaters verließ, um nunmehr gemeinsam mit ihm die Diözese von Nazianz zu leiten. Dazu Gregorius: „Meinen Mund habe ich geöffnet und den Geist aufgenommen, Ps. 118, 131 [hebr. Ps. 119, 131].“ Dem Geiste weihe ich alles, was ich habe und mich selbst. Ich weihe ihm mein Tun und Reden, mein Ruhen und Schweigen. Er allein möge von mir Besitz nehmen und mich führen und mir Hände, Verstand und Zunge leiten, wohin es notwendig ist und wohin er will! Er möge mich auch wieder zurückführen, wenn es notwendig und besser ist! Ich bin Gottes Instrument, ein vernünftiges Instrument, ein Instrument, das vom Geiste, dem trefflichen Künstler, gestimmt und gespielt wird. Gestern wirkte er in mir das Schweigen, und meine Weisheit war, still zu sein. Heute berührt er meinen Geist, und ich gebe dem Worte die Freiheit, und meine Weisheit ist, zu sprechen. Ich bin nicht so gesprächig, dass ich zu reden wünsche, wenn der Geist das Schweigen wirkt. Ich bin aber auch nicht so redensmüde und geistesschwach, dass ich, wenn es Zeit zu reden ist, meinem Munde einen Korb anlege. Bald verschließe, bald öffne ich meine Türe für den Verstand, den Logos, den Geist." Die Trinität wird hier bezeichnet als [Nous, Logos, Pneuma]. [87] 
 

Geistiges Brot; Verehrer der Vernunft; Zufall; Barmherzigkeit und Mitleid mit den Dürftigen

Wer ist arm und wer ist reich? "Arm sind wir nämlich alle und alle bedürfen wir der göttlichen Gnade, mag auch, wenn man einen kleinlichen Maßstab anlegt, der eine vor dem anderen etwas vorauszuhaben scheinen. Nehmet die Rede wohlwollend an, damit ihr die Schätze des Reichtums empfanget! Betet mit mir, damit wir euch reichlich spenden und eure Seele mit dem Worte nähren und den Hungrigen das geistige Brot brechen, indem wir gleich dem alten Moses Speisen regnen lassen und Engelsbrote verabreichen oder mit wenigen Broten Tausende in der Wüste sättigen, wie es später Jesus, das wahre Brot und die Quelle des wahren Lebens, getan hat. Unter den verschiedenen Tugenden die vorzüglichste herauszufinden und einer einzelnen den Vorzug und Sieg zuzuschreiben, ist ebenso schwierig, als auf einer blumenreichen, duftenden Wiese festzustellen, welches die schönste und wohlriechendste Blume ist; denn bald zieht diese, bald jene Blume Geruchsinn und Augen an sich, um zum Pflücken einzuladen. Nach meiner Meinung ist bei der Bewertung folgendes zu beachten." [88] 

Dazu Gregor von Nazianz: „Ihr unverständiges Herz ist eitel geworden; wenn sie behaupten, sie seien weise, sind sie Toren. Die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes haben sie vertauscht (Röm. 1, 21 f)“, indem sie mit nebelhaften Sagen die alles beherrschende Vorsehung entehrten. Wir aber wollen weder selber solche wunderliche Dinge ersinnen, sofern wir als vernünftige Wesen und Verehrer der Vernunft für Logik Verständnis haben, noch wollen wir den Glauben jener Leute annehmen, mag auch ihre Zunge die albernen Behauptungen und Lehren recht geschickt darstellen und durch die Neuheit anziehend wirken. Wir wollen vielmehr glauben, dass der, welcher alles geschaffen und gemacht hat, Gott ist. Wie könnte denn das Weltall bestehen, wenn nicht einer ist, der ihm Sein und Ordnung verliehen hat? Wir wollen auch an eine Vorsehung glauben, welche dieses Weltall zusammenhält und vereint; denn der Schöpfer muss für seine Werke sorgen. Sollte aber das Weltall von blindem Zufall getragen werden, dann würde es, da der Materie die Ordnung fehlt, gleich einem vom Sturm erfassten Schiffe sofort in Trümmer zerfallen und ins alte Tohuwabohu zurückkehren. Wir wollen daran festhalten, dass vor allem unser Leben von unserem Schöpfer oder, wenn dir der Ausdruck lieber ist, von unserem Bildner geleitet wird, mag auch unser Leben durch Gegensätze gehen, welche uns vielleicht deshalb unverständlich bleiben, damit uns unsere Unkenntnis zur Bewunderung der höchsten Weisheit führe. Denn alles, was leicht erfasst wird, wird leicht verachtet, während das, was über uns ist, um so mehr Bewunderung findet, je schwerer es zu erreichen ist, und all das, was sich unserem Verlangen entzieht, die Sehnsucht weckt." [89] 

Daher schrieb Gregor von Nyssa in „Leben des Moses“: „Darin besteht tatsächlich das Schauen Gottes, dass wir niemals eine Befriedigung unserer Sehnsucht finden“ [touto estin ontos to idein ton theon, to medepote tes epithymias koron heurein]. [90]

Für Gregorius scheint Barmherzigkeit und Mitleid mit den Dürftigen auch deshalb notwendig zu sein, "um die Unbarmherzigen zum Schweigen zu bringen und törichten Reden nicht einen Sieg zu lassen, welcher die Grausamkeit gegen uns selbst zum Gesetze erheben würde. Wir müssen mehr Achtung vor den Geboten und Beispielen aller haben. Wie lauten ihre Gebote? Sie sind, worauf ihr zu achten habt, immer ein und dieselben. Denn nicht haben die Männer des Geistes, nachdem sie ein oder zweimal ihre Forderung bezüglich der Armen gestellt hatten, ihre Forderung geändert. Auch haben nicht die einen das Gebot gegeben, die anderen nicht, noch haben die einen dasselbe mehr, die anderen weniger betont, als wenn es sich nicht um ein bedeutendes Gebot und nicht um eine zwingende Notwendigkeit handeln würde. Vielmehr haben alle dasselbe mit gleichem Nachdruck als erste oder eine der ersten Forderungen erlassen, bald in der Form von Mahnungen, bald in der von Drohungen und Zurechtweisungen; bisweilen auch haben sie die, welche ihre Pflicht taten, belobt, um ja durch andauerndes Drängen ihre Forderung wirksam zu machen. „Wegen des Elendes der Armen und der Bedrängung der Notleidenden will ich mich nun erheben, spricht der Herr, Ps. 11, 6 [hebr. Ps. 12, 6].“ Wer sollte nicht den Herrn fürchten, wenn er sich erhebt? „Herr, mein Gott erhebe dich, deine Hand strecke sich aus, vergiss nicht der Armen! Ps. 9, 33 [hebr. Ps. 10, 12]" Wir wollen uns vor solchem Ausstrecken sicherstellen, nicht wollen wir darnach verlangen, zu sehen, wie sich seine Hand gegen die Ungehorsamen erhebt, bzw. wie schwer sie auf den Hartherzigen ruht. „Nicht vergaß ich des Geschreies der Armen, Ps. 9, 13 [hebr. Ps. 9, 13].“ „Nicht vollständig wird der Arme vergessen werden, Ps. 9, 19 [hebr. Ps. 9, 19].“ „Seine Augen schauen auf den Armen; seine Augenlider forschen nach den Kindern der Menschen, Ps. 10, 4 [hebr. Ps. 11, 4].“ [91]

Zeigen wir daher Mitleid, um gereinigt zu werden! Den Schmutz und die Flecken der Seele wollen wir mit diesem schönen Pflänzchen beseitigen. Wir wollen weiß wie Wolle, bzw. wie Schnee werden, je nachdem wir Barmherzigkeit erwiesen haben. Ich will noch einen packenden Gedanken vorlegen: Wenn du auch keinen Beinbruch, keine Strieme, keine entzündete Wunde hast, auch die Seele nicht an Aussatz leidet und du keinen Ausschlag, der Aussatz vermuten lässt oder deutlich zeigt, hast, welcher, wenn ihn auch das Gesetz rasch rein erklärte, gleichwohl des kommenden Heilandes bedurfte, so erschrick doch in Ehrfurcht vor dem, der unsertwegen verwundet und misshandelt worden ist! In Ehrfurcht wirst du aber erschrecken, wenn du dich gegen das Glied Christi gut und mitleidig zeigst. Sollte jedoch etwa der Räuber und Tyrann unserer Seelen dich, entweder da du von Jerusalem nach Jericho hinabgingst oder da er dich sonst irgendwo unbewaffnet und ungerüstet fand, in einer Weise zugerichtet haben, dass du mit Recht sagen kannst: „Meine Striemen riechen und faulen infolge meiner Torheit, Ps. 37, 6 [hebr. Ps. 38, 6]“, solltest du so schlecht daran sein, dass du nicht einmal Heilung suchst und dass du gar nicht den Weg zur Gesundung kennst, dann steht es wahrlich schlimm mit deinen Wunden, und geht dein Elend in die Tiefe. Wenn du dich aber noch nicht vollständig verloren gibst und noch Hoffnung auf Heilung hast, dann gehe zum Arzte, bitte ihn und heile die Wunden durch die Wunden; erwirb das Ähnliche durch das Ähnliche, bzw. heile das Größere durch das Geringere! Der Herr wird zu deiner Seele sprechen: „Ich bin dein Heil, Ps. 34, 3 [hebr. Ps. 35, 3]“, „dein Glaube hat dir geholfen (Matth. 9, 22)“ und „siehe, du bist gesund geworden (Joh. 5, 14)“. Alle diese tröstenden Worte wird er zu dir sprechen, wenn er nur sieht, dass du für die Notleidenden ein Herz hast. Der Herr sagt: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden (Matth. 5, 7).“ Barmherzigkeit ist nicht die geringste unter den Seligkeiten. Und selig ist, wer Verständnis hat für den Dürftigen und Armen, Ps. 40, 1 [hebr. Ps. 41, 1]“. Und „selig der Mann, der sich erbarmt und gibt, Ps. 111, 5 [hebr. Ps. 112, 5]“. Und „den ganzen Tag erbarmt sich der Gerechte und leiht aus, Ps. 36, 26 [Ps. 37, 26]“. Reißen wir den Segen an uns, lassen wir uns als verständig bezeichnen, seien wir milde! Selbst die Nacht soll dich nicht im Gutestun unterbrechen. Sage nicht: „Komme wieder, morgen werde ich dir geben (Sprichw. 3, 28)!“ Nichts trete zwischen den Vorsatz und die Ausführung der Wohltaten! Nur Barmherzigkeit duldet keinen Aufschub.... Durch die Bereitwilligkeit verdoppelt sich der Wert deiner Wohltat. Was mit Bitterkeit und gezwungen geschieht, entbehrt der Freundlichkeit und Gefälligkeit. Wohltaten sollen Freuden und nicht Tränen hervorrufen. „Wenn du, wie es heißt, die Fessel wegnimmst“ und nicht wählerisch bist, d. i. nicht kleinlich und empfindlich, nicht zögernd und mürrisch, was wirst du ernten? Großes und Wunderbares! Herrlich und reichlich ist dein Lohn. „Am Morgen wird dein Licht hervorbrechen, und schnell wird deine Heilung kommen (Is. 58, 8).“ Wer sollte sich nicht nach Licht und Heilung sehnen?" [92]
 

Vater und Lehrer der Orthodoxie; gute Ehe statt Vielehe; [philosophein]; Stachel einer Biene

Die göttliche Schrift sagt: „Wer wird ein starkes Weib finden (Prov. 31, 10)?“ Ein solches Geschenk wird von Gott verliehen; der Herr ist es, welcher eine gute Gattin in die Ehe gibt. Auch die Heiden haben diese Wahrheit erkannt. Einer von ihnen sagt nämlich: „Der Mann kann nichts Schöneres gewinnen als ein edles Weib, aber auch nichts Schlimmeres als ein böses,“ wie Hesiod in „Arbeiten und Tage“ Vers 700 sagt: [Ou men gar ti gynaikos aner leizet’ ameinon Tes agathes, tes d’aute kakes ou rhigion allo.] Über seinen Vater sagt Gregor: "Man kann nicht sagen, dass jemand in der Ehe glücklicher war als der Verstorbene. Wenn einer nicht den Gang in die äußerste Ferne und zu allen möglichen Menschen scheute, um die beste Ehe zu gründen, dann gibt es wohl nichts Besseres und Innigeres als diese. Das Vorzüglichste von männlicher und weiblicher Natur hatte sich geeint, so dass die Ehe ebensosehr eine körperliche wie seelische Verbindung war. Mochten sie anderen Menschen gegenüber Vorzüge aufweisen, gegenseitig konnten sich die beiden nicht übertreffen, so gleichmäßig und gleichwertig war ihre seelische Begabung." [93]

Nachdem er die Wald- und Bauerndiözese übernommen hatte, die zwar noch vor kurzem einen Hirten, den einzigen, der vor ihm der Diözese zur Ehre gereichte, "einen bewundernswerten, engelreinen Mann, ehrlicher als die heutigen Führer des Volkes, besaß, die aber nach dessen baldigem Hingang infolge der Führerlosigkeit wiederum sehr vernachlässigt wurde und verwilderte, da bändigte er zunächst die Sitten der Menschen unschwer durch seine Worte voll Hirtenweisheit und durch sein eigenes Beispiel, indem er gewissermaßen zu einer geistigen Statue wurde, an der jede tugendhafte Handlung schön zum Ausdruck kam. Infolge seiner eifrigen Beschäftigung mit dem göttlichen Worte gewann er sodann, trotzdem er sich erst spät damit befasste, in kurzer Zeit solche Weisheit, dass er in nichts hinter irgendeinem von denen, welche sich schon längst damit beschäftigt hatten, zurückstand und von Gott die außerordentliche Gnade empfing, Vater und Lehrer der Orthodoxie zu werden. Nicht passte er sich wie die modernen Gelehrten den Zeitverhältnissen an, nicht verteidigte er unsere Lehre mittelmäßig und mit schönen Phrasen wie diejenigen, welche die Festigkeit des Glaubens nicht kennen oder mit der Wahrheit Geschäfte treiben. Die Gebildeten übertraf er durch Frömmigkeit, die Gläubigen durch Gelehrsamkeit; der Bildung wies er die zweite, der Religion die erste Stelle an. Er anerkannte einen Gott, der in der Dreiheit angebetet wird, und Drei [tria], welche in einer Gottheit geeint sind. Nicht lehrte er, die Gottheit zusammenziehend und Göttliches verflüchtigend, die Einheit nach der Art des Sabellius; noch lehrte er, dieselbe in an Herrlichkeit und Natur ungleiche, verschiedene Teile trennend, eine Dreiheit wie Arius. Wie kann, wo jedes unfassbar ist und unseren Verstand übersteigt, das Überragende erkannt oder gelehrt werden? Wie kann man das Unermessliche messen? Unterliegt denn die Gottheit den gleichen Bedingungen wie das Messbare, so dass sie in ihrer Höhe und Tiefe gemessen werden könnte? Da jener große Gottesmann, der ein Theologe im wahren Sinne des Wortes war und vom Heiligen Geiste geleitet wurde, solchen Glauben besaß, darf man nicht leugnen, dass er diese Kirche zu einem neuen Jerusalem, und gleich dem großen Noe, dem Vater dieser neuen Welt, zu einer zweiten, über den Wassern gleitenden Arche werden ließ. Sicher hob sich dieselbe über die seelische Sintflut und über den Ansturm der Häretiker. Mochte sie auch an Seelenzahl hinter den anderen Kirchen zurückstehen, aber an Ruhm übertraf sie dieselben. Mit dem heiligen Bethlehem durfte sie sich vergleichen, das zwar eine kleine Stadt war, aber gleichwohl ungehindert zur Metropole des Erdkreises wurde, soferne es Ernährerin und Mutter Christi, des Schöpfers und Siegers der Welt, wurde.Dies ergibt sich aus folgendem. Als wir von der hitzigeren Partei der Kirche niedergestürmt und durch Schrift und schöne Worte zu einer schlimmen Gemeinschaft überlistet worden waren, fand es sich, dass mein Vater allein noch in seinem Geiste unverletzt blieb und seine Seele nicht gleich dem Schwarzen schwarz werden ließ, mochte er auch von seiner Einfalt hingerissen werden und in seiner Kindlichkeit nicht aller List aus dem Wege gegangen sein. Er war es allein, bzw. er war der erste, welcher die revolutionären Elemente durch seinen kirchlichen Eifer mit sich und den übrigen Gläubigen wieder versöhnte; die, welche zuletzt abtrünnig geworden waren, beugten sich zuerst unter seine Autorität und unter die Reinheit der Lehre. Der gewaltige Aufruhr in der Kirche legte sich daher wieder, der Sturm wurde zum Lüftchen, da er beschwichtigt wurde durch des Vaters Gebete und Mahnungen, sowie, wenn der Jugend ein Wort gestattet ist, durch uns, die wir ihn in seiner kirchlichen Tätigkeit unterstützten, und mit ihm zusammengespannt, neben ihm zu allem Guten liefen und sprangen, so dass wir die Ehre hatten, hier das meiste beizutragen." [94] 

Gregor beschreibt seinen Vater, der auch ganz anders war als z.B. die heutigen Oberen der Kirche in Deutschland, die in ihrer "Aufgeblasenheit" nichts anderes als "heuchlerisch und oberflächlich" sind, den Islam fördern und die auch zu verantworten haben, dass die Menschen in Massen aus der Kirche austreten; auch von "geistig leben [philosophein]" kann bei ihnen keine Rede sein, denn von den Lehren und Philosophien der alten Kirchenlehrer haben sie keine Ahnung: "Wer hat mehr als er Aufgeblasenheit bekämpft und Demut geliebt und letzteres nicht etwa heuchlerisch und oberflächlich, wie es die vielen tun, die jetzt vorgeben, geistig zu leben [philosophein], und nach außen hin zierlich sind wie die so törichten Frauen, welche, nachdem sie ihre eigene Schönheit verloren haben, zu Schminken ihre Zuflucht nehmen und, wenn ich so sagen darf, hübsch sind wie Schauspielerinnen, d. h. garstig in ihrer Schönheit und in ihrer Hässlichkeit erst recht hässlich. Demut suchte er nicht in der Kleidung, sondern durch die Gesinnung auszudrücken. Nicht heuchelte er Demut durch biegsamen Nacken, gedämpfte Stimme, Komplimente, langen Bart, glattrasiertes Haupt, abgemessenen Schritt, wodurch man einige Zeit wirkt, sehr bald aber sich verrät; denn was gekünstelt ist, ist nicht von Bestand. Der Vater war ausgesprochener Aktivist und doch in seiner Gesinnung äußerst demütig. Sein Tugendleben konnte man nicht erreichen; sehr leicht aber war es, in Verkehr mit ihm zu gelangen. Seine Kleidung war die des gewöhnlichen Mannes, so dass er weder stolz war, noch sich etwas vergab; an innerem Glanze aber übertraf er viele. Magenkrankheit und Völlerei bekämpfte er gleich anderen, aber er trug es nicht zur Schau; das eine tat er, um sich rein zu halten, das andere, um nicht mit dem ungewöhnlichen Verhalten Ruhmsucht zu verbinden und sich zu überheben. Er glaubte, es sei Sache des Politikers [politikos], immer das zu tun und zu reden, was bei anderen Ansehen verschafft; für diesen gäbe es nichts Beseligenderes als das irdische Leben, Sache des Geistesmenschen [pneumatikos] und Christen aber sei es, nur an die Erlösung zu denken und das zu schätzen, was dazu führt, das aber, was nicht dazu führt, als nichtswürdig zu verabscheuen, also das Sinnfällige gering zu achten, dagegen nur nach dem zu streben, dass seine Seele sich durch Schönheit und Pracht auszeichne, und das hochzuhalten, was ihn der höchsten Ehre würdig macht und wodurch er seinen Mitmenschen zum Höchsten emporzieht. [95]

Es gibt eine Hefe des göttlichen Zornes, Ps. 74, 9 [hebr. Ps. 75, 9]. Sie ist das, was von seiner Erbitterung gegen die, welche (den Zorn) verdienen, übrigbleibt; Gott ist ja „der Herr der Rache“Ps. 93, 1 [hebr. Ps. 94, 1]. Mag er auch bei seiner Güte geneigt sein, statt Strenge Nachgiebigkeit walten zu lassen, so verzeiht er doch nicht vollständig den Sündern, damit sie nicht durch seine Barmherzigkeit noch schlimmer werden. "Der Verstorbene jedoch trug denen, welche ihn erzürnten, nichts nach, mag er auch gegenüber dem Zorne nicht ganz unverwundbar gewesen sein und vor allem in geistigen Dingen sich vom Eifer haben hinreißen lassen. Wenn er sich einmal rüstete und waffnete, war es auch, um gegen Kränkungen wie gegenüber einem Feinde schon von ferne Stellung zu nehmen. Selbst sozusagen von Tausenden hätte er sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Seine Erregung war sanft. War er erregt, so war er nicht gleich einer Schlange innerlich unruhig und rachsüchtig und schritt nicht schon im ersten Augenblicke zu hitziger Tat und Vergeltung, sondern glich dem Stachel einer Biene, indem er verletzte, ohne zu töten. Seine Menschenliebe war übermenschlich. Oftmals waren Folterräder und Geißeln angedroht worden und standen die Schergen schon bereit; die Strafe aber war, dass die Ohren etwas zu fühlen bekamen, Backenstreiche erteilt und Ohrfeigen versetzt wurden. So stand er von seinen Drohungen ab. Lag ein Verbrecher bereits ohne Kleider und Schuhe auf dem Boden, dann wandte sich des Vaters Unmut nicht gegen den Übeltäter, sondern gegen den, der bereitwillig Dienst tat, als hätte dieser dem Bösen gedient. Auf welche Weise hätte einer noch mehr seine Gutmütigkeit und seine Befähigung zum Priester offenbaren können? Kaum war er gereizt worden, hatte er schon den Beleidiger wieder in Schutz genommen, über dessen Vergehen errötend, wie wenn er es selbst begangen hätte." [96] 
 

Von Alexandrien nach Rhodos; von der Vernunft abfallen; mit Fußtritten weiterbefördern

Gregor schildert einen Sturm, in den er auf der Fahrt von Alexandien nach Griechenland geriet: "Ich fuhr auf dem jungfräulichen Meere von Alexandrien nach Griechenland auf einem äginäischen Schiffe und zwar zu ganz ungünstiger, aber selbst gewählter Zeit; Anlass war mir vor allem das Zusammentreffen mit bekannten Schiffsleuten. Bald nach der Abfahrt entstand ein so gewaltiger Sturm, dass die Mitfahrenden sich nicht leicht, wie sie behaupteten, an einen solchen erinnern konnten. Während alle den gewöhnlichen Tod fürchteten, wurde mir der Tod der Seele etwas Furchtbareres. Es bestand nämlich für mich Armseligen die Gefahr, dass ich, obwohl ich mich im gefährlichen Meeressturme nach dem geistigen Wasser sehnte, ohne Taufe das Leben verlassen müsse. Ich rief daher und bat inständig, noch etwas länger leben zu dürfen. Und zugleich schrien meine Reisegefährten wegen der gemeinsamen irdischen Gefahr als mitleidige Gastfreunde, welche wegen der Gefahr mitfühlen lernten, nicht aber als Gesinnungsgenossen. Ich litt und mit mir litten meine Eltern, welche infolge nächtlicher Erscheinung von meiner Gefahr wussten. Vom Lande aus halfen sie mir, indem sie durch Gebete die Wogen glätteten, wie wir später nach unserer Heimkehr erfuhren, als wir von diesem Tage sprachen. Diese Hilfe wurde uns auch in einem wohltuenden Schlafe mitgeteilt, den wir, nachdem sich der Sturm etwas gelegt hatte, endlich genießen konnten. (Im Traume) wurde ich über ein finster blickendes, mit dem Tode drohendes Rachegespenst Herr; ganz deutlich hat mir die Nacht dasselbe erscheinen lassen. Ein anderer aus der Reisegesellschaft, ein mir sehr wohlwollender und lieber junger Mensch, der für mich in jener Lage sehr besorgt war, träumte, meine Mutter sei auf das Meer gekommen, habe das Schiff ergriffen und ohne viel Mühe ans Land gezogen. Der Traum bestätigte sich; denn das Meer wurde ruhig und wir landeten alsbald, ohne inzwischen noch viel durchzumachen, auf Rhodos. Von dem Sturme hatten wir selbst den Profit. Denn da wir im Falle der Rettung uns Gott gelobt hatten, haben wir uns auch ihm nach der tatsächlichen Rettung hingegeben." [97] 

Dieser Vorfall betraf beide Eltern. "Längst werden nun aber wohl solche, welche die Geschichte meines Vaters genau kennen, sich darüber wundern, dass wir bei dem Erwähnten so lange verweilten, als wenn es das einzige wäre, was zu seiner Ehre gesagt werden könnte, dass wir dagegen zögern, an jene schlimmen Zeitverhältnisse zu erinnern, gegen welche der Vater offen angekämpft hatte. Man könnte meinen, dass wir entweder von diesem Kampfe nichts wissen oder ihn für unbedeutend halten. Darum wollen wir auch noch davon sprechen. Unsere Zeit hatte das erste und wohl auch das Endübel hervorgebracht in dem Kaiser, der sowohl von Gott als auch von der Vernunft abgefallen war. Julian hielt es für ein Geringes, sich die Perser zu unterwerfen, er erachtete es dagegen für eine große Tat, die Christen zu bezwingen, wozu ihm auch seine Dämonen, von denen er sich leiten ließ, rieten. Er schrak daher vor keiner Art Bosheit zurück. Er gewann durch Überreden, Drohen und Belehren, bald mit List, bald durch Gewalt. Es konnte gar nicht verborgen bleiben, dass hinter seinen philosophischen Ideen die Verfolgung lauerte, oder dass er seine Macht direkt benützte, uns auf jede Weise, sei es durch List, sei es mit Gewalt, vollständig in seine Hand zu bekommen. Wer hätte nun mehr (als mein Vater) den Kaiser verachtet und abgetan? dass er ihn verachtete, beweisen außer vielem anderen jene Bogenschützen samt ihrem Kommandanten, welche Julian in unsere Kirchen schickte, um sie in Besitz zu nehmen bzw. zu bezwingen. Nachdem er sich bereits gegen viele andere gerichtet hatte und nun auch hier in gleicher Absicht erschien und dem Befehle gemäß nach der Kirche trachtete, war der Vater von einem Entgegenkommen so weit entfernt, dass jener vielmehr, wenn er nicht, klug auf einen Berater hörend, sich eilends meinem Vater gefügt hätte, mit Fußtritten weiterbefördert worden wäre." Von den Oberen der Kirche in Deutschland und Rom ist eine derartige Reaktion wohl eher nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil, sie fördern noch die, die "sowohl von Gott als auch von der Vernunft abgefallen" sind, wie die Moslems, die es für eine große Tat  erachten, "die Christen zu bezwingen", wozu ihnen auch ihr Dämon Allah, von dem sie sich leiten lassen, rät; sie schecken "vor keiner Art Bosheit" zurück; sie gewinnen die Kinder und Jugendlichen in ihren Moscheen und Koranschulen "durch Überreden, Drohen und Belehren, bald mit List, bald durch Gewalt." [98] 

Den gleichen Eifer bekundete er in seinem Auftreten gegen die Häretiker, "als diese in Verein mit dem gottlosen Kaiser gegen uns vorgingen, um uns gleich den übrigen zu unterwerfen, die schon fast alle geknechtet waren. Uns war er hier nicht von geringem Nutzen, teils durch seine persönliche Tätigkeit, teils wohl auch durch die Vermittlung von uns, welche er als mutige Hunde auf jene gar wilden Tiere hetzte, um uns in der Frömmigkeit zu üben. Einen Vorwurf muss ich allerdings gegen beide (D. i. gegen den Vater und gegen Basilius) erheben. Nehmet mir das freie Wort nicht übel! Ich muss mich, wenn es auch lästig sein sollte, darüber beklagen, dass ihr mich über den herrlichen Weg des Priestertums gewissermaßen auf den tollen, unsauberen Markt des Seelenhandels gelockt habt, obwohl ich mich doch über das Elend des Lebens aufregte, mich deshalb wie wohl kein anderer der Altersgenossen nach der Einsamkeit sehnte und darnach strebte, sobald wie möglich diesen unheiligen Sturm und Staub loszuwerden und mich in Sicherheit zu bringen. So kam es, dass viel Leid über mich hereinbrach und auch noch bevorsteht. Wer nämlich bereits bittere Erfahrungen gemacht hat, steht der Zukunft misstrauisch gegenüber, mag auch der Verstand anders urteilen und Besseres versprechen." [99] 
 

Rekonstruktion byzantinischer Kirchen, die von Moslems zerstört wurden

Da die Nachwelt ein Denkmal seiner Hochherzigkeit haben sollte, gab es nichts Besseres als jene Kirche, die er Gott und uns mit kleinen Zuschüssen des Volkes, größtenteils aber aus eigenen Mitteln erbauen ließ. Das Werk darf nicht verschwiegen werden, "da es an Größe die meisten, an Schönheit aber fast alle Kirchen überragt. Die Kirche ist in einem gleichseitigen, geradlinigen (Die Kirche hatte also keine Absiden) Achteck erbaut und strebt in zwei herrlichen Stockwerken von Säulen und Säulenhallen mit naturgetreu dargestellten Figuren in die Höhe. Von oben her wird sie durch das Gewölbe erleuchtet; zahlreiche Lichtquellen blenden das Auge: eine wahre Lichthalle. Ringsum zieht sich ein gleichwinkeliger Wandelgang von glänzendstem Gestein, welcher den großen Raum in der Mitte umschließt. Anmutig strahlen die Tore und Vorhallen und begrüßen schon von ferne die Kommenden. Noch nicht rede ich von dem äußeren Schmuck, der Schönheit und Größe der gutgefügten Quadersteine; bald ist es Marmor, wie an den Sockeln und Kapitellen, welche die Kanten verdecken, bald ist es einheimischer Stein, der aber dem ausländischen nicht nachsteht. Noch nicht spreche ich von den vielgestaltigen, bunten Gurten, welche vorspringen und eingelassen sind vom Fundament bis zur Spitze, die, den Blick versperrend, den Besucher belästigt. Wie kann man mit wenigen Worten ein Denkmal schildern, das von einer solchen Hand in so langer Zeit unter so vielen Mühen errichtet worden ist? Vielleicht genügt die Bemerkung: Während andere Städte zahlreicher privater und öffentlicher Denkmäler zu ihrem Schmucke bedürfen, vermochte diese Kirche allein schon uns weit und breit berühmt zu machen. Dies ist die Bedeutung unseres Gotteshauses. Da es aber auch einen Priester brauchte, verschaffte er ihn aus Eigenem; ob dieser dem Gotteshause entspricht, vermag ich nicht zu sagen. Genug, dass er ihn gegeben hat. Da man endlich noch der Opfer bedurfte, sorgte er hierfür in den Leiden und im Opfermut seines Sohnes, damit Gott von ihm eine vernünftige Gabe, ein geistiges Opfer erhalte, das würdig ist, an Stelle des Gesetzesopfers dargebracht zu werden." [100] 
 

Tätigkeit als Redner, Schriftsteller, Philosoph und Kirchenlehrer

Eigentlich sehnte sich Gregor "nach dem Mönchtum oder der Einfalt" um seinen Studien nachzugehen. Er schreibt: "Da ich durch meine Reden der Geschwätzigkeit der Masse nicht Einhalt gebieten, auch das alle packende leidenschaftliche Verlangen, ohne Geist die Lehren des Geistes zu lehren und vorzutragen, nicht aufhalten konnte, schlug ich einen neuen Weg, der meiner Ansicht nach besser und müheloser war, ein und suchte durch das Vorbild des Schweigens alle für Ruhe zu gewinnen. Wenn sie mich hochschätzten, mussten sie vor meiner seelischen Überlegenheit Respekt haben; wenn sie aber meine Würde nicht erkannten und mich gering achteten, mussten sie doch selbst mit dem, den sie sich gleichstellten, Schritt halten. Dies ist der Grund, warum ich Schweigen beobachtete; dies ist der Sinn unserer Zurückgezogenheit. Was muss ich aushalten! Bald werden wir dahin, bald dorthin gezogen und gezerrt. Man prozessiert mit mir um meine Bemühungen und treibt unerbittlich von mir eine Rede wie eine Schuld ein. Man hat an mir mehr Interesse wie ich selbst. Alle sind weiser als ich und wissen besser wie ich, wann man zu reden und wann man zu schweigen hat. Sie erklärten, sie würden handeln wie das Eisen am Feuerstein und würden von ihren Belästigungen nicht eher ablassen, als bis sie dem kleinen Funken das Feuer der Rede entlockt hätten. Andere wiederum versuchen es bereits mit günstigen Versprechungen und setzen für die Rede schon hohe Preise aus. Aber sie wollen, nachdem sie Gott und uns auf die Rede hin die Ehre gegeben haben, zunächst sich selbst dienen. Sodann möchten sie, dass die Gesamtheit bezüglich der Steuerabgabe Vorteil habe und zwar sowohl mein eigenes Vermögen, soferne die Hinterlassenschaft des Vaters mir zukomme, als auch meine Gemeinde, der ich großes Unrecht täte, wenn ich nicht bereit wäre, ihr auf alle mögliche Weise Nutzen zu verschaffen. Das Gelungenste ist, dass man uns für die Rede das anbieten will, was wir durch die Rede unter vielen Mühe erreichen sollten. Ein netter Eifer, der mich hinunterkriegen möchte! Eine rühmliche Freigebigkeit! Die hübschen Folgen meines Schweigens könnt ihr selber sehen: es hat in euch erst ein recht großes Verlangen gerade nach meinen Reden geweckt. Ihr seht die Frucht unserer Weltflucht. Möge nun mein Reden ebenso schöne Früchte zeitigen wie mein Schweigen! Da ihr es nun so wollt und ihr den Unbesiegbaren besiegt und über meine Askese triumphiert habt, so will ich an euch Worte richten, die wertvoller sind als mein Schweigen. Meine Rede wird nicht weich und zurückhaltend, kein Künstlergenuss sein, wie ihn die Masse so sehr liebt; sie soll keine süße Antwort auf euere Liebe sein, sondern kräftige, harte Worte, die euch bessern sollen, indem sie euch vom Fleische weg zum Geiste führen und euere Gedanken mit Macht zum Himmel erheben. „Ihr Menschenkinder, wie lange noch sind eure Herzen beschwert? Warum liebt ihr Eitelkeit und sucht ihr Lüge? Ps. 4, 3 [hebr. Ps. 4, 3]“ um meine Rede mit dem redegewaltigen David zu beginnen. Denn ihr haltet viel auf das irdische Leben, auf Vergnügungen, auf ein bischen Ansehen, ein wenig Herrschaft und fleischliches Wohlergehen. Doch von diesen Gütern haben die, welche sie besitzen, nicht mehr als die, welche sie erhoffen, und diese nicht mehr als die, welche sie gar nicht einmal erwarten. Wie der Staub vom Sturmwind werden sie bald dahin, bald dorthin geworfen und geschleudert, oder sie schwinden wie der Rauch, täuschen wie der Traum oder sind unfassbar wie der Schatten. Sind sie fern, dann hat der, welcher sie nicht hat, noch einige Hoffnung; sind sie da, dann kann sich der, welcher sie hat, nicht auf sie verlassen." [101] 

Eine schöne Gabe ist es, sich im Lachen zu mäßigen, im Zorn zu beherrschen, die Augen im Zaum zu halten und den "Geist vor Irrgängen zu bewahren". Mag eine Gott dargebrachte Gabe noch so geringfügig sein und seiner Würde bei weitem nicht entsprechen, sie ist doch nie so unbedeutend, dass sie gar nicht genehm wäre und nicht angenommen würde, wenngleich er Barmherzigkeit nach Gerechtigkeit zuweist (Is. 28, 17). "So wollen wir unserseits dem ehrwürdigen Zelte Gottes, d. i. der Kirche, welche der Herr und nicht ein Mensch aufgeschlagen hat und welche durch die bunte Schönheit der Tugend errichtet wird, kleinere oder größere Opfer bringen, auf dass ein vollkommenes Werk erstehe, Christus, der heilige Tempel erbaut werde, in dem wir durch die Kunst des Geistes uns harmonisch verbinden. Doch mögen wir auch alles opfern, so stehen gleichwohl unsere Opfer gegenüber den Gaben, die wir empfangen haben, vollständig zurück. Denn Gott verdanken wir es, dass wir sind, dass wir Gott kennen und dass wir etwas, was wir opfern können, besitzen. Das schönste und Erfreulichste ist aber, dass Gott die Opfer nicht nach der Güte der geschenkten Materie, sondern nach der Seele und nach der Gesinnung des Opfernden einschätzt. Darum schiebe es nicht hinaus, gütig zu sein! Sei es sofort! Verzichte nicht deshalb ganz und gar darauf zu opfern, weil du kein ansehnliches Opfer bringen kannst! Etwas opfere gleich, anderes halte zum Opfer bereit, für anderes erbitte dir wegen deiner Dürftigkeit Verzeihung!" Keiner soll leer und ohne Opfer sein, keine Seele sei unfruchtbar und ohne Erträgnis! Jeder bringe Gott ein Opfer von dem, was es gerade gibt und was er selbst besitzt! "Der Sünder bringe als Gabe die Reue, der, welcher den rechten Weg geht, die Ausdauer, der Jüngling die Enthaltsamkeit, der Greis die Klugheit, der Reiche die Freigebigkeit, der Arme den Dank, der Mächtige die Bescheidenheit, der Steuerbeamte die Milde! Ihr Priester, kleidet euch mit Gerechtigkeit! Oder, um mich richtiger auszudrücken, kleiden wir uns damit! Zerstreuen wir nicht die Schafe der Herde, und richten wir sie nicht zugrunde, für welche der gute Hirte sein Leben hingegeben hat, der die Seinigen kennt und von den Seinigen gekannt wird, der sie mit Namen ruft, sie eintreibt und vom Unglauben zum Glauben und von diesem Leben in die Ruhe des Jenseits führt! Fürchten wir, dass, wie die Schrift droht (1 Petr. 4, 17), das Gericht bei uns beginnt und dass wir von der Hand des Herrn sowohl dafür gestraft werden, dass wir selbst nicht hineingehen, wie dafür, dass wir andere am Eintritt hindern ( Is. 40, 2. Matth. 23, 13)!" Schön wäre es, wenn die Oberen der Kirche in Deutschland heute danach handeln würden und ihre Schafe "vom Unglauben zum Glauben" bringen würden und nicht "andere am Eintritt hindern", indem sie z.B. den islamischen Götzen Allah vereheren, seinetwegen ihr Kreuz ablegen, islamischen ReligionslehrerInnen nicht nur in Talkshow ihr Unwissen über Islam und Christentum verbreiten lassen, sondern auch in Schulen und Moscheen. [102] 

„Gott ist nicht ein Gott der Auflehnung und Unordnung, sondern des Friedens und der Ordnung. (1 Kor. 14, 33)“. Nicht soll einer Haupt sein, wenn er kaum Hand oder Fuß oder sonst ein minderwertiges Glied des Körpers ist. "Vermeiden wir die Vielherrschaft, um nicht in Anarchie zu fallen! Ihr Gelehrten, vertraut nicht zu sehr auf euere Gelehrsamkeit, eure Gescheitheit übersteige nicht die Grenzen der Vernünftigkeit! Seid nicht so töricht, alles bemeistern zu wollen, sondern nehmet es gutmütig hin, wenn ihr manchmal die Waffen strecken müsst! Euer Wort gelte der Vernunft! Machet aus eurer Bildung eine Waffe der Gerechtigkeit, nicht des Todes!" Wenig sinnvoll ist es aus seiner wissenschaftlichen Bildung z.B. Atombomben zu entwickeln, oder Irrlehren wie den Islam zu unterstützen; beides ist keine "Waffe der Gerechtigkeit" sondern des Todes. [103] 

Diese Mahnungen betreffen alle in gleicher Weise, "nicht nur die im politischen Leben stehenden Leute. Da die Krankheit gemeinsam ist, sind auch die Heilmittel gemeinsam. Stelle als unser Steuerbeamter eine gerechte Steuerliste auf! Nicht brauchst du bezüglich meiner Reden, die keinen oder nur wenig Gewinn abwerfen und die nur den Ohren dienen und sie erfreuen, ein besorgter Finanzbeamter zu sein; wohl aber sollst du gut und nachsichtig gegen mein Volk sein. Wenn von nichts anderem, dann lasse dich doch von der Festzeit beeinflussen; denn eine Zeit der Steuerlistenaufstellung war es, da der Heiland geboren wurde. Es erging, wie es heißt, vom Kaiser Augustus der Befehl, den ganzen Erdkreis zu beschreiben, was auch geschah, und Joseph ging mit Maria, dem mit ihm verlobten Weibe, nach Bethlehem hinauf, um sich eintragen zu lassen, da er aus dem Hause und der Familie Davids war. Damals nun wurde der Erlöser geboren und zwar, wie sonderbar!, er, der Weltschöpfer und Herr, in einer armseligen kleinen Herberge. Ehren wir dies Geheimnis! Beten wir den Ratschluss an! Bringen auch wir für den Festtag ein Opfer! Jetzt freuen sich die Engel, jetzt werden die Hirten von Licht umstrahlt, jetzt geht im Osten der Stern auf, um dem größten und unzugänglichen Lichte entgegenzueilen, jetzt fallen die Magier unter Darbringung von Geschenken nieder, erkennen den König der Welt, schließen aus dem erschaffenen Stern mit Recht auf den himmlischen. Jetzt rast Herodes und mordet die Knäblein, um des Befreiers willen tötet er die, welche die Freiheit erlangen sollten. Wir wollen uns denen anschließen, welche ihn anbeten, wollen aber dem, der unsertwegen sich bis zur Menschwerdung erniedrigt hat, nicht wegen seiner Gottheit Weihrauch oder wegen seiner Königswürde Gold, oder, weil er uns zulieb den Tod gekostet hat, Myrrhe opfern, sondern geistige, übersinnliche Gaben, d. h. wir wollen nicht auf Kosten der Armen etwas annehmen oder uns bereichern, noch ein Geschöpf gegen das andere ausnützen." [104] 

Was heutige Finanzämter sich zu Herzen nehmen könnten: "Ob du Steuern eintreibst, ob du sie auszahlst, du tust es in Christus. In Vereinigung mit dem Haupte machst du die Schätzung, mit dem Logos erwägst du. Christus wird dir jetzt geboren. Er ist Gott und wird Mensch und verkehrt mit Menschen. Was ist damit gesagt? Ich meine, es ist denen, welche mit solchen Ämtern betraut sind, die Lehre gegeben, dass sich Gott an den wichtigsten Ämtern stets beteiligt. Um die Steuerbeamten zur Gewissenhaftigkeit zu erziehen, ist er gerade damals Fleisch und Mensch geworden; um uns in unseren Untertanenpflichten zu ermuntern und die nicht zu vernachlässigende Loyalität zu lehren, zahlte er die Doppeldrachme nicht nur für sich selbst, sondern auch für Petrus, den geehrtesten seiner Jünger (Matth. 17, 27). Denn unsertwegen ist er Mensch geworden und hat er Knechtsgestalt angenommen, und unserer Sünden wegen ist er in den Tod geführt worden. So wirkte der Erlöser; nur durch seinen Willen wollte er, der Gott, uns erlösen, nachdem er durch sein Wort die Welt erschaffen hatte. Das Wertvollste und Ergreifendste, was er uns geschenkt hat, ist Mitleid und Solidarität. Was haben wir als Jünger des sanften, gütigen, so dienstbereiten Christus zu tun? Müssen wir nicht die Barmherzigkeit des Herrn nachahmen? Müssen wir nicht gegen unsere Mitknechte gut sein, damit der Herr uns mit gleichem Maße vergelte, mit dem wir messen? Sollen wir nicht durch Milde unsere Seelen retten? Es ist genug, dass man als freier Mensch dienen muss und dass die Gegensätze so groß sind, dass, obwohl alle aus dem gleichen Staube kommen, die einen herrschen, die anderen beherrscht werden, die einen Abgaben auferlegen, die anderen Abgaben zahlen, die einen Unrecht und Leid zufügen dürfen, die anderen betteln und ringen müssen, um von der Not verschont zu bleiben. Diese Gegensätze finden sich an ein und demselben (göttlichen) Ebenbilde, an den Geschöpfen derselben Würde, an den Erben des gleichen Lebens, für welche Christus in gleicher Weise gestorben ist. Es ist genug, dass freie Menschen solches Schicksal erfahren müssen. Nicht darf das Joch noch schwerer, nicht die Strafe für die Erbsünde noch drückender werden!" [105] 
 

Geschwätzigkeit unserer Zeit und die Eintagsphilosophen

Diese Rede wurde in Konstantinopel ca. 379 gehalten, in der Hauptstadt des byzantinischen Reiches, das später von den Barbaren, den islamischen Osmanen bzw. Türken mehr und mehr erobert wurde und die aus ihrer ohnehin geringen Bildung eine Waffe des Todes machten, Kirchen im byzantinischen Reich zerstörten oder in Moscheen verwandelten, die christliche Bevölkerung vertrieben. Auch heute noch geht der oberste Türke, der wegen seiner Geschwätzigkeit bekannt ist, gegen Christen vor und führt Angriffskriege. Durch sein niedriges Bildungsniveau hat er den Satz des Gregor von Nzianz "Machet aus eurer Bildung eine Waffe der Gerechtigkeit, nicht des Todes!" natürlich nicht verstanden. Weiter führt Gregor aus: "Wenn ich die Geschwätzigkeit unserer Zeit wahrnehme und die Eintagsphilosophen und die durch Stimmenzahl gewordenen Theologen, die nur dem Wollen ihre Weisheit verdanken, sehe, dann sehne ich mich nach der himmlischen Weisheit und suche mit Jeremias (9, 2) einen entlegenen Platz auf, um für mich allein zu sein. Was ich am höchsten schätze, ist, die Sinne einschlummern zu lassen, vom Fleisch und der Welt loszukommen, mit menschlichen Angelegenheiten mich nur im höchsten Notfalle abzugeben, mich mit mir und Gott zu unterhalten, über dem Sinnlichen erhaben zu leben, stets die göttliche Prägung tadellos und frei von den irdischen Eindrücken und Irrtümern in mir zu erhalten, jetzt und immer dem reinen Spiegel zu gleichen, der Gott und das Göttliche widerspiegelt, mit dem schwächeren Lichte das stärkere aufzunehmen, bis wir zur Quelle irdischen Glanzes gelangen und das glückliche Ziel erreichen, wo der Spiegel durch die Wahrheit ersetzt wird. Denn mag sich einer auch durch lange Beschäftigung mit der Philosophie geschult und gebildet und allmählich das Edle und Lichte seiner Seele von dem Erniedrigenden und Düsteren losgerissen haben oder mag er Gottes Barmherzigkeit gefunden haben oder mag ihm beides zuteil geworden sein und er sich ganz besonders damit abgeben, seinen Blick himmelwärts zu richten, so wird er doch nur mit großer Mühe über die abwärtsziehende Materie Herr. Solange wir nicht diese mit aller Kraft bezwungen und Ohren und Denken genügend gereinigt haben, halte ich es für unsicher, Seelenführung zu übernehmen oder sich mit theologischen Fragen zu befassen."  [106] 

Byzanz ist letzlich an den "gewissermaßen gottfeindlichen" Lehren des Arianismus, Nestorianismus, Sabelianismus und Islamismus zugrunde gegangen, also auch an Eintagsphilosophen und der Geschwätzigkeit unserer Zeit. Nach Ansicht dieser Eintagsphilosophen hätte z.B. der Götze Allah nur "kleine, minderwertige Geschöpfe" hervorgebracht, die sogenannten Moslems, die die Freiheit nicht kennen und sich in ihrem Fatalismus nur unterwerfen können. "Nachdem wir mit Worten an der persönlichen Reinigung der Theologen gearbeitet haben, wollen wir nun im Vertrauen auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, denen unsere Rede gehören soll, uns kurz über Gott unterhalten. Ich will mit Salomon von mir sagen können, dass ich über Gott weder eigene Gedanken noch eigene Worte habe. Wenn nämlich Salomon erklärt: „Ich bin der törichteste von allen Menschen, und menschlicher Verstand ist nicht in mir (Prov. 30, 2)“, so will er sich damit keineswegs der Torheit beschuldigen. Wie soll er, der doch Weisheit, Kenntnis und Weite des Herzens, was er von Gott vor allem erfleht hatte, in einer Fülle und Menge, welche den Sand übertrifft, empfangen hatte, und der so weise war und solche Gnaden erhalten hatte, sich selbst als den allertörichtesten bezeichnen? Er will offenbar sagen, dass er seine Weisheit nicht aus sich habe, dass göttliche und vollkommene Weisheit in ihm wirke. Wenn Paulus sagte: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal. 2, 20)“, wollte er sich keineswegs als tot bezeichnen, sondern erklären, dass sein Leben vorzüglicher ist als das der Menge, weil er an dem wahren, von keinem Tod begrenzten Leben Anteil erhalten habe." Wir beten schließlich nicht den Götzen Allah an, sondern den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, "ihre Proprietäten unterscheidend, aber ihre Einheit in der Gottheit bekennend. Um nicht in die Krankheit des Sabellius zu fallen, verwischen wir nicht die Drei zu Einem. Und um nicht an dem Wahnsinn des Arius teilzunehmen, trennen wir sie nicht in drei fremde, verschiedene Wesen."  [107] 

Wie kommt man aus den gottfeindlichen Lehren wieder heraus? "Wenn ich das lehre, was in der Mitte liegt, sage ich die Wahrheit; auf sie allein achten wir mit Recht. Wir wollen keine schlimme Vermengung und keine noch törichtere Trennung. Dadurch, dass man aus Furcht vor Vielgötterei den Logos zu einer einzigen Hypostase vereint, würden uns in dem Bekenntnis des einen Vaters und Sohnes und Heiligen Geistes nur noch leere Namen gelassen werden, und wir würden nicht so sehr erklären, alle seien eins, als vielmehr, jeder sei nichts; denn, wenn sie ineinander über- und aufgehen, würden sie aufhören zu sein, was sie sind. Nicht sollen sie anderseits, wie es die mit Recht als Wahnsinn bezeichnete Lehre des Arius will, in drei fremde, ungleiche und auseinandergerissene Wesen getrennt werden oder der Macht und Ordnung entbehren und gewissermaßen gottfeindlich sein, sofern sie bald, wenn nur dem Unerzeugten Göttlichkeit zugeschrieben wird, in jüdische Engherzigkeit eingeschlossen werden, bald, was noch törichter denn das Gesagte ist, als drei Mächte und drei Götter in das entgegengesetzte, gleich große Übel gestürzt werden. Man darf den Vater nicht so lieben, dass man ihm die Vaterschaft raubt. Denn könnte er Vater sein, wenn der Sohn anderen Wesens und gleich der Schöpfung ihm entfremdet ist? Auch darf man Christus nicht so lieben, dass man nicht auch die Sohnschaft festhält. Denn wie könnte er Sohn sein, wenn er nicht (Gott) den Vater als seinen Urgrund erklärt? Nicht darf man dem Vater die Würde des Anfanges, d. i. die Würde, Vater und Erzeuger zu sein, schmälern. Wäre er nicht die Ursache der im Sohne und im Geiste geschauten Gottheit, dann wäre er nur der Anfang für kleine, minderwertige Geschöpfe. Es ist notwendig, die Einheit Gottes festzuhalten und die Dreiheit in den Hypostasen, bzw. Personen zu bekennen, deren jede ihre Proprietät besitzt." [108] 
 

Anmerkungen

[1] Zu: Gregor von Nazianz, vgl. Kurse Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.
[3] Ib. 
[4] Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.
[7] Gregor v. Nazianz, Reden (Orationes) II, 37 ff.; zu: Es gibt mindestens drei theologische Irrtümer: Gottesleugnung, Arianismus bzw. Mohammedanismus und Polytheismus... Wir dürfen aber auch nicht, wie es "die mit Recht als toll bezeichnete Lehre" des Arius oder neuerdings des Muhammad will, die Naturen trennen, und so dem armseligen Ariamismus oder Mohammedanismus verfallen, indem wir "nur dem Ungezeugten die göttliche Natur zuschreiben aus Furcht, Gott möchte uns verlorengehen, wenn er der Vater eines wahren, an Ehren gleichen Sohnes ist," vgl. Abschnitt und Anm. 7 ff. sowie Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Ib.
[8] Ib.
[9] Ib.
[10] Ib.
[11] Ib.; zu: Und wer ist zum Unterricht geeignet? Imame in Koranschulen, Moscheen, im islamischen Religionsunterricht, die aus gefälschten Schriften vorlesen wie dem Koran? Wohl kaum. Diesen Fehler sollte man nicht begehen. Denn "noch schlimmer ist es, wenn einer, der seine eigene Unwissenheit nicht einsieht, mit der Erziehung anderer betraut wird." Gregor von Nazianz sagt sogar: "Kein Unglück verdient so sehr beweint und beklagt zu werden wie dieser Fehler."  Der Unterricht sollte daher christlichen Lehrern vorbehalten bleiben, denn diese sind "nicht wie die meisten imstande, das Wort der Wahrheit zu fälschen (2 Kor. 2, 17) und den Wein mit Wasser zu mischen ( Is. 1, 22), d. i. die das Herz des Menschen erfreuende Lehre mit jener, die es überall gibt, die wohlfeil ist, auf der Erde hinfliesst, verrinnt und nutzlos verfliesst. Nicht vermögen wir zu denen, die zu uns kommen, bald so und bald anders zu reden, um ihnen zu gefallen und durch Fälschung für uns Profit zu ziehen, als wären wir Bauchredner und eitle Schwätzer, welche mit irdisch klingenden und irdisch führenden Worten eigenen Lüsten frönen, um bei der Masse große Anerkennung zu finden, obwohl sie doch dieselbe schwer schädigen oder vernichten und obwohl sie das unschuldige Blut reiner Seelen, das von ihren Händen gefordert werden wird, vergießen (Ezech. 3, 20; 33, 8)," vgl. Anm. 7 ff, 12 ff., 60. und Kurse Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Ib.
[12] De orat. II, 50 ff.
[13] Ib.
[14] II, 67 ff.
[15] Ib.; zu: So wie man sich heute über die Oberen der christlichen Kirchen beklagen kann, weil sie Christus verleugnen indem sie den Götzen Al-lah für den christlichen Gott halten und dies auch im islamischen Religionsunterricht so lehren, kann man mit Gregor von Nazianz von der "Ruchlosigkeit der Führer" sprechen, vgl. Anm. 11 ff. und Kurse Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Ib.
[16] Ib.
[17] II, 98 ff.
[18] Ib.
[19] Ib.
[20] Ib.; zu: Es geht nicht um "törichte Hirten" mit einer falschen Philosophie, sondern um Friedens-Philosophie, vgl. Anm. 15 ff.
[21] IV, 1 ff.
[22] Ib.; zu: Julian, Konstantin vgl. Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[23] Ib.; Über die Unterdrückung der christlichen Bildung durch Julian vgl. Rufinus, Kirchengesch. 10, 33; Theodoret, Kirchengesch. 3, 8; Augustinus, Gottesstaat 18, 52; Ders. Bekenntnisse 8, 5.
[24] Ib.; zu: Rede- und Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft ist heute nahezu überall auf der Welt vorhanden - ausser in islamischen Ländern bzw antichristlich eingestellten Diktaturen wie damals die Diktatur des Julian, vgl. Anm. 22 ff. und Kurs Nr. 545 Sittenlehre II. Ib.
[25] Ib
[26] Ib
[27] IV, 24 ff.
[28] Ib.
[29] Ib.
[30] Ib.
[31] Ib.
[32] Ib.
[33] Ib.
[34] Ib.
[35] Ib.
[36] Ib
[37] IV, 43 ff.
[38] Ib. 
[40] Ib.
[41] IV, 52 ff.; zu: Woher kam dieser Christenhass? War er doch im Gegensatz zu den später auftretenden barbarischen Osmanen und Türken, die Kirchen wie die Apostelkirche in Konstantinopel zerstörten oder in Götzentempel (Moscheen) umwandelten, ein Jünger Christi gewesen, "vertraut mit den erhabenen Lehren der Wahrheit! Hatte er doch, was zum Heile gereicht, sowohl gehört wie gelehrt!" vgl. Kurs Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[42] Ib.; zu: Später als die "Armeen des Islams ins Land gedonnert" sind, christliche Kirchen zerstörten und hässliche Moscheen an ihre Stelle setzten, so waren sie wie Julian als "Enthusiasten" von den Dämonen besessen, vgl. Anm. 41 ff., 51 ff.und Kurse Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 505 Arthur Schopenhauer. Ib. 
[43] Ib.; zu: Julians Schreckensherrschaft war wie ein Vorwegnehmen der osmanisch-türkischen Schreckensherrschaft für Byzanz und Osteuropa, vgl. Anm. 41 ff.
[44] Ib.
[45]  IV, 64 ff.; zu: Auch das erinnert sowohl an die Jungtürken unter Mustafa Kemal (Atatürk), der hauptverantwortlich ist für den Genozid an den Armeniern, Pontosgriechen und anderer Christen, als auch an die Vorgehensweise des heutigen türkischen Präsidenten: Er reformierte  zuerst seinen Hofstaat "indem er die einen durch Mord aus dem Wege räumen ließ, die anderen entließ und zwar nicht nur deshalb, weil sie zum Kaiser Konstantius hielten, sondern auch deshalb, weil sie noch mehr an dem größeren König hingen, also in zweifacher Hinsicht für ihn unbrauchbar waren." vgl. Anm. 43 ff. , Ambrosius, Ep. 13; Sermo de diversis 2 und Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[46] Ib.; zu: Wie die Osmanen und Türken sich gegen das große Erbe Christi wenden, so auch Julian, vgl. Anm. 43 ff. und 51 ff.
[47] Ib.
[48] Ib.; Julians „Bücher gegen die Christen“ sind verlorengegangen. Doch sind wir darüber noch einigermaßen unterrichtet durch die vom hl. Cyrillus von Alexandrien um 433 verfasste und dem Kaiser Theodosius II. gewidmete Gegenschrift: „Für die hl. Religion der Christen gegen die Bücher des gottlosen Julian“. Allerdings sind auch von Cyrills Schrift nur die ersten 10 Bücher erhalten; zu: Julian als Vorgänger der Osmanen und Türken dachte nur daran, "wie er seinen Dämonen, die ihn schon wiederholt verdienterweise geschlagen hatten, willfährig sein könnte. Und noch ehe er staatliche Angelegenheiten ordnete, erhob er sich gegen die Christen", vgl. Anm. 41 ff.
[49] Ib.; zu: Wie später die Osmanen Al-Lah als Götzen verehrten und seine Zeichen überall anbrachten, so verband Julian mit der üblichen Verehrung der Kaiser "gottlose Bräuche und erhob den Götzendienst zum römischen Gesetze. Seine Bilder, auf welche er an Stelle der üblichen Darstellungen Götzen zeichnen ließ, wurden vor dem Volke, den Städten, besonders vor den Volkshäuptern aufgestellt, damit es ganz ausgeschlossen war, dem Unheil zu entrinnen, vgl. Anm. 48 ff.
[50] Ib. 
[51]  IV, 93 ff.; zu: Die muslimischen Osmanen bzw. Türken gelten seit eh und je als ein Volk, das in Ländern wie Griechenland, Albanien, Bulgarien, Ungarn, Armenien, der heutigen Türkei "gegen die Christen wütete" bis hin zum Genozid. Julian hatte schon vorgearbeitet: "Wer weiß nicht, dass, als ein Volk gegen die Christen wütete, viele mordete und noch mehr bedrohte..." vgl. Anm. 45 ff.
[52] Ib.; zu: Die Verehrer Julians, wenden, um Julian von der Schuld der Verfolgung zu befreien, ein: Nicht hat Julian öffentlich bestimmt: „Die Christen müssen verfolgt werden und haben alles zu erdulden, was die Verfolger beschließen!“ Als milde Wesen sind sie aber doch noch niemals bezeichnet worden. Gregor will durch die folgenden Beispiele sagen: dass Julian die Verfolgung der Christen nicht selbst leitete (wie später Mustafa Kemal Atatürk bzgl. des Genozids an den Armeniern und anderen Christen), sondern durch verschiedene Personen durchführen ließ, ist für ihn keine Entschuldigung und mildert nicht seinen Charakter. Ganz im Gegenteil, Julian und mit ihm die antichristlichen Moslems wurden verglichen mit "der Hydra, weil sie, wenn man der Sage glauben darf, statt eines einzigen Hauptes neun Häupter trug..." vgl. Anm. 51 ff.
[53] Ib.; zu: Was passierte bevor die "Armeen des Islams ins Land gedonnert" sind und alles Christliche plattgewalzt hatten? "Was weder Diokletian, der den Anfang in der letzten Christenverfolgung gemacht hatte [ho protos enybrisas christianois], noch sein Nachfolger Maximinianus, der ihn noch übertraf, je ersonnen hätte, noch auch Maximinus, der erst nach jenen, aber noch mehr als sie, gegen die Christen einschritt, und an dessen Verfolgung noch öffentliche Denkmäler erinnern, die von den Foltern erzählen [eikones steliteuousai]," vgl. Anm. 24 ff. und 42 ff. 
[54] IV, 100 ff ; zu: Reformen im Bildungswesen bedeuten in islamischen Ländern in der Regel nur Reformen in der Geschichtsklitterei und Ausschluss der Christen; da es sich ohnehin nur um eine Art Koranschule handelt, ist die Wissenschaft dort in Teilen auch degeneriert. Julian hatte zwar keine Koranschulen, seine Bildungseinrichtungen hatten aber Ähnlichkeit mit Koranschulen. Auch Julian verehrte Götzen, vgl. Anm. 24 ff.
[55] Ib. 
[56] Ib. 
[57] Ib.; zu: In Koranschulen und von IslamwissenschaftlerInnen wird heute vielfach geschichtsklitternd behauptet, die europäischen Ziffern stammten aus islamischer Zeit. Sie stammen aber von den Phöniziern, vgl. Anm. 54 ff. 
[58] Ib. 
[59] Ib. 
[60] Ib.; zu: Wie später bzgl. der Koranschulen musste man auch bzgl. Julians Bildungseinrichtungen sagen, dass "dem Denken der feste Grund fehlt." Von solchen Lehrkräften, seien es Imame oder andere Antichristen, kann man nicht viel erwarten: "Man wird Männer holen, welche die, natürlich wie ihr selber sagen werdet, göttlichen Worte auslegen müssen; man wird theologische und Moral-Bücher nachschlagen. Sage mir, was für Bücher werden es sein, und wer wird sie verfasst haben? Es wird sich hübsch machen, wenn..." vgl. Anm. 11 ff., 54 ff. 
[61] V, 1 ff.
[62] Ib.; zu: Immer größer wurde Julians Wut gegen die Christen; wie die Osmanen und Türken wütete er zunächst gegen sich selbst, er trat das Heilige mit Füßen und „verhöhnte den Geist der Gnade (Hebr. 10, 29)“. Man sollte ihn eigentlich Jeroboam oder Achab, den Israeliten, "welche große Verbrecher waren", nennen, vgl. Anm. 41 ff, 45 ff.
[63] Ib.; vgl. Kurse Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 564 St. Ambrosius, Ib.
[64] Ib.
[65] Ib.
[66] Ib.
[67] Ib.
[68] Ib.; zu: Julian ließ sich durch die Worte der Dämonen beeinflussen; Wie für die späteren Moslems gilt auch für ihn: "Charakterlosigkeit ist ja leichtgläubig", vgl. Kurse Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Ib.
[70] Ib. 
[71] V, 17 ff.; zur Apostelkirche vgl. Anm. 41
[72] Ib. 
[73] Ib.; zu: Was man heute von "Rechtsverdrehungen und Rechtsbeugungen" in islamischen Ländern, die sich an der Scharia orientieren, sagen kann, das traf schon auf die Rechtsauffassungen des Julian zu, d.h. mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Dazu Gregorius: "Was soll ich von seinen Rechtsverdrehungen und Rechtsbeugungen sagen? Oft genügt eine einzige Nacht, um das Recht umzuändern und zu verdrehen. Gerechtigkeit war ihm wie Ebbe und Flut. Da der hochgeborene Julian aus Ehrgeiz alles an sich riß, wollte er sich nämlich auch mit Rechtsprechung abgeben..." vgl. Kurse Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Ib.
[74] Ib.; zum Charakter Julians und dass er sich von "Priestern und Betrügern in ihre Geheimnisse" hat einweihen lassen, wie muslimische Imame dies noch heute bei islamischen Herrschern tun, schreibt Grigorius.. vgl. Anm. 60 ff.
[75] Ib.; zu: "Noch ein neues Siegeslied will ich anstimmen: „Beel ist gefallen, Dagon gestürzt (Is. 46, 1), Saron ist zur Wüste geworden und der Libanon mit Schmach bedeckt (Is. 33, 9).“ Nicht mehr soll man Toren, nicht mehr der leblosen, gefühllosen Schar der Götzen die Herrschaft überlassen", die Götzen der Sarazenen bzw. den der Moslems, Allah, eingeschlossen  Warum sollte man „nach der Fliegengöttin Akkaron fragen (2 Kön. 1, 2)“ oder nach etwas, was noch lächerlicher ist als sie, zum Beispiel den Götzen, der in der Kaaba in Mekka verehrt wird, weswegen Millionen Moslems klimaschädlich z.B. mit turkish airlines dort hinfliegen um den "kostümierten Heulender-Araber-Kitsch des Oberflächlichen" (Rushdie 1995) zu bewundern, vgl. Anm. 15, 81 ff. und Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 505 Arthur Schopenhauer. Ib. 
[76] Ib.; zu: Nach Julians Herrschaft und später nach der Reconquista und dem Niedergang des osmanischen Reiches, der den Islam in die Bedeutungslosigkeit stürzte, kann man mit Gregorius sagen.., vgl. Anm. 45 ff und Kurse Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[77] Ib.
[78] Ib.; zu: Man denke auch an Dantes göttliche Komödie, in der Muhammad die Qualen erleiden muss, die er seinen Gegnern zugefügt hatte, vgl. Kurs Nr. 562 Dante Alighieri, Ib.
[79] Ib.
[80] VI
[81] Ib.; zu: Derjenige Engel, welcher kühn sich widersetzt und über seine Stellung hinaus mit trotzigem Nacken wider den allmächtigen Herrn erhoben und, wie der Prophet sagte (Is. 14, 14), nach dem Sitz über den Wolken verlangt hatte, wie der Götze Allah, "wurde seiner Torheit entsprechend bestraft. Er wurde verurteilt, statt Licht Finsternis zu sein, bzw., um mich richtiger auszudrücken, er machte sich selbst zur Finsternis. Die übrigen Engel blieben in ihrer Würde und erfreuten sich darin vor allem des Friedens und der Ruhe, da die gepriesene, heilige Trinität ihnen Einheit und Erleuchtung verliehen hatte. Denn die Trinität selbst ist ein Gott und wird als ein Gott geglaubt, da sie sowohl eins ist im Denken, wie gleich in ihrem Wesen. Daher treten Gott und dem Göttlichen alle diejenigen nahe, welche offen und ehrlich das Gut des Friedens begrüßen, dagegen Auflehnung hassen und verabscheuen. Zur Gegenpartei aber gehören alle jene, welche Streit suchen, durch Neuerungen Ruhm ernten wollen und stolz auf ihre Schande sind. Der Satan steht im Streit mit sich selbst und wirkt als Menschenmörder von Anbeginn und als Feind des Guten durch Zerrissenheit und Leidenschaften auch in anderen Streit, um im Dunkeln, in der Finsternis der Auflehnung sich verbergend, den einen Leib der Kirche niederzustrecken. Auch an den einzelnen macht er sich wohl oftmals listig und schlau heran und öffnet sich geschickt in uns ein Plätzchen, um dann vollständig einzubrechen wie ein kühner Krieger in eine Mauerbresche oder eine Heereslücke." Diese Schilderung passt heute wie damals auf diejenigen, die nicht ganz bei Trost sind, also die Anhänger Muhammads, die nicht nur in islamischen Ländern Streit anzetteln und nach Dante dafür büßen müssen, vgl. Anm. 78 
[82] VII
[83] Ib.; zu: Auch heute findet ein Geistes- und Kulturkampf statt zwischen dem antichristlichen Islam und dem Christentum. Es gibt den "Kampfplatz", auf welchem "große Kreuzesritter sich zu messen" haben. Den Kampf bestimmt "auf der einen Seite Christus, der den Kämpfer mit seinem Kreuze" bewaffnet, "auf der anderen Seite ein furchtbarer Tyrann", heute vor allem die Ideologie des Islams, vgl. Anm. 75 ff. und Kurs Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Ib. 
[84] Ib. 
[85] Ib.
[86] XI; zu: Idealisten und zum Idealismus, vgl. Kurse Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 543 Deutscher Idealismus. Ib. 
[87] XII
[88] XIV
[89] Ib.
[90] Ib.; zu Gregor von Nyssa vgl. Kurs Nr. 613 St. Gregor von Nyssa. Ib. 
[91] Ib.
[92] Ib.
[93] XVIII; zur Vielehe vgl. auch Kurse Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 617 Cyrill von Alexandrien, Ib.
[94] Ib.
[95] Ib.; zu: Gregor beschreibt seinen Vater, der auch ganz anders war als z.B. die heutigen Oberen der Kirche in Deutschland, die in ihrer "Aufgeblasenheit" nichts anderes als "heuchlerisch und oberflächlich" sind, den Islam fördern und die auch zu verantworten haben, dass die Deutschen in Massen aus der Kirche austreten; auch von "geistig leben [philosophein]" kann bei ihnen keine Rede sein, denn von den Lehren und Philosophien der alten Kirchenlehrer haben sie keine Ahnung: "Wer hat mehr als er Aufgeblasenheit bekämpft und Demut geliebt und letzteres nicht etwa heuchlerisch und oberflächlich, wie es die vielen tun, die jetzt vorgeben, geistig zu leben [philosophein]..." vgl. Anm. 83 ff., 98 und kurse Nr. 617 Cyrill von Alexandrien, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Ib.
[96] Ib.
[97] Ib.
[98] Ib.; zu: "mit Fußtritten weiterbefördert worden wäre." Von den Oberen der Kirche in Deutschland und Rom ist eine derartige Reaktion wohl eher nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil, sie fördern noch die, die "sowohl von Gott als auch von der Vernunft abgefallen" sind, wie die Moslems, die es für eine große Tat  erachten, "die Christen zu bezwingen", wozu ihnen auch ihr Dämon Allah, von dem sie sich leiten lassen, rät; sie schecken "vor keiner Art Bosheit" zurück; sie gewinnen die Kinder und Jugendlichen in ihren Moscheen und Koranschulen "durch Überreden, Drohen und Belehren, bald mit List, bald durch Gewalt," vgl. Anm. 73 ff. und 95 ff. und Kurs Nr. 544 Staats- und Rechtslehre II. Ib.
[99] Ib.
[100] Ib.; Folgende Beschreibung der Kirche findet sich auch in Hübsch 1863: „Die altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und älteren Beschreibungen“, Karlsruhe und in J. Strzygowski 1903: „Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte“, Leipzig; Hübsch gibt a. a. O. Tafel XIX, 7 u. 8 eine Rekonstruktion der von Gregor beschriebenen Kirche. An derselben tadelt jedoch Strzygowski dass sie zu sehr nach dem Baptisterium zu Florenz, zu wenig nach S. Vitale zu Ravenna gemacht sei; eine schon von Kaiser Konstantin im Achteck erbaute Kirche erwähnt Eusebius, „Leben Konstant.“ 3, 50. „Über alte Oktogonkirchen“ vgl. Strzygowski; vgl. auch Anm. 41 ff.
[101] XIX
[102] Ib.; zu: "Der Sünder bringe als Gabe die Reue, der, welcher den rechten Weg geht, die Ausdauer, der Jüngling die Enthaltsamkeit, der Greis die Klugheit, der Reiche die Freigebigkeit, der Arme den Dank, der Mächtige die Bescheidenheit, der Steuerbeamte die Milde! Ihr Priester, kleidet euch mit Gerechtigkeit! Oder, um mich richtiger auszudrücken, kleiden wir uns damit! Zerstreuen wir nicht die Schafe der Herde, und richten wir sie nicht zugrunde, für welche der gute Hirte sein Leben hingegeben hat, der die Seinigen kennt und von den Seinigen gekannt wird, der sie mit Namen ruft, sie eintreibt und vom Unglauben zum Glauben und von diesem Leben in die Ruhe des Jenseits führt! Fürchten wir, dass, wie die Schrift droht (1 Petr. 4, 17), das Gericht bei uns beginnt und dass wir von der Hand des Herrn sowohl dafür gestraft werden, dass wir selbst nicht hineingehen, wie dafür, dass wir andere am Eintritt hindern ( Is. 40, 2. Matth. 23, 13)!" Schön wäre es, wenn die Oberen der Kirche in Deutschland heute danach handeln würden und ihre Schafe "vom Unglauben zum Glauben" bringen würden und nicht "andere am Eintritt hindern", indem sie z.B. den islamischen Götzen Allah vereheren, seinetwegen ihr Kreuz ablegen, islamischen ReligionslehrerInnen nicht nur in Talkshow ihr Unwissen über Islam und Christentum verbreiten lassen, sondern auch in Schulen und Moscheen", vgl. Anm.  98 ff.
[103] Ib.; zu: "Machet aus eurer Bildung eine Waffe der Gerechtigkeit, nicht des Todes!" Wenig sinnvoll ist es aus seiner wissenschaftlichen Bildung z.B. Atombomben zu entwickeln, oder Irrlehren wie den Islam zu unterstützen; beides ist keine "Waffe der Gerechtigkeit" sondern des Todes, vgl. Anm. 102
[104] Ib.
[105] Ib.
[106] XX; zu: Diese Rede wurde in Konstantinopel ca. 379 gehalten, in der Hauptstadt des byzantinischen Reiches, das später von den Barbaren, den islamischen Osmanen bzw. Türken mehr und mehr erobert wurde und die aus ihrer ohnehin geringen Bildung eine Waffe des Todes machten, Kirchen im byzantinischen Reich zerstörten oder in Moscheen verwandelten, die christliche Bevölkerung vertrieben. Auch heute noch geht der oberste Türke, der wegen seiner Geschwätzigkeit bekannt ist, gegen Christen vor und führt Angriffskriege z.B. in Syrien. Durch sein niedriges Bildungsniveau hat er den Satz des Gregor von Nzianz "Machet aus eurer Bildung eine Waffe der Gerechtigkeit, nicht des Todes!" natürlich nicht verstanden, vgl. Anm. 103 und Kurs Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[107] Ib.; zu: Byzanz ist letzlich an den "gewissermaßen gottfeindlichen" Lehren des Arianismus, Nestorianismus; Sabelianismus und Islamismus zugrunde gegangen, also auch an Eintagsphilosophen und der Geschwätzigkeit unserer Zeit. Nach Ansicht dieser Eintagsphilosophen hätte z.B. der Götze Allah nur "kleine, minderwertige Geschöpfe" hervorgebracht, die sogenannten Moslems, die die Freiheit nicht kennen und sich in ihrem Fatalismus nur unterwerfen können, vgl. Anm. 95 ff. und 106 ff. und Kurs Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Ib.
[108] Ib.
 
 

Zur Philosophie und Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 618 Ephraim der Syrer, Nr. 617 Cyrill von Alexandrien, Nr. 616 St. Gregor von Nazianz, Nr. 613 St. Gregor von Nyssa, Nr. 612 St. Johannes Chrysostomos, Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 St. Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas: Summa Theologica I., Nr. 502 St.Thomas Aquinas, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas Aquinas, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto,Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 610 Piero della Francesca, Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico,Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio da Fossano detto il Bergognone, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 




Raffael, Schule von Athen, Plato, detail
 


Raffael, Schule von Athen, detail
 
 
 


Botticelli, Detail of Maria with the Child and Singing Angels, c. 1477
 


Byzantinische Architektur als Vorbild: Markusdom in Venedig
Die Apostelkirche (in Konstantinopel von Konstantin dem Großen erbaut; er wurde seinem eigenen Wunsche gemäß in derselben auch beigesetzt), war eine christliche Kirche in Konstantinopel, der ehemaligen Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Nach der Hagia Sophia war die Apostelkirche die bedeutendste unter den großen Kirchen des Oströmischen Reiches. Nach der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 durch die Osmanen und der Umwandlung der bisherigen Hauptkirche Hagia Sophia in eine Moschee wurde sie für kurze Zeit Kathedrale der Patriarchen von Konstantinopel. Schon 1461 allerdings wurde die Apostelkirche von den Moslems abgerissen, um Platz für einen Götzentempel, die "Fatih-Moschee" zu schaffen. Einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Apostelkirche vermittelt noch heute der nach ihrem Vorbild errichtete Markusdom in Venedig. 
 


Hagia Sophia zur Zeit der Hl. Johannes Chrysostomos und Gregor von Nazianz
 


Ehemalige Fahne der christlichen Türkei (Bandera Imperio Bizantino)
 


Wappen Byzantion (altgriechisch, latinisiert Byzantium, modern Byzanz, türkisch Bizans) war eine um 660 v. Chr. am südwestlichen Ausgang des Bosporus gegründete Koloniestadt dorischer Griechen aus Megara, Argos und Korinth. Byzantium wurde unter römischer Herrschaft zu einer Stadt in der römischen Provinz Thracia. Aufgrund seiner günstigen Lage an der europäischen Küste des Bosporus, auf der Ostspitze einer Halbinsel zwischen Marmarameer und Goldenem Horn, wurde Byzantion von 326 bis 330 von Kaiser Konstantin I. zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches ausgebaut und in der Folgezeit Konstantinopel genannt. Durch einen noch heute bei Türken üblichen Angriffskrieg wurde es von Moslems (Osmanen) erobert und Bizans bzw. später Istanbul genannt. Das byzantinische Wappen wurde durch eine Halbmond-Piratenflagge ersetzt. 
 

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Letzte Bearbeitung:21.10.2019