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Kurs Nr. 672 Dante Alighieri III

Poet und Philosoph

Divina Commedia


Liszt's "Sinfonie zu Dantes Commedia" ("Dante-Sinfonie"): Passend dazu ist die Musik, wenn die Themen des "Inferno" entweder eine herabziehende Schwere haben, oder sich grimmig, wie Sisyphos, auf derselben Stelle unnütz abarbeiten. Inmitten des wahrhaft höllischen Satzes, dessen grelle Dissonanzen und chromatische Seufzer- und Klagemotive weit über die Tonsprache des 19. Jahrhunderts hinausgehen
Giotto di Bondone, Dante Alighieri;

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Dantes Wirkung reicht bis in die heutige Zeit, vor allem aber in die Zeit der Romantik. Hector Berlioz verstand seine "Symphonie fantastique" mit dem Untertitel "Episoden aus dem Leben eines Künstlers", als autobiographisches Werk, in dem Realität und Fiktion zu einer romantischen Einheit verschmelzen. Ähnlich autobiographisch ist Liszt's "Sinfonie zu Dantes Commedia" ("Dante-Sinfonie") mit einer Widmung an Richard Wagner: "Wie Virgil den Dante, hast Du mich durch die geheimnisvollen Regionen der lebensgetränkten Tonwelten geleitet. - Aus innigstem Herzen ruft Dir zu: 'Tu sei lo mio maestro, e il mio autore!' und weiht Dir das Werk in unwandelbar getreuer Liebe Dein F. Liszt." Die beiden kolossalen Sinfonien zu Dantes "Divina Commedia" und Goethes "Faust" verstand der Komponist als seine wichtigsten sinfonischen Dichtungen. Die beiden Hauptgedanken des "inferno" erweisen sich als rhythmisch identisch mit Schlüsselversen der dichterischen Vorlage, die als Inschrift auf dem Tor zur Hölle den Eintretenden mit Angst und Entsetzen erfüllen. So ist z.B. Mohammed, den Dante als Irrlehrer, sittenlos und gewalttätig, beurteilt, im Inferno angesiedelt. Passend dazu ist die Musik, wenn die Themen des "Inferno" entweder eine herabziehende Schwere haben, oder sich grimmig, wie Sisyphos, auf derselben Stelle unnütz abarbeiten. Inmitten des wahrhaft höllischen Satzes, dessen grelle Dissonanzen und chromatische Seufzer- und Klagemotive weit über die Tonsprache des 19. Jahrhunderts hinausgehen, erklingt ein schönes "Andante amoroso" in Fis-Dur, der Tonart, die nicht nur für Liszt Klangsymbol der Liebe war, sondern auch für Alexander Scrjabin und Gustav Mahler. Aus den finsteren Abgründen steigen die Schatten Paolo und Francesca da Riminis empor. Der zweite Satz "Purgatorio", entspricht in seinem lichten D-Dur weniger dem Fegefeuer christlicher Mystik, als vielmehr dem "Berg der Läuterung", wie Dante ihn sah; kein Ort des Schreckens also, sondern eine hoffnungsvolle Vorstufe der Seligkeit. Ein wunderbar leises, das Gemüt beruhigendes Säuseln lässt das Meer erscheinen mit fast ohne Wellen, ein wolkenloser Himmel wölbt sich über die weihevolle Stille, in welcher wir den Flügelschlag des Engels zu vernehmen glauben, der über das Meer der Unendlichkeit dahinschwebt. Rauschend aufsteigende Harfenarpeggien führen zum Schlussteil. In H-Dur stimmt der Frauenchor den Lobgesang des Magnificat an. Der Wechselgesang von Hosanna und Halleluja, der das Werk beschließt, gehört zum Faszinierendsten, was die Musik der Romantik geschaffen hat. [1]

Tschaikowsky hat 1877 eine Symphonische Phantasie nach Dante op. 32 komponiert mit dem Titel "Francesca da Rimini". Was die dramatische Darstellung des Inferno betrifft erreicht Tschaikowsky mit seiner Dante-Phantasie fast an die Dramatik von Liszt's "Dante-Sinfonie" heran. Höllengeister werden musikalisch eindrucksvoll dargestellt. 1906 fand die Uraufführung von  Rachmaninows Oper in einem Aufzug mit Prolog und Epilog op. 25 in Moskau statt. Eigentlich hatte Rachmaninow 1904 eine Shakespeare-Oper komponieren wollen, doch Modest Tschaikowski hatte ihn dazu überredet, das "Francesca da Rimini" -Libretto zu komponieren, das er für seinen Bruder Peter Iljitsch geschrieben hatte, das diesen dann zu seiner symphonischen Phantasie inspiriert hatte. Die Dramatik ist nicht in der Art wie man sie von Richard Wagner, Liszt's "Dante-Sinfonie" oder auch Tschaikowsky kennt; auch der damalige musikalische Standard für solche sturmdurchtobte, öde, felsige Gegend am Rande eines Abgrunds, wo geisterhafte Erscheinungen durch die Luft jagen, war die Walpurgisnachtszene in Charles Gounods "Faust". [2] 
 
 

Anmerkungen

[1] Wissenschaftsbriefe / Science Review Letters 2023, 22, Nr. 1434; vgl. Kurse Nr. 562 Dante Alighieri I-II, Nr. 672 Dante Alighieri III, Nr. 667 Romantische Kunst und Philosophie I, Nr. 669 Romantische Kunst und Philosophie II, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.
 
 




Delacroix, La Barque de Dante
 

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