Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 506 

Wladimir Solowjew - Europa im 21. Jahrhundert


Es beginnt eine Epoche des Friedens und der friedlichen Ausbreitung der christlichen Europäischen Kultur nach allen Seiten

"Die Unterordnung des aktiven Teils der christlichen Welt unter den Islam im Mittelalter wäre eine große und zum Glück unmögliche Katastrophe gewesen, eine direkte Verneinung des Sinns der Weltgeschichte. Unter Unmöglichkeit verstehe ich hier nicht eine abstrakt-logische (warum hätte, abstrakt gesprochen, mit ganz Europa nicht das gleiche geschehen können wie mit Westasien, Nordafrika und dem südöstlichen Gebiet eben dieses Europa?), sondern eine real-historische, die abhing von der Lebenskraft der westlichen und nördlichen christlichen Völker, die sich und ihre Zukunft verteidigen gegen die fremden Mächte, die sie verschlingen oder unterwerfen wollten."  - Wladimir Solowjew


 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 
"Geliebter Bruder, siehst Du nicht,
dass alles, was uns sichtbar ist
nur Abglanz, Schatten dessen ist,
was unsere Augen nicht mehr seh'n."  - Wladimir Solowjew


Interessant ist die Entwicklung, die Solowjew durchgemacht hat. Wer immer sich zur "Intelligentsia" zählen wollte, musste sich mit den herrschenden Ideen auseinandersetzen. Vom Gymnasium an atmete man sie ein wie die Luft, die einen umgibt. Solowjew war gegen 1868 Positivist gewesen. Die Fürsten Jewgenji und Sergej Trubetskoy (Schüler Solowjews) machten alle Stadien des Nihilismus, des Positivismus und Skeptizismus durch, bis sie 1882 von den Brüdern Kraramasow bekehrt wurden. Dennoch sollte ein außerordentliches Genie die Richtung des russischen Denkens für das folgende halbe Jahrhundert bestimmen: Wladimir Solowjew. Geboren 1853 hatte er seit 1874 folgende Werke veröffentlicht: "Die Krise der westlichen Philosophie", ein gegen den Positivismus gerichtetes Werk, "Prinzip der abstrakten Prinzipien, Die geistigen Grundlagen des Lebens, Geschichte und Zukunft der Theokratie, Russland und die universale Kirche, die nationale Frage in Russland, die Rechtfertigung des Guten, die drei Gespräche." Sein Ziel war, die moderne Philosophie wieder zum Christentum zurückzubringen. Ähnlich wie die deutschen Idealisten und Klassiker der Literatur wie Goethe, Hölderlin, Schelling, Novalis, Dostojewskij sieht Solowjew in der "engsten Annäherung und der friedlichen Zusammenarbeit aller christlichen Völker und Staaten nicht nur einen möglichen, sondern den notwendigen und sittlich verpflichtenden Weg, den die christliche Welt gehen muß, um nicht von niederen, elementaren Kräften verschlungen zu werden." (Solowjew) Den historischen, von ihren Priestern geführten Kirchen übergeordnet sah er die mystische Kirche, vom Geist und den Propheten (bis Johannes) inspiriert. 1898 übertrug die Philosophische Gesellschaft von St. Petersburg Solowjew das Hauptreferat anläßlich der Feiern zum hundertsten Geburtstag Auguste Comtes. - Ein Zeichen des Triumphs des Geistes über den Positivismus. [1]

Solowjew strebte nicht einen Idealismus an, der die Relation von Ethik und Metaphysik leugnet; eine derartige Konzeption ist nach Kant, jene Tolstojs mit seinem engen Rationalismus, der später vom Neukantianismus der Schulen von Baden und Marburg und eines Husserl aufgegriffen wurden. Wladimir Solowjews Konzeption war eine andere: Er verband Ethik mit Kosmologie und Geschichtsphilosophie; bei ihm handelt es sich um einen Idealismus nach Plato und Plotin, Schelling, Hegel, Schopenhauer, Dostojewskij. Eine neue Zeitung wurde gegründet "Der Neue Weg" (Novy Put). Man protestierte gegen die Reduktion des Christentums auf die Ethik. Denn dies sei der beste Weg zum Tolstojismus, der zum Fatalismus des Islams führt. Die Orient-Christen, also die Ur-Christen, zum Beispiel in der Provinz Galatien im kleinasiatischen Bergland (heute Türkei), haben, als sie noch die Mehrheit in Ägypten, Syrien, Libanon Türkei etc. stellten, einst - wie heute die europäischen Christen - Muslime toleriert. Später haben Muslime die Christen verfolgt und herausgedrängt, bis sie zur Minderheit wurden. Das gleiche könnte Europa und Russland passieren, wenn das Versagen der westlichen Politiker und Kirchenvertreter beibehalten wird. [2]

Solowjew war sich bewusst, dass je mehr der Kreis des Lichtes wächst, um so mächtiger treten auch die Gewalten der Finsternis auf den Plan. Die Geschichte der Menschheit und der Erde seit dem Ereignis von Golgatha ist innerlich bestimmt durch die steigende Spannung zwischen dem Kommen des Christus, der Parusie, und dem Kommen des Antichrist, der "Apostasie". [3]
 

"Die Unterordnung des aktiven Teils der christlichen Welt unter den Islam im Mittelalter wäre eine große und zum Glück unmögliche Katastrophe gewesen, eine direkte Verneinung des Sinns der Weltgeschichte. Unter Unmöglichkeit verstehe ich hier nicht eine abstrakt-logische (warum hätte, abstrakt gesprochen, mit ganz Europa nicht das gleiche geschehen können wie mit Westasien, Nordafrika und dem südöstlichen Gebiet eben dieses Europa?), sondern eine real-historische, die abhing von der Lebenskraft der westlichen und nördlichen christlichen Völker, die sich und ihre Zukunft verteidigen gegen die fremden Mächte, die sie verschlingen oder unterwerfen wollten." - Wladimir Solowjew


Die Moskauer religionsphilosophische Gesellschaft hatte sich Wladimir Solowjew gewidmet. 1910 versammelte sie die größten Namen des russischen Geisteslebens: Berdjajew, Bulgakow, Frank, den Fürsten Jewgenij Trubetskoy, der Professor an der Universität war, Swentsitzki, den fruchtbaren Schriftsteller und frühvollendeten Philosophen Wladimir Ern sowie den Mathematiker, Physiker, Dichter und Philosophen Pawel Florenski (1882-1937), der nach seinem Universitätsstudium an der kirchlichen Akademie Theologie und die Kirchenväter studiert hatte. Er reanimierte die orthodoxe Spiritualität, die sich idealtypisch in Byzanz und im moskowitischen Russland ausgeprägt hat. Auch heute im Neobyzantinismus wird sie von dem Abt des Sretenski-Klosters, Tichon, vertreten. Tichon, ein ausgebildeter Filmregisseur, schildert Byzanz als ideale Zivilisation, als geistiges, kulturelles und politisches Zentrum der Welt in einer Zeit, da der Westen sich im Zustand tiefer Barbarei befand. Das war nur möglich, erklärt Tichon, weil das multinationale Oströmische Reich streng hierarchisch strukturiert war und sich auf Loyalität zum Kaiser gründete, der zugleich Verteidiger des wahren Glaubens war. Für den Untergang von Byzanz macht Tichon, der mittlerweile zum Bischof aufgestiegen ist und den Kulturrat des Patriarchen leitet, den "habgieriegen Westen" verantwortlich. "Dessen damals führende Macht, Venedig, habe die Eroberung der oströmischen Hauptstadt damit begründet, dass man für den freien Markt streite und ein Reich des Bösen bekämpfe, das sich den 'gesamteuropäischen Werten' verweigere, sagt der Geistliche." Ab 1907 stand den Moskauer Philosophen eine große literarische und politische Monatszeitschrift zur Verfügung: "Das russische Denken." Das Publikum wurde vergrößert und der Horizont erweitert. Der Verlag "Der Weg" (Put), der von Margarethe Morosow gegründet wurde, spezialisierte sich neben der Herausgabe russischer Werke nahezu ausschließlich auf Übersetzungen katholischer Bücher. Dies war eine neue Tendenz, die auf die Erweiterung des Horizonts der Denker hinweist. Die Verantwortlichen des Put wollten bewusst "der Berufung Russlands, zur Verwirklichung des universalen christlichen Ideals im Denken wie im Leben beizutragen" dienen. So erschienen "Die russische Idee" und "Russland und die Universalkirche" von Wladimir Solowjew, Werke von Augustinus, Pascal, Herklit, Meister Eckhart, Novalis, Wagner (Parsifal). Die früher vernachlässigten Werke der nationalen Philosophen wurden aber nicht vergessen: die gesammelten Werke Solowjews wurden 1911-1914 in zehn Bänden neu aufgelegt und um drei Bände mit Briefen erweitert. Werke Berdjajews wie "Die geistige Krise der Intelligentsia" und "Philosophie der Freiheit" erscheinen. Diese Werke enthalten eine Wiederaufnahme der Ideen Wladimir Solowjews und sind von dem orthodoxen Theologen Viktor Nesmjelow beeinflusst, dessen zweibändiges Werk "Die Wissenschaft des Menschen" "ein Versuch der philosophischen Rechtfertigung des Christentums" war. Ende 1913 erschien das Buch des Paters Pawel Florenski: "Die Säule und das Fundament der Wahrheit. Versuch einer orthodoxen Theodizee in zwölf Briefen." Florenski geht von der "lebendigen religiösen Erfahrung" aus; seine Gedanken sind vom Neuplatonismus, der griechischen Patristik und vom Solowjewismus beeinflusst. Auch wenn sich die Ideen schon bei Wladimir Solowjew finden, so war es doch ihre erste Verarbeitung. Die Neo-Slawophilen um W. Rosanow und Bulgakow waren der Ansicht, "Der ganze russische Charakter ist friedfertig." Zudem wurde die Idee Dostojewskis wieder aufgenommen "Konstantinopel muß uns gehören", und verband sie mit den Thesen Florenskis, wonach Moskau an der Spitze der orthodoxen Nationen in die Hagia Sophia einziehen muß, weil es das Erbe des "sophianischen Werkes von Byzanz" ist. In der Universitätsphilosophie blieb man allerdings der materialistischen und positivistischen Richtung (Tschernischewski und Pisarew) treu und unterschied sich kaum von der westlichen Universitätsphilosophie. [4]

Russland musste die Rückständigkeit in Wirtschaft, Gesetzgebung und Verwaltung, eine späte Folge des Tatarenjochs, jenes Vierteljahrtausends der zwangsweisen Trennung von Europa, wieder aufholen. Lange vor Peter dem Grossen holten russische Herrscher westeuropäische Experten und Berater ins Land, gegen den Widerstand der Bojaren, mächtiger, traditionserstarrter adeliger Geschlechter, und der russisch-orthodoxen Kirche, die den "zersetzenden" Einfluss der Andersgläubigen auf die Rechtgläubigkeit und die Moral der Russen fürchtete. Im Norden hatten sich die Schweden, die nordische Grossmacht, ausgebreitet, im Süden die Tataren und Türken. 1709 besiegte Peter der Grosse die Schweden bei Poltawa und machte so den Weg frei für die Gründung von St. Petersburg. Das nördliche Ufer des schwarzen Meeres hielten Türken und Krimtataren in ihrer Hand. "Immerhin gelang es Peter sehr früh, die türkische Festung Asow mit der Mündung des Don ins Asowsche Meer zu erobern. Eine Festung am Meer sollte genommen werden, also liess der Zar Kriegsschiffe zimmern: so wurde Asow russisch. Graf Grigorií Potjomkin, ehemaliger Geliebter der Zarin, half der Herrscherin, die russischen Grenzen nach Süden bis ans Schwarze Meer, einschliesslich der Krim, vorzuschieben. "Er hat keineswegs nur 'Potjomkinische Dörfer' gebaut. Potjomkin war ein talentierter Organisator, der Neurussland und die Krim, bis dahin in der Hand der Türken und Tataren, in das russische Imperium integrierte. Die Deutsche auf dem Zarenthron rief ihre Landsleute in der Heimat immer wieder auf, nach Russland zu kommen und fruchtbares Neuland zu bebauen. So strömten Siedler aus Schwaben und der Pfalz, wie zuvor schon an die Wolga, nunauch in die Schwarzmeersteppe. Erst jetzt, mit der Öffnung des Schwarzen Meeres und der Meerengen Bosporus und Dardanellen für russische Schiffe, war Russland eine gleichberechtigte europäische Grossmacht geworden."  [5]
 

"Der ehrenvolle bewaffnete Kampf der europäischen Völker gegen den Islam war im Mittelalter die allererste christliche Tat und ein großes Verdienst vor der Menschheit. Nachdem die christliche Welt den Islam in einer gemeinsam geführten Attacke - den Kreuzzügen - zu wiederholten Malen stoßweise, aber ohne Ausdauer angegriffen hatte, schirmte sie sich durch vier Schilde dauerhaft gegen den Andrang der feindlichen Kräfte ab - auf vier junge Nationen legte sich das Hauptgewicht der gemeinsamen Sache. Auf der linken, nordöstlichen Flanke der Verteidigungslinie nahm Russland das wilde Andringen der mongolischen und tatarischen Horden auf sich und schlug es zurück. Das Zentrum, das von den osmanischen Türken durchbrochen worden war, die Byzanz umgangen und dann eingenommen und die südslawischen Staaten auf dem Balkan zerschlagen hatten - das durchbrochene Zentrum wurde auf den Karpaten durch zwei kriegerische Nationen wieder geschlossen - durch Polen (mit Südrussland) und Ungarn (mit Kroatien); und auf der rechten, südwestlichen Flanke der christlichen Verteidigung drängten die Spanier Schritt um Schritt im Verlauf von mehr als sieben Jahrhunderten die Invasion der Mauren zurück, bis sie sie nach Afrika zurückwarfen." [6] - Wladimir Solowjew
"Diese mongolischen und tatarischen Steppen, durch mannigfaltige Gebirgszüge unterbrochen, scheiden die uralte, langgebildete Menschheit in Tibet und Hindostan von den rohen, nordasiatischen Völkern. Auch ist ihr Dasein von mannigfaltigem Einfluß auf die wechselnden Schicksale des Menschengeschlechts gewesen. Sie haben die Bevölkerung gegen Süden zusammengedrängt, mehr als der Himalaja, als das Schneegebirge von Sirinagur und Gorka den Verkehr der Nationen gestört und im Norden Asiens unwandelbare Grenzen gesetzt der Verbreitung milderer Sitten und des schaffenden Kunstsinns. Aber nicht als hindernde Vormauer allein darf die Geschichte die Ebene von Innerasien betrachten. Unheil und Verwüstung hat sie mehrmals über den Erdkreis gebracht. Hirtenvölker dieser Steppe: die Mongolen, Geten, Alanen und Usün haben die Welt erschüttert. Wenn in dem Lauf der Jahrhunderte frühe Geisteskultur gleich dem erquickenden Sonnenlicht von Osten nach Westen gewandert ist, so haben späterhin, in derselben Richtung, Barbarei und sittliche Roheit Europa nebelartig zu überziehen gedroht. Ein brauner Hirtenstamm (tukiuischer, d. i. türkischer Abkunft), die Hiongnu, bewohnte in ledernen Gezelten die hohe Steppe von Gobi. Der chinesischen Macht lange furchtbar, ward ein Teil des Stammes südlich nach Innerasien zurückgedrängt. Dieser Stoß der Völker pflanzte sich unaufhaltsam bis in das alte Finnenland am Ural fort. Von dort aus brachen Hunnen, Avaren, Chasaren und mannigfaltige Gemische asiatischer Menschenrassen hervor. Hunnische Kriegsheere erschienen erst an der Wolga, dann in Pannonien, dann an der Marne und an den Ufern des Po: die schön bepflanzten Fluren verheerend, wo seit Antenors Zeiten die bildende Menschheit Denkmal auf Denkmal gehäuft. So wehte aus den mongolischen Wüsten ein verpesteter Windeshauch, der auf zisalpinischem Boden die zarte, langgepflegte Blüte der Kunst erstickte." [7] - Alexander von Humboldt


Bislang wurde dem Islam in Europa und vor allem in Russland zu viel Toleranz entgegengebracht, was dieser gnadenlos ausnutzte. In Russland gibt es bereits 20 Millionen Muslime, die rund 15 % der Bevölkerung ausmachen*. Abgesehen vom Nordkaukasus, liegt dessen Zentrum westlich des Urals in den benachbarten Republiken Tatarstan und Baschkortostan. Moscheen gehören in den Städten wie Kasan (dort steht eines der grössten muslimischen Gebetshäuser in Europa) zum Stadtbild. Eine Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), in der neben Aserbaidschan, Kasachstan mehr als 50 Länder Mitglied sind, sowie die Islamic Developement  Bank, eine 1975 gegründete muslimische Entwicklungsbank kümmern sich darum, den Islam weiter auszubreiten und "nicht-gewalttätige Extremisten" zu unterstützen. [8]

Wenn sich sogenannte islamische Staaten zusammenrotten, kommt in der Regel nichts vernünftiges heraus. Ein Ereignis mit Langzeitfolgen war zum Beispiel das Treffen von 45 islamischen Staaten in Kairo im Jahre 1990. "Damals, genau 42 Jahre nach der Verkündigung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der UN-Charta von 1848, wurde am 5. August 1990 die 'Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam' herausgegeben. Dort erklärten die 45 Staaten, dass die Scharia (die Gesamtheit des islamischen Gesetzes, das sich auf den Koran, die islamische Überlieferung und die Auslegung massgeblicher islamischer Theologen stützt) die einzig zuständige Quelle für die Auslegung und Anwendung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung sei. Inzwischen sind 57 islamische Staaten dieser Erklärung beigetreten. Damit haben sich diese Staaten von den in der UN-Charta festgelegten Allgemeinen Menschenrechten verabschiedet, und es überrascht nicht, wenn eine für das westliche Verständnis von Menschenrechten problematische Stufe des Dschihad erreicht ist. Sie folgt dem Koran, der sagt, Friede sei erst dann möglich, wenn alle dem muslimischen Glauben unterworfen seien." Kritiker sagen: "Der Satz: 'die Terroristen haben mit dem Islam nichts zu tun', ist schlicht und ergreifend falsch." Es gibt nur einen "Islam der Hinrichtungen, kein Islam der Toleranz". Oder:"Auch wenn es die meisten Muslime nicht wahrhaben wollen, der Terror kommt aus dem Herzen des Islams, er kommt direkt aus dem Koran." [9]

Mehr und mehr Muslime unter den Flüchtlingen entscheiden sich, vom Islam zum Christentum zu konvertieren. Ein Pfarrer betreut in seiner rasant wachsenden Gemeinde inzwischen knapp 1000 Farsi-sprachige Konvertiten, vorwiegend aus Iran. Weitere fast 500 bisherige Muslime besuchen derzeit seine Taufkurse. Beispiele für die Bedrängung von Christen in den Flüchtlingsheimen kenne er zuhauf, sagt der Pfarrer. Wachpersonal und Übersetzer werden zu "über 90 Prozent" aus Muslime rekrutiert und stehen religiösen Minderheiten im Konfliktfall nicht bei; im Gegenteil sie zählen selbst zu den Peinigern und übersetzen bewusst falsch. Orientalische Christen und konvertierte ehemalige Muslime werden hierzulande bedroht und verletzt – zum Teil von jenen muslimischen Peinigern, vor denen sie nach Deutschland geflohen sind. "Sie haben Angst, sie werden drangsaliert, bestohlen und misshandelt: Tausende orientalische Christen, die glaubten, als sie Deutschland erreichten, sie wären im ersehnten „sicheren Hafen“ gelandet, erlebten und erleben in Flüchtlingsheimen und -lagern Furchtbares. Es hat nicht an Berichten darüber gefehlt, an Warnungen und Bitten, diese Ungeheuerlichkeiten zu unterbinden. Nur ist wenig geschehen. ... Immer wieder holt Gottfried Mertens Christen aus ihrer Unterkunft, weil ihr Leben in Gefahr ist, weil sie zusammengebrochen sind wegen andauernder Demütigungen; weil sie, bespuckt und geschlagen, gezwungen wurden, an muslimischen Gebeten teilzunehmen. Aber es gibt auch Bischöfe, die diese Not immer noch herunterspielen und, wie es neudeutsch heißt, darum keinen Handlungsbedarf sehen, zumal die „Beweislage“ schwierig sei. Das kann man auch von Staatsanwälten hören, denen für ihre Ermittlungen mutige Zeugen aus der Zivilgesellschaft fehlen. Warum eigentlich? Die groteske Situation, dass allzu lange jeder, der Kritik am Chaos der Masseneinwanderung übte oder, noch schlimmer, an muslimischen „Helfern“, Gefahr lief, als Radikaler oder Islamophober beschimpft zu werden, trägt offenbar Früchte. Hinter vorgehaltener Hand kann man viel Schlimmes erfahren, einstehen will dafür kaum einer. Erinnert sei daran, wie viele Monate es gedauert hat, bis Frauen und Kinder, denen in Flüchtlingsheimen wiederholt Gewalt angetan wurde, unter besonderen, separaten Schutz gestellt wurden. Einen Bundeswehrarzt aus Erfurt hatte man für seinen schockierenden Tatsachenbericht im Frühsommer noch verhöhnt und sogar bestraft und die wohlfeile Ausrede der zuständigen Behörden gern kolportiert, hier handle es sich bloß um Hörensagen, um so etwas wie „stille Post“. Hätte man ihn sofort ernst genommen, wie vielen Frauen, Mädchen, Jungen wäre dadurch ungeheuerliches Leid erspart geblieben? Aber es durfte nicht wahr sein - bis es zu viele betraf." Es ist es schon oft geschehen, dass bewusst falsch übersetzt wurde - um danach die verzweifelten Christen im Heim als Störenfriede zu denunzieren, was neuerliche Schikanen provozierte. Auch wenn die Bitten um Hilfe sich in bestimmten Gegenden häufen, wird trotzdem beharrlich darauf verwiesen, es handle sich dabei doch um Einzelfälle. Das erinnert an die abgründigen Diskussionen um sogenannte Ehrenmorde und Zwangsheiraten, die viel zu lange als Ausnahme heruntergespielt wurden - als gäbe es ausgerechnet für Straftaten (und Opfer) eine Obergrenze, die sie erst erreicht haben müssen, bevor man sie ernst nimmt als religiösen oder kulturellen Konflikt, den es künftig mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern gilt. "Wie viele Übergriffe, wie viele Verletzte und Verzweifelte braucht es also noch, bis auch hierzulande von allen akzeptiert wird, dass dieser Konflikt zwischen Muslimen und Christen über die unkontrollierten Grenzen zu uns hereingetragen wurde? Ein Konflikt, wohlgemerkt, der viele Flüchtlinge, die keine Muslime sind, in Deutschland genauso bedroht wie in ihrer kriegsverwüsteten Heimat. Hilfsorganisationen wie „Open Doors“, der Zentralrat orientalischer Christen (ZOCD), „Kirche in Not“, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und andere schlagen jetzt Alarm. Am Montag stellten sie in Berlin die Ergebnisse einer Befragung unter nichtmuslimischen Flüchtlingen vor, die jeden Zweifel ausräumen müsste, dass es sich nur um zufällige Ausnahmen handelt. Es wird von Todesdrohungen berichtet und von Schlägen, von Einweisungen ins Krankenhaus, weil die Drangsalierten unter dem psychischen Druck zusammenbrechen. Besonders betroffen sind Christen aus dem Iran und Konvertiten aus Afghanistan, wo es keine Kirche gibt: Sie, die „Abtrünnigen“, erhalten auch Morddrohungen." [10]

Im Nordkaukasus gibt es immer wieder Konflikte zwischen dem christlichen Armenien und dem muslimischen Aserbaidschan und Nagornyj Karabach, dessen Schutzmacht die Türkei ist und die verhindert, dass es in diesem Konflikt zu einer Lösung kommt. Erdogan wolle Baku "bis zum Ende" unterstützen. Dabei könnte der Konflikt leicht gelöst werden, wenn die Türkei und Aserbaidschan den Armeniern ihre ursprünglichen Ländereien zurückgeben würden. [11]

Jahrelang unauffällige und scheinbar integrierte Muslime, die scheinbar ausserhalb der sogenannten Parallelgesellschaften leben, können - ohne, dass die Sicherheitskräfte es merken - zum Dschihadisten werden, wie kürzlich in den USA. Es zahlt sich daher nicht aus, muslimische Offiziere in die Armee aufzunehmen, wie das Beispiel Tadschikistan zeigt. Bei einem Anschlag auf Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Duschabe, seien zwei Offiziere im Verteidigungsministerium unter dem Verdacht der Mittäterschaft mit den Islamisten festgenommen worden. Ziel der Islamisten sei es, das Land zu destabilisieren und einen "islamischen Staat" zu errichten. Nach offiziellen Angaben kämpfen über 500 Staatsbürger Tadschikistans auf Seiten des IS im Irak und in Syrien. [12]

Dabei erinnert die Basileuskirche in Moskau an die Eroberung von Kasan und stellt in gewisser Beziehung eine Triumpfsäule für den Sieg des Christentums über den Islam dar. [13]

Dennoch wurde in Moskau ein grosser ästhetisch wenig ansprechender Moscheekomplex gebaut, in dem sich 10 000 "Gläubige" versammeln können; er ist mit 19 000 Quadratmetern der Grösste in Europa. Der Hauptgeldgeber ist der aus dem nordkaukasischen Dagestan stammende Oligarch Süleyman Kerimov. Auch die Türkei, Kasachstan und Palästina hatten sich finanziell beteiligt, nicht jedoch der russische Staat. [14]

Im Kampf gegen den IS hat sich Moskau bisher zurückgehalten. Das soll sich jetzt ändern. In Syrien und im Nordirak kämpfen in den Reihen des IS etwa 1700 Islamisten aus dem Nordkaukasus: Tschetschenen, Dagestaner und andere. Hinzu kommen 4000 Kämpfer aus den an Russland angrenzenden zentralasiatischen Staaten. Russland hat das bisher als willkommene Auslagerung des eigenen Terrorismusproblems betrachtet. Doch nun gewinnt der IS auch in Russland selbst immer mehr Anhänger. Die führenden Köpfe des Kaukasischen Emirats, der Terrororganisation im Nordkaukasus, haben einen Treueschwur auf IS-Führer Bagdadi geleistet. Zudem reisen auch junge Russinnen und Russen zum Kampf nach Syrien. Auch über die Rückkehrproblematik wird nun in Russland gesprochen. Nicht zuletzt hat Putin den Kampf gegen den "internationalen Terrorismus" seit Beginn seiner Präsidentschaft gepredigt. Putin weist auch immer wieder auf die verfehlte Politik des Westens hin, Diktatoren zu stürzen und damit chaotische Verhältnisse zu erzeugen. Das habe der Westen im Falle Husseins im Irak getan, in Lybien im Falle Gaddafis - mit schlimmen Folgen. [15]

Zum Vergleich bekennen sich nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Staaten zum Islam. In Deutschland ist es ähnlich. Einer von vier Muslimen in Amerika halten Gewalt gegen Amerikaner in den Vereinigten Staaten als Teil des weltweiten Dschihads für gerechtfertigt. Nur 40 Prozent der Amerikaner meinen, dass die Ausübung der muslimischen Religion in Amerika überhaupt erlaubt sein solle. 30 Prozent lehnen das klar ab, Tendenz steigend. [16] 

In Europa, auch in Grossbritannien, wird man sich langsam der Gefahr bewusst. "Der Premierminister lenkte sein Augenmerk auf den schleichenden Prozess, der von scheinbar harmlosen Ansichten in die Gewalt führen kann. Die meisten späteren Dschihadisten seien von nicht-gewalttätige Extremisten und deren 'vergifteten' Ideen indoktriniert worden, sagte Cameron und erwähnte insbesondere die in muslimischen Kreisen verbreiteten 'Verschwörungstherorien'." 
In Birmingham ist die Situation besonders dramatisch. Der Anteil der muslimischen Schüler in der staatlichen Schule beträgt mehr als 90 %. In manchen Vierteln Birminghams wohnen ausschliesslich Pakistaner in den sozial geförderten "Council Buildings". "Cameron kritisiert, dass im Königreich muslimische Kinder aufwachsen, ohne in Berührung mit anderen Kulturen und Religionen zu kommen. Untragbar sei es, dass allein im vergangenen Jahr 4000 Mädchen aus dem Königreich an den Genitalien verstümmelt und dass in den vergangenen fünf Jahren 11.000 Gewalttaten im Zusammenhang mit "Ehren"-Motiven registriert wurden." [17]

Ist Europa nur eine kleine Halbinsel oder ein geistiges Prinzip, das Prinzip des Abendlandes? Dann umfasst Europa in der Antike die griechisch-römische Bildungsgemeinschaft, die um das Mittelmeer lebte. Im Mittelalter reichte sie so weit wie das Christentum. "Die Christenheit ist Europa." Innerhalb Europas war immer wieder Kampf und Krieg. "Aber man wußte sich als zusammengehörige geistige Einheit gegenüber den Barbaren, den Ungläubigen, den Heiden, den Unzivilisierten. Europa war nie allein. Es stand - gegen die Perser, den Islam, die Mongolen ... die Türken - immer wieder am Rande des Untergangs." (Karl Jaspers) Ähnlich wie Solowjew meint auch Jaspers, dass sich die abendländische Menschheit ausgedehnt hat nach Amerika und Asien. "Diese bleiben immer noch innerhalb der christlichen Welt. Europa als Abendland reicht so weit wie die biblische Religion, schließt ein Amerika und Russland... Würde es heute die Vereinigten Staaten des kleinen Europas geben, so wären sie vielleicht noch eine gegenüber Amerika und Russland gleichwertige Macht." [18]
 

In der Ausbreitung der Europäischen Kultur sieht er den Sinn der Geschichte. Es beginnt eine Epoche des Friedens und der friedlichen Ausbreitung der christlichen Europäischen Kultur nach allen Seiten. Alle werden Europäer. Der Begriff des Europäers fällt mit dem Begriff des Menschen zusammen und der Begriff der Europäischen Kulturwelt mit dem Begriff der Menschheit. "Anfangs gab es nur Griechische, dann Römische Europäer, später erschienen alle möglichen anderen, zuerst im Westen, dann auch im Osten; es erschienen die russischen Europäer, und drüben, jenseits des Ozeans, die amerikanischen Europäer, jetzt müssen die türkischen, persischen, indischen, japanischen, vielleicht sogar die chinesischen Europäer erscheinen." [19] - Wladimir Solowjew

"Europa ist im einundzwanzigsten Jahrhundert ein Bund von Völkern, die alle mehr oder weniger demokratisch regiert werden - die vereinigten Staaten von Europa." [20] - Wladimir Solowjew


Man muss sich aber vegegenwärtigen, was schon europäische Dichter und Denker seit dem 15. Jahrhundert beschrieben hatten, dass nämlich die Türkei ehemals christliche Länder "verpestet" (Ariost) und verwüstet. Dazu einige Details von einer Slavistin: "Das heutige türkische Staatsgebiet bildete für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land." Zahlreiche Schauplätze von Ereignissen des Neuen und Alten Testaments lassen sich noch immer in Augenschein nehmen lassen - auch nach der Eroberung der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen (1453). "Dass wir trotz Apostelgeschichte, trotz der bedeutenden Kirchenväter, Märtyrer und Heiligen Kleinasiens , Basileios der Große etwa, Grigorios von Nazianz, Grigorios von Nyssa oder Nikolaos von Myra , die Türkei nicht mehr als uraltes christliches Kulturland begreifen, liegt an der Radikalität, mit der türkische Nationalisten im Verlauf eines knappen Jahrhunderts das Christentum in Kleinasien und Nordmesopotamien entwurzelten und die Erinnerung an seine Träger zu tilgen versuchten."  Zu den einheimischen Christen gehören vorchalcedonensische Kirchen wie die Syrisch-Orthodoxe und die Armenisch-Apostolische Kirche, ferner die griechisch-orthodoxen, eigentlich „romäischen“ (byzantinischen) Christen, aber auch Konvertiten aus der türkisch-muslimischen Mehrheitsbevölkerung. Letztere gehören überwiegend evangelischen bzw. evangelikalen Gemeinschaften an, besitzen derzeit 55 Kirchen (Stand 2005) und sind in der Allianz Protestantischer Kirchen zusammengeschlossen. Türkische Schätzungen schwanken zwischen 40.000 bis 100.000, armenische Schätzungen zwischen 50.000 und 82.000. Vermutlich leben etwa 60.000 Armenier mit türkischer Staatszugehörigkeit in Istanbul sowie 10.000 in der übrigen Türkei wie Kayseri, Antiochia-Antakya, Iskenderun. Laut der ersten unabhängigen demographischen Erhebung, die jemals unter der griechischen Bevölkerung Istanbuls durchgeführt wurde, "lebten dort 2006 5,249 „Romäer“ (rum ortodoks). Diese Zahl schließt freilich 600 arabischsprachige Syrisch-Orthodoxe sowie Angehörige der ostsyrischen Chaldäisch-Katholischen Kirche („Chaldäer“) ein, die in Istanbul griechische Schulen besuchen. Der Umfrage zufolge sind 45% der griechischen Bevölkerung Istanbuls älter als 65. Die Anzahl griechischer Haushalte beträgt 2,800, auf der Insel Imbros etwa 240 ältere Griechen, auf Tenedos noch 40 Griechen (Vergleich: Ende 19. Jhs. 9.456 Einwohner, davon nur 200 Türken.)" Die ausländischen Christen – meist Urlauber- und Rentnerkolonien – gehören Westkirchen (Römisch-katholisch, evangelische Kirchen) an. Mit Abstand den größten Anteil an der heutigen christlichen Gesamtgemeinschaft der Türkei bilden – vor den meist ausländischen Katholiken (8%) und den einheimischen armenisch-apostolischen Christen (18%) – mit etwa 65% armenisch-apostolische und georgisch-orthodoxe Arbeitsmigrant/innen aus den Anrainerstaaten Georgien und Armenien. In der Türkei leben Millionen – Menschen, deren christliche Vorfahren durch steuerliche Benachteiligung oder direkten Druck gezwungen wurden, sich zum Islam zu bekehren. Sie haben oft ihre Sprachen bewahren können und praktizieren teilweise christliches (Relikt-)Brauchtum. Von den schätzungsweise 40.000 muslimischen Kryptoarmeniern, die als Erwachsene oder Kinder während des Genozids (1915/16) verschleppt, in muslimische Familien aufgenommen und zu Muslimen gemacht wurden, haben sich jahrzehntelang aus Furcht vor Verfolgung nicht zu ihrer christlich-armenischen Herkunft zu bekennen gewagt. Gegenwärtig beginnen ihre Enkel die Lebensgeschichten der erniedrigten und traumatisierten Vorfahren in Erinnerungsbüchern oder Romanform zu erzählen. Die Frage nach verschütteten christlichen Wurzeln in der eigenen Familiengeschichte beschäftigt zunehmend türkische Intellektuelle. Zugleich aber bilden die Kryptochristen auch den Gegenstand nationalistischer Spekulationen. Griechischsprachige bzw. griechischstämmige Muslime in der heutigen Türkei stammen einerseits von muslimischen griechischen Flüchtlingen aus Kreta ab (gegenwärtig eine halbe Million), deren Nachfahren sich in Dörfern an der ägäischen Küste sowie der Küste des Marmarameeres niedergelassen haben. Andererseits zählen dazu die pontosgriechischen Muslime. Sie bevölkern mehrheitlich weiterhin die südliche Schwarzmeerküste, wobei die meisten in sechs Dörfern von Tonia (türk. Tonya) leben, in Trapesunt (türk. Trabzon) und in annähernd fünfzig Ortschaften im Yukari Solakli-Tal südlich von Ofis. Pontosgriechische Zuwanderer haben bei Sakarya nahe Istanbul mindestens zwei Dörfer gegründet. Unter osmanischer Herrschaft wurden die armenisch-apostolische und die byzantinische Kirche als millet (Glaubensnation) entsprechend muslimischen Rechtstraditionen anerkannt. Die Gläubigen der Ermeni millet-i bzw. Rum millet-i waren damit rechtlich, steuerlich und politisch benachteiligt, besaßen allerdings eine gewisse Autonomie zur Regelung interner Rechtsstreitigkeiten, soweit keine Muslime berührt waren. Während der Reform (Tanzimat-)periode (1829–1878) wurde diese innere Autonomie noch ausgedehnt. Eine vollständige staatsbürgerliche Emanzipation (Gleichstellung) der Nicht-Muslime – Christen und Juden – erzielten aber weder die osmanische Verfassung (1878), noch der Militärputsch der so genannten Jungtürken (1908), da sie die im Institut der millet angelegte Ungleichheit nie vollständig überwanden. Die im multilateralen Lausanner Vertrag (24.07.1923) namentlich undefinierten „nicht-muslimischen Minderheiten“ hat die Republik Türkei stillschweigend nach osmanischer Tradition als jene Glaubensgemeinschaften interpretiert, die schon zu Beginn der osmanischen Herrschaft millet-Status besaßen: Armenier, Griechen und Juden, ferner Katholiken und Evangelische (Protestanten). Syrisch-Orthodoxe, mit Rom unierte Ostsyrer (Chaldäisch-katholische Kirche) sowie Jesiden blieben unberücksichtigt. Armenier und Griechen bildeten mit 2,5 bzw. 2,7 bis 3 Millionen vor dem Ersten Weltkrieg die größten autochthonen ethno-religiösen Minderheiten im Osmanischen Reich. In der letzten Dekade osmanisch-türkischer Herrschaft fielen sie, ebenso wie die aramäischsprachigen Christen (Aramäer, Assyrer, Chaldäer) "staatlich geplanten und gelenkten Massakern sowie Deportationen zum Opfer, die die Genozidforschung als Völkermord entsprechend den Kriterien der UN-Genozidkonvention (1948) wertet*. Namentlich der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern osmanischer Staatszugehörigkeit bildet, zusammen mit den Massakern an Assyrern im Irak 1933 einen Prototypus des Genozids, der den Autor der UN-Genozid-Konvention, Raphael Lemkin, veranlasste, als Justitiar des Völkerbundes schon 1933 einen Entwurf für ein entsprechendes internationales Vertragswerk in den Völkerbund einzubringen; er scheiterte damals allerdings am Widerstand der Delegation aus Nazideutschland. Während die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches in nur zwei Jahren (Frühjahr 1915 bis Februar 1917) genozidal um drei Fünftel verringert wurde, erstreckte sich die Vernichtung der griechisch-orthodoxen Bevölkerung auf ein Jahrzehnt, mit wechselnden Schauplätzen. Sie wird daher auch als kumulativer Völkermord bezeichnet. Der asymmetrische „Bevölkerungsaustausch“ ethno-religiöser Minderheiten zwischen der Türkei und Griechenland besiegelte 1923 nachträglich die schon weitgehend vollzogene Vertreibung und Vernichtung der kleinasiatischen Griechen. Die Republik Türkei verhinderte mit gesetzlichen Restriktionen (September 1923; Gesetz vom 23.05.1927) eine Rückkehr der überlebenden, ins Ausland geflüchteten osmanischen Christen. Im August 1926 verkündete die türkische Regierung die Zurückhaltung sämtlichen vor dem 6. August 1924 beschlagnahmten Eigentums. Mit Billigung der Behörden wurden christliche Rückkehrer in zahlreichen Fällen ermordet. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts sank die Zahl von Armeniern und Griechen durch ein Bündel restriktiver Maßnahmen und infolge erneuter staatlich inszenierter Ausschreitungen gegen Nichtmuslime, vor allem Griechen." Bis 1922 bestand in der osmanischen Hauptstadt, allen Widrigkeiten zum Trotz, eine griechische Bevölkerung von 400.000 bis 450.000. Der Lausanner Friedensvertrag verlieh ihr als religiöse – nicht ethnische – Gemeinschaft einen trügerischen Schutz. "Während der so genannten Istanbuler Kristallnacht vom 6. zum 7. September 1955 wurde vor allem die griechische Bevölkerung der Stadt terrorisiert, als über 100.000 mit Hacken und Schaufeln bewehrte „Demonstranten“, angeführt von Polizisten sowie Funktionären der Demokratischen Partei, mit dem Slogan „Evvela mal, sonra can“ („Erst das Gut, dann das Blut!“) durch die Istanbuler Innenstadt zogen. Es kam zu massenhaften Plünderungen griechischer, aber auch armenischer und jüdischer Geschäfte unter den Augen der Polizei. 4.340 Geschäfte sowie 38 Kirchen wurden vollständig zerstört, weitere 35 Kirchen geplündert und beschädigt, darunter vier armenische, sämtliche griechischen Friedhöfe der Stadt entweiht und verwüstet, 44 Schulen (darunter acht armenische) und 2.640 griechische Häuser geplündert und beschädigt. 17 Menschen starben, 600 weitere wurden krankenhausreif geschlagen und 200 Frauen vergewaltigt. Schätzungen des Gesamtschadens beliefen sich auf 270 bis 360 Millionen US Dollar. Als der türkische Regierungschef Ismet Inönü 1964 einseitig das griechisch-türkische Abkommen über Freundschaft, Neutralität, Aussöhnung und Vermittlung (Oktober 1930) kündigte, folgte umgehend die Vertreibung von „mehr als eintausend Griechen“ aus der Türkei, die in der Regel binnen weniger Stunden ihre Heimat verlassen mussten. Man erlaubte ihnen lediglich, 22 US Dollar sowie einen Koffer mit Kleidung mit zu nehmen. Weitere 5.000 wurden kurz darauf ausgewiesen. Nach dem September 1964 wurden weitere 10.000 bis 11.000 Griechen ausgewiesen, als sich die Türkei weigerte, die Aufenthaltsgenehmigungen griechischer Staatsbürger zu verlängern. Am 11. Oktober 1964 berichtete die türkische Zeitung Cumhuriyet, dass 30.000 türkische Staatsbürger griechischer Abstammung die Türkei für immer verlassen hätten, zusätzlich zu den ausgewiesenen Griechen. Bis 1966 wurden insgesamt 12.000 Familien mit griechischer Staatszugehörigkeit ausgewiesen; zusammen mit ihren Angehörigen, die die türkische Staatsbürgerschaft besaßen, sind das 48.000 Menschen. Die Ägäisinseln Imbros und Tenedos, die nachweislich durchgehend griechisch besiedelt gewesen waren, waren selbst zur Osmanenzeit kaum von den Türken beachtet worden. Trotzdem wurden Imbros und Tenedos im Lausanner Vertrag (1923) der Türkei zugeschlagen. Wegen ihrer besonderen demographischen Situation räumte allerdings Artikel 14 des Lausanner Vertrages der griechischen Mehrheit Sonderrechte ein, so etwa das Recht auf Selbstverwaltung und griechischstämmige Polizeikräfte. Kaum war aber das Jahr 1923 verstrichen, begann die türkische Regierung, sämtliche Regelungen des Lausanner Vertrages zu missachten und eigene Gesetze einzuführen. Deren Ziel bestand in der planmäßigen und systematischen Vertreibung der griechischen Bevölkerung von den Inseln. Als erstes setzte die türkische Regierung in allen Dörfern und Städten eigene Gemeindevorsteher, Bürgermeister, Bezirkskommandanten und Polizisten ein, die sämtlich keinerlei Beziehung zur Bevölkerung besaßen. Besonders die Polizeikräfte, die so genannte Bauernmilitärpolizei, hatte eine Spezialausbildung durchlaufen. Sie suchten geringfügige Anlässe, um die griechischen Bürger zu schlagen, zu inhaftieren, ihre Häuser auszurauben und sie derartig zu terrorisieren, dass die Griechen schnellstmöglich flüchten sollten. Nur in den Jahren 1951 bis 1962 wurde Griechisch als Unterrichtssprache erlaubt. Mit dem Gesetz Nr. 35 vom 27. März 1964 wurden auf den beiden Inseln folgende Verbote durchgesetzt:  1. Schließung aller griechischen Schulen (Volksschulen und Gymnasien) und Bibliotheken; das gesamte Inventar dieser Einrichtungen wurde beschlagnahmt. Zugleich wurden die griechischen Lehrer entlassen. Praktisch war es verboten, die griechische Sprache zu lehren. 2. Die meisten Großgrundbesitzer wurden gezwungen, ihr Land zu     Spottpreisen zu verkaufen. Im Jahr 1989 waren von 61.510 Morgen Land nur noch 164 Morgen in den Händen der Imbrer geblieben. Viele Tausende Hektar Weideland wurden per Gesetz zu Ödland erklärt und durften nicht beweidet werden.  3. Es wurden zahlreiche offene Gefängnisse auf den Inseln eingerichtet, in denen über 2.000 Schwerverbrecher nach Belieben ein und ausgingen. Sie erschlugen ungestraft Griechen, vergewaltigten Frauen, brachen in Häuser ein usw. 4. Die türkische Verwaltung errichtete anfangs vier Siedlungen und brachte türkische Neusiedler vom Festland. Diese Politik der sukzessiven türkischen Besiedlung dauert bis heute an. 5. 300 Kirchen und Kapellen wurden geschlossen, beschädigt und manche zu Kuhställen, Lagerhäusern sowie einige zu öffentlichen Toiletten umgewandelt!" [21]

Europäische Gerichtsurteile werden von den Türken ignoriert, wie alles, was mit wahrer Philosophie und Christentum zu tun hat: Zudem betreibt die Türkei Geschichtsklitterung statt Vergangenheitsbewältigung.  Während das Armenisch-apostolische Patriarchat zu Istanbul eine osmanische Schöpfung bildet, die 1461 von Mehmet II. Fatih (dem Eroberer) als Gegengründung zum außerhalb des türkischen Machteinflusses gelegenen Katholikats zu Etschmiadsin und zum Ökumenischen Patriarchat ins Leben gerufen wurde, stellt das Ökumenische Patriarchat eine historisch ältere Eigenschöpfung der oströmischen (byzantinischen) Kirche dar, mit der sich die Angehörigen aller kanonischen orthodoxen Kirchen in voller Kommunion befinden – also weltweit bis zu 350 Millionen Menschen. Als autokephale orthodoxe Kirche besitzt das Ökumenische Patriarchat einen Teil seiner Diözesen auch in Griechenland (östlicher Landesteil um Thessaloniki und auf den Inseln) sowie in den griechischsprachigen orthodoxen Diaspora-Gemeinden in aller Welt, so in Westeuropa (Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien) und in einigen russischstämmigen Diaspora-Gemeinden, vor allem in Frankreich. Aus offizieller türkischer Sicht beschränkt sich dagegen die Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen nur auf die orthodoxen Christen („rum ortodoks“) türkischer Staatszugehörigkeit. Sie bezeichnet das Ökumenische Patriarchat als „Römisches Patriarchat“ in Phanari (türk. Fener). Im Juni 2007 bestätigte das türkische Berufungsgericht diese Ansicht, gegen die nun der Patriarch, unterstützt vom Weltkirchenrat, gerichtlich vorzugehen versucht. Es gibt in der gesamten Türkei noch 69 gottesdienstlich genutzte Gemeindekirchen der griechisch-orthodoxen Glaubensrichtung (60 davon in Konstantinopel und Umgebung). Die übrigen neun griechisch-orthodoxen Kirchen – in Hatay und Mersin – werden gottesdienstlich von „antiochischen Christen“ genutzt. Als „antiochische Christen“ werden orthodoxe Griechen in der Region um Alexandrette bzw. Iskenderun (türk. Iskandar) und Antiochia (türk. Antakya) bezeichnet, deren Zahl nach Angaben des Patriarchats von Antiochia im Jahr 1895 bei 500.000 lag. Mitte der 1990er Jahre war ihre Anzahl auf unter 10.000 gesunken. Da die Türkei ihnen niemals die Einrichtung Griechischsprachiger Schulen erlaubt hat und selbst den Gebrauch des Griechischen im Kultus verbietet, sind diese griechisch-orthodoxen Christen sprachlich assimiliert und benutzen das Türkische oder Arabische. 1979 verbot ihnen der türkische Staat, sich als „rum ortodoks“ („Griechisch-Orthodox“ bzw. „byzantinisch-orthodox“) zu bezeichnen. Die meisten Familiennamen der Betroffenen wurden zwangsweise türkisiert. Ein über Jahrzehnte erweitertes Bündel von Restriktionen höhlte die Minderheitenschutzartikel des Lausanner Vertrages systematisch aus. Das ging um so leichter, als christliche Kirchen bis heute nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt sind. Ihr fehlender Rechtsstatus verhindert unter anderem den Neuerwerb von Liegenschaft und verursacht unsichere Besitzverhältnisse. Besonders empfindlich wirkten sich die behördlichen Restriktionen auf das Erziehungswesen von Armeniern und Griechen, ihre kirchliche Selbstverwaltung, die Ausbildung von Priesternachwuchs und das immobile Eigentum ihrer religiösen Stiftungen aus. Im Gegensatz zum Verfassungsanspruch sind Christen nicht rechtlich gleichgestellt. Sie müssen ihre Priester und Schulen selbst finanzieren, während das staatliche Präsidium (Amt) für Religionsangelegenheiten (Diyanet) den Moscheebau und die inzwischen über 100.000 Imame des Landes und der türkeistämmigen Auslandsgemeinschaften – zum Beispiel in Deutschland – finanziert und fördert. 1961 wurden sämtliche griechischen Schulen per Erlass der Zuständigkeit des Ministeriums für private Bildung unterstellt. Damit waren sie aus dem Schutzbereich des Lausanner Vertrages entfernt worden. 1964 verbot die Regierung orthodoxen Priestern den Zugang zu griechischen Schulen. Im selben Jahr verweigerten die türkischen Behörden die Erlaubnis zur Renovierung der Schulen; die von den griechischen Eltern gewählten Elternvertretungen wurden entlassen. Bilateralen griechisch-türkischen Abkommen zufolge sollten in den griechischen Schulen Griechisch und Türkisch gelehrt werden. Die türkischen Behörden verzögerten jedoch ständig die Visumserteilung für griechische Lehrer oder verwiesen sie manchmal für immer außer Landes, um auf diese Weise den Griechischunterricht zu torpedieren. Es war den Schülern untersagt, in den Pausen Griechisch zu sprechen. Zudem wurde die Anzahl der Unterrichtsstunden in griechischer Sprache drastisch reduziert. Morgens, zu Schulbeginn, durften die Kinder nicht christlich beten. Stattdessen hatten sie die türkische Nationalhymne abzusingen, "deren Text auch den Lobpreis auf den für die Ermordung zahlreicher Griechen politisch verantwortlichen Staatsgründer Mustafa Kemal enthält." 1971 wurden 40 griechische Lehrer entlassen. Mit dem synergetischen Effekt all dieser Reglementierungen gelang es den türkischen Behörden, die Zahl griechischer Schüler von 15.000 im Jahr 1923 auf unter 200 zu senken. Die Zahl der Schulen ist vom Jahre 1949/50, als es noch 45 Grundschulen, fünf Realschulen sowie sechs Gymnasien mit 5.013 griechischen Schülern in Istanbul gab, auf zwölf Grundschulen, ein Gymnasium sowie zwei Lyzeen zurückgegangen ; nach anderen Angaben sollen nur noch insgesamt fünf (2002) Schulen vorhanden sein. Nicht alle Schüler der griechischen Schulen Istanbuls sind ethnische Griechen bzw. griechische Muttersprachler. So finden sich unter den 100 Grundschülern nur 65 ethnische Griechen. Die übrigen sind arabischsprachige Angehörige der syrisch-or-thodoxen Gemeinschaft, was im Unterricht zusätzliche Probleme schafft. Da die Türkei die Einfuhr neuer Schulbücher aus Griechenland nicht gestattet, müssen Lehrbücher aus den 1980er Jahren verwendet werden. Dieser Umstand, die geringe Schülerzahl in den Grundschulen und der dadurch fehlende Wettbewerb tragen zum Niveauverlust des Unterrichts bei, so dass sich griechische Eltern zunehmend entschließen, ihre Kinder auf türkischen Schulen einschulen zu lassen. Alle noch 16 bis 18 armenischen Schulen Istanbuls sind Privatschulen, die ausschließlich von den armenischen religiösen Gemeinschaften (armenisch-apostolisch, armenisch-uniert) unterhalten werden; die Schülerzahl betrug im September 2005 3.219, die der Lehrer 412. Die Probleme sind ähnlich gelagert wie bei den griechischen Schulen: sinkende Wochenstundenanzahl für muttersprachlichen Unterricht (der nur als Religionsunterricht erteilt werden darf), sinkende Schüler- und folglich sinkende Schulzahlen. Ein Kind muss bei seiner Aufnahme in eine armenische Schule seine armenische Herkunft nachweisen, was besonders Eltern aus ländlichen Gebieten oft schwer fiel, da sie sich zum Schutz unter anderen religiösen Gemeinschaften eintragen ließen. Das Grundrecht der freien Schulwahl war damit erheblich beeinträchtigt. Die jahrzehntelangen Schwierigkeiten, denen sich armenische Schulen und Schüler ausgesetzt sahen, haben dazu geführt, dass zahlreiche armenische Kinder in der Türkei heute reguläre türkische Schulen besuchen, was den Assimilationsprozess beschleunigt. All das nennt die Türkei "Religionsfreiheit": Nach ihrer Verfassung ist die Republik Türkei ein laizistischer Staat, dessen gleichberechtigte Bürger Religionsfreiheit genießen. Auch der Lausanner Vertrag (1923) sowie ihr bilaterales Abkommen mit Griechenland von 1968 verpflichten die Türkei, die europäische Menschenrechtskonvention (Rom 1950) und ihre fünf Protokolle der Europäischen Union anzuerkennen und die Religionsfreiheit jedes Menschen zu tolerieren. Diese Zusicherung hat sie oftmals verletzt. In Wirklichkeit handelt es sich heute um einen deutlich islamisch geprägten Staat, der vor allem den sunnitischen Islam der hamafitischen Rechtsschule begünstigt und fordert. Christen sind in diesem Land Bürger zweiter Klasse und „Schikanen zwischen bürokratischen Hürden und körperlicher Bedrohung“  ausgesetzt. Ein öffentliches Bekenntnis eines türkischen Staatsbürgers zum Christentum führt zu Diskriminierung. 1924 entließ die türkische Regierung den damaligen Patriarchen Konstantinos VI. In den 1950er Jahren wurde der Wirkungsbereich des Patriarchen weiter eingeschränkt, zwei hochrangige Geistliche des Landes verwiesen und die Schließung der Druckerei des Patriarchats angeordnet. 1971 folgte die Schließung des Priesterseminars auf der Großen Prinzeninsel von Chalki (türk. Hebeliada), wodurch das Patriarchat in ernste Nachwuchsschwierigkeiten geriet. Bis heute ist keine Wiedereröffnung des Priesterseminars in Sicht. Der amtierende Ökumenische Patriarch Bartholomaios äußerte Ende November 2004: „Mir wurde vom zuständigen türkischen Ministerium mitgeteilt: ‚Es gibt Gefahr für die nationale Sicherheit, und deswegen kann im Moment das Priesterseminar nicht geöffnet werden’.“ Immer wieder wurden unter dem Vorwand des Straßenbaus Kirchen und Kapellen abgerissen. Einbrüche und Diebstähle von wertvollem Kircheninventar und Sakralgeräten in Kirchen wurden für das Patriarchat zur traurigen Routine. Die dem Patriarchat gehörige Kirche der Heiligen Gottesgebärerin (Theotokos oder Panagia) von Wefa wurde durch einen fragwürdigen Regierungsbeschluss enteignet, so dass diese Kirche heute dem türkischen Staat Miete entrichten muss. Bisweilen wird der Kirche das Wasser abgedreht. Nach Angaben türkischer Zeitungen wurden noch 2004 vom türkischen Staat Käufer für zwei Kirchen und ein Kloster im Bezirk Triglia gesucht. Für die dem hl. Ioannis geweihte Kirche wurde ein Preis von 550.000 EUR genannt. Die der Gottesmutter geweihte Kirche von Pantawassilissa und das Kloster des hl. Sergios stammen aus dem 4. Jh. 1993 wurde der Friedhof von Neochori am Bosporus vollständig verwüstet, 1998 war der Friedhof von Tatavla an der Reihe. Als 1992 Patriarch Bartholomaios sein Amt antrat, stiegen die Schikanen und Probleme noch an. Immer wieder werden die führenden Kleriker des Patriarchats zur Polizei bestellt und vernommen. Angeblich unbekannte Täter, mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Umfeld der rechtsextremistischen MHP, warfen fortgesetzt Steine auf das Gelände des Patriarchats und Drohbriefe mit dem Inhalt „Wir werden es in Brand setzen!“ Von April 1993 bis August 1994 wurden mindestens 20 Einrichtungen der armenisch-apostolischen Kirche in Istanbul angegriffen.  1935 wurden Spenden an karitative Einrichtungen gesetzlich untersagt (Gesetz Nr. 2007). 1964 musste ein griechisches Waisenheim, das seit 1853 seine Dienste versah, auf behördliche Anweisung hin seine Tätigkeit einstellen. 1967 wurde mit dem Gesetz 903, Paragraph 2, Art. 74, unterbunden, dass die Grundstücke der karitativen Stiftungen bestimmungsgemäß verwendet werden dürfen und hilfsbedürftigen Minderheitenangehörigen zugute kommen. Im selben Jahr wurde ein weiteres Gesetz verabschiedet, wonach fünf Prozent Steuern aus den Einnahmen der karitativen Einrichtungen gezahlt werden müssen – und dies, obwohl die karitativen Stiftungen die einzige Finanzquelle für die christlichen Kirchen in der Türkei darstellen. 1971 verfügte das Oberste Gericht der Türkei, dass Minderheitenangehörige keinerlei Recht auf ein neues Erbe besitzen. Im Dezember 2004 beschwerte sich der Ökumenische Patriarch Bartholomaios und appellierte an die Weltöffentlichkeit: „Die ungerechten und kaum bezahlbaren Steuern, die der türkische Staat für die vormaligen großen karitativen Stiftungen der Stadt, die das jetzige Krankenhaus von Valoukli bilden, erhebt, werden uns bald zwingen, dieses Krankenhaus zu schließen.“ 140 Gebäude der genannten Stiftungen wurden schon in den letzten Jahrzehnten vom türkischen Staat beschlagnahmt. Die erhobenen Steuern umfassen folgende Steuerarten: a) Steuer für karitative Stiftungen und Einrichtungen, b) Steuern aus den Einnahmen des Krankenhauses (Einnahmen sind hier ausschließlich Spenden) und c) Mehrwertsteuer. Im August 2002 wurde religiösen Stiftungen das Recht auf Grundstückserwerb zuerkannt, sofern sie eine Sondergenehmigung vom Ministerrat erlangt haben. In Artikel 40 des Lausanner Vertrages heißt es unmissverständlich, dass Angehörige der nichtmuslimischen Minderheiten das Recht auf Grundstücksbesitz und ihre freie Verwaltung besitzen. Mit Beginn der Verhandlungen über den Beitrittsprozess zur Europäischen Union hat die Türkei diese Minderheitenrechte nochmals ausdrücklich anerkannt. In der Türkei bestehen 160 Stiftungen religiöser Minderheiten (etwa 70 griechisch-orthodoxe, 50 armenische sowie 20 jüdische). In Verletzung der Bestimmungen des Lausanner Vertrages war es ihnen bis 2002 nicht nur verboten, Immobilien gleich für welchen Zweck zu erwerben, sondern ihnen drohte auch die Beschlagnahmung vorhandenen Eigentums, falls eine Gemeinschaft wegen Mitgliederschwunds nicht in der Lage war, über einen Zeitraum von zehn Jahren ihr Eigentum zu verwenden. Eine zusätzliche Schwierigkeit erwuchs aus der Bestimmung, dass nicht-muslimische Stiftungen nur solche Immobilien verwalten durften, die sie bis 1936 gemeldet hatten. Das türkische Stiftungsgesetz von 1926 und 1936 verbietet den Grundstückserwerb nach 1936, wurde aber in dieser Restriktion seit 1974 nur gegen Nicht-Muslime verwendet. Infolge dessen fielen 39 Immobilien der armenischen Gemeinschaft Istanbuls in staatliche Hand. Bis Januar 2005 haben 2.252 enteignete nicht-muslimische Grundstücksbesitzer aus Istanbul beim türkischen Staat die Rückgabe ihrer beschlagnahmten Immobilien beantragt. Aber nur 296 Anträgen wurde damals stattgegeben. Die große Mehrheit der Anträge wurde mit der Begründung, dass die Antragsteller zunächst einen Gerichtsbeschluss auf Rückgabe zu erwirken hätten, auf Eis gelegt. Laut „Hürriyet“ (Januar 2007) beträgt die Zahl der strittigen Fälle nach offiziellen Angaben 900, nach Angaben der Anwälte der nicht-muslimischen Gemeinschaften inzwischen 2.750 Fälle beschlagnahmter Immobilien. Im Januar 2007 gab der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zehn Jahre nach Klageerhebung seinen ersten Beschluss betreffend Besitztümer von Minderheiten in der Türkei bekannt: Danach hat die Türkei gegenüber der Stiftung „griechisch-orthodoxes Jungen-Gym-nasium“ (Große Schule) das Recht auf Schutz des Besitztums verletzt. Falls die Türkei für die im Verfahren genannten beiden Besitztümer nicht innerhalb von drei Monaten Grundbuchauszüge übergibt, so muss sie insgesamt 910.000 Euro, einschließlich Gerichtskosten, zahlen. Der Streitgegenstand bezog sich auf Besitztümer, deren Grundbücher im Jahre 1996 durch einen Gerichtsbeschluss annulliert wurden. Bis heute hat die Türkei den Entscheid des EGMR vom Januar 2007 nicht erfüllt. ndividuelle Rechte. Männliche Christen berichteten immer wieder über Diskriminierungen während ihres Wehrdienstes bis hin zu schweren Körperverletzungen und Vergewaltigungen. Für den armenischen Zeitungsverleger und Journalisten Hrant Dink bildete beispielsweise der Umstand, dass er trotz bester Leistungen während seines Wehrdienstes im Unterschied zu allen muslimischen Kameraden nicht als Gefreiter entlassen wurde, eine bittere Enttäuschung. Wie zu osmanischer Zeit bleibt auch das Militärwesen der Republik Türkei – und damit die einflussreichste Institution des Landes – Nicht-Muslimen weitgehend verschlossen. Auch über Repressionen in anderen Bereichen des Staatsdienstes bzw. in der Gesellschaft wurde berichtet.  Seit Anfang des 20. Jh.s. und insbesondere seit den Balkankriegen 1912/13 wurden die christlichen Minderheiten des Osmanischen Reiches als “innere Feinde” gebrandmarkt. Von diesem traditionellen Feindbild hat
sich die Türkei niemals verabschiedet, im Gegenteil: Während der sogenannten Befreiungskriege 1919–1922 wurde es noch stärker ausgebaut, um Widerstand nicht nur gegen die alliierten Besatzer des Osmanischen Reiches zu mobilisieren, sondern auch gegen christliche Mitbürger bzw. rückkehrende Überlebende des Völkermordes. "Die Vernichtung von 3,5 Millionen Christen im letzten Jahrzehnt osmanischer Herrschaft – vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg – bildet das tabuisierte Gründungsverbrechen der Republik Türkei. Personen und Institutionen, die unmittelbar am Völkermord des nationalistischen Weltkriegsregimes der so genannten Jungtürken beteiligt waren, wurden von Mustafa Kemal in den republikanischen Staatsapparat übernommen. Die Republik rehabilitierte auch jene, die 1919/20 von osmanischen Sondergerichtshöfen wegen ihrer Verbrechen an Armeniern zum Tode verurteilt wurden und zahlte, sofern die Urteile vollstreckt worden waren, den Angehörigen der Hingerichteten eine staatliche Rente. Den politisch Hauptverantwortlichen des Völkermordes an den Armeniern – Innenminister Mehmet Talat und Kriegsminister Ismail Enver – errichtete die Republik Türkei Ehrengrabmäler auf dem Istanbuler Freiheitshügel. Das von nationalistischen Gralshütern in der Bevölkerung bis heute aufrecht erhaltene Bedrohungsgefühl mündet in permanenter Gewaltbereitschaft. Die Ermordung Hrant Dinks am 19. Januar 2007 in Istanbul durch einen ultranationalistisch motivierten jugendlichen Auftragsmörder wirft ein erhellendes Schlaglicht auf die Unfähigkeit des Staates und weite Teile der Gesellschaft, selbstbewusste Minderheitenangehörige als gleichberechtigte Bürger zu akzeptieren. Sie verdeutlicht zugleich die Verquickung von Ultranationalisten, so genanntem Tiefenstaat (türk. Derin devlet) und Mafia. Hrant Dink hatte mit der von ihm gegründeten zweisprachigen Zeitung „Akos“ („die Ackerfurche“; ausgesprochen „Agos“; seit April 1996) ein Organ geschaffen, um sowohl die armenisch-türkische Annäherung, als auch die Interessen der armenischen Gemeinschaft in der Türkei zu vertreten. Zugleich konfrontierte er die türkische Öffentlichkeit mit Aspekten ihrer verleugneten Geschichte. Als die Zeitung am 6. Januar 2004 enthüllte, dass Sabiha Gökcen (1913–2001), eine der Adoptivtöchter Mustafa Kemals und die erste Kampfpilotin der Welt, armenischer Abstammung sei, löste das einen regelrechten Erdrutsch im türkischen Bewusstsein aus, vor allem, nachdem „Hürriyet“ die Nachricht übernommen hatte. Viele „Hürriyet“-Leser fanden es unerträglich, dass im Zusammenhang mit der Person des türkischen Staatsgründers überhaupt etwas Armenisches auftauchte. Als Dink 2005 in einem Artikel über die psychischen Auswirkungen des Genozids auf Türken und vor allem auf
Armenier schrieb, das Blut der Türken sei vergiftet, geriet er erneut mit dem Strafgesetz in Konflikt. Der aus dem Sinnzusammenhang gerissene Satz diente als Beweis für eine angebliche Beleidigung des Türkentums. Hrant Dink erhielt eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten Haft, das Urteil wurde rechtskräftig. Bei seiner Ermordung waren insgesamt sechs Strafverfahren nach § 301 gegen Hrant Dink anhängig oder rechtskräftig geworden. Nationalistische Kreise setzten eine Hetzkampagne gegen ihn in Szene und griffen ihn während der Gerichtspausen fast tätlich an. [22]

Gewaltverbrechen an Christen und ihren Einrichtungen: eine (unvollständige) Chronologie: Das bis heute aufrecht erhaltene Bedrohungsgefühl mündet in ständiger Gewaltbereitschaft. Die Reformen, die Europa dem Gesetzgeber und der
Regierung der Türkei bisher abgerungen hat, bewirkten einen nationalistischen Rückschlag sondergleichen, wobei sich der türkische Nationalismus durch ein Gemisch aus Chauvinismus, Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit sowie Antiintellektualismus auszeichnet. Opfer sind die Einrichtungen und Geistlichen sowohl der indigenen orthodoxen, als auch der evangelischen und römisch-katholischen Gemeinschaft in der Türkei: Seit Ende 2004: Anschlagswelle auf evangelische Gemeinden: Innerhalb von sechs Monaten wurden in fünf Städten Evangelische bedroht. • 05.02.2006, Trabzon: Katholischer Geistlicher Andrea Santoro während des Gebets erschossen. • Februar 2006, Mersin: Katholischer Geistlicher angegriffen. • 12.03.2006, Mersin: Kapuzinerpater Henri Leylek niedergestochen. • 02.07.2006, Samsun: Katholischer Geistlicher Pierre Bruinessen niedergestochen. • 11.03.2006, Silivri: Zwei zum Christentum Konvertierte  wegen „Beleidigung des Türkentums“ (§ 301 StGB) verurteilt. • April 2006, Diyarbakir: Eine Gruppe junger Männer dringt auf das Grundstück der Syrisch-Orthodoxen Kirche ein und schreit Drohungen gegen die Gläubigen. Die Polizei weigert sich bis zum Ostergottesdienst, Streifen in die Gegend der Kirche zu schicken. • Mai 2006, Bergama: Eine Gruppe protestierender Nationalisten und Linksorientierter versucht eine griechisch-orthodoxe Messe in der historischen Kirche zu Bergama zu stören. • Sept./Oktober 2006: Übergriffe und Drohungen lokaler muslimischer Großgrundbesitzer gegen syrisch-orthodoxe (aramäische) Christen im Tur Abdin-Gebiet (Südost-Türkei). • 4. November 2006, Izmir: Nach wiederholten Angriffen mit Steinen und Belästigungen der Gläubigen in den Wochen davor wird die evangelische Odemis-Kirche mit Brandbomben angegriffen. • Dezember 2006: In einem Park der Gemeinde Tepeba wird der Pfarrer
der Kirche brutal zusammengeschlagen. Die Kirche reicht indessen keine Klage ein, um „der Stadt nicht zu schaden“. • 19.01.2007, Istanbul: Armenischer Publizist Hrant Dink erschossen. • 28. Januar 2007, Samsun: Vandalen greifen das Gebäude der Stiftung der Agape Kirche an, zertrümmern die Fenster mit Steinen und besprühen am frühen Sonntagmorgen Straßenschilder. Der Pfarrer berichtet, dass in der Kirche eine Nachricht hinterlassen wurde, die ihm aber die Polizei nicht zeigen wollte, da sie „unwichtig“ sei; im offiziellen Untersuchungsbericht bleibt die Nachricht unerwähnt. Vier Tage vor dem Angriff veröffentlichte die Schwarzmeer-Onlineseite Kuzeyhaber eine Kolumne, die Anstrengungen lobte, die Verbreitung des Christentums in Samsun zu stoppen. Ebenfalls am 28. Januar 2007 erhält der Pfarrer der evangelischen Agape-Kirche von Samsun zwei Todesdrohungen per Email, von denen eine von der „Türkischen Rachebrigade“ unterzeichnet ist. • 31.01.2007, Samsun: Evangelische Agape-Kirche zum wiederholten Mal angegriffen; Drohungen seit 2004. • Februar 2007: Während des 40-Tage-Gedenkgottesdienstes für Hrant Dink (Karasunk) schießen zwei Personen mit Gewehren in die Luft und werden kurz darauf verhaftet. Sie sollen gesagt haben, dass sie die Ermordung des armenisch-apostolischen Patriarchen Mesrob II. beabsichten, der die Zeremonie leitete. • März 2007, Mardin: Eine Handgranate wird in den Hof des Präsidenten der Syrisch-Orthodoxen Stiftung des Bezirks Midyat geschleudert. Die Polizei leitet eine Untersuchung ein, doch offenbar ohne Ergebnis. • 18.04.2007, Malatya: Drei Mitarbeiter des evangelischen Zirve-Verlages nach Foltern geschächtet. Dieses Verbrechen zeichnete besondere Heimtücke aus, denn die Täter hatten sich das Vertrauen der Opfer durch vorgetäuschtes Interesse am Evangelium erschlichen.  Dem türkischen Opfer Yüksel wurde ein christliches Begräbnis verweigert – er wurde stattdessen nach islamisch-alewitischem Ritus beerdigt. Der Gouverneur von Malatya wollte zunächst auch dem deutschen Opfer Tilman Geske ein christliches
Begräbnis verweigern und sagte seiner Witwe, dass kein Christ in türkischer Erde bestattet werden sollte. Nach Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und türkischen Staatsbeamten wurde T. Geske auf einem armenischen Privatfriedhof beigesetzt. Nur Pfarrer Necati Aydin durfte im evangelischen Friedhof von Izmir beigesetzt werden. • 21. April 2007, Ankara: Brandbombenanschlag auf die Internationale Evangelische Kirche von Ankara. • 14.05.2007, Istanbul: Drohungen gegen armenische Schulen. • 03.09.2007, Izmit: Festnahme nach einem Brandanschlag und Schüssen auf eine evangelische Kirche. Der dortige Pfarrer und Schwager eines der Mordopfer von Malatya ist fortgesetzt Drohungen und Angriffen ausgesetzt. Die Gewaltverbrechen in Trabzon, Istanbul und Malatya wurden von Jugendlichen mit ultranationalistischem Hintergrund sowie Verbindungen zu Geheimdienst- und Polizeiangehörigen begangen. Bei ihren Festnahmen brüsteten sie sich ihrer vermeintlich patriotischen Taten. Mit dem Mörder des armenischen Publizisten Hrant Dink, Ogün Samast, posierten Polizeiangehörige in seiner Heimatstadt Trabzon stolz vor der Nationalflagge und vor laufenden Fernsehkameras. Geschichtsklitterung in der Schule ist an der Tagesordnung, in islamischen Ländern überhaupt und insbesondere in der Türkei. In einer 2004 veröffentlichten Analyse über die Darstellung des Christentums in Schulbüchern in fünf Staaten des Nahen Ostens kommt Dr. Wolfram Reiss von den Universitäten Rostock und Nürnberg hinsichtlich der Türkei zu folgendem Ergebnis: Es handelt sich um eine inhaltlich und in den historischen Fakten falsche Darstellung, die zudem „dem traditionellen islamischen Standpunkt. Die Geschichte der indigenen Christenheit fehlt und wird missachtet. Weder griechische, armenische noch syrisch-orthodoxe Christen, die für Jahrhunderte die Bevölkerungsmehrheit gebildet haben und in dieser Region seit Beginn des Christentums bis ins 20. Jahrhundert gelebt haben, werden erwähnt. Das Christentum erscheint als ein europäisches Phänomen oder ein archäologisches Phänomen.  [23] 
 

______________
*) 20 Millionen Muslime in Russland bedeutet nicht, dass es tatsächlich soviele gibt. Diejenigen, die den Islam wieder verlassen oder zum Christentum konvertieren, sobald sie ausgebildet sind, werden von dieser Summe nicht wieder abgezogen. Gezählt werden meistens Babies, Analphabeten und geistig Minderbemittelte, die nicht selbstständig denken können und deshalb nicht einsehen, dass der Islam in Europa schon seit der Romanik, spätestens seit der Renaissance nicht als Religionsgemeinschaft sondern allenfalls als Sekte angesehen wird. 
[1] Siehe Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew: Europa im 21. Jahrhundert, Nr. 543 Deutscher Idealismus, Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 556 - Torquato Tasso, Nr. 557 - Ariosto, Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Mehr dazu in den Kursen Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 513 Schelling: Philosophie der Mythologie, Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 512 Novalis. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] 2. Tess. 2,3; 1. Kor. 15; siehe auch Anm. 2
[4] Vgl. Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Dostojewskij, Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 512 Novalis, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie sowie Science Review Letters 2017, 16, Nr. 787 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 33, p. N3
[5] Reinhold Neumann-Hodiz 1988: Peter und Katharina. Er begründete und sie mehrte den Ruhm des Russischen Reiches. In: Hans-Joachim Gyorffy, Rolf Hosfeld et al. Leningrad. Hamburg; siehe auch Anm. 4
[6] Siehe Anm. 4
[7] Zu Alexander von Humboldt siehe auch Kurse Nr. 550 Dostojewskij und Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[8] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 616 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 166, p. 20; p. 2; siehe auch Kurse Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[9] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 78, p. 1-2, 8, 18 und Kurse Nr. 550 Dostojewskij, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[10] "Ein christliches Ehepaar aus dem Iran bekam vom afghanischen Heimleiter in Berlin nicht einmal ein Bett, es musste lange auf dem Boden schlafen. Erst als diese demütigende Schlafstatt und ihre christlichen Gegenstände wie Bibel und Osterkerzen zerstört wurden, holte man sie dort heraus. Ein junger Konvertit wurde Tag und Nacht mit Korangesängen beschallt. Er versuchte schließlich, sich das Leben zu nehmen, und konnte nur knapp gerettet werden. Nicht nur einmal waren Flüchtlinge in ihrem Heim wieder mit jenen Peinigern konfrontiert, vor denen sie aus Irak oder Syrien geflohen waren. Man zwang einige sogar, sich Enthauptungsvideos anzuschauen und an den muslimischen Gebeten teilzunehmen. Frauen wurden verhöhnt und bedrängt, weil man sie auf dem Sklavenmarkt der IS-Hochburg Rakka gesehen hatte - unter den Vergewaltigten, Versklavten. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen." Lord Weidenfeld schrieb für die "Welt": „Vergesst die Christen nicht!“. Der Verleger hatte 2015 gemeinsam mit jüdischen Organisationen und Philantropen ein Netzwerk gegründet, um orientalische Christen zu retten. Es arbeitet inzwischen sehr erfolgreich mit christlichen Menschenrechtsorganisationen zusammen. George Weidenfeld appellierte an die Gesellschaften Europas, sich an dieser Aktion zu beteiligen, weil die Christenverfolgung vor allem im muslimischen Nahen Osten immer grausamer und effizienter werde. Wenig später, im April, diskutierten Berliner Verwaltungen und Politiker den „Masterplan Integration“. Es soll einiger nachdrücklicher Stellungnahmen und Interventionen von Menschenrechtsorganisationen bedurft haben, bis die in den vermeintlich „sicheren Hafen“ der deutschen Hauptstadt geflüchteten Christen in die Gruppe der besonders Schutzwürdigen aufgenommen wurden. Die Antidiskriminierungsstelle zählt diese bedrängte Minderheit ebenfalls nicht zu jenen Gruppen, die als „besonders vulnerabel und schutzwürdig“ eingestuft werden. Dieser erste Lagebericht endet mit dem Stichtag 15. April; "doch gingen seitdem immer mehr ausgefüllte Fragebögen ein, sagte gestern Markus Rode, Vorstand von Open Doors Deutschland. Die erschütternden Berichte aus dieser ersten deutschlandweiten Erhebung unter orientalischen Christen seien nur die Spitze des Eisberges. Denn vielen Schikanierten fehle inzwischen der Mut, sich noch einmal zu öffnen und zu reden. Sie hätten, sagten Vertreter der Hilfsorganisationen, schon zu oft erlebt, dass nichts geschehe, um ihr Leid zu lindern. Schlimmer noch: Sobald bekannt werde, sie hätten geredet, würden die Übergriffe noch intensiver, ohne dass Behörden einschritten. Fast alle Befragten gaben an, häufig von muslimischen Flüchtlingen angegriffen zu werden, aber auch muslimische Wachschützer sind beteiligt. Viele schwiegen zudem aus Furcht vor Verrat, aus Sorge um die Familien daheim, die dort untergetaucht sind. „In den Lagern herrscht ein Klima der Panik und der Angst“, sagt Markus Rode. ... Wie kann es sein, dass sich in unserem Land, wo Hunderttausende ihre „Willkommenskultur“ monatelang feierten und jeden angifteten, der auf offensichtliche Probleme hinwies, ein solcher Skandal ohne nennenswerte Gegenwehr entwickelte? Muss erst auch Deutschland im jährlichen Weltverfolgungsindex als unsicherer Ort für orientalische Christen auftauchen, bis sich etwas tut?" (Mönch, R. 2016: Vergesst die Christen nicht. Verkehrte Flüchtlingspolitik. Orientalische Christen werden hierzulande bedroht und verletzt – zum Teil von jenen muslimischen Peinigern, vor denen sie nach Deutschland geflohen sind. Frankfurt a.M.), siehe auch Anmerk. 1
[11] vgl.Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre; Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 78, p. 1-2, 8, 18
[12] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 630 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 207, p. 5; siehe auch Anm. 9
[13] Hofstätter, H.H. et al. 1975: Kunstgeschichte. Von den Anfängen bis zum frühen Mittelalter. Stuttgart
[14] vgl.Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre; Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 222, p. 7
[15] vgl.Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2015, Nr. 37, p. 4
[16] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 286, p. 2
[17] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 616 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 166, p. 20; p. 2; siehe auch Anm. 9
[18] Christus ist die Achse der Weltgeschichte. "Zu ihm hin und von ihm her geht der Gang der Dinge bis zum Weltgericht." Für eine empirische Betrachtung liegt die Achse der Weltgeschichte in den Jahrhunderten 800 bis 200 v.Chr. Es ist die Zeit von Homer bis Archimedes, die Zeit der grossen alttestamentlichen Propheten und Zarathustras, die Zeit der Upanischaden und Buddhas, von Laotse und Konfuzius.(Karl Jaspers)  Mehr dazu siehe Anm. 1 und Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 564 St. Augustinus. Akademie der Kunst und Philosophie
[19] Siehe Anm. 4
[20] Ebd.
[21] Science Review Letters 2017, 16, Nr. 824 und Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)/ Tessa Hofmann 2007: Christliche Minderheiten in der Republik Türkei, Wien; Dr. Tessa Hofmann, Dr. phil., Berlin; promovierte in Slawistik an der Freien Universität Berlin und ist freiberufliche Autorin oder Herausgeberin zahlreicher Publikationen zur Geschichte, Kultur und Gegenwartslage Armeniens und seiner Diaspora, zur Genozidforschung, sowie zu Minderheiten in der Türkei und im Südkaukasus; Hofmann, Tessa (Hg.) Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922. Münster 2004. (Studien zur orientalischen Kirchengeschichte. Bd. 32); Ders.:Der Völkermord an den Armeniern vor Gericht: Der Prozess Talat Pascha Berlin 1921  Wien: Gesellschaft für bedrohte Völker, 1985; Baum, Wilhelm: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten. Klagenfurt 2005; ders.: Die christlichen Minderheiten der Türkei in den Pariser     Friedensverhandlungen (1919-1923), Klagenfurt 2007; Kieser, Hans-Lukas; Schaller, Dominik J. (Hg.): Der Völkermord an den Armeniern und die Shoah. Zürich 2000; Reiss, Wolfram: Education for religious tolerance in the Middle East: Main conclusions and findings of a German research project on school textbooks in the Middle East. Oslo, 2004.
[22] Ebd.
[23] Ebd.
 
 


Hier kannst Du Dich direkt für den Fernkurs registrieren 
oder Mitglied der Akademie der Kunst und Philosophie werden 
Allgemeine Infos zu den Kursen

Registration form
How to support the Academy of Arts and Philosophy
More Info
 

Folge uns in den sozialen Netzwerken:

Kunst und Architektur der Renaissance | Gothische Kunst und Architektur | Romanische Kunst und Architektur | Byzantinische Kunst und Architektur | Perugino | Raffael | Albrecht Dürer | Botticelli | Girolamo dai Libri | Ghirlandaio | Defendente Ferrari | Borgognone | Pinturicchio | Piero della Francesca | Mantegna | Fra-Angelico | Jan van Eyck | El Greco | Correggio | Murillo

Miguel de Cervantes | William Shakespeare  | Sir Walter Scott | Plato | Aristoteles | Johann Wolfgang von Goethe | Friedrich Schiller | Friedrich HölderlinNovalis | Arthur Schopenhauer | Matthias Claudius | Johann Gottlieb Fichte | Friedrich Wilhelm Joseph Schelling | Georg Wilhelm Friedrich Hegel | Wladimir Solowjew | Fjodor M. Dostojewskij | Gottfried Wilhelm Leibniz | St.Thomas Aquinas | Johannes Scottus Eriugena | St. Augustinus | Meister Eckhart | Angelus Silesius | Dante Alighieri | Torquato Tasso | Ariosto | Calderón de la Barca | Rousseau | Walter von der Vogelweide | Wolfram von Eschenbach

Save Beecolonies | Natural Apitherapy Council
Api / Science Review Letters
Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Arts and Philosophy
Forschungszentrum Bienentherapie | Apitherapy Research Centre
Zentrum fuer wesensgemaesse Bienenhaltung



Copyright © 2012-2017 Akademie der Kunst und Philosophie
Letzte Bearbeitung:07.07.2017