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Kurs Nr. 635 Rogier van der Weyden 


1439 waren die ersten beiden von vier vielbewunderten und als Attraktion – zum Beispiel 1520 von Albrecht Dürer – aufgesuchten Gerechtigkeitsbildern für das Brüsseler Rathaus fertig. Das zweite davon trug als einziges überliefertes Bild Rogiers Signatur, mit der er sich als Bürger bezeichnete: „Rogerius weidenus civis pixit 1439“. Diese Bilder wurden 1695 zerstört und sind nur als Kopien auf einem um 1460/1470 gewirkten Wandteppich erhalten. Nikolaus von Kues führte in De visione Dei aus, Gott als den Alles-Sehenden könne man gleichnishaft erfassen mit einem Bildnis, dessen Angesicht durch feinste Malkunst den Eindruck erweckt, als ob es gleichsam alles ringsum betrachte. Als Beispiel nannte er unter anderem das „des hervorragenden Malers Roger in Brüssel auf einem sehr kostbaren Gemälde im Rathaus“
Rogier van der Weyden, by Jan Wierix, 1572

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Rogier van der Weyden, ehemals Rogier de le Pasture wird 1399/1400 in Tournai, damals zum Königreich Frankreich gehörende Stadt in Flandern, geboren; er stirbt am 18. Juni 1464 in Brüssel, damals Hauptstadt des Herzogtums Burgund. Er war ein flämischer Maler und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Altniederländischen Malerei. Im Oktober 1435 war Rogier mit seiner Familie in Brüssel ansässig. In einer Akte vom 2. Mai 1436 wurde festgehalten, dass er sich als Maler niedergelassen und das Amt des Brüsseler Stadtmalers übernommen hatte. Mit diesem Datum ist auch dokumentiert, dass Rogier nun statt des französischen Nachnamens „de la Pasture“ den ins Flämisch-Niederländische übertragenen Nachnamen „van der Weyden“ führte. [1]

In den Jahren 1436 und 1437 konnte er wie auch 1441 und 1459 Leibrenten erwerben, und zwar für sich, seine Gemahlin und seine beiden Ältesten. 1439 waren die ersten beiden von vier vielbewunderten und als Attraktion – zum Beispiel 1520 von Albrecht Dürer – aufgesuchten Gerechtigkeitsbildern für das Brüsseler Rathaus fertig. Das zweite davon trug als einziges überliefertes Bild Rogiers Signatur, mit der er sich als Bürger bezeichnete: „Rogerius weidenus civis pixit 1439“. Diese Bilder wurden 1695 zerstört und sind nur als Kopien auf einem um 1460/1470 gewirkten Wandteppich erhalten. Nikolaus von Kues führte in De visione Dei aus, Gott als den Alles-Sehenden könne man gleichnishaft erfassen mit einem Bildnis, dessen Angesicht durch feinste Malkunst den Eindruck erweckt, als ob es gleichsam alles ringsum betrachte. Als Beispiel nannte er unter anderem das „des hervorragenden Malers Roger in Brüssel auf einem sehr kostbaren Gemälde im Rathaus“ [2]

Rogier und die Mitarbeiter seiner Werkstatt fertigten nicht nur Tafelbilder an. Obwohl die wichtigsten Dokumente, die etwas darüber aussagen könnten, die Gemeinderechnungen Brüssels aus Rogiers Zeit als Stadtmaler, nicht mehr vorhanden sind, lässt sich die Vielfalt der üblichen Aufgaben beschreiben. Rogiers Malerbetrieb war zuständig für alle Arbeiten, bei denen etwas „in Farbe zu malen“ war. Das konnte beispielsweise die farbige Fassung von Skulpturen und Reliefs umfassen, auch das Bemalen von Möbeln und Rüstungen, von Wappenschilden, Wimpeln und Bannern, das Anfertigen von Dekorationen für religiöse und weltliche Schaustellungen und Feste sowie Inszenierungen von Huldigungen beim Einzug des Herzogs. Als Stadtmaler war Rogier nicht exklusiv an die Stadt Brüssel als Auftraggeber gebunden, sondern konnte beispielsweise auch Aufträge des reichen Bürgertums und des burgundischen Hofes ausführen. 1444 war Rogier so vermögend, dass er in Brüssel ein Haus in herrschaftlicher Lage kaufen konnte. Sein hohes soziales Ansehen spiegelt sich in seiner Mitgliedschaft in der zur Kirche Saint-Jaques-du-Coudenberg gehörenden Bruderschaft vom Heiligen Kreuz, der auch der burgundische Herzog und viele Mitglieder des Hofes angehörten. Er war ein Schüler von Robert Campin (1375-1444), einem flämischen Maler der Altniederländischen Malerei. [3]

Sein Ansehen als Maler zeigen auch zahlreiche Aufträge, die er von ausländischen Höfen erhielt. 1449 erwarb Leonello d’Este, Herzog von Ferrara, mehrere Gemälde Rogiers, so beispielsweise ein Triptychon mit einer Kreuzabnahme. In einer 1459 redigierten Sammlung von Biographien berichtete Bartolomeo Facio davon, dass Rogier („Rogerius Gallicus“) im Jubeljahr 1450 eine Pilgerreise nach Rom unternommen habe. In Genua will Facio ein erotisches Gemälde und am Hof in Neapel drei Leinwandgemälde mit Passiondarstellungen von Rogier gesehen haben. [4]

Von dem Humanisten Cyriacus von Ancona wurde Rogier in seiner Bedeutung gleich hinter Jan van Eyck eingereiht. 1460 schickte die Herzogin Bianca Maria Sforza von Mailand den Maler Zanetto Bugatto zu einer etwa zweijährigen Weiterbildung zu Rogier van der Weyden nach Brüssel. Dass Rogier außer Rom auch andere italienische Städte besucht hat, wird daraus geschlossen, dass sich in seinem Werk Eindrücke von der dortigen Malerei bemerkbar gemacht haben. So übernahm er beispielsweise von Fra Angelico einen bislang im Norden unbekannten Typus der Grablegung Christi, bei dem der tote Christus von Nikodemus in Kreuzesform präsentiert wird. Auch in Rogiers in der Galleria degli Uffizi verbliebenem Passionsdiptychon mit dem Gekreuzigten, Maria und Johannes aus der Zeit um 1460 wird ein Einfluss Fra Angelicos gesehen. Die radikale Reduzierung des Geschehens und der Ausstattung des fiktiven Raumes verweist auf Fra Angelicos Verspottung Christi aus dem um 1445/1450 geschaffenen Freskenzyklus im Kloster San Marco in Florenz. [5]

Vor allem in den letzten Lebensjahren unterstützte Rogier religiöse Institutionen wie die Armen von Sainte-Gudule, die Kartause von Scheut bei Brüssel und die von Hérinnes-lez-Enghien, in der sein Sohn Corneille lebte. Ein lateinisches Lobgedicht des Humanisten Domenicus Lampsonius unter dem Kupferstichporträt Rogier van der Weydens von 1572 befasst sich mit Rogiers Mildtätigkeit. Rogier van der Weyden starb am 18. Juni 1464 in Brüssel. Er wurde in der Brüsseler Kathedrale St. Gudule beigesetzt. Seine Werkstatt wurde von seinem Sohn Pierre van der Weyden weitergeführt. [6]
 

Anmerkungen

[1] Vgl. Science Review Letters 2020, 19, Nr. 1117 und Kurse Nr. 635 Rogier van der Weyden, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 568 Nicolaus Cusanus III, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.
[3] Ib.
[4] Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.
 
 





Rogier van der Weyden, Head of the Virgin, 1460, Musee du Louvre, Paris
 


Rogier van der Weyden, Maria Lactans, Thyssen, Madrid
 
 


Rogier van der Weyden, Maria Lactans mit den Heiligen
 


Meister von Frankfurt (1460-1533), Maria Lactans
 


Rogier van der Weyden, die lesende Maria Magdalena (Detail)
 
 


Ambrogio da Fossano detto il Bergognone 1453. - 1523, Madonna and child 1500/23, Olio su tavola (52,7 x 44,1 cm), Amsterdam, Rijksmuseum
 
 
 

Robert Campin, 1375-1444, St Barbara from the Werl Altarpiece 1438, oil on panel, detail, Museo del Prado
 
 


Rogier van der Weyden, El Descendimiento, Prado
 
 
 

Rogier van der Weyden
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DI. M. Thiele, President and international Coordinator
M. Thiele College of Beetherapy / Academy of Arts and Philosophy / Sciences

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Letzte Bearbeitung:04.12.2021