Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences

 


 

Kurs Nr. 560

Walter von der Vogelweide - Poet und Philosoph


Gottvater und Gottsohn, wir flehen:
Den rechten Geist herab uns schicke,
Daß er mit süßer Himmelsflut
Die dürren Herzen recht erquicke!
Unrechter Ding ist um und um
Die Christenheit so voll;
Liegt im Spital das Christentum,
Stehts nimmer, wie es soll!

"Dich und die Mutter räche, o heilger Jungfrau Kind,
An allen, die da euers  Erblandes Feinde sind,
Den Christen wie den Heiden sei nicht im Zorn gelind!
Es sind nicht nur die Heiden, die Ärgernis dir geben,
An allen räch dich, Heiland, die übel dir gesinnt.
Die Heiden sinds, die offen sich wider dich erheben,
Doch sie gestehn es frei, daß sie für dich nicht leben:
Viel schlimmer sind, die heimlich nach Heidenfreundschaft streben!" - Walter von der Vogelweide
 

 


 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Auch damals schon regierte das Gold oder Geld die Welt:

"Ich lenkte von der Seine bis an die Mur die Schritte,
Vom Po bis zu der Trave kenn ich der Menschen Sitte:
Die meisten kümmerts nicht, wie sie erwerben Gut.
Sollt ichs gewinnen so, dann kusch dich, hoher Mut!
Reichtum war stets begehrt, nur ging er nimmermehr
Der Ehre vor, doch heut schätzt man das Geld so sehr,
Daß mit Gewalt bei Frauen Gold vor die Ehre tritt.
Und spricht im Fürstenrate sogar bei Kaisern mit.
Weh dir, o Gut, du schufest des römischen Reichs Verfall,
Du bist nicht gut, denn Übe geht mit dir überall!"

"Den Köchen soll man raten,
Dieweil sie übel stehn zur Zeit,
Daß sie es nicht vergessen.
Den Fürsten ihren Braten,
Und wär es auch nur daumenbreit,
Reichlicher zuzumessen.
Verschnitten ward in Griechenland
Ein Braten einst von arger Hand,
Woraus viel Ungemach entstand;
Zu dürftig war der Braten.
Der König mußte vor die Tür,
Die Fürsten trafen neue Kür,
Wer nun verlor das Reich dafür,
Dem soll am Spieße nie ein Fleisch geraten." - Walter von der Vogelweide (1212)
 

Walter von der Vogelweide deutet auf ein Ereignis aus der byzantinischen Geschichte hin. Der Kaiser Isaak Angelus wurde 1204 vertrieben und das Kreuzheer – die arge Hand – das zur Befreiung des heiligen Landes ausgezogen war, plünderte auf das schamloseste Konstantinopel, und seine Anführer zerteilten das ganze Reich in größere und kleinere Stücke, was letztlich Konstantinopel so schwächte, dass die Türken es erobern konnten. [19]

Ähnlich wie Wolfram von Eschenbach steht Walter von der Vogelweide fest im christlichen Glauben an die Heilige Dreieinigkeit. Die Christlichkeit des Mittelalters führte zu der grossen kriegerischen Bewegung der Kreuzzüge. Jerusalem und Palästina, als die Landschaft Jesu Christi, sollten unter christlicher Herrschaft den christlichen Pilgern frei zugänglich werden. Dies führte zu Kämpfen mit den mohammedanischen Ländern, den sogenannten Heiden. Es entstanden Ritterorden, wie die Johanniter und Tempelritter. Nach dem ersten Kreuzzug taten sich mehrere Ritter unter der Führung des burgundischen Ritters Hugo von Payens zusammen zu einem Orden, der sich zur Aufgabe machte, die christlichen Pilger auf ihrem Weg durch Kleinasien zu schützen. Das Ordenshaus lag dort, wo einst der Tempel Salomos gestanden hatte. Daher nannten diese Ritter sich die Tempelritter oder Tempelherren. Danach hat Wolfram von Eschenbach die Bezeichnung "Templeisen" für die Gralsritter in seinem Parzival gebildet. Walter von der Vogelweide wurde zu seinem "Aufruf zur Kreuzfahrt" inspiriert: [1][19][21][22]
 

"Herr Kaiser, ich bin hergesandt
Als Gottesbot aus Himmelshand –
Ihr herrscht auf Erden, er im Himmel droben.
Er klagt, daß fern im Heiligen Lande
Euch, seinem Vogt, zu Schimpf und Schande
Die Heiden wider Gott und Christum toben.
An Gottes Stelle sollt ihr richten:
Sein Sohn, mit Namen Jesus Christ,
Vergilt es einst, das hieß er mich euch sagen.
Eilt, ihn euch zu verpflichten,
Er hält Gericht, wo er der Schirmvogt ist,
Und kämt ihr, selbst den Teufel zu verklagen!"
"Ihr Fürsten, die des Königs ihr gern entledigt ständet,
Folgt meinem Rat, wohl weiß ich, wie guten Rat man spendet,
Er sei noch tausend Meilen von Trani aus gesendet.
In Christi Land will ziehen der Held: wer ihm das wehret,
Der handelt Gott zuwider und aller Christenheit.
Drum laßt ihn ziehn, ihr Feinde, ganz ohne Fährlichkeit,
Vielleicht, daß er in Deutschland nie wieder euch beschweret.
Wenn er, was Gott verhüte, dort fällt, so lachet ihr,
Kehrt er zurück uns Freunden, von Herzen lachen wir.
Des Ausgangs harrn wir beide: nehmt diesen Rat von mir!" - Walter von der Vogelweide


Friedrich II. hatte bei seiner Krönung zu Aachen 1215 einen Kreuzzug gelobt, an dessen Ausführung er jedoch immer und immer wieder behindert wurde. Mehrmals verlängerte Honorius III. die Termine, doch seine Mahnungen wurden immer dringender. Im April 1220 hielt der Kaiser einen Reichstag zu Frankfurt, wo er die heftig widerstrebenden Fürsten durch einen Eid genötigt haben soll, das Kreuz zu nehmen. Diese Widerwilligkeit schildert dieser Spruch. Trani ist bei Bari am adriatischen Meer gelegen und war ein beliebter Abfahrtsort für die Kreuzfahrer. [19]
 

"Gott, dein dreieinig Wesen,
Das du dir auserlesen
Und das von je gewesen,
Wir preisen es dreifaltig,
Dreifach bist du einhaltig!

Dich, Gott, den hohen, hehren,
Den Ursprung aller Ehren,
Kann keine Macht versehren:
Er send uns seine Lehren!
Uns wußte zu verkehren
Den Sinn zu mancher Sünde
Der Fürst der Höllenschlünde.

Sein Rat und schwachen Fleisches Gier
Entfernten uns, o Herr, von dir.
Doch dieser beiden Widerstand
Zwingt deine sieggewohnte Hand
Um deines Heilgen Namens Ruhm;
Drum laß mit dir zum Siegertum
Auch unsre schwache Kraft sich heben
Zu treubeständgem Widerstreben,
Auf daß du seist geehret,
Dein Ruhm und Preis sich mehret;
Er aber sei entehret,
Der uns die Sünde lehret!

Er, der zur Sinnenlust uns jagt,
Liegt doch vor deiner Kraft verzagt,
Drum sei dir ewig Lob gesagt,
Wie auch der reinen Himmelsmagd,
Durch die Erlösung uns getagt
Im Sohn, der ihr als Kind behagt.

Magd und Mutter schaue
Der Christenscharen Not;
Dem blühenden Stabe Arons,
Dem jungen Morgenrot
Gleichst du, Ezechiels Tore,
Das keinem offen stand,
Durch das der Himmelskönig
Nur Aus- und Eingang fand.
Wie den Kristall die Sonne
Durchstrahlt, so rein und klar,
Gebar sie unsre Wonne,
Die Magd und Mutter war.

In hellem Brand
Ein Busch einst stand
Und ward nicht von der Glut verzehrt.
Sein Schmuck und Glanz
Verblieb ihm ganz,
Von Feuerzungen unbeschwert.
So blieb auch rein
Die Magd allein.
Die eine Jungfrau unversehrt
Des Kindes Mutter worden ist,
Ohn daß von einem Mann sie wüßt,
Und, was kein Menschensinn vermißt,
Den reinen Christ
Gebar, der uns bedachte.
Drum Heil uns, daß sie ihn gebar,
Der unsers Todes Tilger war!
Es wusch sein reines Blut uns klar
Von Sünden gar,
Die Evas Schuld uns brachte.

Vom hohen Thron
Des Salomon –
Bist du, o Frau, Gebieterin!
Balsamreichende,
Nie verbleichende
Perle du – vor allen Mägden
Magd und Königin!
Gottes Amme,
Du gabst dem Lamme
Den Leib zum Schreine,
Es lag der Reine
Sündlos darin!

Dem Lamm fürwahr
Gleicht offenbar
Der Mägdlein Schar,
Die sein nimmt wahr
Und folgt, wohin sichs kehret.
Das Lämmlein ist
Der wahre Christ,
Durch den du bist
Für ewge Frist
Erhöhet und geehret.
Nun bitt ihn, daß er uns verleiht
Um deinethalben Kraft zum Streit:
Sei uns mit Himmelstrost bereit,
So wird dein Lob gemehret!

Dir Magd, der unschuldreichen,
Dem Vließe zu vergleichen,
Das Gideon zum Zeichen
Gott selbst benetzt mit seinem Tau,
Es drang das Wort der Worte
Zu deiner Ohren Pforte,
Das dich von Ort zu Orte
Durchsüßet, süße Himmelsfrau!

Was aus dem Worte einst erstand,
Ist frei von Kindes Sinn und Tand:
Es wuchs zum Wort und ward ein Mann,
O schauet recht dies Wunder an.
Daß einen Gott, der ewig war,
Ein Weib nach Menschenart gebar;
Hier überwundert seine Macht
Die Wunder noch, die schon vollbracht.
Den Wundertäter trug ein Weib
In keuschem, unbeflecktem Leib
Wohl vierzig Wochen und nicht mehr
Ohn alle Sünde und Beschwer.

Nun bitten wir die beiden,
Die Mutter und das Kind,
Daß sie uns Heil bescheiden
So gut und rein sie sind.
Denn ohne sie kann keiner
Hier oder dort gedeihn –
Und leugnet dies uns einer,
Der muß wohl töricht sein.

Wie kanns geschehn, daß der gedeiht,
Der ohne Herzenslauterkeit
Zur Reue niemals war bereit?
Da Gott die Sünden nur verzeiht,
Wenn sie gereun zu jeder Stund,
Tief, tief, bis in des Herzens Grund!
Dem Weisen ward schon längst es kund,
Daß keine Seele wird gesund,
Die, von dem Schwert der Sünde wund,
Dem Reubekenntnis schließt den Mund.

Schwer wird uns nun die Reue;
Drum betet, daß der treue
Herrgott sie uns aufs neue
In unsre Herzen streue:
Der kann wohl harten Herzen geben
Wahrhafte Reu und reines Leben:
Drum sollte keiner widerstreben.
Wo er zerknirschte Reue weiß,
Da schmiedet er die Reue heiß,
Bis er das wilde Herze zähmt,
Daß es sich aller Sünde schämt.

Gottvater und Gottsohn, wir flehen:
Den rechten Geist herab uns schicke,
Daß er mit süßer Himmelsflut
Die dürren Herzen recht erquicke!
Unrechter Ding ist um und um
Die Christenheit so voll;
Liegt im Spital das Christentum,
Stehts nimmer, wie es soll!
Dürstend Begehren
Trägts nach den Lehren,
Die es von Rom gewöhnt gewesen!
Wer die ihm schänkte,
Es damit tränkte
Wie sonst, der brächt es zum Genesen.

Ihm brachte seiner Leiden Schar
Die arge Simonie fürwahr:
Nun steht es aller Freuden bar,
Und läuft Gefahr,
Will es den Schaden rügen.
Das Christentum, die Christenheit,
Wer diese zwei gleich-lang und breit
Zusammennähte in ein Kleid
Zu Lust und Leid,
Der will auch, daß wir trügen
In Christo christenliches Leben:
Da er zusammen uns gegeben,
Wollt er, daß nichts uns scheide.
Wer christlich nur mit Worten spricht
Und Christenwerke übet nicht,
Der ist wohl halb ein Heide.
Dies eine ist zumeist uns not:
Das Wort ist ohne Werke tot –
Gott schütz und fördre beide,
Und deck uns mild
Mit seinem Schild;
Sein Ebenbild
Hat er uns selbst geheißen.
Besänftge, Herrin, seinen Zorn,
Gottmutter du und Gnadenborn,
Schimmernde Rose ohne Dorn,
Laß deine Sonne gleißen!

Dich lobt die hehre Engelsschar,
Doch soviel Lob sie brachte dar,
Des Rühmens nie ein Ende war,
So oft es ward gesungen
Von Mensch- und Engelszungen,
und wo es auch erklungen,
Im Himmel und hernieden,
Denk des und gib uns Frieden.
Sieh gnädig auch auf unsre Schuld
und schenk uns milde Himmelshuld,
Auf daß dein Flehen dringet
Zu dem, der Gnade bringet,
Mit Hoffnung uns beschwinget,
Vergebung uns erringet,
Daß wir, die schwer mit Schuld beladen,
Mit deiner Hilfe rein uns baden
Im Quell beständger Reue
Um unsrer Sündenlast,
Die du nächst Gott, du Treue,
Nur zu vergeben hast!" - Walter von der Vogelweide

"Nie übler wars bestellt wohl ums Heil der Christenheit,
Die da uns lehren sollten, sind selbst voll Schlechtigkeit.
Verging sich Laieneinfalt derart, das wäre schlimm!
Ihr schamlos Treiben fordert heraus des Himmels Grimm.
Sie weisen uns gen Himmel und sind selbst Höllenbraten
Und sprechen zu uns listig: Euch wird das Heil geraten,
Lebt ihr nach unsern Worten, doch nicht nach unsern Taten!
Auch sollten wohl die Pfaffen keuscher als Laien sein,
Denn steht es wo geschrieben –   seis deutsch, seis auf Latein –
Daß sie zu Falle bringen 
Ein Weib mit ihren Schlingen?" - Walter von der Vogelweide
 
 

Das folgende "Kreuzlied" entstand wohl vor der Abfahrt nach dem heiligen Lande (28. Juni 1228) oder während der Fahrt selbst [19]: 
 
 "Vielsüße, wahre Minne,
Geleite schwache Sinne;
Bei deinem Anbeginne
Hilf, Gott, der Christenheit,
Der uns zum Heil gekommen,
Das Leid von uns genommen,
Der Waisen Hort und Frommen,
Hilf rächen dieses Leid!
Erlöser von den Sünden,
Dein Reich hilf uns begründen,
Mag uns dein Geist entzünden,
Wenn reuig Herz er fand.
Du hast dein Mut vergossen,
Den Himmel uns erschlossen,
Nun lösen unverdrossen
Wir gern das heilge Band!
Gebt hin, was euer eigen,
Gott wird sich hilfreich zeigen,
Er, der so manchen Feigen
Zur Hölle hat verbannt.

Dies kurze Leben schwindet,
Der Tod uns sündig findet:
Wer sich mit Gott verbindet,
Entgeht dem Höllenleid.
Für Not wird Huld gefunden,
Nun heilet Christi Wunden!
Sein Land wird bald entbunden
Von Not und allem Streit.
Laß, herrlichste der Frauen,
Uns deinem Beistand trauen;
Dein Sohn den Tod mußt schauen,
Dem er den Leib ergab.
Mag uns sein Geist durchdringen,
Daß wir die Heiden zwingen,
Die Taufe nie empfingen,
Auf daß sie schreckt der Stab,
Dem auch die Juden fallen.
Man hört ihr Schreien hallen
Und Lob dem Kreuz erschallen:
Wohlauf! erlöst das Grab!

Der Leib muß uns verderben,
Eh wir den Lohn erwerben.
Gott wollte für uns sterben –
Sein Trost ist aufgespart.
Sein Kreuz, mit Heil bewehret,
Hat unser Glück gemehret;
Wer sich von Zweifeln kehret,
Die Seele wohl bewahrt.
Du Leib, in Schuld vergessen,
Zeit ist dir zugemessen,
Allorts vom Tod umsessen,
So stehn wir ohne Wehr.
Ihr Christen, auf! von hinnen!
Der Hölle zu entrinnen,
Den Himmel zu gewinnen,
Ist keine Not zu schwer.
Gott will mit Heldenhänden
Uns seine Hilfe spenden,
Drum soll sich ostwärts wenden
Das heilge Kriegesheer.

Gott, steh uns treu zur Seite
Mit förderndem Geleite,
Bis uns nach all dem Streite
Der letzte Hauch entgeht.
Schütz uns vorm Höllenschlunde,
Daß wir nicht gehn zugrunde,
Uns allen ward ja Kunde,
Wie jammervoll es steht.
Das Land, das heilig-reine,
Ist hilflos und alleine,
Jerusalem, nun weine,
Wie dein vergessen ist!
Es drängen dich mit Schwere
Der Heiden stolze Heere;
Bei deines Namens Ehre
Erbarm dich, Jesu Christ,
Der Not, womit sie ringen,
Die dort den Bürgen dingen.
Daß sie nicht uns auch zwingen,
Verhüt in kurzer Frist!" - Walter von der Vogelweide
 

Wer das Christentum ernst nimmt, muss es verstehen und verteidigen, denn "Es drängen dich mit Schwere Der Heiden stolze Heere". Wer von seinem Geist durchdrungen ist, kann die Heiden, also Muslime, zurückdrängen: "Mag uns sein Geist durchdringen, daß wir die Heiden zwingen,
die Taufe nie empfingen, auf daß sie schreckt der Stab. ... Man hört ihr Schreien hallen und Lob dem Kreuz erschallen: Wohlauf! erlöst das Grab!" [1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14][15] [16][17][18] [19] [20][21][22][23] 

Das folgende Lied entstand nach der Ankunft in Palästina am 7. September 1228 [19]:
 

"Nun ich erst zufrieden werde,
Da mein sündig Auge sieht
Dieses Landes heilge Erde,
Die man singt und preist im Lied.
Ward erfüllt doch, was ich bat:
Nun ich schauen darf den Pfad,
Den der Herr als Mensch betrat.

Schöne Lande, segensreiche,
Hab ich wandernd viel gesehn,
Keins ist, das sich dir vergleiche;
Was sind Wunder hier geschehn!
Eine Magd ein Kind gebar,
Hehr ob aller Engel Schar –
Göttlich-menschlich wunderbar!

Hier ließ sich der Reine taufen,
Daß der Mensch gereinet sei;
Hier auch ließ er sich verkaufen,
Daß die Sklavenzeit vorbei.
Flöß uns je des Heiles Born
Ohne Kreuz und Speer und Dorn?
Heidentum, das ist dein Zorn!

Als er unser sich erbarmte,
Litt der Herrliche den Tod,
Daß sein Reichtum uns Verarmte
Ledig mache aller Not.
Daß sein Blut uns kaufte los,
Er, das Reis aus Jungfraunschoß,
Ist vor allen Wundern groß.

Nieder dann zum Höllenschlunde
Fuhr der auferstandne Sohn,
Ihm war Heilger Geist im Bunde
Mit dem Herrn im Himmelsthron.
Nur der einge Gott allein,
Wie ihn Abram schaute rein,
Löst dies Bündnis auf von drein.

Als er dort den Feind bezwungen.
Wie kein Kaiser siegt im Streit –
Hat er neu sich hergeschwungen
Auf die Welt zu Judas Leid.
Daß er ihre Hut durchbrach,
Mit den Jüngern ging und sprach,
Den ihr Haß mit Dornen stach.

Als der Retter hier verweilet
Vierzig Tage, ist er frei
Zu dem Vater hingeeilet;
Seinen Geist, der mit uns sei,
Hat er auf die Welt gesandt:
Heilig drum wird dieses Land,
Heilig aller Welt genannt!

Auf dies Land hat er gesprochen
Einen schreckensreichen Tag,
Da die Witwe wird gerochen
Und die Waise klagen mag
Mit der Armut ob Gewalt,
Die sie litten mannigfalt:
Wohl ihm dort, der hier entgalt!

Weltgerichtsbarkeits Gebrechen
Hemmt des Rechtes Gang nicht mehr;
Denn er selbst kommt Urteil sprechen,
Zieht der jüngste Tag daher.
Wen noch Schuld drückt, wehe dann,
Dort, wo der verlassne Mann
Pfand und Bürgen haben kann.

Laßt euch dessen nicht verdrießen,
Was gesprochen hat mein Mund,
Drum will ich die Rede schließen
Und zuletzt euch machen kund:
Was im Anbeginn erdacht
Gottes Herrlichkeit und Macht,
Hier beganns und ward vollbracht.

Christen schwören, Juden, Heiden,
Daß dies Land ihr Erbteil sei,
Diesen Zweifel wird entscheiden
Einst des Himmels heilge Drei!
Alle Welt dies Land begehrt,
Uns ward drauf ein Recht beschert,
Unser sei es unversehrt!" - Walter von der Vogelweide


Gegen die Feinde Christi [19]:
 

"Dich und die Mutter räche, o heilger Jungfrau Kind,
An allen, die da euers  Erblandes Feinde sind,
Den Christen wie den Heiden sei nicht im Zorn gelind!
Es sind nicht nur die Heiden, die Ärgernis dir geben,
An allen räch dich, Heiland, die übel dir gesinnt.
Die Heiden sinds, die offen sich wider dich erheben,
Doch sie gestehn es frei, daß sie für dich nicht leben:
Viel schlimmer sind, die heimlich nach Heidenfreundschaft streben!" - Walter von der Vogelweide
_________________
[1] Weitere Literatur in Kurs Nr. 559 Wolfram von Eschenbach. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Weitere Literatur in Kurs Nr. 545 Sittenlehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] Weitere Literatur in Kurs Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung. Akademie der Kunst und Philosophie
[4] Weitere Literatur in Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie
[5] Weitere Literatur in Kurs Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[6] Weitere Literatur in Kurs Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion. Akademie der Kunst und Philosophie
[7] Weitere Literatur in Kurs Nr. 512 Novalis: Christenheit oder Europa. Akademie der Kunst und Philosophie
[8] Weitere Literatur in Kurs Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion - Philosophy of Science, Art and Religion. Akademie der Kunst und Philosophie / Academy of Sciences
[9] Weitere Literatur in Kurs Nr. 510 Schelling: Philosophie der Offenbarung. Akademie der Kunst und Philosophie
[10] Weitere Literatur in Kurs Nr. 509 Philosophie der Freiheit. Akademie der Kunst und Philosophie
[11] Weitere Literatur in Kurs Nr. 513 Schelling: Philosophie der Mythologie. Akademie der Kunst und Philosophie
[12] Weitere Literatur in Kurs Nr. 552 William Shakespeare. Akademie der Kunst und Philosophie
[13] Weitere Literatur in Kurs Nr. 506 Wladimir Solowjew: Europa im 21. Jahrhundert. Akademie der Kunst und Philosophie
[14] Weitere Literatur in Kurs Nr. 505 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Akademie der Kunst und Philosophie
[15] Weitere Literatur in: Kurs Nr. 556 - Torquato Tasso. Akademie der Kunst und Philosophie
[16] Weitere Literatur in: Kurs Nr. 557 - Ariosto. Akademie der Kunst und Philosophie
[17] Weitere Literatur in: Kurs Nr. 558 - Calderon. Akademie der Kunst und Philosophie
[18] Weitere Literatur in  Kurs Nr. 554 Friedrich Hölderlin. Akademie der Kunst und Philosophie
[19] Weitere Literatur in: Kurs Nr. 560 - Walter von der Vogelweide. Akademie der Kunst und Philosophie
[20] Weitere Literatur in: Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance in Italien. Akademie der Kunst und Philosophie
[21] Weitere Literatur in Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur in Frankreich. Akademie der Kunst und Philosophie
[22] Weitere Literatur in Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles - gegen die Heiden. Akademie der Kunst und Philosophie
[23] Weitere Literatur in Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik
 
 


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Letzte Bearbeitung:21.03.2016