Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 589 

Albrecht Dürer 


Bei seinem Aufenthalt in Venedig 1506 schrieb Albrecht Dürer nach Nürnberg: „hie bin ich ein Herr, doheim ein Schmarotzer.“
Albrecht Duerer, Selbstportrait

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

In Venedig entsteht der moderne Künstler als Unternehmer. Albrecht Dürer war verblüfft über die Wertschätzung, die den Künstlern in Italien entgegengebracht wurde. Bei seinem Aufenthalt in Venedig 1506 schrieb er nach Nürnberg: „hie bin ich ein Herr, doheim ein Schmarotzer.“ Tizians Arbeitsweise schlägt ein neues Kapitel auf. "Ausgebildet in der Werkstatt Giovanni Bellinis, dem Staatsmaler der Republik Venedig, arbeitet er für die Höfe von Ferrara und Mantua, wo Kaiser Karl V. bei seinem Besuch auf den Künstler aufmerksam wird. Es folgen Aufträge seitens des Herzogs von Urbino. Als Porträtist wird Tizian bald in ganz Europa geschätzt; zu seinen Kunden gehört eine Klientel, die sich militärisch auf Schlachtfeldern trifft, wie der französische König François I., Erzrivale des Kaisers. Der internationale Stil der venezianischen Renaissance fördert, jenseits strittiger Hegemonialinteressen der Mächtigen, ein Geschmacksmonopol in der Hand weniger Künstler. Tizian ist einfach zu beliebt, um nur einem Herrn dienen zu können. Er betreibt seine Werkstatt in Venedig, das er nur zeitweise verlässt, um mit den Auftraggebern in Kontakt zu treten. 1548 weilt er in Augsburg, wo der Kaiser den Reichstag hält und der Maler die Porträtsitzungen für die teilnehmenden Würdenträger. So verkörpert Tizians Kunst das historische Apriori einer Epoche, Inbegriff ästhetischer Distinktion seiner Zeit, erhaben über das politische Tagesgezänk seiner Porträtierten." [1]

Der entscheidende Unterschied zu Florenz ist kultursoziologischer Natur. Raffael und Michelangelo waren Hofleute, die ihre besten Werke für den Papst ausführten. Die Ausmalung der Stanzen, das Julius-Grabmal, die Kuppel des Petersdoms sind standortgebundene Werke. "Die Venezianer arbeiteten hingegen für den Markt. Gewiss, Freskomalerei war nicht ratsam in der Lagunenstadt mit feuchtem Klima, in deren Pfahlbauten sich das Salz in die Wände frisst. Aber Öl auf Leinwand ist das geeignete Medium für bewegliche Luxusware." [2]

2019 wird der 450. Todestag von Pieter Bruegel dem Älteren (1525/39 bis 1569) gefeiert. Doch Brüssel, Bruegels letzte Wahlheimat, stellt seine Werke lediglich in einer digitalisierten Version aus und erweist stattdessen mit der weltweit ersten umfassenden Werkschau seinem Vorgänger Bernard van Orley (1488 bis 1542) die Ehre. Der in Brüssel geborene und sein Leben lang dort arbeitende Bernard van Orley hat wie kaum ein anderer Künstler das künstlerische Erscheinungsbild der Stadt während der Regierungszeit von Karl V. geprägt. Als Hofmaler der Statthalterinnen Margarete von Österreich und Maria von Ungarn malte er zahlreiche Porträts, religiöse und mythologische sowie Jagd- und Kriegsszenen. Insbesondere entwarf er für den Hof große Bildzyklen für Tapisserien oder Glasfenster. [3]

Ein besonderes Verdienst Bernard van Orleys Arbeiten liegt darin, dass er die Erneuerungen der italienischen und deutschen Renaissance in die mittelalterliche flämische Tradition einführte – und das, obwohl er selbst Italien niemals bereiste. Bereits hier zeigt sich der Unterschied zu seinem Landsmann Bruegel d. Ä., der das Land von 1552 bis 1554 bereiste, jedoch ungeachtet seiner Kenntnis der italienischen Renaissance weitgehend der flämischen Tradition treu blieb. Van Orley hingegen verdankt sein Wissen über die Renaissance vor allem zwei Ereignissen: dem Besuch Albrecht Dürers in Brüssel, der Anlass für einen intensiven persönlichen Ideenaustausch war, sowie der Begegnung mit den Tapisserien von Raffael, die in den berühmten Tapisserie-Werkstätten in Brüssel hergestellt und dort von Van Orley studiert wurden. Mit seinen ersten religiösen Werken, die für verschiedene Brüsseler Kirchen angefertigt wurden, wurde er schnell über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, Aufträge in Marchiennes, in Veurne und in Antwerpen folgten. Vor allem die Gegenüberstellung dieser Tapisserie mit Van Orleys gemalten Porträts von Mitgliedern des Habsburger Hofes
verdeutlicht die faszinierende Detailgetreue der dargestellten Personen wie auch die Genauigkeit der Naturbeobachtungen, die von Albrecht Dürer zur Perfektion gebracht wird. Brüssel war Anfang des sechzehnten Jahrhunderts für seine aus wollenen, silbernen und goldenen Fäden gewebten Tapisserien berühmt, die ob ihrer materiellen Kostbarkeit sowie ihrer technischen und künstlerischen Qualität damals ein entscheidender Antriebsfaktor für die lokale Wirtschaft waren. Auch wenn Van Orleys frühe Werke der mittelalterlichen flämischen Bildkomposition verpflichtet sind, werden vor allem in ihren architektonischen Elementen bereits erste Einflüsse der Renaissance sichtbar. [4]

1518 wurde Van Orley Hofmaler von Margarete von Österreich. Seine Porträts prägten in der Folge das öffentliche Bild der Statthalterin und wurden vielfach kopiert. Das kosmopolitische Milieu am Habsburger Hof ermöglichte ihm den Kontakt zu Künstlern wie Dürer, Jan Gossaert oder auch Tommaso Vincidor, einem Schüler Raffaels, der dessen Tapisserien er überwachte. Raffaels Tapisserie der Apostelgeschichte, die von Papst Leo X. 1514/15 für die untere Wandzone der Sixtinischen Kapelle in Auftrag gegeben und zwischen 1517 und 1520 in der Brüsseler Werkstatt Pieter van Aelsts hergestellt wurde, bildet im nordalpinen Europa sein wohl einflussreichstes Werk. [5]

Raffaels Einfluss zeigt sich in Dürers Werken und in Van Orleys Werken ab 1522. So zeugt etwa die einfache, klare Komposition mit wenigen monumentalen Figuren in „Christus im Garten Gethsemane“, Teil des vierteiligen Tapisserie-Zyklus der sogenannten „Quadratischen Passion“, vom Einfluss des italienischen Renaissancekünstlers. Van Orleys neuer Stil fokussierte einzelne zentrale Szenen, verband die Menschen mit der Landschaft und zeigt eine bis dahin ungekannte Form von Tiefe. Ebendiese einfache Komposition und die Konzentration auf wenige Figuren zeichnen auch das Werk Dürers aus. Dürer besuchte Brüssel 1520, und Van Orleys Werkgenese belegt den regen Austausch der beiden Künstler. [6]

Das Hauptwerk Van Orley, ein Wandelaltar mit „Hiob und Lazarus“, verdeutlicht das neue Selbstbewusstsein des Künstlers. Auf dem gemalten Boden steht in lateinischer Schrift: „Der Brüsseler Künstler Bernard von Orley machte dies am 4.Mai 1521“. Van Orley entwickelte hier seinen Stil weiter, indem er seine monumentalen Figuren in dramatische Szenen überführte. Die Komposition des gläubigen Hiob, der durch verschiedene Katastrophen von Gott getestet wird, atmet mit ihren robusten Figuren, dramatischen Posen und Architekturelementen den Geist der italienischen Renaissance des späten Raffael. [7]

Das Rosenkranzfest von Albrecht Dürer ist wohl eines der bekanntesten und wertvollsten Kunstwerke überhaupt. Dürer malte sich selbst auf diesem Bild als einen ganz hinten rechts vor einem Baum stehenden, extravagant gekleideten jungen Mann. Dieser beobachtet das Geschehen vor ihm und hält dabei eine Urkunde in seiner Hand, auf der Dürer seine Signatur platzierte. Über der in der Mitte unter einem Baldachin sitzenden Madonna mit dem Jesuskind schweben zwei Engel. Sie sind gerade dabei die Gottesmutter zu krönen. In der Menschenversammlung um sie herum knien der Papst zu ihrer Rechten und der Kaiser zu ihrer Linken. Der heilige Dominik erteilt den frommen Menschen gerade seinen Segen. Das Gemälde entstand 1506 in Venedig. Dürer malte es im Auftrag deutscher Kaufleute als Altarbild für die Kirche San Bartolomeo. In der ganzen christlichen Welt brandete Jubel auf, als man von dem Sieg von Lepanto gegen die Osmanen hörte. Der 7. Oktober wurde als das Fest “Maria vom Siege” gefeiert. Später wurde es in das “Rosenkranzfest” umbenannt. [8]
 
 

Anmerkungen 

[1] Ib; zu Albrecht Dürer, Giovanni Bellini, Tizian vgl. Kurse Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 586 Tizian. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Ib.; zu Raffael vgl. Kurs Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum. Ib.
[3] Science Review Letters 2019, 18, Nr. 1008 und FAZ 2019, Nr. 95; zu Bernard van Orley vgl. Kurs Nr. 603 Bernard van Orley
[4] Ib.; zu Renaissance-Malern vgl. Kurse Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Ib.
[5] Ib.
[6] Ib.
[7] Ib.
[8] Zum Rosenkranzfest vgl. auch Kurs Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Ib.
 

Zur Philosophie und Kulturgeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas: Summa Theologica I., Nr. 502 St.Thomas Aquinas, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas Aquinas, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 




Durer, Study of Hands, 1506
 


Dürer, junger Hase
 
 


Albrecht Durer, Selbstportrait 1498, 52x41 cm, Prado, Madrid
 


Albrecht Dürer, Pfingsten (Die Friedenstaube), Holzschnitt, ca. 1510,   Hamburger Kunsthalle
 
 


Albrecht Durer, Selfportrait at 13, 1484, Albertina, Vienna Austria
 


Albrecht Duerer, Rosenkranzfest
 
 
 

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Letzte Bearbeitung:24.06.2019