Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 537 

IT - Philosophie 

Philosophie für IT-Spezialisten wie Security SpezialistInnen, Cloud-ArchitektInnen, Data-scientists, IT-ArchitektInnen, AnwendungsentwicklerInnen, DatenbankadministratorInnen, SystemanalytikerInnen, Business-analysten, TestmanagerInnen, User-supporter


Dieser Kurs richtet sich an alle, denen die Philosophie eines Stephen Hawking, Bertrand Russell oder Luciano Floridi zu wenig ist

Denktraining statt Fehler im Denken. Für Manager und "High Potentials"


 

 
 
 
 
 

 

IT - Philosophie
Dieser Kurs eignet sich sowohl für Europäische und Amerikanische Wissenschaftler, als auch für Eurasische Wissenschaftler

Aus dem Inhalt:

Wenn Rechner sagen, was wir lernen sollen, werden Professoren oder Lehrer dann überflüssig? "Was machen die Professoren noch im Hörsaal?" Der Anglist Jürgen Handke von der Uni Marburg ist überzeugt, in einer nicht zu fernen Zukunft, wenn Studenten von "allwissenden" Avataren unterrichtet würden, könnten Professoren überflüssig werden. Anders als bei uns steht in den Vereinigten Staaten, in Asien oder Südamerika in der Bildungsdebatte schon länger ein Thema im Mittelpunkt: die Digitalisierung. Ein Zentralrechner, der durch Datenanalyse jedem einzelnen Schüler über Nacht das Curriculum für den nächsten Tag vorschlägt. Universitäten, die für ihre Studenten passende Fächer ermitteln, inklusive der voraussichtlichen Abschlussnoten. Firmen, die inzwischen auf zwanzigminütige Computerspiele mehr geben als auf Lebensläufe und akademische Abschlüsse, wenn es um die Besetzung von Stellen geht. Manche sprechen schon von einer "digitalen Kolonisierung". [9]

Immer noch aktuell: heutige Wissenschaftler und Philosophen, besonders IT-Philosophen sind vielfach eigentlich nichts anderes als "Schutzredner der Erbärmlichkeit" und können durchweg als "geistig blind" bezeichnet werden. [4][6][7][8]
 

"Und so überreden sie sich denn durch den Beifall anderer Blinden unterstützt, die wiederum auf den ihrigen sich stützen, zu der Annahme , es gebe überhaupt gar kein geistiges Licht, und keine übersinnliche Welt; jedoch mir den stets fortdauernden geheimen Widerspruche ihres Gewissens, und mit ängstlicher Furcht, die Sache möchte sich doch anders verhalten, und die gute Meinung, die sie von sich selbst aufrecht erhalten wollen, möchte getrübt werden. Drum werden sie erbittert , und erbossen sich allemal, wenn jene für sie offenbar verkleinernde Behauptung, dass es doch ein geistiges Licht gäbe, von neuem ausgesprochen, und wiederholt wird. Diese soll ja nicht gehört, noch ruchbar werden und ja nicht geglaubt; denn wenn sie allgemein würde, so würden sie ja mit ihrem tiefen Leichtsinne, und ihrer innern Zerflossenheit, ihrer Oberflächlichkeit in allen Dingen, ihrem durchaus ungöttlichen Sinne, nicht mehr gelten." [4]


Der Hausphilosoph des Silicon Valley, oder auch "Google-Philosoph" genannt, Luciano Floridi, skizziert in seinem Buch „The Ethics of Information“ eine neue Perspektive auf die Ethik in dieser veränderten Realität. Nicht mehr nur Lebewesen, sondern jedem Träger von Information müsse hier moralischer Wert zugeschrieben werden. Das klingt nicht nur nach einem Relativismus, sondern ist es auch. Die Welt des Computers ist für ihn eine reale Welt im Gegensatz beispielsweise zur geistigen Welt.  [1][2][3][4][5][6]
 

"Prozesse und Beziehungen sind genauso physikalisch wie Objekte. Der Unterschied ist, dass wir nicht mehr über den Kreisverkehr reden, sondern über die Straßen, die den Kreisverkehr bilden. Es ist ein Irrtum, auf dem Gegensatz zwischen digital und analog zu beharren. In Wahrheit gibt es keine klare Trennung zwischen dem Realen und Analogen auf der einen Seite, und dem Virtuellen und Digitalen auf der anderen. Eine aufrichtige Online-Freundschaft kann echter sein als eine falsche in der „realen" Welt; ein Cyber-Angriff oder ein digitaler Raub sind so real wie etwas nur sein kann. Wir brauchen eine neue Definition der Realität, eine post-Newtonsche, und ich habe die Möglichkeit der Interaktion als Kriterium vorgeschlagen: Kann man mit etwas interagieren, dann ist es in diesem Kontext real, unabhängig davon, ob es ein Symbol auf dem Bildschirm ist, oder ein Kieselstein auf der Straße. Dementsprechend sind Geister und Engel nicht real, weil es unmöglich ist, mit ihnen zu interagieren. Datenbanken und Monster auf dem Bildschirm sind real, weil man es kann." [1]


Die Macht autonomer Algorithmen und die immer dichtere informationelle Vernetzung, glaubt Floridi, Forschungsdirektor des Oxford Internet Institute, verändert unser Verhältnis zur Welt nicht nur an der Oberfläche. Für ihn sind wir auf dem Weg in eine Infosphäre, die wir nicht nur mit Tieren und Pflanzen, sondern auch mit Maschinen teilen. In dieser Infowelt wird unser Bild von uns selbst auf den Kopf gestellt. Das Etikett „Google-Philosoph“ haftet an Floridi, seit ihn der Konzern vor einem Jahr in eine achtköpfige Expertengruppe berief, die ihn bei der Auslegung jenes Urteils beraten sollte, das als „Recht auf Vergessen“ bekannt wurde. Der Europäische Gerichtshof hatte der Suchmaschine im Mai letzten Jahres das Recht entzogen, innerhalb Europas zu persönlichen Informationen von Privatpersonen zu verlinken, wenn diese als fehlerhaft und unangemessen eingestuft werden. Über Nacht wurde Google vom bloßen Informationsvermittler, als der es sich gern darstellt, zu einer juristischen Instanz, die zwischen Meinungsfreiheit und Privatsphäre abwägen muss. [1]

Seit 2013 ist Floridi nun der Forschungsdirektor des Oxford Internet Institute. Fünfunddreißig Wissenschaftler befassen sich dort mit den sozialen und politischen Auswirkungen des Internets. Ihre Arbeit ist interdisziplinär, Ökonomen, Soziologen und Geographen forschen gemeinsam, verfassen vor allem empirische Arbeiten. Er ist für die Theorie zuständig. In seinem Buch „Die vierte Revolution“ positioniert Floridi die
Menschheit an der Schwelle zu einer neuen Epoche, der Zeit nach der Turing- oder der Informations-Revolution. Mit den Fähigkeiten der digitalen Technologien konfrontiert, betrachten wir uns, so Floridi, ein weiteres Mal mit anderen Augen. Früher benutzte man ein Werkzeug, um etwas anderes zu bauen. Heutige Computersysteme agieren autonom und kommunizieren nur noch miteinander. Der Mensch bleibt außen vor. Längst übersteigt die Zahl untereinander vernetzter Geräte die der Menschen auf dem Planeten. Der einzelne Sensor ist nichts, erst im Netzwerk gewinnt er Bedeutung. Floridi glaubt, dass wir die Welt nicht länger als Ansammlung von Dingen betrachten müssen, die in einer Ursache-Wirkung-Beziehung zueinander stehen, sondern als Geflecht von Kräften. Die einzelnen Objekte und das Individuum treten zurück: „Welcome to the real world!“ [1]

Stephen Hawking rät der Menschheit gar zur Flucht ins all, bevor die KIs die Kontrolle über die Erde an sich reissen. Floridi kritisiert sogar Hawking: 
 

"Gefährden sie die menschliche Kontrolle über die Erde? Nein. Diese ganze Debatte über KIs, die die Weltherrschaft an sich reißen, ist Science Fiction und im besten Fall naiv. Im schlimmsten Fall steht dahinter der suspekte Versuch, die Menschen hinter den Maschinen aus ihrer Verantwortung zu entlassen." [1]


Ein neues Denken ist tatsächlich erforderlich, nur kommt es Floridi nicht in den Sinn:
 

"Ich wäre nicht überrascht, wenn man in hundert Jahren zurückblicken und sagen würde: Hier gab es wirklich einen Bruch in der Kontinuität. Die Gleichförmigkeit zwischen den 1960er, 70er, 80er und 90er Jahren ist viel stärker als die zwischen den 80ern und 2020. Wir haben eine Schwelle überschritten und dieser Schritt erfordert ein neues Denken." [1]


Stattdessen teilt Floridi "die Schläfrichkeit einer guten Milliarde Facebook-Nutzer, die die ökonomische Ausbeutung ihrer sozialen Person schulterzuckend hinnimmt." Auch sein Reputationsmanagement in "die 4. Revolution" setzt nur an der Oberfläche an. Es sieht alles aus wie ein "eigentümliches Prinzip seiner Zeitfüllung" [1][8]
 

"Eine leere Zeit, ohne Leben, Wollen und Tun. Dies Phänomen, ist Gleichgültigkeit, Erstorbenheit für das Gute." [8]

§ 90 des Telekommunikationsgesetzes - Bundesnetzagentur verbietet "smartes" Spielzeug

Die Bundesnetzagentur hat nun in Deutschland nicht nur die Herstellung, die Einfuhr und den Vertrieb, sondern auch den Besitz des Produktes "My Fried Carla" untersagt. "Wer die Puppe gekauft hat, muss sie zerstören und einen Nachweis an die Bundesnetzagentur senden. Die Puppe gilt als verbotene Sendeanlage nach § 90 des Telekommunikationsgesetzes, weil sie ein Spionagegerät ist." Letztes Jahr ist die Behörde gegen 70 Organisationen vorgegangen, die ähnliche Geräte verkauft haben. 
[10]
 

Dieser Kurs richtet sich an alle, denen die Philosophie eines Stephen Hawking, Bertrand Russell oder Luciano Floridi zu wenig ist.

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[1] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 639 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 232, p. N4; Nr. 235, p. L22
[2] Vgl. Kurs Nr. 532 - Philosophie der Wissenschaften. Akademie der Kunst und Philosophie
[3] Vgl. Kurs Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung. Akademie der Kunst und Philosophie
[4] Weitere Literatur in Kurs Nr. 543 Deutscher Idealismus. Akademie der Kunst und Philosophie
[5] Vgl. Kurs Nr. 533 Aristoteles - Philosophy of Sciences. Akademie der Kunst und Philosophie
[6] Weitere Literatur in Kurs Nr. 541 Europäische Philosophie. Akademie der Kunst und Philosophie
[7] Vgl. Kurs Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[8] Vgl. Kurs Nr. 545 Sittenlehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[9] Science Review Letters 2015, 14, Nr. 648 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015, Nr. 256, p.N4; Nr. 259, p. 13
[10] Vgl. Kurs Nr. 537 IT-Philosophie sowie Anm. 7 und Science Review Letters 2017, 16, Nr. 782 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 42, p.22
 
 

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Letzte Bearbeitung:20.02.2017